Samstag, 14 Februar 1903 153. Jahrg. fr1(firtiTt tägNch mit Ausnahme bei Sormta-S. Ti ,Sießex ^omtlienblätter** werden dem Anzeiger rsierma wöchentlich betgelegt. Der QefRfAe Landwfff" erscheint moncultch einmal. Gießener Anzeiger Berantivorttich för den aflgfmrt—w INU P. Wiltko. tüt den Anzeigenteil: t V«L Rotationsdruck und Verlag der Vrü hltche» UntverftlätSdrucketei (Pteffch (fctbenk •wbet General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Sieben. <ätc arbeiteten. Ta ' dem Äonfckiionsarbeiterstrikc. Warum haben Sie diese Srrikes nicht da hat meine Partei oder der Ausgebeuteten gehörte. gar nicht den Willen, bie Lage der Arbeiter zu bessern. Mari Marx men lassen, so daß er jetzt die Miquelsche Steuerreform dort ein Zufuhren beschäftigt ist. Aber zuerst da§ Kapital. Was ist überhaupt Kapital? chulcn lehren? Man lobt die Verhältnisse in Frankreich. dem Staate der Gleichheit hat man den Arbeitern die politische die Sozialdemokraten haben von Wir: Und nun versetzen Sie (Heiterkeit.) Zu Gunsten einer möglicher Weise sumach- ertoägen, wie man der Sozialdemokratie, welche die Welt zu einer rn dem Galeere machen will, in der die Menschen vielleicht gut gefuttert werden, aber ohne Willen und Freiheit sind, — wie man dieser daß der Heiterkeit.) staat hinein. zu rechnen. Wir wissen aber in diesem Augenblick unsere Schuldigkeit zu thun. Man muß m- Besonnenheit vorgehen. Tie englische Aristokratie har die Führung in der Sozialreform übernommen; daher hat sich dort Alles so gesund und friedlich entwickelt. Allerdings ist in England auch der Umstand forderlich gewesen, daß dort ganz den, empfindet. abe sie ist stolz, zu stehen. der Firma hat schon allein auS den Arbeiterbeiträgen einen Ueber- schuß von über 100 000 Mk. Die Zuschüsse der Firma kamen überhaupt nicht in Anrechnung. Die Wohlfahrtscinrichmngen der Firma sind nur eine Fessel für den Arbeiter, um ihn festzuhalten. Die Lohnlisten imponiren uns nicht, die sind so ausgestellt, daß die hohen Löhne der Werkmeister und Vorarbeiter mit darin sind, und in Folge ein Wahlrecht besteht, daS auf dem Haushaltungsvorstand sich aufbaut, während oei uns das allgemeine Wahlrecht besteht, daS die Leidenschaften aufwühlt. (Ahal Ahal bei den Soz.) Sie wisien, ich bin fein Gegner des allgemeinen Wahlrechts. Ich halte es für gut, weil durch den erregten Kampf auch die Wahrheit gefördert wird, die Symptome der Krankheit früher erkannt werden, so daß eine Heilung rechtzeitig vörgeiwmmen werden kann. Der Vorwurf, den man mir hier gemacht hat, daß ich das Koalitionsrecht der Arbeiter angetastet hätte, ist eine infame Verleumdung. Tas habe ich nie gethan. Meine Arbeiter wählen mich nicht, weil sie unter einem Drucke stehen, sondern sie wählen mich, weil sie eine echt vaterländische Gesinnung haben. In der ganzen Psalz ist ein solches Vaterlandsgefühl, daß dort für Sie nichts zu holen ist. Ich muß Sozialrcform zu Grunde gegangen ist! Nicht ßurüdgegangen, nein, gestiegen ist der Unternehmerprosil, seit wir die Sozialreform haben. Und wie werden die armen Arbeiter, die eine Rente beziehen, durch die Berufsgenossenschasten chikanirt! Ich kenne Leute, die sich das Leben nehmen wollten, weil sic das nicht mehr aushalten konnten! Man frage nur einmal unsere Arbeitersckretariatc, die sich mit den Rentenstreitigkeiten befassen! Herr Stöcker hat von dem enormen Prosit einer Bäckereigenossenschast gesprochen. Ich kenne diese Sache nicht genau, und cs ist wohl etwas viel verlangt, daß man Herrn Stöcker so ohne Weiteres glauben solle: er nimmt es ja bekannrlich mit der Wahrheit nicht so genau . . . Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen einem Mitglied dieses Hauses diesen Vorwurf nicht machen. Ich bitte Sie, sich in Ihren Acußeningen zu mäßigen. Abg. Albrecht (fortfahrend): Jene Genossenschaft kenne ich nicht genau. Uebrigens: offiziell sozialdemokratische Gcnosscn- crer Fehler war die Versfaallichung der der Rede des Staatssekretärs habe ich . Versammlung, die unter republikanischen Emblemen tagte, in Verbindung träten, denn e§ ist selbstverständlich, daß unter solchen Umständen jedes commercium der Regierung unmöglich ist. Unser öffentliches Leben dreht sich um zwei Pole: auf der einen Seite die sozialistische Bewegung, auf der anderen die „ftaatSgcfäfv nch" ausgeschmückt ist. Ter Saal des Gewerkschaftskongresses in Stuttgart war auch mit rothen Fahnen geschmückt, auch befanden sich dort Büsten von Marx, Engels und Lassalle, und trotzdem waren Regierungsvertreter anwesend, ohne daß sie Schaden an ihrer Seele genommen hätten, und ohne daß die rothe Farbe abgefärbt hätte. Würtembergischer Ministerialdirektor von Schicker: Der Vorredner hat behauptet, daß auf dem Stuttgarter Gewerkschaftskongreß der Saal mit rothen Fahnen geschmückt war und gleichwohl Regierungsvertreter den Verhandlungen beigewohnt hätten. Ich erkläre, daß diese Annahme irrig ist. Rothe Fahnen waren allerdings Anfangs ausgesteckt, sie wurden aber später auf Wunsch meiner Regierung entfernt Die Leitung war rücksichtsvoll genug, diesem Wunsche nachzukommen und nicht etwa die Regierungsvercreler zu zwingen, sich aus dem Saale zu entfernen. Die Büsten von Marx, Engels u. s. w. waren allerdings aufgestellt; sie wurden aber auch gebung. Ich möchte Ihnen (zu den Sozialdemokraten) dringend rathen: Wenn Sw ehrlich Arbeiterinleressen vertreten wollen, so vermeiden Sie es, die Frage der Arveiterpolitik zu verquicken mit allgemeinen, sehr gefabrüdjen politischen Fragen. Tas Staatsoberhaupt eines republikanischen Staates, das mir die Ehre einer Audienz gab, sagte nur: „Die deutsche Sozialpolitik wild Europa revolutiomren, revolutroniren im Sinne einer höheren Kultur!" Tiefes Wort glaube idi, ist wahr, und darin liegt die Bedeutung der bcutidjen Sozialresorm. (Beifall.) Abg. Eckart (südd. Vp.) nimmt die BaugewevlSgenossenschaften gegen die Angriffe von sozialdemokratischer Seite m Schutz, diese Genossenschaften hätten s:els Alle» für die Arbeiter gethan, wozu fu verpflichtet wären. nicht beanstandet, und ich wüßte auch nicht, weshalb dazu ein Anlaß vorliegen sollte. Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (nat.-lib.) erklärt, et habe sich schon viel ftüher um den Heimarbeiterschutz gekümmert, als die Sozialdemokratie. Er verbreitet sich sodann über die Wohlfahrts- einrichtungcn. Er wisie sehr gut, daß diese nur einen Theil der Arbeiterfürsorge bilden. Aber sie seien nun einmal eine Noth- wendigkeit geworden und so verwachsen mit der Industrie, daß sie bereits sämmtlich unter der Leitung der Arbeiter sich befinoen. Redner kommt sodann auf den Zolltarif zu sprechen und betont, daß die Brodprcise nicht mit den Komzöllcn zusamenhingen: da- ergebe die Statistik. Uebrigens haben die Sozialdemotraten in der Caprivi-Zeit den „Brodwucher" von 3,50 DU. ja ganz munter mit- gemacht. Herr Albrecht hat auch von der Stellung der Akademiker (Große Heiterkeit.) Kapital ist der Inbegriff sämmtlicher Hilfsmittel, die zur voll und ganz entnommen, daß auch er voll und ! Mangel an juridischen Arbeiterorganisationen । (Heiterkeit.) Ich kenne auch Gewerffchaften, ich ' in Amerika studirt. Der amerikanische Arbeiter als freier Mann seinem Arbeitgeber gegenüber Die Ueberlegenheit der amerikanischen Arbeiter ist ein Erzeugnis dessen ein hohes Resultat herauskommt. Für die Wittwen- und Waisenversicherung haben wir gestimmt, um dem Moloch Militarismus einige Mark wenigstens abzujagen. Die Art, wie das Centrum i _ . . _ hier mit der Wittwen- und Waisenversichcrung schachern gegangen J es mir daher entschieden verbitten, daß man hier gegen mich mit ist, verdient den Ausdruck — er ist freilich unparlamentarisch — 1 unwahren Artikeln aus gemeinen Blättern operirt. (Beifall.) besseren (Ernährung wird im sozialdemokratischen Zukunftsstaat der Mensch das köstlichste Gut opfern müssen, das er hat, die Freiheit. Es irürben alle Sklaven. Für eine solche Behandlung würde ich mich bedanken, obwohl ich doch zu den bestgehaßten Menschen ge» höre. (Lachen bei den Soz.) Dieses Lachen kommt nicht auS Ihnen selbst heraus, Herr Peus; dazu sind Sie ein viel zu edel angelegter Mensch. (Große Hetterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: Ich ersuche den Redner, sich nicht an einzelne Abgeordnete, so.idern an das ganze HaVs zu wenden. Abg. Ahlwardt (fortfahrend) : Wer sein Vaterland liebt, mutz „ „ . Man Hai eS aber Anfangs unterlassen, rechtzeitig Jnstirutionen zu schaffen, die die Konsequenzen für die Arbeilerichaft ziehen. In di.ser Hinsicht bedeuret die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1881 einen Wendepunkt. Man sieht hieraus schon, daß die Staatsverfa'iung mit einer verständigen Sozialreform nichts zu thun har. Gerade die Monarchie leistet hier Hervorragendes. Die Sozialdemokra.en ver- ' koppeln ihre arbeirerfrenndlichen Bestrebungen mü einem polirischen Ziele — der republikanischen Sraatsreform —, und dadurch erschweren sie sich ihre Arbeit. Wenn sie die brache der Berufskongresse mit repuolikanischen Emblemen schmücken, so verhiudein Sie doch gerade das, was sie fortgesetzt als Wunsch, ja als Beschwerde äußern: day die Regierung an diesen Kongressen thcil- nehmen soll. Es giebt keinen geschichtlichen inneren Grund, der die Sozialreforo» an die Republik kettet. Wenn man die aus- | ländische Presse lieft, so sieht man aus ihren Lobessprüch.n, daß man dort auf 2 Dinge in Deutschland mir ungeteilter Bewunderung blickt: auf die deutsche Schule und die deutsche Sozialg.setz- ' sthsckaft keine Ahnung. (Große sieh einmal in den Zukunfts- Produktion nöthig sind. So aufgefaßt, ist zwischen Kapital und Natur rein Unterschied. Das Kapital an sich übt gar keine Wirkung aus, seine Wirkung ist diejenige, die diejenigen wollen, die es be* herrschen. (Große Heiterkeit.) Das Enlsd)eidende ist die Macht, die r Eine dem Anderen gegenüber hat. (Heiterkeit.) Den Arbeitern fehlen juridische £)rga" nionen. Daran sind die Bamberger und bar bie sozialen Verhältnisse gar nicht gekannt (Lachen bei den Sollen wir wirklich Alles dies auf unseren Sozialdemokraten), er hat Alles schief aufgcsaßt (Heiterkeit), gleich Gefahr enrgegenzutrcren hat. Man wird vor Allem den Handwerkerstand heben müssen. Diese Hebung kann nur erfolgen durch Entfesselung seiner Kräfte, nicht durch rückschrittliche Maßnahmen. Man muß den Handwerker mit dem nöthigen Kredit auscüsien. Die schiefe Einrichtung der Reichsbank thul das nicht. Die Leute gehen jetzt nicht unter, weil sie zu viel Schulden haben, sondern weil sie an zu vielen Stellen Schulden haben. (Heiterkeit. — Ein Re- gierungskommissar fällt die Bundesrathstreppe herunter. — Große Heiterkeit.) Die Reichsbank muß verstaatlicht und m eine Reichs* ccntralkreditstelle umgewandelt werden. Redner Wender nunmehr feine Aufmerksamkeit der Landwirthschaft zu. Die Losung heißt immer: Billiges Getreide und theuercs Brod. Das Umgekehrte wäre das Richtige; aber das ist nicht zu erreichen, weil immer einer dazwischen sitzt, der dem Produzenten zu wenig giebt und vom Konsumenten zu viel nimmt. (Heiterkeit.) Ter Getreidehandel müßte verstaatlicht werden. Sie sollten die Anhänger solcöer Ideen nicht, wie cs in der Presse geschieht, al5 halbe Narren hin stellen. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Wenn Deutschland mit 500 Millionen Mark jährlich als Getreidekäufer auf dem Weltmarkt auf träte, dann würde cs Rußland in einem Jahre voll und ganz zahlungsfähig machen können. (Heiterkeit.) Tie ländlichen Hyvothekensdulden mußten uruer Mitwirkung de§ Staate* in Rentenschulden verwandelst werden. Ta? deutsche Volk würde dadurch zu einem Volke von Königen werden, weil keine Macht der Welt bann den Einzelnen aus seinem Besitz zu verdrängen vermöchte. Redner verbreitet sicki ausführlich über Hypothekerwerhältnisse, Grundrente u. f. w. Den gänzlichen Aufkauf vieler großen Güter, Ivie er jetzt im Osten irattfinbei, halte ich für falsch. Richtiger wäre e?, wenn die großen Gürer dem Staate ein kleines Stück von ihrem Besitze überließen, damit überall auch Kleinbesitz entsteht. Tcn Mittellandkanal wurde ich für ein Äulturwerk ersten Ranges halten. Ich bitte Sie, alle diese Tinge ernstlich ins Auge zu fassen. Wenn Sie das nicht wollen, dann rathc ich den Wählern, wählt einen Antisemiten, der wird c5 thun. Tas Hans vertagt sich. Persönlich bemerkt Abg. Hoch (Soz.) er habe feine Angriffe gegen Herrn von Hehl niujt au5 Zeitungen entnommen, sondern sich dab.i auf per* fönlidjc Angaben von ^ermfer Arbeitern gestützt. Abg. Ahlwardt (Aiitis., mit großer Heiterkeit empfangen): In in der Sozialdemokratie gesprochen; er meint: Jeder wird mü den letzten Tagen sind alle Parteien ausmarschirt. Am schmerz- Freuden ausgenommen. Nun, auf dem Münchener Parteitag hat der j iidjftcn hat mich der Satz berührt, daß es zwischen Kapital und Abg. Ulrich erklärt: „Ich wünsche, daß man sämmtliche Theoretiker Arbeit keine Versöhnung giebt. Ich mutz die Hoffnung, daß die zusammen in eine dunkle Kammer steckte, damit sie sich dort , Sozialdemokratie sich in rinc soziale Reformpartei umwandelt, wohl auffressen." (Große Heiterkeit.) Also mi: । aufgeben. Sie (zu den Sozialdemokraten) bilden einen Widerspruch an. Aber wir sagen den Arbeitern: Eignet Euch möglichst viel Wisien an! Je mehr Ihr wißt, desto weniger braucht Ihr zu glauben, und wenn Ihr Mes wißt, braucht Ihr gar nichts zu glauben. (Heiterkeit.) Ferner sagen wir den Arbeitern nicht: Wenn Ihr Euch hier für den Unternehmer todtgeschuftet habt, kriegt Ihr einen Platz im Himmel oder irgendwo, nein, ww sagen ihnen: Seht zu, daß Ihr hier auf Erden Euch das Leben so angenehm als möglich macht, wenn es bann später noch ein Paradies giebt, na, dann nehmt öS auch noch mit (Große Heiterkeit.) Die WohlfahrtZ- einrichtungen der Firma Krupp verdienen diesen Nmnen nicht, wir wollen auch keine Wohlthaten, sondern Rechte. Die Pensionskasse politt^e Hochstapelei „ . h , h ' Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Abg. Albreckst be- „ ,x^r?^cnt 8®Heftrem. Ich thetle Ihre Ansicht, baß bec । ^auptete wieder, daß auf bem von Vertretern ber Reichs- und .ft uni> rus° S.- deshalb zur Ordnung. > St°°tSb-h°rd-n b-sucht-n Stuttgarter E-m-rtschastslangr-b repu- (051-056 ^61^1:1611) fAT»iih»r+ fnr+Mw-nh ' blikcmische Embleme zu sehen waren. Ich weiß nicht, ob es ge- ^brecht (Sozff fdjleubert fortfahrend ^efttge Angriffe bon &cn Sozialbemokraten ist und dahin wirken kann, daß gegen das Centruin. Die LattN-en- und W°>t-nv-rs,ch°rung ,st ' «e-sammlungen t>°„ Staats- und R-ichsb-hmd-n befchZ nur em Pflaster, mit dem den Arbeitern die Augen verbunden! ,^rd°n. toenn tS ^ad,t)er fo dargestellt wird, als ab auf salchcn werden fallen, damit ste den Zallluucher nicht sehen Man spricht Berfammlungen republilanische Embleme verwandt würden Thar- van den grotzen Opfern, d>- das Unternehmerthum für die S°z,°I- jäd)lld) 6at g, fd/n öer ,^t«ibergifche Herr Butidesbevallmäch- resarm bringt! »o») erneu Hr6e,tgüber als corpus, tl te bie unrichtigteit dieser Behauptung Norgelegt. und i stel.eti aus den Tisch des Hauses, der an den Beiträgen für 6.e : Bericht meines Vertreters ist direlt hervargehaben. daß weder an der Außen- noch an der Innendekoration republikanische Embleme zu sehen waren. Es waren allerdings Ausschmückungen in verschiedenen Farben vorhanden, darunter möglicher Weise auch die rothe Farbe — aber was thut das? Auch in den deutschen Farben ist ja daS Roth enthalten, und es macht auch nichts, wenn in Einzelhetten die rothe Farbe verwendet wirb, aber als politisches Emblem war sie nicht vorhanben, unb Sie hätten auch nicht verlangen können, baß Vertreter bes monarchischen Staates mir einer Abg. r>rhc. von Herst sncu.-Iib., persönlich): Ich wiederhole, cs |id) hierbei um riiebtriräd)tige Vcrlcumdungen hanoerr. Nächste Sitzung: : n n a b e n b 1 Uhr: gor:! ; u n g Era.socrarhung. Schluß nach ' Parlamentarische iHcrhniiölumicii. » achdruck ohne Vereinbarung nicht qestat:. Deutscher Reichstag. 258. Sitzung vom 18. Februar. 1 Uhr. Das HauS ist äußerst schwach befehl. Am Bunbesrathskifch: Graf PosadowSky u. A. agrarü'che. Die agrarische Bewegung ist dadurch hervorgerufcn, daß Anfang des vorigen Jahrhunderts die Veränderung unserer i Agrarverfassung vollzogen wurde, ohne daß man eine Reihe von hierdurch nothwendigen Maßregeln für bie Landwirthschaff ge- । rroffen hat. Diese Vernachlässigung ber Landwirthschaft muß jetzt wieder gut gemacht werden. Das erkennen selbst die Einsichtigen in den Reihen der Sozialdemokraten an. Ich berufe mich hier wieder auf das oft rinne Buch des Abgeordneten Max Sckstppel „Grundzüge der Handelspolitik". (Redner verliest längere Stellen aus demselben.) Ick: empfehle auch den Herren Soziawemotraten, ihrer Selbsterziehung, und diese ist nur möglich gc: orben durch die Thatsache, baß sie mit bem Arbeitgeber gleiche .ilec’ haben. Wie die Lehre vom Kapital, so sind auch alle übrige.! Mehren Don Marx falsch, (Heiterkeit) insbesondere auch die Lebte vom Werth der Arbeit. Sie meinen, der Arbeiter fei allein rrecht >gt, die Produkte der Arbeit sich anzueignen, daß jede 500 Mt., die Krupp verdiene, den Arbeitern gestohlen werben. Ja, sind denn die Maschinen nichts werth, ist denn der Geist Krupps nichts Werth, der diese Maschinen mir seinen Vorfahren geschaffen hat? Sie sehen. schaffen giebt es nicht I Wenn Herr Stöcker aber wissen will, wie es in Betrieben aussieht, deren Leitung zum großen Theil in den Händen der Sozialdemokraten liegt, so möge er sich den Leipzig- Plagwitzer Konsumverein ansehen, der in seiner Bäckerei den achtstündigen Arbeitstag durchgeführt hat (hört, hört!), oder die Parteidruckereien, die durchweg die besten Arbeitsbedingungen gewähren. Es Ware doch gut, wenn die Herren sich ein wenig informiren wollten, M fe«* Blau- dahinzur-dcn R-dncr gcht hierauf auf di- B-r- bar?uä lernen." Auch di- „Narian" hat kürzlich einen Artikel der Konfekttonsbranche bic englische Landwirthschaft - gebracht, der diese meine co genugenb, um den Mißständen em Ziel zu setz^u. Auffassung bei'tätigt. (Redner verliest einige L-tellen des enoägnten ^^dner zahlt hierauf die Forderungen der sozialdemottatischen $en Gegenpol der agrarischen bildet die sozia^demo- Patter aus, die sich auf den Konfekttonsarbeiterschutz beziehen. Er . Gotische Bewegung. Sie ist auch aus ähnlichen historischen Ursachen macht darauf aufmerksam, daß der letzte Gewerkschaftskongreß be- hervorgegangen. Am Anfang des vorigen Jahrhunderts hat man schlossen habe, demnächst hier in Berlin einen HauSarbeiterkongreß durch Beseitigung der gewerblichen Beschränkungen freie Dahn für abzuhalten. Hoffentlich w,rd die Regierung sich auf diesem Kongretz ' bic moderne großindusrrielle Entwickelung geschaffen. Man hat eS bertreten lassen und nicht danach sehen, ob der Saal nicht etwa Anfangs unterlassen, rechtzeitig Institutionen zu schaffen, die Die zwette Berathuna des Etats des Reichsamts des Innern wird fortgesetzt beim Titel „Gehalt des Staats- fefretärS". Abg. Stötzel (Ttr.) befürwortet seinen Anttag auf Einführung deS Zehnstunden- Maximal-ArbettStagS für alle der Gewerbe- Ordnung unterstehende Betticbe. Alle Unternehmer haben erklärt, daß sic vom Zehnstundentag Vortheil hätten. Jetzt könnte man endlich denselben gesetzlich festlegen. Herr Hilbck spricht von Freiheit der Arbeiter und führt uns das Bttd des Generaldirettors vor, der früher als Arbeiter durch Uebersttinden sich bic Mittel zum - Besuch ber technischen Hochschule erarbeitet hatte. Aber dieser Herr gegenseitig .. . . . .v ~ hatte eine außerordentliche Energie und Zähigkeit, und außerdem der großen Liebe der Arbeiter sur bie Akabemiker scheint es nicht ui sich. Sie können es mit Ihren Anttagen auf soziale Reform nicht batte er soweit ich weiß, vorher daS Gumnasinm absolvirt unb war 10 ivclt f)cr 8« Km! Sie verlangen (zu den Soz.), baß man Ihre ernst meinen, diese Anträge sind nur agitatorisch gemeint. Sw bann aus Mangel an Mitteln Arbeiter geworden. Wo finden Sie Wissenschaft, Jbro Lehren auf den Schulen bortragt: Ja, welche! baben ja ohne ausreichenden Grund gegen die sozialen Gesetze ge- benn sonst diese Ausdauer ? Redner polemisirt soba.ni gegen die ! dcnn t Tie des Marxismus? Testen wissenschaftliche Grundlage liimmi. Sie haben auch gegen die Jnvalidenpen,lo>i gestimmt, angeb. Thättakeit der Sozialdemokraten, die nur kritisirtcn, aber nicht posit v "t doch in Ihrer eigenen Partei schon zerstört, von dem Avg. Bern- : Uch, weil sic zu gering sei. Ich persönlich habe vielen Stti.'.-s syrn- arbeiteten Als Herr Hoch noch in kurzen Höschen herumlief stem u. A., und soeben noch besonders durch Dr. Eduard David! > parisisch gegcnübcrgcfianben, namentlich dem Kohlenarpeucr. und (Heiterkeit) unb noch nicht wußte, ob er zur Klasse der Ausbeuter WaS sieht auch nicht Alles im „Kommunistischen Manifest". Ta > dem Konfekrionsarbeiterstrike. Warum haben Sie diese Strikes nicht oder ber Ausgebeuteten gehörte, da hat meine Partei sckion wirb bic „Expropriation des Grundelgenioums" verlangt! Jetzt! unterstützt: Das wäre doch Ihre erste Aufgabe. (Lachen bei den arbeiterfreunblidje Politik im Reichstag getrieben. Wir haben den haben Sie eingeseheii, daß Sie damit auf bem Holzwege waren! ! Sozialdemokraten.) Ader Sie haben dadurch erreicht, was Sie er- Boden für die sozialen Gedanken unserer Zeit bereitet. Tie Ferner eine „starke Progressivitcuer". Damit hat der sozialdcmo-! reickzen wollten. Sie haben die Unzufriedenheit vermehrt;^Sie haben t'ratische Minister in Zürich c5 beinahe zum Staatsbankerott kom Boden für bie sozialen Gedanken unserer Zeit bereitet. Tie Sozialdemokraten stellen sich auf den Standpunkt „?llleS ober nichts!" Wir nehmen, was wir bekommen, ohne auf den Rest zu verzichten. Abg. Albrecht (Soz.): Die Sozialdemokraten stellen so hohe Forderungen, weil man einem böswilligen Schuldner gegenüber gleich Alles fordern muß. Versöhnungspolitik treiben wir nicht, wa? har dort die Revolurion der Arbeiter gebracht? Gar nichts, in denn zwischen Kapital und Arbeit giebt es keine Versöhnung. Wenn ; dem Staate ber Gleichheit har man den Arbeitern bie politische eß nöthig ist, machen wir die Arbeiter auch unzufriedener, beim ohne । Freiheit genommen, ber Arbeiter in Frankreich hat nicht entfernt Unzufriedenheit keinen Fortschritt. Die Religion wollen wir Keinem daS, was wir ihm in Deutschland gegeben haben. Ich kann daher rauben, bei keiner Partei giebt eS so große Toleranz, als bei uns nur empfehlen, baß wir den Weg gehen, den man in England ge- (Heiterkeit), unserer Partei gehören Mitglieder aller Konfessioiieii gangen ist. Wenn bic Anträge, bic ich mit Herrn Trimborn gc- — ' *• w • -i- “!—1 ze-jr- stellt habe, auch manchem zu weit gehen mögen, so bitte ich Sie boch, . . sie anzimehmen, ohne allerbings auf bi- Dankbarkeit der Arbeiter LaSker Schuld; ihr ~ " 1 Reichsbank. Aus Kesstscher Landtag. K. B. Darm sta dt, 13. Febr. Tie heutige Sitzung wurde um 10.15 Uhr vom Präsidenten Haas eröffnet. Tas Haus beschloß zunächst ohne weitere Debatte, dem Antrag Haas-Darmstadt und Gen., der die Wahl eines Sonderausschusses zur Borberatung der Regierungsvorlage, die L a n d st ä n d e betreffend, verlangt, zuzustimmen, sowie den Antrag Haas und 44 Genossen, bett, bic Revision der landständischen Geschäfts- ord-nung ebenfalls einem Sonderausschuß zu überweisen. Die Wahl der Ausschußmitglieder soll später stattfinden. Nun wird die Generaldebatte über den Etat fortgesetzt. Abg. Ulrich führt aus, wenn man sehe, daü das Budget mit 58 Millionen Ausgabe und mit nur 56 Millionen Einnahme abschließe, sei es keine Frage mehr, unsere Finanzlage sei eine ungünstige. Es bleibe ein Defizit von über zwei Millionen Mark zu decken, eine außerordentlich hohe Summe, für die man fast sämtliche Reserven heranziehen müsse. Das sei aber ein sehr ungesunder Zustand, der auf die Tauer unmöglich sei, sondern zum Ruin führen müsse. Die Entnahme aus Uebcrschüssen früherer Jahre rechtfertige sich nur in ganz besonderen Ausnahmefällen, und es frage sich sehr, ob ein solcher hier vorliege. Die vom Finanz- Minister im vorigen Jahre ausgesprochene Hoffnung, daß wir die beschlossene Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 Pfg. auf 75 Pfg. bald wieder würden fallen lassen können, sei einfach unerfüllbar. So stehen wir denn vor der Frage: Was nun? Und da antworte er kurz: Erhöhung der Vermögenssteuer, stärkere Progression derselben und der Einkommensteuer bei den großen Einkommen, vielleicht auch eine weitere Ausdehnung unserer Erbschaftssteuer. Menn dieser Weg der Steuerpolitik nicht betreten werde, so müßten zur Bestreitung der notwendigen Ausgaben des Staates die armen Leute zu Gunsten der Reichen herangezogen werden, denn das Budget sei sehr knapp und vorsichtig ausgestellt, sodaß der Finanzausschuß nur mehr scheinbar die kleine Summe von 15 000 Mk. abstreichen konnte. Man müsse Steuerpolitik mit Rücksicht auf die allgemeine Leistungsfähigkeit des Landes machen und nicht zu Gunsten weniger reicher Leute. An die von Mainz signalisierte Rentnerflucht glaube er nicht, das werde auch jetzt von Frankfurt behauptet, also eine Flucht hüben und drüben. Tie Erträge aus den Domanialwaldungen seien sehr unsicher, er glaube nicht, daß der im Etat angesetzte Betrag für Holzverläufe » erreicht werden wird. Tie Lotterie sei eine überraschend sprudelnde Quelle, sie werde aber kaum von Tauer jein. Sie erhalte aum einen sehr häßlichen Beigeschmack durch die rigorosen Bestrafungen für in auswärtigen Lotterien spielende Personen. Selbst die Veranstalter von Ehristbaumverlosungen würden wegen Stenipelsteuerkontravention verfolgt. Tie Stempelsteuereinnahme betrage fast drei Millionen, aber die meisten Beträge davon müßten von den kleinen Landleuten und Gewerbetreibenden aufgebracht werden. Die Einnahmen aus den Eisenbahnen müßten überall sehr enttäuschen, es frage sich allerdings, ob nicht ein anderer Rechenkünstler ein anderes Resultat herausrechnen würde. Gegen die preußisch-hessische Eisenbahngemelnschaft herrsche eine immer mehr wachsende Animosirät im Lande, und zwar hauptsächlich, weil zu wenig Rücksicht auf lokale Verhältnisse und Arbeiterzüge genommen werde. Menn jemand behauptet habe, daß man einen Nebenbahnsport in Hessen treibe, so müsse er das entschieden zurückweisen. Ter Bau von Nebenbahnen sei eine höchst wichtige Kulturarbeit, und der angebliche Standpunkt Preußens, nur sicher rentable Nebenbahnen zu bauen, sei total verkehrt und stehe im schroffen Gegensatz zu einer gesunden nationalökonomischen Staatspolitik. Wenn man für den Bau der Nebenbahnen die Regierung verantwortlich machen wolle, so erkläre er, daß seine Partei gern mit die Verantwortung übernehme. Hier hätte sogar noch viel mehr geschehen sollen, ebenso beim Straßenbau. Sehr vernachlässigt sei auch die Gebäudeverbesserung in den Domänen; der Antrag Häusel sei sehr gerechtfertigt. Einen großen Anteil an der schlechten Finanzlage habe das Reich, das 600 000 Mark mehr verlange, als es zahle. Die Zuschuß- anleihen, mit denen sich der Reichstag jetzt helfen wolle, halte er geradezu für ein Unglück. Auf dem Gebiete des höheren Schulwesens erkenne er den liberalen Zug unserer Regierung an, aber der werde durch die unteren Organe derselben vielfach wieder vollständig ausgehoben; die Behandlung der russischen Studenten, die nur so wie andere Studenten gehandelt hätten, spreche auch nicht dafür. Staalsminister Rothe bemerkt, es sei im letzteren Falle Untersuchung ein geleitet, im übrigen möge man genauere Angaben bezüglich der einzelnen Fälle machen. Ter „liberale Zug" werde auch in Zukunft lveiter vorhanden sein. Finanzminister Gnauth widerlegt in längeren Ausführungen die vorgebrachten Beschwerden der Abgg. Molthan und Ulrich. Ter letztere habe sich besonders mit der Stellung der Regierung zur hessisch-preußischen Eisenbahngemeinschaft beschäftigt. Tie von ihm erwähnte Depression hinsichtlich der Eisenbahneinnahmen sei eine allgemeine im ganzen Reich, und Abg. Möltinger habe mit Recht darauf hinge- wiescn, daß wir doch sehr zufrieden sein könnten, wenn wir trotz der herrschenden Depression neben der Verzinsung unserer gesamten Eisenbahnschuld noch 700 000 Mark erübrigen tonnten. Ter Rückschlag sei auch bei den preußischen Dahnen lange nicht so ;.art^gewcsen, wie bei den bayerischen, sächsischen oder badischen Staatsbahnen. (Der Herr Redner teilt hier die schon früher von uns erörterten Prozentsätze über die Ertragnisse der deutschen Eisenbahnen mit.) Seit Errichtung der Gemeinschaft mit Preußen habe Hessen an Reineinnahmen 10 955 000 Mark bezogen, wie stünde es wohl mit unseren Finanzen, wenn wir diese 11 Millionen nicht gehabt hätten? Redner erklärt sich dann gegen die Anregung, daß man darauf drängen solle, bei den Eisen- bahnausgabcn mehr zu sparen, z. L. bei den kostspieligen Bahnhojsoauren in Mainz und Darmstadt. Menn die Regierung in der Lage wäre, darauf einzuwirken, so würde es wohl sehr unrecht sein, gegen solche Bauten aufzutreten. Es sei sogar erfreulich, daß die Bahnverwaltung diese Bauten, die doch nun einmal notwendig sind, gerade jetzt zur Ausführung bringen lasse und damit zur Förderung unserer Industrie beitrage. ^Zu,iimmung. Bezüglich der Beamtenpensionen habe sich der Vorredner auf die ersten vorläufigen Angaben des Finanzaussckno'ses gestützt, worin eine Steigerung der Pensionen von 1,20 auf 3-,59 Millionen berechnet war. Diese Zahlen waren aber insofern nicht zutreffend, als in der letzten Summe eine große Zahl von anderen Pensionsbezügen re. enthalten war. Jil Mirktichkeit sei in den letzten Jahren nur eine Steigerung von 401000 Mark bei den Pensionen eingetreten, also 24 Prozent, auch könne er konstatieren, daß diese Steigerung bereits erheblich nachzulassen beginne. Jedenfalls könne hier von abnormen Verhältnissen leine Rede sein. Die Regierung gmnbc bei den Pensionierungen durchaus korrekt gehandelt zu haben, sie haben nicht zu viel und nicht zu wenig getan. Auch die Steigerung des Budgets seit 1897 von 37 Millionen auf jetzt 58 Millionen könne in dieser Form nicht mit einander verglichen werden, denn 1897—1899 war eine reines Nettobudget aufgestellt, worin also nur alle Nettoaus- gaben enthalten waren, während wir jetzt ein Bruttobudget führen, in welchem also auch die Ausgaben für die einzelnen Positionen mit inbegriffen sind. Die Ausgaben hätten sich ja im allgemeinen gegen das Jahr 1897 wesentlich gesteigert, aber bei weitem nicht in dem Maße, wie es nach der Zusammenstellung der beiden Budgetziffern erscheinen könnte. Herrn Ulrich müsse er noch d ar auf aufmerksam machen, daß die Regierung mit der Bestrafung von Veranstaltern von Christbaum-Verlosungen oder dergl. nichts zu tun habe. Wenn da Strafverfolgungen eintraten, so fänden sie nur auf Grund der Reichsgesetzgebung statt. In Mainz sei nur in einzelnen Industriezweigen eine ungünstigere Konjunktur vorhanden, Hessen besitze glücklicherweise keine einseitig entwickelte Industrie. Von Mainzer Rentnern, die in letzter Zeit von dort weggezogen sein sollen, wurden überhaupt nur 11 ermittelt, und von diesen zogen verschiedene aus ganz anderen Gründen, als wegen zu hoher Steuern fort. Einer weiteren Erhöhung der Einkommen- und Vermögenssteuer werde er nicht zustimmen. Die progressive Einkommen- und die Reichs-rdschastssteuer seien Gebiete, die man sich bis ganz zuletzr reservieren müsse. Gerade diesen beiden Steuern gegenüber müsse man sehr vorsichtig sein. Die hessische Kalamität könne mit der Einführung solcher Reichssteuern nicht beseitigt werden. Das Land habe auch mit seiner Erbschaftssteuer bisher gute Erfahrungen gemacht, sie stelle, wie die Einkommensteuer, eine sichere Einnahmequelle unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit des Einzelnen dar. Es wäre fraglich, ob wir in Hessen bei einer Reichserbschaftssteuer besser gestellt sein würden. Cs tritt nun eine Erholungspause ein. Bei Wiederbeginn der Sitzung entspinnt sich eine längere Geschäfts- ordnungsdeoatte über einen Antrag des Abg. Dr. Gut- lei sch, in Zukunft den Samstag regelmäßig von Kammersitzungen frei zu halten, wie den Montag. Dann habe jeder Abgeordnete drei aufeinander folgende Tage für die Erfüllung seines bürgerlichen Berufes frei. Präsident H a a s weist dem gegenüber auf das Recht des Präsidenten hin, die Zeit für die Sitzungen nach seinem Ermessen zu bestimmen. Abg. Reinhart erklärt sich nur bann mit dem Antrag einverstanden, wenn wenigstens noch allwöchentlich eine Nachmittagssitzung abgehaikcu würde. Abgg. Dr. Heidenreich unb Gramer sind für, Abg. Erk ist gegen den Antrag. Staatsminister Rothe erklärt auf Befragen des Prä- identen, daß die Regierung nicht gegen die Freilassung des Samstags sei. Die Regierungsmitglieder würden diesen Tag auch für die Erledigung ihrer Arbeiten gut brauchen können. Die Geschäfte des Landtags würden wohl kaum einen Schaden dadurch erleiden, wenn dabei die übrigen Sitzungstage gut ausgenützt würden. Abg. Schill-Osthofen meint in humoristischer Weise, ihm seien die Nachmittagssitzungen schon deshalb erwünscht, daß man wisse, wo man hinziehen könne. Es gäbe nichts langweiligeres für ihn, als einen Nachmittag in Darmstadt. Da müsse man von einer Weinwirtschaft in die andere ziehen. Der Antrag Gutfleisch wird schließlich mit großer Mehrheit angenommen, ebenso der Antrag, wöchentlich je eine Nachmittagssitzung abzuhalten. Ein weiterer Antrag, täglich noch eine Stunde länger Sitzung abzuhalten, wird für erledigt erklärt. In Fortsetzung der Generaldebatte bespricht Abg. Noack die Stellung der Beamten. Bezüglich der Gehaltsaufbesserung derselben habe sich ja das Haus noch entgegenkommender gezeigt, als die Regierung. Redner wünscht sodann eine Aendernng der Beso ldungsverord-* nuitg und erklärt sich damit einverstanden, daß in der Ausführung von Staatsbauten vorsichtiger vorgegangen werde. Wenn für Wohnungen, die einen Mietwert von 1200 bis 1500 Mark haben, nur 250 Mark Entschädigung an den Staat bezahlt werden, so fei das ein großes Mißverhältnis; es müsse ein gerechter Ausweis geschaffen werden. Abg. Reinhart besptHcht einige Einnahmeposten näher. Die beruhigenden Erklärungen, die gestern von selten des Herrn Finanz-Ministers und des Vorsitzenden des Finanz-Ausschusses gegeben wurden, würden hoffentlich nicht nur hier im Hause, sondern auch m der weiteren Oefsentlichkeit, die durch Artikel in den Zeitungen und in einer besonderen Broschüre über die «chlechte Finanzlage in Unruhe versetzt worden war, wieder zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Die verkehrte Deklaration, die infolge der Neuheit der reformierten Steuern vielfach Dor tarne, könne man nur als Steuerirrungen bczeichnen. Redner bespricht Dann die picußisch-h:ssische Eiselibahugemeinschast, die ein Segen für unser Land jci. Man habe trotz der allgemein ungünstigen Verhältnisse jeyt noch 700 000 Mark lieber» schuß zu verzeichnen, wahrend man früher mit großer Mühe eine Neitoeiunahme von 30—50 000 Mark aufweisen konnte. Wo wären wir wohl mit unseren Finanzen ohne die fast 11 Millionen Einnahme aus der Betriedsgemein- schafr? Von einer wachsenden Animosität gegen die Gemeinschaft, von welcher Herr Ulrich sprach, habe er noch nie etwas bemerk, im Gegenteil glaube er, daß immer mehr Zufriedenheil m; der ganzen Art und Weise, in welcher die Gemeiusch r r: ihre Einrichtungen trifft, einp getreten sei. Gegen e-.n Vorwurf, baß bad Land einen Nebenb-.chufpori betreibe, müsse auch er Verwahrung ein» legen. Abg. Molthan kritisiere die frühere Fieigebigkeit der Stummer. Wenn der Abgeordnete schon dem Hause angehört hätte, als man 14 Millionen im Staatsschatz hatte, wurde wohl auch er mir feinen Wünschen nicht sehr zurückgehalien haben Er hoffe, daß die auf Grund des neuen Jolltariss aozuschlletzenden Handelsverträge auch unjerm Land zum Segen gereichen werden. Namens seiner politischen Frcunde könne er versichern, daß sie bei der Ctatsberatung nicht über den jetzigen Anforderungen hinausgehen würden, daß sie aber alles bewilligen würden, was zum Wohle aller und im Interesse des Landes erforderlich ist. Finanzminister Gn aut h inmeif., aum er würde sich freuen, einmal in der Staatskasse mit so glanzenden Ueber- schüssen i cijueii zu Annen, wie sie der Vorredner aus früherer Zeit erwähnt. Er lüüiie aber die Mitglieder des Hauses Heun- n ..n a/.seiuauöcr gehm lassen, ohne ihnen noch einen Beweis füi aas Vertrauen in die Zukunft zu geben. Tiefer Be sei aus einem anderen Lager, als ten i; h 1 ..Men, nämiiiü von der Börse. Er habe gc| . tu uni n uc h essi s u) e Staatsanleihe zu drei Prozent un Nrmiuauvert von 25r, Millionen Mark zum Abschluß gebracht und zwar zu 90,93. Tas sei ein wesentlich niedrigerer Satz, als bei früheren Anleihen. Vor drei Jahren wurde noch eine Anleihe zu 3,8 Prozent ausgenommen, während sich die neue Anleihe nur auf etwa 3,3 stelle. (Lebhaftes Bravo im ganzen Hanse.) Nach dieser mit ersichtlicher Freude aufgenommenen Mitteilung wird die Sitzung gegen 1 Uhr abgebrochen und die nächste Sitzung auf heute nackimittag 4 Uhr gnberaumt. Aie mue ycjstjchr §iaiil$anleipe. W. T.-B. meldet aus Frankfurt a. M.: Bei der von dem Großh. hessischen Ministerium der Finanzen ^ausgeschriebenen Vergebung von 25 518 000 Mk. 3proz. Staatsschulb- verschreibungeii haAen vier Gruppen Gebote eingereicht. Ten Zuschlag erhielt die aus der Dresdener Bant-Berlin,, der Sächsischen Bank zu Dresden, der Deutschen Effekten- und Wechselbank und dem Bankhaus L. u. E. Wertheimber zu Frankfurt a. M. bestehende Gruppe zu 9 0,9 3V2 Prozent. Nach der „Frkf. Ztg." ist dies die gleiche Gruppe, welche die anfangs 1901 emittierte 3Vo proz. hessische Staatsanleihe übernommen hatte, vermehrt durch Zutritt der Sächsischen Bank. Eine zweite Gruppe, bestehend aus der Deutschen Genossenschaftsbank, der Mitteldeutschen Kreditbank, sowie den Banthäusern von Erlanger u. Söhne und Gebr. Beth- mann in Frankfurt a. M. und Hardy u. Co., G. m. b. H. unb F. W. Krause u. Co. in Berlin und Ephraim Meyer u. Sohn in Hannover hatte 90,70 Proz. geboten. Ein drittes Gebot von 90,57 Proz. war von einer Gruppe ausgegangen, die sich aus der Seeyandlung, der Tarmstäbter Bank, Diskonto-Gesellschaft, Deutsche Bank, Berliner Handelsgesellschaft, Pfälzische Bank, L. Speyer-Ellis,en-und Rob. Warschauer u. Co. zusammensetzte. Eine vierte Gruppe endlich, welcher der A. Scyaafshausensche Bankoerein, das Bankhaus Delbrück Leo u. Co. nnb andere Beteiligte angehörten, soll angeblich 90,40 Proz. offeriert haben. Kte sachliche tzyefiyeroung. Der „Dress. Anz.' betont, daß m der Prozeßoerhanb- lung am 11. Februar der Kro nprinz selbst nicht auf Trennung, sondern auf Scheidung geklagt hat und daß es unrichtig ist, die frühere Kronprinzessin als Diejenige zu bezeichnen, deren Antrag die völlige rechtliche Lösung der Ehe zu verdanken sei. Im übrigen irrt man in der Annahme nicht, so fährt das Blatt fort, daß in dem Prozesse auch die finanzielle Regelung der Verhältnisse getroffen wurde, deren Einzelheiten sich jedoch noch der Kenntnis entziehen. Die rechtliche Frage, die mit dem zu erwartenden Kinde zu- sammeiihängt, war selbstverständlich nicht Gegenstand des abgefchlosseneii Prozesses. Tie Behauptung aber, daß wegen dieses Kindes die frühere Kronprinzessin sogar noch im Sanatorium La Metairie von sächsischen Polizeispionen bewacht werde, gehört in oas Reich der Fabel. So viel vis jetzt beFannt ist, hat am Donnerstag niemand Giron in Nyon gesehen. Giron ver- nahm das Dresdener Urteil am Mittwoch in Basel, als er sich auf der Rückreise nach Brüssel befand. Er soll aber mit dem Nachtzuge zurückgekehrt und morgens in Nyon eingetroffen fein, wv er sich ins i&otet begab unb dann in einem Wagen nach La Metairie gefahren fein. Dort fei er indes nicht vorgelafsen worden. Trotz eingehenden Nachforschungen kann man tatsächliches nicht erfahren. Die einen geben unbestimmte Gerüchte wieder und sagen, daß ein Journalist, welcher äußerlich Giron gleicht, für diesen gehalten wurde, andere wieder sagen, es sei bestimmt Giron gewesen und man habe ihn auch in Begleitung der Prinzessin gesehen. Lache- nal und Dr. Forel hatten in La Metairie eine neue Unterredung mit der Prinzessin. Die Groß Herzogin Alice von Toskana hat vom Großherzog eine Erlaubnis erwirkt, in nächster Zeit ihre Tochter in Nyon zu besuchen. Dieser Beschluß wurde der Prinzessin Luise sowie der Anstalts- Direktion mitgeteUt. Der Termin der Ankunft ist noch nicht festgesetzt. yrrmildjtes. * München, 13. Febr. Die Polizei verhaftete einen Hochstapler, der sich unter dem Namen Dr. Wilhelm Kleiner, Arzt unb Chemiker, seit einem Jahre hier aufhält, eine hochherrschaftliche Wohnung inne hatte und einen Heilanstaltsbesitzer aus Schwaben um viele Tausende betrogen hat. Kleiner sollte einen Pakentartikel vertreiben, tat es aber nur zum Schein und betrog den Auftraggeber durch gefälschte Briefe. In London verheiratete sich Kleiner mit einer Münchener Kellnerin, obwohl ihm noch zwei Frauen angetraut sind. Aus Zürich wurde er wegen eines großen JuwelendiebstahlS steckbrieflich verfolgt. In seiner Wohnung fanden sich mehrere amerikanische Doktordiplome und ein auf den Tapeziererlehrling Kleiner ausgestelltes Arbeitsbuch. • B u dapest, 13. Febr. Seit gestern abend wütet hier ein orkanartiger Sturm, der heute vormittag den Dachstuhl einer Tabakfabrik herabriß. Die neu gebaute Elisabethkirche hat stark gelitten. Sämtliche Brücken über die Donau find für Fußgänger unpassierbar. Bei den Polizeiwachen wurden 62 Unfälle gemeldet. — DaS im Bau befindliche Landest Heater in Makä wurde durch den herrschenden Sturm heute niedergerissen. Zufällig befanden sich nur noch zwei Arbeiter auf dem Bau, die beide schwer verletzt wurden. Gerichts! aal. Verlin, 13. Februar. Ter StaaiSanwatt beantragte gegen Nardeulötter wegen Betruges 3'/, Jahre Gefängniß, 5000 Mark Geldstrafe, 5 Jahre Ehrverlust; außerdem wegen Vergehens gegen die ©crvcrbcordnung 330 Mark Geldstraie, gegen den Angeklagten K r o n b c i in wegen Beihilfe zum Betrüge 1 Jahr Ge- sängniß und 1 Jahr Ehrverlust, gegen den Angeklagten K l e s p e r wegen Beihilfe und unlauteren Wettbewerbs 300 Mark Geldstrafe. jUfiitlii' Kuewuinn'u. Lriginaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Düsseldorf, 14. Febr. In Sierendors explo. biertc ein Puddelofen; acht Personen wurden verletzt, eine getötet. JekaterinoSlaw, 13. Febr. In der Nähe der Station Slatoust entgleiste ein Personenzug. Vier Personenwagen stürzten die Böschung herab. Ein Zugführer und zwei Personen wurden getötet, 30 wurden schwer, 15 leicht verletzt. Prätona, 13. Febr. Die Regierung bot den Generalen Botha, Delorey und SmutS Sitze in dem in Aussicht genommenen gesetzgebenden Rat an. Diese lehnten das Anerbieten ab, weil ihrer Ueberzeugung nach die Art und Weise der Einrichtung nicht zum besten des Volles dienen.