Nr. 38 Drittes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 14. Februar 1903 • -,d)etnt täglich autzei Sonnlags Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mH dem Hessischen Landwirt btt Siebener Familien* blätter viermal in der Woche beigelegl. ätolalionsdrnct u. Verlag der Brühl'schen Unioers.-Buch- u.Slein» drrickererlPielsch Erbens Stedaklion, Exveduioa und Druckerei. Schul st rahe 7. Udresie tüi Depeschen: Anzeiger Gießen. Kkrniprrchanläililv^ir 51 GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen monailich7b otertel* lädrlich Mk 2.20, dunh Vbhole- u. Zweigstellen monallid) 65 Pi., durch diePost Dtk.2.— oiend» lälirl auelcbL Bestell-, Annahme von llnzelge» füi die Tagevnummer bi« Dormtiiagfl 10 Uljt, ßetlmprtl«; letal 12 W« o**redet« 80 Psg. Veranirevttlich: tüi den polit u. ollgem, teil; P Wittk». tüt .Stabt und l'anb* unb -Kerichtdsaaf tuet Plato, tut den Air» ^eiaenleil Hon« Beck. Z)ie Kommenden Kandelsverträge lieber die voraussichtliche Entwickelung der handelspolitischen Lage 1903 zieht die „Deutsche Export-iRevue" aus berufener Feder in einer Reihe fortlaufender Aufsätze interessante Ausblicke. Die anfängliche pessimistische Auffassung macht jetzt einer etwas mehr optimistischen Platz; die „Deutsche Export-Revue" rechnet offenbar mit bestehenden Tatsachen, die auszunuyen das erste Gebot für den praktischen Geschäftsmann ist. In der handelspolitischen Lage ist mit dem neuen Jahre keine unmittelbare Veränderung eingetreten. Tie mitteleuropäischen Handelsverträge sind nicht gekündigt worden, laufen also vorläufig weiter, doch kann die Kündigung nunmehr jeden Tag erfolgen, und es erlöschen dann die .Handelsverträge ein Jahr nach dem Kündigungstage. Abgesehen von den besonderen Verhältnissen zwischen Oesterreich-sUngarn und Italien, die zur Kündigung des österreich-ungarisch.italien-schcn Handelsverträge. führten, haben sämtliche Regierungen sich enthalten, die Kündigung der Verträge auszusprechen, sie scheinen auch nicht zu beabsichtigen, eine Kündigung eintreten zu lassen, sie wollen offenbar einen vertragslosen ober gar zollkciegerischen Zustand vermeiden. Mit der Kündigung der Verträge werden nach übereinstimmender Annahme die beteiligten Regierungen erst dann vorgehen, nachdem sie sich über den Abschluß neuer Verträge verständigt haben. Nicht unbegründet ist die Besorgnis, daß die neuen Verträge weniger inhaltsvoll ausfallen, als es die alten sind, daß sie im allgemeinen höhere Zollsätze und geringere Zollermäßigungen bringen. Aber int großen und ganzen darf man doch erwarten, daß die neuen Vertrüge im wesentlichen den internationalen Güteraustausch, wie er bisher bestand, aufrecht erhalten, und daß sie nach manchen Richtungen hin einen neuen Güteraustausch anregen werden. Bei dieser Lage ist zwar der deutsche Ausfuhrhandel berechtigt, Klage zu führen über die mangelhafte Stetigkeit der internationalen Handelsvertragsverhältnisse, aber er wird fitfj sagen müssen, daß diese mangelhafte Stetigkeit nur formell vorhanden ist, daß die bestehenden Verträge unverändert fortdauern und daß die beteiligten Regierungen, in e.rster Reihe die deutsche, zu Gunsten ihrer großen Ausfuhrinteressen darauf bedacht sein werden, die mangelhafte Stetigkeit der internationalen Handelsbezich- ungen wieder herzustellen durch Abschluß neuer Handelsverträge, die wenigstens im großen und ganzen eine möglichst wenig gestörte Kontinuität des bisherigen internationalen Güteraustausches verbürgen. Wo die fremden Staaten die Absicht bekunden, ihre Jn- dustriezvlle zu erhöhen, um die deutsche Ausfuhr znrück- zudrängen, wird die Neichsregierung bei den künfligen Handelsvertragsverhandlungen nachdrücklich bestrebt sein müssen, mit Hilfe kundiger Unterhändler und durch angemessene Zugeständnisse für die Ausfuhr deutscher Jndustrie- erzeugnisse tunlichst günstige Bedingungen zu schaffen. Das ist eine schwierige, aber keineswegs aussichtslose Aufgabe. Liegt es doch durchaus nicht immer int Interesse der fremden Staaten, ihre Jndustriezölle zu erhöhen. Zunächst sollen die Jndustriezölle fast überall auch zu den Einnahmen beitragen, sie dürfen daher nicht so hoch angesetzt werden, daß sie die fremde Einfuhr verhindern. Sodann sind hohe Jndustriezölle nur da angebracht, wo bereits eine lebensfähige Industrie vorhanden ist. Nicht wenige Industriezweige in fremden Staaten sind entweder no»ch gar nicht entwickelt oder aber nicht existenzberechtigt, und gerade mit Bezug auf derartige Industrien ivird es der deutschen Handelspolitik gelingen, die Interessen der deutschen Ausfuhr wirksam wahrzunehmen. Nach Annahme des neuen deutschen Zolltarifs hat Deutschland seine handelspolitische Richtung beendet, während andere Staaten noch im Rückstände sind. Alles in allem ist die handelspolitische Stelliurg Deutschlands gegenüber dem Auslände gestärkt worden, und es besteht für die Interessenten der deutschen Ausfuhr kein Anlaß, düster in die Zukunft zu blicken. 'Nicht entmutigen sollen sie sich lassen, sondern werktätig Mitarbeiten an dem Ausbau der neuen Verträge, um ihre Interessen nachdrücklich wahrzunehmen. Tie Gefahr von Zollkriegen ist so gut wie ausgeschlossen. Die Reichsregierung wird sicherlich keinen Anreiz zu Zollkriegen geben und solche nur da führen, wo sie von anderer Seite dazu provoziert worden ist. Erfahrungsgemäß leiden bei einem Zollkriege die beiden beteiligten Staaten ziemlich in gleichem Grade, und so sind alle Staaten bestrebt, Zollkriege zu verhüten, da sie ihnen nur Schädigungen zu- sügen. Somit lassen sich die pessimistijchen Borhersagungen, als würden neue Handelsverträge mit dem Deutschen Reiche wegen des ueuc.i deutschen Zolltarifs nicht zu stände kommen, nicht recht begründen. Gras Bülow, der verantwortliche Staatsmann, hat ausdrücklich erklärt, daß der neue deutsche Tarif eine brauchbare Grundlage und ein gangbarer Weg für neue Handelsverträge ist, er hat auf die Einfuhrüberschüsse und auf die Kaufkraft Deutschlands hingewiesen, er hat hervorgehoben, daß die anderen Nationen an dem Fortbestände von Handelsverträgen genau dasselbe Interesse haben wie die Deutschen, und endlich hat er die loyale Absicht bekundet, in den Handelsoertragsverhand- lungen einen gerechten und billigen Ausgleich der deutschen Interessen mit denjenigen der befreundeten Nationen herbeizuführen. Auf Grund dieser Erklärungen dürfen die Interessen.en bei deutschen Ausfuhr mit guten Hoffnungen und mit uit rschütt.rlicher Zuversicht die Entwicklung der Dinge adwarten. Nach offiziösen Andeutungen ist die Vorlage der neuen Handelsverträge nicht vor Ende 1903 zu erwarten. Ein so weitschichtiges und verwickeltes Werk erfordert geraume Zeit. ZUM AkUtNer Kurp-uscherprozcß. Man schreibt uns aus Berlin, 11. Februar: Tas Interesse an dem in Berlin zur Verhandlung stehenden Kutpfuscherproz.ß Nardenkö11er und Gen. hat auch nach der Flucht des H a u p t a n g e k l a g t e n nicht nachgelassen. Dies Entweichen ist „nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan" erfolgt, belehren uns heute abend Mitteilungen der Presse. Nach denselben exakten amtlichen Feststellungen wird angenommen, daß Nardenkötter bereits ein sicheres Asyl in London gefunden hat. Solche Nachforschungen beweisen einen schönen Eifer der B.Hörden, wie denn auch jetzt die Wohnung des Flüchtigen observiert wird — aber die Verwunderung darüber wird durch die Ermittelungen post festum womöglich noch bestärkt, daß ein Angeklagter, der gegen eine verhältnismäßig sehr bescheidene Kaution aus freiem Fuß belassen war und hohe Strafe zu gewärtigen hatte, in acker Gemütsruhe und unbehelligt seinen sorgfältig ausgearbeiteten Plan aussühren konnte. Ter Präsident des Gerichtshofes hac die Verantwortung der Staatsanwaltschaft zugeschoben, die Staatsanwaltschaft habe während der langen Voruntersuchung niemals den Antrag auf Inhaftnahme Nardenkötters gestellt. In der heutigen Verhandlung nun ist ein neuer Vorwurf gegen die Behörde erhoben worden. Ern als Zeuge geladener Apothekenbesitzer, der an Nardenkötter Medikamente lieferte, entgegnete auf den Vorhalt des Präsidenten: Nardenkötter wäre bei einer ablehnenden Haltung sämtlicher Apotheker Berlins bald lahmgelegt worden, folgendes: „Wenn die Untersuchung 2y2 Jahre im Gange war, Hütte die Behörde doch wohl die Apotheker warnen sollen!" Cs erscheint fraglich, ob Nardenkötter seine Praxis hätte aufgeben müssen unter der vom Präsidenten yervvrge- hobenen Voraussetzung eines Apotheken-Boykotts, denn dieser „Wohltäter der Menschheit" hätte ja einen Wohnsitz wählen können, wo er in dieser Hinsicht Entgegenkommen fand. Aber außer Zweifel ist allerdings, daß eine Warnung der Behörde, nachdem einmal das gemeingefährliche Treiben des Angeklagten den Gegenstand der Untersuchung bildete, sehr am Platze gewesen fein würde. Mehrere Berliner Apo- thekenbesitzer sind durch die Uebernahme von Lieferungen an Nardenkötter in eine überaus peinliche Lage geraten. Und nicht nur das, sie haben außer der materiellen Schä-, digung, die ihnen durch die Beunruhigung des Publikums entsteht, noch ein Verfahren wegen Verletzung der Apotheker- Betriebsordnung zu gewärtigen. Der Geschäftsbetrieb Nardenkötters war ganz kolossal, unb er ist bis in die neueste Zeit fortgesetzt worden, wie im Laufe der Verhandlungen wiederholt zur Sprache kam. Diesen Umständen gegenüber muß doch wohl die Frage als berechtigt aufgeworfen werden: Lag hier nicht ein eminentes öffentliches Interesse vor, daß seitens der Behörden auf Grund der Ermittelungen unb der Ergebnisse der Untersuchung alsbald eine, wenn auch zunächst vertrauliche Warnung an die Apothekenbesitzer und an die Presse erlassen wurde? Mag es auch übertrieben sein, wenn Nardenkötter behauptet, jährlich 75000 Mk. für Anzeigen und Reklamen verausgabt zu haben, — sicher ist, daß ihm der Weg zu solchen Ankündigungen mindestens sehr erschwert worden wäre durch ein warnendes Wort der Behörde. „Ich habe nicht gewußt", erklärte in der heutigen Verhandlung der erwähnte Apothekenbesitzer, „daß Nardenkötter ein Kurpfuscher ist." Die Verbindung wurde abgebrochen, nachdem der Apotheker erfahren hotte, daß gegen Nardenkötter Prozesse schwebten. Die im Prozeß zu tage getretenen Ungehörigleiten in mehreren Berliner Apotheken sind selbstverständlich in keiner "Weise zu entschuldigen. Cs ist nur in der Ordnung, daß die Aufsichtsbehörde dagegen einschreitet. Doch wenn ein solches Versayren, wie mit Recht geltend gemacht wird, im Interesse der Beruhigung der Oefsentlichkeit liegt, so war es im Interesse der öffentlichen Gesundheitspflege, soviel als nur möglich zu ver- hiichern, daß sich noch weiterhin zum Teil schwer erkrankte Personen >: das „Institut Nardenkötter" wendeten und schwere Geldopfer für eine Behandlung brachten, die im besten Falle äußerst oberflächlich war, im ungünstigsten Falle aber ernste körperliche Schädigung herbeiführte. — Die Feststellungen dieses Prozesses haben Aehnlichkeit mit den Feststellungen der Polizei nach der Flucht des Haupt- angcHagten — sie kommen zu spät. Allenfalls, daß sich lernen läßt, was ein anderes Mal zu tun ist. AW- Verlobte verlangen von der Darmstädter Möbel-Fabrik, Darmstadt, Offerte nebst Katalog und Preisliste. Bedeutendstes und größtes Einrichtungshaus Mittel- und Süddeutschlands für alle Stände. 160 Zimmer - Einrichtungen wohnungsfertig, einschließlich Küche. Sehenswürdigkeit 1. NaugeS. Spezialität: Brautausstattungen in jedem Genre und Preis. Konturrenzlos in Auswahl, Form, Gediegenheit und Preis. 64 Ceibniz, Cakes Plaudereien aus der Kailerstadt. (Nachdruck verboten.) Sternberg Nachfolger. — Die Sorglosigkeit der Großstadtmütter. — Nardenkötters Abschied. — Tas Tal des Leben» und die Zensur. Noch haben sich die Pforten des Zuchthauses für den reichen Wüstling Sternberg nicht wieder auf getan, _ noch sind die naturwidrigen unb ekelhaften Untaten desselben frisch in dem sonst so schlechten Gedächtnis des Berliners, sodaß dieser schon aus dem Zuchthause heraus umfassende Tispositionen trifft, seinen Berliner Grundbesitz an den Mann zu bringen, um nach Verbüßung seiner Strafzeick Berlin sogleich den Rücken kehren zu können — und schon sorgt ein Greis, dessen gesellschaftliche Stellung durch feine Zugehörigkeit zum Offizierkorps der Reserve gekenn- zeichnec ist, ein Landmesser Stellst, dafür, daß wir nicht vergessen, an welchen Untiefen von Schmutz und Schande wir täglich vorübergehen, ohne es zu wissen; daß in den großen Mietskasernen, in denen Die meisten von uns wohnen, vielleicht Flur an Flur mit uns, das Laster seine Heimstätten haben kann, daß die Frauen mit dem ehrbaren Wesen, dem freundlichen Lächeln, die immer gut, aber nie auffällig gekleidet gehen, und sich anscheinend vom Abvermieten an ältere Herren in besserer Stellung nähren, dabei aber so viel Pech hoben, daß das Vermie- tungsplakut nie von den Fenstern verschwindet: daß diese braven, liebenswürdigen Matronen in Wirklichkeit gar nicht brav und ehrbar sind! Während im Falle Sternberg der Kreis der sogenannten Masseusen das Hauptkontingent für das Kupplertum stellte, sind von den vorläufig im Falle Stellst verhafteten vier Personen drei angeblich Händlerinnen; die vierte wurde als Schneiderin angesehen, der bte aus- und eingehenden jungen Mädchen fertiggestellte Garderobestücke.brächten. Entsetzen erregend ist auch bei diesem neuen Skandal wieder das jugendliche Alter der Opjer. Es figuriert darunter ein Ackidchen, das dem Verhafteten schon im Alter von 11 Jahren zugeführt worden ist. Aber wenn man tagtäglich sieht, wie unendlich viele der Berliner Kinder in die, em unkontrollierbaren Labyrinth von Straßen, auch noch in späten Abendstunden, umhertollen oder gewerbsmäßig ihre Streichhölzer und Blumen anbieten müssen, so erstaunt man darüber, daß nicht mehr dergleichen an die Oefsentlichkeit kommt. Ich traf vor wenigen Abenden am Potsdamer Bahnhof ein Kind von kaum zehn Jahren, das von der Wannseebahn kam und mir durch die Königgrätzer-, Prinz Albrecht- unb Zimmerstraße wie eine Klette anhaftete. Es war schon zehn Uhr vorüber, die Sache daher um so bedauerlicher. Auf Befragen erfuhr ich, daß das Kind von der Eisbahn in Friedenau kam unb Erlaubnis bis chalb elf hatte. An der Charlottenstraße bog ich ab, während das heme Fräulein einen Weg nach der Stal lschreiberslr aste tapfer sortsetzte. Ind ähnliche Fälle beobachtet man täglich. Auch das Back- ischpublikum unserer Theater, das sich naturgemäß aus besseren, d. h. zahlungsfähigen Greifen rekrutiert, macht mich oft nachdenklich. Man sieht die 14- und 15-Jährigen in Stücken, zu denen Eltern unmöglich die Erlaubnis gegeben haben können. Tas Anbetteln beliebter Schauspieler um Postkarten-Untecschr^f.en, das zu einer wahren Man.e ausartet, und sich vor Beginn der deir. Verkeilungen am Schauspielhause usw. tägckch wiederholt, ist eine Harmlosigkeit Dagegen; die durcv die Unermudtichteit der Auto- graphen gebenden eitlen Mitterwürzlein, ^aase's — oder auch Kainz von beiden! — einen belustigenden Zug erhält. Elternblindheit, wenn nickst schlimmere Fehler, sind die Ursache aller dieser Erscheinungen, und so manches Berliner Fräulein, das daheim noch für „ein Kind" gilt, wandelt in den unfoiurotherten Stunden auf Bahnen, die die Ueberreife festgetreten! Es ist eben fi^c immer eine gute Spekulation, wenn man auf die Leichtgläubigkeit feiner lieben Mitmenschen baut Auch der Falt Nardenkötter beweist es. Dieser Kurpfuscher mit den Schablonen-Rezepten und t en typischen Abfertigungen unzufriedener Patienten hat em Jay res- einkommen gehabt ime iaum einer der berühmtesten ärztlichen Kapazitäten Berlins. Unb daß ihn der Richter gegen eine Kaution von nur 15 000 Mark auf freiem Fuß ließ, war ein brillanter Abschluß seiner Berliner Spekulationen auf die Leichtgläubigkeit. So konnte er in aller Ruhe verduften, und läßt nun die anderen, die er mit geradezu schäbigen Löhnen abgefunben hat, den lstsen Brei auslöffeln. Uebrigens finden fia/ unter den Zeugen auch etliche, denen die Mixturen dieses modernen Eisenbarts geholfen haben. Cs geht eben nichts über den guten Glauben. Auch Serenissimus hat ihn in Max Dreyers amüsantem Schwant „Tas Tal des Lebens". Dort ist es em Leib- medikus, der den Wundertrank braut, dessen Wirkungen für die Erbfolge im „Ländle" so notwendig sind. Wie oas Ländle nun zu seinem Kronprinzen kommt, unabhängig von den Wirkungen des Zaubersaftes, wie dadurch die Bigotterie im „Larnste", „die Keuschheit unter militärischer Begleitung" wieder verschwindet und „Tas Tal des Lebens" seine Ammen wieder als „sozusagen Staatsbeamte" nach der Residenz usw. liefern darf, das ist der Inhalt des entschieden hochkomischen Stückes, das eine hÜbsme Anzahl von Aufführungen erleben würde, wenn nicht der Zensor fein Voium eingelegt hätte. Die Aufführung vor geladenem Publikum erzielte einen starken Erfolg, der nur nach dem etwas ab flauenden Schlußakte nachließ. Aber trotz der tapfer applaudierenden Rezensentenschar, die mit dcm lachenden unb unermüdckch die Häuoe regenden HermannSuoermann diesmal einig mar, werden die Berliner nicht in das „Tal des Lebens" pilgern können, wenn sie nicht nach Hamburg reisen. Hamburg ist eine freie Reichsstadt, die feinen Zensor kennt und über Serenissimus lacht, wenn er komisch ist. Wir dürfen uns nur über Pariser Bourgeois amchchren, die's dafür aber auch um so toller treiben. Ist das nun eine Auffassung, die einen „Dreyer" wert ist? Ll. R. Submission. Mr die neuen Kliniken in Hießen soll die Lieferung von cirka 32 000 Zentner Maschinenkohlen, 600 „ Nußkohlen, 60 Raummeter Taimen-Scheitholz für das Rechnungsjahr 1903/4 aus dem Submissionswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen und der Ministerial-Erlaß oom 16. Ium 1893 können auf dem Verwaltungsbureau der neuen Kliniken an den Wochentagen von 3—5 Uhr nachmittags eingesehen werden. Offerten sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermine Donnerstag, 26. Februar 1903, mittags 12 Uhr auf dem oben erwähnten Bureau abzugeben. Zuschlagsftist bis 20. März 1903. Gießen, 5. Februar 1903. 1171 Großh. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken, Holz-Versteigerung in der Fürstlichen Kberförsterer <^rch. Es sollen versteigert werden Montag den 23. Februar, vormittags 9 2 Uhr: a) in Distrikt Kolnhäuserkopf ttcrr.): Buchen: 2 Rm. Scheiter, 6 Rm. Knüppel, 2 Rm. Stocke, _ b) im Distrikt Fuchsstranch ttar.): Bilchen: 3 Rrn. schelfer, 1 Rm. Knüppel; Eichen: 7 Rm. wehester, 4 Rm. ^cheilbrocken, 4 Rm. Stocke, 50 Eizellen, c) int Distrikt Lchmerhütte, nahe 5 ent Bahnivärterhaus (tax.): Kiefern: 4 Nm. Knüppel, 2 Rm. Stöcke, 50 Wellen; ca. 1400 Eichenwellen (junge Eichen), d) im Distrikt Kettersberg (beim Db ngeshäusertetch): Buchen: 13 Rm. Scheiter, 17 Rm. Knüppel, 8 Rm. Stöcke, 280 Wellen; Eichen: 13 Rm. Knüppel, 200 Wellen; 380 Radelholz-Wellen; 19 Fichten- Bauholz = 4,26 Fst., 401 Fichten-Stangen — 24,15 Fstm., e) im Distrikt Hüter: Buchen: 29 Rm. Scheiter, 51 Rm. Knüppel, 11 Rm. Stöcke, 4900 Wellen (mehr als die Hälfte aus er,ter Durchsorstung); Eichen: 9 Rm. Knüppel, 200 Wellen; Nadelholz: 5 Rm." knüppel, 1200 Wellen; 1100 Wellen Hartlanb- holz, 50 Wellen Weichlandholz; 23 Fichten - Bauholz — 6,05 Fstm., 279 Fichten-Ltangcn — 15,33 Fstm., k) im Ti,tritt Schwarzwald: 2 Rm. Buchen-Knüppel: Eichen: 8 Rm. Knüppel, 4 Rm. Slöcke, 20 Wellen; 1 Eicheu-Schnitt- holz — 1,10 Fstm. (53 Etm. mitten, 5 Mtr. lang). Die Zusammentunfl ist 9'. Uhr am Kolnhänjerkopf, auf dem chauffierten Weg von Kolichausen her. Tie Bersleigerung kamt um 10 Uhr an das Bahmvärlerhaus, um 1O‘,;. Uhr, auf dem chaujsterteii Weg »veiler gehend, gegen den Haler hin kommen, nm 11 Uhr am Mcngeshäilserleich seni usw. Dienstag den 24. Februar, vormittags 9'. Uhr, im Distrikt Grauborn, aus zweiter bis vierter Tlirchförstnng: Buchen: 240 Rm. Kiiüppel, 26 3km. Stöcke, 6500 Wellen; Eichen: 77 Rm. Knüppel, 600 Wellen; 200 Nadelholz-Wellen; 30 Fichten-Banholz — 7,10 Fstm., 248 Fichten-Staugen — 14,21 Fstm. Bis 9‘/2 Uhr werden je ein Forffwart oder foiifl Beailflragter ins der Chaussee Lich-Gießen, hinter dem Konzebühl (von Lich ans gerechnet), und am Albacherhof sich aufhalten, nm darnach die üeuie nach bem Anfang ber Bersleigerung hinzuführen. 1328 im Kattenröder KcmcmdcwuLd. Es sollen versteigert werden: Montag den 16. Februar 1903 in den Diftr^ten Ettmgshäilsergrenze, Wallhecke unb Bruch 56 Stämme Eichen-Bau- und Wagnerholz von 14 bis 32 Clm. mittl. Durchm. und bis zu 14 Mtr. Länge, 20 Stämme Fichten - Baiiholz von 13—22 Ctm. mittl. Durchm. und bis zu 16 Mtr. Länge, 187 Stämme Kiefern-Bau- unb Schnittholz, 13—33 Ctm. mittl. Durchm. und bis zu 14 Mtr. Länge, sämtliche Stämnie sind ohne Rinde gemessen, 19 Klefern-Derbslcmgen mit 2,47 Fstm. Inhalt, 156 Fichten-Derbslangen „ 7,09 „ „ 460 Fichten-Relsstangen „ 6,37 „ „ 14 Rm. Kiefcrn-Nutzholzknüppcl, 3,5 Ditr. lang, Psostenholz 6 „ Buchen-Scheitholz, 10 , Kiefern-Rimbscheitholz und 6 „ Eichen-Rundscheitholz, Werkholz, 93 , Buchen-Knüppel, 50 Rm. Eichen-Knüppel, 46 „ 9iadel-Knüppel, 5820 Wellen Buchen-, Eichen- und 9iadel-Reisig, hierunter 2750 Wellen Buchen-Durchforstungsreisig, 600 Wellen Eichen-,Durchsorslungsreisig, zweite Durchforstung, 66 Rm. Buchen-, Eichen- unb Radel-Stöcke. Bemerkt wird, daß das Elchen-Ban- und Wagnerholz zuerst versteigert lüiib. Ter Anfang und die Zusammenkunft ist des morgens 9’/3 Uhr in dem Distrikt Ettingshäusergrenze, am Harbacher Weg, da wo derselbe vom Pfaffenpfad gekreuzt wird. Hattenrod, den 9. Februar 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. Rock. 1295 Pfcrdcmarkt zu Gictzen Am Mittwoch dem 25. März 1903 findet auf den städtischen Marttanlagen nächst der Rodln lmerslraße Pfcrdemartt flau. Für Stallungen in bet Nähe des -Marktes ist ansreichenb Sorge getragen; wegen derselbeii wolle man sich an Herrn Hoflohnkutsci-er Huhn dahier wenden: Auskunft über ioiiftigc -Marktangelegenheiten erteilt Herr Weinhändlcr August Schwan dahier. Nist dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung oerbunben, für welche 1565 Mark zur Verfügung stehen. Ter Pränilierungsplan ist von verrn Oekonomicrat Schlenkc, Hardthof bei Gießen, zu erbitten. Tie Preisverleilililg erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12' . Uhr. Oninlbusverbindung von dem Bahnhof nach dem Aiarktplatz und ziirück. 21 m 26. März, nach mittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadtknabenjchille eine Veriosuu« statt von Pferden, Wagen, landivirtschaftlichen Maschinen unb (3c- rätschastechHaushaltnngs- imdGebrauchsgegei,ständen. Der General- verlrieb der Kose ä 1 Mark ist dem Hern, Richard Bnchacker dahier übertragen. Gießeii, am 1. Februar 1903. 943 Die Pfcrdcmarkt-Kommission. 3cnn Kirch, Slabwerordneler. Holz-Versteigerungen Montag den 16. Februar 1903 sollen in den Waldungen der Stadt Staufenberg in den Distrikten Mühlwald, Lahnkopf, Birken und Eichwald versteigert werden: 65 Eichen-Stämme, Bau- und Wagnerholz, 47 Eichen-Stämme, Schnittholz, 30—63 Etm. Durchm., 32 37 11 4 14 55,90 Fstm., Kiefern-Stämme, Schnittholz 16,61 Fstm., Fichten-Slämme, 21 Birten-Stämme, 405 Erlen-Stämme, 16 Rm. Kiefern-Nutzholzknüppel, , 30—41 Etm. Durchm., Eichen-Derbstangen, Fichten-Terbstangen, Fichten-Reisslangen, 3 Mtr. lang. Mittwoch den 18. Februar und Donnerstag den 19. Februar: 253 44 34 253 36 Rm. /, V u Eichen-Scheit, darunter 42 Rm., welches sich zu Küferholz eignet, Buchen-Scheit, Nadel-Rundscheit, Eichen- und Nadel- Knüppel, Birken- unb Aspen- Knüppel, 47 , 5449 i 2626 242 Rm. Buchen-Knüppel, Buchen-Wellen, Eichen- unb Nadel- Wellen, Rm. Buchen-, Eichen- und Nadel-Stäcke. Ter jedesmalige Anfang ist vormittags 9 Uhr unb zwar am 16. unb 18. Februar im Distrikt Mühlwald, bet der Haltestelle Friedelhausen, oin 19. Februar im Distrikt Eich- wald, bet der Brücke in den Sälen. Bemerkt wird, daß da? Eichen-Scheitholz am zweiten Tag 118. Februar) zur Versteigerung kommt. Staufenberg, am 7. Februar 1903. Großh. Bürgermeisterei Staufenberg. Stephan. 1286 Gesetzliche Gesellenprüfung des Bezirks Lich. Tie diesjährige gesetzliche Gesellenprüfung des Bezirks Lich finbet im Monat April d. I. statt. An berselben können alle jungen Handwerker aus den Orten Holzheim, ©rüningen, Dorfgill, Steinbach, Albach, Hattenrod, Ettingshausen, Obcr- Besstngen, Lich, Fnheiden, Nieder-Bessingen, Nonnenroth, Langsdorf, Hungen, Langd, Rabertshausen, Stemheim, Trais- Horloff, Utphe, Obbornhofen, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Muschenheim, Eberstadt, Ober-Hörgern teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfung beendet ist. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 1. April d. I. an den unterzeichneten Anschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mk. und ist mit der An- melbung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Unterlasstiitg der Gesellenprüftmg für das spätere Handwerk ganz empfindliche Nachteile hat. Lich, den 7. Februar 1903. Der Prüfuugs-Ausschusi des Ortsgewerbevercins Lich. L. Scherfs, Vorsitzender. 1244 Wir geben nachstehend die Bestimmungen für den Verkehr nut unserer Abteilung für Spareinlagen zur allgemeinen Kenntnis der Interessenten. Gießen, im Dezember 1902. Kianli für Kandel und Industrie. DeposttenKaffe Hießen. Bankgebäude: Johannesstraßc 1. Bestimmungen: 1. Tas Einlagebilch wird mit 10 Pfg. berechnet. 2. Einzahlungen können täglich geleistet werden. 3. Das Emlagebuch ist von dem Besitzer gut zn verwahren. 4. Kommt ein Einlagebuch abhanden, fo hat der Sparer unoev züglich bei der Bank Anzeige zu erstatten. 5. Tie Bank ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, bei Kapital- rückzahlnngen die Legitimation des Vorzeigenden zu prüfen. 6. Tie Beifchrelbung der Zinsen erfolgt int Januar jeden Jahres in den Büchern der Bank. Die Besitzer der Einlagcdüchcr können die Auszahlung oder Beifchretbung jedoch ganz gelegentlich auch in anderen Monaten veranlassen. 7. Kapitalien unter 1000 Mark können ohne Kündigulig abgehoben iverden, dagegen hat der Zurücknahme von Betragen über 1000 Mark m der Regel eine dreimonatliche Kündiguitg voi- atiszugehen. 8. Vormünder können die Zinfen für ihre Mündel erheben, ivenn das (Bericht nicht anders bestimmt hat. Bei Kapitalrückzahl- iingen bedarf es der schriftlichen Erinächtigimg der obervornmnd-- schaftlichen Behörde.42 Verkauf auf Abbruch. Das der Frau Ferd. Burk Wwe. gehöige Nebengebäude an der Ostanlage, welche? Waschküche, Wagenremise, Kutscherwohnung und Heuboden enthält, soll auf Abbruch verkauft werden, ebenso die Hospslasterung und der Brunnenrahmen nebst Pumpe. Tas Gebäude ist im besten baulichen Zustande und läßt sich leicht wieder an einem anderen Ort auft'lchten. Resiektanten können den Bau jederzeit ansehen, auch können Zeichnungen von demselben, sowie die Verkauss- bedingungcn bet den Unterzeichneten während der üblichen Büreaustunden eingesehen werden. ^Schriftliche Angebote sind bis zum 21. Februar 1903 an Frau Burk, Ostanlage 14, einzureichen. Gießen, den 30. Januar 1903. 946 _____Stein & Ffleyer, Architekten. I Ernst Challier (Rudolphs Nacht) | Giessen. M-Mfi lir Ktm aller Art. | tirosec An*wähl, «oiide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko Hl tlusikalien-Handlung und -Leihaust alt 3 Spezialität: Billige Ausgaben. aM Sostverffeigermig Donnerstag, den 19. Februar sollen in den Zimme- rischen Waldungen zu Winnerod, Distr. Burgwald, Peiers- grund, Eichwald und Neuhof versteigert werden: Brennholz. Scheit, Buchen, 198 rm Prügel, „ 200 »H „ Eichen, „ Nadel, 16 • 53 e Stock, Buchen, 80 n v Eichen, 2 0 „ Nadel, 29 0 Reiser, Buchen, 390 n „ Eichen, 30 il u Nadel, 50 n Nutzholz. Stangen, Fichten, 1255 Stück, nut 13,61 fm Inhalt, Bohnenstangen, Fichten, 4860 Stück, Stangen, Lärchen, 27 Stück mit 0,45 tm, Stangen, Eichen, 46 Stück mit 1,92 , Stangen, Buchen, 42 Stück mit 0,94 tu-, Anfang vormittags */,10 Uhr am Ausgang der Straße Winnerod — Lindenstruth aus dem Burgwald. Winnerod, d. 11. Febr. 1903. Sarnes. 1327 Hostverfteigenmg Mittwoch, den 18. Februar 1. Fs., vormittags 9*/z Ubv anfanaend, soll im Leihgesterner Gemeinde-Wald nachverzeichnetes Holz versteigert werden: 103 Fichtenstämme von 13 bis 22 coi Turchmeffer, 10 bis 18 ui Länge — 25 ftn. 826 Fichtenslangenmit45fn>, 5000 Stück Fichten - Wellen, worunter sich 1100 Stück lange Wellen, welche sich zii Garteneinfricdigungeii eignen, befinden. Zusammenkunft in -Abteilung Sprung. Leihgestern, am 11. Feb. 1903. Gr.Bürgermeisterei Leihgestern. Heß. 1349 Bohnen Erbsen Linsen la Sauerkraut Essiggurken Salzgurken Rollmöpse ä 6 Pfg. iioii. Voliheringe ä 4 und 5 Pfg. empsiehlt 1114 Robert Stuhl. -Aus meine große Auswahl in rohem und namentlich in gebranntem Kaffee mache ich aufmerksam. Die gebrannten Kaffee? sind aufs sorgfältigste zusammengestellt, von fernem, kräftigem Aroma und absolut rein* schmeckend. 1219 Emil Fischbach. gut kochend Mit fliswütalier. Preis pro Pfund 7" Pfg. Zu jedem Pfund Pa'mm erhält der Käufer ein Serien'dld. \ 6 1 TichtthM-Lkilwiiidtii zum Aufwinde» von Lasten. Einfach! Praktisch! ! Bewährt! Prospekte gratis. Ph. lajlirlli 4 fo. fraoliliirl a. #. Berger’s Germania- Cacao. Robert Berger, E————. Pöaeneok i. Th. 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