153. Jahrg General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen den chvlstrasse l »er Systeme. ;ate: iio 1 inen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitätsdruckerei (Pietsch Erben), (Sieben, Verantwortlich für den allgemeinen Ted: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Fritter & Rossmann etc araturen sachgemäss, ProbirenSie >__ Nächster W e hat jedoch nicht dahin .. zurückzustcllen, die im politischen und wirtschaftlichen Interesse dringend geboten sind. Hier- Prästdent Graf Ballcstrem eröffnet die Sitzung mit .... 88 orten: Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüße ich die Herren Kollegen nach längerer Weihnachlspause auf das Herzlichste und wünsche Ihnen nochmals ein glückliches neues Jahr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst Resolutionen 'N ' ’ ,dee>iukabb)lti (Zeche Hanffeld) atlttfit-tittMAilte gfilffld (ob (für Dampsheipuq«-, [im yauwaterialieo H Marburgrrstraht^ Srcn«h»l! Von heute ab ofierie« fm iinfl'Mj MaW mcheblt [4141 3.M.IW. 616 Sorten, ®lt(t4|w 1 enoria billig. zum Zolltarif. Zuerst wird zur Verathung gestellt eine von der Kommt s s i o n angenommene Resolution, in welcher verlangt Wird, daß mit möglichster Beschleunigung unter Hinzuziehung von Vertretern des inländischen Tabakbaues in eine Prüfung eingetreten wird, in welchen Beziehungen die Ausführungs- bestimmungen zum Tabak st euergesetz im Interesse der kleinen Tabakbmlern vereinfacht werden können. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim snat-lib.i: Bei den schlechten Tabakpreisen der letzten Jahre ist man zur Ansicht gelangt, daß, wenn schon eine Erhöhung des Tabakzolls ausgeschlossen ser, wenigstens eine Verbesserung und Vereinfachung der Steuersätze stattfinden müsse. Diese müßten so eingertchtet werden, daß der kleine heimische Tabakbauer wenigstens nicht zu Grunde gehen Müsse. Redner verbreitet sich — bei der Unruhe des Hauses im Zusammenhang nicht verständlich — im Wesentlichen über die wirthschaftlicl)« Lage des pfälzischen Tabakbaues und befürwortet die Resolution. Abg. Ehrhardt sSoz.) beschwert sich über die großen Scherereien und Plackereien, die die Ausführung des Tabaksteuergesetzes mit sich bringe. Man könne fast auf den Gedanken kommen, die Regierung wolle den deutschen Tabakbau ganz beseitigen. Wozu brauche man dann aber einen „Schutzzoll"? Die Resolution wolle offenbar dem kleinen Tabakbauern ein Pflaster auflegen. Die jetzige Art, wie die Steuer erhoben wird, ist in der That unhaltbar Die Konttolmaß- regeln sind derartige, als halte man bte Kleinbauern für lauter Spitzbuben. Das ganze System ist falsch und obendrein sehr kompli- zirt. Weshalb entschließt man sich nicht zur Flächensteuer? Diese wäre das Einfachste und Zweckmäßigste. Der deutsche Tabakbau verdient es, daß man ihm das Leben ermöglicht. Der Pfälzer Tabak ist besser, als sein Ruf. Die Resolution ist nur ein Verlegenheits- Pflaster. Wir werden ihr zwar zustimmen, werden aber bei jeder Gelegenheit die gänzliche Beseitigung der inländischen Tabaksteuer verlangen. Das läge in gleicher Weise im Interesse der Konsumenten wie des beimischen Tabakbaues. Abg. Frese sfreis. Vgg.j: Die Klagen des Abg. von Heyl über kie schlechten Preise, die der deutsche Tabak in den letzten Jahren erzielt habe, und über die ungünstige Lage des deutschen Tabakbaues überhaupt, widersprechen den Aufzeichnungen deS Deutschen Tabak- Vereins, die nachzuprüfen ich Gelegenheit gehabt habe. Der Bruttoertrag der deutschen Tabakernte ist im Jahre 1901, zu 1000 angenommen, 21 891 gewesen, also über 21% Millionen Mark, während er in den vorhergehenden Jahren sich auf 17%, 18%, 13, 12 und 18 Millionen belief. Es hat also eine wesentliche Verschiebung zu Gunsten des deutschen Tabakbaues stattgefunden. Was die Preise anlangt, so haben diese — wenn man von gar nicht oder sehr schwer zu verwerthenden Tabak absieht — in den Jahren 1896 bis 1900 im Durchschnitt 80 bis 86 Mk. pro Gentner ohne Steuer betragen. Wenn noch 25 Prozent hinzukommen für Fermentation, so macht das Preise von 87,50 bis 45 Mk., die man nicht als schlecht bezeichnen kann, da sie nicht in allen überseeischen Ursprungsländern erzielt werden. Dann ist darauf htngewiesen, daß die deutsche Steuer unseren Tabakbau wesentlich mehr belaste, als der Zoll des aus- länbisHen Tabaks, und daß der Tabak, den Deutschland von den Vereinigten Staaten beziehe, mit 86 Prozent des Werthes belastet werde. Nach meiner Ansicht ist auch diese Ziffer noch zu niedrig. In der Hauptsache bekommen wir aus Nordamerika nicht die werthvolleren Cigarentabake, sondern solche, die bei uns als Kautabake und in der Schneidefabrikation Verwendung finden. Da bewegen sich die Preise von 20 bis 60 Pfennig, im Durchschnitt vielleicht 40 Pfennig in den letzten 6 Jahren. Das würde also bei 42% Pfennigen für das Pfund Zoll einen Zoll von mehr als 100 Prozent darstellen und nicht von 86 Prozent, von denen der Abg. Frbr. Heyl zu Herrnsheim gesprochen hat. Derselbe hat ferner hinzugefügt, daß der Zoll für bte Tabake, die aus Niederlänbisch- .Jndien kämen, nur 44 Prozent betrüge. Wenn man bas hört, ohne .gleichzeitig zu ermitteln, welche Sorten Tabak aus Niedcrlänbisch- Judien kommen, so möchte man biesen Vergleich ja als einen gelungenen zum Beweis für die Minderbelastung des ausländischen Tabaks und die Mehrbelastung des deutschen durch die Steuer betrachten, aber wenn diese Besteuerung prozentweise größer wäre, so würde damit der allergrößte Schaben bem deutschen Tabakbau zu- gefügt werden, denn in Deutschland wird gar fein ober wenig Deck- iabak erzeugt; ber ganze in Deutschland gebaute Tigarrentabak kann nur dadurch in den Konsum kommen, daß er eine Decke von dem aus Niederländisch-Jndien erhält. Das gilt namentlich für die billigen Cigarren. Also, die Herren aus Sübbeutschland vertreten bie Interessen des deutschen Tabakbaues außerordentlich schlecht, wenn sie diesen für die Fabrikation ber Cigarren in Frage kommen- ben ausländischen Tabak wesentlich im Zoll erhöhen wollten. Damit würden sie ihren Leuten keinen Gefallen thun, sondern einen Schaden zufügen. Die Argumentation des Frhrn. von Hehl ist also eine vollständige Verkennung der wirklichen Verhältnisse. Daß jetzt Lurch die Düngung mit kieselsaurem Kali ber Tabakbau wesentlich verbessert wird, gebe ich zu, aber ich mache auch Herrn von Heyl darauf aufmerksam, baß da, wo ein sorgfältiger Anbau des Tabaks unter fallen die erheblichen Mittel, welche die Staats- regierung in Fortführung ihrer auf den Schutz des Deutschtums in den Ostmarken und auf deren wirtschaftliche Stär-, kung gerichteten Polittk von Ihnen erbittet. Auch soll den in diesen Landesteilen wirkenden mittleren und unteren Beq amten, sowie den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen die in Aussicht gestellte Zulage gewährt werden. Vom wirtschaftlichen, wie vorn Standpunkt einer fürsorgenden Finanz Politik erschien es ferner nicht ratsam, den großen Betriebs Verwaltungen die Mittel zu versagen, die zu einer ordnungsmäßigen Ergänzung ihrer Einrichtungen erforderlich sind. Namentlich erachtet es die Staatsregierung für ihre Pflicht auch in den Zeiten ungünstiger Abschlüsse mit der betriebst sicheren Ausgestaltung der Eisendaynanlagen und der reael^ mäßigen Ergänzung des Fuhrparks nicht zurückzubleiben. Tie Bewilligung der hierzu erforderlichen Mittel wirb die Staatsregierung zugleich ui den Stand setzen, die Arbeit^ gelegcnheit im Lande zu vermehren. Zum Ausbau deS Staatseisenbahnsystems durch Erwerb mehrerer Private Die preußische Thronrede. (Ausführliche Meldung.) Berlin, 13. Januar. Ter preußische Landtag wurde heute durch den Reichskanzler Grafen Bülow mit folgender Thronrede eröffnet: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern ■ teS Landtags! Seine Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtags der Monarchie zu ttamftragen geruht. Die bevorstehende Tagung ist die i letzile einer arbeitsreichen Legislaturperiode. Die Ihnen ju unterbreitenden Vorlagen beschränken sich deshalb auf «Mwendige und unaufschiebbare Maßnahmen. Schon bei Ihrer letzten Berufung ist auf die wenig ! iefnüedigende Gestaltung der Finanzlage des Staates hin- ßemiesen worden. Die Rechnung des Jahres 1901 hat mit (inum Fehlbeträge von rund 371/2 Mill. Mark abgeschlossen. Luch für das laufende Etatsjahr wird nach den bisherigen ' Ergebnissen ein wesentlich günstigerer Abschluß ludjt er- Parlamentarische Perhandlnnizen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattrt. Deutscher Reichstag. 286. Sitzung vom 18. Januar, 2 Uhr. Nm BunbesrathStisch: Graf Posabowsky u. A. wartet werden können. Zwar ist in den letzten Monaten im Verkehr auf den Staatseisenbahnen eine geringe Steigerung eingetreten, doch wird der Reinertrag hinter dem Voranschlag erheblich Zurückbleiben. Der Entwurf des Staatshaushaltsetats für 1903 wird Ihnen alsbald vorgelegt werden. Trotz der vorsichtigen und sparsamen Bemessung der Ausgaben in allen Zweigen der Staatsverwaltung hat es sich nicht vermeiden lassen, zur Herstellung des Gleichgewichts den Staatskredit in beträchtlicher Höhe in Anspruch zu nehmen. Diese unerwünschte Erscheinung hat iyren G-runt» darin, daß infolge der Schwierigketten, mit denen feit Jahren die Landwirtschaft und in letzter Zeit auch Handel und Industrie zu kämpfen haben, bei einem Teile der Betriebsverwaltungen auch für das Jahr 1903 mit einem weiteren Rückgänge der Ueberschüsse gerechnet werden muß. Tie zeitweilige Finanzlage führen können, Ausgaben zurück/ 2450*’'1i5000 11 G°oOn L ztt-0 $ii°00 " 3500 5 i500:20»° ■iO »100 ' A»00 10O »20" gyt>0 rÄ* Abg. Ehrhardt (Soz.) führt mi8, man brauche keineswegs ein Tabakagrarier zu sein, um bie Wünsche der Tabakbauern für berechtigt zu halten. Abg. Frese (freis. Vgg.): Ich betone nochmals, daß mir von autoritativer, sübbeutscher Seite gesagt worben ist, daß man mit ber. Ergebnissen bc3 Tabakbaues in den letzten Jahren sehr zufrteben gewesen ist. Ich habe nicht vom Umblatt, sonbern vom Deckblat gesprochen, denn ich weih sehr wohl, baß ein gutes Umblatt auck mit beutschem Tabak erzielt wird. Daß man mit dem kieselhaltiger Kali gute Erfahrung gemacht hat, ist mir sehr erfreulich, ick warne aber bavor, zu glauben, baß man c8 auf jedem Boden und dauernd anwenden kann. Es kommt vor Allem auf die Qualität des Bodens und ferner darauf an, daß man den Boden auch zeitweilig ruhen läßt. Abg. Geyer (Soz.): Die Angaben der Herren von Hehl imb Deinhard stimmen nicht. Die Rentabilität des deutschen Tabakbaues ist keineswegs zurückgegangen. Herr von Heyl im Speziellen hat ja außerordentlich hohe Erträge von seinem Tabakbau erzielt. Er hat daher doch keinen Anlaß, nach erhöhtem Schutz für den Tabak zu schreien. Der deutsche Tabak kann in seiner Qualität dem ausländischen nicht das Wasser reichen. Diesen Unterschied kann man nicht beseitigen. Durch hohen Zoll kann daher nur der Konsument geschädigt werden, ferner auch noch die ffitgarreninbuftrte. Sie nützen den Bauern gar nichts. Ihnen kommt eß nur darauf an, einen hohen Rabatt in die Tasten ber Agrarier fließen zu lassen. Charakteristisch ist eß, baß jetzt, nachdem der Zolltarif durchgedrückt ist, Herr von Heyl große Strecken Aiim Tabakbau geeigneten Landes in spekulativer Absicht angekauft hat, um feinen „RebbeS" zu machen. (Hörti hört! und Heiterkeit links.) Abg. Dr. Roesicke-KaiserSlautern (Bund der Landwtrthep führt aus, baß ber beutsche Tabak keineswegs so minberwerthig. sonbern stark verbesserungsfähig sei. Daher seien alle Maßregeln äußerst berechtigt, die darauf auSgehen, den inländischen Tabak zu heben. ES sei sehr zu bedauern, baß man einen Zolltarif gemach* habe, ber so wenig ben Interessen ber Produzenten entspreche. Abg. Frhr. von Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.) weist die gegen seine Person gerichteten Angriffe deS Abg. Geyer zurück. Er Ion« statirt, baß er in ben 3 Jahren 1896—1899 16 Prozent auf TabaV verloren habe. Er konstatirt ferner, daß er seit dem Zustandekommen bes Zolltarifs keinen einzigen Morgen Lanbes gekauft habe. Er habe lebiglich einige Theile seines Familienbesitzes in Fideikommiß gelegt. Er bcbauerc, daß Aeuherungen, bie ihm schnöde Gewinnsucht zuschrieben, und bie auf eine niedrige Gesinnung bei dem schließen lassen, ber sie thut, im hohen Reichstage ber beutschen Nation möglich seien. Abg. Molkenbuhr (Soz.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Dr. Roesicke und spricht sich im Interesse ber Tabakarbeiter gegen jebe Erhöhung des Zolls wie der Steuer auS. Abg. Lucke (Bund der Landwirthe) hält ihm entgegen, bah doch nicht nur der Arbeiter, sondern auch ber kleine Bauer seines Lohne» werth sei. Die hohen Gewinne werden lediglich von den Fabrikanten eingclieimft. Abg. Geher (Soz.) erlvidert Herrn von Heyl, daß er keine Anschuldigung gegen ihn erhoben» sondern nur referirt habe. Er möge sich mit den Blättern auseinandersetzen, die jene Angaben Über feine Landankäufe zuerst gebracht hätten. Das seien aber nicht bie sozialdemokratischen Blätter gewesen, sondern die Kreisblätter aus bet Pfalz, aus ber Gegend des Wohnsitzes des Herrn von Heyl. Abg. Schrempf (kous.): Ich bedauere die Ausdrücke, die hier gefallen sind (Unruhe bei ben Sozialdemokraten). Ja, wenn eS auf bie Arbeiter geht, bann sind bie Herren so überaus empfinblich; auf die Dauern aber kann man Alles sagen. Die Herren sagen, wenn ber Tabakbauer mit bem amerikanischen Farmer nicht konkurriren kann, bann soll er ruhig zu QJrunbc gehen. Ja, Sie säen nicht, Sie ernten nicht urtb wollen boch Alles besser wissen, als bie Bauern. Den Hauptnutzen von bem Tabak haben nur bie Tabakhänbler, bie zumeist Juben sind. Gegen diese haben aber bie Sozialbemokraten kein Wort gefunden. Die Herren wollen den Bauern weis machen, sie bedürften des Zolle- nicht. Aber diese wissen ganz gut, toal folche Fuchspredigten zu bedeuten haben. Abg. Molkeubuhr (Soz.) wendet sich gegen ben Abg. Schrempf. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib.) erklärt, er halte e» für unter seiner Würbe und unter der des hohen HauseS, hier über unwahre Zeitungsnachrichten zu bebatttren. Er konstatirt nur, baß bie Angabe bes Abg. Geyer von ben Kreisblättern nicht zutreffe. Erst bie sozialdemokratische Presse habe bie niederträchttgen Ber- leumbungen aufgebracht. Die Kreisblätter hätten nur bte Nachricht von bem Fideikommiß gebracht. Abg. von Elm (Soz.) spricht über seine Erfahrungen alö Geschäftsführer der Hamburger Tabakarbeitergenossensckaft. Der Tabakzoll von 1879 hat eine große Zahl von Tabakarbeitern auf» Trockene gesetzt. Je höher der Zoll, desto niedriger der Lohn. Abg. Geyer (Soz.) sinbet es empörend, bah Abg. von Heyl ihn der niederträchtigen Verleumdung geziehen habe. Er solle doch nicht nur Wetth legen auf bie Kultur seines Lande-, sondern aud) etivaS Werth auf bte Kultur seiner Sitten. Präsident Graf Ballcstrem: Ich habe nicht gehört, bah Frhr. von Heyl einen Abgeorbneten ber niederträchtigen Vcrleumvung beschuldigt habe. So weit ich gehört habe, hat er diesen Ausdruck nur auf Zeitungsnachrichten bezogen. Sonst hätte ich ihn gewiß nicht durchgelassen. Nach einer Bemerkung des Frhrn. von Heyl wirb die Resolution fast einstimmig angenommen. Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr (weitere Resolutionen zu« Zolltarif und Petitionen). Schluß 6 Uhr. ftattfinbet und man den geeigneten Boden hat und einen guten Tabak erzeuat, man auch nie über schlechte Preise zu klagen hat. Solche Tabake werden immer rasch aufgenommen, und was rasch auf- gensmmen wird, das erhält bekanntlich außerordentlich gute Preise, wesentlich bessere als minderwetthige Waare. Ich mache bei dieser Gelegenheit auch darauf aufmerksam, daß ber Handel mit deutschem Tabcck nach den Erfahrungen ber letzten Jahre außerorbentlich in den Hintergrund gedrängt worden ist. Das kommt daher, daß die großen Fabrikanten, die eine große Menge von deutschem Tabak aufnehmen, als Selbstkäufer auftreten. Durch diese Konkurrenz ist es auch mit herbeigeführt worden, daß die Preise sich verbessert haben. Also hier kann nicht von einer Verschlechterung bie Rebe sein, sonbern nur von einer Verbesserung. Weiter hat Frhr. von Heyl gesagt, daß bie auslänbischen Tabake erstens einmal eine große Konkurrenz bilden für den deutschen Tabak, und daß sie ferner auch die deutschen Rippen fast ganz verdrängt hätten. Dagegen erlaube ich mir hervorzuheben, daß jeder Tabakfabrikant zugeben wird, daß ein großer Theil des deutschen, zu Schneidezweckcn verbrauchten Tabaks dem Konsumenten gar nicht mundgerecht gemacht werden kann, wenn nicht wenigstens Virginia- oder Kentucky-Stengel hinzugeschnitten werden. Und hier tritt die allergrößte Belastung ein, die beim Zoll vorkommt. Der amerikanische Kentucky- und Virginia-Stengel sckwankt im Preise im GestehungSlande zwischen 5 und 8, erhöht sich um einige Pfennige durch bie Fracht, kostet also im Durchschnitt auf bem deutschen Markt 8 Ps. Darauf wird 42 Pf. Zoll bezahlt, das macht ungefähr 600 Prozent. Nun behaupte ich ferner, daß in die Pfeifen so viel deutscher Tabak genommen wird wie nur möglich; gehen Sie darüber hinaus, so würden Sie die Konsumenten abschrecken, die heute schon sagen können, daß sie eine ungemischte Freude so leicht nicht bekommen. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Daß der Bruttoertrag zugenommen hat, und daß die Preise für gute Cigarrentabake wesentlich besser als früher sind, bestätigt auch ein hervorragender süddeutscher Beamter. Hand in Hand mit den damals guten Wirthschastsverhältnissen in Deutschland ging das Bestreben, besseren Tabak zu erzeugen. Wie falsch eS aber wäre, durch eine weitere Spannung zwischen Zoll und Steuer wieder einen großen Anreiz zur Ueberproduktion zu geben, dafür brauche ich nur auf bte Jahre 1880 unb 1882 hinzuweisen. Bekanntlich würbe 1879 das jetzt bestehende Tabaksteuer- und Zollgesetz cmanirt. Damals wurden für den deutschen Tabak Staffeljahre vorgesehen. In ben ersten Jahren kam bie Steuer nur theil - weise zur Erhebung, unb erst im britten Jahre erreichte sie ihre jetzige Höhe. 1880 fand eine große Ueberproduktion statt mit dem ungünstigen Erfolge, daß eine Menge Tabak gewonnen wurde, der zur Verarbeitung in Deutschland ganz ungeeignet war. Diese Mengen mußten natürlich einen Preisdruck herbeiführen. Erst als diese Mengen mit großem Schaben an andere Länder abgestoßen traten, konnte eine Gesundung der deutschen Tabakproduktion eintreten. Ich glaube, wer solche Zustände wieder herbeiführen will, stellt sich damit nicht in ben Dienst bes Vaterlandes, am wenigsten in ben der tabafbauenben Bevölkerung. (Sehr richtig l links). WaS nun bie Kontrolerleichterungcn betrifft, so habe ich schon 1893/94 bei Berathung bes TabakfabrikatsteuergesetzeS bie Stimme bafür erhoben, diese Konttole möglichst wenig cincngenb zu gestalten, nicht zu fiskalisch und ängstlich zu sein. Ick bitte auch heute die Reichs- regierung, in baldigst zum Abschluß führende Verathungen einzutreten, um hier eine Erleichterung herbeizuführen. Es wäre sehr zu wünschen, baß bie Beunruhigung des Tabakgewerbes, unter welcher ber Lanbbau, bie Jnbustrie unb ber Hanbel leiben, endlich aufhörte. Diese Jndusttie ist feit 1873 in vielen Jahren immer wieder verfolgt worden, sie hat sich aber Dank ihrer großen Energie immer wieder in die Höhe gearbeitet, ich glaube indessen, cs wäre ersprießlicher auch für den deutschen Fiskus, wenn man diese Jndusttie endlich zufrieden ließe, anstatt sie immer wieder von Neuem zu beunruhigen. (Beifall links.) Unterstaatssekretär von Fischer (fast unverständlich) bemerkt, daß Unbilligkeiten bei der Erhebung der Tabaksteuer so weit wie nur möglich vermieden würden. Wenn die Resolution aber angenommen werden sollte, so würden die verbündeten Regierungen gewiß gern erneut in Erwägungen darüber eintreten, ob und inwieweit die Lage der kleinen Tabakbauern durch eine anderweitige Ausführung des Tabaksteuergesetzes gebessett werden könne. Abg. Dr. Deinhard (nat.-lib.): Der sozialdemokratische Redner macht sich die Sache sehr leicht. Er will keine Steuer unb Zölle will er auch nicht. Das Reich braucht doch aber Gelb, unb ba barf man ihm die Einnahmequellen nicht verschließen. Ich stelle mich burchauS auf ben Stanbpunkt bes Abg. von Heyl, daß eine Ermäßigung ber Tabaksteuer unb eine Erhöhung bes Zolls am zweckmäßigsten ist, um unserem heimischen Tabakbau aufzuhelfen. Wenn bas Deckblatt dadurch theuer wird, so kommt eS bei der verhältnitzmäßig geringen Gewichtsmenge, die davon gebraucht wird, darauf nicht so sehr an; auch die Kentucky- und Virginiastengel werden dem deutschen Tabak nur in geringfügigen Mengen beiges mischt. Ich möchte die Aufforderung an Sie richten, Alles zu thun, was in Ihren Kräften steht, um ben fortwährenben Rückgang des deutschen Tabakbaues aufzuhalten. (Beifall bei den Nat.-Lib.) Abg. Beckh-Koburg (freis. Vp.) weist gleichfalls auf die mannigfachen Vexationen hin, die mit der Handhabung des Tabaksteuer- gesetzes für die kleinen Bauern verbunden sind. Die Resolution ist wirklich sehr harmlos: ihr kann Jeder zustimmen. Sie will nur ein Entgegenkommen ber Regierung erreichen, die chilanösen Maßnahmen der Kontrolbehörden in Wegfall kommen lassen. Nach den heutigen Erklärungen des Negierungsvertteters ist dieser Zweck der. selben bereits erreicht. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (nat.-lib., unverständlich, da er der Tribüne den Rücken zukehrt) scheint zu betonen, daß der Wunsch der deuffchen Tabakbauern an sich darauf ausgehe, ben Zoll zu erhöhen und bie Steuern herabzusetzen. Mittwoch, 14. Januar 1903 Erscheint täglich mit Ausnahme de« Sonntag». /S® V Die „Gießener LamillenbUitter" werden dem AA Bi 5 0 Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der UM lll RfK ||k M ZI II uK |R|& «hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. WW I 3 V ■ V ■ ▼ M V W Uk Wetter 8 H 13. 13. 14. 56 60 57 4 6 4 2» 925 7 IS 2,4 2,0 1,6 -'S' Januar 1903 753,0 754,8 757,8 5 'S" •G c N NE. NE. NNE. Sonnenschein sternh. Himmel Heller Himmel -3,6 —5,8 —8,4 NolitWe Tagesschau. Die deutsch-ostasiatische Vesahnngstrnppe. Nach der neuesten Aufstellung hat jetzt unsere ostasia- ische Besatzungsbrigade eine Stärke von 111 Offizieren, 19 Sanitätsoffizieren, 51 oberen Beamten, 12 unteren Beamten und 2377 Mannschaften, hinzu kommen 1348 Pferde. Bor der kürzlich erfolgten Reduzierung der 'Brigade betrug die Stärke derselben 219 Offiziere, 51 " anitätsoffiziere, 84 obere Beamte, 18 untere Beamte, 44 2 Mannschaften und 1964 Pferde. Im September d. Js. muß ein großer Teil der Mannschaften, deren Dienstverp' rchtung zu Ende geht, abgelöst werden. Der Ersatz soll wie 1902 so hoch bemessen werden, daß er zur Deckung des bis zur nächsten Ersatzgestellung zu erwartenden Abgangs ausreicht. Die bisherigen Kriegsgebührnisse sollen vorläufig im allgemeinen weiter gewährt werden; erhöht sind entsprechend der Einkommensaufbesserung im Frieden die monatlichen Besoldungssätze für Oberroßärzte, Roßärzte und Zeughausbüchsenmacher. Wann die Zurückziehung der noch bestehenden Teile der Brigade erfolgen kann, läßt sich heute noch nicht sagen. Sie hängt, wie offiziell bemerkt wird, von der weiteren politischen Entwickelung ab. An Teuerungszulagen erhalten bi» Offiziere und oberen Beamten täglich 10 Mk., 4 9PP in? unieren Beamten und Portepe-Unteroffiziere, 1,75 Mk. die übrigen Unteroffiziere und 1 Mk. die Gefreiten und Gemeinen. In Peking soll bekanntlich ein massives Lazaret für die Schutztruppe der deutschen Gesandtschaft gebaut werden. Zur Unterbringung der Kranken dienen zurzeit Döcker'sche Baracken. Diese Unterbringung ist nur ein Notbehelf, die auf die Dauer aus gesundheitlichen Rücksichten nicht bcibehalten werden kann. Die erheblichen Temperaturschwankungcn von — 20 Grad bis + 45 Grad C., sowie die außergewöhnlichen Unterschiede im Feuchtigkeitsgehalt der Luft machen es notwendig, die Kranken in massiven, den Witterungsverhältnissen angepaßten Gebäuden unterzubringen. Zudem werden die an sich sehr teuren Baracken unter dem Einfluß der ungünstigen Witterungsverhältnisse schnell abgenutzt und erfordern dabei bedeutende Unterhaltungskosten. Auch ist für die an Infektionskrankheiten Leidenden — in Peking herrschen zahlreiche gefährliche Infektionskrankheiten -- eine besondere Behandlung in festen Gebäuden dringend erforderlich zur Pflege der Kranken ivie zur Verhütung der Weiterverbreitung der ansteckenden Krankheiten. Vermischtes. x • Innsbruck, 13. Jan. Zwischen Pians und Strengen erfolgte vorgestern ein bedeutender Erdrutsch. Der Bahnverkehr wurde unterbrochen. Von Innsbruck wurde ein eigener Schnellzug nach Wien abgelassen. * Shanghai, 13. Jan. Infolge eines Erdrutsches stürzte gestern in Hoiakwan ift der Nähe von Nanking ein neuerbautes Warenlagerhaus in den Fluß. Ungefähr 100 Eingeborene sollen ertrunken sein. * Berlins älteste Bürgerin, die verwitwete Frau Sanitätsrat Schmidt, ist dort, nachdem sie erst kürzlich daZ 102. Lebensjahr vollendet, verstorben. Am 16. Dezember v. I. hatte sie in Gcistesfrische und körperlicher Gesundheit den letzten Geburtstag gefeiert, und noch am Sylvester diktierte sie ihrer Pflegerin Gratulationsbriefe. Aber schon der Neujahrstag fand sie auf dem Krankenlager. Die Influenza hatte sie ergriffen, doch mehr als eine Woche rang die Greisin mi* bcm tückischen Leidt>n bis das hitzige Fieber ihre Kräfte erschöpfte. * Vermächtnis. Wie aus Dessau gemeldet wird, hat ne verstorbene Baronin Cohn-Oppenh eim dem Kaiser 2 Millionen Mk., der Stadt Dessau und der dortigen israelitischen Gemeinde je 3 Millionen vermacht. Die Verwandten erhalten eine Million. * Die sprachenreichste Presse der Welt ist die der Vereinigten Staaten. Außer den Blättern in englischer Sprache gibt es dort nach einer kürzlich aufgestellten Statistik: 743 deutsche Zeitungen, 63 schwedische, 60 norwegische, 39 französische, 38 tschechische, 37 italienische, 37 polnische, 37 spanische, 19 hebräische, 16 holländische, 12 alt-slavische, 8 finnische, 6 portugiesische, 5 litauische, 5 armenische, fünf ungarische, 5 kroatische, 4,chinesische, 2 japanische, 2 griechische, 2 lateinische, 2 russische, 2 slowenische, 1 irokesische, 1 gälische und 1 serbische. Betr.: Maui Wilhelm Die Rotlauf GrÜningen ist erlc Gießen, den Großhe KcMsulä-ig Tas seit dem Uchbmecht gcirä üigtnlum einen im mtchn Schutz uni Abdruck ihrer Albe Recht. Man hat 1 im Interesse des Kopsarbeiter begn Auswüchse in der lich sind und der wert ist. Es hat zu Existenzen gegebe Arbeit nur lumm die darum auf bingungen buitf i fallen, ßu bicjcr 6 ifar« bei Sillgcme felb auä Kautehw.c "wa zwei Jahrze glücklich bestanden t ehemaligen Romptni den Ur. pbil baut Bekannten noch gtf Laufbahn erwählte ^er der Mann ha würdigeiwcise ansar jedoch ging es ihm heberrecht heraus .gemalen" Giiisall. 7 deutschen Zeilm «nmd d!i Urtjet aus ihm * Blatte einen r emem anderen $ bann Mcht er den —-ä K 2 Die Telegraphie in der Politik. Ein interessantes Kapitel über die Unkosten für Telegramme in der Politik finden wir in der „Zukunft": Wenn dem Fürsten Bismarck eine Kabeldepesche vorgelegt wurde, deren Inhalt ihm nicht sehr beträchtlich schien, Pflegte er mit dem Riesenbleistift an den Rand zu schreiben: „Was kostet das Telegramm?" Ter Betrag wurde gemeldet, und dann hieß es oft: „Kann der Absender selbst bezahlen; ich habe kein Geld für Depeschen, deren Inhalt mich auch aus dem Wege der Briefpost früh genug erreicht." .Der Kanzler liebte die Diplomaten nicht, die wegen jeder Kleinigkeit den elektrischen Draht bemühten; der Depeschenstil, meinte er, verwischt alle feineren Nuancierungen und sollte nur in Notfällen angewendet werden. Bald nach Bismarcks Entlassung zeigte der Etat des Auswärtigen Amtes eine auffällige Erhöhung der Depeschenkosten. Tie Zahl der diplomatischen Berichte — wenigstens , der offiziellen — hatte sich verringert; dafür telegraphierte man mehr als früher. Das war für Diplomaten, die aus der Armee und vom Landgericht kamen, bequem, weil es ihnen die subtile Wiedergabe entstandener Stimmungen ersparte. Auch war, wo 'b’ie Routine fehlte, rascher Rat in diskreten Angelegenheiten manchmal nötig; ein Beispiel: als der Kolonialdirektor Kayser an einen der kleinen Negerkönige zu schreiben hatte, fragte er telegraphisch eine Hamburger Firma, ob er den schwarzen Herrn als eine Majestät oder nur als Königliche Hoheit anzureden habe. Jetzt hören wir häufig, der vierte Kanzler halte sich streng an die Vismarcksche Tradition. Mag sein; trotzdem der Einfall, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zuzumuten, er solle sich als Schiedsrichter im Venezuelastrcit dem Süden verhaßt machen, dem ersten Kanzler wohl ebensowenig wie mancher andere gekommen wäre, der in den Staatskanz>-> leien ein Schütteln der Köpfe bewirkte. In einem Punkte ist das Auswärtige Amt jedenfalls der Mode des_ Caprivis- mus treu geblieben; es wird forttelegraphiert; eifriger noch als einst nach dem März des Jahres 1890. Ter Reichstag hat sich mit den Etatsüberschreitungen des Rechnungsjahres 1901 zu beschäftigen. Aus dem 2lb- fchluß geht hervor, daß — falls nicht etwa ein Druckfehler die Zisier fälscht —das Auswärtige Amt eine Mehrausgabe von 698 000 Mk. gehabt hat: „infolge des stacken, durch die Wirren in China bedingten Depeschenverkehrs mit den kaiserlichen Vertretungen in Ostasien, speziell mit der Gesandtschaft in Peking." Natürlich, denkt der Leser, in Kriegszeiten wachsen eben die Kosten auf allen Gebieten der politisch-militärischen Organisation. Ganz schön. Erstens aber wurde für den gesamten Depeschendienst des Auswärtigen Amtes früher noch nicht einmal die Hälfte des. letzt nachgeforderten Betrages in den Etat eingesetzt. Zweitclns kann sich's nur um diplomatische Telegramme handeln, denn die militärischen find zu den Kriegskosten gerechnet worden und sollen uns einst von den Chinesen bezahlt werden, die ja vielleicht die Güte haben, die leichteren Vertrags- Pflichten zu erfüllen. Und drittens darf man wolfl fragen, ob es durchaus nötig war, an jedem Tage durchschnittlich 2000 Mk. für Depeschen von und nach China auszugeben._ Einzelne dieser Depeschen sind ja in der Presse veröffentlicht worden. Als Peking befreit und unferm dortigen Geschäftsträger auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Trahtwege angezeigt war, ihm und seinen Beamten seien Orden verliehen, lasen wir die folgenden Sätze: „Erhalte soeben Allerhöchstes Telegramm und beehre 'mich, gehorsamst zu bitten, meinen alleruntertänigsten Tank für die mir in Gnaden zu teil gewordene hohe und ungewöhnliche Auszeichnung Seiner Majestät dem Kaiser und König Hochgeneigteft zu Füßen legen zu wollen. Sämtliche Mitglieder der Gesandtschaft schließen sich meinem untertänigsten Tank für die huldreichen Worte kaiserlicher Anerkennung unseres Verhaltens in Zeiten ernster Gefahr an, und jeder ist von freudigem Stolz erfüllt, seinen Bosten halten und verteidigen zu können." Tie stilistische Leistung braucht uns bier nicht zu kümmern. Kam diese nervöse Seligkeit aber nicht in einem Briesver- schluß noch zu^ rechten Zeit an ihre Adresse? Im Verkehr mit China beträgt die Worttaxe sechs Mark. Tas Dank- teleoramm hat also ungefähr 500 Mk. gekostet. . . . Wenn i Seh.: Schwein Die zu Allem ^otlaufscuche ist er! Gießen, v. Großhe fv gewirtschafter wird, darf man sich über die Steigerung oer Ausgaben nicht wundern. Die Bud^etkommission des Reichstags und der Rechnungshof aber sollten diesen Tingen verschärfte Aufmerksamkeit schenken. Höchste Temperatur am 12.—13. Januar — 2,4° 0. Niedrigste „ » 12.—13. „ — 6,9° 0. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldttugen des Gießener Anzeigers. Johannesburg, 13. Jan. (Reutermeldung.) Chamberlain und die fthrenden Persönlichkeiten der Minenindustrie gelangten zu einer Uebereinkunft hinsichtlich Regelung der finanziellenAngelegenheiten. Der Beitrag Transvaals zu den Kriegs kosten wird danach .70 Millionen Pfund betragen, außerdem soll eine Garantie für eine Reichsanleihe von 30 Millionen Pfund gegeben werden zur Verwendung zu reproduktiven öffentlichen Arbeiten in der Transvaal- und Orangekolonie. Auch hinsichtlich der Arbeiterfrage wurde eine Verständigung erzielt. Parlamentarisches. Berlin, 13. Jan. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im 3. Berliner Wahlbezirk winde der Stadtverordnete Fabrikbesitzer Rosenow (freis. Volksp.) mit 790 Stimmen gewählt. Schulrat Zwick erhielt 458, Reichstags- abgeord. Singer 3 und Zeitungsverleger Bruhn 2 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen. Berlin, 13. Jan. Tie deutsche Reichspartei ist heute unter dem Vorsitz des Mg. v. Ka,-dorff zusam- mengetreten. Es soll sich um die Auseinandersetzungen mit dem Bunde der Landwirte und die Stellungnahme zu der bekannten Erllärung des engeren Vorstandes des Bundes der Landwirte gegen die Freunde des Antrages von Kardorff zum Zolltarif gehandelt haben. — Die Heirats-Aff aire des früheren Posener Provinzial-Steuer-Direktors Geh. Finanzrat L ö h n i n g wird in der ersten Lesung des Etats int preuß. Abgeord- netenhause zur Sprache gebracht werden. In diese Debatte wird auch die polnische Landtags-Fraktion eingreifen. Man glaubt, daß diese Debatte allein mehrere Tage in Mspruch mehmen wird. In der zweiten Plenarsitzung des preuß. Abgeordnetenhauses am 14. d. M. wird zur Wahl des Präsidiums, dessen Wiederwahl sicher ist, geschritten werden und der Etat durch den Finanzminister Frhrn. von Rheinbaben eingebracht werden. Die nächsten Tage werden für Fraktionsberatungen sreigelasfen werden. Tie erste Lesung des Etats dürfte am 19. ds. beginnen. Danzig, 13. Jan. Bei der heutigen Reichstags- ersatzwahl im Wahlkreise Danzig-Stadt erhielten Mommsen (freis. 23er.) 6176, v. Heydebreck (kons.) 4582, Bartel (Soz.) 5568, Wolßlegier (Pole) 329 Stimmen. 28 Stimmen sind zersplittert. 102 ungiltig. München, 13. Jan. Gegenüber der neuerlichen Veröffentlichung des Handelsoertragsvereins, nach der die bayerische Regierung zwar einen formellen Antrag beim Bundesrat noch nicht einbrachte aber doch beabsichtige, die Vermischung der Gerste mit Roggen als Merkmal bei der Verzollung der Futtergerste vorzuschlageu, betont die „Allg. Zig.", daß auch die iu dieser Weise reduzierte Meldung durchaus unzutreffend ist. Die bayerische Regierung sei offiziell überhaupt noch nicht in Erwägungen über die Frage eingetreten. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat Robert Koch hat mit seinen beiden Assistenten und seiner Gattin Berlin verlassen, um sich auf den neuen Schauplatz seiner Tätigkeit, nach Westasrika, zu begeben. Der Broed der Reise ist, wie wir meldeten, die Ursachen der in Afrika herrschenden Rinderpest festzustellen. Ein Ballet des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen „Das Wunder des Frühlings", wird im Theater de la Monnaie in Brüssel demnächst zur Aufführung kommen. Ein d'-lnnunciotheater der Düse. Eleonore Düse beabsichtigt am Albanersee auf einem vom Grafen Frankenstein geschenkten Gelände ein Theater zu bauen, in dem sie unabhängig von der täglichen Rücksicht auf Kassenrapporte die Wecke d'Annun- zios spielen will. Der Plan, an dem uns alles gefällt außer gerade den Tragödien d'Annunzios, soll tatsächlich durchgesetzt werden. Die Finanzierung ist schon ziemlich wett gediehen und die noch fehlenden anderthalb Millionen will nun angeblich Miß Morgan aus Newyork mit ihren Freunden aufbringen. Die größte für die Erhaltung eines Kunstwerkes aufge. wendete Summe hat wohl der durch die Nilstau gefährdete Ten, pel von Phylä beansprucht. Ursprünglich bestand die Absicht, den Nildamm von Assuan bis zur Höhe von 114 Meter über dem Meere zu errichten. Ein Damm in dieser Höhe hätte aber zur Folge haben müssen, daß der Tempel von Phylä unter Wasser gesetzt worden wäre. Zur Schonung des Tempels wurde daher die Höhe des Dammes um acht Meter, das ist auf 106 Meter, verringert. Dadurch ist natürlich eine bedeutende Abnahme der für die Bewässerung verfügbaren Wassermenge bedingt. Der Unterschied soll einem östreichischen Konsularbeckcht zufolge fast anderthalb Millionen Raummeter betragen, was im Laufe der Jahre für die ägyptische Volkswirtschaft einen Verlust von Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Millionen bedeuten wird. M. lf8_ „ rits.fi- l->ö iLru-Sif" , „ Lwkd'lu -cholstraie Mli, * Ä Wliversltüts-Uachrichten. Ter 24. Balneologen-K'vngreß tofrb: unter Vorsitz des Geheimrats Liebreich vom 5. bis 9. März in Berlin tagen. — Wie die „Nationalztg." mitteitt, ist der Dozent in der Berliner Juristenfakultät Professor Paul Heilborn als a. o. Professor für Strafrecht und die prozessualischen Fächer nach Breslau berufen worden. — Demselben Blatt zufolge hot Professor Krvmeyer in Czernowitz nachträglich die bereits angenommene Berufung nach Halle auf den Lehrstuhl für alte Geschichte abgelehnt. — Aus Wien wird berichtet: Für die Be-, setzung der Stelle des Primarius an der ersten chirurgischen und gynäkologischen Ylbteilnng im allgemeinen Krankend hause, deren früherer Vorstand Professor Tr. 233ein* lechner in den Ruhestand getreten ist, wurde Tvzent T-r. Vüdinger in Aussicht genommen. — Ter Direktor der Universitäts-Bibliothek in Göttingen Geheimrat Prost Dziatzko ist auf einem Jagdausflug einem Schlaganfall erlegen.__ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. e “Wert “ «nein 7- iitVX vä “""1 in 51?,'H "»n noil ? b«, '""W. L'b°n Sä * Zur Flucht der sächsischen Kronprinzessin. — Dem „Leipziger Tageblatt" wird aus Dresden geschrieben? Die Gerüchte, die sich hier neuerdings über den unmittelbaren Anlaß zur Flucht der Kronprinzessin gebildet haben, sind, wie wir zuverlässig erfahren, unzutreffend. Die Oberhofmeisterin hat nicht, wie erklärt wurde, die Kronprinzessin und Giron bei einer „stürmischen Liebkosung" überrascht, sondern aus anderen Tatsachen den Verdacht geschöpft, daß zwischen der Kronprinzessin und Giron ein unlauterer Verkehr bestand. Sie hat dann eine Aussprache mit der Kronprinzessin herbeigeführt und von dieser weitere Zugeständnisse erhalten. Hätte nun die Oberhofmeisterin, was sie in Erfahrung gebracht, für sich behalten wollen, so hätte sie inkorrekt gehandelt. Es war ihre Pflicht, und das wußte natürlich auch die Kronprinzessin, dem Könige von dem Vorgeiallenen sofort Mitteilung zu machen, was denn auch geschehen ist. Daß die Kronprinzessin nach der Entdeckung des Liebesverhältnisses „in steter Sorge vor Kloster und Irrenhaus" gewesen sei, ist nicht anzunehmen, da sie nach früheren Vorgängen ganz genau wissen mußte, daß man sie mit der größten Rücksicht behandeln werde, zumal sie sich in gesegneten Umständen befindet. Die „Tresd. N. Nachr." melden aus Genf: Die erste Unterredung der Kronprinzessin mit ihrem Anwalt Dr. Zehme aus Leipzig war sehr herzlich. Dr. Zehme dankte für das ihm geschenkte Zutrauen. Die Kronprinzessin erwiderte, sie wisse, daß ihre Interessen vor dem besonderen Gericht durch Dr. Zehme gut vertreten sein werden. Letzterer antwortete, daß er sich streng an die ihm von der Kronprinzessin und Lachenel erteilten Weisungen halten werde. Von heute ab finden täglich mehrere Besprechungen statt und zwar zwischen der Kronprinzessin und dem Anwälte allein oder auch mit Dr. Körner, dem Anwalt des Kronprinzen, zusammen. Alles wird genau protokolliert. Die Eröffnung des Prozesses findet am 28. Januar in Dresden statt. Dem Dr. Zehme soll die Kronprinzessin folgende Instruktion gegeben haben: „Tun Sie Ihr Möglichstes. Binnen sechs Wochen müßte ich unter allen Umständen frei sein, um mich sobald wie möglich wieder zu verheiraten. Ich werde jede Erklärung, die zu diesem Ziele führt, unterschreiben." — Die Dresdener Blätter bringen eine Notiz, welche von dem Anwälte der Kronprinzessin herrühren kann und in welcher mitgeteilt wird, daß zwischen der Kronprinzessin und Giron kein Zerwürfnis besteht und daß keine Trennung beabsichtigt sei. Prinz Johann Georg von Sachsen traf am 13. b. Mts. in Wien ein und hat in der Hofburg Wohnung genommen. Nm 1 Uhr fand auf der sächsischen Gesandtschaft ein Dejeuner statt, an welchem auch der deutsche Botschafter teilnahm, am Abend war beim Kaiser in der Hofburg Tiner. Sodann besuchte der Kaiser mit dem Prinzen die Oper. Förderung der Kleinbahnunternehmungen sind größere Mittel vorgesehen. ... , . Ter Verbesserung der Wohnungs'verhaltnisse der tn den staatlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und der gering besoldeten Beamten ist mit Ihrer Zustimmung wiederholt besondere Fürsorge gewidmet worden. Da das Bedürfnis unverändert fortbesteht, wird von Ihnen in einem neuen Gesetzentwurf ein weiterer Kredit zu gleichem Zweck erbeten werden. Im Interesse der Förderung der allgemeinen Volksgesundheit wird Ihnen alsbald ein Gesetzentwurf zugehen, nm das Reichsgesetz betr. die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten innerhalb des preußischen Staates zur Ausführung zu bringen. Ter im vorigen Jahre nicht zur Verabschiedung gelangte Gesetzentwurf über die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst wird Ihnen tn etwas veränderter Gestalt wieder vorgelegt werden. Ihre Zustimmung wird ferner zu einem Gesetz über die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für katholische Pfarrgemeinden erbeten werden. Meine Herren! Auch in der bevorstehenden Tagung sind Sie zu wichtigen Arbeiten gerufen. Mögen dieselben dem Vaterlande zum Segen gereichen! Lluf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erftäre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet!