Nr. 240 erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem yesfischen Landwirt die Gießener Kamillen, blätter viermal in der Woche deigelegr. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l/scheu Untvers.-Buch- u. Stein- bruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schalstrabe 7. Adresse für Depeschenr Arrzetger Gtetzea. Kernlprechanschluß Nr. 61. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 13. Oktober 1003 MetzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75Pl„ olertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jährt ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für dre Lagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiS: total 12Pf^ auSwtirU 20 Pfg. BrraniworriiL <ük den polU and ougem, TeU P. Wittko. für .Stadt und Land^ und .GerlchtSsaal*' August Götz. lür den 2ln- -eigenteil; Hans Beck. £3 Iie heutige Yummer umfaßt 8 Setten. Kes Zaren Absage an Italien. Der König und die Königin von Italien treten heute (Dienstag) begleitet vom Minister Morin, von Pisa aus die Reise nach Paris an, und italienische Blätter berichten, König Viktor Emanuel werde bei seinem Besuch in Paris einen Schiedsv ertrag zwischen Frankreich und Italien unterzeichnen. Im Hinblick auf den für den 24. Oktober in Aussicht gestellten Besuch des Zaren in Rom konnte man zudem erwarten, daß der italienische König der französischen Republik in diesen Festtagen des „beiderseitigen Freundes" Nikolaus II. gedenken werde. Das versprach sehr wirkungsvoll zu werden. Eine neue Bestätigung, daß Frankreich Freunde vingsum zähle und daß Deutschland „isoliert" sei, selbst mit seinen Verbündeten nur durch lockeres Band verknüpft. In Italien fehlt es nicht an Politikern, die sich in solchen Anschauungen mit den Franzosen eins wissen. Russischerseits aber sind die kleinen Ueberraschungen beliebt. Das Zarenreich läßt sich nicht gern als Demonstrations-Objekt verwenden. Just am Vorabend des italienischen Besuchs in Paris verbreitete die russische Preß- agentur die Mitteilung: der Besuch des Zaren in Rom ist vertagt, wegen der „andauernden Feindseligkeit der Sozialistenpartei". Und gestern, Dienstag vormittag, traf der erste Flügeladjutant des russischen Kaisers, Fürst Dolgoruky, in San Rossore, dem Aufenthaltsorte des Königs von Italien, mit einem Brief ein, in welchem der Zar dem König die Vertagung der Reise mitteilt. Aus Paris wird dem „Giornale d'Italia" gemeldet, daß der Besuch des russischen Kaisers vielleicht später in Racconigi oder an einem andern ruhigen Orte abgestattet werde. Der offiziösen römischen „Tribuna" zufolge, wurde in dem Schreiben, das Fürst Dolguruki dem Könige überbrachte, der Zeitpunkt für den Besuch des russischen Kaisers festgesetzt. Oesfentlich scheint man ihn aber nichst nennen zu wollen. Die „Agencia Stefani" meldet aus Darmstadt: Laut amtlicher Mitteilung müsse der Zar aus Gründen, die von seinem Willen unabhängig fiiü), den Besuch, des italienischen Hofes vcrschiebem Die Nachricht von der Verschiebung der Reise hat in Rom natürliche großen Eindruck hervorgerufen. Die „Dri- buua" führt aus, wenn die russische Polizei gut unterrichtet sei, dürfe sie nicht behaupten, daß Würde und Perlon des Zaren in Italien weniger geschätzt werden könnten ober größere Gefahr laufen als anderswo. Das Blatt erinnert daran, daß der Zar bei seiner letzten Reise nach Frankreich es nicht für opportun gehalten habe, nach Paris zu gehen und bei dem jüngsten Aufenthalte in Oesterreich Men nicht betreten habe, wo zu gleicher Zeit zwei sozialdemokratische Protestversammlungen ftattsanden. In Italien würde nichts dergleichen geschehen sein. Die italienische Regierung hätte die bündigsten Versicherungen über eine würdige und achtungsvolle Aufnahme geben können, die der Kaiser gefunden haben würde. Wenn man behaupte, daß der Aufschub von einem ganz kleinen Bruchteil der äußersten Linken verschuldet worden sei, meint die „Dri- buna", lege man einer kleinen Anzahl von Leuten, denen' an feindseligen Kundgebungen gelegen sei, die aber gescheitert wären, zu große Bedeutung bei. Das Blatt hofft, oaß die erschienenen Wolken bald wieder verschwinden. — „Popolo Romano" sagt, die Vertagung des Besuches könne nicht durch Grün de, an denen Jtalie n schuld sei, verursacht worden sein. — „Eapitan Fraeassa" fuhrt aus, die italienische Regierung habe alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die Ordnung zu wahren und die Person des Zaren zu schützen. Die gegen den Zaren gerichtete Kampagne sei erfolglos geblieben, vielmehr hätten sich 300 Vereine dem EmpfanKkomitee zur Verfügung gestellt, um den Kaiser mit demselben Enthusiasmus wie die anderen Souveräne zu empfangen. — Der sozialistische „Avanti" aber fährt in der Agitation gegen den Zaren fort. — Im Pariser „Figaro" sagt die russische Privatagentur in Paris: Der Beschluß ändert nichts an den guten Beziehungen zwischen Rom und Petersburg. Nach dem Vorspiel, das die Erwartung des Zaren in der italienischen Kammer gefunden hat, bestand allerdings die Möglichkeit, dre Abneigung gegen den russischen Kaiser werde in Rom über den Rahmen einer Demonstration hinausgehen. In Italien sind die Anarchisten zu Hause. Das ist an sich schon wenig einladend. Die russische Geheünpolizei dürfte sich vielleicht doch unterrichtet haben, daß eine volle Garantie für die Sicherheit des Zaren in der italienischen Hauptstadt angesichts dieser Zustärrde nicht zu übernehmen ist. So fällt ein bitterer Tropfen in den Freudenkelch der bevorstehenden Pariser Festlichkeiten. Es ist nichts mit der projektierten in bengalischem Lichte erstrahlenden Gruppe: Frankreich und seine Freunde. Eine starke Hand greift in das schöne Arrangement des ehrgeizigen Herrn Delcasse ein. Vielleicht ist das zugleich eine Revanche Rußlands für die rollenwrdrigen Settenjprünge des französischen Ministers in der Balkanpolitik. Deutsches Keich. Berlin, 12. Okt. Der Aufenthalt des Kaiser- Paares in Hub er tu s st o cr wird in den nächsten Tagen beendigt werden. Am Sonntag besuchten der Kaiser, die Kaiserin, Prinz Adalbert sowie das Gefolge den Gottesdienst. Dieser Tage nahm der Monarch den Vortrag des Kriegsministers Generalleutnants v. Einem entgegen, auch den des Kommandanten des kaiserlichen Hauptquartiers, Generaladjutanten Generals der Infanterie v. Plessen, der aus gleichem Anlasse nacy Hubertusstock befohlen worden war. Das Jagdglück war dem Kaiser wiederum sehr günstig. Während der Vor- und Nachmittagspirsch e des zwecken Jagdtages erlegte er sieben prächtige Hirsche. Prinz Adalbert hat mehrere Stücke Damwild zur Streue gebracht. Bei den Pirschfahrten wird der Prinz öfters von seiner Mutter begleitet. Die Kaiserin betätigt sich auch in Hubertusstock mit Vorliebe als Amateürphvtoaraphin. So photographierte sie letzthin während der Besichtigung der Jagdbeute vor dem Schlosse den Kaiser, den Prinzen Adalbert sowie sämtliche Herren des Gefolges. Posen, 12. Okt. In der bereits kurz gemeldeten Rede bei dem gestrigen Kommers dankte Minister Frhr. von Rheinbaben zunächst den Herren des Komitees und fuhr fort: „Wenn Sie alle, die aus allen Kreisen des Berufslebens herbeigeeilt sind, treu die Aufgaben erfüllen, die in der Ostmark harren, dürfen Sie sicher sein, daß die Staatsregierung Sie nie verlassen wird. Nachdem der Kaiser im letzten Herbst bestätigte, daß weder an der Sprache noch an der Religion der anders sprechenden Bewohner Preußens gerüttelt wird, wird niemand mehr wagen, an der Lauterkeit unserer Absichten zu zweifeln. Aber es versteh! sich andererseits von selbst, oaß wir den staatsrechtlichen Zustand der Provinz nicht antasten, diesen Eckstein aus dem Gebäude unseres Staates nicht herausreißen lassen, solange der Bau des Staates besteht. Friedrichs des Großen Wort „Ich diene" ist auch der Leitstern des jetzigen Kaisers, der nur ein Ziel kennt: die Wohlfahrt des Volkes zu fördern. Wenn auch jeder von uns diesem Worte folgt, werden wir die Aufgaben in der Ostmark erfolgreich lösen, doch müssen wir den Geist der Selbstsucht uno Zwietracht zurückdrängen. Schon Bismarck wies am 13. März 1885 im Reichstage darauf hin, wie ein Völkerfrühling sondergleichen nach 1866 und 1870 uns zuteil geworden sei. Wie Bismarck aus führt, litt dieser Vöikerfrühling Gefahr, durch Loki, den Gott der Zwietracht zertrümmert zu werden. Dieses Wortes lassen Sie uns heute eingedenk sein. Lassen Sie uns alles, was uns trennt, zurückstellen, aber altes voranstellen, was uns eint. (Lebhafter Beifall.) Diese Mahnung ist gerade hier von Nöten, aber ich möchte den sehen, der uns überwinden will, wenn der Deutsche zum Deuftchen steht. Die Aufgaben des Deutschtums im Osten wird die Regierung stets unterstützen." Braunschweig, 12. Okt. Der Parteitag der brauw schweigischen Landesrechtspartei (Welfen) beschloß, künftig nur eigene Kandidaten bei Wahlen aujzustellen, Kompromisse zu unterlassen und die deutschen Fürsten aufzu- fordern, der Regelung der braunschweigischen Zchronfolge näher zu treten. Dresden, 12. Okt. Der Landesverein der deutsch- sozialen Reform-Partei für das Königreich Sachsen will im Wahlkreise Mittweida, wo infolge der Mandats- Niederlegung Göhr es eine Nachwahl notwendig wird, die Sozialdemokratie mit allem Flachdruck bekämpfen und eventuell einen reformerischen Kandidaten aufstellen. München, 12. Okt. Jur bayerischen Landtage wird stets dafür gesorgt, daß dem ehrwürdigen Hause die Langeweile serugehalten werde. Ganz besonders versteht es der Zentrumsabg. Dr. Heim, die Genrüter durch einen kräftigen Ton anzuregen. Dem Sitzungsberichte vom 9. Oktober entnehmen wir: Dr. Heim: Gestern erwartete Dr. Casselmann von mir, ich! würde Judapest statt Budapest sagen . . . Wie kann Dr. Casselmann von mir etwas Verkehrtes voraussetzen! Dr. Easselmann hat dann im speckigen Brustton. . . Präsident Dr. v. O r t e r e r: Der Ausdruck „speckiger Brustton" entspricht den in diesem Hause sonst üblichen Ausdrücken durchaus nicht- Dr. Heim: Er hat in speckigem Tone . . . Präsident Dr. v. Orter er: Der Ausdruck „speckig" ist zu vermeiden. Feuilleton. In seiner Grund anschauuug über Lungenschwindsuchtsentstehung wird Behring von der Erfahrung geleitet, daß der Organismus des Säuglings gegenüber dem Eindringen von Bazillen viel weniger geschützt ist, als der Organismus des Erwachsenen. Insbesondere gehen Bakterien durch die Schleimhaut des Magens und des Darms des Säuglings, weil diesen Organen noch die Schützvor richtungen fehlen. Behring kommt in dieser Anschauung eine Unterstützung von feiten der pathologischen Anatomie. Einer ihrer hervorragendsten Pfleger, Carl Weigert, erinnert daran, daß er schon lange vor Entdeckung des Tuberkelbazillus und insbesondere jetzt vor 20 Jahren auf Grund seiner pathologrsch-anatomi- schen Erfahrung ausgesprochen hat, daß rm ftühen Kindesalter das Tuberkelgist am leichtesten die Schleimhäute durchdringt. Weigert bringt in der „Deutsch, med. Wochenschrift" die folgenden Sätze aus einem Vortrage auf der Naturforscherverhandlung von 1883 in Erinnerung: ,,^zm allgemeinen sind gerade die starken Lhmphdrüsenaffekttonen dem frühen Kindesalter eigentümlich bei ausfallender Intaktheit der zuführenden Lymphgefäße uno des Wurze^ gebietes derselben. Man möchte demnach mernen, daß das Tuberkelgift bei Kindern viel leichter in tne Emtrrttspsorten der Lymphgefäße an den hier in Betracht kommenden Schleimhäuten eindringt, d. h. leichter resorbrert tmrd sodaß es auf den letzteren gar nicht erst so lange liegen blecht, bis es bei seiner ja so langsamen Vermehrung ferne Wirkung äußern könnte, während das bei Erwachsenen nicht zutrifft. Ferner könnte man aus dem Angegebenen den Schluß ziehen, daß auch in den Lymphgefäßen selbst dre Package zu den Drüsen bei Kindern letchter erfolgt, sodaß auch die ersteren deshalb weniger afsiziert werden können, weil das Gift, ohne liegen zu bleiben, bis zu den Drusm fortaeführt wird. Ob diese Oisferenzeli durch anatomische Physiologische Verhältnisse oder durch andere Momente bedingt werden, bleibt der Forschung Vorbehalten, jedenfalls ist das aber nicht etwa, worarr noch besonders erinnert lverden soll, nur für die Darmschleimyaut und die von ihr abhängigen Drüsen zutreffend, sondern auch für die Bronchien, die Lungen, den Mund, ja die äußere Haut vielleicht. Für die Lung,en möchte ich noch speziell darauf Hinweisen, daß bei Kindern auftallend häufig die Erkrankung derselben nicht wie bei Erwachsenen eine primäre ist, sondern erst von den Bronchial- und Lungendrüsen auf das Gewebe der Lunge üb er greift". Auf der 47. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Halle a. S. wurde ein Projektionsvortrag von Professor Sauer (Gießen) über die Homerapotheose des Archelaos gehalten. Es handelt sich dabei um eine in Italien wiederentdeckte Reliefdarftellung, eine Kultushandlung, in der Homer als Gott gefeiert wird, lieber diese Szene besindeii sich zu diesem Kult in Beziehung stehende Göttergestalten. Es hat sich mut zweifellos yeraus- gestellt, daß dieses Relief hellenischen Ursprungs ist mrd den Inschriften nach in Meinasien entstanden und zwar zwischen 159 und 138 v. Ehr. — Ferner behandelte Universitätsprofessor E. Bethe-Gieße n in einem Vortrag über „die trojanischen Ausgrabungen und die Homerkritik" die geschichtliche Grundlage der Sage vom trojanischen Krieg. Man darf diese Sage nicht naiv-kindlich rein wörtlich deuten, auch nicht einfach ibr die kolonisatorische Tätigkeit des äolischen Stainmes im Lande Trojas zu Grunde legen. Vielmehr fanden alle Kämpfe der Hellenen, die Homer vor Troja verlegt, auf griechischem Boden statt. Ertnner- ungett an die Kriege griechischer Völkerwanderungen sind diese Kätnpfe des Paris Menelaus, des Hektor und Achill. 9hir Ajax' Geschichte ist mit kleinasiatischem Boden innig verknüpft; in Trojas Hafenstadt Rhoiteion liegt dieser Held begraben, dort auch stcrnd> sein Tempel. Das „home-l rische Troja", die von Schliemann durchgrabene „sechste" Stadt, wurde genräß den Äusgrabungsergebnissen um 1200 v. Ehr. zerstört und nach ihrer Medervesiedelung als offener Ort gelassen. Drum müssen die erobernden Kolonisatoren das Gebiet von feiner nahen Burg aus beherrscht haben; und diese Eroberer waren die Mannen des Ajax. Der Göttin des Ajax, der Athena Ilias, waren die Trümmer des homertschen Troja geweiht; dieser Göttin wurden auch noch lange nach 1200 v. Ehr. Mädchen aus dem Stamm des Ajax dargebracht. Ihr diame „Jliasf" geht auf den Vater des Ajax, auf Ileus oder Oileus zurück, der auch der Stadt den Namen „Ilion" gab. Die gleichzeitige Verehrung des Ajax in Noiteion aber gibt uns i)tc Gewißheit, daß der trojanische Krieg nichts anderes ist als etien der Kampf zwischen den beiden Städten Troja und Rhoiteion. Die Leute der Äljax hatten den Troern den Zugang zum Meer abgeschnitten; sie zu verjagen, war das Ziel der Bewohner vorr Ilion. „Die Schlacht bei den: Schiffen" im 12. bis 16. Buch der homerischjen Ilias ist eben dieser Kampf. Air die „Ajaxlieder" als Kern lehnt sich die übrige Mas an, versetzt mit den Liedern der Aeoler von Agamemnon und Achill. C l a r a V i e b i g hat einen neuen Lioman vollendet, der den Titel „Das schlafende Heer" führt und den Kampf behandelt, den das Deutschtum mit dem Polentum in den Ostmarken unseres Vaterlandes zu bestehen hat. Der Roman, ein in noch höherem Grade fesselndes Seitenstück zur „Wacht am Rhein", wird in dem soeben beginnenden neuen Jahrgang von „Ueber Land und Meer" erscheinen. Geraer Theater. Nach der Schlußrechnung betragen die Kosten für den Neubau unseres Fürstlichen Theaters 1100000 Mk., das sind 150000 Mk. mehr als im Voranschlag vorgesehen war. Die Ueberschreitung machte sich besonoers dadurch nötig, daß die künstlerische Ausschmückung des Hauses und die Sicherheitsvorrichtungen im Theater eine Mehrausgabe erforderten. Da die neue Bühne mit allen neueren technischen Vorrichtungen versehen ist und auch die Größen- verl-ältnisse die Aufführung selbst größerer Opern gestatten, wird diesmal erstmalig seit dem Bestehen des Geraer Fürstlichen Theaters die Oper in den Spielplan mit eingerecht. Köln, 12. Okt. Wie die „Köln. Ztg." meldet, hat das Preisgericht über den Wettbewerb für einen Neubau der Kölner Handelshochschule seine Entscheidung getroffen. Mitglieder des Preisgerichts waren u. a. Studien- direttor Prof. Dr. Schumacher aus Köln, Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann aus Darmstadt, Prof. Hocheder aus München. 67 Entwürfe waren eingeliefert worden. Den ersten Preis erhielt Dr.-Jng. Ernst Bett er lein, Privatdozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt; Weite Preise wurden erteilt an Prof. Ratzel an der Technischen Hoch? schule in Karlsruhe und tat Jürgense n und Bachmann in Charlottenburg. Dr.-Ingen. Errrsl Vetterlein ist 1873 in Leipzig geboren und hat jech 1902 an der Technischen Hochschule in Darmstadt habilitiert. In Darmstadt hat er sich auch die Würde des Dottor-JngenieurS erlvorben, und zioar als der erste deutsche Architekt, welcher auf 0>rund der kaiserlichen Initiative, durch loelche auch den Technikern die Befugnis zur Erlverbung des Doktortitels zugebilligt wurde, rite promoviert hat. Keer und Alotte. — Der Erbprinz zu Isenburg und Büdingen- Wächtersbach, Leutnant im Drag.-Regt Nr. 24, wurde in das Kürassier-Regiment Nr. 7 versetzt. Ausland. Paris, 12. Oft Der König der Belgier traf hier ein und stattete heute nachmittag dem Präsidenten Loubet einen Besuch ab, den dieser alsbald erwiderte. Bilbao, 12. Ott. Bei den gestrigen Unruhen wurden aus den Fenstern des katholischen Vereins, vom Turme und den Fenstern der Kirche St. Nikolaus Revolverschüsse abgegeben. Der Pfarrer der Kirche wurde unter der Beschuldigung, mehrere Personen verwundet zu haben, verhaftet. Mehrere andere Priester, die als Hauptunruhestifter angesehen wurden, sind ebenfalls in Haft genommen. Ein Trupp Antiklerikaler warf den Geistlichen in den Fluß. Die Meldungen über die Zahl der bei den Unruhen Verunglückten sind widersprechend. Es sollen sieben Personen getötet und 33 verwundet sein. Unter den Verwundeten befindet sich der Herausgeber des Blattes „El Pueblo". Rom, 12. Okt. „Osservatore Romano" sagt, wenn der Papst den Präsidenten Loubet gelegentlich dessen Rom- reise nicht empfange, so sei dres kein Zeichen von besonderer Feindschaft gegen Frankreich, sondern entspreche der Gesamthaltung des heiligen Stuhles in der internationalen Politik. Daher könne von einem bezüglichen Ersuchen des französischen Episkopats, da es ja die vom päpstlichen Stuhle beobachteten Regeln kenne, nicht die Rede sein. Budapest, 12. Oft. Für die Stimmung der Opposition ist es bezeichnend, daß der Abg. Barabas bei der gestrigen Rakoczy-Feier sagte: „Wir werden ein Ungarn begründen, welches keinen anderen Herrscher als den Gott der Magyaren kennt!" — Wie verlautet, steht unmittelbar die Ernennung des Grafen Tisza zum ungarischen Ministerpräsidenten bevor. Sofia, 12. Oktbr. Das türkische Grenzzollamt in Mustapha Pascha erhielt den Auftrag, Milchprodukte, sowie Lebensmittel, welche aus Bulgarien kommende Reisende mitführen, zu beschlagnahmen. Die konfiszirten Sachen werden unter Zollverschluß nach Konstantinopel behufs Analysierung gesendet. Fez, 12. Okt. Mit dem Ingenieur des Sultans, Frhm. o. Rottenburg, der am 10. Oktober mit seiner Tochter an * gekommen ist, haben alle fremden Angestellten be§ Hofes die Hauptstadt verlassen. Der Vertreter der Loewe'schen Waffenfabrik, Monteur Haase, ist vom Sultan aufgefordert worden, mit zwei weiteren Maschinengeschützen zum Feldlager herauszukommen. «-LaynkauaUsalion. Man schreibt uns: Bekanntlich hat sich in der öffentlichen Versamnrlung tm Mai d. I. in Limburg der Lahnkanal-Verein gebildet, der schon jetzt eine .große Anzahl von Mitgliedern Kühlt. Ter Zweck dieses Vereins geht dahin, den Ausbau der Lahn zu einer leistungsfähigen Wasserstraße nach heutiger Auffassung von der Mündung bis zunächst zur preußisch- hessischen Grenze mit allem Nachdruck zu fördern. Im Gegensatz zu dieser Besrrebung ist inzwischen „ein Gesuch von Industriellen und sonstigen Interessenten, betreffend die Kanalisation der Lahn, datiert Ems, den 1. September 1903" an den preuß. Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet worden. In dieser Eingabe wird, nachdem das von der Firma Havestadt & Contag aus gearbeitete Lahn- kanal-Projekt einer abfälligen Kritik (in der Hauptsache wegen der hier vorgesehenen Schiffsgröße von 500 bis H00 Tonnen) unterzogen worden ist, dem Sinn nach folgender Antrag gestellt: die Lahn teilweise zu kanalisieren. Bei der Mündung beginnend und allmählich fortschreitend bis Weilburg (Nur? D. Red. d. Gieß. Anz.) unter Berücksichtigung der vorhandenen Schleusenanlagen usw. Die neuen Bauwerke sollen indessen für Schiffsgrößen von 300 Tonnen bemessen werden. Es muß hier daraus hingewiesen werden, daß schon in der Limburger Versammlung erklärt worden ist, daß auch der neue Lahnkanal-Verein eine Schiffsgrptze von etwa 300 Tonnen für genügend hüll. Er hat sich auch schon mit der Firma Havestadt & Eon tag in Verbindung gesetzt zum Zwecke der Umarbeitung des vorliegenden Projektes für diese Schiffsgröße. In der Emser Eingabe befinden sich folgende durchaus richtige Bemerkungen^ „Tie Lahnindustrie empfindet das Unnatürliche des gegenwärtigen Zustandes seit vielen Jahren außerordentlich schwer. Sie hat auch bereits vielfach in Versammlungen und Eingaben an die zuständigen Behörden und Korporationen auf das Verhallen desselben hingewiesen und mehrfache Vorschläge zur Beseitigung der Kalamität gemacht, die bei dem großen Konkurrenzkampf der Industrie des In- und Auslandes und bei den großen Opfern, welche die Jnlandsindustrie infolge der sozialen Gesetzgebung zu tragen gezwungen ist, letzt dringend Abhilfe erheischen, wenn nicht der ausgedehnten, früher so blühenden, hauptsächlich auf die Ausbeutung und Wellerverarbeitung der reichen Bodenschätze des Lahntales und seiner Umgebung angewiesenen Lahnindustrie der Lebensnerv dauernd unterbunden werden soll" und ferner: „Die L ahn in d ustri e ist nicht in der Lage, noch länger zuzusehen und sich noch weiterhin mit unfruchtbaren Aussichten vertrösten zu lassen; es muß ihr baldigst geholfen werden, wenn es dazu überhaupt nicht zu spät werden soll." Es liegt auf der Hand, daß diese Forderungen durch eine teütoeife aqnb vorerst auch unvollkommene Kanalisierung der Lahn nicht erreicht werden können, und deshalb ist es außerordentlich bedauerlich daß die Verfasser des Emser Gesuchs nicht mit dem Lahn- Kanalverein hand in Hand gehen. Mr durch einmütiges Zusammenarbeiten aller dazu berufenen Kräfte können die Schwierigkeiten überwunden werden, die der Verwirklichung der Lahnkanalisation noch entgegenftehew Der Lahn-Kanalverein hat deshalb auch eine Eingabe an den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gerichtet, in der es zum Schlüsse wörtlich heißt: „Unser Verein sieht eine teilweise Kanalisierung der Lahn als ein Stückwerk an. von dem vielleicht einige wenige Unternehmungen Nutzen ziehen werden, das aber n i em als der Allgemeinheit von Vorteil sein kann. Insbesondere ist unser Verein von der Ueberzeugung durchdrungen, daß bei Verwirklichung der großen wasserwirtschaftlichen Vorlage, ergänzt durch die Mosel- und Saar-Kanalisatton, der wirtschaftliche Untergang der Lahn-Industrie mit allen von ihr abhängigen Existenzen sehr bald eintreten wird, wenn nicht ein Ausgleich durch Er- füllung unserer Forderung gewährt wird. Wir richten deshalb an Eure Excellenz die ebenso dringende wie ehrerbietige Bllte, den Sonderbestrebungen, wie sie in dem Emser Gesuch zmn Ausdruck gekommen sind, Beachtung nicht zu schenken, vielmehr vor weiteren Entschließungen die Anträge abzuwarten, die wir hoffen, im Sinne der vorstehenden Ausführung Eurer Excellenz recht bald unterbreiten zu können." Au m. d. Red.: Es verdient betont zu werden, daß eine in Cochem abgehaltene Generalversammlung des Mosel-Saar- Kanal-Verbandes soeben eine Resolution angenommen hat, in der es heißt: Die Atosel-Saar-Kanalisierung sei wirtschaft- lich hochbedenlsam. Die Ausführung des Projekts müsse durch alle gangbaren Wege erstrebt werden. Aus Stad! und Kund. Gießen, 13. Oktober 1903. Der Nachdruck unserer Originalartikel wird nur unter Zitierung in der Form „Gieß. Anz." gestattet. ** Personalien. Ernannt wurde der Steuerauf- seher-Aspirant Wilhelm Mitschka aus Hainstadt zum Steuerausseher, der Dammwärter-Aspirant Karl Schnell aus Frei-Weinheim zum Schleusenwärter an der Schleuse bei Offenbach ** Rekruteneinstellung. Ein größeres Pikett vom 88. Jnf.-Regt. in Mainz passierte gestern nachmittag unjern Bahnhof, um nach Westfalen weiter zu fahren, von wo die Mainzer Garnison einen größeren Teil ihrer jungen Mannschaft an sich zieht. Die Reise der 88 er geht bis Altena, um von dort mit Extrazug den Rekrutentransport zu holen, welcher heute nacht den Bahnhof Gießen wieder passiert, von wo nach kurzer Rast, direkt bis Mainz gefahren wird. ** Aus dem Bur eau des Stadttheaters. Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Volksvorstellung von Minna von Barnhelm hingewiesen. Freitag den 16. d. M. wird als dritte Freitagsabonnementsvorstellung das hochinteressante neue Drama von Georg Engel „lieber den Wassern" bringen, in dem die Herren Linzen und Sandorff sowie Frl. Hagen die Hauptrollen inne haben. — Der Sonntag bringt als zweite Sonntagsabonnementsvorstellung das neue Volksstück von Skowronnek unb Stein „G eschwister Lemke" und der 20. Oktober als zweite Dienstagsabonnementsvorstellung „Der blinde Passagier". Ein sehr erbau liches Gespräch belauschte dieser Tage ein Leser des „Darmst. Tgl. Anz." auf dem Bahnhof der Main-Neckar-Bahn. Ein seingekleideter Herr unterhielt sich mit einem Lahnsteigschaffner und fragte ihn über den Verlauf der Festlichkeiten der letzten Tage aus. Namentlich interessierte er sich für die Persönlichkeit des Zaren und konnte gar nicht genug über ihn hören. Schließlich sagte er zu dem Schaffner: „Nun muß ich noch eine dumme Frage an Sie stellen. Wer ist denn eigentlich der größere Herr, der Zar von Rußland, von dem man immer so viel hört, oder der Kaiser von Rußland?" Die Antwort des Geftagten, daß Zar und Kaiser ja eine Person seien, setzte den offenbar mit ganz besonders guter Schulbildung ausgerüsteten Herrn in sprachloses Erstaunen. Die Umstehenden aber freuten sich. w. Groß-Felda, 12. Okt. Gestern wurde hier die erste im Großherzogtum bestehende Pferdezucht-Genossenschaft nach badischem Muster begründet. Zweck derselben ist, durch den Zusammenschluß der Interessenten sowie durch Einrichtung einer bequemen Deckgelegenhell rc. für einen kleineren Bezirk die Pferdezucht stärker zu heben, als dies bisher geschah. Bei der seitherigen Methode, die Pferdezucht im Lande zur Blüte zu bringen, wurden etwa 40 Prozent der zuchtsähigen Stuten gedeckt, während in Baden nach dem dort geübten System mehr wie 90 Proz. zur Zucht Verwendung finden. Landtagsabg. Korell - Leusel soll übrigens die Absicht haben, in der 2. Kammer einen Antrag zu stellen, wonach das badisch eSystem zur Hebung der Pferdezucht in Hessen allgemein einzufüh reu sei. )( Ober-Bessingen, 12. Okt. Gestern fand auf der „Horsteburg" eine Besprechung der an dem Bahnpr ojekt Gründerg—Lich beteüigten Gemeinden stall. Es wurden verschiedenerlei Wünsche bezüglich des Bahnbaues vorgebracht, welche dann behufs Vornahme der Vorarbeiten von einem Techniker geprüft werden sollen. Zur Uebernahme des Bahnbaues ist das Komitee, zu dessen Vorsitzenden Herr Moll-Grimberg bestimmt wurde, mit der Gesellschaft Lenz m. Co. in Berlin in Verbindung getreten. Die einleitenden Arbeiten sollen jetzt beschleunigt werden, damit der demnächst zusammen tretend en zweiten Kammer ein fertiges Projekt unterbreitet werden kann. Die Kosten der etwa 15 Kilometer langen Strecke werden sich auf etwa 900 000 Mark belaufen; die obengenannte Gesellschaft will die Vorarbeiten für 125 Mark pro Kilometer ausführen. Auch das Großh. Kreisamt hat die größtmöglichste Unterstützung des Bahnprojekts zugesagt. Das Komitee wlld bestrebt fein, den Wünschen der einzelnen Gemeinden und Interessenten nach Möglichkeit gerecht zu werden. R. B. Darmstadt, 11. Okt. Für die am 15. d. M bevorstehende Neuwahl der Wahlmänner behufs Ersatzwahl der beiden Darmstädter Landtagsabgeordneten hat die Zentrumspartei jetzt den Entschluß gefaßt, von der Ausstellung eigener Kandidaten als Wahlmänner abzusehen und ihren Anhängern zu empfehlen, die nationalliberalen Wahlmänner zu wählen. Die Antisemiten dagegen sollen beschlossen haben, Stimmenhallnng zu empfehlen, ein Beschluß, der von der großen Mehr hell der Partei kaum gebilligt werden dürste. — Die russischen Majestäten und die meisten übrigen fürstliche Herrschaften besuchten heute vormittag verschiedene Geschäfte in der Stadt und beforgten zahlreiche Einkäufe. Bei Dem starken Regenwetter, das den tzianzen Tag über andauerte, konnten Spaziergänge oder Ausflüge nicht unternommen werden. §ier angekommen und im Hotel zur Traube abgestiegen ist gestern noch der russische Hosmarichßll des Zaren, Fürst Dolgo- rucki. Prinzessin Heinrich von Battenberg und Prinzessin- Tochter sind heute von hier wieder nach England zurück- gekehrt. Worms, 12. Okt. Dem Bildhauer Hirt in Karlsruhe ist bekanntlich der Auftrag zur Herstellung desKüch- ler-Denkmals übertragen worden. Der Künlller ist. nachdem er eine größere Arbeit vollendet hat, nunmehr eifrig an die ihm gestellte Ausgabe bezüglich des Standbildes unseres stüheren Oberbürgermeisters heranAetreten. Nach dem von ihm vorgelegten Entwürfe hat er ein Hilfsmodell hergestellt, wonach alsdann die Ausführung des großen Originalmodells des Denkmals vorgenommen wird. Dieses Hilfsmodell wird in aller Kür^e hierhergebracht und im Gewerbeschulgebäude zur Ansicht ausgestellt werden. Die Förderung der ganzen Arbeit soll jetzt rasch vor sich gehen, so daß an die Ausstellung und Enthüllung des Denkmals auf dem Lindenplatz vor dem Stadthause im kommenden Frühjahr gedacht werden kann. (Worms. Ztg.) fe. Fr an k f ur t a. M., 12. Okt. Der älteste Meßfremde Frankfurts, der 56 Jahre alte Leinweber Georg Struth aus Lauterbach in Oberhessen ist vorgestern in feiner Heimat gestorben. Struth besuchte noch die letzte hiesige Messe in feiner alleinstehenden Bude am Weckmarkt. Zum erstenmal erschien er als „Meßfremder" mit feinen Eltern 1855. l. Frankfurt a. M., 13. Okt. Nach den „Fr. N. N." schweben Verhandlungen, nach denen der Sitz der Regierung von Wiesbaden nach Frankfurt verlegt werden soll. Frankfurt ist bereit, auf städtische Kosten ein Regierungsgebäude zu errichten und 20 Jahre lang zu unterhalten. In Wiesbaden ist man bemüht, das Regier- ungspräsidium zu erhalten; es soll ein neues größeres Gebäude in der Nähe des neuen Bahnhofs errichtet werden. Mit der Verlegung wlll man auch den Rücktritt des Regierungspräsidenten H e n g st e n b e r g.in Verbindung bringen. (Jedenfalls ist die Meldung des Frankfurter Blattes mit Vorsicht aufzunehmen.) WrunWes. * Köln, 12. Okt. In der Holzschen Mühle in Siechteln fand man gestern abend die halbverkohlte Leiche des Dienstmädchens auf einem Stuhle sitzend vor. Das Mädchen hatte durch ein infolge einer Explosion einer Petroleumlampe entstandenes Feuer den Tod gefunden. * Halle a. d. S., 12. Okt. Am Sonntag nachmittag wurden in Schkeuditz vier Kinder in einer Tongrube verschütte t. Zwei von ihnen waren tot, eins ist verletzt worden. * Berlin, 13. Okt. Die „Voss. Ztg." berichtet zu der Begnadigung Moritz Levys, Gründe für die Begnadigung seien Nicht angegeben. In dem Begnadigungsgesuche, das von den Eltern und Rechtsanwalt Sonnenfeld eingereicht worden war, war hervorgehoben, daß eine Reihe hervorragender Rechtslehrer, Psychologen und Mediziner den Zeugenbeweis unter den Umständen, wie sie in Könitz herrschten, als ganz unzuverlässig und zur Verurteilung ungenügend bezeichnet hätten. Wenn eine Verurteilung gleichwohl erfolgt sei, müsse jedenfalls das Strafmaß, namentlich im Vergleiche mit den Strafen, die in anderen Füllen verhängt worden seien, exorbitant erscheinen. Das Gesuch war von einer Reihe von Juristen, Philosophen und Medizinern unterstützt. * Marienburg, 12. Okt. Heute nacht ist das alte Bahnhofsgebäude abgebrannt. Dee Familie Rötlich, bestehend aus dem Vater und vier Kindern, ist verbrannt. Frau Rötlich sprang aus dem Fenster und wurde tätlich verletzt. ^Hamburg, 12. Okt. Der D amp fer „Silvia", von London hier angekommen, traf in der Nordsee den dänischen Segler „Frenad" lichterloh brennend an. Das Schiff war von der Mannschaft verlassen, deren Verbleib bisher unbekannt ist. * Meiningen, 12. Okt. In dem Dorfe Queienfeld brannten drei Wohnhäuser und 10 Scheunen nieder. Es liegt Brandstiftung vor. * Leipzig, 12. Okt. Heute früh schoß der Markthelfer Paul Otto Hübner seine frühere Geliebte, die 23 Jahre alte Auguste Selma Schach, in den Rücken, richtete dann die Waffe auf sich selbst und schoß sich eine Kugel in die linke Stirnseite. Die Schach hatte ihr Verhältnis mit Hübner nicht sortsetzen wollen, rveshalb ihr dieser seit einigen Tagen nachstellte. Schwer verletzt wurden beide nach dem Hospital gebracht. * Bayreuth, 12. Okt. Der vom Schwurgericht zu acht Jahren Zuchthaus verurteilte Hauslehrer Dippold wurde zur Verbüßung seiner Sllafe in das Zuchthaus Kloster Ebrach überführt. * Erlangen, 12. Okt. In Neunkirchen am Brand hat in der vergangenen Nacht der dem Trünke ergebene vormalige Wirt Dorn seine Frau mit der Axt erschlagen. Er erhängte sich alsdann. Die Frau wurde von ihrem Mann häufig mißhandelt und mußte ihn vollstwldig ernähren. * Bar leDue, 12. Okt. Ein Waggon des nach Frank» full a. M. fahrenden Orient-Expreßzuges entgleiste in der letzten Nacht nahe bei der Station Revigny infolge Zerreißens der Kuppelung. Es soll niemand verletzt sein. * Rom, 12. Okt. Der Komponist Mascagni hat die Direktion der römischen Musikgesellschaft übernommen. Er beabsichtigt, aus diesem Institut ein großes Konservatorium zu machen, das alle ähnlichen Institute in den Schatten stellen soll. * Prag, 12. Okt. Vorgestern wurde in Prag ein deutscher Student namens Böhmer, obwohl er weder die Kappe noch das Band einer deutschen Verbindung trug, auf dem Heimwege nach seiner Wohnung von Tschechen überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Auch während der gestrigen Demonstrationen in Prag wurden deutsche Studenten auf offener Straße beschimpft und bedroht. * Reichenau, 12. Okt. Der Stud. philos. Minke aus Galizien, welcher am Freitag eine Tour auf den Schneeberg unternahm, wird seit diesem Tage vermißt. Man befürchtet, daß er ab gestürzt ist. * Budapest, 12. Okt. Auch in Fünfiirchen hat gestern Nacht ein mehrere Sekunden dauerndes Erdbeben statt- gesunden. * Newyork, 12. Okt. Der Wasser st and der Flüsse ist im Sinken begriffen. Die Eisenbahnen nehmen den Verkehr wieder auf. Längs der Küste haben mehrere Schiffe Schiffbruch erlitten, wobei auch einige Menschen umgekommen sind. * Fähnrich Hüsjener verbüßt auf der Festung Magdeburg z. Z. seine Haststtase. Man kann ihn dort täglich von nachmittags 2 Uhr ab in Begleitung eines Offiziers auf dem Breiteweg .oder sonst einer der Hauptstraßen promenieren sehen. Hin und wieder bringt er seine freien Stunden auch in einem Restaurant zw Zeigt und 1(1) Telephomscher Kursbericht 26.90 Tendenz: fest 372% 3% 3V,% 3% 372% 1 Kl) 1 1 . 101.25 . 89.95 . 101.55 . 89.95 . 100.25 . 99.50 . 101.70 100.90 . 99.60 . 103.50 . 51.70 . 31.40 . 37.10 . 134.20 . 44.00 41.60 3% Mexikaner 4%% Chinesen Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandii Darmstädter "Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gottbardbahn . . Laura kütte . . . Bochum . . « . Harpener . . . i 1 KD 1 Anfangs- 205.00 215.40 144.40 185.— Peritronitis Zuckerkrankheit Gehirnleiden Altersschwäche Selbstmord Prosit, filiae! Von Maxi Bierjung, Gymnasist. Ich bin zwar nur ein Sechster-Klasser, Und also noch ein Fuchs, ein krasser, Was Universität berührt, Trotz dessen freut rnichs unbeschreiblich, Daß nun sogar in Bayern weiblich Auch Einer fein darf, w o studiert. O Seligkeit, wenn meine Lore Einspringl vielleicht im selben Corpse. Wo ich dann schon aktiv dabei, Und mit mir kommersieren täte Und mich mit süßer Stimme bäte, Daß ich ihr Seel- und Leibbursch sei! In Anbetracht so vieles Schönen, Was also uns, den Musensöhnen. Noch blühen, Mädels, wird durch Euch, — Slann ich bloß sagen: Prosit, filiae! Heil Euch in unserer Familie! Blüht, wachset und vermehret Euch! (»Münchener Jugend".) Norddeut sch er Lloy d. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 10. Ott. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppelschrauben-Postdanrpser „Ehemmtz", KapckänJ. Jamzen, vom . 91.90 . 102.60 . 102 50 . 205.00 190.50 . 139.90 . 141.60 . 156.40 , 139.70 . 16.20 . 191.20 . 228.00 . 184.60 . 192.00 Sport. — Wertvolles Automobil.^ Der z. Zt. in Koburg bei der geschiedenen Großherzogin von Hessen zu Besuch weilende Großfürst Eyrill von Rußland ließ sich ans Pans em 17 pierdiges Antoniobil für die Kleinigkeit von 38 000 ^-rc^.^kommem— Familien Nachrichten. Gestorben: Herr Daniel Rothschild aus Michelstadt t. O. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 12. Oktober 1903. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Gießener Lehrerverein. Die Angelegenheit wird sich hoffentlich ohne Jnansprilchnahme der Tagespresse klarlegen lassen. H. G. Anwärter für die höhere Postdienst-Lausbahn werden z. Z. noch nicht angenommen, auch sind nähere Bestimmungen über die Bedinguligen der Ausnahme und die spätere Gestaltung der Laufbahn noch nicht getroffen. Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochlimer Guß . öumma: 7 (2) 4 (1) 1 2 (1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. WöchkuMc stcberWder WesMe mim AM Sicßcn. 40. Woche. Vom 27. Sept, bis 3. Oft. 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 13,53, nach Abzug von 2 Ortsfremden: 9,66 %o. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkuose der Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Infolge noch nicht bestätigter Depeschen betr. der Lage auf Korea verhielt sich die hiesige Spekulation heute vollkommen paffiv. Die Gruiidtetidenz war jedoch wieder recht fest, und konnte selbst durch schwache Londoner Meldungen für Englische Konsols rote auch für Japanische Anleihe nicht zum Wanken gebracht werden. Ausgehend von der Festigkeit der Kohlenwerte, für welche andauernd erstklaffige Käufer auftreten, zeigte der Gesamtmarkt unverändert gute Tendenz. Wenn auch im Ultimo-Verkehr infolge erwähnter politischer Nachrichten die Umsätze heute gegen die Börsentage der Vorwoche wesentlich nachließen, so konnte man doch auf dem Kaffaindustriemarkt eine desto regere Tätigkeit sich ent- wickeln sehen. In erster Reihe erfreuten sich wiederum Kohlen- werte, ferner aber die Aktien der Elektrizttätsgesellschasten und Maschinenfabriken allgemeiner Nachfrage. Erneutes Interesse ich feit einigen Tagen für Gr. Berliner Straßenbahn Privat-Diskont 3 % Prozent. Schlußkurse. 204.87 215.— 139.60 184.62 192.25 worden ist. Märkte. Gießen, 13. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,00—1,15 Mk., Hühnereier 1 St. 7—9 Vfg., 2 Stck. 00—OO Pfg., Gänseeier 00—00 Pig., Enteneier 8—0 Pfg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Käsematte2 Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr.Liter 21Psg., Liiisen pr. Liter 32 Pfg^ Tauben pr.Paar 0,70—09,0Mk^ Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mk., Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Mk., Eicken pr. Stück 1,80—2,40 Gäiise pr. Pfd. 52—60 Pfg., Ochsensleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psimd 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffelii pr. 100 Kgr. 5,50—6,50 AU., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., m Körben 00—00 Pfg. Zwetschen Mk. 7.00—9.00 pr. Ctr., Trauben 00-00 Pfg. Nniversttats Nachrichten. „Die Akad emie in Posen beginnt ihre Lehrtätigkeit Ansanq November. Aui Verlange,, der Regierung soll Erzblfchot Dr. von Stablewski bestinnnt haben, daß die Kleriker des Pojener Priesterseminars deut! ehe Geich ich le und Litteral u r an der neuen Poiener Akademie h o r e n m u s s e in Dem Erzbischof soll andernfalls die Schließung des Seminars ange- droht worden fein. Am Vorabend der Enthullwigsfeier des Bismarckdenkmals wurden polnisch abgeiaßte 3 t^s im Beiteingerichtebe Fabrik und reichhaltig^ Auswahl in [Röbeln - Vorhängen * Teppichen * Linoleum. 10 SchauEenffer. 1200 qm Husifellungsräume • 25 komplett eingerichtete ülulferzimmer. Th. Brück Um Berichtigung ohne Kaufverbindlichkeit wird gebeten. Lieferung franko jeder Bahnftation. Telephon Ur. 373. Höchste Auszeichnung „Silberne Medaille“ Landw. Ausstellung Giern Kud. Sack’s neueste SäemaschineM für Bergland und Ebene mit feststehendem Kasten LadQ ohne Rad- auswechseiung alle Fruchtarten, Kud. Sack’s Universalpflüge für ein und zwei Zugtiere, Bud. 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