Nr. 161 ErfcheiAt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Aamilien- blAter viermal in der Woche betgelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Untvers.-Buch-u.Stem- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion. Erpeditio und Druckerei: n Schalstratze 7. Udreffe für Depeschenr «rrzeiger Gießen. Krrnfprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 158. Jahrgang Montag 13. Juli 1903 GiehenerAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt flr den Kreis Gießen ve)ngSprei-r monatlich 75 $1, viertel jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u, Broetgftedcn monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« ür die Tagesnummer oiS voriniUagS 10 Uhr. Zetlenpreisr lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Beraarwortlich Mr den polit. und all gern« Dell: P. Wittko: für »Stadt und Land^ und .GerichtssaalE; A ugust Götz; für den An- zetgenteU: Hans Beck. ■3 Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten Volltische Wochenschau. Krisen- und Kriegsgerüchte durchschwllrten auch in der vergangenen Woche die Oeffentlichkert. In Ostasien ist noch weniger als in der Türkei die drohende Spannung zwischen kriegsgerüsteten Machten bisher gelost, wenn auch die größere Wahrscheinlichkeit noch immer für den Frieden spricht. Die Verhältnisse liegen dort auch zu verwickelt, als daß sich das öffentliche Interesse chnen mit besonderer Vorliebe zugewanot hätte. Die Teilnahme dafür wurde sehr wesenÜich abgezogen durch die dramatische Zuspitzung der Lage, in die die plötzliche schwereErkrankungdes hoch- betagten Papstes nicht nur die katholische Welt versetzt hat Schon oft hat die zähe Lebenskraft des 93jährigen Greises die schwersten Befürchtungen für sein Leben glänzend enttäuscht. Auch diesmal schien es fast so. Jetzt aber bestätigt das „Giornclle d'Jtallctt die schon gemeldete Ansicht aus Vatikankreisen, daß eine Heilung ausgeschlosse n ist, wenn auch das Hangen und Bangen noch Tage andauern kann. Ja, es heißt sogar, die Aerzte hätten erklärt, daß, wenn nicht Komplikationen eintreten, der jetzige Zustand vielleicht noch Wochen dauern könne. Die Krankheit des Papstes und das nahe Konklave, für das schon mehrere Gemächer im Vatikan vorbereitet werden, zeitigt kuriose Blüten, da in mehreren 5" en italienischen Städten sämtliche W e t t b u re aus von machern eingerichtet wurden. Am höchsten quotiert en Serafino Vannutelli, Oreglia unb Götti. Im Vatikan herrscht große Besorgnis wegen der Ernennung eines neuen Konklavesekretärs an Stelle Bolpinis, dessen Tod dem Papst, der übrigens oft nach seinem intimen Freund fragt, verheimlicht wird. Jnr allgemeinen Trubel wurde die Leiche Bolpinis vollständig vergessen. Erst als Besucher von auswärts kamen, dachte man an eine angemessene Ausschmückung des Sterbezinrmers. Später fand in aller Stille die Beerdigung statt Auch einige Kardinale sollen vor Aufregung krank fein. Das Befinden des schon tangere Zeit kranken Kardinals Mocermi hat sich verschlimmert. Selbst die Journalisten zählen infolge der Aufregung und des immerwahrenden Nachtdienstes schon väschiedeue Kranke. Der Tod Leos wird die Wege der d eutsche n Kircheu- tfolitif kaum abändern. Der Friede der Kirche mit "dem Staate ist im Reiche vollkommen! Man verfolgt bei uns die Vorgänge in Rom mit mehr objektivem Interesse, und stellt innerpolitische Betrachtungen vielmehr weiter über die mancherlei Folgen der Reichstagswahle n an. Auf das mächtige Anwachsen der Sozialdemokratie ist als ein kleiner Dampfer sofort wieder eine Spaltung in der Frage des sozialdemokratischen ReiHtags- Präsidiums gefolgt. Schars und klar treten hier wieder die Grenzlinien zwischen den beiden Hauptgruppen im sozialistischen Lager hervor, den Revisionisten und den Radikalen. Wieder sind Heine und Bernstein für Aufgabe der bisherigen Widerhaarigkeit gegenüber der „bürgerlichen Gesellschaft", während Kautsky, Bebel, neuerdings Parvus und mit ihnen die Parteileitung und ihr Zentralorgmr der „Vorwärts"'' den alten Standpunkt bewahren: mit dieser „Gesellschaftsordnung'" niemals ein Kompromiß! Mit der Zeit wird diese Zweiteilung des sozialistischen Lagers zu einer Sezession führen und damit eine neue Konstellation des deutschen Parteiwesens herbeiführen. So angenehm die Aussicht Scheint, daß auf diese Weise der sozialistische Druck behoben werde, der heute aus der gesunden Weiterentwicklung un- l'eres politischen Lebens lastet, so darf man sich doch keinen Illusionen über die Schnelligkeit dieses Prozesses hingeben. Noch immer haben auf den Sozialistentagen die Radikalen glänzend gesiegt, die von der Erringung der politischen Macht durch das Proletariat träumen, und die Parteileitung wird auf absehbare Zeit in diesem Fahrwasser segeln. Zeigen sich hier in einer mächtig angewachsenen Partei /eise Svuren einer Zersetzung, so bereiten sich umgekehrt in den durch die Wahlen stark mitgenommenen liberalen Gruppen neue Einigungsversuche vor. Leider läßt sich bisher noch nicht erkennen, ob die'Verschiedenheit der nitsprechenden wirtschaftlichen Interessen, die sehr weit abweichenden Ansichten über Heer- und Mottenfragen, vor altern über die Stellung zur Sozialdemokratie diesmal weniger als ftüher die Einigung Hintertreiben werden. Auch über die Wege ist noch keine Uebereinstimnrung erzielt. Abg. Richter steht der ganzen Sache völlig skeptisch gegen- Äber. Und doch war noch kein Zeitpunkt geeigneter, als der gegenwärtige, alle Liberalen zu erneuten Versuchen 'aufzufordern, sich gegen den Ansturm von rechts und links HUsammenzuscharen. Die Flinte sollte also von niemand ms Korn geworfen werden. Der geeinte Gesamtliberalismus würde z. B. gleich seine gewichtige Stimme zu erheben haben gegenüber der beispiellosen Milde, mit der das Kieler Oberkriegsgericht die Bluttat des Fähnrichs Hüssener beurteilt hat. Hüssener hat Festung erhalten; wer garantiert, daß er nicht bald begnadigt wird und dann ein Seeoffizier wird, dem seine ^Schnelligkeit" womöglich noch zu schnellerer Karriere verhilft. Im Interesse des Heeres und der Marine ist zu üvünschen, daß der Fall Hüssener auch noch das Reichs- Militärgericht beschäftigt. Aber der Gerichtsherr, Mmiral ti. Köster, hat, soweit bekannt, gegen das Urteil keine Revision angemeldet; die Frist dazu läuft heute (Montag) ab. — Im übrigen herrscht, wenn nicht die von Rational- p )len verhetzten polnischen Arbeiter Rheinlands oder Oberschlesiens daran gemahnen, daß die polnische Frage mns noch manche Nuß zu hiaden aufgeben wird, Ruhe im deutschen Vaterlande. Wie unser hessischer Staatsminister, fo ist auch der leitende Staatsmann b£§> Reiches „fern von Madrid". Graf Bülow ergebt sich am Badestrande in Norderney und entschlägt sich dort auch der Sorge um die Besetzung des noch immer nicht erledigten schlesischen Oberpräsidentenpostens, und der Kaiser hat am Samstag nachmittag bereits an Bord der „Hohenzollern", begleitet von „Nymphe" und „Sleipner", auf der Fahrt nach Norwegen Dragee auf der dänischen Insel Amager passiert. Damit erweisen sich auch alle Gerüchte über die Teilnahme des Kaisers an den in Rom zu erwartenden Leichenseievlichketten als hinfällig. Wenn ihn aber im hohen Noroen, wie alljährlich, die Ausflügler der Hamburg- Amerikallnie besuchen werden, so wird er der deutschen Damlpfevlinie Glück zu den glänzenden Chancen wünschen können, die ihr durch den dieser Tage erfolgte t Zusammenbruch des amerikanischen Schiffahrts- tru stes erwachsen sind. Dieser in Deutschland viel ge- etete Trust hat sich als eine große amerikanische Seisen- erwiesen. Bei uns in Hessen hat die 2. Kammer am letzten Dienstag eine kurze Sitzung abgehalten. Es wurden u. a. die Regierungsvorlagen betr. die Großh. Offiziers-Witwen- und Waisenkasse, sowie die Unteroffiziers-Witwenkasse, und betr. die Veräußerung fiskalischer Grundstücke genehmigt. Danach hat die Regierung auch für die Dauer des gegenwärtigen Landtags die Ermächtigung, die landwirtschaftlich benutzten, zerstreut gelegenen, d. h. nicht zu Hofgütern gehörigen kameralsiskalischen Grundstücke, welche dem Fa- müteneigentum oes Großh. Hauses angehören, allgemein ohne nähere Bestimnrungen zu veräußern. An den folgenden Tagen unternahm die Kammer einen Ausflug in den Vogelsberg, Wer den wir einen ausführlichen Bericht gebracht haben, der durch die gesamte hessische Presse gegangen ist. Voraussichtlich erst mit dem Oktober wird die Kammer wieder zusammentreten. In Oesterreich-Ungarn hat die Umsicht und Milde des Kaisers Franz Josef Pas in seinen Fugen zitternde Kaiserreich noch einmal von den schweren Gefahren bewahrt, die vorige 23oche im Anzuge waren. Das tzcmpt- verdienst bei der Gellegung der verwickelten österreichischen Mnisterkrise gebührt diesmal dem Ministerpräsidenten von Körber. Er hat größere Energie in der Wahrung österreichischer Rechte gegenüber Ungarn gezeigt als man erwartet hatte. Sein ungarischer Kollege Khuen Hedervary hat sich m „Abhängigkeit von der chauvinistischen ungarischen „Un- abhänglgkeitsparteÜ' begeben, er ist Minister von Kossuths Gnaden, Körber hat unabhängig die Parität der österreichischen Reichshülshe «und damll der Deutschen Oesterreichs zu wahren gewußt. Wenn ihm der Kaiser von neuem Jetn Vertrauen bekundet^ und er mit allen Kollegen außer dem tschechischen Minister Rezek, dessen Demission der Kaiser am letzten Freitag aunahm, im Amjte bleibt und wenn auch die tschechischen Ansprüche vorläufig unter den Disch fallen, so bleibt dabei trotzdem noch fraglich, ob nun die Gefahr der tschechischen Obstruktion besiegt ist, sobald es sich nm Zolltarif, tzeeresvorlagx, Ausgleich mit Ungarn handelt. Dennoch ist die Lage in Oesterreich-Ungarn geklärter als vor acht Tagen, denn auch die ungarischen Chauvinisten haben beschlossen, die Obstruktton gegen ihre Kreatur Hedervary aufzugeben, und so ist doch wenigstens in beiden Parlamenten die Aussicht auf gedeihliche Wtarbeit an den grundlegenden Gesetzentwürfen vorhanden, von denen das Gedeihen der Monarchie abhängt. Wenn der Ausgleich mit Ungarn auf 10 Jahre wirklich zu stände kommt, so ist es vielleicht der letzte und nach; feinem Abläufe muß in die Buntscheckigkeit der europäischen Landkarte im Südosten neben Serbien, Bulgarien, Rumänien auch noch ein neuer Fleck, eine unabhängige Republik Ungarn eingetragen werden, die aber bald erfahren würde, wie toenig sie ohne österreichischen Rückhalt bedeutet. Diplomattscher Ersvlge konnte sich anläßlich der An- w^enhert Loubets in London die englische Politik rühmen. In dem am letzten Samstag unter Vorsitz des Präsidenten Loubet ab geh alten en franzö fischen Ministerrat stellte der Minister des Aeußern Delcassö in offizieller Note den warmen Empfang fest, den die englische Regierung und das englische Voll dem Präsidenten der Republik bei dessen Besuch bereitet haben. So sieht sich denn die Welt plötzlich vor die Tatsache einer englisch-ftanzösischen Entente gestellt, einer „Atmosphäre der Freundschaft", die in manchen Fragen zur Verständigung zwischen beiden Ländern führen wird. Wie die französische Note ferner bestätigt, ift ausdrücklich wegen der durch die Krankhell des Papstes geschaffenen Lage dre Reisedes Königsvon Italien nach Frankreich nach gemeinsamem Einvernehmen zwischen berden Regierungen vertagt worden. In O st a s i e n stehen sich Rn.ßland und Frankreich einer- sells — denn die französisch-russische Allianz ist von Rußland als Antwort auf das englisch^japanische Bündnis auch auf Ostasien ausgedehnt worden —> England-, Japan, Amerika, vielleicht auch China andererseits heute no^h gespannter als vor einer Woche gegenüber. Der Zankapfel ist die Mandschurei, diußland hat sich weder durch das englischjapanische Bündnis, weder dura, die Widerstände Amerikas noch die Chinas, weder durch Verziveifelte Noten noch durch Kriegsdrohungerc Englands abhalteu lassen, immer rücksichtsloser in der Mandschurei unb Korea geradeaus zu gehen. Dem ,-Standard" wird neuerdings aus Tientsin gemeldet, daß der russische Gesalldte Lessar den russischen Zivilisten geraten Haden fm_, Niutschwang, Port Arthur unb Korea dis zu einem gewissen Datun: zu verlassen. Der Tön der russischen Presse in Port Arthur sei entschieden kriegerisch, Massen von Transporttieren kämen in der süolichen Mandschurei an. Die japanischen Vorbereitungen machten auch Fortschritte. Die maeedonische Gefahr scheint dagegen für dreses Jahr g e b a n n t zu sein. Die P f o r t e will auch die Ausnahmemaßregeln gegen die bulgarische Geistlichkeit unb die Schulen teils aufheben, teils mildem und auch anbere Maßregeln zur Beruhigung der Gemüter durch- führen. Von allen diesen Maßnahmen machte die Pforte Mllteilungen an die österreichisch-ungarische unb russische Botschaft, von welchen fte regelmäßig Ratschläge und Wünsche entgegennimmt. Die Pforte schenkt, nach osflziösen Mitteilungen, der ununterbrochenen Aktion der beiden Botschaften die größte Aufmerksamkeit und ist aufrichtig bemüht, Provokationen der Komllees und Ausschreitungen der türkischen Truppen und Mohamedaner gegen die bulgarische Bevölkerung zu verhindern. Und ein bulgarisches Blatt ist erfreut über diese „beruhigenden Nachrichten". Die bulgarische Regierung nahm, so sagt es, die Erklämng einiger Mächte, oaß die Tür fei keinerleiagHressive Pläne hege, ferner, daß diese Mächte berell seien, wegen der Zurückziehung der türkischen Truppenverstarkungen an den bulgarischen Grenzen zu intervenieren, insbesondere aber die türkischen Erklärungen bezüglich der Schonung der bulgarischen Elemente in Macedonien, welchen auch die neuesten Maßnahmen der Türkei Rechnung tragen, freudig zur Kenntnis. Es liege auch, so bemerkt das Blatt, eine spontane Kundgebung des Sultans vor, nach der derselbe oem bulgarischen Elemente demnächst besondere Beweise seines Wohlwollens zu geben verspreche, beispielsweise die Einräumung größerer Beteiligung an der Verwaltung. Die bulgarische Regierung habe ihre Gegenmaßnahmen, insbesondere die Einberusung der Reservisten der Grenzdistrikte zu einer längeren Waffenübung, sofort widerrufen. Der allgemeine Eindruck geht dahin, daß die Gefahr eines Konfliktes geschwunden sei. Der Ballan sorgt trotzdem aber weiter dafür, daß die Kabinette und die Journalisten zu tun haben. In Serbien ist es jetzt zwar mhig, Unruhen in Griechenland sind jedoch zu der Verwllrung auf dem Balkan hinzugekommen. Das unverständige, für parlamentarische Regierung noch gar nicht reife Voll schreit nach dem volkstümlichen Minister Delyannis, der die griechische Diplomatte mit seinem unglücklichen Korinthen-Monopol soeben erst vor Europa gründlich blamiert hat — aber das Volk verspricht sich goldene Berge von feinem 5i'orinthen-Monopol. Die M- geordneten klappern ganz nach europäischen Mustern mll den Pultdeckeln, Pobelhanfen durchziehen die S-tLdw, das Militär wagt nicht auföutreten, so allgemein ist die Bewegung, und der Mnig hat vor dem Volkswlllen kapitullert, das Ministerium Theotokis fortgeschickt und der DÄyannist Ralli hat am letzten Samstag ine Bildung eines neuen Ministeriums zu stände gebracht. Frellich ob er, Theotokis, Delyannis oder sonst jemand in Griechenland regiert, Witt) Europa nicht allzusehr aufregen. Politische Tagesschau. 8 008 377 sozialdemokratische Stimme»! Der Reichsanzeiger veröffentlicht das vollständige amtliche Resultat der Wahlen. Danach vetteilen sich die sozialdemokratischen Stimmen wie folgt, wobei in Klammern die Ziffern von 1898 hinzugefügt sind: Preußen. Provinz Ostpreußen 55 276 (45 644), Westpreußen 2020? (11190), Berlin 218 238 (155 411), Brandenburg 243 642 (161507), Pommern 55 353 (38 948), Posen 7982 (4586), Schlesien 174629 (134117), Sachsen 194 461 (147 610), Schleswig-Holstein 109 810 (81940), Hannover 129 812 (98 286) Westfalen 139 612 (76779), Hessen-Nassau 93 546 (73 984), Rheinprovmz 205 035 (111956). Preußen Sa. 1647 604 (1141 958). Bayern 212 506 (138 218). Sachsen 441764 (299190). Württemberg 99743 (62 423). Baden 72 300 (50 325). Hessen 68 834 (48 942). Mecklenburg-Schwerin 49 778 (42 068), Sachsen-Weimar 26 247 (18 457), Mecklenburg-Strelitz 6366 (4872), Oldenburg 17 971 (11012), Braunschweig 36 369 (26 272) Sachsen- Meiningen 16 681 (12193), Sachsen-Altenburg 18 695 (14143), Sachsen-Koburg-Gotha 19 299 (16 842), Anhalt 27 672 (23 548), Schwarzburg-Sondershausen 5237 (4700), Schwarzburg-Rudolstadt 8742 (6638), Waldeck 1830 (1169), Reuß ältere Linie 6840 (6339), Reuß jüngere Linie 13 261 (12 044), Schaumburg-Lippe 2310 (1237), Lippe 3719 (1973). Lübeck 11155 (9729), Bremen 25076 (18636), Ham* bürg 100112 (82129). Elsaß-Loth ringen 68267 (51990). Das Deutsche Reich 3008377 (2107076). lieber Streitigkeiten der Antisemiten untereinander in der letzten Reichstagswahlperiode berichten die „Deutsch- sozialen Blätter" der Liebermannschen Richtung folgendes: Es sei irrig, wenn behauptet wird, die Antisemiten hätten auch nach der Alägdeburger Trennung im vorigen Reichstage eine Fraktion gebildet. Der Irrtum sei nur dadurch veranlaßt, daß das ReichstagSbureau nicht zu bewegen war, die alte Bezeichnung „Deut sch soziale Resormpartei" während der Legislaturperiode in den amtlichen Drucksachen zcl ändern. „Beim ersten Zusammentritt des Reichstages nach der Magdeblirger Trennung fanden sich die deutsch sozialen Abgeordneten auf Vorschlag des Abg. Lotze bereit, für die Konmrissionsbesetzung mit den Reformern und Bauer n bündlern zusarnmen sich als eine Gruppe zählen- Hautausschläge Qhnwftrt* (Hefien) zw. Darmstadt u. Heidelbg. Hotel z. Krone. Pens. 2lUUllUiy v. All. 3JoO ab. Prospekt u. Führer gratis. G. Diefenbach. Herr Dr. med. F. in S. schreibt am 2. Mai 1902: „Habe Ober- Heer und Flotte. Bei Löber u. Lo. in Frankfurt a. M. erschien soeben eine Rangliste des 18. Armeekorps mit dem Stand vom 1. Mai 1903. Vom General-Kommando des 18. Armee- ________ meyers Herba-Seife bei zivei Patienten mit chronischem Hautausschlag in Anwendung gebracht, und td) bin mit dem Erfolg sehr zufrieden." Z. h. in all. Apotheken, Drogerien u. Pars. 1262 zu taffen. Als dann die Reformer ohne vorherige Ver- Kündigung mit den Der Asozialen die ständigen Kommissionen besetzten, quittierten die letzteren diese unfreundliche Eigenmächtigkeit dadurch, daß sie unter Verzicht auf die reformerischen Unterschriften den Initiativantrag auf Grenzsperre gegen Juden-Einwanderung einbrachten und ihre Unterschriften für einen von den Reformern geplanten Initiativantrag verweigerten. Dieser fiel infolge dessen aus, weil die Reformer nicht fünfzehn Unterschriften beschaffen konnten. Nachdem dann spater noch einmal die Verabredung, wonach Dr. Vogel den Sitz in der Zolltariskommission erhalten sollte, resormerischerseitS nicht eingehalten wurde, hat jede politische Gemeinsamkeit zwischen Reformern und Deutsch- sozialen cmsgehört.^ Die Zukunft der uationalsozialeu Partei. Die Naüonalsozialen wollen sich anscheinend mit dem Urteil ihres Führers Naumann, daß der nationale Sozialismus keine parteibildende Kraft besitze, nicht beruhigen; Prof. A. Schloßmann behauptet im -Tag", die Anhänger der nationalen Sache erhöben sich einmütig zum Widerspruch gegen eine Anschauung, mit der Pfarrer Naumann ganz allein dastehe, und begründet das also: Wochenlange schwere Arbeit, des Hirns wie des Körpers, im Dienste der guten Lache und bann doch die Niederlage . . . das bat auch eine so widerstandsfähige Kampfes natur wie Friedrich Naumann zu entmutigen vermocht, aber daß das Boot dieses Mannes gestrandet sei, wie Alfred Kerr annimmt, das wird keiner stauben, der Naumann wirklich kennt. Und wenn auch vorübergehend die wogenden Wellen ihm den freien Blick in die Zukunft benehmen, dann kommen eben die Freunde und Hellen das entstehende Leck dichten, und dann geht die Fahrt weiter vorwärts mir frischem Winde, mit neuer Kraft und alter Zuversicht in das Zand der Verheißung, da der Glaube an die Größe und Zukunft unseres Vaterlandes gepaart ist mit dem Verständnis für die sozialen Pflichten der Gegenwart. Die heute .wirklich sozialdemokratisch Gesinnten werden wir nicht, oder wenigstens nicht in großer Maffe, für uns gewinnen, aber die, die, ohne sozialdemokratisch zu fern, doch sozialdemokratisch stimmen, fallen uns dereinst als Partci- genofsen zu. Die Zahl dieser sogenannten Mitläufer ist eme rnesen- große. Sie alle, die heute mit dem sozialdemokratischen Stimmzettel ihren Widerspruch gegen den gegenwärtigen Kurs erhoben haben, werden es niemals über sich gewinnen, wieder einer reakto- nären Porter deizutreten. Auf der andern Seite ^aber werden sie ebensowenig je zu dauernden Anhängern der Sozialdemokratie werden. Die neudeutsche Größe ist mit zu vielen Opfern an Blut und Arbeit errungen worden, als daß der nationale Gedanke auf die Dauer verleugnet werden kann. Wenn diejenigen, die heute sozialdemokransch stimmen, sich ihrer nationalen Pflichten bewußt werden — und der kleinste Anstoß in den Ereignissen der äußeren Poluik kann hierzu führen—, dann wird diejenige^Partel lawinenartig anschwellen, die unentwegt zur nationalen Sache haltend für die sozialen Bedürfnisse das richtige Verständnis zeigt. Tann kommt für uns die Zeit des Erfolges, und dann werden die National- sozialen und allen voran Naumann sich freuen, daß der vorübergehende Mißerfolg auch nur zu einer noch rascher vorübergehenden Entmutigung geführt hat. Der Delegiertentag der nationalsozialen Partei wird, darüber kann für mich kein Zweifel sein, zu demselben Entschluß kommen wie der Dresdner Ortsverein: „Weiter vorwärts auf dem bisherigen Wege mit verdoppelten Kräften." als Hvfraitegclände als auch in Verbindung mit der daraus entwickelten Obstkultur bewertet werden. Als Hoftaitegelünde ist es doppelt so hoch zu be werten, als das angrenzende freie Gelände und 3war — ebenso wie die zum Hause gehörige Grundfläche mit 10 Mark für den Quadratmeter. Tie oaraus befindliche, vorzüglich entwickelte Obstanlage ist hoher zu bewerten als dies durch die Lokallommission geschehen ist. Auch hier war der Provinzialausschuß der Ansicht, daß der ändert- ialbfache Betrag der Schätzung der Zokalkonunission I.1/2 mal 6 457.50 gleich rund 9687 Mark als Entschädigung t Den durch einen Sachverständigen geschätzten Jahresertrag Vvli 2542.90 Mark aus Obstbau und von 100 Mark aus Gemüsebau kann der Provinzialausschuß, weil durchaus unerwiesen, nicht allein als richtige Grundlage für )ie Bewertung der Gabriel'schen Obst- und Gartenanlage nicht anerkennen, sondern er hält auch die auf dieser Grundlage ausgestellte Berechuung für irrig und fehlerhaft, da die Abschreibungen unzutreffend, der Zinsfuß zu niedrig erschien und bei der Kapitalisierung des Ertrages der bereits anderweit berechnete Grund und Boden nochmals berechnet wird. Als Entschädigung für die Bor- garteneinsriedigung, die lebende Hecke und die Wasserleitung ind zusammen 13d0 Mark festgesetzt worden. 4. Das Grundstück Nr. lut u bildet Hintergelände zu den allerdings fremden Hosraiten an der Frankfurterstraße. Wegen feiner geringen Entfernung von der Franksurter- straße, 35 Meter, und unter der Annahme, daß es begehrenswertes Hintergelände für die vvrderen Hoftaiten. ist erscheint der Betrag von 12 Mark für den Quadratmeter angemessen. Dieser entspricht auch dem rechnerischen Mittel aus dem für das Gelände an der Frankfurterstraße ge- rahlteu Preise von 19 Mark (Bostroem'sches Grundstück) und demjenigen von 5 Mark für entfernter gelegenes Gelände. Die Entschädigung für die Bäume und Sträucher ist wiederum aus das Anderthalbfache der Schatzung der Lokallommission — V/2 mal 365 gleich rund 548 Mark festgesetzt worden. Die neue Grenze ist mit entsprechender Bauplatzeinftiedigung zu versehen. Während der Verhandlungen vor der Lokalkommission und vor dem Provinzialausschuß war das alte Grundbuch der Gemarkung Gießen noch in Geltung. Es kommen deshalb in diesen Verhandlungen überall nur die alten Bezeichnungen der zu enteignenden Grundstücke vor. Mittlerweile sind mit dem neuen Grundbuch neue Bezeichnungen an die Stelle der alten getreten. Demgemäß mußten in dem entscheidenden Teil des Urteils neben den alten auch die neuen Bezeichnungen erscheinen. Den Entschädigungen wurde überall der berechnete Flächeninhalt der Grundstücke im neuen Grundbuch zu Grunde gelegt. In der Urteilsbegründung wurden der Uebersichtlichkeit halber die alten Bezeichnungen beibehalten. Die Kostenentscheidung beruht auf Art. 53 des Gesetzes (neue Fassung). korpS anSgearbeitet, enthält die Rangliste sämtliche Offiziere < einschließlich Reserve und Landwehr, sowie Beamte, Behörden ' und Geschäftsräume im Bereiche des 18. Armeekorps und den Großherzoglich hessischen Hof. Die Rangliste ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen und kostet broschürt Mk. 1.25. tzuteignuttg von Keländc für den Yeuöau einer chirurgischen und einer Augenklinik. VI. (Schluß.) Für Außerbetriebsetzung deS Windmotors, für die beiden gemauerten Ctzsternen (Reservoirs), Rohrleitung usw. ist eine Entschädigung von 3000 Mart angemessen und zwar aus folgenden Gründen: Nach dem Gutachten des Ingenieurs Poppe betragt der Gesamtverbrauch an Wasser ca. 1500 Kubikmeter pro Jahr. Hiervon wurden, dem jährlichen Gasverbrauch ent- prechend, etwa die Hälfte gleich 750 Kubikmeter durch den Gasmotor geliefert, während die übrigen 750 Kubikmeter durch den Windmotor gepumpt wurden. Der Gasmotor wird nach wie vor das seitherige Quantum pumpen können, während dasjenige, welches seither durch den Wmdmolor gepumpt wurde, durch Entnahme aus der städtischen Wasserleitung ersetzt werden muß, und bei einem Preise von 22 Pfennig pro Kubikmeter 165 Mark kosten würde. tM t hat der Windmotor filr Dedtenung, Reparatur und sonstige Aufwendungen nach dem Gutachten des Ingenieurs Poppe ea. 45 Mark Unkosten verursacht (in Wirklichkeit jedoch wesentlich mehr), sodaß für den Bezug des Wassers aus der städtischen Wasserleitung noch der Betrag von 120 Mark zu vergüten wäre. Kapitalisiert man diesen Betrag'zu 4 Prozent, so wird obige Entschädigung mit 3000 Mark als zutreffend zu bezeichnen sein, abgesehen davon, daß den seitherigen Eigentümern aus der Verwertung der in Wegfall kommenden Anlage noch ein Erlös von ca. 200 Mark erwachsen wird. Außerdem ist für Einführung der stadttschen Wasserleitung und Anschluß derselben an die bestehende Leitung ein Betrag von 300 Mark zu vergüten. Die Aufftellung eines größeren Reservoirs auf dem Dachboden des Wohnhauses ist bei Anschluß an die städtische Wasserleitung ganz überflüssig, da der Wasserzufluß nach Bedarf kon- tinuiettich stattfindct. , . _ 2. Die Parzelle 188,1 besitzt die gleiche Eigenschaft tote die vorgenannten, sie ist Hintergeläude der Hofraite Nr. 14 der Wilhelmstraße und ist deshalb gleich den vorgenannten mit 7.50 Mark pro Quadratmeter zu bewerten. Bäume und 2ttttzsträucher sind entsprechend der Schätzung der Lokal- kommisswn mit 517 Mark zu vergüten. Die neue Grenze ist mit entsprechender Bauplatzeinftiedigung zu versehen. Eine Entwertung des übriableibenden Geländes findet auch hier nicht statt, ebenso sind die Ansprüche des Mieters nicht zu berücksichtigen. Z. Die Parzellen 150—157 bilden eine abgeschlossene, gut kultivierte Hoftatte und sind als solche zu bewerten. Das Wohnhaus stellt ohne Grundfläche einen Wert von 27 000 Mark dar. Das Alter desselben dürste nicht in Betracht kommen, da das Haus in gutem, baulichem Zustande erhalten ist. (Vergleiche Gutachten der Architekten Stein und Meyer in Gießen.) Das unmittelbar an das Haus anschließende Gelände, Bor- und Hintergarten ist gut kultiviert und kann sowohl 5469 5026 Bin mit einem großen Transport Telephon 46. Markt 21. 03401 5360 tehen. melden. BKoiöniaiZotterie 826 Verkaufsstellen: -t MurÄW gufßTasse Jaffee1 Flasche >fk. 1.50 nur in der Adler-Drogerie, Seltersweg 39. 2000 2000 6000 50 uO 2000 8000 s s z Als Verwalter des laffes des am 20. Mai ■ ■ Frauenkrankheiten 1BB T „ Mag enbeschwerden ■ ** * Nervenschwäche _ - Verdauungsschwäche 8MB BIT Blasen- und Nierenleiden ■ ■ ■ ■ ■ ■ NW <61 Bleichsucht etc. s * L Los 1 M., 11 Lose 10 M. Bienen-Lose nur 50 pt. Sofortige Barauszahlung aller Gewinne mit 80 °/0. 1413 Gew. i. \V. von 31. 10 000 Ziehung 80. Juli 1903. Porto u. Liste je 25 Pf. empfiehlt Ziehung II. August 1903 2$ G~ s.40000 ßauptgew. karjl 10000 1 Gewinn bar jj. IO 000 3 Hei. bar mm = 11.3 000 4 Gew. bar ä 500 — M. 2000 Ferner fordere ich diejenigen, welche an den Nachlaß etwas schuldig sind oder dazu gehörige Sachen im Besitz haben, auf, innerhalb gleicher Frist mir hiervon Anzeige zu machen. Gießen, den 9. Julr 1903. I. Boeck, Steinstr. 15. Seifenpulyer Chöubens _ "grsheizöfen | verstorbenen Kaufmanns Wilhelm Schourber in Gießen ersuche uh diejenigen, welche Forderungen an diesen Nachlaß zu hüben haben, solche binnen 14 Tagen von heute an bei Meidung deren Nicht- berückfichtigung bei der Nach- laßregulterung bei mir anzu- I Mein Atelier für Zeichnen und Malen befindet sich jetzt । Kofmamistrcche 8, parterre. Im 03302 Frau Ü. Kowarzik. Trinkkuren Im Hause mit Lamschelder Stahlbrunnen ärztlich wärmstens empfohlen. Glänzende Erfolge. 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