Samstag, 12. Dezember 1903 153. Jahr-g. Erschefin töflfid) mtf Ausnahme beff Sonntag-. Di .«letze! Lamtitendiätter- werden dem Aa-eiper verma wöchentlich betgelegt. Der „heistjche Laüdwfi'- erfchetnl msnaUich einmal. Gießener Anzeiger «erantworttich ffli «C^wnetne» lAl v. ötttto; tüt den Ln-ergenretli fc. B«< Rotationsdruck und Verlag der Srü UnwerfttLtSdruckerei (Ptettch Erdens Genera!-Anzeiger, Amts- und Anzeigeb!att für den Kreis Gießen. i Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Neichstag. 5. St tz u n g vom 11. Dezember. 1 Uhr. Dar Haus ift gut besetzt. Am Bundesratstijch: Graf von Bülow, Graf Pos a- dowskt), Frhr. von Stengel, von Einem, Frhr. von Rbeinbaben, Möller, von Trrpitz u. a. Zunächst werden einige schleunige Anträge mtf E i n st e l - In n g schwebender (Strafverfahren gegen die Abgg. Kunert, Schöpflin, Goldstein und Geyer (Soz.) ohne Debatte angenommen. Sondann wird die erste Beratung des Etats und des Fi- nan-reform-Gesetzes fortgesetzt. Abg. Sattler (nat.-lib): Ich will ebenso, wie dies dte Abgg. SLädler und Graf Stolberg getan haben, nicht versäumen, Zeugnis abzulegen von der tiefen Erregung und der bangen Sorge, welche sämtliche patriotischen Männer erfüllte bei der Nachricht von der Erkrankung Seiner Majestät. Es war sehr gut, daß man eingehende Krankheitsberichte veröffentlichte. Aus den Berichten können wir die frohe Hoffnung schöpfen, das; bald der Tag kommen wird, wo unser Kaiser gänzlich genesen sein wird. Mögen wir tbn in der nächsten Zeit begrüßen können. o Wenn ich nun die finanziellen Fragen bespreche, so möchte ich beginnen mit der einfachsten und kleinsten, mit der Frage, ob die Rech- nungskommisston mit der Budgetkomnnssion vereinigt werden soll. Graf Stolberg-Wernigerode machte eine dahinaebende Aeiißeruncn Ich must mich gegen die Vereinigung ausfvrechen. _ Ich Balte es für geraten der Rechnungskommission ihre Selbständigkeit zu wabren. denn die Rechnungskommission ist die geborene Verbündete der Reichsfinanzverwaltung. Wenn man unsere Finanzverbaltnme überlegt und sie stch klar zu machen sucht, fo ergibt stch eine wiche Sinnme von Unklarheiten und Unübersichtlichkeiten, dast es fmwer wird, sich im Finanzwesen zurechtzufinden. Schon um festmstellen, wo die Zuschnstanleibe des vorigen Jahres geblieben ist, bedarf es Innerste erregt haben. , . Der Name Forbach, einst ein Name von gutem Klang, der die .fieren böber schlaaen liest in der Erinnerung an den 6. August 1870, wo in seiner Nähe die Schlacht bei Speern geschlagen wurde, verbreitet heule einen dunklen Schatten Es stnd Dinge dort vorgekommen, die man für unmöglich gehalten hatte, unv rote ich das Buch des Leutnants Bilse gelesen, wi- t» M'ch gezwunaen habe, es durchzulesen, da habe ich es mit Ekel beiseite geworfen und mir acfagt: Das ist ein niedriges Pamphlet, und es ist eine Schande, dast ein preußischer Offizier etwas derartige? schreiben konnte. lWiderspruch bei den Soz.) Jawohl, das habe tm mtr gesagt, und dennoch ist das, was in dem Buche steht, MM Teil wahr. Der Abg. Schädler bat an das Wort des Fürsten Bismarck erinnert, den vreustischen Leutnant macht und niemand nach, tor fiat gemeint, von diesem Wort würde man seht etwas zurucknehmen müssen. Ich glaube, es sind unter den Amtsbrüdern des Herrn Schädler auch räudige Schafe gewesen, und er wird nicht angestanven haben.«zu erwärm, das waren keine Führer tm Herrn. So sage auch ich: Diese Offiziere, die sich so vergangen haben , d,e das Kwiv des .Königs getragen haben, die waren äußerlich Crndtere, jiber iirnerlich und dem Geiste nach, wie ste eS sein sollen, waren ue es nickst. Und wenn sie noch nicht beseitigt sind, noch meine Kameraden sind, so stehe ich nicht an, zu erklären: Sie waren keine Offiziere in dem Sinne, wie es vreustische Offiziere immer geben soll. (Sehr richtig!') Nun darf man gewist rückst die Augen schließen und must sich offen fragen: Wie können denn solche Dinge Vorkommen, tote sind sie zu erklären? Ich habe vieles darüber in der Prelle gelesen Die sozialdemokratische Prelle hat es sich am letohteitcn gemacht Diese bat gesagt' DaS ist das Stiftern. der Militarismus ist der Vater alle? Nebels, der alles in Ketten schlägt, der jebe Trete Willensmeinung unterdrückt, der zur Verblödung führt, lsehr richtig! bei den Soz.) der hat auch die? hier hervorgebracht. Wenn da? richtig wäre, dann müstte das ganze deutsche Volk, das leit 100 Jahren die Wehrpflicht trägt, also dem Militarismus ge- toillermatzen untertoorfeu ist, verblödet sein. DaS deutsche Vott bat aber mit einer Tatkraft, mit einem Fleiß ohne gleichen sich einen grosten Teil des Weltmarktes erobert. Die Sozialdemokratie müstte die letzte sein, die etwas derartiges sagen könnte, denn auf dem Dresdener Parteitage ist ja gesagt worden, dast, wenn die Sozialdemokratie erst an der Spitze der Geichunte iteqe, ans der Masse des Volkes eine Kraft und Intelligenz sich entwickeln würde tote es nur bei einem von Gesundheit strotzenden^ Volke möglich ist. Andere Preststimmen wieder haben sich dahin geäustert, die" Ursache liege darin, dast sich das Militär vom Volke fernfialte. . Das kann ich 'auch nicht anerkennen, das Offizierkorps von heute zu amortilleren? _ ...r.Y.v- Mit Freude haben wir's begrustt, dast die tornfcnaftlimen Verhältnisse des Deutschen Reichs sich gefiebert haben. Ich erkenne auch an und freue mich darüber, dast die Dhronrede die Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung als erforderlich bezeichnet. Eme Partei und emeRe- ■gicrung, welche nicht mit wahrem sozialpolitischem Geiste erfüllt ist, hat in der Gegenwart überhaupt keine Auslicht auf Eistolg mehr. Für durchaus notwendig Balte ich eine Refor mb es B o r s e n- fteuergesetzes, d-nn das jetzige Gesetz fiat nicht die von ihm erwartete Wirkung gehabt. Im Gegenteil, es hat dazu beigetragen, dast Treue und Glauben im geschäftlichen Verkehr im Abnehmen begriffen sind. ES ist doch eigentlich etn Unsinn, dast in zwei so finanzkräftigen Ländern wie das Deutsche Reich und Preußen die Anleihen im Kurse fo niedrig stehen. Hier, glaube ich, wird man durch eine Abänderung der Bor,ensteuer Besserung ichafien fCnnC$Jvn zur Frage der A nw e se n h e i t s g e l d er. Man Quinquennat verzichten oder nicht? Hierüber l müssen wir eine klare Auskunft haben. 1 Ich kann es bei der Besprechung des Militaretats nicht unter- i lasten, auf die schweren Schäden aufmerksam zu machen, < welche durch die öffentlichen Militärgerichtsverhandlungen zu unjerer - Kenntnis gelangt sind. Gerade wir, die wir m der Armee unicrcn . Stolz sehen, die wir wollen, dast sie ohne jeben flecken bleibt, . gerade wir hatten uns für verpflichtet, darauf hmzuwelien, baß Erscheinungen zu Tage getreten sind, welche in weitesten Kreisen schmerzlich berührt haben. (Sehr richtig.) Wester frage ich, ob . überhaupt für den notwendigen Ersatzdes Untero ff izi erkor ps gesorgt wird. Wir hören, dast em groster Mangel an Anwärtern vorhanden sei und dast auch die Heeresverwaltung Besorgnis hegt, sie könne nicht einen genügenden Ersatz .finden. Weiter weise ich baro if hin, dast der Lurus beim Militär eine erhebliche Steigerung erfahren hat, und dast uch dadurch die Ausgaben der Offiziere und derjenigen, die c3 werden wollen, wyr steigern. sSehr richtig.) Hierin liegt mit em Grund dafür dast auch für Ottiziere der Infanterie nicht der genugenbe Ersatz zu beschaffen ift/beim die Aufwenbungen, bie bie Offiziere machen müsien, übersteigen die Kräfte des einzelnen, und deshalb können wir nickst umhin, auf diesen Schade-- hinzuweisen und die Milstar- verwaltung zu fragen, was sie für Mittel zu ergreifen gedenkt, um hier Abhilfe zu schaffen. Wir haben ferner unseren Blick zu lenken auf dieSoldaten- rniß Handlungen. Das Herz krampft sich ^Nammen, wenn man lieft, daß ein einziger Unteroffizier gegen tausend Mißhandlungen begehen konnte. (Hört! hört!) Ich zweifle nicht, daß die Militärverwaltung derartigen Ausschreitungen gegenüber bie schärfsten Mittel anwendet, aber mit der Bestrafung des Einzelnen ist die Sache nicht abgetan, sondern man muß dafür sorgen, das; dieser Erscheinung die Wurzel abgegraben wird. Auch das Geschenkmachen der Einjährigen an Vorgesetzte sollte energisch verboten werden. Die im Etat vorgesehene Aufbesserung kommt im wesentlichen nur denjenigen Unteroffizieren zu Gute, die den Vureandienst besorgen, aber diejenigen, die die mühevolle praktische Ausbildung zu leiten haben, kommen schlecht weg. Für verfehlt halte ich es, den Train durch Strafverfolgungen aus der Kavallerie zu ergänzen. Der Train muh eine vollwertige Heeresaattung fern. Mir liegt es fern, irgend einen Vorwurf gegen den Train zu erheben, und ich halte es nicht für angebracht, daß Kavallerieoffiziere wegen Verfehlungen in den Train versetzt werden. (Lehr richtig!) Nun zur Ostmarkenvorlage! Etwas ähnliches fiat die Militärverwaltung schon lange, ohne dast der Reichstag dagegen Einspruch erhoben fiat; wir haben für Elsaß-^othringen feit 1870 alljährlich Zulagen durch den Etat bewilligt. In Preußen haben wir den Ostmarkenzulagen mit voller Ueberzeugung zu gestimmt, weil wir es für notwendig halten, daß gerade ir> jenen Provinzen, wo die Bevölkerung sich in ihrer Nationalität und Sprache von den Deutschen unterscheidet, ein zuverlässiges imb ausgezeichnete? Beamtenfieer gehalten werden muß. Die Polen wollen nicht Preußen fein, sie wollen ihre polnische Nationalität aufrecht erhalten, sie streben nach der Bildung eines eigenen polnischen Reiches. (Sehr richtig! rechts imb bei ben National-Liberalen, Widerspruch bei ben Polen.) Das ist der Grund, weshalb wir unter allen Umständen diesen Bestrebungen entgegentreten müsien und Sie werden von mir persönlich nicht erwartet haben, daß ich . in dieser Frage anderen Sinnes geworden bin. (Lebhafte Riste: Nein, nein, bei den Polen.) Denselben Grundsatz haben wir auch ; gegenüber ben Herren von der deutsch-hannoverschen Partei. Viel- . leickst glauben Sie, daß es möglich ist, ein selbständiges Hannover , auf friedlichem Wege wiederherzustellen, aber ich persönlich halte . das für unmöglich. Sie werden mir zugeben, dast ich mich stets : einer möglichst rücksichtsvollen Behandlung biefer Frage befleißigt i habe, ich verstehe den Gedankengang der Herren sehr toofil, aber • ich kann es nicht fassen, dast Sie glauben, eine Wiederherstellung ■ des selbständigen Welfenreichs auf friedlichem Wege amtreben zu - können; denn der preußische Staat gibt die Provinzen, bie er em» t mal in seiner Hand hat, ohne blutigen Kampf nicht heraus, l^hr - richtig.) Derartige Bestrebungen, zu bekämpfen, halte ich für die » verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Regierung. Was ben Marineetat betrifft, so hat der Llbg. Schädler behauptet, dast die Aufwendungen über das Flottengesetz fimaus- gefien. Das ist nicht der Fall, denn die Marineverwaltung hat ausdrücklich die Befugnis erhalten, in dem einen Jahre weniger, in dem anderen mehr einzustellen, wenn nur die Gesamtsumme des Flottengesetzes nicht überschritten wird. (Sehr rtzfitig.) Diesen Vorwurl kann ich also dem Staatssekretär nicht machen. Dagegen erhebe uh gegen ihn den Vorwurf, dast der Fähnrich Hüffen er nicht gleich nach feiner kriegsgerichtlichen Verurteilung aus der Marme entlassen wurde. Jetzt ist der Mann ja entlassen, aber das hatte sofort geschehen müsien. . . x Die Zerrissenheit des E i s e n b a h n w e s e n s i n D e u 11 cv- l a n d fiat auf die Dauer immer schwerere Folgen. Wir fioren namentlich Klagen aus der Pfalz, Klagen, bie objektiv zweifellos berechtigt sind/benn dieser Teil Deutschlands bleibt infolgedessen toirtschaftlich zurück, obwohl alle Vorbedingungen für einen wirtschaftlichen Fortschritt vorliegen. Ich als Preuße habe wahrhaftig keine Veranlassung, eine Ausdehnung der preustiich-heinschen Eisenbafingemeinfchaft zu wünschen, denn je mehr Staaten sich an- schliesten, desto geringer wird der Nutzen für Preußen sein. Es liegt mir fern, eine solche Ausdehnung zu fordern, aber das farm man sich doch nicht verhehlen, daß eine Verbesserung des Verkehrs zwischen den verschiedenen Landesteilen absolut eriorderlich ist. sSehr richtig!) Beim P o st e t a t möchte ich darauf Hinweisen, daß es sich nicht empfiehlt, die Erweiterning der Telegraphenanlagen auf Anleihen zu übernehmen. Es kann m fern, daß nach 60 Jahren das Televbon durch eine andere Erfindung überholt ist. und dann sitzen wir mit einem dicken K o p.s e d a und wissen nicht, wie bie Kosten zu decken sind. Ware es nicht richfiger, wenigstens bei den Verwaltungsbetrieben, welche, emen lohnenden Ertrag abwerfen, Einrichtungen zu treffen, um die Kosten schneller Hört, daß c5 äußerst schwierig ist, ein beschlußfähiges Haus Hier im Reichstage ohne Diäten zusammenzuhalten. Werden keine Anwesenheitsgelder gezahlt, so wird die Entwicklung, unzweifelhaft den Weg gehen, daß mehr und mehr bei jeder Partei Trnten gut fiifiruna kommen, und daS halte ich für außerordentlich schädlich, henn bann befinden sich schließlich die verbündeten Regierungen Gruppen des Hauses gegenüber, welche von außerhalb o^H^lfes stehenden Parteien abhängig sind, und das kann zur Erfiohimg der Objektivität in keiner Weise beitragen. Diewr Grund sollte auch auf die verbündeten Regierungen Eindruck machen. Bezüglich des T o l e r a n z a n t r ^g es des Zenfi-umS bemerke ich für heute nur, daß wir das Aufsichtsrecht des Staates unter keinen Umständen schmälern lassen wollen; wir werden st.e j darauf bedacht fein, dast der konfessionelle Friede gewahrt bleibt. Gewiß, in manchen Einzelstaaten bestehen keine tonnen-werten Zustände, aber wir haben feine Veranlassung, in die ^"wuisie der Einzelstaaten auf diesem Gebiete ein^amfen. Auch der Aufhebung d e s I e f u i t e n g e f e fc e §, die der Abru Scfiad- Ter verlangt fiat, toiderf'tzen toir unS nur im ^ntere^ he? konfessionellen Friedens lSefir richtig! bei den National-Liberalen. Lärm im Zentrum.) Der Gedanke, dast der Staat verpflichtet ist, die Lage der minder begüterten Masien zu heben, erfaßt immer weitere Kreise. Aber nach mancher Richtung bin muß doch das Verantwortlichkeitsaefühl der Behörden entschieden wachfem Demi nrtoiüc Erfcfieinunaen der letzttn Zeit sind Nicht gerade erfreuttch, ich erinnere nur an die vielen Fsflle von imfiearünbeten vZU^üichen Verhärtungen. Geaenwärtia gibt lebet, der mit einer Mastnabme her Rraierung unzufrieden ist, seiner Unzufriedenheit durch Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels Ausdruck. Die große Zunahme der sozialdemokra t i s efi e n Stimmen wird dadurch herbeigeführt, daß der, der sich über skandalöse Zustande aufreat in feiner Torheit eim-n souald-mo- sratischeu Kettel ahaiht. lLoch-n bei den Soz.) Der Minister Frhr h Hammerstein fiat neulich in Hannover ein aanz vor-nattches Wort gesprochen, indem er im Anschluß an das , des Großen gesagt fiat: Die Polizei ist für das Publikum Val Von diesem Gedanken mü^-rn alle Behörden und Beamten erfüllt sein. Das ist das beste Mittel, um die törichten Mitläufer der Sozialdemokratie wieder an jh'' betete? Ich zu erinnemi. lEr- neutes Lachen bei den Soz.) Ich freue mich, daß der Gedanke, die minderbegüterten Klasien gegen Krankheit. Alter nnd.AnPalidt- tat -rii versichern, Fortschritte macht und daß auch gewisie 5rreise des Mittelstandes jetzt von diesen Einrichtungen betroffen werden apir halten es für richtig, auch die selbständigen Handwerker unv Privatheamten ?ii versichern. Gegenüber dem Abg. Bebel muß ich hervorfieben, dast es auch bie besitzenden Klasien an Arbeiterfiir- sorge nicht haben fehlen lassen. Das kann ich unter allen Umständen für meine Partei in Anspruch nehmen. Für die Altersund Invalidenversicherung haben nicht weniger als 80 rnemer Fuei'nde gestimmt. Was bieten Sie ttii den Soz.) denn Ihren Anhängern^ Der Reichskanzler hat mit Recht fiervorgehoben, daß Sie es ia selber nicht wissen wie es in Ihrem Ziikunftsstaat aussehen soll. Sie wisien nicht, nach welchem Programm Sie Vorgehen sollen, und trotzdem erheben Sie in Dresden emen lauten Kampfruf zum Umsturz. Dieser Kampfruf stimmt, schleckst mit Ehrern Programm zusammen. Es stimmt auch wenig zusammen i das, was vom Abg. Bebel in Dresden gesagt ift, wo er sich als der ..Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft" bekannte, solange er i lebe und atme, mit der Art, wie Sie sich fittr als fiarmlofe : Biedermänner aufspiel-n. Die Verhandlungen in Dresden haben es . gezeigt, die dortigen Verdächtigungen imb Beschimpfungen, die . aea nseitiaen Beschuldigungen des Strebens nach furchtbarster > Tvrannei, daß Sie am allerwenigsten Gnmd haben, zu behaupten, die ganze jetzige verrottete Gesellschaft müsie beseitigt werden. Wir werden uns nickst die Freude an der gegenwärtigen Entwicklung rauben lassen. Wir sehen in Deistschland ein großes, aufstrebendes Leben. Wir wollen keine Störung der ruhigen Enttmcklimg und deshalb werden wir fortdauernd tätig sein, um die Grundlagen unserer nationalen Entwicklung in wahrhaft freiheitlicher Weise zu schützen und zu fördern. sLebhafter Beifall.) Preußischer Krieasmiuister von Einem: D.aS HauS wird meinen Worten glauben, wenn ich sage, daß bei meinem ersten Auftreten hier als preußischer .Kriegsminister es mtr lieber gewesen wäre, über erfreulichere Dinge zu sprechen, als fie Tetbet in letzter Zeit in der Armee vorgekommen sind und die nicht allein das deutsche Volk, sondern auch die deistsche Armee bis ni daS eines eingehenden Studiums. 1 Eine Finanzreform im großen Stile ift erfor* ? derlich. Ich behaupte aber nicht, daß das jetzt vorgelegte Fmanz- Gefetz eine solche Reform bereits enthält. Wenn wir uns die ^a- 1 bellen auf Seite 10 de? vorgelegten Gesetzes anfehen, fo mochte im i zunächst dara'is den Schluß ziehen, dast in der.Reichsfingn-verwal- fiing alle? anders gekommen ist, wie man ursprünglich annafim. In ; den 70er Jahren war man nicht sicher, ob man überhaupt in der Lage fei, eine Anleihe aufnehmen zu dürfen. Auch bie Institution der Ueberweisungen kannte man nicht. In der Verfaffuna steht nichts davon und heut»' fiaber wir Ueberweifunaen von mehr al? % Milliarde. Alfo. es ist alles ander? geworden in der Reichs- finanzverwaltung. als wie mar es sich Fei Bearünbung des Reichs gedacht hatte Daß diese Entwicklung sehr erfreulich gewesen sei, kann man nicht iaaen. Auch die Matrikularinnlagen sind immerfort gestiegen, Nur Prei'ßen hat nicht so sehr darunter gelitten, da es in feiner Eifenbafinverwaltung eine Einnafimeguelle allerersten Ranges besitzt Einen kleinen, aber erfreulichen Fortschritt gegen früher bringt die Vorlage insofern, als die Ueberschiisse aus den Vorjahren insoweit nichts anderes bestimmt wird, zur Deckung außerordentlicher Ausgaben verwandt werben sollen. Die frühere Praris hat zu vielen Unzuträolichkeiten geführt. Man war zu sehr geneigt, die'Finanzkraft des Reichs infolge dieser Uebernafime zu überschätzen und um "”i ™ hrt das nickt (Widerspruch links.) Ick kann versickern, daß überall ei» b-v'Iid'cr Verkehr zwischen Militär und Bürgerschaft stattfindet. Ick möchte beinahe glauben, das; diese Offiziere in verback zeigen, daß wir in gewisser Weise schon zu weit gegangen sind in der Annahme von Offizieren. die die schweren Anforderungen, die an den einvlnen gestellt werden, nickt erfüllen. ES ist erfreulich für mich, konsultieren zu können, daß in Forbach in dem Traiubataillon Nr. 16 nicht ein einziger Offizier gestanden hat, welcher dorthin strafversetzt gewesen ist. Der Abg. Sckädler sprach davon, daß cm Offizierkorpö nicht auf der Höhe gehalten werden könne, welckx-S sich rekrutiere aus Offizieren, die Weden Verfehlung in dies KorpS verseht werden. So etwas geschieht beim Train nicht, ick möchte diele Ansicht korrigieren. Speziell ist beim Train- bataillon Nr. 16, wie bemerkt, das nickt vorgekommen. Der Dienst bei den Waffen, bei Artillerie und Kavallerie, von denen vielfach die Offiziere zum Train verseht werden, ist ein ganz anderer als beim Train Es kann sehr wohl vorkommen, das; ein Offizier, der nicht den Anforderungen an Felddiensttücktigkeit und an die Fähigkeit. taktische Dinge schnell zu begreifen, entspricht, der also bei der Artillerie oder Kavallerie nickt Genügendes leistet, dock im inneren Dienst Vortreffliche? leistet und insbesondere beim Train giite Verwendung finden kann. Deshalb ist es durchaus kein Makel, zum Train verseh« zu werden. Der Offizier wird eben da verwandt, wo er etwa? Gutes leisten kann. Es ist gefragt worden: kann das mit den Trainoffi-ieren so weiter gehen? Müssen sie nickt anderen Truppenkörpern angegliedert werden? Solcher Versuche sind viele gemacht worden. Sie sind immer gesckeitert an dem Widerstand der Offiziere des Trains. Die legen großen Alert daraitf, das; sie sich aus sich selbst rekrutieren. Der Kaiser bat infolgedessen vor Jahren eS gciiehmigt, das; auch der Train Fahnenjunker annehmen kann, und in nickt geringer Menge treten sie ein, um dort Offizier zu werden. Auch Refcrv'offiziere treten oft zum Train über, was ihnen in ihren bürgerlichen Berufszweigen, z. B. wenn sie Landwirte sind, oft sehr gut zu statten kommt. Also diese Fragen sind erwogen und werden weiter . erwogen werden. Ich gebe aber zu, angesichts der Dinge, die in Forbach haben Vorkommen können, daß cS mißlich ist, einen so kleinen Truppenteil mit wenigen Offizieren so abzuscudcrn. daß er gar keinen Anschluß an eine größere Garnison hat. Aber auch da§ ist sehr ernst erwogen worden. Ein Trainbataillon hat nämlich eine äußerlt sckmsierigc Mobilmachung, es stellt so zahlreiche Formationen, daß es nickt möglich ist, sic mitten im Lande vorzunehmen, wenn sie rechtzeitig zum Krieaskörper stoßen sollen. Also, wir waren gezwungen, wenn auch wider Willen, die? Trainbataillon an den äußersten Ort zu verlegen. Wenn dort ein Kommandeur getnesen wäre, der seine Stellung ausgesüllt hätte, dann wäre so etwas nie und nimmer geschehen. sSehr richtig!) Der Kommandeur hat dort nickt hingepaßt. Das ist kein Vorwurf, den ick hier erheben kann gegen irgend jemanden, nickt gegen die Stelle, die diesen Posten beseht, denn in jedem Menschen kann man sich irren. Es kommt häufig vor — das werden alle Herren wißen, die im Leber stehen —, daß jemand, der bis dabin selbst unter Aufsicht gewesen ist nachher, wenn er Freiheit hat, sich ganz anders entwickelt, als wie man vorher aunehmen konnte. Welche psvckologischen Momente hie.- Vorgelegen haben, um diesen Mann, der bis dahin gut dein teilt worden w>ar, zu einem Schwächling zu macken, daß er Zustande» die gegen göttliches und menschliches Gebot, gegen dienstliche und moralische Vorschriften verstoßen, bat durckgebcn lallen, das kann ick hier nickt erörtern, cr muß die Folgen traacn. ES ist vielfach in der Vresie hingewicien worden auf die W e i b e r w irisch a f t , eS bat einer von den Offizieren auf die Frage, wie er es mit den Mädchen.halte, geantlvortet, wie jeder andere Offizier! Meine Herren? Wer nickt gesündigt hat, der hebe den ersten Stein aus. (Heiterkeit.) Daß jeder Leutnant in de--- Armee so gelebt haben soll, wie eS in dem B'ick geschildert ist. daß die Weiber auS- und eingegangen sind, daß er mit ihnen gelebt hat, daß sie ibm, ick möckte beinahe sagen, daS Abendbrot mitgebrackt haben (Heiterst'!!), daS weise ick mit Entrüstung ziwück. Das ist nickt wabr. (Sehr richtig!) Wie ick an dieser Stelle stehe. ' ill ick mich dafür verbürgen: ein zweite? Forback ist in der preußischen Arm-e nickt möglich. sBeifall.) Manche Preßstimmen haben sick auch über die ÖffizicrSdamcn in ungünstigem Sinne geäußert. Ick denke mit Freude und Dank zurück an die Anleitung, die wir als junge Offiziere von unseren Offiziersdamen bekommen haben. Edle Flauen können auf junge Offiziere wirken wie die Mutier zu Hause. Ick spreche das hier aus, weil Vergleiche mit diesen Frauen, die sich vergangen haben in Forback, mit anderen Frauen und Damen der Armee eine Veleidigi'ya.für keltere sind, für ehrbare Frauen, die als höchste Ehre sters ihre Tugend angesehen haben. sBeifall.) Andere schwere imS alle betrübende Fälle in der Armee sind die Mißhandlungen. Ehe 'ck auf dicke Sacken näher ein» gebe, möckte ick mir gestatten, in Kürze einige wenige Zahl-m über die Mißhandlungen, wie sie die Statistis feststcllt, die wir beim KrieaSministcrium antnestellt hc»bcn. anzufübren. Die Statistik be-iebt sich auf da? Iabr vom 1. Juli 1902 bis zum 39. Juni 1903. Es sind bestraft worden wegen Snldatenmißbandlungen 50 Cffhiere, 525 Unteroffiziere und 52 Gefreite und Gemeine Da? sind in Prozentsätzen 0.26 Offiziere, O,RR Unteroffiziere und 0,01 Gefreite und Gemeine. Die höchsten Fahlen de? vorher- aebenden Fahre? sind bei Offizieren 67 gleich 0,37 Vraz., bei Unteroffizieren 792 cileich 1,31 Proz. und bei Gefreiten und Gemeinen 72 aleich 0 02 Proz. ES ist allo im lebten Jahre eine Abnahme zu konstatieren. Wenn man dielen Prozentsatz einer Krankheit zu Grunde legen wollte, so würde sic niemand eine Evidcn'ie und Endemie nennen können. Von den Mannschaften haben unter den Mißhandlungen zu leiden gehabt 1239, das gibt einen Prozentsatz von 0 32. Nun wird gcsaat, diese Fahlen sind zweifellos unrichtig sSehr wabr! bei den So*.), sie geben kein richtiges Bild: denn nebenbei sind ja natürlicher Weise eine große Anrghl van M'ßbandlunacn vorgekommcn. Ick kann nickt sagen: Nein, e? sind keine weiteren vorgekommen, e? sind alle entdeckt Warden, aber es wird da? HauS dock intercllieren, wenn ick an- führe, daß von dielen zur Svracke aekammenen Mißhandlungen 68 Proz. durch Meldung zur Kenntnis der Vorgcst'tsten gebracht sind: nur 32 Proz. sind auf anderem Wege cemittelt worden. Ich meine also, man kann nickt sagen, daß da? Beschwerderecht nickt funktioniert hätte. Ick kenne nur den Fall des HenmtmannS Holstein. wo seitens de? Vorgefeßten nickt auf eine Beschwerde einaeaanacn wurde. Durck die Anaabe meiner Zahlen habe ick nickt die Absicht versosat die M'ßhandsunaen zu entsch"ldiaen Und wenn e? nur 100 Fälle wären, e? blieben immer nach 100. Der Aba Sattler bat aesagt: DaS Herz kramuft fick zusammen, wenn man von derartmen M'ßhandlunaen liest und hört, wie sic in ben verschiedenen Fällen durck die Oeffentlickkeit gegangen sind. Und, meine Herren. Sie urteilen dabei nur vom Standpunkte Ihre? menschlichen Estsi'ckss, mir aber emhfinhen nebenbei noch ganz etwa? andere?, nämlich den schweren Schaden, der un? unter militärischem Gesichtspunkt.» aus diesen M'^baudlunaen er» mächst. Solche Mißbandlunasfäst.» von Unteroffizieren, die in brutaler Weile mit einer gewilleu Wollust darauf cs"Ka"hcn, Oualen zu erfinden, um den Mann zu schinden, sind da? Schauderhafteste, was man sich danken kann sSehr richtig'), und ick flehe nickt an -u erkläe-n, wenn da? läna-re $eit in einer K-mmnanie Vorkommt. so muß DMter allen Umständen der M^i-o^s^vte h^hnn willen. Mir ist c« unbeareiflich und unfaßlich, daß ein Vor- gesebter derartige Fälle nickt klar erkennen kan. lSehr richtig!) Entweder hgt er feine Unteroffiziere in falschem Geikw oder er ist kein Menschenkenner oder er hat einen solchen Onti, -miSmus an Vertrauen, wie er nickt gerechtfertigt ist. sLebhafte Zustimmung.) Ick bin überzeugt, daß wir diese Mißhandlungen au? der Armee heraushekommen werden, und daß wir sie hermi?Mnmm-n müllen. sDctfall) Da? wird sowohl von mir als diwckau? not# wendig anerkannt al« auck vom Kaiser selbst, brr genügend -st# lrgenheit genommen hat, seinen ernsten Willen in dieser Hinsicht auSzusvrccken. Ick kann nur sagen- wir kommen dabin. Dafür aber, daß hier und da ein Schlag fällt, daß in menschlicher Erregung ein Unteroffizier einen Mann schlägt, stößt, haut — meine Herren, so lauge es Meuscken gibt, und cs brauchen nicht einmal Soldaten zu sein, kommt das nicht aus der Welt. Das Horen Sie nun als Mißhaiidluug bnrd) nufer öffentliches Gerichtsverfahren. eS foinnif als Mißhandlung in die Zeitung, und nun steht es da in jeder Zeitung und geht lawinenbaft weiter: In der deutschen Armee ist wieder einmal gemißhandelt worden. Und es ist nichts weiter als ein Schlag gewesen. Sie werden es mir nicht Vorwerken können, daß ich nickt in schärfster Weise über brutale Mißhandlungen den Stab gebrochen habe. Aber für diese Art der Schläge und Stöße habe ick eine Entschuldigung, weil sie im praktischen Leben le ick t Vorkommen. Ick bin neulich bei dem bekannten Ar- beitcrstrcik hier in einem Laden gewesen und habe es selbst erlebt, wie ein Arbeiter zu dein Geschäftsinhaber kam und sagte: Geben Sie mir Arbeit, aber kleine, damit ich sie unter den Nock stecken kann, denn wenn man sieht, daß ick Arbeit habe, dann gibt es Senge. s.Heiterkcit.) Wenn Sie eine Statistik.machen wollten über dic Schläge, die es gibt in den Arbeitsstätten, in den Fabriken sSehr richtig, rechts, große Unruhe und Widerspruch.bei den Sozialdemokraten), dann würden wir glänzend dastehen im Heer, (Lärm bei dcn Sozialdemokraten), aber eine derartige Statistik kann leider nicht ausgenommen werden. Die sozialdemokratische Presse hat sick kolollal. darüber auf- gercat, d.«ß Herr von Buhl nachgewiesen bat, daß diese Soldaten- mißhe.ndlungen vielfach durch palliven Widerstand geradezu her- beigeführl werden. Dic Sozialdcmokratic hat erklärt: Weleki^ ein Unsinn, e? fällt den Leuten garnicht ein, die disziplinarischen Machtmittel des Militär? sind ja so groß und ein solcher Mensch würde sich der allersckwierigstcn Strafe auöietzen. Trotzdem ist da? wahr, vielleicht nickst der, welckcr den vassiven Widerstand mit großer Geschicklichkeit im Geiste der Ueberlegenbeit leistet, erfährt die Mißhauolungen, aber er ist cS, der den Unteroffizier so reizt, daß er schließlich zum Schwächliug wird.! Widersvruch bei deu Sozialdemokraten.) Neben Sie. was sie wollen, so ist es. DaS ist nicku von heute da? ist 20 Jahre alt. Wenn Sie in den Berichten b."? Neichstages nachlcfcn wollen, hat sckon damals Fcld- marsthall Gras Moltst von bösen und guten Soldaten gesprochen, und der verehrte Präsident de? Hause? Graf Ballestrem hat gesagt, au? fotner Erfahrung al? Eskadronchef: Ja, wenn da so einer kommt au? deu großen Städten, ein böser Mann, dann grault einem: der konzipiert mit dem Ole ist und fährt mit dem Körper auS. DaS U n t e r o s f i z i e r S k o'r v S ist auck nickt besser geworden, vielleicht nickt in feiner moralischen Oitalität, aber e? ist nicht bester geworden, weil eS jünger ist .als damals, weil es nickt die Erfabrunaen bat wie damals, weil eS nicht so durch- aebildet ist wie früher und weil die Le'siltnaen noch sehr viel gi^ößer geworden sind durch all die heutigen Anforderungen. l.Sehr richtig!) Sie finden infolgedesten in unserem Etat eine Position, durch die die Kompagnien von der Abgabe an Unteroffiziere entlastet werden sollen. Ick hoffe, daß Sic darauf einachen werden, und bei näherer Darlegung wird auck Herr Dr. Sattler merken, daß cS sick nicht blo? um Sckreiber handelt, sondern um eine Entlastung, die auck den anderen zu ernte kommt, der Kompaguie- ckef wird dann eine größere Auswahl bähen. Der Anre.grmg deS Graten Stolberg, die Stellung der Unteroffiziere zu verbesse: n, werden wir gern Folge leisten., und wir hoffen, badurck Zisitäube au? der Welt zu schaffen, die. bisher für die Armee befondcrS unangenehm waren. wird immer fo aetan. al? ob die Armee ein Ding für fick sei. als ob wir "ine Präto'-mner Armee wären. Wir sind das Volk in Waffen, ^ir fckövfen untere Kraft mt? dem Volkc, und wir gehören eines zum andcrcn. Volk und ?lrmee sind auf einander angewiesen. Davon sollte daS Volk und dic Armee durckd.runaen sein und darum follteu wir oememmm arbeiten! Der Reichskanzler meinte acstern. gegen die Kritik Mbe cr nichts. Dem kann ich nur voll ^"istimmen. Eine Institution, die so eingreift in daS Volksleben, für die vom Volke fo viel an Gut und Geld geopfert wird... die siebt dem Volke so nahe, daß eS tatsächlich genaue Auskunft über alle? das verlangen kann. waS in der Armee vorgcbt. .Aber es kommt auf die Art her Kritik an, und ick möchte alle diejenigen, die die Armee erhalten wollen, bitten, ein wacksameS Ange darauf zu haben, daß bte Krstik nickt überhand nimmt, und daß sie nickt 'n unserem Volke die Freude an dem Soldatonti'm ertönet. (Beifall.) Ick glaube, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob iemandem aetagt wird: „Gebe hin und folge Deiner Fahne, die Deinen Vätern voranaetragen ist in so und so viel Schlachten, tritt, ein m da? Reaiment, da? einen Ruf hat in der Armee, das unter vielen Königen aefocktciz hat und immer sicareich", ober ob es heißt: „Du k'-mmst jeßt unter die Solbateufchinderei! Siehe mau zu, daß Du die zwei Jahre hinter Dick bringst, alle?, WaS Du dort treibst, ist unnötia. aber auaenblichlick halten Dick noch die Sklavenketten!" Damit ertöten Sie die Freude im Herzen eines ieden. Wir brauchen freudige Soldaten. Wir müßen von jedem Soldaten da§ höchste ucrlangcn cm moral'sckcr Hingcbung, wir müssen von dem Soldaten erwarten, und fordern, fein L"bon cinzuseßen, isickt bloß wenn er beaufsichtigt ist durch seine Offiziere, auch wenn er allein steht, wenn die Offiziere, dic ihm vorcmgcgauacn, sckon gcfallcu stick Kein Rcglcn'cnt dcr ^clt drückt da? schöner an? al»? da? itnfcrtne, worin c? heißt: Wenn die Offiziere, die Führer, gefallen sind, fo möge der Soldat nur auf die Tapferen, die immer in der "^ruvpc sind, sehen und möge ihnen folgen. Erhalten wir unS diese Tavforn auck dadurch, daß wir ihnen die Freude, am Dienste nickt verbittern. ^Beifall.) Was nun den Offizier aulangt, fo muß tr ein Führer feiner Mannschaft fein und dazu braucht er Autoritär. Nehmen Sie ihm dicfc Autorität nicht. ES kann die Zeit kommen, wo wiedar das Geschrei nach dem vrezißischen Leutnant los geht. Das kann ick Ihnen saaon, das Sterben wird er verstehen, aber wenn c8 fo weitergeht, ob er dann noch die Autorität haben wird über feine Leute, die er brauckt. ist die Frage: erhalten Sie ihm die Autorität. An der Armee soll eß nicht fehlen. Die Armee arbeitet fleißig mit Hinaebung und mit Treue. Ich habe nur noch einige Svczialfragen zu beantworten. Der Aba. Bebel hat gestern seinem Unmut gegenüber Rußland in den beredtesten Worten Ausdruck gegeben. Er hat ge- fchtldert die Zustände, die dort im Innern do? Reicks vorhanden fein sollen, und sich zum Anwalt der Unterdrückten gemacht. Man sollte glauben, wenn der Führer einer so großen Partei eine dorartiao Rede hält, sollte er sick auck der Kon- fcauen-en bewußt sein, die sie nach sick ziehen kann. Würde eine cklcke Rede tn Frankreich aoholten, dann fönte man sagen: Es ist Krieg in Sicht, und würde im javaniscken Parlament daSfelbc acaon 9lnßlaeck auSaeführt werden, was hier gesaat ist. dann würde e? beißen' Die vlaven näcksienß aufeinander loS. Herr Bebel muß alfo entweder feinen und feiner Partei Einfluß sehr gering an- *"r'Tr»nen obcr -u unsrer Armee ein ungeheure? Zutrauen haben, baß sic hinter ihm steht, itM die Konseauenzon feiner Rede auSzu- feckten. Das kann er ab--r auck nickt haben, denn er..hat ja gcsaat, \v:r hatten schleckte pfiffen, und o? märe ein Unalück, daß die urenßifcke Militä'-ucrsnaltuua ihr aeaenwä^tlaes Gcfcküß einacführt hätte, nachdem da? Rücklmifgefchi'ck fckon fip und fertig war. „Wie lag die Sacke mit dem R ü ck l a u .f g c s ck ü b in Wirklichkeit ?" Rü'ZÜairfaefcküb war 1 896 fertig, ebenso wie ia auch bereit? *ur Zeit NavoleonS I. ein Hinterlader schon vorgcstcllt sein soll E? ist un? aber nickt einmal v^raestellt worden. Da? erste R'"»cklaufacfckük kam 1^97. Die Prüfnna?kommission hat e? bo- zelchnet als einen lntoresiantcn Vorfnck. 0? aber in feiner Konstruktion als ein vollkommen kriegsimbrauckbares Gcscküb hingcstellt a'wisicrniaßcn al? Sviclsrci eine? genialen Ingenieurs. 1893 aber war rl sckon der Heercsverwaltuna Uar. daß daS Modell 1873 fertic». daß mit ihm nickt? mehr tu macken war. ES handelte sick darum, entweder eine neue Auflage diese? GescküßeS zu macken ober ein gant neue? cinznführen. Die Entscheidung fiel in leister Ricktncm imh deshalb, weil da? Gcscküß 1873 konstruiert war für dat frühere Vufher, während wir jcßt dock da? rauckfckwacke Pulver haben, weil ferner erhebliche Vorteile gewonnen werden konnten durck Hellere Ricktmafckinen und bi* Möglichkeit, daS Gstcküd fester zu stellen Tie? war bie Veranlassung, daß wir da? Modell 1896 l wählten. Nun kam im Jahre 1900 erst im eigentlichen Sinne das Nücklaufgcschütz, aber es war so unvollständig, daß die schärfste Kommission, die wohl jemals über Rücklaufgeschi'che geurteilt hat, die schweizerische Kommission, tm Jahre 1901 der Bundesversammlung den Vorschlag machte, kein Rücklaufgeschüß zu wählen, sondern ein Federsporngeschüße, also 5 Jahre nach Einführung unseres Geschützes. Erst dem Umstande, daß andere Fabriken glaubten, Krupp chlecht machen zu können, gelang es, diesen Beschluß rückgängig zu macken und die schweizerische Regierung zu bestimmen, nochmals eine Prüfung vorzunehmeu. Diese Prüfung endete mit dem glänzenden Siege des Kruppschen Geschützes. Wenn ick heute vor die Wahl gestellt würde, das jetzige französische Rücklaufrohrgeschütz ober das preußische Modell 1896 zu wählen, ich nähme das letztere. Das französische Rücklaufaeschütz hat zwei Fehler: Es ist. zu schwer und fo kompliziert, baß bei jeder Batterie ein Mechaniker sein muß, der jederzeit bereit ist, etwaiae Störungen zu. beseitigen. Ick will Ihnen eine Geschickte erzählen, die mir. ein höherer Offizier mitgctcilt hat. Ick machte ilm in einem bestimmten Falle darauf aufmerksam, daß man nach unseren Kstundsätzen dem feindlichen Gegner mit der Artillerie folgen würde, um ihm Abbruch zii tun. Da hat cr gesaat: „Da? würde ich sebr gern, hin, aber ich bin fchon 15 Kilometer marschiert, und wollen Sie sich daS Gcläudc anfehcn, do komme ich nickt durch mit meinen Geschützen." Mit unteren Geschützen aber kommen wir durch. Wenn wir also auch zu den Rücklaufgeschützen gelangen, fo geschieht es aus anderen 6lrüudcn, unser gegenwärtiges Geschütz ist durchaus kriegS- brauckbar. Davon, daß unser neues Gewehr Modell 1898 schon wieder acändert werden muß. ist mir nichts bekannt. (Heiterkeit.) Ich weiß sehr wohl, die Technik schreitet rasilo? weiter, um Sekbst- ladcr zu erfinden, und es sind ja muh sckon Selbstsvannor für Faadswecke gebaut worden. Aber alle Selbstfvanner. sind fo unkriegsmäßig und schwer, daß man mir von fackperständiacr Seite aefogt hat, es wäre gar kein Gedanke daran, daß in absehbarer Zeit ein dercrrtiaor S-lbstsvanner al? djsi^T-oewehr in Fra->c käme. Nun bin ick weiter vorn Aba Sattler gefragt worden, wie e? mit dem Ouinguennat stände. Al? ick die Geschäfte be§ Krieasministers übernahm, fand ich einen Entwurf für ein folckcS Ouinoucnnat zwar sckon vor. aber er Hatte weder dem Reicks- kanzker. nock den Hohen Behörden de? Heere? vorgelcaen unj) auck noch nickt die Billiguna des Kaiser? erhalten. Nun wäre es aewiß ein Leichtes gewesen, entweder diesen Entwurf anzunehmen, oder insoweit, wie er mir nickt Passt, einen anderen auSzuarheiten, und ihn als QuinguennatKcntwurf hier einzurc.icken. .Aber ich war vc»llkommcn klar darüber, daß bei der jotziaen Finanzlage, wenn überhaupt etwa? geschehen soll, nur das. WaS wirklich notwendig ist, geschehen kann, was die Lückcn, dic die Heeresorgani- sation aistweist schließt, und was uns fähig macht, von dem Ausbau der Friedensoraanifation auf da? Allerleicktcste, in die Ki-ieaS- oraauisation. üboruiachen. Ich habe mir auf der anderen Seite ocfcsgt. daß das Gefüge des Here? momentan ein so festes ist, daß sich ruhig mit einer solchen Vorlaae auf ein Jahr noch warten läßt. Dageaon halie ich es al? Ehrenschuld der Reaierung bewachtet. do? von ihr längst anaekündigte und auch bom Rni-b^Wo^ae- tordertc VertorgungSgcsetz vor-uleacn. Auch daS mußte noch fertiggestellt werden, es war twar schon im KrieoSministerium bearbeitet, musste aber nock die Billigung des Preußischen Staats- ministcriums finden. Ick habe mich einfach gefraal: Welches ist das wichtigere Gesetz? und habe diese Frage zu gunsten des Ver- tormmc'S"'"sebes beantluortet, weil es eine ganz erhebliche moralische Kräftiaung und Stärkung der Armee fein wird. Aus diesem Grund" habe ich da? OuinauennatSaesetz noch zurückaebakten, aber -"ich jch stcbe auf dem Standpunkt, daß man an einem Ouinguennat, stio an einer länaeren Vertrausfrist zwischen der Regierung und dem ReichStaac festhalten muß. und ^war im Jnteresie beider. (Lebhafter Beifall.) Wir haben deshakb zuerst das Militär- Pensic"i?aesev cinaebrackt. das uns nötiner schien. (Beifall rechts.) Abg. Ricktcr (freif. Vp.): Die Vornänae in Forbach halte ick nickt für tvpisck. Wie war e? aber möglick. daß die Inspekteure des TrninS von all diesen Vorgängen nichts wußten. Die Eigenschaft de? Ortes konnte nicht demoralisierend wirken, (Heiterkeit), wie müßte es sonst unter den Gerichtsbeamten vieler kleinen Orte ai:?tehen! Daß der Lum? in den Offistcrkreiscn im Steinen be- nriffen ist, gibt selbst General hon der Goltz zu. er meint, daß die Oftizierkosinns hier viel Scknld trnnen. Die Liebesmahle ver- "ichrcn sich ständm. in Forbach bat ja der Kommanbeur selbst die Sektbowlen augerührt l.Heiterkeit.) Sehr gewundert bat mich die Bemerkuna des Ministers, daß man den Kreis der Offiziere enger stehen muffe. Sckon jetzt weist man Offiziere oft zurück wegen de? Berufs ihrer Eltern und Angehörigen, ober aus politischen Gründen. (Sehr wahr!) Grade deshalb bekommt man minder- wertiae Elemente aus den „besseren" Kreisen Wie war es nut möglich, das; grade bei der Garde so viele Mißhandlunaen vorkamen l Wie wird e? denn erst bc' der Linie sein! Mhilfe kann hier nur geschaffen werden, wenn man mehr Rücksicht auf die Vorbildung der Offiziere und Unteroffiziere legt. Wir haben die Kadetten- und Unteroffi^ierschulen stet? mit kritischem A.uge an» rrcfe’hcn, die Leute, die aus solchen Anstalten gleich als fertige. Vor- a< fetzte hervorgehen, können nicht das richtiae Verständnis für bie Truppen haben. Weshalb wirb aber nun die zweijährige Dienstzeit nicht gesetzlich festaelegt? WeSbalb soll sie nur auf ein Jahr oerlänaert werden? Die neue Militärftraf-Gcfetzordnung hat gewiß ihre Mängel, aber ihr großes Verdienst i.st doch, daß sie bie Oeftentlicbkeit eingeführt hat. Selbst der Rcickskanster erkannte gestern den Wert der Ocffentlichkeit an, während die Regierung tonst stets auf diesem Gebiete die Oeffentlichkeit scheute. Aende- rungen im Geschütz- und Waffenwesen sind nickst. pon der Hand zu weisen, wenn eS der Fortschritt brr Technik mit sich bringt, (Beifall rechts), wir können unserem Heere nicht die beste .Waffe vrrsagen. (Beifall recktS.) Ick meine jedock, daß. man die einjährige Präsenz dauernd festsetzen sollte, es war ein großer Irrtum des Kriegsministers von Roon, als er meinte, nur mit .mehr* iährigen Präsenzfeststellungen arbeiten zu können. Die einjährige Präsenzfcstfetzimg steht sowohl hn Jnteresie de? ReickStagS, als in dem der Regierung. Bei einjähriger Bewilligung würde, oft hieT mehr hewilliat werden. (Heiterkeit.) Der neue Herr im Reicks- sthatzamt ist fast eben fo vlötzlick gekommen wie sein Vorgänger auS Amerika hierher befördert wurde. (Heiterkeit) Minister sind eben wie die Blumen auf dem Felbe, wenn der Wind auS der Höhe kommt, verfckwinden sie (Erneute Heiterkeit.) und ihre Stätte sindet man nickt mehr, ^enn die Finanzreform des Herrn von Stenacs Gesetz werden füllte, würbe Herr Miauel im Himmel sstne helle Freude barou haben (Große Heiterkeit.), denn diese Reform aebt "ock viel weiter in der automatischen Reaeluno als der Automat M'auel? Der Gruudunterschicb in den Anschauungen hr? Hcrrn SchatzsekretärS und den unseren besteht darin, daß er überhauvt nicht? von konstitutionellen Rockten deS ReickStaaS willen will. Deshalb fvrack et auck da? charakteristische „Nur". Auch in feiner historischen Darstcllnna über bie Geschichte der Matrikular- beiträae irrt sick der Sckatzfckretär. Sckon in dem ersten Ent- hntrfe Bismarck? bcfand"ii sich die Mawikularbeiträae. doch sollten sie damals an die Stelle der Anleihen, treten. Erst ein Antrag von liberaler Seite Hat sie in ihrer ieisiaen Form aeschaffen, doch waren sie stets nur aedackt al? vorläufiger Ersatz direkter Rcich?steuern. Mit knahvcr Mehrheit ward deshalb auch hio Zu- stänbiakeit de? Reiche? für bireTtc Steuern befchlollen. Mit dem ^orfchlaa des Staatssekretär? über die ^Verwendung der Neber- schülle könnte ich mich einverstanden erklären, wenn dadurch nickt die Ler Müller-Fulda auf Sckulbcntilauug aufaeboben wäre. Ick meine aber, wir sollten mit der Rclorm noch warten, jetzt ist nickt der richtige Moment. Dcr Sckatzfckrctär mcinte. cS sci rin Grund- rcckt jedes Deutschen, einen klaren Etat zu Haben, so weit gehe ich nicht in der Schaffung von Grundrechten. (Heiterkeit.) Richtig ist eS, daß unser Etat unklar ist, aber jeder Schatzsekretär hat ihn noch unklarer gemacht. (Heiterkeit.) Jch hin Sozialist im EiatSwofen, aber ich muß wich sedcß Jahr auf? neue in den Etat biueiustubiercn. Dic Lcr Stengel würde in einem Punkte den Etat ebenfalls noch unklarer machen, nämlich in Bezug auf die Deckung ungedeckter Mawikularbciträge aus dem Vorjahre. Wün- schenswert wäre e?, wenn unS eine Neber sicht vorgelegt würde über all die Positionen, für die schon erste Raten bewilligt sind, bis zur endgültigen Erledigung dieser Positionen. (Zustimmung.i Weshalb denn hat man jetzt die ab- gelehnte Gehaltserhöhung für die Oberstleutnants wieder einge- bracht? Tiefe Position würde auch den Pensionsctat bedeutend belasten, der doch in dem letzten Jahre von 97 auf 103 Millionen 0f fliegen. Tas neue Pensionsgesetz für die Offiziere wird man nwhr in Kraft setzen können, ohne die Konsequenzen auf alle Beamten zu ziehen. Die Beamten sind doch noch schlimmer daran, die Offiziere werden pensioniert, wenn sie nicht mehr felddicnst- fähig, aber sonst noch arbeitsfähig sind. Oft werden sie nur pensioniert, weil sie bei der Beförderung übergangen und. Auch hier mutzte eine Aendcrung eintreten mit dem neuen Gesetz. In Bezug aut die Vcterancnbcihilfc mutz eine gerechtere Verteilung Platz greifen setzt wird nach diskretionärem Ermessen in jedem Bundesstaat anders verfahren. Grundsätzlich sind wir gegen die Wchr- steuer. Mit Genugtuung erfüllt hat es mich, datz fast alle Redner sich gegen die ostasiatische Brigade, die 14 Millionen kostet, ausgesprochen haben. Eine solche Brigade steht im Widerspruch mit der ganzen Organisation unserer Armee. Weshalb wird diese Brigade noch nicht zurückgezogen'^ Auch unsere Flottenstation in China scheint mir unnötig zu sein, der Reichskanzler hat doch selbst gesagt, datz wir in der Mandschurei nichts zu tun hätten. Tie Floltenstation kostet mehr, als unser ganzer Ausfuhrwert dorthin ausmacht. Unsere Flotte ist stets schnell bei der Hand, wenn sie im Auslande nötig ist. Tie deutschen Kaufleute im Auslande haben weit weniger über die Regierung zu klagen, als die im Jnlaiide über die Agrarier. Tie Abrüstung ist in verschiedenen Parlamenten besprochen worden. Tie Abrüstung zu Lande halte ich wegen der politischen Konstellation für undurchführbar, wohl aber wäre eine Abrüstung zur See möglich. Tie neuesten Nachrichten aus den Kolonien zeigen, datz unsere dortigen Bundesbrüder nicht dankbarer geworden sind für die Millionen, die wir da hineingesteckt haben. Wofür eigentlich? Südwestafrika ist doch eigentlich nur eine unfruchtbare Wüste. Schade, daß man den Grundsatz Caprivis: „Je weniger Afrika, desto besser", nicht durchgeführt Hal! Vielleicht nehmen uns die Buren diese schöne Gegend ab. Tie Windhoek und die Usambara-Eisenbahn haben in diesem Jahre ein größeres Tefizit, und da will man uns noch zumiiten, eine afrikanische Zentralbahn zu bauen. Herr von Hertling sagte neulich, ohne Träten kommt kein beschlußfähiges Haus für die Bahn zusammen. Ja, wenn das mir wahr wäre! Herr Arndt hat für die Kolonien Stimmung gemacht, durch den schönen Ausspruch: Ueber- all, wo noch keine Kultur ist, ist die Anwartschaft auf Gold! (Große Heiterl.it.) Tararifhin hat aber noch keiner etwas gepumpt. Tie Etats haben geringere Einnahmen erbracht. Bayern bat noch feine eiaene Brausteuer, aut, es mag sie behalten. Es zahlt ein Aversum r Vörsensteuern wird dem Reichstag schon im Januar zugehen. Energisch wenden möchte ich mich gegen die Bemerkung, daß das Finanzreform-Gesetz das Einnahmerecht des Reiwst^gs beschränken wolle. Ties ist nicht der Fall. Das Wort „nur" hat man mir besonders zum Vorwurf gemacht, aber wenn irm ein einzelnes Wort aus dem Zusammenhang reißt, kann man einem aus jedem Worte einen Strick drehen. Ganz unverständlich ist es mir, wie min das Gesetz mit dem sogenannten Miquelschen Automaten vergleichen konnte, der wollte doch etwas wesentlich anderes. Tie „Freisinnige Zeitung", die doch dem Abg. Riel)ter nahe steht, hat sich wiederholt dahin ausgesprochen, daß die clausula Franckenstein z"itocm.äß abgeän^ert werden müßte. Ich batte deshalb eigentlich gehofft, hier Schulter an Schulter mit dem Abg. Richter kämpfen zu können. Neber die Höhe der Einnahmen aus dem neuen Zolltarif bitte ich Sie, sich keinen übertriebenen Illusionen hinzugeben. Ein Anreiz zu neuen Steuern liegt in dem Gesetz keineswegs; ich wenigstens werde mich bei der Beratung auf eine Erhöhung der Sleuerkraft nicht einlassen. Abg. von Kardorff (Reichsp.): Daß der Etat unklar ist, geben auch wir zu. Es ist zwar richtig, datz unsere Lage nicht rosig ist, aber man darf die Sache doch auch nicht übertreiben. Wenn man die Schulden anderer Länder ansieht,, muß man doch sagen, daß wir uns mit unseren Finanzen ganz gut fefru lassen können. Bedenken Sie doch, daß das deutsche Volk im Jahre eine Milliarde zurücklegt! Jedes Jahr predigt man hier Sparsamkeit, aber im großen und ganzen ist alles bewilligt, es waren also alles nur leere Redensarten. Ich verstehe nkchk, weshalb die Handelsverträge noch nicht gekündigt sind. Wann in aller Welt soll denn der 6 Markzoll ins Leben treten? Auf neue Steuern werden wir uns nicht einlassen, eine Ausnahme macht nur die Wehrsteuer. Mit dem Gedanken einer Neichseiukommensteuer ist jetzt auch wieder gekrebst, es herrscht dabei unter den Parteien so eine Art unlauterer Wettbewerb. Denn die Herren wißen wohl, daß in absehbarer Zeit der Reichstag für eine Reichseinkommenstcuer nicht zu haben ist. Unsere Kolonien sind weit mehr wert, als Herr Richter meint. Die Kohle, die in Ostasien gefunden wird, soll sehr gut sein, wenn sich das bestätigt, werden wir unser Geld schon wieder herausbekommen. Tie Hauptschuld an der Vermehrung der Soldaten-Mißhandlungen trägt nur die zweijährige Dienstzeit. Tie Soldaten geben sich auch nicht mehr so viel Mühe als früher, wo sie wußten, wenn du dich gut fuhrst, brauchst du vielleicht nicht drei, sondern nur zwei Jahre zu dienen. Vielfach mögen auch Mißhandlungen vorkommen, weil die Mannschaften widersetzlich sind, infolge sozialdemokratischer Aufhetzungen. (Sachen bet den Soz.) Unmöglich kann es in unserer Strafjustiz mit dem Voreid so weiter gehen wie bisher. Es ist mir ganz unverständlich, wie r..an im vwileeki-Prozeß den polnischen Zeugen den Voreid abnebmen konnte. Für die Polenzulage werden wir natürlich stimmen, sollte der Reichstag sie ablehnen, so würde zweifellos Preußen den Beamten die Zulage zahlen. Mit dem Reichskanzler Hoffe ich, daß die Sozialdemokraten sich an den ehernen Manern des Reiches die Köpfe einrennen werden. Sehr mit Unrecht klagen die Sozialdemokraten über hohe Steuern, denn sie selbst nehmen den Arbeitern weit mehr Geld ab, als es jemals der Staat getan hat. Selbst in unsere Armee ist jetzt die Sozialdemokratie gedrungen, es muß also endlich mal was geschehen, um dem Umsichgreifen der Sozialdemokratie zu steuern. Tas alte Sozialistengesetz ist nur durch ein Versehen der Regierung gescheitert; wenn wir das behalten hätten, wäre die Sozialdemokratie nie so groß geworden. Viel helfen würde es schon, trenn mal allen, die sich offen als Sozialdemokraten bekennen, auf 5 Jahre da? Wahlrecht entzogen würde. (Heiterkeit.) Der Kampf mu geistigen Waffen hat keine Resultate gezeitigt. Eine Partei, die durch ihre Organisation einen Staat im Staate bildet, dürfen wir nicht dulden, wenn ich auch glaube, daß schließlich das Christentum innerlich die Sozialdemokratie überwinden wird. (Beifall rechts.) Vermeiden wir alles, was die verschiedenen Konfessionen verfeindet. TaS wird uns den Kampf gegen die Sozialdemokratie erleichtern. (Beifall rechts.) Das Hau? vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend, 1 Uhr. (HandelSprovi- soriummitEngland, Fortsetzung der E t a t s b e r a t u n g.) Schluß 6y4 Uhr. KMcher Landtag. Darmstadt, 11. Dez. Erster Gegenstand der heutigen Beratung ist die dring- /iche Anfrage der Abgg. Molthan, Ulrich uno 38 Genossen, Beil, die Verordnung, das Verbot d?s Se l b st d i s pe n - s i e r r e ch t s der homöopathischen A e r z t e be- tresfend. Staatsminister Dr. Rothe erklärt, daß die Negierung bereit sei, das Inkrafttreten der Verordnung vom 1. Januar auf 1. April 1804 zu verschieben. Die Abgg. Molthan und Ulrich geben sich mit dieser Erklärung zufrieden. Die Anfrage wird hierauf dem Ausschuß überwiesen. Auf die Anfrage des Llbg. Köhler, betr. die den Studierenden an der Universität Gießen zuständigen Stipendien und etwaige andere Wohlfahrt s e in r i ch tu n g e n, wobei Interpellant auf die Mißstände hinweist, daß die Art, Geschichte, Zahl und Bedingung der an der §andesuniversität Gießen den Studierenden znsteh.nden Stipendien nicht hinreichend bekannt seien, erklärt der S t a atsminister, daß der Negierung diese Mißstände wohl bekannt und durch wiederholte Umfragen entsprechende Feststellungen habe machen lassen. Trotzdem seien eine Unzahl Stipendien der Aufnahme entgangen, und man sei schon feit Beginn dieses Jahres mit einer neuen Zusammenstellung beschäftigt, welche mit Schluß dieses Jahres ihre Arbeiten beenden werde. Des Verzeichnis werde dann ün Druck bei einer Buchhandlung erscheinen. Abg. Köhler sagt der Regierung für ihr Entgegenkommen Tank und hofft, daß bis zum 300jührigen Jubiläum der Universität i m Jahre 1907 in dieser Hinsicht alle Wünsche befriedigt seien. Ministerialrat Weber ist dem Abg. Kahler dankbar, wenn er in diesem Sinne mitarbeite. Heute schon sei eine Kommission tätig, welche daraus hinarbeitc, daß die Stipendien bis 190i zusammengestellt und damit ihren eigentlichen Zweck erfüllen könnten. Aus die Anfrage des Abg. Dr. David, betr. die polizeilichen Maßnahmen g.gen die aus g esperr ten Maurer in Mainz, auau.riet Staat m mist er Rothe, nachdem er auf die einzelnen Vorgänge naher eingegangen, daß das Kreisamt in Mainz kein Vorwurf treffe, sondern daß dasselbe erst nach Anforderung der Bürgermeisterei zum Schutz der Arbeiter eingetreten sei. Die Antwort soll gedruckt und dann beraten werden. Es folgt die Beratung des Jnickat.oantrages der Llbgg. Möllinger und Genossen, betr. den Gesetzentwurf der Ge- währleistung der Verzinsung der Schuldenverschreibungen der Hessischen L an o e s Hy Po t h e ken b a u k. Beriaärrs at^r Arg. Reinhart g ht in au.fähriichen Darlegungen auf die oadurrh entsteh.norn Vo.t.ile näher ein und beantragt die Annahme des Antrages. Finanzminister Dr. Gnauth erk.ärt im Namen der Regierung deren Zustinrmung und dänlt den Antragstellern für ihre Jnickatioe. Durch diese Unterstützung und Stärkung der Hypothekenbank werde man der Allgemeittheit große Dienste leisten, daher habe das Finanz.ckni^ermm kein Bedenken gegen den Antrag. Tie Marktfähigkeit unserer Papiere in Deutschland und damit der hessische Staatstredit werde gebäret. Die Bank habe jetzt schon Großes in unkündbaren Realkrediten, wie auch in Kvmmu- nallrediten geleistet. Er empfehle daher die Altnahme des Antrages. Abg. Erk kritisiert die Geschäftsführung der Hypo- theken-Bank, toelu/e nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen die Existenz der Sparkassen, die doch gewch sehr grcße Veri-i.Njce um Handel, Gewerbe und Landwirtschaft haben, untergraben. Abg. chr. Gut fleisch erkennt die verdienstvolle Tätigkeit der Sparkassen dankbar an, weist aber daraus hin, daß die Hypothekenbank in keiner Weise eine Schädigung der Sparrajsen beabsichtige. Naturgemäß war die Hypothekenbank bei ihrer Gründung int Vorteil, es habe sich aber jetzt schon eine Scheidung vollzogen, die Dank habe in erster Linie längere, unkündbare Darlehen, was die Sparkasse nicht so leicht könne; man werde in deren Gebiet nicht eiugre.fen; wo Miß,.äude bestehen, werde man He noch beseitigen. Bisher sei der Schaden der Sparkassen unwesentliche Finanzminister Dr. Gnauth erklärt, daß die Landes- Hypothekenbank seit den neun Monaten ihres Bestehens 9 831 000 Mk. Hypotheken ausgeliehen habe, davon sind 7 170000 Mk. alle konvertierte Gelder. Von diesen seien 537 000 Mk. den Sparkassen entzogen worden, hierzu kommen vielleicht 126 COO Mk., die nach diesem Verhältnis von neuen Hypotheken der Bank den Sparkassen verloren gegangen sein tonnen: das sei bei einem Hypothekenkapital von 220 Mill. Mark, welches die Sparkassen in Hessen haben, nicht sehr erheblich. Eine Umgehung der Gesetze sei unwahrscheinlich. Erfreulich sei, daß der Abg. Erk trotz seiner Bedenken für den Antrag stimme. Abg. Sensfelder tritt den Ausführungen des Abg. Erk bei. Durch die Staatsgarantie sei die Hypothekenbank gegenüber den Sparkassen im Vorteil. Abg. Wolff erklärt, daß man stolz auf die neue Hypo- rhekenbank fein Dcintie. Man dürfe die Verhältnisse nicht vom Standpunkte eines Sparkassendirekoors, sondern vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus betrachten. Redner wünscht, daß auch ein Veriaeter Rheinhessens i i Vorstand der Bank sei. Abg. Dr. Buff glaubt, daß der Antrag eine ganz natürliche Maßregel sei. Beiden Instituten bleibe im übrigen für ihre Tätigkeit ein großes Feld übrig. Abg. N o a ck bestätigt dem Abg. Erk, daß die Sparkassen große Verdienste um Gewerbe und Laudwirtschafls- wesen haben, daß aber das Gesetz jedenfalls auch die Sparkassen stärke. Abg. Seelinger hält die Hypothekenbank ebenfalls für eine Erleichterung und ist für Annahme des Antrags. Abg. Haas ist nicht gegen den Antrag, ist aber erstaunt, daß man nicht den andern möglichen Weg eingeschlagen und die Mündelsicherheit durch den Bundesrat verlangt habe. Man solle sich überlegen, ob man dem Antrag zustimmen solle, da man hierdurch den Weg wieder betrete, den man seinerzeit bei der Landeskreditkasse verboten habe; durch den Antrag trete wieder eine Belastung des Staats ein. Finanzminister Dr. Gnauth weist auf den Unterschied zwischen der Landeshypothekenbank und der Landeskreditkasse uttd deren Papiere hin, zudem die Obligationen der Kreditkasse nicht Koursfähigkeit besitzen und als Staatsschulden zu betrachten seien, was bei der Bank nicht der Fall sei. Eine Forderung vom Bundesrat, betr. die Mündelgeldsicherheit der Hypothekenbank, sei aussichtslos. Abg. Schönberger will zwar schweren Herzens für den Antrag stimmen, kann sich aber den Bedenken nicht verschließen, welche im Interesse der Sparkassen geltend gemacht werden. Abg. Reinhart sucht die Bedenken der Freunde der Sparkassen zu eutkräftigen. Man solle den Antrag einstimmig annehmen. Ab-> Haas dankt der Regierung für die erteilte Auskunft, die er auch nicht anders erwartet habe. Redner hat die Frage nur gestellt, um im Interesse des Landes unnütze Fragen und (äbrterimgen abzu schneid en. Er wünsche der Landeshypothekenbank ein gutes Gedeihen. Abg^ Sensfelder erörtert nochmals seinen Standpunkt und glaubt im übrigen, daß er als Bürgermeister und Aufsichtsratsmi'tglied der Sparkasse mit seinem Amt in Konflikt komme, wenn er als Vermittler der Hypothekenbank eintreten solle. Er bitte den Antrag zurückzusteUen. Hierauf wird der Antrag gegen eine Stimme angenommen. Auf die Anfrage des Abg. Molthan, betr. die Warenhäuser, antwortet der S t a a t s m i n i st e r, daß schon durch eine frühere Anfrage des Abg. Wolff Erhebungen über die Feuersicherheit der Warenhäuser gemacht wurden. Man werde mit den entsprechenden Behörden einen Gesetzentwurf ausarbeiten, der sich im wesentlichen dem preußischen Erlaß von 1901 anschließe. Man werde ahe^ing^ für Hessen einen Heineren Maßstab a ulegen müssen. Es wurde deshalb eine Kommission bestellt, welche demnächst die Warenhäuser in Gemeinschaft mit den Ortsbehörden besichtige, um festzustellen, ob die in Brand fällen notwendigen Vorkehrungen getroffen sind. Bei dem Erlaß werde man auch den neuen bayerischen Erlaß berücksichtigen und ebenso die Erfahrungen benutzen, welche Preußen bisher mit seinem Gesetz gemacht habe. Aus eine Aufrage daselbst sei am 7. d. M. eine Antwort eingetrossen, nach welcher eine Nachprüfung und Ergänzung des Gesetzes vorgesehen sei. Tie Regierung werde alles tun, um in jeder Werse den nötigen Schutz herzustellen. Abg. Molthan konstatiert mit Genugtuung- daß die Regierung sich schon einige Zeit mit der Frage 'beschäftigt habe. Tie Angelegenheit sei sehr dringliche Die Veranlassung zu dieser Anfrage sei keine prinzipielle Gegner^ schäft gegen die Warenhäuser, sondern den verderblichen und bedauerlichen Ausfluß des Wirtschaftslebens, welcher den Ruin des Mittelstandes durch dessen Aussaugung herbei^ rührt. Veranlassung zu dem Antrag seien bie letzten großen Brandkatastrophen, welche teilweise zahlreiche Menschenopfer kosteten. Auch die Spezialgeschäfte müssen unter die Bestimmungen fallen. Redner macht eine Anzahl Vorschläge bekannt, betr. die Feuersicherheit, Treppenvermehrung, Beschränkung der Besucherzahl, Feuerlöschwesen, Beleuchtung und Heizung. Man solle die Warenhäuser keineswegs mit Glaceehand,chuhen angreifen. Abg. Müller- Darmstadt i|t der Regierung dankbar, da fie beabsichtige, den das Leben und die Gcsundheit unserer Mitbürger gefährdenden Zuständen ein Ende zu machen. Am schlimmsten seien die sogen. Galeriehäuser mit offenen Treppen durch das ganze Haus. Redner macht gleichfalls eine Anzahl praktischer Vorschläge zur Verminderung der Gefahren. Man habe zwar schon durch die Bauordnung die Al acht in der Hand, entsprechende Schutzmaßregeln zu treffen. Nachdem noch die Abgg. Wolff und Ulrich, sowie Ministerialrat v. Bie geleben zur Sache gesprochen, ist die Tiskujswn beendet und wird gleich in zweiter Lesung der Initialrvantrag Aiolthan angenommen. Nächste Sitzung: Samstag, 12. Dez., vorm. 9 Uhr. Parlamentarisches. Berlin, 11. Dez. Im Ne ichstage bildete sich eine neue Partei, die Freie Vereinigung, der sich die Abgg. Dallwitz, Bachoreier, Stauffer, Vogt-Hall, Vogt- Gerabronn, Hilpert, Mütermeier, Stöcker, Burckhardt, Lattmann, Graf Reventlow, Liebermann von Sonnenberg und Baron de Schmid anschloffen. Dagegen fanden sich die Reformparteiler Böckler, Bruhn, Graefe, Werner, und die Kandidaten des deutschen Volksbundes, Fröhlich und Krösell, zu einem engeren Fraktionsverband als Antisemiten strengster Observanz unter dem Vorsitz des Abg. Werner zusammen. — Dem Reichstage ist nachstehcnde Interpellation der Abgg. Dr. Becker-Offenbach, Buch sieb, H a g e m a n n und Heyligenstaedt zugegangen: „Welche Schritte gedenrt die ^ce^chsregierung zu tim, um dem Wunsch der Handwerker, daß für die selbständigen Handwerker die obligatorische Alters- und Invalid i t ä t s v e r s i ch er u n g unter Zugrundelegung der Bestimmungen des Alters- und Jnvalro^ärsoersicherungs- gejetzes eingeführt wird, entgegenzulommen?" — Im Senioren-Konvent des Reichstages wurde heute über die Vertretung der Fraktionen in den Kommissionen verhandelt, nachdem aneckannt worden war, daß die neue Gruppe „Wirtschaftliche Vereinigung", welche vom Präsidenten Graf Ballestrem als Fraktion nicht anerkannt wurde, eine Vertretung in dem Ausschuß zu gewähren fei. Auf Vorschlag des 9lbg. Dr. Spahn (Zentr.) soll der Vorsitz der Geschäfts ordnung s - K om- mtssion, den im vorigen Jahre der 2lbg. Singer (Soz.) führte, den Nationalliberalen eingeräumt werden. Singer lehnte dies nut dem Hinweis darauf ab, daß früher die Sozialdemokraten den Vorsitz in der GeschäftsordnungS- KomMission gehabt hätten. — Zur Geschäftsordnung haben die Sozialdemokraten beantragt, den ersten Satz des § 44 durch die Bestimmung zu ersetzen: „Sofortige Zulasstmg zum Wort kann nur dasjenige Atitglied verlangen, welches über die Verweisung zur Geschäftsordnung reden will". Auf diese Weife soll die alte, in der vorigen Tagung ausgehobene Be- stimmung wieder eingeführt werden. 4 is suchen schule. 5 ZeuiUeton je Kinder." Gefahr." £ Uf- de & Sei rei NL au lot aji Zu na bei bei es, Bo rid vn M 4] ma der Lud Stan wart Dons von Hatti den volle Mur »orts mit Firma X VrW'icke Universitäls-Druckerei. Sieken. «fi 01 Dem mert beit' die < dlStt Stou log llnb fcruC fUb< e we Sa S-Nl' mig^ neh rer Bol §eg nrä tvu! Her jein fein trle yestei ort kNg c,ibe ru , >ie • rüie Va, •uni . rr Kunst und Wissenschaft. — 9)1 a c ier 11 net als Librettist. Ter ^Gill Blas" will lvissen, da» sJ)iaui*ice X)iaeteilmcf, dessen neuestes Drama .JoyzeUe' «Vertag von Eugen Diedrichs in Leipzig) großes Aussehen erregt hat, den ^ext einer Oper geschrieben ^l, die den selliamen Lite „Ariadne miö Blaubart" sühren sott. Xie Musik dazu schreibt Paul Dukas, einer der talentvollslen äioniponislen der iungiranzo- LH Jlor 3ier iw Us cher Kint Aber Tod Teiln d€|‘|in gebor ^ol(e destz Wu 1868 rnahl, F1.’ -vUlÄl Abes »nglii sn6< Wte fc äi ,/Tes m N h) ßetia Mn Untetl Sttij. ?Uai dem Inhalte des ersten Heftes nennen Mr an lricrarischen Beiträgen: Aü Napsilber „Dem Siegel, Friß Stahl „Klern- plasttk" und Osc. Ollendorf „Amazonengruppe , an ruu- slrativen Beittägen seren erwähnt Werke der Brldhaner Nicolaus Friedrich, Johannes Goetz, Herrn. Haase, MH Kruse, Otto Richter und Franz Stuck. Dre neue Zertschrift wird vierteljährlich erscheinen und Zwar zu dem^bonne- mentspreis von 2 Mk. pro Jahr (für 4 Hefte). Alle Barchf- und Kunsthandlungen nehmen Bestellungen entgegen. — Zeitlosa, eine Familiengeschichte aus dem siebenjährigen Kriege von Karl $ t6£•„ !^^nck zu Schweinsberg. (Verlag von Karl Jugel rn ^-ranksurt.) Treser stattliche Rouuru dielet serneuent eine unae- rnein spannende und fesselnde Unterhaltung. Jedes Kapitel bHiiat neue überraschende Vorgänge und Abenteuer aus einer unruhevollen Zett m der sich das althrsdorrschc Schauspiel des friedericramschen Krieges abspielte. D-re Schlachtengemälde gruppieren sich rund um ein siguren- reiches Familienporrrätt bilden für drese^ gewrssernlaßen eine lebendige Staffage. Dieses packende Familrenbildnts bat ettvas von der Bewegtheit der niederländischen Ge- mäwe von dem Mitreißenden der Rulumsschen Kunst ohne dessen^ glühende Sinnlichkeit und Fleischlichkeit. —o. Aus Vorposten" nennt Frl. Dr. Ella Mensch, die namentlich bei uns in Hessen, zumal in Gießen bekannte tüchtige Vortämpserin der Frauensache, ihren autobiographischen Roman (Verlag der F-rauen-Rundjchau, Leipzig, Preis ML 2), und es waren in der Tat „Porposten" der Frauenbewegung, als sie in den Mer Jahren in Zürich studierte. Außer den zahlreich eingestreuten typischen Er^ lcbnissen von persönlichster Färbung sind auch die Schilderungen aus der russischen Boheme des Züricher Studentenviertels von Interesse. So ist das Werk dadurch ausgezeichnet, daß es wesentliche Dokumente zur Entwicklung der Frauenbewegung enthält. OeriHtssaal. Die UrteilsHründe im gerichtlichen Nach- iviel zum Prozeß Breidenbach. Wie Nur bermts mitoetcitt haben, verurteilte das Miegsgerrcht der ersten Gardediviston den Leutnant u. Hellermann wegen un- vorlchriftsmäßiger Behandlung von Soldaten und Liter, lalsung den Meldungen zu drei Wochen Stuben- ar rost. Der Mitangeklagte Unteroffizier Schmels er- Melt wegen derselben Vergehen drei Tage Mrttel- a r r e it. Las Kriegsgericht hatte es auf Grund der Zeugen- ausfagen für erwiesen erachtet, daß Leutnant v. Hellermann in zwei Fällen die Rekruten Hill- und toloatfi unvorschrists- mäßig «..gefaßt habe. Es fei zwar nicht jeder Schlag od-r Stoß der in ocr Erregung von ernem Vvrgesetzten eurem Soldaten verletzt wird, als MißhanülunH anzusehen, 3m. Fall Hill- sei aber nallMwicsen, daß der Angetlagte den Rekruten tn der Erregung aus dem Glrede gerissen und ihn gerüttelt habe, weil dieser unrasiert zum Dienst gekommen sei und eine zerr-tsfene Schnpvenkette getragen tmbe Fm Falle Sivackr war der Gerichtshof der SUteinuna, . das! Leutnant v. Hellermann diesern Rekruten einen »tog ber’.eöt habe. Ferner wurde seitens des Gerichts ange- t nonunen, daß er in mindestens vier Mlen von den Mißhandlungen des Unteroffiziers Breidenbach Kenntnis gehabt, es aber Untertassen habe, hiervon Meldung zu machen. Bei der Stras-umefsung wurde erwogen, da,; dec Augeilagre unter Mißbrauch pincr Tt.enst- aeiutiit gehandelt Hut. Andererseits wurde berücksichtigt, baß Leutnant v. Hellermann die Meldungen aus Gucmuttg- leit unterlassen, daß er jich tadellos geführt ^e uito ein O'rsizier .ei, der seine Untergebenen stets wohlwollend behauoelt habe. Auch bei dem Mitangeklagten Unteroffi- tter Schanels nahni das Gericht an, daß er^aus Gutmütrgkett ehaiidelt habe, um jeinen Kompagnie-Ossizier zu decken, und daß er sich bisher tadellos führte. Ter Vertreter der Antlageoeyöroe Kriegsgerichtsoat Ullmann hatte gegen von Hellermann jechs Wochen Srubenarrest und ßcgcn mel£> 14 Tage Kasernenarrest beanrragt. — Im übrigen sei ün Anschluß hieran erwähnt, daß das Urteil gegen den Unteroffizier Breidenbach von der 11. Kompagnie des Merten Gardereaiments z. F. inzwijchen rechtsträfttg geworden rst, nachdem das Reichsgericht die Revijion verworfen hat. wr war, wie seinerzeit berichtet, wegen Mißhandlung Unter* gebener und Migbrauchs der Tiemstgewalt zu aUyt Zähren Gefängnis unb Degradation verurteilt ivoroen. ,u vun.^n. Attt Rücksicht daraus, daß er täglich von Bahn- bediensteten, als auch anderen Personen stark benutzt wirb, durste baldige Abhilfe am Platze sein. „ . Einer, der den Wea täglich vier- bi s fünfmal passieren m u Gustav Freytag. Nun treten wir mit dem Kapitel über Anzengruber in die moderne Tramatik ein. Diesem deutschen volkstümlichen Dichter bringt Friedmann, der ihm ein eigenes Buch gewidmet hat, das liebevollste Verständnis entgegen — „Der Pfarrer von Kirchfeld" und iw „Ledigen Hof" dem Leser #itni vollen Bewußtsein gebracht. Tas folgende Kapitel behmrdelt Adolf Wilbrand. Wenn wrr bei der Beurteilung Heinrich von Kleist im ersten Bande staunen, wie verständnisvoll der Italiener diesen p^bußrsch- deutschen Dichter gewürdigt hat, so wiederholt sich dreses Stauiien, wenn wer die Charakteristik Ernst von Wrlden- bruchs lesen, des Hohenzollerndichtcrs. Bon den zeitgenössischen Tramattkern steht auch in Friedmanns Beurtett- ung Hermann Sudermann am l-öchsten. Bon seinem „Johannes" sagt er, daß „der Mangel an religiösem Gefühl an ihm befremde. Das letzte Kapitel, das Gerl>ard .Hauptmann behandelt, wird einen großen Lesertteis ganz besonders interessieren. Der eine und der andere wird vielleicht ein Wort über „Bor Sonnenaufgang" und „Tas Friedenssest" vermissen und rwöchte es auch ansgesprochen haben, daß die Folge der Hauptmannschen Dvamen keinen eigentlichen Entw-icklungsgang erkennen läßt, daß wir in ihnen vielmehr zum Teil glänzend gelungene Versuck)e haben, die der Dichter, an dem Fr. ,^>ie Kraft der Menschen-- gestaltung" rühmt, in verschiedenen Richtungen macht. Wir 'ivünschen dem ausgezeichneteii Buche eine weite Verbreitung. Ein großer äußerer Erfolg würde es möglich machen, daß Friedmann in einem besonderen Bande noch eine ganze Anzahl rramhafter derttscher Dramatiker des letzten Drittels des vorigell Jahrhunderts behaiidette. — .,Tie Plastik", eine neue illusttierte Kunstzeitschrift für originale und reproduzierende Bildhauerkunst, beginnt soeben im Verlage der Akt.-Ges. vorn:. H. Gladen- beck u. Sohu, Bildgießcrei, Berlin, zu erscheinen. Bei dem gelvaltigen Aufschwünge, den die Skulptur im letzten Jahrzehnt in Deutschland genommen hat, war em eigenes Organ für die plastische Kunst längst ein Bedürfnis. Aus Uermischles. • Maqdcburg, 11. Dez. Ucbcr HüssenerS plStz- liehe »Abreise- nach Ehrenbreitstein sind allerlei Gerüchte nn Umlauf. Die einen sagen, seine „Versetzung" dorthin sei wieder ein Schritt zur Begnadigung, wahrend andere ihn vom hiesigen Publikum bedroht glaubten. Auf Grund von Erkundigungen an authentischer Stelle können wir dem- gegenüber versichern, daß keine von beiden Meinungen richtig ist. Die hiesige Festungs - Zitadelle ist nur für solche befangene bestimmt, die im Ossiziersrang- stehen. Da Hüssener aus Befehl des obersten Kriegsherrn seine Charge verloren hat, war ein Umzug somit von selbst geboten. Das Publikum konnte ihm aber, solange er hier saß, nicht gefährlich werden, denn er durfte auch nicht eine Minute auS der Zitadelle heraus. Die Kommandantur wie die Festungsverwaltung erhielten fortwährend Drohbriefe, worin dem Hüssener allerlei Schmeichelhaftes angedroht wurde für den Fall, daß er einmal außerhalb der Zitadelle gesehen würde. Auch das trug zum „Wohnungswechsel" bei. Interessant ist, daß der Gefangene, der in Begleitung eines Offiziers hier zweiter Klasse von Kiel ankam, nach seinem neuen Wohnsitz geschafft wurde durch einen Unteroffizier und dritter Klasse. Die Uniform trug er nicht. • Halle a. d. S., 11. Dez. Wie der Saale-Ztg. berichtet wird, scheiterte die geplante Verlobung des russischen Großfürsten Cyrill mit der geschiedenen Großherzogin von Hessen an dem VetodesZaren, dcr Gründe der Religion und der Verwandtschaft geltend machte. • Hamburg, 11. Dez. In einem Anfall von Geistesstörung tötete der Kaufmann Sanftleben seine beiden sechs und fünf Jahre alten Knaben dadurch, daß er im Schlafzimmer den Gashahn aufdrehte. Sanftleben wurde was soll ich nun tun?" .Sehen Sie zu, rote ®te mn lyr fertig werden.' „Das habe ich se,t 17 Wen getan? Dann haben Sie aller Wahrscheinlichkeit nach das Schlimmste überstanden. Der einzige Grund, sie Ihnen vam Haste zu schaffen, wäre der, wenn Ihre Frau eine Gewohnhestssäuferm wäre." „Das ist sie nicht, aber sie macht mir das Oeben zur Hölle." Drum prüfe wer sich ewig bindet re. niS gegeben. **t Einen gelungenen Gaunerstreich voll- führten dieser Tage Zigeuner in einem Dorfe in der Nähe von Gießen. Sie kanrcn in ein Bauernhaus und jammerten, die alte Großmutter sei gestorben, der Bauer solle sie auf seinem Wagen wegbringcn. Um die Zigeuner los zu werden,' spannte dcr Bauer sein Pferd ein, die -Zigeriner luden eine in ein Betttuch gewickelte Last auf den Wagen und fort ging es. Als der Bauer nach Hause kam und m seinen Stallungen seinen gewohnten Gang tat, fehlte ihm sein schwerstes Sckstvein. Er hatte anstatt der alten Großmutter der Zigeuner sein bestes Schwein weggesal)ren. Wer den Sck>aden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. t Burkhardsfelden, 10. Dez. Gestern und heute sand hier die Schulprüfung statt, bei welck)er die Kreisschulbehörde durch Regierungsrat und Krcisschul- inspettor von Gießen sowie den Dekan von Leihge,rern vertreten war. )( Schwalheim, 11. Dez. Der Bau einer drrekten Straßenverbindung von hier nach F-riedbevg geht seiner Vollendung entgegen. Durch diesen Straßenbau ist einem dringenden Bedürfnis Rechnung getragen worden, richtet sich doch aller Verkehr nach Friedberg. Der seitherige Feldweg war bei schlechtem Wetter unpassierbar. Tie neue Straße führt über die Wetter, über ivelche eine steinerne Brücke erbaut worden ist. In erster Linie wird unsere arbeitende Bevölkerung, die in Frankfurt und Friedberg beschäftigt ist, diese Straße als eine Wohltat empfinden. Auch der berühmte thiesige Germ ania- brnnuen erhall dadurch eine direkte Verbirrdung mit Au? dem Vogelsberg, 11. Dez. , Nach neueren behördlichen Verordnungen darf die „Spinn stube in den Wohnungen von Witwen und rn den, Hausern, in welchen schulpflichtige Kinder wohnen, nicht abgehalten werden Llußerdem müssen die Spinnstuben zur ublrehen Polizeistunde, 10 oder 11 Uhr, geschloßen werden. L. Marburg, 11. Dez. Die heutige Stadtver- o r d n e t e n st i ch w a h l endigle in it euiem vollständigen Siege der vereinigten Beamten und Lehrer, dre cru $unb» nis mit den Gastwirten eingegangen waren. Es wurden gewählt Kreissekretär Voß mit 258 (stimmen, Hotelbesitzer Brune mit 250 und Metzgermeister S^Wne^ 239 Stimmen. In der Ersatzwätst erhielt Schlossermerster Ferd. Lanbsck)eer 257 Stimmen, während auf den Gegen- tandidaten 213 fielen. Gegen die Giltigkeit der Wahl Kreissetretärs wird jedenfalls Protest erm-beu werden, da er nadi den Ausführungen, die Oberbürgermeister -L>r. Antoni in seiner Ausgabe der Städteordnung für die Provinz Hessen-Rassau gibt, überhaupt nicht wahlbar ist. Ter eben verstorbene englische Philosoph H. Spencer war es, der u. a. der Hygiene den Vorwurf machte, daß sie rasseverschlechternd dadurch wirke, daß sie mit allen Mitteln der GesundlMspflege, Humanität und der ärztlichen Kunst die minderwertigen Individuen am Leben zu eryalten suche. Die diese Anschauung vertretende Richtung hat nun von jeher in der großen Kindersterblichkeit eine Selbsthilfe der Natur gesehen, die darauf hinausgehe, die lebensschwachcn Elemente von vornherein auszuschalten, um dadurch die Art zu verbessern. Man tyat sogar direkt behauptet. daß die hohe Kiiwersrerblichkeit eine höhere Militärs iensttauglichLeit und eine geringere Sterblichkeit an Tuberkulose zur Folge l-abe. Es war daher ein dankenswertes Unternehmen, daß endlich einmal eine Nachprüfung dieser zwar bisher immer behaupteten, aber nicht bewiesenen Tatsache vorgenommen wurde. Nach stattstischen Untersuchungen Dr. Prinzings ergab sich nun, daß die Hypothese auf falschen Voraussetzungen beruhte. Denn in Italien, Spanien und Oesterreich, welck)e eine hohe Säuglingssterblichkeit aufwcisen, ist auch die Sterblichkeit der Kinder ^uijdjen dem 1. und 5. Lebensjahre sehr groß; ebensowenig ließ sich eine proportionale Veziel)uug zwischen hoher SäuglinMlerblichkert und Militäctauglichkeit nachweisen, endlich kommt in Ländern mit h-vher Kindermorta- lität die Tuberkulose keineswegs weniger häusig vor. Man \yxt demnack/ durck-aus keinen Grund, in den Besttebungen zur Mbminderu^ der Säug-lingssterblichkeit nachzulassen, 11 in Deuchchlmrd, wo Wir sv wie so eine Abnahme der Geburtsziffer zu verzeichnen haben. — Ter zwette Band des Wertes „Das deutsche Drama des 19. Jahrhunderts" von Professor Dr. Friedmann (Herm. Seemann Nachf. in Leipzig^ beginnt mit Friedrich Halm und bespricht dann Ferdmano ssiaimnnd, Gutzkow, Brachvogel, Rudolf v. GottschaU-, Bauernfeld und verhaftet. , * Paris, 11. Dez. Der Anarchist Bisset, welcher gestern einen Mordversuch auf seinen Arbeitgeber unternahm, ist Mitglied mehrerer Anarchisten-Verbände. In seiner Wohnung wurde eine umfangreiche Korrespondenz be- schlagnahmt, die er mit bekannten Anarchisten gewechselt hatte. Arvelleroewegung. Auf dem Tische sand man sein Testament. * Arad, 11. ^ez. Zwischen den Streuenden und den neu * Mord! Wie au§ Lübben in der Lausitz berichtet engagüten Arbeitern einer hiesigen MaschineMabrck haben sich wird, wurde heute morgen dcr Steuer rat Willmer vor blutige' Zufammeustöbe ereignet. Em breitender wurde durch dem dortigen Hauptstcueramt er stoche n aufgefunden. Willmer einen :)ieuuiuei|