Nr. 292 Siebentes Blatt 153. Jahrgang Samstag 12. Dezember 1903 Erschein, täglich mit Ausnahme des Sonntags. L „Siehe x. Kamlltenblötter" werden dem »Anzeige, oiermal wöchentlich beigelegt. Der hessische tanbwirt" erscheint rnonackich einmal. Eichener MZWW Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Unwersilätsdruckerer (Pretfch Erben), Gretzen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Ker tztat im Reichstag. in. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 11. Dezember: Der Führer der Nationalliberalen, Abg. Dr. Sattler, leitete heute die DrSkussion ein. Das Spezialgebiet Sattlers sind die finanziellen und etatsrechtlichen Fragen. Tie gründliche Sachkenntnis, der klare Aufbau des Vortrags hoben die Sattlersche Kritik des Rei^ssinanzwesens über das Mittelmaß hinaus. Bei allem Wohlwollen für die „kleine" Finanzresorm meinte Dr. Sattler doch, daß ihr keine besondere Bedeutung zukomme. Es werde dem Frhrn. v. Stengel hoffentlich noch beschieden (.-in, dem Reichstag späterhin ein wirklich' dlirchgreisendes Finanz- refornuvert vorzulegen. Der „unglaublich schlechte" Etat bot dem uationalliberareu Redner mehrfach Anlaß zu Bemängelungen. Für die Polenpolitik, die Auwesen- beitsgewer, werden die Nalionalliberälen eintreten, den Jesuitenantrag werden sie bekämpfen. Notwendig sei die Fortführung der -Sozialpolitik. Bei seinen allgemeinen Ausführungen zog Dr. Sattler namentlich das Militärwesen heran: Luxus im Ossizerkorps, die Soldatenmißhandlungen, das Unwesen des Geschenkgebens an Unteroffiziere, die Zustände in den G-renzgarnisonen (Forbach) — auf alles das lenkte Dr. Sattler, in rückhaltloser Erörterung, den Blick des preust Kriegs Ministers. Bon Anfang ,bis zu Ende fesselte die Darlegung das gesamte Auditorium; sie ließ leine irgendwie bedeutende Erscheinung des öffentlichen Lebens außer Betracht. Unter nicht minder gespannter Aufmerksamkeit des Hauses ergriff alsdann Kriegsminister Generalleutnant v. Einem das Wort. Er ging gleich mitten in die Sache hinein, auf „Forbach" zu. Und er beschönigte nichts; er suchte zr? erklären, und unternahm speziell eine Ehrenrettung der Trainwasfe. Unter lebhaftem Beifall der Rechten verbürgte sich der Minister, wenn es auch vermessen scheine, dafür, daß ein zweites Forbach in der deutschen Armee unmöglich sei! Mit Interesse nahm das Haus weiterhin die fachanännischen Mitteilungen über das deutsche Geschütz, dessen Ueberlegenheit über das französische Geschütz entgegen. Die schlichte, gewinnende Art des Vortrags machte Eindruck; man glaubte Herrn v. Einem die Entrüstung, mit der er sich über die Soldat en Mißhandlungen aussprach, anzusehen. Aber aus der anderen Seite trat der Minister mit Wärme und Eindringlichkeit dafür ein, durch ein Uebermaß der Kritik am Heerwesen nickst der Bevölkerung das Vertrauen zu. rauben, nicht die Autorität der Führer zu untergraben! Abg» Richter knüpfte in seiner groß angelegten Etatsrede an die Ausführungen des Kriegsministers an. Etlichen wuchtigen Randbemerkungen über Luxus in Ofjizierskasiuos usw., die den Beifall der Linken hervorriesen, folgten andere Aeußerungen, worin die Rede Gefallen scurd, z. B. „Wir können dem Heere nicht die beste Waffe verjagen!" Dafür aber keine weitere Präsenzerhöhung, war die unerwartete Fortsetzung, die zur Folge hatte, daß auch auf der Bundes- ratscstraüe die Mienen sich wieder verdüsterten. Auf sein eigenstes Gebiet gelangte Richter bei der Kritik des Etats. Hier kam er „in Stimmung^; die wiederholte Heiterkeit des Auditoriums bekundete es. Frhr. v. Stengel halte keinen Anlaß, sich an diesem Ergötze:: zu beteiligen. Richter zerzauste oie Finanzresorm unerbittlich Er meinte, wenn dieser Entwurf Gesetz würde, dann müßte Miquel im Himmel seine helle Freude haben, daß sein einst verunglückter „Automat" endlich in Aktion trete. Grimmige Genugtuung äußerte Richter über die geringe Neigung aller Parteien, erneut 14 M i l l i o n e n s ü r O ft a s i e n'z u b e w i l l i g e n. Weiterhin machte der Redner das Zentrum scharf, bis zur Bewilligung von Reichstagsdiäten die Regierung, namentlich in Bezug auf Kowniculu.h-nen, „schlecht zu bc^anbeni". Frhr. v. Stengel lonnie es sich nicht versagen, seine Finanzresorm in Schutz zu nehmen. Bei der vorgerückten Stunde ein undankbares Beginnen. Noch übler war unter diesen Umständen der temperamentvolle Abg^ v. K a r d o r f s (Reichsp.) mit seiner Erarsrede daran, der einen Stich ins Agrarische gab. Es gelang ihm aber, durch sein stürmisches Begehren nach einem neuen Sozialistengesetz und durch Empfehlung des „Gottes f r : e d e n s" zwischen den beiden christlichen Bekenntnissen die Aufmerksamkeit für eine Weile sestzuhalten. Gerichtssaal. [] Marburg, 11. Dez. Der letzte Fäll der diesmaligen Schwurgerichtsperiode betraf eine im hohen Grade intere,sante Anklage wegen Meineids gegen den 60 Jahre alten Landwirt Zoh. Müller 17. in Bromskirchen. Dicht bei diesem Ort, der bekanntlich die nordöstlichste Spitze des Regierungsbezirks Wiesbaden bckdet und inmitten großer runfangreicher Waldungen dicht an der Grenze Westfalens liegt, wurde am 1. P.ing^tag der Kgl. Förster Keller im Walde erschossen. Anr andern Tage schon verhaftete man den Täter in der Person des 17 Jahre alten Wilddiebes Carl Strieder, der dünn auch am 11. Septbr. d. I. von der hiesigen Strafkammer trotz seines heftigen Leugnens zu 7 Jahren und 2 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Während der Untersuchung hatte nun der heute Angeklagte vor dem Amtsgericht in Battenberg einen Eid dahin geleistet, daß er den Strieder nie mit zur Jagd genommen, ihm nie ein Gewehr gegeben wib ihn die letzten Wochen vor Pfingsten überhaupt nicht zu Gesicht bekommen habe. Als Strieoer verurteilt war, hat er nun im Gefängnis zu Wehlheiden gestanden, daß er der Adörder des Försters sei. Müller habe ihn immer mit in verbotene Jagdgründe genommen, so z. B. zu Kaisers Geburtstag und gelegentlich des Kriegersestes in den nahen westfälischen Ort Hallenberg, wenn die Förster nicht im Walde gewesen seien. Das Gewehr, aus dem er den tätlichen Schuß abgegeben habe, habe en sich am Pfingstsamstag von dem Müller g. borgt. Ter Angekragte bezeichnete allesi» was Strieder sage, als Unwahrheit, toahrend dieser, nachdem ihm gestern beim Transport ein Fluchtversuch mißlungen war, auf seiner Aussage stehen blieb. Das heute abend nach zweitägiger Verhandlung verkündete Urteil lautete auf F"r eisprechu n g. Es folgen nun noch mehrere Prozesse wegen Jagdübertretungen, die sich, im Laufe der Untersuchungen lierausgestellt haben.' Zariöe! unü Werkeln. liDltawulfrijafL — Bewegungen ocr Baumwollpreise, Die Bewegung am BauinwollmarU bat zur Folge, dag jiierft die österreichischen Spinner sich regen, da sie befurchten, und nicht mit Unrecht, daß die Sachlage wohl geeignet ist, einem Teil des heimischen Webergewerbes schwere Wunden zu fchlagen. Die Spinner beraten eifrig über die "Bildung einer Aiisiuhrorgamsatlon durch Schassung eines großen Ausfuhrprämienbestandes. Entweder soll es zur unmittelbaren Ausfuhr von Garnen kommen, oder zur Ueberlassuiig von Garn zii wejeiitlich ermäßigten Preisen an die Webereien für Aus- fnhrzwecke. Tie Vereinigung soll erst dann gebildet werden, wenn 7/8 aller Spinner beitreten. Bom Berliner Geld- und Wcchsclmarkt. Berliner Mel- ditngen zufolge werdeii die Geldanfpruche an die Reichsbank in der zweiten Hälfte des Tezernber ziemlich erheblich sein; insbesondere glaubt man an bedeutende Wechjelansprüche. Gegenwärtig ist der Metallvorrat beträchtlich hoher als im Vorjahr. England wird eventuell genötigt sein, noch vor Jahresschluß zti einer TiS- konterhohnng zu schreiten, doch and) dann wird die Reichsbank ohne gleiches Tim ausziikommeu siichen. Finanzielle Ergebnisse der deutschen Lebensversicherungs- Gesellschaften im Jahre 1902. Tie Ue bersch ässe der Geselljd)aften fließen hauptsächlich aus drei Oiiellen, der Alindersterblld)teit, beit Zmsgewmnen und den Ersparnissen an Verwaltungskosten. Bis auf 2 ganz kleine Gesellschaften hatten sämtliche Gesellschaften Lterblichkeits- gewinne aufzuweisen, den größten die Victoria mit 31 2 * 4,« Millionen Mark. Unsere Lebenc'versid)erungs-Gesellsd)a'ten rechnen bei der sie auszeichnenden Vorsicht mit einem Zinsfuß von bV, und 3 pCt., während der wirklich erzielte Zinsertrag fid) noch über 4 pEt. hielt. Tie Victona konnte so z. B. einen Zmsgewinn von annähernd 4 Millionen Mark ausweisen. Dabei können alle großen Gesellschaften fid) rühmen, noch nie Verluste m ihren Kapitalsanlagen erlitten zu haben. Tie Ersparnisse an den Verwaltungtzlosten lassen fid) aus den Rechenschaftsberichten nicht ermitteln, sie fonnnen aber im Gesamt Überschuß mit zum Ausdruck. Dieser betrug pro 1902 bei der Victoria 18,2 Alilliouen Dlark, bei Gotha 9,4, bet Stuttgart 8,4, Leipzig 7,8, Germania 5,7, Karlsruhe 5,3 u. f. f. Nun weiß Jedermann, daß die Ueberschüsse nicht den Gesellschaften verbleiben, sondern zum allergrößten Teil den Versicherten zufließen. An Gewinnanteilen waren für die Versicherten Ultimo 1902 angesammelt: bei der Victoria 66 Millionen Mart, bei Gotha 42,7, Leipzig 37,2, Stuttgart 33,7, Karlsriihe 25,3, Germania 20,6 u.f.f. Bei 48 Lebensversid)erungS-Gesellschaften betrug die Prämlen- und Zinseueinnahme zufainmen 533 Millionen Mark. Davon entfällt auf die Victoria 85,8 Millionen Mark (fast */fl st, auf Gotha 40,8, Germania 39,4, Leipzig 35,5, Stuttgart 33,1, Karlsruhe 23,8. Bei der Victoria, die neben ihrer Hanptbranche, der Lebensversicherung mit der Volksversicherung, auch die Unfall-, Hastpflicht- und Transport-Versid)eruiig betreibt, sind die Zahlen für das Gesamtgeschäft angeführt. 9244 Keklor Aerlioz. (Zu seinem 100. Geburtstage.) (Nachdruck verboten.) Am 11. Dezember jährte sich der Tag zum 100. Male, an dem der genialste Musiker, den Fra-nkreich hervorgebracht hat, in den: kleinen Städtchen Cüte-Saint Andre d-as Licht der Welt erblickte. Vielseitiger als in seinem Vatertunde wird man bei uns in Teutschta.nd diesen jwichtigen Gedenktag feiern. Denn tiefer als bei seinen Lnndsleuten wurzelt bei uns Deutschen das Verständnis^ 'für die Kunst Hector Berliozs. Berlioz ist mit seinen Merken zu uns gekommen, als er fühlte, daß die Pariser ihn nickt verstanden. Es ist richtig, daß man dem eigentlichen Wesen seiner Kunst in Frankreich lange Zeit hindurch frenrd gegenüber stand, doch keineswegs hat man den Meister in seinem Streben, in seiner äußeren Bedeutung verkannt. 9Ran wußte zu seinen Lebzeiten sehr ^wohl, einen wie großen Einfluß Berlioz auf das sian- zösische Kunstleben ausübte. Man versäumte auch nicht, den Komponisten nach außen hin zu ehren und zu feiern. Es mutet dahier wie schnöder Undank an, wenn man vernimmt, wie scharf sich Berlioz stets über seine Landsleute beklagt hat. Er fühlte sich zurückgesetzt und verkönnt, obschon er von der Regierung mit den ehrenvollsten Aufträgen bedacht wurde , sodaß dieserhalb der Neid und die Angriffe von feiten der komponierenden Akademiker kein Ende nahni. Möglich, daß ihm diese forUvährenden Jntriguen und Gehässigkeiten seitens seiner fachgenossr- fchen Gegner Paris und schließlich Frankreich verleideten. Von Natur aus war Berlioz ja stark persimistiich veran- laat. Er redete sich gern in welüchmer^liche, ungluckkche Stimmungen hinein, um sich selbst mw amderen gegen- 'über den tragischen Helden zu fprelen. Berlioz schonte freilich auch die Gegner nicht mit seiner Feder. Die bissige sarkastische Kritik, die er als langiahriger Mitarbeiter des „Journal des Debats" an seinen mehr oder weniger bezopften Widersae^rn und ihrem Schaffen, zum größten Teil mit voller Berechtigung, übte, mugre die Herren Kollegen nur noch mehr reizen, ^ooch das alles ist wohl nicht ber eigentliche Grund für seine verbitterte Stimmung. Er empfand es sehr wohl, daß man ihn von 'offizieller Seite aus nur feiner Erfolge und ferner repräsentativer, Bedeutung halber feierte, daß nun, aber ru Wirklichkeit für sein Schassen nur wenig Berftandnrs hatte. Ter eklatante Mißerfolg seiner Oper „Benwenuto Celluu" bei der Erstaufführung in Paris, der zu einen, Theater- skaudal führte, bestärkte ihn in seiner lleberzeugung noch mehr. Er ging alsbald nacq Teutschland hinüber, hosserw, daü er dort, in dem Vaterlande feines Ideals „Beethoven', einen fruchtbareren Boden für seine Kunst fmüen würde. Er täuschte sich in dieser Annahme nicht. Seine erste deutsche Reise brachte chm große, wahrhaft kunstler, che Triunchhe. In einer Reche von Städten, lute in Berlin, Tresden, Braunschweig und Stuttgart wurde er geradezu enchnsiastisch ausgeuonuneii. Große Erfolge hatte er spater auch in Breslau, Wien, Prag und Aachen. In letzterer äks diese seine schwärmerischen .Huldigungen verspottete,, Staat führte man 1854 gelegentlich eines niederrheinischen irrte er tagelang im Freien umher, „leidend und stumm, Musikfestes seine jetzt leider stark vernachlässigte geist- wie ein verwundeter Vogel", wie er später selbst schrieb, lidje Trilogie (Tie Kindheit Christi) auf. Am meisten aber Fast fünfzig Jahre später sah er diese Jugendliebe, jetzt in sorgte des Meisters Freund Franz Liszt von Weimar aus weißen Haaren, wieder, und immer noch stand er unter für die weitere Verbreitung seiner Werke. Während nach dem Eindruck seiner damaligen schwärmerischen Neigung. Berlioz Tode (8. März 1869) die Franzosen die Werke ihres Er hatte Mühe, der verheirateten Frau gegenüber seiner Landsmannes vernachlässigten, nahm man sich bei uns der glühenden Verehrung Fesseln anzulegen. Tas reale Studium Schöpfungen des genialen Kopses mit um so größerer der Medizin, für das ihn der praktisch denkende Vater, Liebe an. Später ging dann auck) den Parisern^ das wahre der selber Arzt war, bepimmt hatte, konnte den jungen Licht über die eigentliche Bedeutung ihres großen Sohnes Feuerkopf naturlick) niemals befriedigen. Bon den Eltern aus. Tie vor kurzem erfolgte Enthüllung des Berlchz?» verstoßen, betrieb er zunächst mit Eifer seine musikalischen Denkmals in Grenoble zeigte zur Genüge, wie enthusiasmiert Studien am Konservatore. Durch Erteilen von Guitarre- man jetzt über die Berliozsche Kunst urteilt. ’ und Flötenunterricht erwarb er sich den nötigsten Lebens- Für unsere musikalische Entwickelung ist das Schaffen unterhalt. Doch die strengen Studien waren nichts für Berlioz' nicht ohne Einfluß geblieben. Franz Liszt nahrn den utigestümen Geist, zunral die eben im Aufblühen be- intensiver, als man vielleicht von feiten der enr agiert en grijfene romantische Sryule, der Viktor Hugo, Dumas Wagnerianer und Lisztianer zugestehen will, die neuen Ideen lPöre) angehörten und der Einfluß Byrons ihn völlig in Berlioz in sich ans. Für ihn sprach Berlioz das erlösende das Fahrwaszer unbeschränkten freien Schassens drängten. Wort, aus das er selbst längst harrte: Freiheit des musi- Er sagte der Akademie valet und komponierte auf eigene tauschen Gestaltens, Abslreisen der konventionellen sinfo- Faust. Es entstanden seine ersten namhaften Werke. Tar- nischen Form. Niel haben lvir Deutschen auch von ihm unter als Nr. 3 der erste Entwrws zu der später voll- als Instrumentator gelernt. Gerade auf dieser mehr äußer- endeten „Sinfonie fantasrique", die noch heute als das lichen Seite seines Schaffens zeigte sich Berlioz als ein sinfonische Hauptwerk des Ateisters gilt. Der junge Brause- Neuerer voll erstaunlicher Originalität. AehnUche instru- köpf verliebte sich von neuem und zwar in die Tragödin mentale Experimente und Anforderungen im Bezug auf Henriette Snithson, die er schließlich auch nach hartem die Klangmassen sind in gleicher Kühnheit bisher nie wieder Kampfe als Gattin heimführte. Schon nach einem Jahr versucht worden. Fordert doch Berlioz für die Wieder- war er wieder getrennt. Das erwartete große „Ideal" gdbe seines großen Requiems fünf Orchester mit zusammen hatte sich durch die Ehe nicht in die Mrklichkeit umsetzen 16 Posaunen, 16 Trompeten, 12 Hörnern, 16 Kesselpauken lassen. Und so heiratete er später zum zweitenmale, um usw. Tie Original-Partitur der „Trauer- und Triumph- abermals bald eirttäuscht zu sein. In solch jähem Wechsel sinfonie" (1840 gelegentlich der Einweihung der Bastillen- zwischen himmelhohem Hoffen uird verzweifelnder Betrüb- Säule und der Ueberführung der Juliopfer im Auftrage nis zieht sein Leben dahin. Noch immer voll himmelstürmender Regierung koinponiert), schreibt sogar 200 Bläser vor. der Ideale, aber als Weltverächter und Menschenfeind steift Ja in seiner berühmten Jnstrumentationslehre stellt er ins Grab. Nicht gerade zahlreich ist das VerzeichntS Berlioz ein Orchester von insgesamt 467 Jnstruntentalisten seiner hinterlassenen Werke. Aber jedes von ihnen bildet zusammen und bezeichnet dieses Massenaufgebot als das eine größere Arbeit. Neben den schon genannten, sind es eigentliche Ideal eines Orchesters großen Stils. die Harold-Sinfonie, die Chorsinfonie „Romeo und Julie" „Tiefer Sinn für das Ungeheuerliche, für das Niesen- und die dramatische Legende „Le damnation de Faust", haste, für materielle Unermeßlichkeit", wie Heinrich Heine die von seinen nicht dramatischen Werken die größte ^Berber Berliozschen Musik gegenüber ausruft, ist das in die breitung gefunden haben. Als Bühnendramatiker war Bev- Augen fallendste, hervorstechendste Moment in Berlioz' lioz weniger glücklich. Sein „Benvenuto Cellini" ist zwar künstlerischem Wesen. Tas eben erwähnte große Requiem musikalisd) von großer Schöuheit, doch als Oper konnte (gleichfalls im Auftrage des französischen Staates ge- sich das Werk nie halten. Ebenso erging es den „Trojanern" schrieben'» hält Berlioz selbst für die bedeutendste seiner und „Benedikt und Beatriee". Trotzdem Berlioz so wenig Schöpfungen. Es ist auch unMieiselhaft dasjeltige Werk, das von seinen Landsleuteit verstanden wurde, ist er doch durch- die ganze Eigenart des Meisters in ihren eqarakteristischsten aus Franzose in seinen Kunstanschauu'ngen. Ter äußerliche Formen zeigt. Effekt, die dekorative Wirkrmg ging chm über alles. Seele Ter starke Zug ins Phantastische, Groteske, der sich und Gemüt werden nie durch seine Töne berührt. Die in fast allen Schöpfungen Berlioz' mehr oder weniger Phantasie dagegen weiß er mächtig anzuregen und die zeigt, haftet dem Meister schon in seinen Kindesjahren an. Sinne des Hörers zu berauschen. Wie gewaltig seine Er- Tas Ueberschäumende der Leidenschaften, der schranken- fcheinung in unser Kunsileben yinemragr, das beweist der lose Wille, oer ihm in seinem späteren Lebe'n so manchen Umstand, daß bts auf den heutigen Tag die Akten über schweren Verdruß bereitete, äußert sich schon bei dem zioöls- seine endgiltige Bedeutung noch ntcht geja)losseit sind, jährigen Knaben, der sich, gleich einem zweiten Tante in ——— die achtzehnjährige schöne Estelle ernsthaft verliebte. Und Ha1 "W 02 02 Cd 'P k-, 02 P P o ES ts tS P ES «4-H ES -- 00 TS p L dc n: V. fr 01 kc ft d flr m ß- q fi tr d, in e tu to ei ^oi frei ein< fall Fre riü Es «ni beh 00 P P ■ S V Si LZ V ■ i L- ii V a^L ->s 1 M »■■ ■* •d 'T- K WN F i | r-X.< ■■’•' ^EW L; ■ ■'’S^Sv- - * 1 r St. ,‘>-i'«V7.';,A«1 r- ■^Ä-’ /‘'V' -r ' ---- ' 'M M ■ V