Nr. 214 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gieheuer Familien» blätter viermal in der Woche deigelegt. Rotationsdruck il Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- bru rietet (Pietsch Erben) Redaktion. Expedittoa und Druckerei: Schnlstrabe 7, Adresse für Depeschenr «nzetger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. Drittes Blatt. Samstag lÄ.NePtemver 1903 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 153. Jahrgang BezngSpretSi monatlich 7b Ps., viertel' jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Dck. 2.— viertel- ährb ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer jIS vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiSr lokal 12 Pf^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich für den poltt und allgem. Teil. P. Wittko: für „Stadt und Lcmd^ und .GenchtSfaal^-.Auoust Götz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Volttische Tagesschau. Die reinliche Scheidung. Man schreibt uns von besonderer Seite: Wie wir erfahren, sind die Vorbereitungen für die Reichssinanzresorm in vollem Gange. Die Vorlage wird bestimmt den Reichstag im kommenden Winter beschäftigen. Innerhalb der Bundesstaaten herrschet volles Einverständnis, daß die „reinliche Scheidung" z-wischen den ReichK- und den Staats-Finanzen nich^ länger hinauszuschieben ist. Ganz aussichtslos firtb aber die Vorschläge, dem Reich dirtte Steuern einKuräumen, wie die Einkommen- und die Erbschaftssteuer. Darüber dürfte in naher Zeit, eure bündige amtliche Kundgebung erfolgen. Ueöer die Aerhastung des Köerleyrers Ar. Kies in Iüver Wird aus Oldenburg noch folgendes geschrieben: Seit etwa iy2 Jahren erscheint hier ein satirisch-kritisches Blat unter dem Namen „Der Residenzbote", dessen "Redakteur und Herausgeber der Schriftsteller Hans Biermann ist. Als B. sich vor einigen Monaten wegen Beleidigung des Großherzogs vor Gericht zu verantworten hatte und um den Zweck seines Blattes befragt wurde, gab er u. a. an, er wolle dem jetzigen oldenburgischen Ministerium Opposition machen. Und das hat er in ausgiebigem Maße bisher getan. Ganz besonderes Aufsehen erregten mehrere gegen den Groß Herzog, den jetzigen I u st i z - u n d K u l t u s - Minister Ruhst rat II., den Landrichter Haake und mehrere andere Persönlichkeiten gerichtete Artikel. Dem Justizminister wurde besonders vorgeworsen, daß er vor einigen Jahren, als ernochStaatsanwaltwar , am Hazardspiel teilgenommen, bei dieser Gelegenheit eine Gefälligkeit des Oberlehrers Frühstück angenommen und letzteren dann bei der Besetzung der Direktorstelle am Birkenfelder Gymnasium protegiert habe. Biermann zog sich durch Veröffentlichung dieser Artikel eine Beleidigungsklage des Ministers zu, die mit seiner Verurteilung zu einjähriger Gefängnisstrafe endete. Er hat dagegen Berufung eingelegt die im Oktober erledigt wird. Fast mit der Verurteilung Biermanns fiel die widerrechtliche Veröffentlichung der Geheimakten über den Ministerwechsel im Jahre 1900 gleich nach dem August zusammen. Das schlug dem Faß den Boden aus, und nun wurden die eifrigsten Anstrengungen gemacht, des Verräters der Geheimakten habhaft zu werden. Die Staatsanwaltschaft ließ Schriftproben der inkriminierten Artikel öffentlich aushängen und setzte für die Ermittlung des Artikelschreibers eine Belohn- ung von 400 Mk. aus. Das geschah vor etwa sechs Wochen. Man hörte dann von dem Verlauf der Sache im allgemeinen nicht viel; die verschiedensten 'Hamen wurden zwar genannt, aber den richtigen wußte niemand; ja Biernrann selbst als Redakteur des Residenzboten scheint nicht gewußt zu haben, von wem ihm jene Artikel stets unter Decknamen oder Chiffre zugingen. Bei Vernehmungen soll Biermann angegeben haben, daß ihm die Briefe in der ersten Zeit mit Zügen aus der Richtung Jever—Oldenburg, später aus den Rheinlanden zugegangen seien. Das lenkte schließlich den Verdacht auf den Oberlehrer Dr. Gustav Ries, den auch die Schriftsachverständigen als der Urheberschaft der Artikel verdächtig bezeichnet hatten. Infolgedessen fand eine Haussuchung im elterlichen Hause des Dr. R:es, der seine vor einigen Tagen zu Ende gehenden Ferien in Jever verbrachte, statt, während er selbst auf einem Ausfluge be- Müffen war. Durch Funde von Schriftproben wurde der Verdacht bestätigt, und als ihm bei seiner Rückkehr die Urheberschaft der Artikel auf den Kopf zugesagt wurde, gestand Dr. mies unumwunden zu, der Verfasser der beleidigenden Artikel zu sein und auch die Geheimakten über den Ministerwechsel veröffentlicht zu haben. — Dr. Ries stand bei seinen Kollegen und Schülern tti hohem Ansehen. Er war früher am hiesigen Gymnasium angestellt und wurde am 1. August 1902 gegen seinen Willen nach Jever versetzt. Man hielt diese Maßnahme damals für eine Art Strafversetzung und brachte sie mit seiner agitatorischen Tätigkeit für die Erhöhung der Oberlehrergehälter in Verbindung. Wie auch aus den Berichten der hiesigen Blätter hervorgeht, scheint in diesem behördlichen Schritte der Grund seiner tiefen Unzuftiedenheit, seines brennenden Hasses gegen die in Frage kommenden und dabei mitwirkenden Männer zu liegen, der ihn so zu verzweifeltem Schritte trieb. So war seines Bleibens in Jever nicht lange. Er trat freiwillig aus dem oldenburgischen Schuldienst aus und übernahm eine Stelle in Barmen. Den „Nachrichten für Stadt rmd Land" wird von zuständiger Seite geschrieben: „Das Verfahren gegen Dr. Ries findet von Ämtswegen statt, und die Verhaftung ist daher zulässig. Es fragt sich dann weiter, ob nach Lage der Sache die Verhaftung begründet war. Diese Frage wird man nicht verneinen können. Der Beschuldigte ist ein unverheirateter Mann und war somit unschwer üt der Lage, sich durch die Flucht der Untersuchung zu entziehen, selbst in ein Land, das wegen des betreffenden Vergehens nichst ausliesert. Ferner wird vermutlich eine hohe Strafe erkannt werden, sodaß genügende Veranlassung für den Verdächtigen vorlag, die Brücke hinter sich abzubrechen. Endlich ist nicht ausgeschlossen, daß Dr. Ries Mittäter oder Gehilfen gehabt hat, deren Ermittlung durch den Verkehr mit ihm erschwert worden wäre." Von Ämtswegen konnte gegen Dr. Ries wohl nur eingeschritten werden, als der Verdacht vorlag, er habe dem „Residenzboten" auch die Geheimakten über die Entlassung des M i n i st e r i u m s Jansen a u s g e - liefert. Diese Akten waren ihm als Oberlehrer nicht zugängig, und somit muß auf „Mittäter oder Gehilfen" geschlossen werden. Daß der Äktenmißbrauch allem für die Staatsanwaltschaft in Betracht kommen konnte, geht aus der Tatsache hervor, daß die" V er l e um dun g des Ministers R u h st r a t II. in einer Privatklage zum Austrag gebracht werden müßte. Vermischtes. * Ein furchtbares „Vendetta-Duell" ist in Fontaine St. Andrs im Kanton Neuchatel von zwei Neapolitanern ausgefochten worden. Die beiden Männer, von denen der eine in Neuchatel, der andere in St. Gallen Wohnt, sind seit langem verfeindet, und sie beschlossen, miteinander zu kämpfen, bis ein Gegner gefallen wäre. In einer abgeschlossenen Lichtung traten sie einander mit langen Messern bewaffnet und bis auf die Taille entkleidet gegenüber. Beide waren stark und sehnig und bearbeiteten einander so lange, bis sie Seite an Seite im Grase zusammenstürzten. Man glaubt, daß nur der eine Kämpfer wieder genesen wird; in diesem Fall wird ihm wahrscheinlich der Prozeß wegen Mordes gemacht werden. * Eine Hexenaustreibung. Eine Frau in einv^s größeren Dorfe bei Guben wollte seit längerer Zeit wahrgenommen haben, daß ihr Rindvieh nicht mehr so recht gedeihe, namentlich eine junge Kuh wurde von Tag zu Tag magerer. Auch hatte sie eines Tages zu mitternächtiger Stunde eine Person aus ihrem Viehstall sich eiligst entfernen sehen, und als sie näher zusah, entdeckte sie im Stall einen alten Topf, enthaltend eine Unmenge alter verrosteter Stecknadeln, Nägel, Haare, Wolle, Papierfetzen u. dgl. Die Person Hatte, so meinte man nun, das Vieh verhext. Es mußte schleunigst etwas getan werden. In der Stadt Guben ist eine „kluge Frau", die sich auf so etwas versteht. Sie wird geholt, und es wird nun folgendes gemacht: Vom Kirchhof werden 10 Mittel, wie verwittertes Holz, Kräuter, Holz von alten Grabkreuzen, alte Totenkränze u. dgl. gesammelt. Damit wird der Stall gehörig ausgeräuchert. Weiter werden aus der Apotheke 5 Mittel beschafft, damit wird, nachdem sie durch Kochen zubereitet sind, das Vieh „verwaschen". Nachdem dann noch der klugen Frau als Honorar 10 Mark für ihre Bemühung ausgezahlt waren, war der Stall von allem Uebel gesäubert. Das Vieh gedeiht wieder und neues Glück ist darin eingezogen. Die kluge Frau hatte auch verraten, wer das Vieh verhext hat, nämlich die Person, die in den nächsten Tagen in das Haus tritt, um sich etwas zu borgen. Das scheint aber nicht eingetreten zu sein. Wie wäre es dann der Person ergangen? * Anwachsen der deutschen Mittelstädte. Tas Deutsche Reich zählt nach der letzten Volkszählung etwa 40 Mittelstädte, d. h. solche, mit 50—100 000 Einwohner. Nur vier von diesen Städten gehörten schon bei der Gründung des neuer: Deutschen Reiches dieser Kategorie an, nämlich Augsburg, Mülhausen i. E., Mainz und Metz. Die übrigen steckten 1871 noch in den Kinderschuhen der Kleinstädte. Tas stärkste Wachstum zeigt Schöneberg bei Berlin; es schnellte in dem verhältnismäßig kurzen Zeiträume von 30 Jahren von 4500 aus reichlich 96 000 empor; Rixdorf von 8000 auf 90 000, Ludwigshafen von nicht ganz 8000 aus 62 000. Annähernd vervierfacht hat sich die Einwohnerzahl von Hagen t. W. Tie Bevölkerungsziffern von Duisburg, Plauen, Bochum, Spandau, Linden, Beuthen und Bielefeld haben sich reichlich verdreifacht, die von Karlsruhe, Münster, Remscheid, Freiburg i. B., Königshütte und Dessau fast verdreifacht. Eine starke Verdoppelung weisen folgende Städte auf: Wiesbaden, Lübeck, Offenbach, Osnabrück, München-Gladbach, Zwickau, Liegnitz und Fürth, während Erfurt, Görlitz, Darmstadt, Würzburg, Rostock, Bromberg, Elbing und Bonn die Verdoppelung annähernd erreichen. Verhältnismäßig geringe Bevölkerungszunahme zeigen Frankfurt a. O. und Potsdam; die schwächste Zunahme hat Metz mit 14 Prozent. Von den Kleinstädten, die bei der letzten Volkszählung das 40. Tausend bereits über- eritten hatten, also aussichtsvolle Mittelstadtkandidaten id, entwickeln sich Harburg, Flensburg, Gera, Kaiserslautern, Mülheim a. Rh., Solingen und Oberhausen am regsten. Rheinisches Technikum Bingen für Maschinenbau und Elektrotechnik. 5245 Jiaudereten aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Die Münchener Hosbrau-Filiale in Berlin. — Herr v. Knobelsdorff, der Baumeister des „alten Fritz". — Ein Steinmetzscherz am Operuhause. Ter Fremde, der nach Berlin kommt und die Leipziger- Straße hin ab schlendert, findet vor dem Tönhofsplatz linket Hand, kurz vor dem Reichshallen-Theater, wo die Stettiner Sänger mimen, ein Haus, das in Tür und Fenstern aus den ersten Blick verrät, daß es noch von der Periode der großen Nüchternheit des vorige:: Säkulums erbaut sein muß, wenn auch d:e modernen Erweiterungen und Neuerungen auf einen späteren umfassenden Umbau schließen lassen. Es ist das Haus Nr. 85, die Heimstätte des Münchener Hofbräus in Berlin, zu Zeiten der Sammelpunkt der in Berlin hausenden Bajuvaren, die beim schäumenden Maßkrug hier gar zu gern von der lustigen Stadt an der Isar träumen. Eine Gedenktafel an diesem Hause aber berichtet, daß darin einst Hans Georg Wenceslaus von Knobelsdorfs gewohnt und am 16. September 1753 seine irdischen Tage beschlossen hat. Dieser Herr von Knobelsdorfs, der als Fünfzehnjähriger seinerzeit beim Küstriner Regiment als Korporal ein getreten war und bis 1729 im preußischen Gamaschendienst aushielt, zeigte nach diesen etwas seltsamen Vorbereitungen mit Pulver und Blei, daß er ein tüchtiger Maler und vor allem ein genialer Baumeister sei. Antoine Pesne, den Friedrich Wilhelm I. 1711 als Hof- und Kabinettsmaler mit einem Gehalt von 11000 Talern nach Berlin berufen hatte, wurde sein Lehrmeister in der Malerei, die er jedoch bald im Interesse für Architektur, wenn auch nicht dauernd, beiseite schob. Der Kronprinz, der damals in Rheinsberg seinen Neigungen und Studien lebte, berief den.nun schon Sechsunddreißigjährigen im Jahre 1735 zu sich und gab ihm den Auftrag, ihm einen Garten mit einem Lusthause anzulegen, welche Aufgabe er so trefflich löste, das; ihm der Kronprinz für das folgende Jahr eine Studienreise nach Italien ermöglichte. Mit dem Regierungsantritt des jungen Königs beginnt auch die Periode der größten Tätigkeit Knobelsdorffs. Er baut Rheinsberg wieder auf, das ein Brnnd vernichtet hatte; er ändert das Schloß zu Charlottenburg; er beginnt den Bau des Berliner Opernhauses, das schon am 7. Dezember 1742 mit Grauns Oper „Cleopatra und Cäsar" eingeweiht werden konnte. Dieses für die damalige Zeit großartige, in edler Einfachheit gehaltene Gebäude bezeugt am besten, wie weit der geniale Knobelsdorff seinen von Neid erfüllten Fachgenossen überlegen war, die alle Hebel in Bewegung setzten, ihn aus seiner einflußreichen, für die Gestaltung des ftedericianischen Berlin so bedeutungsvollen Stellung zu verdrängen. Der französische Geschmack jener Tage mit seinem hohlen Prunk, seinen überladenen Fassaden usw. wurde durch das in den reinen Formen griechischer Architektur gehaltene Bauwerk in Berlin zum ersten Male erfolgreich bekämpft. Nach dem Brande von 1843 wurde das Opernhaus unter Benutzung der alten Mauern ohne wesentliche Aenderungen wieder aufgebaut, ein verhängnisvoller Fehler, den Knobelsdorff selber, mit den ganzen Erfahrungen der 100 Jahre, die dazwischen lagen, ausgerüstet, unmöglich begangen haben würde. Menn man heute mit dem Plane umgeht, das für die heutigen Verhältnisse ganz und gar unzulängliche Bauwerk herunterzureißen, um einen Neubau an seine Stelle zu setzen, so trifft die Schuld daran den Wiedererbauer von anno 1843, Langhans und nicht den alsbald zum „Direktor der Musik und zum Intendanten der Schauspiele" ernannten Baumeister des großen Friedrich, der in den folgenden Jahren seine Tätigkeit auch auf die Königlichen Bauten zu Potsdam ausdehnte, bis für ihn eines Tages die Sonne der Königlichen Gnade unterging und fügsamere und weniger selbständige Geister an seine Stelle rückten, die den manchmal bizarren Launen des vielseitigen, großen Königs williger nachgaben, als der mit einem kräftigen Rückgrat ausgestattete märkische Adelssproß. Den ersten Anlaß gaben zwei Riesensiguren, die Knobelsdorff be:m Einzug nach dem zweiten schlesischen Kriege vor die Pforte des Potsdamer Schlosses hatte aufstellen lasten, einen Herkules Musageta mit der Leyer und den pythischen Apoll mit Bogen nnd Köcher, gutgemeinte Anspielungen auf den Toppelruhm Friedrichs als Held und Kunstfreund. Dem König mißfiel das. Die Figuren mußten fort und kamen in den Berliner Tiergarten, wo sie Knobelsdorfs, wenn er von seiner Meierei — heute Schloß Bellevue — kam, immer sehen mußte. Dann kamen andere Differenzen, Knobelsdorfs wurde beim Bau des Jnvalidenhauses, der Hedwigskirche, des neuen Domes und schließlich auch der Kunstakademie, deren Mitglied er war, übergangen. Das erbitterte ihn so, daß er bald danach durch eine unbotmäßige Antwort in Potsdam gänzlich in Ungnade siel. Das Berliner Tor in Potsdam war vollendet, gleichfalls von einem der Gegner Knobelsdorffs, einem Holländer Johann Boumann, dem wir auch die geschmacklose Hedwigskirche und die Universität, als Palais des Prinzen Heinrich erbaut, verdanken. Knobelsdorfs war zur Tafel geladen und vor Beginn derselben fragte ihn der König, wie ihm das neue Tor denn gefallen habe, ,Has sein dummer Kastellan Boumann erbaut hat." Knobelsdorsf erwiderte, daß er es deswegen wohl nicht bemerkt habe, woraus ihm Friedrich geärgert zurief: „Er kann wieder nach Berlin gehen!" Dieses Wort befolgte Knobelsdorff ohne sich auszuhalten, und als ein Feldjäger seine Extrapost, mit der er zurückfuhr, in Zehlendorf einholte, um ihn zur Umkehr zu veranlassen, erklärte er: „Mir hat der König selbst befohlen, nach Berlin zu gehn, und ich weiß zu gut, ob ich seinen oder des Feldjägers Befehl gehorchen muß!" — Die beiden ehemaligen Freunde sahen sich nicht wieder; Knobelsdorsf starb nach wenigen Jahren, richtete aber von seinem Schmerzenslager aus noch einen versöhnlichen Dankbrief an seinen König, der ein ehrendes Zeugnis von der Lauterkeit seiner Gesinnungen ablegt. Auf dem Giebelfelde des Opernhauses findet sich ein Steinmetzscherz, den man aus Knobelsdorfs zurückführt. Tic wilden Tiere lauschen dort dem Gesänge Orpheus! Alle, Löwe und Panther, erscheinen ergriffen und gebändigt, nur der Bär, das Wappentier Berlins, steht teilnahmlos abseits. Heute, wo Berlin der Sammelpunkt des gesamten Musiklebens geworden ist, wird man diese satirische Anspielung umso weniger übel nehmen, als uns die Perspektive von nahezu zwei Jahrhunderten deutlicher erkennen läßt, daß Knobelsdorfs wirklich der weitaus bedcutcndste Architekt der Fricdc- ricianischen Periode gewesen. A. R. Bekanntmachung. Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß in Abänderung meiner Bekanntmachung vom 24. v. Alts, der nächste Biehmarlt nicht am 14. und 15. September, sondern am 29. und 30. September und zwar aus dem Biehmarltplatz au der Rodheimerstratze stattfindet. Gießen, den 5. September 1903. 6722 Der Oberbürgermeister: Mecü nt. HkM-Wldkimrkt zu Gicßkii. Am Montag dem 14. September 1903 findet im Anschluß an die landwirtschaftliche Ausstellung auf dem Trieb an der Grün- bergerstraße Pserdemarkt statt. Die für die Ausstellung errichteten Stallungen stehen auch für den Pferdemarkt zur Verfügung. Auskunft hierüber erteilt Herr Hoslohntutscher Huhn, über sonstige Marktangelegenheiten Herr Weinhändler August Schwan dahier. Mtt dein Pferdemarkt ist ein Zuchtviehmarkt, sowie eine Prämiierung verbunden: a) für Pferde von Händlern, b) für Pferde von Landwirten, die auf der Ausstellung nicht bereits Prämien erhalten haben. Der Prämiierungsplan ist von Herrn Oekorwmierat Schlenke- Hardthof bei Gießen zu beziehen. Nachmittags 3 Uhr findet Konzert, Prämienverteilung und Vorführung der prämiierten Pferde statt. Gießen, den 25. Juli 1903. 5909 Die städtische Pferüemarkt-Kommission. ________________Jean Kirch, Stadtverordneter.________________ Kerbst-Merdemarki zu Hießen. Am Montag dem 14. September d. I. findet int Anschluß an die landwirtschaftliche Ausstellung auf dem Trieb Pserdemarkt statt. Außer der Prämiierung von Pferden von Händlerri und Züchtern findet auch eine Prämiierung von im Privatbcsitz befindlichen Pferden nud Wagen statt, wofür Auszeichiiungen bezw. Ehrenpreise vorgesehen find. Es können vorgeführt werden: 1. Reitpferde unter dem Reiter, 2. Wagenpferde, einzeln oder paarweise (auch im Geschirr), 3. Arbettspserde, einzeln, paarweise und vierspännig (auch im Geschirr). Die Vorführung findet vormittags 11 Uhr statt; die Preisverteilung und Vorführuiig der sänitlichen prämiierten Pferde mid Geschirre nachmittags 3 Uhr bei Konzert. Indem wir Pferdebefitzer zur Beteiligung hiermit einladen, mitten wir, Anmeldungen bis zum 12. September d. I. bei Herrn Weinhändler August Schwan dahier einzureichen. Gießen, den 30. August 1903. 6522 Die, städtische Pferdemarkt-Kommission. ______________________Jean Kirch.______________________ Zum Fußboden Anstrich empfiehlt alle Ingredienzien in bester Qualität 6358 Emil Fischbach. Gewerbeschule Ms. Unter Staatsaufsicht stehende gewerbliche Fachschule. Fachunterricht für alle Berufsarten, insbesondere für Bauhandwerker. Beginn des Winterhalbjahres am 26. Oktober 1963. 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Dickore, Gießen 6164 Hauptvertreter fürOberhessen 12 „ 10.- fSi 316 73 418 64 515 79 650 85 86 59 [400] 325 457 580 [400] 88 74 457 [400] 520 75 753 62 906 ^2 647 755 70 [400] 73 871 923 32 [400] 42 [400] 48 [1000] 98 [400] 47227 [2000| 29 37 44 96 391 95 466 546 60 612 [5000] 29 42 755 881 35112 [2000] 92 [400] 212 50 91 [400] 322 30 446 97 540 [2000] 57 607 23 43 48 79 [400] 704 36 805 58 916 24 94 36048 58 135 211 72 83 [400] 307 60 434 [400] 47 500 31 69 76 [ 10000] 610 24 56 98 99 718 822 38 82 97 37079 99 226 [400] 437 [2000] 43 54 79 510 616 18 52 72 97 719 23 800 52 57 [400 I 915 38028 33 [1000] 45 152 53 93 [400] 234 55 323 25 [2000] 468 [4001 510 83 [400] 615 [400] 99 [400] 731 72 833 51 64 86 916 63 [2000] 39000 10 56 89 113 234 46 84 |400J 345 52 65 427 550 [10001 56 61 74 85 648 78 798 806 54 [1000] 931 [1000] 35 [1000] 40003 |2000] 35 [5000] 54 [1000] 126 202 [400] 15 357 77 453 58 [400] 82 90 564 728 69 801 6 [1000] 88 [400] 911 93 [400] 95 [4001 41003 20 103 31 [4001 207 26 31 96 378 93 417 24 40 69 606 32 47 706 18 29 31 67 903 12 42007 19 23 28 [400] 80 163 71 74 [1000] 96 211 [400] 55 81 84 [2000] 92 341 81 489 543 616 [400] 58 75 [400] 752 823 91 97 943 55 43112 31 49 72 73 84 254 316 73 418 64 515 79 650 85 86 767 915 36 79 44064 159 60 66 210 39 89 667 98 722 [400] 27 972. 45111 99 210 |400) 23 319 [400] _____ ____ ' 1,8 86 46027 54 65 68 86 89 109 33 84 231 37 95 349 413 1400] 85 541 58 26006 93 [400] 135 [400] 56 58 68 200 11 21 [2000] 24 29 34 [400 378 --------------------- ---------------—-------- 11. Kessisch-Würingische Staatslotterie i (Mitteldeutsche Staatslotterie) Ziehung VI. Klaffe. 11. September (3. Tag) 1903. Alle Nummern, neben welchen nichts bemerkt ist, sind mit 200 Mark gezogen. (Ohne Gewähr.) 85 [400] 153 206 43 [400] 75 329 [1000] 82 430 [2000] 555 68 86 600 76 77 724 [400] 837 87 965 1019 29 70 [400] 72 225 66 322 90 403 52 61 587 601 95 98 745 64 [400] 830 902 [400] 75 76 2057 [3000] 111 [400] 231 45 86 409 503 662 713 82 849 58 900 36 [400] 41 69 72 3081 93 139 [1000] 71 [400] 262 [1000] 312 23 75 404 31 54 [1000] 71 [400] 514 625 [1000] 46 717 72 [400] 91 879 87 [1000] 919 26 27 73 4002 [400] 31 39 [5000] 71 [4001 80 111 204 429 63 80 [1000] 93 578 613 23 39 52 87 [400] 94 715 46 834 [2000] 40 47 76 90 93 5001 [400] 98 122 29 [400] 48 78 231 69 73 472 507 63 66 [400] 99 .400] 631 97 [3000] 825 58 61 11000] 967 1400] 6049 57 151 87 226 90 422 32 46 [400] 77 85 512 [400] 65 609 43 831 87 904 31 32 7068 98 99 198 216 64 76 445 48 59 512 43 608 46 748 97 905 22 [400] 31 49 90 8082 120 29 82 [400] 208 [1000] 34 35 831 431 [400] 46 51 520 43 58 617 718 810 [4001 18 953 63 [400] 76 9257 67 341 84 460 62 587 97 632 725 91 946 70 11000] 10018 [2000] 57 88 [1000] 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69 [3000] 127 39 76 270 72 365 466 75 666 82 [2000] 801 913 [400] 25 34 39 87 67149 60 70 89 237 50 396 [1OOOOO] 437 [400] 510 20 94 [1000] 607 44 58 [400] 63 834 41 68013 19 175 96 204 [1000] 15 24 [400] 348 49 60 [400] 94 431 [400] 55 515 37 [400] 613 63 788 880 87 69064 93 185 249 71 361 411 86 [400] 512 46 87 606 53 68 714 19 58 840 55 82 903 27 46 66 87 [1000] ____ 70023 42 171 96 361 483 86 500 684 755 [1000] 71 813 935 87 [400] 71013 67 83 93 [1000] 102 [400] 18 260 86 357 [400] 448 [400] 86 96 568 633 40 52 89 [400] 737 [400] 803 10 52 906 7 2101 65 71 79 340 442 61 [400] 528 623 33 729 [1000] 56 63 853 [400] 95 908 14 49 73008 [200b] 180 224 334 67 410 16 34 [1000] 37 [400] 505 89 636 717 39 68 [1000] 79 [1000] 817 25 915 48 [400] 74149 [400] 85 87 [400] 240 44 55 82 376 406 61 80 91 92 97 518 31 58 631 718 64 [400] 876 7 5051 154 65 224 32 69 [400] 78 96 346 65 [400f 93 96 409 [3000] 46 [400] 540 [400] 606 718 19 [1000] 801 34 [400] 51 58 920 7«0o3 81 187 241 [400] 62 98 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76 507 23 678 [400] 915 [20 001 22 29 37 9 7011 30 [400] 54 118 22 43 324 54 604 32 805 920 98109 49 313 43 [400 | 422 30 572 [400] 620 28 79 ( 400J 736 70 817 47 84 908 82 89 99008 * 23 35 44 62 84 246 60 62 302 533 90 625 [400J 43 71 75 [400] 827 47 956 57 L 2. 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Die Besitzer der Einlagebücher können die Auszahlung oder Beischreibung jedoch ganz gelegentlich auch in anderen Monaten veranlassen. 7. Kapitalien unter 1000 Mark können ohne Kündigung abgehoben ' werden, dagegen hat der Zurücknahme von Beträgen über 1000 Mark in der Regel eine dreimonatliche Kündigung vorauszugehen. 8. Bormünder können die Zinsen für ihre Mündel erheben, wenn das Gericht nicht anders bestimmt hat. Bei Kapitalrückzahlungen bedarf es der schriftlichen Ermächtigung der oberoormund- schaftlichen Behörde. 6833 HMMWnle m Frl. LaiSim« Gießen, Südanlage 7. Beginn des Unterrichts in allen weiblichen Handarbeiten 6829 Dienstag den 15. September 1903. Frankfurterstraße 27. Fernsprecher Nr. 135. von Mk. 182,— an bis von Mk. 1.50 bis Mk. 11.- Anm.: Für die Landwirtschaftüche Ausstellung in Gießen wurden die Feuer-. Unfall- und Haftpflicht-Versichenpngen der „Thuringia" übertragen. 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Bankel, Landwirtschaftliche ProviNMl ui Uerdands Ausstellung auf dem Trieb zu Gießen. Samstag den 12. Programm. September. Montag bett 14. September. Bo» Nachmittags 4 Uhr an: Konzert. Abends: Gesangs-Vorträge des Bauer'schen Gesangvereins. Sonntag den 13. September. Vormittags 8 Uhr: Eröffnung der Ausstellung. Vormittags 10 Uhr: Vorführung der prämiierten Rinder, Pferde und Ziegen. Vormittags 11 Uhr: Gemeinsamer Frühschoppen in der Festhalle. Bon nachmittags 4 Uhr ab: Konzert, Volksbelustigung und Tanz. Nach Eintritt der Dunkelheit: Bengalische Beleuchtung des Ausstellungsplatzes, Feuerwerk. Aeröst-H'ferde- und Zuchtviehmarkt. Vormittags 8Ve Uhr: Prämiierung der Pferde: a) für Händler, b) für Züchter. (Auf der landwirtsch. Ausstellung prämiierte Pferde sind ausgeschlossen.) Mittags 1 Uhr: Gemeinsames Mittagessen. . Nachmittags 3 Uhr: Vorführung der prämiierten Pferde. Konzert (bet freiem Eintritt). Eintrittspreise: Vinzelkarten, zum einmaligen Eintritt für den dritten und vierten Tag berechtigend, ä, 50 Pfennig. Schulpflichtige Kinder haben in Begleitung von Eltern oder ihren Vormündern freien Zutritt. landwirtschaftliche Ausstellung meiner Ausstellung in Düngermühlcn Markeuren Keltern Kartoffel-Sortiermaschinen 6748 11. Rosenthal., Giessen der mufik. Sänger- u. Jodlergesettschaft „M©fSersg 04334 . vM- Anfang 8 Uhr, aufmerksani. 6823 6339 Zubehörteile stets auf Lager. Alleinige Vertretung des 6196 w Garbenbindern Getreide-Mähmaschinen Gras-Mähmaschinen Rasenmähern Pferde-Rechen Heuwendern Futterdämpfern Kartoffelquetschen Futterjchneidmaschinen Rübenschneidern Lbstmühleu Moltereigeräten u. s. w. lade Interessenten ergebenst ein. Hösbacher Mineral-Brunnen für Gießen und Umgebung. Agentureu gesucht. — Niederlagen werden überall errichtet. beginnt. 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