sofort daS alte KonigSpalaiS umzingelten. Nach einer Version wurde das Königspaar im Schlafzimmer überrascht. Sämtliche Ministerien wurden sofort besetzt. Früh morgens durch- kreuzten Offiziere die Stadt und riefen vom Sattel herab, daß das Königspaar erschoßen sei. Die Königin Draga soll zahlreiche Schußwunden haben. Man erzählt, daß die Leichen des Königspaares durch die Fenster bes Konaks in Leichentüchern in den Garten des Konaks hinabgelassen habe durch seine Heirat mit einer öffentlichen Dirne Serbien kompromittiert, weshalb er abdanken müsse. Als Antwort darauf ergriff der König einen Revolver und schoß Eine andere Darstellung lautet: Zuerst drangen Offiziere deS Generalstabs vom Vorbereitungskurs in den Konak, wobei ein Gardist getötet wurde. Tann kamen Soldaten, die Naumowitsch nieder, der auf der Stelle tot war. Fetzt trat Mischitsch vor, ergriff die Abdankungsurkunde und forderte den König zur Unterschrift auf. Nun erkannte der König den vollen Umfang der Gefahr und flüchtete mit der Königin Draga auf den Dachboden. Die Offiziere folgten ihnen und gaben auf sie Schüffe ab, die den König und die Königin meberftreeften. Den tätlichen Schuß auf den König soll der seit zwei Jahren in Ungnade gefallene Major Luka Lazarewitsch abgegeben haben. Generaladjutant Lazar Petrowitsch kam zur Hilfe herbei und verwundete den Haupt- mann Dragutin Diemitriewitsch. Gegen 2 Uhr früh kamen aus ihren in der Festung gelegenen Wohnungen beide Brüder der Königin, Nikodcm und Nikoda Ljunevitza, die beide er- schossen wurden. In ihren Wohnungen wurden ferner erschossen der Ministerpräsident und deffen Schwager, der i Artllleriehauptmann Jovan Milkowitsch, der Minister des Innern Theodorowitsch angeblich mit seiner Tochter unb bet Kriegsminister Mitovan Pawlowitsch. Währenb sich bas Ereignis im Konak abspielte, waren die Straßen dicht mit Militär besetzt. Vor dem Palast fuhren Kanonen auf. Bis Mittag stand das Militär in den Straßen. Ter Kommandant der Tonaudivision Oberst Timitriew Mikolitsch wollte mit seinem 8. Regiment in die Stadt marschieren, um dem König zu helfen. Neben der Kaserne vor der Stadt begegnete ihm Oberleutnant Gagowitsch mit einer Abteilung Militär. Es entspann sich ein Kampf, in dem beide Offiziere getötet wurden. Nach einer anderen Meldung aus Wien sind auch zwei I Schwestern der Königin und 12 Mann der Wache ermordet worden, ferner die Saum des Ministerpräsidenten Markowitsch. Auf dem Marktplatz spielt eine Militärkapelle. deS KömgSpaareS, das erwacht war. Als man ihm den Revolver entgegenhielt und es zur Abdankung zwingen wollte, zitterte der König wie Espenlaub, während die Königin einen seltenen Mut zeigte, und, den König mit ihrem Leibe schüßend, auSrief: »Wir accep- tieren nicht!' Als die Verschwörer nach dem Morde sich entfernen wollten, trat ihnen der Leutnant der Palastwache, der von den Vorgängen nichts wußte, mit fernen Leuten entgegen. Die Verschwörer brachen sich jedoch Bahn und liefen mit dem Rufe „(r-3 lebe König Peter I.' auS dem Konak. — DaS Königspaar wurde in einer großen Blutlache aufgefunden, die Kleider waren über und über mit Blut befleckt, auch die Möbel sind vielfach demoliert. Die letzten Worte des Königs sollen gelautet haben: .Ich sterbe unschuldig und habe nur daS Beste für Serbien g ew ollt'. Die Aufregung und mit ihr die Menschenansammlungen fein in den Straßen Belgrads waren in den Morgensttmden Bruder war mit ihr "verheiratet". Die Soldaten drangen stetig. Trotz deS strömenden RegenL zogen Tausende m den nachts in den Konak ein und erschossen den dienst- Straßen in der Nähe deS KönigSschloffeS auf unb nüber, tuenden Adjutanten Oberst Naumowitsch. (Nach Ueberall sind Truppen aller Waffengattungen, auch Kanonen, der obigen Version hatte der König Alexander selbst den aufgestellt. Das Militär tragt nicht mehr die Kokarde nut Obersten Naumowitsch erschossen, wohl weil dieser den Sol- dem NamenSzug Alexanders, sondern Blumen unb grüne baten daS Tor geöffnet unb daher unter dem Verdachte der Zweige oder Blatter anstelle der Kokarde. Junge ~cute rotten Mitwisserschaft gestanden habe.) Gleichzeitig wurden der sich zusammen schwenken Fahnen und ziehen umher unter Generaladjutant Lasar Petrowitsch, der Minister des dem Rus: ES lebe Karageorgewitsch! Fast alle Innern Welimir Theodorowitsch, der Kriegsminister väuser Belgrads haben Zahnen ausgesteckt, ledoch smd keme Milowan Pawlowitsch und die Mitglieder der schwarzen Trauersahnen darunter Vom Kömgschloß weh^ Familie der Königin in ihren Wohnungen überrascht keme Standarte mehr. Eimge behaupten, KarageorgewiNch und, wie es heißt, alle nie der gemacht. Der König, die weile m Belgrad, andere behaupten das Gegenteil, niemand Königin und die übrigen Toten werden in einfachen Särgen weiß, woran man ist. bestattet. Der König dürfte im Kloster Rakowiza beigesetzt lieber die Vorgeschichte und den Verlauf der Ereig- werden, die übrigen auf dem Friedhöfe zu Belgrad. niffe wird der Wiener »Zeit" auS Belgrad gemeldet: Der König Alexander erhielt sofort einen tödlichen gegen daS KönigSpaar geführte Streich, der auf Bes eiti- Schuß in die Kehle. Seine letzten Worte roareai: gunfl ber Dynastie Obrenowitfch abzielte, ist voll- «„Soldaten, Ihr habt mich verraten!" Tie ^mmen gelungen. Die Revolution war von langer Leiche DragaS wurde fast zerfleischt. Hosmarschall $Qni) vorbereitet. Seit drei Monaten bestanden im Nikolajewitsch rettete sich durch Flucht in gQn5en Lande Komitees, welche gemeinsam mit dem Militär Gesandtschaft. In das Geheimnis waren 150 Ollizlere ein-1 vorbereiteten. Leiter der ganzen Aktion scheinen vor Ä Tagen"alle^Ere^giiisfl"der Dorauigejagl und die gegenwärtigen Minister Ljubomir, Schimkow.^ und anaelünbigr, der Jahrestag der Vertreibung der Tynaslie Wosislaw-Welzkowitsch gewesen zu sein. Der erste Beschluß, Karageorgiewitsch werde ein Tag der Rache fein. — Nach den König und die Königin zu ermorden, wurde vor Monaten weiteren Mitteilungen waren der König und die Königin im Belgrader höheren Offizierkorps gefaßt. Zur Vollstreckung mit den Geschwistern der Königin und den Adjutanten Tat wurde das in Belgrad garnisonierende 16. Infanterie- Perrowilsch und Naumowitsch bis 121/2 Uhr nachts beim I Regiment auSerfehen. Der Stteich war für später bestimmt, Nachtmahl, dann zogen sie sich ins Schlaf gemach zurück. abcr durch das vom Präfekten Marschitschan vorbereitete Eine Stuude foäter drangen die Verschwörer ein. Komplott, sowie durch die Befürchtung, die neue Skuptschina em Vrwattelegramm ber .Köln.Zig auSJMgrabl Thronfolge regeln, beschleunigt worben. Mit ber meldet: Man erzählt m Belgrad König Alexanber hab- APz.gh,p roQC der Abjutant beb Königs Oberst Nau. m letzter Zett tatsach.ch bre Ab s, cht verwirklichen wollen,I p „'j beauftragt Gegen 11 Uhr abends sprengte stch vonDraga zu scheiben. Die Königin habe dies be. Naumowitsch, welcherTienst hatte, mit einer Bombe die merkt und hintertreiben wollen Eimge hohe Militärs Schlafgemach des Königspaares führende hätten Draga m der letzten Nacht gewaltsam aus dem unb b mil bcm Oberstleutnant Mischitfch vom 16. Konak entfernen wollen, seren aber au. Widerstand bet Jnsanterie.Regiment und einigen anderen Offizieren, die alle den Anhängern berSöntgm gestoßen. gn erb.ttertem ©e.neSel Revolvem bewaffnet waren, in das Gemach ein. Vorher je. alsdann das KömgSpaar Mit emem Anhang gefallen. bie Burgwache, welche die Gardekavallene gestellt hatte, Tas „Bert. Lngebl. will wrsscn, das Konig-paar lebte 2-cuppcn beg Jnfanterre-RegimentS überwälttgt hurrTt «Vsrt&n ber L warben, wobei ber W a ch k° mm an d° nt Rittrn eiste r qienuig, fub ku trennen. Tie Reise Dragas nach Frankens- Panazotowitsch von den Verschworenen "gossen bad sollte ein Vorwand für die Trennung feut, der wurde. Naumowitsch legte dem König eine AbdamungS- «onig wollte dann um Xenia von Montenegro urkunde zur Unterschrift vor, in der gesagt wird, der König werben. Die Königin hatte mehrere Millionen auf dar.....' " ' ' Londoner Bank, ebenso der König. gewinnt den Andruck, daß allerdinas in den jüngsten Tagen sich warnende Stimmen erhoben haben, daß aber der König die Mitteilungen unterschätzte. Peter Karageorg- jewitsch ist von Alexander nicht ernst genommen worden. Dem Prinzen wurde alles mögliche zugettaut, nur nicht die Tatkraft, der Elan zu einer Verschwörung großen Stiles. Eine der letzten Nachrichten aus Belgrad vor der Umwälzung lautete dahin, daß die ,/mswärts verbreitete Meldung von einer bevorstehenden Aufrollung der Thronfolge-Angelegenheit auf müßiger Erfindung beruhe." Dies offizielle Dementi mit der bemerklichen Spitze, daß die Wunsche und Hoffnungen auf den Thron dem Bereich des Unmöglichen, des Undiskutterbaren angehören, mag vielleicht den Entschluß der Verschwörer zur Reife gebracht T)ad Drama von Aelarad. Itanten Petrowitsch unb bie königstreuen Offiziere.! OTbiMi bnfir-nmit hp-r Der Anführer bes Militärs war Oberstleutnant Mischitfch vom ber vollen U?be!rafchuny gennrkt. Nichts beuUtTa^ble 6- Jnfanterieregrmmt, welcher bie Königin ermvrbtte. Sie Möglichkeit solcher Umwälzungen hin. Im Gegenteil, man Köni gin unb ihre Geschwister würben mit einer mußte annehmen, daß die VerschwörungSpläne des Prin- Hacke erschlagen, der König erschossen. Die Königin zen Peter keinen Boden gefunden hätten. ES zeigt sich war sofort tot. Der König lebte noch einige Minuten, jetzt, daß die Tragödie, die sich in wenigen Nachtstunden Die Ursache beS AufstanbeS war bie vor einigen Tagen in Belgrad abspielte, sehr sorgfältig und von langer Hand erfolgte Rückkehr deS BruberS ber Königin, bcS vorbereitet worden ist. Die Schnelligkeit und Sicherhett, Thronkanbibaten Lunjewitza. Die übcrlebenben womit i»L Tat Vvllzogeu würbe spricht bafür, ebenso b'. Minister würben verhaftet. Sonntag bar em pichet, -eichenbegöngn.s st.m Für den Abenb in Kraft setzt, endlich die, wie es scheint einmütige Mit- emc riestbeleuchtung geplant. 3n 0 ) ' ) Wirkung des Heeres. Das alles „klappte", um einen Aus- geheurer Jubel. druck Kaiser Wilhelms anzuwenden, „wie auf dem Exerzier-1 DaS EreigmS wurde, nach W.T.B.,vom6., den Xiamen des pLatz." — Königs von Rumänien führenden Regiment, wie eS heißt, unter dem Hat das Dönigspaar «ne 2lhnung von den Dingen ge- Kommando der Obersten Mischitsch und Maschin auS- habt, die sich twrbereiteten, ist es gewarnt worden? Man geführt. Letzterer ist im neuen Kabinet Bautenminister. Er x -rr—K * roQC der Königin Draga verschwägert. f': haben. Die serbische Gesandtschaft in Berlin wurde durch die Schreckenskundc in äußerste Bestürzung versetzt, umsomehr, da direkte Mitteilungen aus Belgrad zunächst bis zum Mittag, ausblieben. Das ist nicht nur auf Rechnung der Verwirrung zu setzen, sondern die Vermutung liegt nahe, daß die neue Regierung sehr bald einen Wechsel auch in den auswärtigen Vertretungen vornehmen wird, um ihre eigenen neuen Verttauensmänner unterzubringen. Dem Kaiser ist selbstverständlich sofort über die Ereignisse Bericht erstattet worden. Eine Pariser Mitteilung besagt: „$n der lfiesigen Familie des Prinzen Karageorgjewitsch wußte man schon seit Wochen, daß sich etwas Wichtiges in Belgrad Porbereite. -Nur die vertrautesten Freuiide wurden letzter Zeit ins Haus gelassen." Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, oaß Prinz Peter die Fäden der Verschwörung in der Hand hatte. Wiewohl Peter Karageorgjewitsch vom Heere zum Könige proklamiert worden ist bleibt die nationale Volksvertretung allein berufen, hierüber Entscheidung zu treffen. Die Ausrufung des Prinzen Peter als König wird aber durch die für Alontag einberufene Skupschtina erwartet. Wie werden sich die „Balkanwachter" Oesterreich- Ungarn und Rußland mit der neuen Situation absinden?^ Gerade beim russischen Herrscher muß der Abscheu gegen solche gewaltsame Umwälzungen, noch dazu in Verbindung mit Königsmord, besonders stark sein. Wird Rußland daraus die Konsequenzen sieben, und jedem MUgliede des HauseS Karageorgjewttsch die Anerkennung als Herrscher auf dem Throne Serbiens versagen? Wir glauben nicht daran, denn das amtliche Rußlaiid hat ja nach den Wirren in China stillschweigend die Herrschaft der Kaiserin-Witwe anerkannt, ttotzdem die Willensäußerung des Zaren feierlich erklärt hatte, nur der junge Kaiser werde von Rußland alö berechtigter Herrscher betrachtet. Die russische Diplomatie also wird, praktisch wie stets, die vollzogene TÄache gelten lassen und nur darauf ihre Sorge richten, daß die neue serbische Regierung im Einvernehmen mtt Petersburg bleibt. Schwieriger ist die Frage, wie sich Oesterreich-Ungarn zu den Ereignissen stellt. Das Haus Karageorgjewitsch genießt dort notorisch, sehr geringe Sym, natbic. Daraus könnte sich dann die nicht unbedenkliche Möglichkeit ergeben, daß zwischen Rußland und Oesterr- rcich &|timmungcn auftreten, trotz des Baikanablommei^ der beiden Mchte, durch das man in Wien wie in Petersburg alles aufs beste geordnet glaubte. Ueberhaupt: die gesamte Lage auf dem Balkan wird aller Voraussicht nach in ein neues Stadium treten. Ss/st„^ ^ouyenrucyern ui otn wuwi uc» »umu» yuiu^ciunc.i । rechnen, daß die ^uacedonische Vericqwm:mig kühn einen Bagagewagen gelegt worden seien, per sichtlich gemacht durch den Erfolg Belgrade beiden Brüder der Königin wurden auch im Konak ftrcichs, ihrv Zdtigfeit mit erhoffen, drei Schwestern 1>-rs°Ib-n bli-b-7°rn L-bvn. . nimmt, und bag ui !Sulgariai piphrtnSfr Schwiegersohn bes Generals Zinzar "INarkowttsch, den Fürsten Ferdinand, der nach ^l^SUchem Lievaugellt I -_v dreier Rußland zu verderben, ftch Sujt maäqt. Adjutanten die Autopsie oorgenornmen. Vom Minister des kürzlich, daß gegen die Möglichkeit «E,.Anschlags,cmfI5;fieoberemitsch, verlautet, daß er schwer das Leben des.^sten(der ^Ercianisse verwu::det, aber nicht tot sei. Tas Zeichen zum Beginns besondere Voriichtsrnaßregeln I • »..AL Blutbades wurde durch einen Kanonenschuß gegeben.! von solcher Bedeutung wirkeng .2 I Die Gardisten, welche den Konak bewachten, leisteten insel ein, und bre Poriger wer ich ,L "!verzweifelten Widerstand. Hundert sind angeblich gegen Sommer gefaßt machen mujicn. fallen. Der K riegsminister flüchtete in eine Wie eS sich zuttug. _ Kiste, auf die 25 Schüsse abgegeben wurden. Alle Der ^Nat.-Ztg." geht aus Semlin folgende DarstellungIGeschäfte sind gesperrt. Viele Einwohner flüchteten. Von über die Vorgänge in Belgrad zu: Ein Trupp Offi- Zemlin wurden telegraphisch viele Waggons zur Beförder- -^nackls nach dem königlichen Palais und forderte ung der Flüchtigen verlangt. Nach Belgrad euigeiaffen n liercmbarunq mit bem «ibitalen Führcr Hiuba Zirlawusch »a warben ist selbst unter Larzeigim« des Passes schwer. 1U qunft-n karageorgiewitschs Die Genbarmen, bie ben hmieren Tvremgang d-. ab-uVonf®« Ter König wc.gerl- sich unb ceschvH wachten, ließen bi- Verschwörer pajil-r---. Ter Putsch ao0uoanien.• untcrbre itenben Obersten wäre d-mahe mißlungen, ba ber G-neralabiuiaM aur ben Die Qftijietc ließen nun ben Lärm herbeieitte unb bie Palastwache alarmieren modle. Er Sri“asmin üer unb ben Minister beS Innern wurde inrzerhanb mebergejchvffen. Hieraus brangeu b,e V-r- holen u"b crmorbeten das KönigSpaar, ben Absu.Iichwörer iotort m bas im 1. Stock gelegene schlaigemach Rr. 135 Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 12. Juni 1303 Mrschetut täglich jkmv yUoied* außer Eonniag«. V ö . sährltch Mk. -L0: durch Dem Greßener Anzeiger M ▲ k A ▲ a. A IAH M. A ▲ A Abhote- u. Zweigstellen werben nn Wechsel mit M A Wß W Aä äxX HM monatlich 65 M.; durch =2™(htPheitci ziniciucr V General-Anzeiger " MM AM- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW Der Direktor der Pariser Filiale einer amerikanischen Versicherungsgesellschaft teilte einem Berichterstatter mit, daß noch vor vier Wochen bei der Stuttgarter Filiale der Gesellschaft ein Versicherungsantrag für den König Alexander und die Königin Draga gestellt, jedoch abgelehnt worden sei. Ein Beamter der Gesellschaft, der vor drei Wochen in Belgrad war, erklärte, man habe dort allgemein die Empftndung gehabt, daß inan an dem Vorabend einer Katastrophe stehe. Em Offizier habe ihm gesagt, die Armee und die Polizei gehorche nicht mehr. Als vor kurzem ein Volkshaufe vor dem Schloß deinonstrierte und der König befahl, die Menge zu vertreiben, sei der Befehl nicht ausgeführt worden. Seit mehreren Wochen schon hat der König und die Königin nicht mehr gewagt, das Schloß zu verlassen. Königin Natalie, welche seit 14 Tagen bei ihrer Schwester, der Fürstin Ghika, in Versailles weilt, er- ftchr das blutige Ereignis telephonisch von dem serbischen Gesandten. Sie weigert sich, irgend welchen Besuch zu empfangen. — Nach einer anderen Meldung erhielt die Exkönigin Natalie die Nachricht von der Katastrophe in der Kirche von dem Abbe Solange, ihrem Beichtvater. Sie schluchzte heftig und rief: „Mein armer irregeleiteter Sascha! Peter Karageorgjewitsch ist aus der Kriegs- /schule von Saint Cyr hervorgegangen. Er machte den Krieg von 1870/71 als Leutnant in der Fremdenlegion mit. Daraus gehörte er der französischen Armee noch mehrere Jahre an Im Jahre 1875 nahm er an der durch seinen Onkel Michael Karageorgjewitsch veranstalteten Erhebung teil, die indirekt zum russisch-türkischen Kriege führte. Er weilte gestern nachmittag noch in Genf. Er ließ um 1/2O Uhr nachmittags einem Journalisten auf dessen Anfrage sagen, er habe noch keine offizielle Nachricht, er wisse nocb nicht, ob und wann er nach Belgrad abreisen werde, und ob er wirklich zum Könige proklamiert sei. Immerhin erklärte er, daß sich unter den Unterzeichnern der Proklamation des neuen Alinisteriums mehrere | einer Anhänger befänden. Bestimmte Namen nannte er nicht, mit der Begründung, der Telegraph habe die Namen entstellt. — Beide Söhne Karageorgjewitsch', Georg und Alexander, besuchten Genfer Schulen, bis sie nach Petersburg kamen, wo sie noch heute weilen Die neue Regierung ist gebildet: Ministerpräsident ist Jowan Avakumowitsch. Er ist 58 Jahre alt. Der neue Minister des Innern ist Siojan Protitsch, einer der hervorragendsten Führer der Radikalen. Er zählt 47 Jahre. Mi- mster deL Aeußern wurde Ljubomir^Kaljewüsch, Justizminister Ljubomir Schiwkowitsch, einer der hervorragendsten Führer des linken Flügels der Radikalen, Handelsminister Gontschitsch, Finanzminister Dr. Wojislaw Weljkoivitsch. Der neue Kultusminister Ljubomir Stojanowitsch ist seiner Parteistellung nach ein Radikaler und ein hervorragender Gelehrter. Der neue Ministerpräsident Avakumowitsch erklärt in einer Proklamation, er garantiere mit seinem Kopfe für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die „91 Fr. Pr." erwähnt, daß der Justiz Minister Schiwkowitsch und der Minister deS Innern Protitsch, die von Peter Karageorgjewitsch in das neue Robinet berufen seien, unter König Milan zu 20 Jahren Kerker verurteilt worden waren. Der Handelsminister Genk- schitsch sei der Hauptgegner der Königin Draga gewesen und unter König Alexander wegen Majestätsbeleidig- nng verurteilt worden. In- und ausländische Stimmen. Fast alleserbischen Blätter sind vollHohn auf Alexandra und Draga. Tie „Schtampa" beschließt ihren Bericl)t mit den Worten: „Möge das Auge ausfallen, welches sie beweinen würde". „Belgradske Nowine", bekannt durch Beziehungen zum Hofe, meint, dies Ereignis bedeute das Aufbrechen schönerer Tage für Serbien. Das „Male Journal" sagt, der' Sohn des serbischen Nero habe ausgehaucht, und nennt Alexander blöde und ein moralisches Scheusal, Draga eine Metze und segnet die Hände, welche sie umbrachten. 9tur das Organ der gemäßigten Radikalen hält sich maßvoll und beschließt seinen Artikel mit den Worten: „Der König ist gefallen, hoch das Vaterland!" Die Regierungsblätter „Sloga" und „Dtale sJtotoine" haben ihr Erscheinen eingestellt. Neber die Ereignisse in Belgrad hat in Berlin gestern nachmittag eine längere Konferenz zwischen dem Berliner serbischen Gesandten und dem Staatssekretär des Auslvärtigen Freiherrn v. Richt Hofen stattgefunden. In den Kommentaren der Berliner Blätter kommt übereinstimmend der Abscheu über diesen politischen Mord zum Ausdruck. Vielfach wird daran erinnert, daß die Dynastie Obrenowitsch gerade an demselben Tage, geendet hat, an welchem vor 35 Jahren Fürst Michael, für welchen gerade ein Requiem stattfiuden sollte, ermordet wurde. Das „Berl. Tagebl." führt die Ereignisse auf den lüngsken Gewaltstreich des Königs Alexander zurück. Tas Schreckensregiment habe das Volk in Schranken gehalten, aber die Armee sei dur^ch die Anhänger der Familie Kara- georgiewitsch unterwühlt worden, während sich allgemein die Diplomatie, insbesondere aber bic österreichische, der größten Sorglosigkeit hingab. Tas Blatt schließt seine Betrachtungen wie folgt: Es sei nicht anzunehmen, daß aus der blutigen Saat für di« Wohlfahrt von Land und Volk wirklich Ersprießliches werde erstehen können. Tie „Boss. Ztg." schreibt: Kein Racheakt, keine anar- chistischc Wahnsinns-Tat liegt vor. König Alexander selbst hat den Anstiftern die politische Rechnung leicht gemacht, die einen Strich unter sein und seiner Gatlin Leben setzten. König Alexander war alles andere eher, als ein Soldat. Er vernachlässigte die Armee und dieser schwere Fehler im Zusammenhang mit anderen Mißgriffen hat sich bitter an ihm gerächt Tas österreichisch-russijche Einvernehmen steht vor einer schweren Belastungsprobe. Die „N ation al-Zt g." äußerl sich dahin: Die Reisen der Staatsoberhäupter l)aven in ganz Europa die Zuversicht aus die irrhaltung des allgemeinen Friedens noch weiter verstärkt Judeften bildet das Belgrader Ereignis ein warnendes Rieneteiel, welches die Erinnerung zurückruft, daß die Epoche der KabinettS-Politik abgelausen ist, daß in unserem Zeitalter nicht allein die Fürsten und Re- gierungen es sind, »velche die Entwickelung der Staaten bestimmen. Dem Bomben ^lltenial von Saloniki ist das Blutbad auf dem Fuße gefolgt Wenn die Regierungen aber auch keinen Einfluß besitzen, auf jene unsauberen Elemente, so können sie durch diplomatische Eiiwersrändnisfe den sonst unberechenbaren Folgen revolutionär-anarchisti- cher Ausbrüche gewisse Grenzen ziehen. Tie „Dtsck)e. Tagesztg." fragt: Was nun? Den Ver- chwörern scheine die Lösung der Frage leicht gewesen zu ein, indem sie Peter Karageorgiewitsch zum Könige pro- Namieren. Indessen dürste Mon tenearo seine Absichten auf Serbien nicht so leicht aufgeben und wenn es hierüber zu Streitigkeiten käme, wäre ein Eingreifen O est e r- reichs und Rußland s unvermeidlich. Esseiübrigens ehr die Frage, ob nicht Rußland schon einen eigenen Kandidaten für den serbischen Thron in Bereitschaft habe. Tie „Tägl. Rundschau" sagt: 9llcht eine Tragödie hat mit d.en Flintenschüssen, die das Haus Obrenowitsch vernichtete, ihren Abschluß gefunden, sondern ein Possen- piel hat mit dem Blutbad geendet, die uns erschüttert, aber mehr noch unseren Widerwillen erregt Mit der Ermordung des Königspaares ist Serbien in ein Meer von neuen Gefahren und Schwierigkeiten gestürzt Wie das Reuter-Bureau erfährt, herrscht in den Kreisen der hohen Diplomatie in London die Ansicht, daß den Mordtaten ein Bürgerkrieg nicht folgen werde. Seit seiner Verheiratung sei der König beim Volke sehr wenig beliebt gewesen. Die Proklamation des Fürsten von Montenegro, des Schwiegersohnes des Prinzen Karageorgjewitsch, sei die wahrscheinlichste Lösung der Lage und seine Wahl am annehmbarsten für das Volk. Es sei bekannt, daß jede europäische Macht auf den Frieden bedacht sei und keine Macht den Krieg wünscht. Sollten unerwartete Verwicklungen entstehen, so werde angenommen, daß sofort österreichische Truppen in Serbien einrücken, um die Ordnung wiederherzustellen. Dieser Fall sei durchaus unwahrscheinlich. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 11. Juni 1903. Anwesend: Oberbgm. Mecum, die Beigeordneten Georgi, Heyligenstaedt und Curschmann und die Stadtverord- neten in beschlußfähiger Zahl. Entschuldigt hatten ihr Nichterscheinen die Stadtv. Emmelius und Huhn. Bei Eintritt in die Tagesordnung nahm Oberbgm. Mecum das Wort, um die Tiensteinführung und Verpflichtung des Beigeordneten Curschmann zu vollziehen. Er führte dabei aus, daß man vor Jahresfrist, als der verdiente Beigeordnete Wolff unsere Stadt verließ, an die Frage herangetreten sei, einen neuen Beigeordneten zu erwählen. Aller Augen waren damals auf Gerichtsaftessor Curschmann gerichtet, dem der Ruf eines ausgezeichneten Juristen voranging. Da Herr Curschmann seither noch nicht im Verwaltungsdienst beschäftigt gewesen war, so glaubte damals die Stadtvertretung, ihm ein Jahr lang Gelegenheit geben zu sollen, sozusagen während einer Probezeit als Ma- gistratsassessor sich in den Dienst der städtischen Verwaltung einzuarbeiten. Es hat aber, so fuhr Oberbgm. Mecum fort, indem er sich an Herrn Curschmann wandte, dieses Jahres nicht bedurft, nachdem Ihre Liebe zum Verwaltungsdienst und Ihr Diensteifer sich seither reichlich bewährt haben. ES ist die Genehmigung dazu erteilt worden, Assessor Curschmann zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Gießen einzustellen. Oberbgm. Mecum richtete des weiteren noch an den neuen Beigeordneten die Bitte, in seiner Tätigkeit und seiner Tienstfteude so wie seither sortzufahrcn, bann werde ihm das Vertrauen nicht fehlen, oas auch sein Vorgänger in so reichlichem Maße besessen habe. Nachdem dann Beigeordneter Curschmann die kurze Eidesformel gesprochen hatte, überreichte ihm Oberbgm. Mecum das Zeichen seines neuen Amtes und hieß ihn als Kollegen in der Stadtverwaltung willkommen. Beigeordneter Curschmann erwiderte mit der Versicherung, daß er sich bemühen werde, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen und richtete Worte des Tankes an Oberbgm. Mecum, den er bat, ihm auch fernerhin mit seinem Rat und seiner Unterstützung beizustehen. Ferner richtete Beigeordn. Curschmann schöne Worte an die Stadtverordneten, indem er der Freude darüber Ausdruck gab, daß es ihm vergönnt sei, in seiner Vaterstadt zu wirken und die Hoffnung aussprach, daß die gemeinsame Arbeit zum Segen der Stadt ausschlagen möge. Man trat dann über zum zweiten Punkt der Tagesordnung. Es wurde die A u s l 0 s u n g vonSchuldver- [djreibungcn von 1890er und 1892er Anlehen durch Oberbgm. Mecum und mehrere Beamte vorgenommen. Zu Punkt drei der Tagesordnung erklärt Oberbgm. Mecum, das Baugesuch des Jakob HartmannII. von Heuchelheim habe die Stadtverordneten schon das vorige Mal beschäftigt. Es sei dabei übersehen' worden, daß das Gesuch, das genehmigt worden war, noch des Dispenses von § 18 des Lfttsbaustatuts bedürfe. Dieser Dispens wird von der Baudeputation vorgeschlagen und von der Versammlung genehmigt. Bei dem B a u g e f u ch des Jakob Atzbach für die Marburgerstraße handelt es sich um ein Werkstattsgebäude, dessen Errichtung nack) dem Antrag der Baudeputation dem Gesuchsteller genehmigt werden soll unter der Bedingung, daß er, wenn die Stadt dies von ihm verlangt, das Gebäude in spätestens fünf Jahren wieder abreißen soll, nämlich wenn die Anlage der neuen Ringstraße dieses wünschenswert erscheinen lasse. Stadtv. Petri und K i r ch haben das Bedenken, daß man an den Gesuch st eller nicht wohl eine solche Zumutung stellen könne, indem die Errichtung des Gebäudes doch ziemliche Aufwendungen mache. Stadtv. Hanau fragt an, warum man zu den fünf Jahren gekommen fei. Es wäre ftüher doch die Bemerk- ung gefallen, es handle sich beim Aushau des nördlichen Stadtteils nur um Monate. Auch er meint, daß es nicht billig sei, von dem Gesuchsteller zu verlangen, daß er das Gebäude, das ihn vielleicht ca. 5000 Mark losten könne später wieder abreißen solle. Oberbgm. Mecum begründet die Aufschiebung des Ausbaues jenes Stadtteils damit, daß die Kanalisation erst fertiggestellt sein müsse und antwortet im übrigen, daß das Interesse der Stadt und das Ansehen der neuen Straße es eventuell verlangten, daß man eine Handhabe sich schaffe zur Verhinderung von unschönen Anlagen. Und eine Schönheit werde das Werk- stattsgebäude für die neue Ringstraße nicht. Würde man jetzt über das Bedenken hinweggehen, so würde man das 1 pater wohl mit Recht bedauern. Danach wird im Sinne der Baudeputalion entschieden. Verschiedene kleine Rechnungen, die die Stadt auf sich nehmen und bezahlen soll, werden von der Versamm' lung genehmigt ©ei Punkt 6 der Tageso.dnung handelt es sich um 9t pa- ratui des städtischen Pflasters bei den Einfahrten beim Gaswerk uno dem Popamt 2 sowie bei der slädlischen Waage inder Frankfurter st raße 9tach der Ansicht der Baudeputation, so teilt Oberbgm. yjtecum mit, solle man von der Reparatur beim Gaswerk ad sehen, da dort die Zustände noch nicht zu schlecht ieien. dagegen sei für die Arbeiten am Postamt 2 eine 'Ju£gu ibät: man habe das seither oster empfunden. Oberbgm. Mekum sagt daraus, man habe früher den Termin auf 7 Uhr festgesetzt und stimmt dem Beigeordneten Georgi bei, der erklärte, man habe das darum getan, weil die Verlaoungen bei der Bahn nickst früher anfingen und man deswegen lieber abendS den Dienst der Waage etwas länger habe ausdehnen wollen. Stadtv. Pirr bleibt dabei, um 7 Uhr zu beginnen, fei zu spät. Die Versammlung geht, nachdem fte Punkt 6 im ^inne des Antrags der Baudeputation erledigt l-at, zur weiteren Tagesordnung über. Verschiedene kleine Reparaturen" von asphaltierten und cementierten Bürgersteigen, die in diesem Jahre nötig werden, werden der Firma Konrad Rübsamen zu angemessenen Preisen übertragen. Tie Anbringung von eisernen Untergestellen und Miller» scheu Patent-Sprengvorrichiungen an oen beiden älteren Gießfässern, wobei der Voranschlag überschritten werden muß, wird genehmigt. Von der Herstellung einer Seitenstraße nordöstlich des Neubaues der Veterinärmedizin i- s ch e n K linik, die vom staatlichen Hochbauamt verlangt wird, wird einstweilen, nach dem Antrag der Baudcpu- lation abgesehen. Auf Anregung des Stadtv. Tr. Gassky will Lberbgin. Mecum unter der Hand ftch um den Erwerb deS dazu gehörigen Geländes bemühen. Punkt 10 der Tagesordnung behandelt die Reitwege in der Licher - und Grünbergerstraße und in der M arburgerstraße. Es wird beantragt, vom Wieseckerweg an den Bürgersteig nicht auf der rechten Seite weiterzuführen, sondern chn auf die linke Seite zu verlegen. Darüber ent) pinnt sich eine kurze Debatte. Beigeordneter Georgt erklärt, er wisse nicht, ob das vorteilhaft fei. Die Leute, die da nach dem Friedhof gingen, seien oft nicht in der Stimmung, darauf ru achten, was ihnen auf der Straße begegnet. Er glaube, es sei doch wohl ein Mißstand, wenn ocr Reitweg dicht bei den Fußgängern vorbeiführe. Stadtv. Wallenfels ist auch der Ansicht, daß der Bürgersteig auf die rechte, nicht auf die linke Seite der Marburgerstraße gehöre. Ter Weg werde sehr stark benutzt. Störrische Pferde könnten sonst den Fußgänger belästigen. Stadtv. Hanau erklärt, ov der Bürgersteig rechts oder links gelegt werde, sei ihm gleich. Jedenfalls gehöre der Reillveg nicht direkt neben den Bürgersteig. Fußgänger hätten oft darunter zu leiden, daß ihre Kleider von den Hufen der Pferde nut Schmutz beworfen würden. Stadtv. Schmal! hält die Anlage links für unpraktisch, gefährlich und überflüssig. Stadtv. Heichelheim unterstützt das, was Beig. Georgi gesagt hat. Tie Mstimmung ergiebt, daß die Majorität den Weg rechts beibehaltan will. Mehrere Verträge bezügl. Geländeaustausches am Riegelpfad, an denen das städt. Hospital beteiligt ist, werden genehmigt. Ter Verkauf von städtischem Gelände in der Neustadt für 1000 Mk. an Phil. Wagner wird genehmigt. Der städt. Kanal wird unter dem Grundstück bleiben dürfen und wird zugänglich für die Stadt bleiben. Ein kleiner Ge- länbebcrtauf an Heinr. Arnold II. kommt gleichfalls zu stände. Danach verliest Oberbgm. Mecum ein vom 20. Mai datiertes Gesuch des Gastwirts Ferdinand Har- nickel, der den Bürgersteig vor dem „Kaiser- h 0 f" i n der S ch u l st r a ß e etwa zur Hälfte zum Wirt- fchaftsbetrieb benutzen will. Er beansprucht das nur vom Mai bis Oktober und will hübsche Pflanzenkästen aufstellen. Gegen eine Gebühr von 20 Mk. beantragt die Baudeputation, dem Bittsteller zu willfahren und ihm die Benutzung des Bürgersteigs für ungefähr 2 Meter Breite zu überlassen (6 Meter ist der ganze Bürgersteig breit). Tie Versammlung erklärt fitf), damit einverstanden. Tie Verhandlung des nächsten Punktes der Tagesord» nung ergiebt, daß die Stadt die Verpflichtung der Unterhaltung des Erbbegräbnisse sder Karl Faber Witwe übernimmt. Zu Punkt 16 der Tagesordnung: 111 f r a f 11 r ett e n ber ^riedhofs- und Begräbnisordnung, beantragt die Friedyofskommission, am 1. Juli 1903 die Bo ftinunungen in Kraft treten zu lassen, derart, daß diejenigen Personen, die vor Ablauf des 30. Juni sterben, auf dem alten, die nachher sterben, auf dem neuen Friedhof beerdigt werden. Tic Stadtverordnetenversammlung nahm das an. Tann standen noch einige andere Anträge der Kom mission, darunter der um Herstellung von 20 Einfassungsgräbern mit einem Kredit dafür von 1200 Mk. zur Beratung. Tie Herstellung der 20 Einfassilngsgräber wurde genehmigt. ^Stadtv. Krumm stellt fest, daß, wenn er in her letzten Sitzung anwesend gewesen wäre, er die hohen Gebühren nicht bewilligt haben würde. — Tie Stadtv. Heichelheim und Kirch berühren die Pcrsonalftageder Leichenbesorgungen, wobei sie anfragen, ob ftch hier nicht Gelegenheit biete, dem Kassierer der Invalide,iverficherung Schwan, der feine Stelle verloren hat, da die Beiträge jetzt von der Ortskrankenkasse erhoben werden, eine neue Be^ schästtgung zu geben. Oberbgm. Mecum erwidert, daß das vorhandene Personal ausreiche, um alle dem städti- Ichen Dienste obliegenden Arbeiten auszusührcn. Stadtv. Kirch meint, der Leichenwärter oder die Leichenfrau sei un- geeignet, mit den Angehörigen eines Verstorbenen über die ..caßnahmen zur Beerdigung zu verhandeln und zu beraten. ^azu gehöre ein ruhiger, älterer, dazu besonders geeigneter Mann. Stadtv. Löber empfindet es im meiteren Verlaut ber Sitzung als höchst unangenehm, daß nach Beendigung der Beerdigungszeremonien, wenn die Leidtragenden oft noch das Grab umstehen, sofort in hastiger Weise das Grab zugeschaufeli würde. Cberbqm. -U ecu m antwortet, das fei vorgeschrleben und in anderen otaoten besorge man das ebenso rasch oder noch rascher, ^tadto. Krumm meint auch, man könne doch wenigstens 001111 noch .> oder 10 Minuten nut dem Zuschaufeln warten. Beig. Georgi wünscht, daß man bei Inkrafttreten der neuen FnedhofSordnung mit der Verhängung der borge- 1652, 1689, 1733, 1761, 1781, 5133, 5328, 7186, 7202, 7318, 9127, 9137, 9181, 9238, 9283, 9307, 9984, 10079, 8737, 8800, 9034, 9125, Gaskoks Gegenwärtige Preise Zu Mk. ab zins vergütet. Auö früheren Verlosungen find noch rückständig: Serie Serie 13, Serie Einlösung erfolgt in Frankfurt a. M. an unserer Kaste, auswärts bei unseren ■II. Wohlthätigkeits- H 5 - J. Stürmer, imkarfll jGeijeralageut,Laijgestr.lC I f. i 2395, 3679, 1,25 Mk. 1,25 Mk. 1418, 2197, 3572, 5054, 10468, 13417, 14739, 16644, 17567, 19316, 20672, 22348, 23179, 24685, 27275, 27907, 29831, 10475, 10502, 13511, 13599, 14888, 14923, 16651, 16791, 17641, 17723, 19327, 19352, 20771, 21070, 22379, 22389, 23628, 23750, 24772, 25169, 27359, 27373, 28085, 28132, 30135, 30140, 60042, 60067, 61813, 62155, 62994, 63460, 64522, 64591, 66501, 66597, 69101, 69257, 72747, 72755, 74112, 74133, 76421, 77274, 2905, 3002, 3172, 4201, 4286, 4657, 6727, 6832, 6948, 8456, 8500, 8653, und 1.60, 1648, 2292, 3645, 19, Tic = a 2515, 2549, 2591, 2646, 3694, 4010, 4147, 4170, 5398, 5951, 6244, 6371, 7327, 7512, 7730, 8132, 10755, 10835, 10998, 11158, 13615, 13680, 14214, 14426, 15015, 15339, 16008, 16152, 16904, 16918, 17203, 17277, 17756, 17783, 17830, 18333, 19418, 19446, 20157, 20218, 21149, 21195, 21229, 21230, 22429, 22639, 22707, 22765, 24107, 24118, 24128, 24188, 25437, 25811, 26162, 26775, 27407, 27433, 27476, 27561, 28318, 28351, 28911, 29017, 30337, 30424, 30654, 30720, 60355, 60531, 60993, 61044, 62322, 62481, 62482, 62592, 63505, 63797, 63813, 64093, 64881, 64891, 64936, 65091, 66673, 66714, 66840, 67095, 69357, 70093, 70587, 70712, 72843, 73008, 73050, 73207, 74343, 74429, 74623, 74743, 77730, 78025, 78042, 78116, 1054, 1062, 1093, 2062, 2108, 2109, 3201, 3303, 3565, 4930, 4944, 5018, 7011, 7053, 7144, 10128, 10130, 10188, 10227, 11424, 11685, 12351, 13096, 14654, 14680, 14697, 14704, 16463, 16540, 16625, 16627, 17339, 17353, 17414, 17542, 18361, 18802, 18937, 18992, 20264, 20285, 20452, 20504, 21236, 21373, 21781, 21864, 22858, 23037, 23089, 23123, 24271, 24278, 24286, 24511, 26826, 26836, 26865, 26912, 27637, 27752, 27760, 27893, 29262, 29552, 29649, 29792, 6 S 30789, 30833, 30841, 30859, 30893, 61172, 61307, 61503, 61669, 61765, 62646, 62680, 62767, 62775, 62901, 64190, 64195, 64214, 64317, 64458, 65170, 65472, 65669, 65779, 65917, 67185, 67446, 67529, 67955, 68220, 70909, 71409, 71516, 72200, 72312, 73286, 73473, 73573, 73821, 74088, 75226, 75606, 75889, 75911, 76148, ä. Mk. 1.—, 1.20, 1.40, 1.50, Verkaufsstellen in Gießen bei: Ehr. Bieker, Neustadt 55. Emil Bcudcr, Wallthorstraße. L. Nalthos, Wcstanlagc. No. 6343, 10538. , 2375, 18635. 13304, 16227, 16237, 18889. , 8038, 9740, 10091, 17053. 688, 9979, 12320, 16059, 16214, 17990, 18413. zum Preise von 5000 Mk. oder auch in Teilungen vergeben solle. Beig. Georgi meint vom finanziellen Standpunkt aus, man werde die teuren Plätze nickt los werden, wenn man sie nicfyt geteilt vergebe. — Stadtv. Haubach erörtert die technrschcn Schwierigkeiten, die ihn bestimmt hatten, in der Bauder» ul orion vorzuschlagen, man solle es dabei lassen, die Grüften der oberen Säulenteilung nicht mehr zu teilen. — Beig. Georgi meint darauf, man könne ia die Sache von Fall zu Fall behandeln, um sich zwei Lege offen zu lassen. schließlich wird über zwei Anträge beraten: den der Baudepulation, der nur Pta he für 6 Särge vorsieht und den andern Antrag, auck Platze für zwei Gräber für den Preis von 2000 Mk. abzugeben mit Vorbehalt besonderer Vereinbarung. Nachdem Stadtv. Dr. Gas fky aus ästhetischen Gründen für den Antrag der Bau- deputation eingelreien war und noch verschiedene Redner für und wider gesprochen hatten, wird die Frage im Sinne des zweiten Antrages, nicht der Baudeputation, entschieden. Tic Verlegung des Stadtringgrabens von der Ltcinstraße bis zum Walltor in die Nordanlage und vom 25923, 61534, 71753, 79164, 100380. 67744, 102135. 23558, 66474, 78086. 22234, 26565, 27756, 64029, 64811, 65624, 102135. Henkels Bleich-Soda Bei Entnahme von mindestens 200 Zentnern: Ltückkoko.......1,— Nußkoks Nr. 1.....14& Nußkoks Rr. 2.....1,15 Statt. Schlachthaus. Freibank. Morgen La ins tag: (Sflüljrutü ©djftuflJJtlJPfg Attaj! MffW Ziehung bestimmt 20, Juni 1903. Fvankfuvtev Hypothekenbank Pfandbrief-Derlofung am 6. Zuni 1903. Bei der am 6. Juni 1903 vor Notar stattgehabten Verlosung sind von unseren 31/, % Pfandbriefen -er Serien 12, 15 nn0 1<) die folgenden Nummern zur Rückzahlung auf den 1. Oktober 1903, mit welchem Tage die Verzinsung endigt, gekündigt worden. Ls beziehen sich diese Nummern auf sämtliche Literae, also auf alle Stücke, welche ciue der Nummern tragen. Kalk- uni) MmiMiveck, Ilmpsjiegelei Aag. Gabriel jr«, Gletzeu. 676 Masse« Fabrikation- Bahnanschlüsse. Werke: Abeudlleru. HeMas PerstchkrW dcrGräsl.LberförstereiArnsburg. Donnerstag d. 18. Juni, beginnend 9 Uhr vormittags im Kloster, sollen die Wiesen der Gemarkungen Arnsburg und Kolnhausen in Losen von 1 bezw. 2 Morgen nach näher bekannt zu gebenden Bedingungen auf 9 Fahre verpachtet werden. Anfang für Kolnhausen gegen 10 Uhr. [4676 78151 78834, 78905, 79315, 79367, 79747, 100169, 100207, 100346, 100845, 101254, 101590, 101640, 101853, 102028, 102509, 140099, 140156, 140401, 140877, 140937, 141152, 141628, 141681, 141867, 142060, 143221, 143323, Stück-KokS ...........- Nuß-Noto, ausschließlich trocken gelogen, m zwei verlchtedcucn Korngrößen iür Stubenheizung und nrr weite und enge O i ens ch ä ch te passend zerkleinert: . Größe Rr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracü, gang- 12, Lit. N. . , o. . , P- , , R. , , Q. (£. G. zUcinhcun, Bahnhofstraße. Tragcscr & Mayer, Grünbergerstr. In Lich bei: A. Bing. In Lollar In Krofdorf bei: H. Rinn. Donnerstag, d. 23. Juli 1903, nachmitags 3 Uhr, werdcii die den Karl Wilh. Aloys Horn Eheleuten in Gießen zu- slehcndeu Parzellen der Gemarkung Gießen 1/566 — 75 qm Hofraüe aus dem Kreuz, 1/568 = 150 qm Hofraum daselbst auf hiesigem Onsgerichl meist- bietenb versteigert werden. Gießen, den 9. Juni 1903. Größt). Lrtsgericht Gießen. Gros. 4671 Die Rückzahlung dieser heute gekündigten Pfandbriefe erfolgt vom 1. Oktober 1903 ud Auf solche Stücke, welche erst nach dem 31. Oktober 1903 zur Einlösung gelangen, wird für die Zeit vom 1. Oktober 1903 ab bis auf Weiteres em 2% iger Teposital- No. 237, 337, 349, 500, 625, 652, 728, 779, 858, 863, 875, 906, 914, 956, 1039, 1818, 1986, 2002, Für Koksabnehmer, welche zwei und mehr Toppelwaggon» beziehen, ermäßigt sich der Preis um iveiterc 5 Psg. für den Zentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Zentner berechnet. , , „ _ NB. Sofern das Verbringen der Koks — bis zu 6 ZenMern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall :c.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk nudel nur ein Vertatst von über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klemerkaus der Gaskoks von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Bacheuhcimer * Schaumberger, Marburgerstraße 22, Andreas Euler, Steinstraße 11, Joh. Fischer, Aliceftraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 34, Gebr. Kahl, Frantiurterslraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, (bmil Lotz, Kirchenplay 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, V August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenslehende Preise unserer GaSkokS samt Ansuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Diengen unter 5 Zentnern. Die Preise unserer Gaskoks für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßige« sich um den Betrag der Lktroirückvergutuug von 4 Pfg. tür den Zentner. 63 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. sehen en Strafen nicht allzu rasch vor gehen mxfrge. Cberbgm. Mecum erwidert darauf, daß auch er gern bereit wäre, nicht zu zahlreich von Anfang die Strafen zu verhängen, daß er aber leider für eine entsprechende Anordnung nicht zuständig sei, da dies zu den Befugnissen des Amtsgerichts gehöre. Er hoffe jedoch, daß dieses oen eben geäußert^ Wünschen Rechnung tragen lverde. Stadtv. Tr. Gas fky meint, das mUde Verfahren dürfe nicht auf solche Verfehlungen angewandt werden, die an sich einen Widerstand gegen die neue Ordnung bezwecken. Lbcrbgm. Mecum ist derselben Ansicht. — Auf eine Anfrage des Stadtv. Hanau bemerkt Lberbgm. Mocum, die Drucklegung der Friedhofsordnung sei unter den hiesigen Druckereien ausgeschrieben. — 8 6 der Polizeiverordnung zur Friedhofs- ordnung, der eine Geldstrafe bis zu 30 Dtt vorsieht, wird dahin abgeändert, daß nur Geldstrafen bis äu 17 Mk. vorgesehen werden. — Tas Fahren der Leichenfuhren wird an Ludw. Euler vergeben. — Ern längere Debatte en l spinnt sich bei Erörterung der Frage, ob man die Grüften der oberen Säulentcilung ungeteilt als Plätze für 6 Grabstätten m ■■ P5> in Packeten mit vollem Firmen - Aufdnick M. Zuntz sel. Wwe., Kgl. ic. Hofl., Bonn, Berlm, Hamburg. Walltor bis zum AuSgerinne in die Ostanlage, Süd- und Westanlage wird genehmigt Dann macki Lberbgm. Mecum Mitteilungen über die Bersammlnng, die zur Förderung der L ah n kan alt sa- tion in Limburg getagt hol, was un'eren Lesern schon bekannt ist, und beantragt, die Ltadt alS solche solle Mu- glied des neu gebildeten Vereins werden, was genehmigt wurde. . .. Zu den Punkten 19 und 20 der Lngesordnung, dtc ein Gesuch des Gastwirts Lkalitzky um Erlaubnis zur Vergrößerung seines Wirtschaftebetriebes in der Plockstraße, und ein Gesuch des Jakob Best um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbelricb int Hause Bahnhofstraße 34 betrafin, wurde von der Kommission die Bedursnissrage bejaht. -tic Gesuche wurden von der Versammlung genehmigt. Damit war die Tagesordnung der össenllichen Sitzung erschöpft. Siadtv. Dr. Gasfkh bemängeltJ)ie Zustaitde auf der Schifsenberger Ehaus ec, wobei ihm Stadtv. Hau- bach zustimmt, worauf Lberbgm. Mecum erklärt, er »volle sich erkundigen, was dagegen zu tun sei. ftpzzi putzt am schönsten alle Metallgegenstände. Für den Zentner ob Verkaufsstelle: 1,10 /, Kilo. Frau M. I- Rühl. F. M. Schulhof, Atarktstraße. R. Schlabach Rachf., LudwtgSplatz. Chr. Schocuhals, Nordanlage. Fof. Sccler. 4140 Fulius Bräutigam, Bleichstraße 21. bei: 'M. Zimmermann; H. Geißler VI. In Steinbach bei: H. tträmer 1. 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