513 »Utz gträct ' ein 4 Mona/e altes werden liebevolle gesucht. Zu ex- Neustadt 5". t-Kureau chmüller dort a. H. l. Telefon 6208. |ung von Pa- tr.'Musteru und heu re. in allen er Welt. - Btr- rechuischt und Huugöardeüeu sprachen). |22M ntzkuuft kostenlos. Dienstag IS. Mail SOS 158. Jahrgang Erstes Blatt. Beran tüt em. den polti. TeU: P. IBUtto: tüt .Stadt und tlantr und ®end)t«1aale: tluau^ Götz i füx den «!»• gelflcnletl: Han« Beck. totefle für Depef chen: Anzeiger etcfcnu 5mt1prrd)anld)lu6 Nr. 5L Graf-Regenten in der Ltppe'schen Erbfolgefrage. Damals chuf der Meiningensche Landtag einstimmig ein Gesetz, welches bie (8>e Kes Prinzen Friedrich mit der Gräfin Adelheid zur Lippe-Biesterfeld ausdrücklich als standes- gemäb anertannt yd; und deren Kindern die Successions- lerechtigurrg im Herzogtum zusprach. Herzog Gcora, welcher ruher jedes Jahr am Geburtstag des Kaisers Wilhelm I. n Berlin weilte, welcher als der Ersten einer von den Gestaden des CornoseeS nach Berlin eilte, als der alte Kaiser tarb, welcher darauf in kurzer Zeit zweimal seinen Besuch n Berlin wiederholte, um dem ihm innig befreundeten Kaiser Friedrich die letzte Ehre zu erweisen, und der Eröffnung des ersten Reichstages unter der Regierung Wilhelms II. beizuwohnen, ist seit einem Jahrzehnt jeder Begegnung mit dem deutschen Kaiser aus dem Wege gegangen, und hat Berlin nicht wieder besucht. Dabei aber ist er der deutschesten Fürsten einer, und in feinem Lande hoch, geachtet und aufrichtig geliebt." Nr. HO Erscheint täglich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffilchea Landwirt die »ietzener Kamille» blätter viermal tn der Woche deigelegt. No ia Non« druck tu Verlag der vr üblich« U.nwers.-Vuch- u-Stein- druckerei (Piellch Erden» ÄHxiftton, »rpebUlo* Bezahlung der deutschen Rellanuitionen. Danach soll die Frage, ob Deutschland, Großbritannien und Italien auf die bevorreckstigte oder gesonderte Behandlung bei Bezahl- ung ihrer Reklamationen gegen Venezuela Anspruch haben, dem Haager Schiedsgericht zur endgültigen Entscheidung unterbreitet werden. DaS Lchiedsgcriäft soll entscheiden, wie die von Venezuela zur Verfügung gestellten dreißig Prozent der Zollcinkünfte in La Guayra und Puerto 6a* belfo zwischen den Blokadeniüchten einerseits und den Übrigen Gläubigeimächten andererseits zu vertellen sind. Diese Entscl-eidung soll endgültig fein. Wird den Blockade- machten die bevorrechtigte oder gesonderte Behandlruig nicht gewährt, so soll das Schiedsgericht entscheiden, daß keine Macht eine bevorrechtigte Behandlung erlangt. Die Entscheidung soll endgültig sein. Der Kaiser von Rußland soll gebeten werden, ans den Haager Schiedsrichtern drei ru ernennen, um in diesem Falle ein -L-chiedsgericht zu bilden. Keiner derselben darf Untertan oder »ärger einer der Signatar- oder Gläubigermächte sein. Das Schiedsgericht soll am 1. September 1903 zusammen treten und feine Entscheidung ab da binnen sechs Monaten abgeben. Tas Verfahren soll in englischer Sprache geführt werden, doch können mit Genehmigung des Schiedsgerichts Ausführungen auch in anderer Sprache gemacht werden. 2^rs Verfahren wird, soweit nicht das Adkommen anderes bestimmt, durch die Haager rwnvcntion geregelt. Auch über die Msten frage des Schiedsgerichts entscheidet das Schiedsgericht. Jede Nation, die Reklamationen gegen Venezuela bat, kann sich dem durch dieses Abkommen vorgesehenen Schiedsverfahren als Partei anschließen. Leide Abkommen sind Washington, 7. Mai, datiert und von Speck v. Sternburg und Bowen unterzeichnet. Der Meichsauzeiger" bemerft noch, die Interessenten werden möglichst bald die die Schadenersatzansprüche betreffenden Eingaben unmittelbar an den kaiserlichen Gesandten ui Caracas zu richten haben, wobei die einzelnen Ansprüche genau zu begründen und die erforderlichen Beweisstücke beizufügen sind. c . Es ist nur zweckmäßig, daß dem Schiedsgericht eine Grenze für seine Beratungen gesetzt ifc denn sonst könnte der Beschluß, bei der bekannten Schwerfälligkeit der Ver- handluiigen im Haag, wer weiß wie lange auf sich warten lassen, zum Nachteil der Gläubiger Venezuelas. Ohnehin wird das Schiedsgericht viel Arbeit haben. Hoffentlich können die deutschen Ersatzsorderndeii am Schluß mit mehr Berechtigung sagen: Wir haben erreicht, was wir wollten. Die Zudeuhetze in Sischiuew. Ein Rundschreiben des russischen Ministers des Innern an die Gouverneure, Stadthauptleute und Obervolizei- ; meister entwirft von der Judenhetze in Kischinew folgendes Bild: Bei den Unruhen, deren Urheber vorzugsweise einfache Leute waren, wurden 45Perfonen getötet, 74 schwer Ve»«g»pre»»r mcmalncd «k>P1., vierter- |ät)rtid) Mt. 2.80; durch Abdole. u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch biePost Alk. 2.— viertel- jährl. auS|d)L Bestellg. Annahme von »nzelge« -ür die TageSnummer ?tS vormittag« 10 llhr. Zetlenvrei«: lokal 12 Pt^ ausiväri» 20 Pfg. Politische Tagesschau. Der Rücktritt bei Erbprinzen Bernhard von Sachsen-Meiningen vom Kommando dies sechsten Armeekorps wirft zugleich neue» Licht auf die gespannten Beziehungen, die feit längerer Zeit zwischen Berlin und Meiningen herrschen. In einet Meininger Korrespondenz der „Augsb. Abendztg." wird zunächst daraus hingewiesen, daß die Rücktrittsabsicht des Erbprinzen nid)t von den letzten Monaten datiert; auch fei es in eingeweihten Kreisen kein Geheim» nis, daß das Verhältnis derErbprinzesfinChar- lotte zu ihrem Bruder (dem deutschen Kaisers schon feit Jahren nicht mehr so herzlich und innig wie früher sei. Tann heißt es weiter: „Schon un vorigen Jahre war Erbprinz Bernhard nahe daran, fein Abschiedsgesuch einzureichen, die Angelegenheit fand aber, wie man sagt, durch Vermittelung des Königs Albert von Sachsen ihre Beilegung, trotzdem auf die Dauer dieses Verhältnis unhaltbar schien. Es kam am efiatanteften zum Ausdruck, als Kaiser Wilhelm im ooriaen Jahre zum Jagdaufenthalte in Schlesien weilte, und bei dieser Gelegenheit sein Äuraffierrcgünent in Breslau auf einige Stunden besuchte. Damals fiel es allgemein auf, daß der Erbprinz und die Erbprinzeffin sich wenige Tage vor Ankunft des Kaisers nach Schloß Erdniannsdorf begaben. Wie verlautet, beabsichtigt das erbprinzliche Paar, zunächst eine größere Auslandsreise anzutreten, und dann dauernd seinen Wohnsitz in Rteiningeil au nehmen." Die Zuschrift kommt dann auf die Verhältnisse am Meininger Hof zu sprechen. Bckannllich iß Her^oa Georg morganatisch mit der Freifrau v. Heldburg, geb. Ellen Franz, einer ehemaligen Bühiienkünstlerin, vermählt. In der Zuschrift wird aber betont, daß feil Jahren das beste, ja sogar freundschaftlichste Verhältnis zwischen dem erbprinzlichen Paar und der Ge- mahlin deS Herzogs bestehe. Meinungsverschiedenheiten über die etwaige sJiangorbnung tonnten in Meiningen nicht in Frage kommen, und seien auch bei den wiederholt in den letzten Jahren dagewcsenen fürstlichen Besuchen nie in Frage gekommen, da der Herzog feiner Gemahlin den Rang nach den Prinzess innen deS herzoglichen Hauses verliehen habe. Zum Schluß wird über die seit Jahren bestehende Spannung des Herzogs Georg mit Kaiser Wilhelm II. gesagt: „Die Spannung ist auf den nach dem Regierungsantritt des Kaisers an gefügten Antrittsbesuch desselben am fUieininger Hofe zurückzufuhren, welcher fast m letzter Stunde, nachdem Ho, und Land sich schon ungeheure Kosten verursacht hatten, wegen Etiketteschwierig- teiten abgesagt wurde. Ter Herzog reiste noch am selben Abend mit seiner Gemahlin nach England ab. Tiefe Spannung mag später noch ihre Verschärfung erfahren haben durch das enychtedene Eintreten des mit dem schäum- burg-lippeschen Hause fasst ebenso nahe wie mit dem Graf- giegenten von Lippe-Detmold verwandten Herzogs für den GiehenerAnzeWk General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Abkomme» -wischen Deutschland und Venezuela. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Abkommen zwischen Deutschland und Venezuela über die zur Feste Wellung der deutschen Reklamationen berufene gemischte Äammission. Hiernach treten die von der deutschen und der venezolanischen Regierung zu ernennenden Mitglieder der Kommission am 1. Juni in Caracas zusammen. Der vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zu ernennende Obmann tritt sobald als möglich in die Kommission ein, spätestens am L Juni. Die Entscheidung der Kommission Über die Reklamationen sollen auf der Grundlage der vollkommenen Billigkeit, sowie ohne Rücksicht auf die Ein- Wendungen technischer Art oder auf die Bestimmungen der Landesgesetzgebung erfolgen. Die zuerkannten Einschädigungsbeträge müssen angegeben werden als zahlbar in deutschem Golde oder dem ivegenwert in Silber, wie sich solcher zurzeit der effektiven Zahlungen in Caracas stellen wird. Tie Reklamationen sind bei der Kommission von dem deutschen Gesandten in Caracas bis zum 1. Juli anzumelden. Tie Frist kann von der Kommission verlängert werden. Dae Kommission hat über einzelne Reklamationen binnen sechs Monaten nach deren Anmeldung und, jo fern das deutsche und das venezolanische Mitglied sich nicht einigen, binnen sechs Dlonaten nach der Zuziehung des Obmannes zu ent- cheiden. Tie Kommission ist verpflichtet, vor der Ente cheidung das chr vom deutschen Gesandten in Caracas und der venezolanischen Regierung vorgelegte Beweis- material, sowie mündliche und schriflliche Ausführungen etwaiger bevollmächtigter Gesandten oder der Regierung entgegenzunehmen und einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen Der „Reichsanzeiger" Derbff entlieht ferner das Abkommen zwischen Deutschland und Venezuela über die schiedsrichterliche Entscheidung gewisser Fragen wegen der Akklherr Justus v. <^üßig. sEt quo te cannine dicam?“ Q. HoratioB Flaccae. ftlebersetzung deS Motto« au« P. Virgiliu« Maro; „Und welch ein Lied soll ich wech'n brr?*) Wie soll ich singen LrebigS Ruhm? Ist Weltruhm nicht sein Eigentum? Schaut seinen Glanz! Em prächfger Siern, Wie wen'ge prangen, nah' und fern, Gin Stern voll Licht, voll Schwung und Straft Am Himmel hehrer Wissenschaft! Hell strahll sein herrlich Geisteslicht, Der bleiche Neid verdunkellS nicht. Und merkt auch wohl em feindlich Äug', Em ArguSaug' manch' Fleckchen b'ran: giun, das ist auch bei Sonnen Brauch, Doch preist und ftaunt die Well ihn an. ©ar manche neue Bahnen brach Sein Geist, wo alles wüst noch lag. Schnell wuchs durch ihn des Wissens Reich, Ward manche Nacht dem Tage gleich. Sem Licht durchhellet die Natur, Bricht sich in tiefsten Tiefen nur. Em erster Stern im Wissensfeld, Füllt so mit Recht sein Lob die Wett; So dürst' eS selbst Apoll nicht scheu'n, Dem GenmS ein Lied zu wech'n. — Doch seht, was blinkt und flimmert da Rmgs um den Stern, bald fern, bald nah? Seht chr den großen, bunten Schwarm? — Es sind — Trabanten sonder Harm, Es sind gar kluge Sternelein: Zu leuchten auch — in fremdem Schein, Zu schinimern — in erborgtem Glanz, Umtanzt den Stern der Treuen Kranz. Was Wunder auch? Em mächfger Stern Umgiebt sich mit Trabanten gern; Ein reicher, ein gewalt'ger Mann Hai manchen auch im Dienst und Bann; So wird denn auch ein hoher Geist Von kleinen Geistern gern umkreist. •) Tas vorstehende Gedicht stammt aus der noch ungebrudicn Gedichtsammlung (aus der Zell 183Ö m s. ro.) des verstorbenen Professors der Medizin Dr. I. B. W e 11 e r hier. als Nahrungsmittel gestritten worden. Es erscheint undenkbar, daß Liebig gesagt habe, sein Fleischextrakt tonne das Fleisch ersetzen, denn er hat bei der Anweisung zur Herstellung angegeben, daß in dem Extrakte, damit es haltbar sei, weder Eiweiß körper noch Fett sich finden dürfen. Man zählt das Fleischextrakt einstweilen ruhig zu den Genußmitteln. Ebenso originell wie die Entdeckung ist auch die praktische Ausführung derselben. Es war Liebigs Lieblingsidee, das Extrakt in Gegenden bereitet zu sehen, wo Vieh und Fleisch bis dahin fast wertlos gewesen, wie in Südamerika, dessen riesige Viehherden nur zwecks der Gewinnung der Häute gehütet und geschlachtet wurden. Dieser Wunsch ist in großartigster Weise in Erfüllung gegangen. Als erste Fabrik entstand in Frah- Bentos das ausgedehnte Etablissement, welches noch heute die verbreitetste und beste Marke führt. Man kann es dem Erstnder nachfühlen, daß, wie er sagt, von all den vielen fteudenreichen Stunden seines Lebens selten eine reiner und größer von ihm empfunden fei, als die, in der er die erste Büchse von Fleischextrakt aus Fray-Bentos erhalten! Eine weitere bedeutsame Entdeckung liegt darin, daß Liebig zuerst den Unterschied zwischen Mutter- und Kuhmilch auffand. Tas schwer lösliche Stärkemehl vn- ivandelte er durch Behandeln mit Malzaufguß in leicht löslichen Zucker und ersetzte durch einen Zusatz von Äalv salzen dasjenige, was der Kuhmilch gegen die Muttermilch Bon der größten Bedeutung sind die in der „Agrikultur chemie ausgesprochenen Lehren für Ackerbau und rationelle Landwirtschaft. Die Landwirte wehrten sich allerdings eine Zeitlang auf das heftigste gegen die Einführung der von Liebig eindringlichst empfohlenen Mine- raldünger, rote sie es fünfzig Jahre vorher in ähnlicher Weise gegenüber den Vorschlägen des großen Landwirts und Tierzüchters Albrecht T h a e r getan hatte. Der Landwirt wollte nicht glauben, daß ein Mann, der nie praktisch in der Landivirtschaft tätig gewesen, ihm Lehren geben könne. Um aller Welt das Gegenteil zu beweisen, erwarb Liebig in der Nähe Gießens eine öde Stätte, auf der nicht einmal Grashalme aus Mangel an Nahrung wachsen konnten. Tieses Stückchen Land, das heute als die in schönem Gartenscr/mucke prangende Lie- bigshöhe iedem Gießener wohl bekannt ist, behandelt er mit Mineraldünger, und saftiges Grün wurde dort alsbald sichtbar. Liebig befreite die Landwirtschaft von ihrem bisherigen rein empirischen Zustande und kennzeichnete als erster den sogen. „Raubbau". Durch jahrhundertelangen Länder, sind Griechenland, Jtai.an und Sizilien, einst die Kornkammer Roms, unfruchtbar geworden. In der Verarmung des Ackers, in feinem Bedürfnis nach Ersatz für K««: it »".Wie d'k «fl? iger5 lirezcOllM VsÄS-« Doch wie nicht Eme Sonne bloß Im Weltraum glänzt, nein, schön und groß Noch viele steh'n in Gottes Land, Wie sie umschlingt ein festes Band, So hier: Es giebt noch mehr Hero'n, Und ihre Freundschaft »st fein Lohn. Justus von Lieöig. (Geb. 12. Mai 1803 zu Darmstadt — fleft 18. April 1873 zu München.) Schluß. In engem Zusammenhänge mit den Forschungen über die Ernährung des Tierkörpers stehen zwei wichtige Entdeckungen, die Liebig der Menschheit hinterlassen hat, das Fleischextrakt und der Ersatz der Muttermilch. Ersteres ist nacb uiid nach über Die ganze Welt verbreitet und hat den Erfinder dadurch zu einem der populärsten Männer gemacht. Dennoch ist viel über den Wert des Extraktes rrm> 3do mrrrtcr verleg. Gegen 700 Inden gehörige Häuser und 600 Ges ch ä ftslokale wurden geplündert. Die Unruhen^find bervorgerufen durch das tzugespitzte Verhältnis zwischen den Christen und Juden Bessarabiens. Gerüchte über angebliche Ritualmorde km Gouvernement Cherson, in Kiew und Kischinew veranlaßten das Gerede, es müsse gegen die Juden losgegangen werden. Geschriebene Aufrufe dazu wurden verteilt. Den direkten Anlatz zur Judenheße gab am Ostersonntag-Nach- mittag die Mißhandlung einer Christenfrau durch einen jüdischen Karusselbesitzer. Die Diente warf Steine gegen die benachbarten Judenhäuser und durchzog dann verschiedene Stadtteile, überall jüdische Häuser und Verkaufsbuden zerstörend. Am Ostersonntag wurden bereits 9 Juden getötet. Am nächsten Morgen überfielen Juden auf dem neuen Bazar Christen. Ein Christ wurde durch einen Schuß von jüdischer Seite getötet. Darauf erneuerten sich die Unruhen. Tre die Stadt durchziehenden Militärpatrouillen erwiesen ich als ungenügend. Neue Truppenkommandos wurden herbeigerufen und die Aufrechterhaltung der Ordnung der Militärobrigkeit übertragen. 'Nachdem die Truppen planmäßig auf die einzelnen Bezirke verteilt waren, hörten die Unruhen am Abend des Ostermontags aus. Tie Vorgänge in Kischinew riefen an vielenOrten »es Reichs Unruhe hervor. In einigen Städten begannen sich Judenvereinigungen zur Selbstverteidigung zu bilden. Auf die Erhebungen des Tirektors des Polizei- departements wies der Kaiser den Minister des Innern an, den Chefs der Gouvernementsstädte einzuschärfen, daß ihnen unter persönlicher Verantwortung zur Pflicht gemacht werde, Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Gewalt- lättgkeiten zu treffen, um die Bevölkerung zu beruhigen. Tas Rundschreiben des Ministers des Innern weist darauf hin, daß die Bildung von Vereinen zur Selbstverteidigung unzulässig ist und daß die Zivilbehörde bei Unruhen ihre Obliegenheiten nicht an die Militärbehörde abgeben dürfe, sondern Has gemeinsame Vorgehen der Truppen und der Polizei leiten müsse. Die Vertreter der Zivilbehö-vde dürfen die persönliche Erteilung von Anordnmrgen erst einstellen, wenn die Truppenkommandeure zum Wafsengebrauch aufgefordert haben. Ter amtliche russische Bericht bestätigt leider nur zu sehr die Meldungen von oen unerhörten Ereignissen. Das alles ist doch nur möglich gewesen durch eine unerhörte Saumseligkeit der Behörden, die fast wie eine Begünstigung der Hetze aussieht. Bei Studenten- und Bauern-Unruhen sind Militär und Polizei, wie man weiß, außerordentlich prompt zur Stelle, und es wird nicht das Mindeste versäumt, die Revolte zu ersticken und einer Wiederholung vorzubcugen. Kein Wunder, daß bei Versagen des behördlichen Schatzes die Juden Vereinigungen zur Selb st Verteidigung gebildet haben. Es fehlt nur noch, daß die Notwehr „für durchaus unzulässig" erklärt wird. Wahl-Bewegung. Hanau, 10. Mai. Der gemeinsame Zentralwahlausschuß des konservativen und nationalliberalen Vereins dahier teilt dem „Han. Anz." mit, daß zu den Versammlungen an den verschiedenen Otten des Reichstagswahlbezirks alle Wähler der bürgerlichen Parteien Zutritt haben, die Sozialdemokraten dagegen für bie Folge ausgeschlossen sein sollen mit Ausnahme einer am 19. Mai dahier stattsindenden öffentlichen Wählerversammlung, wozu ihnen der Zutritt gestattet wird. Diese Maßregel wird damü begründet, daß die Sozialdemokraten in der Diskussion sofott das Wott an sich reißen und so eine Aussprache des Kandrdaten Dr. Lukas mit seinen Wählern vereiteln. Kirche und Schule. Karlsruhe, 10. Mai. Das Freiburger Ordinariat hatte im Auftrage des in Rom weilenden Erzbischofs für den heutigen Sonntag wegen der Freisprechung des früheren Pfarrers Schwarz durch das Mannheimer Schwurgericht in sämtlichen katholischen Kirchen Badens Sühneandachten vor ausgestelltem Allerheiligsten angeordnet. (Auf der Gegenseite veröffentlicht jetzt Pfarrer Schwarz unter dem Titel „Zum Kampf um den § 166* eine attenmäßige Darstellung seines Prozeffes als Broschüre, die vom „Neuen Frankfutter Verlags in Frankfutt a. M. verlegt wird.) Historische Äommisftou für Hessen und Waldeck. □ Marburg, 6. Mai. Die ö.Jahresversammlun g der historischen Kommission für Hessen und Waldeck fand am 9. Mai rm Senatsaale der Universität statt. Bon aus- wär lägen Pattonen und Mitgliedern waren erschienen die Herren Oberbürgermeister Tr. Antoni-Fulda, Museumsdirektor Dr. Boehlau-Cassel, Oberlehrer Dr. Buchenau- Weimar, Generalmajor Eisentraut-Cassel, F. von und zu Gitta-Gilsa, Oberbibliothekar Prof. Dr. Haupt-Gießen, Bibliothekar Dr. Jürges-Wiesbaden, Privatdozent Tr. Köhler-Gießen, Kreisamtmann Dr. Kranzbühler- Gießen, Oberbürgermeister Tr. 'Müller-Cassel, Generalsuper, intendent D. Werner-Cassel, Landesrat Frhr. Wolff zu Gudenberg-Cassel, Prof. Zimmermann-Hanau. — Der Vorsitzende, Prof. Frhr. v. d. Ropp, begrüßte die Erschienenen und gedachte zunächst der im verflossenen Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder der Kommission, des Direktor Dr. Ackermann-Cassel, dessen Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Sodann teilte er mit, daß Prof. Schroder infolge seiner Uebersiedlung nach Göttingen aus dem Vorstand der Kommission ausgeschieden sei. Zu Mitgliedern der Kommission wählt die Versammlung daraus die Herren Superintendent Wissemann in Hofgeismar, die Professoren Dr. Haller, Dr. Troeltsch Dr. Vogt und Dr. Wiegand in Marburg, sowie Archivassistent Tr. Knetsch in Wiesbaden. — Als neuen Patton hat die Kommission gewonnen Frhrn. Klettrschmit von Lengesew zu Lengefeld (Waldeck). Die Rechnung des Schatzmeisters, Geh. Archivrat Dr. Kövnecke, dem die Versammlung die Entlastung für seine Rechnungsführung erteilte, wies eine Jahreseinnahme von 6509 Mk. auf gegenüber einer Ausgabe von 1849 Mk. Ter lieber schuß von 4660 Mk. zusammen mit dem lieber trag der Rechnung von 1901/02 ergab einen Kassen bestand von 17 480 Mk., doch wird sich dieser durch die Unkosten der im laufenden Jahre bevorstehenden Veröffentlichungen alsbald wesentlich verringern, denn das Er- jdjeinen der dritten Lieferung des hessischen Trachtenbuches von Geheimrat Prof. Dr. Jufti steht unmittelbar bevor und der erste Band des Friedberger Urkundenbuches wird im Herbst ausgegeben werden. Ebenso eine Bearbeitung des am 17. Juli 1902 zu Seega am Kyfshäuser gehobenen äußerst wichttgen Münzfundes, zu dessen Herausgabe sich die historischen Kommis, ronen von Sachsen und Anhalt und Hessen und Waldeck vereinigt haben. Der Bearbeiter, Dr. Buchenau in Weimar, mackste der Versammlung unter Vorlage von bereits fertiggestellten Probetafeln nähere Mitteilungen über den Fund uiw dessen Umfang und Bedeutung. Der Druck des Fuldaer Ur kündend uches wird fortgesetzt und der je eines Bandes der hessischen und Waldeckscyen Chroniken im laufenden Jahre erft begonnen werden. Die übrigen Arbetten, über deren Stand der demnächst erscheinende Jahresbericht nähere Auskunft erteilen wird, sind zumeist richtig gefördert worden. Im Anschluß an Erörterungen über neu geplante Unternehmungen berichtet Direktor Dr. Knabe über die Tätigtest der Gesellschaft für >eutsche Erziehungs- und Schulgeschichte und fordert zur Mttarbett an einem demnächst erscheinenden Gruppenheft der „Mitteilungen" auf, welches speziell der Provinz Hessen-Nassau gewidmet sein soll. Geruh tslaal. Gießen, 1L Mai. Kriegsgericht. Gestern beschäftigte sich von vormittag 11 Uhr bis abends 7'/, Uhr das Kriegsgericht mit einer Anklage wegen schwerer Urkundenfälschung, die sich gegen den Feldwebel Banse von der 9. Kompagme des 116. Jnf.-Regts. richtete. Das Kriegsgericht war gebildet aus dem die Verhandlung fübrenden Kriegsgerichtsrat Obenauer -Darmstadt, Major z. D. M o r n e w e g , Hauptmann H o o s, den beiden Oberleutnants Dan und Giese, sowie dem Kriegsgerichts- schreiber Hanselmann - Darmstadt. Die Anklage vertrat Kriegsgerichtsrat Link- Darmstadt, während Rechtsanwalt Röm- h e l d die Verteidigung führte. Am 23. April verurteilte das Kttegsgericht einen Unteroffizier unserer Garnison wegen Mißhandlung, ttrtaubsüberschreirung und Nichkvetolgung emeS ihm vom Rundeoffizier erteilten Befehls zu 3 Monaten Geiängnis und Degradation. In dem von uns gebrachten Verhandlungsdencht fiel es allgemein auf, daß der Verurteilte, trotzdem er vor feiner Dienstzeit bereits wegen Körperverletzung zu 1 Jahr und 4 Monate Ge- längnis verurteilt worden war, als Unteroffizier überhaupt zu- aclasfen war. Tie gestttge Verhandlimg brachte über diesen Punkt Klarheit. Jener Unteroffizier war 1898 bei der 9. Kompagnie der 116er als Gemeiner eingetreten. Er wurde bei seinem Eintritt m die Mannsckafls-Stammrolle eingetragen und dabei in der betreffenden Rubrik von scmer Vorstrafe als Zivilist Vermett genommen. Als die Chmawirren ausbrachen, meldete sich der Mann als "Freiwilliger. Er wurde aber wegen seiner hohen Vorstrafe anfänglich zurückgewiesen. Er meldete sich wiederholt und hatte den Erfolg, daß man beim späteren Ersatz resp. einer nachgesandien Verstattung den Alaun mit- sandte. Ordmmgsgemäß enthielt das von der Kompagnie ausgeiertigte Natioiial die Vorstrafe. Von China als Ge- freiler zurückgekehrt, meldete sich dieser unter Einsendung seines militäriichen Passes bei der 9. Kompagnie und zwar schriftlich beim Feldwebel Banse als Kapitulant. Dieser empfahl ihn als einen tüchtigen Soldaten seinem Kompagmechef, worauf er auch eingestellt wurde. Es ersolgtc die Eintragung des Mannes m die Kapi- ttilanten-Stammrolle und zwar durch den Feldwebel Banse, der in der Rubrik Vorstrafen den Vermett machte: „keine." Auf Grund des neuen Eintrages wurde 311m Zwecke des Abschlusses der Kapitulation das Rational ausgeschrieben, in dem auch die Vorstrafe wegfiel. So brachte der China-Gefreite es zum Unteroffizier. Ter Angeklagte Banse erklärte gestern, als der 'Mann sich als Freiwilliger nach China gemeldet habe, habe er gewußt, daß jener eme erhebliche Vorstrafe im Zivilleben verbüßt habe, es sei ihn) aber diese Tatsache mit der Zeit entfallen. In der MannschaslS-Stamm- rolle von 1898, welche er zum Eintrag in die Kapltulanten-Ltamm- rolle benutzt habe, war, als er den Eintrag machte, die Vorstrafe des Mannes durchgeslrichen. Zwar war diese Berichtigung von dem Kompagniechef nicht unterschrieben, wie dies ordnungsgemäß geschehen muß, aber in der Eile des Uebertrages habe er nicht darauf geachtet; er habe aber fest geglaubt, die durchgestrichene Vorstrafe sei irrtümlich in die Stammrolle gekommen und darum berichtigt worden. Banse, dem von verschiedenen Seiten em geradezu glänzendes Zeugnis ivegen seiner Tüchtigkeit erteilt wird, erklärt, er habe den Strich nicht in der Stammrolle vorgenommen und iviffe auch nicht, iver sonst dies getan haben könne. In der sehr eingehenden Beweisaufnahme wird festgestellt, daß die Stammrollen bei dem vielseitigen Dienst der Feldwebel nicht fortgesetzt von diesen unter Schloß und Riegel gehalten werden können. Der Ankläger ließ zwar bie Anklage auf qualifizierte schwere Urkundenfälschung fallen, war aber doch der Ansicht, daß der Feldwebel der Fälschung einer öffentlichen Uttunde schuldig sei, und wollte den Fall mit einer Strafe von 14 Tagen Mittelarrest als gesühnt ansehen. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten aber frei und zwar aus der Erwägung, weil es ,00hl möglich sei, daß der Strich, der die Vorstrase m der Mannschafts-Stammrolle berichtige, auch von jemand anders gezogen fein könnte als vom Angeklagten und weil man dem Feldwebel Banse Glauben geschenkt habe, daß er in der Eile, in der er den Uebertrag bewerkstelligt hat, nicht darauf geachtet habe, daß der fälschlich m bie Stammrolle gekommene Strich die Unterschrift der Legalisierung nicht gehabt hat. Vermischtes. ' * Bonn, 9. Mar. Im Äorpshause der Saxonia wurde im vorigen Semester eine Reihe größerer Diebstähle ausgefuhrt. Der S L u l d i g e ist jetzt rn der Person eines Korpsbruders, des Frerherrn v. O., ermittelt worden. * Budapest, 10. Mat. Zwischen dem Ob ergespan Zoltan Desy und dem Redakteur des „Fuggellen Magyarorszag", Tesider Lorand, hat ein Pistolen» duell stattgefunden. Die Bedingungen lauteten auf 25 Schritte Distanz ohne Avance. Die Zielzeit war zehn (Ee- künden. Bei dem ersten Kugelwechsel blieben beide Parteien unverletzt. Die Parteien wechselten nun die Plätze. Bei dem zweiten Kugelwechsel schoß Desy zuerst, ohne zu treffen. Lorand trat hieraus, ohne von seinem Rechte, zu schießen, Gebrauch zßr machen, auf den Lbergespan zu und bat ihn, bp. der Verdacht, daß er auS Feigheit handle, ihn nicht mehr treffen könne, um Verzeihung für die An- griffe, die in feinem Blatte erschienen waren. Tie Parteien reichten sich dann zum Zeichen der Versöhnung die Hände. — fein Duell Visontai-Barta dürfte in den nächsten Tagen awogetragen werden. Gegen Schnupfen: Formau-Aethcr-Watle (Tose 30 Pfg.). die durch die Asck)enbestandteile der Ernte dem Boden ent* führten Stoffe beruhe die Bedeutung der Düngung. Diese Aufdeckung, welck)e für die Landwirtschaft eine so außerordentlich wichtige Tatsache enthätt, ist vielleicht Liebigs größte Sei [tun g. Er ist dadurch der erste wttlliche Agri- fulturdxmiter, der Reformator des Feldbaues, geworden. ES würde den Rahmen dieses Aufsatzes bei weitem überschreiten, wenn auch nur versucht werden sollte, einen Auszug aus den Liebigsck)en Ideen bezüglich der Reform der Landwirtschaft zu geben. Er hat die Landwirtschaft von dem HandiverkSmäsiigen, dem Rezepttum befreit und ihr neue Dahnen gewiesen. Die Feldkultur erfordert Einsicht in den Zusammenhang von Ursache und Wirkung; ferner werden durch nichts so viele zllnntnisse der Chemie in die unteren Schichten der Gesellschaft, in die ländlichen Kreise verbreitet, als durch die landwirtschaftlichen Aka- detmen, Ackerbauschulen usw. Durch die Uebenmljme einer chemischen Professur in Münck-en (1851), schuf er sich die Muße zur Fortsetzung und teilweisen Vollendung seiner Werke. Um seine und seiner Schüler Arbeiten sowie seine polemischen Streit schriften oeröffenllicheu zu können, schuf er sich ein Journal: „Annalen der Chemie", das später von den bedeutenden Cl)emilern fortgesetzt wurde und jetzt noch einen der wertvollsten Teile der Quellenliteratur bildet. TaS „Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie", von Liebig ui Gemeinschaft mit Poggendorf und Wöhler 1837 begründet, wurde erst 1864 beendet. Auch sein drittes literarifck)eS Unternehmen, Jahresbericht der Chemie", ist ein Wert von Ijeröorragcnbcr Bedeutung geblieben. 1853 wurde Liebig vorn König Maximilian II. zum Vorstände des Kapitols des MaximUianSvrdenS für Wissen- sck^aft und uunft und 1860 zum General konservator der wissensck)afttichen Sammlungen des bayrischen Staates ernannt Im Kampfe um die wissenschaftliche Wahrheit von rücksichtsloser ^djärfc und Leidenschaftlichkeit, war er im persönlichen Umgänge von bestechender Liebenswürdigkeit. Seine rastlose Dätigkeit beraubte ihn nicht, wie es so oft bei anderen großen Männern der Fall ist deS Genusses eines glücklichen Familienlebens. Aus feiner Che mit der Darmstädterin Henriette Molden Hauer suid mehrere Kinder entsprossen, von denen sich sein Sohn Frechere Georg von Liebig, Privatdozent ui München, durch die Herausgabe der Reden und AbhMidlungen seines Vaters du Verdienst erworben hat. Von emer lebensgefährlichen Erkrankung un Jahre 1870 genas der greife Gelehrte wider eigenes Erwarten. An äußeren Ehren hat es ihm nicht gefehlt. Lange Jahre hindurch bellerdete er die Würde des Präsidenten der Äöniglidjen Akademie der Wissenschaften in München, Zahlreich wissenschaftliche Gesellschaften und alle Akademien des In- und Auslandes rechneten es sich zur Ehre an, ihn zu ihrem Mitgliede ernennen zu dürfen, hohe Orden drückten ihm den Dank vieler Fürsten ans. So ist ihm das schon bei Lebzeiten zuteil geworden, was manchen anderen Heroen versagt blieb, trotzdem aber blieb Liebig stets der bescheidene, freundliche und hllfsbereite Mensch. AIS im Jahre 1873 die Wiener Weltausstellung ins Leben gerufen wurde, hatte die Generaldttektion Liebig das Präsidium ber Jury für die chemischen Gruppen zugedacht, allein kurz vor (Eröffnung dieses glänzenden Schauspiels raffte der Tod den berühmten Gelehrten dahin. Am 18. Apttl 1873 erlag er einem anscheinend unbedeutenden Unwohlsein. 1877 wurde ihm in Darmstadt ein Denkmal (Bronzebüste von Bersch) gesetzt. Die Deutsck-e Chemische Gesellschaft errichtete ihm im Verein mit seinen Freunden und feinen Schülern auf dem MaximilianSplatz in München eine 1883 enthüllte Mar- morftatuc (von Wagmüller) und am 28. Juli 1890 wurde hier in Gießen an der Oft an läge in Verbindung mit einer großartigen Feierlichkeit, zu der S. K. H. der Groß- herzog erfdjienen war und bei der der bedeutendste Sck-uler Liebigs, A. W. v. Hofmann, ein Sohn unserer Stadt, zum Ehrenbürger Gießens ernannt wurde, der 1873 Liebigs würdiger Nachjolger in München geworden war und später bis zu feinem Tode an der Berliner Universität als eine von deren hervorragendsten Leucksten wirkte, das sa-öne Standbild von Schaper ent- hüllt. Der „GieA. Anz." berichtete damabs hierüber in einer besonderen Festnummer. „Wo aber fände ich den Anfang, wo das (&iibe, unternehme ich es, in den wenigen Augenblicken, die mir gegönnt sind, den Umfang dieser fich über ein halbes Jahrhundert erstreckenden, allseitig ver- ziveigtcn Arbeit auch nur anzudeuten'? Ick) müßte Sie bitten, mich durch das ganze unermeßliche Reich ocr ck>cmischen Erscheinungen zu begleiten, denn in allen Seiten desselben Hai er unvergängliche Wahrzcick-en feiner dahn- bredjenben Wirksamkeit zurückgelassen./' So sprach damals A. W. v. Hofmann. Die Nachwelt Hai sein Erbe ange- treten, aber der Ruhm des bal)ubrechenden Forschers wird nicht vergehen, beim nne Platen (1822) in einem „An Justus Liebig" gerichteten Sonett fang: „Es ruh'n auf goidner, künftg« Zeit dis Stute." Gießen wird heute die 100. Wiederkehr des Geburtstages Liebigs in würdiger, festlicher Weise begehen und so einen Teil des Tankes abtragen, den die Universitätsstadt dem großen Lehrer schuldet. Vom alten Liebig erzählt uns ein Leser folgende Anekdote: In den vierziger Jahren kam ein Bauer nut einem Beutel voll Silbergeld nach Gießen, um feine Steuern zu bezahlen. Das Geld hatte er in einen Korb voll Eier gelegt. Ein faules Ei war unterwegs entzwei gegangen und das ganze Silbergeld war durch den Schwefelwafferstoff schwarz geworden. Tas schwarze Geld aber nahm der Steuerbeamte nicht an und wies das Bäuerlein schroff ab. Was tun? Das Bäuerlein fragt hin und her und erfähtt endlich zu seiner Freude, daß am Bahnhof im Laboratorium ein Mann sei, der schwarzes Geld weiß machen könne. Diesen Mann, es war Liebig, fand et auch und fragte, indem er ihm sein Leid klagte, ob er schmutziges Geld weiß machen könne. Liebig bejahte eS. Im Nu war von feinem Assistenten durch Waschen mit Säure das Geld weiß gemacht und die blanken Thaler erhielt der Bauer zurück. „Was fein ich schuldig?" fragte dieser. „Es kostet nichts", lautete die Antwort. „Nun, dann trinken Sie und Ihr Gesell (und dabei drückte er Liebig ein Sechskreuzerstück in bie Hand) wenigstens einen guten Schoppen." Der Gesell aber war der spätere Profeffor Will. Zum hundertjährigen Geburtstag JustuS v. L i e b i g s hat die.Wochcnschttft „T i e U m s ch a u" (Ueber- sicht über die Fortschritte unb Bewegungen auf dem Gesa mrgebict der Wissenschaft und Technik, Frankfurt a. M.) eine Festnummer erscheinen lassen, in welcher Tr. Hans Frecherr v. Liebig, sein Neffe, eine Schilderung des Lebens und Wirkens des großen Mannes giebt Tie Nummer bringt eine reiche Zahl von bisher unveröffentlichten Btt- dern und Handzeichnungen Liebigs, seiner Familie und seiner Arbeitsräume, darunter auch em von Liebigs Hand selbst gemaltes Aquarell. — Erwähnung verdienen auch die vorzüglichen Liebig-Aussätze in den neuesten Nummern der Zeitschrift „H e s s e n I a n d" und der „G a r te n laube" ■O E E O s CO o» c *-< o OJ» jO e» . E e - Q C 2 o 8.5 /=> ° a 5 CO *XQ C «TS jO 's -- ä-hr OS o U—Ä. ar» <-* e •£? E -» L) S - u> «o c — CD r- 09 3 o o N- « <0 c: 2 "S E «- XI Ä L E = — c X- s >6'4c? ■r *£^7 GZ 55 5 E ff >o >b E O> — ca •— rO E ^.»XT' «g •S ■C — O « 8gJ&® Z-^r- ►S' 'w ö E r-- :3 >—• So - S — x5 es o E V ^C_ ,CD 6» . 3 *2 O 8 e 7 2,® E *^-5'& m “5 i®S d “ •= •8****- v c»r> •£ d «•" y-) E -O c 2 4* 5 -L M E ® E mc L x ■O — ® *3 o X S g <3 A (•> ö ’S' E* G* *5 — ä E ü. E A tu o -— M c-. — E C O X® CD 3 "O N-b ai^T 53 c St «r> L »*■* A ssH o w O- X> X> E C . U» § o 2 o - D1 c o •* e3? C5 = X B s v I> f = ClE E ° s" ’S XZ 4-- Q 2.ts= s: E c>«'s,n c? = ^Q SRL X W-g Ä 3 s E c-> cr> _n jü kP — v** - e -3 £ *8* e t» S.fSt.'C- - ° x! X T* A u — .% ° E.r* Hw 'ffx* E •—- |_, »xs -O , , -* £ <- 2 003 *O ‘T* «O .E 5-^ = B5‘ e © w M - ‘6*— 2-L- 2 ° E c : Ey03®'0-^ .Jva 2.®®^ as'.E ‘O, x o e e a 'S" e:*-cd iEu'&j-kE»—X-CJ —etiD ^*C' 2 Ä ;2 v£5> ZZZ LMZ E:— tu ' o 2.'*“ ? ÖH o c w LE- O E £ *9 5 5'7t4D^ c _ U O1) *> — Cb> ** %> CD Ä E ® *B _ £*• «*•? = to E JJ i _^- -o -Ty 3 SÄ-Eäu C jü -—x^ -*3« o uG >&X | c - — Q- S Ed - 1 _ - 2- L »b - w K-3 ,5 u ie »5 Ü S. 'S z S =2 E »b -2 E E *6" cs j^r- J§®S E -O S 5 X-U3- lerer 4 Wohnhäuser am Mittelweg und Wetzlarerweg, als: 6. Glaserarbeiten 5. Verlag von Bich. Bong. Berlin W. 57. Berdiugima | NerßeigeniiiS von Auftrercherarbert. \ & “ P 9 // 3772 Gietzeu, Vahuhos^stratze 63. 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Gießen, den 11. Mai 1903. Städtisches Aiefbausmt. Ltzanbach. 3893 Die für die Instandsetzung von 27 Anschlagtafeln erforderliche Anstrelcherarbell soll Mittwoch den 20. Mai d. I., vormittags 10V, Uhr, öffentlich verdungen werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, smd bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns emzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 11. Mai 1903. Städtisches Tiefbauamt. Braubach. 3894 Kalk- nnii Ramomerke, LanMegelei Aug. tiabriei jr., Gietzen. 676 Maffen-Kabrikatiou. Bahuanschlüffe. Werke: Abeudster«. Woll- und Plüsch-Dekorationen Gallerie- Borden 3311 in denkbar grösster Auswahl. Wichim mi. Ernst Bloedner. wtersitt. Wegen Beschäftigung m mehreren Unwersttats-Jnstumen halle Sprechstunde ad: Wochentags: V,S bis 12 und 2 bis 4 Uhr. Sonntags: 11 bis 2 Uhr. Poliklinik: 1 bis 2 Uhr wochentags. Schwalm, Zllhmtzt. 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Daher Stand der Mitglieder Ende 1902 . 276 Hildebrand, Direktor. Deibel, Rechner. Heneral-Iersammtung Dienstag de« 19. Mai 1903, abends 9 Uhr, bei Gastwirt Adam Ziegler. TageS-Ordnung: Vorlage und Abhör der Rechnung pro 1902. Festsetzung der Dividende. Verschiedenes. Kür den Aufsichtsrat: I. A.: Hansult. Mkim.Glasrr Wng'itr! Stämme bis au 7ö (Stm. Durchmesser werden billig, sauber und unter Garantie täglich geschnitten in der Holzschncidcrci am Schiffenbcrgcrweg. Näheres in der Schneiderei telbst oder bei Gastwirt Herrn Sourav Häuser. 18317 i II. Wohlthätigkeits- 4 Geld-Loilerie = d. birdesbiirn-leiii Ärbeikrbeim ’’ Ziehung sicher 20. Juni 1903 M » 41000 iiauplgew. 11.15000 1 tu. lk. 15000 1 , „ 6000 3 11000 = 30 0 0 5 ii 500 = 2500 20 ii 100 = 2000 400 kn, ins. 5000 2060,, „ 7500 Sdjirmt werden schnell und gut ,ue repariert v.iievbtzogell Her HnM Gießen. Seltersweg 9. Emma Neuling 45 Wetzsteiustraße 45. 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WU fftmamern, neben welchen nicht» bemerkt ist, sind mit 87 ®terf frfsgoL (Ohne Gewähr.) 21 38 126 [1501 311 21 70 94 572 708 50 804 997 1062 196 94* 99 846 423 39 680 811 979 2018 47 100 14 303 446 586 618 936 40 54 3034 118 93 [100] 389 437 [1501 612 37 48 843 4020 83 178 248 868 85 158 86 577 84 89 607 42 740 94 881 908 5128 81 227 811 28 72 500 716 49 824 906 86 80 6006 12 18 41 184 219 80 96 806 81 58 428 91 596 683 806 17 23 41 62 98 7 239 flGOOl 338 78 77 412 86 906 26 77 8099 189 62 75 91 821 29 32 489 [lOOj 98 »44 [10000] 70 702 822 916 32 84 0110 47 66 72 90 272 800 416 16 21 30 82 95 512 628 744 842 971 92 10083 118 49 59 84 359 83 452 59 597 789 67 807 18 96 11006 86 1150] 96 132 89 41 866 90 491 94 511 86 610 39 880 98 961 1>O27 43 60 122 458 514 06 71 80 646 829 79 1 3026 67 [1001 97 147 84 209 322 26 432 58 66 508 16 629 48 47 831 950 14122 86 214 87 39 43 «73 4» 561 690 758 67 869 909 15044 67 119 76 209 67 801 6 69 71 90 407 12 14 84 W TU flOm 16 84 844 76 915 80 16435 41 551 690 7V3 882 95 1 7074 100 19 73 150' 839424550763849 701 79 960 1 8028 54 182 269 347 83 85 92 536 39 56 61 686 714 980 68 1 9008 35 88 98 163 208 60 502 618 1100 ] 718 941 20020 22 141 287 902 98 [150] 455 99 504 21 29 688 766 62 865 980 (3001 21059 106 26 33 220 374 433 99 772 857 72 978 79 96 [300] 2»0M 161 97 229 67 75 77 81 889 510 20 744 829 [ISO] 981 18012 46 tSO 208 87 87 307 61 474 569 769 83 93 801 86 77 2 4017 147 [100] 68 350 856 86 411 30 60 554 [200] 656 87 740 66 858 77 979 88 26034 46 244 46 315 409 33 610 78 667 94 778 861 70 7» 978 80 84 26038 80 131 286 349 55 81 500 [100] 614 99 762 07 919 53 1 7061 58 77 142 70 97 109 24 319 80 87 450 69 97 566 627 [100] 45 61 [100] 716 21 68 822 68 28022 107 66 89 204 34 87 801 66 [löO] 66 68 82 426 78 527 81 633 72 91 [4001 902 29002 19 36 90 136 435 66 61» SO 601 49 66 87 706 47 [300] 821 93 936 SO354 61 341 4^2 1300] 585 78 697 965 11884 546 71 88 [»01 823 731 89 989 40 12099 185 96 408 7 66 725 26 912 26 13025 129 61 201 398 466 83 585 75 614 [100] 40 839 940 98 1*039 80 149 211 *0 69 318 14 421 96 88 96 604 858 90 947 91 •50M 98 133 52 96 223 83 868 « 79546 74 6404181187« 915 [1501 99 M006 103 [200] 22 51 64 285 806 17 29 55 481 766 96 876 92 906 52 8 7110 32 202 24 78 96 818 48 602 77 93 789 812 962 68 (3001 82 18006 f»01 106 277 301 408 523 606 724 56 92 807 [»01 81 7» 19042 109 45 68 B7 328 569 612 14 704 82 806 88 39 *4)011 188 95 204 40 85 855 69 402 663 56 775 81 89 816 988 41 *1018 119 61 213 906 407 22 34 90 603 61 61 817 956 *2082 113 285 847 409 580 88 44 621 [200] 61 71 754 [BO] 814 21 *8020 53 163 7? 892 [100] 441 566 002 49 57 856 977 **061 96 230 381 57 006 11 6« 829 [BOJ 60 *5060 66 881 471 646 « 864 973 *«091 214 40 « 806 82 80 489 501 47 57 637 740 897 915 85 99 * 7063 [100] 190 210 835 M 444 98 688 09 775 97 906 62 *8061 65 884 449 98 502 10 91 97 601 37 54 710 49 85 894 964 *9065 121 70 218 375 747 812 906 15 69 50006 109 16 266798199 88596 462 508 89 606 18 91 781 9< 806 71 989 64 5 1008 82 114 201 5 8 67 300 36 64 81 [20000] 87 90 [100] 457 78 99 514 24 [ 2001 44 602 751 69 834 55 59 938 86 52121 200 8 B 868 472 627 92 667 760 79 96 882 95 5 8007 9 [100] » 34 82 90 183 306 84 BOO] 496 549 67 786 916 5*099 267 83 417 524 «1 [WOJ 7« [BO 22 71 829 48 59 [1001 55088 196 206 87 47 79 83 304 36 401 87 566 602 3$ 716 861 264 77 96 56070 77 12? 87 46 270 491 641 55 73 724 54 76 829 9S1 96 57007 98 108 76 81 466 93 660 64 747 96 [100] 864 78 996 58009 214 437 517 88 63 839 59013 32 150 896 518 30 75 616 W (»0] 708 861 914 •0019 10t 16 228 401 667 610 708 30 968 6 1242 [15 0 307 46 [BO] 408 82 84 90 598 822 48 74 880 [WOJ 916 82 62000 8 27 56 181 225 47 880 402 25 560 813 778 868 908 10 34 79 82 6 3087 117 38 59 [100] 245 60 840 52 468 48 98 543 636 83 714 94 861 04 948 96 6*020 26 LS 67 [WO] 94 179 280 002 [100] 27 83 704 64 812 27 •5073 « 807 74 442 76 96 614 611 27 50 761 « 98 836 8T 41 U «77 91 66066 ,17 72 406 58 öS 509 96 680 [100] 745 «71 »1 903 6 43 öl 66 83 •7008 36 106 97 276 98 96 806 16 71 M5 611 64 768 8y4 932 29 [6000] •6022 35 47 96 104 27 237 91 371 439 71 528 50 614 30 892 94 962 WOOO 106 97 204 9 318 438 636 81 713 18 827 945 70065 131 282 97 449 566 79 635 68 769 820 68 938 69 7 1064 273 395 550 [100] 624 87 724 [BO] 62 802 968 7 2011 177 233 353 409 51 597 625 75 742 813 22 [100] 63 921 35 60 7 8030 113 39 217 66 812 421 45 514 47 612 56 719 908 45 7*079 100 416 681 717 85 68 76 77 96 «84 938 75018 150901290980 827 64 413 42 69 562 603 744 71 892 918 22 50 66 80 7 8031 99 145 277 320 [1001 451 512 645 842 75 7 7017 300 15 637 65 728 843 87 906 [1001 29 40 71 83 7 8014 158 227 79 302 69 428 715 802 41 42 99 923 42 TB 94 [300] 79008 100 296 321 411 34 48 575*0648888628 47 743 884 80124 248 842 86 475 88 634 875 994 81140 42 45 [3000 ■. e. 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