Erstes Blatt ISS. Jahrgang Montag IS. Januar 1903 Adresse für Depeschenr ««zeige» Gieße«. Aernsprrchanschluß Nr. 61. Nr. 9 erscheint tL-lich au&er Sonntags. ®em Gießener Anzeiger ^werden tm Wechsel mit dem Sesflschen Landwirt die Siebener Familien» -blätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brühl 'schen Unwers.-Buch- u.0tem- bruderet lVietsch Erben) Äebahuw. Ervedition und Druckerei: j| ttlM AiM* MM wlviwllvl 4lnvlUu es v General-Anzeiger * ** S» - t t . den polii. u. allqem. Teil Amis- und AnZeigeAait für den Kreis Gießen ZWW _____ ** zeigente'il: HanS Beck. KcKünntmachMg. Betr.: Die Ausführung der Verordnung vom 6. Februar 1901 das Gewerbe der Gesindeoermieter und Stellenvermittler betr. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die von den hiesigen Vermietfrauen beanspruchte Gebühr beträgt 1. für Vermittelung eines Dienstboten an eine £en> ftajap in Gießen Mk. 5.—. (Frau Pitzer Mk. 8.—) 2. für Vermittelung eines Dienstboten an eine Herrschaft nach auSwärtS Mk. 7.— (FrauPitzer Mk. 4.—, Frau Heßler Mk. 6.—) wovon der Dienstbote jeweils Mk. 2.— zu entrichten hat. Bezüglich der Gebührentaxe des Gesindevermieters DorhS ist eine Aenderung nicht eingetreten. Gießen, den 10. Januar 1908. Großherzoglimes Polizerumt Gießen. Hechler. Komische Wochenschau. Mit Ereignissen, toelche die schwersten Folgen haben können, beginnt das neue Jahr seinen uns unbekannten Lauf. Kaum sind die verschiedensten „Fragen" in Fluß gekommen, so tauchen andere mäßig große Fragezeichen vor dem Gesicht des Politikers auf und harren der schwierigen Lösung. Zu der venezolanischen, marokkanischen und macedonlschen Fratze tritt nun die verwickeltste und ui ihren Folgen bedeutsamste Frage hinzu, die wir kurzweg „bie" europäische Frage nennen können, die Dardanellen - frage. Sie ist schon nahezu 100 Jahre alt, läßt also nach dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig. Ihr Hobes Alter läßt aber auch zugleich erkennen, daß sie dem, der ihr naht, verderbenbringend sein kann, weshalb man sich meist recht fern von ihr gehalten und die Lösung anderen überlassen hat. Tie Tardanellenfrage hat im Laufe der Jahre die ver- schiedensten Wandlunaen durchgemacht und die beteiligten Staaten haben ihre Ansichten über ihre beste Lösung mehr als einmal gewechselt. Tie Schwierigkeu besteht bann, ob die Sperrung jener Engen als ein freies Hoheitsrecht des Sultans anzusehen ist, oder ob die Abschließung der Tardanellen einen europäischen Bölkerrechtssaü darstellt, zu dessen Wahrung sich alle Mächte alten anderen Ber- tragsmächten gegeiiüber verpflichtet halten müssen. Tas ursprüngliche Uebereinkommen, jedem Kriegsschiff die Turch- fayrt zu versagen, ist schon manchesmal durchbrochen Worten. Tie Tardanellenfrage ist jetzt akut geworden dadurch, daß Rußland vier nicht armierte Torpedofahrzeuge durch die türkische Meerenge ins Schwarze Meer fahren lassen will, und stellt sich dabei auf den Standpunkt, daß für nicht bewaffnete Kriegsschiffe der Weg stets frei ist. England hat gegen des astten heimlichen Feindes Plan sofort Einspruch bei der Pforte erhoben und diese, sich stützend auf Englands Freundschaft, scheint seine stillschweigend e Genehmigung zur freien Passage jener russischen Kriegsschisse zurück^Iehen zu wollen. Wenigstens verlauten die neuesten Nachrichten, daß dieserhalb diplomatische Verhandlungen eingeleitet seien. In England ist natürlich wegen oes ganzen Vorganges die Erregung fast ins ungeheuere gestiegen, und man fürchtet eine neue diplomatische Nieder- lage. Wir baben un5 über die politische Bedeutung der Frage bereits im dritten Blatt unserer SamStagnunrmer näher ausgesprochen. In Venezuela haben die Vertreter der drei dort beteiligt?n Mächte, Deutschland, England und Italien, dem amerikanischen Botschafter ihre versöhnlich gehaltenen gleich- lautertden Noten überreicht, in denen zum Ausdruck kommt, daß, ehe die ganze Streitfrage dem Haager Schiedsgericht wird überwiesen werden können, ein Teil, namentlich alter deutscher Forderungen, befriedigt werden muß. Castro hat seine Antwort auch bereits überliefert, doch ist sie ihrem Inhalte nach noch nicht bekannt geworden. Zwar wird er versuchen, die Regelung der nicht verschiebbaren Forderungen in die Länge zu ziehen, er wird aber ganz gewiß an der Beharrlichkeit der deutschen Regierung, die um ihrer Ehre willen nicht nachgeben kann, Widerstand erfahren. Während seiner Präsidentschaft hat sich Castro der gemeinsten, banditcuartigen Raubpolitik schuldig gemacht. Trotzdem erhält die Republik moralische Stütze an den Vereinigten Staaten. Staatssekretär Hay soll beschlossen haben, den Schadenersatz für die Behelligung des Tampfers Caracas durch die Verbündeten diplomatisch zu unterstützen. Aus die Union ist in Punkto Treue und Freundschaft ebensowenig zu bauen, wie auf die englischen Vettern. Es zeigt sich deutlich, daß der dem Prinzen Heinrich auf seiner Reise entgegengebrachte Jubel und die hervorgetretene Begeisterung für deutsche Art und deutsches Volksleben nicht gegen politische Verwickelungen Vorhalten, daß beider! Amerikanern die Aussicht auf äußeren Nutzen den Sieg über Gefühle itnb Idealität stets davonträgt. Amerika fürchtet die Vergrößerung des deutschen Einflusses in den dortigen Gebieten zunächst in kommerzieller und dadurch auch in politischer Beziehung. Unsere Sorge ist die, baß man in den Ueberschwänglichkerts- gefühlen Amerika gegenüber seinerzeit viel zu weit gegangen ist, und dadurch den ohnehin schon vorhandenen und durch verschiedene glückliche Ruomente begünstigten Hochmut der Union unterstützt hat. Tie Folgen zeigen sich schon in der schärfsten Betonung der Monroedoktrin und in der nun schon fast offenen Parteistellung für die Raubrepublik. Tie kriegerischen Operationen nehmen dabei ihren Fortgang. Tie venezolanischen Fahrzeuge wurden fortgenommen und das Zollamt von Puerto Cabello wurde von den Teutschen besetzt, ohne baß ein Schuß dabei tze- fallen. Neben diesen äußeren erheben sich innere Schwierigkeiten für Castro. Tie Staatsbank konnte die präsentierten Banknoten nicht umwechseln und ist dadurch eine finan- zielle Panik schlimmster Art hervorgetreten. Die Aufständischen, statt sich, wie anfänglich verbreitet, mit den Regierungötruppen zu vereinigen, haben diesen eine ganz entscheidende Niederlage beigebracht, dies alles dürste der Herrschaft des sich immer noch in seiner Herrschaft fühlenden und demgemäß von Hochmutsphrasen strotzenden Castvo ein vorzeitiges Ende bereiten. Tie Revolution, nichts neues in jenem Staatengebilde, soll unmittelbar bevorstehen. Wir fürchten, es wird durch die ganzen Manipulationen nicht viel für uns herauskommen und die Aufwendung von Arbeit, Kriegs- und Flottenmaterial ist vergeblich gewesen. Wenigstens können wir der Vorgänge bis jetzt nicht recht stoh werden. Ter Stand der Tinge in Marokko ist fast noch der gleiche. Tie Unficherheit der Fremden ist vielleicht noch größer geworden und find dieselben darum von denKonsulu an die Küsten zu kommen, ein geladen worden. Angesichts der verzweifelten Lage hat es der Sultan für gut befunden, ich mit fernem Bruder Mulay Mohamed, den er stets als einen größten politischen Gegner angesehen hat, zu ver- öhnen. Tre Folge davon ist die, daß viele austührerische Stämme nach Fez zur Unterwerfung gekommen sind. Auffallend ist ferner die Nachricht, daß der Kronprätendent seinen entscheidenden Sieg über die Regierungstruppen, der ihm die Bahn nach der Hauptstadt frei gemacht, gar nicht ausgenützt hat. Vermutlich haben die an der Grenze stehenden französischen Truppen ihren Einfluß nach dieser Richtung hin geltend gemacht. England muß ohnmächtig Zusehen. Tie neue .Verwickelung in der Dardanellen frage, die entschiedenes Vorrecht behauptet, lenkt die Blicke von dem Larrde, in dem es gerne die britische Flagge gesehen hätte, notgedrungen ab. Zu einer anderen Zeit hätte England eine kleine Revolte in dem von der Natur so gesegneten Lande freudigst begrüßt. Momentan ist aber die britische Negierung zu sehr fast auf dem ganzen Erdball beschäs- ttgt, als daß e# in jeder „Ecke" seine Interessen, wie es gerne möchte, wahren könnte. Uns kann diese Verlegenheit Englands ganz recht [ein. Im benachbarten Frankreich gings in der vergangenen Woche, die die Ergänzungswahüii zum Senate brachte, [ehr bewegt zu. Tie Regierung hat allerdings bei einem Verluste von drei Mandaten fünfzehn neue gewonnen, worüber eitel Freude herrscht, da die regierungssteund- lichen Blätter betonen, die Wahlen seien viel besser ausgefallen, als man hätte glauben können. Tie Schlappe, die die Klerikalen und Nationalisten bei den letzten Wahlen zur Teputiertenkammer erlitten hätten, fei nun vollkommen geworden. Uns will's nicht so dünken. In den Wahlbezirken, in denen die Regierung besonders rücksichtslos gegen die Kongregationen vorgegangen war, ist der Gegensatz zu ihr ein noch viel stärkerer geworden und trat man mit größerer Entschiedenheit gegen sie auf. Tie Religion ist immerhin noch eftie Macht, die sich das Volk ungerochen nicht nehmen läßt. Wir halten eine innere Kttsis in Frankreich zwar noch nicht unmittelbar für bevorstehend, sie wird aber um so größer werden, je länger sie sich hinaus- zieht. Und Herr Combes hat noch nicht den gänzlichen Ausgang seiner Polittk erwogen. In Spanien hat der alte Sagasta seine Augen für immer geschlossen. Er war mehrmals Ministerpräsident und Minister verschiedener Ressorts. Seit 1885 hat er mit kurzen Unterbrechungen die Regierung des Landes geführt und erst ganz vor kurzem wurde er durch Silvela abgelöst. Er hat seinem in politischer Beziehung so außerordentlich armen Heimatlande manche fortschrittliche Errungenschaft erbracht, so das allgemeine Stimmrecht, die allgemeine Wehrpflicht, die Geschworenen, auch die Civilehe. Später entsagte er aber immer mehr den freiheitlichen Gedanken seiner Jugend und würde daS Werkzeug deS in Spanien alles vermögenden Klerikalismus. Dessen Macht war er nicht gewachsen. Wer dagegen in Spanien anzukämpfen versucht, wird sicherlich zerschmettert. Ter allerdings noch kleine, dem Fortschritt huloigende Teil des spanischen Volkes weint dem einstmaligen Führer des Liberalismus, dem späteren Knechte des Klerikalismus keine Träne nach. WoSert F.och über bett Typhus. Robert Koch hat nach der „Voss. 3tg/ dem wissenschaftlichen Senat bei der Kaiser Wilhelms-Akademie in einem Vortrag seine Anschauungen über die Bekämpfung des Typhus dargelegt. Koch hebt hervor, in welchem Maße durch hygienische Einrichtungen in den Städten die TyphuSsterblich- keit heruntergebracht worden ist. Hingegen hat sich auf dem Lande in der Häufigkeit des Typhus nichts geändett. Es ist eine Eigentümlichkeit der ländlichen Bezirke, daß man dort die menschlichen Abgänge nicht mit Vorsicht beseitigt. Bei genauerem Einblick in die Vorgänge in den Typhusgegenden hat sich nun gezeigt, daß der Typhus im wesentlichen vom Menschen zum Menschen verschleppt wird. „Die Fälle in einem Hause*, sagt Koch auf Grund seiner Beobachtungen im Trierer Bezirk, „bildeten immer eine Kette. Es erkrankte eine Person, dann zwei ober drei Wochen später wieder eine, einige Wochen spater noch eine und so weiter*. Die scharfe Betonung der Verschleppung des Typhus von Person zu Person ist neu. Früher legte man das Hauptgewicht auf eine Ansteckung mit Typhuskeimen durch Wasser, wobei eine ganze Gruppe von Personen gleichzeitig gefährdet wurde. Koch nahm wahr, daß in Typhusgegenden, z. B. im Trierischen, häufig Typhuserkrankungen bei Kindern vorkommen, um derentwillen sich die Eitern der Erkrankten gar nicht an den Arzt wenden. Diese Typhusfälle entziehen sich der Kenntnis der Aerzte; sie werden nicht behandelt und es unterbleiben alle Vorkehrungen, die Verschleppung des Typhus zu verhindern. Tatsächlich wurde auch um Trier, wie Koch ansführt, die Krankheit hauptsächlich durch die Kinder verschleppt. Besonders die Schulkinder spielten eine ganz bedeutende Rolle. Sie verkehrten viel untereinander und waren den ganzen Tag zusammen. Hauptsächlich kommt aber nach Koch die Infektion dadurch zustande, daß die erkrankten Kinder die Kothaufen neben den Wohnungen ablegen, und daß von dott eus die Typhuskeime in die Häuser gelangen. Zumal bei Kindern tritt der Typhus mit so geringen Störungen des Allgemeinbefindens auf, daß die Kranken trotz des Typhus nicht das Bett hüten. Die Abwehr des Typhus kann nach Koch nach seinen neueren Erfahrungen nur darin bestehen, daß man die Kranken absondett und die Typhusabgänge durch Desinfektion vernichtet. Das Vorgehen hat sich bei Trier bewährt. Es wurde dott eine Döckersche Baracke auf- gestellt. Die schwersten Fälle, im ganzen 82, kamen in diese Baracke. Im Anfang waren die Leute allerdings mißtrauisch und zurückhaltend, hauptsächlich wohl deswegen, weil sie immer fürchteten, daß ihnen Unkosten erwachsen würden. Sobald sie aber merkten, daß es ihnen gar nichts kostete, daß sie alles umsonst hatten, gingen sie auf alle Wünsche ein. Rach drei Monaten waren überhaupt keine Typhusbazillen mehr zu finden, die Kranken waren geheilt und frische Fälle kamen nicht mehr vor, und so war es gelungen, innerhalb dieser Zeit den Typhus in jener Gruppe von Dörfern vollkommen auSzurotten. Rach diesem Muster will Koch im allgemeinen den Typhus bekämpft wissen; er verlangt die Einrichtung eines neuen Instituts für Seuchenbekämpfung. Ein ganz außerordentlicher Fall von Muskelverknöcherung beschäftigt, wie aus London vorn 7. Januar geschrieben wirb, seit langem die Aufmerksamkeit der ärztlichen Kreise Englands. Ter Patient, bereit zwei Jahren im Hospital zu Norwich behandelt wird, ist über 40 Jahre alt, vermag nur mit Mühe einen Fuß vor den andern zu setzen und ist so gut wie hilflos. Nur mit dem linken Arm vermag er noch vom Ellbogen ab die Hand zum Munde zu führen. Ter rechte Arm dagegen ist bereits ganz verknöchert und unbeweglich. Tasselbe Schicksal teilen die Muskeln der Beine und des Gesichts. Tie Muskelverknöcherung begann schon im Knabenalter, und bisher hat es die Kunst der Aerzte nicht vermocht, diesem Prozeß Einhalt zu thun. Tie Muskeln fühlen sich so hart wie Stein an. Ten Mund kann der Kranke auch nicht mehr öffnen, und die Vorderzähne mußten ihm ausgebrochen werden, um ihm die Zuführung von Nahrung zu ermöglichen. Ter Mann ist dabei im vollen Besitze seiner Geisteskräfte, nichts weniger als niedergedrückt und verdient sich sein Brot durch den Verkauf von Zeitungen auf der Straße. Er rühmt sich, daß er trotz feiner allgemeinen Lähmung noch eine englische Meile — etwa 1600 Schritte — in anderthalb Stunden zurücklegen kann. Er stand bereits in zehn Londoner Hospitälern in Behandlung, ohne daß es aber gelungen wäre, dem Berknöcherungs- prozeß der Muskeln Einhalt zu thun llebe r die deutsche Kinderstube sprach Herr Tr. Matthias im Lettehause zu Berlin. Unsere Kinderstube ijt, so führte er aus, oft leider in der Wohnung ein Stiefkind, und wird nicht für voll angesehen. Deshalb giebt es auch in unserer schreiblustigen Zett noch keinerlei Literatur über die Äinderftube. Diese muß Schlaf- und Spielstube [ein. Sie soll groß und luftig sein. Um das Spielzeug ist es im allgemeinen übel bestellt; es ist davon oft nicht zu wenig- sondern zu viel zu finden. Entschieden verwerjlich sei der int Spielwerk hervortretende Luxus. Das Spielzeug soll, so erklärte der Vortragende in Ueber- einftimmung mit unseren wiederholten Ausführungen, einfach sein! Einfach soll natürlich auch die Ausstattung des Kinderzimmers sein, ohne Luxus, Schnörkeleien oder Nippfiguren. Von den Stradivarius-Geigen. Eine Studie über die Sttadivarius-Geigen veröffentlicht, wie der „Rh.- W. Zig." berichtet, der Viottnist Guerini. Sett 1815 ist nur eine einzige Stradivarius-Geige der Vernichtung anheimgefallen ; sie gehörte Ware, dem Sologeiger des ehemaliaen Eovcnt Garden-Theaters in London, das im Jahre 1808 abgebrannt ist. Tie von Jakob II. von England bestellten Stradivari sind vollständig verschwunden; man weiß wenigstens nicht, wo sie hingekommen sind. Unter den berühmten Geigern erfreuen sich sehr viele des Besitzes von echten Stradivattus-Geigen. ^arafate besitzt schon seit 30 Jähren eine Stradivari, die von 1724 batiert ist. Joachim hat drei, und Kübelik erhielt letzthin eine aus bent Jahre 1713 stammeiwe, die früher Alfred Gibson gehörte, als Geschenk. Wilhelmj hat seine aus dem Jahre 1725 ftammenbe Stradivarius-Geige an einen Amerikaner verkauft, er kaufte aber bald daraus eine neue, inkrustierte. Ter Herzog von Coburg hatte zivei, darunter eine sehr wertvolle, von 1725 datiert, die ihm der verstorbene Herzog von Cambridge, der ein hervorragender Amateur mar, hinterlassen hatte. Stravarius-Geigen besitzen ferner Iran Norman-Neruda. (Lady Halle), Isaye, White, Herman, Arditi. Ter hervorvorragende Augenarzt Tr. Lldham in Brighton besitzt zwei mit Clfenbein inkrustierte Sttadioari, darunter eine, Rodes Str ab genannt, die dem berühmten Rode, dem „Solo-^ Jlr dem benachbarten Portugal wurden die Tortes eröffnet. Die von dem Könige verlesene Thronrede trieft saft ton freundlichen Worten gegen die anderen Staaten. M märe den vielen kleinen Leuten, den unglücklichen Besitzern der fast zur Wertlosigkeit herab gesunken en portugiesischen Staatspapiere viel lieber gewesen, diese Freundlichkeit patte sich mehr, wie es jedem, der auf Ehre etwas hält, zu- kommt, durch redliches Bemühen, die alten Schulden zu bezahlen, kund getan, als durch leeres Wortgepränge. Die Kronprinzes^n von Sachsen. Das „Dresdener Journal" macht balbamtlich folgende Angaben über die Kronprinzessin uno die von derselben gerügten Zustünde am sächsischen Köniashose: Da seitens der Negierung alles geschehen ist, um die durch das Verhalten der Kronprinzessin entstandene Lage mit tunlichster Beschleunigung der kompetenten, mit den Garantien eines gerichtlichen Verfahrens umgebenen Entscheidung, unter voller Anwendung des bürgerlichen Eherechtes, entgegen* zuführen, dürfte angenommen werden, daß auf diese Weise zugleich den begründeten Ansprüchen der Öffentlichkeit auf zuverlässige und unparteiische Klarftellung der rechte Weg eröffnet sei und die öffentliche Beurteilung sich vis zum Austrag des gerichtlichen Verfahrens zurückhalten werde. Auch gegenüber neuerdings aufgetauchten Versuchen, der Handlungsweise der Kronprinzessin nachträglich eine politische und konfessionelle Seite ab^ugewinnen, dürfte zunächst von dem gesunden Sinne der Bevölkerung erwartet werden, daß diese, durch innere Haltlosigkeit sich tenn* zeichnenden Ausstreuungen ohne weiteres abgewiesen wür* den. Diese Erwartung erfüllte sich insofern nicht, als in den letzten Tagen Gerüchte jeder W, gestützt auf angebliche, von der Kronprinzessin gegenüber ausländischen Berichterstattern gemachte, subjektive Meinungsäußerungen, von Diel gelegenen sächsischen Tagesblättern übernommen und damit zu einer Verbreitung gebracht worden sind, die im Interesse der Wahrheit aufs schnrerzlichfte zu bedauern ist. Demgegenüber sei zunächst festgestellt, daß die Verhandlungen, die zur Berufung Girons führten, nicht durch geistliche Mittelspersonen, sondern auf diplomatischem Wege erfolgten, wobei mit aller Gründlichkeit versucht wurde, der erteilten Weisung gerecht zu werden, die von dem zu berufenden Lehrer persönliche Vertrauenswürdigkeit und eine gute wissenschaftliche Ausbildung forderte und vor- fchrieb, daß der zu Berufende ^toar ein guter Katholik sien sollte, aber fein Jesuit sein dürfe. Das formelle Engagement erfolgte dann durch den Militärgouverneur des Prinzen. ytad) den Angaben Girons ist derselbe 1879 in Gent als Sohn eines belgischen Kapitäns un Geniekorps geboren. Ein Bruder seines Vaters war Mitglied des Kafla- tionshofes in Brüssel, ein anderer Direktor im belgischen Ministerium des Inneren. Seine Schulbildung erhielt er in Lehranstalten, die nach den angestellten Ermittelungen nicht unter jesuitischer Leitung stehen. Menn übrigens der Kroitprinzessin Aeußerungen in den Mund gelegt werden, in denen sie sich über den Einfluß der Jesuiten am sächsischen Hofe beklagte, so genügt es, die Tatsache hervorzuheben, daß nicht nur nach § 56 der sächsischen Verfassung Jesuiten im Lande nicht aufzunehmen sind, sondern auch nach lcmdesgesetzlicher, bis in die neueste Zeit streng gehaltener Vorschrift kein katholischer Geistlicher zu einem Priester amte in Sachsen berufen oder zu geistlichen Amtshandlungen zugelassen werden darf, der auf einem unter Leitung des Jesuitenordens oder einer diesem Orden verwandten religiösen Genossenschaft stehenden Seminare seine Vorbildung erlangt hat. Was insbesonders die jetzt amtierende Hofgeiftlichkeit anlangt, so darf derselben ausnahmslos das Zeugnis erteilt werden, daß sie sich jederzeit loyal und tadellos benommen und aller den konfessionellen Frieden störenden Handlungen enthalten hat. Endlich liegt aber auch nicht der geringste tatsächliche Anhalt vor, der zu der Annahme führen könnte, als sei vom Auslande her jemals eine jesuitische oder verwandte Einwirkung auf die Erziehung der Prinzen bezw. Einschränkung der mütterlichen Bestimmungsrechte in dieser Hinsicht versucht worden. — Der gefamte Elementarunterricht der Prinzen wurde mit Ausnahme des fremdsprachlichen und des Religionsunterrichts durch einen evangelisch-lutherischen sächsischen Volksschullehrer erteilt. Gegenüber verschiedenen Behauptungen wird darauj hingewiesen, daß sämtliche den Hofstaat und die Adjutöntur des Königs und den Hofstaat und die Adjutan- tur des Prinzen bildenden Herren mit Ausnahme des Generaldirektors der musikalischen Kapelle und der kgl. Theater sowie des Milllärgonverneurs der Prinzen-Söhne dem evangelisch-lutherischen Bekenntnisse angehören. Auch die beiden der Kronprinzessin nacheinander zugeteilten Oberhofmeisterinnen find evanaelisch^utherisch. Lediglich bei Der Wahl der zweiten im Dienste der Kronprinzessin Augetoiefencn Damen wurde jedesmal auf das katholische Bekenntnis Bedacht genommen. Mll diesen Feststellungen dürfte den Behauptungen von dem Einflüsse der „katholischen Hofpartei" klerikalisierender oder ultramontaner Mächte am königl. Hofe und ähnlichen Haltlosigkeiten der Boden entzogen fein. Jedenfalls erfordert die Wahrheit nachdrücklichst zu betonen, daß seit dem Regierungsantritt des Königs Georg nicht eine einzige Regierungshandlung oder eine andere Tatsache vorliegt, die geeianet wäre, auch nur einen Schein für die Annahme zu rechtfertigen, daß der König weniger als sein Vorgänger auf dem Thron sich der Beipflichtungen bewußt sei, die ihm aus seiner Stellung in einem nahezu rein evangelischen Lande erwachsen. Hin offener Aries des Kraft» Kanih. Aus Berlin, 9. Januar, wird uns geschrieben: Der Führer der Konservativen, Graf Kanitz, äußert sich nun auch in einem soeben von der „Kreuzztg." veröffentlichten langen Brief — er ist an den Graf Dohna- Fincken stein gerichtet — über den neuen Zolltarif und dessen Bedeutung für die Landwirtschaft. Ein bemerkenswertes Eingeständnis ist die verschiedene Verneinung der Frage, ob die Ablehnung des Zolltarifs und des zugehörigen Gesetzes für die Landwirtschaft ersprießlicher gewesen sein würde, als die Annahme desselben. Die Ablehnung, erklärt Graf Kanitz^ wäre gleichbedeutend gewesen mit einer ungemessenen Fortdauer des jetzigen ruinösen Zustandes. Bei den neuen Handelsverträgen iverde die Landwirtschaft sich doch wesentlich besser befinden, als bisher (höhere Getreidezölle und jedenfalls sehr viel höhere Viehzölle). Also als „wesentlich besser" sieht Graf Kanitz, bei an wirtschaftlicher Sachkenntnis unbestritten unter den Konservativen den ersten Rang einnimmt, die künftige Situation der Landwirtschaft an. „Vor Tische las man anders^. Im Reichstag haben bis zuletzt die Wortführer der Landwirtschaft bezweifelt, daß der Landwirtschaft aus dem Zolltarif Vorteile erwachsen werden. Besser die Rückkehr zu einem Freihandel, als dies Unzulängliche, so er Hang es noch kurz vor dem Uebereint'ommcn der Mehrheitsparteien in allen Tonarten aus den Reihen der Agrarier. Ein noch interessanteres Moment in dem Brief des Grafen Kanitz ist, daß die Zolltarifbeschlüsse trotzdem nur als eine Abschlagszahlung von der Landwirtschaft zu betrachten sind. In keinem Falle könne die Kampagne als abgeschlossen gelten. „Diese Beschlüsse bezeichnen nur die erste Etappe; es wird noch manche Etappe zu passieren sein, bevor wir das Ziel erreichen." Und zur Erreichung des Ziels empsiehll Graf Kanitz nichts geringeres, als den bekannten Antrag Kanitz; den Ein- und Verkauf ausländischen Getreides durch das Reich, unter gesetzlicher Feststellung der Verkaufspreise. Dieser Antrag, der den Reichstag und die Regierung wiederholt eingehend beschäftigt hat, scheint demnach zu neuem Leben erweckt werden zu sollen. R. v. Bennigsen faßte sein Urteil über den Antrag in den markanten Satz zusammen: „Bis in diese Höhe — ich möchte sagen — der Gemeinfährlichkell hat noch keine einzige der agrarischen Forderungen hineingereicht." Reichskanzler Fürst Hohenlohe konstatierte, daß der Antrag in jeder Form in Widerspruch stehe mit den Handelsverträgen. Seien wir erst einmal auf dem Gebiet des Monopols betreffs des Getreidehandels, so kommen wir auch zu anderen staatlichen Maßregeln im sozialistischen Sinne. Zuletzt könnten wir dann auch zur Verstaatlichung des Grundeigentums kommen. Bekannt ist ferner, daß der Kaiser in entschiedener Weise Stellung gegen den Antrag Kanitz genommen hat. Bei der Abstimmung im Reichstag erklärte sich eine überwältigende rljeit, darunter das ganze Zentrum, gegen den Antrag. Ablehnend war auch das Votum des preußischen Staatsrats. Graf Kanitz aber scheint auf den Wandel der Zeiten zu vertrauen, daß er der Regierung anempfiehlt, auf feinen Vorschlag zurückzugreifen. Es gehöre nur ein gewisses Maß von Tatkraft dazu, diesen Vorschlag praktisch zu verwirllichen. Es bleibt abzuwartcn, ob die konservativen Parteien sich bereit finden, demnächst ihre Unterschrift für den Antrag Kanitz herzugeben. Angespielt worden ist schon im Verlauf der Zolltarifverhandlungen auf dies „große Mittel", das den Landwirten günstige Getreidepreise zu sichern bezweckt. Graf Kanitz wird jedenfalls, wie man sieht, nicht müde, seinen Antrag in Erinnerung zu bringen. Kehrt der Antrag zurück, so wird die Behandlung, die er von der Regierung und vom Reichstag erfährt, eher noch unglimpflicher sein, als früher, denn jetzt kann man sich auf die Autorität des Grafen Kanitz selbst berufen, der nach dem Zolltarif die Lage der Landwirtschaft als „wesentlich besser" bezeichnet. ginger des Wnigs von Frankreich", gehört hatte. Tr. Oldham hat diese Geige Don Charles Lamoureux für den Preis von 37 500 Franks gekauft. Zahlreiche Stradivari befinben sich in Sammler- oder in Händlerhänden. Stradi- varius scheint für seine Geigen nicht immer dieselben Preise genommen zu haben: eine verkaufte er für 90 Mk., eine andere für 140 Mk. Ter Durchschnittspreis betrug, nach der Aussage eines Zeitgenossen des berühmten Geigenmachers, etwa 65 Mr. Das größte Fernrohr der Erde durch Feuer zerstört. Ter Weihnachtsabend hat der Wissenschaft einen schweren Verlust gebracht, der in seiner Größe noch nicht abgeschätzt werden kann. In dem Gebäude der Ierkes-Stern- warte, die das größte Fernrohr der Erde besitzt, brach am Weihnachtsabend Feuer aus und zerstörte gerade den Teil des Gebäudes, wo dies Wunderwerk ausgestellt war. Tie Verkes-Stemwarte liegt am Geneva-See im Staate Wisconsin und ist eine Gründung des Millionärs ans Chicago, dessen Name in ihr verewigt ist. Charles Werkes trug auch die Kosten für das Riesen-Fernrohr, die sich auf 1600 000 Mark beliefen. Tie dafür gegossene Linse war die größte der Welt mll einem Durchmesser von hundert Zentimetern; die Brennweite des Fernrohrs war 62 FuL Wenn die Linse einen unheilbaren Schaden durch den Brand erlitten hätte, so würde das einen ungeheuren Verlust bedeuten, denn Don ihr hingen die Leistungen des Fernrohres überhaupt ab, die ganz ausgezeichnet gewesen sind. Tie Herstellung einer Linse Don solcher Große ist sehr kostspielig, weil es sehr schwierig ist, eine Glasmasse von der Größe herzustellen, die durch und durch so gleichartig ist, daß sie die Lichtstrahlen ohne Brechungsfehler durchläßt. Ob und inwieweit das Fernrohr sich wiederher stellen läßt, werden erst die Sachverständigen feststellen können, die zur Prüfung der Linse und der Röhren nach Chicago gesandt worden sind. Tie feineren Teile zur Lenkung des Fernrohres sind jedenfalls fämllich Dernichtet und müssen neu her- gestellt werden. Ier neue Aeichsyausyalis-Ktat. Die abschließende.! Zahlen des Reichshaushaltsetats für 1903 werden, der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge, in dem jetzt vom Bundesrat angenommenen Entwurf eines Etatsgesetzes wie folgt festgestellt: Ausgaben 2464 972 734 Mark (160 489 619 Mk. mehr als im Vorjahr), nämlich 1 998 644 768 Mk. (mehr 25 816 945 Mk.) fortdauernde und 226 424 042 Mk. (mehr 45 863 569 Mk.) einmalige Ausgaben des ordentlichen Etats, und 239 903 924 Mk. (mehr 88 805 105 Mark) einmalige Ausgaben des außerordentlichen Etats. Einnahmen: 2 464 972 734 Mk. Der Anleihebedarf beträgt 219 921739 Mk. Die Ausgabe von Schatzanweisungen ist wie im Vorjahr mit 275 000000 Mk. im Höchstbetrag festgesetzt. In der dem Reichshaushaltsetat beigegebenen Denkschrift wird die wirtschaftliche Stockung erwähnt, die noch nicht übe r w u n d e n sei unb je langer sie dauere, um so ungünstigeren Einfluß auf die Finanzen des Reiches ausübe. Weiter heißt es in der Denkschrift: , In fast noch schlimmerem Maße als im Reiche macht die Ungunft der wirtschaftlichen Verhältnisse sich in ihrer Wirkung auf die Einzelstaaten bemerkbar. ES tritt neben diesen Schwierigkeiten der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im inneren Staatshaushalte nun noch das Reich nicht nur mit hohen und schwankenden ungedeckten Mairikular-An- sprüchen hervor, sondern es bleiben auch bie lieber- Weisungen hinter ihrem Etatszoll zurück, wie es für 1901 mit rund 15 Millionen ber Fall war. So wird die finanzielle Lage ber Einzelstaaten zu einer kaum noch erträglichen, und es ergiebt sich eine politische Notwendigkeit, in dieser Beziehung auf Abhilfe bedacht zu (ein. Als solche bietet sich für 1903 lediglich Entlastung durch äne, Zuschußanleihe. Tiejelbc iji nicht als dauernde laslung der Reichskredlle, sondern nur als schwebende ~~julb gc- dach^ deren Tilgung aus künftigen lieber schüfsen erfolgen foTt. Die Denkschrift beziffert schließlich die Zuschuß-Ak- leihe auf 95 Millionen. Die Anleihe zur Balanzierung des Etats in Höhe von 219 921 739 Mk. stellt sich unter Berücksichtigung Don Ersparnissen aus der China-Expedition und sonstigen Ein- nafrmen auf befinitiD 194 666 739 Mk. In biefer Anleihe sind eingeschlossen bie 95 Mill, zur Bestreitung Don Ausgaben des L)rbinarium§, also bie Ergänzungs-Anleihe zur Verhütung eines weiteren Anwachsens ber Matrikular-Bei- träge. Diese Matrikularbellräge sind mll 565 856 234 Mk. angesetzt, d. h. um 14 783558 Mk. weniger als im-Vorjahr. Die Ueberweisungen an bie Bunbesstaaten betragen dagegen 542 092 000 Mk., sodaß an sogenannten ungedeckten Matrikularbeiträgen 23 764 234 Mk. auf die Bundesstaaten entfallen. Rechnet man zu diesen ungedeckten Matrikularbeiträgen die Ergänzungs-Anleihe von 95 Mill., so ergiebt das zusammen das sogenannte Defizit des Jahres 1903, nämlich 118 764 234 Mk. Politische Tagesschau. Graf Bülow unb die Sozialpolitik. Der Reichskanzler Graf Bülow hat, einer Meldung des Wolff'schen Telegraphenbureaus zufolge, an die Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen, welche ihm ihre Schriften, „Unterbringung bedürftiger Kranken in Heilstätten, Heimstätten und Genesungsheimen — Erbbaurecht und Arbeiterwohnungen" geschickt hat, folgendes sehr bemerkenswerte Schreiben gerichtet: „Der Zentralstelle spreche ich für die Uebcrfenbung der Vorberichte und Verhandlungen der 11. Konferenz meinen oerbindlichsten Dank ans. Ich habe mit Interesse daraus ersehen, daß die Konferenz die Frage der Fürsorge für unbemittelte Kranke und ein besonderes Gebiet der Arbeilerwohnungsftage zum Gegenstand eingehender Erörterungen gemacht hat. Die Notwendigkeit, in umfassender Weise für die Unterbringung unbemittelter Kranker in Heilstätten zu sorgen, wird in weiten Kreisen mehr und mehr erkannt und anerkannt, und ich betrachte es als besonders wertvoll, daß bei den Verhandlungen am 5. Mai v. I. eine Ergänzung dieser Fürsorge durch Schaffung von Zufluchtsstätten für unheilbare Kranke und durch Unterstützung der Familienmitglieder der in Heilstätten aufgenommenen Kranken nachdrücklich gefordert worden ist. Ebenso großes Interesse beansprucht der zweite Beratungsgegenstand „Erb- baurecht und Arbeiterwohnungen". Wenn die Verhandlungen auch nicht zu einer Einigung über die unbestrittene Frage geführt haben, ob und inwieweit von der Verwertung des Erbbaurechts ein wesentlicher Erfolg für die Wohnungsfürsorge zu erwarten fei, so haben sie doch zu einer Klärung der Ansichten beigetragen und damit der Anwendung des Erbbaurechts dort, wo es mit Nutzen der Wohnungsfürsorge dienstbar gemacht werden kann, die Wege ebnen helfen." ■------ ” 1 ""■■■ "■■■”■ •> Kie AolLsseuche. Im ordcnllichen Etat dos Reichsamts des Innern füt 1903 befindet sich eine Forderung von 10 000 Mark als Reichsbellrag für den Dom 14. bis 19. April in Bremen stattfindendcn neunten internationalen Kongreß gegen den Atkoholismus. An der Bewilligung dieser Summe durch das Parlament ist nicht zu zweifeln, denn die lieber- zeugung von der Notwendigkell energischer Bekämpfung des Volksfeindes Alkohol gewinnt erfreulicherweise auch in Deutschland immer mehr an Boden. Ms dem Dom Organisationskomllee des Kongresses ausgestellten Programm seien als besonders bemerkenswert folgende Vorträge genannt: „Mtoholismus und Tubertulose", „Die Rolle des Alkohols im Staatshaushalt und im Arbeiterhaushalt". Von welch' einschneidender Bedeutung für das Volkswohl die letztere Frage ist, erhellt aus der Tatsache, daß in Deutschland jährlich 1500 Millionen Mark für Brotgetreide verausgabt werden, dagegen 3500 Millionen Mark für geistige Getränke. Der Betrag ist von geradezu schwindelnder Höhe, unb es leuchtet angesichts solck)er Zahlen ohne Weiteres ein, daß es von überaus günstigem Einfluß auf die soziale Lage, die ganze Lebenshaltung besonders der minder bemittelten Klassen sein muß, wenn es gelingt, die lleberzeugung von den schädlichen Folgen übermäßtgen Alkoholgenusses immer tiefer 4ns Volk zu tragen, wie solches der Kongreß bezweckt. Er will allerdings Dcrmeibeu, für die völlige Enthaltsamkeit eiilzu- treten, und das ist zu billigen. Denn nicht der Alkohol, sondern Atkoholismus, nicht der Trunk, sondern das mißbräuchliche Trinke:: soll und muß bekämpft werden. Die mensllstiche Natur ist so geartet, daß ihr eine mäßige Dosis Alkohol nicht schadet, besonders dann nicht, wenn dem Trunk eine ausreichende Mfnahme kräftiger Nahrung voran geht. Das Elend des Atkoholismus märe in der Tat im wesentlichen aus der Welt geschafft, wenn das Geld, das für geistige Getränke über den Bedarf hinaus angelegt zu werden pflegt, zum Erwerb kräftiger Nahrung verwendet würde. Es ist nicht zu leugnen, daß viele aus Verzweiflung dem Alkoholismus anheimfallen. Doch wer der Trunksucht fröhnt, kann nicht völlig mittellos fein, denn das Trinken auf Kredit ist eine Erscheinung, die sich, in Arbeiterkreisen wenigstens nicht oft findet. Es wäre eben in sozialer, sittlicher und krimineller Hinsicht um vieles besser bestellt, wenn manches Glas geistigen Geträntes nicht getrunken würde. Das lvird mehr und mehr auch in Gastwirts kreisen anerkannt, und die Unterstützung der auf Bekämpfung des Trinkmißbrauchs gerichteten Bestrebungen auch von dieser Seite ist natürlich von großer Wichtigkeit. Deshalb kann einer allgemeinen schematischen Beschränkung des Schankbetriebes für gewisse Tage und Stunden, wie sie der Antrag des Grasen Douglas im preußischen Landtag forderte, nicht das Wort geredet werden. Zu treffen, und zwar durch scharfe Verwaltungs- Maßregeln und ^irafbeftLmmungen, sind die „Animier"- und Wmkelsa)anlstätten, die von der Vorschubleistung des Alkoholmißbrauchs ihre C^istenz fristen. Für solche Schank- [tätten empfiehlt sich ein Konzessionsgesetz, wie es mll dem 1. Januar dieses Jahres in England in Kraft getreten ist. Es macht den SchanNvirten unter Androhung schwerer Geldstrafen, im Wiederhotungssalle sogar bei Gefängnisstrafe, zur Pflicht, keinem Gaste irgendwelche Spirituosen zu verabreichen, der die gcruigftcn Merkmale von Trunkenheit zeigt, ober sich in diesen Zustand hinellttrintt. So wie in Engmnd, ist der Atkoholismus in Deutschland allerdings nocij nicht zur Voltsseuche geworden, und es besteht begründete Hoffnung, daß es^ dem Einfluß von Erziehung uno Schule, joioie ber auftiärenben Tätigkeit der Mawglellsvereine, wie sie im internationalen Kongreß sich wieder zusammen finden, gelingen wird, dem Trmk- miß.brauch mauer erfolgreich entgegcnzuwirken«, ' Nm* ■‘Wt^ 806 234^ /^ten . die ^gedeckten »'S*,Ä“ 'bschau. -ozicholitir. w-'ch° ihm AchV- ",'N ^«ltitten% >^?A'und ArL eup '^ bemerkenswerte yL y 1 Ür »„ «Handlungen b(t u «, a"S- N hck 4 AOnfere"i die 8njt bet ° ?n besonderes Gebiet Knitanb eingehender Lr. Ä '""'Ni-ff-nde. E-lt-r Kranker« > Men mehr und mehr mchte es al« bchnd-ir " °m 5. Rai u.J. ,jn, *8 von Zuflucht«, "»d durch Unterslützung ^Mtten oufgenonnnenen ist. Ebenso großes erckngsgegenstand ,Erb- Wenn die Verhandlungen rr die unbestrittene Frage l von der Verwertung des )lg sür die Wohnungssür- ■ s" doch zu einer Klärung Mit der Anwendung des rtzm der WohnungWorgr )ie Wege ebnen hchrck iseuihe. ieuhsamts des Innern für ung von 10000 Mark als bis 19. chril in Bremen malen Kongreß gegen den mg dieser Summe durch leifeüi, denn die lleber- energischer Bekämpfung iU ersteulicherweise auch Hoden. As dem vom esses Msgestellten Pro- lerkenslven folgende W und Tubertnl^'i uishalt und im Aibeüer- .ender Mutung ftr das erhellt aus der Tatsache, 00 Millionen Mark für dagegen 3500 Millionen in ist von geradezu chü angestth.ts l* • non überaus güniligem 2 Lebenshaltung Msen fern nmß, wenn -ML >§s« ALLi wllnjym dein dann vor- tinauS*'1* «wäSS*ra d--^7- *,n llt, »®" §Md °'Z una oes . üt n»*WM2 »n»*Saß?eWCS “‘•'S “u-S»1 11 -utzsrSk LKO .. ü‘ „itiii“1 i be® Die Kumbert-Kffai« vor dem Vntersuchaug»- richter. Paris, 9. Januar. Man war auf das erste Verhör der Frau Therese Humbert, daS gestern im Robinet deS Untersuchungsrichters Leydet erfolgte, sehr gespannt, aber die Erwartungen der Wißbegierigen erfüllten sich keineswegs. Ihr Gatte, FrSdöric Humbert, hatte auf die Fragen des Untersuchungsrichters über die Geschäftsführung und beiläufig auch über die Millionen» erbschaft geantwortet, darüber werde seine Frau Rede stehen können, fie wisie eS bester. Er soll auch geäußert haben, er werde nichts sagen, waS gegen seine Frau gedeutet werden könnte, schon um ihrer Tochter willen, und er werde sich auch hüten, seinen Schwägern Romain und Emile Daurignac irgendwie zu schaden. Emige Blätter, darunter der „GauloiS", berichten boshaft, die deS Betrugs und Schwindels angeklagte Frau Humbert habe beim Eintritt in daS Robinet deS Untersuchungsrichters nicht nur ihrem Anwolt Henri Robert, sondern ouch Herrn Leydet mit einem »bonjour, Monsieur Leydet, bonjour", kräftig die Hond geschüttelt. Dos soll ober eine Erfindung sein, denn noch dem »Echo de Paris", doS gern den Schein oufrecht erhält, olS erfreuen sich die Humberts deS Schuhes der Regierung und der Gerichte, steckte der Untersuchungsrichter den Kopf tief in die Akten, ols Frou Humbert den Annäherungsversuch mochte. Sie hot sich im Gefängnis von den Stropozen der Reise und, wie eS scheint, auch von den Sorgen erholt, tritt munter auf und ist kampflustig. Ihre ersten Worte waren für ihre Angehörigen, ihren Gatten, »die Rechtschaffenheit selbst", ihre Brüder und ihre Schwester Maria. Die letztere, sagte sie, hätte sogleich mit ihrer Tochter Eva auf freien Fuß gesetzt werden sollen, denn sie wiste von allem nichts, und ihre Brüder haben ihr in guten Treuen gedient, ohne sich von ihr in die Geschäfte einweihen zu lasten. Sie allein sei verantwortlich, und nur sie, welche ein Opfer war und sich manchmal bis zur Unvorsichtigkeit vorgewagt hätte, sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Man möge nicht nur ihre Schwester, sondern auch den Gatten und die Brüder der Haft entlasten. »Darum handelt eß sich nicht,* versetzte der Untersuchungsrichter, der von Frau Humbert gern näheres Über ihren Lebenslauf erfahren hätte. Sie aber erklärte schlankweg, man werde erst vor den Geschworenen etwas aus ihrem Munde erfahren. Nun zählte der Untersuchungsrichter auf, was er über ihre Jugend wußte. »Warum fragen Sie mich denn, da Sie so gut unterrichtet sind," höhnte Frau Humbert. Sie ließ sich nur zu einigen Entgegnungen herbei, als Herr Leydet seine Verwunderung darüber äußerte, buj der Vater Humberts, ein angesehener Mann und schon unabsetzbarer Senator, im Jahre 1878 in die Heirat seines Sohnes mit ihr, die älter war als dieser, fein Vermögen, aber eine nicht makellose Vergangenheit hatte, willigte. »Fröböckc," erklärte sie, »wohnte damals nicht bei feinen Eltern, und er drang so lange briefiich in feinen Vater, bis dieser die Einwilligung gab." »DieS wäre wahrscheinlich unterblieben," meinte Herr Leydet, »wenn fie nicht durch List den alten Humbert überzeugt hätte, daß zwei alleinstehende Frauen sie zur Erbin eingesetzt hatten. AuS diesen zwei Erbschaften wurde bann", fügte er hinzu, »vielleicht mit Hilfe des rechtskundigen Schwiegervaters, die dritte, die Crawford-Erbschaft, welche ihr erlaubte, die großen Anleihen aufzunehmen." »Ach ja, die Anleihen," rief Frau Humbert aufgeregt. »Davon, von den Wucherern, die mir viermal mehr Geld abgezapft haben, als ich von ihnen erhielt, werde ich später reden, vor den Geschworenen. Dort werde ich sie entlarven und an den Pranger stellen ..." Ehe sie entlasten wurde, forderte der Aktuar die Angeklagte auf, daS Protokoll zu unterzeichnen. »Was? Unterzeichnen? Ich habe ja nichts gesagt," wandte sie ein. Aber auf den Rat ihres Anwalts nahm sie endlich die Feder und setzte mit kräftiger Hand ihren NamenSzug darunter. Vermischtes. "Berlin, 10. Jan. Der Defraudant Neßler wird anfangs nächster Woche der deutschen Polizeibehörde übergeben und sodann in das Moabiter Untersuchungsgefängnis überführt werden. — Der 28 Jahre alte Geschäftsreisende Feodor Rnopf auS München, der sich auf der Durchreise in Berlin befand, wurde gestern Abend im Tiergarten von einem Straßenbahnwagen überfahren und getötet. " Röln, 8. Jan. Als heute vormittag gegen 12 Uhr ein Boot der Kölner Dampfschiffahrt sich inmitten des Stromes befand, stellte sich ein unbekannter Pastagier auf eine Bank und sprang in den hochgehenden Fluß. Die Rettungsversuche blieben infolge der starken Strömung erfolglos. " Hamburg, 10. Jan. Der Mörder der am vorigen Sonntag in einem Hofe in Altona tot aufgefundenen Frau Haase wurde heute von der Altonaer Polizei verhaftet. Es ist ein bereits mehrfach wegen Gewalttätigkeiten vorbestrafter 19 Jahre alter Schiffsreiniger namens Bittuff. _ Metz, 8. Jan. Ein Soldat, der bisher in der französischen Fremdenlegion in Algerien diente, von dieser aber desertierte und nunmehr seiner Militärpflicht genügt, hat dem hiesigen Kriegsgericht die Meldung erstattet, daß ihm am Wachtfeuer in Algerien ein Kamerad ein Geständnis abgelegt habe, daß erderMörder des Gymnasiasten Winter in Könitz sei. Der Soldat in Metz hat ein umfangreiches Material zu Protokoll gegeben unter Angabe einer großen Zahl von Zeugen, die bei dem Wachtfeuer zugegen waren. Das Protokoll und sämtliche Akten sind heute der Staatsanwaltschaft in Könitz übermittelt worden. • Genf, 10. Jan. Andrö Giron, der Geliebte der sächsischen Kronprinzessin, nahm ein Monats-Abonnement für tägliche Eisenbahnfahrt von Lausanne nach Genf. Er reist jeden Morgen nach Genf und kehrt abends nach Lausanne zurück. "Trient, 9. Jan. Nach einer hier aus Chile eingelaufenen Mitteilung besitzt Johann Orth nahe bei Valparaiso eine große Farm und befindet sich samt seiner Frau wohl. Die Nachbarn kennen ihn unter dem Namen Sonnor Juan. (???) Marseille, 9. Jan. ®d den gestrigen Pferde- rennen kam eS zu tumultuösen Auftritten infolge eines Unfalles nach einem bei Rennen. Die Menge zerschlug die Tribünen und brach die Umzäunung ab. Die Polizei mußte verstärkt werden und mit blanker Waffe gegen die Menge vorgehen, welche schließlich auseinander getrieben wurde. * Gin Prozeß um 20 Centimes, also etwa 16 Pfennig, beschäftigt gegenwärtig die Pariser Gerichte gleich- zeittg mit dem Hundert-Millionenschwindel der Humberts. Baron de Sibert verlangt von der Metropolitain-Gesell- schaft den Ersatz für einen kleinen Rinderballon, den sein Knabe nicht in den Wagen der Untergrundbahn hinein- nehmen durste und deshalb stiegen lassen mußte. Das Gericht wird festzustellen haben, ob die Gesellschaft ihren Reisenden das Mitbringen so harmloser Gegenstände, tote eines nicht einmal lenDaren Kinderluftballvns, verbieten kann. Wie auch das Urteil ansfallen mag, jedenfalls ist heute in der Zeit der Luftschiffahrt ein derartiger Prozeß nicht uninteressant. * Das Roßfleischessen, das der Berliner Tierschuhverein im „Luisenhof" veranstaltete, um den Wohlgeschmack guten Pferdefleisches zu zeigen, war sehr stark besucht. In Hellen Haufen hatten sich die Geladenen ein- gefunden, und durch eine unbewachte Nebentür kamen dazu auch viele Ungeladene, so daß die 616 Plätze sehr schnell sämtlich besetzt waren. Herr Oberbürgermetster Kirschner hatte sein Wusbleiben mit dienstlicher Behinderung entschuldigt, und zugleich seine volle Anerkennung für die Veranstaltung ausgesprochen, mit der Bemerkung, daß er als Kind selbst Pferdefleisch mit Genuß gegessen habe. Sein Vater habe damals bei einer Hungersnot eine Anzahl Pferde schlachten lassen und deren Fleisch verteilt. Man sah viele Stadtverordnete, den Fürsten Lwoff mit seiner Gattin Vilma Parlaghy, den Kommerzienrat Kühnemann, Oekonomierat Herter und andere bekannte Persönlichkeiten. In großer Zahl waren Vertreter der Arbeiter-Organisationen, der Krankenkassen und vieler Vereine gekommen. Im Namen des Berliner 'Tierschutzvereins begrüßte Herr Regierungsrat v. Seefeld die Gaste und erklärte, man wolle zeigen, daß das Roßsteisch an Nährwert und Geschmack anderem Fleisch gleichwertig sei. Der Tierschutzverein habe ein Interesse daran, daß den Pferden das klägliche LoS erspart werde, das die meisten heute im Alter haben. So lange das Vorurteil gegen Pferdesteisch bestehe, könnten die Pferdeschlachter keine höheren Preise zahlen, und infolgedessen auch keine wertvolleren Pferde ankaufen. Mit dem erhöhten Absatz werde sich auch die Beschaffenheit des in den Handel kommenden Pferdefleisches stetig bessern. Der Redner schloß seine Ausführung mit dem Wunsche „Auf guten Appetit". Solchen entwickelten die Gäste denn auch in vollstem Maße. Die Kraftbrühe und auch die Pökelzunge, wie das gespickte Filet wurden allgemein gelobt. Die Stimmung der Tafelnden, denen zu dem Mahl sogar noch Freibier gegeben ward, ließ im allgemeinen nichts zu wünschen übrig. Im Vorraum hatte der Verein der Roßschlachter eine Ausstellung von Pferdevierteln, von kaltem Pferdebraten, gepökeltem Pferdefleisch, Pferdewurst und anderen schönen Dingen veranstaltet, von denen man unentgeltlich Kostproben erhielt und auch größere Einkäufe machen konnte. Hier hörte man vielfach uneingeschränktes Lob und ehrliches Erstaunen darüber, wie gut die Würste u. dgl. m. schmeckten. • Ein vornehmer Banker otte ur. Oberstleutnant Fitz George, ältester Sohn des Herzogs von Cambridge, hat Bankerott gemacht. Die Gläubiger versammelten sich in London, aber eß wurde vonseiten beß Oberstleutnants kein Anerbieten gemacht. Die Schulden sollen sich auf 33 OOO Pfund Sterling belaufen. Der Hauptgläubiger ist die Firma Cox u. Co., mit einer Forderung von 80 386 Pfund Sterling, für die der Firma nichts weiter bleibt als ein Anspruch auf die Oberstleutnantspension des Schuldners. * Der größte Zirkus auf der Erde. Aus London vom 9. Jan. schreibt man: DaS Geschmackloseste, was der Londoner »Daily Expreß" bisher geleistet hat, ist heute durch die seinem Spezialartikel auß Delhi angefügten Spitzmarken übertroffen worden. Diese lauten: »Barnum ist übertroffen. Delhis größter Zirkus auf der Erde. Gefärbte tanzende Pferde. Barnum ist bekanntlich einer der größten Zirkusbesitzer, den jedes Kind m England kennt. Die Festlichkeiten zur Kaiserproklamatton in Indien mit einer Zirkusvorstellung zu vergleichen, wird aber schwerlich mit dem patriotischen Gefühle der Engländer in Einklang gebracht werden können, die sich heute durch den fetten Aufdruck auf den „Expreß"-Plakaten verleiten ließen, das Blatt zu kaufen, um die welterschütternde Nachricht, daß Barnum übertroffen sei und in Delhi einen Konkurrenten gefunden habe, in Augenschein zu nehmen. * Ein Naturwunder. Hänschen (Augenzeuge, tote Onkel seine Perrücke abnimmt): Onkel, hast Du denn Deine Haare so außerordentlich in der Gewalt? *EinOpfer. Er: Ich sehe nicht ein, warum wir nicht sparen können. — Sie: Du hast Recht, ich werde mir von jetzt ab meine Kleider und Hüte selbst machen. — Er: Das ist hübsch von Dir. — Sie: Und was willst Du tun? — Er: Ich werde mir einen Vollbart stehen lassen und mir meine Cigaretten selber drehen! * Ver schn appt. Gast: Alle Wetter, haben Sie da einen großen Kater! — Wirt: Nicht wahr. . . das sind mindestens acht Porttonen! (Lusttge Blätter.) * Verschämt. Käufer: „Von wem haben Sie denn diese schönen großen Kartoffeln bezogen?" — Händler: „Der Herr will ungenannt bleiben!" * Gutes Zeichen. Parvenü: „Rosa, heut' scheint's ernst zu werden, heut' wird der Graf kommen, um Dich anhalten! Ich seh' schon einige Gläubiger um unsere Villa schleichen!" (Meggendorfer Blätter.) • Vom Exerzierplatz. Feldwebel: „Was, Einjähriger, Ihnen ist das linke Bein eingeschlafen? Herr, wie können Sie im Dienste mit Ihren Beinen solchen Luxus treiben. Kunst und Wissenschaft. „Parsisal" — ein Oratorium. Folgende Erklärlmg ist verschiedenen Zeitungen zugegangen: Wir Unterzeichneten, die wir der Ehre teilhaftig waren, den Umgang des Meisters zu genießen, und seine Absicht — abgesehen von seiner öffentlichen Erklärung, sein Werk „Parsifal" einzig und ausschließlich in Banreuth aufgeführt wissen zu wollen — genau kennen, protestieren hiermit gegen die in Amsterdam stattgehabte Gesamtaufführung des Bühnenweihfestspieles als gegen ein Unternehmen, das im Widerspruch steht zu dem Willen des Meisters und eine Verletzung seiner Kunst bedeutet, insofern, als ein Bühnenweck in der Form eines Oratoriums zur Konzertaufführung gebracht worden ist. Karl Klindworth. Hans Richter. Adolf v. Groß. Emil Heckel. Felix Mottl. Franz Fischer. E. Fr. Dlafenavp. H. P. Fck>r. v. Wolzoge». Engelbert Humperdinck. Julius Kniese. — Die berühmteGalerieHenneberg in Zürich soll verkauft werden. Ihr Besitzer, der Seidenfabrikant Henneberg, beabsichtigt, die Schweiz zu verlassen und sich in seine Heimat nach Schlesien zurückzuziehen. Tie Villa am Züttcher Alpenquai mit ber Galerie von Bildern erster Meister im Werte von etwa 1 Million steht nun zum Verkauf. Von Böcklin, Defregger, Lenbach, Prglheim, Menzel und Segantini sind 116 Gemälde tm Preise von 60000 Mk. bis 112 000 Mk. vertreten. Tie Kommission der Gottfried Keller-Stiftung hat, wie der „Schwäb. Meck." meldet, bereits einige Ankäufe gemacht; ebenso schickten verschiedene Museen ihre Vertreter nach Zürich. Gerichtssaal. «s Gieße«. Der für das Jahr 1903 nötige Bedarf an Koks, bestehend in ca. 120 000 kg Hüttenkoks und , 120 000 , GaSkokS in der Korngröße M/M mm, soll im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden, und sind letztere bis Samstag, den 24. Januar l. IS., vormittags 10 Uhr, poft frei und mit der Aufschrrft , Angebot auf Kokslieferung " versehen, im Regierungsgebäude Zimmer Nr. 20 dahier einzureichen. Die Lieferungsbedingungen können von dem Baubureau der Provinz Oberhessen gegen Einsendung von 50 Pfg. bezogen werden. Gießen, den 7. Januar 1908. 438 Der Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberheffen. Dr. Breidert. wart der erschienenen Bewerber stattfinden soll. Butzbach, den 9. Januar 1903. Für den Kirchenvorftand: Schrimpf, Pfarrer. K ü ch e l, Bürgermeister. RümmeEse in fetter, vorzüglicher Ware cin- Versende garantiert unver- fäkfchtt«, sehr wohtöittömm- licheau.angcnehm schmeckenden IGÖOer Wä per Liter zu 58 Pfg. und per Flasche Glas zu 60 Pfg. Fässer leihweise. Gebinde u. Kisten jeder Größe. Preisliste und Probe frei. CäfI Tt». Oehmeii, (Soßfeng a. Ztsteiu 652 Weinbergsbesitz u. Weinhandlg. Bckauutmachung. Die Dienststunden für Grundbuchssachen in Ansehung der neu angelegten Grundbücher sind 1. für Hausen, Kirch - Göns, Pohl-Göns, Langenhain- 177 „ Nadel- , 7260 Wellen Buchen-Reisig, Arbeitsvergebrmg. Die zur Wiederherstellung der St. Marcuskirche in Butzbach erforderlichen Bauarbeiten sollen auf dem Wege der öffentlichen Bewerbung vergeben werden. Veranschlagt sind: Erd- und Maurerarbeiten zu 14691 7533 386 686 2960 647 DsWsüiMrki ZtzüMstrch 4 Jac. Perayn empfiehlt täglich frisch: feinste Süßrahm-Butter per V» KUoaramm 1.80 Mark. 423 hochfeine Landhutter 1,10 Mk. Auch bei den Milchsahrern zu bekommen. Freitag, den 16. Januar 1903 werden versteigert aus Distrikt HörneS, Märzacker und Noll: Dcrbstangcn Fichte: 22 Stück mit 1,28 im, Scherten nn: Buche 221 I. Klasse, 9 II. Klasse, Eiche 2, Knüppel rm: Buche 288, Birke 1, Eiche 2, Nadel 9, Reifer rm: Buche 364, Eiche 6, Nadel 22, Stücke rm: Buche 80, Eiche 2, Nadel 7. Außerdem. kommen beim Feuer zum Ausgebot: Knüppel rm: Erle 21, Reiser rm: Erle 84, welche bei der Papiermühle und in der Klingelwiese bei Allendorf sitzen. Die Zusammenkunft ist vormittags 10 Uhr auf der Straße Appenborn—Weitershain an der Abfahrt in den Distrikt Noll. Nähere Auskunft erteilt Forst- wart Leyerer, Odenhausen. Londorf, den 10. Januar 1903. Freiherrl. Oberförsterei Rabenau. Nicolaus. 434 Mw. j..a, r lu. Ud ...er HiUöS U;;0cUa>y i neu,.<■ tut ..u J. j. ilO garantiert sichere Treffer erzielen Nur einmalige Zahlung. Proap. ?r. u Irte. 431 Friedrich E*»er, Bankgeschäft, Frankfurt a. M. Brkanntmachnng. In der ersten Hälfte des Monats Januar (bis einschließlich den 17.) ist unsere Kaffe jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag geöffnet. Gießen, den 80. Dezember 1902. 184 Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen: Wiener. i Wein« und hikör-ßandlung en gros und en detail | ts eröffnet haben. Langjährige Erfahrungen in der Branche fetzen uns in den Stand, bei vorzögfichen Qualitäten und voilMndiger Reinheit unterer Weine mit angemellenen billigen Preisen die uns beehrende Kundfchaft in Jeder Weife zufrieden zu (teilen. k Kegen Influenza i ist ein vorzügliches Heil- und BorbeugungS^ ; Mittel das entbi.erte Chinin, genannt Euchiain. I Holzversieigrrung der Stadt Gießen. Montag, 19. Januar 1903, vormittags 9'/, Uhr beginnend, werden aus den städtischen Waldungen zu Gießen in der Wirtschaft „Zur Liebigshöhe" versteigert werden: a. aus deu Distrikten Tanne und Haiugesbodeu 44 Fichtenstämme mit 13,61 km, 1 Kiefernstamm , 0,37 „ 7 Eichenstämme „ 0,81 „ 539 Fichtenstangen H 50,15 , 10 rm Buchen-Schertholz, 81 „ Eichen- , 1 , Aspen- „ 8 , Nadel-Knüppel, 4 „ Buchen- , 44 , Eichen- „ 21,5, Nadel-Stockholz, 21,5- Eichen- , 780 Wellen Eichen-Reisig, 300 „ Buchen- „ 2260 , Nadel- „ b. aus deu Distrikten Fanler Boden und Obersörsterswiese 84 Fichtenstämme mit 5,53 im, 1146 Fichtenstangen , 75,80 , 2 rm Fichten-Knüppel, 14 - „ Stockholz, 330 Wellen Fichten-Reisig, c. aus den Distrikten Oberhag, Unterhag und Wauue 72 Fichtenstämme mit 24,02 fm, 1 Kiefernstamm „ 0,88 , 28 rm Eichen-Scheitholz, Gießener Stadttheater. Mittwoch den 14. Januar: Aeginn des Gastspiels der SS © la 1 i e e* ss © e s* mit Das Hlöckerl vom Mrkmflein- Bekanntmachung. Die Wahlen zur Handwerkskammer im Jahre 1903 betr. Ich bringe hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Be- ftandlisten 1. der zur Wahl berechtigten Handwerkerinnungen 2. des Ortsgewerbevereins Gießen von Mittwoch den 14. Januar bis Mittwoch den 21. Januar 1903 einschließlich, vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 6 Uhr, aus dem Bürgermeistereigebäude, Gartenstraße 2, Amtszimmer Nr. 15 zur Einsicht der Beteiligten offen liegen und daß Einsprachen gegen dieselben in dieser Zeü daselbst vorgebracht werden können. statten uns hiermit ganz ergebenff anzuzeigen, dafj wir mit dem heutigen uage UllXciyc« In Glessen, 6 SdiuKtrafje Ur. 6, gegenüber dem Stad^poHamt, eine Bekanntmachung. Mit Bezugnahme auf die Bestimmuugen in 5 25 der Wehrordnung werden alle im Jahre 1888 geborenen Militärpflichtigen, sowie diejenigen, welche dieses Alter bereits überschritten, aber sich zur Musterung nod) nicht gestellt haben, oder bei der Musterung in 1902 zurückgestellt worden sind, und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Wohnort haben, oder als Studeitten, Gymnasiasten oder Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als HauS- und Wrrtschafts- beantte, Handlungsgehilfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dlenst- boten, Fabrstarberter oder in ähnlicher Eigenschaft sich dahier aus- halten, hiermit ausgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die RekrutierungsftammroUe in der Zett vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei der Bürgermeisterei dahier tm Zimmer Nr. 18 zu melden, und habet, wenn fie dahier nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher von dem betreffenden ^tandes- amt zu erwirken ist, und, wenn sie bereits bei einer früheren Musterung konkurriert haben, chren Losungsschein vorzulegen. Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, sich zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mark oder mü Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Teilnahme an der Losung ausgeschlossen, und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung u. J. ro. für verlustig erklärt werden. Bezüglich der zur Zett der Meldefrist ab- wesenden Militärpflichtigen sind deren Elterr^ Bormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherren zu diesen Annteldungen verpflichtet. Ferner wird bemerkt, daß Gesuche um Zurückstellung von Militärpflichtigen auf Grund des K 32. pos. 2, Lit. a, b, o, d, e, f und g der Wehr- ordnung rechtzettig oei der Bürgermeisterei vorzubriitgen sind; verspätete Gesuche können keine Berücksichtigung finden. Gießen, am 8. Januar 1903. 827 Erptzyerzv-giu^r Bürgermeisterei Gießen. Mecum. ^rnilighl - beim Waschen mit bestem B Ä* zf^, • Erfolg anzuwenden • H In kaltem Wasser in warmem Wasser mit Kochen oder ohne Kochen überhaupt nach jeder Waschmethode auch zum Bade von Jung und Alt. In das Genossenschaftsregister wurde heute bezüglich deS Spar- und VorfchußvereinS Beuern 1 e. G. m. u. H. eingetragen: Wilhelm Otto 111 zu Beuern ist an Stelle deS verstorbenen Kontrolleurs Wilhelm Sommerlad IV zum Kontrolleur gewählt worden. Gießen, am 8. Januar 1903. Großherzogl. Amtsgericht.*" Bekanntmachung. In daS Genoffenschaftsregister wurde heute bezüglich des landw. Konsumvereins Altenbuseck e. G. m. u. H. eingetragen: Jacob Döll zu Altenbuseck ist als Lagerhalter und Kassenführer bestellt worden an Stelle deS Wilhelm Gießen, am 9. Januar 1903. GroßherzoglicheS Amtsgericht. Bekanntmachung. In das Handelsregister wurde heute eingetragen: 1) Kaufmann Otto Fangmann zu Gießen ist der Firma „A. Fangmann" als persönlich haftender Gesellschafter beigetreten. Beginn der offenen Handelsgesellschaft 1. Januar 1903. 2) Die Firma „Zadock Kann" zu Gießen; Inhaber Weinhändler Zadock Kann zu Gießen. Der Ehefrau Friedericke Kann geb. Reis daselbst ist Prokura