Nr. 291 Zweites Blatt. 153, Jahrgang Freitag 11. Dezember 1903 Erschein täglich mb Ausnahme des Sonntags. Di«. „Gießens Lamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeige Verantwortlich für den allgemeinen Dell: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitätsdruckeret (Pietsch Erben), Gießen. Seneral-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Die Heutige Wummer umfaßt 16 Seite» Volitische Tagesschau, Tas Befinden des Kaisers Wilhelm. Der Herausgeber der „Welt-Korrespondenz" schreibt. Unter dem 4. d. M hatte die „Preuß. Kon."'euren -eunruhiaenden Artikel über das Befrnden des Kaisers yerösfentlicht. Ta ich durch meine mehrrahrrgen Bczreh- mmen zu? Uebersee wohl weiß, wre schnell dort unerfreuliche Mitteilungen Verbreitung,ftnden, begab rch Mich tU einem mj» bekannten hochgestellten Herrn aus der persönlichen Unrgebung des Kaisers, um erne zuverlässige Information über das Befinden des Monarchen zu erhalten. Nach der Lektüre des Artikels erklärte mrr mern Ich kann Ihnen nur sagen, daß der Artikel die Wahrheit, aus den Kops stellt. Wem: gesagt wird, „der hohe Ker ßtat im Reichstag. L Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt mnterin 10. Dezember: Niemals ist die Nachfrage nach Tribünenkarten größer, stürmischer im Reichstag, als wenn eine Rede Bebels erwartet wird. Bebel ist für das große Publikum der interessanteste, sensationellste Sprecher. Seiner Leidenschaftlichkeit, seinem fortreißenden Temperament scheinen die Jahre nichts anhaben zu können; je älter der Sozialistenführer wird, desto heißblütiger, schroffer, schneidender übt er Kritik an den bestehenden Zuständen. Drei Dinge vor allem reizen Bebels höchsten Zorn: der „Militarismus", Rußland und die s ä ch s i s cb e R e g i e r u n g. Nach dem kräftigsten, erschöpfendsten Ausdruck seiner grimmigen Abneigung braucht Bebel nicht zu suchen; das wuchtige Wort stellt sich von selbst ein. Aber man erhält doch beim Lesen auch des ausführlichsten Berichtes nur ein unvollkommenes Bild davon, was Bebel gesagt hat, mit welchem unnachahmlichen schrillen Ton er Worte wie „Gendarm", „Ukas", „empörend", „brutal" ausspricht; man muß gesehen haben, mit welchen energischen, schlagenden, stoßenden Arm- und Handbewegungen er die Pointen unterstreicht. Tann erst gewinnt man einen Begriff, daß der Einfluß und die Wirkung Bebels auf die Massen tatsächlich außerordentlich ist, daß ihm kein anderer in der Sozialdemokratie „das nachmacht". In dichter Gruppe standen die Herren auf der Bundesrats- estrade, unten im Saal wie auf den vollbesetzten Tribünen herrschte dieselbe gespannte Aufmerksamkeit während der langen Rede, nichts wie Anklagen gegen die bürgerliche Gesellschaft enthaltend, gegen das Unternehmertum, gegen die Regierung, gegen unsere auswärtige Politik. Doch halt! Einen Lichtpunkt entdeckte auch Bebel, ein einziges Lob wurde auch von ihm gespendet und zwar dem in Württemberg geltenden Vereins- und Versammlun^srecht. Es erhielt die Zensur „nahezu ideal". Umso schlrmmer kam das Königreich Sachsen weg. Zornrötend, mit funkelnden Augen bezeichnete Bebel das Verhalten der Behörden gegenüber den Streitenden in Crimmitschau als unerhört, als mit beiden Fäusten aufs Rednerpult schlagend) „echt sächsisch!" Jach fuhr der Vertreter Sachsens im Bundesrat, Dr. Fischer, in die Höhe, um sich dann dem gerade in den Saal tretenden sächsischen Gejarcüten Gras Hohenthal zu nähern und diesen von dem Ztvischensall in Kenntnis zu setzen. Unmittelbar, nachdem Bebel geschlossen hatte, erhob sich der Reichskanzler zu einer längeren Abwehr. Gras Bülow hatte einen glücklicden Tag. Er handhabte die elegante Waffe der Satire so sicher und zielbewußt, er ironisierte dce „Freiheit der Sozialdemokratie, die Streitigkeiten des Dresdener Parteitages mit so viel Witz, daß er die L a ch e r a u f s e i n e r S e i t e hatte. Ten Angriffen Bebels stellte Gras Bülow die Frage entgegen, ob denn nicht auch die Sozialdemokratie „räudige Schaje" habe? Schars und bestimmt verbat er sich dce wiederholten Unterbrechungen von links. „Diskutieren wir hübsch anständig miteinander!" Erhobenen Tones rief er den Sozialdemokraten zu: „Reden Sie von aUein — aber reden Sie nicbt von Freiheit!" Besonders nachdrücklich war ferner die Zurückweisung der Aeu- ßerungen Bebels über das „barbarische Rußland". Tie sorgsamste Pflege der Beziehungen zu Itußland werde die Aufgabe der Regierung bleiben trotz Bebel. Graf Bülow zog eine Grenzlinie zwischen der vom Zentrums- ab-g. Tr. Schädler geübten Kritik am Militärtvesen, und der ,/rgitatorischen Art" Bebels. Nicht streng genug könnten die So ldatenmißhand lungen geahndet werden. Geschieht aber nicht!" tönte es von links zurück. Ausführlich weilte der Kanzler bei der Frage, wie sich die Sozialdemokratie den Zutunftsstaat denke? Bezüglich der Schisfahrtsabgaben aus freien Strömen gab Gras Bütow die beruhigende Erklärung ab, daß eine solche Maßregel nicht beabsichtigt (et Als der starke Beifall, den dre Rede gefunden, kaum verhallt war, brachte der sächsische Bundesracsvertreter Tr Fischer das amtliche Material in Sachen Crimmitschau zur Kenntnis des Hauses. Wiederum war dre äußerste Linke sehr rührig in Zwischenbemerkungen. Tie Rednerliste des ereignisreichen Tages beschloß als Wortführer der Lüonservativen Vizepräsident Gras S to l b e ra - Wernigerode mit einem kurzen, ruhigen Vor- traa in dem er eröffnete, daß mit ihm zunächt nur em Teil der Konservativen auf dem Boden der Finanzreform- Vorlage steht. Tie Bekehriurg des anderen Teils wird aber wohl lein Ting der lßnmoglichkert fern. Immerhin enthielt die Mitteilung des Grawn Dolberg erne lieber, raichung, da die konservative Piche stch durchweg günstig über den Entwurf geäußert hat. , Da in der heutigen Sitzung mehr oder mmder klassische Zitate eine Rolle gespielt hatten, gab zuguterletzt miet} noch Graf Ballestrem ein variiertes Zitat, und zwar *7 XJ Overette zum besten, indem er Vertagung mit der BeZiL vor'schlug: „Ter Reichstagsmann tut seine Pflicht von eins bis fünf - doch länger nicht!"___________ — Patient ist sehr angegriffen", so kann ich versichern:, daß Seine Majestät sich fortgesetzt in der denkbar besten Stimmung und bei glücklichstem Humor befindet, während die Stimmung eines „angegriffenen" Patienten doch naturgemäß gedrückt oder mürrisch ist. Wenn es in dem Artikel weiter heißt: „Seine (d. h. des Kaisers) Besucher finden, daß er in den Tagen der Krankheit recht gealtert hat", so ist das Heller Unsinn. Die Damen und Herren des Hofes sind im Gegenteil einhellig der Ansicht daß der Kaiser jugendlicher und frischer aussieht, als cs unter normalen Verhältnissen, o. h. ohne Erkrankung uiid Operation, der Fall gewesen wäre. Ter Grund ist der, daß die durch die Operation bedingte Ruhe dem Monarchen, der sonst an Arbeit und körperlichen Anstrengungen sich nicht genug tun kann, ausgezeichnet bekommt. „Ueberall im Staate und Reich ist man in banger Sorge um die Gesundheit des Kaisers." I^un, wir von der persönlichen Umgebung Seiner Majestät dürfen wohl für uns in Anspruch nehmen, daß wir an Zuneigung für Die Allerhöchste Person doch zum mindesten nicht hinter den übrigen Staatsbürgern zurückstehen. Wären wir „in banger Sorge um die Gesundheit des Kaisers", so würden wir — natürlich nicht in Gegenwart Seiner Majestät und der Kaiserlichen Familie, sondern wenn wir unter uns sind — dieser Sorge Ausdruck verleihen. Tatsächlich aber wird am Hose über diese ganze Sache gar nicht mehr gesprochen, einfach deshalb, weil die Angelegenheit für uns „erledigt", im günstigen Sinne erledigt, ist. Daran wird auch nicht das mindeste durch den einzig richtigen Punkt der Mitteilung der „Preuß. Korr.", daß nämlich der Kaiser noch nicht spricht geändert. Diese Tatsache ist ebensowenig besorgniserregend, wie etwa, daß ein Mann, dem ein gebrochener Arm eingerenkt worden ist, mit dem Arme wochenlang keine Bewegung ausführen darf. Die Hauptsache ist, daß die Operation glänzend gelungen und die völlige Herstellung der Stimme gesichert ist. Ich war übrigens dieser Tage mit einem Herrn zusammen, an dem dieselbe Operation vollzogen worden ist, wie am Kaiser, und der auch noch nicht sprechen darf. Ich meine, daß unser kaiserlicher Herr, dessen Gesundheit für das ganze Vaterland von der größten Bedeutung ist, einfach pflichtgemäß mindestens dieselbe Vorsicht zwecks völliger Wiederherstellung walten lassen muß wie ein Privatmann." Soweit mein Gewährsmann. Ich füge hinzu, daß er ein Mann ist, der zum „Beschwichtigungshofiat" weder Anlage noch Neigung hat und der, wenn die Mitteilungen der „Preuß. Korr." zutreffend wären, mich gebeten hätte, diese Mitteilungen auf sich beruhen zu lassen. ♦ • • Tas Athener Blatt „Asch" meldet, für den Fall einer Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms sei ein mehrtägiger Aufenthalt des Kaisers in Athen in AuAficht genouunen. Eine Persönlichkeit, welche ganz vor kurzem von Kaiser Wilhelm empfangen wurde und ihn auf einem etwa IV2- stündigen Spaziergange begleitete, machte recht erfreuliche Mitteilungen, die gleichfalls den günstigen Verlauf der Heilung erkennen lassen. Nach diesen spricht der Kaiser nicht sehr laut, aber doch so vernehmlich, daß man ihn gut in der Unterhaltung versteht. Tas Aussehen des Monarchen ist überraschend gut und frisch und man merkt seiner ganzen Stimmung an, daß er sich wohl fühlt. Binnen lüvzem kann man nach menschlicher Voraussicht damit rechnen, daß der Monarch wieder seine Stimme voll gebrauchen wird. Unter diesen Umständen denkt er nicht an eine Reise nach dem Süden, und alle Gerüchte, welche von einer Instandsetzung der „Hohenz-ollern" zu diesem Zwecke berichten, sind falsch. Internationales Petroleumkartell. Mit lebbajcer Freude begrüßen Mele Die Tatsache, daß die deutschen Großbanken, wie die Deutsche Bank und die Tisbontogesellscyaft, sich an der Ausbeutung des galizischen und rumänischen Petroleums nunmehr beteiligen werden und auch dem deutschen Petroleum in Hannover ihre Aufmerksamkeit schenken. Man hofft, daß dadurch der Stanoard-Oil-Company des Herrn Rockefeller etwas die Krallen gestutzt werden könnten, wie man denn auch, stets das russische Petroleum gegen die Amerikaner auszuspielen sich bemüht hat. Es ift aber, so meint die „Tische. Tagesztg.", mit ziemlicher Ächerheii anzunehmen, daß die Verbraucher des Petroleums keinen Vorteil von dieser Beteiligung des deutschen Großkapitals an der Petrvleumaewinnung und -Bearbeitung haben werden, denn es sind Bestrebungen im Gange, ein internationales Petroleumkartell zu gründen. Wie wir schon berichteten, finden zurzeit Vorbesprechungen für dieses Kartell in Berlin statt, zunächst unter Beteiligung der amerikanischen und östreichischen Interessenten, während die Russen eicht in einem späteren Stadium hinzutreten werden. Daß es nicht leicht sein wird, diese verschiedenen Gruppen zu einigen, ist llar, aber das gemeinsame Interesse, die Petroleumpreise möglichst hochzuhalten und einen Unrerbietungskrieg zu vermeiden, wird sie schließlich zusammenführen, und die Petroleum verbrauchendenDevölkerungenderWeltwer- d e n d ie Zeche bezahl en müssen. ___________ 1V. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, 9. Dezember 1903. Anwesend die Herren Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Grünewald, Hoos, Jhring, Katz, Atoll, Röhr, Schirmer, Schmall, Steinecke, Wallach Zurbuch sowie der Syndikus Tr. Knipper und Assessor Tr. Köppe. ' 1. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende des Dahin scheide ns des Herrn Fabrikanten C. Klingspor-Gießen^und hob in warmen, anerkennenden Worten die großen Verdienste hervor, die sich der Verstorbene während seiner langjäbrigen Mitgliedschaft zur Handelskammer um die Förderung von Handel und Industrie erworben hat. Die Handelskammer hat den Hinterbliebenen ihre Teilnahme ausgesprochen und durch ihren Vorsitzenden an dem Grabe des Verblichenen einen Kranz niederlegen lassen. 2. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen : a. Der Deutsche Handelstag hatte die Kammer um Mitteilung der in ihrem Bezirke etwa erlassenen polizeilichen B e st i m m u n g e n ersucht, die für Waren- un d Kaufhäuser die Ausnutzung der Gebäude für Verkaufsräume auf gewisse Stockwerke beschränken. Auf Grund der angestellten Ermittelungen wurde dem Deutschen Handelstage mitgeteilt, daß bis jetzt derartige An- ordnmigen im hiesigen Bezirke nicht ergangen sind. b. Tas Großh. Polizeiamt zu Gießen wurde ersucht, im Interesse des kaufenden Publikums und des Detail- Handels im Jahre 1904 vor Weihnachten wieder 14 Ausnahmetage zu gewähren und ihm anheimgestellt, soweit es nötig erscheine, vor Ostern und Pfingsten je einen Ausnahmetag weniger als im laufenden Jahre zu bewilligen. c. Mehrere Besitzer von Acetylengas-Anlagen hatten die Kammer ersucht, dafür einzutreten, daß der int neuen deutschen Zolltarif vorgesehene Zoll von 4 Mk. pro Dz. für Calciumcarbid bei den Handelsvertragsverhandlungen mit der Schweiz fallen gelassen werde. Tie Handelskammer hat diesem Ersuchenn entsprochen, nachdem sie sich, überzeugt hatte, daß dte hiesigen Acetylen-Anlagen auf den Bezug schweizerischen Carbides angewiesen sind und daß die Beibehaltung des vorgesehenen Zollsatzes die Acetylengasbeleuchtung zu Gunsten anderer Beleuchtungsmittel verdrängen wird und somit auch die deutsche Carbid- industrie von dem Zolle keinen Vorteil haben dürfte. d. Bei dem Kaiserl. Patentamt hat die Kammer beantragt, der Patentschristenauslegestelle bei der Untversitätsbebliothek in Gieße n noch einige weitere Klassen aus dem Gebiete der chemischen Industrie, der Gesundheitspflege und aus verwandten Gebieten zu überweisen. 3. Berichterstattung über die Sitzung des Bezirkseisenbahnrats Frankfurt a. M. vom 2 5. November 190 3. Der Vertreter der Kammer im Bezirkseisenbahnrat, Herr Kontmerzienrat Koch, berief^ tete, daß die von Magdeburger Firmen und der dortigen Handelskammer angeregte Tetarifierung von Cichorien- fabrikaten abgelehnt worden sei. Dagegen seien die beantragten Ermäßigungen von Steinsalz,rächten von mitteldeutschen Versandstationen, einschließlich Freden und Volpriehausen, nach Belgien, sowie die Ausdehnung der ermäßigten Steinsalz Frachten von mitteldeutschen Versandstationen nach Süd- und Westdeutschland auf die Werke Freden und Volpriehausen befürwortet worden. Ferner habe si?ch der Bezirkseisenbahnrat dahin ausgesprochen, daß für Tiersendungen im Bereiche der ehemaligen Hessi- jchen Ludwigsbahn und des Preußisch-He,sischen Teiles der Main-Neckar-Bahn die allgemein geltenden preußischen M- sertigungsgebühren eingefuhrt werden sollen. Ein weiterer Antrag auf Neueinstellung von Zehntonnenwagen an Stelle der durch Abnutzung unbrauchbar gewordenen alten Zehntonnenwagen wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. 4. Entwurf eines Reichsgesetzes b e tr. den Versicherungsvertrag. Die zur Vorberatung des Entwurfs eingesetzte Kommission der Handelskammer hatte eine Reihe von Abänderungen vorgeschlagen, die auch die Zustimmung der Volwersammlung sanden. Es wurde be- jchlossen, die Abmiderungsanträge dem Deutschen Handelstage zu übermitteln. 5. Jahresbericht der Hessischen Handelskammern. Die Kammer erklärte sich, mit den von der Kommission hessischer Handelskammern aufgestellten Grundsätzen für die. einheitliche Ausgestaltung der Jahresberichte der hessischen Handelskammern einverstanden und wird diese Einteilung schon bei der Ausarbeitung ihres Jahresberichts für 1903 in Anwendung bringen. 6. Gewährung eines Reichszuschusses an die deutsche Handelskammer in Brüssel. Die deutsche Handelsramnner in Brüssel hat der Kammer mitgeteilt, daß sie nach fast lOjährigem Bestehen vom 1. Januar 1904 ihre Tätigkeit einstellen müsse, wenn ihr nicht die mehrfach erbetene Reichsunterstützung von jährlich 4000 bis 5000 Mt. gewährt würde. Die Kammer beschloß, in Anbetracht der erfolgreichen Tätigkeit der deutschen Handelskammer in Brüssel auch ihrerseits dafür einzutreten, daß ihr die erbetene Reichsnnrerstütznng gewährt wird. 7. Verkehr mit Geheimmitteln. Nach einem Beschlüsse des Bundesrats ist der Verkehr mit gewissen Geheimmitteln und Arzneimitteln vom 1. Januar 1904 ab weitgehenden Beschränkungen unterworfen. Die Handelskammer zu Rudolstadt hat den Bundesrat gebeten, die Jnkrastsetzung dieses Beschlusses bis zum 1. Januar 1905 zu verschieben und die Verordnung dahin zu mildern, daß eine maßvolle Ankündigung und Empfehlung der in Frage kommenden Heilmittel auch fernerhin gestattet jein möge. Tie Kammer beschloß, von Der erbetenen Unterstützung der Anträge der Handelskammer zu Rudolstadt abzusehen. 8. Fernsprech - Verbindung Gießen-Frank- furt a. M. Von mehreren Firmen ans Gießen und Als- seld wurde darüber Klage geführt, daß die Fernsprech^- ieitun$ zwischen Gießen und Fratlkfurt a. M. an manchen Stunden des TageS, namentlich während der Frankfurter Börsenzeit, so üverlastet sei, daß die Vermittelung von Gesprächen zwischen oetben Orlen nur mit großen Verzögerungen erfolgen könne. — Tie Kammer erkannte die Berechtigung der Beschwerden an und wird die Kaiserl. Oberpostdirellion in Darmstadt um Abhilfe ersuchen. 9. Personenwagen 3. Klasse in D-Zügen. Bon den Reisenden wiro eS sehr oft als eine Belästiaung deS Verkehrs enipjunDen, Daß auf der Strecke Frankfurt am Main—Bebra—Halle—Berlin nur D-Züge 1. bis 2. Klasse verkehren. Ticzer lbllßstanD macht sich besonders bei den T-Zügen 41 Frankfurt a. M. — Berlin und 42 Berlin-^ Frankfurt cl M. füWar, da diese Züge nid>t nur für den Turchgangc'veikchr, sondern auch mangels passend liegender Schn Zuzüge für Einzel strecken große Bedeutung haben. Tie Kammer beschloß daher, bei der König-l. Ciseiibahn- Tirckrwn Frankfurt a. M. zu beantragen, daß die D-Züge 41 uick) 42 Perfvuenwagen 3. Klasse erhalten. Ferner sollen die in Betracht konunenden übrigen Handelskammern um Unterstützung ihres Antrages ersucht werden. 10. Eingänge: i) Statistik der Deutschen Neichspost- und Telegraphenverwaltung für das Kalenderjahr 1002; fr) Vorschläge zur Reform des gelverblia-an Rechtsschutzes, h-erauSgegeben vom Deutschen Verein für den aelverbl. Rechtsschutz; c) Katalog der Vrbliothek der Korporation der Kauf- maniisck)ast bon Berlin; d) Jahresbericht des Verbandes Rheiuhessischer Wein- hanbler für das 3. Vereinsjal)r 1902/U3; e) Tenkschtist, beir. dte Wirkungen des Borsengesetzcs und der dutch das Reichsstempelgesetz vom 14. Juni 1000 eingesuhrten Vorjensleuererhöyung, herausgegeben rwm Zentraloerbaird des Deutschen Bank- und Bankicrgewerbcs; |) Denkschrift, betr. den Entwurf eines Gesetzes über den Versicherungsvertrag, her aus gegeben vom Ver- baird der deutschen Hagelverjichcruiigs-ÄkliengcseU- jchaften; g) Eingabe des Verbandes Deutscher Teigwarensabrikanten an den ReichStanzler betr. die Rechtslage uiiu die Polizeaujsicht im Verkehr mit Lergwaren; )) Von zuverlässiger Seite sind der tzaitdelsianimer Mitteilungen zugegangen über die Veocutung der Tampsfähre Ged,er-Warnemunde für die Deutsche Lalid- uni) Forstwirtschasr, den Geschäftsverkehr mu Ungarn, Gelegenheit zum Absatz landwiclfckM, Locher Geräte in Rügland, die Hauj,i.bewegung an den ari- lienischen Börsen, den amerikanischen LabaUrust, den Absatz deutscher Waren nach Euba, den Ausbau der dlordbahn in Guatemala, den Eiseubahnban aus Formosa, sowie über zweifelhafte innen in Deutschland, Budapest, La Vatelra, London, Cardiff. Die Eingänge tonnen wahrend der üblichen G^chäfls zeit im Sekreraiiate der Handelskammer erngesehen weroen Aus Hlüöl Miö Luiid. Gießen, den 11. Dezember 1903. — Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Reinheim, Anto" Carnier, auf sein Nachsuchen nut Wirkung vom b. Januar 1904 und unter Anerkennung seiner tangjährigen, treuen Dienste bis zur Wiederherstellung semer Gesundheit in den Ruhestand versetzt und ihm das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft, Peter Kern zu Zwingenberg, wurde m den Ruhestand versetzt und ihm auS diesem Anlaß das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für treue Dienste * verliehen. * • Vom Verkehrsoerei n wird uns mitgeteilt, daß die anfänglich m Aussicht genommene Herstellung eines Neklame-Plakates verschoben worden ist, bis em größerer Betrag dieser Ausgabe gedeckt werden kann. Dagegen sock ein Führer durch Gießen und Umgebung herausgegeben werden und als Propaganda für unsere Stadt benutzt werden. Dieser Führer, der in Form und Ausstattung als ein Album gedacht ist, soll mit Inseraten versehen werden, um durch die dafür erzielte Einnahme den größten Teil der Herstellungskosten zu bestreuen. * * Schülervorstellung nn Stadttheater. Für den Mittwoch - Nachmittag hatte die Direktion die erste Schülervorstellung angesetzt und dazu Stücke unserer Dichter- Heroen Goethe und Schiller, nämlich „Die Geschwister und „Wallensteins Lager ausgewählt. Zahlreich war denn auch die Jugend herbeigeeilt und füllte alle Plätze des Saals aus. Diese stacke Beteiligung war freilich m der Hauptsache dadurch zu Stande gekommen, daß ein edler Kinder- jreund etwa 350 Schüler der Stadt-Knaben- und Stadt-Niädchenschule mit Einlaßkarten beschenkt hatte. So zogen denn die oberen Klassen der Stadtschulen unter Führung ihrer Lehrer von 3 Uhr an in das Theater ein und besetzten das erste und zweite Packelt sowie die Gallerie und, als sich diese etwas zu klem für alle die Schaulustigen erwies, auch die oberen Logen, während der Sperrsitz von Angehörigen der höheren Schulen ganz in Anspruch genommen war. Lebhafte Unterhaltung erfüllte das Haus, bis das Klingelzeichen von der Bühne ertönte. Dann wurde es mäuschenstill, und aufmerksam lauschten Alle den Worten des Altmeisters Goethe. Der Darstellung von „Wallensteins Lager" haben wir leider nicht mehr beiwohnen können, wir vermuten aber, daß die Ausmerksamkeck dabei mindestens nicht kleiner geivesen sein wird. Vermischtes. * Köln a. Rh., 10. Dez. Gestern stießen Arbeiter in einer Kiesgrube beim Sandschaufeln auf einen Menschen- schädel. Die sofort herbeigerufene Kriminalpolizei ließ lueitcr graben, wobei em Menschenfkelett zu Tage gefördert wurde. Eine Gerichtskommission nahm heute früh an Ort und Stelle den Tatbestand auf. * London, 10. Dez. Wie aus verschiedenen Hafenstädten berichtet wird, wütete gestern ein hesttg er Sturm an der Külte des Kanals. Der Dampferverkehc zwischen Dover und Calais mußte zeitweise eingestellt werdem Zwischen einem Schleppdampfer und einem Fischerdampfer aus Dünkirchen fand ein Zusammen st cß statt. Ter Fischerdampfer sank, die Mannschaft konnte jedoch gerettet werden. * Paris, 11. Dez. Baron Arthur Rothschild ist in Monte Carlo einem Schlaganfall erlegen. Pa cis, 10. Dez. Der Chauffeur Moder aus Frankfurt a. Alain, welcher nachmittags mit einem Adler-Automobil Paris passierte, fuhr aus dem Boulevard Diderot in einen Hausen Kinder. Ein neunjähriger Knabe wurde getötet, em andrer verletzt. * Gcaz, 10. Dez. Auf dem Bahnhof von Tarvis stürzte infolge großer Sch nee massen das Glasdach der Veranda em. Obwohl über 100 Personen aus dem Bahnhof versammelt wacen, wurde nur eine einzige verletzt. * Singe mau evtl In voriger Woche war eine Ge- ckchtskommission aus Meyenburg (Ostpcignitz) in Jännersdorf, um festzustellen, ob das seit langer Zeit umhergehende Gerücht, daß die Bauer Pleßschen Eheleute ihren Sohn seit 21 Jahren eingemauert haben, aiif Wahrheit beruht. Die Gerichtskommission sah sich einem über 90 Jahre alten Manne und seiner 86jährigen Frau gegenüber, die aussagten, daß ihr 46 Jahre alter Sohn seit langer Zeit „wild" fei und schwachsinnig und darum in sicherem Gewahrsam gehalten werden müßte. Sie gestanden, daß ihm das Essen durch eine kleine Oeffnung, wie einem Tiere in seinen Käfig zugeschoben worden, er sonst aber mit niemanden der Außenwelt in Verbindung gekommen sei. Die Gecichtsherren verschafften sich Eingang zu dem Gelaß des Unglücklichen und sanden diesen m einem bejammernswerten Zustande auf. Das Haar hing ihm wirr vom Kopfe, er starrte vor Schmutz. Doch machte er nicht den Eindruck eines gemeuisähclichen Irren, da er ihm gereichtes Geld und Gegenstände erkannte. Es ist nach der „V. Ztg." eine Untersuchung in der Angelegenheit eingeleitet worden, ob der Unglückliche bei seiner Einkerkerung wahnsinnig war oder ob sein Verstand erst infolge des jahrelangen Verweilens in seinem Kammer - Gefängnis gelitten hat. Er ist aus diesem befreit worden und soll unter ärztliche Behandlung gestellt werden. • Der verlorene Sohn. Aiis Budapest verschwand vor fünf Jahren der junge Baron Georg Aczel,der Sohn des Barons Bela Aczel, nach einem unbedeutenden Zwiste mit seinem Vater. Dieser starb einige Monate danach, und die Dlutter ließ überall nach dem verschwundenen Sohne suchen. Einmal hieß es, daß er in dec französischen Fremdenlegion in Tonkin diene, em andermal kam wieder die Nachricht, daß er bei der Burenarmee in Transvaal gekämpft habe. Baronm Aezel entsandte zwei Detektives nach Transvaal, ohne daß diese jedoch dort die Spur des jungen Barons gefunden hätten. Erst auf ihrer Rückreise nach Europa erfuhren die beiden Detektives durch einen Zufall, daß Bacon Georg Aezel in einem Hospital von Transvaal schwer krank dacniedecläge, unternahmen die Reise nochmals, fanden den jungen Bacon tatsächlich und überbrachten ihm die Bitte der Mutter, zu ihr zucückzukehren und das väterliche Erbe zu übernehmen. Der junge Baron wird, sobald es sein Zustand erlaubt, die Rückreise nach Ungarn antreten. * Der Ueberfragen. „Weshalb um aller Vernunft willen", so schreibt eine Dame, die sich von der Mode nicht tyrannisieren lassen will, „strangulieren sich die Männer unserer Tage durch den bis an die Ohren hinaufreichenden Ueberfragen derart, daß ihnen nur ein ärmlicher Viertelsrest ihrer Respicationskraft verbleibt? Denn nach einem Mehr davon sehen die heutigen Modeherren mit der durch das Zusammenpressen der Blutgefäße hecbcigefühcten übermäßigen Blutfülle in allen Teilen des Halses wirklich nicht aus. Dieser Blutandrang, der eine große Reizbarkeit des Schlundes und des Kehlkopfes zur Folge hat — letzterer wird noch besonders geschädigt durch die Beeinträchtigung dec Bewegungen des StuumocganS — stempelt dessen Veranlasser, den übertrieben hohen Stehkragen, schon allein zu einer hygienischen Unsitte. Was sonst noch unmittelbar oder mittelbar der Ueberfragen an Sünden gegen die Gesundheit verbricht, kann hier nicht erörtert werden. Ein Fingerzeig mag nur darauf aufmerksam machen, m welch bedenklicher Weise dieser dummdreiste Ohrenkratzer als fteifgeftärfte, wie angeleimt fest umschließende Halszwangsmaßregel die so überaus bedeutungsbringen ab und machte dienstliche Anzeige, so daß gegen Falkenhagen Anklage erhoben wurde. Obivohl die beiden eidlich vernommenen Militärperfonen befunbeieii, daß Falkenhagen nicht nur die Worte „Wer hier hineinfommt, den steche ich über den Hausen", sondern auch die Worte: „Von solchen Leuten (ec meinte scheinbar die wachhabenden Soldaten) sei er schon einmal b e st o h l e n w o r d e n", gebraucht habe, beantragte der Angeklagte, drei andere Zeugen, einen Redakteur, einen Mediziner und einen Apotheker, die seinerzeit als Festungsstubengefangene in Nebenzellen weilten, zu veriiehmen, die beschwören würden, daß er derartige Aeuße- rungen nicht getan habe. Der Gerichtshof beschloß nach kurzer Beratung Vertagung der Sache, um zunächst dte von dem Angeklagten vorgejchlagenen Zeugen veriiehmen zu lassen. Kandel und UerKeyr. Dolkütvirtschafl. Köln, 10. Dez. Die heutige aitßerordentliche Hauptversammlung des A. Sch aaffha i^sens chen Bankvereins hatte sich mit der Ergänzung der Satzungen durch eine die Herstellung der Interessengemeinschaft Mit der Dresdener Bank betretende Bestimmiing, ferner mit der Ausdehnung der Befugnisse des Aufsichtsrates und der Erhöhung der zulässigen Hochslzayl der ÜJht- gheber desselben zu befassen. Von den 88 anwesenden Aktionären stimmte einer gegen, bie anderen alle für die Interessengemeinschaft mit der Tresdeiier Batik, wahrend die übrigen Anträge einstimmig Annahme fanden. In den Amsichtsrat des A. Schaaffhaufenschen Bankvereins wurden neu gewählt dte Herren: Geheimer Finanz- vat a. D. Dr. ing. Jencke-Dresden, Cberbergrat a. D. Dr. jur. Paul Wachler-Berlin, Senator Johann E. Achelis-Bremen, Kommerzienrat Konsul Eugen Gutmann-Berlin, Geheimer Ober- sinanzrat Waldemar Müller-Berlin unb Kommerzienrat Camp- hausen-Köln. Dresden, 10. Dez. In der heute abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung der Dresdner Bank, bie unter dem Vorsitze des Geh. Finanzraies Jencke stattfand, waren 53 Aktiotiäre nut 42 368 Stimmen anwesend. Die Tagesordttung betr. die Interessengemeinschaft mit dem A. Schaan- h aus en sch en Bankverein in Köln wurde einstimmig und ohne Debatte genehmigt. In den Aufsichtsrat wurden die Herren Geh. Kommerzienrat Gustav Michels Köln, Geh. Justizrat Robert Esser-Köln, Bankier Louis Hagen-Köln und Obersinanzrat Hugo Hartung-Berlin neugewählt. Kirchliche Uachrichlen. Coangelische Gemeinde. Am 3. Advent, Sonntag den 13. Dezember. G ottesdiZnst. Ju der Stadtkirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst Pfarrer Euler. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche nir die Markusgemeinde. Pfarrer Schivabe. Abends 5 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Beichte und heiliges Abendmahl für die Matthäusgemeinde, wozu besonders auch die konfirmierte Jugend emgelaben wird. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Donnerstag den 17. Dezember, abends 8 Uhr, im unteren Konfirmandensaale, Kirchstraße 9: Bibelstunde. Apostel geschichte 6—7. Pfarrer Schwabe. In der Johauneskirche. Vormittags 9', Uhr: Piarrasiistent Lic. Gaul. Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gememöe. Pfarrer Euler. Abends 5 Uhr: Pfarrer Tr. Naumann. Beichte und heiliges Abetidmahl für bie Johannesgemeinde, wozu besonders die yieufoiifirmierien ans den letzten Jahren em* geladen werden. Anmeldungen vorher bei dem Pjarrer erbeten. Montag, den 14. Dezember, abends 8 Uhr : Bibel st unde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Text: Joh. 1, 26 ff Pfarrer Euler. volle Hautausdünstung verhindert und das Blut in überreicher Menge nach dem Gehirn treibt. »Ätach Freiheit strebt der Niann, das Weib nach Sitte*. Wahrlich, wie Freiheits- streber schauen die modernen Kragenmänner nicht aus und schön, bet aller heiligen Aeslhetik, auch nicht. Denn schon in der vergewaltigten Freiheit der Bewegung liegt eine Fülle von Häßlichkeit. Der Ueberfragen, besten Mode leider auch an den Juterimsröcken einzelner jüngerer Offiziere, sowie am Anzuge mancher modisch gekleideten Dame zu bemerken ist, macht ungesund, ist häßlich und macht häßlich. Deshalb ist den Blättern für Volksgesundheitspflege zuzustimmen, wenn sie die Losung ausgeben: „Fort mit diesen unvernünftigen Kragen!* — Möge dieses Pereat ein tausendfaches Echo wecken. Gcrichtssaal. Gießen, 10. Dez. Am Mittwoch vormittag verhandelte das militärische Standgericht gegen den Musketier Legrand von der 10. Kompagnie des 116. Infanterieregiments, einen gebürtigen Els äst er, wegen Gehorsamsverweigerung, Achtungsverletzung und Belügens eines Vorgesetzten. Ter Tatbestand der Anklage, wie ihn in der Hauptsache der Angeklagte zu- gab, war folgender: An einem Abend beschimpfte und beleidigte er ohne jeden ersichtlichen Grund einen an ihm vorbeigehenden Kameraden der 12. Kompagnie. Ter Unteroffizier vom Dienst, Sergeant Klingelhöier, der das Lautwerden des Legrand bemerkte, forderte diesen auf, die Kantine zu verlassen, wenn er jfanöalieren wolle. Der Alaun blieb aber ruhig sitzen, dabei sorglos nut dem Drehen einer Zigarette sich beschäftigend. Ter Vorgesetzte wiederholte darauf den Befehl, ohne daß Legrand Aliene machte, das Lokal zu verlassen. Ter Sergeant forderte den Alusketter auf, sich zu erheben, wenn er nut ihm spreche. Säumig und widerwillig erhob sich dieser und traf Anstalt, die Kantine zu verlassen und gab dem Vorgesetzten auf die Frage nach seinem Älamen die Ant- ivort: Musketier Siegined von der 9. Kompagme. Der Sin-« geklagte will die Frage nach seinem Namen nicht richtig verslaiiden haben, vielmehr geglaubt haben, er solle augeben, wo er zuletzt in Quartier gelegen habe. Oberleutnant Stephan berücksichtigte, daß Legrand sich bisher tadellos geführt habe und vollständig unbeftrait sei, und beantragte gegen ihn eine Bestrafung von 21 Tagen strengen Arrestes. Der Gerichtshof entsprach in seinem Urteil diesem Antrag. Der Domänenpächter Falkenhagen, der be- kanntlich wegen des Duells, m dem er den Landrat v. Bennigsen erschoß, auf Festung Weichselmünde eine ,echs° jährige Festungshaft verbüßt, hatte sieh letzt vor dem T a n n i g e r Schöffengericht wegen Beleidigung und Bedrohung des Wachtkommandos der Festung zu verantworten. Ter Sachverhalt ivar folgender: Fcckkenhagen lind andere Festungs» ftubeiigefangene hatten sich Ende September dieses Jahres einen fröhlichen Tag gemacht, Lampions an ihre Fenster gehängt und sie auch an den Fenstern hängen lassen, ivas ihnen verboten wurde. Da Falkenhagen dem Gebot nicht Folge leistete, wurde unter der Führung des Unteroffiziers Paekie eine Patrouille mit cmigepflaiiztem Gewehr nach brr Zelle des Festmigsgefcmgenen mit deui dienstlichen Auftrage geichickt, die Lampions zu entfernen. Falkenhagen verrammelte ö i e Tür von innen und verlangte einen dienstlichen Aiiftcag des Generals. 9lachdem Der Unteroffizier Paek-e wiederholt bemerkt hatte, daß er im dienstlichen Auftrage des bienfUuenDen Leutnants komme und ihm dennoch nicht die Tiir geöffnet wurde, öffnete er diese gewaltsam, jedoch nur so weit, daß kaum eine Person durchkommen tonnte, worauf Falkenhagen rief: „Wer hier hineinkommt, den steche i cl) über b e n paufe n." Der Unteroffizier 'land nun von einem weiteren Vor- j Katholische Gemeinde. Samstag, den 12. Dezember 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag, den 13. Dezember. 3. A d v e n t 5 j o n n t a g : Vormittags von 6 */, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Blesse, vor und m derselben Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Tie zweite heil. 'JJlefie. „ um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5*;e Uhr: Ehryteiilehre; darauf fakramentalische Briiderschafts-Alidacht. Uöchlllilichk ilrbrrfißjt irr LojlsM- in M rinLUietzen. 48. Woche. Vom 22. bis 28. Dlooember 1903. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (intl. 1600 Alarm Militär.) Lterblichkeitsziher: 23,19, nach Abzug von 3 Ortsireniden: 17,40 Voo. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-41Ö. Jahr Tuberkulose der Lnngen 1(1) 1 (1) _ — Diarrhoe 1 1 Herziehler 2 2 — Leberentzündung Harnblaten- KD KD — — eiitzülidung 1 1 — Broiichitis 1 — 1 — Gehirneiilzüiidung 1 — — 1 Krämpfe 1 -— 1 — im Wochenbett KD 1(1) — — Verunglückniig 2 2 — — Summa: 12 (3) 8 (3) 3 1 An ui.: Die m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betrefienöen Krankheit auf von auswärts nach Gießeli gebrachte Kraicke fümmeu. Schisssnachiichstn. u i u v e u 11 uj e r -o ». o y o. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 7. Tez. (Per transatlantischeii Telegraph.) Ter Toppetschrailben-Pofidauipfer „Frankfurt", Kapitän P. Albrecht, voni 9lorddentjcheli Lloyd ui Bremen, ist am o. Dez. 10 Uhr ovm inags wohlbehalten in Galvejion angefommen. Bremen, 9. Tez. iPer transatlantischeii Telegraph). Ter Toppelschrauben-Schnellpoitdampfer „Kaiser Wilhelm it", Kapitän o. Hogemann, voni Vlorddentschen Lloyd m Bremen ist gestern 11 Uhr vormittags wohlbehalten m Newyork angekommen. */u 9229 Der Borstand. Kunstverein. Die Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand ist von Sonntag an wieder geöffnet. 9236 KknenMtervktelN für (birken u. jimg. Wir bringen zur Kenntnis unserer Mitglieder, daß die aus Sonntag den 13. d. Alls, anberaumte Hauptversammlung auf den 20. Dezember verlegt worden ist. Akademische Vorträge. Mittwoch den 16. Dezember 1903, püuktl. 8 Uhr abends in der Universitätsanla. Bekanntmachung. re nber d. Jo. entweder schriftlich oder mündlich n S’erfo unterzeichneten Stelle - Zimmer DirZlö — anfeiaen m *^erbfnlb ldxfcU c$ur Entrichtung der Hundeabgaben dauert sonst vechiu.nt Ärd " 3^re UUb i,VaV Klange sort, als diese Anzeige Dreßen, den 10. Dezember 1903. ^32 ^robLjeiäugiu. . .. c.meisterei Gießen. ___C urschmann.___ Khrifttsljern,dkrKle«kii!>cr-!8c«hrMlilt s ft*nss Wir haben ,ur 2<>o »Nnder die Bescheri.ng beruirichten und den W-ihuachl-uich mit Waben m. beeten. u»?biez ü kö!'. endend n>it uns ■vieber an bie Liebe unb bei. luotjbvoUenben Sun Oer jjteunbe un|et;er Anstalt unb ihrer tiinber. Wir bitte» uns Gaben an ttleibungsilntten, Stoffen, Garn unb bergleichen be,°„. becs aber auch GetOgnben, bie uns bie gleichmänialte tieicherunn tut unfeve Stiemen ermöglichen, zuwenben zu wolle». ’ fl ferne tifte zur Erhebung von Beiträge» wirb Nicht herum- gegeben. Vielmehr bitten wir bie uns zugebachlen Gaben recht balb an eine Oer nach benannte» Vorstanbsbamen gelangen zu Iahen • ^rau Rechtsanwalt Gruuewal», Liebigstraße 21; Frau Johanna Ostanlage 31; Frau Commerz,enrat Hchligenftaebt, Liebig- I'^ve ^rau Rechnungsrat Kaibjleijch, Lubwigstrage 7; Frau Prolrffor Leist, Ollanlage 36; Frau Plärrer Siauinauu, Süban- lage 8; „rau L,li,e Ltteus, Bismarctstratze 11; Frau Lina Schmall. L-Itanlage 06; yrdiilem Luise Wortman«, Dammstrasze 32 JUud) die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben anzunehmen; man. wolle freundlichst beachten, daß es die Klemtmder- schulschweslern sind Diezstraße 15. Gießen, den 7. November 1903. Ter Vorstand der Hlemkmderbewahranstalt. Dr. Naumann. 8356 Herr Geh. Hofrat Pro! Dr. Siebeck: Zur Psychologie des Musikalischen. 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