8139 te. ?®t wünscht Adkiiond, Bi. eet ruwh-lle. °-E« »*ssss ÄÄUS St-LheM Liehen,, "S->Lg 5-A'^ “* rl r ^i*w 13 November, ;Ü -/.»w- MPMiE» ix Beucht übrt ^1003 2)^011^ November. Äraun mit Brust. Halsbanö mit Flamen. Wieberbmger Belohnung. Äbjiigeben membworslcherPscher' ri. ' w ,veiS auS Hagen'.Wests. Mein t'Llir: 8366 ür Streme md W. JU verleihen, passenb für aum. Näheres bei I Hoilmann, nieder örunbergerslraße 8a. 00 Mark 'gen u. boppeltt Sidjtt* lcht'gem Geschäüsmaim 'fierten unt. Nr. 0566C pedüion d. trmomM 14 M. unb 1 §olb. 91mg erloren. Äbzugeb. gegen ng Lellersweg 83, III Nr. 265 er1<»ctnt täglich aufeer Sonntags Dem tötefeener Anzeiger werben im Wechsel mit den, hessischen Landwirt die Gießener Sanrilien, blätter viermal in bei Woche betflelegL DtotanonSbvud u ‘Ber- lag bei Vrü h l'schen Unived.-iöudy- u. Stein- beudeert lPierich titrben) Ptebaftum. Lrveditwn und Druderei: Gchalstrabe ?. Mbietle hü» Deveschenr «nzetgcr Wietzen. ^erniprfd)anichlut3Wr 51 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch LI. November 1NOF w 5a M WM V Kreis Gießen vezngsprez», monatlich 75 tJt, viertel- sührlich DIL 120, durch Abyole- tt. Hroetgfteüep monatlich 6o 13t.; durch die Post Ml. 2.— viertel» jäbvL au6ld)L ©eiterig. Annahme von Anzeige« üi dis Lage»nummer jU3 ponniuag» 10 Uhr« ^etUnpnrtfl. lokal 12 Ps^ au6ttxlrtl IV tilg, <Ü«caMi tüx den poltt und urigem. TeU: tt totirfo. tüt „Stadl und danö" und .GerichtesaalAugust D ö h , lüt de» An- »eiqenteti: t»an( Beck. General-Anzeiger ' Amts- und Anzeigeblatt für den §ie Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Kolonialpost. Berlin, 10. Nov. Zum Aufstand der Bondel- zwarts wird der „Posü' aus Kapstadt gemeldet: Zwischen einer Abteilung Kolonialpolizei und Bond^tzwarts, die in britische-. Kolonialgebiet eingefallen waren, um Farmen zu plündern und Vieh zu rauben, kam es zu einem Zusammenstoß, worauf sie die Farbigen zuruckzogen, nachdem sie einen Toten hatten. Man glaubt, daß die Eingeborenen durch Hunger zu dem Einfall getrieben worden sind und ist besorgt über das Schicksal der in den Händen der Bondelzwarts befindlichen brutschen Unterth-anem — Diese Meldung dürfte dem genannten Blatte zufolge dafür sprechen, daß man im Begriff steht, den Aufstand im Distrikt Warmbad niederzu- wersen, ohne Zuzug aus Windhoek. Von Keetmanshoop aus, wo eine kriegsstarke Kompagnie Kolonialtruppen liegt, scheine man die aufrührerischen Eingeborenen über dre Grenze der Kapkolonie getrieben zu haben. In Warmbad befinden sich übrigens 182 Weiße, die sich wohl nicht ohne weiteres haben überrumpeln lassen. Berlin, 10. Nov. Der Gouverneur von Deutsch- Süd w e st a f r i k a meldet unter dem 10. November aus Windhoek: Vom Kriegsschauplätze liegen noch immer keine wichtigen Nachrichten vor. Dort ist jetzt Bezirtsamtmann v. Durgsdorff mit 150 Reitern eingetcoffen. Hauptmann v. Fiedler mit 180 Reitern und vier Geschützen ist im Anmarsch Die Bethanier sind treu. Ueber die Haltung der Feldjchuhträger ist hier nichts bekannt. London, 10. Nov. Das Reut ersehe Bureau meldet aus Ken hart (Kapkolonie) vom 9. d. M.: Die aufständi- Hottentotten rücken, 1500 Mann stark, gegen die Grenze vor. Tie Polizei hat Freiwillige aufgeboten und dorthin entsandt. Es werden ernste Kämpfe erwartet. Krrche und Kchule. Die Realgymnasialkur se für Mädchen, welche seit Ostern in Frankfurt a. M. bestehen, werden Ostern 1904 eine neue Klasse eröffnen und die jetzigen drei Klassen als IV (Untersekunda), III (Obersekunda) pnd II (Unterprima) weiterführen. In diesen Kursen wird begabten jungen Mädchen Gelegenheit zur .Erwerbung einer gediegenen Bildungsgcundtage und die erforderliche Vorbereitung für das Universitütsstudium geboten. Das Schuljahr beginnt Montag nach der Osterwoche. Ker Krozcß wegen Kindesunterjchteöung gegen die Arafin KwttecKi. XL Berlin, 10. Nov. Polizeirat Swolkien aus Krakau berichtet, daß vom 23. bis 25. Januar 1897 eine angebliche Hausbesitzerin Bonscziowska aus Posen im Zentralhotel in Krakau logierte, und daß sich in Krakau häufig Leute unter falschen Namen und falschen Adressen einmieten. Bei seinen Recherchen wußten die Leute fast nie genaues anzugeben. Hedwig Andrusczewski hatte als Reisenamen Nautter Bonczkowska angegeben. Die Zeugin Radwanska, die auf der Reise das Kind stillte, bekundet über den Zeitpunkt der Reise, tw- mals sei ihr Kind rteun Monate alt gewesen. Da das Krnd am 17. April geboren ist, wäre der Reisetermin der 17. Januar 1897 gewesen, woraus diePerteioiguu g schließt, daß es sich hier nicht um den Fall der Gräfin handelt. Tie Hebamme Moll aus Krakau entsinnt sich, daß der Kindeskauf an einem Samstag» dem Vorabende des Marientages, stattsand. Ter Vorsitzende stellt fest, daß der Marientag auf den 2. Februar fiel, der Vorabend also nicht ein Samstag war. Nach einer Pause kritisiert der P r ä s i d e n t die Haltung eines Teiles der Presse bezüglich des Prozesses und bemerkt, ein Artikel ziele direkt auf Beeinflussung der Richter ab. (£r warnt die Geschworenen vor Beeinflussung. Ter Staatsanwalt bemerkt sodann, das Krnd der 9iadwansla sei am 14. April geboren. Daraus könne man auf ihre Zuverlässigkeit schließen. Unter allgemeiner Spannung wird alsdann die Weichenwärterfrau Cäcilie Meyer, geb. Parcza, vernommen. Sie ist vom Wochenbett noch etwas angegriffen und macht ihre Aussagen sitzend wie folgt: Sie hatte aus ihrem Verhältnis mit dem Hauptmann v. Ziegler schon einen Knaben, welchen sie nach vier Monaten zu fremden Leuten gebracht hatte. Tann hatte sie aus dem Verhältnis mit demselben Herrn einen am 22. Dezember 1896 geborenen zweiten Sohn. Sie ist jetzt 29 Jahre alt. An einem Tags, den sie früher als den 24. Januar angegeben, den sie jetzt aber als den 25. Januar 1897 angeben müsse, sind zu ihr drei Frauen gekommen, die Hebamme Frau Moll, die sie entbunden, und zwei andere, die sie fragten, ob sie nicht ihr Kind zur Erziehung aügeben wolle. Die Frauen haben sich dann das Kino angesehen; die eine ältere Dame sagte, es sei eigentlich schon zu groß, aber es gefalle ihr. Sie war erst zweifelhaft, ob sie das Kind weggeben solle, man überredete sie aber und sagte, der Knabe würde es sehr gut haben, und so hat sie dann den Jungen hinge geb en und 100 Gulden dafür erhalten. Während sie in Tränen dasaß, ist ihre Schlvester ^u ihr gekommen, und da hat sie eingestanden, dcpz sie den JNngen an eine Gräfin weggegeben habe. Tags daraus ist sie zur Gradzynska n.'nd dann zu der Radwanska gelaufen und hat erfahren wollen, wo das Kind hingekommen sei. Sie erhielt immer nur die Auskunft, daß das Kind sehr gut aufgehoben sei, und hat darauf gedroht, daß sie zur Polizei gehen würde, wenn man ihr nicket sage, wo oer Knabe sei. Auf eine Frage des Staatsanwalts erklärte die Zeugin, daß sie von der Mitnahme einer Nachgeburt nichts gesehen habe; doch habe sie später davon gehört, daß eine 9öach- geüurt aus einem Kranlenhause mitgenommen worden sei. Am 9. Februar 1897 habe sie den Verteidiger Dr. FftimowSki in Krakau gebeten, ihr zur Wiedererlangung chres Kindes behilflich zu sein. Sie hat in den Hotels sestgestellt, daß dort zur fraglichen Zeit eine Gräfin sich au spielt, aber aus Owice. Sie habe ihren Jungen nicht wiedergesehen; eines Tages habe ihr Hechelski einige Photographien vorgelegt, und sie habe darunter die Photographie des angeblichen jungen Grasen als die ihres Kindes herausgesuuden. Es schien chr eine Aehnlichkeit mit chrern ältesten Sohne vvrzuliegen. Sie wisse ganz genau, daß chr das Kind am 25. Januar, einem Montage, abgeholt worden (ei. Die ältere Dame müsse etwa 60 Jahre alt gewesen sein; da sie einen Schleier trug und es ein dunkler Lag war, könne sie keine nähere Beschreibung von ihr geben. Die alte Dame habe gesagt, das Lind solle für eine junge Gräfin sein, die einen Bräutigam habe, der sie aber nur heiraten wolle, wenn sie fein Kind ausweisen könne. (Heiterkeit.) Die Zeugin Moll wird der Zeugin Meyer gegenübergestellt. Während die letztere darauf beharrt, daß das Lind an einem Montage abgeholt worden sei, bleibt die Zeugin Moll mit derselben Entschiedenheit dabei, daß es an einem Samstag war. Rechtsanwalt Filimow s ki-Krakau erklärt, im Auftrage der Vorzeugin über den Aufenthalt des Kindes nachgeforscht, aber nur erfahren zu haben, daß das Lin»» nach Berlin gebracht sei. DaS Bezirksgericht Krakau habe ihn am 6. April 1903 zum Vormund des angeblichen kleinen Grasen ernannt. — Nach weiteren für die materielle Prozeßfrage nichts wesentliches ergebenden Zeugenaussagen wird ine Sitzung auf Donnerstag vertagt. ....... —-------■■■■!.III < «Leutnant ZLUfe vor dem Kriegsgericht, n. Metz, 10. Nov. In der Verhandlung gegen den Leutnant Bilse vom 16. Train-Bataillon wurden heute die Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Vorher wurde auf Antrag des Ver> treters der Anklage besclstossen, eine Frau Pauly aus Friedrichroda vorzuladen, die bekunden soll, daß der Angeklagte in den Schilderungen seines Romans die Absicht gehabt habe, seine Vorgesetzten zu beleidigen und Mißvergnügen unter den Kameraden zu erregen. Der Antrag der Anklagebehörde, bei der Vernehmung der Rittmeister die Oeffentlichikeit auszuschließen, wird vom Gerichtshöfe abgelehnt. Zeuge Rittmeister Bandel (im Roman König) bezeugt, daß er mit Bilse gut befreundet war, jedoch keinen Einfluß bei der Herstellung des Buches geltend gemacht hätte. Bilse sei einer von denjenigen, die nie ein bös^Ä Wort über die anderen gesprochen hatten. Er machte ihn daraus aufmerksam, daß das Buch Mißverständnisse hervor- rufen könnte, doch glaube Zeuge nicht, daß Bilse Beleidigungsabsichten mit dem Buch hatte. Auf Befragen betr. der Duellassäre Fuchs, erzählt Zeuge Bandel, daß Frau Ey unter Tränen erklärt habe, sie müßte die Sache wieder in Ordnung bringen. Sie könne nicht zu- geben, daß ein verheirateter Mann totgeschossen würde. Apotheker Dreese ist als sehr guter Schütze bekannt. Frau Rittmeister Ey ritt täglich, Dienstpserde mit Wissen des! Kommandeurs. Ein im Stall hängender Damensattel gab, einem Obersten aus Straßburg Anlaß zu Bemerkungen. Zeuge ist seit Januar vom Dienst suspendiert wegen eines gegen ihn schwebenden gerichtlichen Verfahrens in Bezug aus die Verwaltung desl Kasinos. Er bestätigt auch die Wahrheit des im Roman erwähnten Pirmpversuches von Kasinogeldern durch Leutnant Witte und andere. Verschißene unerhörter Szenen im Roman stimmen überein mit Forbacher Stadtgesprächen. Daß Oberleutnant Habenichts nachmittags nicht gern Dienst tat, bestätigt Zeuge. Er hatte ein Verhältnis! mit einer Kellnerin und tanzte mit vor gedrückten Knien in unsittlicher Weise. Riltmeisler H a e g e le (im Roman Hagemann) sagt auS, Frau Ey habe die Vs erde in einer Art benutzt, die Zeuge für nicht zulässig halte. Wenn es heißt, Rittmeister Ey sei einem guten Trünke nicht abhold, so trifft dieses vollständig zu. Daß Fischer und Koch, verschuldet sind, war bekannt. Frau Ey holte ihren Mann aus dem Kasino ab. Leutnant Habenichts hatte viel Verkehr mit Mädchen. Der Angeklagte hat sich im Verkehr mit mir stets liebenswürdig und korrekt benommen. Seinen Roman schrieb er wohl, um eine Kritik an den bestehenden Verhältnissen zu üben und die erwähnten Personen lächerlich zu machen. Ter Verhandlungsiührer verliest ein kriegsgerichtliches Urteil gegen Bandel, das eine Parallele im Roman ftndet. Er wurde von der Anklage des Betrugs bei der Kasino- Verwaltung freigesprochen unter Anerkennung seiner guten Dienste für das Kasino. Leutnant Witte hatte die Anklage veranlaßt, die Zeugen vermuten, weil er ihm dieAnleihe nichtbewilligte. Der Verteidiger wn- sm Gießener Wadttycaler. Komtesse Guckerl, Lustspiel in 3 Akten von Dr. Koppel-Ellfeld und Franz von Schönt Han. Die pietätvolle Sitte anderer Theater, am 10. November zu Schillers Geburtstag ein Schillersches Drama zur Aufführung zu bringen, hat auch unsere neue Direktion einführen wollen. Doch die gute Absicht wurde durch die liebenswürdige Rücksicht auf em Theatermitglied vereitelt, das der großherzogl. Theater-Intendant von Oldenburg in einer bestimmten Rolle zu sehen wünschte. In der Aufführung einer Schillerschen Dichtung am Schillertage übrigens ein Programm zu erblicken, hat sich die Kritik an vielen Orten längst entwöhnt. Bedeutet doch gar hausig der Schillerabend des 10. November so etwas wie ein Derniere, indem die Direktion mit einem ^Don Carlos^ oder einem „Wallenstein" gleichsam als Abschlagzahlung sich von den moralischen Verpflichtungen gegenüber den klassischen Heroen des Repertoires loskaufen will, um mit beruhigtem Gewissen Kraft und Zeit wirklichen Kassenmagneten, den Spekulanten des soit dit -Lustspiels" oder Salonstücks widmen zu können. Herr Direktor Steingoetter wandelt einen anderen Weg. Ein paar klassische Abende haben wir bereits hinter uns, und auch gestern abend wollte er uns eigentlich klassisch kommen. Der Zufall hat es anders bestimmt, und der Zufall war klug und geschäftsverständig. Die Litteratur zeugte zu allen Zeiten Werke, in denen sich der Geist der bestimmten Epoche, ihr innerstes Fühlen und Wollen und Sehnen ebenso treu ivie umfassend offenbart. Wie im sedimentären Schiefer die Fauna der Urwelt, wovon uns Böljche in seinem neuesten schöllen Werke „Von Sonnen und Sonnenstäubchen" -(Berlin Georg Bondi) viel Erstaunliches erzählt, so erhält sich in jenen Werken, nur weit lebendiger und frischer, das Empfinden der vergangenen Menschheit; wir schauen ihr durch das Diedium der Dichtung gleichsam in Herz und Nieren. So lebt der Mensch des Mittelalters mit seinem ungebändigten Heldentrotz, aber auch mit seinem grimmigen Blutrachedurst im Nibelungenliede fort, der' genußschwelgende Mensch der Spatrenaissance in Ariosts „Orlando", der zwischen Rationalismus und Mystizismus hin- und herschwankende Mensch der Aufklärungszeit im „Faust". Auch der Geist der Gegenwart, wenigstens ein beträchtlich Stück von diesem Geiste findet in Monumentalwerken sein Ab- und Spiegelbild, und zwar in den Erzeugniffen einer — Schwankfirma, die Koppel- Ellfeld und Schönthan heißt. Das klingt scherzhafter als es im Grunde gemeint ist. Der äußere Erfolg der Fabrikate dieser Firma ist alles andere, denn Zufall. Mit der littera- rischen Bildung und dem likterarischen Bedürfnis unserer Zeitgenossen stehen diese Fabrikate in unmittelbarem Zusammenhänge von Ursache und Wirkung. Was so ein Zeitgenosse von der Litteratur verlangt, ist eine möglichst leichte, seichte, witzelnde und kitzelnde Unterhaltung, eine geruhsame Erholung nach des Tages MÜH und Qual. Unser Zeitgenosse ist durchaus Realist; so viel er an Geistes- und Empfindungskräften zu verschwenden hat, gerade so viel bedarf er im Alltagskampfe ums tägliche Brot und für die politischen und sozialen Erregungen, die sein ganzes Sinnen ausfüllen. Ideale Erhebungen wären Gift für ihn. Eine Dichtung, die leidenschaftliche Anteilnahme, geistige Anspannung, Gemütsversenkung erfordert, findet nur dort eine Heimstätte, wo noch unverbrauchte Kraft, brennendes^' Sehnen, innere und äußere Muße vorhanden ist. Alit allem dem kann der Durchschnitts-Zeitgenosse nicht aus- warten; sein Tag gehört dem, was nützlich ist, und nur den müden Abend vermag er dem Genuß zu widmen. Kein Wunder, daß die „Dichter" nur dann ihm etwas bedeuten, wenn sie mit der Müdigkeit rechnen, wenn sie weiter keinen Zweck verfolgen, als zu amüsieren, wenn sie sich in weiser Selbsterkenntnis auf die Rolle der Spaßmacher beschränken. Es wird aber doch wohl einmal ein Tag kommen, wo unser Volk aus der beständigen Alltagssorge herausgewachsen, wo es wiederum anderen als den materiellen Tagesfragen seine Teilnahme zuwenden und andere Freuden suchen wp:d, als die gekennzeichneten. Noch freilich ist dieser Tag ein Zukunfts- traum; vorläufig fettet sich im Theater der große Kassenerfolg fast durchweg an die leichte Unterhaltungsware; für das Große, Bedeutende, Ideelle fehlt es an Lust und Kraft und innerer Sammlung. Aus solchen oder ähnlichen Erwägungen heraus mag unserer Direktion der allwaltende gütige Zufall, der seine Pappenhelmer kennt, zu Hilfe gekommen fern, als er am Schillertage keinen „Don Carlos", sondern „Comtesse Guckerl" ansetzte. Wie sagt doch der Marquis just in „Don Carlos": „Den Zufall giebt die Vorsehung, zum Zwecke muß ihn der Mensch gestalten." Es liegt ein arger Witz in diesem Zufallsspiele, der charakteristische Lichter auf den Theatergeschmack zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirft. Herr Direktor Steingoetter hatte es anders gewollt. Er verheißt nun für den nächsten Theaterabend einen Schiller, und er wird wohl, seinem Programm gemäß, von Zeit zu Zeit, ziemlich unbemerkt, darum aber vielleicht um so wirkungsvoller, dieses oder jenes klassische Stück noch, und dazu einen Ibsen, Halbe oder Schnitzler in das Siepertoire schlüpfen lassen. An deutschen Hoftheatern aber, auch da oben an den waldreichen Ufern der Hunte, wo einst so große Bühnen- ibeali|ten wie Jul. Mosen und Ed. Devrient das Szepter führteri, wo noch vor einem Jahrzehnt Georg Drosch er, der jetzige Oberregisseur der kgl. Hofoper in Berlin, als Theaterleiter Hervorragendes in der Wiederbelebung halboergessener klasjischer Dramen leistete, da gilt heute eine „Comtesse Euckerl" als der Prüfstein für Theaterheroinen--— stottert, baß der Angeklagte Bilse nach seiner Ueberncchmc ins Bataillon auf ein Jahr in den Ehrenrat gewählt wurde. Daraus wurde für btc VernelMung der Heugen Mtte und Koch die O e s s en tli ch kei t wegen Gefährdung der Sittlichkeit und der militärischen Interessen ausgeschlossen. Nach Vernehmung der Zeugen Mtte und Koch wurde die Verhandlung geschlossen und auf morgen vertagt. Aus Stadt und Kaud. Gießen, 11. November 1903. -Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Provinzialbirektor Geheimrat Freiherrn von Gagern zu Mainz das Komturkrcuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. -Maräa von Magdala-Aufführung. Die vom Theaterverein bei dem Atelier Falck in Berlin bestellten neuen Dekorationen sind zum Teil schon hier eingetroffen, sodaß die Aufführung dieses viel besprochenen Dramas am Dienstag dem 17. Nov. stattfinden kann. (S. Anzeigenteil.) Die Dekorationen umsaffen das Zimmer der Maria, da§ des FlaviuS, die Ansicht von Jerusalem und die Häuser des Hohenpriesters Kaiphas und des Simon. - V o m S t a d t L h e a t e r. Wir lesen in der »Hung. Landpost": „Infolge der ungünstigen Zugverbindung am Abend ist eS der Einwohnerschaft an der Bahnlinie Gießen- Nidda leider nicht möglich, dieAbendvorstellungendes Gießener Stadttheaters zu besuchen. Von verschiedenen Seiten dazu aufgefordert, setzten wir uns mit der Direktion in Verbindung unb ersuchten im Interesse der in Betracht kommenden Theaterfreunde um Einlegung von Sonntag-Nahmittag- V o r st e l l u n g e n. (Von anderer Seite ist, wie wir hören, das Ersuchen an die Theaterdircktion gerichtet morden, mit Rücksicht auf auswärtige Theaterfreunde drc Sonntag-Vorstellungen um ys7 Uhr beginnen zu laffen. D. Red. d. G. Anz.) Diesem Ersuchen hat die Theaterdirektion bereitwillig entsprochen und eS findet mm nächsten Sonntag, nachmittags 3*/, Uhr die Aufführung des Schauspiels „Versunkene Glocke" statt." r. Aus dem Biebertal, 9. Nov. Die Bauhand- Werker hiesiger Gegend sind zurzeit damit beschäftigt, für die angehenden Bauhandwerker, Lehrlinge und Gesellen eine Handwerkerschule ins Leben zu rufen. Viele junge Leute besuchten seither allsonntäglich dre Zeichenschule zu Gießen, wovon sie aber für die Folge nicht mehr Gebrauch machen können, da wegen UeberfüUung der dortigen Klassen alle auswärtige Schuler (NichtHessen) von dem Schulbesuch ausgeschlossen find. Von berufener Seite sind daher bereits Schritte getan worden, um hier eine Fachschule für Bauhanowerker zu begründen Die Handwerkerkammer zu Mesbaden hat bereits in bereit- wllliger Weise dem Unternehmen chre Unterstützung zu gesagt. Für nächsten Sonntag ist daher die erste Handwerterver- sammlung nach Rodheim bei Gastwirt und Schreenermeister K. Schlierbach einberuseu worden, um das Unternehmen zu beraten Möglicherweise wird die Schule noch in diesem Winter eröffnet werden es- Friedberg, 10. Nov. Ein in Oberheffen allgemein bekannter Mann, Obstbautechniker Ernst Metz ist gestern im Alter von 72 Jahren gestorben Bis vor zwei Jahren besuchte er jeden Winter die Kreise der Provinz Oberheffen, um in den Ortschaften durch Vorträge und praktische Anleitungen den Obstbau zu heben und Obstbauvereine zu gründen, wozu ihn seine praktischen Kenntnisse befähigten. Auch über die Grenzen HeffenS, ja sogar Deutschlands hinaus war Metz durch seine bedeutende Rosenzucht als „Rosenrnetz" bekannt. Er ist ein Mitbegründer des oberhejsischen Obstbauvereins und gehörte demselben als Beamter 12 Jahre lang an, bis er vor 2 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand trat. h. Ulfa, 8. Nov. Auf Anregung des hiesigen Kriegervereins soll endlich einer alten N/renpslicht durch Errichtung eines Kriegerdenkmals Genüge geleistet werden, und zwar hofft man, den Gedenkstein ün nächsten Jahre anläßlich des 30jährigeu Bestehens des Kriegervereins Ulfa enthüllen zu können. Da durck den Gemeinderat bereits 350 Mark und durch den Kircyenvorstand 100 Mark bewilligt worden sind und wohl auch die freiwilligen Beiträge in reievem Maße fließen werden, so dürfte das Projekt bis zum nächsten Jahre zur Ausführung gelangen. Tas Tenkmal soll in der Mitte des Ortes unter der Friedenslinde seinen Platz finden. Mainz, 10. Nov. DaS Domkapitel wählte zum Gcneralverweser für die Diözese Mainz heute mittag den Dom- kapitular Dr. Selbst. Mainz, 9. Nov. Eine gewaltige Zigeunerschlacht hab eS nach dem „M. Tgbl." in der letzten stacht in der Nähe des Forts Biehler, wo sich zwei Zlgeuner- gesellschaften gelagert hatten. Es wurde fürchterlich auf einander losg-ehauen und einer alten Frau mit einem Knüppel ein Bein entzweigeschlagen. Die Mitglieder der unterlegenen Bande flüchteten in wilder Hast unter Zurücklassung ihrer Wagen, die zertrülnmert wurden. Zur Kasteler Polizeiwache eilten hoch zu Roß nachts um 2 Uhr einige Zigeuner, um den Vorfall zu melden, woraus sofort sämt- lick-e v-rfügharen Polizeimannschaften von Kastel zum Kwnpsptatz eilten, wo sie für die Ueberführung der schwer verletzten Frau in das Rochus Hospital sorgten und verschiedene Verhaftungen Vornahmen. Mehrere Zigeuner sind erheblich verletzt. Büttelborn, 6. Nov. Der ineressanteste Grabfund aus dem „Heiligengut" wurde gestern gemacht, ein mit Waffen ausgerüsteter merowingischer Krieger. Das Skelett hat eine Länge von 1,70 Meten und ist nach Osten orientiert. Zur linken Seite, dicht neben der Wand des Grabes liegt ein gut erhaltenes Schwert, das erste, das auf dem Gräberselde gefunden wurde. Es reicht von der Schulter bis zum Knie. In der Beckeng-egend liegt bei dem Schwert ein langer Dolch der anscheinend in einem Gürtel stak, von dem ein schöner Bronzebeschlag zwischen den Oberschenkeln gefunden wurde. Zu den Füßen rechts vom Skelett befindet sich eine gut erhaltene Lanzenspitze, deren Schaft in dem rechten Arm der Leiche gelegen haben mußte. Etwas weiter seitwärts rechts liegt als Ueberrest des Schildes ein Schildbuckel. Auch scheint man dem Kriegs- manne Psell uicd Bogen mitgegeben zu haben, denn in der Nähe des Schildbuclels wurde eine Lanzenspitze angetrofsen. Ter sorgfältigen Avbeit des Vorarbeiters Schäfer ist es zu danken, daß das Skelett in ursprünglicher Lage und ungestört samt Beigaben ausgedeckt wurde. Die Bestattung ist also zu sehen, wie mau vor mehr denn 1300 Jahren den Leichnam ohne Sarg der Erde übergab. Das Grab ist nach seiner ganzen Breite noch nicht untersucht, weil man ein aus der rechten Seite desselben ausgedecktes, viel höher, nahe der Ackeroberfläche befindliches Skelett, bei dem man linls vom Becken em Messer gesunden hat, nicht zerstören wlll. Bei einem anderen Skelett wurde ein Armring aus Bronze gesunden, und ein weiteres Kriegergrab, mit Urne und Schwert ausgeftattet, wird gegenwärtig untersucht. N. Hess. Vbl. )( Ni a r b u r g, 10. Nov. Gestern abend starb hier der bekannte hessische Landschaftsmaler Fritz Klingel- Höfer im Alter von 72 Jahren. — In der heutigen Stadtverordnetensitzung wurde eine Ordnung betreffs Erhöhung des Grundgehaltes der Lehrer und Lehrerinnen an sämtlichen städtischen Schulen vorgelegt. Vermischtes. * Duisburg, 10. Nov. Hier kam es gestern zu Ausschreitungen zwischen Düsseldorfer Ulanen und mehreren Bürgern, die mit den Soldaten in einer Wirtschaft in Wortwechsel geraten waren. Ein Soldat verfolgte mit gezogenem Säbel eine Gruppe von Leuten und verwundete einen Mann durch einen sckarsen Hieb über den Kops. Ein zweiter Mann erhielt scharfe Schnittwunden ün Gesicht, während ein Dritter eine klaffende Wunde aus der Stirn davontrug. Als der Soldat wie rasend um sich schtug und auch aus Frauen einzudringen versuchte, gelang cs schließlich der Polizei, den Soldaten zu verhaften. Nur mit Mühe konnte der Verhastete vor der Wut der Menge geschützt werden. * Paris, 10. Nov. Gestern abend stürzte ein aus dem Tache des Postgebäudes beschäftigter Arbeiter infolge Unvorsichtigkeit auj die Straße herab uni) fiel aus einen Passanten, welcher das Genick brach Beide wurden als Leichen vom Platze getragen. * Der besten allerSchwiegermütter. Königin Alexandra ließ rechts von den Stusen, welche in Frog- more zum Mausoleum der Königin Viktoria enrporsühren, eine prächtige, 17 F-uß hohe Marmorsigur des Erlösers ausstellen. Auj dem Piedestal der Figur ist folgende Widmung angebracht: „Der besten aller Schwiegermütter!" * Ein 8jähriger Riese wurde, wie die „Deutsche Med.-Ztg." berichtet, gelegenttich einer Schulbesichtigung durch den Kreisarzt in einem nüirkischen Dorfe ausfindig gemacht Das Gelvicht des 8 Jahve 8 Monate alten Knaben betrügt 57 Hz Kilogramm, Köcperlänge 159 Zentimeter, Brustumfang 80—87 Zentimeter; der Körper ist ebenmäßig. kräfttg entwickelt; geistige Entwicklung und Fähigkeiten entsprechen nach Angabe des Lehrers dem Alter. Die Eltern sind etwas über mittelgroß und schmächtig. Sollte ter Nies en kn ab e, der jetzt etwa schon das Milltärmaß hat, weiter wachsen und zunehmen, so kömtte er es zu einem ganz respektablen Niesen bringen. Gerichtssaal. Frankfurt a. M., 10. Nov. Unter Ausschluß der Oeffent» lichkeit (auch die Vertreter der Presse waren ^ausgeschlossen) wurde heute vor der Strafkammer gegen die in der Strafanstalt Preunges- heiin anaestellte Gefangenen- Aufseherin Anna Heise verhandelt, die beschuldigt war, sich an vier weiblichen Gefangenen vergangen zu habem Zur Verhandlung waren 20 Zeugen geladen. Das Urteil lautete wegen fortgesetzten Verbrechens gegen die Sittlichkeit im Amte auf 2 Jahre Gefängnis und ö Jahre Ehrverlust. Der Staatsanwalt hatte 3 Jahre Zuchthaus beantragt. Essen (Ruhr), 10. Nov. Tas hiesige Landgericht wies heute die Klage der Fahrzeugfabrik E l s e n a ch (Ehrhardt) auf Löschung des Kruppschen Gebrauchsmusters 174—254 in erster Instanz kostenpflichtig ab. In dem Prozesse handelte es fichz wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, darum, der der Klägerin nahestehenden Rheinischen Aketallwarett'- und Maschinenfabrik in Düsseldorf die Fabrikation eines bestimmten Typs einer Oberlafette für Nohrrücklauigeschütze zu ennöglichen, der durch das erwähnte Gebrauchsmuster für die ^lkt.-Ges. Fried. Krupp geschützt ist. G r a u d e n z, 10. Nov. Der Lokomotivführer Llpfel- bauer aus Dirjchau, der sich vor der Strafkammer in Graudenz wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes zu verantworten hatte, ist f r e i g e s p r o ch e n worden. Er war Führer des ArbeiterzugeS, der am 20. Mai bei Schmentau entgleiste, wobei 3 Personen getötet, 9 schwer und 20 leicht verletzt wurden. Als Ursache der Entgleisung wurde Lockerung der Geleis- bettuug durch anhaltendes Negenwetter angenommen. M a n n h e i m, 11. Nov. Nach etwa dreistündiger Beratung verkündete heule abend der Gerichtshof im zweitenRheinau- prozeß folgendes Urteil: Böhm wird wegen mehrfachen Betruges unter Einrechnung der bereits verhängten Strafen zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und drei MonatenGefängnis oerurteilt. Die übrigen Bestimmungen des früheren Urteils bleiben bestehen. Henninger wird von den erhobenen Anklagen freigesprochen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt allet unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) In dem Militärkonzert am verfloßenen Sonntag mußte man bedauerlicher Weise die Wahrnehmung machen, daß junge Herren — von denen man annehmen muß, daß sie Bildung haben — durch Ausstößen von Tönen, welche man nur in Menagerien und zoologischen Gärten hört, die musikalischen Ausführungen in gröblichster Weise störten, so daß es nicht möglich war, die feineren Telle der Stucke zt: hören. Der Anstand dieser jungen Herren mit ihren stark an den Tag tretenden Höflichkeitsformen gintz sogar so weit, daß sie auf den gedeckten Tischen mit ihren Stilhlen Platz nahinen, auch auf Kom.nalldo die von ihnen überhaupt nicht ge° hörten Konzertstücke nachträglich applaudierten. — Obwohl auf dem Programm an das Publikum ausdrücklich das Ersuchen vermerkt ist, die Aufführungen nicht zu stören, sahen sich diese Herren trotzdem nicht veranlaßt, hiervon Notiz zu nehmeil. Durch dieses Gebühren werden Leute, welche aus Interesse die Konzerte besuchen, von ihnen fern gebalten. Der Konzerlfaal ist doch nicht der Ort zur Betätigung jugendlichen Uebermuts. Zu amüsanter Unterhaltung findet sich Gelegenheit und Zeit genug während der Paiisew So sich geberdeiide Persönlichkeiten müßte man rücksichtslos auS dem Saale entfernen. Hoffentlich genügen diese Zeilen, um in dieser Hinsicht Wandel zu schaffen. Ein Konzertbesucher. Eitel dünkte den Menschen der Kampf stets gegen die Horen, Nutzlos scheinet mir auch gegen Götter ein Krieg. Schwert in die Scheide l Ich werrde mein 9ioß und stech' ihm bil Sporen, — Don Quixote nur erficht gern einen Windmühlensieg. Jeder, der die Kupserberg'schen Sektkellereien jemals besucht hat, ist über das riesige Flaschenlager erstaunt gewesem Gegenwättig lagern daselbst nahezu 4 Millionen Flaschen. Die Firma Kupserberg hat es für notwendig gehalten, ihren Bestand auf diese Höhe zu bringen, weil sie dadurch in der Lage ist, nur gut abgelagerten Sekt in den Handel zu bringen. Die Erfahrung hatgelehrt,daßderSektauf der Höhe seiner Entwickelung sich befindet, wenn er nach der Dosierung und dem endgültigen Verschluß noch ca. 6 Monate lagert, bevor e r getrunken wird. In solchem Alter, d. h. in völlig ausgereiftem Zustande wird die Mark« ^Kupfer- b e r g G o l b* zum Versand gebracht und damit ein weiterer Beweis geliefert, daß nichts unterlassen wird, um einen nur erstklassigen Sekt zu bieten. ,Kupferberg (Solb* als deutsches Erzeugnis steht an Qualität unerreicht da. 798" „Komtesse Guckeri" ist ein lustiges Kostümschaustück vm vollendeter Bonhommre, das einen Zuschauer von Durchschnitts-Ansprüchen beim ersten Scha.uen recht nett und gefällig unterhält. Wer den Schwank cvber etwa ein halbes Dutzend mal an sich hat vorübergehen lassen, der kommt ganz gewiß kxchinter, daß er auch nicht eine originelle Fitzur, nicht eine originelle Situation darbietet. Die Ge- jchachte von der Mtwe, die einen jungen Springinsseld erst brüskiert, dann liebt, wird zum hundertstenmale ausgetragen. Daß dies hier wieder wirrt, ist vornehmlich dem Zeitkolorit zu danken, mit dern die Verfasser ihre leichten Siebensachen ausputzen. In bas Oesterreich von 1818, nach Karlsbad, wo Goethe zu Besuch ist und der Kaiser mit seinem Metternich, und dem inttigierenden Hofstaate Feste feiert, will uns die „Komtesse Guckeri" bringen — in ein blumiges, gemessen-lustiges Interieur. Stimmung soll von diesem Interieur ausgehen. Ein kaiserlich königlich hos- rätliches Familien- und Empfangszimmer aus der Zett vor 85 Jahren vorzutäuscven, ift hier die wesentlichste Ausgabe der Regie. Das Gesamtspiel, muß auf einen fein gehaltenen Ton gestimmt sein. Vornehme Gemessenheit mib jeglicyes Vermeiden mimischer Effekte sind für dieses echte und recyte Hostheater-Stück Grundbedingung. Die ganze Gesellschaft, die sich um die hofrätliche Familie gruppiert, steckt in Gewändern im Schnitt aus der Zeit des Ernpire. Bereitwillig erkenne ich an: man trug diese Gewänder am Tienstag ohne Ziererei, mit der erforderlichen Nonchalance. Tie Paraderolle des Stückes ist die der Gräfin Hermance Trachau alias Komtesse Guckerl, die ihren Spitznamen daher hat, „weil's die Lait immer so haltet hat ang'schaut". Die Nolle dieser halb vornehmen, halb gemütvoll-treuherzigen Vollblutwienerin lag in den Händen des Fräulein Hohl', die man in Oldenburg als Heroine haben will. Sie spielte die junge Witwe, die ihre ganze Umgebung an Geist und Mtz weit Überragt r- wozu freilich nicht allzuviel ge- tytrt — humorvoll und liebenswürdig- lebhaft und mit bestem Erfolge. Aber bei allen ihren Bühnengestalten haftet Frl. Hohl doch immer Absichtliches und Gemachtes an; auch die Wirkungen der originellen Toiletten und die liebenswürdige Koketterie machen nicht den Eindruck, als seien sie für die (leine Gesellschaft oa oben auf den Brettern ganz allein beredynet. Durchweg war ja gestern ihre Leistung reizvoll, aber ihre S^altun^ dem Zuhörerraum gegenüber nicht diskret genug. Das hindert nicht, daß ihre fast bis zuletzt neckische Mweisung des kecken Abenteuerersinders von köstlick)em Hauche feiner Lustspiellaune durchdustet war. Die Versajser haben ihre Komtesse Guckerl halb herb, halb fesch als ein Naturkind in einer Zett arger Verstaubtheit gezeichnet; Frl. Hohl war eine anmutige, bewegt.iche, liebenswürdige und muntere elegante junge Dame, die auf den Eindruck ihrer ganzen Persönlichkeit aus andere sehr bedacht ist, die aber auch Humor und Gemüt in genügendem Maße besitzt, um bei der Allgemeinheit gewonnenes Spiel zu haben. Ob 1818 so „gewienert" wurde, wie Frl. H. es gestern tat, ist nicht zu erurieren. „Alsdann" Herr Haag war der einzige, der konsequent Dialekt sprach nicht den echten wienerischen, sondern mehr hinüber nach dem Oberbayrischen des wackeren Laver Terofal aus Schliersee. Im übrigen war Herr H. ein höec Ehetrottel und verzopfter Buveau- krat, allerdings mehr nach der Subaltern- als nach der Exzellenz-Karriere hin. Sehr ergötzlich war [ein Hin- und Herdrehen und Wenden, wenn auch nicht in oein Menuett- schritt jener Zeit vor 85 Jahren, und der Aufschwung aus jahrelanger ehelicher Unterdrückung zu heldenyaster Energie. Herr Teleky gab den ru,sisa)en Erbonkel und General mit dem verwundeten Herzen uiu> dem Rheumatismus. Seine Haltung, Ton und Aeußeres machten einen echt sarmatiscyen, wenn aucli nicht ganz unasfektierten Eindruck. Tie öigur ist von den Autoren -ehr oberslächllch behandelt, und es ist nichts Besonderes aus ihr zu machen. Ten zaghaften Liebyaber, den die Verfasser in dem Bode- kommissär gezeickMet haben und der recht lustig wirken kann, machte Herr Tamke zu einem so unreifen als steifen Jüngling, der in eine Gesellschaft geraten ist, in der er sich! selber als nicht „voll" ansiehü Für diese Rolle wäre Herr Pichler, der im „blinden Passagier" so hübsch mimte und so ungezwungen sich gab, wohl geeigneter gewesen. r . . „ , Ter Hofrätin der, Frau Fischer fei in aller Hochachtung zugerusen: grantiger, grantiger, verehrte Frau, in dieser Rolle, und ein klein bischen mehr Komik! Frl. Hellberg war wieder ein überaus anmutigem kleines Hasenherzchen, ein süßes Madel, das doch gelegentlich die zierlichen Krallen verheißungsvoll zu zeigen weiß. Tas war ebenso frische Naivität wie echtes Empsinden. Daß sie aber auch eine recht hübsche Portion Sck)althaftigkeit, ja selbst Ucbermut besitzt, bewies sie gestern in artigster Weise. Den Weiberherzen erobernden Herrn von Neuhofs — last not least — spielte Herr Direktor Steingoetter brillant, durchweg mit prächtigem Humor von ursprünglicher Natürlichkeit, wenn auch vielleicht allzu gleichförmig. Tie Kostümierung hatte den Anstrich historischer Treue, war geschmackvoll und nicht übertrieben, die Jii,zenierung unfern Verhältnissen angemessen. Das zahlrei^e Publikum amüsierte sich aufs beste und applaudierte nach jeder Akte sehr lebhast. P. Witt ko. — Stuttgart, 10. Nov. In Anwesenheit des Königs- raares, der übrigen Mitglieder des königlichen Hanfes und der Staatsminister wurde heute, am Geburtstage Schillers, das vom schwäbischen Schilleroerein erbaute Schiller- mufeum zu Marbach feierlich eingeweiht. Tie Weiherede hielt der Rektor der Stuttgarter Technifchen Hochschule Projesjor Karl Weitbrecht. w die LhrW Wir haben Weihnachl« wir uns Freunde u an lileidun auch Meinen eri Eine. gegeben. : bald an e Iflljen; Fra Zohauua.< staedt, Lieb slraße 7; Fr mann, Liidc Lina Lchu ^önuniuaBe Auch ö §unehmen; n 'chuljchivefter ließen, Ker ^ngen N Zner Sbeln Naben der bie Ur D-mVo A eine M »n «tl, isneöcns-ci iS*' llr. ^rwunde Melben iln, di «$) 2 L- Ä e S Ä c :<3 C en c s *« CD xd XD G en CD c c o P' C § X) g >o tfo c K 5 G S C «P XD ü Cl# 1 Gx> ‘ o "G JELW xd-' § t; S o §Z- o — E g _ XD .S JS O » 2 o § ’S N L, G ‘*— XD g Z-bZ s £ V- CD o -E >b § ^7 N » L .2» x> XD t , CD * E c 45 °» >b E CD §c tu» 3 G <3 CD-— G CD 3 g) «n «o1 .2 E >b *8* GT C CO G 5 L 2 Q- . r~, -i ZsZ WS XD G <© y S L s G G S e Ä o OS G - G "ö XD O XD Q 2 •e E a >b °» 2 Ä XD « S-» <^* Ä Q £ «» 3 C «K o G tu ca. G C t-> öS «$t eo O en « ä c w u V XD XD E p O P- N « w 2 M S ’S ® >b G jo 2 o ®Q SS 2 <*•♦ X» g v G § XD CD G «>kL <* £» L, Ö. -S?aT 73 (6) -—* L T -Z -G G o G CD (6) 3 CO CD CD -G XD G c xX . « GD cS co •—* 5 o t; g 1—1 -"Ä* V o> XD G 5 ^^L-UZ xd xd 5* (S) <— en *d § w » a 3 tZZX GS XD XD -7G G >2 CD G L) «K XD G XD G C ,G E S c . o X XT"0 72 -c P e e.® Q „ N-Z «$> C -»*■ C-- C_> O C-- >— -tSD ODXTlö _2> LG- :C3Ü tu «j> 3 <5 C c'rs ? L.E c «j> ‘c E >5- uQÄdQcE. ChrlpeslhervUkrKlelMtt-VevillhMßlllt Am 4. -ldvent-Souutag, den 20. Dezember d. I., soll die Christbescherung für die Kinder unserer Anstalt stattstnden. Wir haben für 250 LUnder die Bescherung herzurichten und den Weihnachtstisch mit (Laden zu decken. Um dtes zu konnen^roenden wir uns wieder an die Liebe und den wohlwollenden Sinn der Freunde unserer Anstalt und chrer Kinder. Wir bitten, uns (Laben an Kleidungsstullen, Stoffen, Garn und dergleichen, besonders aber auch Geldgaveu, die mis die gleichmäßigste Bescherung für unsere Kleinen ermöglichen, zuivenden zu roolleit. (Line Liste zur Erhebung von Beiträgen wird nicht heruni- gegeben. Bielinehr bitten wir, die uns zugedachten Gaben recht bald an eine. der nachbenannten Vorstandsdamen gelangen zu lassen: Frau Rechtsanwalt Grünewald, Liebigstraße 21; Frau Johanna Haas, Lslaillage 31; Frau Kommerzienrat Heyligeu- staedt, Liebig,traße 49; Frau Rechnungsrat Kalbfleisch, Ludwlg- straße 7; Frau Professor Leist, Oslanlage 36; Frau Pfarrer Naumann, Sudanlage 8; Frau Luise OttcuS, Bismarckstraße 11; Frau Liua SchmaU, Ostantage 36; Fräulein Luise Wortmaun, Danilnstra^e 32. Auch die Schwestern unserer Anstalt sind bereit, Gaben an- zunehrnen; mcm wolle freundlichst^ beachten, daß es die Kleinkinder- schulschiveslerii sind Diezstraße 15. Gießen, den 7. November 1903. Der Vorstand der Kleinkinder-Bewadranstalt. Dr. Naumann^ 8356 herein vom Asien Kreuz Zweigveretn Kietzen. Dem Vorqang last aller deutschen Städte solgend, beabsichtigen ro;T ein» SanitälSlotonuc ins Leben zu rusen. Tiesetbe soll so- wobt nn RnegsjaUe zum Transport von Verwundeten ats < nicht überreden. " Achtung! Warnung! Die Schutzmarke des ließen aller Kaffee-Zu säße des Atchken Franck-Kaffee wird täuschend nachgemacht. Wir bitten daher, beim Einkauf genau auf unsere SCHUTZMARKE und unsere Unterschrift zu unterscheiden! 7996 Komotau. Kaschau. Agram. Bukarest-^6^ zu sehen, um das Aechte von dem Unächten, Nachgemachten Biber ■ Betttiieher und hnmw. Lchlastttken in großer Auswahl. [7675 6° Röhr & Go. Kaffeemühle Eigene mechanische Strumpffabrik. Reinwoll. Damen-Strömpfe, und Spitze verstärkt Mk. 1* #» 6386 Mk. KW Kinder-Strümpfe, gestrickt, in reiner Wolle Mir. —.60 U- M 2.58 -.20 . . L90 Gestrickte, wollene Damen-Strümple, englisch lang, 50 pfg. und G5 pig. Gestrickte Herren - Socken 20 p^. etc. von Montag, 9. 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