JHe heutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Schnlstraße 7. Ubrtfie für Deveschenr Anzeiger SUfcnu gfrn1prrd)an|d|ln6 Nr. 5L Nevolutiou in Seröieu. Der König nnd die Königin tot. Heute vormittag erhielten wir folgendes Telegramm, das wir sofort durch Extrablatt bekannt gaben: Frankfurt a. M., 11.Juni. Heute «acht 1 Uhr drangen, nach der „Franks. Ztg", Verschwörer in den Konak zu Belgrad eiu, um dcu König Alexander abzusetzen und Karagcorgewitsch zum König zu proklamieren. Der König und die Königin wurden im Bett tot aufgefuuden. ES verlautet, daß der König zuerst die Königin, dann sich erschossen habe. Drei Minister und der Bruder der Königin find ermordet. Eine provisorische Regierung wurde eingesetzt. Sodann lief folgendes Telegramm ein: Köln, 11.3uni Die ,Höln. Ztg." meldet auS Belgrad: Die Armee proklamierte uachtS Peter Karageorgewitsch jum König von Serbien. Militär drang in den Königs- palast. Der König nnd die Königin wurden ermordet. ES verlautet, auch sämtliche Minister seien ermordet. Ein drittes Telegramm kommt aus Belgrad und lautet: Belgrad, 11. Inni. Eine in den Straßen angeschlagene Proklamation teilt mit: Heute nacht wurden Alexander und Draga erschossen und eine neue Negierung gebildet, die Verfassung vom 6. April 1901 wurde außer Kraft gefetzt. Die Bolksveriretung ist zum 16. Znni einberufen worden. D,e Proklamanon trägt die Unterschriften der nenen Minister. Die Tat ist vom Heere ausgesührt worden. Außer dem Königspaare siud der Ministerprases, der Generaladjntant Petrovitsch und der frühere KriegSmiaister Pawlowitsch erschossen. TaS Ereignis wurde hier ruhig auf genommen. Tie Leichen des Königspaares find im Konak geborgen. DaS Ereignis spielte fich -wischen halb elf and zwei Uhr nachts ab. Eine entsetzliche Tragödie! DaS serbische Königspaar ist ganz gewiß daS unsympathischste, das seit Jahrhunderten einen europäischen Tron innegehabt hat. Und doch ist auch der unbefangene Beobachter dcr Weltereigniffe erschüttert durch die fürchterlichen Geschehnisse inVwtost »e sm M jedes offene en es volels, Restau- mai an Ausflugsorten, Kolonialwaren-, rro- irud)tbanö(ungen,floiv Meten, Trinkhallen der M Selters'und lsser,mouff.Limonciden, lharles, tt* Die öpciieeis lebet Ito Iparat gottennmiße kann man nberie Liier Mineral- r 500 Prozent billiger versendetes natur- Miidige Unabhängig- Mineralivalier- und ...Lieferanten, die Be des Apparates und )n- *Ä1*" Fr.nkf.r im Königspalaste zu Belgrad. Je höher die Stellung, desto höher die Gefahren. Wo immer ein Herrscher erscheint, drängen sich die Mafien. Auf ihn blickt das Volk entweder hoffend und wünschend, oder verlangend, grollend. Wer schützt die Fürsten gegen die Ruch- losigkett des Verbrechens? Keinem drohen mehr Gefahren als den Trägern oberster Gewalten. Sie finden ihre Sicherheü am besten in einem guten Gewissen. Das gute Gewifien hat nun dem serbischen KönigSpaare allerdings gefehlt. Die abenteuerlichsten Gerüchte kamen bereits feit Jahren unaufhörlich auS Belgrad. Erst neulich ward gemeldet, daß ein Vergiftungsversuch gegen die Königin Draga unternommen aber vereitelt worden sei. Jedenfalls hat in Serbien, nicht erst sett dem jüngsten kindischen Staatsstreiche des Königs Alexander, längst völlige Anarchie geherrscht. Mit der wahnwitzigen Lehre der Fürstenmorde hat die Untat von Belgrad nichts gemein. Carnot, die Kaiserin Elisabeth, König Humbert sielen durch die Hand blutrünstiger Anarchisten. Daß die jetzigen schrecklichen Ereigniffe in Serbien nichts mit dem Anarchismus zu tun haben, geht aus der Tatsache hervor, daß das Militär, also sonst die stärkste Stütze der Throne, den Umsturz bewirkt hat. Ob das Königspaar Selbstmord verübt hat oder ob es ermordet worden ist, werden die nächsten Telegramme ergeben. Gegenstand erregter und erregender Erörterungen ist es längst gewesen. Das Land war verhetzt, die Volksleidenschaften von Grund aus aufgewühlt. Trotzdem wird man die Mörder, falls solche vorhanden sind, verabscheuen, die freilich wodl geglaubt haben mögen, em gutes und echt vaterländisches Werk zu vollführen, als sie sich entschlossen, mit der unseligen Dynastie Obrenowitsch aufzuräumen. Sie wähnten zum mindesten eme Tat zu tun jenseits von Gut und Böse zum Besten chreS Vaterlandes. Lenken Fürsten mehr als andere Menschen die Augen der Menge auf sich, so muffen sie kraft ihres volksbeglückenden Wirkens oder doch besten Wollens zum mindesten, vertrauen können, daß auch sie schützt, wo Menschenkraft nicht schützen kann, daS allwaltende gerechte Schicksal. . Außerordentlich bezeichnend ist, daß man m Belgrad bas Ereignis ruhig aufgenommen hat. Tas beweist, wie aleichgilng der serbischen Bevölkerung ihr Königshaus ge- worden ist, wie gleichgiltig sie überhaupt ben politq$en Vorgängen gegenüber steht nach all den Geschehnissen der letzten Jahre. Le roi est mort, vive le roi ruft sie heute mit dem größten Gleichmut aus: wie man wnderswo etwa sein Hemd wechselt, so wechselt man rn Serbien dre Könige. Ob dabei Ströme von Blut rinnen, das ackerrert die Wackeren wenig oder gar nicht. Die Mnftürzter allem mochten wissen, was sie taten, was ter Konigsstt^z für das Land bedeutet; das Land selber schaut apathisch drem und läßt „ruhig" geschehen was geschieht. König Alerander von 'L-erbren hat ein Älter von 27 Zähren erreicht. Er ward am 2. August 1876 geboren als wesen ist. Arn meisten zu bedauern ist die unglückliche Mutter deS toten Königs, Natalie, die emft so schöne Tatarin, die daS Herz deS frauenfreundlichen Milan hastig entzündete und die im Jahre 1875 Königin von Serbien wurde. Sie hat in ihrer Ehe mit Milan dem Schrecklichen viel, gar viel Bitteres durchkosten müssen. 1888 hat sie sich sogar entschlossen, auf die Würde einer Königin zu verzichten. Milan hatte ihr das Leben gar zu schwer gemacht, und sie entschied sich, sich von ihm scheiden zu lassen. Seit Jahren lebte sie, von ihrem einzigen Sohne getrennt, im südfranzösischen Bade Biarritz, wo sie jetzt die Schmerzenskunde von dem Ende ihres Sohnes erreicht hat. Die serbische Armee hat Peter Karadjordjewitsch zum König auSgerufen. Er ward geboren 1846 zu Belgrad als ein Sohn des Fürsten Alex Karadjordjewitsch, der 1842 nach der Absetzung der Dynastie Obrenowitsch (die nun mit dem Tode des jungen Königs Alexander ausgestorben ist) zum Fürsten gewählt wurde. Fürst Alexander Karadjordjewitsch hat während seiner Regierung ganz unter dem Einflüsse Rußlands gestanden und sich derart charakterlos und unfähig gezeigt, daß man von ihm, dem starke Tatkraft von nöten gewesen wäre, 1858 die Abdankung verlangte. Doch er klammerte sich an sein blinkendes Thrönlein, flüchtete auf die Forts von Belgrad und begab sich zuerst in türkischen, dann in österreichischen Schutz. Der desinittven Absetzung aber konnte er nicht entgehen. Als 1868 Fürst Michael Obrenowitsch der Onkel und Vorgänger MilanS und zwecke Obrenowcksch, ermordet wurde, da schrieb man ihm diese Tat zu, und er erhielt in contumaciam 20 Jahre Gefängnis, die er natürlich niemals abgebüßt hat. Er starb 1885 zu TemeSoar. Sein Sohn, der jetzige König Peter L von Serbien, ist ein Schwiegersohn deS Fürsten von Montenegro, als solcher also dem russischen Kaiserhause nahe verwandt. Seine Gattin ist allerdings bereits vor 13 Jahren gestorben. Trotzdem wird man annehmen können, daß der russische Einfluß auf Serbien in Zukunft wieder außerordentlich groß sein roirb. Ob Peter I. imstande sein wird, im Gegensatz zu den Obrenowcksch und zu seinem Vater, dem unglückseligen Lande endlich Ruhe und Frieden zu geben und es einer gedeihlichen Entwickelung entgegenzuführen? Die Aussichten sind gar gering. Man wird zunächst abzuwarten haben, wie die Wahl seiner Minister ausgefallen ist, um Schlüsse auf die nächste Zukunft ziehen zu können. Das Rad der Weltgeschichte aber wird über die jüngsten blutigen Ereigniffe zu Belgrad dahin- rollen, ohne daß auch nur eine der Weltmächte sich wesentlich berühüfühltt________________ Chamberlain. In Berliner politischen Kreisen wirft man Herrn Chamberlain trotz seiner Meterlage im Unter Hause kein es- wegs zu denToten. Man hat die sichere Information empfangen, daß weder Chamberlain an seinen Rücktritt denkt, noch das Kabinett seinen Rücktritt wünscht. Tie Dinge bleiben in der Schwebe, eine Entscheidung ist gegenwärtig nickt zu erwarten. Beachtenswert dürfte folgende Bemerkung der „Nord. Allg. Ztg." sein. Tas mitunter auch vom Auswärtigen Amr inspirierte Blatt zieht den Schluß, daß das Kabinett Balfour die Zollangelegenheit (Chamberlains Zollvereir.spläne) vorerst mehr als Gegenstand klärender Erörterung, denn als ein Problem betrachtet, zu dem das Gesamt lab in ett end- giltig Stellung zu nehmen hatte. Augenscheinlich liege es in der Absicht der Regierung, die Frage in breitester Oes- fentlichkett frei diskutieren zu lassen, um die Entscheidung durch das Volk vorzubereiten. Im Unterhause bekämpfte gestern, nach einer Erklärung Chamberlains zur Brüsseler Zuckerkonvention, Dille (liberal) den Antrag Chapelin und betonte, das Haus habe das Recht zu verlangen, daß ihm Gelegenheck gegeben werde, sein Urteil über die Politik Chamberlains zu sprechen. Es sei gesagt worden, England sei töricht, daß es die Politck Wecker verfolge, die von der Politik der ganzen Welt abweicht, unb betont worden, baß die Unionstaaten und Deutschland unter dem Schutzzoll - System aufblühten, allein der Ausfubrbandel Englands sei gleich dem Ausfuhrhandel Frankreichs, Deutschlands und der Unionstaaten zusammengenommen, und Englands Handel mit T entsch la nd, von dem man angenommen habe, daß er englische Waren ausschließe, ist noch in Zunahme begriffen. Redner bestreuet, daß die Schutzzollländer England auf den Deltmärckeu verdrängen. Lee dani'.) erklärt sich für den Antrag . - m und billigt auch die Erklärungen Chamberlains. Asquith (liberal) erklärt, es sei ein ungelöstes Geheimnis, warum die Regierung den Koruzoll aufe regtc und den Zoll in diesem Jahre wieder aufhebe. Was waren die Absichten der Regierung bei der Aufhebung des Zolls? TaS HauS werde mit unklaren Erklärungen einzelner Minister nicht zufrieden ein wollen. Redner fahrt bann fort: Tas Haus hat ein Recht darauf, ein Gesamturteck des Kabinetts zu erhalten. Lind die Ansichten des FinanzmiNisterS Ritchie die Ansichten der Regierung? Tie Rede Ritchies war eine überzeugende Widerlegung der Trugschlüsse Cham- !»er la ins. Ich sehe Chamberlain in diesem Augenblicke nicht im Hause. Bei den Worten des Redners erscheint Chamberlain tm Saale und nimmt unter andauerndem Beifall der Ministeriellen an Balfours Seite Platz. Asquith fährt fort: Ich freue mich, Chamberlain noch auf bet Ztegierungsbank sitzen zu sehen. Asqnckh chließt: Wir sahen zlvei Minister auf derselben Bank, welche nnversöhlillch geteilte Ansichten haben über Fragen, welche näher als irgend eine andere Frage die Einheck des Reiches und dessen ftSkalische und finanzielle Wobl- >rch Sen unter-h- DO Mack, yt)Pot^eLv 911.02^ Nr. 134 •rftetnt ««glich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Siegener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck xu Verlag der Brühl'schen Untveri^Buch-u. Stein- druckerr» (Pietsch Erden) ahrt berühren. Tas stehe ohne Vorgang beispiellos da und bebcu.e ein gänzliches Aufgeben der Ueber- lief erun gen unb Regeln be s öffentlichen lledenS. Dagegen, daß in einer so wichtigen Sache zwei verantworllichen Ministern gestattet werden soll, nicht nur entgegengesetzte Ansichten auszu.p.echen, sondern auch als Propagandisten zweier mit einander unverträglicher wlckischer Anschauungen aufoutreten, erhebe ich Ein- pruch nicht nur namens der Opposition, sondern auch namens der Dckijorckät des Hauses. Ich protestiere gegen die Praris, lvelche, wenn es gestattet würde, der ministeriellen Verantwortlichkeit unb der Kontrolle des Kabinetts ein Ende machen würde. Tas Unterhaus lehnte schließlich mit 424 gegen 28 Stimmen den Abänderungsantrag Chaplin bett. Auf- he bung desKornzolles ab. Rach einer Londoner Tepesche lassen die Aeußerunge^ )er Presse das im Kabinett herrschende Chaos erkennen. Cs wird allgemein angeitommen, daß die Regierung eine Kommission zur Untersuchung der Tarif- fr a g e ernennen und dann die ganze Sache liegen lassen will, bis Chamberlain den Momeick zum Appell an das Land für gekommen hält, während die anderen Minister sich vorläufig ihre Stelllmgnahme zu der Frage offenhacken. Diese Politik wird von den eigenen Organen bar Regierung scharf, zum Teil mit beißenoem Hohn kritisiert. Wie roeiter aus London telegraphiert wird, ließ Chamberlain dem Sekretär der Birminghamer liberal-unionisti- schen Bereinigung auf eine Anfrage wegen der vor- geschlagenen Vergeltungszölle auf Maschinen deutscher Herkunft briefltd) antworten, Chamberlain schlagt nicht vor, deutsche Ackischinen nur deshalb zu besteuern, »neck sie billiger sind als englische. Er würde jedoch, falls die deutsche Maschineninduftrie für ihre Aussicht eine direkte oder indirekte Prämie erhielte, sofortt bereit sein, ihr einen entsprechenden Zoll aufzuerlegen. Chamberlain werde in jedem Falle bei Cobdens Prinzip bes freien Warenausvausches zum natürlichen Preise beharren. Wenn er demgemäß einen Zoll auf er tagte, so würde dies nicht notwendigerweise trgenb einem anderen Fabrikanten einen gleichen Ansvruch auf Zollschutz geben. Falls Chamberlain fände, bati die Teuts'chen ihren Erfolg in berechtigter Weise erzielten, so würde er es den englischen Fabrikanten überlassen, berauszufinden, wie sie e$ anstellten, um die Deutschen bann mit ihren eigenen Massen zu schlagen. x TU“?. berg , stdi-b Die Arbeiterfrage in unseren Kolonien. Uns wird geschrieben: Die Aufhebung der Sklaverei hat trotz ihrer hohen ethischen Bedeutung schwere Kulturfchäden herausbeschworen, die zum Teil heute noch nicht Überwunden sind. Äe Plantagen Aequitorialbrasiliens sind entwertet und die später angelegten in Afrika sind wenig ertragsfähig, weil es an Arbeitermaterial mangelt. Aus der Jugendzeit ist manchem durch die Lektüre noch die Vorstellung eigen, den Pflanzerberuf als den idealen zu betrachten, der in wenigen Jahren aus einem armen Hiob einen reichen Nabob macht. Tamals mochte biefe Vorstellung noch eine gewisse Berechtigung haben. Hoye Preise der Tropenprodukte auf dem europäischen Markte, denkbar billigste Arbeiter — nämlich Sklaven — sorgten- dafür, daß ein Gold ström in die Taschen der Plantagenbesitzer floß. Und heute? Ein großer Teil der in unseren Kolonien angelegten Plantagen hat sich bisher als durchaus unrentabel erwiesen. Da sie die auf sie gestellten Hoffnungen nicht erfüllen, so ruft man nach billiger Arbeit, und diese soll der Neger liefern. Es entstanden die verschiedensten Pläne, wie man die Schwarzen zwingen könnte, auf den Plantagen zu arbeiten. Der Staat sollte scky das Recht nehmen, jeden Eingeborenen zu zwingen, ihm als Arbeiter zu dienen. Die so verstaatlichte Arbeitskraft sollte der Staat dann gegen Entgelt verdingen. Es würde damit die alte Sklaverei in neuem Gewände auferstehen. Dieser Vorschlag, den seinerzeit Dr. Peters machte, ließe sich nur durch Anwendung von Gewalt durchführen. Tie Folge würde sein, daß die Neger sehr bald auf die Ehre, deutsche Untertanen zu sein, verzichten und jenseits der schwarz-weiß-roten Grenzpfahle ihre Hütten bauen würden. Unsere Kolonien wären bald entvölkert, und das liebel wäre noch ärger als vorher. Ein trefflicher Kenner unserer Kolonialverhältnisse, Major v. Miß mann, will die Schwarzen erzieherisch beeinflussen. Er macht den Vorschlag, di? allgemeine militärische Dienstpflicht einzuführen, und will dadurch die Leute zum Gehorsam, Crbnung unb Reinlichkeit, zu kameradschaftlichem Sinn und zur Wahrheitsliebe er. Jahren fern von feiner Heimat sein königliches lieben aus- gehaucht hat. AIS Zwölfjähriger folgte er seinem Barer >ex dessen Abdankung am 22. Februar 1889 auf das beneidenswerteste europäische Honigsthrönchen. 1893 erklärte er sich selber ^höchsteigenhändig" für großjährig und etzte die chm zur Seite gestellte Regentschaft ab. Am 23. Juli 1900 vermählte er suh mit der holdseligen Frau Draga Maschin, geb. Lunjewitza, von der man damals agte, sie sei der Fünfzigerecke bereits bedenllich nahe gekommen. Nach dem Gothaischen Hofkalender hat sie es indes nur auf ein Alter von 36 Jahren gebracht. 9äm hat sie dasselbe Schicksal erreicht tote ihren lieben kleinen Sascha, der ein Spiclvall ihrer zarten Hände allezeit ge-- 4664 Zweites Blatt. 1S3. Jahrgang Donnerstag U.Jum lvv8 /pjmj "V'C monat h rtV7ö titriertet- ▼ H ▼ _ A ffihdicb Mk. 8JO; butt» Gießener Anzeiger 17 General-Anzeiger ° »ä Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen ziehen. „Dabei sollen die Truppen im öffentlichen Inter- effe Dienste leisten, bei Wegebauten, bei dem Errichten von Regierungsgebäuden, Befestigungen und dergleichen." Tas vorgeschlagene Mittel könnte recht gute Dienste leisten, wenn wir nur wüßten, wer die Unterhaltungskosten dieser Negerarmee übernehmen soll!" ES wäre wohl überhaupt angebracht, wenn unsere schwarzen Staatsbürger auch einen Teil der Kolonialkosten übernehmen würden. Eine gereckte Verteilung dieser Steuerlast auf alle Erwachsene und die Forderung, sie nicht in Naturalien, sondern in Geld zu leisten, wird jeden Steuerzahler nötigen, eine Zeit lang sich bei einem weißen Manne zu verdingen, um mindestens soviel Geld zu verdienen, wie er (Steuern zu zahlen hat. Eine ganze Anzahl whrde aber, wenn sie erst den Wert des Geldes begriffen hatte, länger in Arbeit bleiben, denn der Neger ist durchaus nicht so träge, wie er geschildert wird. Die grausamen Sklavenjagden und zahlreichen Kriege in manchen Gegenden Afrikas haben allerdings die Bevölkerung daran gehindert, Land zu roden und zu bebauen. Es gibt aber c^uch Teile, die sogar die Früchte ihres Fleißes exportieren. Der Liberiakafsee, Palmöl und Kopra, die von Westafrika ausgeführt werden, sind Erzeugnisse des Land- baues, den Eingeborene treiben, Körner, Reis und Kopra tonunen auch aus Afrika zur Ausfuhr. Aus Südafrika ist bekannt, daß die Eingeborenen ohne direkten Zwang arbeiten, ja auch willig sind, bei Europäern zu dienen, wenn sie genügend Lohn erhalten. In den Gold- und Diamantbergwerken treten jährlich ungefähr 1OOOOO Schwarze in Arbeit, und zwar ohne Zwang. Die Arbeitsfrage unserer Kolonial-Großgrundbesitzer dürfte leichter zu lösen sein, als die bei ihren Berufsgenossen zwilchen Rhein und Diemel. Allerdings hier wie dort ist ein wesentliches Moment dieser Frage die Behandlung der Artbeiter. Volilische Tagesschau. Algier in Marokko. Tie Vertreter der Dschemmas und von sieben Dörfern von Figig sind am 10. d. M. in Deni-Unif angekommen, um ihre Unterwerfung anzuzeigen. General O'Eonnor erklärte ihnen, die Zenaga am 8. Juni erteilte Züchtigung sei nur der Anfang des Vorgehens gewesen, das er, wenn nötig, sortsetzen werde. Frankreich habe die Bewohner von Figig nicht gestraft, weil sie sich für den Prätendenten erklärten. Tie Dschemmas müßten die Verantwortlichkeit für die Taten ihrer Staminesange- hörigen und die Taten derer tragen, welche sie bei sich aufnäbmen. Frankreich wünsche weder eine Erniedrigung, noch den Ruin Figigs, sondern im Gegenteil seine Wobl- fahrt. (Wie edel!) Tie im Bau begriffene Eisenbahn werde, wenn Sicherheit herrsche, Wohlfahrt bringen. Er sei gekommen, um eine Sicherheit herbeizuführen; er werde sie herbeiführen, ohne vor irgend einem Mittel zurück- zuschrecken. Er werde die Friedensbedingungen mitteilen, die er zunächst als Genugtuung, sodann aber besonders als Garantie für die Zukunft fordern müsse. Verhandlungen über seine Bedingungen könne er nicht zulassen. Deutsches Reich. Berlin, 10. Juni. Der Kaiser hörte gestern im Hoppegarten den Vortrag des Ministers v. Dodbielski und den des Landstallmeifters Grabensee-Celle, der von einer Reise mm Studium der französischen Pferdezucht im Westen itnb Süden von Frankreich zurückgekehrt ist. Gestern abend begab sich der Kaiser zum Reichskanzler und nach einer Konferenz mit demselben zum Diner beim Offizierkorps des 2. Garde-Ulanenregiments. §eute morgen besichtigte der Kaiser auf dem Bornstedter Felde das Regiment der Garde du Corps und das Leib-Garde-Husarenregrment. Der Besichtigung und der anschließenden Gefechtsübung wohnten außer den direkten Vorgesetzten des Regiments und den fremd herrlichen Offizieren auch die Kaiserin und Prinz Friedrich Leopold bei. Das Frühstück nahm der Kaiser beim Offizierkorps des Leib-Husarenregiments ein. — Prinz Andreas von Griechenland wurde bis auf weiteres zur Dienstleistung bei dem 23. Dragonerregiment in Darmstadt zugelassen. — Der Papst ernannte anläßlich des bevorstehenden Jubiläums des Augustinusvereins zur Pflege der katholischen Presse dessen ersten Vorsitzenden, den Verleger Otto in Krefeld, zum Ritter des Piusordens. Der Führer der römischen Deputation, Redakteur Grün au-Neuß, erhielt das Ritterkreuz des Georgiusordens. — Offiziös wird der Meldung, daß eine deutsche Finanzministerkonferenz bevorstehe, widersprochen und vermutet, daß es sich beim Aus streu en dieser Nachricht um ein Wahlmanöver I>andle, weil die radikale Presse, cm diese Konferenz Betrachtungen über Erhöhung der Tabak- lmd Brausteuer geknüpft habe. Dresden, 9. Juni. Im Anschluß au die Sitzungen 6er Tabakberufs genossen schäft fanden gestern und heute im königlichen Belvedere der Brühlschen Terrasse zu Dresden die Borstandssitzung und die Hauptversammlung des Deutschen Tabakvereins statt. Die Versammlungen waren ans allen Gegenden Deutschlands gut besucht; dieselben wurden geleitet von dem Vorsitzenden des Deutschen Tabakvereins, Kommerzienrats Collenbusch (Dresden). Zu eingehenden Beratungen tarn es in Sachen der Abwehr gegen die amerikanischen Trustbestrebungen, welche seither von einem zu dem Behufe gebildeten Komitee in 'Dresden geleitet und vom Tabakverein unterstützt wurden. Auf Grund eines vom Vorsitzenden erstatteten Berichts über die seitl-erige Tätigkeit in dieser Angelegenheit und über die Mtwendigkeit, diese Gegenbeslrebungen auf eine breitere Grundlage zu stellen, wurde beschlossen, die Bekämpfung der Bestrebungen deö amerikanischen 'Tabaktrustes, das deutsche Tabakgewerbe dem amerikanischen Tollar dienstbar zu machen, zu einer Hauptaufgabe des Deutschen Tabak- Vereins zu gestalten und dieselbe in Gemeinsamkeit mit dein seitherigen Abwehrkomitee nachdrücklich und opferwillig aufzttnehmen. Ein Hauptgegenstand der Tagesordnung war ein Bericht des Direktors Hammerschlag von der kaiserlichen Tabakmanufaktur in Straßburg über die Bestrebungen zur Verbesserung des deutschen Tabakbaues und die seitherigen Erfolge aus diesem Gebiete. München, 10. Juni. Ein Vertreter der „Münchener Zta." hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils, der sich dahin aussprach, daß eine Konferenz der bundesftaatlichen' Finanz - miurfter an sich eine außergewöhnliche Begebenheit sei. Tie Bestimmtheit, mit der das Beratungsmaterial für die Konferenz prophezeit sei, eile den Ereignissen weit voraus. Die bayerische Regierung habe wiederholt im Landtage ihren Standpunkt iur Bier- und Tabaksteuerfrage bargelegt, unb da sich die Lage der Dinge nicht geändert habe, liege für die bayerische Regierung kein Anlaß vor, diese Stellung- nahme zu ändern. Im Gegensatz zu den Ausführungen des Berichterstatters des „Lok.-Anz." über seine Auslassungen betreffend feine Aufnahme in Berlin äußerte der Ministerpräsident, daß er sich nicht der in dem genannten Blatte gebrauchten Superlative bedient habe. Wahl-Bewegung. In der neuesten Nummer der bauernbündlerischen „Volksmacht" wurde in einer vom Freiherrn v. Wangenheim und den Landtagsabg. Köhler und Hirschel unterzeichneten Erklärung bekannt gegeben, daß sich die Vorstände des Bundes der Landwirte und des hessischen Bauernbundes dahin geeinigt haben, fortan in der Vertretung aller Interessen von Bauern und Mittelstand Hand in Hand zu gehen, und bei allen Wahlen zu parlamentarischen Körperschaften gemeinsam aufzutreten. Die Not der Zeit, der Kampf um den Zolltarif, der besondere Haß, mit dem die linksstehenden Patteien im gegenwärtigen Wahlkampf alle Bestrebungen, die auf den Schutz der Landwirtschast gerichtet feien, verfolgten, müßten eine Mahnung sein, alle Streitigkeiten unter einander zu vermeiden, damit nicht durch Uneinigkeit in den Reihen der Vertreter von Landwirtschaft und Mittelstand die eigene Kraft abgeschwächt werde. — Was diese Erklärung eigentlich jetzt soll, nachdem die Agrarier sich in allen hessischen Wahlkreisen längst schon geeinigt haben, bleibt ein Geheimnis der alten Mamsell „Volksmacht" und des Kleeblattes Wangenheim-Köhler-Hirschel. Und ebenso sinnlos ist die Bemerkung von dem „besonderen Hasse" der linksstehenden Parteien. Die Kandidaturen Heyligenstaedt und Wallau zeigen jedem, der nicht ganz einseitig, ganz ausschließlich die Agrarier im deutschen Reiche herrschen lassen will, daß dieser alte „Köhler"-Glaube eine faustdicke Torheit ist. Unsere liberalen Wähler und ihre Kandidaten vergelten keinesmegs gleiches mit gleichem; so sehr sie selber auch von den Agrariern gehaßt werden, dieser Haß beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Das kommt in dem Programm der liberalen Kandidaten klar genug zum Ausdruck. — Der „Vorwärts" schreibt: „Der Wahltag ist ein so wichtiger Tag im Leben des Staatsbürgers, daß er als Feiertag betrachtet werden sollte. Wir erheben seit je die Forderung, daß in Würdigung dessen bie Wahl am Sonntag vorgenommen werde. Muckerei und mahltaktische Ermägungen der herrschenden Parteien haben sich bisher diesem Verlangen midersetzt. Mögen daher die Arbeiter menigstens versuchen, in ftiedlicher Verständigung mit den Unternehmern wenigstens einen Teil des Tages zum Feiertage zu machen. Wir richten an alle Arbeitermähler das Ersuchen, mit den Unternehmern in Unterhandlungen zu treten, daß am Wahltage von mittag an die Arbeit vollständig ruhe." Ausland. London, 10. Juni. Tre „Times" melden aus Valparaiso: Es ist jetzt festgestellt, daß bei den Mas ch in en eines Dampfers im Hafen von Valparaiso irgend etwas in Unordnung gebracht worden ist, und zwar vermutlich durch Anarchisten, von denen ein dort bekannter Führer die Agitation betreibt Ties erklärt jedenfalls auch die Tatsache, daß die Maschinen des Tampfers „Arequipa" in der Nacht, in welcher der Tampfer sank, nicht gleich funktionierten. Ter Gerichtshof hat gefunden, daß tatsächlich ein Hindernis vorhanden gewesen sei. Paris, 10. Juni. Ten hiesigen Blättern wird aus London gemeldet: Präsident Loubet werden anläßlich seines Besuches in England militärische Ehren erwiesen werden, wie einem regierenden Monarchen. Ten Ehrendienst übernimmt eine Abteilung der Leibgarde. Eine Eskadron wird ihn auf allen seinen Fahrten begleiten. Ehrenposten werden überall da aufgestellt, wo der Präsident einen Besuch abzustatten hat. Bei der Ankunft in den englischen Gewässern werden zu Ehren des Präsidenten Salutschüsse abgefeuert Aus Stad! uni» Kani». Gießen, den 11. Juni 1903. * * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Kasernenmarter Michael Diehm bei der Garnison- vermaltung Gießen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * Oberhessischcr Geschichtsverein. Den Mitgliedern diene zur Nachricht, daß der für kommenden Samstag geplante Ausflug auf die Saalburg durch ctroa ein tretendes schlechtes Wetter nicht gestört mird, da überall, auch auf der Saalburg selbst, ein schützendes Dach in unmittelbarer Nähe ist. ** Eine Feier der Halbhundertjährigen fand von Samstag auf Sonntag hier statt, von dessen Verlauf uns interessante, Tjeitere Änzelheiten berichtet werden. Im Cafe Ebel, dessen neuer Besitzer, Herr Benz, wie mir ihn keimen, den alten Ruf des Lokals weiterhin fördern wird, sand am Samstag abend das Festessen oct 50er statt, an dem 70 Herren aus allen Kreisen unserer Stadt teilnahmen. Das sehr heitere und stimmungsvolle Fest verlief dort ausgezeichnet und ohne irgend welchen Mißton. Speise und Getränke wurden allgemein als vorzüglich «ineifannt. Die Zusammenkunft dauerte so lange, daß «dien Teilnehmern die Sonne schon heiß auf den Kops schien, als sie sich auf den Heimweg begaben. Sonntag früh war Frühschoppen in SteinS Garten. Drän veranstaltete dabei eine photographische Aufnahme, die im ganzen sehr gut gelang und an der nur der Umstand auf» fiel, daß die meisten nicht so recht aus den Augen schauen wollten. An einem Spaziergang nach dem Dindhof nahmen nicht alle teil, weil viele Ehefrauen ihren Männern die Stiefel nicht geben wollten. Aber Montag früh ging man mit Kind und Kegel nach dem Philosophenwald, um dort bei Frau Leib, die ca. 40 Kuchen gebacken hatte, noch eine prächtige Nachfeier zu verleben. Zum Nachtessen, das dort pattfand, brauchte man 7 Hett. Bier. An musikalischen Genüssen fehlte cs auch nicht: 18 Mann der Militärkapelle unterhielten die Festteilnehmer und spielten spater noch zu einem Tänzchen auf. Nach einem Lampionzug bis vor die Stadt traten die Fünfzigjährigen die Weiterreise durchs Leben an. * * Sommcrfcst des „Sängerkranze s". Sicherem Vernehmen nach wird das Sommerfest des „Säuger- kranzes' acht Tage früher, als auf der Festkarte verzeichnet ro'ft, abgehalten werden, also statt am 28. Juni schon am 21. Juni, i>a Musikdirektor Krauße für den 28. Juni in Nauheim engagiert ist. Es ist zu erwarten, daß der Vorstand seinen passiven Mitgliedern durch Inserat diese Aenderung alsbald bekannt geben wird. ** Omnibustarifänderungen. Wir machen unsere Leser auf die Bekanntmachung des Vorstandes der Omnibusgesellschaft im Inseratenteil aufmerksam. Hiernach müssen für Kinder, die bereits laufen können, die gewohnte Taxe von 10 Pfg., für kleine Gepäckstücke 10, für größere 20 Pfg. bezahlt werden. Diese Aenderungeu treten mit dem 15. d. M. in Kraft. sl. Leihgestern, 10. Juni. Zu dem am 21. Juni stattfindenden Stiftungsfeste des hiesigen Turnvereins, verbunden mit Fahnenweihe, haben bis jetzt eine größere Anzahl Turnvereine ihr Erscheinen zugesagt. Ter herrlich gelegene Festplatz befindet sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Großen-Linden, so daß jedem auswärtigen Teilnehmer zur Rückkehr günftige Gelegenheit geboten ist. Die kunstvoll gestickte Fahne, welche in der Mitte das Bildnis Jahn's aufweist, ist von der Bonner Fahnenfabrik hergestellt und giebt einen klaren Beweis von der vorzüglichen Leistungsfähigkeit der genannten Firma. Butzbach, 10. Juni. In der gestrigen Gemeinde» ratssitzung teilte Bürgermeister Küchel das Antwortschreiben der Kgl. Eisenbahndirektion Franksiwt a. M. auf die Eingabe der Bürgermeisterei hier, betr. Errichtung eines unterirdischen Durchganges am Bahnübergang am Bahnhof mit, wonach dieses Gesuch abschlägig beschieden wurde. k. Bad Nauheim, 10. Juni. Heute vormittag länbcte man im hiesigen Parkteiche die Leiche des ca. 24jährigen Orth von hier. Der junge Mensch, der ausschweifend gelebt zu haben scheint, verzechte fein letztes Geld am Donnerstag in „Freundeskreisen". Tann sagte er: „Jetzt geh ich in den Teich!" Und er hielt Wort: am Freitag morgen fand man Hut und Rock am Ufer hängen, während die Leiche erst heute gefunden wurde. □ Aulendicbach, 11. Juni. Gestern wurde der Führer des Milchwagens der Büdinger Molkerei auf dein Wege von Bleichenbach hierher von einem Gewitter überrascht. Das eine Pferd hatte über die Deichsel getreten und als der Kutscher ihm helfen wollte, fuhr gerade in der Nähe ein Blitzstrahl nieder. Das Pferd scheute, schlug aus und traf den Kutscher am Kops. Der Mann stürzte zu- sammen, die Pferde rannten davon, warfen nach kurzer Zeit den Wagen um und standen. Alles war zertrümmert. Dem schwer Verletzten war der Wagen über den Hals gegangen und er wurde auf einem Schiebkarren heimgebracht. [] Marburg, 10. Juni. Bei dem heute abend hier niedergegangenen Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen hob sich am Hirschberg das Pflaster und gewaltige Wassermassen ergossen sich aus der Erde. Die Ursache war wieder einmal das Platzen eines Kanalrohres, welches das Wasser nicht all zu fassen vermochte. Bei einem solchen Fall machen sich jedesmal umfangreiche Erdarbeiten notwendig. — Nach dem Gewitter fand man in einem Garten eine alte Frau, welche vermutlich durch einen Blitzschlag betäubt war. Sie wurde in ihre Wohnung getragen. 0 Marburg, 10. Juni. Heute abend y2ll Uhr traf der Großherzog von Mecklenburg zum Besuche des Geheimrats Pros. Dr. Küster hier ein. Der Genannte holte ihn auch am Bahnhof ab. Mainz, 10. Juni. Generalfeldmarschall Graf Waldersee und der kommandierende General des 18. Armee- korps, v. Lindequist, leisteten gestern nach der Truppenbesichtigung einer Einladung der Sektkellerei Kupferberg u. Comp. Folge. Dem Direktor des Hauses, Herrn Florian Kupferberg, hatten sich zur Begrüßung der Gäste angeschlosfen: Oberbürgermeister Dr. Gaßner nebst Gemahlin und Tochter, Geistlicher Rat Körner, sowie die Damen des Hauses. Ein im Konzertsaale aufgetragenes Frühstück beschloß den von schönstem Wetter begünstigten Besuch, der auf die Gäste sichtlich den besten Eindruck machte. Einer Einladung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gaßner folgend, wird Graf Waldersee heute um halb 1 Uhr das Frühstück bei ihm einnehmen. Heute nachmittag kurz vor 5 Uhr reift Graf Waldersee von hier ab. — Nicht 100, sondern nur 50 italienische Arbeiter waren gestern hier eingetroffen, um als Ersatz für die ausgesperrten Maurer verwendet zu werden. Heute nacht sind sämtliche italienische Arbeiter heimlich wieder von hier ab gereift und au8 der Streikkasse ihre Fahrkarten bis Köln bezahlt worden. Die Italiener waren in einem Haus m der Wallaustraße untergebracht, in dem sich eine Wirtschaft befindet. Einer der Streikführer hatte sich in der Wirtschaft als Kellner verdingt und hierdurch gelang es ihm, mit den Italienern zu verhandeln und sie zur Abreise zu veranlassen. Vermischtes. ~ ' Berlin, 10. Juni. In Steglitz ist der Gärtner Sewohl beim Baumbeschneiden herabge stürzt und wurde auf dem eisernen Vorgartengitter buchstäblich aufgespießt. Er ist seinen schweren Verletzungen erlegen. * Hamburg, 10. Juni. Ein bei Schulau badendes 17jährige8 Kindermädchen wurde von der Elbströmung fortgerifien und ertrank vor den Augen der Mitbadenden. * Lissabon, 10. Juni. Der Ministerpräsident unterzeichnete die Konzesiwn des Prinzen Hohenlohe betr. Er- richtung von Sanatorien für Lungenkranke auf Madeira, für die er ein Monopol erhält. Die Kon- zesiion tritt in Kraft, sobald die Garanttesumme von 400 000 Mark gezahlt, die Pläne des Sanatoriums eingereicht und fettens der Regierung gutgeheißcn find. * Gibraltar, 10. Juni. Der Genieoffizier Mosalesso machte gestern vor einer militärischen Kommission Versuche mit einem neuen photo-teleskopischen Apparat, welche äußerst zuftiedenstellend ausfielen. Bei der Besteigung des Balm Horn es ist der Berner Student Egon v. Steiger abgestürzt. Feuer. Wie aus Halle a. S. gemeldet wird, brannte Weckers Papierfabrik in Schkeuditz bis auf den 2^2^ n^ec* ^cc Schaden beträgt mehrere hunderttausend Gin geisteskranker Verschwender. In Berlin giebt es einen reichen Bettler, den 40jähr. Freiherrn o. d. E., der, obwohl er aus den Zinsen feines Vermögens monatlich 500 Mark zu verzehren hatte, mit diesem dieses Monats der Eröffnung ber Lofoten-Bahn beuvohnen gemein- V er an t- Gerichtssaal. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt ». T*., 11. Juni Tendenz: schwach. Gießen, den 11. Juni 1903. Eine Anzahl zurürkgesetzter i 2 zahlen an für Haushaltungen ^orf angenommen. 2(2) 1 2(2) 1 1 1 1 1 2(1) Tuberkulose der Lungen vom 2.-15. Jahr 8V.% 8°/o 8V,°/o 8°/o 878% über Mk. 5 000 , 10 000 . 15 000 bis zum Werte von Mk. 10 000 , 20 000 „ 30 000 47,96 Oesterr. Bilberronto 4% Ungar. Goldrente . 4°/o Italien. Rente . . 4«/, % Portugiesen . . , 8°/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . TQrkenlose..... 4% Griech. Monopol.-AnL 4l/,% äussere Argentiner Reichs anleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen Jayresprämie Mk. 5.— , 10.— 4662 Der Vorstand. 8% Mexikaner . . 4%% Chinesen . . Electric, bcbuckert . Nordd. Lloyd . , Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden , , . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum..... Harpener . . . . und Störung der öffentlichen Ruhe erhoben, weil derselbe am Korso aufrührerische Manifeste verteilt hatte. händigte Geld innerhalb weniger Tage in Bier und SchnapS umzusetzen, indem er auch ihm vollständig fremde Personen in den Gastwirtschaften freihielt. Schon vor einigen Wochen zeigten sich bei v. d. E. Spuren von Irrsinn, und da die Geisteskrankheit immer mehr auSartete, so mußte er nach der mordet. Von den Tätern fehlt jede Spur. Stockholm, 1L Juni. In gut unterrichteten Streifen verlautet, daß im Juli eine Begcguung^Laiser unl- Ter Postdampier .Zeeland" der Red Star Hinte in werpen ist laut Telegramm am 8. Ium wohlbehalten in New- . 101.60 . 91.20 . 101.65 . 91.40 . 101.06 . 100.60 . 108.00 100.40 . 101.76 . 102.80 . 50.00 . 82.00 . 8&50 . 180.30 . 44.80 Wlichn Drein Gießen Sommer-Ausflug nach Dillenburg mittelst Sonderzuges am 14. und 21. Juni 1903. Abfahrt: 1 Uhr 10 Min. nachmittags. Rückfahrt: 8 Uhr 34 Min. abends. Schiffsnachrichlen. ^n Gießen vertreten durch Carl Loos, Kckchenvlatz. Norddeutscher Lloyd. 1908. - . 26.00 . 92.60 . 93.25 . 98.80 . 206.00 . 188.90 . 135.70 . 145.50 . 162.80 . 144.80 . 17.20 . 189.00 . 215.00 . 178.20 . 177.40 Kirchliche Nachrichten. Hottrsdrrni: der israelitischen Keligumsgrsrllschast. Sabbathieier am 13. Juni 19 03. FrellagavenQ 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. ölachmuiag 4 Uhr. Sabbachausgang 9.30 Uhr. Wochengorresdienft: Morgens 6 Uhr, abends 8 Uhr. Posen, 11. Juni. Ter MagPrat hat dem Vorstand der Ortskrankenkasse, der beschlossen holte, alten deut sch c n Aerzten, Apotheken und Lieferanten luu» digen und dafür Polen wizusteUen, üi einem schreiben verboten, diesen Beschluß zur Ausführung zu bnngeu, da er ihn aufzuheben beadsick)tige. Waldheim (Sachsen), 11. Ium. In Masianei wurde in der vergangenen 9lod)t der dortige Gutsbesitzer Gottfried Dtüller und desien Wirtchafterin durch Beilhiebe er- 87,% 4H Oesterr. Goldrente Dor den bevorstehenden Sommerreisen empfehlen wir dringend, Mobiliar, Wertgegenstände u. Bargeld gegen Einbruch-Diebstahl 6,. bet Aachener und fflünenener Fener-Versichernngs-Geseilschaft Prospekte werden auf Wunsch kostenfrei zugeiandt. Auskunft erteilt der Haupt-Agent der Gesellschaft I^ouis Wittich^ Ageutur-öelchäft Bahnhofstraße, Woltcngasse-Ecke 27. 373b Neubildungen Gehirnhautenlzündg. 1 Lungenentzündung 1 Unterleibsentzündung 1 sirämpsen 3 Zuckerkrankheit 1 Selbstmord 2 (1) wird. . London, 10. Juni. Im Unterhause erklärte bet der Tebatte über die Chamberlain'sche Zoll-Polckik Premierminister Balfour, bezüglich der warnst euer habe die Regierung keine Versprechungen gebrochen. Ter Grund der Einführung dieser Steuer sei Geldmangel, der Grund der Abschaffung das Aushören des Geldmangels gen-esen. Tie Regierung habe mit dem tfornjoll niemmid einen Vorteil verschaffen wollen. Im Ä a b i ii c 11 herrsck)e gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Verant- Wörtlichkeit, Gleichförmigkeit der Dioden sei nicht notwendig. Asquith habe sich mit ernenn imaginären Budget von 1905/06 beschäftigt, anstatt mit dein gegenwärtigen. In bestinformierten streifen und in den Wandel- I gängen des Westminster-Palastes wird allgemein bestätigt, daß die Minister vor der Hand jede Krise zu vermeiden wünschen. Eine Kabinettskrise ist mir durch das Ta- zwischentreten des Königs verhindert worden, der fürchtete, eine solche würde das Zustandekommen der irischen Landbill gefährden und einen Sck)attcn auf seinen bevorstehenden Besuch in Irland werfen. Paris, 11. Juni. Nack einer Meldung aus Lckwums ist der Zustand dos bei der Automobil-Wettfahrt verunglückten Barr ow derartig schlecht, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Triest, 11.Juni. Gegen den 10jährigen Knaben 17. Versammlung der anatomischen Gesellschaft. Heidelberg, 10. Juni. Die Zahl der Vvrttäge und besonders der Demonstrationen auf der 17. Versammlung der Anatomischen Gesellschaft war dieses Jahr, ebenso wie der Besuch, besonders groß. Eröffnet wurde die erste wissenschaftliche Sitzung durch Professor G. Retzius (Stockholm); er schilderte die wissenschaftliche Bedeutung hes schwedischen Gelehrten Emanuel Swedenborg (18. Jahrhundert), der neben Studien in Mathematik, Chemie, Physik, besonders Anatomie trreb. Die mehr als 25 Fachvorträge berührten fa,t alle Gebiete der menschlichen und vergleichenden Anatomie und Entwicklungsgeschichte; u. a. behandelte Kerbel (Freiburg) die Entwicklung von Harnblase, Mastdarm und äußeren Geschlechtsorganen des niedersten eierlegenden Säugetieres, des Ane^enig?ls. Strahl (Gießen) demonstrierte an einer großen Zahl sehr schöner Lichtbilder (ausgezeichneter epidiascopischer Apparat von Zeiß) Unterschied zwischen Gebärmutter und Mutterkuchen der menschlichen frucht und der des Orangutang und Gibbon. Das kostbare Material stammt ams dem Nachlaß des verstorbenen Se- lenka. Rein menschlich-anatomisch waren eine Anzahl Vor- träge, so über den mikroskopischen Bau der sich entwickettiden und der ausfallenden menschlichen Haare von Stahr (Würzburg), über die Schilddrüsenentstehung von Kallms (Got- tinaen)- über den oberen Rand des Brustbeinhandgriffes des Menschen von Eggelmg (Jena) Interesse erregte Lu- buschs (Jena) Auseinandersetzung, daß die Zungen des gemeinen Neunauges erst Zwitter (geschlechtsunreif) smd^urü> dann erst geschlechtsverschieden werden, und zwar die weiblichen Tiere zuerst. Gaupps (Freiburg) Erläuterungen über die Entstehungsweise und die Verschiedenheit der einzelnen Kopfknochen fanden vielen Beifall. Frifch und lehrreich war der Vortrag des 86jährigen Geheimrates v. L^eNiker, des Ehrenvorsitzenden, der alle Sitzungen und Festlichkeiten in I beneidensuwrter Ausdauer mitmachte, (rr sprach über dii. Entwicklung und Herkunft des Glaskörpers rm Auge ver- Mner Tiere; es schloß sich ein Vortrag des Italiens Cirincione an, dasselbe Thema behandelnd, wobei die Ber-> änderung voii Vortrag und Gesten an diesem Redner, sobald er in seiner Muttersprache reden durfte, ba$u beitrug, auch den Lachmuskelu neben der gefurchten Denkerstirn zu ihrem Recht zu verhelfen; die Ansichten über da-Thema wurden in langer Debatte verfochten und erst bei Demcm- sttation mikroskopischer Präparate zum Austrag gebracht. Neben vielen anderen interessanten Vorttagen lagen eure arore äabl rbicfte zur Temonstratwn vor, mikroskopische fr^r^ besonder/aber viele'Wachsmodelle; ne en Sri- ginalmodellen einer großen Anzahl von Herren ^Ute bu Ptirma Ziegler (Freiburg) eine ausgezeichnet stollektton ibrer prächtigen plastischen Werke aus, die ^rMa Zeiß L«?°Ptisch- ^P«rate. - Als Drt für bte * Versanunlung wurde Jena gewählt^^^^^^^^^^^^^^^ Kunst und Wissenschaft. • Ein neues Theaterprofekt Ernst v. Wolzogens. In zwei Artikeln, im .Tag" macht Ernst v. Wolzogen Propaganda für ein von ihm zu begründendes „Deutsches Singspielhaus' in welchem die leichte heitere Lper im Stil Lortzmgs oder Boiel-1 bieuS gepflegt werden soll. Eine große Anzahl lunger talentvoller Musiker, die im falschen Ringen um das schwere Musikdrama und den wuchtigen Wagner-Stil nicht nur den besten Teil ihrer straft erheblich verzetteln, sondern auch ohne Eckolg bleiben, hat Begabung genug für Schöpfungen einfach-anmutiger Liederspiele und komischer vplMt — ein Feld, das jetzt brach liegt und dessen vPrnte gewiß vom Publikum willkommen geheißen würde. Zur Verwirklichung der Absicht Wolzogens kehll iwch das nötige Kapital; eine Neche von Werken, die crim„Singspielhause" zur Aufführung bringen wurde, find teils vollendet, teils wird an ihnen gearbeitet. Zu den ersteren gehören Zeylers „Bäder von Lucca" mit Text von Wolzogen, Adalbert von Goldschmidts „Fromme Helene" (Text nach Busch von Fannie Gröger) und Hans Hermanns Parodie der „Verfunkenen Glocke" Die neuen Werke, die im „Singspielhause" die Feuertaufe erhalten, sollen kein Monopol dieses Theaters werden, sondern allen auswärtigen Buhnen zur Verfügung stehen und aus solche Weise zu einer gesuiiden Auffrischung des helleren Cpernrcpertoire5 beitragen. KniverMs-Nachrichten. &i p ( in "sunt Professor Haenel wurde anläßlich seines 70.'Geburtstages zum Ehrendoktor der Unvl neriität Tübingen ernannt. Erlangen, 10. Juni. Tem ordentlichen Professor > des Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechts, sowie der ätschen und bayerischen Rechtsgcschichte an der hiesigen Universität, Tr. Hermann Rehm, wurde die wegen Am nähme eines Rufes an die Universität ©traBbura ei> ' üon .-einer Stelle unter wohlgefälliger Kfenrang feiner ersprietziicheu Leistungen auf bem Ge- bUte ber Ssiffenfdjaft unb tut afabemi;ä>en Selpanu be. willigt Rehm uberninnnt 1. Ettober in Strasburg die durch die llcbcrjiebeluiig bes >rere;;or; „jU- Mauer nach Leipzig erledigte Pr-ren« des.^I-Ntttchm .R^ch^ ®n gebürtiger Augsburger, promomerre Rehm ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: Eharckö gebracht werden. * Eine elektrische Bahn auf bem Vesuv. InI den nächsten Tagen ftndet die feierliche Inbetriebsetzung und Einweihung der elektrischen Bahn auf den Vesuv statt. Damit wird ein schon seit Jahrzehnten wiederholt auf-I getauchtes Projekt in die Wirklichkeit umgcsetzt, und mit Genugtuung tonnen die Erbauer der neuen Bahn auf das trotz aller Schwierigkeiten zu stände gekommene Projekt I blicken. Bekanntlich besteht bisher blos eine Drahtseil-1 bahn, welche den Vesuv nur auf der obersten Strecke in I einer Länge von 720 Meter bis zum Aschekegel erschließt. Bis zur Drahtseilbahn aber mußte man bisher die sehr kostspielige Fahrt per Wagen von Neapel oder Pompeji aus unternehmen, sodaß die Drahtseilbahn selbst ver- haltnismaßig wenig frequentiert wurde und sich in letzter I Zeit schlecht verzinste. Diesem Uebelftanb soll die neue, I nunmehr in Betrieb kommende elektrische Bahn, welche den Ausgangspunkt der Seilbahn mit dem Fuße des Vesuvs! bei der Stadt Resina (Pugliano) verbindet, abhelfen. Das Projekt ist ausgearbeitet worden von dem schweizerischen Ingenieur E. Strup und gestaltet sich wie folgt: Tie Bahn zerfällt in drei Abteilungen, nämlich in einer Strecke Pug- l Liano—Elektrische Kraftstation, welche als gewöhnliche elel ttische Bahn mit Oberleitung betrieben wird, zweckens in die Strecke Kraststation—Observatorium, bei welcher vor den Motorwagen eine Zahnradlokomotive, gleichfalls mit elekttischem Betrieb, gespannt wird, da die Steigung hier den gewöhnlichen Adhäsionsbettieb nicht mehr zuläßt, drittens Observatorium dis zum Fußpunkt der Seilbahn. Die letzte Sttecke ist gleichfalls wieder Adhäsionsbahn, da hier die Steigung wiederum eine geringere ist. Die gan^e Länge der neuen Bahn beträgt 7.5 Kilometer, die Herstellung des | Unterbaue» kostete runb 300000 Frs, sodaß 40000 Frs. auf den Kilometer entfallen. Gleichzeitig mit dieser eigentlichen Vesuvbahn wird verttagsmäßig das elektrische Sttaßenbahnnetz von Neapel nach Resina ausgebaut, sodaß man von Neapel bis zur Spitze des Vesuvs nunmehr .in anderthalb Stunden gelangen kann. Außerdem hat sich die Straßenbahngesellschaft in Neapel noch verpflichtet, in der nächsten Zeck die sogenannte Circum Vesuviana bis Torre Annunciata weiter zu führen, um so auch von dieser Stadt aus ein bequemes Erreichen des Vesuvs von der dortigen Eisenbahnstation zu ermöglichen. Mit der Fertigstellung dieser sämtlichen Bahnen kann man natürgemäß einen sehr gesteigerten Fremdenbesuch auf den Vesuv erwarten, sodaß die Rentabilität nicht mehr bezweifelt zu werden braucht. sd. Darmstadt, 10. Juni. Schwurgericht. Das an Brudermord grenzende Verbrechen, welches um die ---- Fastnachtzeit alle Gemüter von Pfungstadt und Umgebung|yuguft Depieri wurde Anklage wegen Hochverrats in Aufregung versetzte, fand heute vor den Geschworenen - - m — seine Sühne. Tie Brüder Ludwig und Valentin Wolf in Pfungstadt, Inhaber einer Zigarrenfabrik, lebten beide in Zwist und Streit, und der heute angcHagte 33 Jahre alte, verheiratete Valenttn Wolf wurde von seinem alleren, robusteren Bruder Ludwig öfter geschlafen und mißhandelt. Mit der Zeck scheint er sich in den Kopf gesetzt und die Absicht gehabt zu haben, gelegentM) Revanche zu üben. Als er am fraglichen Tage wieder von seinem Bruder tor-1 mittags ins Gesicht geschlagen wurde, qhne daß er sich wehren konnte, schoß er nachmittags mit einem einige Tage vorher gekauften Revolver seinen Bruder, der von einem Ausfluge ahnungslos zurückkehrte, von der Seite in den Unterleib, sodaß derselbe nach zwei Tagen seinen Verletz- ungen erlag. Er will in Auflegung gehandelt haben und ! wollte angeblich seinen Bruder, der ihn allerdings wieder schimpfte, nur erschrecken. Er ist vielleicht auch dadurch geceut worden, weil das Gerücht ging, der Erschossene habe Beziehungen zu seiner Frau. Nach eingehender Beweisaufnahme, welche für beide Brüder kein gutes Zeugnis ergab, sprachen die Geschworenen den Angeschuldigten von ber Anklage der vorsätzlichen Tötung frei und erkannten ihn nur der Körperverletzung mit tödlichem Erfolg schuldig, auch billigten sie ihm mildernde Umstünde zu. Er wurde daher in eine Zuchthaus st rafe von drei Jahren abzüglich drei Monate Untersuchungshaft verurteilt. Er nahm die Sttafe sofort an. Bremen, 10. Juni. (Per iransallaittischen Telegraph.) Ter Toppelfchrauben-Schnellpoftdampier „Halfer Wilhelm der Große", RapL O. Cüppers, vom Norddemschen Lloyd in Bremen, i|t gestern 2 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen. Bremen, 10. Juni. iPer transatlantischen Telegraph.) Ter Toovelfchrauben-Po'ldanivier „Ronigm Luise", ftapL O. Lolaer, vom Norddemschen Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr nachmittags wohlbehalten in Äew-Pork angekommen. Bremen, 10. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschranben-Postdampser .Neckar', Kapitän A. Harrassowitz, vom Norddeutschen Llo^d m Bremen, i|i gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in ölewyork angekommen. Red ctar -»nie. I v^stchern. Die Bedingungen sind überal und frei von Härte«. Coupon-Policen Vettstellen in Holz und Eisen verkaufen wir 4657 bedeutend unter Preis. C. Röhr & Co« MSchkiit licht Mkrlicht der TodksMk in brt itabt 22. Woche. Vom 81. Mai bis 6. Juni 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (mtl. 1600 SDlaim Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 3 Ortsfremden: 17,40 D/oo. Kinder Summa: 12(8) 9(3) 2 1 Annu: Die in Klammem gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle m der betreffenden Krankheit aui von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. ®dbt nicht auStam unb feine Einnahmen durch Settel.11885 in München und toirtte bart I Jlfllf|t£ Meldungen, fabtten ergänzte. Der reiche Bettler stand al, Derfchwender Oktober El nn* criginaldradimetdungen ded «'ebener «njdgerf. unter Kuratel und er pflegte das am Manatsersten auSge-^tar°ettg, ^,Iiab Doseurs, der damals nach Berlin, 11. Juni Ter mit dem Stuf erpreß «• Freiburg i Br. überfiedelk. In ix-mfelben Jahre, und krönte Berliner Lc h rer-Ges an gvcrern veran,Et uvar mit 1. August, folgte Rehm einer Berufung nach Er- aIU SamStag ein Konstert nn neuen tonigLJ-teni sangen. theator unter Leerung feinti Tmgenten e||or« , Rom, 10. Juni. Heute starb der berühmte Prosesfor Zchmidt. In dem Uonzert werde» auch txe Jrantturter der Mathemattk Smalor Lremona. Suigi 6rcroona, gtb. »Bett, und Preisgesänge juni ©ortrag tomnien. . 1830 zu Pavia, beteiligte fid> an den Unadhängigkecks- - ' s- ‘ a r aa-t“ — an-geführt von der 4605 4654 Rob. Meuser wozu ergebenst einladet -7-r \1A h ir Großen-Buseck, den 10. Juni 1903, 4660 2 J. Stürmer, Strassburg LE. J. viui mci, DuuMuiug l. g [Generalagent,Laiigestr.lO7.ja| Dachdeckermeister 4661 Abteilmig: Glaswaren Abteililllg: Porzellan-, Steingntwaren von K von do. do. an K c: 38 Pfg. von von erhalten entsprechenden Rabatt. B.iedcrvertänfer nnd Vereine Alle lllldereii MM" Gießens größtes und billigstes Kaufhaus Filiale: Seltersweg 35 Kanptgeschaft: Marktstraße e*®*s*e*®*o*sie*»*s*9*e*s>o*e*©*ii r n ■> 2 B Kompottteller Kompottschüsseln Kinderslaschcn mit Strich . Wassergläser..... Weingläser...... Bierbcchcr, 7io Liter gcaicht, schwer . Biergläscr mit Henkel .... Bierseidel mit Henkel, a/to Liter geaicht Branntwctugläser , . . . Zuckerbcchcr, groß .... Salzfaß, doppelt .... Butterdosen, Huhniorrn Käseglocken mit Teller, groß Bier-Service, Krug mit 6 Gläsern . Wein-Service, Krug mit 6 Römern . Eyltuder Blumenvaseu £ Teller, gerippt und glatt, lief oder flach . Gcmüscschüsselu, rund, eckig, oval .... 6 Stück Gcmüscschüsselu im Sah, weiß, zusammen B E i i h 1.95 90 35 40 35 60 10 45 7 1.70 Mk. an I Dutzend von Zweigniederlassung tu Kraukfurt a. M. I>r. Jucho. Pfg. „ an H6fos Äopf- u.Kaanvaffer A das beste der Welt, /j Otto Schaas, Gießen fabrih chemischer u. coemctifcher Pratparate 4453 4 Pfg. an 8 , , 6 , 4 , , 9 , , 10 , 9 , 19 , 7 , , 10 , , 6 , , 19 , 34 , 95 , , 2.25 Mk. an 5 Pfg. an 8 . . JjäaME'IUdl Allgemeine Unfall- und Haftpflichtversicherungs-Aktiengesellschaft, Kapelle des Inf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Groash. Musikdirektors Herrn C. Krausse. Anfang präcia 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. Die Liste liegt an der Kasse zum Abonnieren offen. . L . a . k von küchtligeriitt, iLmaillc-, Külz-, Äorb-, Lürste»-, Leder- zu den bekannt billigen Preisen. Reinigt die Kopfhaut und erhöht ihre Tätigkeit, wirkt stärkend auf den Haarwuchs und verhütet das Ausfallen der Haare. Dieses Haarwasser, nach langjähriger Erfahrung hergestellt, ist als das denkbar beste Kopfwasser erprobt und anerkannt. Bank für Kandel nnh Industrie Dcpositenkasse Gießen. (Darmstädter Bank.) von 10 Pfg. an 10 , 42 , , , 2.65 Mk. cm zum Schlachten werden stets angekaust [1790 JbLeaeler, Pferdemetzger. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem und betroffenen schweren Verluste, für die zahlreichen Blumenspenden, sowie für die trostreichen, herzlichen Worte des Herrn Pfarrer Hoch sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. Lehrer Neumann und Ilamrlie. Todes-Anzeige. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, das am 8.' d. Mts. erfolgte ylbleben unseres langjährigen General-Agenteu für das Großherzogtum Heffeu Hem Ludwig Carl Walther in Mai«; Rittmeister der Landwehr zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. Wir betrauern in demselben einen unserer treuesten, eifrigsten und zuverlässigsten Mitarbeiter, dem wir ein ehrendes Andenken stets bewahren werden. Kraukfurt a. M., den 11. Juni 1903. Garten-Schläuche bewährte Qualitäten Lchkiichmgen, Strahlrohre re. Reparaturen billigst. Carl Aug. Faber, •r“~- ‘ ’L.. Für die Reisezeit empfehlen wir unsere Schrankfächer (Safes) zur Aufbewahrung von Wertgegenständen aller Art unter eigenem Verschluß des Mieters Preis für ein Jahr Mk. 15.— , „ einen Mouat „ 3.— sowie 4460 ausländisches Geld nnd Urifehrrhitbrirft. . ä 10 Pfg. von 15 „ an 1.35 Mk. Täglich prima Mttkbmle SeibePs We nstube Ludwigsplatz. 4659 Zum neuen Saalbau früher Steins Garten. Donnerstag den 1L Juni: 1, Abonnements-Konzert das halbe naii spiclwartn 46öo itotel - Restanr ant r. Happe«. Freitag den 12. Juni: 02800 Frei-Konzert MsMkdMW! Ziehunp bestimmt 20. Juni 1903. AII. Wohltbätigkeits- H MohliWSSliklöiiiikMg! Unsere Wohnung befindet sich Rshkiwcrftr. W null LmtzriseHr. 4 Kröck & RHüller do. bemalt wieder eingetrossen je | Waggon Porzellan-, MnM. mt Glaswaren welche zu den nachstehenden unerreicht billigen Preisen offeriere: Geld -Lotterie i. SirMsbara-Jead. ArheHerteims M z»; 41000 Hauptgew. 1 15000 16ti. 1k. läoew 1 „ 6000 3 ä 1000 = 3000 5 ä 500 = 2500 20 a 100 = 2000 400 tiw.ZUB. 5000 2060 „ „ 7500 Bar ohne Abzug aaszahlbar Los I Mk., II Lose 1 Mk., Porto n. Liste 25 Pf., Nachnahme teurer, empfiehlt Vcrschiedene Möbel ’T »S kauseu. [02779] Löberstraße 7, III. Kleeernte am Aulweg zu verlaufen. Nähere-.' [02784 Wagcubach, Wetzsteinstr. 38. Ein neues Break zu verkauf. [02741] Wolkengasse 11. Kl. Messen ^ifl ■“« kaufen [4665] Seltersweg 36. 02802] Bon 2 Wiesen HcugraS zu verk. I. H. Euler, Mäusburg 3. Hauspäne ■ Bleichstr^ 12.