Nr. 109 •rf^ctet täglich außer Sonn lag». Dein Siebener Anzeiger »erben tm Wechsel mit dem Selftsche, taibolrt die Gledeaer Familien- blltter oiermal tn der Woche betgeUgt tRotattonibrud u. Verlag bet Brüh l'schen ttnlorc1.-Luch- u.Ctein- brudem (Putsch Erben) •Ubaftton. ttirpebUtM anb Vniefertii Pchulftretze T. Adresse für Tepeschent Au-eiger »tefcetu 8*mlprrd)anld)lu69lr.6L Mmttagll.Mail908 153. Jahrgang Zweites Blatt. I., eiertet monatl GietzenerAnzeiger Seneral-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen jährlich Mk. 2.20; burch Adhole- tu Zweigstellen monatlich 6o Pf.; burch biePost Mk.L—vtenel« jLhä. auZschl. Bestellg. Annahme van Anzeige» für bie iagconummet bi» Dormutag» 10 Uhr. Zeilenprei»: lokal 12’ÜU auiroärti 80 Pig. Verantwortlich tüt den polU. und aUgem. Test: P. Witiko für .Stadt und tiantr und -Gerichr-saaf. Äuaust Götz; für den *ln* getgentetl: pan» Beck. Die heutige Dummer umfaßt 10 Seiten. Deutsches Reich hlen- Dolitische Tagesschau. Kaiser Friedrich all Prinz beim Papste. Vor 60 Jahren, um Weihnachten 1853, kam Friedrich Wilhelm als Prinz von 23 Jahren zum ersten Male nach Nom. Sein Lehrer und Begleiter, Oberstleutnant von Al- venSleben, machte ihn pflichtschuldigst darauf aufmerksam, der Papst werde auf jeden Fall erwarten, von ihm den üblichen H a n d k u ß zu erhalten. ,Wie, den üblichen Hand- kuß? Ich habe außer meinem Vater und dem Könige einem Manne noch niemals die Hand geküßt und werde sie auch dem Papste nicht füffenl' Darob keine geringe Verlegenheit in der Begleitung und nach größter Erwartung aiich der AuSgang. Der Tag der ersten Aufwartung im Vatikan ist da. Huldvoll steckt PiuS IX. dem deutschen Fürstensohn seine zierliche Hand mit dem Fischerring entgegen, daß er sie zum Zeichen der Verehrung küsie. Doch was geschieht? So treuherzig, rein furchtlos ergreift der hochgewachsene Deutsche mit den blauen Augen die päpstliche Rechte und schüttelt sie kräftig zur Begrüßung nach echter heimischer Art. Friedrich Wilhelm hat den Papst dann noch öfter gesehen. PiuS IX. aber soll dem hoffnungsvollen Sproß auS dem Hause Hohenzollern in der Folge nie anders als mit den Händen auf dem Rücken entgegengekommen sein. welche Se. Majestät gewiß gesprochen haben würde. Ferner heißt es im Berichte der „Germania" über diesen Besuch: „AuS der Kirche des Erzklosters war das Allerheiligste entfernt worden. Dem Abte und den Beuroner Künstlern gegenüber äußerte der Kaiser beim Anblick der Malerei und Skulpturen des Paters Desiderius Lenz, er begrüße es, daß hier die rechte Art der Malerei für rirchlicke Räume, das g old blinkende, leuchtende und unvergängliche Mosaik, wieder ausgenommen sei, und bemerkte, daß kerne andere Art der ilLaieiei, weder Fresko noch Oel, Tempera üsw. >ie Türkei sich zu Beschuldigungen der direkten Mittäter- chast Bulgariens am Werke der Tynamitarden in Saloniki -ersteigt. Ter Zurüchzug erfolgte nach harten Kämpfen im türkischen Ministerrat gegen den Willen des GroßvezterS auf Befehl des Sultans und auf entschiedenes, von Justus von.Liebig. (Geb. 12. Mai 1803 zu Darmstadt — gest. 18. April 1873 zu München.) Fortsetzung. ?lber hier in Gießen hatte Liebig manche hartenKämpse zu bestehen, vor allein mit dem KlerikaliSmus. Auch machten ihm einflußreiche Persönlichkeiten seine Freundschaft mtt dem freisinnigen Dichter Grafen Platen zum Borwurf. Liebig war 27 Jahre ordentlicher Professor in Gießen, ohne zum Rektor gewählt zu werden. Nach zehnjähriger Wirksamkett in Gießen schrieb Liebig von Baden-Baden aus, wo durch Ueberanstrengung erkrankt, Erholung suchte, ernon Vries an den Kanzler Linde, aus dem einige stellen angeführt sein mögen: , Mit 800 fl. Besoldung kann man in Gießen nicht leben... Ich habe Instrumente und Präparate nötig gehabt, ... ich habe einen Assistenten nötig, der mich selbst 320 fl. kostet; ziehen Sie beide Ausgaben von meiner Besoldung ab, so bleibt davon nicht soviel übrig, um nur meine Kiiider zu kleiden." „ „ Sct Brief half; sein Gehatt wurde auf 1200 fl. erhöht. Es hat aber in der Kulturgeschichte der Menschheit keine bedeutungsvolleren Räume gegeben, als dieses Gießener Laboratorium Liebigs; drei Wissenschaften: organische Chemie, Agrikulturchemie und physiologische Chemie wurden hier geboren, und euie Reformation, für die Wissenschaft so wichtig wie Luthers Reformation für die Kultur, die Reformation des llnrv er, ltats- unterrichts, nahm hier ihren Ausgang. . Eine wefentliche Bildest er ung ;einer Prellung in Gießen erfuhr Liebig erst durch den llmstand, dag auswärtige Stauten auf ibn aufmerksam wurden und insbesondere die österreichische ^gierung im Jahre 184o einen Ruf an ihn ergehen ließ, um ihn zu bewegen, in Wien eine Lehrkanzel für höhere Chemie" (wie man sich damals auszudrucken Die Balkan-Unruhen. Aus Konstantinopel meldet das „Bert. Tgbl.": Nach Nachrichten aus UeSküb haben die türkischen Truppen die Hochburgen deS albanesischen Aufstande-, Ipek und Dijakowa, besetzt, wobei es zu hefttgen Kämpfen gekommen sein soll.,— Bei einem Diner zu Ehren des in Konstantinopel weilenden französischen Unterrichts- ministers Chaumis war die französische Botschaft von einem Truppenkordon und Mannschaften des Stationärs mtt aufgepflanztem Seitengewehr beschützt. Ter „Frkf. Ztg." wird depeschiert: Die r u s s i s ch e Regierung beschloß, keine Kriegsschiffe nach Saloniki zu senden. Ter Sultan nahm den Entschluß Rußlands sehr hoch auf. lieber die letzten Ereignisse in Monastir ließ derGeneral- gouverneur Izzet Pascha dem bärtigen Konsul folgende Mitteilungen zugehen: Mehrere Mttglieder des bulgarischen Komitees versuchten, türkische Einwohner anzugreifcn und das militärische Pulverdepot in die Luft zu sprengen ; es kam dabei zu einem Zusammenstoß, bei dem die Truppen 19 Bulgaren tüteten und 4 verletzten, 3 Türken wurden ebenfalls verwundet An demselben Abend wurden von der Bevölkerung 3 Mttglieder des Komitees, welche beabsichttgten, Bomben in die Hauptmoschee zu werfen, pflegte) einKunehmen. Aber die Verhandlungen, die vom Grafen Kolowrat geführt wurden, hatten keinen Erfolg. 1845 ward Liebig vom Großherzog Ludwig II. in den e r b - lichen Freiherrn stand erhoben. Trotz glänzenden Anerbietens ist Liebig der hiesigen Universität, an der er seinen Siegeslauf zur Höhe unvergänglichen Ruhmes unternahm, tteu geblieben, bis er hier sein Lebenswerk in allen Stücken vollbracht sah. Als er nach <28jähriger Lehrtättgkett in Gießen einem Rufe als Prcfcs.'or und Konservator des chemifchenLaboratoriums nach München Folge leistete, war er längst über sein ursprüngliches Wissensgebiet weit hinausgewachsen. Der Gang des Unterrichtes im Gießener Laboratorium aber ist heule noch in allen Laboratorien gültig. Er begann mtt der qualitativen und auantttativen Analyse anorganischer Körper, an die sich die Darstellung und Analyse organischer Körper anschloß. Liebig hat auch die analytische und anorganische Chemie durch einzelne Ar- beiten dauernd bereichert; seine größte Bedeutung liegt indes auf dem Gebiet der organischen Chemie. Berzelius hatte die Chemie der unorganischen Körper durch seine hervorragenden Arbeiten zu einem hohen Grade von Ausbildung gebracht, während die Schwester, die organische Chemie, kaum einen schwachen Anfang genommen hatte. Liebigs Verdienst war es, hier neue Wege geschaffen zu haben. Tie Analyse der organischen Stoffe, welche bekannrlich aus nur wenigen und immer denselben Elementen bestehen, war nur wenigen zugänglich, weil sie kostspielige Apparate und viel Zeil und Mühe erforderten. Die Ari, wie nun Liebig nach und nach zu der jetzt noch gebräuchlichen „Elementar-Analyse" gelangte, ist ein Beweis für sein schöpfer es Genie. Namentlich beseitigte er die vielen Manipulaiioneil, wclcye die Bestimmung der Kohlensäure bislang benötigte, indem er lehrte, wie man Kohleniäure auch dem Gewicht nach bestimmen kann: er konstruierte-den nach ihm benannten Fun f-Kuge!-Apparat, getötet Ferner teilt der Bali mtt, daß bei den größeren Gefechten bei Tsapari 15 Bulgaren getötet und 74 gefangen genommen wurden. Unter den in Saloniki verhafteten 500 Bulgaren befinden sich die Bankiers Kondow, Risto Fukara, der Hotelier Momtfchilow, der Direktor der bulgarischen Schiffahrt, Jllia, Pope Stefanow und Rogdonow Magyarow. Ter Polizeiminister drückte dem bulgarischen diplomatischen Agenten sein Bedauern darüber aus, daß die Polizeiorgane beim ersten Sekretär der Agentur, Sttkiforow, widerrechtlich nachts eine Haussuchung vorgenommen haben und gab die hierbei beschlagnahmten Briefschaften wieder zurück AuS Sofia meldet die „Frkf. Ztg.": Zur Bekräftigung seiner Ueberzeugung, daß der Friede auf dem Balkan gewahrt bleiben wird, erklärte Ministerpräsident Tanew, die Regierung sei entschlossen, noch in diesem Jahre die Konversion der fünfprozenttgen bulgarischen Rente durchzuführen. Neue Gerüchte über Lüristen-Massacres in Tetova und von Dynamit-Funden tn Ueskueo sollen sämtlich erfunden sein, ebenso die Meldung vom Hissen der österreichischen Flagge in einigen Grenzortschaften Alt-Serbiens. Tie türkische Regierung zog eine überaus charfe, anBnlgarien gegebene Note zurück, worin ' ' lYA _ TV ! — - . u «— k AM k« MA 9 i-A M QT) « A IaM . Berlin, 10. Mai. Der Kaiser wird, wie ein Telegramm aus Danzig meldet, Ende Mai dem Offizierkorps der Leibhusaren in Langfuhr einen Besuch abstatten. — Zum Stapellauf des Linienschiffes I auf der Danziger Schichau-Werft treffen am 26. Mai voraussichtlich der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz ein. — lieber eine un terdrückte Rede des Kaisers wird der „Qtermania" in einem Berichte über den Besuch des Kaisers im Kloster Monte Cassino berichtet: „Als der Abt im Kapitelsaale seine schöne italienische Ansprache an bie Monarchen hielt, fixierte unser Kaiser scharf ben Redner, während König Viktor Emanuel die im Saale Äiben Gemälde betrachtete. Ms der Abt seine Rede t wandte der Kaiser sich an den König, als wollte er chm naheleaen, um ein paar Worte zu erwidern. Da dieser aber schwieg, stiegen beide vom Podium herab. Die Worte, die unser Kaiser sicherlich im Busen trug, man hätte sie so gern gehört, aber er konnte dem Landesherrn nicht vorgreifen. Es war schade um die schonen Worte, riums beschäftigter Mttttär, ernannt worden. Im Justiz- Palast entstand eine große Panik. Ein alter Türke legte das Gewehr auf ben Vortragenden Rat dieses Ministeriums Eumer Bey an, um ihn z-u töten. Cum er wurde leicht verwundet Man glaubte zuerst an ein Dynamtt- Attenlctt. konstruierte-den nach ihm benannten Funf-Kugel-Appar der mit Kalilauge zur vollständigen Absorption der Kohle säure gefüllt und von der bei der Verbrennung gebildeten Petersburg aus ergangenes Anraten. Hätte die Türkei die 9tote aufrecht erhalten und Bulgarien gewiß in noch gereizterem Tone geantwortet, so wäre dies die Eröffnung von Feindseligkeiten gewesen, welche bei der beiderseitigen gereizten Stimmung nicht auf Papier und Tinte beschränkt geblieben wären. In Palastkreisen wird vev- sichert, der Sultan gedenke demnächst eine Spezialmission an das Hoslager des Zaren zu entsenden, an dessen Spitze ein kaiserlicher Prinz gestellt werden soll. Ter Wall von Skutaci in Mbanien wird abgesetzt. An feine i Stelle ist der TivisionSgeneral Haidar Pascha, ein äußerstI— -------- - , ____■ , r •. energischer, im Rüstungsdepartement des Krttgsministt»! mtt derselben entfernt verglichen werden könne sowohl in Kohlensäure durchrstichen wirb. Die Differenz der Wäa- ungen des Apparates vor und nach der Verbrennung giebt das Gewicht der Kohlensäure, welche in dem verbrannten Körper enthalten war. So unscheinbar diese Erfindung ist — denn es giebt zahlreiche mechanische Konstruktionen welche eine größere Kombinationsgabe und weit mehr Energie in der Uebenvindung von Hindernissen voraussetzen — so wäre doch ohne bie Liebigsche Entdeckung der Clementar-Analyse die ganze heutige organische Chemie, die Chemie des animalischen und vegetabilischen Lebens undenkbar, und man steht hier wieder vor dem Fall, daß die höchsten Interessen der Menschheit oft von kleinen Tingen abhängen (Magnetnadel, bewegliche Typen). Liebig teilte die experimentelle Anleitung über alles, er hat )ie induktive Methode, welche Bacon von Berulam philo- ophisch als die für die Naturforschung notwendige erkannt hatte, praktisch in den Unterricht eingeführt. Er wußte seine Schüler, die bald in außerordentlicher Zahl herbei- strömten, im wahrsten Sinne des Wortes zum Entdecken anzuleiten. Nachdem sie sich über den Stand der Frage durch Lektüre die nötige Kenntnis verschafft hatten, mußten sie proprio Marte bie Wege aufsuchen, auf denen die neue Wahrheit gefunden werden sollte. Nur wenn ihre eigene Kraft nicht mehr ausreichte, sprang der Lehrer hilfreich ein. So haben er und seine Schuler auf diese Weise mit bewundernswertem Fleiß jahrelang Material gesammelt als Grundlage seiner späteren Forschungen. Das erste bedeutsame Resultat ist eine 1833 mtt Wöhler gemeinschaftlich publizierte Arbeit „Das Bitter- mandelöl und seine Abkömmlinge". Mtt Wöhler durch Untersuchungen bekannt geworden, welche sich mit der jetzt als sehr allgemein vorkommend erkannten Eigenschaft der Materie besänftigten, die durch Berzelius (1830; als „Isomerie" bezeichnet wurde, hat sich das aus den ge- mcinschaftlichen Aibeiten heraus entwickelte Freundschaftsbündnis alS eine reiche Quelle der Anregung und der Förderung erwiesen. Worin liegt nun aber die Bedeutung der Arbeit übet Bezug auf Gravität, Ernst und Pracht, als auch zugleich hinsiä-ttich deS Reizes und der Stttnmunw die eben nur mtt diesem Mittel zu erreichen möglich jci. Der Kaiser entdeckte wohl das alte Fragment der Jormprinzipien, rtc Dte Künstler hier wieder aufzunehmen und neu ins Leben zu rufen suchen, und sagte: „Sie haben daS gefunden, was unsere Zeit will, und was io Biele wünschen. Auch das autoritative Element, welchem Sie eine Bestimmung in dieser Kunst hier gegeben haben, ist sehr gut und am Platze, denn dieses Clement muß man immer haben. „Während dieser bedeutsamen Worte chres kaiserlichen Vaters verewigten sich der Kronprinz und Prinz Ettel Friedrich in der Krvpta dadurch, daß sie selbst einige Goldmosaikstücke in die noch nicht volleiidete Decke einfügten. So haben auch Hol-enzollern hier mitgearbeitet" — Gelegentlich seiner diesjährigen Dittgliederversamm- lung richtete der Hauptverband Deutscher Flottenvereine im Ausland an den Kaiser, der damals noch in Rom weilte, ein Telegramm. Hierauf ist dem Hauptverband folgendes Antwvrttelegramm zugegangen: „Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg. Indem ich Eurer Hoheil und dem Hauptverband meinen kaiserlichen Dank für ben Hulbigungsgruß hiermit ausspreche, wünsche ich gleichzeitig ber Tätig kett der Deutschen Flottenvereine, welchen ich mein lebhaftes Interesse zuwende, weiteren erfolgreichen Fortgang; je fefter die über die Erde verbreiteten Berettte in sich zusammenhalten, je mehr sie die Liebe zum Vaterlande fördern helfen, um so besser wttd den Zwecken des Verbandes gedient sein. Wtthelm." — Das gegenwärtig in Villafranca vor Anker liegende amerikanische Geschwader, das Ende des Rtonats nach Kiel in See gehen wird, ist dasselbe, das den Präsidenten Loubet kürzlich im Hafen von Marsettle begrüßte. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat selbst die Initiative bei der Anordnung dieses Flottenbesuches ergriffen, der vollgiltig Zeugnis dafür ableae, daß nach n/ie vor zwischen der Unions-Regierung und der deutschen Regierung durchaus fteundschastliche und herzliche Beziehung bestehen, die auch bei dem Empfang der ameri- lanischen Kriegsflotte luib ihrer Besatzung in Kiel zu unzweifelhaftem Ausdruck gelangen werden. — Am 1. und 2. Pfuigstseiertage soll wieder ein Anarchistenkongreß in Deutschland stattfinden. Den Delegierten wird der Ort der Konferenz brieflich mit* geteilt werden. Auf dem Kongreß soll u. a. die Stellung der Föderation revolutionärer Arbeiter zu General streiken und zu Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegungen verhandelt werden. Ausland. London, 10. Mai. Nach einer Bestimmung der kanadischen Zollverwaltung müssen die Ursprungsnachweise bei Fakturen über britische Waren, welche unten dem Vorzugstarif in Kanada eingeführt werden, zukünftig die Erklärung enthalten, daß ber Hauptwert (chief value) keiner ber in ber Faktura aufgesuhrten Artikel in Teu t s ch - land probuziert ist. Hinsichtlich ber Waren, welche in Deutschland bis zum 16. April einschließlich gekauft und vor dem 13. Juni ohne Zuschlagssteuer in Kanada eingeführt werden sollen, müssen die Exporteure der Faktura die Erklärung beifügen, daß die Ordre für diese Waren bis zum 16. April angenommen worden ist. Paris, 9. Mai. Angesichts der günstigen Sagt der Staatsfinanzen ist die geplante Anleihe von 1500 Millionen vertagt worden. Ueberdies ist in französischen Finanzkr eisen keine Stimmung für diese Anleihe vorhanden. Ter Finanzminister dürste infolge des Mehrertrages der Steuern wahrscheinlich von der Aufnahme der Anleihe ganz absehen. Nizza, 9. Mai. Tas gegenwärtig in Billa Franca liegende amerikanischeGe schwader wird Ende dieses Monats nach Kiel in See gehen. Ter Kommandant, Admiral Cotton, erhielt bereits dahingehende Instruktionen. Madrid, 10. Mai. Ueber einen Unfall der Infantin Maria Isabella, der Tante des jungen Königs von Spanien, wird gemeldet: „Als gestern die Infantin nach ihrem Spazierritt vom Pferde stieg, schlug das Pferd ihr mit dem Hinterhuf mitten ins Gesicht. Wie leblos sank die Infantin zusammen. Die herbeigerufenen Aerzte konstatierten eine leichte Gehirnerschütt erung und eine Wunde an der Lippe, die mit 6 Stichen genäht werden mußte. Ter Zustand der Infantin war am Abend befriedigend. Wien, 10. Mai. In radikalen Kreisen wird nach Belgrader Mitteilungen versichert, König Alexander bereite seine Scheidung von der Königin Traga vor. Ter König sei zu der Einsicht gelangt, dag die Popularität, welche Die Dynastie ein'st besaß, infolge dieser Ehe verloren gegangen sei. Ueberdies erhielt er Drohbriefe, in denen seine gewaltsame Enttrohnung angekündigt wird. Im Hinblick auf die Gärung im Sffizterkorps und die in letzter Zeit vielfach staltgefundenen antidynaftischen Shuw gelungen wurden dte Konakwachen verstärkt. — Fürst Ferdinand von Bulgarien hat seinen Pariser Aufenchalt vorzeitig abgebrochen und befindet sich auf der Reise hierher. Er hat um eine Audienz bei Kaiser Franz Josef nachgesucht, die ihm aber unter dem Hinweis der Kaiserfahrt nach Budapest nicht bewilligt wurde. — Ter hier tagende Kongreß der deutschen Ge - werkvereine Oesterreichs nahm folgende Resolution an: Ter Kongreß muß aufs entschiedenste die Versuche der Vertreter der Landwirtschaft z u r ü ck w e i s e n, die im neuen Zolltarifentwurf ohnehin schon gesteigerten Getreidezölle noch weiterzuerhöhen und außerdem Zölle auf industrielle Rohstoffe einzuführen, welche im Juland gar nicht ober nur in geringer Ni enge erzeugt werden. Ter Kongreß erwartet, daß diesem Vorstoß von kompetenter Seite entgegengetreten und dahin gewirkt werde, daß der Abschluß neuer Handelsverträge nicht durch ungerechtfertigt hohe Getreidezölle schpn im voraus verhindert werde. — An der hiesigen Universität kam es wiederum zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen deutsch-nationalen und katholischen Studentenverbindungen. Tie Exzesse nahmen schließlich einen derartigen Umfang an, daß die Polizei einschreiten und zahlreiche Verhaftungen vornehmen mußte. Petersburg, 9. Mai. Das russische Handels-Tele- arapyen-Bureau bezeichnet die von London aus verbreitete Meldung bezüglich der Besetzung von Niutschwang durch d i e R u s s e n als gänzlich unbegründet. Athen, 10. Mai. Prinz Andreas von Grie- chenlaub hat sich mit der Prinzessin Alice von Dattenberg verlobt. (Prinzessin Alice, geb. 1885, ist eine Enkelin des verstorbenen Prinzen Alexander von Hessen und älteste Tochter des Prinzen Ludwig von Battenberg und der Prinzessin Viktoria. Prinz Andreas, geb. 1882, ist ein Sohn des griechischen Königs. D. Red.) Petersburg, 10. Mai. Trotz verschiedener Dementis erhält sich hier das Gerücht, daß König Eduard von England Ende Juli zum Besuch in Zar s ko je- Sselo ein treffen wird und daß bet diesem Besuch die Verlobung des Großfürsten-Thronfolgers mit der ältesten Tochter des Herzogs von Connan g h t proklamiert werden wird. Washington, 9. Mai. Ter Gesandte in Peking telegraphierte an das Staatsdepartement und bestätigte die Meldung, daß die russischen Truppen wieder in Niutschwang cingerüctt, sich aber später wieder zu- rückgezogen hätten. Ailü ZltaSt und Land. Gießen, 11. Mai 1903. ** Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog empfingen u. a. den Professor Mittermayer von Gießen und den Direktor Dr. Schäfer vom Lehrerseminar zu Friedberg. — Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben dem Obersten a. D. Cullmann, seither Kommandeur des Gendarmerie-DistriktS Rheinhessen, die Erlaubnis zum ferneren Tragen seiner seitherigen Uniform erteilt. — Der Steuerkommissär in Butzbach, Otto Müller, wurde in gleicher Diensteigenschast in das Steuerkommiffariat Friedberg versetzt. — Ernannt wurden am 7. Mai ds. Js. die Forstaccefsisten Gustav Buß aus Büdingen und Otto Schwjeder aus Frankenberg zu Forstassessoren. — Se. K. H. der Grvß- h erzog haben am 18. April dem Bürgermeister Johannes Fischer in Ober-Breidenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,Für Verdienste • am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. sä. Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heutigen Ziehung der 1. Klasse fiel, wie unS drahtlich aus Darmstadt gemeldet wird, die Prämie von 40 000 Mk. auf Nr. 81145; die eine Hälfte fiel nach Fürth i. O., die andere nach Laubach. Arner fielen 20 000 Mk. au Nr. 51381 (nach Gotha), 10 000 Mk. auf Nr. 8544 (nach Heldenbergen), 5000 Mk. auf Nr. 67929 (nach Oldenburg), 1000 Mk. auf Nr. 7239 (nach Darmstadt), 400 Mk. au Nr. 28691. (Ohne «Gewähr.) 4- Der BezirkS-Lehrerturnverein hielt am verflossenen Samstag nachmittag unter Leitung von Lehrer Bach-Großen-Linden seine erste UebungSftunbe ab. Es wurden Gruppen von Freiübungen und Stabübungen durchgeturnt, ferner als Ordnungsübungen das Gehen des geöffneten ReihenkürperS im Viereck und in Strahlen mit anschließenden Freiübungen und zuletzt Uebungen am Klettergerüst und Barren. Schließlich referierte Lehrer Zöller- Watzenbvrn über die erste Hauptversammlung des Hessischen Lehrerturnvereins, die am 21. März in Mainz abgehalten wurde und glänzend verlief. Der Bezirk Gießen zählt gegenwärtig 21 Mitglieder. * * Tas Militärkonzert gestern nachmittag in Steins Garten war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Musik unserer Militärkapelle sand großen Beifall. Hoffentlich kann das nächste Konzert schon im Freien stattfinden. • • Silberne Hochzeit feierten gesten Kaufmann und Küfermeister Philipp Lenz und Frau in Klein-Linden. — Besitzwechsel. Zu unserer Notiz vom Samstag, betr. Verkauf des Reiberschen Grundstücks wird uns ergänzend mitgeteilt, daß die Reibersche Möbelfabrik in seitheriger Weise weitergeführt wird und zwar in dem früher Scherffschen Hause, Löwengasse 5. Herr Winn beabsichtigt, das erworbene Terrain baulich zu verwerten, und vorerst in den Reiberschen Fabrikräumen eine Bauschreinerei für feinen eigenen Bedarf zu betreiben. Hoffentlich wird in nicht allzu langer Zeit die an der Wieseck entlang geplante Verbindungsstraße zwischen Bahnhofstraße und Frankfurterstraße nunmehr zur Verwirklichung gelangen und die durch die neue Alicestraße begonnene Verschönerung dieses Stadtteils damit beendigt werden. * * Alice-Schule. Unter dem Vorsitz des Kreisschulinspektors Prof. Dr. Lucius aus Darmstadt, als staatlichen Vertreters und vor der durch das Ministerium des Innern ernannten Prüfungskommission, bestehend aus den Damen Baronin v. Buseck, Frau Oberbürgermeister Mecum, Frau B. Gebhardt, Präsidentin der Alice-Schule, sowie den Herren Oberbürgermeister Mecum, Vizepräsident, und Prof. Dr. Fromme, Schriftführer desselben, wurde Samstag, den 9. d. M., die erste staatliche Prüfung für Handarbeitslehrerinnen ab gehalten. Elf Aspirantinnen hatten sich derselben unterzogen. Drei von diesen bestanden mit der Note: Sehr gut; zwei mit: Gut bis Sehr gut; die übrigen mit Gut — ein Resultat, welches gewiß sehr günstig zu nennen ist und der Alice-Schale, und hier ganz besonders den Lehrkräften, Fräulein Möser, Oberlehrerm, und Herrn Lehrer Friedrich alle Ehre macht. — Der nächste Kursus zur Ausbildung für die staatliche Prüfung der Handarbeitslehrerinnen beginnt mit dem 8. Juni 1903 und dauert bis Ende Diärz 1904. Handarbeitslehrerinnen für kleine Gemeinden können von Oktober bis April ausgebildet werden, und haben sich dann nur einer nicht staatlichen Prüfung in der Alice- Schule zu unterziehen. — Gleichzeitig mit dem erstgenannten Kursus am 8. Juni d. I. beginnt, wie aus ver- chiedencn Inseraten vergangener Woche in diesem Blatte zu ersehen war, der gemeinschafttiche Handelskursus des Kaustn. Vereins und der Alice-Schule. Beide Anstalten ind zu der Ansicht gelangt, daß eine Erweiterung, resp. Vervollständigung des Lehrplanes zweckmäßig sei, und daraus ergab sich von selbst eine Verlängerung der Schulzeit von einem halben auf .ein ganzes Jchr. Junge Mädchen, welche mit Emst und Eifer diesen Kursus besucht haken, sind dadurch in den Stand gesetzt, weitgehendsten Anforderungen genügen und Anspruch auf sehr gute Stellung machen können. Sehr wünschenswert wäre es darum, wenn diese Einrichtung in ausgiebiger Weise benützt würde. § Münzenberg, 11. Mai. Gestern fanb hier baS Kirchweihfest statt, welches einen recht schönen Verlauf nahm. Der Zuspruch von auSroäüS war, wie früher, auch gestern zahlreich, roaS zum Teil barin feinen Grunb hatte, baß hier Gelegenheit geboten war, bie eigenartigen Wetterauer Volkstrachten beim Tanze zu beobachten, sowie von ben als , Wetterauer Tintenfaß* im VolkSmunbe bekannten Burgruinen, bezw. vom AuSsichtSturm eine herrliche Fernsicht über bie schöne Umgegenb zu genießen. Bab-Nauheim, 8. Mai. Vom 29. April bis einschließlich 7. Mai sinb 834 Kurgäste angekommen unb beträgt bie Gesamtfrequenz bis zum 7. er. 1800 Personen, wovon noch 1303 anwesenb sinb. Bäber würben bis zum letzten Donnerstag 10 318 abgegeben. — Die Kurkapelle spielt gewöhnlich von 31/» bis 6l/s Uhr nachmittags auf ber Terrasse. Frühkonzert ist täglich von 7>/, biß 81/, Uhr vormittags am Kurbrunnen. DaS Unterhaltungsprogramm für biefe Woche ist: 12. Mai, abenbs, im Saale Zaubervorstellung beS Hofzauberkünstlers Bellachini auS Marburg. 13. Mai, abenbs, im Sale musikalische Soiree von Solisten ber Kurkapelle unb Kapellmeister Wilhelm Bruch. 15. Mai, abenbs, Eröffnung ber Theaterfaison, unter Mitwirkung ber Kurkapelle: .Die Fledermaus*. 16. Mai, abenbs, Theatervorstellung: .Monna Vanna*. Sonntag ben 17. Mai: Konzert ber Kapelle beS Thür. Ulanen-RegunentS Nr. 6 aus Hanau. (W. A.) □ Ortenburg, 10. Mai. Im nahen Gelnhaar würbe heute ein junger Kaufmann, Sohn ber bärtigen Gastwirtin Beck Wtw. zu Grabe getragen. Der junge Mann verließ vor etwa 14 Tagen in Frankfurt a. M. abenbs eine fröhliche Gesellschaft unb blieb von biesem Abenb ab ver- schwunden. Dieser Tage zog man ihn als Leiche aus bem Hafen. Auf welche Art ber Mann umgekommen ist, würbe noch nicht aufgeklärt. — Heute überbrachte KreiSamt- mann Dr. Neibharbt- Bübingen dem hiesigen Krieger- oerein bie vom Kaiser verliehene Fahnenschleife. Dekan Ellenberger hiell bie Rebe. DaS Fest nahm m ben Lokalitäten beS MauergartenS einen schönen Verlauf. -w- HartniannSham, 10. Mai. Am letzten Freitag abenb fanb in einer ber hiesigen Wirtschaften eine regelrechte Schlägerei zwischen Männern auS Herchenheim unb hier em- quartierten Arbeitern statt, bei ber eS solche Hiebe setzte, baß bie ersteren nur burch schnelle Flucht schweren Verletzungen auS bem Wege gingen. — Die WasserleitungSarbeiten sind insoweit beenbigi, als bie Leitungen bis in bie Keller gelegt unb bie Gruben zugeworfen unb geebnet sinb. Mit ben Rohrlegungen in ben Wohnungen wirb morgen begonnen, auch sieht bie Brunnenkammer unb Einfassung ber Quelle in Kürze ihrer Vollenbung entgegen. Einen recht erreichen Vertrag hat in biefer Woche ber hiesige Ge- meinberat mit ber Bahnbehörbe abgeschloffen. Diese beanspruchte nämlich für ihren Gebrauch eine größere Masse von Waffer, weshalb sofort bie Brunnenkammer vergrößert werben mußte. Nach biesem Vertrag empfängt bie Bahn pro Jahr 10 000 obm Waffer, & cbm zu 10 Pfg., was bie ichere Einnahme von 1000 Mk. jährlich gewährt. Ist ber Wafferverbrauch mehr als obige Menge, so wirb jeber weitere cbm mit 8 Pfg. bezahlt. Da nach Berechnung ber Verbrauch zwischen 40—50 cbm täglich schwankt, so steht ber Gemeinde eine noch höhere Einnahme bevor. □ Marburg, 10. Mai. In feierlicher Weise soll am Mittwoch ben 27. Mai bie Grunb st einlegung zu ber BiSmarcksäule ftattfinben. Die gesamte Stubentenschaft begiebt sich in geschlossenem Zuge burch bie Stabt nach ber auf bem Lahnberge süblich Marburgs befindlichen Baustelle, unb nach erfolgtem Weiheakt geht eS zurück in bie Stabt nach bem Museum, wo sich ein allgemeiner Stubent en- unb Bürger-KommerS anschließt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbarstaaten. Eine Vorbesprechung von Vertretern füb- unb mittelbeutscher Stäbte zur Beratung gemeinsamer Maßnahmen gegenüber bem § 13 a beS Zolltarifgesetzes findet m Mainz am 25. Mai statt. das Bittermandelöl? Das ist für den Laien schwer verständlich zu machen, da schon manche chemischen Kenntnisse vorausgesetzt werden müssen. Die Bedeutung liegt darin, daß in dieser Arbeit zum erstenmal ein sauerstoffhaltiges Radikal, das „Benzoyl", angenommen war. Berzelius, der doch gewiß lein Enthusiast war, schätzte die Wichtigkeit dieser Erkenntnis so hoch, daß er in einem Briefe an Liebig diesem Vorschlag, das neue Radikal Orthrin ober Proin (Spöpo;) zu nennen, weil er glaubte, ben Anfang eines neuen Tages für die Chemie hercinbrechen zu sehen. Unter Radikal verstand man eine Atomgruppe, welche als nicht wechselnder Bestandteil in einer Reihe von Verbindungen austritt, sich wie ein Element mit anderen Elementen verbindet, in diesen Verbindungen sich ersetzen läßt durch andere einfache Körper und ohne Zersetzung übertragbar ist in andere Verbindungen. Die sogenannte Radikal- ujcoric beherrschte während vieler Jahre die organische Chemie, und bezeichnend ist der Ausspruch Liebigs, den er im Jahre 1840 an die Spitze seines Handbuchs der organifdjen Chemie setzte: „Die organische Chemie ' ist die Chemie der zusammengesetzten Radikale". Die Erfolge der Liebigscyen Untersuchungen ließen seine Kollegen jenseits der Mosel nicht ruhen, mit allerhand -Spitzfindigkeiten suchten diese die Resultate für sich auS- 31:beuten. So gründete TumaS auf eine Beobabtung das Gesetz der Substitutionen oder der Metalepsie. Liebig aber konnte sich damit nicht befreunden, so schrieb er u. a. über den französischen Chemiker Gerhardt in seinen Annalen: .Herrn Gerhardts Verfahren hat in den letzten Jahren auf mich den Eindruck von dem eines Straßen- räuber« gemacht, der von seinem Hinterhalte aus (den Uoinptes icndud ßerieux et coucisj bie srieblichen Reisenden anfällt und sie ihres Eigentums beraubt", worauf Gerhardt in einem offenen Briese antwortete, worin er sagte, er habe nicht baä Recht, |te „faassairs, voleura de grand cheinin* zu nennen, unb wenn er Franzose wäre, so würben sie ihn vor die Tribunale laden. Durch aUe diese Vorkommnisse veranlaßt, ping Liebig feinen Maliapparat an üß Wand unb zog sich auf das Gebiet des Äckers, der Fleischbrühe und des Brotes zurück. Etwas Aehnliches ereignete sich im Leben Beethovens. Nachdem feine Oper „Fidelio" (,Leonore") in Wien durchgefallen war, und sich alles der italienischen Oper zuwandte, strafte er fein Volk dadurch daß er keine zweite Oper schrieo. Dieses Sichjabwenden von den speziell theorettschen Untersuchungen sollte für Liebig wieder von Bedeutung werden. Sein praktischer Geist wandte sich der Lösung allgemeiner Fragen zu. Er trat gleich mit einem abgerundeten Werk vor die Oeffentlichkeit: „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie" (1840), ein Werk, bedeutsam für die Menschheit, dem man vielleicht jenes des Copemikus: ,,De revouttio- nibuS orbiunt coelestium" an die Seite stellen kann. Die leitende Idee in dem Werke ist diejenige, welche gewöhnlich als „Kreislauf des Lebens" bezeichnet wird. Es handelt sich hier um jenen großartigen Vorgang der Natur, welcher Tier- und Pflanzenwelt mit einander verbindet, ihre Cxiltenzen von einander abhängig macht. Mit anderen Worten, Liebig zeigte, daß Pflanzeneiweiß unb Tiereiweiß dieselbe Zusammensetzung haben, und daß die Pflanzen aus Ä'obleniäure, Wasser und Ammoniak im stände sind, die Stoffe zu bilden, welck)e den Tieren mittelbar ober unmittelbar zur Ernährung dienen. Diese verwandeln dann wiederum durch ihren Atmungs- unb Derdauungs- prozeß jene komplizierten, höher organisierten Materien in Kohlensäure, Wasser und Ammoniak zurück. Bei diesem Kreislauf erzeugen die Pflanzen aus einfachen Bausteinen zusammengesetzte Gebilde, welche durch das ttensche Leben N'ieder in chre Bestandteile zurückgeipalten werden. Die Erfassung dieses Gesetzes darf als eine der großartigsten nalurwisienschaftlichen Ideen Migesehen werden. ^Dian machte bald nachher schon Anwendung von dem lettenben Gedanken Liebigs, indem man in kleine, mit Wasser gefüllte AÜsten Pflanzen und Tiere hineinbrachte, und sich selbst überlieft — man schuf also kleine Aquarien, die man „Liebigs Welt im Glche" nannte. Wenn an jenem Grundgedanken auch feit der Zeit viel gedeutet unb vieles hinzugekommen ist, was Liebig noch nicht ahnen konnte. I tvie namentlich bie Folgerungen, welche das allgemeine Prinzip der Erhaltung der Kraft für diesen Fall verlangt, so bleibt doch die Wahrheit jenes Satzes durchaus bestehen, unb Liebig gebührt das unauslöschliche Verdienst, ihn zuerst in seinen allgemeinen Zügen erkannt und ausgesprochen zu haben. Schluß folgt — Zum Andenken an JusiuS v. Liebig schildette dieser Tage im physikalischen Hörsaale zu Frankfurt Proseffor Freund Leben und Wirken deS großen Forschers. Im Saale waren Bild und Büste LiebigS, umkränzt von Blumen und Blättern, angebracht, sodaß der Vortrag einer kleinen Gedächtnisfeier glich. — Auch der zurzeit in Wien tagende Kongreß der deutschen Gewerbevereine in Oefter- reich (vgl. Ausland) gedachte LiebigS. Hofrat Professor Dr. Alexander Bauer hielt einen erschöpfenden Vortrag. — Zum 100. Geburtstage LiebigS sei ferner em Sonett mitgeteiit, daS Pettenkofer seinem genialen Lehrer und Freunde gewidmet hat DaS Gedicht ist in den 40er Jahren beS vor. Jahrhunderts entstanden und lautet: Widmung. Mein Haupt gedankenschwer zurückgelehnt, Hing fest mein Augenstern an Deinem 'Munde. Ta gab von Dingen er so sich're Kunde, Wonach sich heimlich längst mein Herz gesehnt. Mein Geist hat seinen Umfang ausgedebnt, Seit er sich weiß mit Dir m eng'rem Bunde, Unb wenn er etwas schafft mit seinem Pfunde, Von Deiner Kraft hat er den Alut entlehnt. Du warst der lUmbaum, ich die schwache Rede, Du ließest sie empor an Dir sich ranken Und freutest Dich, daß sie nach aufwärts strebe. Verschmähe nicht! Tie Rebe will Dir danken. Laß dieses Zweigs phantastisch^ Gewebe Dir schmeichelnd um die hohe Stirne ranken! Sport. Tie vier Rennen nahmen einen Sx/q Mexikaner 27.02 371% Reichsanleihe do. B°/a 87,% Konsole do. 3% 100 Kg. ab hier. §pidplan Tendenz: fest. 210,75 210,00 140,25 182,25 183,10 Anfangs- . 210,90 . 209,90 . 139,75 . 182,25 Dienstag Holländer/ 47i'/g Chinesen . Electric. bcLuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges Oeeterr. Staats bahn Lombarden . , Gotthardbahn . . Laura b Otte . , . Bochum .... Harpener . . . Deft Kredit. . Teutfche Bank Tarmflädler Bank Bochumer Guß . ed. Darmstadt, 10. Mai. Der Metzgerlehrling RobertEL, geb. 1886 in Gießen, wegen Sittlichkeilsverbrechens vorbestraft, wurde vor der hiesigen Straffammer wieder wegen deS gleichen Delikts n> 8 Monaten Gelängms verurleilL__ icher Weist soll m inlegung zu der mte Studentenschaft die Stadt nach der Endlichen Baustelle, Zurück in die Stad: iner Studenten- und . . 92.09 . . 98.02 . . 103 25 . . 211.01 . . 182.02 . . 140.25 . . 149.06 . . 157.05 . . 147.02 . . 14.08 . . 190.00 . . 219.05 . . 182.03 . . 185X15 . 102.08 . 92.01 . 102.04 . 92.02 . 101.03 . 100.00 . 103.05 101.05 . 102.04 . 105-07 . 51.01 . 32.01 . 32.05 . 131.02 45.— Ucuelle Meldungen. Qriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Breslau, 11. Mai. Der Er b p r in z v on Sachsen- Meiningen wurde nach der »Brest. Morgenzlg/ durch den »blauen Briest zur Einreichung seines Abschiedsgesuches der oerrimgteu Frankfurter Zladttheater. Lperuhaus. den 12. Mat, abends 7 Uhr: »Der ftiegende Schauspielhaus. den 12. Mai, adends 7 Uhr: »Man soll nichts ver- hisse" n°d de» »m D-ck-t-m sni- gememfamer W I-risg-sW “ Gerichtsfaal. R. B. Darmstadt, 9. Mai. (Trahtbericht deS Gieß. Anz. | Bereits durch Aushang bekannt gegeben.) Ter Gerichtshof trat, heute nachmittag 4*/i Uhr Izur Urtetlsverkündigung in der Tis- ziplinarfache gegen den Beigeordneten Wolss in Onenbach zusammen. Das Urteil lautet dahin, daß der Angeklagte unter Aufhebung der gegen ihn erkannten Disziplinarstrafe von 250 Mk. -eines Dienstes als Beigeordneter der Stadt Offenbach enthoben werde. Es wird ihm aber in Anbetracht der besonders schwierigen dienstlichen und gefellfchastlichen Vcrhallnisie in Offenbach wenigstens ein Teil des gesetzlichen Ruhegehaltes zuge- billigt, nämlich auf 6 Jahre je 1200 ML >he das allgemeine Dienstag---- . „ schwören.^ Hierauf: »Unter Brudern. 37i% Hessen . . . . 87,% Uberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrente . . 4* 6% Oesterr. tiüberrente 4% Ungar. Goldrente , 4% Italien. Rente . . . 47,% Portugiesen , , . 3°/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4&/0 G riech. Mono pol.-AnL 4l',% äussere Argentiner UnwersüMs Nachrichlr». Die philosophisch-historische Klasse der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften hat zu wiffenfchaftlichen Unternehmmigen u. A. bewilligt: Oberlehrer Dr. Theodor Kukel- hauS-Düsfelborf zur Fortsetzung seiner Studien m Frankreich und Spanien über Richelieus Alitarbeiter Faucan oOO Alk.; Professor Dr. Friedrich Schultheß-Göttingen zur Herausgabe emes Lexicon syropa.aestinum 2000 Alk.; Prof. Dr. Friedrich Schwally. Gießen zu einer Orientreise zum Zweck von Koranstudien u n d U n 1 e r s u ch u n a v o n islamitischen Bauten 2600 Mkg Pros. Wilhelm Ctieba-Leipzig zur Herausgabe des ersten Bandes eines Werkes »Briese und pandelsbucher emes hansischen Kauimanns aus der Zeil von 1395—1441" 1000 Mark; Pros. Dr. Ulrich Wilcken-Halle a. S. zur Pollendnng emer von ihm vorbereiteten Sammluiig der ptolemäischen PapyruS- urkundcn looO All. ___ sKZ E'se benüht^, ern ion/r^^be. 'Qrtl9en 58nt;^e' sowie l,,. °n den Ola r k annten Bur? :? ■ biS (B> '^wmen und L £ Kurkapelle ’M°l° S°uL 16. M «HS g 11 °b'°ds. °9 dm 11. $ai. Ws 31t. 6 aus (®. Sä.) * S-lnhaat ” d«ü>gm Saß, junge Mann ll- M. abends nne fern Abend ab ver, üeiche aus n umgekommen ist, erbrachte Kreisamt- 1 hiesigen Krieger, enschleife. Dekan hm in den Lokals, rlauf. Am letzten Stetig ften eine regelrechte nheim und hier ein, i hiebe setzte, daß die Verletzungen auS dem :beiten sind insoweit eller gelegt und die ). M den Rohr« morgen begonnen, > Einfassung der en. Einen recht eiche der hiesige ®e, geschlossen. Diese be- ine größere Masse ifammer vergrößert rngt die Lohn pro LO Psg., waö die gewahrt. Ist der so wird jeder weitere nung der Verbrauch । sieht der Gemeinde 5c. Frankfurt a. M., 10. Mai. (Xdegt. Orig.-Bericht des .Gieß. Anz.'). Amtliche 9h>tierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verlause standen: 491 Ochsen, 183 aus Leitreich, 53 Bullen, 10 aus Oestreich, 750 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 2 aus Oestreich, 00 Kälber, 124 Schase und Hammel, 1114 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pstmd Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 57—69 Ml., 2. Quall 62—65 Mk^ 3. Quall 59—60Alk.; Bullen LC-uaL 61 bis 63 Alk., 2. Qual. 59—60 ML; Kühe L Quall 62—64 AlL, 2. Quall 60—61 AtL, 3. Quall 49—51 DU, 4. Quall 46—50 ML, 5. Quall 00—00 ML Kalber: L Qualität 83—84 Psg., Lebendgewicht 42—51 Pf., 2. Quall 78—80 Psg., Lebendgewicht 46—48 Psg., Schlachtgewicht 65—67 Psg., ächaie: L Quall Schlachtgewicht 68—70 Psg., 2. Quall 64—66 Psg., 3. Quall 00—00 Psg.; Schweine 1. Quall ob—56 Psg., Lebendgew. 44 Psg., 2. Quall 54—00 Psg., Lebendgewicht 43—00 Psg., 3. Quall 46—50 Psg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: mittelmäßig, kein Uebev'tanb. ic. Frankfurt a. 9»., 10. Mau (Qria.-Telegr. des „Gießen. w'1' Psui'de, "ent* y*9,6611 "ft (trete »** oven Cn yren _ Frankfurt a. 10. Dtau (Ona.-Telegr. des „Gießen.! üaaen- erster Anz.") Amlliche Notierungen der heutiaen ^ruchtmarktpreise. ^aufenbfünSer*' Weizen ML 17^00—00.00, ^rhessischer DU. 17.00—00.00, La Plata -taulenoiumner | ^cmsas DU. 00.00-00.00, Roggen (hiefiger) Mark 14.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.00—00.00, Franken- selber DU. 00,00—00,00, Hafer DU. 14^0—15.00, Dlais DU. 12.00—00.00, Weizenmehl 0 DU. 25.75—26.25, 2. Qualität DU. 23.75 bis DU. 24L5, 3. Qualität DU. 2L75—22^5, Roggenmehl 0 ML 22.76—23.25, L Qualität Mk. 20.25—21.25, Weizenkleie DU. 9.25 bis ML 0.00, Roggenkleie ML 10.25—10.50, Maiskeune Mk. 10.25 bis DU. 10.50, Franken, Pfälzer, Ried ML 00.00—00.00. Alles per aufgtfOrbed. Der ominöfe Brief wurde, da sich der Erbprinz zu jener Zeit in Oppeln befand, von dem diensttuenden Ad- jutnnten geöffnet und dann erst an feine Abreffe weiter be- förbert. Er traf den Erbprinzen am Bahnhofe in Oppeln. Trier, 11. Mai. Tie vermögende Witwe Lurtz wurde in dem von ihr allein bewohnten Hause mit durchschnittenem Halse im Bett t o t auf gefunden. Der Raubmörder hatte alle Kisten und schränke durch- Telephonischer Kursbericht. | fraakiurt «*. 'L, 11. M»i 1903. ».SÄ •“""qm Saale An'®*“ ienbin V -°d bautet: jAa ine-n- Herz wühlt. lö. London, 11. Mai. Tie Kundgebungen gegen die Neger kommen überall in den norbamerilanifdiät Südstaaten von neuem verstärkt zum Durchbruch nachdem, wie aus Newyork gemeldet wird, Männer wie der sruchere Präsident Cleveland und der jetzige Krieg ssekretar Rol^ stillschweigend zugegeben haben, daß die 'Jicgcr frage eine innere Frage der Einzelstaaten ist. Nie zuvor sind gegen die Neger Lynchurreile wegen der unbedeutendsten Kleinigkeiten so zahlreich vollstreckt worden, wie es letzt geschichll Im Turchschmtl werden jetzt mindestens jeden Tag sechs Neger von den Bolksgertchten zum Tode ver- -urteilt und hmgerichtet. Tie F-arbigen in den L>üdstaaten fürchten für chr Leben und wandern in großer Zahl nach den Nordstaaten aus, um sich in Sicherheit zu bringen. Straßburg i. E, 11. Mai. Bei den IlluminatümS- Vorbereitungen zum Empfange des Kaiser s stürzten drei ElcttrizitätSarbeiter vom Postgcbäude ab und trugen schwere Verletzungen davon. ' Paris, 11. Mai. Die Presse bleibt bei der Behauptung, daß der Besuch K ai se r W il h e lm S be im Papst t m Quir in a l un e r fr eulichc Em p f indu n g e n gc- werkt habe. Ter „Figaro" erklärt, daß die Tepesche der offiziösen Telegraphen-Agentur nur bie Wahrsten erzählt hätte, und zitiert das römische Blatt „Nazione", das den Pomp, mit dem der Kaiser sich in den Vatikan begab, übertrieben und theatralisch nennt und die Hinzuziehung preußischer Kürassiere zu der Fahrt bedauert, außerdem Artikel anderer italienischer Blatter, in denen gleichfalls von den Kürassieren und einer leichten polt- I tifdjen Unzufriedenheit die Rede ist. (Die bösen itahenv- schen Absichten sind bei diesen Kabelmeldungen durchsuljtig genug. D. Red.) _. Rom, 11. Mai. Ter Papst zeigte sich bei dem I gestrigen Empfange von 800 deutschen Pilgern überaus gerührt und sprach in Worten größter S y m p a - 11 bie von Deutschland. Er küßte sd)lteßltch die Fahnen der katholischen Arbeiter-Vereine von Brattdenburg und Elberfeld. „ , .,. Budapest, 11. Mai. Tte neuesten dtachrichten auS Kroatien schildern die dortige Lage düster. Im ganzen Lande agitieren aufs heftigste oie kroatischen Chauvinisten und verbreiten in zahlreichen Orten im Auslande ge- druckte aufrührerische Broschüren, die von den Behörden rrompt konsisziert werden. Zn Agram herrscht wohl Ruhe, I doch mußten um 7 Uhr abends alle Haustore geschlaf en i werden und es zirkulierten fortwährend Patrouillen. Aus zahlreichen Provinzorten kommen Nachrichteil über eine drohende Haltung der Bevölterung. Viele Klagen laufen darüber ein, dag nicht genügend Militär vorhanden sei und daß Die Zivilbehörden besonders bei der Verteidigung der ungarifdjen Amtsgebaude nicht energisch genug vorgehen. Auch sollen die kroatischen Agttatoren von den slawisd)en und klerikalen Kreisen Oesterreichs unterstützt werden. Der Statthalter von Kroatien erschien am Freitag iur Berichterstattung in Wien beim Kaiser und konferierte dann lange in Budapest mit dem Ministerpräsidenten. Seine Familie ist von Agram abgereisll Ministerpräsident von Szell, der noch am Samstag im Abgeordnetenhause bie Alarm-Nachrichten aus Kroatien für arg übertrieben bezeichnete, ertlarte im liberalen Klub, daß inzwischen sehr ernste Nachrichten eingettoffen seien. I Aden, 11. Mai. Ein Telegramm aus Bohotte vom 7. Mai berichtet, daß die Truppen des Mullah, welche den Major (Soot angegriffen hatten, einen Teil der- jenigen Truppen bildeten, mit welchen Cook vorher den Obersten Plumket angegriffen und dessen fliegende Kolonne aufgerieben hatte. Ter Angriff, bei dem der Oberst Plumket getötet wurde, sand 30 Meilen von Gum- buru statt. Tie Truppen des Mullah befanoen sich zwischen beiden Kolonnen, was dem Sultan erlaubte, die beiden Kolonnen nacheinander anzugreifen und zwar mit vollständigem Erfolge. Man hat bemerft, daß zwei weiße Ossi- ziere die Truppen des Mullah führten. Auch Der Angriff auf ohimburu wurde von weißen Offizieren geleitet. 9c e iö 9 o r E, 10. Mai. Die Tynamitkiste, welche von der Polizei kurz vor der Abfahrt Der „llmbria" unter dem Pafsagiergut auf dem Pier gefunden wurde, wurde an das Ende des Pier gebracht und ins Wasser getaucht Bei der Untersuchung wurden 200 Tynamitpatro- nen, zwei Trockenbatterien und drei Zünder gefunden. Nach Aussage der Sachverständigen brannte ein Zünder, als die Kiste m das Wasser untergetaucht wurde. Diese wäre wahrscheinlich in wenigen Minuten explodiert. Ter der Polizei zugegangene Brief, demzufolge die Maffia beabsichtigte, Den englischen Dampfer in Die Luft zu sprengen, ist von Pietto Demartini unterzeichnet. Lttawa, 11. Mai. Eine furchtbare Feuersbrunst, welcher über taufenD Wohnungen zum Opfer gefallen sind, ist gestern ausgebrochen. Ein yefti- I ger Sturm begünstigte das Feuer. Der Bürgermeister er» I suchte telegraphisch um Hilfe aus Montreal und anderen Städten. Die Truppen sind beauftragt worden, die Lrd- I nung aufrecht zu erhalten und den 9cotleidenoen Rettung zu bringen ' Die Feuersbrunst wütete in Demselben Stadtviertel, welches bereud vor drei Jahren emgeaschert wurde und in dem Arbeiterwohnungen errichtet rooroen sind. gebracht • Newyork, 10. Mai. Zur Hilfe der in Klschmew notleidenden Juden werden überall umfangreiche Sammlungen veranstaltet. Major Löw wohnte emer Wohltätigkeüsoorstellung im jüdischen Theater bei und hielt hierbei eine Ansprache über den Kontrast zwischen dem dunklen Rußland und dem freien Amerika. • Newyork, 10. Mai. Kurz bevor der Dampfer „Umbaa" der Cunard-Linie abfahren wollte, beschlag» nahmte die Polizei unter dem auf dem Pier lagernden Paffagiergut eine Kiste mit 100 Pfund Pulver, vermutlich Dynamit, und einer komplizierten, in Tätigkeit befindlichen sog. Höllen-Ma sch ine. Die Polizei hatte einen Brief erhalten, demzufolge die Mafia beabsichtigte, den englischen Dampfer in die Luft zu sprengen. Soviel man weiß, ist die Kiste gestern abend von Italienern zur Beförderung abgclicfert worden. * Unwetter. Im schlesischen Gebirge haben Wolkenbrüche große Uebersäpvemmungen verursacht; die Städte Hirschberg und Sauer stehen teilweise unter Wasser. — Nach einer Lübecker Meldung strandeten wahrend des letzten Gewitters acht Segler, 7 andere Segler werden yermißL • Bei einem durch Kesselexplosio n entstandenen verheerenden Brande in einer Chemischen Fabrik in Lohmen wurden 9 Arbeiter durch Brandwunden schwer verletzt. »Tiftanzritll Der niederländisä>e Leutnant Beaufort vorn 1. nieoerländiswen Husarenregiment ist auf seinem Distanzritt Am ster Da m — Wieu in Wien eingetroffen. Er hat Die Strecke von 1300 Kilometer in 10 Tagen zurückgelegt ___ nungs-Jagdrennen < Meter) liefen fünf Pferde. -..... - w Günther (Trag.-Regt. 24) mit fernem dr. W. »Gun Kummers davon, zweiter wurde LeumaM Frhr. v. R i e d e s e 1 zu Eisenbach mit br. St. .Gabriele", dritter Ltn. o. svdow mit »Hygland . c>m Hnnter-Zagdrennen (3000 Meter für in den letzten 3 Jahren nicht gestarteten Pferde) liefen sechs; gleich bei der ersten Hürde stürzte eins leicht, cui anderes brach aus. llberleutnant v. B e l 1 e r m a n n (Trag.-Regt. 24) wurde mit seiner br. Sll »Ereving rose' erster, Ltn. Grai v. L i m b u r g ° « l i r u m zweiter. Weiter st ädter Jagdrennen sür Chargen- und Zestellte Tienstpserde, im Bentz und gerüten von - - - „ - Distanz 2500 Meter, wurde Ltn. Sieben (Ul.-Regll vir. 6 nach lebhaftem Kampf mit schwarzbr. W. * Ltn. Frhr. v. Gienauth mit dunkelbr. W. , zweiter und Ltn. Graf zu Nidda mit br. St. „Ehiliade' dritter. Im letzten, Pallas -Wicfen-Jagdrennen,^ sur Pferde, welche in den drei letzten Jahren keinen Preis von 500 ML oder mehr gewonnen, 3000 Meter, liefen fechs Pferde. Ten ersten Preis trug Ltn. W ä t g e n (Traa.-Rgll 24), mit dem 7 jähr. F. W. „Eats Eve" den zweiten Preis Oberl. v. S ch m o 1 z, n g und Warnstem mit br. W. „Wodan" davon. Sämtliche Preise bestanden m silbernen Ehrenpreisen, die Se. königll Hoheit der Großherzog am Schluffe der Renneii den Siegern persönlich überreichte. Tte Gewerkcuvcrsammluug der Gewerkschaft Gießeners Brauuftciubcrgwerke, welche am Samstag vormittag im Hotel . Großherzog in Gießen tagte, war voii 41 Personen besucht, welche । 86 Gewerke mit 513 Kuren vertraten. Der Vorsitzende des Gruben- vorslandeL, lllechtsanwält Grünewald, erstattete den Rechenschaftsbericht pro 1902. Die Angelegenheit mit dem Bankhause Oppen-11 Heim-Köln — es handelt sich um eine Schuld, welche s. Zt. Fahl aus Rechnung der Gewerkschast kontrahiert hat — sei bis auf 75 000 SDIL geordnet. Der Vorsitzende bemerkte, daß man die Schuld s. Zt. anerkannt habe, obgleich die Gewerkschast rechtlich zur Anerkennung der Schuld nicht verpflichtet gewesen sei, um einen langwierigen Prozeß zu vernieiden, damit durch einen solchen eine damals zu sürchtende Beunruhigung unter den Gewerken hmtan gehalten werde. Es sei von den Obligationsgläubigern des Werkes die Be- I sürchtung ausgesprochen worden, daß durch die Art des jetzt not-1 wendig gewordeiien verstärkten Betriebes in den Gruben die Ren- tablität des Wertes mit der Zeit leiden würde. Der Grubenvor- sland teile diese Befürchtung nicht. Werkdirektor Dr. Esch habe sein Gutachten dahin abgegeben, daß durck den gegen früher geübten sorcierten Betrieb keinerlei Gefahr bestehe, bie spätere Ausbeute etwa zu mindern. Ferner wird im Auftrage des Grubenvorstandcs Bergassessor Schulle-Düsseldors den Sachverhatt prüfen und sich dann gutächtlich äußern. Nachdem Bücherrevisor Eohen-Aachen über die Prüfung und die Richtigkeit der Bücher, des Rechnungsabschlusses und der Bilanz berichtet hatte, wird dem Grubenvor- staiid Entlastung erteilt Direktor Dr. Esch berichtet daraus über den Betrieb im lausenden Jahre. Es finb banach bisher iur 1903 110 000 T Erze verkauft Wenn im Geschäft keine Rückschläge eintreten, könnten noch weitere 20 000 T verkauft werben, ^genommen sind bis Ende April 42 858 T Erz. Seit einem halben Jahre, seitdem man das Erz in verschiedenen Qualitäten sortiert, ist der Erlös daraus je nach der Güte differierend. Die sür bie Verkäufe für bas lausenbe Jahr burchschnütlich erzielten Preise finb nicht hoch, aber un allgemeinen besriedigenb. Dr.Esch kommt bann aus bie Betriebseinrichtungen bes Bergwerks zu sprechen. Bei einem Verlaubt von 180 000 T Erz seien biejelben an ber Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Er geht zur Erläuterung ber geplanten Be- I triebsverbesferungen über. Es fei notwenbig, bas Werk mit ber Eisenbahn bireh zu verbinben. Ebenso notwenbig I ei bie Einrichtung bes elektrischen Betriebes, ba baburch lerst ber 9lbbau ber Erze rationell unb intenfio vor sich I gehen könne. — Der Grubenvorstanb beantragt, die Gewerken! joUten befä>iLßech daß die noch im Besitz der Gewerkfchaft befindlichen 401 Kuxen zum Preise von 2200 Alk. pro Kuxe einer in der Bildung begriffenen Gesellschaft mit beschränkter Haftung käuflich I überlassen werden sollten. Ter Erlös baiür soll verwendet werden, um bie Schulb ber Gewerkschaft an Fernie, welche in 87, Jahren I bezahlt werden muß, zu tilgen, damtt der von Fernie vertraglich I bei früherer Zahlung zugestandene Nachlaß von 300 000 Alk. der I Gewerkschast zu gute kommt. Der Vorsitzende bemerkt, daß I bereits jetzt durch Zeichnungen das Zustandekommen der neuen Gesellschaft gesichert sei. Rechtsanwalt Waffermeper- Bonn spricht gegen diesen Antrag und beantragt, darüber nicht abzustimmen. Wolle man die Forderwig Fernie, was er ebenfalls für Recht halte, jetzt begleichen, um den Nachlaß von 300 000 ML zu bekommen, so solle man den dazu notwendigen Betrag gegen Derpfäiidung der 401 Kuxen bei einer Bank leihen, damit die Gewerkschaft die Verfügung über diese Kuxe m der Hand behielte. Er halte es nicht für rötlich, einer Gesell- , fchaft, welche außerhalb der Gewerken steht, durch bie Hingabe ber । Kuxen einen gewissen Einfluß auf bas Werk einzuräumen. Rechts- , anwalt Grünewalb erklärt Namens bes Grubenvorstandes, baß - bieser es ablehnt, wegen bes Vorschlages bes Rechtsanwalts Waffer- ) meyer mit einer Bank zu verhandeln. Tahin gehende Versuche . feien früher schon gemacht worden, wegen der von der Bank ge- ; stellten Bedingungen aber nie zum Ziel gekommen. Ter Antrag wird schließlich zum Beschluß erhoben. An Stelle bes ausgeschiebenen Grubenvorstanbsmitgliebes Lanbesrat Schmrdl-Tüsselbors wird 2L ISL Eichbaum-Bonn unstimmig gewählt. Märkte. Zanöel und yrrlicljr. Bolliswütschasl. Berliner Börse vom 9. Mai 1908. iMttgeteilt von ber Bank für Hanbel unb Jnbustrie, ®ieöen.) Angesichts ber gestrigen matten Echlußnotterungen ber westlichen Börsenplätzen, sowie ber anhaltenb ungünstigen politischen Nachrichten, welche bie heutigen Morgendlätter meldeten, eröffnete die Börse m maller, jedoch reserviner Haltung. Infolge einer späteren Trahtmeldung, welche die gestern verbreitete Nachricht bezüglich Rußlands Vorgehen in der Mandschurei dementiert, trat auf den meisten Gebieten eine leichte Erholung ein. Festeres PariS wirkte animierend auf Serien-Türken, deren Kurse ca. •, Prozent anzoqen. Im allgemeinen war der Verkehr äußerst trage unb bie Umsätze ganz minimal. Der Kaffamarkt war ber Gesamttenbenz entsprechend bei kleinen Umsätzen leicht abgeschwächL Prwat-Diskont 87a Prozent. —- Schlußkurfe. RB. Darmstadt, 10. Mai. Ter Hessische Reiterverein hielt heute nachmittag bei vortrefflichem Sportwetter auf dem Weiterstabler Exerzierplatz seine Frühiahrsrennen ab, denen auch Se. KönigL Hoheit ber Großherzog beiwohnte. i glatten Verlaus. Im Erofs- (für 4jährige unb ältere Pferde 13 500 Teii ersten Preis trug Leutnant Vermischtes. • jköln, 10. Mai. Unterjudnmgen auf der Strecke Wermelskirchen—Burg ergaben, daß ungefähr 180 kupferne Sckncncnoerbinder in der letzten Nacht geswhlen wurden. Die Bahnverwaltung l)at eine namhafte Belohnung auf Ermittlung der Diebe ausgesetzt. • Düsseldorf, 9.Mau Der vom Schwurgencht gestern zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilte Leutnant a. D. von Löw hat auf das Rechtsmittel der Revision verzichtet. 'Paris, 10. Mai. In wissenschaftlichen Preisen bespricht man lebhaft die Versuche des Luftschiffers Le- baudy mit seinem lenkbaren Ballon Aie hervor- raaendstcn Luftschiffer erkennen an, daß das Resultat des Versuchs Ledaudys bis jetzt unerreickst dastehe und Die lenkbare Luftschisfahrt mit diesem Luftballon einen bedeutenden 3d>rut zur praktischen Realisierung gemacht h