Samstag 11. April 1903 153. Jahrgang Drittes Blatt 9?r. 85 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem (Btefeener Anzeiger werden im Wechsel mH dem Hessischen Landwirt die riehener Kamillen blätter viermal >n der Woche beigelegt. Rolalion-druck u. Verlag der B r ü h l'schen Unioers.-Buch-ubtein- drucke re, lVtersch Erdens Redaktion, Lroedinoa und Druckerei: Schalftraße 7. Adresse für Deveichenr Anzeiger «tetze». ^frn1prfd)an1d)lii6 Ar 51. vezoaSprets: monaluch/dPi., mertel- [Sbrlidj Mk. 2JO; durch Adhole- il Zweigstellen monatlich to Vl.; burd) diePost 9)11.8.—otertel- jährl. ausschi. Bestellg. rinnoyme von Anzeigen •üt die Tagesnummer Iril vormillags 10 Uhr. Zeilenprei». lokal ILPs, auswärts 20 Pig. verantwortlich tüt den poltL und allgem. Teil: U Wittko: tüt .Stadt und Xlanb" und ttoend)i6,aal*: A u au st Götz, iür den Anzeigenteil: Pans Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger 99 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Russische LtaatSgefaugene. Petersburg, im April. Tin ganz besonderer Nimbus umgiebt seit jeher einen russischen Staatsgefangenen. Geheimnisvoll geschieht seine Verhaftung, geheimnisvoll ist die Untersuchung und die Verurteilung, geheimnisvoll sein ferneres Schicksal. Nur die Namen jener, die auf kriegsgerichtlichem Wege ins Jenseits befördert werden, bringen inS grobe Publikum. Alle übrigen aber verschwinden für die grobe Menge, scheiden gleichsam ohne Laut auS der menschlichen Gesellschaft. Tie russische Staatspolizei hat ihre Agenten in allen Hauptstädten des Kontinents, ist von allem Kommenden schon vorher in Kenntnis gesetzt und kann dementsprechend ihre Maßregeln treffen. Während der SchreckenSzeit von 1881 passierte eS nicht selten, daß Leute, die nur scheinbar kompromittiert waren, ivochen- unb monatelang in den Kasematten schmachteten, ehe c8 den Angehörigen und Freunden gelang, ihre Unschuld nachzu- weisen. Heute verfährt man etwas besonnener. Offener Widerstand bei Verhaftungen von politischen Verbrechern kommt fast niemals vor, ebenso wie Bitten und Wutausbrüche vollkommen unbekannt sind, auch selbst bei weiblichen Verbrechern. Ja, daS Weib fühlt sich in solchen Momenten völlig als Märtyrerin und folgt willig uud gefaßt den Häschern. Früher wurden alle russischen Staatsverbrecher in der Peter Pauls- Festung interniert. Ganze Legenden woben sich um die Märtyrer ihrer Ideen. In dunklen Kasematten lebend, in denen daS Wasser häufig fußhoch stand, verbrachten sie ihr bejammernswertes Dasein. Ratten und Mäuse waren ihre einzigen Gefährten. Nur einmal im Jahre dursten sie ans Tageslicht. Einmal jährlich ergingen sie sich eine Stunde im FestungShof. DaS Volk wurde in geringer Entfernung zu- gelassen und konnte die blassen, mageren Gestalten betrachten. Niemand war dabei teilnamloser Zuschauer, jeder warf den Gefangenen mitleidigen HerzenS ein klingendes Scherflein zu, hoffend, dadurch ihr trauriges Dasein zu erleichtern. Heute klingt daS wie ein Märchen; von den Staatsgefangenen sieht die Außenwelt nichts mehr. Die Peter- PaulS-Festiing hat schon seit langem aufgehört, als Gesäng- niS für politisch Schuldige zu dienen, d. h. für Abgeurteilte. Vielfach sind hier die in Untersuchungshaft Befindlichen interniert. Keine Gewaltrnaßregeln sollen angewandt werden, um sie zum Geständnis zu bringen. Doch bestrebt sich die Untersuchung jedenfalls, den Verhafteten nervös zu machen. Dazu gehört in erster Linie, ihn deS Schlafes zu berauben, und das macht meist recht mürbe und gefügig. ES braucht wohl nicht betont zu werden, daß sogenannte Folterversuche in das Gebiet der Phantasie gehören. DaS ließe sich auch selbst bei geheimem Gerichtsverfahren niemals vertuschen und könnte unberechenbare Konsequenzen schaffen. Die verurteilten Staatsverbrecher sitzen ausnahmslos in der Festung Schlüffelburg — am Ausfluß der Newa aus dem Ladogasee gelegen. Die Regierung hat davon in neuester Zeit abgesehen, Sibirien als VerbannungSort für politische Verbrecher zu benutzen. Schlüffelburg ist viel zuverlässiger und übersichtlicher, wird vom Justizminister öfter kontrolliert und hat noch keinen, hinter dem sich die schweren Eisentore schlossen, ohne höheren Befehl herauSgegeben. Dies Leben der .Politischen" ist von der Außenwelt für immer abgetrennt. Eine freie Bewegung ist bei schwer Belasteten überhaupt auSgeschloffen, sie bringen ihre Existenz mit Grübeln zu. Eine Wohltat, die ihnen nur selten erwiesen wird, besteht in kleinen mechanischen Arbeiten, speziell im Zupfen alter laue. Die ununterbrochene Einzelhaft ertötet allmählich jeglicheS Denken, und bei vielen tritt frühzeitig eine vollkommene Apathie ein. Andere ertragen dies furchtbare Dasein verhältnismäßig leichter, hoffend, daß die Regierung sie durch einflußreiche Verwendung einmal nach Sachalin deportiert. Schon die Reise dorthin ist nach langer Haft und jeglichem SDlangel an Bewegung eine Wohltat, außerdem winkt ihnen auch irgendwelche Arbeit, sei'S selbst in den Bergwerken. Ein unglückliche« Wesen auS der Zeit deS Terrors von 1881 befindet sich noch hinter den Mauern von Schlüssel» bürg, eS ist die Schwester deS berühmten russischen Opernsängers und Solisten deS Zaren, Herrn F. Als dieser an- läßlich seiner Ernennung zum Kammersänger dem Zaren seinen Dank abstattete, bat er als einzige Gnade, die unglück- liche Schwester zu sich auf fein Gut nehmen zu dürfen, wo sie unter beständiger Bewachung gehalten werden sollte. Der Zar war bewegt und wollte Gnade üben. Freilich wurde die Schuld de- Fräulein F. nur mit großem Maße gemessen. War sie doch eine Freundin von Sophie Pterowsky, der Komplicin am Tode deS Zaren Alexanders 11. Sie, sowie die Helferinnen hätten fast ihr Leben verwirkt; der Strang ist beinahe noch milder als lebenslängliche Einzelhaft. 93er- schiedene Jahre sind dahingegangen. Fräulein F. hat Schlüsselburg immer noch nicht verlaßen, doch genießt sie die Wohltat, ab und zu eine Stunde frische Luft atmen zu dürfen, freilich unter schärfster Kontrolle. Sie dürfte wohl die einzige sein, die auS jener Zell übrig geblieben ist, denn 22 Jahre Einzelhaft in Schlüffelburg kann sobald kein Mensch ertragen. Dolitische Tagesschau. Dr. Davids Agrarbuch im Urteil feiner Genoffen. Der hessische LandtagSabg. Dr. David hat bekanntlich sein umfangreiches Buch über das Thema .Sozialismus und Landwirtschaft" geschrieben. 9)1'1 Beziehung auf dieses Buch schreibt der maßgebendste Theoretiker der Sozialdemokratie, Karl Kautsky, üi Nr. 26 der .Neuen Leit": .Es vollzieht einen gänzlichen Bruch mit den Anschauungen deS Sozialismus, es etttärt sozialistische Produktion in der Land- wirlschast für unmöglich. . . . Tavid zog angeblich au6, um die Irrtümer einer besonderen Schule oder gar nur einiger Individuen in der Sozialdemokratie zu bckamp'en. Aber was er tatsächlich bekämpst, ist nicht etwa blos der Marxismus ober gar nur meine Wenigkeit, sondern eS ist der Soziallsmns selbst, den er für die ^andivirtschast ableljnt. Er sucht uns nachzuweisen, daß sozialistische Produkuon und landwirtschaiUiche Produktion, also Sozialismus und Landivirtjchajt mit einander unvereinbar fmb . Die .Fränkische Tagespost", das Organ der Nürnberger Sozialdemokratie, bezeichnet die Auseinandersetzungen des Dr. David als .dilettantische Erörterungen" und spricht von einem unklaren Plan Dr. Davids, .dem überall die Eierschalen kleinbürgerlicher Anschauungen anhaften". Kcrmischies. * Bismarck und die Presse. Geh. Rat v. Pofch- inger giebt in seinen Tischgesprächen die beiden folgenden Aussprüche des großen Staatsmannes kund: 1. ,^Jch kann aus einem tüchtigen Redakteur leichter einen Staatssekretär des Aeußern oder Innern machen — denken Sie nur an Lothar Bucher — als aus einem Dutzend Geheimräten einen gewandten leitenden Redakteur." Bucher war während' seines unfreiwilligen Aufenthaltes in London von 1850 ab zehn Jahre lang Korrespondent der „Nativiialztg." und später eine Zeitlang im Wolfs schen Tclearapl-enÄureau in Berlin beschäftigt, bis ihn Bismarck in das Auswärtige Amt berief. — ,Hch gebe Ihnen gleich einen Leiterwagen voll von diesen Geheimräten, Juristen, Ideologen oder auch Philologen mit lauter ersten 9doten in die Lehre, und Sie können aus ihnen nicht viel mehr als einen Schneider machen, der mit der Schere irgend ein geistloses Blatt zusammenstellt. Das Zeug zum Redakteur, der selber deiikt, l’djafft mtd schreibt mit Schwung und Straft, muß man nutbringen." Der in Büchmanns „Geflügelte Worte", 10. Ausl., S. 330, aufgenommene Ausspruch: „Der Zeitungsschreiber ist ein Menschs der feinen Beruf verfehlt hat", ist in dieser Form — wie die Zeitschrift „Der Zeitungsverlag" in Nr. 14 hervorhebt — von Bismarck nicht getan worden. Im 9loDember 1802 empfing Bismarck Abgeordnete aus Rügen, die dem König Wilhelm die Ergebenheit der Inselbewohner aussprechen wollten. Bismarck äußerte bei dem Empfange nach dem Kreisblatte der Insel Rügen: „Die Regierung werd alles aufbieten, ein Verständnis mit dem Hause der Abgeordneten herbeizuführen, aber die oppositionelle Presse wirkt diesem Streben zu sehr entgegen, indem sie zum großen Teil in Händen von. . . Unzufriedenen, ihren Lebensbemf verfehlt habenden Leuten sich befindet." "Von einer Verbrecherbande wird der »Post'- au8 Newyork berichtet: Man ist einer weitverzweigten Bande von Knaben auf die Spur gekommen, die in erstaunlicher Weise m Brooklyn einen antijüdischen Kreuzzug durch- geführt haben. Em kleiner jüdischer Junge wurde sterbend in ein Hospital gebracht. Er war durch einen Messerstich schwer verletzt worden. Die Polizei entdeckte, der Spur befl Verbrechens folgend, daß die erwähnte Knabenbande an demselben Tage mehr als ein Dutzend jüdische Kinder überfallen, geschlagen und auSgeplündert hatte. Straßenbahnwagen, auf denen sich Juden befanden, wurden von den Knaben mit Steinen beworfen. Der kleine schivervenvundete Levy machte einen Ausgang für feine Mutter, als er den jugendlichen Mordbuben in die Hände fiel. Der 14jährige Führer der Bande hielt ihn beim Rockkragen fest und fragte: .Bist du ein Jude?" Als das Kmd die Frage.bejahte, zog der Fragesteller em offenes Messer auS der Tasche und stieß eS ihm in den Unterleib. ES ist bis jetzt nicht gelungen, deS jungen hoffnungsvollen Antisemiten habhaft zu werden. * Ein anständiges Honorar. Ter Wiener Professor Lorenz kebrt am 15. April nach Chicago zurück, um gegen ein nochmaliges Hon war von 120000 M k. den im letzten Oktober angelegten Gypsverband von dem Bein des Töchterchens deS bekannten Millionärs und Schweinehändlers Armour abzunehmen. Gegen Schnupfen ist der Schnupfenäther .Fonnan" anzuwenden, der ärztlicherseits mehrfach als .geradezu ideales Schnupf en mittel" bezeichnet wird. Bei leichtem Schnupfen For- man-Watte(Dose3OPfg.),bei starkem Schnupfen Forman-Pastillen (50 Pfg.), zum Inhalieren mittels Riech- gläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Man frage feinen Arzt. 1880 Plaudereien aus der Kaiserstadl. (Nachdruck verboten.) Ein „Konzil" in Berlin. — Etwas über „Schlaraffia". — Tas Heim der „Schlaraffia Berolina". — Farbenkunst auf der Buhne. Es mutet mittelalterlich an, das Wort „Konzil". Man denkt an den armen Huß, der zu Konstanz verbrannt wurde trotz seines freien Geleits, und an andere schöne Sachen. Man vergegenwärtigt sich den Charakter Berlins, den nüchtern philosophischen Hauch, der durch die Köpfe hier weht trotz Anna Rothes Medibumsel und ühn- lidjer Klopfgeister — und fragt erstaunt: Was hat Berlin mit einem Konzil zu schaffen? Auch die Zeitungen schreiben nichts davon — nicht einmal die Germania? Gemach! Tas frohe Konzil, das in Berlins Mauern tagt, will allerdings keine Ketzer verbrennen, und auf den Häuptern seiner Teilnehmer prangen auch keine Bischofsmützen und Kardinalshüte; aber seine Beschlüsse sind nicht minder gütig als die aller anderen Konzile — nur daß sie sich blos auf die kleinen fröhlichen Gemeinden der Erdenbürger beziehen, die dieses Konzil beschicken. Und das sind die S ch l a r a f f e n. Wer denkt nicht an das Märchen vom Reisbreiberg, durch den man sich durchknabbern muß, um in das gesegnete Schlaraffenland zu gelangen, in dem der Trägste König ist und der Fleißigste den allseitigen Abscheu seiner Reichsgenossen erweckt? Tiese Vorstellung ist es denn auch, die üoer das Wesen und die Ziele des großen Bruderbundes Schlaraffia falsche und zum Teil recht unliebenswürdige Vorurteile hervorgerufen hat. Alles „Schlemmen" und „Schlampampen" hat nämlich mit schlaraffischer Lust und Freude nichts gemein. Schlaraffia ist eine Gesellschaft, die Freundschaft, Humor und Kunst pflegen will und ihre Mitglieder zur Betätigung auf diesen Gebieten anregt Was fich lemanb an mate- xielleu Genüssen innerhalb der „Surg" — so heißt der Versammlungsort der Schtarasfen — leistet, kümmert niemanden. Die Sck>laraffia hat ihre Wurzel in Prag, wo sie vor beinahe 50 Jahren als lokaler Verein gegründet wurde, bald aber, zumal durch das lebendige Apostelitum von Berliner Schlarafien eine Bedeutung für alle Länder erhielt, in denen die deutsche Zunge klingt Zumal in Oesterreich haben sich viele Elemente unter dem Schlaraffen- helm zusammengefunden. In Rußland, das in seinen Ostseeprooinzen gleichfalls schlaraffische Anfänge gezeitigt hatte, ist durch einen drakonischen Ukas aller Uhudienst verboten; dafür ersteht in Amerika ein Schlaraffenreich nach dem andern, bis in den fernen Westen hinein. Der „Uhu" ist nämlich das Symbol der Schlarnffen, der heilige Vogel der Weisheit, den die Athener schon verehrten, und wer in Berlin seine Schritte in das südliche Ende der Charlottenstraße lenkt, dort wo die Berliner Sternwarte ihren stillen Winkel hat, der findet links davon ein stilvolles Portal, über das ein riesiger Uhu seine weiten Fittige breitet: Das ist der Eulentempel der Spree-Athener, die Burg der „Schlaraffia Berolina". Tas stattliche Haus enthält wundervolle Räume, einen sogen. Sitzungssaal in romanischem Stile, dessen Säulenkapuäle von Eulen gebildet sind, die elektrisch leuchtende Augen haben. Oben befindet sich ein Fesftaal, der auch von anderen vornehmen Gesellschaften vielfach benutzt wird. Ein lauschiges tonnengewolbles Kiub- zimmer nut humoristischen Malereien ist gleichfalls vorhanden. In diesen Raumen nun tagt das Konzil, das über Aenderungen des „Spiegels", d. h. der Statuten, Neugründungen 2C. Beschrift,e fayi und daneben natürlich auch der Künstelnd dem Humor ihre Rechte läßt. Berlin beherbergt in diesen Apriltagen etwa 1000 Sü^araffen, die zum großen Teil aus Lesterreich-Uiigarn, von llLien sogar per Extiazug hergetommen sind — und alle scheinen einig im Lob über die wunderbare tzntwicklung der deutschen Reichshauptstadt! — Tie „Schlarafjia Berolina" hat übrigens in längster Zeit eine nicht unbedeutende Erbschaft gemacht, die es ihr ermöglichen wird, dre werktätige Pflege der Freundschaft weiter auszugestalten: die vielgenannte Baronin Eohn, die den Kaiser wie Herrn v. Hülsen in ihrem Testament bedacht hat, hat der Schlaraffia ein Legat von lOüOOO Mark ausgesetzt. „Suhl!" rufen Schiarassen, wenn ihnen etwas Freude macht, oder Respekt abnötigft und ich glaube, der hochherzigen Spenderin ist wohl mancr ein Lulu in diesen Konziltagen gewidmet worden. Einig wie die Uhu-Gaste über die Schönheit Berlins toax man sich jüngst auch über die vollendete Regiekunst Max Reinhards, der jetzt neben dem „Kleinen" auch das „Neue Theater" leitet. Es gab dort «men „neuen" Maeterlinck, obgleich „Pa11eas und Melisanda" lange vor „Monna Sanna" geschrieben worden ist. Max Reinhard hat sich als künstlerischen Beirat einen unserer bekanntesten Maler, den Ostpreußen Louis Corinth, engagiert und mit dessen Hilfe versucht, der Farbenharmonie auch auf der Bühne em Feld zu erobern. Man hat in „Pall.as und Melftande" durch Kostüme und Dekorationen szen.s^e Silber von überwältigenden Farbenreizen geschaffen, wie sie bisher noch nie aus der Bühne zu sehen waren, und so dem Genüsse im Theater noch em Moment hinzugefügt, das vielleicht in seinem Ueberroffine* ment nicht mcyr ganz Höhenkunst bedeutet, aber doch von einem ganz unsagbaren Zauber ist. Und so hat es der 27iahrige Direktor fertig georacht, auch dieses zweite Theater, das eine höchst magere Kajsenperiode hinter fich hat, allabendlich b.s auf den letzten Platz zu füllen. Bolle Häuser geben volle Kassen. Unb diese tragen wieder zu jener marmorne bei, die sich „hinter den Anrissen" geltend macht. Ohne diese Harmonie ist die „bretterne Welt" so öde wie Die wirkliche, in der Tu lebst, lieber Leser, ’i-ib darum wünsche iaj auch D-.r mit meinen besten Lenz-i^nd Oster- grußm jene haimonftche Furie, die so erfreulich ist, wenn man Feste auch em bischen feiern will! A. R. Bekanntmachung. Mit der (Eröffnung des Friedboss am Rodtberg werden als gewerbsmäßige Leichcnwärtcr und Leichenfrauen nur von mir hierzu bestellte Personen zugelassen werden. Bewerber um diese Stellen wollen sich unter Angabe ihrer persönlichen Verhältnisse schriftlich bis zunr L Atm L Js. bei mir melden. Gießen, 8. April 1903. 8052 Der Oberbürgermeister. Wie cum. Bekanntmachung. Betr.: Äe Umwandlung des 4 %igcn Slnlebens der Haupt- und Residenzstadt Darmstadt Lit. H. von 1691 in ein 31/, %ige§ Anlehen und Kündigung der nicht umgemandelten Obligationen. A. Umwandlung. Gemäß Beschlttß der Stadtocrordneten-Versammlung vom 12./26. März d. Js. wird den Besitzern der oben genannten Schuldverschreibungen hiermit die Herabsetzung des Zinsfußes auf 31/, °/0 durch Abstempelung angeboten. Die Vorlegiing der Obligationen behufs Abstempelung hat bei Vermeidung des Ausschlusses bis spätestens 30. April 1903 bei folgenden Stellen zu erfolgen: in Berlin bet der Deutschen Genossenschafts-Bank von Soergel, Parrisius L Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Genossenschafts- Bank von Soergel, Parrisius & Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Hannover bei den Herren Ephraim Meyer & Sohn, in Oldenburg bei der Oldenburgischen Spar- und Leihbank, in Darmstadt bei der Stadtkasse, bei der Darmstädter Volksbank e. G. m. b. H., bei der Landwirtschaftlichen Genossenschafts- Bank, bei Herrn Ed. G. Gerst, bei den Herren Nauheim & Comp., vormals H. Neustadt, bei Herrn Ferd. Sander, Hofbankier, bei Herrn C. Schade. Die Besitzer der zur Abstempelung gelangenden Schuldverschreibungen verbleiben int Genuß der 4 %ißctt Zinsen -ts 1. August 1903. Die Schuldverschreibungen sind deshalb einschließlich Coupons Nr. 24 p. 1. Februar 1904 und folgende vorzulegen. Sie werden sofort mit dem Umwandlungs- stempel versehen und nebst den gleichfalls abgestempelten Talons den Einreichern ohne Verzug zurückgegeben. Nur die Coupons älr. 24 bis Nr. 28 bleiben in Händen der Ab- stempelungsstellen. Fehlende Coupons sind denselben bar zu ersetzen. Gegen die abgcslempelten Talons werden nach demnächst zu erfolgender Bekanntmachung neue 3y2 %ige Zins- scheme, deren erster am 1. Februar 1904 fällig ist, ausgegeben. Die Notierung der umgewandelten Anleihe an der Frankfurter Börse wird beantragt werden. B. Kündigung. Diejenigen Schuldverschreibungen, die innerhalb der festgesetzten Frist bis 30. April 1903 nicht zur Abstempelung gelangen, werden hiermit zur Rückzahlung zmn 9lcnnrucrt ans den 1. August 1903 gekündigt. Mit diesem Termin hört ihre Verzinsung auf. Die demgemäß gekündigten Schuldverschreibungen sind einschließlich der nicht fälligen Zms- scheine und Talons vom 1. August 1903 ab bei folgenden Stellen gegen Zahlung des Nennwertes einzureichen: in Darinsladt bei der Stadtkasse, in Berlin bei der Deutschen Genossenschafts-Bank von Soergel, Parrisius & Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Genossenschafts-Bank von Soergel, Parrisius & Comp., Kommanditgesellschaft auf Aktien, in Hannover bei den Herren Ephraim Meyer & Sohn, in Oldenburg bei der Oldenburgischen Spar- und Leihbank. Fehlende Zinsscheine werden am Nennwert gekürzt. Darmstadt, den 8. April 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Darmstadt. Morneweg. 3039 Submission. Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von 150 Ccntuer» guter Spcisc-Kartosiclu (magnum bunum) auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die für diese Lieferung gütigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 5 Uhr auf dem Verwalnmgsbüreau offen. Offerten sind versiegelt, mit entsprechender Aufschrift versehen und unter Beifügung von Probekartoffeln bis zum Eröffnungstermin Donnerstag den 16. April 1903, vormittags 11 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. Der Zuschlag erfolgt bis zum 20. April 1903. Gießen, den 1. April 1903. 2807 Großh. Verwaltungs-Direktion der psychiatrischen Klinik. I. V.: Dr. Danttemann. Submission. Für die Großh. psychiatrische Klimt soll die Lieferung von 30 Rm. Tanncn-Scheitholz auf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden. Die für diese Lieferung gütigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Gr. 9)hm|tcncn vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmittags von 3 bis ö Uhr auf dem VerwaltungSbüreau offen. Offerten sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bi8 zum EröffnungStermm Sam-tag den 18. Ap^U. vormittaaA 11 Uhr, auf dem erwähnten Büreau eu,zureichen. -C&er Zuschlag erfolgt bis 23. April 1903. Gieren, den 1. April 1903. 3808 Großh. Verwaltungs-Direktion der psychiatrischen Klimk. I. 93.: Dr. Dannemann. Verdingung. Die zum Neubau eines Schulhauses nebst Hosgcbäude in Lützellinden erforderlichen Bauarbciten und Lieferungen, die Erd- und 2)laurerarbeitcn, Maurermaterialien, Asphalt, Steinhauer-, Ziminer-, Dachdecker-, Klempner-, Schreiner-, Schlaffer-, Glaser- und Anstreicherarbeiten, sowie die innere Einrichtung sollen öffentlich vergeben werden. Termin: Ticnslng Jen 14. Wil, mittG 12 Ilhr. Zeichnungen und Bedingungen können vorher eingesehen und VerdingungSanschläge von hier bezogen werden. Wetzlar, den 3. April 1903. Der Kreisbaumeister. W. Witte. 2978 Holz-Versteigerung. Dienstag den 14. d. Mts. wird in dem hiesigen Gemeindewald folgendes Holz versteigert: 16 Kiefernstämme von 18 bis 45 Ctm. Durchm. und 5 bis 14 Mtr. Länge — 9,28 Fstm., 3 Fichlcnslämme von 23 bis 27 Ctm. Durchm. und 14 bis 19 Mtr. Länge — 2,41 Fslrn., 17 Raummeter Nadelknüppel, 22 , Nadelstöcke, 500 Nadel-Wellen. Die Zusammenkunft ist mittags 1 Uhr auf der Thalschneise im Distrikt See. Großen-Linden, den 9. April 1903. Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. 3054 Gaskoks In der Stadtverordneten-Versammlung vom 22. d. M. wurde beschlossen, die am 10. April d. I. festgesetzten Preise bis auf roei- teves beizubehallen, mit der einzigen Ausnahme, daß der Preis für Nußkots, Größe Nr. 2 um 5 Pienmg für den Zentner herabgesetzt wird, sodaß die Nußkoks 9lr. 1 und 2 jetzt gleichen Preis Haden. Die KotSpreise stellen sich hiernach rote folgt: Für öen Zentner ab Verkaufsstelle: Ttiick-Koks .............. 1,10 Alk. Nuß-Kots, ausschließlich troden gelagert, in zroei verschiedenen Korngrögen für Liubenheizung und für weite und enge O f en f ch a ch t e passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, g ang- bar ft e »orte.........1,25 Alk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Aiithracit......1,25 Mk. In Wagenladungen von mindestens 36 Zentnern: Ltuckkols.......l,oä Alk. Nußloko Nr. 1.....1,20 , Nußkoks 9hr. 2.....1,20 , Bei Entnahme von mindestens 200 Zentnern: Ltüdtols.......1,— Mk. Nutztoks S!r. 1.....1,15 , NußtotS Nr. 2.....1,15 , Für Koksabnehmer, roeldje zwei und mehr ToppekwaggouS beziehen, ermäßigt sich der Preis um wettere 5 Pfg. für den Zeiitner. Für Anfuhr an das Hans werden 5 Pfennig für den Zentner berechnet. .NB. Soiern das Verbringen der Koks — bis zu 6 Zentnern — aus die betr. Lagerplätze (Keller, Stall zc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand veibunöen ist, geschieht dies ohne besondere Vergulung. Im Gaswerk findet nur ein Verlauf von Über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der gliimttaf drr Saskoki vou 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Bacheuheimer & Lchanmberger, Marburgerstraße 22, Andreas Guter, Stemstraße 11, Joh. Fischer, Alieeslrage 19, H. Hof, Äahilhosstraße 34, Gebt, kahl, ^rankmrterstraße 151, Ed. AUiutcl, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Lchäfer, Licherstraße 2, August Ltruck, Bisiiiarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaskoks samt Anfuhr roie das Gaswerk und verabfolgen dtefelben auch m Mengen unter 5 Zenntern. Die Preife unserer Gaskoks für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Vktroirüdvergütuug von 4 Pfg. nir den Zentner. Gießen, den 31. Dezember 1902. 63 Städtisches Gas- und Wafferwerk Gießen. Otto Bergen. llfttl= mih |onhtl5fd)Hk 1592 (Privatschule mit Pensionat) in Marktbreit a Alain. Die Reifezcugniffe berechtigen zum ciujährig-freiwill. Dienst. Auinahme-Alter 10—16 Fahre. Prospekte durch J. Damm, Rektor. Die Gemälde Ausstellung im Turnchaus am Brand i|t mit Ausnahme Samstags täglich von 11 bis 1 Uhr, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen ununterbrochen von 11 bis 3 Uhr. Eintritt für Nichtmugtteder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn» und Feiertagen 30 Pfg. 912 Kunst-Ausstellung. DEUTSCHE * s * * * —Xiü:_ STÄDTE - AUSSTELLUNG -77-777 DRESDEN 1903 * * * * AUSSTELLUNG DER DEUTSCHEN STÄDTE . UND INDUSTRIE-AUSSTELLUNG. » » . Täglich Veranstaltungen des Festausschusses. Kalk- nnii Stoorwcrfc, Tampsiiegelei Ang*. Gabriel jr., (§icßen. 676 Maffou-Fabrikation. Bahnanschlüsse. Werke: Abendstern. Wir geben nachstehend die Bestimmung«» für den Verkehr mit unserer Abteilung für Spareinlagen zur allgemeinen Kenntnis der Interessenten. Gießen, im Dezenter 1902. ZZank für Kandel und Industrie. Aeposttenkasse Kießen. Bankgebäude: FohanncSftratze L Bestimmungen: 1. Das Einlagebuch wird mit 10 Pfg. berechnet. 2. Einzahlungen können täglich gclciftct werden. 3. Tas Emlagebuch ift von dem Besitzer gut zu verwahren. 4. Kommt em Emlagebuch abhanden, so hat der Sparer unverzüglich bei der Bank Anzeige zu erftatten. 5. Tie Bank ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, bei Kapital» rückzahlnngen die Legitimation des Vorzeigenden zu prüfen. 6. Tie Beischreibung der Zinsen erfolgt im Januar leden Jahres in den Buchern der Bank. Tic Besitzer der Eiulagebücher können die Auszahlung oder Beischreibiuig jedoch ganz gelegentlich auch in anderen Monaten ocranlafieiu 7. Kapitalien unter 1000 'Mark können ohne Kündigung abgehoben werden, Dagegen hat der Zurücknahme von Beträgen über lOoO 'Mark in der Regel eine dreimonatliche Kündigung vorauszugehen. 8. Borutunder können die Zinsen für ihre Mündel erheben, wenn das Gericht nicht anders bestimmt hat. Bei Kapitalrückzahl- ungen bedarf es der schriftlichen Ermächtigung der oberoonnunö- fchaftlichen Behörde. 42 Kaufmännischer herein LamStag den 18. April 1903, abends 9 Uhr im Kaufmännischen Vereinshause Grdcntl. General'versammlüng. Tagesorduung: 1. Bericht über das Geschäftsjahr 1902/03, Vorlage des geprüften Rechnungsabschlusses und Entlastung des Vorstandes. 2. Neuwahl des Vorstandes, der Revisoren zur Prüfung der laufenden Jahresrechnung, des Aufnahme-, Schul- und Vergnügungs-Ausschusses. 3. Beratung und Feststellung des Voranschlags für 1903/04. 4. Etwaige Anträge der Mitglieder in Gemäßheit des § 51 der Satzungen. 2879 Um allseitiges Erscheinen bittet Der Vorstand. Samen-Zuschndde-Schttk. Am 15. April beginnt wieder ein Kursus im Maßuehmcu, Mustcrzeichucu und praktischcu Arbeiten. Auch können Damen jeden Montag eintreten. Anmeldungen werden entgegengenommen BiSmarckstraße 20, pari., vorn 1. April ab Goetheftraße 48, pari. Gleichzeitig empfehle ich mich im Unfertigen von Damen« und «indcr-Garderobe unter Garantie für guten Sitz bei billigem Preis. Louise Weinhardt 2441 auSgeb. Lehrerin. \ Gesang-Gottesdienst $ $ vcreiuiglcr Chöre des christl. Sällgcrdunocs deutscher Zunge ! « Ziihrcsscsl Scs Mrcifes ynmh'nrt n. Üll.^icgm Oster-Montag den 13. April 1903 I nachmittag, 3 Ahr in der Turnhalle zu Gießen, an der Nordanlage. W g Einzel- und Gesamt-Chöre der obigen Kreisvereine nebst I Tenor-Soli und Ansprachen des Herrn Pfarrer Wittekindt, W 1 Oberissigheim, und Prediger Reiner, Mainz. Programme — als Eintrittskarten — ä 30 Pfg. an der D I Kasse und vorher bei Herrn tt. Bollinger, Hammstraße 11, tl und Frau JD. Köhler, Illndenplatz 7. 3021 J Dr. med. Georg Liebe’s Keitanstalt für Lungenkranke LLatdhof Elgeröhauje« (Kreis Wetzlar, Station Katzensurt). MM- Ländliche Kolonie im Tanucnwalde. 1. Abt. Preise für den Mittelstand. 2. Neue Minbcrabreilung. l^anderziehungsheim für kranke und schwächliche Kinder.) 2440 3. Für unbemittelte Manner._____________Prospekt._________ EtMs-EmMlung. Hiermit zur gcfl. Kenntnis, daß ich das Geschäft meines Mannes in unveränderter Weise weiterführe und empfehle mich daher im Alllkge» m ©arten und AaWtten, soivie killsetzc« non Sijeuitiieinen uuD Uilterhalteii iJerfelben z» zivilcu Preistil. Bestellungen können tm Laden, Schulstraße 10, ent-» gegengenommen werden. 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