Nr. 59 • rtftetat täglich auyei Bonniagd. Dem (Siebener Anzeiger werden tm Wechsel mit den, ksesstschen Landwirt die »ieh ner fiamilien- llätter viermal tn der Woche beigelegt. Roiattonsbrud u. Verlag bei i Q b t'ichen Un weil.-Buch- u.Siem» brudoici (Pietsch (irben) •tebafnon, Itroebuioa und Drudere» Schul strotze 7. tlbierte lüi Depeschen» Anzeiger «letzen. KernivrrchanlchltttzAr 51 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 11. März, 903 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger ™ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ar,og»pre»-. m»,i>uiuch rbPl., ptertei* täbilid) 'l’d 2.20, du.ch vtbbole- u. *er»el- läbrl auelchl Vestelig. rinnahmr von Anzeige» hu bi« 'iayrenuimiiet bi« ouimiiidg« 10 Uhr, tieilrnpiei« letal 12'U|, aa*iv4ti« Tu Plg. C«ianirpe«ihd)i TTu ben polu u. aIlgens Teil P Wittko »üt ,clabt und L'anb* unb -ÜkvictuclrtQl* II ult l'laio, tu» ben 91n- zeiaenieil t>a n • B «d. Volilische Tagesschau. Zur Aktion für Dr. Peter«. Man schreibt uns aus Berlin, 10. Mürz: Zu dem Begnadigungsgesuch, das Freunde des Dr. Peters zum Zweck seiner Rehabilitierung beim Kaiser einreichen wollen, schreibt die „Nationalzeitung": „Au unsere Erkundigung nach den angeblichen hervorragenden Mitgliedern der nationalliberalen Partei und der Freisinnigen Vereinigung, welche dem Gesuch günstig gesinnt fein sollen, konnte uns bisher niemand genannt werden." Auch wir haben uns in parlamentarischen streifen informiert und den Bescheid erhalten, daß von der Freisinnigen Vereinigung bestimmt niemand mit diesen Bestrebungen in Verbindung zu bringen ist. Es sei zu bezweifeln, daß von denjenigen Nationalliberalen, die Herrn Dr. Peters Verdienste um die koloniale Sache anerkennen, das Gesuch unterstützt werde. Bekanntlich hat das Zentrum jede Mitwirkung abgelehnt. Mit Recht legt die „Nationalztg." dar, daß ein etwaiger Erlaß der Strafe — unter Verantwortlichkeit des Reichskanzlers — ohne Feststellung der Unschuld Herrn Dr. Peters keineswegs rehabilitieren würde. Von der Führung eines Unschuldbeweises kann in der Tat keine Rede sein: die Feststellungen in dem Dis- liplinarprozeß, der zur Entlassung des Dr. Peters aus Dem Reichsdienst führte, waren so schwerer und die Entrüstung der Oefsentlichkeit hervorrufender Art, daß trotz der dazwischenliegenden Zeit noch die Einzelheiten des von Herrn Peters angeordneten drakonischen Strafgerichts, der Ausführung der Hänge-Exekution an der entlaufenen Negerin und deren Geliebten, in Erinnerung fein müssen. Daß der Tucker-Brief nicht existiert, worauf die Begnadigungs-Aktion sich berufen will, nimmt diese Tat, die eine Anklage wegen Mordes begründen konnte, nicht von dem Konto des Dr. Peters hinweg. Vollends würde eine Wiederanstellung im Reichsdienst in weiten Kreisen lebhafte Mißbilligung finden. Zugegeben, daß Dr. Peters Eigen- jchaften besitzt, die ihn für Aufgaben, wie Strasexpedi- lioneit und bergt., besonders befähigen, so stehen doch die Forderungen von Recht und Sitte höher als das Bedauern, auf eine verwendbare Kraft verzichten zu müssen. Dr. Peters würde selbst bald einsehen, daß er in eine unhaltbare Lage geraten wäre. Wir halten für ausgeschlossen, daß der Reichskanzler sich für die Rehabilitierung verwenden wird. Seit langem ist erfreulicherweise kein Schreckensberichi über die Wirkung des „Tropenkollers" aus deutschen Schutzgebieten eingetroffen. Humane, einsichtige und maßvolle Mcänner sind in unseren Kolonien tätig. Es würde wohl die Empfindungen dieser Vertreter des Reiches zu verletzen geeignet sein, stellte die „Rehabilitierung" Herrn Dr. Peters gewissermaßen auf die gleiche Stufe mit ihnen zurück. Beim Kolonialetat wird zweifellos die Begnadigungsaktion zur Sprache gebracht und Auskunft von der Regierung erbeten werden, wie sie sich zu der Angelegenheit verhält. Die Matnkularbeitrage. Die Beratung der nach dem Erat für 1903 zur Deckung per Gesamtausgabe des ordentlichen Etats aufzubringenden Matrikularbeitrage ist im Reichstage ausgegeben worden. Für Preußen betragen sie 346 825 865 Mk. (gegen 355 497 405 Mark im Etat für 1902); für Boyern 60 961377 Mark (gegen 63 144 874 Mk. im Vorjahre); für Sachsen 42 286 259 Mark (gegen 43 326 266Mk.); für Württemberg 21707 580 Mark (gegen 22 279 423 Ml.); für Baden 188ü2603 Mark (gegen 19 263181 Mk.): für Hessen 11258264 Mark (gegen 11548995 Mark); für Mecklenburg-Schwerin 6112 259 Mark (gegen 6 268556 Mk.); für Sachsen-Weimar L658 980 Mark (gegen 3 742 225 Mk.); für Mecklenburg- Strelitz 1031692 Mark (gegen 1058256 Mk.); für Oldenburg 4 022 290 Mark (gegen 4116667 Mk.); für Braunschweig (4 671 179 Mart (gegen 4 788 563 Mk.); für Sachsen- Meiningen 2522 388 Mart (gegen 2585 720 Mk.); für Sachfen-Altenburg 1967 343 Mark (gegen 2010 054 Mk.); für Sachsen-Koburg-Gotha 2308 647 Mark (gegen 2 367 351M ); für Anhalt 3179 835 Mark (gegen 3259654 Mk.); für vchwarzburg-Sondershaufen 816 U35 Mark (gegen 834 346 Mark); für Schwarzvurg-Rudolstadt 940 306 Dtark (gegen 959 742 Mk.): lür Waldeck 582593 Mark (gegen 5b 1390 Mark); für Reuß jüngere Linie 1402 510 Mark (gegen 1435 693 Mk.); für Reuß ältere Linie 689 096 Mark (gegen 705444 Mk.); für Schaumburg-Lippe 433 825 Mark (gegen 144 öo5 Mk.); für Lippe 139157.) Mark (gegen 14o3108 Marc); für Lübeck 976 382 Mart (gegen 99< 831 Mk.); für ikemen 2 263 887 Mark (gegen 2 518 796 Mk.); für Hamburg 7 728 172 Mark (gegen 7 9*2 853 Mk.); für Elsaß-Loth- tingen 17 315 350 Marr (gegen 17/32 564 Mk.). Tie Ge- iLtnufunnne beträgt 565 8u6 134 Mk. (gegen 580 639 792 Mk. jt 1902, also weniger 14 783 258 Mark für 1903). Deutsches Keich. Berlin, 10. März^ Ter Kaiser fuhr heute beim Zsteichskanzler vor und hörte später im Schloß die Vorträge bet» Chefs deS Militärkabinetts unb des Chefs des Admiral- fidbes der Marine. — In Hof- und diplomatischen Kreisen in Kopenhagen tt-clautet, Kaiser Wilhelm werde bei feiner Reise nach Kopenhagen außer von dem Wunsche einer Aussöhnung mit dem Herzog von Cumberland von der Absicht geleitet, die Prinzessin AlexandravonCumberland, tiae sich in Kopenhagen aufhalt, kennen zu lernen. Painzessin Alexandrg i$b 21 Jahre alt und durch Schönheit Md Anmut ausgezeichnet. Breslau, 10. März. In der Hauptversammlung des beiutschen Oftmarkenvereins wurde bezüglich der Stellungnahme zu den kommenden Re ichs- und Landtagswahlen folgende Resolution einstimmig angenommen: Sobald fest steht, daß ein Wahlkompromiß zwischen Zentrum und Polen bedingungslos ausgeschlossen ist. werden sich die Ortsgruppen im Einvernehmen mit dem Hauptvorstande unb den Lanbesausschüssen schlüssig machen, ob unb welcher ber vom Zentrum gegen einen polnischen Äanbibaten ausgestellten Kanbidaten unterstützt ruc^c. Wenn ein Kompromiß zwischen Zentrum und Polen zu staube kommt, ober Zentrumskandibaten als Konzession für bas Polentum erscheinen, so sinb entweder durch öffentliche Erklärung der Ortsgruppen die deutschen Wähler zuc Wahlenthaltung auszuiordern, oder es 4(1 ein deutscher Gegenkandidat aufzustellen. Dresden, 10. März. Das Gesamtministerium beschloß, infolge der ungünstigen Finanzlage Sachsens, für die nächsten zwei Jahre keinerlei Gehaltsaufbesserungen, Beförderungen und Neu an- Stellungen vvrzusehen. Wenn auch die Verordnungen der einzelnen Ministerien noch ausstchen, so ist an der Richtigkeit dieser Meldung nicht zu zweifeln. Vom Gesamt- Ministerium sind ferner sämtliche Staatsbehörden in Sachsen dahin verständigt worden, daß für das Etatsjahr 1904/05 infolge der ungünstigen Finanzlage Vorschläge zur Anstellung und Beförderung des Personals, soweit sie der betreffenden Genehmigung bedürfen, zu unterbleiben haben. Die Ursache hierzu entspringt der Tatsache, daß für diese Etatperiode im Staatshaushalt noch ein größeres Defizit zu decken ist. Greiz, 10. März. Der Landtag von Reuß ä. L. Beauftragte die Regierung, im Bundesrat gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen. Wahlbewegung. Wetzlar, 10. Marz. Lauow.rc Fr. W. Keiner-Wer- borf, der zunächst die Reichstagskandidatur der deutsch- konservativen Partei für unseren Wahlkreis angenommen hatte, hat sich genötigt gesehen, mit Rücksicht auf feine Berufstätigkeit unb feine sonstigen Pflichten, auch aus Rücksicht auf feine Gesundheit von der Kandidatur zurückzutreten. — In Altenkirchen hielt der Bund der Landwirte am Sonntag eine Vertrauensmännersitzung ab. Pfarrer Heckenvot meinte, daß sisth Einigung erzielen ließe, wenn die Antisemiten ihre Kandidaten zurückziehen würden, was aber von den Antisemiten, u. a. von Reichstagskandi- baten Dr. Giese und Red. Reuther-Offenbach entschieden zurückgewiesen wurde. Hierauf stellte der Bund der Landwirte Pfarrer Heckenrot-Altenkirchen als kon- se rvativen Reichstagskandidaten auf. Nach einer gestrigen Drahlmeldung aus Posen soll der Kaiser ein Wahlkompromiß aller deutschen Parteien der Provinz Posen auf ber Grundlage der Wahrung des gegenseitigen Besitzstandes angeregt haben. Was es mit dieser Anregung für eine Bewandtnis hat, ecgiebt sich aus einem Bericht über die am Sonntag abgehaltene Versammlung des deutschen Wahloereins in Mese- ritz. Es heißt da: Im Laufe ber Debatte hob Rittergutsbesitzer Major v. Klitzing-Schloß Neuhof (welcher seinerzeit unter ben Kandidaten für ben Oberpräsidentenposten der Provinz Posen-genannt worden war), hervor, daß ber Kaiser ihm gegenüber den Vorwurf ausgesprochen habe, daß wir Deutsche nicht einig seien; wenn wir zusammenhielten, würben wir ber Polen Herr werden. Es soll ein Kompromiß in der Provinz Posrn geschlossen werden, daß, wo Li berate in der Majorität seien, die Konservativen für diese, und wo Konservative die Mehrheit hätten, die Liberalen für diese stimmen öllten. PreutzzschuS Abgeordnetenhaus. 40. Sitzung vom 10. März Abg. FrÜr. v. Zedlitz (frt) bemerkt, daß Preußen im Bundesrat für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes stimmen wolle, habe in weiten Kreisen der evangelischen Bevölkerung große B e u n r u h i g u n g erregt- Tie Schule sei eine Veranstaltung des Staates und deshalb müßten Uebergriffe der Kirche auf diesem Gebiete abgewehrt werden. Gäbe der Staat weiter nach, so wäre ein neuer Kulturkampf unvermeidlich. Katholiken und Protestanten müßten sich aber zusammenschließen zur Bekämpfung der materialistischen Weltauffassung. — Abg. Funcke (frs. Vp.) bezeichnet die paritätische Schule als das einzig Richtige. Der Religionsunterricht in den Volksschulen mü[)e von dem Formelkram befreit und nach der Richtung intensiverer Morallehre ausgestaltet werden. — Der Titel „Ministergchalt" wird bewilligt. — Abg. Schall (kons.) fragt an, wie das tänbige Zurückgehen ber Zahl von Studie» renben ber Theologie zu erklären fei Rebner meint, einer ber Gründe dafür roeroe wohl der fein, daß das An- fangsgehalt zu klein und überhaupt die Besoldung zu gering fei. Es sei eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß in vielen evangelischen Pfarrhäusern die Sorge zu Hause sei. — Ministerialdirektor Althoss tegi~ bar, daß auch in anderen Fakultäten ein Rückgang ber ^tubierenoen bemerkbar sei. Der Rückgang der theologischen Studierenden sei aber nicht auf die moderne Theologie zurückzuführen. — Abg. Graf Wa rtensleben (kons.) bihet um eine höhere Remuneration der Geistlichen. — Abg. Hacken berg mL j meint, die Abnahme der Zahl ber Theologie Studierenden ei nur eine natürliche Folge von ber zu großen Anzahl von Studierenden in früheren Jahren. Auslauö. Haag, 10. März, □ weite Kammer. Der sozialistische Abg. Troelstra fuhrt in einer Interpellation aus. daß die Lage sehr bedenklich sei und für den Fall, daß der geplante Ausstand keinen glücklichen Ausgang nehmen sollte, die internationale Transportoereinigung sich einmischen würde. Von England würden allein 100000 Gulden geschickt. Er rät, gemeinschaftlich dahin Zu wirken, baß die Spannung nachlasse. Minister Kuyper erklärt, bie Regierung habe alle Maßregeln getroffen, um für einen eventuellen Streik gerüstet zu fein. Politische Rücksichten erlaubten nicht darauf zu antworten, ob Militär im Streitfälle für den Eifenbahndienst verwandt wird. Unter allen Umständen werbe sie bie Staatsgewalt im Interesse aller Klassen ber Gesellschaft aufrechterhalten. Paris, 10. März. Kammer. Millevoye (Nationalist) sagt, das beste Unterpfanb bes Friedens sei stete Kriegsbereitschaft unb daS f r a n z ö s i s ch - r u s. fis che Bündn is. Der deutsch eKaiser fei im stände, m wenigen Stunden eine solche Macht zufammenzubringen, wie kein Eroberer feit dem Altertum. Rußland sei cd gewesen, welches 1875 Deutschland daran verhinderte, Frankreich den Garaus zu machen. Tas Recht Frankreichs auf Elsaß-Lothringen sei unbestreitbar. Tie Entwaffnung sei unmöglich, bevor diese Frage gelöst sei. Redner erklärt schließlich, er freue sich, daß bie Beziehungen zu Italien iuieber an- geknüpst seien unb fragt, welche Rolle Frankreich im Orient spielen werde, wo ein allgemeiner Brand im Bal- langcbiet auszubrechen drohe. De la Fasse (unabhängiger Konservativer) bespricht die in Marokko herrschende Anarchie unb meint, daß bie Wiederbolten Ausstänbe doch auf europäische Jntriguen zurückzuführen seien. Rebner protestiert bagenen, bag man immerwährenb Angriffe gegen Deutschlanb unb Englanb richte. R o m, 10. Acarz. Der Papst empfing heute im Thron- saal die englischen Pilger, deren Wortführer in ihren Ansprachen bedauerten, daß die gegenwärtige Lage den Papst an ber freien Ausübung seines Amtes hinberten. Der Papst antwortete nicht. Die Pilger brachten reiche Gaben. Funchal auf Mabeira, 10. März. Chamberlain ist am 10. März vormittags angekommen. Er würbe von Mitgliedern der englismen Kolonie und zahlreichen Einhcimiichen begrüßt. . Die britischen und portugiesischen Kriegsschiffe saluüerten. Der Minister mar vier Tage gicht- krank. Er befindet sich wieder bedeutend besser. K o n st a n t i n o p e l, 10. März. Die auswärts verbreiteten Gerüchte im Zusammenhang mit der Auffindung uon Explosivkörpern bei Tscher keßkoei an der Eisenbahnlinie Koustantinopel-Adrianopel und die daran getnüpscen Vermutungen über einen beabsichtigten An- «chlag auf einen Bahnzug beruhen auf Uebertreibung. Man neigt zu ber Annahme,.baß es sich um einen Streich einer Person hanbelt, bie für bie Anzeige eines angeblichen Anschlages Auszeichnung unb Beförderung erhalten wollte. Ter Zugverkehr ist nicht unterbrochen. Der Dienst wirb regelmäßig weiter versehen. Aus Aluöl iinö Lail-. Oie Ben, 11. März 1903. * * I. Gr. H. Prinzessin Elisabeth von Hessen vollendet heute ihr achtes Lebensjahr. Mit ber Bevölkerung ganz Hessens beteiligen wir und an den Glückwünschen, die heute „unserem Prinzeßchen" in so reichem Maße bargebracht werden. * • Auszeichnungen. S. K. H. der Großherzog hat, wie uns telegraphisch aus Darmstadt gemeldet wird, am heutigen Tage, dem Geburtstage I. Gr. H. der Prinzessin Elisabeth, eine Reihe von Auszeichnungen an Dienstboten verliehen, und zwar u. a. das goldene Kreuz mit Brillanten an Veronika Friedrich in Laubach für 53jährige, und das goldene Kreuz an Sophie Jacobi in Frankfurt a. 9)1 für 26jährige treue Dienste in ein unb derselben Familie. • • Prämiierung. Ter Spediteur Louis Adam erhielt auf der Geflügelausstellung zu Köln einen Ehrenpreis und zwei 2. Preise auf dunkle Brahama und schwarze Langshan-Hühner. • • Aus dem Theaterbureau. Für die am Sonntag ausgefallene Vorstellung gelangt morgen Donnerstag den 12. ds. Mts. „Der Trompeter von Sättingen* zur Aufführung unb zwar als 2 0. volkstümliche Vorstellung. Tie am Sonntag gelösten Billets haben für Loge unb vordere Saalreihen Giltigkeit, sind aber an der Kasse ober bei Herrn Challier umzulauschen. ♦* Äanbibat ui Köhler. Wir lesen in der „Volks- wacht": Tie auf den letzten Sonntag nach Gießen von dem Hessischen Bauernbund unb dein Tcuischen Verein zu Gießen einberufene VertrauensmänneroeilamnUung war von 60 Personen, bie 35 Gemeinden vertraten, besucht. Anwesend waren der ieüberige Reichs- tagsabg. PH. Kötster unb ber t'anbtagsabg. Hirschei. Tte Verhandlungen leitete ber ^abdreieüorfigenbe Cito iiuft von Gießen. Nachdem der Abg. Bgmslr. Kohler sich bereit erklärt hatte, das Mandat wieder zu übernehmen, wurde ihm die Ranbibatur e» n ft i m in i g übertragen. Es wurde beschlossen, mit allen Krähen in bie Wahlagitation einzutreten unb bie ausgebehnle Aussprache der Vertrauensmänner ergab, daß die Aussichten die a 11 e r b e ft en sind. Eugen Nichter'S „Freif. Ztg." schreibt zur Kandidatur Köhler folgendes: Im Reichstag laßt sich dieser Abgeordnete ja doch nie bilden. Er Hal feit 1893 nicht mehr das Wort ergriffen unb in der ganzen letzten l^egLUaturperiobe 1 a fr sämtliche n a in e n 11 i ch e Abstimmungen versäumt. Au bet» Abstimmungen über den Zolltarif hat er nur m ber letzten Sitzung am 13. Dezember sich beteiligt. Ta Abg. Kohler nach dey. Versicherungen seiner antisemitischen Freunde an n n ü b e r w t iyb- lich er Abneigung gegen Berlin leidet, ist es gleichgutig, ob er der Deutsch-sozialen Neformpartei als Hospitant oder als Mitglied angehört. •* Auf der Landeskonferenz der freisinnigen Volkspartei für das Grobherzogtum Hessen in Frankfurt, von der wir gestern bereits kurz berichteten, waren sieben hessische Wahlkreise durch Delegierte vertreten. Die Besprechungen betrafen hauptsächlich die Aussichten in den einzelnen Wahlkreisen. Man einigte sich dahin, die Anstrengungen der Partei auf einige aussichtsvolle Wahlkreise zu konzentrieren. Die Kandidatenfrage wurde den einzelnen Wahlkreisen zur baldigen Erledigung anheim gegeben. Ter Central-Ausschuß der Partei für Hessen wurde neu gewählt, Derselbe besteht unter dem Vorsitz des Stadtv. Ferdinand Börkel in Mainz aus folgenden Mitgliedern: Landtagsabg. Reh-Alsfeld, Stadtv. Feistmann-Offenbach, Schlossermeister Bornemann-Alsfeld, Justizrat Gallus-Darmstadt, Landtagsabg. Dr. Gutfleisch-Gießen, LandtggS- abgeord. Langenbach-Darmstadt, Justizrat Metz-Gi^ßen, Landtagsabg. Damm-Friedberg, Rechtsanwalt Klein-Worms, Stadtv. Hanstein-Friedberg, Kaufmann Waltcr-Wornis. Kaufmann Wilh. Christ-Mainz, Lederhändler Wolf-Alzey, Redakteur Kcrsting-Ober-Ingelheim. Der Zentralausschuß der Partei war bei den Verhandlungen durch Abg. Schrnidt- Tlberfeld vertreten. R. B. Ernennung. Wie uns aus Darmstadt gedrahtet wird, ist unterm 10. d. M. der ordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Basel, Dr. Erich Bet he, zum ordentl. Professor in derselben Fakultät der hessischen Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April ernannt worden. R. B. Darmstadt, 10. März. Für heute abend hatte der hiesige Detaillistenoerein eine größere Versammlung einberufen, in welcher die Frage des Offenhaltens der Schaufenster an Sonntagen eingehend diskutiert wurde. Es handelt sich um die Abänderung des § 227 des Polizeistrafgesetzbuchs, der das Offenhalten der Schaufenster jetzt verbietet. Tie gut besuchte Versamnilung nahm nach einer längeren Debatte mit großer Mehrheit folgende Resolution an: «Tie von dem Vorstand des Vereins der Detaillisten am 10. März einberufene Mitglieder- uni) Jnteressenten-Versammlnng ermächtigt den Vorstand des Vereins, den von der Bürgermeisterei Gießen an die Landständc gerichteten Antrag, welcher dahin geht, den Art. 227 des Polizeistraigesetzbuchs, das Offenhalten der «chailfenster an Sonntagen betreffend, a u s z uh e b e n , in zu» stimmender Weise beizutreten, und zwar unter der Voraussetzung, daß 1) gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, welche den Ladenschluß derart anordnen, daß die von der Straße zu den Verkaufsräumen führenden Eingänge durch Rollläden, Vorthüren oder Gitterthüren und, wo diefe nicht vorhanden, durch Einhängen eines Vorstellladens direkt an die Thür derart anzuschlleßen sind, daß Zweifel über den Ladenschluß nicht entstehen könneii, und 2) daß die Beleuchtung der Schaufenster an Sonntag-Abenden einem Verbot unterzogen wird, da in der Bedienung der Be- leuchluiig zweifellos eine lästige Beschränkung der Sonntagsruhe zu erblicken ist." sch. Darmstadt, 11. März. Auf Vorschlag des Landgerichts-Direktors Dr. Richter kam in der Angelegenheit Schäfer-Mayer (vgl. Gerichtssaal in heutiger Nummer) folgender Vergleich zustande: Die Staatsanwaltschaft zieht ihre Berufung gegen das freisprechende Urteil zurück und die Staatskasse übernimmt die Kosten des Verfahrens der Berufung. Schäfer nimmt seine beleidigenden Aeußcrungen in dem Apell an die Stadtverordneten zurück und übernimmt die Kosten seiner Verteidigung. Diese Kosten trägt auch Mayer. Oberbürgermeister Morneweg hatte bei seiner Heu- tigen nochmaligen Vernehmung ausgesagt, daß es ihm nicht an einer Bestrafung, sondern nur an einer gerichtlichen Feststellung der Angelegenheit gelegen habe. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In M a i n z ist der Großindustrielle Silberwarenfaürikant Bernhard Albert Mayer von der Firma Martin Mayer im Alter von 72 Achren gestorben. Der Verstorbene gehörte der freisinnigen Partei als Vorstandsmitglied an. — Die Handelskammer Friedberg hat in Anbetracht der Unzulänglichkeit des hiesigen Amts- gerichtsgebäudes beschlossen, sich mit dem Ersuchen an Die Regierung zu wenden, durch einen entsprechenden Neubau die Mißstände zu beseitigen. Giro» als Klosterbruder? Die „Sächs. Arbeiter-Ztg." erhält folgendes überraschende Schreiben aus der Stadt Ninove in Belgien: Wir haben die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß Herr Andrö Giron, dem Rat seines Onkels, Beamten in Brüssel, folgend, soeben in unserer Stadt in das Trappistenkloster eingetreten ist. Der Rat: (Stempel, im Mittelfelde eine antike Frauengestalt zeigend, die in der Rechten die Fasces des Liktors (Beil und Rutenbündel, Abzeichen der Obrigkeit» gegen den Boden stemmt, in der Der Präsident- Linken einen Stab hält, darauf ein Ph. Nerevecoven. .Vogel sitzt. Im äußeren Ring die Worte: aDM. MUMCIP DU CANT, DB NINO VE (Gemeindeverwaltung deS Bezirks Ninove-. Das Dresdener sozialdemokratische Blatt bemerkt dazu: Wir können uns natürlich nicht dafür verbürgen, daß der Gemeinderat des belgischen Städtchens richtig informiert ist. Indes hat eine solche amtliche Meldung Gewicht, da der Behörde jedenfalls ausreichende Mittel zur Feststellung des Tatbestandes zur Verfügung stehen. Man darf deshalb die Meldung nicht als direkt unglaubwürdig beiseite legen, weil sie den letzten Aeußerungen Girons widerspricht, die eine Wiedervereinigung mit der Prinzessin in Aussicht stellten — von einer weltflüchtigen Stimmung also nichts zeigten. Trotz des amtlichen Stempels halten wir diese Mitteilung aus Ninove für sehr dunkel. Vielleicht ist sie ein schlechter Scherz. Die Ordensregel der Trappisten gebietet völliges Schweigen. Das halt Giron ja garnicht aus. Vermischtes. * Berlin, 10. Aiärz. Wie die „Tägl. Rundschau" hört, ist Oberleutnant von Grawert von der ostafri- kanischen Schutztruppe, der den Rechtsanwalt Aye-Flensburg im Zweikampf erschoß und die ihm Anerkannte Festungshaft in Magdeburg vor kurzer Zeit antrat, durch kaiserliche Kabinettsordre vom 2. d. M. begnadigt worden. 'u Köln, 10. März-. Ter „itoln. Volkszta." wird aus Ncimktrchen gemeldet: Ein halbwüchsiger junger Mann zündete das in einem besonderen Gelasse befindliche Sprengpulver eines Steinbruchbesitzers an; dasselbe explodierte und er flog mit demselben in die Luft. * Gleiwitz, 10. Diärz. Auf dem Bismarck-Schacht in Königshütte wurden bei Reparatur-Arbeiten am Montag nacht fünf Bergleute durch Zusammenbruch v er sch ü t- t e t. Einer derselben erstickte, während drei schwer und der fünfte leicht verletzt purbe. * Hamburg, 11. März. Der viel genannte ehemalige Lehrer des Kaisers ,Hauptmann a. D. L'Danne, ist aus der Irrenanstalt im Holsteinischen, in der er zuletzt interniert war, entwichen. Man vermutet, daß er sich in Hamburg verborgen hält. ♦ Bremerhaven, 10. März. Der der hiesigen Rhederei Köhler gehörige Fischdampfer „Baltrum", der sich seit dem 13. Februar in See befindet und seitdem nicht mehr gesehen wurde, gilt als verloren. Die Besatzung bestand aus 11 Mann. Die Zahl der feit Weihnachten verschollenen Fjfchdampfer der Weserflotte isst damit aus sechs gestiegen. * München, 10. März. Ein nicht unwahrscheinliches Gerücht besagt, die verurteilte Stiftsvorsteherin Elsa von Heusler habe sicherhängt. Rom, 10. März. Bei einem Eisenbahnunglück zwischen Rocca Secea und Zsoletta sind sechs Personen ums Leben gekommen, welche sämtlich dem Zugpersonal angehörten. Wien, 10. März. Zn Asch wurden gestern nach einem heftigen Erdstöße vom Nachmittag bis Mitternacht noch vier leichtere Erdstöße verspürt. Auch in Graslitz wurden gestern mehrere leichte Erdstöße verspürt. Die auswärts verbreitete Meldung von Spaltungen des Erdreichs in Graslitz ist unbegründet. * Bozen, 10. März. Von der Palagruppe stürzte ein Tourist, Namens Sperandis, ab und blieb t o t. EciWssaal. et. Marburg, 10. März. Unter ganz bedeutendem Andrange des Publikums, besonders der Studentenschaft, fand heute in einer bis in die späten Nachtstunden hmeindauernden Sitzung vor der hiesigen Strafkammer die 6tubenteiii|iiiain men- ro11ung, welche in der Nacht vom 14. zum 15. Dezember v. Z. stattfand, ein gerichtliches Nachspiel. Aui der Anklagebank faßen 9 Studenten, welche sich wegen Ruhestörung, grobem Unfug, Widerstand gegen die Polizei u. f. w. zu verantworten hatten. In der Nacht zogen bekanntlich etwa ein Dutzend Studenten singend auf den Mai-Uplatz. Als ein Schutzmann einschritt und Verhaftungen vorgenommen wurden, tarn es zu emer großen Volksversammlung. Es wurde gesungen, gejohlt und sonstiger Unfug verübt. Zn um= fangreichen Erklärungen machten die Studenten spater bekannt, daß die Polizei zu streng vvrgegangen fei und sogar einen der ihrigen gefesselt habe. Auch heute stellten die Angeklagten es so hm, als wenn sie gereizt worden seien. Tas Gericht ließ nach Vernehmung einer großen Anzahl Zeugen mehrere Anllagepunkte fallen und verurteilte fünf Angeklagte zu 5 Aik., zwei zu 30 2)1 f., einen zu 45 ML. und den letzten zu 90Mk. Geldstrafe. Ter Verhandlung wohnte ein höherer Regierungsbeamter aus Cassel und von hier die Spitzen der städtischen Behörden bei. Leipzig, 10. März. (Prozeß Exner.) Tie Geschworenen verneinten die Schuldfrage wegen betrügerischen Banker orts und Betruges, bejahten dagegen die Frage wegen Verschleierung und versuchten Betruges, verneinten jedoch die Frage, ob die Straftaten als eine Handlung anzusehen sind, sowie die Frage wegen mildernder U m ft ä n b e. Der Staatsanwalt beantragt eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine hohe Geldstrafe. Verteidiger Gordou er- fucht um mildes Strafmaß, außerdem darum, dem Angeklagten 19 Monate auf die Untersuchungshaft anzurechnen, da er die Zeit vom 23. Juli 1901 bis heute wider seine Schuld im Unter» suchungsgefängnisse zugebracht habe. Tas Gericht verurteilte daraus E. zu 2'/, Jahren GefänguiS und 20000 Mark Geldstrafe. 15 Atonale Untersuchungshaft kommen in Anrechnung. Handel und Verkehr. UolliLivlilschast. Bnderrusjche Eisenwerke zu Weyrar. Soeben ging uns der Geschäftsbericht der A.-G. für das 19. Geschäftsjahr 1902 zu. Ter Reingewinn des Jahres 1902 beträgt danach 497 251 Mk., die Dividende 5 pCt. (in den Vorjahren 7 und 9 pCt. Hinsichtlich der Aussichten wird im Jahresbericht folgendes ausgeführt: Tie gegen Ende des Vorjahres beschlossene Verlängerung des Roh- eisensyndikats, vorläufig bis Ende dieses Jahres, hat die Käufer von Rohe sen aus ihrer Zurückhaltung herausgelockt. Wir könneii heute feststellen, daß recht belangreiche Mengen Roheisen, zunächst vorwiegend für das erste Halbjahr 1903, abgeschlossen worden sind, und wenn, was wahrscheinlich ist, die Abjatzverhältnisse für das zweite Halbjahr ähnliche bleiben, so wird das Syndikat eine bemerkbare Steigerung des Roheisenversmides gegen das Vorjahr zu verzeichnen haben. Diese Annahme ist um so berechtigter, iveil die großen Vorräte, die im vorigen Jahre auf den 'Absatz drückten, allmählich in den Verbrauch übergegangen sind. Unsere Verlause in Roheisen für das Inland und Ausland, die ebenfalls hauptsächlich das erste Halbjahr 1903 berühren, beziffern sich auf 43193 Tonnen ohne Berücksichtigung des Selbstverbraiichs. Im vorigen Jahre waren 75 000 Tonnen für das ganze Jahr verkauft. Hiernach dürfen wir annehmen, daß unsere für dieses Jahr vorgesehene Roheisenerzeugung von etma 93 000 Tonnen nach Befriedigung des Eigenverbrauchs vollen Absatz finden wird. Auch im Röhren- geschält darf ein befriedigender Absatz zu angemessenen Preisen angenommen werden. Das Ergebnis des Grubenbetriebes wird sich gegen das Vorjahr ungünstiger acftalten, well die Erzpreise gefallen sind. Tas Zementgeschäft bietet für das laufende Jahr recht u n g ti n ft i g e A usfi ch t e n. £iuiiiniiFtJdJuTt. Frankfurt a. M., 10. März. Tic Jahresversammlung des Frankfurter landwirtschaftlichen Vereins fand unter' großer Beteiligung am. Samstagabend im Hotel Bristol statt. Der Lerernsvorsitzcnde 5JUimm von Schwarzenstein gab einen Rückblick über ba-? abgelaufene Geschäftsjahr, das' er als sehr günstig schilderte. Für die turnus^emäß ausscheidcnden zwei Vorstandsmitglieder wurde Herr Direktor Dvory und Ferdinand Haag gewählt. Nach Schluß der Jahresversammlung fand ein Festessen statt, an dem auch die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden teilnahmen. Hottrsdirnff der israelitischen ßeligwnsgesellschast. Freitag den 13. März: Purimfcst. Donnerstag abend 6.30, Freitag morgen 6J5. Sabbathfeier am 14 März 1903. Freitagabend 6.00 Uhr. Samstag Vormittag 8.30 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgang 7.15 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 7.00 Uhr, abends 6.00 Uhr. Ilcutllr jltiriuiuuu'ii. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 11. März. (Org.-Tel. d. Gieß. Anz.) Die Zweite Kammer bewilligte heute sämtliche im Etat dis Ministeriums de8 Znncrn und der Just z ver angten Bauten. Lei der Forderung „Grundbuch 2 5 0 0 0 0 Mk." entspann sich eine längere D batte, m der befklnders die o b e r- hesstschen Abgeoraneien dagegen sprachen. S^ließlich wurde ein von Leun gestellter Antrag aus Lewiltigmrg von nur 125 000 Mk. abgelehnt, ebenso ein Dertaguug?amrag Köhlers, und es wurden die 250 000 Mk. bewilligt. Fran kfürt a. M., 11. März. Tas 28jährige Dienst- mädchcn Lemmermann aus Darmstadt trank heute früh in selbstmörderischer Absicht Salzsäure. Sie starb nach wenigen Stunden im Krankenhause. Berlin, 11. März. Die riur-Methode des Magneto- p a t h e n Karl Pohl wurde in einer Verhandlung erörtert, die vor der 9. Strafkammer des Landgerichts I statt- fand. Ter Angeklagte behauptete, daß ihm eine magnetische Kraft inncwohne, die er durch Handbcwegungen auf die Kranken übertragen könne. Der Erfolg sei der, daß die Krankheiten von den Patienten in seinen eigenen Körper übergingen. Natürlich leide er selbst auch darunter, und deshalb sei es erklärlich, daß er sich für jede Sitzung ein Honorar zahlen lasse, welches sich je nach der Vermögens^ läge des Patienten zwischen 5 und 50 Mk. bewegte. Tic Belastungszeugen bekundeten übereinstimmend, daß sic schweres Geld nutzlos geopfert hätten. Der Gerichtshof verurteilte Pohl wegen unlauteren Wettbewerbs zu tausend Mark Geldstrafe. Dresden, 11. März. Wie die „Dr. N. N." aus Lindau melden, ist Prinzessin Luise nach Genf abgereist, wo sie von Lachcnal empfangen wurde. Sie wird in einigen Tagen nach Lindau zuruckt'ehren und auch vorläufig daselbst bleiben. Später wird die Prinzessin, mit bereits gemeldet, in England Aufenthalt nehmen. Leipzig, 11. März. Tie Staatsanwaltschaft wird im Prozeß Exner gegen das gestrige Urteil Berufung einlegen. London, 10. März. (Unterhaus.) Guest (kons.) verlangt Herabsetzung des Essektivbestandes des Heeres um 27 000 Mann und kritisiert dann die Heerespolitik der Regierung. Evans Gordon unterstützt diese Forderung. Goest tritt gleichfalls für die Herabminderung ein. Bowles sagt, man verteidige den Entwurf im Hinblick auf einen Ein fall Rußlands in Indien. Balfour" sagt, es scheine, dal; Bowles der Ansicht sei, er habe einen von Seiten Rußlands drohenden sofortigen ^infall in Indien im Sinne gehabt. Das sei die letzte Möglichkeit, an die er zu denlen wünsche. Er habe nur sagen wollen, daß, wie Frankreich die Möglichkeit eines Einfalles von Seiten Deutschlands, obwohl er nicht glaube, daß Deutschland i)ie gering )t e Absicht habe, Frankreich anzugreifen und wie Deutschland eine ( o I äi e vonSeiten Rußlands ins Auge fassen muffe, obwohl er auch an eine solche Möglichkeit nicht im geringsten glaube, ebenjo auch England, wie die anoeren Nationen, ade strategischen Möglichteiten berücksichtigen müsse. Rom, 11. März. Ter König erhielt eilte Depesche K ai ser Wilhelms, in welcher derselbe persönlich fein Eintreffen in Rom für den 2. Mai ankündigt. Wien, 11. März. Von Seiten des tumoerländischen Hofes werden alle Gerüchte von einem Heirats-Projekt des deutj chen Kronprinzen mit der Prim zessin Alexandra von Cumberland als nicht den Tatjachen entsprechend bezeichnet. Petersburg, 11. März. Als der Präsident des kaiserlichen Hofgerichts in Abo, der 67jährige Wirkst Staatsrat Strenge, auf dem Bahnhöfe in Helsingfors eintraf, wurde er von einer großen Menschenmenge, die ausschließlich den gebildeten Ständen angchörte, mit Zohlen und Pfeifen empfangen und unter aiihalteiipeu Beleidigungen durch die Straßen der Stadt verfolgt. Kein Hoiel wollte ihn aufnehmen. Es gelang schließlich Strenge, mit Hilfe der Polizei eine Droschke zu besteigen und ,ich zu Verwandten zu begeben, wo er Unterkunft erhielt. Die nachfolgende Menge wollte das HauS demolieren, begnügte sich aber schließlich damit, an dem Hause ein Schild zu befestigen mit der Aufschrift: Hier wohntder Verräter Strenge. Die Demonstration ist darauf zurückzusühren, daß Strenge sich im Gegensatz zu den meisten fifinländischen Gerichtsbeamten den neuen russischen Gesetzen fügte. Newyork, 11. März. Der Dampfer „Caramania' aus Marseille hat unterwegs zwei Mann der Besatzung und vier Passagiere verloren, die an einer unbekannten Krankheit geworben sind. Man befürchtet Cholera. Passagiere und Besatzung, insgesamt 1731 Personen, wurden in Quarantäne gebrachst ^ridlialkn öcr Aeöalilion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) B. in B. Jeder Bäckermeister, auch wenn er fein Meisterstück gemacht hat, kann Lehrlinge halten. Telephonischer Kursbericht. Keicnoamuihe . . 102.15 ! ßJ/u Mexikaner .... 4% Oesterr. Go drente 103.50 51.35 32.40 32.47 130.60 45.00 26.45 92.90 96.20 97.50 316 50 194.10 140.90 146.20 160.80 149.30 15.00 186.90 218.- 186.90 . 92.35 . 102.00 . 92.50 . 101 30 . 100.00 . 103.30 do. Konsole « do . . Hessen Oberhossen 378% 3% 37.% d% 37s% 4% /o Chinesen . . Electric, öciuckert « Nordd. Lloyd . » Kreditaktieu . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsgee. Oesterr. ßtaatsbahn . Lombarden . » . Gottbar.ibahn . . . Laurauütte . . . • Bochum . , « . a ilarpener ...... 177.40 Tendenz: Sti l aber fes>. 4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . . 47,56 Portugiesen . . •°/ Portugiesen. ... 1% C. Turnen . . . Türkenlose..... 4°lo Uneoh. Monopol.-Anl. 41 .% äussere Arirentmer 4‘ -% Oesterr. öilberrento 100.90 • ~ 102.20 Derdingung. Tie bei Bepflanzung der unteren Bahndamm-Böschung der West- und Nordanlage erforderliche Herstellung von rd. 77 qm Gosseirpstaster aus vorhandenem Niaterial soll Mittwoch, d. 18. März d.J. vormittags 11 Uhr öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der DienftstundenaufiinsererAmts- ftubc zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bet uns erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt verschlossen und mit entiprechender Aufschrift versehen, emzureichen. Gießen, 10. März 1903. Siädt. Tiefbauamt. Braubach. 2110 Verdingung. Die für bauliche Herstellungen im Bürgermeisteretgebäude erforderlichen Dachdecker-, Spengler-, Zimmer», Schreiner- und Weitzbindcrarbeiten sollen Samstag, den 14. d. Mts« vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Plan, Arbeitsbeschreibung u. Bedingungen liegen während der 'Amtsstunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 3, zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin bei uns cinzureichen — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 9. Riarz 1903. Städtisches Hochbanarnst I. V.r Gerbest 2071 Danksagung Giessen, den 11. März 1903. 2138 Für die virbn Beweise aufrichtitrer Teilnahme bei dem schweren Verluste unserer vielgeliebten Frau, Mutter, Grossmutter, Schwester und Tante sagen wir hiermit allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: C. W. Nowack. Bekanntmachung Aus dem Universuälsfonds können Ende ds. Mts. 17—18 000 Mart auf gute erste Hypothek ganz oder in Teilbeträgen ausge- liehen werden. Gießen, den 3. März 1903. Gr. Universitäts-Rentamt. Weimer. J1909 Bekanntmachum Die Lieferung der Bedürfnisse des Haftlokals für 1903/04: 5 Zentner Kornstroh, Reiser- bcsen, Petroleum, Reinigen der Cefen, Haarschnciden und Rasieren soll im SubmissionSweg vergeben werden. Angebote mit entsprechender Aufschrift sind zum Eröffnungstermin Donnerstag, 19. März l. I. vormittags 11 Uhr einzu- röichcn. 2128 Zuschlagsfrist 1 Woche. Lich, den 9. März 1903. 2er Vorsteher des Haftlokals. Bet der am Freitag den 20. d. Mts. vorm. 10 Uhr bei Wirt Friedrich Schmidt Hierselbst slattfindcnden Nutz- holz-Berstcigcrung werden ferner noch aus dem Gemeinde- wald Reiskirchen verkauft und zwar am Schlüsse: 2 Elchenstämmc I. Kl. ----- 6,39 Im; 17 11. Kl. = 27,68 tin u. 11 llt.Kl. = 9,49 im. 2122 Groß-Rechtenbach, den 9. März 1903. Das Bürgermeister-Amt. Versteigerung. Freitag den 20. und Sams- tag den 21. d. AUS. nachmittags 2 Uhr versteigere ich im Pjand- tofal Sellersiveg 11 gegen Bar- Zahlung: 1 Kastenwagen, 1 Billard, einen Kassenschrank, 2 Vertlkows, 2 9lähmaschiiien, mehrere Kommoden, Soias, Kleiberjchränke, 1 Sekretär, 1 Theke, 1 Gold- wage, 1 Standuhr, 1 Regn- lateur, 1 Spiegel, 1 Küchen- ichraiü u. v. tn. Gießen, den 10. März 190:3. 2124s Sier, stellv. Piandmeisier. Donnerstag, den 12. d. Mts. nachmittags 3 Uhr sollen dahier Neuenweg 28 Um Löwen) und Küchengeräte aller Art, ein Oekonomlewage>i, eine -l'artie Schrchwaren u. v. a. oerüeigcrt werden. 01107 Seipel, Gerichtsvollzieher in Gießen. Stabt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: 2078 (9 ult flrildi O Ufa. Aee- null Grassmell empfiehlt 2142 J. IW. Scnulhof. Heilung garantiert. Bettie öotoruger Eriolg bei je lern Alter u. Geschlecht durch neuestes, patentieite-r Verfahren. Zeugnisse u. Prospekte frei durch Herrn. Harburg, Frankfurt a. 11., Allerheiligenstr. 76. iice-Schule. Sonntag und Montag den 15. und 16. März, von 10 bis 5 Uhr, findet die 21 ne full miß Unserer Schülerinnenarbeiten statt. Zu zahlreichem Besuche ladet freundlichst ein 2137 Der Vorstand. Hierdurch beehre ich mich anzuzeigen, daß ich mein Büre au nach verlegt habe. Friedberg, im März 1903. 2119 Schröder, Rechtsanwalt. (Ludwiglitahe 6, part. Blitz! Blitz! Blitnbleiterfabrik FDienenthalYcH Siegen Paul s*rx Siegen Spezialität fett 45 Kahren — Z^räm tert und paknturt enwstehll sich zur Prüfung von Blitzableitern, sowie zur Ausführung von Neuaulagcu. Die Prüfung und Ausführung erfolgt nach den neuesten Vorschriften des Elektrotechnischen Vereins m Berlin. Bestellungen auf Prüfungen und Neuausführungen werden prompt 2120 und unter biUtgfler Berechnung ausgeführt. Biele Taufende Blitzableiter auogeführt. Blitz! Kein Blitzstrahl gezündet! Blitz! 011 lö| 3-Zunmerwohnung zu Dernuetcii vom 1. April ab, Nähe des Bahnhofes. 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Tremper sowie für die zahlreichen Blumenspeitden und für die liebevolle Pflege der barmherzigen Schwestern sagen innigsten Dank Todes-Anzeige (Sott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Gatten, unseren guten Vater Hm« Wilhelm Loh heute morgen um 4'/z Uhr im Alter von 57 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen Margarethe Loh, geb. Euler. Wilhelm Loh. Heinrich Loh. Mk. 2,70,1 Briefmarke, 1 Päckchen Nadeln Anhalt, Nähe vom Haupt« bahnhol gesund, worden. Z Frauifurtcr Hof, Resic 011U9| Ein zwciflamm. Gasherd mit eisern. Unterlagplatte, 1 Nähmaschine, 2 Bettstellen und 1 Tisch wegen Umzug zu verkaufen, Nordänlage 12, IV. IJflintvrah^Sn*0^ Fahrrad zu verkaufen. 01024s vmter der Westanlage 5. In Butzbach ist eine in bester Lage gelegene Hoiraite, in welcher früher Bäckerei betrieben wurde, alSbald zu verlaufen. Nähere Auskunft wird erteilt Gustav und sx Httineiril! 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