rS-Nch mH M SsmHaq«. .Gtehei Lamllicndlätlcr" werden dem A.l-etger v-erma wöchenttich bet-elegt. Der .^tlßsche tlÄÖetr*** erlchemi monatlich etnmaL Mittwoch, 11. März 1903 Eichener Anzeiger 153. ^ahrg. Wh N* etto****** tMf D »Ulfe für bm ®eC Rota klon sd ni <1 und Brrlog bet BeGtzk^» UnlorrtiiärSdnxtni (TuiH litt *■ — General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Urei; Siehe». Hochbau. Und bann darf man auch nicht außer Acht lassen, daß fähig Ui eine halbjährige WcrksiattpraxiS verlang: wird; während die Offü ziere der rechnischen Massen vor dem Besuch der Hochschule mindestens drei Jahre geDieni haben und nicht ohne technische Borkenntnisse auf die Hochschule kommen. also Einstimmigkeit. Aus dem Schreiben des Rektors unserer Hochschule haben Sie auch erfahren, daß die Hochschullehrer der Heeres- Verwaltung auf diesem Gebiet das.weiteste Entgegenkommen zeigen werden und die Errichtung von besonderen miluartechnischen Kursen für Energievcrtheilung, Automobilien u. dgl. zugcsagr haben. Da das Bureau zweifelhaft ist, muß Auszählung sratt- ftnden. Diese ergiebt die Anwesenheit von 172 Mitgliedern. Das Haus ist daher beschlußunfähig, die Sitzung muß abgebrochen werden. Präsident Gras Dallestrem setzt die n ä ch st e Sitzung auf 8% Uhr fest. (Fortsetzung der heutigen Bcrathung, zunächst mit dem nächsten Kapitel beginnend.) Schluß 3 Uhr. 280. Sitzung vom 10. März. 3^6 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt. Am Bundcsrathstisch: v. Goßler u. A. Die zweite Bcrathung des Militäretats wird beim Kapitel Militär-Erziehungs- und BildungS- Wesen fortgesetzt. Die Forderung der Regierung auf Errichtung einer militärtechnischen Hochschule ist von der Budget-Kommission abgelehnr. Dagegen hat diese zur Erweiterung des militärtechnlschen Studiums der Offiziere am Charlottenburger Polytechnikum einen übertragbaren Fonds von 50 000 Mk. bewilligt. Abg. Dr. Paasche beantragt, diesen Fonds zur Vorbereitung für eine an die Bereinigte Artillerie- und Ingenieur-Schule anzu- gliederndc militärtechnische Akademie für Weiterbildung von Ossizieren, die auf technischen Hochschulen vorgebildet sind, zu verwenden. Geheimrath Professor Müller-Breslau: In der Budgetkom- Eine Hauptfrage ist nun die: Sollen die für die neuen Leh^ stichle für nnlitärtechnischc Gegenstände erforderlichen Militär« lehrcr, etwa 12 an der Zahl, dem Lehrkörper der technischen Hochschule eingefügt werden oder nicht? In beiden Fällen ist ein Neubau erforderlich, da die technische Hochschule ohnehin an .Raummangel leidet und nicht ohne Weiteres eine neue Abtheilung auf, nehmen kann. Diese neue militärtechnische Abtheilung würde jedenfalls zum Theil dem Kriegsrntnistertum. zum Theil dem Kultusministerium unterstellt werden. Dtc Schwierigkeiten, die sich hieraus ergeben würden, iind in dem Briefe des Rektors unserer Hochschule genügenb auseinandergesetzt worden. Ich komme zum Schluß: Die Nothwendigkeit, eine größere Anzahl von Offizieren m fcen technischen Wissenschaften auSzubilden, wird von Niemand bestritten werden. Es ist nur die Frage, welcher Weg ist einzuschlagcn. Entscheiden^ Sie sich für den Weg, den die Kommission empfiehlt, nämlich dafür, Verhandlungen anzubahnen über eine entsprechende Erweiterung des Unterrichts an der technischen Hochschule, so verzögern Sic nur eine dringende Angelegenheit. Es gehört nach den bereits jetzt vorliegenden Aeuß.rungen von Lehrern der technischen Hochschule kein besonderer prophetischer Blick dazu, borauszuschcn, daß dttser Weg zu einer Absage seitens der Hochschule fuhren wurde. Das scheint auch der Vcrfaiicr jener Zu erörtern bleibt also nur noch die Organisation bc5 Unterrichts bezüglich der Borlcsungen der ersten und dritten Gruppe, nämlich der Vorlesungen über die allgemeinen Wissenscl? ten und über Gegenstände speziell militärtechnischer Art. F^r Leibe Gruppen sollen nach der Denkschrift der Heeresverwaltung ntue eigene Lehrstuhle errichtet werden. Hinsichtlich der Vorlesungen über die allgemeinen Wissenschaften, wie Mathematik, Physik, Chemie, Mechanik ist die Heeresverwaltung von der richtigen Voraussetzung ausge. gangen, daß der Unterricht in diesen außerordentlich wichtigen Lehr- gegenständen um so fruchtbarer ist, je kleiner bic Anzahl der Stubb rendcii ist. Denn nur dann ist es überhaupt möglich, bei der Stellung der Uebungsaufgaben auf den Jdeenkreis des Einzelnen einzugehen und au5 der Fülle des Lehrstoffs das für den künftigen Beruf des Schülers Wichtigste auszuwählen. Je kleiner der Schülerkreis, desto größer der Lehrerfolg. Mit diesem wichtigen Satze sollte man gerade bei der Organisation des Unterrichts in den grundlegenden Wissenschaften nicht au5 schlecht angebrachter Sparsamkeit brechen. Daß es schließlich möglich ist, die Offiziere in diesen Lehrfächern auf her technischen Hochschule zu unterrichten, muß zugegeben werden — aber nur mit dem Zusatz: insoweit Plätze verfügbar sind. Und daß dieser Zusatz nothwendig ist, beweisen unsere Besuchslisten. Wenn ein Vortrag über höhere Mathematik von 256 Studirendcn belegt wird, die zugehörigen Hebungen sogar von 261, wenn die Hörerzahlen für eine Physikvorlesung 345, für eine Vorlesung übet Chemie 331 betragen, so darf man wohl von UebcrfüQung reden. Und diese Zahlen unterstützen gewiß bic Forderung her Heeresverwaltung, auf der geplanten neuen Hochschule eigene Vorlesungen cinzurichten. technischen Gegenständen unbedingt Offizieren übertragen werden muß, bic aus dem Born eigener Erfahrung schöpfen und die neben der wissenschaftlichen Autorität auch die Autorität des in diesen speziellen Fragen erfahrenen Praktikers besitzen. Und Offiziere, die zu diesem Lehramt befähigt sind, hat es in der deutschen Armee zu allen Zeiten gegeben. Ihre Aufgabe ist es. Schule zu machen, und ihr Wissen und Können dem jüngeren Nachwuchs zu übermitteln. Und diese Aufgabe ist von so großer Wichtigkeit, daß el sich wohl lohnt, dem Beispiel anderer Staaten endlich zu folgen und der Militärtechnik ein eigenes Heim zu gründen. Ich weise auf Rußland hin mit seiner vortrefflich geleiteten Nicolau»-In- genieur-Akademie, die unserem Nachbarreiche Ingenieure liefert, deren glänzende technische Leistungen in Asien bic Bewunberung der Fachwelt hervorgerufen haben. Der Lehrgang an dieser Aka- demie ist nur zweijährig und doch hat die Akademie große Erfolge erzielt. Der Plan der hier zur Bcrathung stehenden militär- technischen Akademie sieht einen dreijährigen Lehrgang vor, und trotzdem hat man unter Hinweis auf den vierjährigen Lehrgang an der technischen Hochsc^ile behauptet, daß man in 3 Jahren nur Dilettanten hervorbringen könne. Die Techniker können für diese Kritik nur dankbar fein; sie zollt der geistigen Arbeit des Ingenieurs die Anerkennung, die ihr lange gefehlt hat, denn cd gtebi viele Berufe, die sich mit dem akademischen Trienmum begnügen, und in dem vorliegenden Falle genügt baS Triennium ebenfalls, weil sich bei den Offizieren eine noch weiter gehende Spezialisirung bemerkbar macht, als an unseren Hochschulen, und zwar eine Spezialisirung, bic burchauS berechtigt ist. Für bic Offiziere her Verkehrstrutwen z. B., deren Studium sich am besten mit dem unserer Bauingenieure vergleichen läßt, fallen aus dem Studien- plan der letzteren eine ganze Reihe schwieriger Fächer fort, wir bic Entwässerung und Bewässerung bet Städte, der städtische Sttaßcnbau, der Fluß- und Kanalbau, der Hafenbau, der Eisen- schäften Lehrstühle übcnwmmen an dieser von echtem wissenschaftlichen Geiste getragenen Schule, welche der ftanzösischen Armee hervorragende Generale und der Welt berühmte Gelehrte vorgebildet hat. Auf diese Schule ist auch der große Einfluß zurückzuführen, den französische Jngcmeuroffiziere auf die Entwickelung wichtiger Gebiete der technischen Wissenschaften ausgeübt haben. Ich kann Sie versichern, daß Alles, was in Sachen her allgemeinen Wissenschaften gegen die Vorlage der Heeresverwaltung vorgebracht worden ist, durch Thatiachen aus der Geschichte der Wissenschaften leicht widerlegt werden kann. Namen, wie Navier, Morin, Pon- celet, Carnot, denen sich noch eine große Zahl ausgezeichneter Gelehrter anreihen ließe, die alle aus dieser militärischen Schule hervorgegangen sind, leben doch eine deutliche und überzeugende Sprache. Nun komme ich zu bem springenden Punkt in dem hier waltenden MeinungSunterscl> ehe: zu Den Vorlesungen über militär- technische Gegenstände. Es ist behauptet worden, cs gäbe keine Militärtechnik. Die Wisienschaft sei einheitlich, und schon aus diesem Grunde dürfe man von feiner militärischen und civilen Wisienschaft reden. So darf man nickt schließen. Man sollte über eine Wissenschaft überhaupt nicht urteilen, bevor man in sie eingedrungen ist. Die Arbeitsweise der technischen Wissenschaften ist die- lelbc wie die aller älteren craltcn Wissenschaften. Es werden allgemeine Sätze ausgestellt und durch das eiw^andsfreie wissen- schas^iche Experiment gestützt; und von dieser sicheren Grundlage aus c. folgt dann die Untersuchung bet speziellen Fragen — der Äan%.[ mit den sich oft widersprechenden Bedingungen. Hier beginnen erst die Schwierigftitc.i; in ihrer Ueberwindung mutz bet ausgehende Ingenieur gründlich geschult werden, soll anders er zu selbständig schaffender Arbeit erzogen werden. Und daß cS eine wissenschaftliche Militärtechnik, ganz eigenartige Sonbcrfragcn und Bedingungen giebt, und daß dieser Zweig her Technik sogar mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, muß Jeder zugeben, der auch nur einem einzigen der vielen noch schwebenden wissen« schaftlickcn Probleme auf diesem Gebiete naher getreten ist. Die Schulung der Offiziere in der Ucrerwindung dieser Schwierigkeiten muß sogar eine besonders gründliche fein, weil e» sich im Kriege meist nicht nur darum handelt, komplisirrc technische Ausgaben zu lösen, sondern darum, sie sehr schnell und ohne die vielen Hilf-« mittel zu lösen, welche dem mit größerer Ruhe arbeitenden Eivil- ingenicur zur Verfügung stchcn. genügt, um nur cm Beispiel anzufüyren, auf bic den VerkchrStruppen zufallenden Aufgaben hin- zuweisen, die durch Sprengung weitgespannter Srromvruckcn her- ocrgcrufcncn Unterbrechungen der Schienenwege m kürzester Zeit zu beseitigen, und ich erinnere an bic unzulänglichen Leistungen, bic tm ftanzösischen Kriege lediglich daher rührten, daß eS der | Armee an Offizieren fehlte, ■ die den schnellen Bau von KriegSdrueken in langjähriger FriedenSzett auSgcbildet und geübt hätten. Selbst bei verhälmißmäßig schmalen Flüssen, wie bic Mosel bei Charmes, bic Oise bei Chantilly, entstanden monatelange Verkehrsstockungen. Und nun stelle man sich vor, welche Schwierigkeiten erst breite Strome verursachen werden. Bei der Vielgestaltigkeit des Terrains giebt es kein festes Schema, selbst bas torbcrciictc, fertig m3 Feld mitgenommene Brückenmatcrial muß den verschiedenen Situationen angeschmiegt werden. Ich versichere Sic, daß auf diesem Geb' , daö ich genau kenne, Aufgabe« auftreten, die ein hohes Maß s. -rischer Arbeit verlangen und nur von einem gewiegten Militäringenieur schnell und sicher erledigt werden können. Tie Civiltechnik kommt hier nur soweit in Frage, alö sie dem Offizier das Werkzeug schmiedet, und selbst dies kann sie nur unter der Mitwirkung technisch geschulter Oftizierc. Daß ein« zclne Offiziere nach wie vor zur technischen Hochschule abkommandirt werden, um sich gründlich mit der Cwiltcchnik vertraut zu machen. Mission herrscht volle Einstimmigkett darüber, daß der große Einfluß der Technik auf die heutige KriegSfuhrung die Verbreitung gründlicher technischer Kenntnisie in der Armee unerläßlich mache. Stur über die Organisation dieses Unterrichts in den technischen Wissenschaften gingen die Meinungen auseinander. Tie eine Sette unterstützte die Forderung der Heeresverwaltung, eine militär» technische Hochschule zu errichten, welche auf gewissen allgemein- technischen Gebieten Der technischen Hochschule zu Charlottenburg angegliedert werden soll, für die aber tm Ucbrigcn selbständiges Wirken unter Leitung des Kriegöministeriums geforbeti wirb. Die andere Seite dagegen erklärte, daß bic Oftizicre in ben technischen Wissenschaften nirgend besser ausgebildet werden können, als auf der technischen Hochschule, und empfahl eine entsprechende Erwette- rung bc5 Unterrichts in dieser Hochschule, damit sie den Anforbc- rungen der Militärtechnik genügen könnte. In letzter Stunde ist noch eine dritte Lösung vorgeschlagen worden: bic Angliederung dieses technischen UntcrrichtöwescnS an die Vereinigte Artiüeric- und Ingenieurschule. Ich bin nun aufgeforbert worben, die beabsichtigte Organisation bicscs milttärtechnischen Unicrrichts hier näher zu erläutern, unb thue bics auf Grund meiner Erfahrungen, die ich in einer längeren Reihe von Jahren sowohl bei der Bearbeitung wichtiger militärtechnischer Ausgaben als auch namentlich bei dem Unterricht von zur polytechnischen Hochschule alnommandirten Offizieren gesammelt habe. Daß ich mit meinem Unheil nicht allein dastehe, werden Sie erkennen, wenn c.t m.inc Auk . erungen mit dem Inhalt des.Briefes vergleichen, den der 9LL unserer Hochschule an den Kultusminister in dieser " ;agc gcriä t.t hat unb der in ben Drucksachen Ihnen zugegaugen ist. Er enthält die Ansichten mehrerer Hochschulen. Um gleich von vornherein ben Punkt anszuscheiben, worüber ein Mclnungsuntcrschieb nicht besteht, muß ich bie burch den geplanten Lehrgang nothweiidig werbenden Vorlesungen in drei Gruppen sondern. Tic erste Gruppe umfaßt b.c grunblcgcnbcn aDgmeuicn Wissenschaften, wie Mathematik, Phy, I, Chemie, Mechanik, Der zweiten sind alle Vorträge üuer Lehrgebiete von allgemein technischer Bedeutung zugewiesen, wie Elclttotechnik, Eisenbahnvcrkehrsmtttel, Matcrtalienkundc, Prüfungswesen, und d.e < v ; ---— dritte Reche enthält die Vorlesungen über speziell militärtechnische "eser .in vorbereitender FriebenSarbcit «züylung zu nehmen, Wissenschaften. Die Vorlesungen der zweiten Gruppe, das sind also ? aI“ zweckmäßig unb sogar nothwendig zu bezeichnen und seitens di- ollg-mcin-t-chmsch-n, foUtn n°ch d--n Entwurf d-r fceetcSbet« ...............-...... waltung nach wie vor auf der technischen Hochschule zu CShai: t.en- burg gehört werden. 1* ' ' ' " “ Parlanieiitarischc VcrhanSln»qcii. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Neickstaq. 2 7 0. Sitzung vom 10. März. 1 Uhr. Das Hans ist schwach besetzt. Am BundesrathStisch: v. Goßler u. A. Die zweite Berathung des Militär-Etats wird fortgesetzt beim Tttel „Sächsischer Kriegsminister". Abg. Dr. Ccrtcl skons.j wünscht eine bessere Bezahlung der Erpcdlenten, Registtawren und Kalkulatoren im sächsischen Kriegs- muuftcrium. Die weit schlechter gestellt wärentz als die gleichen Beamten in Preußen. Die Beseitigung dieser Inkongruenz würde nur 20 000 Mk. erfordern und hoffentlich im nächsten Etat erfolgen. Der Titel toirb bewilligt, ebenso eine große Reihe weiterer Titel. Beim Kapitel »Mttitär-Justizverwaltung" hat die Kommisiion 9 Mttttär-G.richtsschreiber gestrichen. Abg. Beckh (freif. vp.j erzählt eine Affäre, Du ihm vor einem Militärgericht passirt sei. Er habe als Vertheidiger die Aussage eines Offiziers angezweifelt und sei Darauf vom Vorsitzenden zur Ordnung gerufen, doch fei Der Ordnungsruf wieder zurückge- nommen. In Braunschweig sei es wegen cincs ähnlichen Zwischenfalls fogar, zu einem Llonflitt zwischcli Dem Vcrhandlungsleiter und dem Staatsanwatt gekommen. Solche Vorfälle zeigten doch, daß das bisherige Milttärsttafverfahren unhaltbar fei, nur Juristen dürften daher Vorsitze,ide und Vcrhandlungsleiter sein, das ganze Verfahren müßte daher reformirt werden. Abg. Kirsch sCentt.) bemängelt Die Kostspieligkeit der militär- gerichtlichen Untersuchungen. Aba. Hieb ermann von Tonnenberg sAntis.) führt aus, daß er in der Dritten Lesung den Antrag stellen werde, die gestrichenen Schreiber stellen doch zu bewilligen. Da diese Stellen durchaus nöchig wären. Der KomniisiionSbeschluß wird angenommen, ebenso eine Reihe weiterer Kapitel. Beim Kapttel „Geldverpflegung Der Truppen" hat Die Kommiss wn Die geforderte Gehaltserhöhung für insgesammt 205 Stabsoffiziere lOberstleutnants) im Gesammtbclrage von 372 600 Mark gestrichen, ferner fjat Die jiommission 6 Offiziersstellen gestrichen. Tie Abga. von Skormann skons.), von Karborff sReichsp.) und Büsing knat.-lch.j beantragen. Die geforderte Gehaltserhöhung für bic Stabsoffiziere doch zu bewilligen. Ter Berichterstatter Abg. Graf Roon skons.) referirt über Die Verhandlungen der Kommission und weist Darauf bin, daß bic gestrichenen Stellen ttn Zusammenhang mit Dem gestrichenen (stob für die Jäger zu Pferde in Posen in Verbindung ständen. Abg. von 9wrmann sdeutschkons.) begründet feinen Antrag. Das Haus solle au§ Gerechtigkeitsgründen demselben seine Zustimmung nicht versagen. Für Preußen handle es sich nur um ISO Offiziere, für Sachsen um 16, für 2Bürtanberg um 9, Die sännntlich na_i) 30jäbrigcr vorurtheilsfteier Dienstzeit (Heiterkeit) p.-ohl Die kleine Gehaliserhöhung von 1350 Mk. bcrDient hätten. Abg. Roeren sCeittr.) bittet, es bei Dem Kommissionsbeschluß XU belaßen. Man Dürfe rntt Dem Grundsatz, daß das etalsrnäßige Gehatt nur an Inhaber etatörnäßiger Stellen gezahlt werde, nützt brechen. Cs hairdle sich ja nickt um eine Gehaltserhöhung für Die Oberstleutnants, sondern nur für 205 Oberstleutnants, Die zum Kommandeur qualifyirt feien. Man würde ein bedenkliches Prä- cebenS für Die Militär-, wie für Die Civilstcllcn überhaupt schaffen. Man warte lieber bis zum nächsten Jahre, DaS eine Beendigung des Quinquennats und eine neue Militärvorlage bringen werde. Da hätte man Gelegenheit, auch diese Härten zu beseitigen, ohne einen bedenklichen Weg zu gehen Abg. von Tiedcmaiin «Rcichsp.) tritt für den Antrag Normann ein. Es sei doch eine große Ungerechtigkeit, daß so hohe Offiziere jetzt zehn Jahre lang beim selben Gehalt bleiben müßten, obgleich doch Die gesammte Lebenshaltung inzwischen weit thcurer geworden sei. Abg. Dr. Paasche snat.-lib.) hält im Jntcresie der Schlag- fertigfeit unserer Armee die Annahme des Antrags Normann für nöthig. Ein ctatsrechtliches bedenkliches Moment könne man hier nicht erblicken. Abg. Dr. Müller-Sagan, (freif. Vp.) tritt für den Beschluß der Kommission ein. Kriegsminister von Goßler: Einer der Herren Vorredner hat gesagt, man solle jetzt nicht solch eine Mehrausgabe beschließen, weil eventuell im nächsten Jahre nach Ablauf des OuinguennatS ohnehin Neuausgaben nothwendig sein werden. Ich bin im Gegen- theil der Ansicht, daß gerade jetzt, wo wir bic Erfahrungen über die Wirkungen des OuinguennatS gesammelt haben, ausgleichende Gercchttgkeir zu üben ist. Und eine Ungerechtigkeit liegt zweifellos vor. Ich bttle Sie daher, eS bei der ursprünglichen Vorlage zu belassen, indem Sic dem Anttag Normann Ihre Zustimniung geben. Hiermit schließt die Diskus ton. Abg. Roeren ((Str.) beantragt, die Av' nmung Über die ®c> Haltserhöhung der Oberstleutnants nrit Rücksicht auf die etwas schwache Besetzung des Hauses auszusetzen. Wg. Singer (Soz.l bezweifelt hierauf die Beschluß- k e i t des HauseS. der Heeresverwaltung in ihrer Denkschrift auch vorgesehen Der UU| M.UIIUIUIUH AWWIUIUIC ÄU cua r cn- a6ct‘' aIlc in den technischen Wissenschaften auszubildenden Ud)ct tiefen Sßunft bcs ^togtamme hcrticht Eff^cre b“ Hnchfchllle zu schicken mnb als ungangbar " - • — — ° - - bezeichnet werden. Die Offiziere müssen sich jetzt aus umfangreichen Vorlesungen über Civiltechnik das für ihre Zwecke Brauchbare mühsam hcraussuchen; sie verlieren damit sehr viel Zett. Und auf bie Leitung ihrer Spezialstudien durch Lehrer, die mit den schwttrigen Bedingungen militärtcchnischer Aufgaben genau vertraut sind, müssen sie - ij verzichten. Wenn einmal ein einzelner Professor da ist. Der zufällig auch auf militärtechnischem Gebiete gearbeitet hat, so ist das nicht von ausschlaggebender Bedeutung; dieser Professor bleibt nicht ewig in seinem Amte, er kann auch jederzeit einem Rufe inS Ausland folgen, und es ist zweifelhaft, ob die Heeresverwaltung seinem Nachfolger sofort das gejammte dienstliche Material zur Verfügung stellen und ihn ohne Weiteres zu den Übungen der technischen Waffen zulasien wird, um ihn dadurch zu befähigen, nach gründlichen Studien dieser Unterlagen seine Aufgabe einigermaßen zu lösen. Meine mehrjährigen Erfahrungen beim Unterrichten von zur Hochschule ablommanbirtcn Offizieren haben mich davon überzeugt, daß der Unterricht in den militär* Die von der einen Seite ausgesprochene Befürchtung, daß Die Gewinnung von Civillebrcrn für diese Wissenschaften viele Schwierigkeiten beretten würde, weil schon Der militärische Zwang ihnen unangenehm fein wurde, ist ganz unbegründet. Es würde im Gegenrheil Die Errichtung neuer Pflegesiättcn für diese Wissenschaften in den beteiligten Kreisen nur mir Freuden begrüßt werden. Die Anzahl etatmäßiger Hochschulstcllcn für Mathematiker, Physiker und Chemiker ist eine verhälmißmäßig geringe, und manche hervorragende Kraft würde durch eine Skrmctjrung dieser Stellen für Den akademischen Beruf gewonnen werden. Und warum soll schließlich unter dem preußischen jiriegsminiircr nid)' das möglich fein, was sich unter dem französischen Kriegsminister fo glänzend entwickelt hat? Ich verweise auf Die berühmte Ecole polytechnigue in Paris, Die, sotvctt Die allgemeinen Wissenschaften und auch einzelne technische Fächer in Frage kommen, hier in Parallele gestellt werden Darf. Bei dieser Schule Darf man in Wirklichkeit ‘ 4 rJrh-t SirtriXr hrr realschulen auß bic Hochschule beziehen, mit Ausnahme Der Stu- Ä ZLl' DirenDen Der Abtheilung für Maschinenbau, von Denen mindesten. Resolution eingesehen au haben. Vor einigen Tagen noch forderte er für die Militärtechnik unbedingt den Unterricht an der Technischen Hochschule; beute begnügt er sich mit der Angliederung an bte vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule, an eine der Kriegsakademie nicht gleichgestellte Anstalt, die nur bestimmt ist, jungen Offizieren die für den Frontdienst nötbigen Kenntnisse zu geben. Es ist aber nicht zu bezweifeln, baß es für das Ansehen und dasHand in Hand hiermit gehende Gedeihen der militärtechnischen Wissenschaften besser ist, sie auf einer besonderen Akademie zu pflegen, welche der Kriegs- akademie in derselben Weise selbständig zur Seite steht wie die Technische Hochschule der Universität. Liegt Ihnen an der Schlag- fertigkeit unseres Heeres auf militärtechnischem Gebiete, und wollen Sie verhüten, daß uns andere Staaten vollständig den Rang ablaufen, dann nehmen Sie die Vorlage der Heeresverwaltung an. lBeifall.) , Abg. Dr. Spahn sCentr.*) beantragt mit Rücklicht auf die neuen, erst jetzt bekannt gewordenen Thatsachen, die der Vorredner mitgetheilt habe, diese Position mit den dazu gestellten Anträgen an die Kommission zurückzuvcrweisen. Tann würde die Sache in gellärter Form wieder an das Plenum kommen. Der Antrag Spahn wird angenommen. Die Position wird qurückverwiesen. Abg. Eickhoff streif. 93p.) wünscht eine Besserstellung der Lehrer an den Kad ttenanstalten. Generalmajor von Einern dankt für die Anregung und erklärt, daß er sich deswegen mit dem Reichsschatzamt in Verbindung setzen werde. Abg. Eickhoff ffreif. Vp.) befürwortet sodann eine Resolution, in welcher der Reichskanzler ersucht wird, tm nächsten Etat dafür Sorge zu tragen, daß die seminaristisch gebildeten Lehrer an den Unteroffiziersschulen, den Unteroffiziervorschulen und dem Militar- Knaben-Erziehungs-Jnstitut den seminaristisch gebildeten Lehrern an den Kadettenan st alten bezüglich ihrer Besoldung gleichgestellt werden. Abg. Graf Gartner lkonsi) spricht sich „aufs Wärmste" für die Resolution aus, ebenso bte Abgg. Dr. Arendt lReichsp.) und Abg. Dr. Paasche lnat.-lib.). Die Resolution wird hierauf mit großer Majorität angenommen Tas Kapitel wird bewilligt, ebenso debattenlos einige weitere Kapitel. Beim Kapitel „Artillerie und Waffenwesen" wünscht Abg. Pauli sb. k. Fr.) die Besserstellung der Techniker in den Artilleriewerkstätten, und bespricht sodann die Arbeiterverhältnisie in Spandau. Tie Löhne in den niederen Lohnklasien seien zu gering, davon könnte bei den theuren Lebensverhältnisien Spari - oauS ein Familienvater nicht bestehen. Außerdem würden noch häufig Abzüge gemacht. Ungerecht sei es auch, daß Arbeiter, die in einen anderen Betrieb versetzt würden, dort mit Dem niedrigsten Lohnsatz anfingen, selbst wenn sie schon zehn Jahre in den königlichen Werkstätten gearbeitet hatten. Ein weiterer Mißstand ist, daß. wenn Konferenzen stattfinden, die Direktion die Arbeiter bestimmt, die daran theilnehmen sollen; man müßte es doch den Arbeitern selbst überlassen, ihre Vertrauensmänner in die Konferenzen zu entsenden. Die Arbeiterschaft in Svandau betrachtet mich als ihren natürlichen Vertreter, denn ich bin ein schlichter Mann aus der Werkstatt. sHeiterkeit.) Deshalb bitte ich die Regierung und das hohe Haus, erfüllen Sie die Wünsche der Spandauer Arbeiter. Abg. Bebel sSoz.): Dem Vorredner kommt etwas s 'ät die Erkenntniß, daß er der schlichte Mann aus der Werkstatt ist. Jedenfalls ist er nicht von den Arbeitern Spandaus gewählt, sondern von der Landbevölkerung; ob er noch mal gewählt wird, ist die Frage. An den Kriegsminister richte auch ich die Anfrage, wie e§ mit der Neuformirung unserer Feldartillerie steht. Vielfach ist nämlich die Behauptung aufgestellt, daß unsere bisherigen Feldgeschütze nickt genügten und unsere ganze Feldartillerie neu bewaffnet werden müßte. Die französische Armee besitzt jetzt schon die sogenannten Rohrrücklauf-Geschütze und Schutzschilder gegen daS Kleingewehrfeuer; diese Geschütze sollen die besten der Welt sein. In vielen Blättern ist mtn schon gesagt, wir müßten nachkommen. Es scheint hier wieder die beliebte Plötzlichkeit in Aktion treten zu sollen, die Vorbereitungen sollen schon im Gange sein, um mit großer Schneidigkeit neue Geschütze bei uns einzuführen. Die Militärverwaltung kann da? ruhig thun, ist sie doch der Mehrheit des Reichstages sicher. In der Kommisiion ist gesagt worden, daß die Firma Krupp von der Militärverwaltung zu sehr begünstigt sei, erst nachdem eine Konkurrenzfirma auf dem Plan erschien, seien die Preise von 44 auf 24 Millionen herabgedrückt. Die Firma Krupp hat also Jahre lang hindurch Wucherpreise genommen unb das beutsche Reich ganz gehörig betrogen. Tas ist der Patriotismus der Herren! Es ist leicht, patriotisch zu sein, wenn man dabei Millionen verdient. Auch der sogenannte Pulverring hat dem Reich ungeheure Summen abgenommen, ebenso die Firma Ludwig Lowe u. Go., der Vorsitzende des Aufsichtsraths dieser Gesellschaft ist der frühere Minister von Thielen. Auch Minister Budde ist Direktor bet Ludwig Löwe gewesen. Tie großen Fabriken suchen Itch eben mit Vorliebe solche Leute aus, von denen sie sich einen Einfluß auf die Regierung versprechen. EZ ist um so schwerer, sich diesen kapitalistischen Vereinigungen zu entziehen, al? diese auch einen großen Einfluß auf die Parlamente haben. Die deutschen Steuerzahler müsien aber Millionen über Millionen zu Gunsten dieser Herren zahlen, die sich dazu noch fortgesetzt in die Toga des Patriotismus hüllen. Kriegsminister von Goßler: Dem Abg. Bebel merkt man an, daß er der Bugdetkommission nicht angewohnt hat. Denn all die Fragen, die er gestellt hat, sind dort eingehend beantwortet worden. Auch wurde allgemein anerkannt, daß es sieh um vertrauliche Mit- tbeilungen handle, die nicht in die Oeffentlichkeit gehörten. Auf die Berichte der Presie kann sich Herr Bebel nicht berufen. Um ein neues Geschütz handelt es sich gar nicht, es sind nur Versuche gemacht worden mit aftirten Lafsetten, das Weitere ent-iehf sich der öffentlichen Besprechung. Tann hat Herr Bebel die Firma Krupp angegriffen. Diese Angriffe sind ganz ungerechtfertigt, die Firma hat sich die größten Verdienste erworben um Deutschlands Wehrkraft. Dann hat Herr Bebel einige Zahlen aufgetischt, die nur von den Agenten einer bestimmten Fabrik einzelnen Abgeordneten gegeben sein können. Tie Richtigkeit dieser Zahlen ist nach keiner Richtung bin erwiesen. Wenn ihre Richtigkeit überhaupt erwiesen fein soll, so soll der Mann mit seinem Namen hervortreten und mir die Zahlen geben, aber hinter dem Rücken de? Reichstags mit Zahlen hervorzutreten. ist unredlich, und es nt für die Verwaltung gan* unmöglich, auf solche Zahlen bin irgendwelche Schlußfolgerungen zu basiren. Tann bat Herr Bebel es durchblicken lallen, er Hai den Verdacht geäußert, daß wir der Firma Krupp Millionen in die Hand gedrückt hätten. Wie will er das beweisen? Das kann er gar nicht. Wenn ein Unterschied zwischen den Zahlen besieht, fo liegt das daran, daß inzwischen technische Erfindungen gemacht sind, die die Preise berabdrückten Deshalb rur sind die Brei le geringer geworden. Wie es Bebel wagen kann, die Firma anzugreifen, das überlalle ich seinem Urtbeil. außerhalb de§ Hauses würde er das wobl nicht thun. s?lbg. Bebel ruft: Tas ist meine Pflicht als Abgeordneter. Präsident Graf Ballest rem rügt die Zwischenrufe.) Mer all dies ist schon in der Kommission gesagt worden. Die Kommission hat eine Resolution angenommen, in der die freie Konkurrenz gefordert wird. Das hört sich ja sehr schön an, aber die freie Konkurrenz schafft nur eine Ringbildung. Denn wenn die großen Fabriken keinen ständigen Mnehmer haben, dann thun sie sich zu einem Ring zusammen. Jeder große Staat muß eine große Fabrik haben, auf die er sich verlassen kann. Unsere Staatswerkstätten allein genügen nicht. Jeder große Staat hat eine solche große Fabrik zur Seite. Die Firma Krupp hat uns stets gut bedient, ohne die Firma Krupp hätten wir die großen Kriege nicht gewinnen können. sZusiimmung rechts.) Das ist gar nicht zweifelhaft, die Firma hat uns nie getäuscht, ihre Lieferungen sind alle vorzüglich gewesen, das kann ich von anderen Fabriken nicht sagen. Die Angriffe gegen diese Firma sind ja nicht neu. s?lbg. Bebel ruft: Das habe ich schon 1896 gethan. Präsident Graf Balle st rem : Mer, Herr Bebel, das können Sie ja Alles nachher sagen. Große Heiterkeit.) Mer ich wiederhole es, alle diese Fragen sind eingehend in der Kommission besprochen worden und ich kann nur schließen, zu den Angriffen auf die Firma Krupp war gar keine Veranlassung, die Beschuldigungen, die er ausgesprochen bat, fallen auf ihn selbst zurück. 9Ibg. Singer (Soz.): Mein Freund Bebel hat hier keine Dinge berührt, die in der Kommission als vertraulich bezeichnet worden sind. Aber der Kriegsminisier hat dies soeben gethan. Von uns ist noch nie etwas in die Oeffentlichkeit gekommen, das in der Kommission als vertraulich behandelt worden ist. Der Minister scheint aber den Anschein erwecken zu wollen, als wenn das doch geschehen sei. In der Kommission bat der Kriegsminister gesagt, die Konkurrenz habe verbilligend gewirkt, und jetzt behauptet er, neue technische Verbesserungen hätten dies verursacht. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Goßlcrt Herr Singer hat doch anerkannt, daß seine Partei dasjenige verschwiegen hat, was in der Bndget- kommission vertraulich behandelt worden ist. Wenn Abg. Bebel also nicht in der Lage gewesen ist, sich zu unterrichten und sich nur auf das gestutzt hat, was in Sen Zeitungen siand, so kann er nicht wissen, was vorausgegangen ist, und kennt nicht die Beschlüsse,. die in der Budgetkommission gefaßt sind. Die Sachen, die Abg. Bebel oorgetragen hat, lassen auch darauf schließen, daß ihm die Sache nicht bekannt war (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Na also I), weil die Verhandlungen in der Budgetkommission vertraulich geführt waren. Er war nicht orientirt und hat einzelne Wahlen zur Begründung seiner Behauptungen benutzt, deren Richtigkeit nicht festgestellt werden kann. Mit Wg. Singer mich auseinanderzufetzen, 'ist nicht meine Aufgabe. Ich habe nur den Vorwurf zurückgewiesen, daß große Firmen betrogen haben. Abg. Bebel (Soz.): Der Minister hat in einer Art nervöser Aufregung nicht gehört, was ich gesagt habe, denn sonst hätte er seine Ausführungen nicht machen können. Ich konstatire, daß er erklärt hat, daß aus Steuerungen, die ich hier vorgebracht habe, hervorgehe, daß ich den Sitzungen der Budgetkommission nicht beigewohnt habe. Wir haben seit einer langen Reihe von Jahren eine große Anzahl Mittheilungen sehr wichttger Natur bekommen, die als vertraulich bezeichnet waren und wir! haben niemals da? auferlegte Gehennniß gebrochen. Die Firma Krupp ist mit den Zahlen in Verbindung genradbt worden, die ich angeführt habe. Nun kommt auf einmal der Kriegsminister mit seiner sittlichen Entrüstung und benimmt. sich, als ob er der berufene Vertheidiger Krupps sei. Sie stehen doch Ihrem Brnder im Amte, dem Marineminister, nicht so fern, daß Sie nicht willen, was in dessen Etat vorgekommen ist. Es ist festgestellt, daß die Firma Krupp an den Panzerplatten dem Reiche Millionen zuviel abgenommen hat. wenn die Verwaltung das vertbeidigt, fo beneide ich sie wahrlich nicht. Erft als bannt gedroht wurde, daß ba4 Reich selbst eine Fabrik gründen würde, ließ die Firma 40 Millionen ab. Ich habe die Heeresverwaltung nickst angeklagt, sondern sie ausdrücklich in Schutz .genommen. Das wird mein Stenogramm nachweisen. Meine Rede von 1896 über den Pulverring hat wenigstens eine sichtbare Wirkung gehabt, ein angesehenes Mikglied der national- liberalen Partei sagte mir einige Tage später, es habe sofort nach meiner Rede seine Llktien verkauft. (Heiterkeit.) Man fürckstete ein Sinken der Aktien. Interessant war mir der AuS- 'prnch des Ministers, ohne .Knmv würden wir nicht gesiegt haben. Ja, dann begreife ich die Därme, mit brt er für die Firma Krupp eintritt. An der persönlichen Gbrenhaftigfcit des Ministers habe ick, nicht gezweifelt, ich habe mich gar keinen Anlaß dazu und ich hoffe, daß bet Minister nun nach dieser Erklärung feine per» 'önlichen Verbäckstigungen nach Möglichkeit unterläßt. Mir war es bei ber ganzen Angelegenheit nur um Aufklärung zu thun. Geheime Vorgänge habe ich nicht zur Sprache gebracht fonbern mir Dinge über die wegen ihrer hohen Tragweite eigentlich schon ber Referent hätte berichten muffen. Der Reichstag ist der einzige Ort, wo man Dinge Vorbringen kann, wegen deren man sonst leicht gerichtlich bekamst werden könnte. Und bas Recht werden wir uns nicht nehmen lassen. Daß Volk muß bei Zeiten auf die drohende neue Militärvorlage aufmerksam gemacht werden. (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Minister ». Goßler: Ich gebe dem Abg. Bebel zu, daß er bad Vertrauen, das ich von ihm in ber Budgetkomnnfsion verlangte, niemals getäuscht hat. Diese Ehrenerklärnng bin ich ihm schuldig. Andererseits werden Sie wissen, daß ich mich in meinem Vertrauen in ber Budgetkommiffion fo aufrichtig und offen auS- spreche, daß jeder im Stande ist, meine Ansicht zu verstehen. Auf diese Weise ist es gelungen, die (Snigung zu erzielen bei all den schweren Fragen, die in der Budgetkommission behandelt sind. Wenn ferner Herr Bebel seine Immunität als Ab- georbneter in der Weise anwendet, wie er es für richtig hält, so ist das feine Sache, aber ich. der ich nicht Abgeordneter bin, habe die Pflicht, Behörden und Firmen, mit denen ich in Verbindung stehe, zu schützen. Thäte ich daS nicht, so wäre daS eine Feigheit. Die Angriffe des Abg. Bebel gegen Krupp sind völlig unbegründet, ebenso nnbegründet ist die Behauptung der Sozialdemokraten, baß die Firma Krupp den Franzosen jemals Geschütze angeboten hat. Abg. Müller-Fulda (Etr., fast unverständlich) spricht über die Vorgänge in ber Kommission und bittet den KriegSminister, mit solchen Behauptungen, baß in der Kommission mit falschen Zahlen operirt sei, doch etwas vorsichtiger zu sein. In der Kommission sei ausdrücklich feftgeftefft worden, daß die Preise erst durch die freie Konkurrenz ermäßigt seien. Kriegsminister v. Goßler bemerkt, er hätte wohl gesehen, daß die Kommission Zettel in den Händen gehabt hätte, ob sie geschrieben oder gedruckt gewesen wären, hätte er nicht sehen können. Jedenfalls seien ihm die Zahlen dienstlich nicht zugegangen, und es sei deshalb unendlich schwer für ihn, auf Grund dieser ber* lesenen Zahlen etwas zu erwidern. Abg. Bebel (Soz.): Ich freue mich über die Erklärung dcS Ministers, baß wir die Diskretion niemals verletzt haben. Meine Auffassung über die Immunität ist die einzig richtige; sonst hätte ja die Immunität gar keinen Sinn. Warum er die Firma Krupp in Schutz nimmt, verstehe ich nicht. Es steht doch fest, daß die Geschützfabriken ihre Geschütze für Freund und Feind liefern, diese Herren verstehen den Pattiotismus und den Internationalismus sehr gut, wenn es sich darum handelt, Geld zu verdienen. Hiermit schließt die Debatte. Referent Graf Roon erklärt im Schlußwort, der Kriegs» Minister habe in ber Kommission gesagt, die billigeren Preise der letzten Jahre seien durch die Fortschritte dec Technik ermöglicht worden. Daher hätten die Konkurrenzfirmen billiger liefern können, als früher Krupp. Das Kapitel wirb hierauf mit einigen kleinen, von der Kom» Mission beschlossenen Abstrichen (insgesammt 522 Mk.) bewilligt. Hierauf vertagt das Hans die weitere Berathung auf Mittwoch 1 Uhr. Vorher stehen Rechnungssachen auf der Tagesordnung. Schluß 6^ Uhr. Der Fall Korum. Die „©ermanta" bespricht in einem längeren Artikel die Zurücknahme des Trierer Publikandums und die von der Preffc daran geknüpften Erörterungen und halt c5 für verfehlt, von einem Siege oder von einer Niederlage auf der einen oder der anderen Seite zu reden. Es handle sich in Wirklichkeit nur um einen Modus vivendi unter Aufrechterhaltung der Grundsätze, ähnlich dem Modus vivendi, den Fürst Bismarck mit der Revision der Maigesetze geschaffen hat. Unrichtig sei die Meldung, daß bereits ein Vertreter des Kultusministeriums in Trier selbst mit Bischof Korum verhandelt habe. Bisher sei überhaupt noch kein Vertreter des Kultusministeriums in dieser Angelegenheit in Trier gewesen. Indes dürfte dies zur völligen Klarstellung über die Beschwerden in hohem Grade angezcigt erscheinen. Durch die Zusage, den Wünschen der Trierer Katholiken gerecht zu werden, habe die Regierung dem Bischof zum Teil Recht gegeben. Die Hauptsache fei, daß nunmehr friedliche und erträgliche Zustände in Trier hergestellt werden. Aus Trier wird telegraphiert, daß die Geistlichen des Dekanats Pruem an Bischof Korum depeschierten, treu zu ihrem Bischof zu stehen in guten und in bösen Tagen. Parlamentarisches. Berlin, 10. März. Die Budgetkommission des Reichstages beriet den Abschnitt des Marine-Etats, betreffend Schiffsbautcn und Armierungen, und nahm eine von Müller-Fulda beantragte Resolution an: „Der Reichstag wolle bcjchließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß un Interesse der Rcichssinanzen bei der Vergebung von Marinelieferungen ein gesunder Wettbewerb, nötigenfalls unter Heranziehung ausländischer Fabriken stattsinde." Die Titel 1 bis 23 «erden bewilligt, Titel 24, Bau eines Flußkanonenbootes, 450 000 Mk., und Titel 25, Bau eines Vermessungsschiffes, 500 000 Mk., werden gestrichen. Titel 26, zwei Millionen als erste Rate zur Ärundreparatur und baulichen Vcrbeffer- gingen der Kreuzer „Kaiserin Augusta" und „Irene", werden in die Doppcttttel 26 und 26a verwandelt und für die beiden Schff'fe je eine Rate von 500 000 Mk. bewilligt. Berlin, 10. März. Die Finanzkommission des preuß. Herrenhauses tritt am 26. März zusammen. Das Plenum wird sich am 30. d. M. zu einer Sitzung versammeln. Wenn, wie das Abgeordnetenhaus beabsichttgt, der Etat dem Herrenhause am 24. März zugehen kann, werden sich die Plenarsitzungen bis zum 3. April auSdehnen. Andernfalls werden nur zwei Plenarsitzungen am 30. und 31. März stattfinden, in denen die Eingemeindungs-Entwürfe sowie andere kleine Vorlagen erledigt werden sollen. — Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute die Beratung des Kultusetats fortgesetzt. Nach kurzer Debatte wurde der Titel Ministergehatt bewilligt. Eine Reihe weiterer Tttel wurde nach unwesentlicher Debatte erledigt Im Laufe der Diskussion erklärte Minister Studt, daß die Staatsregierung nicht in der Lage sei, in der Frage der rheinischen KirchyöfedemWunschedes Zentrums entgegenzukommen. Aus Stadt und £miü. ** Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt mit Wirkung vom 1. April L I. an der Bauinspektor des Hochbauamts Friedberg, Baurat Friedrich Groß, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste. Aus diesem Anlaß wurde ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Hanau, 10. März. Die Stadtverordneten beschlossen eine Resolution, in der der Magisttat ersucht wird, eine Vorlage auszuarbeiten, nach der bis zum 1. April 1907 die städtische Verbrauchssteuer auf Fleisch in Wegfall kommt. Vermischtes. • Ein grauenvoller Mord wird aus der Er- ziehungs-An statt Leschnitz in Oberschlesien gemeldet. Daselbst hat der 17 jährige Zögling Scholz die bereits 10 Jahre in der Anstalt amtierende Lehrerin Marie Bartsch getötet, mdem er thr mit einem Messer den Hals durch- schnitt. Tann setzte er das Zimmer, welches die Lehrerin bewohnte, m Brand und beteiligte sich später mit Eifer an den Löscharbeiten. Seine blutbefleckten Kleider wurden jedoch zum Verräter und er gestand auch das Verbrechen cm. * Dresden, 10. März. Der gestrige Minifterrot hat beschlossen, das Urteil im Ehescheidungsprozeß der Kronprinzen nicht zu veröffentlichen, da Prinzessin Luise ofsiziell Protest dagegen eingelegt hat. • New-Pork, 10. März. In der Nähe von Olean im Staate New-Pork trennte sich gestern abend eine Anzahl Wagen eines hauptsächlich au§ Petroleumwagen bestehenden Eisenbahnzuges von dem Vordetteil des Zuges und lief auf diesen auf. Beim Zusammenstoß geriet der Zug in Brand. Eine dichte Menschenmenge umstand die Unfallstelle, als mehrereExplosionen erfolgten. Die Flammen ergriffen die Umstehenden, von denen viele verbrannten. Die Zahl der Umgekommcnen ist noch unbekannt, da die Leichen vieler vollständig verbrannt sind. ES wird berichtet, daß 22 Personen tot auS den Trümmern heroorgezogen wurden. -— - ..... —— k Kirche und Schule. Mainz, 9. März. Die Bischöfe der oberrheinisches Kirchenprovmz beschlossen eine gemeinschaftliche Romreise. Handel und Verkehr. Vatkswirtschast. Au der Berliner Börse wurden 5 Millionen Mk. 37. p6t Schuldverschreibungen der Stadt Karlsruhe von 1903 jum Börsenhanvel zugelassen. Verlosung und Äüttbigung ist bis zum Jahr 1908 ausgeschlossen. Neueste Aletduugeu. Lriginaldrahtmelbungen de» Gießener Anzeiger». Leipzig, 11. März. Ter Professor der Zoologie Julius Viktor CaruS ist gestern hier gestorben. Schweidnitz, 11. März. Der zu einem Artillerie- Regiment abkommcmdierte Oberleutnant Witzke vom 22. Infanterie-Äiegiment stürzte gestern vom Pferde und war sofort tot. London, 11. März. Der Kurpfuscher Narden- kötter wurde gestern hier verhaftet. Bis zu seiner Auslieferung an Deucschland bleibt er im hiesigen Untersuchungsgefängnis.