Nr. 264 Erschein, täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter otermal in der Woche betgelegL Aiotation-druct u. Verlag der Brühl 'schen Untvers.-Buch- ruStetn- druckeret (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. Vdresie für Depeschenr Anzeiger Gießen. KkrntprkchantchlußNr 51. Zweites Blatt. Dienstag 10. November 1903 153. Jahrgang etzener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngdprerSi monatlich7bP^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle,' monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. —viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die DageSnuminer jU vormMagS 10 Uhr. eilenorriS: lokal 12 Ps^ auSrväaf 20 Pfg. Brraairvortiich für den polil and aflflcm. *£etl; P. totllto. für .Stadt und Üanö* und .GerrchlSsaal^! August Götz, 1üt den An- jeiqentetl: yane veck. §ie heutige Dummer umsaßt 8 Seiten. Politische Tagesschau. Selbstmord eines Ministers. Der italienische Finanzminister Rosano war am 8. 6. 2)L früh in Neapel angekommen. Er erklärte, er sei gekommen, um seine Familie zu begrüßen und die Leitung der Wohltätigkeitsanstalt uiederzulegen, deren Vorsitzender er war. Nach dem Frühstück hielt sich der Minister mehrere Stunden außerhalb des Hauses auf und kehrte um 6i/2 Uhr abends- zurück. Er Mb darauf an, er wolle nicht nach Rom zurück kehr cm, da er sich infolge einer Erkältung unwohl fühle. Rosano nahm mit seiner Familie das Diner ein, hatte eine Besprechung mit dem ihm verwandten Deputierten Coldsimo und begab sich frühzeitig zur Zllrhe. Am Montag Morgen 5i/2 Uhr stand er aus und ging in sein Arbeitszimmer, wo er mehrere Briefe schrieb. Darauf tötete sich Nosano durch einen Revolver schuß i n s H e r z. Der Lod ist sofort eingctreten. Als die Kammerfrau um 6 Uhr das Zimmer betrat, um dem Minister Kaffee zu bringen, sand sie ihn auf den Schreibtisch gestützt; da er auf ihr Rusen nicht antwortete, stellte jie den Lod fest und benachrichtigte sofort den Senator Muniechi und den Devutierteu Colosimo, die einen Priester und einen Arzt holen ließen. Der letztere konnte nur den bereits eiuge- tretenen Tod feststellen. Muniechi benachrichtigte die Frau und die Kinder Rosanos. Sobald die Nachricht bekannt wurde, begaben sich die Vertreter der Behörden nach dem Hause des Ministers. Der Zutritt zu dem Hause war jedermann streng untersagt. Der Staatsanwalt begab sich nach dem Arbeitszimmer Rosanos, in dem sich Muniechi. und Eokosimo besanden. Eine zahlreiche Menschenmenge sammelte sich vor dem Hause Rosanos an. Der Selbstmord des Ministers erfolgte, wie man aus Rom meldet, deshalb, weil der sozialistische Abg. Berga- niischi in einem Briefe an das Blatt „Roma" die vom „Avanti" erhobene Anklage, daß Rosano gegen Entgelt von b000 Lire einen Verurteilten aus seinem Zwangsaufenthalt befreien ließ, bestätigte! Es heißt, die unmittelbare Ursache des Selbstmordes ttmr seine Unterredung mit G-iolitti. ^tofano sollte zeitweilig zurücktreten, um in einer Gerichtsverhandlung sich von den Anklagen des „Avanti" zu reinigen, nachher könne er ja wieder ins Ministerium zurücktreten. Rosairo, der in seiner Jugend aus unglücklicher Liebe schon einmal einen Selbstmordversuch gemacht hatte, hinterließ folgenden Bries an seine Frau: Ich bin ein Ehrenmann und sterbe als solcher; aber seit 30 Tagen hat sich über mich eine solcoe Flut von Anklagen ergoßen, daß ich nicht widerstehen kann. Ich verzeihe meinen Söhnen, welche mir viel Kummer bereiteten, meinen Feinden, die mir viel Uebles zufügten. Die Zukunft wird mir Gerechtigkeit werden lassen. Verzeih auch Du. Pietro. Kotonialpost. — Berlin, 9. Nov. Nach einer hier eingegangenen Meldung des kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch- Südwestafrika liegt in Windhoek keine B e st ä t i g - ung der a u § englischenQuellen stammenden Nachrichten über die Ereignisse im Süden des Schutzgebietes vor, obwohl, wie ebenfalls gemeldet wird, die heliographisch Verbindung zwischen Windhoek und Keetmanshoop sich nach wie vor ui Betrieb befindet. Letzterer Umstand läßt auch erwarten, daß demnächst nähere Berichte über das Vocge- sallene eingehen werden. Die Entfernung zwischen Keemans- hoop und dem Schauplatz der Unruhen bei Warmbad beträgt etwa 260 Kilometer. — Der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt meldet unter dem 9. November, die Bondelzwarts seien in die Kapkolonie eingefallen. Es habe ein Kampf mit der dortigen Polizei ftattgefunbem* — L o n d o n, 9. Nov. (Reuter.) Die South African Territories Company, welche in regelmäßiger Verbindung mit Warmbad steht empfing Nachrichten, wonach es nicht für wahrscheinlich gilt, daß der gegenwärtige A u f st a n d sich weit a u s b r e i t e. Sie nehme an, daß die durchgesickerten Nachrichten übertrieben seien. Sie halte für wahrscheinlich, daß den deutschen Truppen andere Stämme zu Hilfe fonunen werden. -...... , .......................................H.......................... Per Frozeß wegen Kiridcsuttterjchievuug gegen die Krastn KuutecKi. Vor zwei Wochen wurde der Prozeß Kwilecki in Berlin eröffnet, und noch immer liegen die Vorgänge, über die er Klarheit bringen sollte, in tiefer Dunkelheit. Unschlüssig schwankt die Wage hin und her. So viel Wahrscheinlichkeiten sür die Schuld der Gräfin, so viel dagegen. Mag die Wahrheit lauten wie sie will, der Weg zur Wahrheit führt über eine Menge trügerischer Wahrscheinlichkeiten, über eine Menge falscher Zeugenaussagen. Mag sie lauten, wie sie will, sie wird ihre Opfer fordern. Tas Leben spielt so gern. Es macht uns Menschen so gern recht herzlich schwer, Lug und Trug zu entlarven. Es gibt in jedem Prozeß Schwierig leiten, die von Menschew- hand herrühren. Das ist natürlich; es liegt int Interesse des Schuldigen, den Tatbestand- zu verschleiern. Schließlich ist Menschenlist nicht so unergründlich, daß sie auf die Dauer der Wahrheit trotzen könnte. Von glänzenden Siegen der Justiz in solchen Fällen wäre da zu berichten. Schlimmer steht es um die Hindernisse, die das Leben selbst dem menschlichen Fragen und Suchen entgegentürmt. An ihnen ist in der Wroorewoer Sache kein Mangel. Das extremste Beispiel: Das Kind, dessen Wohl und Wehe durch die Verhandlung entschieden werden soll, gleicht der Gräfin und gleicht dem Sohne der Bahn- wärterstochter. Tie Aehnlichkeit ist so ausfallend, nach beiden Setten hin so auffallend, daß beide Parteien daraus ein beweiskräftiges Argument für sich ableiten zu dürfen glauben. Ein Berliner Zeichner hat den Knaben auf dem Korridor des Gerichts porträtiert und dann erst — also nachdem er sich eingehend mit der Physiognomie des Kleinen beschäftigt hatte — die Gräfin gesehen. Er war frappiert von der Aehnlichkeit. Tie Verteioigung stellte den Antrag, den Zeichner als Sachverständigen zu laden, die Staatsanwaltschaft antwortete mit dem Gegenantrag aus Ladung eines Beamten, der fick) Über die merkwürdige Aehnlichkeit der beiden Kinder aussprechen sollte. Seltsames Spiel der Natur! Die naturwissenschaftliche Theorie der Schutzanpassung nimmt an, daß der grüne Käser, der im grünen Laube wohnt, seine grüne Farbe nur zu dem Zwecke erhalten habe, sich vor seinen Feinden geschickt verbergen zu können. Ein deutscher Schmetterllug kann seine weißgrauen Flügel so zusammenrollen, daß er auss Haar dem Stückchen eines Birkenastes gleicht. Der Kopf mit seinem hellgelben Ton scheint die Bruchstelle des Astes zu ni.arfi.eren. Man denke weiter an das Chamäleon, an Insekten, die wie Rosend-oruen an Pflanzenstengeln sitzen, an Raupen, die wie Früchte von ihnen herabhängen. Auch eines blutroten Schmeti-erlings wird man sich erinnern, der sich in Scharen auf einei grünen Pflanze niederläßt und sie mit einer Blütenprachi ohne gleichen zu über ziehen scheint. Wer die Gräfin für schuldig hält, könnte der Natur vorwerfen, hier ein ähnliches Spiel getrieben zu haben. Tem ahnungslosen Kinde gab sie einen wunderlichen Schuh mit auf den Weg. . Tie Hauptbelastungszeugen sind die vielgenannte Hedwig Andruszewska und der Kntsck)er Wilke. Tie Aussage der Hedwig verdankt ihr Gewicht dem eigenartigen moralischen Moment, das dabei mitspielt. Sie beschuldigt mit ihrer Aussage ihre tote Mutter. Der ganze Prozeß bewegt sich ja in wenig erfreulichen Regionen. Die polnische Wirtschaft, die er enthüllt, hat etwas unbeschreiblich Abstoßendes für uns, und die meisten der Zeugen, die da gegenwärtig in Moabit auftreten, scheinen nicht gerade über bedeutende sittliche Qualitäten zu verfügen. Aber das Maß der Verworfenheit, das dazu gehörte, die tote Mutter ohne Grund und Sinn mit Schimpf und Schande zu bedecken, traut man doch nicht ohne weiteres dem Menschen zu. Immerhin, über Wej'en und Charakter der Hedwig kann man noch immer nichts Bestimmtes aussagen. Etwas Kahenartiges scheint in ihr zu liegen. Ter zweite Zeuge, der Kutscher ist ehrlich Man glaubt ihm. Aber seine Aussage führt zu einem zunächst unlösbaren Widerspruch Er erzählt, am 26. Januar sei es 18 Grad kalt gewesen. Tie offiziellen Auszeichnungen stimmen damit nicht im entferntesten überein. Wieder ein Stein, den das Leben plötzlich ehrlicher, menschlicher Untersuchung entgegenschiebt. Zeuge Wilke scheint fürs erste nun erledigt. Was ist Wahrheit? Ter Schwur sollte uns eine Garantie für die Wahrheit bilden. In Wroblewo aber ist die Furcht vor dem Meineid keine große. Wahrheit und Unwahrheit, eins wie das andere wird beschworen. Die Gco- rantie ist also hinfällig. Es ist noch die Frage, wie weit die Meineide — man hat in jedem Fcllle mit einer großen Zahl solcher Meineide zu rechnen — wissentlich, und wie weit sie unwissentlich abgelegt wurden. Augenscheinlich tritt uns hier ein geistig wenig entwickelter, in mehr als einer Hinsicht minderwertiger Menschenschlag entgegen. Für Suggestion sind solche Menschen außerordentlich leicht empfänglich. Sagt eine dieser Frauen, die alte Andruszewska sei an dem fraglichen Tage in Wroblewo gewesen, so bildet sich die Nachbarin, zu der sie dies geäußert hat, nach wenigen Tagen ein, dies aus eigener Wissenschaft bezeugen zu können. denke man überdies, wie weit die Vorgänge zurückliegen; wieviel ehrlicher Irrtum da möglich ist. Bekannt sind die Experimente, die Professor v. Lißt am Berliner kriminalistischen Seminar veranstaltet hat. Verblüffendes Material für die Behauptung der gänzlichen Unzulänglichkeit unseres Gedächtnisses, der täuschenden Kraft unseres Gedächtnisses hat er angehäuft. Unter keinen Umständen erscheint mir ein Ereignis heute so, wie es mir vor Jahren, als es sich begab, erschienen ist und erscheinen mußte. Die Erinnerung ergänzt hier und schleift dort ab; sie korrigiert und ändert mit einer Willkür, die oft erschreckend ist und den Juristen, der die vr attischen Folgen dieser Entdeckung überschlägt, recht nachdenklich machen muß. In unserem speziellen Fall spielt natürlich auch die Stellung der Angeklagten eine bedeutungsvolle Rolle. Die Zeugen sind zum großen Teil die Untergebenen der an- W>e kann das F>olk zu einer gerechten Ae- urtcitung ärztlicher Leistungen erzogen «erden? Von einem praktischen Arzte. (Nachdruck verboten.) in. Ta die Grundsätze der Behandlung für uns Aerzte ein für allemal feststehende sind, so folgt daraus weiter, daß es am zweckmäßigsten ist, bei seinem Arzt ;i.i 'bleiben und gegebenenfalls einen zweiten Arzt mit Zustimmung des Hausarztes zuzuziehen. Dann kommen solche verhängnisvollen Zufälle nicht vor. Gerade die Empirie, die geringe Zähl der spezifischen Heilmittel, die Kinderschuhe, in welchen gewissermaßen die Therapie noch steht, sind auch die Ursache, weshalb der Weizen der Naturärzte, Kurpsuscher u. dgl. blüht. Während kein Arzt nur mit Arzneien eine Krankheit heilen will, während vielmehr stets Umschläge, Eis, Massage, Bäder, Schwitzen, Diät, Ableiten ans den Darm und eine Fülle hygienischer Vorschriften seine Verordnungen als wesentlicher Heilfaktor unterstützen, nimmt der Kurpfuscher nsw. seine Kaltwasserprozeduren oder dergleichen allein, ohne Medikamente zu Hilfe. Selbst wenn der Arzt die Heber* zeugung hat, daß in geeigneten Fällen Medikamente entbehrlich wären, so kann sich nur ein sehr fest im Sattel sitzender Hausarzt die Extravaganz erlauben, so zu kurieren. Das Publikum und zwar besonders der Mittel- unb Arbeiterstand wollen „verschrieben" haben, ^n Kassenpatienten möchte ich sehen, welcher mit einem mehrmals wiederholten heißen Fußbad, kalten Abreibungen, Anleitung zur Massage, Sonnenbädern re. zufrieden wäre. Der Arzt, der solches wagen dürste, mühte bei dieser Kasse die Tätigkeit wohl bald einstellen, sein Brod verlieren, denn die Arbeiter wählen ja den Kassenarzt. So kann der Praktiker gar nicht darüber hi naus kommen, unter allen Umständen etwas zu verschreiben und muß mir zusehen, daß Lieje vielfach die Kassen unnötig belastende Ausgabe nicht zu hoch wird. Was aber bei der Bewertung des Natur - arztes recht ist, sollte bei der des Arztes billig sein, welcher die Naturheilmethode natürlich auch in wissenschaftlicher Meise aus übt, was dder medizinisch nicht gebildete Laie gar nicht kann. Wie häufig findet man nun, daß, wenn ein Arzt dies, der andere jenes verschreibt, daraus vom Publikum auf falsche Behandlung geschlossen wird. Wie häufig wird der Apotheker gefragt, wofür dieses oder jenes Medikament dienen soll. Gibt er feine Auskunft, so geht der gekränkte und wißbegierige Bote das nächste Mai in eine andere Apotbeke. Gibt er aber Auskunft, so kann man wetten, daß dieselbe unter 100 Fällen OOraal falsch ist. Denn wenn es feine Heilmittel für die Krankheit als solche gibt, so kann auch aus dem verordneten Mittel nicht auf die Krankheit geschlossen werden, abgefehen davon, daß die Apotheker dafür überhaupt nicht ausgebildet sind. Da aber das Publikum in den Apotheken in mittelalterlichem Aberglauben befangen die Stätten sieht, welche berufen sind, die Wunderkräfte der Natur, die Kräutern, Schnecken, Mücken, Füchien und , frischgeköpft en Verbrechern innewohnenden Säfte für die Zwecke der Heilkunde dienstbar zu machen, weil es dort für 10 Psg. Mücken-, Dachs- nnd Fuchsfett, als welche Schweineschmalz, Schneckensaft, als welcher Zuckeüvajser, roten Priuzdupat, als welcher rote Quecksilbersalbe (rote Praeeipitatsaibe) verabfolgt wird, anstandslos erhält, so meint es natürlich auch, dort müsse man über Wirksamkeit und Zweck einer Arznei noch besser informiert sein, als in ärztlichen Kreisen. (Ein Irrtum, der ja auch dazu führt, daß vielfach in Alpotheken unter Darlegung der Krankheitsverhältnisse Mittel verlangt und in Empfang genommen werden.) Gibt nun zufällig der Apotheker einen Zweck an, für den die Arznei gerade nicht bestimmt war, so ist man in seinem Urteil fertig, daß der Arzt sich! geirrt, verkehrt behandelt habe; man fragt den Arzt vielleicht darüber, muß ihn aber in Ermangelung irgend welchen Verständnisses für seine Ausführungen, und voreingenommen, wie man ist, miß- oder nicht verstehen. Was nun noch fehlt, besorgt der Klatsch. Man tuschelt hier, man urteilt dort, und je länger der Weg, desto entstellter und ausgebauschter erscheint die Neuigkeit auf der Bildfläche. Und es kann auf diese Weise einem neu zugezogenen Arzt, der vielleicht der tüchtigsten einer ist, die Praxis total verdorben werden. So kann man z. B. hören, ein' Manu sei mit der Mistgabel in die Seite gestochen worden, und der Arzt habe ihn auf Rippenfellentzündung behandelt, während sich nachher herausgestellt habe, daß er die Brusthöhle voll Eiter hatte uni) daß eine Rippe entfernt werden mußte. Scheinbar liegen hier große Irrtümer vor. Und doch ist die Entwicklung des Prozesses vollkommen folgerichtig. Der Stich hatte eine Rippenfellentzündung und diese wieder die eitrige Ausschwitzung der Rippenfellblätter in den Brusthöhlenraum zur Folge. . Die Rippe mußte, auch wenn sie vielleicht durch den Stich nicht verletzt war, entfernt werden, um dem Eiter genügenden Abfluß verschaffen zu können und so die Wiederentfaltung der durch den Erguß zusammengedrückten Lunge zu ermöglichen. Solches Atißverständnis kann nur verhütet werden, wenn der Arzt von vornherein wiederholt und eindringlich auf die Möglichkeit solchen Ausgangs hinweist. Dann ist er gedeckt, s elbst auf das Risiko hin, daß der geängstigte Patient oder die Angehörigen einen anderen Arzt nehmen und daß die Komplikation mit Eiterung vielleicht gar nicht eintritt. Aber erschwert und vielfach vereitelt wird diese Aussprache, diese Vorhersage eben auch durch die Schwierigkeit, sich mit dem Laien über ihm gänzlich fremde Vorgänge zu verständigen. Darum liegt eine große Hauptaufgabe für den Arzr darin, feinen Klienten möglichst in gern ein faßlicher Darstellung die Vorgänge zu schildern, wie sie der jeweils vorliegende Fall in sich schließt. Und das ist eine eminent schwere Aufgabe für den Arzt, einmal, well er nur in Fachausdrücken sich zu verständigen gelernt hat und zweitens, weil der Klient sich meist auch in die gemeinverständlichste For^n nicht hineindenken kann, well ihm die Begriffe fe 'M. geklagten Herrschaft. Sie haben vielfach überhaupt nicht das Bewußtsein, als freie Menschen hier zu reden. Sie suhlen sich auch im Gerichtssaal nicht als gleichberechtigte Zeitgenossen. DaS beeinträchtigt natürlich ihre Wahrhaftigkeit. In sttunpfer Demut machen sie ihre Aussage. Oder es klingt Haß aus ihren Worten, und der ist dann ebenso das Zeichen ihrer Unfreiheit, chrer Abhängigkeit wie ihre untenvürsige Haltung. Kommen dazu die Bestechungen, die Beeinflussungen. Bei jedem solchen Prozeß jinden sich Leute, die im Trüben fischen wollen. Klüglich! Mehr alS das Schicksal der Gräfin interessiert uns das Schicksal ihres angeblichen Kindes. Ein Schauspiel wird in Moabit geboten. Delikt man aber des kleinen Grasen, so weitet sich das Schauspiel zur Tragödie. Berlin, 9. Nov. Heute wird die Zeugenvernehmung fortgesetzt. Gutspächter Schmidt sagt aus, der angeklagte Gras habe ihm einmal gesagt, er fei der letzte Gras Wejierski-Kwilecki, der Majoratsherr aus Wroblewo sei. Dies sei geäußert worden, als der kleine Graf bereits da war. Der Angeklagte bestreitet, daß er derartiges geäußert haben tonne. Er sei eben der letzte Majoratsherr, der sich Wie- serski-Kwilecki nennen dürfe. Jeder Nachfolger, auch sein Sohn, dürfe sich nur Kwilecki nennen. Frau Schmidt bestätigt die Aussage chres Mannes. Die Aeußerung fiel ihr aus. Uebrigens habe sie die Echtheit des kleinen Grasen infolge seiner großen Aehnlichkeit mit der Gräfin rrotzdem nicht bezweifelt. Ein anderer Zeuge weiß sich einzelner bestimmter Bemerkungen nicht zu erinnern. Er selbst habe dem Grasen einmal gesagt, daß sein Sohn ein sehr schöner Knabe sei; darauf habe der Graf geantwor tet: „Ich, hätte nichts dagegen, wenn der Junge tot wäre." Zeuge meint auf Befragen, daß er dies so aufgefaßt habe, als ob der Graf auf den Knaben neidisch sei, weil die Gräfin mit zärtlichster Liebe diesem zugetan war. Der Vorsitzende hält dem Zeugen vor, daß es doch nicht wahrscheinlich sei, daß der langersehnte Erbe nun durch fein Dasein den Grafen so neidisch gemacht habe, daß dieser den Tod des Sohnes wünschen könnte. Administrator Studzinski erzählt einen Vorgang, bei welclzem die Gräfin in der Nendantur gewesen fei, um von dem Kassenrendanten Geld zu erhalten. Dieser habe gesagt, daß er lein Geld geben U>nne, und als die Gräfin dann auf den Wald und das Abholzen hingewiesen, habe sie die Antwort erhallen, daß auch dies nicht mehr gehe, da die Agenten schau Einspruch erhoben hätten. Schließlich habe die Gräfin gejagt: „Na, denn muß ich mir ein Kissen vor denLeib binden!" Es sei auch möglich, daß sie hinzugesetzt hatte: „dann bleibt mir nichts anderes übrig." Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge, er habe diese Aeußerung nur als einen Scherz aufgefaßt. Die Frau Gräfin sei als eine zu Späßen und Sckerzen aufgelegte Dame bekannt gewesen, die sich ost in so derber Weise vor den Leuten ausdrückte, daß er ihr mehrfach gejagt habe: „Frau Gräfin dürfen so vor den Leuten nicht reden, das gefährdet die Disziplin!" Hedwig Andruszewski bekundet, wenn ihre Mutter, die sowohl bei der Gräfin, als in der Wirtschaft tätig war, mehrere Tage abwesend gewesen wäre, hätte das Gesinde dies bemerlen müssen. Die Zeugin Kaczak, die deutsch spricht bekundet, sie empfing in der Küche täglich von der Andruszewska das Mittagbrot zugeteilt, sie erinnere sich trotzdem nicht, daß die Andruszewska am Entbindungstage verreist war. Auf Antrag oer Verteidigung wird aus den Akten festgestellt, daß der Distr ills- kommisfar Leitloff die Kaczak als glaubwürdig bezeichnete. Gerichtsarzt Dr. Störmer äußert zur Frage der Aehnlichkeit: Er sei der Ansicht, daß die Frage, ob eine Aehnlichkeit des kleinen Grafen Josef Kwllecki mit der Gräfin oder mit dem Sohne der Cäcilie Meyer vor- liegt, auf eine sichere Basis gestellt werden müsse. Vom ästhetischen Standpunkte allein sei die Frage nicht zu erledigen. Vielleicht Ernt ne doch die medizin ische Wissenschaft zu Hilf e komnien, da es ja außer Stam- meseigenlümlichkeiten auch gewisse Familienähnlichkeiten tm ganzen Körperbau, in der 9lase, in den Zähnen gebe, die sich durch die medizinische Wissenschaft feststellen lassen, ferner könne ermittelt werden, ob ein dRuttermal vorhanden sei und dergleichen. Er würde deshalb Vorschlägen, eine aus zwei Gerichtsärzten, vielleicht auck» dem Professor Dührssen, der die Cäcilie Meyer entbunden hat, und einem Porträtmaler bestehende Kommission mit der Prüfung der Aehn lich k eits f r a g e zu beauftragen. Der Erste Staatsanwalt Steinbrecht formuliert diese Airregung zu einem entsprechenden Llntrage. Der Gerichtshof beschließt-—die Gerichtsärzte Dr. Stürmer und Prof. Dr. Straßmanu sowie den Porträtmaler P r o f. V o g e l mit der Prüfung der A e h n- lichkeitsfrage zu betrauen. Die nochmals vernommene Kaczak erklärt, fie wisse bestimmt, daß die Andruszewska weder am 27. Januar noch einige Tage vorher verreist war. Schneiberineister Perzinski deutet das Gerücht an, das Kind stamme von einer Komtesse, die einmal mit dem Administrator verlobt war. Hierauf werden die Krakauer Zeugen vernommen. Der Sohn der verstorbenen Hebamme Graczinska, die angeblich die Andruszewska zu der Hebamme Moll brachte, die den Knaben der Cäcilie Meyer für die Gräfin abgegeben haben soll, sagt im wesentlichen dasselbe aus, tuie ^echelski, und bekundet sodann, seine Mutter hatte öfters Sachen mit Hebammen und Ammen. Zwei Zeuginnen bekunden, daß die Cäcllie Meyer im Jahre 1897 ihr eben geborenes Kind für 100 Gulden an eine polnische Gräfin verkaufte. Die Dienerin der Gra- czynska, Demska, war zugegen, als bei der Hebamme Moll ein kleiner Knabe von zwei schwarz gekleideten Tarnen, die das Haar ins Gesicht gekänimt wie Jüdinnen trugen, in Empsang genommen wurde. Tie Zeugin weiß nur von dieseur Fall, daß Graczyuska bei dem Kindeskaus tätig war. Die Zeugin Kos war bei der Uebergabe des Kindes ebenfalls zugegen, weiß aber nicht meljr, wann sich der Vorfall abjpielte und kann ebensowenig wie die Vorzeugin das Alter der beiden Damen schätzen. Die Zeugin Nadwanska bekundet, daß sie zwischen November und Januar 1897 von der Graszynska engagiert wurde, um eine Frau mit einem Kind nach Berlin zu begleiten. Tie Frau trug einen schwarzen Mantel und künstliches Haar wie die galizischen Jüdinnen. In Berlin warteten sie mehrere Stunden, ob auf dem Bahnhof oder in einem Restaurant weiß Zeugin nicht mehr. Nach mehreren Stunden fuhren zwei Damen vor. Ihre Begleiterin fetzte den mitgebrachten Zlorbkosfer in den Wagen und legte das Kind hinein, worauf bei Wagen abfuhr. Auf Befragen erklärt die Zeugin, daß fie nach Berlin einen Henkeltopf mit einer Nachgeburt mitnahm. Von einem schwarzen Koffer, den eine der Damen in der Droschke abgegeoeu habe, loisse sie nichts. Weder ü)r noch ihrer Begleiterin, die sie nacu dreiviertel Stunden Bahnfahrt verließ, wurde etwas übergeben. Hierauf wird die Sitzung auf morgen vertagt. Universttäts-Uachrichtr«. — Schlossergeselle, Franziskaner in önch und „D r. j u r i s". Eine eigenartige Doklorpromotion land vor einigen Tagen an der Universität Breslau statt: der einmalige Schlossergeselle und Franzrskanermönch Johann Schlachzinkowski wurde zum Doktor der Rechte promoviert. Schlachzinkoivski ist 1874 zu Schneidemühl als der Sohn eines Eisenbahnarbeiters geboren. Bis zu feinem 14. Lebensjahre besuchte er die Elementarschule und trat dann bei einem Rechtsanwalt in Schneidemühl als Schreiber ein. Bon 1890—1892 erlernte er daraus das Schlosserhandwerk und bestand die Gesellenprüfung mit besonderer Auszeichnung. Bald daraus begab er sich auf die Wanderschaft. Hierbei führte ihn fein Weg nach München, wo er lohnende Beschäitig- ung bei dem Hoffchlogermeister Aloratelli fand. Hier wurde er auch Mitglied des Gefellenvereins, in bem seine Fähigkeiten solches Interesse erweckten, daß man Schlachzinkou^kis Ausnahme bei den Franziskanern in Landshut bewirkte. Hier bereitete er sich auf das Abiturientenexamen vor. Aber nachdem er schon tonsuriert war und sich bereits mit dem Gewand eines Franziskanermönchs bekleidet batte, entzweite er sich mit dem Orden und trat aus dem Kloster aus. Es gelang ihm jedoch, andere Gönner zu finden, und nachdem er ein halbes Jahr die Oberprima eines Gymnasiums in München besucht hatte, wurde er 1899 mit dem Zeugnis der Steife entlassen. Darauf studierte er in Breslau drei Jahre Jurisprudenz tuld wurde Referendar und „Dr. juris". — Professor Dr. Georg Frerichs von der technischen Hochschule in Braunschweig erhiett einen Ruf an das chemische Institut der Universität Bonn. — Der Schöpfer der modernen Bakteriologie Geheimrat Robert Koch vollendet am 11. November sein 60. Lebensjahr. Diesen Anlaß wollen feine Schüler und Freunde benutzen, um ihm feine Marmorbüste sowie ein durch freiwillige Sammlung aufgebrachtes Kapital zu einer Robert Koch-Stiftung zu überreichen. GeriMssnai. E. B. Darmstadt, 9. Nov. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich heute der frühere Sparkassenrechner Wichelm Eichler U. aus Dreieichenhain wegen Untreue und Unterfchlagung zu verantworten. Er hatte als Rechner des dortigen Sparkassen- und Leihveretns im Lause mehrerer Jahre Sparkaffeneinlagen im Gesamtbeträge von ca. 7800 Mk. unterschlagen und die Beträge für sich verbraucht. In der Verhandlung wurde festgestellt, das;'von den dazu verpflichteten Vorstandsmitgliedern eine höchst lässige Kontrolle ansgeübl wurde; so begnügte sich ein Kontrolleur damit, einfach die Eintragungen des Rechners aus dessen Kassenbüchern abzuschreiben, überließ ihm auch beliebig die Kasfenschlüssel re. Dieser Umstand uub die Tatsache, daß Eichler aiich eine Reihe von Auszahlungen nicht gebucht unb somit Schaden erlitten hatte, sowie auch sein bisheriger guter Leumund und seine Bemühungen um Schadloshaltung der Kasse wurden vom Gericht als strafmildernd in Betracht gezogen und der Angeklagte nur zu G Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 10 Monate beantragt. , ' te. Frankfurt a. M., 9. Nov. (O b e r k r r e g s g e r i ch t.) Weil er sich besonders energisch gezeigt hatte, war der Unteroffizier Robert Franz Hoffmann von der 5. Batterie des 63. Feldartillerie-Regiments in Mainz von seinem Batteriechef zum Futtermeister gemacht worden. In jugendlichem Uebereifer hatte er sich dann zu zahlreichen Ni i ß h a n d l u n g e n hinreißen lassen, die sich über zwei Jahre erstreckten. Er führte in feinem Stalle ein durchaus strenges Regiment. Es hagelte Püffe, Tritte und Schläge mit der Hand sowohl wie mit allerhand Werkzeugen, wie Peitschen, Waschstöcke, Zügel, Bügelriemen u. f. ro. 693 Fälle solcher Ätißbandlungen, darunter 10 schwere, bei denen zum Teil blutige Wunden entstanden, stellte das Kriegsgericht der 21. Division in seiner Sitzung vom 9. Oktober fest und verurteilte den Angeklagten zri 9 Monaten Gefängnis, sah aber von der Degradation ab. Das Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps erkannte auf die Berufung des Gerichtsherrn auf ein Jahr Gefängnis und Degradation. In bcn Urteilsgründen hieß es, em Unteroffizier, der bei deii gerliigsten Verfehen feiner Untergebenen so brutal und roh zugeschlagen und dadurch in fo verwerflicher Weise gegen das Gesetz imd alle ErmahiiUtigen und Verwarnungen ge- häiidelt habe, sei nicht mehr wert, Vorgesetzter zu sein. 9)1 annh eim, 9. Nov. (2. Böhm-Prozeß.) Nachdem Böh m und Henninger wegen Bankerottvergehens a b g e u r t e i l t wordeii sind, haben sie sich heute vor der hiesigen Strafkammer mögen Betruges bezw. Beihilfe und Untreue zu verantworten. In erster Reihe handelt es sich darum, daß Böhm durch die Vorspiegelung von Gewinnen bei der Aktien- Gesellfchaft für Chemische Industrie eine Anzahl Bankgeschäfte und Privalpersoiien veranlaßte, junge Aktien der Aktien-Gesellschaft für Chemifche Industrie zu hohen Kursen zu kaufen und verschiedene Bankhäuser bestimmte, gegen Verpfändung junger Aktien der Aktien- Gesellschait für Chemische Industrie erhebliche Kredite elnzuräumen. Unter den geschädigten Personen befinden sich viele aus Württemberg, Frankfurt :c.' Henninger wird beschuldigt, daß er es unterlassen habe, den Ailfsichtsrat aiifzuklären, daß die Gesellschaft mit Unterbilanz arbeitete, daß trotzdem unberechtigter Weise G e w i n ii e und Tantiemen ausgezahlt wurden, daß er ferner unter Verschwiegenheit der wahren Sachlage der Aktien- Gesellschaft für Chemische Industrie mit Böhm gemeinsam verschiedene Bankhäuser zur Aiimeldung auf junge Aktien bestimmte. Ein weiterer AnklagepiNikt geht dahm, daß die beiden Angetlagten eine Anzahl Bankhäuser infolge der unwahren Darstellung der Aktien-Gesellschaft für Chemische Industrie bestimmten, Wechsel zu diskontieren und schließlich werden die Angeklagten beschuldigt, durch Ausgabe falscher ungedeckter Akkreditive auf das Bankhaus Heidelbeck, Schellhetmer u. Co. in Newyork 5 Bankhäuser um 10 Millionen Mark bar geschädigt zu haben. Lange Zeit nahm das Verhör des Böhm über die Täuschung und Schädigung mehrerer Bankhäuser durch die Anlage fingierter Akkreditivs in Anspruch. Von dem Vorstände der Aktiell-Gesellschaft für Chemische Industrie wurden, trotzdem man bei dem Newyorker Bankhause infolge Nachlassens des Exports wegen der verschärften arneri- kanifchen Zollgesetze seit 1895 fast kern Warenguthaben mehr hatte, nach wie vor Akkreditivs auf Newyoft ausgegeben. Die Firma Wingenroth Scherr u. Co. hatte zwei Tage vor Ausbruch des Konkurses ein Akkreditiv zurückgewiesen, da sie durch die Häufigkett derselben mißkrauifch geworden war. Newyork, 8. Nov. Der Engländer John Tu m e r. der Vertreter des britisch-nationalen Vereins kaufmännischer Angestellten, welcher kürzlich verhaftet war, sollte auf Grund des neuen Gesetzes über dieAusweisung von Ausländern wegen Aufreizung zum Anarchismus a u s g e w i e s e u werden. Turner erhob gegen den Ausweisungsbefehl Einspruch mit der Begründung, daß der a n a r ch i st i s ch e G l a u b e dem r e l i g i ö s e n G l a u b e n g l e i ch st e h e, und daß daher die Ausweisung ungesetzlich sei. Das Bundesgericht wies die Berufung zurück. Der Richter ließ die Begründung, daß die anarchistische Lehre Religion sei, nicht gelten, und erklärte, daß die Frage der Redefreihett sich mir auf amerikanische Bürger beziehe. Die Bestimmung habe aber mit der Frage nichts zu tun, welchen Personen die amerikanische Regierung den Eintritt in das Land gestatten solle. Turners Ausweisung ist die erste unter dem neuen Ausweisungsgesetz, welches nach der Ermordung Akac Kinleys erlassen wurde. Unter Kennern gilt „.Kupferberg Gold" ohne wetteres als der beste deutsche Sekt. Seine erstklassigen Eigenschaften, sein vorzüglicher Geschmack, seine leichte Art und seine große Bekömmlichkeit haben ihn zu einem Lieblingsgetränk aller Gesellschaftskreise gemacht. 7987 Daraus ergibt sich^ daß beides angestrebt werden rnuß: Der Arzt muß schon auf der Hochschule, mindestens aber während des praktischen Jahres lernen, in welcher Weise er mit feinen Patienten sich ihrem Begriffsvermögen entsprechend verständigen kann urrd allgemein gleiche Regeln müßten dafiir ausgestellt werben; — und das Publikum muß eben von klein aus seinen Körper zu beobachten und zu verstehen angehalten uub unterwiesen werden. Dann wird das Verhällnis zwischen Aerzten und Klienten ein ideales werden, dann wird vielleicht auch das Publikum befugt sein, die Fähigkeiten eines Arztes zu beurteilen. Bis dahin aber ist dies Verhällnis durch zwei Worte gekennzeichnet, von welchen das erste vielfach bestimmend, das zweite aber das allein notwendige für ein Einvernehmen ist: Zufall umb Vertrauen. — Soeben beginnt unter bem Tllel „Der Pitaval derGegenwart, ein Almanach interessanter Straffälle", herausg> von Pros. Dr. Frank-Tübingen, Polizeidirektor Dr. Roscher-Hamburg und Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt-Mainz, im Verlage von C. L. Hirschfeld in Leipzig zu ersch»einen. Bereits das erste Heft hat einen hochinteressanten Inh all. Oberstaaitsanw'alt Dr. Schmidt- M ainz erzählt von einem „falschen Z i st e r z i e n f e r", der in Mainz im Jahre 1897 im bischöflichen Palais als internationaler Schwindler entlarvt wurde. Er nannte sich Francis de Rohan und behauptete, der Sohn eines Groß- kaufmanns in Quebec zu sein. Man ermittelte, daß er Gorbes hieß und Sohn eines Nachllvächters in einem holländischen Städtchen war. Er war aus Grund gefälschter Papiere irgendwo in Amerika Pfarrer geworden, infolge skandalöser Aufführung aber bald Vertrieben worden und hatte eine lange abenteuerliche Verbrecherlaufbahn hinter sich. — Lberkanbesgerichtsrat Seisarkh in Jena weiß Romanhaftes aus dem Leben des Berliner stud. jur. Malter Fischer aus Eisenach zu erzählen, der als Mörder seiner Geliebten verurteilt wurde. Köstliche ,^im- melsb riefe' anwalt Walch, enthäll. — Die Neue Musik-Zeitung (Verlag von Karl Grüninger in Stuttgart) hat mit Beginn ihres 25. Jahrgangs ein curdercs Gewand angelegt und ihren textlichen Teil ivejentlich erweitert. Besseres Papier, modernere Ausstattung reichhaltigeren Jllustrationsschmuck weist die Nr. 1 aus, die in einer Stärke von 26 Seiten Text und 4 Seiten Musit'beilage vor uns liegt. Der bekannte Mufitichrift- steller Dr. Richard Batla eröffnet mit einem Aussatz „Die deutsche Gejangsballade" den Steigen, Dr. Rudolf Louis folgt mit einer biographischen Skizze des jungen Münchener Komponisten Ernst Boehe (mit Porträt), dessen symphonische — Lumpensammler unter den Nagern. I den fleinften Familien der Nagetiere gehören die ViseackM, die in selbstgegrabenen Höhlungen oder natürlichen Klüften in größeren oder kleineren Gesellschaften Hausen. Die Pantpaviscacha bewohnt die Grassteppen von Buenos-Aires bis Patagonien und spiell in diesen spärlich bewachsenen Ebenen die Rolle der Lumpensammler in unseren Großstädten. Die Tiere haben nämlich die sonderbare Gewohnheit, alle möglichen Gegenstände, die sie auf den Pampas finden, vor den Eingängen ihrer Höhlen zufammenzuschlep- pcn, und zwar so eifrig unb gewissenhaft, daß die Gauchos (berlltene Hirten), wenn sie etwas vermissen, sich in erster Linie zu den nächsten Viscachabauten begeben, um dort nachzuschauen. Man findet dort regelmäßig Knochen, weg- geluorfene alle Schuhe usw. augehauft, aber auch verlorene Reitpeitschen und qnbere Dinge, selbst Taschenuhren, wie Prof. Dr. W. Mar'shall in Lieferung 12 seines für alle Gebildeten bestimmten PraMwerkes „Die Tiere der Erde" (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt) mitteilt. Diese Lieferung ist mit einem vorzüglichen Farbendruck, ein Flußpferd darstellend, geschmückt; im ganzen wird das Werk 50 Lieferungen zu je 60 Psg. umfassen. Diese populäre Tierkunde steht in illustrativer Hinsicht einzig da, indem sie über 1000 Abbildungen, die ausnahmslos nach photo- gravhischen Aufnahmen nach dem Leben hergestellt wurden, Persönliches von Theodor Kirchner (mit Bild) erzählt Dr. Wintzer, Musikdirektor Koch (Stuttgart) leitet eine Tonsatz- lehre ein. Ein Aufsatz des Darmstädter Privatdozeuten xr. Wilibalb Nagel behandelt die Analyse einer Beethoven- Sonate, dem sich Dr. Grunsly mit einem Artikel über die Kompositionen von Joh. Seb. Dach anjchließt. Die Rcusik- beilagen sind nach dem Cesichtspunkte einmal der musikalischen Unterhaltung sowie auch der Belehrung gewählt: Ein melodisches Vortragsstück von N. v. Wilm und die Bearbeitung einer Bourröe des großen ThomasiantorS. Vom belletristischen Teil des Blattes seien zloei Aufsätze: „Aus dem Leben berühmter Primadonnen" und „Schubert in Ungarn" erwähnt. Der Dresdener Urausführung der Blech- Batlaschen Oper: „Alpenlöuig und Nienschenfeind" ist in einem Artikel mit Notenbeispielen gedacht, Abbildungen aller Lauten liefern einen Beitrag zur Justrumenienkunde, und der Briefkasten gibt fachmännische Beurteilungen eilige sand ter Kompositionen. Die „Neue Musik-Zeitung" scheint auf dem rechten Wege zu jein, das Bedürfnis nach einer gediegenen wirtlich populären Zeitschrift zu erfüllen. Das zeigt auch schon der billige Abonnementspreis von nur 1,50 Mk. für das Vierteljahr von 6 Nummern mit regelmäßigen Musilbeilageu und einem Kunstblatt. — In einigen Wochen wirb unter dem Titel „M ü. n ch's Haus schätz", mie man uns schreibt, ein eigenartiges Sammelwerk erscheinen. Der erste Band führt den Sonder- titel „D em t s ch c D i ch t n ii g. der Neuzeit" unb enthält Gedichte von Felix Dahn, Marie von Gbner-Eschen- bach, Ludwig Fulda, Rudoll von Gottschall, Martin Greif, Paul Heyse, Wilhelm Jordan, Detlev oon Liliencron, Peter Rosegger, Frida Schanz, Johannes Trojan, Adolf Wil- b r ei not, Ernst von Wildenbruch ?c. Der zweite Band nennt sich „Deutsches S k i z z e n b u ch" und bringt Skizzen und Erzähtungeii von inneren ausgezeichnetsten Erzäb'ern veröffentlich endlich der Erste Staats-1 Dichtung Odysseus in dieser Saison von verschiedenen der bedeutendsten Orchester Deutschlands zur Aufführung ge- Zu! bracht wird. Des Prosper 9)ierimee 100. Geburtstages ist as, in einem Aufsatz (mit Bild^ von Armin Friedmann gebaM, 3o$n Turner, -er ufmänmscher Ange- uf Grund des neue» egenAusreizung ttben. Turner eri-cL der BegrüudWg, dch ^\'ö\en Glauben un^t^xä) \tl Tas ung zurück. Ter chistische Lehre Religion lge der Redefteiheil «ich Bestimmung habe aber ioiien die amerikanische esiallen solle. Turners sweisMgsgesetz, welches wurde. Usx w Zahr, M Ä-ÄE 11 r । e 11 >°°r »etuS^'^n i'lerie d-z xz°Kitt ' Püffe r "?'""- Lr6ene6„93 * 6er /S'ieil “«nirieüte ’s ‘?°n »S ertaimf? ö1hon liets°"„ntc. «i| die «"’Sn nB.nl) einst ‘ 1 Illtet‘ Io O^aieu fo »d P-rÄ^W-i,- ;t iu jein**» 9t- heule nnr ie^UfVnAen handelt es fifh \ n' »«n® hi b?t Sl”S' wssäg i0D7^Sümem. Al b«B er es um«. 'e NeWaft mit u iberetfjiigtet «eiie 'ZU wurden, daß „ catjlaje der Sitten. !»W jemeinjom »en nge Aktien bestimmte. beiden Angeklügt« 'hren Darstellung de esiimiMen, Wechsel "geklagten bejchuitz, oe aus das Stanta b Bankhäuser um 10 su haben. LaWM hmig und LchÄigung igierier Akkredinos in iellschalt lür Chemische Rewyorker Banlhause ?r verjchärslen amen- mgulhabm mehr Halle, isgegeben. Tie Firma ge vor Ausbruch des üe durch die päufigfeit nefiffiiebcnen & <^eine ronK 1 -^ozenlen 5etw; - la‘rIlfct üLer btt M ®ie mstl- lj^eßt- , Det muji* e ciniiuu 1&4lt; Ä«; A und .ff L Blech- • ib" ist in :‘-£. '*££ ,?2#S5 .uiiW'1!11! einet glS •» ituuiibto11; ^«Srt SrS - suyll unb n H । 'jjW- * ^etel Aold" ohne weiteres lässigen Eigenschasten, , Art und seine große oieblingSgeW «“« (3ÖI H «ft Oft CQ 6v Oft «ft 6-i Oft & C 3 o i» >8* G Oft -O o 3 cd « «4 r« K M 02 CQ 00 s s 3 Q- «ft CD Oft 3 _*_» s ~c Ä. •e s « c Z O o o 'Ss— e .3 & *ö c N 1 o p s E O o s ZI 'ä' SS ««sc O -4 $4 TH 02 = *" a cd •z « S Grb 2 ni> E fe rZ vE » C OO E O ' c e a rr o ® •• ö <3 «> o CD eu ^ =■ E U C o Jo ä» K tffl Z J4 o 2 ■ >b>Z s O w— CD Oft CQ c Oft O E/ « 0 Si ° o -o L -4-. o 2 ^VD o <0 ü oft e 04 "cd _S Io *ä s >6^ oft -2 iE *ST E !§ « ^S) .L ä Ä L Oft C c ZZ^L 5 K^N ö 144 o £> «-• c 05 §2 3 co —_ .0 0^-- 2,2 (£) .=2 g ä LZ .0 v g 2*° S1 "S'S o E u o O LZ' 2 O Z§ . cn o o <4v “o § g c „ ?ä7 « . L CQ -22. S •2? <22. O a* 2 - — — c2 —' 2 Sc) o Oft = = E? 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Ä ^=> = «* 2.51 «v2- X2 e sC 5 ff.5 Ec ä N ,5 e 2 — C-> O y E p S .p sc CQ r- lE— jO feg ^»-O E »o ,^20^ tio g ff ~ ,’G CD.E-rfeK E O -2> ,, 2, «* Oft «ft «ft & «ft «ft «ft co O 02 c c «ft 3 0 C c c' 8) >b c . c c o G 02 CD t—< O o ?4 O CD C g c Oft rH CD S E^ >0 O «ft - c L -E § L *a g « o £ 3 c g § fe g , CD *- ^S. o o" -ft» 70 CD c CO CD S O c -42 02 -2i c XD c CD C c o fe *42 c Z fe o E g c J-2^ Q VD C ! .£ 2 g CO 4O «ft = J§ c»-» O C o s^oHZ x> ej E* E E .E *° cd’CD «ft E o -ft. 3 —• -ft» czä CD Es: .c 3 3 C2 D s o « s« s u A J“? 55 «ft «4 LZ L - o © rO O «ft * CD ff 3 Q g S oft CDft4D E 3 LZ ^2 E ^Cd' aQ U. 3 ff 02 o O G> w 67^ c?> g o p M m grösster Auswahl. 839) 5 Mäosbaro 5 »W--L ä Giessen, Marktstr. 26. Geschäft Jesu Barniner Bei Husten «Ö-BT»er- Tapisserie! Tapisserie! empfiehlt 6910 do. Fst.jg. Butterstangeubohueu 2 Müllers ZU jedem annehmbaren Preise. 7703 Suppenspargel 65 „ Schnittspargelm.Köpf. 1.10 Jt la. 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Dieselbe soll'so- wohl im Kriegsfälle zum Transport von Verwundeten als auch m Friedenszeiten bei größeren Unglücksfällen zur Hilfeleistung her- angezogen werden. Wir fordern hierdurch alle, welche ein Herz für Verwundete und Leidende haben, zum Beitritt auf und laden dieselben ein, sich Sonntag den 15. November 1903, nachmittags 3 Uhr, im Saale des Cafe Ebel zu einer Besprechung einzufinden. In derselben wird über die Aufgaben der Sanitätskolonne und die Art der Ausbildung, die durch einen Arzt erfolgt, nähere Aufklärung gegeben werden. Damit bte Leistungsfähigkeit der Kolonne im Kriegsfälle nicht beeinträchtigt wird, ist es wünschenswert, daß möglichst solche Männer beitreten, welche nicht mehr militärdienstpflichtig oder ganz nnli- tarfrei sind. Schriftliche Beitrittserklärungen bitten wir an den Vorsitzenden des Zweigverems, Herrn Amtsgerichtsrat Wiener, 93erg|tratje 11, au richten. Auch werden in der Versammlung vom 15. November Anmeldungen eutaegengenommen. 8317 Ter Vorstand. 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