158 Jahrgang Samstag 10. Oktober 1803 Erstes VInrr. Nr 238 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilien> blätter viermal in der Woche beigelegt Rotationsdruck «. Verlag der B rü hl'schen Unwers^Buch- u. St ein« bruderet (Pietsch (trben) Redakttoa. Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Udresie für Depeschen: Anzeiger Gießen. Ferntprechanlchinßiltr bl. Giesjener Anzeiger General-Anzeiger w Amlr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monat lich7bPs^ viertel» sährltch Mk. 2L0; durch Abhole- u* Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch die Post Mk.2,— viertel« jährt ausscht Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tagesnummer diS vormittags 10 Uhr. ZeilenprriS: lokal 12 PH. auswärts 20 Pig. öecanioartltdb tür den poltt und augem. Teil: P. Ißtllto: für „Stadt und Land^ und .GerrchtSfaal"; Auaust G ö tz; für den vln- zeigenteil: Han« Beck. Kinder-Wartyrium. Em entsetzliches Kinder-Martyrium, eine Tragödie, wie sie furchtbarer, herzbewegender nicht die Phantasie ersinnen könnte, zieht in diesen Tagen vorüber. Der Prozeß vor dem Bayreuther Schwurgericht gegen den Hauslehrer Dipp old, der den blühenden, jungen Sohn des Kommerzienrats Koch-Berlin, zu Tode gemartert hat, steht fast ohne Beispiel da in der Kriminaljustiz. Es erinnert in seiner Scheußlichkeit nur an die fürchterlichen Greueltaten des französischen Giftmischers und Mörders Deruös, von denen in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einmal Will). Jordan in seinen Wanderbüchern berichtete. Aber es war nicht allein das Schreckliche, kaum Faßliche der Tat, das die Oefsentlichkeit in berechtigte Erregung versetzt und dem unglücklichen Opfer der Brutalität und sittlichen Verdorbenheit das allgemeine, tiefe Mitgefühl zuwendet. Die begleitenden Umstände fordern die Kritik heraus. Die erste Frage ist: War diese fortgesetzte Kinderfolter zu verhüten? Diese Frage kann nicht verneint werden. Ganz abgesehen von den ernsten Bedenken, die sich notwendig der Berufung eines unreifen Menschen zum Erzieher, noch dazu mir weitgehenden Befugnissen, entgegenstellen, ist wohl den meisten Lesern unserer Prozeßberichte der Gedanke gekommen: Wie ist es möglich, daß zwei Knaben, Söhne begüterter Eltern, nicht Schutz zu finden vermochten gegen die bei Tag und Nacht sie bedrohende Gefahr, von einem Wüterich zu Krüppeln mißhandelt oder totgeschlagen zu werden? Wie ist es möglich, daß die Mitteiumgen des Dienstpersonals, das auf die Gefahr hin, sich ,ums Brot zu bringen, von den Mißhandlungen Anzeige erstattet, weil die Quälerei nicht mehr mit au- zusehen ist, nicht einen durchgrersenden Wandel der Dinge herbeifübren, mit dem ersten Resultat, daß der Peiniger Hals über Kopf zum Haus herausgeworfen wird? Hat denn nicht, so fragt man sich, eine offene und vertrauensvolle Aussprache zwischen den Eltern und Kindern statt- gesunden — „reizende, Liebe Kinder, die einer besonderen Erziehung nicht bedurften", so schildert Kommerzienrat Koch, so schildern andere den Charakter der Jungen —, und wenn es geschehen sein sollte, wie konnte dem ftemden Patron mehr Glauben geschenkt werden, als zwei braven und ehrlichen Kindern? Frau Kommerzienrat Koch — sie wird eine tiefteligiöfe Frau und vortreffliche Mutter genannt — schreibt, obwohl sie durch den Gärtner von den argen Mißhandlungen unterrichtet worden war, an Dippold im Februar d. I.: ,^Zn Drosendorf wird Sie niemand stören, am wenigsten jemand aus unserer Familie". Ist es zu verwundern, wenn dies von Dippold gewissermaßen als eine Vollmacht zu unbeschränktem Schalten und Walten aufgefaßt wird?' Aus dem Zeugenverhör des Kommerzierats Koch sei folgende Stelle wiederholt: „Weihnachten 1902 habe ich meinen getöteten Sohn Heinz zum letzten Male gesehen. Ich sand, daß der Knabe etwas blaß aussah, auch war er ettvas magerer geworden. Ich führte das auf die magere Kost zurück, die er bekam, weil er ein bischen stark war." Wir fragen: Durste sich ein Vater mit dieser Schlußfolgerung beruhigen, nach dem, was ihm über die „Erziehungsmethode" des Hauslehrers bereits zu Ohren gekommen war? Auch der Staatsanwalt warf die Frage auf: „Haben Sie nicht gehört, daß Dippold schon im November 1902 Ihre Söhne sehr mißhandelt hat? — Die Antwort des Zeugen lautet, seine Frau habe Vorsorge getroffen, daß so etwas nicht mehr vorkommen werde. Unverantwortlich haben die beiden Herren gehandelt, die als Vertrauenspersonen des Kommerzienrats Koch nach Ballenstedt entsandt wurde::, um die >, er forderliche Untersuchung" vorzunehmen. Was soll man dazu sagen, wenn insbesondere ein Arzt, ein Professor, sich seelenruhig auf den Bericht des erneuter schwerer Mißhandlungen Beschuldigten verläßt, ihn ohne weiteres für einen „id ea l en M ensche n" erklärt, während doch die oberflächlichste körperliche Untersuchung der Knaben ihn sofort über die Wahrbeit unterrichtet hätte! „Wir sahen", so berichtete der Gärtner im Prozeß, „auf dem Rücken und den Armen des Knaben (Heinz) große blutige Wunden, sodaß man eine Hand hin- e in legen konnte" . . . Man kommt bei dieser Gerichtsverhandlung aus dem Staunen nicht heraus, wie wenig ge- schehen ist, um diesem unerhörten Leiden der Wehrlosen ein Ende zu machen und eine Tat zu verhindern, die bei der Gewalttätigkeit und bestialischer Roheit des Hauslehrers auch noch den zweiten Knaben hätte treffen können. Das tief Tragische, tief Bedauerliche an diesem Kinder-Martyrium ist, daß die Opfer nicht da den nachdrücklichen und sicheren Schutz gefunden haben, wo sie diesen Schutz unter allen Umständen finden mußten. 8 Jahre Zuchthaus? Eine betreibend geringe Strafe für einen so unvergleichlich abgefeimten und in seiner niederträchtigen Gemeinheit schier einzig dastehenden Schuft, »iwu» i JWi.’iMMuiMBrj, irrM! । m—MBMJn JILII I I u— tt ii QM । —■ppawama UMische Tagesschau. Ein politisches Nebelbild. Man schreibt uns aus Berlin unterm 9. Oktober: Im Lichte des „Scheiniversers", der von der Themse aus nach dem fernen Osten gerichtet wird, sieht die Lage dortgefährlich aus. Sie hat sich! zwar schon wiederholt derart präsentiert, und die Kriegswolken such immer am Horizont verschwunden. Nachdenklich stimmt diesmal aber die schwerlich auf Zufall zurückWf ährende Tatsache, daß der erst vor kurzem nach der ostaftükanischen Station beorderte deutsche Kreuzer „Seeadler" vor emigen Tagen Befehl erhielt, f chl e un i g jt in d i e chinesis ch e n G e w ä s s e r zurückzukehren. Es muß ein zwing en d er Anlaß zu dieser Maßregel vorliegen, denn sonst hätte d-e Marineverwaltung die ostafrikanische Station nicht wieder in den Zustand der Entblößung versetzt in dem sie sich leider Jahre hindurch befand. Die Veranlassung zu der Rückberufung kann nur von fetten des Auswärtigen Amtes gegeben sein, und von diesem ist wiederum nur anzunehmen, daß ihm besonders wichtige Depeschen durch die diplomatischen Vertreter Deutschlands in Ostasien übermittelt worden sind. Nachdenklich stimmt ferner die von diplomatischen Kreisen der Reichshauptstadt vertretene Anschauung, daß der russische Kriegsminister Kurupatkin nicht mehr lange im Amte sein werde. Dieser Minister hat, wie erinnerlich sein dürfte, vor einigen Wochen Japan besucht. Er war Gast des Kaisers in Tokio und wurde in ausgezeichneter Weise ausgenommen. Das ließ auf nichts weniger als auf eine Spannung zwischen den beiderseitigen Regierungen schließen. Wenn jetzt die Stellung Kuropat- kins als erschüttert bezeichnet wird, so liegt nahe, dies mit der Japan fahrt des Ministers in Verbindung zu bringen, umsomehr, als mittlerweile Admiral Alexejeff zum Statthalter von Ostasien ernannt worden ist, der mit Kurupatkin nicht auf gutem Fuße stehen soll. Diese Momente lassen die politische LageinO st - asien „an g e d un kelt" erscheinen. Doch daß der von England so ersehnte Krieg zwischen Japan und Rußland nicht auf der Tagesordnung steht, dafür bürgt der Hochzeitsbesuch des Zarenpaares in Darmstadt unb die von ihm noch in diesem Monat geplante Reise nach Rom. Das Bestehen einer Kriegsgefahr würde den Zaren aber sicherlich in Petersburg in unmittelbarer Fühlung mit seinen Ministern sehen. Es ist also wohl ein Nebelbild, das die politischen Leuchtturmwärter und Signalmänner an der Themse durch Scheinwerfer jetzt in den Gesichtskreis rücken. Deutsches Deich. Berlin, 9. Okt. KaiserWilhelm übersandte dem Erzherzog Friedrich anläßlicv feiner silbernen Hochzeit eine große Uhr und zwei prächtige Leuchter aus Meißener Porzellan. — Der preuß. Handelsminister Möller Hut, wie der „Hann. Anz." berichtet, bei einem Festmahl auf dem Peiner Walzwerk anlnüpfend an seinen Besuch der Erdölwerke im Oelgebiet der Lüneburger Heide gesagt: Er freue sich, die Ueberzeugung mitnehmen zu können, daß jetzt dem amerikanischen Petroleummonopol bald ein Ende gemacht lverden könne durch die Bestrebungen, in Deutschland Erdöllager aufzufinden, so namentlich in der Lüneburger Heide. Die Regierung stehe in dieser Frage auf dem Standpunkte, daß sie die aus diese:: Bestrebungen entwickelnde Konkurrenz nur gegen das Ausland richte. Es wäre der richtige Standpunkt, wenn die deutschen Produzenten Hand in Hapd gehen würden und zusammen große Raffinerien errichteten. Wre bei den Konferenzen des Ministers mit den Oelindu- striellen zur Sprache kam, beabsichtigt die Internationale Bohrgesellschaft, im allergrößten Maßstabe Oelbohrungen im Mietzer Oelbruche vorzunehmen; sie hat teilweise auch bereits damit begonnen. — Der „Vorwärts" teilt mit, Dr. Draun's Wochenschrift: „Die neue Gesellschaft", stellt vorläufig chr Er- sgräflich! hessischen Gardes du Corps und Cheveauxlegers um die Zeit vom Jahre 1803 erschienen: Oberleutnant v. Bieberstein mit Frau v. Loeßl, Rittmeister Andreae mit Freiin v. Bellersheim, Oberleutnant v. Negenborn mit Frau Andreae, Leutnant Jonkheer Nendorp mit Freiin v. Schenck, Leutnant Wätjen mit Frau v. Malkensen, Leutnant Freiherr Hermann Riedesel mit Freiin Catea Riedesel, Oberleutnant Frhr. v. Bellersheim mit Frau v. Bieberstein und Leutnant Graf v. Limburg- Stirum mit Freiin Anna Riedesel. Die Quadrille bewegte sich in sehr eleganten und vortrefflich ein studiert en Evolutionen und rief allgemeinen Beifall und Bewunderung hervor; auch der hohe Regimentschef gab feiner Anerkennung wiederholt lebhaften Ausdruck. Nach Beendigung des schönen Festes begaben sich alle Herrschaften nach dem gegenüberliegenden Offizierskasino und nahmen dort den Tee ein. Heute abend wird das Festspiel noch einmal zum Besten, eines Wohltätigkeitszweckes aufgesührt. Tie Abreise der Königin von England mit ihrer Tochter, Prinzeß Viktoria, sowie des griechischen Königspaares, des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland und des Prinzen Georg, Gouverneur von Kreta, erfolgte heute abend 7 Uhr 38 Min. mittels eines Extrazuges der englischen Königin. Zum Abschied waren im Mrstenzimmer des Bahnhofs erschienen: der Großherzog, das Zarenpaar, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, die Großfürstlich russischen und die Batten- bergischen, sowie alle anderen nvchj hier weilenden fürstlichen Herrschaften. Der Großherzog und der Zar geleiteten die Königin von England und das griechische Königspaar zu ihrem prächtigen Salonwagen, den fie nach herzlichen Umarmungen und Küssen bestiegen. Der Abschied vom Zarenpaar, dem Großherzog und dem neuvermählten Paare, das am Nachmittag von Schloß Heiligenberg hierhergekom- men war, gestaltete sich besonders herzlich Noch bei der Abfahrt riefen sich die Majestäten wanne Mschiedsworte zu. Von weiteren Fürstlichkeiten sind heute abend noch abgereist: Um 5.41 Uhr Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und abends 8.41 Uhr die Herzogin Wera von Württemberg. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sowie der Großherzog uiid mehrere andere Fürstlichkeiten werden sich am nächsten Sonntag zum Besuch der fürstlich Erbach- Schönbergschen Herrschaften nach Schloß König im Odenwald begeben, wo ein Diner im engeren Familienkreis» 15 Gedecke, stattfindet. Am Montag, den 12. d. M., begeben sich das Zarenpaar mit den Prinzessinnen, der Großherzog mit Prinzessin Elisabeth, und die Großfürstin Sergius und Georg mit Familie und Gefolge nach Jagdschloß Wol f- g art en, wo sie etwa 12 Tage verbleiben werden. Das Großh. Hvflager wird am Montag ebenfalls dorthin verlegt. Fraurede für Irin; Alexander von Kriechenland und Frinzesstn Alice von Aattenöerg, In der Traurede, die Obertorisistorialrat Petersen bei der Vermählung am Mittwoch au das Jp-otyc Brautpaar richtete, führte der Prediger nach der „Darmst. Ztg." in warmherziger Weise im wesentlichen etwa folgendes aus: Friede, sei mit Euch! Dies Wort des Lebensfürsten sei iu dieser Stunde, da lautere Freude und tiefer Ernst Eure Herzen bewegen, der Segenswunsch aller, die mit Liebe auf Euch schauen, der Segenswunsch vor allem derer, als deren geliebte Kinder Ihr heute steht am Traualtar, an demselben Altar, an dem einst die Eltern der Braut das Gelöbnis der ehelichen Liebe und Treue austauschten. Friede sei mit Euch! Das sei Eurer Gottes Gruß, den wir Euch erbitten. Ihr, erlauchte Braut, verlasset heute in gewissem Sinne Das Elternhaus, das bisher Eure Welt war, eine Euch liebe und herzvertraute Welt. Jst's auch kein innerliches Scheiden, so doch eine Loslösung, die nicht ohne Wehmut und leises Bangen sein kann. Friede sei mit Euch!, wenn nun heute Jawort und Handtreue vor Gottes Angesicht es dem, dem Ihr das Kleinod seines Lebens sein sollt, verkündet: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, wo du bleibest, da blerbe ich auch; dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott; der Herr tue mir dies vder das, der Tod muß mich und dich scheiden." Friede sei mit Euch!, wenn das Gelobte zur Wahrheit wird und Ihr die Heimat verlasset, um einer neuen Heimat entgegenzuziehen. Liebe laßt Euch hier nicht scheiden, Liebe wartet auf Euch im herrlichen Lande der Sonne, im L)choß des liebewarmen Familienkreises, darin hinfort auch Euer Platz sein soll. Friede sei mit Euch, erlauchter Prinz, wenn Ihr als Bürgschaft des Friedens und stillen Glückes aus Gottes Hand sie empfanget, die von heute ab alles mit Euch teilen will, was das Leben Euch bringen möge und der gebenden die nehmende Klebe gelobt: Ich wlll mich dir verloben in Ewigkett. Mtt Frieden erfüllte Beider Herzen die Gewißheit: Unsere süße Pflicht, unser heiliges Rechst i stes, miteinander des Lebens reine Freuden zu genießen, miteinander des Lebens Lasten und Eins des Andern Last zu tragen als unzertrennliche Freunde, als in Gott heilig verbundene, treue Lebensgenossen. Friede )ei mit Euch und Eurem Hause. Zum geisttgen Hausbau seid Ihr berufen. Ihr habt ihn begonnen, da Crure Herzen sich fanden. Das edle Baumaterial der Liebe und Treue, des herzlichen Einvernehmens und gegen- f eilig en Sichverstehens ist vorhanden, nun heißt es bauen in sttller Liebesarbeit eines ganzen Lebens, bauen Euer Haus und Heim als eine Freistatt des Friedens in dieser unruhigen Well, wo das Weib als eine Priesterin Gottes den Frieden hütet und die Zufriedenhett pflegt, darin des Hauses Glück sich vollendet, wo des Mannes ritterlicher Ernst die Schwelle treulid): bewahrt, daß nichts Arges unst Störendes sie überschreite. Den Frieden schütze und er-- halle Demut und Sanftmut, Rücksicht und Nachsicht, feinsinnige Ehrerbietung, Liebe ohne Ende, die dienend nicht das Eigene sucht, alles glaubet, hoffet, duldet und verträgt! Friede sei mit Euch! Ter Friede der Herzen in Gott! Ein Heiligtum ist das Haus, das sich verschließen soll gegen die Well und sich erschließen soll nach oben. In das Heiligtum der Ehe gehört der heilige Gott. Tie Verschiedenheit: des Glaubensbetenntnijses braucht Euch nicht die Einigkell im Glauben zu stören. Jeder das eigene treu, bewahrend, behaltet Euch mit einander in der Liebe Christi, der allein unser Aller Frieds ist Friede sei mit Euch! Mit Euch sei Gott. Wohl Euch, wenn Ihr zu Dem Euch haltet, der auf den Höhepunkten und in den schweren Stunden des Lebens ungesehen uni) doch fühlbar Euch nahe treten kann und will, der die Wogen des Lebens und die ^Wallungen des Herzens sänftigt mit dem heiligen'Gruß: Friede sei mit Euch! Friede sei mit Euch! Friede auf den Weg, der vor Euch liegt, dessen Fortgang Gottes Geheimnis ist. Mit den Euren wünschen wir Euch: Friede sei mit Euch, allenthalben und in allerlei Weise, auf allen Wegen und in allen Lebenslagen, Friede der in Treue verbundenen Herzen, Friede im Glauben, daß denen, die Gott lieben, alle Tinge zum Besten dienen müssen, Friede in der Hoffnung auf den Gott, der es Euch heute verheißt: Fürchte Dich nicht, ich bin mit Dir/ weiche nicht, ich bin Dein Gott! Friede sei mit Euch am Ende wie am Anfang Eures Weges. „Bis daß der Tod uns einst scheiden wird", gelobet Ihr einander heute. Alle Erdenwege laufen in die Ewigkeit aus. Das ist das Allergewisseste, was Ihr von Eurer Zukunft wisset. Friede sei mit Euch! Friede der Liebe, die fest gewillt ist, -treue zu halten bis tn den Tod. Friede der Liebe, die stärker ift als der Tod, Friede der Hofs- nungsgewißheit, daß es eine ewige Friedenswell gibt, da in Gott ewig verbunden fein sollen, die sich hier in Gott gesunden. Zum Friedensbund e legen sich heute die Hände zusammen. Wir segnen Euch im Namen des Herrn. Der ewige Vater segne seine Kinder. Friede sei mit Euch! Amen. Aus gtiiiilt und Land. Gießen, den 10. Oktober 1903. ** Personalien. Aus Grund Allerhöchster Entschließung S. K. H. des Großherzogs ist dem seitherigen Königl. Spanischen Vizekonsul, Kommerzienrat Wilhelm Preetorius in Mainz das Exequatur als Königl. Spanischer Konsul mit dem Amtssitze daselbst erteilt worden. — Der Kanzleidiener bei dem Ministerium des Innern Adam Funk zu Darmstadt wurde auf sein Nachsuchen iu den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 4 9 enthält eine Bekanntmachung, die einheitlich deutsche Rechtschreibung betreffend. ** Dich Obsternte in der Gemarkung Gießen beträgt- Aepfel: 100 Doppelzentner, Birnen: 105 Doppelzentner, Pflaumen (Zwetschen): 1400 Doppelzentner, Wallnüsse: 5 Doppelzentner. In der Gemarkung Schiffenberg: Aepfel: 40 Doppelzentner, Birnen: 5 Doppelzentner, Pflaumen (Zwetschen): 10 Doppelzentner, Wallnüsse: 3 Doppel- Zentner. ** Feuerlöschprobe. Auf Oswalds Garten findet am nächsten Montag eine für Jedermann interessante Feuer- löschprobe statt, bezüglich deren wir auf das Inserat in heutiger Nummer verweisen. ♦* Unsere Militärkapelle wird morgen, Sonntag, 1/26 Uhr zur Eröffnung der Winter-Saison im Neuen Saalbau ein Konzert veranstalten. Das Programm, das gestern im Inseratenteil veröffentlicht wurde, verspricht viel. Abends um y29 Uhr wird auch ein Konzert der Kapelle im Cafe Leib stattfinden. ** Das Promenadenkonzert findet morgen 11V2 Uhr in der Südanlage statt nut folgendem Spielplan: 1. Ouvertüre „Franz Schubert", von Suppe, 2. Maritana- Walzer, von Dollinger, 3. Glühwürmchen! Idyll von Lincke, 4. Paraphrase über „Home sweet dorne", von Voigt. ** Der neue Bahnhof. Nachdem der Plan des Architekten Hofmann in Herborn für den Um- und Erweiterungsbau des Bahnhofs in Gießen die Genehmigung des Ministers gefunden hat, dürfte es wohl die Leser interessieren, etwas näheres über den Grund der Verzögerung, die die Sache seither hatte, zu erfahren. Bereits im November 1901 wurde mit dem Aushub begonnen, da zu dieser Zeit bereits Pläne dem Minister Thielen zur Begutachtung vorgelegt worden waren. Vom Minister wurden noch einige Aender- ungen gewünscht, worauf die Arbeit bis zur definitiven Entscheidung wieder eingestellt wurde. Es wurde dann später eine Kommission einberufen, bestehend aus mehreren Herren des Ministeriums, der Eisenbahndirektion in Frankfurt, dem Geh. Oberbaurat Hofmann in Darmstadt und dem Architekten Hofmann ans Herborn. Nach gemeinsamer Beratung wurde Architekt Hofmann mit der Ausarbeitung der Plane betraut. Zur Verzögerung des Baues hat vermutlich der Wechel des Eisenbahnministers, sowie der mit der Ausführung beauftragten Direktionen zmn Teil beigetragen. Architekt Hofmann in Herborn wurde beauftragt, die Pläne mit sämtlichen Detailzeichnungen auszuarbclten und dem Minister zur Genehmigung vorzulegen; zur Vorlage wurde Termin bis Jiili l. I. festgesetzt. Die Pläne des Herrn Hofniann haben, wie wir schon' mitgeteilt haben, letzt die Genehmigung des Ministers gefunden. ** Männerturnverein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, findet heute, Samstag abend im Hotel Schütz die halbjährliche Hauptversammlung statt, bei welcher u. a. das Winterprog ramm festgestellt werden soll. Für morgen ist eine Familien-Zusammenkunft auf Textors Hardt vorgesehen. Verlaus der Witterung von Donnerstag bis Freitag. Westlich Frankreich ist wie erwartet ein neues Tief erschienen und nordostwärts vorgedrungen. Es verursachte vorgestern südliche Winde, welche merkliche Temperatursteigerung brachten; auch nahm gegen Mittag bei der weiteren Annäherung des Tiefs die Bewölkung wieder zu und siel nachmittags stellenweise geringer Regen. Gestern, Freitag, weist das Tief zwei Kerne auf, der eine über England, der andere über Nordoeutschland; da die Luftdruckunterschiede ziemlich groß sind, har sich über Nacht starke Luflbewegung eingestellt. Im Lause des Vormittags fiel mäßiger Regen. Gestern mittag dreht auf der Rückseite des einen Tiefs der Wind nach Westen und ruft, da er ein abgetenfter Nord ist, Abkühlung hervor, auch klärt er stärker: auf. Die Tiefs dürften ojUvarts weiterziehen, das Hoch sich jedoch nach Westen verlagern. Es wäre demnach für die nächsten Tage stärkere Abkühlung und zunächst noch Regenwetter wahrscheinlich. Peppier. 4- Aus dem Lumdatal, 8. Okt. Der neu eingelegte Schülerzug auf der Nebenbahn Londorf-Lollar mit Anschluß nach Gießen entspricht, wie man heute sehen konnte, sehr vielen Wünschen. Heute morgen war ex so überfüllt, daß auch in der 3. Wagenklasse einzelne Reisende stehen mußten. 1. Bad-Nauheim, 10. Okt. (Eigener Drahtbericht.) Der wegen der Einbruchsaffaire verdächtige, in das Nauheimer Amtsgerichtsgesängnis eingelieferte Karl Schutt konnte sein Alibi für die betreffende Zeck nachweisen, da er in fraglicher Nacht in der Wirtschaft Gnadenbauer schlief. Eine Gegenüberstellung mit der überfallenen Frau Stroschein konnte nicht mehr stattfinden, da die Dame mit ihrem Gemahl schon gestern, Freitag, abgereist ift. Heute vormittag 11 Uhr wurde Schutt nach Gießen überführt, um in der Klinik mit dem dort sich befindlichen Fräulein Strohschein gegenübergeftellt zu werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Schickt alsdann sofort aus der Hast entlassen wird. -h-. Kaulst 0 s, 9. Okt. Gestern erlitt eine schon bejahrte Frau auf dem Felde einen Schlaganfall und brach bewußtlos zusammen. Mehrere in der Nähe arbeitende Männer brachten sie nach Hause. tz Sichenhausen, 9. Okt. Der langjährige Beigeordnete Valentin Fischer hat sein Amt freiwillig niedergelegt. Am 17. d. Mts. findet eine Neuwahl statt. Mehrere Kandidaten sind schon ausgestellt. Jugenheim, 9. Okt. lieber den Einzug der hohen Neuvermählten wird dem „D. Tägl. Anz." geschrieben: Der Einzug gestaltete sich in allen Tellen zu einer imposanten Kundgebung der Verehrung. Die noch recht zahlreichen Kurfremden, sowie viele auswärtige Besucher verliehen dem sonst so ruhigen Leben und Treiben in Jugen- fieim ein festliches Gepräge. Wahrhaft großartig nahm sich die Illumination aus, deren Beginn der ganzen Gemeinde durch Raketen und Böllerschüsse angezeigt wurde. Die Schulkinder bildeten Spalier. Nach 9 Uhr traf das Hohe Paar in einem Automobil hier ein. Unter lebhaften Hochrufen seitens des festlich gestimmten Publikums und unter immerwährenden Dankesbezeugungen unserer liebreizenden Prinzessin und ihres hohen Gemahls wurden fast sämtliche Ortsstraßen im langsamen Tempo durchfahren. Als Hochzeitsgeschenk der Gemeinde Jugenheim überreichte Bürgermeister Loos ein in prachtvollem Ledereinband gebundenes Chronikbuch mit entsprechender Widmung. Die Widmung ist vom Hoflakligraph 'Göttmann in Darmstadt kunstvoll gefertigt, und lautet wie folgt: „Dem Hohen Hochzeitspaare Sr. Königl. Hoheit Prinzen Andreas von Griechenland und Ihrer Durchlaucht Prinzessin von Battenberg, gewidmet zu der Hochzeitsfeier von bet dankbaren Gemeinde Jugenheim. Loos, Bürgermeister." In antikem Stile gehalten, sind in dem Buch auf Pergament- papier feine uuo getreue photographische Nachbildungen von .Ranozeichiiungeu von der Meisterhand Dürers und Cra-^ nachs wieoergegeben. [] Marburg, 9. Oft. Ä)atz auch m unterer aufgeflärfen Zeit der Aberglaube noch nicht ganz ausgerottet ist, zeigt folgender Fall. In einem Dorfe des Ebsdorfer Grundes wurde einer Frau, die in ein fremdes Haus getreten war, der vor der Türe zurückgelassene Korb mit Inhalt gestohlen. Anstatt nun, wie es sich gehört, der Sache nachzugehen, suchte man mittelst einer Zauberei den Dieb zu ermitteln. Auf diese Weise kam eine Familie in bösen Verdacht und fand auch in dieser, ohne Hinzuziehung des Gendarmen, wie es Vorschrift ist, eine Haussuchung statt. Das stellte sich heraus, daß die Zauberei die Leute völlig im Stich gelassen hatte, denn die Verdächtigung erwies sich als völlig haltlos, weil die Betreffenden zu der Zeck überhaupt nicht zu Hause waren. Wie man hört, hat die des Diebstahls bezichtigte Familie die Geschichte zur Anzeige gebracht und ein Nachspiel für diejenigen, die da unbefugt Haussuchung abhielten, dürfte nicht ausbleiben. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bantdiebe sind in Frankfurt a. M. wieder aufgetreten. Am 3. d. Mis. stahlen sie dott auf der Reichsbankstelle vormittags um 10*/, Uhr einem Boten 3900 Mark in Hundertmarkscheinen und ein Quittungsbuch mit der Aufschrift „Holzmühle" aus der Brusttasche. Es sind zwei Männer, die so arbeiten, daß der eine stiehlt, während der andere ihn deckt. — Der Lyriker Dr. Daniel Saul ist in Jugenheim gestorben. Sandet und Uerkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 9. Oktober 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Privat-Diskont 3 % Prozem. Anfanqs- Oest. Kredit .... 205.20 Deutsche Bank . . • 215.75 Darmstädter Bank . . 140.25 Bochumer Guß . ♦ ♦ 186.60 Harpener Bergbau . . 190.60 Schluß-Tendenz: Fest. Industrie, Gießen.) u. Schlußkurse. 205.90 216.10 140.50 186.10 191.- — Petroleumpreise. Alan schreibt uns aus Gießener H a n d e l s k r e r s e 11: In der gestrigen Rununer Ihres geschätzten Blattes berichten Sie, daß die Petroleumpreise an allen Haupt- slapelplätzen und speziell Hamburg um 75 Pig. pro Zenmer gestiegen seien, eine Notiz, welche iin Interesse der Verbraucher dieses Artikels, weck unrichtig, nicht umvidersprochen bleiben darf. Ich glaube wohl in der Annahme nicht fehl zu gehen, daß diese Notiz non der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesell s ch a i t selbst veraiilaßt rooibeii ifi (sie ging uns von einem Korrespondeuten aus Frankfurt zu. D. Red.) um ihre neuerdings schon wieder vorgenonilnene Preiserhöhung ex Tankwagen mund- gerecluer zu machen und auf rveilere Erhöhung vorzubereiten. Wie in beteiligten Kreisen allgemein bekannt rsl, hat tue Deutsch-Amerikanische Petroleumgesellschaft trotz der zur Unterdrückung des freien Handels eingeiührten Kaiiipfpreije, in hiesiger Gegend absolut keine Fortschritte geviacht. Diese, für sie Vertust bringenden Kampfpreise scheint die Gesellschaft nun müde zu fein, und jo sucht sie nun, unter der unrichtigen Behauptung, der Weltmarktpreis sei pro Zentner um 75 Pfg. gestiegen, eine abermalige Steigerung des Literpreises vorzunehmen. Ich habe mich deshalb der Muhe unterzogen, die Pelrolemnprelsnotierungen des tonangebenden Hamburger Marktes seit Mitte Alm d. Js. mit den heutigen Preisen daselbst zu vergleichen. Die,e Prüsung ergibt nun, daß die Notiz absolut unrichtig i|i und die Steigerung seit Mitte Mar nur 30 Pfg. per Zentner beträgt. Am 12. Mai 1903 kosteten amerikanisches Petroleum in Hamburg Mk. 7.40 per Zentner, stieg dann bis 1. August auf Alk. 7.50 und steht nun schon seit 30. September unverändert auf Alk. 7.70. Es liegt auf der Hand, daß eine so kleine Erhöhung des Weltmarktpreises eine Steigerung der Literpreise um s/4 Pfg. absolut nicht rechtseriigen kann und gestatte ich mir hierdurch, im J»iterei,e der Konsumenten und Händler, Sie ergebenst zu bitten, hiervon der Oeffentlichkeit Kenntnis zu geben. Getreide. Die heutigen Notierungen sind: Weizen. Jteb Winter II Mk. 13505 — •e# Kansas II 135-- Utka-Weizen 9 p. ’6/M 125—126 „ 10 p. 130-- 0 Rumänischer, 80/81 Kilo 131-135 m 79/80 „ 129—130 „ 78; 79 „ 128—129 Roggeii. Russischer 9 p. Rufs. Fitttergerste 60/61 Kilo 99-- S Gerste. w 82-- Hafer. Russischer 47/48 Kilo 100—102 , 50/51 , V 104—109 & Mais. mixed V 96-- Laplata r. 1. V 90-- • Märkte. Gießen, 10. Oft. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkt fofteieu: Butter pr. Pfd. 0,90—1,10 Alf., Hühnereier 1 St. 7—9 Pfg., 2 Stck. 00-00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 8—0 Pfg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Kasematte2 Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr.Lcker 21Psg^ Linsen pr. Liter 32 Mg., Tauben pr.Paar 0,70—09,0All., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Alk., Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Alk., Enten pr. Stück 1,80—2,40 Alk., Gänse pr. Pfd. 52—60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfmid 62—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzeii, pr. Pfu,rd 80 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—76ZPfg., Hainmetsieisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—9,00 Alk., Weißkraut per Stück 00—4)0 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk., Milch per Liter 18 Psg., Aepiet per Pfd. 0—00 Psg., in Körben 00—00 Pfg. Zwetschen Ack. 7.00—9.00 pr. Etr., Trauben 00—00 PM«, Kunst und Wissenschult. — Soeben erschien im Berlage von Fritz Lehmann in Stuttgart: „Das M r n e r a 1 r e i ch", von Dr. Reinhard Brauns, ordentl. Professor an der Universität Gießen, ein Werk mit vielen 2!ext-Jllustrattonen, Farbentafeln, Lichtdruck- tgfelll uiid Kuliftdrucktajeln. Eingesandt. (Für Form und Jnha.^ -^ ser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redatlwn dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 9. Oktober. Leise Anfrage. Vom Selters tor bis zum Ät e u st ä d t e r T 0 r ist nicht eine einzige Bank zum Ausruhen für alte Leute. — Kömile hier der Verschönerungs-Verein nicht Abhilfe schaffen? _ Schiffsnachrichten. Hamburg-Amerika Linie. Vertreter m Gießen S. Elsoffer, Marktstraße. Hamburg, 6. Oktober. Der Hamburger Schnell-Post- Darnpfer „Deutschland", Kapitän Barends, ift am 6. Oktober, 7 Uhr inorgens, wohlbehalten von Hamburg via Southampton und Eherburg in Rewyork angefommeu. Arbeiterbewegung. Toure oi ii g, 9, Okt. In der letzter 9lacht und heute früh fanden keine Ruhestörungen statt. In zahlreichen Arberterver- Sammlungen entschied man sich, den allgemeinen Ausstand nicht berbeizusühren, da der Augenblick dazu noch nicht gekommen sei. Valencia 9. Oft Hier brach ein allgemeiner Streik der Oktroi-Beamten aus, worauf lausende von Frauen und Kindern enorme Mengen von Wein und anderen Maaren unter dem Beifall des Publikums in die Stadt .einschmuggelten. Dann, wurden die Oktroihäuschen an gezündet. Gerichtssaal. b. Gießen, 9. Oft. ., Gr.-Linden 21-^ Hch. Weber, Heuchelheim 22 „ L. Steinmüller, Gr.-Lindeit 22 , W. Weitzel, Lang-Göns. . 22 „ W. Steinmüller Wwe., W. Lein, Klein-Linden . . 24 , Lang-Göns . . . . 22 „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Schwarzbrot, bei: ,J.Kd. Velte, Kirch-Göns 40 W. Weitzel, Lang-Göns . . 44 „ Georg Dem II., Gr.-Linden 42 , Gust. Jakoby, Älten-Buseck 44 „ Louis Süßmuth, Steinberg 42 „ Heinr. Weber, Heuchelhetm 44 M L. Steinnrüller, Gr^-Linden 44 , Karl Trautmann, Wieseck 44 r Karl Post/ Wieseck ... 44 Ernst Christ, Wieseck . . 44 , W. Steimnüller Wwe^ Jakob Appel, Krofdorf . . 46 , Lang-Gö:rs . . . . 44 „ W. Lein, Klein-Linden . . 48 „ 2*/7 Kilogramm (5 Pfund) Schwarzbrot bei: Louis Süßmuth, Steinberg 52 $ 3 Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: W. Fabel, Wieseck ... 66 Karl Post, Wieseck ... 66 Karl Trautmann. Wieseck 66 „ Ernst Christ, Wieseck . . 66 , 1 Kilogramm (2 Pfund) Kornbrot bei: Ferd. Weiß, Grüningen . 22 5> 2 Kilogramm (4 Pfund) Kornbrot bei: Jakob Appel, Krofdorf . 42 H W. Schimmel, Kinzenb. M. 44 „ Ferd. Weiß, Grüningen . 44 „ Ludwig Velte, Atzbach . ♦ 44 „ Der Brotverkäufer: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern. Gießen, den 9. Oktober 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. eamätag, 17. Oktober, vormittags 10 Uhr, iotten tm Bürger- meistcreigebäude die Holzhauer- u. Setzerlöhne für die Waldungen der Stadt Gießen öffentlich vergeben werden. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der benachbarten Gemeinden werden ersucht, dies in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen za lasten. Gießen, den 9. Oktober 1903. 7656 Großherzogltcye Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Gelände-Verpachtung. Montag, 19. Oktober 1903, sollen an Ort und Stelle anderweit verpachtet werden: 1. Die Triebviertel in Gewann 14, 15, 26, 36, 37, 40 und 41; 2. ein Stück Gelände von etwa 300 qm, am Mittelweg, in den Eichgärten: 3. ein Grasgarten von etwa IV. Morgen hinter der Frankfurterstraße; 4. ein Acker von 1812 qm auf der Warte, an der Marburgerstraße; 5. ein Acker von 6538 qm am Schlangenzahl, hinter den Kliniken. Die Zusammenkunft ist vo-rmittags 9 Uhr auf der Acherstraße, am Eingang zur Wolfstraßc mit Fortsetzung, nachmittags 21/, Ubr. Die Verpachtung an der Marburgerstraße findet um etwa 4 Uhr, diejenige auf dem Seltersberg um etwa 5 Uhr statt. Gießen, den 10. Oktober 1903. 7657 Großyerzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Den Interessenten hiermit zur Nachricht, daß die Spar- AndDarlehnskaffe A.-G. in Steinbach vom 1. Januar 1904 an für die Einlagen 3l/2 pCt. Zinsen ausbezahlt. Steinbach, den 9. Oktober 1903. Der Direktor: Karl Gerhardt HI. £7642 Seiden-Grieder-Seiden Wundervolle Neuheiten für Roben und Blusen in unerreichter Auswahl zu billigsten Preisen porto- und zollfrei ün Jedermann. Muster bei Angabe des Gewünschten franko. Briefporto nach der Schweiz 20 Pf. Seidenstoff-Fabrik-Union 6667 Adolf Glieder & Cie, Zürich G 50 Kgl. Hoflieferanten (Schweiz) ■ geklagte Vater bet dem Lehrer I. kein Kind in die Schule gehen hat. Ueu est^^llninqen. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. Beuthen (Obev-Schles.), 10. Okt. Die Strafkammer verurteilte den unverheirateten Lehrer Franz Sage aus Orzegow wegen mi Schülern begangenen Sittlich, - keitsvergeheu in 24 Fallen zu 4 Jahren Zuchthaus und 8 Jahren Ehrverlust. London, 9. Okt. „Morning Post" läßt sich aus Tschifu melden, dort gehe andauernd das Gerücht um, daß Japan bezüglich der Räumung d er Mands churei an Rußland ein Ultimatum stellle, das in zwei Tagen ablaufe. Lille, 10. Okt. IN 16 von den gestern abend stattgehabten 18 Versammlungen wurde von den A u s st ä n d i - gen die Fortsetzung des Ausstandes beschlossen. In Dour- coing ist die Ruhe wiederhergestellt, in Halluin dauert der Generalstreik fort. Eine Anzahl Verhaftungen wurde vorgenommen, auch mehrere Belgier wurden wegen Beschränkung der Arbeitsfreiheit verhaftet. In Roubaix fand eine Kundgebung der Ausständigen statt, in deren Verlaufe viele Fensterscheiben eingewvrfeu und ein Polizeikommissar schwer verletzt wurde. Wien, 10. Okt. Die projektierte Reise desZaren nach Rom soll höchst zweifelhaft geworden sein. Budapest, 9. Okt. Aus ständige Setzer veranstalteten vor der Redaktion des „Budapesti Hirlap" eine Kundgebung. Etwa 900 Setzer erschienen gegen 8 Uhr vor dem Gebäude, schrieen, Pfiffen und lärmten. Die angreifende Polizei wurde mit Kot und Steinen beworfen und Ausgebot. Die Lieferung des Bedarfs an ca. 120 000 kg Kartoffeln, 200 kg Erbsen, 600 kg Linsen, 500 kg Bohnen, 200 kg Reis und Graupen, 300 kg Nudeln, 1200 kg Weizenmehl, 300 kg Pflaumen, getr^ 200 kg Zucker, 2500 kg Salz, 30 kg Pfeffer, 1000 Liter Essig, 200 Liter Salatöl, 1500 kg Limb. Käse, 1000 Stück H rudkase, 8000 Stück Häringe: frische Gemüse: 1500 kg Wirsingkohl, 3000 kg Weißkohl, 500 kg Grünkohl, 2500 kg Sauerkohl, 600 kg Zwiebeln und sonstige kleinere Küchenbedürfuiffe für die Unteroffizier- und Mann- schaftsküchc des L Bataillons Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 soll für die Zeit vom 1. November 1903 bis Ende Oktober 1904 im Wege des öffenllichen Ausgebots vergeben tberden. Die Lieferungsbedingungen können auf dem Zahlmeister-Geschäftszimmer des I. Bataillons eingesehen werden. Angebote, ganz oder teilweise, mit der Aufschrift: „Angebot ans Lieferung von Kartoffeln, Erbsen, Linsen u. f. w." sind verschlossen, gut versiegelt und portofrei bis spätestens 22. Oktober ds. Js. an unterzeichnete Küchenverwaltung einzureichen. In den Angeboten müssen die Preise pro kg bezw. Liter, Stück in Zahlen und Worten angegeben fein und müssen am Schluffe die Erklärung des Bewerbers enthalten, daß er sich den ihm bekannten Bedingungen, welche der Ausschreibung zu Grunde gelegt sind, unterwirft. Angebote, welche nach Eröffnung des Termins eingehen, sowie solche, welche zu irgend welchen Zweifeln Anlaß geb^n, finden keine Berücksichtigung. Den Bewerbern ist es fteigestellt, zu dem Berdingungstermiu, dec am 22. Oktober ds. IS., morgens 9 Uhr in der Zeughauskaserne, Zimmer Nr. 12, stattfindet, zu erscheinen. 7637 Küchenverwaltung des I. Bataillons Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116. Hb tt in aD. Preislagen. Koste Bitt in gross. ÄBswahl. Dieser Kostümrock, vorzügl. Halbtuch, 5 Mal mit Tresse besetzt, Volant gefuttert, kostet 6.75 ML J. Heilbronner Marktstr. 17 Marktstr. 17 Part., I., IL, IH. 7652 Einladung zu der am Montag de« 12. d. M., vormittags 11 Uhr aus Oswalds Garten stattfindenden Fmrlixijmk mit dem Moment- Hand-Fenerlöschapparat jjAväAäääAUiCTJä (es wird gelöscht ein Rauwfeuer und ein abgegrenztes Teerfeldfeuer) 7650 durch den Vertreter: Otto Fickert, Giessen. sich heute die Erfindungen. Im Wettlauf der Waschmittel ist Dr. Thompson’s Seifen- pulver, Marke SCHWAN, das ersteallerSeifen- pulver, unerreicht an der Spitze, weil es noch heute von derselben unübertrefflichen Güte Ist wie damals,als es daseinzigcSeifenpulverwar. Zu haben in allen besseren Handlungen! war schließlich genötigt, mit der blanken Waffe einzugreifen. Sieben Schutzleute und viele Ausständige wurden ve rletzt, 35 Setzer verhaftet. Newyork, 10. Okt. Der „Newhork Herald" meldet aus Tschifu: Das r u s s i sch e Ge s chw a d er verließ Port Arthur. Der Admiral hat versiegelte Ordres, welche er erst , auf hoher See erbrechen soll. Man nimmt an, daß das Geschwader nach der koreanischen Stifte fidj begibt. Gerüchtweise verlautet, Japan habe Truppen auf Korea gelandet. Telephonischer Kursbericht* 3x/e% Reichsan leih© . . 101.80 30/o do. ... 90.45 3*/,% Konsole .... 101.65 3»/o do......90.35 3*/2°/o Hessen .... 100.20 8*/,96 Oberhessen . . . 99.50 4% Oesterr. Goldrente . . 101.80 4x/b% Oesterr. Silberrente 100.85 4% Ungar. Goldrente . . 99.85 4% Italien. Rente . . . 103.70 4%% Portugiesen . . . 51.70 80/., Portugiesen. . . . . 31.50 1% C. Türken .... 37.10 Türkenlose......133.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.00 41/,% äussere Argentiner 41.60 3% Mexikaner .... 27.15 4l/al5/o Chinesen .... 92.25 Electric. Sch ackert ... 99.90 Nordd. Lloyd . . . . 103.25 Kreditaktien ..... 205.60 Diskonto-Koramandit. . . 190.80 Darmstädter Bank . . . 140.35 Dresdener Bank .... 150.00 Berliner Handelsges. . . 157.10 Oesterr. Staatsbahn . . . 140.40 Lombarden % . ♦ . . 16.30 Gotthardbahn.....191.50 Laurahütte ...... 229.00 Bochum . ...... 185.90 Harpener......191.10 Tendenz: schwächer. 5? 51 Warnung vor Fälschung WPilAl* *n ^llen noch Pulverform noch mit Käkao\ W vtlvl gemischt, sondern |nnrin Flaschen mit eingeprägtem Namen ist Homme)’* UUL Haematogeu echt. 92I Ofenschirme Kohlenkasten Füller Feuergeräte Ofenvorsetzer wieder eingetroffen. Grosse, gediegene Auswahl. Brüder Schmidt Seltersweg- 83, [7632] Seltersweg 83. Einem verehrten Publikum zur gefl. Nachricht, daß mein so schnell beliebt gewordener 4957 Saniföb-ElerZwieM außer in meinem Geschäftslokale, Settersweg 61, zu gleichem Preis in nachstehende« Verkaufsstellen erhältlich ist: In Gießen: W. HaaS, Bleichstraße. A. Lenhardt, Frankfurterstraßr. I. Marker, Ecke Stephan- und Goethestraße. H. Krätzer, Brandplatz 15. I. M. Schulhof, Marktstraßc. Restaurant Windhof. „ Texters Terrasse. , Philosophenwald. „ Aebigshühe. 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