LÄ8Ä r,v - MS UW ET sserte * joden- häusßr Ver- [nimer? n etc. M orten tostet«, primü gelbe Mäuschen : billig 6G25 ise!) -oiiiieiistrahe 6. [Z-FuE=- sitcn. mg vo” jraac*11, 8801 schäl-' erden. Drittes Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 10. September 1903 Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Ferwprechanschluß M. 51. Siehener Anzeiger w General-Anzeiger v v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. ZIS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamitteu» blätter viermal tn der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver» lag der Brüh lachen Untvers^Buch- u. Stein- druckerei (Pietsch Erben- gebracht hat; manches Si.mplieissimusstückchien. „Mit Bezug au) diesen gewissen Vehse" befindet sich nun im Harrd- tatalog der Berliner Königl. Bibliothek, die bekanntlich jebem ordentlichen Menschen zugänglich ist, der Vermerk „Secretiert." Bürgerlich deutsch will das sagen: In der Geheimabteilung in Sicherheit gebracht. Für ben Ausleihebeamten steht daneben die für das Publikum bestimmte Auskunft: Nicht vorhanden. Was ist der Erfolg? Ein rühriger Buchhändler hat jüngst den alten Vehse neu aufgelegt, und der Absatz ist gut. Tegner, der Dichter der Frithiofsage, empfahl das Konversationslexikon als Mittel der Volkserziehung. Rotts Lexikon hat später in Süddeutschland für die politische und wirtschaftliche Bildung außerordentliches geleistet. Nach den Erfahrungen mit den kondensierten Bibliotheken, den Lexiken, kamen die wirklichen Bibliotheken als Kulturmittel und als Eroberer für nationale Zwecke in Achtung. Kaiser Wilhelm I. errichtete in Straßburg die schöne Bibliothek. Im Osten wird mit Büchersammlungen für die Ger- manisierung gewirkt. Ein reicher englischer Verein entsendet Wanderbibliotheken nach Südafrika, mn für die Versöhnung und das Rejchsideal unter den Buren Ueberzeugung zu stiften. Als Prinz Heinrich von Preußen durch die Union fuhr, bestand seine größte Ehrung in der Einweihung der EolumbiabiÜliothek. Carnegies' Bibliothekmanie, seitdem er sich aus seinen Schätzen zur Ruhe gesetzt, ist. berühmt, wenn man den Inhaber des Eastroschen Hausordens vielleicht auch nicht mehr ganz ernst nehmen mag. Welche hohe Bedeutung aber bei den Amerikanern den Bibliotheken beigemessen wird, geht aus der Weigerung des Expräsidenten Cleveland hervor, die Alhambrw-Bibliothek zu eröffnen, weil er dessen nicht würdig sei. Romanen, Slaven und die englisch redenden Nationen sahen in den Büchereien einen Ersatz der Bildungsfreiheit aus deutschen Hochschulen, die ihnen fehlt. Ihrem Selbständigkeitsdrang sagt der Gedanke, die Wege und Quellen der Bildung selbst zu wählen, außerordentlich zu. Auch für unser reisendes und aufstrebendes Volk sollten die Bibliotheken geistige Sportparks mit freiem Eintritt, aber auch mit Freigabe aller Wege sein. Das Volk ist jo weit, sich selbst zu erziehen. Die reinigende Hand der Zensur in Sachen des fLcheaters hat nur Mißerfolge erzielt. Sollte das bei der Geschichte und den Bibliotheken anders sein? Kontrolle ist gut. Aber zuviel Kontrolle ist vom liebel. Wenn man den toten Vehse die Historie einer „Secre- tierung" erzählen könnte, er würde wohl sein satirisches Lächeln als Antwort haben. Gereinigte Geschichte. Man schreibt uns aus Berlin: Tie politische Geschichte bis zum Eintritt der parlamentarischen Zeit ist im wesentlichen Geschichte der Kabinette und Höfe. Vor fünfzig Jahren schrieb nun der alte Vehse eine noch heute wertvolle Geschichte der deutschen Fürst en Höfe. Dieser Vehse ist int Widerspruch mit der heutigen erfreulichen Schätzung des Geschichtsstudiums, ein Vierteljahrhundert nach fernem Tode, in Fesseln gelegt worden. Vehse hatte die Welt an mehreren Enden gesehen und galt in jungen Jahren als Kenner des schönsten Spiegels der Welt, der Shakespeareschen Dichtungen. Sein Werk ist also lehrreich, aber es ist auch unbequem. Denn es enthält manches bunte Bildchen von der Art, wie Dreyer in seinem „Tal des Lebens" eins auf die Bühne BezngSpretSr monatlich 75Ps^ viertel- jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Poft Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnmnmer i>id vormMagS 10 Uhr. ZetlenpretSr lokal 12 Ps^ auswärts 20 Psg. Berantwortltch für den polit and allgem. Teil: P. Wtttko: für „Stadl und 8ortfr und ZNerichtSfaal*: August Götz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. schrieben wird, wie man sich am Kongo von allen Seiten bemühe, den Eingeborenen die Früchte der europäischen Kultur zugänglich zu machen, (o daß sie nur zuzngreifen brauchten, um sofort die glücklichsten Menschen des (Äd- balles zu werden. Wer die Berichte der schwedischen und amerikanischen Missionare, von denen die Bewegung gegen den Kongostaat ihren Ausgang nahm, nur einigermaßen kennt; wer etwas von dem unmenschlichen Vorgehen der Kautschuksammler und dem scheußlichen Geschäftsgebahren der Elfenbeinhändler weiß, wird sich durch die theatralische Vorführung guter Einrichtungen und Fortschritte, die notfy dazu größtenteils auf das Konto der Missionen zu setzen sind, nicht blenden lassen. Für sachkundige Leute hat es übrigens noch einen intimen Reiz, daß die Verteidigung zum Schluß die Mission als Eideshelfer ausruft. Es heißt da wörtlich: „Sehr beachtenswert ist der Umstand, daß die katholischen Missionare niemals auf dieses dem Staate beigemessene allgemeine Grausamkeitssystem hingedeutet haben." Wie reimt sich das mit der Tatsache zusammen, daß die jetzt von allen Seiten erhobenen Anklagen dieser Art zuerst in Missionsblättern gestanden haben? Sehr- einfach. Es ist ein von den katholischen Missionaren überall stillschweigend beobachteter Grundsatz, der Kolonialmacht, in deren Bereich sie sich befinden, nichts in den Weg zu legen. Sie wissen, daß sie dabei nicht schlecht fahren. Aber die Blätter des schw^)ischen Missionsbundes, der amerikanischen Presbyterianer, der englischen und amerikanischen Baptisten und der anderen protestantischen Missionare, die bis zu den Stanleyfällen Dor gelungen sind und um des Gewissens willen zu dem, was sie sahen und hörten, nicht schweigen konnten, redeten eine um so deutlichere Sprache. Von ihnen sagt das Bulletin ofsiciel denn auch kein Sterbenswörtchen. Es weiß schon, warum. I»er Kongostaat antwortet endlich auf die vielen gegen ihn erhobenen Anlagen in seinen Bulletin ofsieiel. Es ist ein lästiges, mit allen Advo katenkünsten ab gefaßtes Kunststück, das gleichwohl wenig Eindruck machen wird. Im Vordergründe der Abhandlung steht die in neuester Zeit brennend gewordene Frage der Handelsfreiheit im sogenannten Freistaat und die des Rechtes der Eingeborenen am Grund und Boden ihres Landes. ‘ In Bezug aus letzteres wird die kühne Behaup- nng aufgestellt, der Eingeborene besitze nach der bei den Kolonialmächten allgemein gellenden Anschauung keinen Rechtsanspruch auf den Eigärbesitz der Ländergebiete, die er seit v ordentlicher Zell habe liegen lassen, noch auf jene Wälder, aus denen er niemals stutzen gezogen habe. Die Verteidigung gipfelt hier bezeichnenderweise in dem Satze: „Wenn es wahr wäre, daß der Kongostaat die Ein geborenen ihres Eigentums entkleidete, indem er das.herrenlose Land .als Staatsdomäne erklärte, so würde der gleiche Borwurf auch die anderen europäischen Kolonialmächte treffen." Man beruft sich hier namentlich aus die ähnlichen Verhäll- uisse in Kamerun und Deutsch-Ostafrika Es liegt aus den ^ersten Blick etjwas Beschämendes für uüs darin, daß der Kongostaat, iu dessen Verwaltung der brutale Kolonialegoismus sich am schärfsten ausprägt, zwei deutsche Kolonien als in gleicher Verdammnis befindlich hinstellen kann. Unsere Kolonialregierung wird den darin liegenden Vorwurf denn auch nicht stillschweigend hinnehmen können. Aber Hatz man denn in Brüssel gar keine Ahnung davon, daß in Deutschland seit Jahren über die Landfrage in Kamerun verhandelt wlld und daß man unsererseits die dortigen Verhältnisse zu bessern juch t, weil man längst an gefangen hat, sich der gemachten Fehler zu schämen? Uebrigens handelt es sich bei den bekannten Konzessionen am Kamerungebirge im Verhältnisse zum Kongostaat doch nur um kleine Aus- schrntte' aus dem deutschen Gebiet. Jedenfalls ist man in Deutschland nicht gesonnen, sich mit dem Kongostaat dabei zu beruhigen: "Andere Kolonialmächte treibens auch nichst besser! Besonders interessant ist der Schlußabschnllt der Verteidigungsschrift, der sich mit den Verstößen der kongostaatlichen Älonißen gegen Zivilisation nrti> Humanität beschäftigt, über die man stell Jähren in der ganzen zivilisierten Well entrüstet war. Es ist'schon etwas, daß hier mit dürren Worten zugegeben wlld: ,stLeider sind Gew alt- tätigkeiten gegen Eingeborene am Kongo verübt worden." Aber es ist verfrüht, in dieser Selbsterkenntnis den ersten Schritt zur Besserung zu sehen. Es wlld auch hier sogleich hinzugefügt: „Wie überall In Afrika." Ueberdies geht das in der einen Zelle enthaltene Sündenbekenntnis in einer mehrere Spalten langen Selbstverherrlichung unter, in der weitschweifig be- Dom Treiben auf dem Trieö. Gießen, 10. Sept. 1903. Also ehren recht eingehenden Bericht über die Ausstellung wollen Sie haben, besonders über die Tiere. Wissen Sie denn auch, daß dazu ein gutes Gemenge von Pferde-, Ochsen-, Schweine-, Schafs-, Ziegen-, Hühner-, Gänse-, Enten-, Tauben-, Bienen- usw. „Verstand" gehör!. Na, wir wollen's versuchen. Ich hatte mir erlaubt, noch einen Tiermaler und einen Führer, der aber nur in Versen sich auszudcücken beliebt, auch des Hochdeutschen nicht ganz mächtig ist, mitzunehmen. Die Ausstellung befindet sich aus dem „Dttbb", an der oberen Grünbergerstraße, neben der Germania, vis ä vis dem Schützenhaus, in der Nähe der Liebigshöhe und des Philosophenwaldes, da, wo ein Weg den Platz durchschneidet (er macht es auch mit der Ausstellung so). An sonstiger Umgebung ist noch die gestern von den 118em verlassene und des Einzugs der 116er harrende Kaserne zu nennen, was aber der Ausstellung weiter keinen Abbruch tut. Man kann zu Fuß, per Rad, Automobil, Leiterwagen, Omnibus, Chaise und zu Pferd dorthin gelangen, wenn man die meist aufgebuddelten Straßen der Stadt hinter sich hat. An der Grünbergerstraße stehen links und rechts auch Häuser und vor denselben Bäume, dazwischen öfter Gatten (abends stehen Soldaten, Mädchen und andere Leute dabei), eine Menge Wirtschaften bilden Spalier. Da, wo die Wirtschaften aufhören, steigt die Sllaße stetig bis zum Ausstellungsplatze, durch dessen mit zwei Kassenlokalen eingefriedigten und mit mehreren Eintrittstärten-Einsehern (zu deutsch Kontrolleuren) besetzten Eingang man die Ausstellung betritt, notabene wenn man das Eintrittsgeld bezahlt hat — anders kommt — ähn-, lich wie anno 71 vor Belfort — niemand durch. Und mm hineinspaziett in die Ausstellung. Den Flächeninhalt der-' selben, einschließlich der fünf Bierwittschaften, der Festhalle, der Waffelbuden, Konditoreien, Käroussels, Musiktempel, Gabentempel, Heuboden usw. schätzt mein mit dem Zeichenstift bewaffneter Begleiter auf 55 650000 3/4 qcm (für genaue Größenangabe wird aber ortsgettchtlich nicht garantiert). In den nächst dem Eingang stehenden Ställen wohnen die O ch s e n und Kühe aus unserem Vogelsberg. Die Tiere sind bei Tag rothaarig, nachts schwarz. Sie zeigen nicht nur ihre schönen Gestalten, foubern sind, in erster Linie die Kühe, bemüht, noch während ihrer Anwesenheit in Gießen möglichst große Mengen Milch zu spenden oder sich dem Aufpäppeln ihrer Babys zu widmen; eine richtige Kuhmama nimmt auch ihr Kleines mit, wenn sie auf die Reise geht. In der Nachbarschaft der Vogelsberger haben sich die Simmentaler Rinder niedergelassen. Sie sind größer wie die Vogelsberger, bei Tag auch nicht rot, sondern fleckig, scheckig, fahl und wie die unbestimmten Farben alle heißen, nachts sind sie allerdings auch schwarz. Atem poetisch gestimmter Begleiter besingt die 315 Vogelsberger und 175 Simmenthaler Dickköpfe wie folgt: Versammelt uff'm Dttbb sein sie, Hibsch eigethaalt in Klasse: Die Brummelochse un die Kih Der Vogelsberger Rasse. Doch aach de Simmetaler Zucht Nor Primawaar', gut ausgesucht — Der Reih nach aagebunue, Die hat sich eigefunne; In Milch, un trächtig, un mit Kalb Gelb, rotscheck, fleckig un aach falb — Ins Heerdbuch eigetrage Un preiswert ohne Frage. Die in ca. 60 Exemplaren vertretenen Pferde (sprich Gäul') aller Altersklassen haben Wohnung neben der Festhatle bezogen. Mit Wagenschlag ist die eine, mit Arbeilsschlag die andere bezeichnet, her- vorgegangen mit wenigen Ausnahmen aus den Gestüten unserer hervorragendsten oberhessischen Pferdezüchter. Man sieht es den Wittern und in ihrer Gesellschaft befindlichen Fohlen an, daß sie stolz auf ihre Nachkommenschaft sind, und die Fohlen schauen mit Befriedigung drein, besonders wenn ein Preisrichter sich ihnen nähert, denn nur preisgekrönt wollen sie heimkehren in ihren heimatlichen Stall, dort entgegenwachsen ihrem schönen, wenn auch anstrengenden Beruf, denn: Gäule braucht der Ackersmann, Der Kutscher und das Heer, Der Sonntagsreiter — dann und wann Der Omnibusverkehr. Zwar is nich groß der Gäule Zahl, Doch Temperement un Rasse Wie es sich zeigt in jedem Schtall — Ersetzt hier voll die Masse. Un hochfein fin se aach getauft, Nor scheene Name fin ze sinne, Un zur Verlosung aagekaaft — Mer mecht se allzesamm gewinne. Und nun komme ich zu einer Vieh» gattung, die laut Katalog vorzüglich in Vereinen und Genossenschaften gedeiht, sich gern dick macht, keine Kost verachtet, keine Dörings Seife vergeudet, sich schnell vermehrt und die meiste Zeit mit süßem Nichtstun verbringt. Es ist die in etwa 75 Nummern vertretene Gattung der Schweine. Ihre Zukunft liegt in der Metzelsuppe. Mein Begleiter widmet ihnen folgende Zeilen: Zahlreich vettrete, wie noch nie Is aach des liebe Borschtevieh; Ich glaab, es sein auf Ehr' un Treu Die größte un die dickste Säu — Die friedlich bei enanner hocke, Die Watze, Ferkel un die Mocke. Se grunze sich vergnieglich zu Un hawe immer Sonntagsruh. In Stall VIII, Front gegen die Grünberger Straße, stecken dick in der Wolle die Schafe. Die im Vergleich zur 1895er Ausstellung geringere Kopfzahl (10 Stummem) scheint zu beweisen, daß die Schafzucht bei ims quantitativ im Abnehmen begriffen ist. Womit nicht gesagt sein soll, daß in Zukunft die Nachfrage nach Schafsköpfen mcht befriedigt werden kann. In Gießen gehört die Schafzüchterei seit etwa zwei Jahrzehnten der Vergangenheit an, die Wall- pörter, Neustädter, Neuenwegertor usw. Schäfereigesellschaften mit ihren Satzmeistern und Schäfern haben sich aufgelöst. An die vergangenen Zeiten erinnern die Strophen, die mein schafsachverständiger Beirat mir in das Notizbuch schrieb: Stich sehr groß is der Schafe Zahl, Slber auserlese; Des is, seitdem es Hämmel gibt, Net immer so gewese. Des Bergersch Aaseh — wie tner schwätzt — Würd' früher hier nach „Schoos" geschätzt. Wer kaane hatt', fa Dickworz baut, War ibbel draa — der hatte naut VoMische Tagesschau. „Unter Druck". Noch einige Wochen werden ins Land gehen, ehe König Viktor Emanuel seine Fahrt nach Paris antritt. Die beiden „befreundeten Schwesternationen" haben also genügend Zeit, sich in wechselseitige Begeisterung yineinzuleben. Ob die Wogen besonders hoch gehen wer- dem ist einigermaßen zweifelhaft. Die Erfahrungen dürften noch unvergessen sein, die der Ueberschwang der Gefühle bei den vorjährigen französisch-italieirischen Flottenbesuchen zeitigte. Sie betreffen Gründung und Zusammenbruch der „Soeietö Franco-Ztalienne", durch den eine der angesehensten italienischen Banken, sowie Mitglieder des römischen Adels und eine Anzahl vou Parlamentariern arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Ein unsolides Pariser Bankinstitut hatte dre Sache arrangiert, um auf Kosten der Italiener, dieser neugewonnenen alten Freunde", aus der finanziellen Klemme zu kommen. Diese ErLnntnis wirkte abllchlend auf das romanische Blut, und sie wird voraus- sichtluch auch die durch die Fahrt König Viktor Emanuels nach, Paris rege werdenden Empfindungen unter Druck halten, wenigstens auf feiten der Italiener. Dem Könige von Italien werben während seiner Anwesenheit in Paris eine Anzahl verschiedener Münzen aus dem 17. und 18. Jahrhundert überreicht werden. Ebenso hoird dem König eine zur Erinnerung an seinen Besuch geprägte Medaille übergeben werden. Uuiverfitatsprosefforen als Exzellenzen. Mit der Eruennmlg des hochverdienten Professors für Landwirtschaft an der Universität Halle, Geh. Oberregier- uugsrats Dr. phil. Julius Kühn zum Wirkt. Geyeunen Rar mit Dem Prädikat Exzellenz ist Die Zahl der mit dieser Rangerhöhung ausgezeichneten Universrrätsprofessoren au den hentjchen Unweriitären auf dreizehn gestiegen, von denen fünf erst in diesem Jahre ernannt sind; nämlich außer Professor Kühn der erst vor 14 Lagen zur Exzellenz beförderte Marburger Bakteriologe v. Behring, der Gynäkologe Bernhard Sigmmw Schultze in Jena, der Ostern dieses Jahres bei Gelegenheit seines Ueber- tritts in den Ruhestand zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt wurde, und die aus Anlaß des Heidelberger Universitütsjubiläums zu Exzellenzen ernannten Professoren Czerny, Professor der Chirurgie, und Ernst Immanuel B e k k e r, Professor für römisches und deutsches bürgerliches Recht. Außer ihnen hatte die Ruperto-Earola schon eine Exzellenz in ihrem Lehrkörper, den greisen Philosophen Kuno Fischer. An den süddeutschen Unit)eqUnten jinden wir sonst nur noch in Würzburg einen Professor mit dem Titel Exzellent nämlich den Biologen Albert v. Koelliker, der am 6. Juli sein 86. Lebensjahr vollendet hat, aber noch bis zum Winter 19021903 einen mikroskopischen Kursus und ein mikroskopisches Praktikum abhielr. Bon den preußischen UiTiüerjitäten führten bisher nur Kiel und Berlin Exzellenzen in chren Vorlesungsverzeichnissen, Kiel den CHrurgen o. Esmarch, der in diesem Jahre, am 9. Jan., seinen 80. Geburtstag feierte und seit 1899, seit fernem llebertritt in den Lckchestand, den Titel Exzellenz führt, Berlin den emeritierten Philosophen Eduard Zeller, der im nächsten Jahre, am 22. Januar, in seiner schwäbischen Heimat sein 90. Lebensjahr vollenden wird, den Chirurgen sruft v. Bergmann (geb. 16. Dezember 1836), der im Jahre 1901 Exzellenz wurde, den ordentlichen Honorar- Professor in der juriftischen Fakultät Ferdinand P e r e l s, Direktor des Verwaltungsdeparternents im Reichs-Mariue- amt, dessen Ernennung aus demselben Jahre stammt, und endlich den Honorar-Professor in derselben Fakultät, Präsident der Jusrizprüfungskommissiou, Adolf S t ö l z e l, und den seit 1901 zum ordentlichen Honorar-Professor in der medizinischen Fakultät ernannten Generalstabsarzt der Armee, Dr. Rudolf v. Leuthold, der den Titel bei seiner Ernennung zum Generalstabsarzt der Armee als Nachfolger Alwin v. Colers erhielt. Aus Stuöt und Land. Gießen, 10. Sept. 1903. ** Gegen den Alkoholismus! Gemäß den Beschlüssen des preußischen Landtages vom Juni 1902 zu den auf die Bekämpfung des Alkoholismus gerichteten Anträgen des Abg. Grafen Douglas wurden zwischen der Kommission und den preußischen Ministerien sowie Vertretern des Reichsjustizamtes und des Reichsamts des Innern Vorschläge auf Abänderung der Gewerbeordnung vereinbart, die nunmehr seitens der königl. preuß. Regierung in Form einer Novelle zur Gewerbeordnung der Reichsleitung vorgelegt wurde. Die in Mainz erscheinende „Deutsche Wemztg." ist in der Lage, den seither von der Regierung noch nicht veröffentlichten Entwurf der Bestimmungen nebst Begründung zu publizieren, der eine Reihe wichtiger und ülteressanter Vorschriften, z. B.' die obligatorische Be- dürsnisfrage für Wirtschaften, fakultative Vorschriften zur Förderung alkoholfreier Getränke, Ausschluß weiblicher Bedienung, Verbot des Borgs, schärfere Strafbestimmungen mit eventuellem Verlust der Konzession enthält. Im einzelnen wird u. a. bestimmt: Die Landesregierungen sind befugt, zu bestimmen, daß den Schankwirten durch die Konzessionsbehörden auferlegt werden kann, bestimmte kalte Speisen und bestimmte nicht geistige Getränte zur Verabfolgung an die Gäste bereit zu halten. Ferner sind die Landesregierungen befugt, zu bestimmen, daß die Erlaubnis zum Betrieb der Schankwirtschaften unter Bedingungen erteilt werden kann, welche die Annahme weiblichen Arbeits- und Hilfspersonals beschränkt oder ausschließt. Schankwirte dürfen den Gästen Getränke, von Notfällen abgesehen, zum Genuß auf der Stelle nicht auf Borg verabreichen. Derartige Forderungen können weder eingeklagt noch in sonstiger Weise geltend gemacht werden. Aus der Begründung ist zu entnehmen: Der Schwerpunkt der im Kampf gegen den Alkoholismus zu ergreifenden Maßnahmen liegt unseres Erachtens auf dem Gebiete der Gewerbeordnung, insbesondere wird durch eine strengere Handhabung des Könzessionswesens und eine Verschärfung der Vorschriften über den Bedürfnisnachweis für eine Erschwerung der Gelegenheit zum Alkoholgenuß Sorge getragen werden müssen. Auch wird in Frage kominen, ob nicht eine Verschärfung der Vorschriften über die Bestrafung von hierher gehörigen Uebertretiingen im Wiederholungsfälle für angezelgt zu erachten sein wird. ** Tuberkulose-Bekämpfung in Hessen. In der Ernst Ludwig-Heilstätte (der Jnvalidenversicherungsanstalt Großh. Hessen gehörig) wurden im Juli 57 und im August d. I. 43 männliche Lungenkranke neu zur Kur aufgenommen und in den gleichen Monaten 48 resp. 46 Pfleglinge aus der Kur entlassen. Ende August befanden sich noch 117 Pfleglinge in der Heilstätte. Da die Heilstätte feit Monaten vollständig belegt ist, läßt die Jnvalidenversicherungsanstalt z. Zt. 21 weitere Patienten in der Pension Krichbaum in Eberbach verpflegen. Die weiblichen Lungenkranken der Jn- validenversicherungsanstalt werden in der Pension Göttmann in Reichelsheim i. O. behandelt, in dieser Station befanden sich Ende August 50 Patientinnen. Vermischtes. * Die Arbeiten am Sirnplon-Dirnnel. Bei einem so gewaltigen Unternehmen wie dem Simplon-Tnnnel ist das Vorkommen unerwarteter Störungen nicht weiter wunderbar. Ohne die verschiedenen Arbeiterausstände und vor allem ohne den Wasserdurchbruch im Südtunnel, der die Arbeiten für fast ein halbes Jahr durchbrach, würde das rastlos fortschreitende Werk wahrscheinlich den ursprünglichen Termin für die Eröffnung — Mai 1904 — haben einhalten können. Dieser Zeitpunkt ist auf den Anfang des Jahres 1905 verschoben worden. Wie genau gearbeitet worden ist, geht dsaraus hervor, daß sich bei der tm April dieses Jahres vorgenommenen Achsenprüfung des 9 Km. langen INordtunnels eine Abweichung von nur 2 Zentimeter ergab! Als ein denkwürdiger Tag wurde auch der 2. März angesehen, an dem — Nord- und Südtunnel zusammengerechnet — die Durchbohrung der des Gottharotunnels (14 991 Meter) gleichram. Wegen des erwähnten Wasserdurchbruches war die Südseite )ehr in Rückstand gekommen. Am 1. Januar d. I. hatte man von Norden her 8480 und von Süden her 59a0 Meter erbohrt; am 1. Juli lauteten die Zahlen 9427 und 6766. Am 1. August blieben im ganzen noch 3145 Meter zu durchbrechen, da vvu den im ganzen 19 7/0 Meter 16 62o fertig gestellt waren. Wird so weiter gearbeitet, wie in oer letzten Zeit, d. h. werden die Stollen von ^uorden und Süden zusammen täglich um durchschnittlich 10 Meter vorgetrieben, so kann die Durchbohrung etwa in Jahresfrist vollendet sein, vorausgesetzt, daß nicht neuerdings Naturgewalten dazwischen treten. Ein wenig beunruhigend ist die Nachricht, daß man am 3. August im Süden und am 22. im 9torden auf heiße Quellen von 40 Grad Celsius stieß, die im Süden mit 100, im Norden mit 501 in der Sekunde ablieseu. Ihre schlimmste Begleiterscheinung war ein starkes Anstergen der an sich ]ct)on unerträglich hohen Temperatur; im Norden mutzte oie Arbeit dieser halb zeitweilig ausgesetzt werden. Man beabsichtigt, diese Quellen in Röhren abzufangen und letztere zu kühlen. Der starte Wasserabfluß im Süden, (9001 in der Sekunde), hat nicht nactygetaffen, sondern ist vielmehr bis auf 11001 in der Sekunde gediegen. Und noa) eine Schwierigkeit bleibt zu bedenken. Bon döorden her ist inan auf ungefähr der Hälfte des ganzen Tunnels angelangt. Wird man mit Rücksicht auf Die weiten Wege für Die Arbeiter und die trotz aller Ben- tilationsvorrichtung.cn unerträgliche Hitze dort über die Hälfte hinaus weirerarbeiten können? Bon Süden aus ist die italienische Grenze überschritten, und an dem Tage, als dies geschah, janDten die Ingenieure eine Glückwunsch- depesche an Den König Viktor Emanuel III. Es war nunmehr aus Gründen der Jurisdiktion angezeigt, den Grenzpunkt genau festzulegen. Im Juli d. I. begab sich ein Ausschuß, bestehend aus einem italienischen Generalstabs- hauptmaim und einem Ingenieur, sowie einem schweizerischen Ingenieur von der Bauleitung an Ort und Stelle und ermittelte durch geodätische Messungen den der über den Berg laufenden Grenze entsprechenden Punkt. In einem besonderen Vertrage zwischen den beiden Mächten soll der vorläufigen Entscheidung dauernde Kraft gegeben werden, wenn oer Tunnel fertig ist. Der internationale Bahnhof auf der Südseite konrmt nach Diomodossola zu liegen. Anfänglich waren in Italien — aus militäris ch en Gründen — Beoenken darüber entstanden, ob man, gemäß den ursprünglichen Abmachungen, der Schweiz den ganzen Betrieb der Bahn bis dahin überlassen sollte. Ans einer im Januar in Rom abgehaltenen Konferenz tonnte keine Einigung erzielt werden; später gab Italien, das sich das Recht gewahrt hat, überall auf seinem Boden — selbst im Tunnel — Befestigungen anzutegen, nach, und unterm 16. Mai d. I. wurde der entsprechende Vertrag vollzogen. Der Bahnhof Domodossola wird 1500 000 Lire tosten. Damit der Simplondurchstich von vornherein ein beachtenswertes Erträgnis liefert, plant man für die Zeit der Eröffnung des Tunnels eine znm Teil internationale Ausstellung in Mailand. * Wennman schlanist. Die „Schneidern. Ztg." erzählt folgendes Geschichtchen. Ein Reisender wurde mit seinem Reisekorb, den er jn das Abteil mitnehmen wollte, von dem Schaffner znrückgewiesen. Er sollte ihn als Gepäckstück ansgeben und den entsprechenden Betrag dafür zahlen. Der Reisende nahm darauf den Korb zuruck nach der Halle, ließ ihn dort stehen mrd fuhr fort Tags darauf ersuchte er die Verwaltung, den „vergessenen" Korb chm nachzusenden. Das kostete ihm 50 Psg., Denn „Fundsachen" werden ohne Unterschied des Gewichts befördert. Staatskommissar. — muring-iscnes । । ■■■■ —- — — n । «W» r o a ran Elektro- u. Masohinen- Technakaam Jämenati -Techniker _____________________________________________ und -Werkmeister. — In demselben Stalle strecken neugierige Ziegen ihre Hälse in die Höhe, um zu sehen, was vorgeht. 116 Nummern aus dem edlen Geschlechte der Toggenburgerinnen sind aus der Provinz zusammengekommen und wrdmen sich eifrig der Arbeit des Wiederkäuens. Auch die Ziege ist, wie der Katalog angiebt, ein Vereinstier; zahlreiche Ziegenzuchtvereine sorgen dafür, daß das Ziegengeschlecht nicht ausstirbt, sich vielmehr veredelt. Nette Tiere sind es, und ebenso nette 9iamen tragen sie; denn Gretchen, Selma, Luise, Olga, Rosa, Emma, Mary, Alma, Fanny usw. läßt sich selbst das eingebildetste Ziegenfräuleiu schimpfen, und auch die Gaismänner und Gaisjünglinge denken nicht daran, ihre Namen: Hans, Max, Moritz, Minko, Alex, Michel, Fritz ab» ändern zu lassen. Mein Sachverständiger nimmt einen Extra- bleistist zur Hand und schreibt: Zu hewe wird schon lang versucht In der Provinz die Gaasezucht. Die Gaas — so ruft man sich als zu — Die is dem arme Mann sei Kuh. Die Gaase un die Gaastebeck, Die holt mer aus der Schweiz — meck meck__ Un mecht in Kreuzung — Rassemische, Ums Gaaseblut hier uffzefrische. Aach wer'n bei uns in Oberhesse Die Gaaselämmcher gern gegesse. Daß aach e Gaasesest ist schee, Des könnt mer letzt in Langsdorf seh'. Rund 400 Nummern oder fast die doppelte Kopfzahl bilden die Abteilung ^tutzgeflügel, das den Raum hinter der Festhalle entlang der ganzen Einfriedigung einnimmt. Hier krähen die Hähne in allen Tonarten, gackern die Hühner, schnattern die Gänse und Enten und trommeln und girren die Tauben, ivas das Zeug hält. Riesen und Zwerge dec großen Vogelgesellschast zeigen ihr farbenreiches Gefieder und sorgen dafür, daß von den aufgestapelten Futtervorräten nichts übrig bleibt. Aus den im Katalog angeführten Preisen ist ersichtlich, daß die Besitzer der Tiere diese mitunter recht hoch bewerten; manchem Gockel würde sicher der Kamm noch mehr anschwellen, und mancher Täuberich würde sich bis zum Zerplatzen aufblasen, wenn er lesen und sehen könnte, daß er so und so viel Mark wert ist. Zum Lobe der besseren, wenn auch nicht schöneren Hälften des Hühnergeschlechts soll nicht unerwähnt bleiben, daß sie das Eierlegen während der Ausstellung nicht eingestellt haben. — Das Hohelied, das mein mit „Hinkelsverstand" ausgestatteter Begleiter aus die ausgestellte Geflügel- gesellschast anstimmt, lautet: Wer hört net gern in aller Frieh Der Gickler munter Kikeriki Un die im Eierlege wackere Un nimmermüde Hinkel gackere. Wer hört net mit Vergniege zu Der Taubemännche Guckeruh? Wer freut sich net, wenn gut gerate Der Gänse- un der Entebrate. Aus Bichlersch Hardt — nah bei der Schtadt Do is e Hinkelspensionat. Weil dort die Hinkel gut gepflegt — Aach jedes täglich dreimal legt. Die Eier sein als groß bekannt (Un sehr begehrt in Schtadt un Land) Viel größer wie die Appelsin — Drei Dotter sein in jedem drinn. Aach annerwärts gibt mer sich Mih' Zu zichte scheenes Feddervieh — Un net nor Hinkel, Ente, Gäns', Aach Pfaue mit recht bunt'ge Schwänz, „Kanalljesviggel", Papagei, Hält mancher aus Liebhaberei. — Doch sein die hier net ausgeschtellt Wahrscheinlich well's an Käsig' fehlt Ganz hinten, da wo der von der Grün* bergersttaße her die Ausstellung kreuzende Weg endigt, aus dem Gelände der Liebigs- höhe, im Buschwerk versteckt, summen die Bienen. Es ist ihnen nicht eingefallen, während des Verbleibens m der Ausstellung ihr Schaffen und Sammeln einzustellen, im Gegenteil, sie scheinen bemüht, in Erwartung der gestrengen Herren Preisrichter desto eifriger zu arbeiten. Die Erzeugnisse ihrer Tätigkeit haben sie in Gestalt von Honig und Wachs mitgebracht; zentnerweise steht in Gläsern und Töpfen der braune und gelbe Süßstoff da, harrend der Käufer oder der glücklichen Gewinner. Den 31 Völkern hat mein Begleiter folgendes angedichtet: Zum Schluffe gilts noch zu begrieße Die, die des Lewe uns versieße, Die in die Aecker rumschbaziere, Un Wachs un Honig fabriziere: Es sein viel Völker fleiß'ger Biene In der Ausschtellung erschiene, Die mit de Königin un de Drohne In den modernste Häuscher wohne. Sie werde halte ihr Verspreche Un niemand, der sie aguckt, steche; Doch soll niemand im Uebermut se Haage, ärgere oder uze. Des losse sie sich net gefalle — Leicht überlääft die Bienegalle __ Wem's Bieneärgere mecht Vergniege, Der kann sehr schnell e Knallaag kriege. Mein Bericht ist zu Ende; ihn noch auf die weiteren Abteilungen der Ausstellung auszudehnen, ist mir heute nicht möglich, denn erstens ist mein dichtender Begleiter verschwunden (er soll im „Andres" sitzen), und zweitens hat mir eine extra neugierige Ziege die mühsam gesammelten Notizen aus der Tasche herausgeknabbert. Wohl bekomm's ihr. Ich wünsch' der Ausstellung Gelinge Un weiter noch vor alle Dinge Gutes Wetter bis zum Schluß Un en große Ueberschuß.