ty>\- r.i’ Ostönnen sch nüdiciin^f:::! V'1 an gutem beteiligen. Nah, i. d. »M „ maulein ÄäSte cUun«.ff?««. A£ ?82 au bitfc!?, unter El^Vm-ud.m M), A.Mädch,„,g.^ 3 9* ^t, ev., welches jcbneiün . u. and. Hausarb. peilt,, iudu -teltg. bis z. lö. Marz. Cff.nt po|tl ^riinbeig u.a.L.2v, 11W| Besj.geb.Mädch,2s^ uchl ©teile als Stiiije p. 1. Apnl, im liebsten zu einz. Dame odei lurderloiem Ehepaar. Gefl. Efiert. unt. t. E. 100 postlagernd Gotha erbeten. 1 Bez' '"cktz u. £ Hausmadche« LWchr i KEM MigtSf : Jft» «Ä 1 fZT««iine W1 ium Wiche», MM UNd &U6DCI)W w,ü naenonmien. SafelW rotier, ucfi Gardinen schön ahtel F ' ^n LchüM 'vrrd i- ab der mäßigem Pr^ Pcustolllgute'Hcrpslcgungu/. Ml) genommen. Nah.i.,^ 0478] Wajche wirb gutV> «rt WÄÄ fiofjH:HStebiig|tr. 33, Wjg: "eÄmTäwi* ,i« Uri"«e WrtiW”"1“1* Mi9oagti«d>i.u^ JmSÄ*'“"'; sck-sW SW Dienstag, 10. Februar 1903 153. Jahrg. Erscheint ISgNch mit Ausnahme der GormtagS. Ti ..Siehe» KamilienblStter" werden dem Anzeiger vierma wöchentlich betgelegt. Der hesflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger verantwortlich fflt den avaemetnen Mi D. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beet Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchev UniverfttätSdruckerei (Pietsch (fcrbenk Bteftta. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 2 5 4. Sitzung vom 9. Februar. 1 Uhr. Das Haus ist äußerst schwach besetzt. Am Bunde srathstisch: Graf Posadowsky, Frhr. von Thielmann u. A. Eine Reihe von Rechnungssachen wird ohne Debatte erledig. Sodann wird die zweite Berathung des Etats des Reichs- amts des Innern beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs" fortgesetzt. Hierzu liegen eine Reihe von Anträgen vor. Die Abgg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim (natl.) und Trimborn iTentr.) beantragen eine Abänderung des Artikels VII, § 135 vis 137 der Gewerbeordnung, die einen erhöhten Schutz für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen be- zwectt. Abg. Gröber (Centr.) verlangt einen Gesetzentwurf, der die Rechtsfähigkeit der Berufsvcreine festsetzt. Abg. Roesicke (freif. Vgg.] fordert einen Gesetzentwurf, der den Berufsvereinen gestattet, ihre Bestrebungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter auch auf Veränderungen der Gesetzgebung zu richten. Die Sozialdemokraten Albrecht und Gen. be-! antragen die Schcfffung von Betriebs-Aufsichts-Be- Hörden und die gesetzliche Festsetzung eines Maximal-! Arbeitstages von zehn Stunden, der allmälig auf acht! Stunden herabgesetzt werden soll. Abg. Dr. Oertel (kons.): Wenn die von Herrn Wurm angegebenen Thatsachen richtig sind, daß einige Gesellschaften, die eine außerordentlich hohe Dividende zahlen, für ihre Arbeiter garnichts thun, so verurtheilen wir dies gleichfalls aufs Schärfste. Doch mutz man sich davor in Acht nehmen, unbedacht zu generalisiren.1 Wir verurtheilen ine Dividendenjägerei, wo sie sich zeigt, nicht nur 1 in kapitalistischen Betrieben, sondern auch in den Betrieben, an deren I Spitze Personen stehen, die den Herren von der äußersten Linken! sehr nahe stehen. Man darf aber nicht alle Kapitalrsten in einen Topf werfen. Ganz falsch ist es, den Grundbesitzern die Schuld ' für die Betriebsunfälle in der Landwirthschaft zu geben. Wenn j jetzt mehr Unfälle verzeichnet werden, so liegt das daran, daß jetzt die allerkleinsten Verletzungen, die früher gar nicht beachtet wurden,1 gemeldet und behandelt werden. Es steht nicht in der Macht der Menschen, alle Unfälle zu verhüten. Uebrigens darf man nicht die ganze Sozialpolitik auf die Lohnarbeiterschaft zuspitzen. Man trägt dadurch zur Verschärfung des Kampfes zwischen Kapital und Arbeit bei Man sollte größeres Gewicht legen auf die Klasse, in der dieser Kampf ausgeglichen wird: auf den Mittelstand, auf die Handwerkerschaft. Eine einsichtige Regierung muß vor Allem auf Maßnahmen vedacht fein, die den Handwerkerstand stärken. Der Befähigungsnachweis für das gesammte Handwerk ist zwar noch eine strittige Frage, wenn ich persönlich auch von dessen Zweckmäßigkeit überzeugt bin. Der Befähigungsnachweis für das BaugewEoe ist indessen feine strittige Frage mehr; weshalb hat die Regierung denselben noch nicht eingeführt? „Etwas mehr Dampf, Herr Minister!" Sehr wichtig sind strenge Maßregeln gegen die schwindelhafte Konkurrenz. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ist zu weitmaschig. Die Schtmndelkonkurrenz schlüpft jetzt durch die Maschen. Der § 1 des Gesetzes faßt den Begriff der „unwahren Thatsachen" viel zu weit. Es hat sich darauf eine Rechtsprechung ausgebildet, die direst gegen den Sinn und die Motive des Gesetzes verstößt. In einer Mittelstadt hat ein Ramschgeschäft sich als „größtes Spezialgeschäft" bezeichnet. Weder war es das „größte", noch ein „Spezialgeschäft". Trotzdem ist der Mann freigesprochen worden; diese Re- llame kann also ungehindert weiterbetrieben werden. Ganz besonders energisch muß gegen das Ausverkaufsunwesen eingeschritten toreben. Ein Reichsgerichtsurtheil von 1897 hat entschieden, daß bei einem solchen „Ausverkauf" auch „Nachschiebungen" in geringerem Umfange gestattet sind. Das öffnet allen Mißbräuchen Thür und Thor und macht die Gewissen leichtfertiger. Fast die gejammte Geschäftswelt verlangt in chren Organisationen den Erlaß eines Gesetzes gegen das Ausverkaufswesen. Der Scheinausverkauf und der unberechtigte Nachschub der Maaren mutz verboten werden. Der Handwerkerstand ist leider das sozialpolitische Aschenbrödel. Er wird durch die Gesetzgebung nicht erleichtert, sondern belastet. Noch drückt die Bäckereiverordnung auf die Piittelstandsbetriebe. Seit vier Jahren häufen sich die Klagen, oft ist uns eine Erleichterung in Aussicht gestellt: aber noch ist nichts geschehen. Die Handwerker sind vielfach in schlimmerer Lage, als die Lohnarbeiter. Es ist ihnen die Möglichkeil zur Selbstversicherung bei der Jnvalidenver- stcherung gegeben. Die Landesbehörden sollten die Handwerker darauf Hinweisen, damit diese auch die Segnungen, nicht nur die Lasten der Versicherungsgesetzgebung genießen. Staatssekretär Graf Posa- dowsky hat gemeint, man dürfe keine Maßregel zum Schutz des Mittelstandes ergreifen, die gegen die Prinzipien des modernen Staates verstoßen. Was ist denn der „moderne Staat"? Was ein „modernes Weib", ein „modernes Ueberweib" ist, weiß ich. (Heiterkeit.) Aber der „moderne Staat"? Ich glaube, es ist der von sozialen Ideen durchtränkte Staat. Schutz des Mittelstandes ist aber gerade eine soziale Pflicht des modernen Staates. Das Wort des Staatssekretärs: „man könne nicht mehr beleben, was nicht mehr lebensfähig sei" hat in der Mittelstandspresse ein unfreundliches Echo gefunden. Das war die Argumentation der Kathedersozialisten und anderer Sozialisten. Wenn wir den Mittelstand preisgeben, geben wir die Monarchie und unsere Gesellschaftsform preis, dann “innen wir die „Expropriation der Expropriateure" nicht aufhalten. Der Mittelstand ist ein werthvolles Gebilde in unserem sozialen Leben. Man redet freilich jetzt von einem „neuen Mittelstand". Was ist derselbe. Nichts als ein Professorendecoct, ein Paradepferd, auf dem gewiße Professoren immer wieder herumreiten. Was hat man darunter zu verstehen? Die Rayonchefs der Waarenhäuser Tietz und Wertheim, und meinetwegen auch die Flur- und Waldhüter des Barons Cohn. Der „neue Mittelstand" ist ein Element der Unruhe, der alte gute Mittelstand ist die eigentliche Grundlage des Staates. Das seßhafte Handwerkerthum und der ehrbare, gesunde Kleinhandel muß erhalten, muß geschützt werden Daran mitzuarbeiten, werden wir stets als eine unserer vornehmsten Aufgaben betrachten. (Beifall rechts.) Staatssekretär Dr. Graf von Posadowsky: Erwarten Sie von mir nicht eine sozialpolitische Programmrede. Der Reichskanzler hat ja bereits seine sozialpolitische Auffassung klargelegt, der die verbündeten Regierungen ihre Zustimmung ertheilt haben. Ich begnüge mich daher, auf _bie einzelnen hier vorgebrachten Einwendungen gegen unser sozialpolitisches Verhalten einzugehen. Erwägungen, die Frauen von gewissen gesundheitsschädlichen Betrieben ganz auszuschlietzen, sind im Gange. Die Bestimmungen der KonfeÜionsverordnung auch auf die Personen, die m Maatz- geschästen thätig sind, auszudehnen, ist unser Bestreben. Das macht indessen noch einige Schwierigkeiten, die überwunden werden wollen. Aehnlich steht es mit der Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Heimarbeit. Das Reichsamt des Innern hat da bereits die Initiative ergriffen und bestimmte Vorschläge ausgearbeitet. Ich muß aber mit Bedauern sagen, daß die gutachtlichen Aeutzerungen der verbündeten Regierungen ergeben haben, daß hierbei ganz außerordentliche Schwierigkeiten verwaltungstechnischer Art entstehen. Die Regierungen sind einstimmig der Ansicht, daß diese Ausdehnung geschehen mutz; nur über den Weg sind sie verschiedener Ansicht. Zu den hier eingebrachten Initiativanträgen will ich mich nicht äußern, aus dem Grunde, weil ich nicht weiß, wie die verbündeten Regierungen dazu stehen, und in Sonderheit auch nicht weiß, wie sie in Zukunft sich zu den bisher abgelehnten Anträgen zu stellen gedenken. Nur einen Punkt: Es ist hier beantragt worden, daß jugendlichen Personen verboten wird, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Es ist ftaglich, ob eine solche Vorschrift überhaupt ausführbar ist. Der Vorschlag ist ja gut gemeint, aber wie wollen Sie es verhindern, daß erwachsene Per,onen Arbeit mit nach Hause nehmen und sie dann jugendlichen Arbeitern übergeben? Ich sehe da keinen Weg. Ich komme nun auf den Befähigungsnachweis für Bauhandwerker. Wir haben darüber eine Enquete angestellt. Die Fragebogen wurden unterm 5. Februar.1902 an die Handwerterlarnmern, an die Jnnungsvorstände, sowie auch an Behörden verscurdl. Es hat sich aber gezeigt, daß eine ganze Reihe von Jnnungsverbänüen die Beantwortung der Fragen vorgenommen haben nach Maßgabe einer ihnen von dem Centralverband deutscher Baugewerbe vorgeschlagenen Weise und nach einem bestimmten Schema. (Hört, hört! und Bewegung^) Das war nicht der Zweck der Erhebung, daß in den meisten Fällen völlig gleichlautende, nach einem einzigen Rezept verfertigte Antworten uns zugehen. (Zurufe: Fetisch! Fetisch!) Dadurch verliert die Sache jeden Werth. (Sehr richtig!) Die große Schwierigkeit, die sich der Einführung des Befähigungs- nachweises für das Baugewerbe entgegenstellt, liegt in der Verschiedenheit im Baugewerbe selber, die den Erlaß ciicheitlicher Vorschriften unthunlich erscheinen läßt. Von Seiten eines Abgeordneten ist mir vorgeworfen worden, daß in einem Geheimerlaß der Versuch gemacht worden sei, auf die Gewerbeaufsichtsbeamten einzuwirken und deren Berichterstattung einzuschränken. Zunächst möchte ich Sie bitten, nicht immer den Ausdruck „Geheimerlaß" anzuwenden. Die Regierung denkt gar nicht daran, derartige Reskripte geheim zu halten. Sie kann sie doch aber auch nicht durch die Zeitungen bekannt geben. Den hier gemeinten Erlaß vom 17. April 1902 will ich gern bekannt geben. Redner verliest denselben in extenso. Er verlangt, daß die Gewerbeaufsichtsbeamten über sozialpolitisch besonders interessirende Dinge, vor Allem über die Arbeitszeit, Enqueten veranstalten und das Material dem Reichsamt des Innern mittheilen sollen. Jeder, der diesen Erlaß liest, muß ehrlicher Weise sagen, daß auch nicht die Spur eines Anhaltes für den Versuch einer Beeinflussung geliefert ist. Nun noch die Frage der Berichterstattung der Gewerbeaufsichts- beamten überhaupt. Auch da war von einem Erlaß die Rede, durch den den Beamten ein Maulkorb angelegt sein sollte. In Wirklichkeit waren die Beamten gerade aufgefordert, über ihre Thätigkeit genauen Bericht zu erstatten. Einige Beamte hatten weniger über Thatsachen berichtet, als allgemeine sozialpolitische Erörterungen angestellt. Für uns ist aber gerade wichtig, daß der Beamte möglichst oft in die Fabriken geht und feststellt, ob die erlassenen Vorschriften in sachgemäßer Weise innegahlten werden. Ich will, daß die Beamten gerade die Thatsachen eingehend und furchtlos darstellen. Natürlich haben sich daran Vorschläge zu knüpfen, was zu geschehen hat. Auch hier werden Sie zugeben, daß eine „Beeinflussung" nicht stattgefunden, daß nicht versucht worden ist, die objektive Berichterstattung der Gewerbeaufsichtsbeamten zu beschränken. Was den Verkehr der Arbeitervertretungen mit den Behörden betrifft, so stehen die Regierungen auf dem Standpunkt, daß, soweit die Arbeiter innerhalb des gesetzlichen Rahmens sich eine Vertretung schaffen, dieser die Anerkennung nicht zu versagen ist. Es ist daher seiner Zeit ein Vertreter des Reichsamts des Innern sur Information auf den Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands entsandt worden, und ebenso hat mit meiner Zustimmung die arbeitsstatistische Abtheilung des kaiserlich statistischen Amts sich mit den Vorständen der Gewerkschaften in Verbindung gesetzt. Es ist von der zunehmenden Zahl der Unfälle in der Landwirthschaft und von der Nothwendigkcit der Unfallverhütung gesprochen worden. Wer die Statistik genauer verfolgt, wird finden, daß die Zahl der Todesfälle fast konstant geblieben ist, ebenso ziemlich konstant die Zahl der Fälle dauernder Erwerbsunfähigkeit. Dagegen ist die Zahl der Fälle tbeilweiser Erwerbsunfähigkeit gestiegen. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß der Landwirth in immer steigendem Maße mit Maschinen zu arbeiten genöthigt ist, ferner auch, daß die Kenntniß des Gesetzes in immer weitere Kreise dringt, die Zahl der Anmeldungen daher sich vergrößert. Das hindert indessen nicht, daß auch für die Landwirthschaft die Frage der Unfallverhütung noch mehr in Angriff genommen werden muß. Die Ergebnisse der Ausstellung lanowirthschaftlicher Verhütungsvorrichtungen werden die Mittel liefern, auf die landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaften nach dieser Richtung einzuwirken. Nun rroch einige Worte über die Mittelstandspolitik. Meine von Herrn Dr. Oertel citirte Aeußerung bezog sich auf die Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises. Und ich kann mich in diesem Punkte auf einen ausgezeichneten Aufsatz berufen, den ein Parteifreund des Herrn Dr. Oertel, der Herr Abg. Jacobs- kötter veröffentlicht hat, und in dem er nachweist, daß der allgemeine Befähigungsnachweis nicht mehr einzuführen ist. In der Thal, wohin sollten wir da kommen? Es würden dann Zustände entstehen, wie sie früher einmal waren. Es wurde da z. B. zwischen der Befähigung für eine Gastwirthfchaft mit kalten Speisen und eine solche mit warmen Speisen unterschieden. Der kalte Gast- Wirth durfte nicht mehr Kalbsbraten verabfolgen, weil es der Beruf des Kalbsbratens ist, in warmem Zustande genossen zu werden, und der warme Gastwirth durfte fernen Schinken verabfolgen, weil dieser kalt gegessen werden soll. (Heiterkeit.) Die deutschen Innungen haben eine lange, ehrenvolle Geschichte, sie haben eine große Rolle in der Entwickelung der deutschen Kultur gespielt. Aber zu jener Zeit waren die Innungen politische Körperschaften: sie führten das Stadtregiment. Eine solche Belebung der Innungen in dieser Richtung, das ist allerdings mit den modernen Verhältnissen nicht mehr vereinbar. Sie würde dem Handwerk auch da nicht helfen, wo der Großbetrieb durch mechanische Einrichtungen besser und billiger produzirt und der Handwerker beim besten Willen nicht mit ihm fonfurriren kann. Die Verdrängung der Handwerker hängt auch mit der ganzen Entwickelung der öffentlichen Verkehrsverhältnisse zusammen, die es ermöglichen, daß man seine Einkäufe in der benachbarten Stadl un großen Geschäft, statt beim heimischen Kleinhandwerter macht. Will man in diesen Punkten dem Handwerker helfen, so gehört dazu, daß man das Handwerkergenossenschaftswesen fördert und daß man den Handwerkern billig eine mechanische Kraft ins Haus liefert. Tas sind aber Aufgaben, die nicht vom Reiche geleitet werden können, sondern nur von den Einzelstaaten und den Kommunen. Der Anfang ist auch hier bereits gemacht. So ist in Rotheiwurg an der Tauber eine elektrische Werkstätte für Holzzubereitung errichtet worden, die mit den neuesten Maschinen ausgeslattet ist, und den Handwerkern zur Verfügung gestellt »vird. Tie Meister melden sich dort an, arbeiten dort und bezahlen die Benutzung der Maschinen nach der Stunde. Tas ist die Art, wie man das Handwerk konkurrenzfähig macken kann. Die Einkonmienstatistik crgiebt, daß der Wohlstand des Mittelstandes sich erheblich verbessert hat, uiü) daß große Theile des Proletariats in den Mittelstand aufgeftiegen sind. Auch Professor Za1;n erkennt an, daß der Mittelstand nicht im Sckzwinden sondern in der Umbildung begriffen sei. Tas ist richtig, die Zahl der selbständigen Existenzen nimmt ab, aber das Durchschnittseinkommen ist gestiegen. Ich glaube, die Handwerker, welche die Selbstversicherung unter günstigeren Bedingungen erstreben, verlangen zu viel. 2Vcr den ganzen Rest seines Lebens über eine Rente haben will, der muß doch auch eine gewisse Summe zusteuern. In Betreff der schwindelhaften Ausverkäufe haben wir schon Erwägungen an« gestellt. Tas Verbot des Nachschubs von Maaren läßt sich doch nicht so einfach durchführen, wie vielfach angenommen wird. Die Erwägnilgen sind aber noch nicht abgeschlossen, und es würde mich freuen, wenn sie zu positiven gesetzgeberischen Maßnahmen führten. Ich gehe zum Schluß auf die Bemerkung des Abg. Wurm ein, daß zwischen Besitzenden und Besitzlosen eine unüberbrückbare Kluft bestehe, die nur durch die Sozialdemokratie ausgeglichen werde! könne, und daß es inzwischen nur Kampf geben könne zwischen diesen beiden Klasien. Ich meine, wenn wir heute in drakonischer Weise den Besitz aller Menschen gleichstellten, so würde es gleichwohl bald wieder Arme und Reiche geben, da der verschiedene Grad der Intelligenz der Menschen eine dauernde Gleichheit auZ- schließt. Auch der Grundsatz, daß es nur Kampf geben kann zwischen Besitzenden und Besitzlosen, trifft nicht zu, denn die Religion und Moral jedes Voltes verlangt es, daß die Besitzenden Opfer Dringen zum Besten der Armen. Dieser Grundsatz ist in der christlichen Religion in der erhabendsten Weise niedergelegt. Der Grundsatz, zwischen Besitzlosen und Besitzenden giebt es nur Kamps, würde das ganze Volk in zwei Parteien spalten, die Besitzlosen würden mit Haß auf die Besitzenden blicken, und diese mürben zu Opfern nicht bereit sein. War auch in früheren Zeiten das Ver- ftändnitz für die Nothwcndigkeit dieser Opfer noch nicht in genügendem Maße vorhanden, so hat doch die faiferlidje Botschaft Wilhelms I. hierin einen gewaltigen Umschwung hervorgerusen. Das Gefühl und das Verständniß für soziale Aufgaben ist im Staate und in der bürgerlichen Gesellschaft in außerordentlichem Maße geweckt, es sind ganz neue Bahnen eingeschlagen worden. Ter ganze Zweck unserer Sozialpolitik ist es, die Kluft zwischen den Besitzenden und Besitzlosen zu überbrücken. Ich habe den dringenden Wunsch, daß die besitzenden Klassen immer mehr bestrebt sein mögen, das zu erfüllen, was Religion und soziales Gewissen ihnen vorschreiben, und so lange ich an dieser Stelle stehe, werde ich Alles thun, was eine verständige Sozialpolitik fördern kann. (Beifall.) Abg. Frhr. von Hehl zu Herrnsheim (nat.-liü., sehr schwer verständlich, da er der Tribüne den Rücken kehrt) begründet den von ihm und einigen anderen Mitgliedern der national-liberalen und Centrumspartei eingebrachten Antrag auf Abänderung der Gewerbeordnung. Der Antrag bezweckt den Schutz der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen. Ein vollständiges Verbot der Mitgabe von Arbeit nach Haufe haben wir nicht aussprechen wollen. Wir haben nur gesagt: Jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen darf Arbeit nach Hause nicht mitgegeben werden. Die näheren Festsetzungen überlassen wir dem Bundesrath. Gegen eine toeitere Beschränkung der Heimarbeit besteht in weiten Steifen große Abneigung. Wir haben aber den dringenden Wunsch, daß der Arbeiterschutz auch auf die Heimarbeit ausgedehnt werden möge und hoffen insbesondere, daß die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die Heimarbeiter jetzt ernstlich in die Wege geleitet werden wird. Unser Antrag hat in der national-liberalen Presse, auch in der „National-Liberalen Korrespoiidenz" leider nicht viel Anklang gefunden. Es handelt sich nicht um einen agitatorischen Antrag, sondern um Vorschläge, die aus dem warmen Herzen kommen. DaS gilt insbesondere auch von dem Antrag, die Beschäftigung von Arbeiterinnen über 18 Jahre nicht 10 Stunden, und an den Borabenden der Sonn- und Festtage nicht 9 Stunden überschreiten zu lassen. Ter sozialdemokratische Antrag, allgemein eine 10- bezw. 8stündigc Arbeitszeit einzuführen, wird von den Sozialdemokraten wohl selbst kaum für ausführbar gehalten werden. Wir haben uns daraus beschräiikt, bei Personen zwischen 14 und 18 Jahren eine Maximalarbeitszeit von 10 Stunden festzusetzen. Wenn es nach mir ginge, würde ich eine Vollbeschäftigung der Arbeiter erst mit DoBenbctem 20. Lebensjahre eintreten lassen. Die Redner meiner Partei, die nachher gegen diese Vorschläge das Wort ergreifen wollen, möchte ich besonders erinnern, daß die ganze Anregung hervorgegangen ist aus einer Resolution des Reichstags vom Jahre 1898, in der Erhebungen über die Arbeitsdauer der Frauen angeregt wurden. Eine Unterscheidung danach, ob eine Arbeiterin verheirathet ist oder nicht, wie sie manche Freunde für die Festsetzung einer Maximalarbeitszeit treffen wollen, läßt sich nicht durchMren. In unseren Betrieben sind rund 230 000 verheiratete Frauen beschäftigt. Wie soll man denn die Arbeit eintheilen, wenn diese große Zahl verheiratheter Arbeiterinnen eine von den übrigen abweichende Arbeitszeit hat? Die Gesetzgebung der meisten Kultur- ftaaten hat bereits Bestimmungen im Sinne unseres Antrages geschaffen, darum meine ich, werden sie auch wohl bei uns möglich sein. Der Abg. Bebel ist neulich in feiner Rede, die er an eine kleine Gruppe von Republikanern deutscher Nation richtet (Lachen bei den Soz.), auch wieder auf die Verelendungstheorie zu sprechen gekommen. Ich weiß nicht, wie Herr Bebel damit noch operiren kann. Daß eine zunehmende Verelendung nicht stattftndet, ist durch die Statistik längst erwiesen; es wird auch von zahlreichen Anhängern der Sozialdemokratie selbst anerkannt. (Redner belegt diese Behauptung durch Citate aus dem Tavidschen Werke: Sozialismus und Landwirthschaft.) Ter Abg. Wurm hat die kaiserliche Botschaft abfällig Iritifirt und gesagt, ein Segen von oben sei nicht zu erwarten. Der Segen komme allein von der Sozialdemokratie. Wenn man aber sieht, was die Sozialdemokraten für ihre eigenen Leute thun, dann kann man an diesen Segen von unten nicht glauben. Die invalide gewordenen sozialdemokratischen Agitatoren lassen die Sozialdemokraten der bürgerlichen Armenpflege anheim fallen. (Große Unruhe bei den Soz.) Tie Bemessung der Arbeitszeit intcreffirt die Arbeiter noch mehr als die Höhe des Lohnes. Darum suchen auch die Sozialdemokraten, dadurch daß sie auf diesem Gebiete unerfüllbare Forderungen stellen, die Arbeiter zu gewinnen. Dr. Crnflcr ssreis. vv- sehr schwer veNtSnvuro, na er bcr Tribüne den Rücken kehrt): Herr Trimborn rühmte cs so sehr, das? der Zolltarif audi die Wittwen- nnd Waiscndcrsorgrmg er- möqlichr hätte, er hat aber nicht gesagt, daß diese Versicherung erst im Jahre 1910 in ftraft tritt. Auch handelt es srch dabei doch nur um die Wittwen und Waisen der Arbeiter; die Wittwen und Waisen der anderen, minder wohlhabenden Berufsklassen, bic hoch auch unter dem neuen Zolltarif leiden, erhalten nichts. Die ■.vrr[-,citerung der Lebenshaltung der Arbeiter durch den neuen Zoll- tarif ist weit größer, als die Wohlthat der Wittwen- und Waucn- ixriidierung. Wie sehr wird nicht allein das Brod durch die cr- Getreidezölle vertheuert! Mit den sozialpolitischen For- > . junger des Abg. Roesicke bin ich 'M Großen und Ganzen ein- i'cr’tanben. Ick weiß allerdings nicht, wie er sich eine Arbeits- l. ' nVersicherung denkt. Wenn man eine solche Forderung aufstellt, nw.ß man doch einen bestimmten Weg angeben können. Wenn man di? Mirstände auf dem Gebiete der Arbeiterfürsorge in der Land- wir: ^schäft ganz beseitigen will, muß man d!e Landwirthschaft auch unie" l":? Gewerbeordnung stellen, dies ist schon deshalb nörhig, weil b.T Maschinenbetrieb in der Landwirthschaft täglich zunimmt. Die licgctibcn Anträge Hai man mit Recht einen Wettlauf vor der - i bezeichnet. Den Befähigungsnachweis kann man unter i\-p n Verhältnissen nicht mehr einfi'chren, das zeigen bic .<• ■ - • • n, die man in Oesterreich damit gemacht hat. Selbst in r. ■ 1 eisen der Handwerkskammern ist man sich über die Nütz- ficijcir des Befähigungsnachweises nicht einig. Wünschenswerth wäre es, naß Die urganc Der yannwertstammern nm nur um ihr Gewerbe kümmerten, nicht in hoher Politik machten und sich feder gehässigen Polemik enthielteit. Die Gastwiriosgehilfen-Verordnung ist sehr reformbedürftig, Tausende von Erifienzen werden dadurch sehr geschädigt. Auch die Arbeitgeber wollen, daß den. Gehilfen eine eursorechende Ruhezeit gewährt wird, aber sw verlange,t, daß nicht so schematisch vorgegerngen, sondern bi;_ Verschied?!iar■ ?gleit der Vewmllniiie berücksichtigt wird. Mir ist gesagt, wenn die Pol'-- zci nicbt das größte Entgegenkommen gezeigt hätte, würde es in ganz Deutschland keine irnbcstraften Gastwirthe geben. Dem Antrag Groeber werden wir zusrimmcii, es ist dringend nöthig, daß den Be rufsvercinen endlich die Rechtsfähigkeit verliehen wird. Abg. Frhr. von Richthofcn ikons.): Meine Freunde werden unentwegt weiter an dem Ausbau der sozialvolitischen Gesetzgebung arbeiten. Wir hoffen, daß dieser Reichstag, den man den Novellen-Reichstag genannt hat, sich auch mit der Novelle zum Krankengesetz beschäftigen wird. Doch muß man sich bei dieser Novelle mir den Vorschlägen des Bundesraths begnügen und nicht etwa alle möglichen Fragen, wie die s?(cr5tcfrage, dabei aufwerfen. Wie wir die Wittwen- und Waiscnversichcrung machen werden, läßt sich erst übersehen, wenn wir die nörhigen finanziellen Unterlagen haben. Wenn die Ergebnisse des Zolltarifs und der zukünftigen Handelsverträge es uns ermöglichen, mehr zu thun, als ursprüng- lich beabsichtigt wae, werden wir uns freuen. Die Sozialpolitik darf sich aber nicht nur mit den Arbeitern beschäftigen, auch den kleinen Handwerkern-und Gewerbetreibenden mutz die Gesetzgebung ui .vnirr tornmen, Dtc lelbstanvigen kleinen Existenzen müßen er* halten bleiben. Abg. von Salisch ldcutschkons.i klagt über die großartige Verschwendung, die mit den Geldern der Alters- und Jnvalidcn- n rsicherungsanstalten getrieben werde. Tie Gelder der Anstalten sind nicht dazu, um den Architekten Ruhm zu schaffen. Am schlimmsten wird die Verschwendung in der Stadt Berlin getrieben. Für den Bau der Anstalt für Lungenkranke bei Berlin sind 9 Millionen verausgabt worden. (Abg. Singer (Soz.): Bravo!) Ja, Sie rufen Bravo! Es ist ja sehr schön, Geld auszugeben, aber der Säckel mutz langen. Was hilft es, Geld auszugäien, wenn man auf der anderen Seite sparen muß! Die Anstalt ist auf da? Luxuriöseste ausgestattet worden. Allein eine Kegelbahn hat dort 18 OOO Mk. gekostet I U,rd dabei wird an den Renten geknavst, und Jnvaliditätswochen werden in Abzr gebracht! Wenn wirtlich Millionen übrig sind, so müßen sie . utzt erden, um thatsäch- lichen Mißständen abzuhelfen. Die W eircrber athung wird hierauf auf Dienstag 1 Uhr vertagt. (Außerdem Interpellation Nißler über die Kriegsinvaliden.) Schluß 5l4 Uhr. Parlamentarisches. Berlin, 9. Febr. Im preuß. Abgeordnetenhause wurde heute der Gesetzentwurf betreffend Erweiterung des Stadtkreises Münster debattelos in dritter Lesung angenommen und alsdann die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beim Ausgabetitel laudrat- liche Behörden fortgesetzt. Es gelangten verschiedene Titel zur Annahme. Nächste Sitzung Mittwoch. Fortsetzung der Etatberatung. Marienhafe (Regierungsbezirk Aurich), 9. H-ebruar. (Amtlich.) Bei der Landtagsersatzwahl im hiesigen Wahlbezirk wurden insgesamt 224 Stimmen abgegeben. Davon erhielt Gutsbesitzer Willrath (fr ei ko ns.) 121, Gutsbesitzer v. Huelst (natl.) 103 Stimmen._____________________ Mttische Tagesschau. Eine Bundesrede. Als Vorbereitung zur großen Versammlung des Bundes der Landwirte in Berlin kann eine Rede betrachtet werden, die der Reichstagsabg. Sch rem pf in der württembergischen Landesversammlung des Bundes der Landwirte in Bretten dieser Tage gehalten hat. Im Berichte des amtlichen Bundesorganes heißt es wörtlich: „Redner kommt nun auf den Großgrundbesitz in Ost- elbien zu sprechen. Derselbe sei aus der geschichtlichen Entwickelung und besonders deshalb entstanden, weil dort der Boden zu schlecht ist, sodaß sich nur der Anbau eines großen Komplexes einigermaßen lohnend erweist. Hierbei erinnert er an den Ausspruch eines Großknechtes, der auf die Mitteilung, daß sein Herr ihm den ganzen Hof vermacht habe, erklärte: „Dann verklag' ich ihn!" (Heiterkeit.) Der Mann hatte aus eigener Erfahrung gesehen, wie schwierig es ist, eine Rente aus einem solchen Gut herauszuschlagen. Waren nicht auch Bismarck nnd Moltke norddeutsche Junker? Wenn wir die nicht gehabt hätten, wo wären wir hingekommen? Trotz unserer süddeutschen Sängerfeste! (Heiterkeit und Beifall). Und wie fest und standhaft zeigten sich die ostelbischen Junker bei der Kanalvorlage! Hätten wir nur von der Raffe im Süden einige! (Beifall.) Wir müssen scharfe Leute haben in einer so waschlappigen Zeit. (Bravo!) Wir haben Geistliche, die sind Raumannianer, und wir haben Lehrer, die wissen nicht recht wohin sie gehören in politischer Beziehung. Wir haben Psarroereine und Lehrervereine, wenn die zusammenkommen, sprechen sie auch nicht von den Fixstetnen (Heiterkeit), sie sprechen von Gehaltsaufbesserung. Wer will es ihnen zum Vorwurf machen? Redner erzählt ein Stückchen vom alten Fritz. Ein Soldat verkaufte als Amulett ein Säckchen, das die Soldaten hieb- und kugelfest machen sollte. Als ihm der alte Fritz darüber einen Vorwurf machte, öffnete der Soldat ein solches Säckchen und zog daraus den Inhalt, bestehend aus einem Zettel, auf welchem geschrieben stand: „Hundsfott, wehr dich!" So müsse man heute auch dem Mittelstand zurufen, der sich nicht seiner Haut wehrt: „Hundsfötter, wehrt Euch!" Das soll keine Beleidigung sein, aber Tatsache ist, daß der Bürgerstand sich um alle möglichen Dinge gekümmert hat, blos um seine Existenz nicht. (Beifall.) Wir sind mit Naturnotwendigkeit darauf hingewiesen, die Mittelstandsfrage zu lösen. Kolonialpoft. Berlin, 9. Febr. .Herr von Loßberg erklärt es für unwahr, daß der Geheimrat Hellwig um vertrauliche Mitteilungen ersucht habe, die cs einzelnen Mitgliedern der freikonservativen Partei ermöglichen sollten, auf eine erneute Behandlung des Falles Peters im Reichstage zu verzichten. Geheimrat .Hellwig habe vielmehr ihn direkt zu veranlassen gesucht, diese Herren möglichst zu bestimmen, die beabsichtigte Interpellation im Reichstage zu unterlassen oder sich wenigstens vorher mit dem Kolvnialamt in Verbindung zu setzen. Aenezuela. Wie die „NaL-Ztg." von unterrichteter Seite erfährt, sind die zur Regelung der Venezuelaangelegenheit in Washington vorbereiteten Protokolle entgegen anders lautenden Mitteilungen bis jetzt noch nicht unterzeichnet. Die Protokolle stellen fest, daß zunäch.st sedem der Verbündeten 5500 Pfund Sterling zu zahlen sind. Nach der „Post" steht der Abschluß der - Handlungen in Washington unmittelbar bevor. Die Vertreter der Mächte werden jeder für sich ein Protokoll unterzeichnen. Ein weiteres Protokoll unterzeichnen sie gemeinsam über die Aufhebung der Blockade. Der Zloman der sächsischen Kronprinzessin. Die „Schweizerische Depeschenageutur" meldet: Nach zuverlässigen Informationen soll eine Verschiebung der auf den 11. Februar angesetzten Verhandlung im Eh e- Prozeß der Prinzessin Luise mögft.ä sein. Ferner wird versichert, Leopold Wölfling ß- he in keinerlei Bezieh ung zu den Entschließungen der Prinzessin Luise und Gi rons. Es sei ihm gestattet worden, seine Schwester in 5er Nervenheilanstalt La Metairie zu besuchen. Von La Metairie trafen günstige Berichte ein. Die Prinzessin bewohnt eine zur Anstalt gehörende Villa und' ist mit den Einrichtungen zufrieden. Die Kammerzofe, welche die Prinzessin nach Mentone begleitete, ist entlassen. Die Anstalt, in welcher sich die Prinzessin befindet, wird von einem früheren Dozenten der medizinischen Fakultät an der Genfer Universität, Dr. Jcck' Martin, geleitet. Der Entschluß der Prinzessin, in einer Nervenheilanstalt Aufnahme zu suchen, wird in allen Kreisen Dresdens mit Genugtuung ausgenommen. Die Anregung dazu ist allein von den Rechtsanwälten der Prinzessin ausgegangen. Der sächsische Hof hat in dieser Beziehung nichts getan. Der Kronprinzessin Luise, welche nicht interniert wird, ind zwei Pflegerinnen zugewiesen worden. Dr. Zehme ver- prach ihr, regelmäßig Bericht über ihre Kinder zukommen zu lassen. Nach Empfang einer neuen abschlägigen Depesche aus Dresden wurde die Prinzessin von einem Wein krampf befallen. Sie erklärte später, ür ihre Person nicht mehr bürgen zu können. Wie auch den „Dr. N. Nachr." aus Genf berichtet wird, bleibt der Prinzessin im Sanatorium vollständige Bewegungs-Freiheit. Sie kann Ausflüge nach Genf machen, so oft und wann sie will. Nur ist vereinbart worden, daß ie im Falle einer längeren Abwesenheit Lachenal darüber unterrichtet. Eine längere Abwesenheit ist indes ausgeschlossen. Wie wir aus zuverlässiger Münchener Quelle erfahren, hat die Prinzessin Therese von Bayern m i t E r f o l g bei der Großherzogin von Toskana für die Prinzessin Luise interveniert. Das Verbot, ins elterliche Haus zurückzukehren, wird jedoch hiervon nicht berührt. Prinz Friedrich Christian hat die Nacht gut und den größten Teil ruhig und ohne Delirien verbrachst. Tie Temperatur zeigte gestern in den Morgenstunden die gewünschte Ermäßigung bis 38,5 Grad. Wie „Petit Bleu" aus Brüssel zu berichten weiß, erhielt Giron gleich nach seiner Ankunft in Brüssel von einer hervorragenden sächsischen Persönlichkeit ein Glückwunschschreiben zu seiner Haltung. Obgleich Giron privat wohnt, behauptet er,_ mit seiner Familie auf bestem Fuße zu stehen. Jedenfalls ist die öffentliche Meinung ihm nicht g ü n st i g, und man hat allgemein den Eindruck, als ob er wieder Brüssel verlassen wird. Erwiesen ist, daß bis gestern sein brieflicher und telegraphischer Verkehr mit der Prinzessin nicht unterbrochen war. Aus Stadt und Land. ** Das Groß h. R c g i e r ii n g s b l a r t N r. 7, ausgegeben am 7. Febr. d. I., enthält: Bekanntmachung, die Errichtung der Hessischen Landcs-^Hhpothekenbank betreffend.....Auf Grund des § 1 Absatz 2 des Reichs- Hypothekenbankgesetzes vom 13. Juli 1899, sowie der Artikel 1 und 10 des Gesetzes vom 12. Juli 1902, die Errichtung einer Hessischen Hypothekenbank betreffend, erteilen wir hierdurch der Hessischen Landes-Hypothekenbank, Aktiengesellschaft mit dem Sitze in Darmstadt, die Genehmigung zur Ausübung ihres Geschäftsbetriebes nach Maßgabe des (im Großh. Regierungsblatt in einer Ausfertigung beigehefteten) Gesellschaftsvertrages. Zugleich gestatten wir der genannten Bank auf Grund des § 11 Absatz 2 des Reichs-Hypothekenbank- gesetzes die Beleihung landwirtschaftlicher Grundstücke in dem ganzen Gebiete des Großherzogtums bis zu zwei Drittel des Wertes. Auch ermächtigen wir die Bank auf Grund des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Artikels 67 des Hessischen Ausft'ihrungsgcsctzes zu demselben vom 17. Juli 1899 zur Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber unter den in den §§ 6—9, 41 des Reichs-Hypothekenbankgesetzes bezeichneten allgemeinen Bedingungen mit der Maßgabe, daß die Ausgabe der einzelnen Serien jeweils der Genehmigung des Großh. Ministeriums der Finanzen als Aufsichtsbehörde bedarf. () Schwalheim bei Friedberg, 9. Febr. Selbstmord infolge Geistesumnachtung verübte gestern in frühster Morgenstunde der Landwirt Konrad Dietz, welcher in wohlhabenden Verhältnissen lebte. Er versuchte zuerst, sich in seinem Zimmer mittels eines Rasiermessers den .Hals zu durchschneiden, was ihm nicht gelang. Hierauf begab er sich auf den Speicher und erhängte sich mit einer Ackerleine. Als seine Kinder im Alter von 19, 17 und 15 Jahren am Morgen nach dem Vater sehen wollten, fanden sie sein Schlafzimmer leer und vor dem Bett eine Blutlache, ebenso Blut auf der Treppe. Auf dem Speicher wurde er dann gefunden. D. verlor vor drei Jahren seine Ofattin, mit der er in glücklichster Ehe lebte; seitdem stellte sich Menschenscheu und Melancholie ein, sodaß D. in einem Augenblick völliger Gcistesumnachtung selbst Hand an sich legte. Vermischtes. * Ein Unwetter hat auf den G e s c l l s cha f t s i n s e l n mehrere Tage gewütet. Die ersten Nachrichten wurden am 26. Januar vom Schuner „Eimea" nach Papeete gebracht. Am nächsten Tage ras der Dampfer ..Ercclsior" mit 400 Ueberlebeuden ebendaselbst ein. Der Kapitän schätzte den Verlust aus den Inseln Hao» Hiknero und Marakau allein auf achthundert Personen. Auch acht Weiße sind ertrunken. Der Sturm erstreckte sich bis Raitea, wo viel Schaden angerichtet ist, aber feine Menschen um gekommen sind. Man befürchtet, daß noch viele ll eberlebende auf den Gesellschaft^- und Paumotuinseln umkommen werden, ehe Nahrungsmittel, welche die französischen Behörden schon abgeschickt haben, dort eintreffen können. Tausende von Tonnen Copra und über 200 Tonnen Perlenmuscheln sind verloren gegangen. * Die häßliche Braut. Erster Leutnant (ledig): „Gratuliere zur Verlobung, Herr Kamerad. Hat Fräulein Braut keine Schwester?" — Zweiter Leutnant: „Nee, sonst hätte ich schon selbst die Schwester genommen!" * Im Eifer. Feldwebel: „Beim Parademarsch wird morgen nur der Herr General angesehen! Daß mir keiner nach dem Herrn Oberst oder Herrn Hauptmann oder nach mir oder anderem Blödsinn glotzt!" * Zwei verwandte Seelen. Student (der Bc- frachtung eines Schiffes zusehend): „Wofür wird denn all das Trinkwasser mitgenommen?" — Kapitän: „Nun, wir haben doch Frauen und Kinder an Bord!" Gerichtssaal. Berlin, 9. Februar. Im Ku r p su f ch e r pro zeß N a r d e n k ö t t e r ist ein Brief Nardenkötters eingegangen, daß er die Flu ch t ergriffen habe. Der Gerichtshof beschloß auf Antrag des Staatsanwalts, einen unumschränkten Haftbefehl zu erlassen und Nardenkötters Papiere, sowie sein Vernrögen in der voraussichtlichen Höhe der Straft und Gerichtskosten zu beschlagnahmen, im übrigen weiterzuverhandeln und den Mitangeklagten Dr. Kron- h e i m zu verhaften. Handel und Uerlrelir. Volkswirtschaft Berlin, 9. Febr. In den heute hier und in München äbgehaltenen Sitzungen des Aufsichtsrats bon Siemens u. Halske, Aktien gesell schäft und der trizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckertu. Co. wurden die Anträge der Vorstände beider Gesellschaften genehmigt, welche die Begründung eines gemeinsamen Unternehmens in der Weife zum Gegenstands haben, daß beiderseits das Fabrikations- und Vertaufsgeschäft auf dem Gebiete des Starkstroms fortan durch das neue Unternehmen betrieben werden soll. Die Firma Schuckert bringt somit ihre gesamten Nürnberger Fabriken und die Firma Siemens u. Halske außer ihrem Charlottenburger Dynamowerk auch das Kabelwerk im Westend in die Gemeinschaft. Die Form der Gesellschaft soll eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Kapital von 90 Millionen Mark sein. Beiderseits wird das entsprechende Betriebskapital an Material, Fabrikaten und Außenständen zu ungefähr gleichen Einlagen aufgebracht und von der neuen Gesellschaft übernommen unter Garantie seitens der Stammgesellschaften und unter Ausschluß aller Effekten,beteiligungen, Unternehmungen und bestehenden Garantieverpflichtungen. Tie zu begründende Gesellschaft, welche den Namen Siemens-Schuckert Werke, G. m. b. H., annimmt, soll mit dem 1. April 1903 in Tätigkeit treten, sofern die betreffenden Verträge durch die alsbald zu berufenden Generalversammlungen der Aktionäre ihre Genehmigung gefunden haben. »cnOf Ilcbrrlidjt der T-desf-IIe in der Stabt stießen. 5. Woche. Vom 25. Januar bis 31. Januar 1903. ' Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inft. 1600 Mann Militär Sterblichkeitsziffer: 21,25, nach Abzug von 4 Ortsfremden: 13,537«’. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: un 1. Lebensjahr: 2.- vom -15. Jahr Diphtheritis KD —- — 1 (1) 1(1) Scharlach 1 (1) — — Keuchhusten 1 — 1 — Tuberkulose 1 (1) 1 (1) — - Lungenentzündung Gehirnschlagfluß 3 1 — 1 1 —• Krebs 1 (1) 1(1) Altersschwäche 1 1 Verunglückling 1 1 — Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote der Todesfälle in der betreffenden .Krankheck auf von auswärts nacr Gießen gebrachte Kranke kommen. Neueste yifliunifleiL Originaldrahtmeldttttgeu des Gießener Anzeigers. Essen, 10. Febr. Auf der Zeche Zollverein erfolgt: eine Dynamitexplosion. Ein Schießmeister wurd. getötet, mehrere Bergleute leicht verletzt. Wittenburg, 10. Febr. Bei einem Brande ift der Taglvhner Cate und dessen 16jähriger Sohn verbrannt. Die Eltern wurden leicht verletzt. Barcelona, 10. Febr. Eine Anzahl von Ausstan- digen, die einen Straßeukarren aufhalten wollten, feuer« tcn auf einen Volizeisergeanten und den Wagensuyrer. Beide wurden leicht verletzt, ein Angreifer wurde sestge- nommen. rW lag >*• SÄ N-tl.: Ä- an I Wir beauf gehilfen Ihrer Militärdienst^ uns hiervon ur Die Vallt wird wegen Donnerstag M Wagenveckbr, Gießen, W $1- Ser fli In der U Erörterung ein« mühe, die Majo ru erwerben, ui lidjen Meinung 'Blatt zickt zw- lün tonne, abi uod) hervor, i der Kaiser un1 Die „Sun" ty aufmerksam z schon vorher liche Meinung ungen, die vo konttolliert toi und MeM M ben (äiiflui jitytt, aber ba- ivorden, nicht w N der X ■ «temtopf im i habe. Turch d namens Greenv tvartigen Amte- EntlaffMg sei men und Asni . Tie „Sun" Me Ange heg, Plan lasten fa möglichst selbst -lWenz des L oakleur der ü Plan vereiteln" xnn Herr Ov Pl°n allerdings aber man ^.,man an i bleiben aber ff es ein ft61N Grasen £ ^unes"-KorrH SS# ii-ö- wirb, als Geb« ft SÄ K n“r tafu des Ju ertver Aes de- . Die § 31. QÜelte ksZz W W «en -ft 1 ^NiNlk ^laß iftrj toefen ne*