Erstes Blatt. 153. Jahrgang Tmi§- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ESEBK.-WS 5E33SET Samstag 1V. Januar 1903 Slbrcfle für Depeschen: «nzetger Gießen. FernsprkchanschlußNr.bl. Nr. 8 9v|4eUt iügNch außer Sonntags. Dem A,ebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- blätter viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Umvers.-Buch- u.Stein- bruderei lB'etsch Erden) Redaktion, (hrpebtttoa uitb Drucker«! iehener Anzeige w General-Anzeiger v-tugspret», , monatlich 7LPt., viertel sahrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.—oiettel« jährt. auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen füt die Tagetznummer bis vonnittögS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für. den poltt. u. allgem. Leit i.®.: Fr.Hannemann; für,Stadt u. fionb" und .DerichtSsaal*: Lurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Arr östreich-ungarische Ausgleich iu- Aus Stadt und Land. Gießen, 10. Januar 1903. ** Geben klage. Am 10. Januar 1729 wurde zu Skandiano der berühmte Naturforscher Lazaro Spalan- ständigen; er versichere jedoch, daß die Gesetzentwürfe betreffend bcn Ausgleich bet uns so lange nicht Gesetzeskraft erlangen, als nicht volle Garantie geboten ist, daß diese auch in Oesterreich Gesetzeskraft erlangen. (Lebhafter Beifall.) habe die Verhandlungen beschleunigt, damit die Lage geklärt werde und ich im neuen Jahre dem Abgeordneteuhause entweder den Abschluß des Uebereinkommens mitteilen könne oder den Eintritt einer Lage, in der wir Krim selbständigen Zollgebiet übergehen können. (Zwischenruf: Welche Heuchelei! Ter Ministerpräsident schließt mit der Vcmer- hing, er halte eö für verfrüht, sich darüber zu äußern, in welcher Weise tott uuS mit Oesterreich in Betreff der parlamentarischen Verhandlung der Ausgleichsvorlagen ver- wurdr gestern tn der ungarischen Kummer diskutiert. Dor Eintritt in die Tagesordnung ergriff Franz Ko MH das Wort und ersuchte den Ministerpräsidenten S»ell um Aufschluß über die mit Oesterreich abgeschlossene Vereinbarung. Tie Negierung habe bfüglich des ÄuLglclchS die Grenzen der zulässigen Reserve Üvecschritten und beispiellose Gehemi- niökränierei getrieben. Kossuth fragt, welche Garantien der Ministerpräsident besitze, daß den jetzigen Vereinbarungen nicht ein aleiches Schicksal bereitet toerde, wie dem -tvischen Danssy und Baden! geschlossenen Uebercintommen. Kojsuth ersucht schließlich um Mitteilungen betreffend die Aufnahme der Barzahlung, Ausschließung der ungarischen Pfandbriefe von der Steuerbefreiung und betreffend die anderen Punkre der Ausgleichsverhandlungen, die er, falls diele, verbreiteten Gerüchten zufolge, in der Weise abgeschlossen worden seien, wie dies in die Oeffentlichkeit gedrungen sei, für nachteilig hält. (Beifall links.) Ministerpräsident Szell erwiderte, Kossuth habe richtig aesagt, da- Land habe ein Recht darauf, zu erfahren, was der Inhalt des Ausgleichs sei. Allein Redner habe auch, und -war ohne Kenntnis der Vereinbarungen, auf Grund unzuverlässiger Nachrichten eine voreilige Kritik geübt, die e r nicht berechtigt fntbc. Ter Ministerpräsident fügte hinzu, er könne sich nicht über die mit der östreichischen Regierung geschlossene Vereinbarung äußern, bevor das Nebereinkom- men nicht in aller Horm abgeschlossen, revidiert und unterschrieben sei. (Zustimmung recht-.) Ties werde in den nächsten Tagen g-.schchen. Er werde die erste Gelegenheit benützen, um vor Einreichung der Gesetzentwürfe über oen Ausgleich im ganzen Umfange, mit allen Einzelheiten und tn voller Objektivität Ausschluß zu erteilen. Ich habe, fuhr er fort, im Sinne des Gesetzes gehandelt, indem ich die Verhandlungen behufs Abschlusses eines Zoll- und Hcmdels- bündnisseS eingeleitet habe. Tiefe Verhandlungen sind aus her ganzen Linie zum Abschluß gelangt und das Einver- nebrnen ist hergestellt (Zwischenrufe: Wenn bas Einvernehmen hergestcllt ist, dann können Sie ja schon jetzt Mitteilungen machen, aber Sie treiben Geheimniskrämereis) Ministerpräsident Szell fährt fort: Ich habe ja gesagt, daß ich in einigen Laßen Mitteilung machen werde. Tas ist nichts weniger als Geheimniskrämerei. Ter Abgeordnete Kossuth findet es eigentümlich, daß ich in den letzten Tagen der Verhandlungen die äußersten Anstrengungen behufs Z standekommen des Ausgleiches gemachf habe. (Zwischenruf: Komödie!) Wer von Komödie spricht, hat keinen blauen Tunst von der Sache. Tie Ansicht, daß, falls bis zum letzten Tag des Tezember das llebereinkonrrnen nicht zu stände gekommen wäre, der jetzige. Rechtszustand aufgehört haben würde, ist unrichtig; eS ist in dieser Ansicht weder Logik noch Gerechtigkett. Ich habe diese Meinung übrigens schon früher, und wie ich glaube, glänzend widerlegt. Ich Volitijchc Tüijrsschau. Kein Handelsabkommen mit Bulgarien. ,,Nordd. Allg. Ztg." schreibt offiziös: Turch die Presse ist vor kurzem die Nachricht gegangen, daß die bulgarische Regierung daS zwischen Bulgaren und verschiedenen Mächten, darunter auch Teutschland, bestehende Handelsabkommen gekündigt hat. Tie Nachricht ist, soweit sie sich aus Teutschland bezieht, nicht korrekt, da ein Handelsabkommen fischen Deutschland und Bulgarien nicht besteht. Es bat 1897 zwischen den beiderseitigen Regierungen nur ein ^Notenwechsel stattgefunüeu. durch den Bulgarien der deutschen Einfuhr den Genuß der Vorteile aus der östreichungarisch-bulgarischen ^Handelskonvention vom 9. (21.) Tezember 1896 in Gemäßheit der Meistbegünstigung zusichert, von Teutschland daaegeu der bulgarischen Einfuhr die Behandlung auf dem Fuße der Meistbegünstigung zugestanden wird. Teutschland hat auf Grund der Kapitulationen mit der Türkei vom 23. März 1701, sowie nach Artikel 8 Absad 3 des Berliner Vertrags vom 13. Juli 1878 Anspruch auf meistbegünstiate Behandluug in Bulgarien. Daran wird selbstverständlich durch Kündigung und durch späteres Außerkrafttreten der handelspolicifchen Vereinbarungen Bulgariens mit den anderen Mächten nichts geändert. Abg. Basiermann über den Zolltarif. Abgeordneter Bassermann hat dieser Tage in einer Versammlung deö Mannheimer Nationalliberalen Vereins einen Vortrag über den Zolltarif gehalten. Redner schilderte dabei nach einem Bericht des Mannheimer ,Gen.-Anz.", wie fld) gegen die Versuche sozialdemokratischer Vergewaltigung der Reichstag dennoch arbeitsfähig hielt, der Zolltarif verabschiedet und dadurch die Möglichkeit geschaffen werden konnte, die Vertragspolitik nicht nur von Jahr zu Jahr zu fristen, sondern auf längere Dauer sicher zu stellen. Abg. Basiermann berichtigte dann ferner die Mißverständnisse und Irrtümer, die durch die bekannte Veröffentlichung eines Interviews verbreitet worden sind, und zerstörte endlich die Phantasie von dem ,reaktionären" Kartell und dem angeblichen Anschlag auf das Wahlrecht, richtete aber einen warmen Appell an das gesamte Bürgertum, bei den Stichwahlen gegen die gewalttätige, unduldsame und illiberale Sozialdemokratie sich zusammenzuschließen. — Die Versammlung nahm einmütig eine Resolution dahingehend an, der NeichStagsfraktion und ihren Führern Anerkennung und Billigung und dem Abg. Bassermann gegenüber den tendenziösen Angriffen seiner Gegner vollstes Vertrauen auszusprechen. zani geboren. Seine Entdeckungen, Versuche und Schriften über die Verdauungsfunktionen, den Kreislauf des Blutes und seine Beobachtungen über einen den Fledermäusen eigenen Sinn waren von hoher Wichtigkeit. Spalanzani unternahm größere Reisen nach Deutschland, der Schweiz und dem Orient und beschrieb die Merkwürdigkeiten dieser Gegenden. Er schloß am 11. Februar 1813 die Augen zum ewigen Schlummer. ** Wohltätigkeit. Von Herrn Fernie wurden dem katholischen Krankenhaus 100 Mk. überwiesen. tz Butzbach, 9. Jan. Der hiesige Tierschutzverein läßt gegenwärtig in unserer Stadtschule eine große Anzahl Exemplare des hübsch auSgestatteten Berliner Tierschutz- Kalenders für 1903 als sinnreiche Neujahrsgeschenke der Schuljugend. verteilen. Es soll hierdurch das Verständnis für die Tiere und die Barmherzigkeit gegen solche geweckt werden. — Im Jahre 1903 finden zu Butzbach folgende Märkte statt: Am 19. Februar, 19. Mürz, 7. und 23. April, 14. und 28. Mai, 18. Juni, 16. Juli, 6. und 20. August, 24. September, 8. und 29. Oktober, 23. und 24. November, 17. Dezember. e. Von der mittleren Wetterau. Die Influenza nimmt hier einen beängstigenden Umfang an. Von einer großen Anzahl von Dörfern hört man Klagen über die Krankheit. Auch die Kinder haben sehr darunter zu leiden. Hie und da (Echzell) treten sogar Fälle von Dyphterie auf. Man schreibt das plötzliche Erscheinen der Krankheit allgemein dem jähen Witterungsumschlag und dem feuchten Wetter zu. Bei der nassen Witterung erscheint Vorsicht doppelt geboten. -v. Nidda, 7. Jan. Im Jahre 1902 wurden in der evangelischen Pfarrei Nidda (mit Kohden, Unter-Schmitten, Michelnau und Bad Salzhausen) 71 Kinder getauft (34 Knaben und 37 Mädchen), darunter 3 uneheliche. AuL Nidda waren 38 Kinder, Kohden 8, Unter-Schmitten 17, Michelnau 6, Bad Salzhausen 3. Konfirmiert wurden 45 Kinder (94 Knaben, 21 Mädchen). Aus Nidda 26, Kohden 7, Unter-Schmitten 8, Michelnau 1, Bad Salzhrmsen 2, von auswärts 1. Kirchlich beerdigt: 44 Personen (22 männlichen, 22 weiblichen Geschlechts), darunter 1 unter 6 Jahren. Aus Nidda 27, Kohden 7, Unter-Schmitten 9, auS Michelnau und Bad Salzhausen keine, eine Person von auswärts. Die unter 6 Jahren verstorbenen Kinder wurden im Hause eingesegnet. Getraut wurden 33 Paare. AuS Nidda 19, Unter- Schmitten 8, Kohden 4, Michelnau 2, Bad Salzhausen keine. Kommunikanten waren es 1004, darunter 13 Prioat- kommunionen. Vermischtes. Ein neuer Aerztestreik. Aus ähnlichen Grüw- den, wie vor zwei Jahren in Leipzig und München, hadert wie aus Gera geschrieben wird, dort sämtliche dem Aerrteverein angehörenden Aerzte der annähernd 9000 Mitglieder zählenden Texti l-Betriebskrankenkasse tn der Nacht Die Kortfchritte der Medizin im Jahre 1902. Cs ist selbstverständlich, daß selbst die Fortschritte nur eines JahreS in der Heilkunde von einem Einzelnen nicht mehr vollständig überschaut, geschweige denn geschildert werden können. Es kann sich immer nur um einen Hinweis aus die großen Gesichtspunkte handeln, die zurzeit für den Gang der Forschung maßgebend geworden sind, und um einen Hinweis auf die Richtungen, in denen sich der Fortschritt aus den einzelnen Feldern des weiten Gebietes zu vollziehen scheint. Wenn eine derartige Schilderung mit einer Besprechung öer Tuberkulose und ihrer Behandlung begonnen wird, so bedarf das gewiß keiner Begründung. Wir sind jetzt endlich aufx dem Standpunkt augelangt, der einen allseitigen und wirklich mit Tatkraft geführten Kämpf gegen Diese gefährlichste unserer endemischen Krankheiten bedeutet. Im Oktober hat die Internationale Tuberkulose-Konferenz in Berlin getagt. Ihr wahrscheinlich wichtigstes Ergebnis war die Bildung eines Internationalen Zentralausschusses für die Verhütung der Schwindsucht. Tiese Behörde eiitljäü durch die Wahl der Inferenz Vertreter Deutschlands, Englands, Frankreichs, Tänemarls und Ungarns. Tie Gründung dieses Ausschusses ist als der erste Schritt zu einer gemeinsamen Bekämpfung einer Krankheit auszufassen, der nur durch vereinigte Arbeit aller Völker ein merklicher Abbruch geschehen kann. England hat sich den bei uns schon länger eifrig betriebenen Maßnahmen jetzt auch mit mehr Energie angeschlossen. Im vergangenen Jahre kam dort ein Preis- ausschreioen über die Summe von 16 000 Mk. für die besten Entwürfe von Sanatorien zur Behandluug von Tuberkulösen zum Austrag. Bemerkenswert ist auch der Umstand, daß die Einsicht in die Notwendigkeit der ZwangLimpfung und Wieoer- impfung gegen die Pocken in England mehr und mehr Boden gewinnt, nachdem sich bei einer Reihe von Epidemien herausgestellt hat, daß auch die Isolierung derKranken der Ausbreitung des Leidens nicht Einhalt zu tun vermag. Mit Bezug auf den Typhus hat der Vortrag von Tr. Cherry auf dem internationalen medizinischen Kongreß oon Austral-Asien durch die gründliche Behandluug des Stoffes die Aufmerksamkeit erregt. Tiefer L-achverständige bezeichnet das Wasser zwar als das gewöhnliche Mittel zur Uebertragung bcS Krankheitserregers, Betont aber das Vorhandensein noch anderer Quellen und verlangt demgemäß, daß nicht nur die Wasserversorgung einer Stadt oder eines Bezirks einwandftei sein muß, sondern auch die Verteilung der Abwässer und der organischen Abfälle jeder Art, weil der Typhusbazillus sich auch im Erdboden unter Umständen sehr lange lebend erhält. Im südafrikanischen Kriege sind Versuche mit einer Impfung gegen Typhus gemacht worden, über deren Ergebnisse ein zusammeusassender Berrcht noch nicht erschienen ist. Immerhin ist so viel darüber in die Oeffentlichkeit gedrungen, daß man sagen kann, die Impfungen besitzen zweifellos eine vorbeugende Kraft. Bei den geimpften Soldateir sind nur halb so viel Erkrankungen zu verzcichneu gewesen wie bei. den nicht aeimptten, und außerdem zeigte sich bei den ersteren innerhalb der Erkrankungen eine ausfallend geringe Sterblichkeit. Tie Forschungen über die Malaria haben in den neuerdings vorgezeichneten Richtungen ihren Fortgang genommen, und namentlich muß immer wieder die Betriebsamkeit der Schule für tropische Medizin in Liverpool und chrers Leiters Ronald Roß rühmend hervorgehoben werden; über die Verleihung deö Nobelpreises für Medizin an Letzteren ist das anerkennende Urteil wohl einstimmig gewesen. Auch fiir das Gelbe Fieber gilt jetzt die Ansteckung durch Mosntostiche als ausgemacht. Tie Amerikaner haben namentlich auf Kuba durch gründliche und kühne Versuche nicht nur die Klarstellung dieses Zusammenhangs erreicht, sondern auch eine hervorragende Gesundung durch einen Äoiegszug gegen die dort gefährlichen Stechmücken. Namentlich hat fich der Gesundhettszustand in der Hauptstadt Havana geradezu glänzend gehoben. Ein Geheimnis waltet dagegen noch immer über zwei gefährliche Krankheiten, die allerdings noch ferner liegen, nämlich der berüchttgten Schlafkrankheit der Afrikaner, die sich auch in unseren Kolonien u melden beginnt, und der asiatischen Krankheit Berib ... Tie Heilkunde verwendet große Auftnerksamkeit au; Aufklärung dieser Leiden, einmal weil sie die Kolonie!. , sthrdcl r.nb sodann weil eine weitere Ausbreitung imm^.^n im Bereich der Möglichkeit liegt 'nterettanteste und erfolgreichste Gebiet derMedif^N ist noch immer die Chirurgie. Im Mittelpuntt der Erörterung stand eine Zeit lang die AppendicittS und ihre Behandlung wegen der plötzlichen lebensbefährlichen Erkrankung des englischen Königs. Auch über diesen ein^ »einen Fall hinaus hat die lÄgründung dieser Krankheit ein vielseitiges Interesse, weil sie zusammen nttt bem KrebS zu denjenigen Selben gerechnet wirb, die sich in einer fortgesetzten Ausbreitung zu besiudeu scheinen. Daß bie Appen- dicitis nicht als eine moderne Krankheit bezeichnet werden kann, wird immer klarer. Sie ist mindestens seit 1836 in der medizinischen Literatur bekannt, wahrscheinlich aber auch sehr viel früher beobachtet worden. Die wichtige Frage, inwieweit o as Eindringen von Fremdkörpern in den Tem fraglichen Bahnübergang aus seiner langjährigen Tätigkeit als Milchfuhrmann wohl begannt sind, unb er deshalb erhöhte Aufmerksamkeit hätte betätigen müssen, erachtete das Gericht ben Tatbestand der fahrlässigen Gefährdung eines Eisenbahntransports für gegeben und hält im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, bie eine Gefängnisstrafe beantragt, eine Gelb st rase von 30 M k. für angemessen, angesichts ber schwierigen Terrain- oerhältnisse und her Unbestraftheit des Angeklagten. — So bann wird gegen ben Apothekergehilfen Joseph L. aus Ujest wegen Betrugs verhandelt. Er ist ein unverbesserlicher Zechpreller, wie seine Vorstrafen beweisen. Achtmal ist er wegen Betrugs, einige Male wegen Bettelns und Landstreichens vorbestraft worden, Im 9tt»vember und Dezember 1902 soll er bei zwei Wirten in Gießen abermals Zechprellerei verübt haben. Tem einen habe er erklärt, er sei Student unb wolle hier studieren, dem andern, er bekomme hier Arbeit für etwa 12 Tage. Ta letzteres, wie sich ergiebt, keine falsche Vorspiegelung war, toenn er auch nach zwei Tagen feine Beschäftigung bei Tr. R. wieder ausgab, ersterer aber erklärte, er würde dem Angeklagten auch geborgt haben, wenn er sich nicht als Student geriert hätte, gelangt das Gericht zur Freisprechung. — Karl St. oon Friedberg hat einer dortigen Lad en kaffe 70 Pfg. entnommen, wurde aber dabei ertappt, das Geld wurde ihm iüieber entledigt. Er ist rückfälliger Tieb und erkennt seine Strafe — 3 Monate Gefängnis unter Anrechnung eines Monats Untersuchungshaft — alsbald an. — Tie ilächste sehr umfangreiche Verhandlung führt ben Konrad K. von Langsdorf wegen einer Reihe schwerster Unkunden- älschungen, wegen Untreue, Unterschlagung und Betrugs auf die Anklagebank. Er hat längere Jahre die Geschäfte oer Spar- unb Darlehenskasse in Langsdorf geführt. Seine anfangs guten Verhältnisse veranlaßten bie Kasse, ihm Generalvollmacht zu erteilen. Durch Familienprozesse finb jedoch seine Vermögensverhältnis;'e zerrüttet und er ein Verbrecher geworden. Seine Verttauensstellung hat er in der schnödesten Weise mißbraucht. So hat er fortgesetzt Lchuldurkunden entweder vollständig gefälscht ober echte in wesentlichen Punkten abgeändert und jahrelang die größten Betrügereien unb Unterschlagungen verübt. Als ihm endlich ber Boden zu heiß geworden war, stellte er sich freiwillig ber Staatsanwaltschaft unb bezichtigte sich selbst zunächst nur einiger Urkundenfälschungen unb Unterschlagungen. Tie Voruntersuchung hat jedoch eine ganze Reihe solcher Verbrechen zu tage gefördert, unb ber Angeklagte ist heute im wesentlichen geftänbig. Mit Rücksicht hierauf beantragt ber Staatsanwalt, ihm mildernde Umstände zuzubilligen unb ihn in eine Gefängnisstrafe von 4 Jahren 9 Monaten zu verurteilen. Tas Gericht glaubt jeboch angesichts der hohen Beträge, bie sich ber Angeklagte erschwindelte, seines langjährigen verbrecherischen Treibens unb des groben Vertrauensmißbrauchs, bessen er sich schuldig gemacht, die mildernden Umstände versagen zu müssen, und verurteilt ihn in eine Gesamtzuchthaus st rase von drei Jahren drei Monaten, worauf drei Monate Unter- suchungshaft angerechnet werden. Die bürgerlichen Ehren- rechte werben ihm auf 5 Jahre aberkannt. ES werden für erwiesen erachtet 10 Fälle schwerer Urkundenfälschung in idealer Konkurrenz mit Betrug in 9 Fällen, ein Fall ber Unterschlagung und ber Untreue, in fortgesetzter Begangenschaft verübt, unb 4 weitere Fälle des Betrugs; wegen einiger nicht erwiesener Betrugsfälle wird er sreigefvrochen. — Zum Schluß wird ber Vieh schweizer Simon Schuoert auf Hof Utphe, ein Messerheld, wegen Körperverletzung in 2 Fällen zu einer Gefängnisstrafe von 2 Monaten unb 1 Woche verurteilt. Er hatte mit anberen Knechten ein Fäßchen Bier getrunken. Tabei kam es zwischen ihm unb dem Zeugen P. zum Streit, in dessen Verlauf er dem P. mit einem Bleiglas auf den Kopf schlug. Tiefer Streit wurde bald geschlichtet. Auf dem Nachhauseweg kam es abermals zwischen beiden zu Raufereien. P. warf den An-, geklagten zur Erde, dieser erhob sich und stach dabei seinen Angreifer mehrmals mit der großen Klinge eines Taschenmessers. Er ist geständig unb erkennt das Urteil an. LllSjuz ans iitn sküiirsanitortgißtro ötr Steil feiten. Aufgebote. Am 2. Jan. Christian Kreiling, Fabrikarbeiter in Wieseck mit Etisabethe Euler in Klein-Linden. Am 6. Jan. Jakob Start Emil IXau, Kaufmann dahier mit Henriette Sophie Luise Elijabelhe Heun hierjelbst. Julius Paul, Gärtner dahier, mit Elise Anna, genannt Marie Wisker hterselbst. Dr. Alfred Münz, prakt. Arzt ui Fechenheim mit Auguste Anna Lina Helene Glafsr dahier. Ludwig Riederhöfer, Dachdecker iu Lollar mit Katharine Rohrbach daselbst. Arn 9. Jan. Heinrich Simon Günther, Schlosser dahier mit Marie Appel Hierselbst. Eheschließungen. Am 3. Jan. Heinrich Tietz, Tienstknecht dahier mit Kathch rine Stock in Alsfeld. Am 9. Jan. Isaak Rosenthal, Rauf mann dahier nut Rosa Sophie, genannt Ida Barmann hierfelbst. Geborene. Am 28. Dezember. Dem Fuhrknecht Jost Bergener eint Tochter, Frieda. Am 80. Dezember. Dem Fabrikanten Karl Hornberger ein Sohn, Willy Hermann. Am 31. Dezember. Dem Lokomotivheizer Georg Hartmann ein Sohn, August Otto. Dem Bauausjeher-Aspirant Georg Marlin ein Sohn, August. Am 1. Jan. Dem Postschaffner Friedr. Gräf ein Sohn, Friedrich Wilhelm. Am 2. Jan. Dem Laboratoriumsdiener Max Ihle eine Tochter, Tora Anna. Dem Briefträger Karl Heinrich Dietz eine Tochter. Am 3. Jan. Dem Schlosser Jakobus Sieglsmund eine Tochter, Christina Karolina Wilhelmine. Dem Weichensteller Christian Arnold eine Tochter. Am 4. Jan. Dem Uhrmacher Georg August Koch eine Tochter, Emilie Theodore. Dem Gr. Hochbauaufseher Johann Friedrich Freudenberger eine Tochter, Katharina Anna. Ain 5. Jan. Dem Bahuarbeiter Wilhelm Schmidt ein Sohn. Dem Eisenbahnschaffner Karl Appel eine Tochter. Am 9. Januar. Dem Fuhrmann Kaspar Rang eine Tochter, Gestorbene. Am 4. Jan. Julius Muth, 79 Jahre alt, Landgerichtsdirek» tot i. P., dahier. Elifabethe Momberger, geb. Elser, 86 Jahre alt, Witwe des Landwirts Ludwig Momberger dahier. Margarete Becker, geb. Zimmer, 77 Jahre alt, Witwe des Schuhmachermstrs. Philipp Jakob Becker dahier. Am 6. Jan. Johannes Erb IX., 86 I. alt, Taglhr. dahier. Karl Jughardt HL, 61 I. alt, Fuhrunternehmer dahier. Elwire Koch, geb. Heusler, 71 Jahre alt, Witwe des Kaufmanns Fritz Koch dahier. Am 6. Jan. Elisabete Gräber, geb. Wagner, 61 Jahre alt, Witwe des Weichenstellers Johann Philipp Gräber dahier. Marie Aumaun, 3 Dionate alt, Tochter des Stationsgehilfen Wilhelm Aumann dahier. Christian Wenzel, 61 Jahre alt, Lokomotivsichrer i. P. dahier. Katharine Lamvus, geb. Karber, 75 Jahre alt, Hospitalitin dahier. Am 7. Jan. Hermann Ludwig Wilhelm Frank, 2 Jahre alt, Sohn beS TaglöhnerS Heinrich Wilhelm Frank dahier. Wilhelmine Spaar, geb. Pfeiffer, 53 Jahre ast, Ehesrau des Bremsers Johann Georg Spaar dahier. Am 9. Jan. Anna Katharine Weber, 76 Jahre alt, Witwe deS Schreinermeisters Ehristtan Weber dahier. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Bon jetzt ab gelangt die pro 1901/02 auf 4,5 vCt. festgesetzt Dividende der Bank für Sprit und Produkten-Hanoel zur Ausführung. — Die nächste Ziehung der 4,5 pCt. Hochstadt-Kronach-Gun- . elsdorfer Eisenbahn-Anleihe findet am 15. Januar 1908 statt. — An der Frankfurter Börse sind 85 Millionen 4 pCt. Hppo» thekenpfandbriefe vom Jahre 1900 der Deutschen Grundkreditbank zum Handel zugelassen worden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Januar 1903 -*-* o O £ rO = 741,1 +9,2 740,9 +5,8 739,3 +6,0 4,8 56 4,8 i 70 5,3 76 3 tu . aus den Distrikten Fauler Boden uud Oberförsterswiese 84 Fichtenstämme mit 5,53 fm, 1146 Fichtenstangen , 75,30 „ 2 rm Fichteir-Knüppel, 830 ckellen Fich^n-Äsrg, c- aus den Distrikten Oberhag, Unterhag uud Wanne 72 Fichtenstämme mit 24,02 fm, 1 Kiesernstamm , 0,88 , 28 rm Eichen-Scheüholz, 38 „ Nadel- 1 , Aspen- u 11 , Eichen-Knüppelholz, 248 „ SUaöel-ftnüppeL 18 „ Eichen-Stockholz, 177 _ Nadel- , 7260 Wellen Buchen-Reisig, 1900 „ Eichen- „ 4680 „ Nadel- . 270 , Weichholz- v Gießen, 9. Januar 1903. Der Oberbürgermeister Mecum. 393 Ho lzv erkauf. Kgl. ©bcrförpcrci Krofdorf. Montag den 19. Januar 1903, vormittags 10 Uhr kommen im Frcuud'schen Saale zu Krofdorf zum Verkauf: Schutzbezirk Krofdorf, Distr. 7, 10, 11, 20 (Jungfer- anncuwald, Diebskaut, Platte, Buchwald) Eichen — 26 rm Scheite und Knüppel, 200 rm Reiser; Buchen — 16 rm Rollen (Felgenholz, 1160 rm Scheite und Knüppel, 125 rm Stock- Holz, 1480 rm Reiser; Fichten = 30 rm Reiser. Die Holzkaufgelder werden nicht mehr gegen Bürgschaft kreditiert, sondern muffen vor der Abfuhr des Holzes mit Zahlungsfrist bis zum 1. August gezahlt werden. 405 nach V OftiCnntt ues deutschen Arzneibuches in Paketen und lose [380 Auo f Bieler, Marktetrassoö Braunkohlen empfiehlt billigst 346 Georg Schäfer, Hobleuhandlung. Ierkehrsverein Hießen. In einer am 4. Dezember abgehaltenen öffentlichen Versammlung hiesiger Bürger wurden die Unterzeichneten mit den Vorarbeiten zur Gründung eines Vereins zm Förderung des Fremdenverkehrs betraut. Diese Arbeiten sind soweit gefördert, daß in einer demnächst einzuberufenden weiteren öffentlichen Versammlung die Gründung dieses Vereins vor sich gehen kann. Um jedem den Beitritt zu diesem, die Jntereffen der gesamten Bürgerschaft fördernden Verein zu ermöglichen, ist der geringste Jahresbeitrag auf zwei Mark festgesetzt, wobei jedoch erwartet wird, daß jeder sich nach Maßgabe seiner Kräfte mit höheren Beträgen beteiligt. Wir bitten um recht zahlreiche Zeichnungen in den Listen, welche in den nächsten Tagen in Umlauf gesetzt werden. Gießen, den 10. Januar 1908. Ernst Balser. Theodor Hanbach. Max JaSkowStt. Jean Kirch. Anton Mecum. Gustav Mund. Karl Röhr. 419 Das Kontor der IevU-Ameriknnischen Petrolenin-GeseWft befindet sich fett heute 268 31 fraeWterrtrasst 31. Scherers Cognac in allen Preislagen empfiehlt: 102 Eberhard Metzger, Giessen. 06551 von Kinderschuhe billigst. Kiudersleck Gummischuhe werden fachgemäß billigst repariert. 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