Nr. 289 Zweites Blatt« Mittwoch 9. Dezember 1903 Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'schen Universitätsdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. Verantwortlich für den allgenreinen Teil: P. Wtttko; für den Anzeigenteil: H. Beck. 153. Jahrgang Erschein täglich m? Ausnahme des Sonntags. Di«. „Giehene. Zamilienblatter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. der Kammer folgende Anfrage: Die in die Oefsentlichkeit gedrungene Nachricht, von Preußen ou§ werde die Wiedereinführung der Schifffahrtsabgaben auf den natürlichen Waffer- wegen angestrebt, hat in weitesten Kreisen der Bevölkerung große Beunruhigung hervorgerufen. Angesichts dessen gestatten sich die Unterzeichneten anzufragen: Hat die Großh. Regierung Kenntnis von solchen Plänen und was gedenkt sie zu tun, um diesen für die wirtschaftliche Wohlfahrt unseres Landes verhängnisvollen Schritt abzuwenden? — Die Anfrage kommt um einen Posttag zu spät, denn aus Berlin ist heute schon in den Blättern zu lesen, daß dem Ausschuß des deutschen Handelstages amtlich die Nachricht zuging, die preuß. Regierung werde keine derartige Vorlage einbringen. Ale Heutige Mummer umfaßt 12 Seiten. Gießen, den 8. Dezember 1903. BeLr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung. Tie Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb 8 Tagen bei uns einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden. In den Gesuchen ist anzugeben: 1. Zivilstellung, 2. Vor- und Zunamen, 3. Militärcharge und Truppengattung, 4. Genaue Angabe des Truppenteils, Regiment, Kompagnie re., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren, 5. Bezirk des Landwehrbataillons. Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher (ei uns reklamiert haben, bedarf es der Angaben 1—5 nicht, es genügt hier einfache Meldung. Abwesende Lehrer oder Schutverwalter, die als alleinstehende Lehrer zur Reklamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes über die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Interessenten, daß am 11. und 12., vom 14. bis 19., vom 21. bis 24. und am 31. Dezember l. I. die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter (§ 139 c rubr. Gesetzes) keine Anwendung zu finden haben und die Läden sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden dürfen. Gießen, den 8. Dezember 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Kescher Landtag. R. B. Darmstadt, 8. Dez. Der stark besetztem Hause eröffnet Präsident Haas die Sitzung um 101/4 Uhr. Die Plätze der beiden Abgeordneten Reinhart und Schönberger sind mit Blumenbouquets und Lorbeer kränz en geschmückt. Die beiden Abgeordneten, die ihr 25jähriges Jubiläum der Zugehörigkeit zur zweiten Kammer feiern, werden von den Mitgliedern beglückwünscht, ebenso die neu eingetretenen Abgeordneten Dr. Buff, Müller und Adelung, der als Ersatz für den verstorbenen Abg. Haas-Mainz gewählt wurde. Präsident Haas bemerkt zuerst: Indem wir uns heute zu einer kurzen Tagung hier ^usammenzufinden, wollen wir nicht unterlassen, nun.) an oieser Stelle unserem tief- schmerzlichen Empfinden Ausdruck zu geben über das jähe Hinjcheiden der Prinzessin Elisabeth, der einzigen, heißgeliebten Tochter unseres Gooßherzogs, des Lieblings aller Hessen. Das Land habe die Trauerkunde mit tiefstem Schmerz vernommen und bringt dem schwergeprüften Vater das aufrichtigste Mitgefühl und die herzlichste Teilnahme entgegen. Der Präsident verliest darauf die Botschaft des Eroßherzogs, die vom Hause stehend angehört wird. Auf Antrag des Vorstandes beschließt alsdann das Haus, die Botschaft mit einer Adresse an den Großherzogi zu beantworten, in der dem herzlichen Beileid der Kammer Ausdruck gegeben wird. — Nach kurzer Pause bemerkt der Präsident, daß auch das Haus den Verlust eines seiner Mitglieder zu beklagen haben, des Abg. Haas-Mainz; das Haus erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen. — Dann weist der Präsident darauf hin, daß die Abgg. Reinhart und Schönberger in diesem Herbst ihr 25jähriges Jubiläum als Landtagsabgeordnete feierten. Beide hätten sich bemüht, in dieser langen Zeit ihr Amt in hochverdienstvoller Weise auszuübe'.ruud sich damit den Tank des ganzen Volkes verdient. Auch das Haus bringe denselben dafür volle Anerkennung entgegen und vereinige mit ihm die besten Glückwünsche für die Leiden Jubilare. Ein anderes Mitglied, Herr Mo kling er, habe am 16. September sein 80. Lebensjahr vollendet und befinde sich in voller geistiger Frische unter uns. Möge der lrebe Gott uns alle drei Kollegen noch Lange Jahre hinaus geistig frisch und gesund erhalten. Tie Versammlung erhebt sich zu Ehren der Jubilare von den Sitzen. Abg. Reinhart dankt dem Präsidenten und dem Hause für den Ausdruck freundlicher Gesinnung. Er habe seine schwache Kraft gern hier zur Verfügung gestellt und werde auch auf seinem Posten aushalten, so lange ihm Gott die Gesundheit und seine Wähler chm chr Vertrauen schenken. — Abg. Schönberger dankt ebenfalls für tie Glückwünsche und sagt treue Pflichterfüllung auch in Zukunft zu. - Abg. Möllinger fügt seinem Dank die Versicherung hinzu, daß er sich bemühen werde, das Vertrauen, welches rhm nun schon so lange ^ahre entgegengebracht wurde, auch in Zukunft zu rechtfertigen. — Präsident Haas begrüßt darauf die neu eingetretenen Abgeordneten Dr. Buss, Müller und Adelung. Dieselben treten darauf vor den Präsidententisch und werden m der üblichen Weise vereidet. Auf Antrag des Abg. Reinhart werden die drei nächsten Punkte der Tagesordnung für später zurückgestellt. Es gelangt zur Beratung die Regierungsvorlage, bett. den Staats vertrag zwischen Hessen und Baden über die Auflösung des bezüglich der Gemeinde Kürnbach bestehenden Kondominatsverhältnisses. Staatsminister Rothe führt hierzu aus: Tas Haus dürfe überzeugt sein, Dag es ihm nicht leicht geworden sei, dem Gvoßherzog einen Gesetzentwurf zur Annahme zu empfehlen, durch welchen eine Anzahl von 914 Personen einem anderen Staarsverband übertragen werde. Indessen habe er es geradezu für seine Pflicht gehalten, diesen Vertrag zu beftirworten, da ein derartiger Zustand, wie er bisher dort bestand, nicht länger beibehalten werden könne. Von einem „Menschenhandel", wie man sich geäußert habe, könne doch hier absolut keine Rede sein. Vian müsse die Sache mehr vom realpotitischen Standpunkt aus betrachten, und sie sei auch für die Bewohner von Kürnbach mehr oder weniger in diesem Sinne ausgefaßt worden, denn die Jahrhunderte lange Trennung habe das Band mit dem Stammlande doch sehr gelockert. Tie Kürnbacher waren mehr Hessen nach dem Grundsatz des „Ubi bene, ibi patria". Eine Zuteilung von Kürnbach an Hessen würde schon durch seine Lage im Großherzogtum Baden nicht angängig sein. Irgend einen materiellen Vortell habe man bei Mschluß des Vertrages weder von Hessen, noch von Baden beabsichtigt, man habe nur dem unnatürlichen Verhältnis ein Ende bereiten wollen, und der Vertrag beruhe auf der sorgfältigsten Prüfung der Verhältnisse. Redner bittet schließlich um Annahme der Regierungsvorlage und spricht die Hoffnung aus, daß den nach Annahme des Vertrages von uns scheidenden hessischen Staatsangehörigen in ihrem neuen Staatsverhältnis eine neue Aera des Gedeihens beschert sein möge. Abg. Molthan (Ztr.) führt aus, er sei zuerst gegen den Vertrag gewesen, habe sich aber von der Notwendigkeit einer Aenderung der unhaltbaren Zustände in Kürnbach überzeugt und werde mit seinen Freunden für die Vorlage stimmen. Tie Einführung des neuen Grundbuchs im Kondominat sei nicht möglich, es müsse sogar noch ein Einschreiten des Bundesrats in diesem Punkte erwartet werden. Auch sonst entspreche das jetzige Verhältnis dort nicht den Grundsätzen unseres Versassungswesens. Es seien so viele Unzuträglichkeiten vorhanden, daß die von der Regierung vorgeschlagene Lösung der Sache die beste sei. Anstatt Steuern an Hessen zu zahlen, habe man bisher aus einem in Kürnbach bestehenden Fonds 100 Gulden entrichtet, man sei nicht einmal von der sonst so drückenden Stenrpelsteuer berührt. Word en. Wenn man von einer dort noch bestehenden Idylle spreche, die man nicht zerstören solle, so meine er, es sei eine Kette von Mühseligkeiten gewesen, die man dort zu überwinden hatte. Auch die Entschädigung Hessens erscheine als eine angemessene. Abg. Bähr (Antis.j spricht namens der Ausschußminder- hert gegen die Regierungsvorlage und sucht in längerer Rede bet erheblicher Unruhe im Hause die Grundlagen des Gesetzentwurfes, die lediglicy auf den ungenauen Angaben des Kreisamtes Heppenheim basierten, als unzutreffend darzustellen. Tie Mitglieder des Ausscbusses hätten sich selber an Ort und Stelle nach dem Stano oer Sache erkundigen sollen, wie auch er es getan habe. Tann würden sie anders darüber denken. Bei den Kürnbachern kämen auch patriotische Empfindungen mit in Betracht, und die dortigen Baudenkmäler verdienten ebenfalls, im Besitze Hessens zu bleiben. Tie dortigen Grundbücher entsprächen durchaus den gesetzlichen Anforderungen. Redner wünscht schließlich die Vertagung der Sache bis zum Frühjahr, bis dahin würde man die Verhältniise dort näher kennen lernen und die Kürnbacher selber befragen können, ob sie Hessen bleiben oder an Baden übergehen wollten. Geh Staatsrat Krug zu Nidda weist die vielen, vom Vorredner gegen den Gesetzentwurf erhobenen Bedenken zurück. Ter Ausschußberichterstatter Dr. Gutfleisch, der doch seit langen Jahren für die Wahrung der verfassungsmäßigen Grundsätze und die Volksrechte eintrete, habe sich große Mühe und Arbeit mit der sorgfältigen Bearbeitung des umfangreichen Materials gemacht und in dankenswerter Meise mit großer Sachkenntnis den Bericht erschöpfend abgefaßt. Er habe ganz recht, es handle sich hier lediglich um wirtschaftliche und sozialpolitische Gründe, welche die Regierung veranlaßten, Dein unheilbaren Zustand durch den Mschluß des Vertrages ein Ende zu machen. Abg. Ulrich wendet sich gegen den Staatsvertrag. Man könne nicht einfach so über 914 Staatsangehörige verfügen wollen, das sei eine Art „Seelenverkauf". Der Vertrag erinnere zu sehr daran, daß die Mächtigen über den Schwachen stehen und diese sich einfach unterwerfen müßten. Der Fehler fei gewesen, daß man Den Kürnbachern die Privilegien ließ. Diese hätten sich absolut überlebt und mußten beseitigt werden. Hätte man sie erst abgeschafft und Den Künibachern dieselben Lasten aus- erlegt, wie den übrigen Bewohnern Hessens, Dann wür- Den Die Leute gewiß gern zu Baden übergetreten sein. Sie wollten wohl nur Hessen bleiben unter Beibehalt ihrer Privilegien. Inzwischen ist ein Antrag Bähr, Ulrich u. Gen. eingegangen, mit Rücksicht aus eine neu eingegangene Petition Der Kürnbacher, Die Sache noch einmal an Den Ausschuß zu verweisen. Gegen diesen Antrag spricht sich Mg. Dr. Gut fleisch in lebhafter Weise aus uito bittet, die nun schon so lange verhandelte Angelegenheit endlich zum Abschluß zu bringen. Da sich über diesen Antrag voraussichtlich! wieder eine längere Debatte entspinnen wird, wurde Die Verhandlung auf Antrag des Abg. Tr. Schmitt der vorgerückten Zeit wegen abgebrochen. Fortsetzung morgen früh 9 Uhr. • * e R. L. Darmstadt, 8. Dez. Die Sozialdemokraten haben heute in der zweiten Kammer folgenden Antrag einge- bracht: Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu lassen, durch welche der 2. Absatz des Art. 3 des Gesetzes vom 16. Juni 1874, das Volksschulwesen betreffend, abgeändert wird wie folgt: „Die Schülerzahl einer Klaffe darf 40 nicht übersteigen, lieber besonderen Umständen können einem Lehrer bis zu 60 Kinder zum Unterricht zugewiesen werden." — Die Sozialdemokraten stellten heute in KailamenlarischtS aus jSejjen. Tie Begründung des Gesetzentwurfs zur Bildung eines Ausgleichsfonds ist soeben erschienen. Tarin heißt es: Tie Fehlbeträge in den Voranschlägen und Rechnungen der letzten Jahre sind in erster Linie darauf zurückzuführen, daß infolge des wirtschaftlichen Niederganges die Eisenbahnüberschüsse erheblich zurückgegangen sind. Tie Anteile Des Großherzogtums am Ueberscpusse der Eisenbahngemeinschaft betrugen im Rechnungsjahre 1899/1900 11145 843.36 Mk., 1900/01 11378 021.63 Mk., Dagegen im Rechnungsjahre 1901/02 10 490 956.18 Mk., 1902/03 11021 134.88 Mk. Zieht man von diesen Anteilen Hessens am Ueberschuß Der Gemeinschaftsverwaltung Die auf Den Eisenbahnen ruhenden Lasten ab, so berechnet sich, Der Netto-Ueberschuß im Rechnungsjahre 1900/01 auf 2 253 436 Mk., 1901/02 auf 1053 411 Mark, 1902/03 auf 1276 586 Mk. Ter Netto-Ueberschuß ist sonach im Rechnungsjahr 1901/02 gegen Das Vorjahr um r unD 1200000 Mk. zurück gegangen und bleibt auch im Rechnungsjahr 1902/03 noch um etwa 9<7000 Mk. hinter Dem Ergebnis Des Rechnungsjahres 1900/01 zurück. Es beDarf keiner näheren Erörterung, Daß so starke Schwankungen in Den Einnahmen Die Aufstellung des Hauptvoranschlags außerordentlich erschweren und daß Damit der gesamte Staatshaushalt von Dem Erträgnis Der Staatseisenbahnen, mittelbar somit von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage in empfindlichster Weise abhängig gemacht wird. Tie Unsicherheit in Der Veranschlagung wirb dabei noch Dadurch erhöht, daß eine wirtschaftliche Depression in ihrer Einwirkung auf Die Gestaltung Der Eisenbahneinnahmen nur selten vorausgesehen werden kann. Es zeigt sich nämlich regelmäßig. Daß Der Ueberschuß des ersten ungünstigen Jahres einer Periode des geschäftlichen Nieder- ganges zurzeit Der Aufstellung des Budgets noch wesentlich zu hoch veranschlagt wurde. Der Gedanke liegt nahe, sich, gegen solche Schwankungen durch Bildung eines besonderen Ausgleichsfonds zu schützen, und die Regierung hat die Notwendigkeit einer solchen Maßregel schon seit längerer Zeit erkannt. Es schien ihr aber nicht richtig, einen Gesetzentwurf zur Regelung dieser Frage in einer Zeit vorzulegen, in Der an die Möglichkeit, im Staatshaushalt Rücklagen zu machen, überhaupt noch nicht gedacht werden konnte. Nachdem aber seit kurzem Anzeichen einer Besserung Der wirtschaftlichen Lage vorhanden sind, scheint eine gesetzliche Regelung nunmehr vor Beginn einer günstigeren Periode dringend geboten. Ein weiterer Anlaß zur Einbringung Des vorliegenden Gesetzentwurfes ist dadurch gegeben, daß auch Preußen durch das Gesetz vom 3. Mai 1903 einen Ausgleichssonds für die Eisenbahnverwaltung geschaffen hat. Bei seinen engen finanziellen Beziehungen zu dem großen Nachbarstaate ist Hessen geradezu gezwungen, Diesem Beispiel baldigst zu folgen. Tenn wenn schon in Preußen Die Bildung eines AusgleichK- fonds im Betrage von 200 Millionen Mark für so wichtig und dringend gehalten wurde, daß man den Grundstock dieses Fonds mit 30 Millionen Mark in einer ungünstigen Wirtschaftsperiode sogar durch Aufnahme einer Anleihe ausgebracht hat, so hat Hessen — angesichts Der größeren Em- psinDlichkeit seiner Finanzen — Doppelten Grund, auch seinerseits eine ähnlich? Reserve zu schaffen. Ta Hessen auch in günstigen Jahren noch darauf angewiesen sein wird, Die außerordentlichen Ausgaben zum weitaus größten Teil aus dem Vermögen oder aus Anleihe Mitteln zu decken, so muß in unserem Lande vorerst noch Darauf verzichtet werden, eine Reserve für solche Ausgaben zu bilden. Desto dringender ist aber Das Bedürfnis, Daß Hessen sich wenigstens gegen Schwankungen in Den wichtigsten von feinem Zutun mehr oDer weniger unabhängigen Poften Der laufenDen Verwaltung s ch ü tz t. Ter Zweck Des vorliegenden Gesetzentwurfes ist es daher, dieses nächstliegende und dringendste Bedürfnis zu befriedigen; erst wenn Der Fonds einen bestimmten, vorläufig mit 6 Millionen Mark angenommenen Betrag erreicht haben würde, sollen Die ihm weiter zu- fließenden Mittel auch zur Deckung außerordentlicher Ausgaben Verwendung finden. Ein weiteres Moment Der Unsicherheit wirD in den Staatshaushalt durch die Schwankungen in Den Matrikularbeiträgen an das Reich gebracht. Tie Ueberschüsse Der Ueberweisungeu Des Reiches über Die Matrikulardeiträge Des Großherzogtums haben im Rechnungsjahr 1898/99 rund 248000 Mk. betragen; Diese Summe wurde mithin vom Reich an Hessen herausbezahlt. Im Rechnungsjahr 1899/1900 haben umgekehrt die Matri- Marbeiträge Die Ueberweisungeu um rund 236 000 Mk. überstiegen. Die finanziellen Beziehungen des Großherzogtums zum Reich haben sich hiernach innerhalb eines Jahres um rund 4 8 4 00 0 Di k. verschlechtert. In Den folgenden Jahren hat sich das Verhältnis noch weiterhin zu Ungunsten des Großherzogtums verschoben, indem Die ungedeckten Matrikularbeilräge im Rechnungsjahr 1900/01 auf 357 139 Mk. und — nach einem nicht bedeutenden Rückgang im Zwischenjahre — im Rechnungsjahre 1902/03 sogar auf 497 523 Alk. gestiegen sind. Es erscheint daher nötig, auch gegen diese Schwankungen Vorkehrungen zu treffen. Allerdings Darf hierbei nicht übersehen werden, daß der Aus- gleichsfonds bei diesem weiteren Inanspruchnahme in den ungünstigsten Jahren nicht aus reichen wird, um so- QUAKE di gerin in Dessau wird im Anschluß an unseren gestrigen Bericht noch folgendes geschrieben: Als bei der unglückseligen Vorstellung am Sonntag die Menageriebesitzerin Fischer einen ihrer Löwen, ein altes, mächtiges Tier, wegen einer Unart leicht züchtigte, sah er die Bändigerin zwar grimmig und heimtückisch an, machte aber zunächst kehrt und schlich nach Katzenart im Käfig umher. Plötzlich sprang die Bestie, als ihr die Dompteuse einmal den Rücken zuwandte, auf die unglückliche Frau zu, die nur noch zurück" rufen konnte und im nächsten Augenblick schon leblos am Boden lag. Der Gatte der Getöteten, der in den Käfig zu den Löwen eindrang, um seiner Frau beizustehen, mußte dem rasenden Tier mit einer Eisenstange mehr als 20 mal in Leib und Nachen stoßen, ehe es von seinem Opfer abließ. Das Publikum, das in dichten Scharen die Menagerie füllte, war auf das höchste erregt, und der Schrecken stieg noch, als man sah, daß Herr Fischer beim Betreten des Löwenkäffigs die Tür hinter sich offen gelassen hatte. Rasch aber schlossen einige beherzte Leute die Eisentür und verhinderten ein Ausbrechen der Tiere. Bei dem Drängen der Zuschauer nach den Ausgängen wurden einige Personen, wenn auch unbedeutend, verletzt Die verstümmelte Leiche der Frau Fischer wurde noch am Sonntag in das Schauhaus übergeführt. Die Vorstellungen in der Menagerie nahmen gestern ihren Fortgang. * Feuersbrünste. In Brüssel brach in einem Holzwarengeschäft eine große Feuersbrunst aus, welche infolge des starken Sturmes rasch an Ausdehnung gewann. In kurzer Zeit waren 7 Gebäude vollständig in Asche gelegt. Der Schaden ist enorm. — In Devonport brach im Vor- ratsranm des britischen Kreuzers „Hermes" ein großer Brand aus. Die in nächster Nachbarschaft des Brandherdes belegen'e Granatenkammer wurde vorsichtshalber mit Wasser gefüllt. Man glaubt, es werde notwendig sein, das Schiff zur Löschung des Feuers unter Wasser zu setzen. Vermischtes. • Berlin, 8. Dez. Heute wurde auf dem Spittelmarkt durch den Revolver eines Mannes, der einen Selbstmord-Versuch verübt hatte, beim Entladen der Waffe ein Unbeteiligter, dessen Persönlichkeit bisher noch nicht fest- gestellt wurde, tätlich verletzt. * Dortmund, 7. Dez. Der Bahnhofsbau wird die städtischen Finanzen ganz bedeutend in Anspruch nehmen. Die Stadt zahlt zu den Kosten des Bahnhofsumbaues an den Staat und eine Million Mark, muß aber ferner für Aenderung in den Straßenzügen, die der Bahnhofsbau zur Folge hat, mindestens noch 1—l1/, Millionen Mark auswerfen. • Zwickau, 8. Dez. Der Kassierer Coldiz der Gemeindesparkaffe in Niederplanitz wurde nach einer Unterschlagung von 28 000 Mark nach Amerika flüchtig. Von der Staatsanwaltschaft ist ein Steckbrief hinter dem Defraudanten erlassen. * Paris, 8. Dez. Der Hauptmann Banalcon der Kolonial-Infanterie, welcher in der allernächsten Zeit nach China abgehen sollte, durchschnitt sich in einem Anfalle von Wahnsinn die Kehle. — Infolge heftiger Regengüsse ist ein Teil der Stadt Gijon vollständig unter Wasser gesetzt. Der Präfekt ist an Ort und Stelle eingetroffen und leitet die Rettungsarbeiten, an denen sich Truppen und Polizei beteiligen. Auch die Stadt Aviles ist teilweise überschwemmt. Eine Brücke ist eingestürzt. • Benevento, 8_. Dez. Gestern abend wurde hier eine heftige und eine weniger starke Erderschütterung verspürt. * Prag, 8. Dez. Die amtliche „Prager Ztg." veröffentlicht heute eine Erklärung des Korr. Bureaus, daß die im In- und Auslande verbreiteten Gerüchte über das Fürstenpaar von Windisch-Graetz völlig aus der Luft gegriffen seien. • Zu dem furchtbaren Tode einer Löwenbän- Kunst und Wissenschaft. Geestemünde, 8. Dez. Das Schiff der Südpolarervedition „G a u ß" wird zur Zeit hier emlöscht und geht nach der Ent- lösebung nach Bremerhaven, wo es bei passender Gelegenheit verkauft werden soll. London, 8. Dez. Ter Philosoph Herbert Spencer ist heute mittag gestorben. (Die Wissenschaft hat wieder einen ihrer großen, England einen seiner größten Männer verloren. Herbert Spencer war 1820 gebot en, begann nach Beendigung seiner Studien als Zivilingenieur, wurde Journalist und Mitarbeiter am „Eco- nomist", der „Westminster Review" und „Edinburgh Review", bis er später sieh ganz selbständigen schriststellerischeii Arbeiten widmete. Der Verstorbene galt als der bedeutendste englische Philosoph der Gegenwart; er ist der Begründer eines eigenen Systems, der Evolutions- oder Entwickelmigsphilosophie. Die erste bedeutende Schrift Spencers war eine Statistik der Gesellschaft unter dem Titel „Social Statics“ 1851 erschienen; im Jahre 1860 begann er nach dem Vorbild von Comte eine zusammenhängende Folge von philosophischen Werken, in welchen die Prinzipien der Biologie, Psychologie, Soziologie und Moral entwickelt wurden; dieses „System of synthetic philosoph-< wurde 1896 abgeschlossen. Red.) — Nach einer Stockholmer Depesche stellen sich die Nobel» preise in diesem Jahre aui ze 141 357 Kronen 57 De re. Eingesandt. Weißt du, wo? Weißt du, wo der Leiden Fülle Schon am Lebensntorgen plagt- Und aus schwacher Leibeshülle Kindermtmd ergreifend klagt? — Hier! 200 kleine Wesen, Liebe Kindlein, auserlesen, Ach, verkrümmt, des Jammers Bild! Weißt bu, wo die höchste Freude Deine Hand bereiten kann? Und dafür aus tiefstem Leide Heißer Dank steigt himmelan? — Sieh! der Krüppel große Scharen Deiner milden Liebe harren — Selig wer Erbarmen hat. Unsere 200 verkrüppelte Kindlein, die von nah und fern hier ausgenommen, dem tiefsten Elend entrißen, ganz unentgeltlich verpflegt roerben, brauchen so dringend Winterkleider, Wäsche, neue Betten und besonders tröstende Weihuachtsfreude!—Alle edlen, guten, milden Herzen, besonders Eltern, die gesunde Kinder haben, werden inständigst um Liebesgaben gebeten. Auch für die geringste Gabe wird fröhlich gedankt und Jahresbericht geschickt. Angerburg Ostpr., Kinderkrüppelheim. Braun, Superintendent. Heranwachsende Kinder essen mit Vorliebe Quaker Oats, und bleiben durch täglichen Genuss derselben gesund und kräftig. Für die Kleinen eignet sich speziell das, auf jedem Packet stehende, Rezept 61 Für den Frühstückstisch.” Quaker Oats halbes Jahr nach der als „erlösende Tat" gepriesenen Vernichtung des letzten Obrenowitsch Ein besonderes Interesse scheint Rußland an Serbien zu nehmen. Dies Interesse geht soweit, daß kürzlich erst den russischen Zeitungen, denen in der Erörterung der auswärtigen Politik sonst ziemlich bSpielraum gelassen wird, eine Verfügung der Zensurbehörde zuging, sich fortan jedes Angriffs gegen Serbien und insbesondere gegen König Peter zu enthalten. Im Fall der Zuwiderhandlung wurde den Redakteuren sogar „Strafe" angedroht. Die Angriffe russischer Blätter gegen Deutschland, die jahraus jahrein wäbren und höchstens gelegentlich einer Kaiserzusammenkunft eine Unterbrechung erfahren, haben unseres Wissens keine ähnliche Verfügung der Zensur veranlaßt. Belgrad, 8. Dez. Ein Gerücht, nwhr"re Militär- chüler hätten den Besuch der Vorlesungen des Oberstleutnants Mischitsch verweigert, nimmt immer bestimmtere Formen nn. Gegen die renitenten Zöglinge ist Untersuchung eingeleitet. Aus Serbien. Tie Telegraphenbureaus melden heute aus Belgrad: Ter Finanzminister Radomonitsch suchte seine Entlassung nach, weil der Ministerrat seinen Antrag auf Ersparnisse im Budget nicht angenommen hat. Die durch diesen Rücktritt entstandene Ministerkrisis dürfte auch den Kriegsminister und den Hand els- minister als Opfer fordern. Die Schwüle vor dem Sturm ist es, die über Serbien /agert. Daran kann nach den neuesten Meldungen kein Zweifel sein. Viele Wochen hindurch hat der interessante Balkanstaat nicht von sich reden gemacht. Tauchte einmal eine ungünstige Nachricht auf, dann setzte sofort, der serbische Tementierapparat ein. Die Ableugnung ist jedoch zu Unrecht erfolgt; die Verhältnisse in Serbien sind derart, daß zu jeder Stunde mit einer Katastrophe gerechnet werden muß, die nicht unblutig verlaufen dürfte.. Die „Falken des serbischen Volkes", wie König Peter bei seinem Regierungsantritt die serbischen Offiziere schmeichelhafter Weise nannte, sind die Herren der Situation. Der König selbst ist m a ch t l o s und sozusagen der Gefangene der Mörder seines Vorgängers. Das Land steht völlig unter der Säbelherrschaft der Königsmörder, gegen die aber die Opposition der der Untat fernstehenden Offiziere je länger je mehr wächst. Tie D e m i s s r o n des Ministeriums ßwuitsch, des den Wünschen der Mörder im Ofsiziersrock nicht Folge leisten will, würde die Erbitterung verschärfen und die Gefahr eines Zu- sammenstoßes zwischen den sich feindlich gegenüberstehenden Offizieren, der natürlich auf die Armee zurückwirken würde, in bedrohliche Nähe rücken. Wie dre Zukunft Serbiens sich gestalten wird, entzieht sich jeder Berechnung. Man empfindet nur das eine, daß es so nicht weiter gehen kann. So wenig fest wie die Dynastie Kara- georgewitsch hat die der Obrenowitsch denn doch nicht gestanden: ein gewisses Maß von Autorität vorkörperte selbst der schwache König Alexander. Peter I. dagegen würde, auch wenn er abdankte, seinem Hause den Thron nicht sichern können. Denn es käme dann eine Regentschaft in Frage, bei der wiederum die K ö n i g s m ö r d e r das entscheidende Wort sprechen würden. Gefahr und Unheil auf allen Seiten — so sieht es in Serbien aus ein ^duptverfammfung des „Deutschen Sparkassen-?? rßands 66 Berlin, 8. Tez. Ter „Deutsche Sparkassenverband" hielt dieser Tage hier seine Hauptversammlung ab. Als Vertreter des preuß. Ministers des Innern wohnte Geh. Ober-Reaierungsrat v. Knebel Döberitz den Verhandlungen bei. Nach dem von dem Geschäftsführer Direktor Drape Hannover erstatteten Geschäftsbericht gehören 1869 Sparkassen mit einem Einegerguthaben von 6201 Millionen Mark dem „Deutschen Sparkassen-Derband" an. Ter Haushaltsplan des Verbandes beträgt in Einnahme und Ausgabe 21 000 Mk., das Vermögen beziffert sich nunmehr auf 14 225 Mk. Die Ver- ämmlung stimmt einem Anträge des Vorstandes bei, die Mitgliederbeiträge versuchsweise a"f ein Jahr um Vs zu ermäßigen, lieber „Tie Verrechnung des Reservefonds der Sparkassen" referierten Svarkassen-Rendant Jlligens-Beckum und Stadtsyndikus Götting-Hildesheim. Beide Referenten vertraten den Standpunkt, daß die von der Staatsregierung zum Gegenstand einer Euan^te gemachte getrennte Verwaltung des Reservefonds der Sparkassen für )ie Sparkassen von keiner allzu großen Bedeutung sei, da bie Sicherheit und das Anwachsen des Reservefonds von der getrennten oder ungetrennten Verrechnung an sich kaum beeinflußt werde. In der Diskussion wurde von den Vertretern der Sparkassen nachdrücklich darauf hingewiesen, !>aß die getrennte Verwalutng des Reservefonds der Sparkassen lediglich eine verwaltungstechnische Frage sei, >aß dagegen die bezüglich der Höhe des anzu sammelnd en Reservefonds der Sparkassen, und insbesondere die bezüglich der Verwendung der Zinsen des Reservefonds in Preußen geltenden Bestimmungen zu weitgehend seien. Durch diese Bestimmungen würden ungeheuere Summen zur toten Hand angesammelt, die in dieser Höhe zur Sicherung der Sparer und der Sparkassen nicht notwendig seien; das wurde von dem anwesenden Negierungsvertreter bestritten. Schließ- lich nahm Die Versammlung mit allen gegen eine Stimme nachstehende von Justizrat Elze-Halle eingeb rächte Reso- ution an: „Tie Mitgliederversammlung des „Deutschen Spar- kassen-Verbaudes" hält dafür, daß die getrennte Verrech- wvhl den Ausfall beiden Eisenbahneinnahmen dB auch die ungedeckten M a tr i ku l a r b e i t r ä g e a u s g l e i ch e n zu können. Dcr Fonds wird vielmehr seinen Zweck in der Regel nur dann ganz erfüllen können, wenn demnächst die Bundesstaaten zur Deckung von Fehlbeträgen im Reichs haushalt nicht mehr berangezogen werden. Bereits bei der Beratung des Hauptvoranschlag? für 1902/03 war der Wunsch ausgesprochen worden, die Verwendung der Lotterie-Ueber- schüsse zu Zwecken der allgemeinen Staatsverwaltung auf einen im voraus bestimmten Betrag (etwa 1 Million Mark) zu begrenzen, darüber hinausgehende lleberschüsse aber zum Ausgleich für etwaige Ausfälle anznsammelu oder zur außerordentlichen Schuldentilgung zu verwenden. Diese Absicht konnte seither wegen der ungünstigen Finanzlage des Staates nicht verwirklicht werden. Dem Gedanken soll aber nunmehr dadurch Rechnung getragen werden, daß die einen gewissen Betrag übersteigenden Netto-Ueber- schüsse der Eisenbahnen und der Lotterie dem Ausgleichsfonds zugeführt werden sollen. Eine Zusammenstellung zeigt, welche Wirkung das im Entwurf vorliegende Gesetz gehabt hätte, wenn es bereits seit 1900/01 in Kraft gewesen wäre. Hieraus gebt insbesondere auch^hervor, daß nur in ganz besonders günstigen Jahren dem Fonds reichlichere Mittel zugewendet werden können. Es ist nicht möglich, und wird oplch von der Regierung keineswegs beabsichtigt, durch den vorliegenden Gesetzentwurf etwa für alle Zeiten oder auchnur für eine längere Reihe von Jahren eine automatisch« Regelung des Staatshaushalts herbeizuführen. Ter Entwurf stellt vielmehr nur den Versuch einer teilweisen Regelung dieser Art für die nächste Zeit dar, und es wurde bei der Festsetzung der Aufgaben des Ausgleichsfonds und bei der Bemessung der ihm zuzusührenden Mittel und seines Höchstbestandes mit der größten Vorsicht verfahren. Es kann keineswegs erwartet werden, daß nach Inkrafttreten dieses Gesetzes etwa alle finanziellen Schwierigkeiten des hessisch en Staates dauernd beseitigt sein werden, es darf vielmehr darin nur der erste Schrit t in den Bestrebungen zur" Erreichung dieses Zieles erblickt werden. Eine nähere Betrachtung der Verhältnisse des Rechnungsjahres 1901/02 zeigt, daß in diesem Jahre ein Fehlbetrag im Staatshaushalt auch dann nicht hätte vermieden werden können, wenn der A'.'s-^leichfonds bereits damals bestanden hätte und mit reichlichen Mitteln versehen gewesen wäre. Tas Defizit in 1901/02 betrug nämlich 1142 000 Mark. Dem Aus^leichsfonds hätten aber nur entnommen werden dürfen 277 928 Mk. Es würde mithin immer noch ein ungedeckter Fehlbetrag von rund 864 072 Mk. verblieben sein Tie überraschende Steigerung der Einnahmen aus direktenSteuern selbst in einer Zeit wirtschaftlichen Niederganges zeigt aber auch, daß das Großherzogtum im Besitze reicher und sicherer Einnahmequellen ist. Ta auch die Ei se n- bahneinnahmen bereits wieder eine erhebliche Zunahme aufweisen, so darf damit gerechnet werden, daß die derzeitige ungünstige Periode bald überwunden sein wird. Wenn diese erfreulichen Tatsachen auch nicht von der Verpflichtung entbinden können, auch weiterhin eine stetige Verbesserung der Staatsfinanzen anzustreben, so hat doch die Regierung mit voller Absicht geglaubt, von weitergehenden, in die finanziellen Verhältnisse des Gvoßherzogtums tiefer einschneidenden Vorschlägen zur Zeit obsehen zu sollen, und sich zunächst mit diesem ersten Schritt. zur Regelung unserer Finanzwirtschaft beschieden. Es bleibt Vorbehalten, in späterer Zeit auf Grund der bis dahin gesammelten Erfahrungen diejenigen Aenderungen und Ergänzungen an dem Gesetz vorzunehmen, die durch die fortschreitende Entwickelung unserer Staatsfinanzen geboten erscheinen. Eine neue Regierungsvorlage bringt den Entwurf eines Gesetzes, den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Pläßen betreffend. Ter Entwurf enthält folgende ^drei Artikel: Artikel 1: Die polizeiliche Regelung des Verkehrs mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen erfolgt im Wege der Verordnung. — Artikel 2: Dieses Gesetz tritt am 2. April 1904 in Kraft. Mit dem gleichen Tage wird das Gesetz vom 8. März 1898, das Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen betreffend, in der Fassung des Llbänderungsgesetzes vom 30. März 1900 aufgehoben. — Artikel 3: Unser Ministerium des Innern ist mit dem Vollzüge dieses Gesetzes be- auftragt. nnng und Verwaltung des Reservefonds von mehr neben» sächlicher Bedeutung ist und das eine oder andere Berühren jeder Sparkasse überlassen werden kann. Sie gibt iber ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß, wenn der Ne- ervefonds einer Sparkasse 5 Prozent des Einlagebestandes wch nicht erreicht hat, sämtliche Ueberschüsse dem Reserve- onds zuzuführen sind; datz aber, wenn diese 5 Prozent erreicht sind, es genügt, wenn die aus den Zinsen des Reservefonds und dem sonstigen Gewinn der Sparkasse sich ergebenden Ueberschüsse nur noch in Höhe von 50 Prozent dem Reservefonds zugeführt werden. Dieser Prozentsatz vermindert sich aus 40—3(>— 20 und 10 Prozent, wenn der Reservefonds 6—7—8 und 9 Prozent des Einlagenbestandes erreicht hat." Ueber ,chie Mitwirkung der kommunalen Sparkassen zur Förderung des bäuerlichen Kredits" hielt Re- gierung§rat v. Boddien-Schleswig einen Vortrag, der die Materie in eingehender Weise zur Darstellung brachte. Die von dem Reserenten vorgetrageneu Leitsätze fanden die Zustimmung der Versammlung, wobei aufy die landschast- ichen Pfandbriefe den Spartassen bei Ankäufen zur Berücksichtigung enrpfohlen wurden. Tie nächste Hauptver- ammlung des „Teutschen Sparkassen-Verbanoes" soll wie- tzerum in Berlin stattsinden. S Tie am 1. Januar 1904 fälligen Zinsen der bei unserer Bank angelegten Spareinlagen können während der üblichen Geschäftsstunden an unserer Kaste in Empfang genommen werden. Heweröeöank zu Hießen 9076 eingctr. Genostenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. Fenl. Nennsliel Möbelhandlang Plockstrasse 8 Giessen Plockstrasse 8 Spezialität: Betten und Polstermöbel eigener Anfertigung. 7911 Uebernahme ganzer Ausstattungen Versteigerung. Donnerstag den 10. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Marktplatz 20 V eine silberne Taschenuhr mit gvid. Uette, eine goldene Taschenuhr (Dameu- uhr) mit gold. 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