Mr. 263 Arschetnt täglich auker Sonmagtz. Dem Gießener Anzeiger werden hn Wechsel mit dem keMschen Landwirt die Gießener Kamillen' blattet oiermal in bei Woche teiflclegt. btotationöbiud u. Ber- lafl bei Brüh lachen Ilntveri.-Buch» u. Stein» bruderti en Volkes. Rußland zieht mit überraschender Folgerichtigkeit alle Vorteile aus der deutschen Neutralität in Ostasien. Es hat die Hinrichtung eines den Chinesen ausgelieferten früheren russischen Beamten zum IM!! II«!! 3MB Vorwand genommen, sich in Mukden mUitärisch feftzu- beißen und wird diesen wickEigen Platz der Mandschurei vermutlich trotz aller chinesischen und engliscl-en Proteste nicht wieder räumen. Rußland eilt von Erfolg zu Erfolg. China gegenüber hat es eine kluge Politik eingeschlagen; es hat ihm immer wieder seine Macht vor Augen geführt, mit der es im Ernstfälle mit Hilfe der sibirischen Bahn Peking bedrohen könnte. Trotzdem aber scheint jetzt in China die Zeit der großen Furchtsamkeit wieder vorüber zu sein. Ein, allerdings englisches, also russenseindliches Telegramm meldete uns am letzten Samstag, daß der große Rat in Peking sämtliche Vlzckoitige und Gouverneure telegraphisch aus,gefordert habe, Geld auszubringen und Truppen anzuwerben, da der A b b r u ch der diplomatischen Beziehungen mit Rußland bevorstehe. Sehr bedenklich braucht man diese Meldung nicht zu nehmen, sondern wohl nur als eine böse Spitze Englands gegen Rußland aufzufassen, da es gege'n Rußland nicht kraftvoll aufzutreten wagt wegen des Risikos in Indien. Es muß sich vielmehr daraus beschränken, mit schelem Neid aber tatenlos den glänzenden Erfolgen der russischen Kolonisationspolitik in Ogasien zuzuschauen. Etwas harmonischer ist die Zusmmnenarbeit der beiden größten eurvpäisck-e:: Mächte in der Türkei gewesen. Rußland und Oesterreich haben hier sogar englische Vorschläge über die Umgestaltung der macedonischen Gendarmerie im ganzen Umsauge angenommen und England hat auch die Unterstützung der neuesten russisch-östretchischen Rejormvorschläge zugesagt. Es stehen noch die Antworten Italiens und Deutschlands aus. 9tach der Antwortnote der Pforte stünde zu erwarten, daß Rußland und Oesterreich-Ungarn jetzt mit schwerem Geschütz ans fahr en, allein matt steigt der-> Auffassung zu, daß He Ententemächte unter Umständen, wenn die äußere Form aufrecht erhalten bleibt, Verhandlungen mit der Pforte wegen redaktioneller Abänderungen nicht ablehnen und daß Zwangsmaßregeln vorläufig nicht ergriffen werden. Kaum legten sich auf dein Balkon die Wogen der Empörung, als am anderen Ende der Welt Eigennutz und wohlgesponnene Jntrigue zu einer neuen Revolution führten. Den Bewohnern des Isthmus von Panama hat das Possenspiel der ckolumbischen Regierung in Bogota mit den Nordamerikanern über den Kanalvertrag zu lange gedauert. Sie schlHßen lieber selber oen Vertrag ab, denn sie haben auun Verwendung für die Summe, die er einbringt. Cs winkt der jungen Repubtiea del Jstmo, die Panama und Colon in ihre Gewalt gebracht hat, außerdem auch noch der reiche Verdienst, der in die neue Duodezrepublik strömen wird, wenn nur erst der Riesenbau des Kartals wieder begonnen Igitt wird. Amerika erkennt natürlich die neue Republik an, die bereits den Kanalvertrag vorbehaltlos genehmigt hat, und das Sternenbanner wird an beiden Enden des künftigen Kanals flattern. Im Schatten dieses Banners aber kann nur eine Republik gedeihen, die nach der nordamerikanischen Pseife tanzt. Ja, im Kongreß zu Washington ist bereits die Rede von der Annektion Panamas. Nach der Erwerbung Hawais und der Phrlippinen nun Panama und sein Kanal! Das Angelsachsentum erobert sich mit dieser wichtigsten Welthandelsstraße der Zukunft einen Posten, der noch wichtiger zu werden verspricht, als der Suezkanal. „Im Interesse der Zivilisation", habe Vräsi- I.................................... II.................... denk Rossevelt, so erklärt soeben sein Staatssekretär Hay> der Welt bekannt.gegeben, daß die Vereinigten Staaten dm inneren Zwistigkeiten über Panama Einhalt tun würden. Niemals habe das Staatsoberhaupt eine klarer zutage liegende Pflicht zu erfüllen gehabt, als die Roosevelt obliegende, den freien Durchgangsverkehr über den Isthmus zu schützen im Interesse Panamas, Columbiens, der Vereinigten Staaten und des Welthandels." Der Edle! Eine Reutermeldung besagt, England ersuchte die Vereinigten Staaten, die Interessen der britischien llntertanen aus deut Isthmus zu ' schützen; man erwarte in Washington, daß andere Länder ähnliche Ersuchen an die Vereinigten Staaten richten. Halbamtlich wird gemeldet, die Vereinigten Staaten wünschten die fremden Mächte davon abzuhalten/ daß sie größere Flottenvertretungen in die Gewässer des Isthmus entsenden. Dett Herren in Washington kleidet dieser hochfahrende Ton nicht übel. Sie wissen eben ganz genau, daß sie dort drüben schalten und walten können nach! aller eigenstem Belieben und daß niemand ihnen dort den Rang streitig zu machen sich erkühnen wird. Für Deutschland wird es angesichts der Vorgänge im äußersten Osten und Westen besonderer Anstrengungen bedürsen, sich den Platz an der Sonne zu sichern, für den es nach seinen Anlagen und Leistungen vielleicht doch auch einigen Anspruch hat! Welche königliche Stellung im Reiche des Geistes die deutsche Nation vor allen andern einnimmt, das hat die vergangene Woche durch die erdrückende Fülle großartiger Beileidskundgebungen erfahrm, die beim Tode Theodor Mommsens aus der ganzen Welt zusamm-enströmten. Keine Kulturnation hat es ver- säuntt, durch Korporationen eine Palme der Dankbarkeit an dem Sarge dieses großen deutschen Forschers nieder- zulegen. Er vereinte die Nüchternheit und Geistesschärfe des Gelehrten mit dem Feuergeist des Jünglings und dem Phantasiereichtum des Dichters — ein sächsisches Blättchen wußte sogar in seinem drei Zeilen großen Mommsen-Nachs- rufe nur zu sagen, der verstorbene Berliner Professor sei „als Dichter bekannt". Drei Wissenschaften: die Philologie, die Geschichtsschreibung und die Jurisprudenz, schauten zu ihm als zu einem ihrer Größten aus. Wenn er in die Gegenwart herabstieg, führte er seine Klinge nicht immer so glücklich wie in den Geisteskämpfen über die Vergangenheit — er widersprach sich sogar, wenn er einmal nach alldeutscher Weise die Tschechen wie Menschen zweiter Klasse rücksichtslos in ihre Schranken zu- rückwies und dann wieder in seiner letzten Epistel an England von diesen selben Leuten, denen er damals aus der Seele sprach- als von „nationalen Narren" reden zu müssen glaubte. Er hat vielleicht als Politiker hier und da Kieselsteine als Gold dargereicht — stets aber berührte es an seinen Kundgebungen sympathisch, daß dabinter der scharfe, gegen sich nicht minder wie gegen andere rücksichtslose und ausrichtige Kritiker bemerkbar wurde, der für die Wahrheit mit Jugendmut und Enthusiasmus erfüllt war. Hinter Mommsens Tod ist im innerpolitischen Leben Deutschlands die Nachricht zurückgetreten, daß an dem Mittellandkanal nun endgtltig nur noch in seinem Bruchstück vom Rhein bis zur Weser festgehalten werden soll. Sicher werden im nächsten preußischen Landtage die Meinungen hierüber mit der alten Heftigkeit aufeinanderplatzen. Gießener StadUyemer. Die Bluthochzert. Trauerspiel in 4 Akten von Albert Lindner. Am Sonntag gabs in unserem Theater eine Auferstehung. Man weckte ein im Almanach> des deutschen Bühnenrepertoires seit Jahren als verstorben Notiertes zu neuem, ^eben und schmückte es mit den intensiven Färben einer blut- und temperamentvollen Wirklichkeit. Lindners „Bluthochzeit" wurde gegeben. Das »Stück erinnert fim Milieu und in der Charakteristik der 5ALUptpersonen an Dumas' „Marguerite de Valois" und hat im Sujet mit Meyerbeers „Hugenotten "vieles gemein. Es ist eine Frucht aus den: Zeitalter der Epigonen. An den Abhängen des von den Meisterwerken der Klassik beherrschter: Parnaß herangereift, ist ihm doch nur ein kleines von jener .inneren Frische beschieden gewesen, die die Zeiten zu überdauerrr und der Gegenwart auch die ferner gelegene Vergangenheit näher zu nicken vermag. Es ist die mit Begeisterung und ungewöhnlicher Krastentfaltung ausgenommene Arbeit eines Poeten, der den hohen Zielen unserer Klassiker zustrebt, fevn vom Gipfel auf dem Wege aber stecken bleibt. Die Kraft erlahmt, die vorwärts stürmende Dramatik zersplittert und nicht sehr viel mehr als die mit allem Theaterspuk behandelte Aeußerlichkeit der Szene, als nackt Theatralisches bleibt übrig. Dieses allerdings entbehrt bekanntlich! nie einer großen Eindruckskrast. Sv war z. B. der 3. Akt auch in unserer Darstellung von starker Wirkung, die ftei- lich auf ^großen Bühnen noch wesentlich erhöht wird, wenn die Vorgänge auf der Bühne nicht allein vom BalLin des Louvre aus angedeutet werden, sondern leibhafte Gestaltung oewinnen. Aber diese Wirkung ist doch! weniger ein Verdienst dichterischer Gestaltungskraft, als die geschickt ausgenützte Rückwirkung großer historischer Vorgänge. Es liegt viel Wahres in den Schillerschen Worte::, wenn er meint, daß der Dichter der Tragödie es viel leichter habe als der Kv- mödie::dichter, da der erstere von der: großen Stossen, die die Weltgeschichte liefert, getragen wird. Wie viele hervorragenden Tragödien besitzt die oeutsche Literatur, und wie wmnge hervorragende Komödien! Sie lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Zwet Szenen hat „Die Muthochzei^, getragen von menschlich warmem und echt künstlerischem Empfinden: die Szene zwischen Heinrich von Navarra und Margarete von Valois im 3. Akte, und die vorletzte (5^ene des Dramas, die zwischen den Geschwistern Karl und Margnrete, die süße Rückerinnerrmg an die sorgenlose Kindheit unter dem schwer laste::den Drucke der Krone, während brennende Kerzen mit ihrem Gifthauch das 5)aus Valois dem Erlöschen nahe bringen. Die Charakteristik hat ihre Vorzüge, ist aber bei den nur episodisch auftretenden Gestalten oberflächlich Die Heldin des Stückes ist die Giftmischerin Katharina von Medici (ein Name^ der entweder italienisch oder allenfalls französisch niemals aber deutsch auszusprechen ist!), die sich gle:ch damit einführt, daß sie mit Hilfe ihres Magus die Vtutter des Königs von dcavarva durch vergiftete tzandschuho aus dem Leben geräumt hat. Später treibt sie ihr Vtetier ins Große, denn sie braucht 40 000 Hugenotten, um den Thron Karls IX. zu schützen; sie läßt den Admiral Coligny ermorden und will auch! den König von Navarra beseitigen. Durch ein Zusammentreffen theatralisch ersonnener Umstünde' scheitert dieser Plan, und statt des Königs von Navarra vergiftet Katharina ihre eigenen Kinder. Mcm sieht: eine beispiellose Zusammenstellung von Greuel und Sck-recken, dNassenmord, Ehebruch, geheimem Totschlag, Gift und Zauberllmst, Lüge und Verrat — alle dürchtfeiten der Menschennatur werden in ausgedehntestem Maße in Szene gesetzt. Die Verbrecherin auf dem Königsthrone wurde von Frau Keller mann dargestellt, mit dem vollen Bewußtsein der Schwierigkeit ihrer großen Ausgabe und großem Fleiß. Mit anerkennenswerter 5lraft suchte sie die starren Linien, in denen diese Gestalt angelegt ist, sestzuhalten. Wo aber findet man wohl eine Darstellerin, die diesem geschichtlichen Dämon so viel aus Eigenem zu geben vermag, daß wir vor ihren Teufeleien im Innersten erschreckt werden! Unsere Tl)eater- bamen haben Gott sei Dank Geschmack und Herz genug, um derartigen Ausgaben gegenüber zu versagen. Frau Kellermann gab die Königin-Mutter von Frankreich mit Anstand und Würde, und auch der rechte dramatische^ Ausdruck, wie ihn sich Lindner erwünscht haben mag, kam in gewisser Weise .zur Geltung. Ihren Sohn, den König Karl IX. von Frankreich, kennt die Wellgeschichte als einen ursprünglich rücksichtslosen Cyniker von leichtblütiger Waghalsigkeit, der aber durch den Einfluß seiner Mutwr in sein eigenes Gegenteil, in einen heimtückischen kaltblütigen Feigling verwandelt wird. Ein solcher Kindskopf, wie ihn Lindner gezeichnet hat, war Karl keineswegs. Es scheint, als ob L. leise Schatten beginnender Hirnerkrankung über diese Figur gesenkt hatte, er, der selber m geistiger Umnachtung so unglücklich zu Grunde gehen sollte. Lindners Karl IX. ist nichts als eine Marionette in den Händen seiner Mutter. Darum kann es auch nicht die Aufgabe des Darstellers sein, ihn etwa zu einem Le:denshelben zu adeln. Herr Teleky unternahm einen solchen unmöglichen Versuch auch gar nicht, bemühte sich dafür aber, und zwar mit allerbestem Erfolge, in das Seelenleben dieses Lindnerschen Schwächlings einzubringen, sein Tun und Lassen psychologisch zu glicbern und den Charakter uns mit all seinen Fehlern menschlich nahe zu rücken. Er gab ihn nicht eigentlich pathologisch, aber mit außerordentlich scharfem Spürsinn für die so mannigfachen Kompliziertheiten der Rolle, sodaß ihm der Hauptbeifall des Abends gebührte. Karl IX. zählte übrigens 25 Jahre, als er starb; die unheimlich verwitterte Maske war also doch wohl eine Ueber- tmbung. Herr Sandorff stand mit seinem Hemrich fast ganz auf der Höhe seiner Ausgabe. Die innere Kraft und Ueberzeugungstreue und die liebenswürdige Mischung von Ehrlichkeit und politischer Verschlagenheit stellte er in wirksamsten Gegensatz zu der Königspuppe Karl, und den Kön:g von Navarra repräsentierte er mit RitterUchkeit und schöner kraftvoller Männlichkeit. Der Dichter hat dem Darsteller dieser prächtigen Figur sprachlich besonders schöne Aufgaben zu teil werden lassen, die Herr S. mit Schwung und Wärme löste, wovon man bisweilen freilich noch ein klein wenig mehr gern mit in den Kauf genommen hätte. Frl. Hohl bot als Margarete von Valois ziemlich kühle Deklamation in den beiden mittleren Akten. Ihre große Szene im dritten Akte erfordert mitreißendes, glühendes Temperament. Das Eingeständnis ihrer Schuld soll die Zuschauer erschüttern. Allerdings, dem Charakter der Prinzessin einheitliche Färbung zu geben, mußte sie auf Schwierigkeiten stoßen, Dolilischc Tagesschau. Gegen den amerikavifchen Tabakstrust. Eine in Dresden von über tausend Personen besuchte öffentliche Versammlung, an welcher auch ein Vertreter der sächsischen Regierung tcilnahm, beschloß, nach einem Vortrag des Hanfrelskammersyndikus S ch l o ß m a ch e r - Offenbach a. M. gegen die amerikanischen Trusts, den auf em gesetzliches Verbot des Gutscheinwesens gerichteten, an die Verbündeten Regierungen gelangten Antrag der Vereinigungen des deutschen Tabakgewerbes zu unterstützen und der Staatsregierung angelegentlich zu empfehlen. m , Mch den Angaben SchloßmacherS gibt eS gegenwärtig m Amerika 82 Trusts mit einem Grundkapital von 17,25 Milliarden Mark. Der kleinste dieser Trusts sei jnit 40 Millionen Mark kapitalisiert. Sie schalteten mittelst dieser gigantischen Kapitalkraft jedweden selbständigen Wettbewerb aus. In Amerika zeige sich schon ein bedeutender Rückgang in der Zahl der einzelnen Unternehmungen. Tort seien viele tausend Familien ihres Wohlstandes beraubt. In Deutschland mache sich jetzt vor allen der Tabaktrust fühlbar, der vor zwei Jahren die große Zigarrettenfabrik von Iatzmatzi in Dresden ausgekauft habe, um nach und nach das gesamte deutsche Tabakgewerbe zu erdroffeln. Unzählige kleinere und mittlere Kaufleute und über 2 0 0 000 deutsche Arbeiter seien dadurch bedroht. Um em Fahrrad oder sonst einen verlockenden Wertgegenstand durch Gutscheine zu erlangen, muffe man jahrzehntelang die Trustzigaretten maffenhaft konsumieren; die Gutscheine aber verfielen, was den meisten unbekannt sei, nach etwa vier Jahren. Zu den viel besprochenen geheimen Konferenzen nimmt die Saale Ztg." nochmals Stellung und führt aus: An den Konferenzen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hätten dem Hose und der Regierung nahe stehende Persönlichkeiten, industrielle und sonstige Erwerbskreise teilgenommen. Die Grundstimmung der V?rsammlung ging dahin, auf neuen Bahnen zu versuchen, dem im Jntereffe des Staates wie der Gesellschaft erstrebenswerten Ziele der Bekämpfung der Sozialdemokratie nahe zu komm->n. In einer neuerlich in Berlin stattgehabten Konferenz sei auf dem Standpunkte festgehalten worden, daß eine wirksame Bekämpfung Hand in Hand mü sozialen Reformen gehen müsse, wobei man sich frellich nicht verhehlt, daß der Erfolg solcher Reformen solange zweifelhaft sei, als nicht die irre geführten und verhetzten Arbeitermassen darüber aufgeklärt würden, daß sie den Agitatoren lediglich als M i t t e l z u m Z w e ck dienen. Man will deshalb zunächst versuchen, an Hand der sozial:, stischen Theorie sowie der Aeußerungen der Führer und Agitatoren, den Massen die Augen über die sozialdemokratisch cn Lehren zu öffnen und der sozialistischen eine antisozialistische Agitation entgegen zu setzen. Zunächst soll ein Programm ausgearbeitet und mit diesem erft dann an die Oeffentlichkeit getreten werden, wenn es gelingt, die Ausführung des Planes auch nach der finanziellen Seite zu sichern. Das Blatt glaubt nach seinen Informationen versichern zu können, daß dies in nicht allzuferner Zeit der Fall sein wird. KoloniaLpost. __ Von dem Ausstande der Bondclzwarts in Deutsch-Südwestafrika werden nach einer Meldung aus London der „Daily Mall" aus Kapstadt Einzelheiten berichtet. Darnach beträgt die Zahl der in Warmbad ermordeten Deutschen 50. Hierin sind zerstreu wohnende Ansiedler nicht eingerechnet. Unter den am Oranjefluß eingetroffenen Flüchtlingen befindet sich die deutsche Familie Pappge, der es gelang, über den Fluß zu setzen. Die Ursache der Revolte sei die Forderilng der deutschen Beamten, daß die Eingeborenen zeitweise ihre Waffen behufs Registrierung aus händigen sollten, was diese verweigerten. In emer deswegen oorgenommenen Unterredung wurde ein Häuptling frech, weshalb ihn Leutnant Jobst mit dem Revolver niederschoß, woraus die Emgeborenen ihn und drei Mann seiner Leute ermordeten. Die deutsche Garnison in Kees- maushop, die nach einer Londoner Meldung aus 60 Weißen mit zwei Berggeschützen und einem Maximgestchütz besteht, wurde ebenfalls angegnffen. Der Abschied des Zarenpaares. R. B Darmstadt, 8. Nov. Es war ein sesfelnfres, lebensvolles Bild, das sich am Samstag nach.mitto.-g beim Scheiden der russischen Kaiser- samilie und unseres Großherzogs mit Prmzeßchen Elisabeth auf Station Egelsbow darbot. Der kleine, unschernbare Landort, der von seinen dürftigen Verkehrsverhälb- nissen heute eine charakteristische Probe abgab, indem die weit am Ende des Torfes gelegene kaiserliche Postagentur sich außer Stande erklärte, Telegramme zur Beförderung anzunehmen, hat es sich bei Anlegung der Haltestelle der Main-9ieckar-Bahn gewiß nickt träumen lassen, daß er dermaleinst Wochen hierdurch die Aufmerksamkeit aus sich lenken und sogar den Vermittler einer Begegnung zwischen fron beiden mächtigsten Herrschern in der Welt bilden würde. Tas nur ein Viertelstimdcben davon entfernte ehemalige Jagdschloß Wolfsgarten blieb lange Jahre unbenutzt, und nur die Vorliebe der Zarin für ihre angestammte hessische Heimat und die schönen Erinnerungen an die glücklichen Tage der Kindheit, die sie dort verlebte, haben dem geräumigen, waldumrauschten Schlosse zu seiner jetzigen Berühmtheit verzollen. Aus der Baynstaüon Egelsbach bildet ein schmales Zinimerchen den Wartefaal 1. und 2. Klasse, und das letzte, nach Norden gelegene Zunmeichcn isst, zu einer Art Furstenjalon eingerichtet, in welchem zur Not etwa ein Dutzend Personen verweilen können. Ta auch der schmale Bähngech keinerlei Platz zur Unterbringung größerer Menjchemrupvs bietet, so mußte schon am Donnerslag beim Empsang Kaiser Wilhelms die Ehrenschwadron der Darmstädter LeUwragoner unter Führung des Rittmeisters v. Mattenden aus der dem Bahnhose gegenüber beginnenden Fahrstraße nach Wolssgarlen Ausstellung nehmen, und gestern waren die Dragoner gegenüber in der Front der langen Dorfstraße postiert. Nur wenigen Bevorzugten war es vergönnt, die Be- grußungs- und Abschiedsszene in der Nähe zu betrachten, 'tchchdem man eine Zeit lang vergebens auf die Antunsl des russischen Hofzuges gewartet hatte, sah man in zwei Hofwagen die vier kaiserlicy-en Prinzessinnen und Prinzeß Elisabeth mit ihren Hosdamen herbettommen. Zehn Minuten später kamen auch in eleganter Fahrt die drei bekannten Automobile heran, im ersten offenen der Zar mit dem Großherzog, im zweiten die Kaiserin mit ihren Hosdamen und zuletzt Prinz und Prinzessin Andreas von Griechenland. Wenige Minuten darauf kam auch der kaiserliche Sonderzug, von zwei mächtigen deutschen Lokomotiven geführt; ein zehn Minuten sruher vorbeigesauster Schnellzug hatte die ganze primitive Station erzittern gemacht, der lange, stolze Kaiserzug mit den dicken Gummireifen an den Rädern kam majestätisch langsam und säst lautlos daher. Bei seiner Ankunft traten die Fürstlichkeiten aus dem kleinen Salon, und nun entwickelte sich ein äußerst glänzendes, malerisches Leben. Dem Grasen Lamsdorfs, der sieh noch einmal zur Verabschiedung eingefunden hatte und mit dem russischen Generaladjutanten Baron v. Frederickez zuerst dem Hofzug entstieg, jolgte eifrig salutierend die lange Reihe der Hos- beamten in ihren glänzenden, goldbefälen Uniformen, und daneben erschienen auch die hessischen Vertreter, Oberst- hosrnarschall v. Westerweller, Gene-aladjutant v. Wachter u. v. a. Auch Prinz Franz Joses von Battenberg und Gemahlin waren zur Lerab,chiedunL aus Darmstadt ein- getrossen. Der Zar, der ebenso wie der Großherzog Zivilkleidung und schwarzen Schlapphut trug, schritt sofort aus seinen Minister zu und schüttelte ihm kräftig die Hand, dessen mächtiger kahler Schüdeh nur von ein paar verspäteten Schößlingen von hinten her sanft umschattet, leb- hast kontrastierte mtt den Zahlreichen schwarzköpfigen Voll- blutrussen und den starten, spitzen Schnurrbärten der Ossi- ziere und Achutunten. Nach kurzem russischen Gespräch begrüßte der Zar auch den Fürsten Kubascheff und den Kreisrat v. Hombergk-Offenbaa)., indes der Großherzog sich zum Grasen Lamsdorfs und anderen russischen Herren walidte. Auch der Kaiser hatte viele der zurückbleibenden Damen und Herren noch mtt freundlichen Ansprachen ausgezeichnet und däbei wiederholt die Hoffnung auf ein „Wiedersehen in Darmstadt'- ausgedrückt. Und als dann zum Abschied die Herren frer in voller jugendfrischer Schönheit und Anmut ersMch-lendbu Herrscherin galant die Hand küßten und die Tarnen sich ttef verneigten, da ging ein Zug tiefer Rührung über das Antlitz- der hohen Frau, ein inniges Gefühl der Wehmat, das die so beliebte hessische Fürstentochter auch mtt der Kaiserkrone auf dem Haupt beim 'Abschied von der Heimat empfand. Unterdessen hakten die hohen Reisenden — den Großherzog begleitet Oberststallmeister Freiherr, Riedesel wid Hofjagdzeug-Jnspektor Germann — die Wagen bestiegen, und das Zeichen zur Abfahrt ertönte. Da traten Zar und Großherzog ans Fenster und winkten den Zurück- bleibenden Abjchiedsgrüße zu. Ein Pfiff, und unter lebhaftem 5)üteschwenken und begeisterten Hurrarufen fuhr der Zug von dannen, den wohl alle Anwesenden und das gMize Hessenland mit den besten Wünschen für eine glückliche Fahrt und eine frohe Wiederkehr unseres Großherzogs mit seinem Töchterchen begleiten. Posen, 8. Nov. Der Sonderzug mit dem ruffi* schen Kaiserpaar und dem Großherzog von Hessen ist um 93/4 Uhr vormittags hier eingetrofsen und nach kurzem Aufenthalt weitergefahren. Aus Klaöt uui) Land. Gießen, den 9. 9!ovember 1903. *• Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Hofjunker Dr. jur. Cornelius Freiherrn Heyl zu Herrnsheim zu Worms a. Rh. die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Könige der Hellenen verliehenen Offizierkreuzes des Erlöserordens und den Nachfolgenden die Genehmigung zur Annahme und zum Tragen der ihnen von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland verliehenen Dekorationen erteilt: Den St. Stanislausorden 2. Klaffe: dem Dlajor a. D. Beck. — Die Große Goldene Medaille am Bande des St. Annenordens: dem Oberwacht- meister Seibel im Großh. Gendarmerietörps. — Die Kleine Goldene Medaille am Bande des St. Stanislausordens: den Wachtmeistern Kern, Herget und Weckmann im Großh. Gendarmeriekorps. — Die Kleine Silberne Medaille am Bande des St. Annenordens: den berittenen Gendarmen Heß, Jäger, Jahres, Schmidt und den Fußgendarmen Fabian, Bauer, Diehl. — Die Kleine Silberne Medaille am Bande des St. Stanislausordens: den berittenen Gedärmen Aßmus, Becker, Buhr und den Fußgendarmen Rockmer, wlau, Wenzel, Krämer, Lehr, Malsch, Gebhard, Waitz, Frühling, Bambey, Oestreich, Port, Bender. — Den St. Stanislausorden 3. Klaffe: dem Hofmarstallamts-Assistenten Friedrich Engel. — Die Große Goldene Riedaille am St. Stanislausordensbande: dem Hofstallsouragemagazinsoerwalter Georg Friedmann, dem Hofslallmagazinsverwalter Heinrich Kircher. — Die Große Silberne Medaille am St. Stanislausordensbande: dem Sattelmeister Robert Müller, dem Leibkutscher Karl Schneider. — Die Kleine Goldene Medaille am St. Annen- ordensbande: den Hofkutschern Konrad Weber, Karl Rtensens, August Er mel, Philipp Prät orin s, Heinrich Zimmer, Heinrich Heinz; den Hofreitknechten Peter Stein, Karl Christ, Kaspar Rickert, dem Hofwagenwätter Christian Döring, dem Fouragemagazinswätter Heinrich Bonarius und dem Hosstallsattler Christian Alüller. — Die kleine Silberne Medaille am St. Stamslausordensbande: dem Hofwagenwärter Ludwig Metzger und den Hojltall- beiknechten Johann Weißgerber und Heinrich Zu lauf. — S. K. H. der Großherzog haben den Dirigenten der Justisikatur der Ober-Rechnungskammer, Rechnungsrat Georg B e ck e n h a u b, auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz II. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Ober-Rechnungsrevisor bei der I. Justikatur- "Abteflung, Rechnungsrat Heinrich Weber, wurde zum Dirigenten der Justisikatur, und der Revisionsgehilfe Georg Klippert aus Lauterbach zum Ober-Rechnungsrevlsor bei der Iustifikatur-Abtellung der Ober-Rechnungskammer. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren ivurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Mainz August Julius Bockenheimer, Dlichael Resch, Heinrich Jakob Reidel, Emil Pross, Georg Glock, Josef Mandavia, Josef Geyer, Daniel Krabber und Leonhard Diehl.— Der Vorstand des Erbschaftssteueramts, Geheimer Regierungsrat Muhl wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz I. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Forstaffessor Hugo Gilm er aus Birkenau rvurde zum Forstassistenten ernannt. — Ernannt wurde der die kaum zu überwinden sind; die Margot des ersten und IM Theater einen litterarischen Anstrich zu geben ^0»^ | vierten Aktes - m denen Frst Hohl recht glückliche Mio- aereitelnt P- W> ffSÄTS ü mente hatte — steht im strikten Gegensatz zu der des zweiten und dritten. Die übrigen Figuren des Stückes, die fast das ganze Personal auf die Bühne sühtten, sind zumeist nur kurz episodisch behandelt und geben zu Erörterungen kaum Anlaß. Nur Herr Linzen sei noch erwähnt, der die kleine Rolle des Admirals Cöllgny recht wirkungsvoll spielte. Die Inszenierung verdient volles Lob. Sind aber im Louyre wirklich die Schlafzimmer so nischen-, küren- und säulemeich und zudem so offenen Hallen ähnlich? Der äußere Erfolg blieb nicht aus, und besonders nach den Szenen der zweiten Hälfte war der Beifall außerordentlich lebhaft, und zwar wohl nicht allein um der, im ganzen gelungenen Darstellung willen. Auch der geschichtliche Inhalt der Dichtung dürste das Publikum besonders erregt haben. In unserer Zeit der y£o§ von Hom "-Bewegung in Oesterreich, Frankreich und Spanien, in unserer Zeit, da so tapfere Zeitschriften, wie die ^Wattbrirgstimmen", „bie Freistatt" und die „Jugend" ihre Berechtigung haben, hat dieses Lindnersche Drama, so folterns es auch auf den Beschauer wirkt, weil es von keinem Lichtsttahl erhellt wird und in seiner düsteren Stimmung von Anfang bis zum Ende behartt, ein besonderes historisches Jnstreffe. Freilich, jene Zeit gehört einer schwarzen Vergangenheit an, da, um das schauerliche Bild Heinrich Heines zu gebrauchen, die graue Bartholomäusnacht mit rotem Schattenfinger ans Fenster klopfte. Die Battholomäusnacht bleibt das krasseste und abschreckendste Beispiel von brutaler MeinungSverwaltigung und tyrannischem ^Umsturz von oben." Der Besuch ließ leider im Parkett viel zu wünschen übrig. Gehött es denn noch immer zr.m sogenannten „guten Ton" in Gießen, den Sonntagsoorstellungen fernzubleiben, und will man das Bestteben der Direktion, auch den Sonntagabenden " ----.tt-, teils Brandgräber ent- ULCLLCU, ivuwcu |U1WVI — ehemaligen Bodenoberfläche, wie auch unter derselben, also in dem gewachsenen Boden eingegraben, angetroffen. Die Grabfunde bestanden aus mehreren Eisenstückchen, Dongesäßen, Hals- und Armringen ans Bronze, einem kleinen Bronzemesser usw. An vielen Stellen des Hügels, vorzugsweise in seiner östlichen Hälfte, wurden muldenförmige, mit dunkler Erde und Asche ausgefüllte Vertiefungen wahrgenommen, die häufig in den gewachsenen Baden eingegraben erschienen, aber keine Spur von Grabanlagen zeigten. Eine solche wnrBe jedoch 25 Ctm. unter der Oberfläche im nördlichen Teile des Hügels gefunden. Der zweite der umstellten Hügel enthielt ebenfalls drei Grabstätten, von. freiten die eine, welche 5 Meter nördlich von der Mitte gelegen war, nur winzige Knochenteile und Reste von seinen Steinwertzeugen, sowie Stetn- splitter entlfielt, während in der zweiten, welche 2,5 Meter von der Mitte uiid 30 Ctm. unter der Oberfläche gelegen war, nur zwei Armringe aus Bronze nebst einigen bearbeiteten Jeuersteinchen gefunden wurden. In dem Hauftt- grabe endlich, standen sieben Tongefäße, zwei Urnen, zwei Becker und drei Schalen; in der einen lag ein sehr kurzes, halbjichelförmiges, mit zwei Nieten versehenes Eisenmesser. Tie beiden Urnen waren reich verziert durch eingeritzte Linien und rundliche Vertiefungen, die mit einer weißen Masse ausgesüllt waren. Auch in diesem Hügel fanden sich verschiedene muldenförmige Vertiefungen, die mit Asche und einzelnen KohlenstückHen angefüllt touren. In einem der übrigen Hügel lag dicht bei Kttochenresten, die nicht vom Feuer berührt waren, eine zerbrochene dolchartige Eisen'wasfe, ein kleiner zum Wehrgehänge gehöriger Bronzering und Reste eines dünnen Gewebes aus Silberfäden. An verschiedenen Stellen des 5)ügels tourden dicht bei Aschenhaufen ungebrannte Tierknoeyen gefunden, die von Herrn Konservator Msthardt im Großh. Staatsmuseum als Tier- lnocl)en bezeichnet wurden. Tas in der Mitte befindliche Lauptgrab enthielt nur einen Halsring aus Bronze; eine imeite Nachbestattung ergab zwei Bronze-Armrmge. Die Mehrzahl der Gegenstände gehört der spätesten La-Tsue- Aufdeckung von Hügelgräbern. Kürzlich wurden auf Befehl des Großherzogs von Hessen unter Leitung des Hofrats Kohler im Kranichsteiner Park Untersuchungen von Hügelgräbern vorgenommen, bei denen sich, u. a den Kaiser und die Kaiserin von Ruhla n fr, der Gr o ß h e r z o g und P r i n z u n d P r in z e s s i n Heinrich von Preußen beteiligten. Die sechs untersuchten Hügel gehören einer Gruppe von 15 Hügelgräbern an, die etwa 10 Sm. nordöstlich von Darmstadt ans einer Sandfrüne liegen. Ihr Durchanefier beträgt 14—22 Meter, ihre Höhe zwischen 0,40 und 1,80 Meter. Juns der geoss- neten Hügel enthielten je 2—5 Grabstätten, die an verschiedenen Stellen und in verschiedener Höhe angelegt waren, oer sechste zeigte keine Grabanlage, sondern IVz Meter östlich von der Mitte und 45 Cent, unter der Oberfläche eine etwas mehr denn einen Meter im Durchmesser haltende Asche- und Kohlenschicht, und neben denselben eme aus- gehobene, mit dunkler Erde ausgesiillte Grube. Diese Asche- und Lohlcnschicht war kegelförmig mtt kleinen, kaum faustgroßen Gneisstücken überdeckt. Da man dres Gestein nicht in der dortigen Gvgend bricht, jo mußten diese Stücke im nahen Rutschbach ausgesucyl »norden jein. Die Mehrzahl dieser Steine war durck) Feuer fclpoarz gebrannt. 2r/s Meter westlich- von drejer Stelle fand sich in derselben Tiefe euie gleich große Afchenfchicht mit aufgehüuslcn Kvhlenstücken an ihrem nordöstlichen Rande; eine andere Stelle lag 4—5 Meter entfernt von der Mitte in südöstlicher Richtung. Gilt» seine Scherben verjchiedenartiger Tongefäße sanden sich au vielen Stellen, lieber die Bedeutung dreser eigentümlrchen Anlage konnte bis jetzt nieyts näheres festgestellt werden. Auch- die übrigen Hüzel enthielten ähnliche mit Asche und Kohlen aufzesüllle Stellen, zum Teil in unmittelbarer Rahe von Grabstätten, zum Teil in größerer Entfernung von ihnen. Fn dem letzteren Falle werden diese Platze von vielen Forschern für Stätten gel-alten, wo bet den Begräbuissererlüchteiten Opfer dargebracht wurden. Die Schreibgehilfe Wilhelm Walter in Groß-Gerau zum Registrator bei dem Amtsgericht Groß-Gerau. — Der Kanzlist in der Heff.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Friedrich Wilhelm Dähler zu Darmstadt wurde wegen geschwächter Gesundheit mit Wirkung vom 1. November 1903 an in den Ruhestand versetzt. — S. Maj. der Kaiser von Rußland haben, wie die „Darmst. Ztg." mitteilt, folgende Auszeichnungen verliehen: Generaldirektor Werner das Komturkreuz des St. Stamslausordens mit Stern, Direktionsrat Winter den St. Annenorden 3. Klasse, Oberregisseur Valdek und Kammersänger Weber den St. Stanislausorden 3. Klaffe. — Den Beamten der hiesigen Polizei wurden von Sr. Maj. dem Kaiser von Rußland folgende Ordensauszeichnungen verliehen: der St. Stanislausorden IL Klasse dem Großh. Regierungsrat Dr. Kratz der St. Stanislausorden III. Klaffe dem Großh. Polizeiamtmann Gebhardt, der St. Annenorden III. Klasse dem Großh. Polizeiaffeffor Kraemer. Die große goldene Medaille des St. Stamslausordens dem Polizei-Revierkommissär Baer und den Polizelwachtmeistern Lindemann und Müller, die große silberne Medaille des St Stanislausordens den Polizeiwachtmeistern Roß mann und Kowalte, die kleine goldene Medaille des Annen- Ordens den Polizeiwachtmeistern Bickelhaupt, Peter und Fischer und Polizeitommffsarlatsaspirant Feldwebel Schnei- derr die flcme silberne Medaille des St. Annenordens den Schutzleuten Geyer, Waldschrnidt, Samtleben, Schilling, Semmler, Moos, Scharmann und Kirchner, die kleine silberne Medaille des St. Stanislausordens den Schutzleuten Breitbarth, Kanold, Lode, Schäfer I., Nelle, Sperling, Löffler, Handke, Block, Rühl, Reuter, Sommer, Brandau, Bickel, Peppler, Beyer, Koch und Windisch. Außerdem erhielten wertvolle Geschenke: Polizeisekretär Kaiser, die Polizei-Reviertömmissare Bergmann und Tietze, sowie die Schutzleute Helenne und Ludwig. Vermischtes. * Zur Psychologie der „Wunderkinder". Der zehnjährige ungarische Geiger Franz von Vecsey hat durch seine Leistungen Bewunderung erregt, und man darf auf die weitere Entwickelung des „Wunderkindes" gespannt sein. Altmeister Jochaim hat dem begabten Knaben seine Teilnahme zugewandt, aber er besteht mit Recht darauf, daß der Zehnjährige das Konzertieren bis zur vollen künstlerischen Reise aufgebe und daß auch seine Erziehung und wissenschaftliche Ausbildung vorher weiter gefördert werde. Wäre doch Joses Joachims eigene künstlerische Ausbildung beinahe daran gescheitert, daß er bis zu seinem elften Jahre vor seinem Leipziger Aufenthalt niemals regelmäßigen Unterricht erhielt, sondern in Wien über dem unausgesetzten Musizieren alles andere vernachlässigte. Erst Felix Mendelssohn nahm sich des Knaben, den sein guter Stern in das Haus einer Tante nach Leipzig führte, an. Er suchte für ihn paffende Lehrer im Deutschen und Lateinischen, in der Geschichte und Mathematik. Er nahm ihn unter seine persönliche Obhut, gab ihm Anweisung im Komponieren und ließ ihn, während er selbst am Klavier begleitete, die Werke der klassischen Violmliteratur fleißig spielen. Scherzend nannte Mendelssohn den an Leib und Seele kerngesunden Knaben mit dem offenen Vollmondgesicht seinen „Posaunenengel". In Hensels Buche „Die Familie Mendelssohn" sindet sich ein Brief, in welchem Fanny Mendelssohn an ihre Schwester aus Anlaß der ersten Aufführung des „Sommernachtstraums" in Berlin (Oktober 1843) wörtlich schreibt: „Vorige Woche kam die Leipziger Musik an, um dem Feste beizuwohnen, Hiller, Gade, F. David und ein allerliebster zwölfjähriger Knabe, Joachim, der ein so geschickter Violinspieler ist, daß ihn David nichts mehr zu lehren weiß, und ein so vernünftiger Junge, daß er allein auf der Eisenbahn herreist, allein im „Rheinischen Hof" wohnt und einem das ganz natürlich vorkommt." Also auch hier eine gewisse Frühreife. Es sind jetzt gerade sechzig Jahre seit der ersten Aufführung des „Sommernachtstraums" in Berlin verflossen, und Jochaim führt noch viel erstaunlichere ^inge aus als damals als zwölfjähriger Knabe. Kunst und Wissenschaft. * Professor Ernst Immanuel Bekker in Heidelberg hatte anläßlich bet Feier seines 101. Dozentenjubi- läunis geäußert: „Gerade die jungen Juristen seien dazu berufen, in solchen Zeitläuften Diener des Vaterlandes und Führer mindergeschulter Volksklassen zu sein." Dazu halte Die „Franks. Ztg." die Frage gefügt: „Warum gerade die Juristen'?" Dieses Warum hat Herr Geheimrat Bekker mit folgenden Zeilen beantwortet: „Weil ein ordentlicher Jurist Bescheid weiß über alle Verhältnisse, die sich rechtlicher Ordnung fügen, gewohnt ist, vorurteilsfrei die Dinge zu sehen, wie sie sind (soweit dies menschenmöglich) und gelernt hat, logisch zu denken. Der Zweifel der verehrt. Redaktion kommt wohl daher, daß bei uns vieleunor deutliche Juristen, sogar aus den Bänken des Reichsgerichts, zu finden sind. Ergebenst I. Bekker." Ein hartes Urteil! GerMssaal. Hamburg, 6. Nov. Wegen fahrlässiger Tötung ihres Kindes hatte sich eine Mutter vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Während die Mutter in der einen Stube mit dem Ankleiden des einen Kindes beschäftigt war, war nämlia) ihr anderes, dreijähriges Kind in ein Nebenzimmer gelaufen, aus die Fensterbank geklettert und aus dein offenen Fender in den Ho, hinuntergestürzt, wobei es sich eine tödliche Schädelverletzung zuz-g. Da nachgewiesen wurde, daß die Frau mehrfacy von ihren Nachbarn auf die böse Gewohnheit ihres Kindes, ans offene Fenster zu Lettern, hingewiesen worden war, so wurde sie wegen fahrlässiger Lötung zu einer Gesang n i s st r a f e von einem Monat verurteilt. Metz, 6. Nov. Ein Liebesroman fand vor der hiesigen Strafkammer seinen Abschluß. Bereits im verflossenen Sommer begann sein strafrechtliches Präludium auf der Basis einer Entsührungsgeschichte, die aber als solche nicht aufrecht erhalten werden konnte und nunmehr ihre Ausläufer |in einer Verurteilung wegen Urkundenfälschung fand. Der talentvolle KUNMialer und Porträtist Heinrich, Beeke war in den besten Metzer Kreisen eingeführt, nachdem eine von chm veranstaltete Künstlerbundausstellung sehr hübsche Erfolge erzielt hatte. Hieraus gründete Beeke eine Malschule und erteilte einer Reihe junger Damen Unterricht. Unter seinen Schülerinnen befand sich auch die etwa 17jährige Tochter des Oberstabsarztes Dr. L., ein aujfallen!) hübsches Mädchen mit tiejfchwarzen Augen und Staaten, eleganter, schlanker Erscheinung. Zwischen dem Maler und seiner reizenden Schülerin entspann sich ein Liebesverhältnis, das eine Unterbrechung erfuhr, als die junge Dame chre Malstudien aufgeben mußte uiib in ein Pensionat nach Belgien kam. Die Liebe zerbrach auch diese Schranken, wenn vorerst auch nur auf dem Wege brieflicher Korrespondenz. Die Genügsamkeit der Liebenden war jedoch nicht von langer Dauer. Eines Tages erhielt die Vorsteherin des Mädchenpensionats ein Telegramm aus Metz vorgezeigt, worin ein Vorfall in der Familie des Oberstabsarztes mitgeteilt war, der die ‘jofertige Rückkehr der Tochter notwendig machte. Das Telegramm war unterzeichnet mit „Dein .Vater". Die Pensionsvorsteherin zögerte keinen Augenblick, ihren telegraphisch reklamierten Zögling ziehen zu lassen, und so traf das Fräulein bald wieder in Dietz ein, von dem Maler empfangen und heim- geleitet Denn in der Familie war gar nichts vorgefallen, noch viel weniger hatte „chr Vater" die schleunige Rückkehr der Tochter verlangt. Als Absender des Telegramms entpupte sich nämlich — der flotte Künstler. Das schöne Fräulein hielt sich die außerordentlichen Ferientage über in der Wohnung des Malers aus, bis die wirklichen Ferientage im Pensionat hereinbrachen, und die Entführungsepisode durch das Ausbleiben der Schülerin im elterlichen Hause ruchbar wurde. Es erfolgte Anzeige beim Gericht, der Künstler wurde in Unter sucyun gshas t ab geführt. Die Strafkammer verurteilte ihn aus Grund des tz 267 des Strafgesetzbuches zii. sechs Wochen Gefängnis. Zweites Zierzetchnis der neu immatrikulierten Studierenden an der Universität Gießen, a. Theologische Fakultät. F. Voat, Lich Ludwigstraße 8. Ehr. Zimmermann, Darmstadt, Grünbergerstr. 5. b, Juristische Fakultät. H. Fabricius, Wöllstein, Ludwigstr. 36. Ed. Lucius, Mainz, Bismarckstr. 30. A. Nuß, Gernsheim, Ludwigstr. 6. H. Raab, Darmstadt, Slephanstraße 32. c. Medizinische Fakultät. E. Briichmann, Tierhlk., Gartz, Ludwigspl. 14. A. Frank, Med., Andernach, Stephanstr. 42. B. Frank, Tierhlk^ Bad Krssingen, Klmikstr. 24. F. Hartmann, Tierhlk., Eorbach, Wolsstr. 15. H. Hilderscheid, Tierhlk., Wittlich, Hillebrandstr. 7. P. Kuhlijch, Tierhlk., Sorau, Mittelweg 6. W. vaii Laak, Ried., Rheinberg, Frankiurterstr. 93. L. Leun, Aled., Großen-Linden, Wilhelmstr. 3. W. Liidwig, Ried., Fritzlar, Frankfurterstr. 40. 9)L Maerz, Ried., Schweich, Hoimannstr. 14, A. Mäurer, Med., Elberield, Löberstr. 3. R. Philipp, Tierhlk., Wegberg, Ludwigstr. 6. W. Pier, Ried., Nateln, Ludwigstr. 33. E. Schweinhuber, Tierhlk., Ansbach, Klinikstr. 21. B. Seidemann, Tierhlk., Seegeritz, Bismarckstr. 16. A. Terwelp, Med., Wissel, Wetzlarerweg 41. W. Tinneield, Ried., Rheinberg, Frankiurterstr. 86. W. Trautmann, Tierhlk., Wimpien, Frankiurterstr. 61. Th. Weigand, Tierhlk., Zweibrücken, Frankiurterstr. 81. d. Philosophische Fakultät. K. Batteiiseld, Forstw., Darmstadt, Ludwigstr. 24. V. Becker, Rlath., Gimbsheim, Diezstr. 8. I. Blüwstein, Philof., Wjatka, in Franksurt a. M. A. Boetzkes, Pharm., Viersen, Gr. Steinweg 3. L. Bradshaio, Ehern., Southport, Grünbergerstr. 35. R. Telleskamp, Nalurw., Franksurt a. Rl.. Grünbergerstr. 7. A. Ehrhard, Rlath., Darmstadt, Schiffenbergerweg 56. H. Engel, Naturw., Wimpien a. B., Ludwigstr. 46. W. Fink, Rlath. u. Naturw., Büdingen, Bismarckstr. 40. G. Frank, Rlath. u. Naturw., Heppenheini a. B., Stephanstr. 37. W. Fuchs, Pädag., Worms, Diezstr. 13. G. Grimm, Rlath., Zellhausen, Ludwigstr. 18. W. Hafter, N. Philol., Ober-Flörsheun, Grünbergerstr. 8. S. Horwitz, Philof., Osnnecim, Goethestr. 13. A. Lehmann, Chein., Koblenz, Wohnung noch nicht angegeben. E. Spichrmami, Pharni., Rlühlhaujen i. E., Bismarckstr. 14. A. Stadel, Ehem., Rlanliheini, Bahnhosstr. 56. P. Stadler, Pharm., Wissen, Bismarckstr. 6. G. Warnecke, Ehem., Wiesbaden, Bismarckstr. 40. F. Wemrup, Pharm., Ascheberg, Bismarckstr. 20. B. Zabel, Nalurw., Prenzlau, Goethestr. 48 a. WchkllUüe llcbrrW irr TodrsM m La Ztadt Hießen. 42. Woche. Vom 11. bis 17. Oktober 1903. ^Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infL 1600 Mann Milckät Sterblichkeitsziffer: 15,46, nach Abz^g von 3 Ortsiremden: 9,66 %o. Kinder Annr.: Die in Klammern gefetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aut von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Lungenschwindsucht 2(1) 1. Lebensjahr: L.—15. Jahr 2(1) - - Krebs 2(1) 2(1) —' — Scharlach 1 1 —— — Lungenentjündung 2(1) — - 2(1) Aus unbekannter Ursache 1 — 1 — Summa: 8(3) 5(2) 1 2(1) GOLD Kupferberg Gold zeichnet sich durch erstklassige Qualität, vorzüglichen Selckmack, durch seine leichte Art und grosse Bekömmlichkeit aus, und gilt deshalb unter Kennern ohne weiteres als der beste deutsche Sekt Zeck, also wohl dem ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung an. Me kann das Kola zu einer gerechten Beurteilung ärztlicher Leistungen erzogen werden? Von einem praktischen Arzte., (Nachdruck verboten.) II. Aus der Tatsache, daß die Zahl von spezifisch wirkenven Heilmitteln ganz gering ist, läßt sich der Schluß ziehen, daß die medirameniäse Therapie trotz ihrer eminenten Fortschritte noch weck entfernt ist, etwas Vollkommenes zu fein. Weit vorausgeeilt sind chr die Diagnose und die Prognose, die Möglichkeit der Feststellung der Krankheit und die Vorhersage des wahrscheinlichen Ausgangs. Tte Erfahrung, welche der Aozt hauptsächlich infolge eigener Anschauung sammelt, in seinen UrnversitLtsjahren an der Hand der Vorträge seines klinisa-en Lehrers, bei gelegentlichen Sektionen von an bestimmten Krankheiten vorher ärztlich behandelten und verswrbenen Menschen und den zur Erforschung der Wirkung bestimmter chirurgischer Eingriffe oder zum Studium der Folgeerscheinungen, welche gewisse Arzneisioffe oder Manipulationen, äußerlich oder innerlich angewandt, auf den tierischen Organismus ausüben, lehrt ihn, den menschlichen Körper, die physiologische und pathologische, also die unter normalen Verhältnissen sowohl, als auch die infolge krankhafter Veränderungen sich abspielende Tätigkeit seiner Organe kennen. Die Erfahrung lehrt ihn, unter Zuhilfenahme seiner gesckMlten Sinne, namentlich der Augen, Ohren, des Geruchs- und Tastsiiines abnorme Verhältnisse von gesunden aus Grund seiner Ausbildung zu unterscheiden, ature und chronische, heilbare uni) unheilbare, sowie solche Krankheiten, deren Ausgang ungewiß ist, zu sichten und den entsprechenden Patienten oder seine Angehörigen $u belehren. Unterstützt werden unsere Sinne dura) vielerlei Hsissmittel, von deiien ich nur Fubertherptometer, die verschckoenen Spiegel, das Mikroskop, Die nuinajierlei Sonoen, 0-i.e Röntgenstrahlen und allerhand chencksche Reaktionen anführen will. Me auf diesen Gebieten die Wissenschaft ständig fort» schreitet, so auch in der Therapie, in der hilfreichen Unterstützung der Natur zur lleberwindung krankhafter Prozesse. Mit welchem Feuereifer sich die chemische Industrie auf die pharmazeutischen Präparate geworfen hat, beweisen die Unmassen neuer Arzneimittel, mit welchen in Literatur und Proben beinahe täglich niid stündlich^ der Praktiker born- 6 ar Mert wird. Es hat Vies seine ersreulichien und unerfreulichen Seiten. Vielfach werderl Hoffnungen erweckt, die sich als trügerisch erweisen, viele Arzneimittel führen nur das Dasein einer Eintagsfliege, manche freilich entsprechen den Erwartungen und bereichern in erfteulicher Weise den Arzneischatz. Gern opfert der Arzt seine kostbare Zeit, um sich durch das Chaos der mit jeder Post an sch wirr en den Truckfachen und der bereits vorhandenen Litteratur über solche durchzuarbeiten, in der Hoffnung, etwas Brauchbares darunter zu finden. Freckich beweifen Die zahlreichen Neuheiten auf pharmazeutisch-pharmakologischem Gebiete auch, daß man besserer Arzneimittel immer noch bedarf. Gibt es nun für jede Krankheitserscheinung eine Fülle von gleich oder ähnlich wirkenden Arzneimitteln, welche der Arzt an- wenden kann, so folgt daraus, daß je nach Zufall oder Vorliebe der eine dies, der andere jenes bei seinen Kranken anwenden wird. Werden verschiedene Arzneimittel zu einer Mixtur, einer Abkochung, einem Pulver oder dergleichen vereinigt, so ivird die Alannigfaltigkeit eine nochi größere. So kommt etz, daß einem Faktor in der Bewertung der Aerzte jede Bedeutung abgesprochen werden muß, welchem das Publikum eine große Wichtigkeit beizumessen pflegt: der Inhalt des Rezepts, das Ausjehen und der Geschniack der Arznei re. Selten sind ja heute Gottseidank die Fälle, wo ein Arzt die Behandlung eines vorher von einem Kollegen beratenen Patienten ohne weiteres über- nimmt, wo mit Kennermiene die Arznei des ersten gegen das Licht «gehalten und dann weggegossen wird, wo dieselbe seilens des zweiten abfällig beurteilt wird, die Arznei deren Aussehen durch Au ärmeres Geschmackscorrigens, einen anders gefärbten Syrup, einen Zusatz, dem für Me Wirkung jegliche Bedeutung fehlt, so verändert wird, daß lein Mensch durch den Aiiblick zu erkennen vermag, was sie entljalt, wenn es nicht auf dem Glase vermerkt steht. Und eine Bestimmung bezgl. Anbringung derartiger Vermerke durch die Apotheken haben wir noch nicht lange, und sie wird keineswegs allgemein durchgeführt. Selten sind auch die Fälle, wo die ärzlliche Wissen-^ schäft zunächst außer Stande ist, eine bestimmte Diagnose zu stellen. Bei allen diesen Gelegenheiten aber ist der Wechsel des Arztes meist ohne jeden Einfluß auf den Verlauf der Krankheit. Denn wie im allgemeinen der Arzt den menschlichen Körper kennt, so kennt im Speziellen der Hausarzt einer Familie, der Arzt, welcher einen Patienten mehrmals behandelt oder nur mehrmals untersucht hat, die körperlick)en oder sonstigen Verhältnisse der Familienglieder und des Kranken, was bei einem Wechsel nicht der Fall ist. Wechselt man während der Krankheit, so ist sogar eine Schädigung des Patienten denkbar. Dafür will ich ein Beispiel anjühren: Die Erkenntnis, daß der anständig venrenve Arzt sich im allgemeinen nicht dazu hergeben wird, einen Patienten in Behandlung zu nehmen, welcher bis vor kurzem von einem anderen Kollegen behandelt wurde, hat erfteulicherweise im Publikum an Boden gewonnen, hat aber unerfreulicherweise dazu geführt, daß der Arzt durch Entfernen der RieMzinflaschen und sonstiger Zeugnisje dafür, daß der Kranke bereits in Behandlung gestanden, getäuscht wird. Nehmen wir au, daß der erste Arzt bei einem Herzleiden eine mirffame Dosis Digitalis (vom Blatt des roten Fingerhut) verschrieben, deren Wirkung erfahrungsgemäß erst nach einigen Tagen eintritt, so wird, wenn infolge der ausbleibenden baldigen Besserung ein zweiter Arzt den Kranken besucht, von ihm vermutlich ebenfalls Digitalis verordnet werden, da diese das sicherste Herzmittel ist. Die Folge wird eine Digitalisvergistung sein, die ein unter ähnlichen Umständen vielleicht fonjultiertcr dritter Arzt zu diagnostizieren Schlwierigkeiten haben wird. So kann durch solche Verkettung Don auf dem Lande*) tatsächlich voröommenderi Umstanden ein Patient dem fidjeren Tode überantwortet werden, der, wenn er resp. die Angehörigen, noch einen Tag Geduld und Vertrauen gehabt hätten, genesen märe. *) In der Stadt hoffentlich nicht. Weihnachts-Arbeiten Neuheiten in Decken-, Läufer- und Fenstermäntel - Stoffen (rlanzgarn und Stickseid® 8383 A. 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Der Borauschlag der Gemeinde Auuerod für das Jahr 1904/1905 liegt vom 12. November 1903 an acht Tage lang auf der unterzeichneten Bürgerrneislerei zur Einsicht der Beteiligten offen. Annerod, den 6. November 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod. chic Surfer tzMtkl! in fetter, frischer Ware empfiehll Georg Wallenfels Marktplatz 21. Telephon 46. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Alten-Buseck für 1904/05 liegt vom 10. November d. I. ab acht Tage lang zur Einsicht auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Alten-Buseck, den 9. November 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Alten-Buseck. Motpreije vom 8. bis 22. November 1903. Brüder Schmidt Seltersweg 83 Nähmaschiuenlager empfehlen LLngschiff-Lret- Maschinen v Sctoel & Naumann, Junker & Ruh, Stück 70 Mark Kaffe. [8044 -- Der auswärtige» _ 1 Kilogramm (2 Pfund) Weißbrot bei: Fertige Mlbrttkil mH Weil in allen Preislagen vorrätig. 7674 C. 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Weitzel, Lang-Göns . „mitt Anse, frisch geschlachtet u. bratfertig her- gerichtet, verfetidet franko gegen Nachnahme per Pfd. 60—70 Pfg. 8047] Frau Babette Meyer, F'affau. 25 25 25 .......26 / W. Lein, Klein-Linden . . 26 / 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrot bei: Georg Dern II., Gr.-Linden 46 Hemr. Weber, Heuchelheim 50 Louis Süßmuth, Steiliberg 46 „ L. Steinmüller, Gr.-Linden 50 Prima Kognak i Spezialmarke, garantiert, franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seines vorzüglichen Geschmackes. Ferner gelten meine französischen Kognaks unter Originalverschluß als die besten, welche der Markt bringt. E. Dort, Walltorstraße 45. J. Happel. Kartoffeln! Prima magnaim bonum- und Salatkartoffeln liefert frei in den Keller zu Tagespreisen Lebertran feinst. Medizinal, empfiehlt [6356 Emil Fischbach. Arima rheinischer Federweitzer Schotte Weinstube 7683 Bahnhofstraße. Gustav-Adolf-Frauenverein. In diesen Tagen werden die Jahresbeiträge für unseren Verein, wie alljährlich, erhoben werden. Eine größere Anzahl von Sammlerinucn hat sich freundlichst bereit erklärt, die Erhebung der Gaben für 1903 zu übernehmen. — Im Jahre 1902 wurden für die Zwecke des Vereins, zur Linderung mannigfacher Not bei armen Glaubensgenossen, in unserer Gemeinde 1357 Mk. durch ilnfere fleißigen Sammlerinnen und das Wohlwollen der Gebenden zu- strmmengebracht und durch Vermittelung des Verwaltungsrats in Darmstadt an 31 hilfsbedürftige ®eineinbeu und Anstalten verteilt. Indem wir allen Gebern und Geberinnen auf diesem Wege nochmals unseren herzlichsten Dank aussprechen, bitten wir, auch in diesem Jahre Misere Sammlerinnen freundlich annehmen und durch Spendung reichlicher Gaben die gute Sache unserer evangelischen Kirche fordern zu wollen. Gießen, den 5. November 1903. 8284 Für den Borstand des Gustav-Adolf-Frauenvereirrs: Die Vorsitzende: Der Schriftführer: Luise Wortmann. Dr. Naum 8168s______Brandplatz 14. Täglich frisch gebackene Fische I. BL Schulhof Marktstr. 4. Georg Dern II., Gr.-Linden 23^ W. Weitzel, Lang-Gons . . W. Steinmüller Wwe., L. Steinmüller, Gr.-Linden Lang-Göns .... 24 „ W. Fabel, Wieseck . . . Heinr. Weber, Heuchelheim 25 „ Karl Post, Wieseck . . . Jakob Appel, Krofdorf . 42 H W. Schimmel, Kinzenb. M. 44 Ferd. Weiß, Grüningen . 44 „ Ludwig Veite, Atzbach . . 44 Karl Spamer, Reist..chen 44 „ Der Brotverkäufer: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern, außer bei Heinrich • Frebel II., 2 Kg. Schwarzbrot 44 Pfg. Gießen, den 7. November 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ___ _ Hechler.__ 2 , (4 1 , (2 2 . (4 Zweites dem 15. Novbr. 1903, abends 5 Uhr, im Saale des Gesellschafts-Vereins. Frau Eriisa Wedelsmd Kammersängerin aus Dresden (Sopran). Heinr. Weber, Heuchelheim 44 Karl Trautmann, Wieseck 44 Karl Poft, Wieseck . . . 44 " Ernst Christ, Wieseck . . 44 W. Sleinmüller Wwe., Jakob Appel, Krofdprf . . 46 Lang-Göns .... 44 „ W. Lef^t, Klein-Linden . . 48 Karl Spamer, Reiskirchen 44 „ 21/, Kilogramm (5 Pfund) Schwarzbrot bei: Louis Süßmuth, Steinberg 52 3 Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: W. Fabel, Wieseck ... 66 Karl Post, Wieseck . Karl Trautmann, Wieseck 66 „ Ernst Ehrist, Wieseck 1 Kilogramm (2 Pfund) Kornbrot bei: Ferd. Weiß, Grüningen . 22 2 Kilogramm (4 Pfund) Kornbrot bei: (ttitna Zc«li«8 Wetzsteinjtraße 45 Wajchmenftrickerei. Größte Auswahl in gestrickten Kerrett- und Knabeu-Aesten in allen Farben von Mü. 1.50 an. Kletzgerroeste«, eigene Fabrikate. NB. Das Stricken von M.-sten, Aetmcfn, Kniewärmern, ma'cheu und Strümpfen wird billigst besorgt. 8279 MirfMtätMtai«., UMch», es? Teslam., Vertr. u. Ging. all. Art, Erbschaftsregul., Einziehung von Ausständeir usw. 8151 * Ed. RottÖ, Kaplansaasse 2. (2 „ ) Kornbrot (4 „ ) „ Die Helmy Reiter Verlobung ihrer Tochter mit Herrn Johannen beehrt ;sich anzuzeigen Seine Verlobung mit Fräulein Helmy Briel beehrt eich anzuzeigen Cl. Briel geb. Schenk Johannes Beiter Tonkünstler Schachen München bei Lindau i. Bodensee 8380 im November 1903, 1 Prämie 500 000 Mk. 500000 Mk 5 75 000 375000 1 Gewinn 250 000 250000 w 1 150 000 150 000 w 1 100 000 100 000 V 2 , ä 50 000 100 000 V 3 , ä 40 000 120 000 t 4 , ä 30 000 120 000 w 5 /, ä 25 000 125 000 w 5 , ä 20 000 100 000 fr 25 , ä 10 000 r 250000 w 55 , ä 5 000 275000 n 255 , ä 3 000 765000 1525 , ä 1000 1525000 3080 , ä, 400 1232000 ir 23U4 , ä 200 * 4622800 it u. s. w. zusammen <40 500 GCWÜHIO und E Prämien.