Erstes Blatt. Montag 9. Märzi 903 153. Jahrgang Der deutsche zironprinz aus Reisen. Der deutsche Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich von streußen sind am Sonntag früh nach stürmischer Uebersahrt -an Bord der Pacht „Saphir" in Alexandrien (Egypten) ringetroffen und am Landungsplätze von dem Vertreter des ^hedioe, dem deutschen Generalkonsul in Kairo, sowie dem Gouverneur empfangen worden. In Begleitung dieser Persönlichkeiten unternahmen die Prinzen eine Wagenfahrt durch die von zahlreichen Zuschauern eingesäumten Straßen der .-tadt nach bem Bahnhofe. Gegen Mittag erfolgte die Ab- -eise zu mehrtägigem Aufenthalte nach Kairo. — Dort trafen ijie am Nachmittag ein und wurden von angesehenen Mit- Iliedern der deutschen Kolonie empfangen. Tie Prinzen be= Haden sich direkt nach dem Savoyhotel. Sie machten dann eine Rundfahrt durch die Stadt und besichtigten in Begleitung des Gefolges und des deutschen Gesandten die Sehens- rvürdigkeiten. Am Abend speisten sie allein im Savoyhotel. Heute (Montag) werden sie ofsiziell vom Khediven empfangen, fcer ihnen zu Ehren am Dienstag ein Diner gibt. Am Abend fr.nbet ein Diner in der deutschen Gesandtschaft statt. der Regierung. Redner fordert die konfessionelle Grundlage für die Volksschulen. Kultusminister Studt antwortet, daß er als Reffortchef alle Amtshandlungen seiner Beamten mit seiner Verantwortung decke und daß es dabei auf die Person des einzelnen Beamten nicht ankomme. Er unterschreibe es, daß cs Aufgabe der Unterrichtsoerwaltung sei, den christlichen Geist in der Volksschule zu wahren. Es seien nicht weniger als 30 000 katholische Volksschullehrer und -Lehrerinnen tätig, und in den letzten 27 Jahren seien im ganzen nur 3 bis 5 Fälle' vorgckommen, in denen Lehrer wegen eines Verstoßes gegen die Lehre der katholischen Kirche moniert werden mußten. Mit der Frage der konfessionellen Friedhöfe habe sich schon sein Amtsvorgäng'cr beschäftigt. Alle beteiligten Kommunal- und kirchlichen Behörden der Rheinprooinz seien der Ansicht, daß durch eine konfessionelle Trennung der Friedhöfe der konfessionelle Friede gestört werde. Abg. Dr. Porsch (Ztr.) führt au5, die Kirche bekämpfe nicht die konfeffionelle, sondern die paritätische Voltsschule. Die katholische Kirche umfasse nicht ein Volk oder einen Staat, sondern sie umspanne die Welt und werde bestehen bis ans Ende aller Tage. Deshalb lebe sie nach allgemeinen Grundsätzen, die teils unabänderlich für alle Zeiten und Orte bestimmt seien, teils aber auch ratione temporum et locorum geändert werden könnten. Unabänderlich sei ihre Stellung zu den paritätischen Schulen. Heute handele es sich nicht so sehr um einen Kampf der katholischen und evangelischen Konfession, sondern um den Kampf des Glaubens Politische Tagesschau. Eine württembergische Thronfolge-Frage bringt der ,Reichsbote" zur Diskussion. Das Recht der Tronfolge ist bekanntlich nach dem Ableben des Herzogs Nikolaus an die katholische Seitenlinie des Hauses Württemberg (Herzog Philipp, beziehungsweise Albrecht) über- gegangen. Um nun zu verhindern, daß der jetzige König einen katholischen Nachfolger erhalte, schlägt das genannte konservative Blatt vor, die Thronfolge in deutschen Monarchien dahin zu ergänzen, daß die Krone eventuell auch auf regierungsfähige Enkel der direkten Linie übergehen könne. Als eventuelle Nachfolger hat das Blatt also die Sühne der einzigen Tochter des Königs Wühelm II., Prinzessin Pauline, im Auge, welche mit dem Erbprinzen Friedrich von Wied vermählt ist. Die Bevölkerung Württembergs ist zu drei Vierteln protestantisch, würde also eine derartige Aenderung der Thronfolge wohl gern gutheißen. Sie kann jedoch nur erfolgen, wenn nicht bloß die gesetzgebenden Faktoren, sondern auch die nächsten Agnaten des Königs zustimmen. Und das darf wohl als ausgeschloffen gelten. Zur Ehescheidungsklage der Frau des osterr. Abg. K. H. Wolf schreibt dem „Grazer Tagbl." eine mit den Familienverhält- niffen Wolfs vertraute Persönlichkeit folgendes: Die Ehe Wolfs war von Anfang an mcht glücklich, da die Frau die für die Führung eines geregelten Haushaltes nötigen Eigenschaften nicht besaß. Schon im ersten Jahre der Ehe führten Mtß- hclligkeiten zu einer kurzen Trennung der Ehegatten. Erst die Geburt des ersten KindeS stellte den häuslichen Frieden wieder her. Als dieses Kind ungefähr zwei Jahre alt war, hatte Wolf Vcranlaffung, eine Scheidung der Ehe anzustreben. Dringende Bitten und Rücksichten auf das Kind bewogen ihn damals, das Zusammenleben mit der Frau wieder aufzunehmen. Vor ungefähr 2‘/Ä Jahren entroicfeltenen sich Beziehungen zwischen Frau Wolf und den Abg. Schönerer unb Stein. Frau Wolf korrespondierte mit diesen noch zu einer Zeit, als sich Schönerer bereits als erbitterter Feind Wolfs gezeigt hatte. Auf die Heimlichkeit des Briefwechsels weist der Uniftanb hin, baß sich Schönerer einmal zur Be- sörberung eines Briefes eines Kuverts bebiente, bas bie Abreffe Frau Wolf mit verstellter Hanbschrift trug unb ein vier Seiten langes Schreiben Schönerers enthielt. Gegen den Willen Wolfs setzte dessen Frau die Verbindung mit Schönerer fort. Dieses Verhalten, das zum Teile auf den Einfluß persönlicher Feinde Wolfs, zum Teile auf einer gewissen Ueberspanntheit der Frau Wolf beruht, führte zur vollständigen Entfremdung der beiden Ehegatten. Wenn die Schönerersche Presse behauptet, daß der Gatte die Frau roh beschimpfte oder mißhandelt habe, so ist dies für jeden Kenner der Verhältnisse vollkommen unglaubhaft. Die Art der Veröffentlichung der Ehescheidungsklage im „Trautenauer Wochenbl.", das seinerzeit auch die Schrift über den Fall Seidl auf Veranlassung der Schönererschen Abgeordneten zuerst veröffentlicht hat, weist auf dieselbe Quelle der nunmehrigen Veröffentlichung hin, zumal die Veröffentlichung in der Nummer von 2. März erfolgte, wo die Klage kaum überreicht, jedenfalls aber dem Abg. Wolf noch nicht zugestellt war. Uebrigens weist die Tatsache, daß Frau Wolf den Rechtsanwalt Dr. Förster, •einen Anhänger Schönerers, zu ihrem Vertreter wählte, darauf hin, daß die Klage weniger Privatinteressen der Frau, als vielmehr politischen Wünschen Schönerers entspricht. herabdrücken wolle, die unter polizeilicher Aufsicht stehen. — Minister Dr. Studt erwidert, der Unterschied zwischen den katholischen und evangelischen Krankenpflegevereiliigungen liege in der Organisation. Die Katholiken seien gar nicht gehindert, ganz Berlin z. B. mit einem Netz privater katholischer Krankenpflegevereine zu umziehen. — Abg. Dr. Sattler (natl.) meint, Herr Paasch sei unfähig, die katholischen Prinzipien in ihrer ganzen Starrheit zu erfassen. Auch seine, Redners, Freunde seien für die konfessionelle Trennung der Volksschulen, aber von dieser Regel könne man abgehen, wenn es sich um Gegenden handele, in denen die verschiedenen Konfeffionen so feindlich mit einander lebten, wie das dem Abg. Paasch in seiner Jugend vergönnt gewesen zu sein scheine. Die Redner des Zentrums hätten sich, so betont Redner weiter, über Zurücksetzung beklagt, der Eindruck im Volke sei aber ein ganz anderer. Ta herrsche die Ueber- zeugung, daß das Zentrum sogar für das Zustandekommen des Zo lltarifs noch einTrinkgeld bekommen habe. Er warne die Regierung, zu roeit vor der Hierarchie zurückzuweichen, denn dabei komme man schließlich an eine Stelle, wo man in den Abgrund stürze. Schluß 41/, Uhr. Preußisches Abgeordnetenhaus. 38. Sitzung vom 7. März. Abg. Dauzenberg (Ztr.) geht auf die Korum- Effäre ein. In der Schulpolitik sei man nicht vorwärts, somdern seit Jahren rückwärts gegangen. Das Zentrum, das trman im Reiche brauche, werde in Preußen umso schlechter ^handelt. Nach innen sei in dem 9)iiniftenum für die Unterrichts- und geistlichen Angelegenheiten kein Katholik rwrhanden. Allgemein sei die Tendenz, die Katholiken zu lirnden und zu knechten, den Evangelischen dagegen unbc= s-hränkte Freiheit zu gewähren. Das sei die Parität im Sinuc Staatsbürger zu genügen, dem Jesuiten g es etz, das katholischen preußischen M« J1”“ ie s® .rUr -BL- "neni Seminar^ Wir -Ras- * m habe L । H^ing ctflärte ÄulturföttK Abei "8 . wird die >4 doch nur darum üajnpT kommen Meid ' ‘I Ott öchulc beritt«, kann dann g® s nehmen laßen «onirn in Trier der mir die Regierung n oa lagen. Staat uni a kann man uns doij es wünschen, daß dei NWcns einigermaßen Straßburger Aertrac Wach geschehen isi Bischofs, bei der n des Bischofs, 2a e solche Fakultät, dir °ss steht, begründe! der staatlichen M- Eindruch an. daß in Folge bet . die ganze Bcrhand- oen hat. Sclbit Herr Herzen, «Brotzr töt ihren mirllichen - Med der Uniucrjiiät chte Enklave ani üam ?, wenn man die Schuld . Nur der Bischof war Daß Fürst Wmarä at, ist richtig, aber ich Haüeh fflim bet Nachwar. Ter gcroähne 'ebner betlicie bie be» i der Kurie ju buk Konflikten, dc-haÜ> Men. AWanzlu genannt. Bchrern W ler" aU Bormrs an« nen gar nicht gelesen. x es gethM hm. Boi bi einfach absetzen, daß Geheimatb Ml agen habe, der sich flM wie es in den M ichr Msen.ct iu machen. S ohne weitere Mw fiechnungShas. Etat de- "llg itär-Etat. erlichen Das gelte auch von _ . heute kaum noch ein anständiger Mensch aufrechterhalten sehen wolle. Sein tiefstes Bedauern müsse er im Namen seiner Glaubensgenossen aussprechen über die Erklärung des Ministers, daß an eine Aenderung der Bestimmungen über die Zulassung katholischer Krankenpflcgeorden nicht zu denken sei. Fast scheine es, als wenn man die katholische Kirche auf eine Stufe mit denen Kejfischer Kaudetskttmmcltug. Mainz, 8. März. Unter dem Dorsch des Geheimrat St. C. Michel tagte heute im Stadtveroronetensaal der hessische Handelskammertag. Als Vertreter der Regierung waren Regierungsrat Wagner und Mimsterialsekretär Mathias erschienen. Rach der Mitteilung des Vorsitzenden wurden von den Land* ständen für die Bestreitung der Kosten des Handelskammertags ein jährlicher Beitrag von 500 Mk. bewilligt. Zu den auf der Tagesordnung der Vollversammlung des deutschen Handelstages am 18. und 19. März stehenden Gegenständen soll der Handelskammertag Stellung nehmen. Ueber „Handelsverträge" referierte Sekretär M e es- mann. In der Hauptsache sollen langfristige Handelsverträge, die mindestens eine Tauer von 12 Jahren umfassen, gewünscht werden, außerdem Tarifverträge mit vielen gebundenen Sätzen, Wiedereinführung oer Meistbegünftig- ungstlauseln uno Beseitigung der Turchsuhrzölle und Unter- scheidungvzölle. Ermäßigung der Gebühren für die Ur- sprungscrzeugnisse, Schutz des gewerblichen Eigentums, Kunst und Literatur. Günstige Verträge konnten nur dann abgeschlossen werden, wenn die Wünsche der Interessenten gehört und die Reichsregierung fortlaufend bei den ein- Seinen Sätzen Sachoirsandige z-r Beratung zuziehe. Kom- merzienrar Baruch-Worms erklärte, daß feine Handelskammer für iQngfufngc Handelsoenräge sei, prinzipiell aber die Meistbegünstigungsverträge ablehne. Nachdem noch die Herren Schloß machet uno Geheimrat.Michel zu der ^ache gesprochen, wurden die Vorschläge des Referenten unter Wahrung des Standpunktes oer Wormser Kammer gutgeherßen. Ueber die „Abgrenzung des Handwerks" sprach ~ refror Ti11mar. Es seien in Hessen bisher nou) keine l chwerden über bie Toppelbesteuerung zur Handwerks.' . . . . d Handelskammer geltend gemacht wordL.i.^ E'S -o .. c . cwg..oartet werden, welche Deschlüs.e Jir _* -< . .mme-riag fasse. Regier- uugsrat Wagner h.er^u, daß in Hessen die Be- )c - aefleI11 1871- •dft*** und t*2Vlu “ei **!&&«* Kustnnö. London, 7. Marz. W.e aus Kapstadt gemeldet wird, ist Pastor Broekhuysen, der im transvaalischen Volksraad vor dem Kriege das letzte Gebet sprach, in Worcester (A'apkmome) des Hochverrates angiklitgl worden Er soll für Krüger und Steijn als Präsidenten gebetet und gesagt haben, die Konvention von Bereeniging sei nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben ist. R o m, 8. März. Ter P a p st erklärte trotz Bitten des Leibarztes Lapponi, er möge sich schonen, er befinde sich wohl und könne seine Pflichten nicht vernachlässigen und daher die Gläubigen, die aus der Ferne gekommen seien, ihm zu huldigen, nicht länger warten lassen. Infolgedessen wurden heute mittag im Thronsaale gegen 5000 Pilger von Deutschland, Oesterreich und Belgin empfangen. Ansprachen wurden nicht gehalten. Die Pilger zogen beim Papst, der lebhaft begrüßt den Segen erteilte, vorüber. Dem Empfange wohnten die Kärdinäle Fürsterzbischof Gruscha und Fürstbischof Kopp bei. Newyork, 8. März. Während die diplomatischen Verhandlungen glatt fortschreiten, lauten die Nachrichten aus Venezuela alarmierend. Die Jnsurr^k.ion schreitet fort Die Kaufleute sind unvermögend, die Zollaufschläge zu bezahlen. Präsident Castro ist außer stände, den Kongreß einzuberufen, weil eine beschlußfähige Versa mm- lang ausgeschlossen ist. Tanger, 8. März. Nach einem Briefe vorn 27. Febr. ist der Prätendent mit ungefähr 40 Anhängern bei der Zerstörung von Ain-Mediuna entkommen unb in das Senatiagebirge geflüchtet. Am Ende einer am 1. März auf dem Wege nach dem Riss abgchaltenen Beratung beleidigte der Prätendent einen der Anführer, welcher ihn darauf zu Boden schlug, indem er ihm vorwarf, er fei an allem Unheil, dessen Opfer bie Stämme im Norden geworden feien, schuld. Die übrigen Anwesenden halfen bei der Fesselung des Prätendenten. Cs wurde ein Dole nach dem fünf Stunden entfernten Lager des Kriegsministers gesandt, um die Gefangennahme des Prätendenten zu verkünden. Dem Kriegsminister wurden Geiseln gestellt, um die Auslieferung des Prätenbenten innerhalb vier Tagen zu verbürgen. Washington, 8. März. Präsident Roosevelt übermittelte Speck o. Sternburg die Antwort auf den Vorschlag des deutschen Kaisers, die Enthüllung des Standbildes Friedrichs des Großen bis 1904 zu verschieben. Der Präsident erklärte sich mit dem Wunsche einverstanden und fügte hinzu, es werde 1904, wo der Bau der Kriegsschule weiter vorgeschritten sei, möglich 'ein, die Zeremonie der Uebergabc nut einer Feierlichkeit zu begehen, welche der Würde des Geschenkgebers unb bem Werte bes Geschenkes entspräche. MS Deutsches Deich. Berlin, 8. März. Aus Bremen wirb vom 7. März gemelbet: Ter Kaiser unb ber Großherzog von Olben- vurg begaben sich heute früh, begleitet vom Generalbirektor bes Norddeutschen Lloyds, Tr. Wiegand, nach Bremerhaven unb fuhren ohne Aufenthalt nach Bremen weiter. Auf bem Bahnhofe waren ber Bürgermeister Pauli unb Senator Marcus zur Begrüßung erschienen. Außer bem Gefolge bes Kaisers unb bes Großherzogs waren auch ber Reichskanzler Graf Bülow unb Minister Bubbe zugegen. Nach allgemeiner Begrüßung unb Vorstellung erfolgte bie Abfahrt nack, bem Ratskeller, wo im Senatorenzimmer bas Frühstück bes Senats stattsanb. Tie Abfahrt vom Ratskeller zum Bahnhof erfolgte um 1 Uhr nachmittags. Ter Kaiser trat sofort bie Rückreise nach Berlin an. — In ber Sitzung bes elsaß-lothringischen Lanbes-Aus- schusses am 3. März erklärte auf eine Anfrage bes Abg. Ditsch wegen Aenberung der Santi e5b ter fteuer, per Unter- ftaatssekretär v. Schraut, daß eine Aenderung der Landes- bierfreuer nicht empfehlenswert ist, weit eine Reichsbier- steuer in naher Aussicht stehe. — Ein großer Steuerausfall erschüttert in biefem Jahre den Haushalt der Stadt Essen, da Frau Krupp ihr Einkommen nur auf 13 bis 14 Millione n eingejc ;t hat, während :öerr Krupp in den letzten Jahren 22 j.1; Hin betlarucrte. Tie Abnahme des Einkommens u auch den hohen Stiftungen (4 Millionen für v:c ViH Üitzerungslasien und WvhlfahrtSeinrichtungen, 1 Million für bie Stabt Essen) und den bedeutenden Legaten Krupps an einzelne ihm nahestehende Personen zuzu- schreiben. Krupp zahlte in den letzten Jahren über eine Million Mark an Steuern. Trier, 8. März. Tie Zurücknahme des Korum- schen Publikandums erfolgte mit der Verkündigung, daß die preußische Regierung wegen Abhilfe der Beschwerden der Trierer Katholiken sich mit dem Papst geeinigt hätte. Dresden, 8. März. Zuverlässig verlautet, daß die sächsische Regierung den Plan einer Personentarifreform, die Sachsen im deutschen Eisenbahnverkehr völlig isolieren würde, unb im ganzen Lande bei Handel unb Industrie, Handwerk uno Arbeiterschaft auf Widerstand gefloßen ist, fallen lassen wird. Nr. 57 • tSgklch außei Sonntag*. Dem «Siebener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kesstsche» Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche bcigelegL Rotationsdruck il Verlag bei Brüh l'schen Untverl.-Buch- u.Etetn- bruefetei «Bietsch Erden) btcOafnon, Eroeduio« und Druckerei; Lchulstrabe 7. Kdrelle tüt Depeschent Anzeiger «letzen. AernlprrchanlLlußNr 51 gegen den Unglauben, der sich immer tiefer in die breiten Massen deS Volkes hineinfreffe. Es müsse dafür gesorgt werden, daß auch den Kindern der höheren Schulen die Religion erhalten bleibe. Mit der Aufrechterhaltung der Reste der Kulturkampfgesetzgebung be- finbe sich die Regierung zwischen zwei Feuern, indem die katholische Bevölkerung diese Reste lästig finbe unb bie andere jedes Aufgeben eines Teiles dieser Reste als eine Konzession an die Kurie verurteile. Es handele sich aber nicht um Konzessionen an die Kurie, sondern barum, ben gerechten Forberungen ber Gietzener Anzeiger» ™ General-Anzeiger " ST Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen NV —— zetgenteil HonS Beck. Neuerung nicht auf die einzelnen Betriebe, sondern auf die Kreise ausgeschlagen werden, mithin Beschwerden nicht Vorkommen könnten. — Ueber die Haftung des Rheders aus dem Frachtvertrag" berichtete Herr Mees- mann. Die vereinigten Rheder von Hamburg, Bremen und Lübeck haben in einer Denkschrift den Vorschlag gemacht, daß sie nur für Schäden von Waren verantwortlich gemacht werden beim Abladen von Bord an das Quai und bis zur Empfangnahme an den Besteller. Nach längerer Debatte, an oer sich die Herren Schlo ßmacher, Kommerzienrat Melchers-Mainz, Geheimrat Michel, Stahl- Friedberg, Kommerzienrat C o b l e n z - Bingen Kommerzienrat Baruch-Worms beteiligten, wurde dem Vorschläge der vereinigten Rheder zugestimmt, da dieser riue Besserung in den seitherigen Verhältnissen herbeiführe. lieber die „K a u f m a n n s g e r i ch t e" referierte Herr Schloßmacher. Don den radikalen Parteien werde fortgesetzt für die Errichtung eines Sondergerichts mit Angliederung an die Gewerbegerichte gefordert. Aus recht- lrchen, sozialen und wirtschaftlichen Gründen habe sich der Ausschuß des deutschen Handelstages gegen die Schaffung von Sondergerichten ausgesprochen, dagegen aber die Errichtung einer Gerichtsabterlung mit Anschluß an die Amtsgerichte gutgeheißcn. Und zwar derart, daß, wie bei den Schöffen und Geschworenen befähigte Mitglieder als Beisitzer ausgelost würden. Bei der Errichtung eines kaufmännischen Schiedsgerichts mit Anschluß an dre Ge- werbegerichte werde der Wahlkampf eröffnet und damit die Klassengegensätze zwischen Handlungsgehilfen und Prinzipalen hinemgetragen. Die Handlungsgehilfen seien im Gegensatz zu den Arbeitern eher in der Lage sich selbstständig zu machen und nähmen in vielen Fällen Vertrauensstellungen ein. Die Prozesse könnten vereinfacht und beschleunigt, außerdem müßten die Gebühren für Gericht und Rechtsanwälte herabgesetzt werden, so daß die Gehilfen zufrieden sein könnten. Der Referent sprach die Erwartung aus, daß der Bundesrat einen Entwurf dem Reichstage in diesem Sinne vorlege. Sekretär Frö hlich- Morms hält den Anschluß an die Amtsgerichte nicht für zwectmäßig, da dieselben gerade genug überlastet seien. Der Anschluß an die Gewerbegerichte sei nur zu empfehlen. Herr Stahl-Friedberg sprach sich im Sinne des Herrn Schloßmacher aus, da die Schaffung von Sondergerichten eine große Gefahr für die Rechtsernheit bildeten. Schließlich kämen noch alle Stände und verlangten für ihre Gerichte Errichtung von Sondergerichten. Seine Handelskammer sei nur für ein beschleunigtes Verfahren vor den Amtsgerichten. Herr Meesmann erklärte, daß die Mainzer Han- üelskammer auf dem Standpunkte des veröffentlichten Entwurfes stehe und mit der Angliederung an die Gewerbegerichte einverstanden sei. Die Wohltaten eines schnellen und billigen Gerichtsverfahrens müsse auch den vielen Handlungsgehilfen, die oft zu hunderten in einem Betriebe seien und schlechter als die Arbeiter bezahlt würden, zu teil werden. Die Gewerbegerichte führten eine ausglei- chende Gerechtigkeit herbei und es sei unrichtig, wenn behauptet werde, die Gewerbegerichte richteten parteiisch. Nach der Statistik seien hier die Mehrzahl der Prozesse zu Gunsten der Arbeitgeber ausgefallen. Die Handelskammer Dingen steht auf dem Stanopunkt von Offenbach, die von Darmstadt für Anschluß an die Gewerbegerichte. Herr Schloßmacher bemerkte, daß in vielen Großstädten die Gewerbegerichte in Händen der Sozialdemokraten seien und vollständig zum Klassengericht ausgewachsen wären. Die Beisitzer würden inoirekt durch ihre Parteizugehörigkeit zu ihrer Stellungnahme beeinflußt. Ein Gericht, das nur aus Anhängern einer Partei bestehe, könne bei einem rechtsuchenden Publikum niemals Anklang finden. Die Angliederung an die Amtsgerichte sei allein die ausgleichende Gerechtigkeit, da sie jedem Gehilfen dann auch in den kleinsten Städten zugute komme. — Kommerzienrat Koch-Gießen steht auf dem Standpunkte Offenbachs. — Der Vorsitzende will von einer Abstimmung absehen, da durch die Aufklärungen vielleicht auch die hiesige Handelskammer zu einer anderen Ansicht gelange. — Kommerzienrat Baruch- Worms will die Gerichte auf dem Standpunkt der Gewerbegerichte, die sehr segensreich wirkten, aufgebaut sehen. Tie Herren Geheimrat Stroh und Kegelmann-Offenbach sprachen irochrnals entschieden für die Errichtung der Kaufmannsgerichte unter Angliederung an die Amtsgerichte. Nach einem Resümee des Vorsitzenden unterblieb die Abstimmung, ebenso die Beratung der einzelnen Paragraphen des Entwurfes. Ueber den Entwurf zur „K r a n k e n v e r s i ch e r u n g s- Novelle" berichtete Direktor D ittma r. Die Kommission des Handelstages spreche sich zustimmend zu dem Entwürfe aus, nur wird in Bezug aus die Wöchnerinnen eine Abänderung dahin gewünscht, daß dieselben keine Rente mehr erhalten, wenn sie nach vier Wochen ihre Arbeit wieder ausgenommen. Gerügt wurde, daß Handelskammern zu dem Entwürfe von der Regierung nicht gehört wurden. Regierungsrat Wagner erwiderte, daß die Ursache darin liege, dag ihm der Entwurf erst Samstags zuaegangen und am nächsten Montag die Sache in Berlin hätte telegraphisch erledigt werden müssen. Der Handelskammertag war mit den Beschlüssen der Kommission für Sozialpolitik des deutschen Handelstages zur Krankenversicherungsnovelle einverstanden. Bezüglich des Reservefonds für die Berufsgenossen- schasten wird gewünscht, daß die Bestimmunaen des alten Gesetzes wceder Platz greisen und nicht Erhöhung erfahre, da dieses der wirtschaftlichen Lage in keiner Weise entspreche. Die Aufstellung eines Statuts für den Handelskammertag sand in seiner Vorlage mit einigen Abänderungen Genehmigung. Auf Antrag von Offenbach sollen in Zukunft dre Sitzungen des hessischen Handelskammertages an Werktagen abgehalten werden. Ueber den Be st a n d deskaufmannischenFort- bildungsschulwesens in Hessen referierte kurz Herr Schloßmacher. Es sind neun kaufmännische Fortbildungsschulen vorhanden mit 826 Schüler, darunter 778 Fort- bilbungsschulpflichtige. An den Schulen sind 62 Lehrer, (darunter 2 Lehrerinnen), im Nebenamte tätig. Wesentliche Fortschritte seien gemacht und marschierten die kaufmännischen Fortbildungsschulen in Hessen mit an der Spitze in Deutschland. ^ajmurgeridjt -t. Gießen, 7. März 1903. Am Samstag verhandelte das Schwurgericht gegen den 21 Kahre alten Landwirt Gustav Schell mann von Geiß- Nidda wegen Urkund en fäls chun g. Der Angeklagte war der ihm zur Last gelegten Tat geständig. Tie Mur!e des Angeklagten, die Witwe Schellmann, erwarb bei einer zwangsweisen Versteigerung die Kühnfcbe vofrarte, wobei ihr zur Pfkiclst gLmackU wurde, den Kaufschilling an die Kühnschen Gläubiger zu entrichten. Sie verkaufte nun, um Geld zu bekommen, das ihr und ihrem verstorbenen Gatten gehörende Anwesen zu Geiß-Nidda, allein der Erlös dafür langte nicht aus, um die Kühnschen Gläubiger zu befriedigen. Es wurden nun die beiden minorennen Kinder der Witwe, der Angeklagte und dessen Schwester Ottilie, als Miteigentümer der Hofraite eingetragen, und dann bei der Niddaer Sparkasse ein Darlehen aufzunehmen versucht. Es sollten der Kasse eine Reihe von Grundstücken, die dem Angeklagten und dessen Schwester gehörten, hypothekarisch ve^p,ändet w.rdcn. Das Ta.lehen sollte 3330 Mk. betragen. Die Hypothek wurde erteilt, mit dem ausdrücklichen Vermerk, „daß die Auszahlung des Betrages von 3330 Mk. bei Meldung doppelter Zahlung an den gerichtlich bestellten Pfleger Landwirt Köhler zu Geiß- Nidda zu erfolgen habe." Die bestellte Hypothek wurde von der Gerichtsschreiberei des Amtsgerichts'Nidda an den Angeklagten ausgehändigt, damit er sie dem Pfleger zur Geld- erhebung weiter gebe. Der junge ^-chellmann tat dies jedoch nicht, sondern ging selbst damit zum Rechner der Sparkasse und verlangte gegen Aushändigung der Obligation die Auszahlung des Darlehens. Ter Rechner Raigelhausen jedoch verhielt sich ablehnend, auch ein zweites Mal, als der Pfleger die Annahme des Betrages ablehnte, weil er noch keine gerichtliche Weisung wegen der Verwendung des Geldes in Händen habe. Anfangs dieses Jahres erschien der Anae- ftagte das dritte Mal bei der Kasse; er überreichte Die Urkunde mit dem Bemerken: „So, jetzt ist alles in Ordnung, jetzt kann ich meinen Teil bekommen." Der Rechner der Kasse bemerkte, daß von unberufener Hand an der Obligation Veränderungen vorgenommen worden waren. Auf Vorhalt erklärte Schellmann, die Abänderung sei vom Gericht vorgenommen worden, worauf ihm der Bescheid wurde, daß man, um sich Gewißheir zu verschaffen, die Urkunde erst dem Gericht vorleaen werde. Von diesem vernommen, bestritt Schellmann, daß er die Fälschung vorgenommen habe, ge- tand dies jedoch später, als er in Haft genommen worden war, zu, indem er angab, er habe sich in den Besitz der Hälfte des Betrages setzen wollen. Er habe den Inhalt der Bestätigungsklausel nicht begreifen können, insoweit diese die Auszahlung der ganzen Summe an den Pfleger seiner minorennen Schwester anordnete. Er sei großjährig geworden und habe, weil die Hälfte der verpfändeten Siegen» chaften ihm gehöre, sich auch hier berechtigt gehalten, mindestens die halbe Summe des Darlehens zu erheben; weiter sei durch die Abänderung des Dokumentes seinerseits nichts bezweckt gewesen. Die Beweisaufnahme bestätigte alle Punkte der Anklage. Die den Geschworenen vorgelegte Schuldfrage lautete: ,^at der Ange Äugte in rechtswidriger Absicht eine inländische öffentliche Urlunoe verfälscht und von derselben zum Zwecke der Täuschung Gebrauch gemacht, und hat er diese Urkundenfälschung begangen in der Absicht, sich ober einem Anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen? Ferner war für den Fall der Bejahung der Schuldfrage im vollen Umfange die Frage auf das Vorhandensein von mildernden Umständen gestellt. Staatsanwalt Hoos bittet die Geschworenen, nicht nur )ie Schuld frage, sondern auch die Frage nach mildernden Umständen zu bejahen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Metz-Nidda, ist der Ansicht, daß sein Klient einfache Urkundenfälschung begangen habe. Er bittet, die Schuldfrage dahin zu bejahen, daß der Angeklagte zwar schuldig der Urkundenfälschung, daß es aber nicht erwiesen sei, daß er damit einen Vermögensvorteil erstrebt habe. Die Geschworenen folgten mit ihrem Wahrspruch den Ausführungen des Verteidigers, worauf der Staatsanwalt auf 3 Monate Gefängnis zu erkennen beantragte. Der Verteidiger trat für eine wesentlich geringere Strafe ein. Im Urteil, welches auf 3 Monate Gefängnis lautete, wurde die Straf- Höhe damit begründet, daß es sich um eine gerichtliche Urkunde handele, die der Angeklagte gefälscht hat. Die Untersuchungshaft kam voll in Anrechnung, ferner wurde der Angeklagte aus der Haft entlassen. Ans Stad! und Kand. Gießen, den 9. März 1903. • • Das Regierungsblatt enthält die Bekanntmachung, daß der Butzbach-Licher Eisenbahn-Akt.- Ges. in Butzbach die Genehmigung zur Ausgabe von 550 000 Mk. 4proz. Schuldverschreibungen erteilt worden ist. • • Irene Triesch kommt wieder nicht! Der Theaterverein hatte am Sonntag seinen Mitgliedern durch Postkarte mitgeteilt, daß Irene Triesch am nächsten Mittwoch als „Hedda Gabler" hier auftreten würde. Jetzt hören wir, daß gestern folgendes Telegramm eingetroffen sei: „Leider Repertoire-Veränderung. Kann unmöglich Mittwoch spielen. Ern anderes Mol." Also wir werden zum zweiten Male auf später vertröstet. Nun geht aber die recht unfruchtbare diesmalige Theatersaifon mit Riesenschritten ihrem Ende entgegen, sodaß die Aussicht auf ein dieSwinterliches Gastspiel der Triesch immer geringer wird. UebrigenS werden viele Theatervereinsmitglieder mit dem Tausch von Schnitzlers „Liebelei" m „Hedda Gabler" nicht recht einverstanden fein. Wir haben dieses Jbsenstück erst vor Jahresfrist in der meisterhaften Darstellung durch die reisende Lindcmann'sche Gesellschaft gesehen, Schnitzlers entzückende „Liebelei", dieses Hohelied auf das „kleine Mädchen", dagegen ist vielen Gießener Theaterfreunden noch ganz unbekannt. Es wird erzählt, daß sich Schwierigkeiten bei der Rollenbesetzung der „Liebelei" ergaben. Dann dürfte da§ Engagement eines zweiten Gastes sich mehr empfehlen als eine so schnelle, vielen unerwünschte Wiederholung der „Hedda Gabler". —■ Die nächste (8.) Theatervereins-Vorstellung findet also, wenn nichts dazwischen kommt, Freitag den 13. d. Mts. statt und bringt das Jürgensen- Gastspiel („Hans Jürge" von Holtei und „Der Geizige" von Moliöre). • • Hessisch-Thür. Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 5000 All. auf Nr. 1473 17442 48948 55178, 3000 Mk. auf Nr. 1137 1724 4781 9275 11293 21969 25012 28441 33688 (nach Gießen) 45713 48908 59170 66483 92030, 2000 Mk. auf Nr. 606 4765 8548 11030 12615 (nach Gießen) 19725 24498 25236 25846 30405 35726 37469 45164 44793 48830 52436 53696 54802 61762 65581 67113 68493 68586 68991 69377 73476 78753 84623 86093 86970 95547 97406. (Ohne Gewähr.) l. c- bie Gasexplosion im Stadt- lheate.. um ocr mir bereits ht der heutigen Paria- MMvtsMlSgtwe Ahntailinrg madyten, liegt inis folgender ausführlicher Bericht vor: Als der Wirt No kl gestern abend, ca. 5 Minuten vor V28 Uhr, den kleinen Garderobe» raum, der am Eingänge des Theaters zur Linken liegt, betrat, nahm er einen leichten Gasgeruch wahr. Er zündete ein Streichhölzchen, und mit diesem den Lampenanzünder, eine lange Stange, die am oberen Ende ein Wattebäuschchen stur Aufnahme von Brennspiritus trägt, an. Als N. dann die Stange in die Höhe schob, um den, von der Decke herabhängenden Lustre anzuzünden, erfolgte eine furchtbare Explosion. N. wurde aus der Garderobe herausgeschleudert und blieb schwerverletzt im Vestibül des 2.Heaters liegen. Herbeigeeilte Leute trugen ihn in feine Wohnung, wo ärztliche Hil.se alsbald zur Stelle war. Im Augenblick der Explosion befanden sich in dem, neben der Garderobe liegenden Billetausgaberaum außer dem Kassierer D e b u s drei Personen aus Kinzenbach und stwci Musiker. Alle wurden mehr oder minder verletzt, doch sind die Verletzungen nid)t schwer. Durch die Gewalt der Explosion wurden sämtliche Fenster- und Tür- scheiben in At0 m e zertrümmert, zum Teil wurden auch die Fensterkreuze mit herausgerissen. Die durch die Explosion hervvrgerusene Erschütterung war so groß, daß die O b er li ch t fenster au f d e r B u h n e samt dem eisernen Gitterwerk herab stürzten. Ein weiterer Schaden ist nicht entstanden. Die Vorstellung muffte indessen aus fallen. Durch einen eigentümlichen Umstand ist der Theaterdlrektor Kruse eventuellen Verletzungen entgangen. Herr Kruse, der sonst nie den Seitenausgang benutzt, um auf den Platz vor dem Theater zu gelangen, vielmehr bei Beginn der Kassenöfsnung stets in dem SiUetauSgabcrauin weilt, wich diesmal ganz ausnahmsweise von feiner Regel ab, und ging durch den Seitenausgang. Dies wurde seine Rettung; denn kaum auf dem Vorplatze angciangt, erfolgte die Explosion. — Ueber die Ursachen der Explosion konnten wir folgendes fest- stellen: In die Garderobe waren Bäume, die zu Dekorationszwecken gedient hatten, gebracht worden. Es wird angenommen, daß die hiermit betrauten Personen so unvorsichtig mit den Bäumen umgegangen sind, daß durch häufiges Anstößen an den Lustre dieser stark beschädigt wurde. Ter Lustre wies bei der heutigen Untersuchung einen Riß auf, durch den das Gas vermutlich in den Raum gedrungen ist. Ganz aufgeklärt ist die Ursache indes noch nicht und wird es vielleicht auch niemals werden. — Nach einer weiteren Meldung erfolgte die Explosion in dem Moment, in dem der Wirt Noll das Streichhölzchen entzündete. Da 9Z. nicht verne hmungs fähig ist, tonnte hierüber bisher nichts Zuverlässiges restgestellt werden. — Im Theatersaal selbst smd keine Beschädigungen vorgekommen, umso merkwürdiger ist es, daß das Oberlichtfenster der Bühne mitsamt dem eisernen Rahmen herabgestürzt ist. Allem Anschein nach ist dieser Umstand auf eine mangelhafte Befestigung des Fensters zurückzuführen. ** Von Seiten der deutsch-sozialen Reform» partei wird uns mitgeteilt, daß m der gestern hier im „Löwen" stattgehabten Vertrauensmänner-Versammliuig des Wahlkreises Gießen-Grünberg-Nidda der seitherige Reichs- tagSabg. Köhler-Langsdorf wiederum als Kandidat für die bevorstehende Reichstagswahl einstimmig ausgestellt worden ist, und zwar unter der Bedingung, daß er Mitglied der Reformpartei wird. — Die Unterstü tzung deS Bundes der Landwirte wurde ihm, wie wir von anderer Seite erfahren, zugesagt. • * Besitzwechsel. Die Villa Burk an der Ostanlage 14 ging für den Preis von 105 OoO Mk. durch Kauf in den Besitz des Fabrikanten Georg Noll über. * * Unfall. Am verflossenen Samstag stürzte in der Steinstraße ein Maurer vom Neubau und zog sich schwere Verletzungen zu, sodaß er in die Klinik verbracht werden mußte. ** Wegen eines Sittlichkeitsoerbrechens, Der* übt an einem 4 jährigen Mädchen, wurde gestern nachmittag ein hier wohnhafter verheirateter Arbeiter verhaftet. ** Grober Unfug. In vergangener Nacht wurde in der Bahnhofstraße mutwilligerweise ein Briefkasten abgerissen und beschädigt. ** A11 s dem Theaterbureau. Die gestrige Abendvorstellung mußte leider ausfallen und wird „Der Trompeter von ©ä cf in gen" am Donnerstag den 12. d. Mts. zur Aufführung gelangen. Die für die gestrige Vor. stellung gelösten BilletS haben am Donnerstag Gültigkeit. Gelöste Billets, welche am Donnerstag nicht zur Verwendung kommen können, werden von Herrn Ehallier gurüefgenommen. — Morgen Dienstag, den 10. d. M. wird als Voks- Vorstellung zum zweiten Male „Flachs mann als Erzieher" in Scene gehen. § Gedern 8. März. Im Alter von 79 Jahren ver» starb hier nach kurzem Krankenlager Hofprediger Heinrichs. Bis vor wenig Tagen versah er in Treue und Gewissenhaftigkeit sein Amt. Vor mehreren Jahren feierte er sein 50jährigeS Dienstjubiläum und wurde ihm damals eine hohe Auszeichnung zuteil. li . 13. Darmstadt, 8. März. Der evangelisch, soziale Kongreß, der m der Pfingstwoche hier ftattfinben wird, findet hier allgemeine Aufmerksamkeit. Heute abend war der große Ausschuß außerordentlich zahlreich zu einer Sitzung beisammen, welcher auch Prof. 1). Dr. Harnack aus Berlin beiwohnte. Derselbe teilte mit, daß als Hauptthemata folgende vorgesehen seien: Vortrag des Prof Her- mann-Marburg: Wie steht es mit der uns in der Bergpredigt entgegentretenden Ethik mit Bezug auf die Anforderungen an die moderne Zeit? Vortrag deS Geh. Rat Pros. Tr. Adolf Wagner-Berlin: Tie sozialen und ethischen Grundsätze für Staats- und Gemeindesteuern (mit besonderer Berücksichtigung der hessischen Verhältnisse), und Vortrag deS Geh. Justizrats Prof. Kahl-Berlin: Welche Wunsche und Anforderungen sind bei der bevorstehenden Revision bc5 Strafgesetzbuchs vom evangelisch - sozialen Standpunkt zu stellen? Auch die Fr au en frage wird emo eingehende Erörterung erfahren durch die Behandliing dc§ Themas. WaS soll'das Ziel der höheren Mädchenschule sein? Nach dem Vortrag deS Prof. Harnack nahm die Versammlung noch die Wahl der verschiedenen Ausschüsse vor. Frankfurt a. M., 9. März. Der Magistrat bcan* tragt* die Stadtverordneten-Versammlung wolle zustimmen, daß 1. zur Beschaffung der Mittel für Erweiterung der Elek- trizuäts- und Bahnamtsbetriebe, deS Schlacht- und Vieh- Hofes, der Hafen-- und Lagerhausanlagen, des Fuhrparks, der Kanalisation, der firanfenanftaüen^ für die Errichtung von Gaswerken, für den Bau höherer schuleii unb sonstige bau» je nach W Mich ungen eck iiche ®cn' 2, in uN=” nal tn.bre1 für den 6 die M " zu einem 4 Rcchne-a"' temporärer deno||1Ilien Han- wurde het oernichi< sichening verbreitet zur Pri> von 2mO' Freundin die Entbi mitreisen. • M ström im Moinreo eingeä che entfian Personen Tas Tai dcrt erlil Berti er lebt noch Aloininjen 1 EmjcheiiM 'Verbote: Äiöioig Fu und o e uu l u t i 0 n an bunbtages zi Levorm' LorslMd l Lelliioi Theater Zank &rün. orei§ pro 1( 00.00 'X ( Grbien 18.50- Marl, Samer ic. Fra W) W Nm M M. 1U5-] Aart £kr Tie für b im Bürgen 'orderllchen Tachdeä öimmer-, LZeihh ) ollen Samstag, formt öffentlich ö< Plan, Ar Bedingungen der Aintsstu aureau, Qj Mty Off( «»rdriilk, 1 finb 6, Krimi bei " Zuschlag- ^ben, be wische- A. V.: Nirt P.,. gesteh zur Aerobe, -uch ivah^ lj den ä ft ÄS ; b°n der 7^??^n e eine ? ii r^e dttab. er^-b^^«rc t|letIekt 5'c‘ Wlte $m?xN- !l'.e“IäS'te"3tn Monben fi^SteOe etauwl*S aus StiniT^^er ,er minbÄ und saSfe KM «Seä ''Und ging durchs ie®Jen" ™Qui e/Mm. - uebxj len nur folgendes reit- ST' ?l£ iu Deko- acht worden. Es wird bauten Personen s umgegangen finb, bji e dieser stark beskWZ Helgen Untersuchung iS vermutlich in der Eart ist die Ursache lcht auch niemals wer erfolgte die Giplo- Art Noll das Streich. )t Vernehmung^ c nichts Zuverlässige- saal selbst smd leme ' mertwürdiger ist c_-, mitsamt dem eisernen Anschein nach ist diese', sestigung des zensier- »-sozialen Reform' m der gestem hier r änner-Berfammlung te ; der seitherige Reiip um als Kandidat l einstimmig ausgisK ingung, daß er Mugll- Unterstützung del m, wie wir von an- i Burk an der C\b i'oOuO M. durch Aom M übei. iamstag stürzte in • u unb zog stch tö- Mit verbracht ir-" litsverbrechens, ■1 wurde gestern *- Mer verhaftet. langentt M-Hl “* ' em SricjUP" - au. Di- g-E und wird ,D-l l'=. onnerätag »- * it *«?*&**■ Sb«“® i" $0t6- b.$. ®”s■„t§6, llte ■sijÄ s. *<. hict ** V *- * klrcä 5“ "; Ä. S«-i Ite "nt| J Pi-i SoittoS W * SW „it d°r un Irt»» w°uLl * *?: c W’1'(mit *" S '. »J [in: L “ ßiev'I«^ L . «0* 6l«"*n,U KxS* krt <,,c W,.- ool. , L-all' cz. , 0gfcf* Schien linb । Nche Ausführungen, für die Ablösung älterer Schulden der eingememdeten Vororte und zur Deckung von Finanzirungs- unkosten eine Anleihe von 27 Millionen Mark nominal in drei Abteilungen zu je 9 Millionen Mark gegen eine Verzinsung in halbjährigen Terminen zu 3, 3'/, oder 4 pCt., je nach Lage des Geldmarktes, und gegen eine Tilgung von jährlich mindestens l'/z Prozent zuzüglich der von den Tilgungen ersparten Zinsen, ausgenommen und hierzu die staatliche Genehmigung durch den Magistrat cingeholt werde; 2. in gleicher Weise, wie vor Aufnahme früherer Anleihen, für den Fall längerer Verzögerung der Anleihegenchmigung die für unaufschiebbare Ausgaben erforderlichen Mittel bis zu einem HÜchslbetrage von 4 Millionen Mark vom Magistrat, Rcchneiamt, im Einvernehmen mit dem Finanzausschuß mittels temporärer Anleihe zu bestmöglichsten Bedingungen ausgenommen werden können. Hanau, 8. März. Die Brauerei Kaiser Söhne mürbe heute nachmittag durch einen Brand größtenteils vernichtet. Der Schaden ist beträchtlich, aber durch Versicherung gedeckt. ymnifdjtrs. * Herr Giron. Wie aus Brüssel telegraphirt wird, verbreitet Giron die Nachricht, daß er noch Beziehungen zur Prinzessin Luise habe. Die Prinzessin werde von Lindau direkt nach England reisen und dort bei einer Freundin an einem zunächst noch geheim zu haltenden Orte die Entbindung abwarten. Giron werde zunächst nicht mitreisen. 'Montreal, 8. März. Aus dem auf dem Lorenzstrom im Bau begriffenen, nahezu fertiggestellten Dampfer „Montreal" brach Feuer aus. Ter Dampfer wurde völlig eingeäschert, wodurch ein Schaden von etwa 500 000 Dollars entstand. Um dem Feuer zuzuschauen, hatten Hunderte von Personen das Dach eines Warenschuppens am Ufer bestiegen. Das Dach brach ein. Eine Person ist tot, über hundert erlitten Verletzungen. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 8. März. Ter Berliner Goethebund (also er Icbi noch!) veianstaliete heute eine Lersammlung. Tie Professoren 'DJiommlen und Menzel waren zugegen. Sudermann besprach die Entscheidung des Oberoerwaltuugsgerichts in der Angelegenheit des Verbotes -M a r i a von Magdal a". Nach Borträgen von Ludwig Fulda, der Nelchslagsabg. Tr. Di ü U e r»M e i n i n g e n und Heine und von Profestor von Liszt wurde eine R eso- ( n t i o n angenommen, in der der Resolution des Weimarer Goelhe- bundtages zugeslimmt, die Theatcrzenjur als eine unwürdige Bevormundung deS deuljchen Voltes verworsen und dem Vorstand ausgeiragcn wird, dem neugewählten Reichstag eine Petition a u s reichsgesetzliche Abschaffung der Theaterzensur zu unterbreiten. Kaudet und Uerlrestr. ZMIu-wirlschasl. Märkte. Grüubcrg, 7,. März. Fruchtmarkt. (Durchschnitts- vrcis pro 1U0 Kilo.) Weizen 15.02 bis 15.80 Mk., Korn 13.00 bis 00.00 Dik., Gerste 13.50 bis 00.00, vaier 00.00 bis 00.00 Mk., Erbsen 18.50—00 DU., Linsen 00.00 DU., Lein 00.00 Mk., Wicken00.00 Mark, Samen 00.00—00 Mk., Kartoffeln 00.00 bis 0.00 DU. ic. Fraulsurt a. M., 9. März. (Qrig.-Telegr. des „Gießen Anz.") Amtliche ■“Kotierungen der heutigen Fruchtmarklpreise Weizen Mk. 16.25—00.00, Kurhessischer Mk. 16.25—16.50, La Plata Alk. 17.25—18.00, Kansas Dtk. 17.25—18.00, Roggen (hiesiger) Dtark 14.50—14.75, Gerste (Wellerauer) DU. 16.25—16.75, Franlen- ielder Mk. 00,00—00,00, Haier DU. 14.25—15.00, Mais Mk. 14.25—14.50, Weizenmehl 0 Dtk. 25.50—26.00, 2. Qualität Dtk. 23.50 bis DU. 24.00, 3. Qualität DU. 21.50—22.00, Roggenmehl 0 Dtk. 23.00-23.75, 1. Qualität DU. 21.75—2225, Westen!leie DU. 9.00 bis AU. 9.25, Roggeiitleie Mk. 9.50—10.00, Maisleime Dtk. 10.00 bis DU. 10.25, Franken, Pfälzer, Ried Dtk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. ic. Frankfurt a. M., 9. März. (Telegr. Lrig.-Bericht des „Giest. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Vieh Marktpreise. Zum Verkäme standen: 415 Ochsen, 117 aus Ceft- reich, 42 Bullen, 0 aus Lestreich, 634 Küiie, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 261 Kalber, 285 Schafe und Häimncl, 1373 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 17 Schaflammer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Lchsen 1.Qualität 70—71 DU., 2. QuaL 65—67 DU., 3. QuaL 61—63DU.; Bullen 1.Qual. 61 bis 63 Dtk., 2. Qual. 58—00 DU.; Kühe L QuaL 62-H4 Dtk., 2. Qual. 57—59 DU., 3. Qual. 47—49 DU, 4. Qual. 42—44 DU., 5. Qual. 00—00 Dtk. Kalbet: 1. Qualität80—82 Wg., Lebendgewicht 48—50 Ps., 2. QuaL 76—78 Pfg., Lebendgewicht 46—47 Pfg., Schlachtgewicht 64—66 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 70—74 Big., 2. QuaL 66—68 Pfg., 3. QuaL 00—00 Pfg.; Schweine L Quäl. 58—00 Pfg., Lebendgew. 46 Pfg., 2. QuaL 56- 57 Pfg., Lebendgewicht 45—uo P,g., 3. QuaL 48—5o Pfg., Lebendgewichi uO—00 Pig. — Geschäft: bet Horiivieh gut, bei Kleinvieh gut. Markt: kein lieber- stand. Limburg a. d. L., 25. Febr. Fruchtmarkt. Turch- schnittsprei,e pr. Malter. Roter Weizen 00.00 Dtk., Weiger Weizen 00.00 DU., Korn 10.70 Dtk., Gerste 00.00 Dtk., Haier 13.75 DU., Eeiuibs 0.00 DU., Karwffeln 0.00 Dik. Ncucssc Itlrlüiuigrii. Originaldrahtmelduugeu des Gicßcucr Auzcigcrs. R. B. T a r m st a b t, 0. März. Gutem Vernehmen nach wird auch für dieses Jahr der Besuch des russischen Kaisers und der Kaiserin am Grvßherzoglichen .Hvse erwartet. Gleichzeitig mit dem Besuche des Zaren wird auch der Besuch des Großfürsten Sergtus mit seiner Gemahlin erwartet. Der Besuch Lft, für den Monat September geplant. Aus diesem Anlaß w>.rd die russische Kirche auf der Mathildenhöhe einer gründlichen Renovation unterzogen. Kürzlich sino zu diesem Zwecke russische Sachverstanvige hier eingetrossen. U. a. sollen in der Kirche ALosailsußbödeu angelegt werden. Die Leitung liegt in den Händen des Baumeisters Olbrich, der die Kirche erbaut hat. Berlin, 9. März. Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums hatte zu gefteru eine öffentliche .Volksversammlung nach dem Rathause einberufen, die. einen sehr erregten Verlaus nahm, sodaß wiederholt ihre vorzeitige Schließung in Frage stand. Der Vorsitzende Pros. Sommerfeld hob hervor, daß nach einer Stastistik des Polizeipräsidiums ein großer Teil der Kurpfuscher aus Personen bestehe, die im Leben Schifsbruch gelitten hätten. Die Ausführungen des Redners, die das Wesen der Naturheilkunde und namentlich das Gebühren ihrer Vertreter bezüglich der RcUamc und der Kranien- behandlung betonte, wurden teils von Beifall, teils von drohendem Lärm fortwährend unterbrochen. Zur Bekämpfung des Kurpfuschertums sollen in allen Städien Versammlungen abgehalten werden, um das Volt aufzuLären. Die Versammlung ging in großer Unruhe auseinander. — Die StaatsanwalZcuasl hat 9 hiesige Masseusen, darunter eine Gräfin, unter Anklage gestellt, weil bei einer polizeilichen Haussuchung allerlei Handwerkszeuge und Dinge, die sonft zu anderen Zwecken gebraucht werven, bei denselben b e s chl a gnahmt wurden, die der B<.s».iedigung gewisser Leidenschaften dienen. Eine Menge uu.iQiicher Bllder wurde in den elegant eingerichteten Wohnungen konfisziert. — Das Stiftungsfest des Heidelberger KorpsVandalia wurde gestern abend von etwa hunoert alten Herren und Aktiven des Korps durch ein Tiner im Kaiserhof begangen. Ten Vorsitz führte Staatsminister a. D. o. Lucius. Tas Kaiserhoch brachte Minister v. Hanimerstem aus. — Das K a i s e r p a a r, Prinz und Prinzessin Hein^ rich, Prinz Joachim und, »Prinzcs in Qi Loria Luise wohnten gestern im Cirkos Busch einer Wiederholung der Ge s a n g öa aufführung Berliner Schulen, bet. Auch Kultusminister Dr. Sttidt war zugegen. Berlin, 9. März. Im „Kaisethof" fand anläßlich der Eröffnung der A u t o in o b il au s ftel l un g gestern abend cm Festmahl statt, an welchem Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Joachim Mbrccht, der Herzog Adolf Friedrich von Meckleill'urg, die Minister Möller und Budde ufw., tcilnahmen. Prinz Heinrich brachte das Hoch auf den Kaiser au5 und ermahnte die Automobllisten, vorsichtig zu fahren, uni) sich zum Dahlspruche zu machen: Liebe deinen Nächsten, wie dick selbst, um ungerechtfertigte! Vorurteile zu beseitigen. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm ab gesandt. Trier, 9. Marz. Nach Aitshebung des Korumschen Publikandums soll der Kurie seitens des preußischen Kultusministeriums die 3 u f i aj e r u n g erteilt worden fein, daß einige vom Biseyof Komm beanstandete L e h r b ü ch e r für Geschichte und Literatur in der paritätischen Schule a b g e s ch a s f t werden. London, 9. März Auf der Johannesburger Konferenz wurde beshlossen, im ganzen sieden neue Eisenbahnlinien in einer Gesamtlänge von 66o engl. Meilen und einem Kvsteuauflvande von 3161000 Pfund (103 220 600 ML) zu erbauen. London, 9. März. Große Aufregung herrscht in Gre- mock in Schottland über zwei Morde, welche an die früheren Untaten Jack des Aufschlitzers erinnern. Prag, 8. März. Tie engere Vertrauensmänner - Versammlung der A l l d e u t s ch e n P a r t e i W o l s'scher Richtung genehmigte das Parteiprogramm, dessen Hauptpunkte sind: Nachdrückliche Förderung der Los oon Rom- Bewegung, Festlegung der deutschen Sprache als Staatssprache, Personal-Union mit Ungarn, Sonderstellung Galiziens und burd) Staatsvertrag sestzustellendes Schutz- und Drutzbünduis mit Deutschland. Die Partei erklärt fiel) als freiheitlich, antiklerikal, antisemitisch und demokratisch. Caracas, 8. März. Ein heute veröffentlichter Erlaß stellt die venezolanische Blockade des Orinoco sowie der Häfen Guanta und Carupano wieder her. ^nf|ka|kn Oer Pedaklion. Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) C. 2. in Grüuberg. Frau Krupp ist eine gebotene Freiin oon Ende, Tochter des früheren Lberpräsidenten der Provinz Heffen- Nasfau. Ein Bruder von ihr steht tm preuß. Heer als höherer Offizier. Telephonischer Kursbericht. frHUktari m. 14., 9. März 19c3 3*/2% Reicheanleihe . . 102.85 37, do. . . . 92.50 3‘/e% Koneole . . . . 102.75 8°/o do.....92.55 3l,j>o/o Hessen .... 101.15 31/.?o Oborheseen . . . 100.00 4% Oesterr. Goidrente . . 103.30 4l 5?6 Üesterr. bilberrento 100.80 4% Ungar. Uoldrente . . 102.05 4°/ Italien. Rente . . . 103.60 4' ,5o Portugiesen . . . 51.30 ,0/ Portugiesen.....32.20 l?o 0. Türaen . ... 32 45 Tiirkenloee......131.40 4% Uneoh. Monopo'.-Anl. 45.30 4häuesere Argentiner — 3J/o Mexikaner .... 26.25 4‘/o /, Chinesen . . . . 92.60 Electric, bei.ackert . . . 99.60 Nordd. Lloyd . . . . 97.25 Kreditaktien .... 216 10 Diekonto-Kommandit. . . 198.60 Darmstädter Bauk . , . 141.10 Dresdener Bank .... 148.25 Ber iner Handelsges. . . 160.00 .Oesterr, Staatabahn . . , 148.60 Lombarden . . . . . 14.70 Uottharübahn ..... 187.10 LauranQtte ...... 217.50 Bochum ....... 186.00 Harpener......176.40 Tendenz: fest. Verdingung. Die für baulichcHerstellungen im Bürgermeistereigebäude erforderlichen Dachdecker-, Spengler-, Zimmer-, Schreiner- und Weißbindcrarbcitcn sollen Samstag, den 14. d. Mts. vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Plan, Arbeilsbefchreibung u. Bedingungen liegen während der Amtsstunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 3, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin bei uns einzurelchen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 9. März 1903. Städtisches Hochbauamt. I. 93.: ©erbet 2071 Gebote auf die diesjährige Lohernte der Gemeinden Dornholzhausen = 130 (Str., Ebersgöns = 110, Groß- Rechtenbach — 150, Hochelheim — 30, Klein-Rechtenbach — 60, Lützellinden Oberwald — 90, Markwald ----- 450, Niederkleen — 120, Oberkleen — 120", Reiskirchen — 150, Vollnkirchen — 120 und Volpertshausen — 70 Etr. und verschloffen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis 311111 21. d. Mts., vormittags 10 Uhr, zu welcher Zeit Eröffnung erfolgt, hierher einzureichen. Verkaufsbedingungcn, Karte über Lage :c. der Schläge tonnen hier eingefeben werden. Groß-Rechtenbach, 2066 den 7. März 1903. DaS Bürgermeisteramt. Zol)versteigerung Donnerstag den 12. Marz d. 3. werden versteigert aus den Tislrikteu Eichwald, Krebskopf, Köppernhelle und Zeifelbach: Stämme: Fichte 3 Stück von 13—17 cm mild. Turchnu, 8 m Länge, mit 0,43 im; Dcrbftangen: Fichte 32 Siück mit 2,29 im; Reisslängen: Fichte 30 Stück mit 0,41 frn; Scheiter rm: Buche 30, Eiche 4; Knüppel rm: Buche 6, Eiche 11, Radel 13; Reiser rm: Buche 144, Eiche 226, Radel 2, Aspe 10; Stöcke rm: Buche 5, Eiche 8, 9labcl 3. Tie Zujammenkumt ist vor- mittag» 10 Uhr auf der Chaussee Allertshausen—Beuern am Distr. Krcbskopf. Das Holz aus den Distrikten Köppernhelle und Zeifelbach wird nicht vorgezeigt. Londorf, den 6. Dkärz 1903. FreiherrL Oberförsterei Rabenau. ________Nicolaus.________ Hohmrsteigerung Donnerstag den 12. März von vormittags 9J/a Uhr an, soll in dem Anneroder Ge- mcindewald, in Abt. 19 Hute, nachvcrzcichnctes Holz versteigert werden: 328 Rm. Nadel-Knüppel, 1250 Nadel-Wellen. 69 Rin. Nadel- Stockhotz. Die Zusammenkunft ist auf der Grünbcrgcrstraße am Pfarrweg bei Brennholz Nr. 849. Annerod. 6. März 1903. Gr. Bürgermeisterei Annerod. Horn. 1991 Versteigerung Bon Nutz- im Lrcinitzblj. Samstag dcu 14. d. Mts., nachmittags 1 Uhr, fallen im Bahnhof Llch versteigert werden: 7,48 Fstni. Lindenholz-Stämme, 4,19 , 9ladelholz-Stäinine, 40 Rm. Brennholz. Tie Bedingungen werden daselbst befamit gegedeit. 20ü- Gießen, den 9. Diärz 1902. Großh. Bahmneifrsr^i VilL | Iagdverpachkung. Die Feld- und Waldjagü der Gemarkung Niederwetz, rechts des Wetzbaches, wird am Samstag, den 28. März d. Js., nachmittags 3 Uhr, in der Bender'fchen Wirtschaft hierfelbst auf 9 Jahre vom 1. Aprll d. Js. ab öffentlich verpachtet. Der Jagdbezirk ist 350 ha groß, hiervon entfallen 121 La auf Wald. Pachtbedingungen oder sonst jede gewünschte AuSkiinft werden von dem Unterzeichneten gerne mitgeteilt. Schmalbach, Kreis Wetzlar, den 4. März 1903. Der Bürgermeister. _______v. Hagen. 2061 yitustag öen 10. ö. Ms., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadl 55 dahier: 1 vollständige Ladeneinrichtung, 1 Eisschrarck, 1 Tezirnalwage, 1 Hackklotz und Dibbel aller Art, joioie 1 Kopierpresse. 20681 Born, Gerlchtsoolllieher. Stäöt. Schlachthaus. Freibank. Heule und morgen: 2078 ©jjlrrtkifd) .jO flfg. Während der Marktzeit findet der Berkaus des Fleijches in der Großfchlachwiehhaile sian. nach V orscuntt ues L J deutschen Arzneibuches, SLJj garantiert rein, empfiehlt Adolf Kieler, Viktoria-Drogerie. a ktsttasae r. 2055 N ’c ^ttKödjin | cmpficb.. . j den geehrten tzerr- schaiten zu bevorstehenden ^eit- iKDUiie«. CffecL Sormeastr. 31. Statt jeder besonderen Anzeige. Die glückliche Geburt einer gefunden Tochter zeigen hocherfreut an Ferdinand Baer und Fran geb. Rothschild. Gießen, den 6. März 1903. 01075 WdlillWn GchMttin Die Proben zu den Jahreszeiten von Haydn beginnen erst Moirtag den 16. März, abends 8 Uhr. Anmeldungen neuer Mitglieder nimmt der Großherzogl. Universitäts-Musikdirektor an den Probeabenden, sowie in seiner Wohnung, Moltkcstraße 6, entgegen.2075 Amateure u. 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