Donnerstag 8. Oktober 1903 Erstes Matt. 153. Jahrgang n alle Aie Darmstädter Kermähtungsseier. ii. R. B. Darmstadt, 7. Okt. gegen ärztliche Rezepte erhältlich. Bezüglich der Ausführungsbestimmungen zum Süßstoffgesetz hat das Reichsschatzami dem Vorsitzenden des Deutschen Apotheker- vererns auf eine Eingabe jetzt folgendes geantwortet: Die Auffassung, daß § 13 des Gesetzes sich nur auf solche Apotheker beziehe, die neben der Apotheke die fabrikmäßige Herstellung von süßstoffhaltigen Waren für den Großhandel betreiben, nicht aber auf Apotheken Anwendung zu finden habe, welche solche Waren nur zum diretten Absatz an das Publikum (die Konsumenten) Herstellen, findet im Süßstoffgesetz und den Ausführungsbestimmungen dazu keine Unterlage. Nach § 13 der Ausführungsbestimmungen sollen die im § 7 Abs. 2 und den §§ 10 und 11 für die Apotheker erlassenen milderen Vorschriften keine Anwendung finden, wenn und soweit die Apotheken süßstoffhaltige Waren zum Verkaufe Herstellen. In diesem Falle sollen die Apotheker vielmehr als Gewerbetreibende der im § 4 Abs.' 2 zu d. des Gesetzes bezeichneten Art angesehen und den für diese erlassenen schärferen Bestimmungen unterstellt werden. Eine Unterscheidung zwischen denjenigen Apothekern, welche die süßstoffhaltigen Waren zum Großhandel, und denjenigen, welche sie zum Absatz im Handverkäufe Herstellen, ist dabei nicht gemacht. Alle Apotheker, welche süßstoffhaltige Waren, wie Saccharin, Strychningetreide, Salol-Mund- wnsser, versüßten Lebertran u. s. w., zum Verkauf Herstellen wollen, auch diejenigen, welche bereits Inhaber eines Süßstoff - Bezugsscheines nach Muster I sind und die hergestellten Waren nur im Handverkäufe des eigenen Geschäfts abzusetzen beabsichtigen, haben hiernach bei der zuständigen Steuerbehörde die Erlaubnis zur Herstellung der süßstoffhaltigen Waren nachzusuchen, welche durch Ausstellung eines Bezugsscheines nach Muster 2 erteilt wird, unterliegen hinsichtlich des genannten Betriebes der steuerbehördlichen Aufsicht und haben die für solche Betriebe vorgesehene besondere Buchführung zu beobachten. Das Süßstoffgesetz räumt eben den Apothekern nur hinsichtlich des Handels mit Süßstoff, nicht aber auch hinsichtlich der Herstellung süßstoffhalriger Waren besondere Vorteile gegenüber den übrigen Gewerbetreibenden ein, und dieser Sachverhalt ist in den Ausführungsbestimmungen insbesondere im § 13 klar zum Ausdruck gebracht worden. Kecr und Alotie. Im Verlage der Hofbuchhandlung von Karl Siegismund in Berlin erschien soeben Stecherts Armee-Einteilung und Quartier-Liste des deutschen Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine. Nach amtlichen Quellen bearbeitet und herausgegeben von der Redaktion des Deutschen Soldatenhortes. Einzelpreis 80 Pfg. — Die Armee-Liste enthält eine tabellarische Zusammenstellung aller Truppenteile der deutschen Armee mit namentlicher Angabe des Chefs (Inhaber), Kommandeure und Standorte, sowie kurze Uniform-Beschreibungen rc. Die Abteilung „Kaiserliche Marine" enthält die Personalien des Reichsmarine-Amtes, die Oberkommandos und Inspektionen, die Küstenbezirke, Verwaltungsbehörden, Schuhtruppen für die Kolonien, das ostasiatische Expeditionskorps und eine Liste Sr. Maj. Kriegsschiffe nebst Deplacement und Pferdekräften. Für den praktischen Gebrauch aller Behörden ist dieses Armee-Schema ein unentbehrliches Hilfsmittel. Hinsichtlich der höheren Chargen bietet es einen Ersatz der großen Rangliste. Kirche und Schule. Hamburg, 7. Okt. Heute vormittag firnd anläßlich der hier tagenden 56. Hauptversammlung des Gustav A d o l s - Ve r e i n s in der St. Michaelskirche Festgottes- dienst statt, bei dem Oberhosprediger D. Dryander die Festpredigt hielt . Darauf folgte die erste öffentliche Haupit- versammlung im großen Saale des Konventgartens. Bor Beginn derselben begrüßte der regierende Bürgermeister Dr. Burchard die Versammlung und zugleich mit ihr ihr den Gesamtverein der Gustav Adolfstiftung namens des Senats. In Beantwortung dieser Begrüßung hielt der Vorsitzende Geh. Kirchenrat D. Pank die EröffnUngs- ansprache, der weitere Begrüßungen folgten: seitens^ der Geistlichkeit Hamburgs und seiner Kirchen gemeind en durch den Senior Behrmann, seitens des evangelischen Oberkirchenrats in Berlin durch Oberkonsistorialrat Koch, seitens des Hamburger Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung durch Hauptpastor v. Broeker. Politische Tagesschair Zum Süßstofigesey. Seit Inkrafttreten des Süßstoffgesetzes sind bekanntlich Süßstoffe, wie Saccharin rc., nur in Apotheken Aus Atadt und Lanö. Gießen, den 8. Oktober 1903. Der Nachdruck unserer Originalartikcl wird nur unter Zitierung in der Form „Gieß. Auz." gestattet. ** Personals eränderungen des Ober-Po st» direktionsbezirks Darmstadt. Se. Kgl. Hoheit der Großh^rzog haben dem Oberbriefträger Kern in Lollar bei dessen Scheiden aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. — Versetzt sind: Der Ober-Postassistent Eigen- brodt von Wetzlar nach Darmstadt; die Postasfistenten Heumüller von Friedberg nach ^Darmstadt, Keßler von Niederolm nach Friedberg. — Bestanden hat die Postsekretärprüfung der Ober-Postassistent Petri in Grünberg. — Angenommen ist zur Telegraphengehilfin Hermine Nötig in Gießen. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Jmn 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat September 1903 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 15.60, Heu Mk. 6.40, Stroh Mk. 4.15. Gießen, den 6. Oktober 1903. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert. milder Mailüste .... v , , 8 Uhr sah man zahlreiche Hofwagen in geschäftiger Eile dahersahren und von der zehnten Stunde ab strömten so viele auswärtige Besucher in die Stadt, daß man sich fast wie auf eine der Hauptverkehrsadern der großen Städte versetzt glauben konnte. Auch in den Kreisen der fürstlichen Hochzeitsgäste regte sichi's frühzeitig. Viele derselben machten Einkäufe oder statteten Besuche ab, so die Königin von England bei den griechischen Majestäten im Residenzschloß. Den Zaren sah man, von seiner Gattin begleitet, Nr 236 Erscheint tLgttch außer Sonnlags, Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche dergelegt. RotatwnSdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univerl.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Aie Todesstrafe. Die jüngst in Mainz abgehaltene Landeskonferenz der hessischen Sozialdemokratie hatte einen Antrag angenommen, der mit Entschiedenheit die Abschaffung der Todesstrafe fordert und die Erwartung ausspricht, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion beün Zusammentritt des Reichstags als Jnv- tiativantrag den Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe einbringt. Tie Frage, ob dem Staat das Recht zustehe, die Todesstrafe zu verhängen, gehört zu den nm schwierigsten zu lösenden, die überhaupt auf rechtsphilosophischem und rechtspolitischem Gebiet existieren. Die meisten Regierungen sind zu einer Bejahung gelangt. Rur wenige Staaten, wie Italien, Rumänien, Holland, Portugal, einige nord- amerikanische Staaten und einzelne Schweizer Kantone haben ihr Nein gesprochen. In Anhalt, Bremen, Oldenburg und Sachsen war die Todesstrafe vor dem Bestehen des norddeutschen Strafgesetzbuches ab geschafft, auch in Oesterreich in den Jahren 1787—96. Der norddeutsche Reichstag entschied sich im Jahre 1870 für die Abschaffung der Todesstrafe, doch gab man, rrm das Zustandekommen des Strafgesetzbuches nicht zu verhindern, den Widerstand gegen die Regierung, die für die Todesstrafe plädierte, auf. Ein gewisser Fortschritt gegen frühere Zeiten ist in doppelter Beziehung anzuerkennen. Die sogenannte geschärfte Todesstrafe, d. h eine Todesstrafe unter Martern, die das ältere Straftecht noch kannte, ist im Rückgang begriffen, der Vollzug mittels Guillotine oder Elektrizität sorgt für möglichste Schjmerzlosigkeit. Doch erwürgt man noch in England, Oesterreich und den meisten amerikanischen Staaten die Verbrecher am Galgen, und in Spanien kommt die Garotte (der Bruch des Halswirbels) zur Anwendung. Andererseits ist die Zahl der Vergehen, auf die man die Todesstrafe gesetzt hat, eingeschränkt worden. Im Deutschen Reich tritt sie nur noch für Mord und hochverräterischen Mordversuch, sowie bei Eintritt des Kriegsrechts für acht weitere Delikte in Geltung, außerdem findet sie sich in dem Sprengstosfgesetz von 1884 und in dem Gesetz über Slavenraub von 1895. Die angegebener! teilweisen Besserungen kommen zwar in praktischer, nicht aber in prinzipieller Bedeutung in Betracht. Nach wie vor gehen die Meinungen über das Recht des Staates, die Todesstrafe zu vollziehen, weit auseinander. Es giebt ja Fälle, in denen ohne Widerspruch das Recht, ein Menschenleben zu vernichten, um auch nur ein einziges anderes Vtenschenleben zu erhalten, anerkannt wird. Tas ist B. der Fall der Notwehr. Das ist weiter der Fall, der es dem Arzt zur Pflicht macht, bei der Entbindung das Leben des Kindes zu zerstören, wenn kein Zweifel darüber besteht, daß sonst die Mutter das Leben des Kindes mit ihrem eigenen Leben erkaufen müßte. Hat nun etwa der Staat das Recht, oder hat er sogar die Pflicht, durch Proklamierung eures Abschreckungsshsiems einer unbestimmbar großen Anzahl rechtschaffener, seinem Schutz anvertrauter Personen ihr Leben zu sichern - In dem neuesten Hefte der Zeitschrift „Es werde Licht", Verlag von O. Th. Scholl in München (Preis pro Heft 40 Pfg.) bejaht Georg Rost diese Frage, und zwar, wie er sagt, weil Abschreckung etwas durchaus Jmmensurables, Unreales ist, die Zahl der Menschenleben, die etwa gerettet werden können, eine unbekarmte Gröhe und weil ferner die Zahl derer, die absolut unverbesserlich sind, die n' vielleicht doch nach einer Reihe von Jahren voll Ren. jlch zu einem bessern Menschen verwandeln, sich ebenfalls nicht be- stllnmen läßt. Man überliefert eine ganze Anzahl von Menschen dem Tode, weil man an nimmt, es werden dadurch so und so viele Menschenleben gerettet werden, and raubt dadurch jenen jede Möglichkeit, ein Besserung^- werk zu vollziehen. Auch darf nicht übersehen werden, daß die Theorie der Abschreckung nur auf einen Tell der verbrecherisch veranlagten Naturen einwirtt, während andere ihren Zynismus noch auf dem Schaffst bewahren und durch ihr Verhalten zur Genüge dartun, daß ihnen der Gedanke an ihren letzten Augenblick und das, was ihm folgen könnte, nicht den geringsten Skrupel verursacht. Und man hat auch mehr als einmal Verbrecher kennen gelernt, die die Todesstrafe fanatisch als ein Martyrium begrüßten, das sie als moderne Herostrate mit der Aureole ewigen „Ruhmes" um- giebt. In den Reihen der Anarchisten sind diese Märtyrer weniger selten, als man im allgemeinen wohl anzunehmen geneigt ist. Weniger Gewicht legt Rost auf jenen Einwand der Gegner der Todessttase, der mit Vorliebe von ihnen ins Feld geführt wird und den sogenannten Justizmor d betrifft. Dieser ist nicht nur außerordentlich selten, er läßt sich wobt auch fast gänzlich verhindern, wenn bei dem Aus- spruch der Todesstrafe die peinlichste Prüfung aller Zeugenaussagen und Beweisstücke stattfindet und bloße Indizienbeweise völlig ausgeschlossen bleiben. Das ist eine Forderung, die auch Dietrich T h e d e n in seinem soeben vom Verein der Bücherfteunde in Berlin W. 30 herausgegebenen Roman „Leben um Leben" ausspricht. Der Erzähler hält es für „weiser und gerechter, zehn Schuldige freizusprechen, als nur einen Unschuldigen Deut Grauen und der Schande des Kerkers oder gar des Todes durch H-enkershand auszuliefern." im leichtew grauen Anzug und grauem Schlapphut durch die Wil Helminenstraße gehen und in einem Laden daselbst Schmuckgegenstände auswählen. Am Mittag fand Luncheon im Neuen Palais statt. Bon dem Rout bei den Batten- bergischen Herrschaften ist noch zu berichten, daß er bis kurz vor Mitternacht dauerte und in ungezwungener Weise verlief. Aus der Empore des Saales konzertterte die Kapelle des 23. Drago ner-Hiegiments in dezenter Weise, und für die leibliche Labung sorgten zwei reichbesetzte Buffets. Allgemein bemerkt wurde die hellere, leutselige Art, in der sich der Zar mit vielen der ihm schon von fmiher her bekannten Persönlichkellen unterhielt. Auch der Großherzog war in bester Stinrmung und verließ als letzter der fürstlichen Gäste das Fest. Sxute nachmittag waren schon stundenlcnrg vor Beginn der Trauung die Zufahrtstraßen zum Resideuzschloß dicht von Menschen besetzt. In bem nördlichen Irmenhof führte ein mit Lorbeerbäumen geschmückter Verbindungsweg vom Schloßportal zur Schloßkllche und hier war es einem kleineren Kreis von Zuschauern gestattet, den Hochzeitszug mit anzusehen. Nachdem die höchsten Hofchargen und das Gefolge in der Kirche Ausstellung genommen, erschien der von 18 Paaren gebildete Hochzeitszug. Die jüngsten Paare schritten voran, den Schluß bildeten der Großyerzog mit der Zarin und der Zar mit der Königin von England. Ferner führte Prinz Heinrich die Kronprinzessin von Griechenland, der Kronprinz die Großfürstin Sergius, Großfürst Sergius die Prinzessin .Heinrich, der Herzog von Teck die Herzogin Wera von Württemberg usf. Braut und Bräutigam befanden sich in Begleitung ihrer Eltern. Die Toilettenpracht war eine außerordentliche, die weiße Farbe dominierte fast vollständig. Die Zarin trug eine hellgelbe Robe mit wunderbarem Spitzenbesatz und Diamanten. Die noch geradezu jugendlich schön erscheinende Königin von England hatte ein marsfarbenes Seidenkostüm mit flitterbesetztem Ueberlleid und die Königin von Griechenland trug ganz mattgraue Seide mit reichen Spitzenverzierungen. Die er- fteulicherweise nicht in Wien oder Paris, sondern in Darmstadt angesertigte Brauttoilette war der jugendlichen Braut entsprechend g anz in weißer Seide und Crepe de Chine gehalten. Den schönsten Schmuck bilden die kostbaren Spitzen, deren Muster Orangeblüten und Mhrthen darftellen. Diese Spitzen, ein Geschenk der Königin Viktoria von England, haben auch schon die Brauttolletten der Großmutter und der Mutter der Prinzessin Mice geschmückt. Der Brautschleier ist aus denselben echten Spitzen geferttgt. Die seierliche Handlung in der Kirche begann mll einer vom Hofopernchor intonierten Festhymne, die Hoskapell- melfter de Haan für diejen Anlaß komponiert hat. Dann hielt Superintendent Oberkonsistorialrat Petersen eine sehr eindrucksvolle Traurede, der er das Mbelwort: „Friede fei mit Euch!" zu Grunde legte. Hosprediger Ehrhardt sprach Schlußgebet und Segen. Mit dem vom Süngerchor vorge- tragenen „Halleluja" von Händel schloß die erhebende Feier. Bei der Rückkehr aus der Kirche ins Schloß schritt der Zar mit der Königin von England und der Großherzog mit der Zarin voran. Nach kurzem Verweilen im Schüsse begaben sich die fürstlichien Herrschasten zur Trauung nach der russischen Kapelle. Die Trauzeremonie, die hier der griechische Archimandrit Vlachov aus München vollzog, ist namentlich für die Braut sehr angröisend und dauerte etwa li/2 Stunden. Nach Beendigung der Feier fuhren die fürstlichen Hochzellsteilnehmer ins Alte Palais, wo die eigentliche Hochzellstafel zu 40 Gedecken stattfand. Die jungen Neuvermählten verließen die Tafel gegen 7 Uhr mit verschiedenen Anverwandten, um noch im Residenzschlosse Gratulationskour abzuhallen. Inzwischen war das mit Guirlanden geschmückte Automobil, ein Geschenk des Zaren, aus dem Alten Palais in die Bessunger Vorstadt geführt worden, um Aufsehen und Unfälle zu vermeiden, und dort wurde es von bem jungen Ehepaar bestiegen, das damit nach Schloß Heiligenberg bei Jugenheim fuhr. Die Bevölkerung des" Ortes hatte zu Ehren der Neuvermählten Fesffchmuck angelegt und beabsichtigten auch eine Illumination. Gegen 91/2 llhr dürsten sie heute abend daselbst cm^ gekommen sein. Beznasprets. © W monatlich75tJU otertei» ipteSSSK« V _ jährlich Mk. 2.20; durch Eichener Anzeiger M General-Anzeiger v äsxs Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM 3P xa/ r ** 8etgenteU; van« Beck. Nach den düsteren, stürmischen Regentagen kündete heute früh schon Heller Sonnenschein einen vielverheißenden Festtag an, und schnell belebten sich unter dem Einfluß auch die Feststraßen. Schon bald nach streiche Hofwagen )( Nllendorf a. d. Lda., 6. Okt. Auf der Lüllschen Kegelbahn hier wurde am Sonntag ein stark besuchtes Preiskegeln abgehalten, wobei 58 Teilnehmer konkurrierten. Am Abend sand mancher der Nichtpreisgekrönten seine Rechnung ttemi Freibier. y. Lehrerheim Vogelsberg. Am 3. d. Mts. fand eine außerordentliche Generalversammlung des Vereins Lehrerheim Vogelsberg" statt. Buchdruckereibesitzer Engel, Schotten, referierte als zweiter Vorsitzender kurz über die Tätigkeit des Vorstandes und namentlich des geschäfts- führendcn Ausschusses seit der letzten Versammlung. Ehe zur Erledigung der Tagesordnung geschritten wurde, ergriff der trotz Sturm und Regen erschienene Obmann des hessischen Landeslehrervereins, Oberlehrer Backes von Darmstadt, das Wort, um der ersprießlichen Tättgkeit des ersten Vorsitzenden, des Lehrers Link von Rudingshain, wanne Worte der Anerkennung zu zolleu. Die nächste Generalversammlung soll in Verbindung mit der nächstjährigen Delegiertenversammlung des hessischen Landeslehrer-Vereins in Bad-Nauheim statt- finden, während in Zukunst wieder alle derartigen Versannn- lungen im Herbst auf dem Lchrerhcim selbst äbgehalten werden sollen. Frankfurt a. M., 6. Okt. Opernsänger Paul Greef wirkt sett 1889 am hiesigen Opernhaus und begeht am 15. Oktober sein 2 5jähriges Bühnenjubiläum. An seinem Iubettage wird er m einer seiner Glanzrollen, als Marcel in den „Hugenotten", auftreten. Zer 7. deutsche Aortbildungsschultag. Vorstand und Ausschuß des deutschen Vereins für das Fortbttdungsschulwesen beschlossen z>u Hamburg einstimmig, den Antrag, beim Reichskanzler dahin z>u petitionieren, daß durch Ortsstatut für in gewerblichen Betrieben und überhaupt gegen Gehalt oder Lohn beschäftigte Mädchen, die aus der Schule entlassen sind, Fortbildungsschulen mit Pflichtbesuch errichtet werden dürfen, auf die Tagesordnung des nächsten Fortbildungsschultages zu setzen. Im Jahre 1904 werden in Frankfurt a. M. nach den Sommerferien Kurse für Fortbilduuasschullchrcr abgehalten werden. Ter 7. deutsche Fortbildungsschultag wurde unter überaus zahlreicher Beteiligung eröffnet. Einen Vortrag über die aus den Forderungen der Gegerrwart sich ergebenden Aufgaben der Fortbildungsschule hielt Direktor Pache- Leipzig. Er führte aus, daß es notwendig ist, im Interesse der Sittlichkeit auftlärend und bewahrend zu wirten, den Wollen der jungen Leute zu krästtgen und auch neben der Schule durch besondere Veranstaltungen (Spielplatz, Lesezimmer, Unterhattungsabende) erzieherisch zu wirken. Der Redner vertrat mit Entschiedenheit den Standpunkt, daß, je steier der Staat ist, um so strenger die Erziehung sein muß. Endlich veralngte er, daß im Interesse des Erwerbes und der Familie eine tiefere Berufsbildung vermittelt werde. Teshalb sei der Fortbildungsschule der Pflichtbesuch und der Berufsunterricht zu geben. Diesem Schulzwang hätten die Angehörigen aller Erwerbszweige und die schulentlassenen Mädchen zu unterliegen. Nach langer Debatte beschloß die Versammlung: ,Lm Interesse von Staat, Gesell- schaft und Familie liegt es, die Einführung der obligatorischen, beruflichen Fortbildungsschule so bald und so weit wie möglich zu verwirklichen." In seiner Generalversammlung nahm der Verein für das Fortbildungsschulwesen die Berichte des 1. Vorsitzenden, Direktor Pache, und des Kassierers entgegen. In den Ausschuß wurden gewählt u. a.: Direktor Neuschäfer-Frankfurt a. M., Schulrat Bornmann-Kassel, Ministerialrat Dr. Eisenhut-Tarmstadt, Frau Dr. Goldschmidt-Leipzig, Prof. Dr. Kamp-Bonn, Schulrat Dr. Lüngen-Frankfurt a. Ml In der zweiten Versammlung des 7. Fortbildungsschultages sprach Direktor Haese-Erfurt über den Lehrplan der gewerblichen Fortbildungsschule und die Konzeittr allons idee. Er vertrat folgende Gedanken: „Der Lehrplan der Fortbildungsschule hat solche Bildungsstoffe aufzunehmen, die auf Grund des Bildungsprinzips den Bildungszweck haben: a) den Schüler theoretisch zu einem tüchtigen Gewerbetreibenden auszubilden, b) seine allgemeine Bildung zu er- wettern, c) ihn zu einem sittlichen Charakter zu erziehen. Dem Bildungszwecke entspricht die Bildungsanstatt der Gewerbekunde bei richtiger didakttscher Verwertung nach der materialen, formalen und ethischen Seite in so hervorragender Weise, daß die Gewerbekunde als ein Hauptlehrfach neben den allgemein anerkannten Unterrichtsgegenständen anzusehen ist. Der Bildungserfolg wird um so besser gewährleistet, je mehr der Lehrplan die Bildungsstoffe nach den Grundsätzen einer vernünftigen Konzentration anordnet. Die Gewerbekunde ist mehr als andere Unterrichtsgegenständegeeignet, das führende Unterrichtsfach bei einer hegemonischen Konzentration zu sein." Nach langer Debatte wurde einstimmig beschlossen: „Die Gewerbekunde ist mehr als andere Unterrichtsgegenstände geeignet, das führende Unterrichtsfach in der gewerblichen Fortbildungsschule zu sein." Kin Stügelprozeß. L Bayreuth, 7. Okt. Vor dem hiesigen Schwurgericht hat sich der frühere Kandidat der Rechte und Priva rlehrer Andreas Dippold aus Trosendorf bei Hollfeld in Bayern unter der Anklage der Körperverletzung mit tödlichem Ausgange zu verantworten. Wie noch erinnerlich sein dürste, waren dem Angeklagten von dem Direktor der Deutschen Bank, Koch, in Berlin dessen beide im Alter von 15 und 13 Jahren stehenden Söhne He in- rich und Karl während einer Urlaubsreise des Direktors anvertraut worden, nachdem Dippold schon früher den Privatunterricht der reich begabten Kinder in Berlin und auf dem Landgute des Direktors in der Mark geleitet hatte. Schon damals soll Dippold ein nervöses, aufgeregtes Wesen an den Tag gelegt haben, welchem Umstande man jedoch seitens der Eltern fein Gewicht beimaß, da der Kandidat kurz vor dem Examen stand. Man glaubte vielmehr, daß sich dieser Zustand in den Ferien, die Dippold bei seinen Eltern in dem oberfränkischen Orte Dxosendorf verleben wollte, bessern würde, und gab ihm deshalb unbedenklich die beiden Kinder mit, damit ihr Unterricht keine Unterbrechung erleide. Sehr bald nach seinem Ein- trefsen in Trosendorf bemerkten jedoch die Eltern und Nachbarn des Kandidaten, daß dieser namentlich den älteren Knaben Heinrich Koch äußerst scharf herannahm und ihn wiederholt auf das jämmerlichste prügelte. Auf entsprechende Vorhaltungen gab Tippold stets an, Heinrich sei ein sehr fauler und unaufmerksamer Schüler und daber habe er (Dipp old' vom Tirektor Koch den stritten Befehl erhalten, dem Knaben nichts durchgehen zu lassen,! sondern ihn eventuell auch körperlich zu züchtigen. Diese Züchtigungen sollen nun, wie die Anklage behauptet, am 10. März d. I. den Tod des bemitleidenswerten Opfers der Willkür des Prügelpädagogen herbeigeführt haben. Dippold war sechs Wochen der Kreis- irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen. Die Untersuchung hat jedoch nichts ergeben, was zu der Annahme berechtigen könnte, daß der Angeklagte für seine Handlungen nicht verantwortlich zu machen ist, und er hat sich daher vor den Geschworenen wegen Vergehens gegen § 226 des Str.- G.-B. in einem Falle zu verantworten. Der Angeklagte erzählt in sehr weitschweifiger Weise seine Lebensgeschichte und bemerkt: Heinz Koch nannte mich eines Tages „Kamel". Ja- stellte den Knaben deshalb zur Rede. Daraus antwortete der Knabe: „Sie sind ein Kamel." Ich versetzte darauf dem Knaben eine Ohrfeige. Der Junge schrie und sagte: „Ich werde es Mama sagen." Ties tat auch Heinz. Ich sagte darauf zu Frau Direktor Koch: Die Jungens sind so ungeberdig, daß ich es für unumgänglich notwendig halte, ein spanisches Rohr anzu- schaffen, denn bloße Drohungen nützen nichts. Frau Direktor Koch gestattete mir die Anschaffung eines spanischen Rohrs. Der Angeklagte erzählt weiter, daß er die Knaben bei Begehung „geheimer Jugendsünden" betroffen habe. Er habe daher mit den Jungen alle möglichen körperlichen Hebungen vorgenommen, um sie von diesem Laster abzubringen. Der Angeklagte erzählt in ausführlicher Weise, daß er zunächst bemüht war, die Knaben durch Strafpredigten von dem erwähnten Laster abzubringen. Dies habe jedoch nichts geholfen. Er habe schließlich eingesehen, daß nur eine starke Züchtigung imstande sei, die Jungens von dem Laster abzubringen. Ich habe die Jungens einige Male des Nachts sehr heftig geschlagen. Die Sck-läge mußten sehr heftig jein, damit die Jungens sahen, daß es voller Ernst sei. Die Schläge waren aber nicht lebensgefährlich, im Gegenteil, die Jungens waren am folgenden Morgen wie „ausgewechselt". Sie waren munter, fröhlicher und lernten auch bedeutend fleißiger und mit größerem Erfolg. Die Jungens sagten mir sogar: Jetzt sehen sie ein, daß sie von dem Laster ablassen müßten. Ich bemerke auch, daß ich die Knaben oftmals barfuß laufen, sie auch kälte Sturzbäder nehmen ließ, um sie körperlich abzuhärten, davon haben aber die Jungens keine erfrorenen Füße bekommen. Auf Veranlassung von Frau Koch sei er mit den Jungens zu den Weihnachtsfeiertagen 1902 nach Berlin gefahren. Die Knaben wiederholten ihre „geheimen Sünden", er sei daher genötigt gewesen, wiederholt eine starke Züchtigung vorzunehmen. Am 8. März 1903 sei er, einer argen Unart wagen, genötigt gewesen, Heinz wiederum zu züchtigen. Der Angeklagte fährt fort: Eines Llbends ließ sich Heinz umfallen. Ich hielt es für Simulation, da kein Grund zum Umfallen vorlag. Auch Jojo (Joachim) sagte, es sei kein Grund vorhanden .In der Nacht vom 8. und 9. März hatte Heinz sein Bett verunreinigt. Ich sagte, Heinz müsse zur Strafe auf der Matratze am Boden liegen. Heinz arbeitete nachmittags sehr nachlässig. Ich- sagte, er solle sich vor seinem Bruder schämen und ich müsse ihm ein paar Schläge mist dem Stöckchen aus die Hand geben. Nachts mußte Heinz auf dem Boden schlafen. Da es mir schien, als ob er sich ins Bett gelegt habe, band ich ihm die Hande. Am 10. März sagte Heinz, er habe noch nicht ausgeschlafen; er möchte Wetter schlafen. Ich fragte ihn, ob er Schmerzen habe. Er sagte mir, er habe bloß nicht ans- geschlafen. Nack- dem Frühstüa ging er an sein Pult, wo er umfiel. Ich mußte das als Simulation ansehen. Heinz wollte immer schlafen, und ich gab dies auch zu. Er sollle sich auf seine 'Matratze legen. Heinz verlangte später ein Schlafpulver, was er auch begierig trank. Er schlief dann ein. Als ich in das Zimmer zu Heinz ging, fand ich ihn, den Kopf zusammengesunken und die Mangen eingefallen. Er war t o t. Jry horchte am Herren und auf den Atem, konnte aber nichts mehr vernehmen. Ich konnte gar nicht glauben, daß Heinz tot sei, und schickte deshalb zum Arzt. Mir war dieses Ereignis völlig unglaublich ich sagte mir, da müsse ein innerer organischer Fehler des Knaben die Todesursache sein. Ich habe deshalb Dr. Severin gebeten, die Sektion der Leiche vorzunehmen. Dr. Severin sagte: So eine Pantscherei habe ich in meinem Leben nicht vorgenommen, es ist besser, die Sache wird dem Landgerichtsarzt angezeigt. Präs.: Sie sagen, daß Sie die Knaben in Ballenstedt zwei und in Drosendorf zwei oder drei Mal geschlagen haben. Angell.: Ja, den Kleinen drei Mal. Präs.: Sie haben die Knaben in Ballenstedt furchtbar geschlagen, und zwar mit diesen Stöcken hier. An der^Krücke des Rohrstockes befindet sich n och Blut. (Sensation im Publikum.) Ängekl.: Mit der Stockkrücke habe ich niemals zugeschlagen. Mit dem Ziegenhainer habe ich den Kleinen nur einmal im Walde gezüchtigt, weil er ungezogen war. Präs.: Sie haben öfter Stöcke gekauft, roeiMbie anderen zerschlagen waren; Sie haben gesagt, das Stöckeiaufen käme Ihnen zu teuer, da sei es besser, sick- im Walde frische Stöcke zu schneiden. Am 29. Januar haben Sie den Heinz so fürchterlich mißhandelt, daß er durchbranrtte. Angell.: Ja, das war die Züchtigung, weshalb Heinz floh. Präs.: Haben Sie die Kinder auf den bloßen Leib geschlagen? Angell.: Nein — die Knaben hatten Hosen von englischem Stoff; diese Hosen habe ich zurückgeschlagen, denn sonst hätten die Schläge keine Wirkung gehabt. Präs.: In den Betten sanden sich ganz große Blutflecken. Angell.: Jojo hatte sich im Walde am Bein verkett, davon rühren die Blutspuren her. Auch haben die Knaben häufig ihre Fingernägel so ibgelaul, daß Blut geflossen ist. Bors.: Sie haben die Kinder auf den Tisch gelegt und mit Stricken festgebunden? Angell.: Ja, um die Knaben von ihtem Laster abzuhalten. Präs.: Sie haben sich so benommen, daß man zur Annahme kommt, daß Sie die I u n g e n g e r a d e z u z u d e m L a st e r suggeriert haben. Angell.: Diesen Gedanken spricht Herr Gerichtspräsident mir gegenüber als der Erste aus, so was wäre mir nie eingefallen. Präs.: Haben Sie im letzten Augenblick des Todes des .Heinz Koch ihm nicht einen Knebel in den Mund gesteckt? Angell.: Nein; es lief ihm aus der Nase ein Sekret; ich tagte zu Jojo, er solle ein Taschentuch- holen, womit ich dem Heinz die Nase wischte. Da kann der Jojo gedacht haben, ich wendete einen Knebel an, das ist aber nicht wahr. Ich glaubte, Heinz liege in einer tiefen Ohnmacht, weil ich nicht glauben konnte, daß er tot sei. Präs.: Jojo soll zwcki Stunden mit dem toten Heinz eingesperrt gewesen (ein. Angell.: Jojo mußte ins Nebenzimmer und dort arbeiten. Den toten Schüler habe ich nut der Haushälterin in das zweite Zimmer getragen. Staats anwalt: Ich möchte über die erste Züchtigung ausführliche Mitteilung. Angell.: Ich habe die Jungen ins Bett gebunden, mit den Händen oben, mit den Füßen nach unten an das Bett. Ich habe sie angebunden, damit ich sie nicht auf eine gefährliche Stelle treffe. 12 bis 15 Schläge von verschiedener Schwere. Geblutet haben die Striemen erst durch Aufjucken. Staatsanw.: Ist diese Züchtigung in der flacht borgenommen worden und wann? Angell.: Zwischen 11 und 12 Uhr, weil die Jungen nicht ruhig waren. Staatsanw.: Hat Jojo bei der Züchtigung des Heinz zuschauen müssen? Angell.: Das ist richtig, Jungen waren im Schlafzimmer. Jo-o hat in der Nacht darauf Schläge bekommen, da er sich tagsüber nicht richtig benommen hatte. Staatsanw.: Ist es wahr, daß Heinz Koch früh um 4 Uhr aus einem Fenster des Schlosses sprang und barfuß zu dem Gärtner lief, um Hilfe zu suchen, der Dippold wolle ihn ermorden? Anaekl.: Das ist richtig. Aber das war eine abgekartete Geschichte, da Heinz möglichst bald now Berlin wollte. Präs.: Haben Sie mit einem (Sif en ft ab zugeschlagen? Angell.: Das muß eine Verwechslung mit meinem silbernen Krückstock sein. Präs.: Haben Sie die Buben mit Füßen getreten? Angell.: Nie, beim Dauerlauf ist es borge» kommen, daß ich mit dem Bein einen Schlag bersetzte. Wenn die Jungen sich prügelten und mir im Wege lagen,, schob ich sie mit dem Fuße beiseite. Staatsanw. Im Tagebuch des Angeklagten steht: Jojo habe sich mit dem Teufel berbunden in einer Gewitternacht. Ich schlage ihn bis zur Bewußtlosigkeit. Der Teufel ist dann ausgefahren. Angell.: Ich halte für möglich, daß ein Junge solches Zeug vom Teufel glaubt. Awch mein Vorgänger als Lehrer hielt'Jojo zeitweilig für verrückt. Staatsanw.: $xit der Angeklagte die Jnnoen zwei bis drei Stunden nachts vor dem Bett stehen lassen? Angekl.: Niemals, höchstens einige Minuten. Staatsanw.: Den Jungen soll die Schlagader zngedrückt worden sein, z. B. soll Jojo einmal eine halbe Stunde bewußtlos am Boden gelegenhaben? Angekl.: Wer bewußtlos ist, weiß nicht, wie lange er bewußtlos ist. Wenn ich meinen St o ck genommen habe, i st d i e Bewußtlosigkeit gleich gewichen! (Anhaltende Bewegung im Publikum.) Präs.: In einem Briefe haben Sie selbst zugegeben, daß die Weise, zu schlagen, barbarisch war. Angek'n: Wenn man die Jungen nicht kennt, ist das zu begreifen. 1. Zeuge: Lehrer Vorndran, bestätigt, daß sich der Angeklagte mit seiner Tochter verlobte. Als Vorndran den schlechten Lebenswandel des Dippold in Würzburg erfuhr, löste er das Verlöbnis. Tippold schrieb schmeichlerisch-heuchlerische Briefe. Er schimpfte über die Judengesellschaft in Berlin und betonte, er sei nur froh, daß gleich neben der Universität sich die katholische Kirche befinde. 2. Zeugin: Maria Brod, Büttnermeisterswitwe in Würzburg, bei welcher der Angeklagte als Student wohnte, bekundet, daß er froh gewesen sei, aber sehr heftig. Er habe gesagt, wenn er heimkomme, fürchteten sich seine Geschwister vor ihm. 3. Zeuge: Rechtspraktikant Heppt von Würzburg, hat den Angeklagten im Jahre 1897 in Hallfeld kennen gelernt. Seinen Bruöer habe Tippold öfter geschlagen, sodaß jener oft weinte und ihm auch einmal die Nase blutete. Ter Angeklagte, darüber zur Rede gestellt, habe gesagt, daß er seinen Bruder nur prügle, um seine Wut an ihm auszulassen und um ihm das Studium zu verleiden, damit für ihn (den Angeklagten) allein das elterliche Geld zum Studium bleibe. Er huldigte dem Grundsatz Nietzsches: Die robuste Kraft entscheidet, das ^Schwache auf der Welt muß untergehen! 4. Zeuge: Einil Feldbaum, cand. jur. von Würzburg, bedauert, daß der Angellagte sein Bundesbruder (in der Adelphia) war. Dippold lttt an „Größenwahn", durch kolossale Redewendungen suchte er feine Unkennntnis zu verdecken ; Dippold war ein überspannter Aieusch, der sich über alles hinwegsetzte. Damals machte er Propaganda für den Bauernbund und redete über die Bodenzinse, er nannte diese eine Ungerechtigkeit, ohne die geschichtliche Entwickelung der Bodenzinse zu kennen. Er war großsprecherisch und schimpfte auf die besitzende Klasse. . Dabei bemerkte er immer: Ich hielt den Dippold stets für normal, für einen Scheinheiligen und 5^euchler. Ich dachte mir: entweder bringt er es recht wett, ober er endet recht tragisch Angell.: Die mit mir gleichaltrigen Herren haben jedenfalls meine damaligen Ausführungen gar nicht verstanden. ((Pächter im Auditorium. Dippold lächelt selbstgefällig.) 6. Zeuge: Eduard Töpfer, Stnd. Phil., bekundet, daß Tippold mehr gefürchtet, als beliebt war. Um Weihnachten teilte Tippold dem Zeugen von den sexuellen Lastern seiner Zöglinge mit, besonders des Heinz, und sagte, er müsse den Prügel gebrauchen, um dem liebel abzuhelfen; er zeigte auch ben zur Exekution benutzten Stock vor. Er sagte auch dem Zeugen, daß er einmal Jojo so geschlagen habe, daß er liegen blieb. Der Zeuge bekundet weiter, daß Dippold mit großem Abscheu auf fein früheres Leben zurückblickte und sehr bedauerte, jn> leichtsinnig gewesen zu sein. Ich halte ihn für ganz normal, er hat aber etwas an sich, sich von der Alltagswelt abzuheben. Töpfer glaubt nicht, daß Dippold ein so schweres Verbrechen begangen haben könne. Er tröstete Mppold in einem Briefe in freundschaftlichster Weise und verglich ihn als einen Helden der Tragödie, der ohne sein Verschulden und ohne sein Wissen ins Unglück geraten fei. Ter Angeklagte bemerkte hierzu, den Brief- schreiber könne man eher als geisteskrank erklären, als i hn. Zeuge: Ich bin sprachlos ob einer solchen Beschuldigung. (Bewegung int Publikum.) 7. Zeuge: Johannes Benser, Rechtskändidat, ftüherer Hauslehrer bei Direktor Koch, charakterisiert Heinz Koch durchaus nicht als widerspenstig, sondern vielmehr als sehr furchtsam. Er hatte eine Freude an den beiden Jungens und bemerkte niemals sexuelle Ausschweifungen. Jchlljabe den Unterricht ernst genommen. Einmal hatte er in einer ftanzösischen Arbeit von 6 bis 7 Sätzen 35 Fehler, und da habe ich chn mit einem Stock geprügelt. Striemen hat er wohl gehabt, aber keine blutigen. Wettere Zeugen stellen den Koch'schen K-indern beste Zeugnisse aus. Damit wurde abends 7.10 Uhr die Sitzung auf morgen vertagt. ________________________________________ Vermischtes. * Plauen i. V., 7. Okt. Der bisherige Direktor der Aktiengesellschaft Kalk- und Ziegelwerke Oelsnitz, Arthur Boehme, ist auf Veranlassung der hiesigen Staatsanwaltschaft heute mittag verhaftet worden. * Pri nzessin Luise. Ein Brüsseler Blatt behauptet, aus guter Quelle zu wissen, daß der König von Sachsen den Besuch der Prinzessin Luise von Toskana bei ihren Kindern in Sachsen bewilligt habe. lieber einen modus vivendi mit dem ehemaligen Gatten sei jedoch noch nichts bestimmt. * Ein Duell zwischen italienischen Kolonialoffizieren. Der Cav. Ugo Riccioni, welcher seit zehn u. Schlußkurse. von Es starben an: Staatskoni niissar. Les die von von 204.50 215.62 140.40 184.87 190.30 der Rheinisch* ^lufanqs- . 205.00 . 215.20 . 140 — . 184.00 . 190J.0 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr 1(1) - - - - 1 — — 2 — — Selbstmord hatte der Unbekannte einen auf der Brücke postierten Finanzwachaufseher um Feuer ersucht und sich die letzte Pfeife Tabak angezündet. Mit der Pfeife un Munde H der Unglückliche auch ins Wasser gesprungen. • Interessante Studien über die Wirkung Les Tabaks auf den menschlichen Körper veranstaltet augenschädlich ist oder nicht, Licht bringen zu können. * Möblierte Wohnungen zu vermieten. Um m seinen Häusern die vielen leerstehenden Wohnungen besser vermieten zu können, hat in Kopenhagen ein Baumeister eine Idee verwirklicht, die in Amerika längst ihre Früchte trägt. Er erbietet sich nämlich, seinen etwaigen Mietern die Wohnung fix und fertig einzurichten, ehe sie einziehen. Besonders für junge Eheleute wurde diese Idee praktisch gefunden. Der Wirt setzt sich mit einem Möbelhändler in Verbindung und die Mieter, die es wünschen, können sich bei diesem ihre Einrichtungen aussuchen. In die Miete find sodann die Abzahlungsraten für die Möbel mit einbegriffen und die Raten sollen durchaus nicht hoch bemessen sein. Daß diese neue Art, zu vermieten, Anklang findet, beweist die starke Nachfrage nach den leerstehenden Wohnungen. Der Mieter hat dabei den Vorteil, nach und nach Besitzer einer netten Einrichtung zu werden, der Wirt dagegen sichert sich einen Mieter, der sich verpflichtet fühlt, wenigstens so lange wohnen zu bleiben, bis seine Sachen bezahlt sind. * Ein eigent ümlich es Gesuch ist an die Königin von Holland gerichtet worden. Ein Beamter hatte nacheinander dreiFrauen. Die zwerte brachte ihm einen unehelichen Sohn mit in die Ehe, den er adoptierte. In der Ehe mit der dritten Frau bekam er eine Tochter. Der Sohn wurde Matrose und verliebte sich in die Tochter. Er nahm seinen Abschied als Matrose und will dias Mädchen heiraten. Aber der Standesbeamte läßt dies nicht zu und hält die beiden für Geschwister. In seiner Rot wandte sich jetzt der junge Matrose an Königin Withelmina, deren Entscheidung nun abzuwarten ist. * Eine Bauernhochzeit. Fräulein Frieda Wilke, die Tochter einer Bauernwitwe in Brewitz (Altmark), machte neulich Hochzeit mit dem Landwirt Berthold Wernecke in Eversdorf. Die Braut holte den Bräutigam ab in einem1 stattlichen Zuge mit 38 Vorreitern, darunter sechs Musikern, lleber 400 Personen waren zu der Hochzeit erschienen. Bei der kirchlichen Trauung wurde die Kirchenmusik von einer starken Kapelle ausgeführt, die auch später bei der Tafel und hernach in einem eigens dazu errichteten Zelte zum Tanz ausspielte. Zur Bewirtung der Hocyzeitsgäste waren ungeheuere Massen an Speisen und Getränten bereitgestellt. . < ^estlichLLllen dauerten, volle vier Tage. Im Dors waren Lungentuberkulose Gehirnschlagfluß Rippenfellentzündung Herzleiden Lebensschwäche Gewaltsamer Tod Kirchliche Nachrichten. HstteÄürllfl -er rsraelltrschen Keligumsgesellschast. Sabbathseier am 10. Okto ber 1903. Freitagabend 5.15 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 6.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, ‘abends 5.00 Uhr. Are feindliche» Arader von 1870. Ter Pariser „Matin" schreibt unter dieser Spitzrmarke: ,Lais er Wilhelm II. hat uns in ganz unerwarteter Weise, und wahrscheinlich ohne es selbst zu ahnen, an Louis XIV. erinnert. Nach den großen Kaiser- KD 2(D 1 2 1 2(1) Amerikaner meldete. Privat-Diskonl 3 Prozent. Oest. Kredit . . . Deutsche Bank Darmstädter Bank . Bochumer Guß . . Summa: 9(3) 8(3) 1 — Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben cm, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aut von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. manövern hat er, wie alljährlich, zahlreiche Offiziere deutschen Generalstabs avancieren lassen, und u. a. Herren: von Borries, von Beaulieu-Maroonnay, Hauteville, von Mantey, von Memerty, von Gabalu, Garnier, von Tewclll, von Guionnean, von Zienouard, Huguen in, von Lucadou, von Gentil de Lavallade, von Borell du Vernäh, Geuse, von Ontrelepont, Giroa de Gaudi, . von Colomb usw. Man glaubt, eine Seite aus der Rangliste des französischen Heeres zu lesen! Aber, leider, leider! sind es deutsche Namen: die sie führen, stammen von den protestantischen Familien ab, hie nach der Widerrufung des Edikts von dttrntes auswanderten oder aus unseren Provinzen vertrieben wurden. Der Sonnenkönig hat vor 217 Jahren diese Untertanen dem König von Preußen oder dem deutschen Kaiser geschenkt. Sie haben sich in Brandenburg, in Schlesien, in Sachsen, in Bayern niedergelassen: sie durften in diesen ver,chie- denen Ländern, bie heute unter dem Szepter der Hohen- zollern vereinigt oder verbündet sind, den Glauben ihrer Väter frei ausuben, unb einige von ihnen, wie die du Verdy du Vernois, haben sich in den Feldzügen des verflossenen Jahrhunderts als die erbittertsten und geschicktesten Gegner ihres alten Vaterlandes gezeigt. Das gab sogar während des deutsch-französischen Krieges Veranlassung zu einem sehr eigenartigen und sehr ergreifenden Abenteuer. IM Januar 1871, nach der Schlacht bei Le Mans, wurde der verwundete General de Sonis an der Spitze unseres 17. Armeekorps durch den General de Colomb ersetzt, denselben, der im Jahre 1873 neben dem General Pourcet als öffentlicher Ankläger im Prozeß gegen den Marschall Bazaine fungierte. Der General de Cowmb hatte sein Hauptquartier im Schlosse Fouilloux, in der Nähe des Lagers von Coulic. Eines Tages brachten ihm seine Plänkler zwei Männer, die sie gefangen genommen halten. Es sind zwei preußische Husaren, und einer von ihnen spricht sehr gut französisch Der General forscht sie, wie es im Kriege Brauch ist, aus, um aus ihnen irgend welche Mitteilungen von Wichtigkeit herauszulocten. Als sie das Schloß verlassen, sagt der Gebildetere von den beiden zu oen Soldaten, die ihn wegführen: „Es ist doch merkwürdig, wie Euer General unserem ähnlich ist! Wie heißt er denn?" — „General be Colomb/' — „Was! Unser General heißt ja auch so!" — Man erzählt das dem Kommandierenden des 17. Korps, der sofort die Gefangenen zurückrusen läßt. Sie bestätigen ihre Angaben. Ihr Ches ist in der Tat der General de Colomb, oder vielmehr von Colo mb, Abkömmling eines Urgroßonkels des französischen Generals; dieser Urgroßonkel hieß Henri de Colomb und tjatte unter Louis XIV. Frankreich verlassen, um sich zuerst in Dänemark, bann in Deutschland nieberzu- lassen. So stellte der Zufall zwei Ab kömmlinge derselben Familie mit den Waffen in bet Hand gegenüber: Der eine ist Katholik, der andere Protestant, der Katholik ist Franzose geblieben, der Protestant von Vater auf Sohn, feit zwei Jahrhunderten, deutsch geworden! Und infolge eines wunderbaren Eigensinnes der Natur, die darauf besteht, allen Sprossen dieses in zwei Zweige geteilten Stammes, trotz verschiedener Verbindungen denselben Typus zu bewahren,Züid sich diese Männer noch so ähnlich, daß es selbst chren Soldaten auffällt. Die gefangenen Husaren glaubten in dem Kommandierenden der französischen Truppen chren eigenen General wieder- zuerkennen! '9iach dem Friedensschlüsse schrieb der, der bie Heimat gegen die Invasion verteidigt hatte, an seinen Vetter von Colomb, der ihm sofort antwortete. Es entspann sich ein freundlicher Briefwechsel zwischen den beiden Feinden von gestern, und unser Landsmann erfuhr, daß das deutsche Heer nicht weniger als sieben Offiziere seines Namens zählle. Einer von diesen ist wahrscheinlich auch der jetzt von Kaiser Wllhelln II. beförderte von Colomb. So jetzt sich die Tradition für diese beiden Familien, wie für so viele andere, fort; ihre Nachkommen, bie durch Auswanderung, Verbannung oder Annexion getrennt wurden, dienen mit demselben Eifer verschiedenen Vaterländern und sind, wenn wieder einmal der Krieg ausbrechen sollte, bestimmt, von neuem das Kriegs glück gegen emanier zu verbuchen." Universitäts-Nachrichten. Bonn, 7. Ott. Geh. Regierungsrat Lrpjchitz, Professor der Mathematik an der hiesigen Universität, ist heute gestorben. Halle a. d. S., 7. Ott. Die 47. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, zu der gegen 1000 Teilnehmer eingetroffen sind, wurde heule durch eine Festsitzung in der Aula der Universität eröffnet. Der Vorsitzende, Geheunrat Prof. Dittenberger, begrüßte die Versammlung und brachte ein Hoch aus den Kay er aus, der für die Zwecke des Vereins wieder einen iramhaften Beitrag bewilligt habe. Namens des Kultusministers und des Oberpräsidenten der Provinz überbrachte Geheimrat Trosien-Magdeburg Gruße. Für die Stadl Halle sprach Oberbürgermeister Geheimrat Staude, für die Universttät rector magnificus Geh. Justizrat Stammler. — Professor Kehr in Göttingen wurde mit Wahrnehmung der Amtsobliegenheiten des 1. S ekr et ä rs beim historischen I n st i t u l i n R o m beauftragt. Schiffsnachrichtell. Red Star Linie. Der Postdampfer „Finland" der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 5. Oktober wohlbehalten in New york angekommen. Kinder Zusammen: Erwachsene: im vom Folge, und so eröffnete man heute auf allen Gebieten m recht zuversichtlicher Sttmmung. Vorübergehend trat emc leichte Abschwächung ein, welche infolge noch nicht bestätigter Gerüchte über die innerpolitische österreichische Lage und den dadurch eintretenden Rückgang der österreichischen Werte herbeigefuhrt wurde. Der Schluß gestaltete sich wieder recht fest, da London m Erwartung einer besseren Tendenz in Newyork recht stramme Kurse sur Ardeiterdewegung. Tourcoing, 7. Okt. Heute sind große Gruppen von Ausständigen aus Halluin und Menin hier emgetrosfen. Sie drangen in mehreren hiesigen Webereien ein, schlugen die Fensterscheiben ein und zwangen die'Arbeiter zur Einstellung ihrer Tätigkeit. Lille, 7. Ott. Die Fabriken, die gestern infolge der Haltwig der Ausständigen geschlossen waren, nahmen den Betrieb fast alle wieder auf. Der neue Versuch der Ausständigen, sie heute vormittag wieder zmn Stillstand zu bringen, ist gescheitert. Die Fabriken werden militärisch bewacht. Es werden noch größere Truppenmengen erwartet. Köln, 7. Okt. Die Hauptversammlung W e st f ä l i s ch e n R o h e i s e n - E i n t a u s s - V e r e i n i g u n g beschloß, ihren Bedarf für das vierte Quartal beim Roheisensyndikat zu decken. Gleichzeitig soll beim Roheisensyndikat beantragt werden, die Frachtbasis für Siegen abzuändern m Frachtbasen für ^Aplerbeck, Hochdahl und Duisburg. Bezüglich der Verlängerung der noch bis Ende dieses Jahres dauernden Vereinigung wurde be-- chlosscn, daß jedes Mitglied nach voraiifgegangener sechsmonatlicher Kündigung am Schliisse jedes Vierteljahres austreten kann, jedoch soll die Vereinigung bis Elide 1904 unkündbar fein. Die Entscheidung eines Werkes steht noch aus. Mannheim, 6. Okt. Wie die „91. B. Ldztg." mittedt, ist die Pfälzijche Hohl- und B l e n d st e i n f a b r i k Akt.-Ges. in Ludwigshafen genötigt, ihre Zahlungen e i n z u st e l l e n. 9'cach einer provisorischen Bllanz dürften bei einer freiwilligen, nicht beschleunigten Auseinandersetzung die Forderungen der Gläubiger, oroeit nicht etwa erste und zweite Hypotheken m Betracht kommen, mit ca. 40—50 pEt. befriedigt werden können. Eine außergerichtliche Regelung wird vorgeschlagen. . Newyork, 6. Okt. Hier hat sich em Syndikat gebildet, um in Europa billiges amerikanisches Sch u h w e r k auf den Markt zu bringen. Das Syndllat wird'große Schuhwarenläden m Paris, Berlin, Fraicksurt, Dresden, München, Stuttgart, Harpener Bergbau Schluß-Tendenz: Fest. । । ■■■ TUitring-lsclxes mm । .....——. —e m p-,, Elaktro-u. Maschinen-KK Imenau 5n.aÄn,_ Amsterdam rc. errichten. c, r _ .. . — Darmstädter Bank. Die Aktien dieses Instituts sind )en 30. September von 136.20 bis 140.20 gestiegen. Es wurden schon verschiedene Gründe für diese Avance angegeben. Neuestens wird behauptet, daß die Steigerung auf den Umstand zuruckzuführen fei, bau bie Verhältnisse es der Direktion ermöglicht haben sollen, Besitzstücke, welche die Bank s. Zt. von Herrn Leo Hauau erworben hatte, jetzt mit Gewinn abzustoßen, und zwar soll der Bank dabei in besonderem Maße die Steigerung der Preise für Kuxe zu statten gekommen sein, von denen sie aus dem erwähnten Anlaß über einen ansehnlichen Bedarf verfügt hat. Weiter wird auf die günstige Abwicklung der Lrqmdalionsmasje der Breslauer Diskontobank hm- qeimejen, von der das Institut ebenfalls profitiert hat - Die amerikanische Gefahr. Wir haben schon gestern angedentei, daß man aus dem Angebot amerikanischer Bleche durch Vermüllung einer deutschen Finna zu viel Wesens zu machen scheint. Angesichts des niedrigen Preisstandes der Bleche am heimischen Eisenmarkt mußte sich unter Berücksichtigung des Eisenzolls und der Frachckoslen für die amerikanischen Erzeuger bei Unterbietung des deutschen Erzeugnisses ein weil unter den Herstellungskosten liegender Preis ergeben. Man zweifelt, daß bet derartigen Verlustpreisen eine Ausfuhr m nennenswertem Umfange möglich ist. — Die Oestcrreichische Petroleumindnsirre und die deutsche Bank. In den letzten Tagen fanden zwischen Vertretern der deutschen Bank und den österreichischen Petroleumrafslnerien Verhandlmigen statt, welche den Ansatz des Exportüberschusses an österreichische Raffinade in Deutschland bezwecken. Die deuyche Bank erklärt sich bereit, den österreichischen Exportüberschuß m jeder beliebigen Höhe zu übernehmen, das österreichische Petroleum kommissionsweise Deutschland zu verkaufen und den österreichischen Produzenleu abzüglich der Provision jeden Preis zu bezahlen, den sie selbst von den deutschen Konsumenten erhalt. — Die Handelskammer zu Bromberg befürwortet bei der Eiseiibahndüektion Bromberg einen Antrag ans Interessentenkreisen, das Ersuchen der Deutsch-amerikanischen Petroleumgesellschaft, welche sich auf Ueberlaffung von bahnfiskalischem Terrain zur Errichtung von Petroleumtankanlagen bezögen, ab- zulehnen. Die Eisenbahndirektion Bromberg hat darauf- hm Anordnung getroffen, daß vorhandenes Gelände nur dann abgetreten werden dürfe, wenn anderen Unternehmern im Wettbewerbe die Möglichkeit bleibe, auf denselben Stationen gleiche Anlaaen zu errichten. Märkte. Limburg cu d. L., 7. Oktober. Fruchtrnarkt. Durch» schntttspreije pr. Malter. Dioter Weizen 13.45 Dir., alles Korn 00.00 neues Liorn 00.00 Mk^ Gerste 0.00 DLk., Hafer 7L0 Dik., neuer Hafer 6.00 Mk., Erbsen 0.00 Mll, Kartoffeln 0.00 Dck. blicklich Dr. Harvey Wiley, Doktor der landwirtschaftlichen ; Abteilung des Staatsdepartements in Washington. Wiley ■ hat sich 12 männliche Personen im Alter von 20—25 Jahren, von der verschiedenarügsten Konsütution, Gesundheit und Lebenshaltung, ausgesucht, an denen er auf Kosten der Regierung experimentiert. Die Versuchsobjekte müssen täglich eine bestimmte Quantität der einzelnen amerikanischen Tabake rauchen. Darauf wird auf das sorgfältigste ihre Körpertemperatur gemessen, chr Appetit und ihre Muskeltätigkeit beobachtet. Diese Versuche sollen sechs Rtonate lang fortgesetzt werden, und man hofft, auf diese Weise endlich in bttr viel ventilierte Frage, ob Tabakgenuß dem menschlichen Körper 1 2(1) - fahren dem Kommando in der italienischen Kolonie Erythräa Ehrirnpforten erricht^ und ber FeMatz nebst den Baulichangehört, lernte während eines Urlaubs auf dem Karneval ketten ebenfalls pvach!ttg geschmückt. vorigen Jahres in Rom die bildschöne Buchhalterin Augusta " ~ ~ Gasperoni kennen, in die er sich bis über die Ohren verliebte und der er schließlich emen Heiratsantrag machte. Augusta, die einer armen und noch dazu sehr kinderreichen Familie angehörte, besann sich keinen Augenblick, die Frau eines Offiziers zu werden, der einer alten römischen Familie entstammt und dem eine glänzende Karriere bevorftand. Im November fand die Hochzeit statt und das junge Paar begab sich direkt über Massaua nach Asmara. Das Eheglück scheint aber Augusta nicht befriedigt zu haben. Sie hinterging ihren Mann schon nach wenigen Monaten mit dem Hauptmann der Carabinieri, Federigo Craveri, Inhaber der silbernen Tapferkeitsmedaille und Ritter der Ehrenlegion. Natürlich kam der Ehemann eines Tages dahinter, daß er von seiner Angebeteten in schmählichster Weise betrogen wurde, und forderte den Hauptmann Craveri. Das Duell sand stall mit unbeschränktem Kügelwechsel. Beim vierten Gang erhielt Riccioni einen Schuß durch die Brust und brach tot zusammen. Der Hauptmann stellte sich seiner vorgesetzten Behörde. * Sturm! Aus verschiedenen Gegenden treffen Meldungen über starke Stürme ein, die vielfachen Schaden an- richteten. Auch der Telegraphen- und Telephonverkehr ist vielfach gestört. In Dresden stürzte an einem städtischen Neubau an der Karolabrücke ein Gerüst ein, vom Sturm umgerissen. Votc sieben darauf befindlichen Arbeitern wurden drei tot, die anderen schüver verletzt aus den Trümmern gezogen. Zwei Maurer sollen noch unter den Trümmern liegen. Die Feuerwehr ift mit Rettungsarbeiten beschäftigt. Die schwer Verletzten wurden nach dem Krankenhause gebracht. — In Berlin richtete der ftarke Herbststurm großen Schaden an. Viele Personen sind durch herabfallende Ziegelsteine usw. verletzt worden, darunter zwei fchwer. Die schwer gehende See läßt Hiobsposten erwarten. — In Lübeck warf der Orkan eine Mühle um. Der Verkehr auf den Landstraßen ift zum Teil unmöglich gemacht. — Ans Papenburg wird gemeldet, daß die anhaltenden Niederschläge, die den starken Sturm begleiteten, große Ueöerschwemmungen verursachen. — Nach Meldungen aus Cuxhaven stockt auf der unteren Elbe infolge des heftigen Sturmes der gesamte Schiffsverkehr. Nur die großen Ozeandampfer sind imstande, auszulaiifen. Die ein- llrufendeii Schiffe kommen mit schweren Deckschäden herein, die von den großen Sturzwellen angerichtet sind. Die Orte au der unteren Elbe sind durch Sturmsignale vor der drohenden Gefahr gewarnt. — Durch den Sturm wurde in Carlowitz (Schlesien) der Wasserturm der Breslauer Wassermesser und der der Eisenbauwerke Attien-Gesellschaft vormals Nleinecke umgeworfen, wodurch drei Arbeller schwer verletzt wurden. — An der arabisch en Küste sank der französische Dampfer „Admiral Gueydon". Der Kommandant hat die Erklärung des Leutnants Robillard unterzeichnet, worin festgestelll wird, daß unweit Maskat der englische Dampfer „Afghanistan" die Schiffbrüchigen an- getroffen, sie jedoch trotz chrer Bitte ohne Hilfe gelassen haben und davon gefahren fein soll. • Die letzte Pfeife Tabak. In Wien sprang am Sonntag abend ein ungefähr 35 jähriger, dem Arbeiterstande angehöriger Mann von der Kaiser Franz Joseph-Brücke in den Donau-Strom und verschwand. Unmittelbar vor dem Krtestmsten der Kedatllion. (Anonyme Anfragen bleibe» nnberückstchtigt.) „Gießener Leser." „iDtotox" ist auch die Bezeichnung für jede Äialurtraft, die Arbeit produziert. Demnach sollte em weiser Leser über ein Meteor als Motor nicht gar so staunen. Ä. Wir können Ihnen leider über die Bedingungen für die Wirtschastsverpachtung des Teich haus es in Bad -9tanheim teine Auskunft erretten. H. Frage: Nach dem Statut meiner Krankenkasse wird Krankengeld erst am dritten Tage nach dem Tage der Erkrankung ab gewahrt. Von welchem Tage ab wird nun das Krankengeld gezahlt, wenn ich am Atontag erkranke? — Antwort: Der Krantengeldbezug begimtt mtt Donnerstag. WjichrMlhe MerWiirr CoSksjÄr 39. Woche. Vom 20. biS 26. September 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infL 1600 Atann Militär) Sterblichkettsziffer: 17,40, nach Abzug von 3 Ortsfremden: 11,60 u/oc. Gerichtssaal. Duisburg, 7. Okt. Das Schwurgericht verurteilte nach sechsstündiger Verhandlung den Bergmann Wrengust, der im Juni in Marzleh seine Braut und ihre Eltern durch Revolver- fchüsse getötet hatte, zum Tode und 12 Jahren Zuchthaus, sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte.________ Handel und Uerkehr. Uolkswickschaft. Berliner Börse vom 7. Oktober 1903. (Mitgeleilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Die Festigkeit der gestrigen Börse, sowie auch der gestrigen auswärtigen Äbendbörsen hatte große Kausordres der Provinz zur KREUZSTERN Neuester ar 3 Statt besonderer Anzeige. Die Geburt eines MädcheuS zeigen an Eerichtsaffeffor Jockel und Frau Paula, geb. Adami. Lauterbach, den 8. Oktober 1903. 7580 MW frimurijrr Schott’s Weinstube. ______________[7466]______________ OOOOOCOOOOö Priwll Heller, Wer TlllsbkWiöß per Ltr. über die Straße 90 Pfg^ empfiehlt 04913 Weinstube Seibel LudwigSplatz. 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Es wird ui weiblichen Handarbeiten, besonders aber im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushalts Unterricht erteilt. Aumeldurtgeu werden zur angegebenen Zeit im genannten Schulhause oder auch schon vorher von Herrn Hauptlehrer Schaaf cutgegengeuommeu. Gießen, den 2. Oktober 1903. 7475 _______Mecum, Oberbürgermeister._____Hahn, Rektor. Generalversammlung des 7569 'Äße« Gießener ZiezeiM-Vereins «aurstag den 10. d. Mts., abends 8*/„ Uhr präcis Wirtschaft zur „Stadt Cassel". ' 1 . Tagesordnung: t. Gründung eines Kreisziegenzuchtvereins. 2. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten- Der Vorstand. Preis Turnerschaft Giessen. Samstag den 10. Oktober, abends 8 Uhr: Seift' te 1. ZWiinMeßes im (Safe Leib bestehend in Konzert, Liedervorträgeu des Gesangvereins „Eintracht", Theater, turnerischen Auffübrungere urtb Tanz. -ME Zu zahlreicher Beteiligung ladet ein Der Vorstand. Eiutrittskarteu ä 1 Mk., im Vorverkauf 75 Pfg„ find zu haben bei den Herren Löb, „Wiener Hof"; Friseur Rottmann, Settersweg; Dreher, Restauration „Zum Pfau"; Friseur Mnhl. Bahnhofstraße; Pfeil, Walltor; Oroig, Rittergasst Bier im Glas. HuiuteitsMe non Fr!. Lwimn Gietzen, Sübanlage 7. IZeginn des Unterrichts für Brandmalerei u. Schnitzerei jeder Art, sowie Lederschuitt re. Montag den SI. Oktober,. 7453 Nächste Woche Ziehung der Darmstädter Pferde-Lotterie. Lose k 1 Atark, 11 Stück 10 Mark. 7538 (Für Liste und Porto nach auswärts 25 Pfennig mehr.) Zu haben bei: Richard Buchacker, Gießen Reneubaue 11. empfiehlt 5685 M. ti U. Gen. V. k W 7563 stets zu haben. 7174 Salat- und Speise-Kartoffeln zum billigsten Tagespreis Ang. Helfenbein, Zimmermeister, Schottstraße 19. stttttttkliMM jeder Art fertigt sachlich [6059 Ed. Rotte, Äaplansgaffe 3. Zreaabslr (AbfaUholz) der Ztr. Mk. 1.20, Wohne jetzt 04815 AU MWMe K. 23. Fran Wacker, "fL"' Stadt-Theater Eichen. Direktion: Steingoetter. Frettag den S. Oktober 1S03: IL Freitag-Abonnement. Mitvollständig neuer Ausstattung. Novität I Novität! Zum zweiten Male Zer ßlilllre Lustspiel in 3 Akren v. O. Blumenthal u. G.Liadelburg. Montag den 12. Oktober 1903: Erste Theatervereinü.Vorstellung Gastspiel von 2lgneS Sorma. Iik itrfnfeit 8!«kt. Atärchendraitla in 5 Akten uon G. Hauptinann. GGGSWGGGLKG I.Kankel, SWMeti. Kartoffeln Prima Magnum bonum (Wetterauer Ware) sind eingetroffen und empfehle dieselben zu ganz billigen Preisen. »S. Weisel, 7382 Sonnenstraße 6. Telephon 235. Ättfd werden geschmackvoll gar- uiert Schillerstr. 9,111. ^^7 Tiij-Uilenicht. Anmeldungen zu dem Tanz- Knrsns werdet: noch entgegen genomnwn. Itttterricht auch nach 9 Uhr abends. 7487 .Tos. Möhl, Tanzlehrer. offen. 7570 Zuschlagsfrist 2 Tage. K. F. Wentzel, Langgöns. Uergelmng von Kauarbeiten. Sämtliche Bauarbeiten einiger Arbeiterwohnhaufer, an der Hochweiselerstraße zu Butzbach, sollen auf dein Sub- missionsrvege vergeben werden. Pläne und Voranschläge liegen vorn 8. bis 11. d. Mts. auf unterzeichnetem Vaubureau Siltiiduf. Die Gemeinde Ettürgs- Hausen verkauft einen zum Dienst abständigen Bullen. Interessenten können ihre Angebote auf den Zentner und überhaupt im Ganzen bis nächsten Montag den 12. d. Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen auf hiesige Bürgermeisterei emschicken; nähere Bedingungen liegen ebendaselbst offen. Ettingshausen, den 6. Oktober 1903. Großherzogl. Bürgermeisterei Ettingshausen. Keil. 7578 welche 04908 zi jtira ndunimn 6*1 nttr i6ti Umjwcs «erknst werden. Güonstige GelegonheSt für Wealmachtsgesohenke. Tie noch vorhandenen restlichen Bilder werde:: Samstag aus freier Hand verkauft. Die Direktion. I Gemälde-Versteigerung. V Morgen, Areiiag, vormittags 10 Mr | Kortse^rlg ücr Versteigermg der in Lony's Bierkcller im großen Saal vorhandenen 1145 Stück Oelgcmälden Stndt TN«rburg Sonntag den 11. Ottober, von nachmittags 5 Uhr av? Tauz-Vergnügen. Streichmusik. [04909] Eintritt frei. Es ladet ergebenft ein Fritz Kremer. vervollständigter Plakat-zahrplm enthaltend die Fahrzeiten der auf den Stationen Gießen, Hranksurt a. IK., Cassel, Marburg, Friedberg, Lollar, Londorf, Fronhausen, Wetzlar, Loblenz, Löln, Fulda, Alrfeld, Grünberg, Gelnhausen, Nidda, Schotten, Hungen, Laubach, Lich, Stockheim und Gedern ankommenden und abgehenden Eisenbahnzüge, sowie die Fahrzeiten der L Vieberthalbahn j M zum Preise von 20 pfg. in der Expedition W tiK des Gießener Anzeigers vorrätig. — Der jO Fahrplan kann auch durch die Aus- träger des Gießener Anzeigers bezogen werden. Bank för Handel und Industrie Depositenkasse Giessen (Darmstädter Bank) gegründet 1S.»3 Johannesstrasse I Telephon Nr. 120 Kapital: Reserven: 132 Millionen Mark. - 22^ Millionen Mark. Die Bank gewährt Vorschüsse auf gangbare Effekten t zahlt Coupons und Dividendenselieine ohne jeden Abzug aus und vermietet Eiserne Schrankfächer (safes) zur Aufbewahrung von Wertgegenständen aller Art unter eigenem Verschluss des Mieters. 7571