1 Mniitm Nie heutige Yummer umfaßt 8 Seite«. Or- Politifche und wirtschaftliche Rücksichten. Feuilleton. Udresie für Depeschen: Anzeiger Gleherr. ^«rnsprkchanschlußNr.vl. »rschetnt ««glich mcher Sonntag-. Dem Vteßener Anzeiger Werden im Wechsel mit dem «elfische» Landwirt die Gießener Lamttten- blätter viermal in der Woche beigelegt. biotattonSdruck u. Verlag der B r ü h l'schen Untvers.-Bnch- u.Gtein- bruderei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition Januar 1903: vom llijfakHrti !n Herrn Otto Heinrich. Eintritt So Pf8, Die Politik Napoleons III. kurz vor Aus- vruch des Krieges von 1870 muß widerspruchsvoll erscheinen, da es feststeht, daß er mit Oesterreich undJtulien vegen eines Bündnisses gegen Preußen verhandelte und daß er selber es doch war, der den Abschluß dieser Verhandlungen hinhielt. Hans Delbrück macht es im neuesten Heft der „Preuß. Jahrb." höchst wahrscheinlich, daß zwei der nächsten und besten Kenner, Fürst Bismarck und Graf Beust, in ihren Aufzeichnungen das Richtige angcben, wenn sie behaupten, Napoleon habe gar nicht die Absicht genabt, den Krieg mit uns wirklich durchzufechten; vielmehr habe er, nachdem beiderseits mobil gemacht und vielleicht auch eine Schlacht geschlagen war, einen Vergleich anbieten wollen des Inhalts: Süddeutschland an Preußen, Belgien an Frankreich, dttrr so erklärt es sich, daß Napoleon mit Oesterreich und Italien nicht endgiltig abschloß, denn, wenn ec es getan hätte, dann wäre er gezwungen gewesen, den Krieg bis zur völligen Niederkämpfung Preußens durch- zuführen. So erklärt es sich ferner, daß er am 21. Juli 1870 zu dem Marschall Mae Mahon, damaligem Gouverneur von Algier, bQi dessen Durchreise durch Paris sagen konnte, der beginnende Feldzug werde für den Marschall nur eine Kurzweil (une petite distraction) sein, und in Algier werde er nur für kurze Zeit einen Stellvertreter! nötig haben. Man hat aus diesen Worten wohl geschlossen, der Kaiser habe die Auffassung des Pariser Mobs, vom »Spaziergang nach Berlin" geteilt, aber davon kann keine weKen und ihren Eroberer zu segnen. Kürzlich hat Kaiser Wilhelm beim heiligen Vater die Errichtung einer katholischen theologischen Fakultät an der kaiserlichen Universität in Straßburg, Betrieben und erreicht. Tie für diese Errichtung stipulierten und von Deutschland unterschriebenen Bedingungen sind von reinstem apostolisch-römisch-katholischen Gepräge. Wir sprechen davon noch genauer. Unterdes unterhaltet euch damit, mit vollen Lungen zu rufen: Es lebe Wilhelm II." — So urteilt man also im Vatikan über die Straßburger Fakultät. Und wie steht es, trotz des offiziellen Dementis, mit der Einwanderung französischer “ densbrüder und -Schwestern in Elsaß-Lothringen? mehr stillen wollten oder es nicht zu können vermeinen. Ter Aachener Regierungspräsident hat deshalb zunächst die Hebammen angewiesen, in möglichst allen Fallen ihren ganzer! Einfluß dahin auszuüben, daß die Frauen, die sich ihnen hilfesuchend anvertrauen, den Säugling wenigstens einige Äionate selbst stillen. Die Hebammen sollen ferner überall, wo die Mütter glauben, nicht stillen zu können, daraus dringen, daß ein Arzt zugezogen werde; dasselbe soll auch geschehen, wenn der Säugling an Magendarmkatarrh erkrankt oder überhaupt nicht nach Wunsch zunimmt. Endlich sollen es die Hebammen als ihre besondere Pflicht ansehen, den Müttern und Hausangehörigen die wichtige Behandlung der Flasche, der Sauger und der Milch zu zeigen. Tie Kreisärzte haben Anweisung erhalten, der Frage der Säuglingssterblichkeit ihre besondere Aufmerksamkeit zuzmveuben, ferner sollen sie die Hebammen bei feder paffenden Gelegenheit belehren und zur eifrig ein Mtt- wirkung anspornen. Eine lvichtige, wenn nicht die wichtigste Rolle werden die Aerzte zu übernehmen haben. Ihr Rat wirkt eindringlicher uno nachhaltiger. Um ihre Hufe zu gewinnen, hat sich der Regierungspräsident v. Hartmann mit dem Vorsitzenden des Vereins der Aerzte des Regierungsbezirks Aachen in Verbindung gesetzt; letztere haben Kenntnis davon erhalten, in welcher Weise die Hebammen mit Anweisung versehen sind, sodaß es ihnen leicht ist, in derselben Richtung zu wirken wie diese. Es ist hiernach wohl zu hoffen, daß die neuen Anordnungen ihren Zweck, auf eine T ; der Säuglingssterblichkeit hinzuwirken, erfüllen werden. Die politischen Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu Italien sind bekanntlich seit Jahren höflich-kühler Art, was aber nicht hinderte, daß zwischen beiden Staaten ein reger wirtschaftlicher Verkehr sich entwickelte. Umgekehrt ist dem politischen Verhältnis Italiens zu Frankreich eine gewisse, zum Teil wohl in der Rassenverwandtschaft begründete Wärme eigentümlich. Wirtschaftlich aber sind sich beide Länder erst seit Abschluß des Handelsvertrags näher getreten. Es erhellt auch hieraus die Richtigkeit des Bismarckschen Wortes, daß politische und wirtschaftliche Rücksichten sich keineswegs mit Notwendigkeit gegenseitig bedingen. Die dieser Tage seitens des Wiener Lluswärtigen Amts erfolgte Kündigung des östreichisch- italienischen Handelsvertrags wird deshalb politisch eben- Eoenig von Einfluß sein — hier im Sinne weiterer Ent- mdung —> als etwa die, allerdings unwahrscheinliche ndigung des deutsch-italienischen Handelsvertrags. Und die Franzosenfteunde würden in Italien nicht „aussterben", auch in den der Regierung nahestehenden Kreisen nicht, wenn Frankreich den Handelsvertrag kündigen sollte. Allzu tragisch braucht die Kündigung solcher Vereinbarung also auch seitenA Deutschlands nicht genommen zu werden. AuS deutschen Schutzgebieten. Tie Denkschriften über die Eentwickelung der Schutzgebiete werden dem Reichstag halb nach seinem Wieder- zusammentritt zugehen. Da der Kolonialetat, frühestens Ende Februar zur Beratung .kommt, ist den Abgeordneten ein eingehendes Studium der Denkschriften ermöglicht. Tas in diesem enthaltene Material .wird von Jahr zu Jahr umfangreicher und vielseitiger, auch ein Beweis, daß die Entwickelung unserer Kolonieen langsam aber stetig fortschreitet. Es finden sich in diesen Denkschriften u. a sehr anschauliche Kulturbilder aus den .Schutzgebieten, die auch für den Schulunterricht in der deutschen Kolo- niatgeschichte von Wert sind. Tie Presse tut ja ihr möglichstes in der Verbreitung dieses interessanten Materials. Alles zu veröffentlichen ist sie außer stände, da sie die politische und wirtschaftliche Seite per Kolonialgeschichte angemessen berücksichtigen muß. Für die Abfassung eines Leitfadens zu Unterrichtszwecken aber sind die Denkschriften des Kolonialamts eine wahre Fundgrube. Die am 20. Juni v. I. erfolgte Eröffnung der Eisen- bahnSwakopmund-Windhoek bedeutet einen Markstein in der Entwicklung Teutsch-Südwestaftikas. 4i/z Jahre hat der Bau dieses Schienenweges gedauert, und keine andere Kolonie kann sich rühmen, eine Eisenbahn zu besitzen, die in der ganzen von Anfang an geplanten Länge — 880 Kilometer — zur Ausführung gelangt ist. In der neuen Denkschrift über Südwestafrtta werden sich voraussichtlich interessante Mitteilungen finden über die ersten Betrievsergebnisse der Eisenbahn. Sie durchschneidet den mittleren Teil deö Schutzgebiets, das durch seine ausgedehnte Viehwirtschast wertvolle Tamaraland, und ist so von außerordentlicher Bedeutung für die Entwicklung dieses Landstriches, wie umgekehrt der wirtschaftliche Aufschwung desselben die Rentabilität der Bahnlinie sichert. Auch über die wichtige Frage der Besiedelung der Kolonie mit Burenfamilien dürste die neue , Denkschrift sich äußern. Als mit den Booenverhältnissen und Wirtschafts- Red Opfern verbundenen Unternehmungen jetzt in größerem Maße : unterstützt werden können, als wie dies früher der Fall war. Kleists gegenüber nicht ausMiweisen ch der | Amtsgericht in Kochern vorgeführt, wo sich d-ann folgender. Vermischtes. • Düsseldorf, 7. Januar. Auf der Gewerkschaft „Christinenburg" bei Lintorf geriet ein Kessel voll Oel in Brand, wobei zwei Arbeiter derart schwere Brandwunden davontrugen, daß sie nach Ueberführung ins Krankenhaus starben. , * Landstuhl (Pfalz), 7. Jan. Wie aus Antwerpen gemeldet wird, ist dort der Mörder Heinrich Kehrer aus dem benachbarten pfälzischen Dorf Queidersbach, welcher in der Neujahrsnacht den dortigen Polizeidiener erstochen hat und dann geflohen ist, kurz vor Abgang des Schiffes, das ihn nach Amerika bringen sollte, verhaftet worden. Straßburg i. E., 7. Jan. Auf dem hiesigen Bahrn» Hof explodierte heute abend gegen 5 Uhr 30 Min. ein Gaskessel in der Fettgasanstalt, wobei mehrere Arbeiter verschüttet wurden. Gegen 6 Uhr 50 Min. waren, ein Toter und vier leicht Verletzte geborgen. Es rst noch unbekannt, ob sich noch weitere Personen unter den Trümmern befinden. Die Feuerwehr ist mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Die in der Nähe der Explosronsstelle gelegenen Häuser wurden durch den Luftdruck erschüttert und die Fensterscheiben derselben zertrümmert. • Seattle (Staat Washington), 7. Jan. Die nor» wegische Bark „Prince Arthur" strandete am 2. ds. in der Nähe des Kap Flattery. Achtzehn Mann der Be- Gießen, 8. Januar 1902. — Personalien. Ernannt wurde am 2. Januar Pfarrer Georg Stock zu Ober-Breidenbach zum Pfarrer der evangelischen Pfarrstelle zu Sprendlingen, Dekanat Wöllstein. * • Militärdienstnachricht. Dem Garnrsons-Bau- inspektor Schild in Darmstadt wurde der Charakter als Baura mit dem persönlichen Range der Räte 4. Klaffe verliehen. * * Aus dem Theaterbureau. Es sei schon heute darauf hingewiesen, daß in kommender Woche (Mittwoch, den 14. ds. Mts.) die „Schliersees im hiesigen Stadttheater ein auf drei bis vier Abende berechnetes Gastspiel beginnen und neben bewährten älteren Stücken auch einige Novitäten zur Aufführung bringen werden. * • Das Kätchen von Heilbronn. Am morgigen Freitag geht zum Benefiz des Herrn Regiffeurs Heinrich Gerl ach nun auch im Gießener Stadttheater fxV-r4a .Kätchen von Heilbronn" zum ersten Mal nach Setterschaft zu tun haben, der schließlich alle- zu Bieten ist. Und auf dem Standpunkt des „non olett' stehen sie schon längst. _____________ Deutsches Reich. Berlin, 7. Jan. Ter Kaiser empfing den Direktor im Auswärtigen Amte FrcmtziuS, den Gouverneur von Neu- Einea Dr. Hahl, llniversitätsprofessor Doktor Ober- mmer-München und den Gesandten Grafen Wallwitz in Qienz. Dem von hier abberufenen serbischen Gesandten Stejttsch hat der Kaiser den Kronenorden L Klasse vergehen. — Am gestrigen Todestage der Kaiserin Augusta War das Mausoleum in Charlottenburg reich mit Blumen geschmückt. Ter Kaiser legte um 9y4 Uhr vormittags persönlich einen Kranz am Sarkophage nieder. Auch das erbgrvßherzogliche Paar von Baben ließ einen Qorbeer- kranz niederlegen. — Die angebliche Potsdamer Duellrede des Kaisers bat zu einem Strafprozeß gegen die Potsdamer Zeitung und deren Gewährsmann bekannttich Veranlassung gegeben und nun auch die Wirkung gehabt, daß der einsttge Mitbesitzer und Chefredakteur des Blattes Martin Berger seinen Abschied als Reserve-Offizier genommen hat, nach- oem er vom Ehrengerichtshofe des Offizierskorps wegen i^fährdung der Standesehre eine Warnung erhalten hatte. — DasOrganisationskomitee des 9. int er * nationalen Kongresses gegen den AlkoholiÄ- muS, der in Bremen vom 14. bis 19. April 1903 stattfinden wird, und dessen Ehrenpräsidenten Staatsminister Dr. Graf v. Posadowsky-Wehner und Bürgermeister Dr. Pauli, Bremen, smd, erläßt soeben ein Einladungsschreiben, wonach auf Beschluß des 8. internationalen Kongresses gegen beu Alkoholismus in Wien im Jahre 1902 der 9. Kvngreh dieses Iaht in Btemen tagen ttriro. Tas Otgani- sationskomitee hat nach Anhörung verschiedener Veteine Dafür die Zett vom 14. bis 19. April festgesetzt. Stettin, 7. Jan. Wie die Stettiner Abendpost" meldet, nahmen gestern abend 1600 Arbeitet der hiesigen Vulkan-Werft in einet Vetsammlung, die einen ziemlich stürmischen Verlauf nahm, eine Resolution an, in welcher sie erklären, daß sie mit der Unterschriftensammlung zu dem Ergebenheits-Telegramm in Sachen Kvupp an den Kaiser und dem Inhalt dieses Telegramms nicht einverstanden sind. Sie erklären vielmehr dieses Telegramm „für eine Mache" zu hem Zweck, den Kaiser über die wahre und ehrliche Gesinnung der Ardetterschaft des Vulkans zu täuschen. Dieser Beschllrß der Vetsammlung ist dem Kaiset telegraphisch zur Kenntnis zu bringen. Dresden, 7. Jan. Gestern nachmittag reiste Prof. Tr. Curschmann nach Leipzig zurück. Gegen mittag empfing der König, der einen großen Teil des Tages außer Bett zubrachte, den Kronprinzen Friedrich August, sowie den Prinzen Johann Georg nebst Gemahlin, die Königin-Witwe Carola und Prinzeß Mathilde. Auch erledigte der Monarch einige Regierungsgeschäfte. Er nahm das Mittagsmahl noch allein ein. Am Wend um 7 Uhr sprach der StonigL Leibarzt Tr. Fiedler beim Körrig vor. Mannheim, 7. Jan. Ter Wgeordnete Basser- mann erklärte heute in einer nationallitietalen Pcrrtei- versammluna, auf Grund guter Informationen versichern zu tönnen, daß der eine oder andere Handelsvertrag spätestens im Juni dem Reichstag vorgelegt werde. Straßburg, 7. Jan. Bischo ftFritzen erklärte in einer Zuschrift an den hiesigen „Elsässer" gegenüber Angriffen, dre in anderen katholischen Blättern gegen die neue katholische theologische Fakultät laut geworden waren: Ich bedauere diese Angriffe seht, da sie nicht Mr dazu angetan sind, in die Rethen unseres katholischen Volkes! Verwirrung und Mißstimmung zu tragen, sondern auch ganz und gar ungerecht sind und in keiner Weise dem Tat* bestände entsprechen. Ich reift hoffen, daß die katholischen Blätter nun endlich zur Einsichr gelangen werden, daß die sortwährenden Angriffe und Sttcheleien auf die katholische theologische Fakultät, die vom Heiligen Stuhle genehmigt ist, der Ehrfurcht und Unterwürfigkeit widersprechen, dre die Katholiken dem Heiligen Stuhle schuldig find. nahmen ihn mit großer Freundlichkeit auf. Die ihm er- ■ roiefene Aufmerksamkeit verdient um so mehr beachtet zu : werden, als sein Werk bekanntlich in manchen kirchlichen Kreisen heftigen Angriffen ausgesetzt war, und seine I Gegner verlangten, daß eS auf den Index gesetzt werde, \ Die Wirkung dieser Angriffe ist auSgeblieben, Dr. Ehrhard ! erhielt vielmehr im Verlaufe der Audienz beim Papst, sowie ! im Verkehr mit den Kirchenfürsten Gelegenheit, sich gegen- । über dem Vorwurf, er sei vom rechten Glauben abgewichen. : zu rechtfertigen. 1 Washington, 7. Jan. Die Antworten Deutsch- ands und Englands an Castro sind hier eingetroffen und Castro übermittelt worden. Beide enthalten dieselben Bedingungen, über die eine Verständigung zu Wege gebracht werden mnß, ehe der Fall dem Schiedsgericht unterbreitet wird. La Guayra, 7. Jan. Das amerikanische Kanonenboot „Marietta* ist gestern mit großen Postsendungen von Curacao hier eingetroffen. Der Kapitän begiebt sich morgen nach Caracas zu einer Besprechung mit dem amerikanischen Gesandten Bowen. Fischerbooten wurde die Erlaubnis, den .Dafen zu verlassen, versagt, weil sie den Bestimmungen der Blockade zuwider gehandelt haben. Krsstscher Schutzverein für entlassene Gefangene. Wie wir gestern schon auszugsweise mitteüten, tagte am 6. Januar in Mainz der Hessische Schutzverein für entlassene Gefangene. Der Vorsitzende, Generalstaatsanwalt Dr. Preetorius, eröffnete die Versammlung mit der Mitteilung, daß dies die erste Mitgliederversammlung des Schutzvereins sei, der aus dem Verein für Unterstützung und Besserung entlassener Sträflinge gebildet worden wäre. Auf die neuen Satzungen des Vereins eingehend, teilte der Vorsitzende die wichtigsten Unterschiede gegenüber jen alten mit. Dem seitherigen Brauche, die Mttglieder- versammlungen abwechselnd in Gießen, Darmstadt und Mainz abzuhalten, fei man treu geblieben, doch sollen für >ie Folge die Versammlungen nicht alle zwei Jahre, son- jern alljährlich abgehalten werden. Besonders wichtig sei, daß der Verein das Recht einer juristisch en P e r* s o n erworben habe, was eigentlich schon lange hätte geschehen müssen. Weiter berichtete der Vorsitzende über eine Bemerkung in der letzten Mitgliederversammlung, daß es auffallend erscheine, daß in der Provinz Starkenburg viel mehr Unterstützungen gewährt worden seien als in Rheinhessen. Dies wäre durchaus keine Bevorzugung, käme vielmehr daher, daß von da viel mehr Gesuche an den Vorstand, der sich in Darmstadt befände, entliefen als von anderswo. Uebrigens feien auch die Beiträge der Provinz Starkenburg größer als diejenigen der reicheren Provinz Rheinhessen. — Vom Sekretär, Amtmann Dr. Stammler, wrrd der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Berichtsjahr erstattet. Im ab gelaufenen Jahre wurden 152 Strafgefangene unterstützt, davon kamen 81 auf Starkenburg, 24 auf Oberhessen und 48 auf Rheinhessen. Die Anzahl der Pfleglinge unter 20 Jahren betrage nur den 17. Teil aller Pfleglinge; dies hänge bamit zusammen, daß die jugendlichen Pfleglinge meist in Zwangserziehung kämen. Die Summe, die für die entlassenen Gefangenen aufgewendet worden sei, betrage 4082,90 Mark. Die Gesamteinnahmen des Vereins hätten 9396 Mark und die Ausgaben 6493 Mk. betragen, so daß ein Kassenüberschuß von 2903 Mk. verblieben sei. Das Gesamtvermögen betrage jetzt 58426 Mark. Es wird nunmehr in die allgemeine Diskussion ein* getreten und besonders hier die Frage berührt, in welcher Weife das Interesse des Vereins in wettere Kreise getragen werden könne. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß vorzugsweise in Rheinhessen noch sehr viele Leute sich befänden, die von den humanitären Bestrebungen des Vereins keine Kenntnis hätten. Die Herren Oberstaatsanwalt Dr. Schmitt und Provinzialdirettor Frhr. v. Gagern sind gleichfalls dafür, daß Propaganda gemacht werde, bamit sich der Kreis der Vereinsmitglieder erweitere. Kreisrat Süssert von Alzey ist der Meinung, daß man zur Erlangung von größeren Mitteln sich an die verschiedenen Kreise um Beiträge wenden möge; sein Kreis sei bereit, Mittel hierzu zu bewttligen Von großer Wichtigkeit sei es auch, den entlassenen Gefangenen alsbald Mbeit zu verschaffen. ES wttd nun Wetter hervorgehoben, daß verhältnismäßig wenig Geld für die entlassenen Gefangenen aufgewendet würde. Generalstaatsanwalt Dr. Preetorius erwidert, daß er nur über 5000 Mark zu verfügen habe, er müßte deshalb sparsam zu Werke gehen; wenn ihm größere Mittel zur Verfügung ständen, würde er mit Freuden auch größere Beträge verausgaben. Kreisamtmann Wolf von Alzey weist auf die Organisation des Vereins zur Unterstützung Geisteskranker als Vorbild hin; dieser Verein zähle jeK 50 000 Mitglieder. Auch sonst könne man mehr für das Bekanntwerden des Vereins tun, z. B. auch durch kurze Mitteilungen in den Zeitungen. Oberstaatsanwalt Dr. v. Geßert von Darmstadt spricht sich ebenfalls für eine energische Propaganda aus. Kreisrat Dr. GötteImann von Heppenheim ist dafür, daß man den Verein durch Staatsmittel unterstütze; wenn man au dem Lande Mitglieder für den Verein werben wolle, so treffe man immer dieselben Leute: Beamte, Lchrer, Geistliche usw.; die große Masse stehe solchen Besttebungen fern. Die Staatskasse möge dre erforderlichen Mittel lersten, denn es sei Pflicht der Gesellschaft, für die entlaßenen Gefangenen einzutreten. t, Heber die übrigen Verhandlungsgegenitande haben totr bereits berichtet. utjnen _ ■*r bis ffl '«'9 iu» $ Hüters, ro6^ei,^*S ,etNe [nT j,nb «uni. 1!« 'S JaJ 0,0 «nipuppt, «« Jfjühr '1*it6e'*lln8 ****SSi > “Äft.- W tben|aUj :et »wUVbi SW; iS -12 ®rab J 2sK fsa*^ “. °d" V< Ä WS PWJ und geringem Zusatz *i,tet wick Sä^renb wn.äum Teil gel^fa n wird grundsätzlich nut Nacht vom Dien?« rödler* und Antiquitäten« am Neuenweg ein frecher « Dieb oder - wie an. :be- welche mit den bot. :aut Wesen sein müssen, mglicheS Geschäft Eingang lang ihnen, ohne daß im an Bargeld, wertvollen eine recht wertvolle Beute m plumpen Erbrechen der an es mit Gewohnheitsein- i Bis jetzt fehlt leider von ;ür die freigewordene Stelle :rs Landau an der Taub« ieujahr noch keine Lehrkraft Mangel an Saudummen* ' betrug m vorigen Sommer stakt 54 Zöglinge hatte. Sett ihrig, früher war er sechs« den unaufhörlich bei Ä 8 dadurch, verursachte An« Nidda Hochwasser ein« iedcrungen mit Wasser. Die auch bei unS der Influenza thalben aus, glücklichmveise ZkomplikattonSkrantheitea Md iettentzündung. Mittwoch Abend kurz nach >«iidlq»I«-'»ch-ns Set tos*® "M. B'S , warn 5ch-«--Md ® 3um Opfer gefatten. «on Hf Mi* waw M I, »«(brannte ntrfrM )it («ngan^tenb to4 ” [t terburd) jutage geh ' „ Wde« Anzahl von ® * mlJ-n größerem Mße mgen ieh ” ö Fall war. ;ie dies lruherdcr^^ c r Gewerksch^ «ar- d , Cd '" „riet ->" OT Mbn*'" t berart ^"Anntenil«1'8 feÄ,S’. Aeaen b 7;rnen. iruw' ?b5 «"'„'bet * stra"" ylchtzeh" »M , Pels^ faM' eit*" fflWFtä hem Latbeffanb ergab, der sich tirte evr vvmnem Heft Dte Seiden „fahrenden" Musikanten waren nämlicfi, wie die Kvcherner Zeitung schreibt. Geisteskranke, die in der Nacht vom ersten auf den zweiten Weihnachtsfeiertag ans der Irrenanstalt in Frankfurt a. M. entsprungen sind. Im Besitze hinreichender Geldmittel fuhren sie mit der Bahn über Koblenz, Trier und Luxemburg, nach Longwy, ließen sich dort für die Fremdenlegion anwerben imb wurden sofort ein gekleidet. Sie flüchteten dann vor einigen Tagen und wurden in Karden von ihrem Schicksal ereilt. Tie beiden Ausflügler wurden durch Beamte der Frankfurter Irrenanstalt abgebolt. * Die städtische Verwaltung ohne Geld. Wie dem „5X Bolksbl." von verläßlicher Seite mit geteilt worden ist, sind in München die städtischen Kassen in den letzten Wochen vollständig erschöpft gewesen- es war nicht einmal so viel Geld vorhanden, um die Gehälter auszahlen zu können, und konnte verschiedenen Kategorien, wie z. B. den Lehrern, ihr Geld erst dann ausbezahlt werden, als man vom Hause Warschauer u. Co. in Berlin von dem dort deponierten geringen Rest der vorjährigen großen Anleihe eine weitere Rate im Betrage von 500 000 Mark erhoben hatte. Daß Gehaltszahlungen aus Wnleihemitteln gedeckt werden müssen, ist wohl bis jetzt noch nirgends da- gewesen. Sollten die Dinge tatsächlich so liegen, wie sie hier geschildert sind, so würde das nicht von einer sorgfältigen Verwaltung zeugen. • Die Neujahrsgrüße der Telegraphenämter. Um Mitternacht an der Jahreswende gehört der Telegraphendraht einige Zeit den Beamten der größeren Telegraphenstationen, die sich dann gegenseitig ihre Glückwünsche zusenden. München sandte beim diesmaligen Jahreswechsel Glückwunschtelegramme nach Berlin, Dresden, Leipzig, Stuttgart, Karlsruhe, Frankfurt, Konstanz, Bregenz, Salzburg, Innsbruck, Wien, Paris, sowie auch an bayerische Stationen und erhielt natürlich auch selbst zahlreiche Zusendungen. Nach Leipzig ging folgendes Telegramm ab: ,TaS klappert bei Tag und klappert bei Nacht, Hat nimmer Rast noch Ruh', ^Dir „fpieten* und „horchen" mit fleiß'gem Bedacht Unb denken unS oft was dazu. Der Text, wie ist er doch kunterbunt In wechselreicher Zeit — Dem Linen macht er das Glück wohl kund, Dem Andern viel Herzeleid. Doch Euch, ihr lieben Kollegen wert, Euch sei im neuen Jahr Nur Gluck und Heil und Freude bescheert! So wünscht es die Münchener Schar." • Von einem versuchten Raubangriff auf das Diamantenzimmer der Krönungsausstellung in Delhi, die am Sonntag durch den Vizekönig von Indien eröffnet wurde, berichtet die „Daily Mail". Der Versuch wurde von einer Anzahl Männer von dem afghanischen Stamme der PathanS ausgeführt, dessen Angehörige als berufsmäßige Diebe betrachtet werden. Sie hatten sich nach Verabredung in dem Juwelenzimmer zusammengefunden, wo Kostbarkeiten im Werte von ungefähr 6 Millionen Mark zur Schau gestellt waren. Bei Hellem Tageslicht gingen sie an die Ausführung ihres tollkühnen Planes. Die Polizei war jedoch auf Derartiges vorbereitet, da sie bemerkt hatte, daß feit einiger Zeit eine größere Anzahl PathanS in Delhi eingetroffen waren. Infolge der Anwesenheit einer größeren Anzahl Polizisten im Juwelenzimmer, die, von den Juwelieren unterstützt, den Räubern entgegentraten, mißlang das Vorhaben, und nach einem Handgemenge wurden die PathanS aus dem Zimmer getrieben. * Unkenntnis der Recht schreibun g hat einen lieberen Ehemann in der nördlichen Karrharde (Äpenrade) n große Verlegenheit gebracht. M hatte nach langem Nachinnen beschlossen, seiner Frau ein paar große Hausegen (Bilder) zum Weihnachtsfeste zu schenken. Er be- teltte sie schriftlich bei seinem Kaufmann in der Stadt und freute sich herzlich, als das große Paket gerade in Abwesenheit ferner Frau eintraf. Er verwahrte das Paket an einem sicheren Ort und am Weihnachtsabend überreichte er es freudestrahlend seiner Ehehälfte. Diese nimmt mit herzlichem Danke das Geschenk entgegen und öffnet voll Spannung das Paket. Doch sie glaubt ihren Augen nicht zu trauen und auch ihr Ehemann steht da mit einem keineswegs geistreichen Gesicht. Zum Vorschein kommen nämlich zwei große Sägen, wie sie der Tischler gebraucht. Der gute Ehemann hatte Haussägen statt Haussegen geschrieben. * Auf dem Gornergrat. Herr v. Stritzow: »Nu ja, Jejend iS ja nich übel; aber wenn man sich die Berge wegdenkt — was bleibt denn da?" * Die Vorbedingung. Trunken blickten sie einander tn die Augen — lange Zeit, aber er konnte nicht das rechte Wort finden. Da plötzlich machte er eine Entdeckung. „Sie haben die reizenden Augen Ihrer Mutter," sagte er. Sie fühlte, daß es Zeit war, den Trumpf auszuspielen. „Ich habe auch," sagte sie, „das entzückende Scheckbuch meines Vaters." . . . Binnen 30 Minuten waren sie verlobt. Univerjitüts-Uachrlchten. — Professor Dr. v. Esmarch. Am 9. Januar vollendet der Nestor der deutschen Chirurgen, Prof. Dr. v. E s m a r ch zu Kiel das 80. Lebensjahr. — An der Berliner Universität hat sich heute Herr Dr. Otto 608er t mit einer Vorlesung über die indirekte Entfernungs- mefsuug als Prioatdozent in der philosophischen Fakultät eingesührt. . — Nach einer Meldung aus Breslau starb der Geheime Me- oizmalrat Universitätsprofessor und Direktor der kgl. med. Klinik Dr. Alfred Käst in Nizza. Landwirtschaft. ö, Jan. Heute wurde der Vortragskurs unter sehr zahlreicher Beteiligung, namentlich der rhemhessischen Landwirte, »m großen-^aa le der Liedertafel eröffnet, Geheimrat HaaS begrüßte die Teilnehmer und Vertreter der Großherzoglichen Regierung, Oberregrerungsrat Hölzinger und Regierungsrat Freiherr v. Stark, den Provinzialdirektor Frei Herrn v. Gag er n und den Vertreter des Wemhandlerverbandes Herrn Harth. Herr Oekononuerat Lichtenstein begrüßte als Präsident deS Landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Rheinhessen insbesondere die Teilnehmer aus den beiden anderen Provinzen mrd gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß in dem Vortragsprogramm auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse der Provinz Rheinhessen ganz besonders Rücksicht oenommen ist. Als erster Referent besprach Prof. Dr. Kuli sch-Kolmar „Neuere Erfahrungen auf dem Gebiete der Kellerwirtschaft", dem ein Vortrag von K. H. Koch-Mainz über „Die modernen Anforderungen an die Qualität des Weines" folgte. — Wie uns mitgeteilt wird, hat das Programm des Vortragskurses )ür praktische Landwirte, der vom 7. bis 10. Januar in Mainz ftattflnbet, irr letzter Stunde eine Abänderung erfahren. Herr Dri Rabe-Halle, der Direktor der LandnürtschaftSkammer für die Provinz Sachsen, wird erst am SamStag in der letzten VortraaSstunde sein Referat über die Landwirtschaftskammerfrage erstatten; dagegen wird der Vortrag von Herrn Geh. Rat Wagner über „Allerlei Düngungsfragen" am gleichen Tage um eine Stunde früher gelegt und das Referat des Herrn Professors Dr. Albert-Gießen aus dem Gebiete der ^Fütterungslehre" von SamStag auf Donnerstag den 8. Januar, vormittags 1L80 Uhr verlegt. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme ««frage« bleiben unberücksichtigt.) An mehrere Fragefteller. Wenn von gewißer Seite der Versuch gemacht wird, den unabhängigen »Gießener Anzeiger" mit den Bestrebungen deS Abg. Köhler zu identifizieren oder unser Blatt gar als dessen .Moniteur" hinzustellen, so ist das ein geradezu verwerfliches und aufTäuschung des Publikums berechnetes Beginnen. Dasselbe ist der Fall, wenn die von uns bekannt gegebene amtliche Drucksache Str. 74, die den Antrag Köhler über die Professur für Nationalökonomie an der hiesigen Universität betrifft, als ein _An- grifidartifel" deS „Gießener Anzeigers" bezeichnet wird. Man kennt ]ö die Quelle, aus der solche Anzapfungeii stießen, ganz genau; wir halten es aber nicht der Mühe wert, uns näher mit ihnen zu beschäftigen. Arbeiterbewegung. Uebcr beschlossene Lohnrednktiouen wird vom Niederrhein geschrieben: Sämtliche Sammetfabrikanten des Niederrheins haben eine Reduktion der Löhne in Höhe von 8—10 pCt. beschlossen, welche mit dem 16. Januar in Kraft tritt Diese Lohnreduttwn ist für die Arbeiter umso empfindlicher, als die Arbeitszeit schon vor sechs oder acht Wochen eine bedeutende Einschränkung infolge des schlechten Geschästsganges erfahren hat. In einzelnen Fabriken wird m jenem Bezirk weniger als 30 Stunden wöchentlich gearbeitet. Unter der Arbeiterschaft herrscht eine große Erregung über das einseitige Vorgehen der Fabrikanten. Die einzelnen Crgam- sationen werden in nächster Zeit zu der Angelegenheit Stellung nehmen. Gerichtssaal. Franyurt a. M., 7. Jan. (Kriegsgericht der 21. Division.) Biel erlebt hat der Musketier Wilhelm Eppinger von der 8. Komp. 88. Jnf.-Ne?ts. (Mainz^, seit er den „bunten Rock" trägt. Im Jahre 1899 wurde er zum ersten Male fahnenflüchtig und ging ins Ausland. Er kehrte jedoch bald mittellos nach Deutschland zurück und wurde wegen Fahneiislucht bestraft Am 23. März 1900 hatte er die Strafe verbüßt, und drei Wochen später, am 13. April 1900, wurde er abermals flüchtig. Ein Jahr lang arbeitete er in Luxemburg als Gärtner, dann „walzte" er in das schöne Frankreich hinein. Dort verübte er eines Tages in trunkenem Zustande groben Unfug und fiel einem GenSdarm in die Hände. Er wurde mit Zurückschiebung über die Grenze bedroht, roenn er nicht einen Revers unterschreibe, daß er bei der Fremdenlegion eintreten wolle. Eppinger unterschrieb und bald war er in Algier. Als Legionär gefiel es ihm noch schlechter als bei dem deutschen Militär. Deshalb machte er zwei Fluchwersuche, die aber vereitelt wurden und ihm u. A. drei Jahre Gefängnis eintrugen. Nachdem er ein halbes Jahr gesessen hatte, gelang es ihm doch noch zu entwischen. Ein Dampfer brachte ihn nach England und von da nach Dänemark. Von hier aus wurde er als mittellos nach Deutschland abgeschoben. In Kiel, wo ihn die Dänen ablieferten, saß er einen Monat unter falschem Namen hinter Schloß und Riegel. Dann bekannte er erst, woher er kam der Fahrt. Er wird zu anderthalb I a h r e n ® e f fi n g ni S und drei Wochen Haft verurteilt Außerdem ©ediert er die Kokarde. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Wetzlar, 7. Jan. Bei Ausschüttung der KonkurS-Maffe der Firma Müller, Packard». Eie. werden 17,2 Prozent zur Verteilung gelangen. Neueste Meldungen. Origi«aldrahtmeld«ngen des Gießener Anzeiger. Berlin, 8. Jan. Aus Tanger berichtet der „So tat- Anzeiger" Über die Wirren in Marokko: Gestern ging die französische beim Hose des Sultans attachierte Militär- Kommission nach Fez ab zur Ersetzung der mit der Instruktion der marokkanischen Artillerie betrauten Kommission. Sie wird von dem ersten Sekretär der französischen Gesandtschaft begleitet, der zwar private Interessen vor- schützt, tatsächlich aber eine besondere Mission seiner Regierung erfüllen durste. — Wie dasselbe Blatt ans Paris meldet, gift der Weg von Tanger nach Fez jetzt als sicher. In Fez sind 4000 dem Sultan treue Reiter eingetroffen, die an dem bevorstehenden Sühne-Feldzug gegen Buhamara teilnehmen sollen. Dieser sammelt seine Streitkräfte bei Tazza. In seinem Lager herrscht angeblich Hungersnot. — In derselben Angelegenheit berichtet noch die ,/Voss. Ztg." in Gibraltar: Hier steht man den Vorgängen in Marokko sehr pessimistisch gegenüber. En.glische, portugiesische und spanische Kriegsschiffe liegen bereit. Tie englische Admiralität hält eine Intervention für wünschenswert. Gleichzeitig wird gemeldet, daß unter den Rebellen Uneinigkeit herrsche und der Sultan daraus Vorteil zieht. Berlin, 8. Jan. Nach dreijähriger Pause sollen in diesem Winter am Berliner Hofe die großen Festlichkeiten wiÄrer in vollem Umfange ftattfiubeu. Das erste Fest ist auf den 15. ifci. M. angesetzt. Ten Abschluß bildet am 24. Februar ein Fastnachtsball im königlichen Schloß. — In dem bekannten Künstler-Prozeß Geyger- Klinger ist nunmehr ein neuer Termin zur Hauptverhandlung auf den 12. d. M. vor dem hiesigen Schöffengericht anberaumt. Alle Versuche, einen Ausgleich zwischen den Parteien zustande zu bringen, sind gescheitert. — Nach einer Newyorker Meldung liegt der bekannte Komponist Sousa an einem schweren Lungenleiden darnieder. Sein Zustand soll hoffnungslos sein. Berlin, 8. Jan. Die Berliner Handelskammer wählte für das Jahr 1903 zum Präsidenten den Geh. Kommerzienrat Herz, zu Vizepräsidenten den Geh. Kommerzienrat Arnold und den Generalkonsul v. Mendelsohn. Die Kammer setzte eine ständige Kommission zur Bearbeitung von Börsen angelegenhetten ein. Lanau, 8. Jan. Bei der vorgestern und gestern statt- gehaoten Stadtverordneten-Ersatzwahl erhielt der sozialdemokratische Kandidat Reis 1278 und der Kandidat der vereinigten bürgerlichen Parteien, Rotermundt, 1058 Stimmen. Mit Reis zieht der fünfte Sozialdemokrat in die Stadtverordneten-Versammlung ein. Dresben, 8. Jan. Der Kronprinz wohnte gestern dem Gottesdienste in der Hofkirche bei. Als der Geistliche in seiner Predigt die Kronprinzessin erwähnte und zu Gott betete, sie auf den richtigen Weg zurückzuführen, schluchzte der Kronprinz mehrere Male laut auf. London, 8. Jan. Nach einer Meldung aus Caracas ist es unmöglich, die Geschütze wieder nach Puerto Cabello zu bringen, da sie gegenwärtig von der venezolanischen Negierung gegen die Revolutionäre gebraucht werden. Varis, 8. Jan. Der Maxüneminister richtete an die Seebehörden ein Rundschreiben, in dem er mitteilt, bei allen Arsenalen und Werkstätten/ außerhalb der Häsen den Achtstundentag einzufllhren, da sich der an mehrere« Stellen gemachte Versuch hiermit bewährt habe. Madrid, 8. Jan. Tie Beerdigung SagastaU gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung^oormr alle Bevölkerungsschichten teilnahmen. Truppen in Gala^ Uniform bildeten Spalier und schlossen sich später dem gewaltigen Zuge an, dessen Spitze das gesamte Ministerium, die Kammer-Präsidenten, Prälaten und die Verwandten deS Verstorbenen bildete. Ter König hatte nach dem ^Berliner Tageblattt' Hellebardiere und berittene Leibgarde gesandt. Tie kirchliche Zeremonie vollzog der Bischof von Toledo. Tie Leiche wurde interimistisch in der Nähe des Monument- Prims beigesetzt. Barcelona, 7. Jan. Der AuSstand bcrflru&r* leute wird immer ernster. Die Ausständigen begehe« Gewalttaten und versuchen den Ausstand w einem allgemeinen zu machen. Die Polizei schützt die Freiheit der Arbeit. Dabei kommt es zu Zusammenstößen, wobei geschossen wird. Die Ausständigen haben die PettoleumdepotS der Nordbahngesellschaft unter Wasser gesetzt und drohen, sich an den auf verschiedenen Stationen lagernden Waren zu vergreifen. Zwei Oriinibomben, ähnlich denjenigen, welche das Unglück im Liceum verursachten, wurden auf einem Felde bei der Stadt aefunben. Die Entdeckung wird unter den gegenwärtigen Umständen als bedeutsam cm- gesehen. Der Gouverneur hat die Zusammenziehung der Bürgergarde angeordnet. Wien, 8. Jan. Im Redoutensaal der Hofburg fand gestern unter dem üblichen Gepräge der Hofball statt in Anwesenheit des Kaisers, der kaiserlichen Familie, der Hof- und Staatswürdenträger, des Ministers deS Aeußern, Grafen Goluchowski, des Kriegsministers v. Pitreich, der Ministerpräsidenten v. Körber und v. Szell, der österreichischen Minister, des diplomatischen KorpS, deS Hochadels, der Mitglieder beider Hauser des ReichSradS, der Generalität u. s. w. Der Kaiser zog die meisten Mttglieder deS diplomattfchen Korps m3 Gespräch. Wien, 8. Jan. Nach Genfer Privatdepescben ergaben sich in den gestrigen Verhandlungen ttvischen den Rechtsanwälten des Kronprinzen mrd der Kronvrinzesstni von Sachsen wesentliche Schwierigketten In der Frage der künstigen Stellung der Lronprinzessin als Mutter. Die Kronprinzessin verlangt weitgehende Zugeständnisse hinsichtlich ihrer mütterlichen Rechte, insbesondere die ErlonbnrS^ wann und wo immer es ihr beliebt, ihre Kinder sehen yt können. Ter Kronprinz erklärt hierauf nicht eingehen «u; können. Tie Kronprinzessin gab die bestimmte schriftliche Erklärung ab, sie wünsche die völlige Auflösung inrer ©ge und werde sich dann mwerzüglich mit Giron verheiraten. Wien, 8. Jan. Die ,N. W. Ztg." meldet aus Salzburg: Gestern abend fand in der Kaiserlichen Familie ein Familienabend statt. Im Famllienrat wurde beschlossen, dem Erzherzog Leopold Ferdinand das ganzeErbtell ans- zuzahlen und alle Beziehungen mit ihm abzubrechen. Belgrad, 8. Jccn. Die Regierung hat mtt 11 östrsich- ungarischen Fabriken die Lieferung von 4Q Millionen Stück Patronen abgeschlossen. Konstantin opel, 8. Jan. Nachdem die Pkorte da-» von Kenntnis erhalten baden toiH, daß die Machte auf Vorschlag Rußlands und Oesterreichs beabsichttgeu, ein autonomes Macedonien ui schaffen, wäches von einem durch sie ernannten christlichen Gouverneur verwaltet und konttolliert werden soll, geht die Pforte mtt der Wsicbt um, diesem Schritt der Mächte KnvorMkommen und für die von Christen überwiegend bewoHlten Poovtn^o christliche Gouverneure zu ernennen. Pretoria, 7. Jan. Aus einem ihm zu Ehre» ver- anstatteten Bankett hiett Ehamberkain eine Rede> tu welcher er bemerkte, er und Milner Hütten sich über den Plan geeinigt, die Regelung der Entschädigungs-Anstzrüche zu beschleunrgen. Peking, 7. Jan. Sämtliche Gesandten, mtt Ausnahme desjenigen der Vereinigten Staaten, unterzeichneten nunmehr die gemeinsame Note, in der China auf die durch baß Friedensprotokoll übernommene Pflicht, die EntschLdigungSzahlung auf der Goldbasis zu leisten, ernstlich hingewiesen wird. Washington, 7. Jan. Der deutsche Botschafter Dr. v. H o l l e b e n, welcher an einem ernsten Jnfluenzaansaü ev» krankt war, suchte einen längeren Urlaub nach. Washington, 8. Jan. Die Antwort Italiens auf die Vorschläge Castros ist hier eingegangen. Dem Vernehmen nach ist sie nach demselben Gesichtspunkt abgefaßt, wie die Antwort Deutschlands und Oestreichs, und wird, wie letztere, dem amerikanischen Gesandten Bowen zur lieber» reichung an Castro übermittelt werden. Washington, 7. Jan. Präsident Roosevelt konferierte heute mit dem Sprecher Handersson Und dem Mitgliede des Repräsentantenhauses, Govemon, über die gegen die Trusts geplante Gesetzgebung. Es verlautet, der Präsident habe ihnen seinen Wunsch dargelegt, dass in der gegenwärtigen Tagung des Parlaments eine Gesetzgebung ein geleitet werde, die sich mtt dieser Frage befasse. Der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten genehmigte einen günsrig lautenden Bericht über den allgemeinen internationalen Schiedsgerichtsvertrag, welcher auf dem jüngsten panamerikanischen Kongreß als wünschenswert bezeichnet wurde. Der Vertrag entspricht völlig dem Haager Schiede gerichtsvertrag, bezieht sich aber nur ans die westliche 5^alb kugel. — Im Senat brachte Ho ar ein Gesetz gegen die Trusts ein. Das Gesetz bezweckt die Beschleunigung deS Verfahrens bei unter dem bestehenden Äntitrustgesetz anhängig gemachten Klagesachen. — Littlefield brachte int Repräsentantenhause ein ähnliches Gesetz ein. Pitts bürg, 7. Jan. In der Nähe von DuqueSne stieß ein Passagierzug der Pittsburg-Virginia-Eisenbahn mit einem Güterzuge zusammen. Nach Berichten von Eisen- bahnbeamten wurden zehn Personen getötet und eine große Anzahl verletzt. Telephonischer Kursbericht . 85.26 3l/e% KeiohBanleJhe do. 3«/o 102.70 91.95 102.55 91.90 101.35 99.80 103.35 4»/ Italien. Rente 4’/»% Portugiesen \0j Portugiesen. . \% C. Türken Türkenluee . . . S^/o Mexikaner . . 4Vs7c Chinesen . . Electric. Bchuckert . Nordd, Lloyd . . Kreditaktien . . , Diakonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsgea. Oeeterr. Staatebalin . Lombarden « ♦ • G-otthardbahn . . . Laurai ütte . . . . Bochum . . . . . 103.50 81*40 . 91.45 . 79.50 . 9520 . 21730 . 192.40 . 136.80 . 146.— . 158.70 . 148.80 . 15.80 . 181.80 . 215.50 . 182.— 3Vt% Konsole . • 3°/<, do . . . 3Hessen . . 3 % Oberheseen 456 Oesterr. Goldrente 4‘/3% Oeeterr. Silber reute 101.10 4% Ungar. Goldrente, . . 101.65 4% tiriech. 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