Montag ^.Dezember 1903 Nr. 287 153. Jahrgang Zweites Blatt« General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Berlin, Zentrum im die Mitglieder acht Tage vor Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Rotationsdruck und Verlag der Brü h l'schen Universitätsdruckerei (Prerfch Erben), Gießen. und tiefer Religiosität zurück auf die den Mühseligen und Beladenen gebrachte Heilsbotschaft Christi. Der Ruf nach scharfem Durchgreifen der Polizei ist vollends geschmacklos, denn unser Volk ist reif genug zu eigenem Urteil und braucht keine polizeiliche Bevormundung in derlei Dingen. Darum ist die Zurückhaltung der hessischen Polizei gerade als taktvoll höchst rühmenswert. — Um zu verhüten, daß die Gymnasiasten zur Ab» legung ihres Abiturienten-Exa mens erst mit 23 bis 25 Jahren befähigt sind, hat der preußische Kultusminister angeordnet, daß fortan für die aufzunehmenden Schüler folgende Altersgrenzen streng innezuhaltcn sind: Für die Sexta 12 Jahre, für die Quinta 13 Jahre, für die Quarta 14 Jahre. Ergiebt sich nach der Prüfung, daß der aufzlinehmende Schüler die bezügliche Grenze überschritten hat, so ist von der Aufnahme unter allen Umständen Abstand zu nehmen. Olmütz, 6. Dez. Wie der hiesige „Pozor" aus guter Quelle berichten zu können behauptet, haben die römischen Kongregationen, welche die Untersuchung gegen den Erzbischof Tr. Lohn führten, in aller ihm zur Last gelegten Vergehen, namentlich der Verletzung des Beichtgeheimnisses für schuldig befunden, und es wird nunmehr über die Bestrafung desselben beraten. Kirche und Schute. Im ,Hess. Kirch en blatt" meint ein Einsender, Gorki's „Nachtasyl" im Woogsplatztheater zu Darmstadt am Totensonntag und in dec Landestrauer habe sich eigentümlich ausgenommen, und fügt den Wunsch hinzu: „Wenn doch nur die Polizei einmal scharf durchgriffe!" — Der Herr Einsender urteilt mit diesen Worten über eine Dichtung, die er offenbar nicht kennt. Sie greift in echter parlamentarisches. 5. Dez. Rach der „Germania" brachte das Reichstag einen Gesetzentwurf ein, nach dem des Hauses, so lange dieses versammelt ist, der Eröffnung und nach Schluß freie Fahrt Ganz allgemein ist voranzustellen, daß der Offizier i in seinen sämtlichen Ausgaben, seien es auch die kleinsten, anfangen soll, zu rechnen — rechnen, nicht knausern. Es j ist sehr wohltuend, wenn man auf das Gelo nicht zu achten braucht; man kann damit leicht liebenswürdig, namentlich , ein vortrefflicher Gesellschafter und Kamerad sein. Aber in dieser glücklichen Lage befinden sich nur die allerwenigsten Offiziere. Die anderen sollen sich vor allen Dingen mit der Empfindung erfüllen, daß es für den Kavalier keine Schande ist, wenn er einmal erklären muß, das Geld für 1 eine Ausgabe nicht zu haben. Es ist nicht leicht, sich von ' gemeinsamen Veranstaltungen auszuschließen; denn der ein- । zelne ist dabei mancher Neckerei, manchen abfälligen De- t merkungen ausgesetzt. Wer sich «gbcr klar macht, daß namentlich der junge Offizier den größten Teil des Geldes, das er ausgibt, nicht selbst erwirbt, sondern von Eltern oder Verwandten erhalt, der wird auch dazu kommen, das Eingeständnis der Armut nicht zu scheuen. Unehrenwert ist es, auf anderer Leute Kosten nobel zu sein. Das ist des Hochstaplers Geschäft; ihm wollen wir es auch lassen. — Sehr viel können die Regimentskommandeure in dieser Beziehung tun, wenn sie in ihren Offizierkorps gemeinsame Vergnügungen schlichter Art, wie kleine Sommeraus- lüge, an den ohnehin knapp bemessenen freien Tagen an- regen. Die Hauptsache bleibt, daß im Offizierkorps jede ätsche Scheu vor der Armut und materiellen Dürftigkeit wieder, wie einst, verschwinde, und daß der Ossizierstand sich der schönen Ausgabe bewußt werde, mit diesem guten Beispiel den übrigen Ständen voranzugehen. Er kann sich damit, den inneren Gefahren gegenüber, die unser Volksleben bedrohen, ein ebenso großes Verdienst erwerben, wie gegenüber der äußeren Gefahr mit dem Schwerte in der Hand. Keine Mühe darf daher gescheut werden, den Offizier wieder mit dem Stolze der Armut zu erfüllen, den einst der Ordensritter empfand, als er dieser Göttin mit bloßem Haar und nackten Füßen die ewige Treue schwor. 3m Kischinewprozeß drückte der G«ouver:untentsoeamte Buchalo feine Empörung darüber aus, daß die We i n h a n d l u n g des David Feldstein, welche sich gerade gegenüber dem zweiten Polizeirevier befand, vollständig zerstört wurde, während die Polizisten zuschauten. Am Marktplatz sei es nur deshalb nicht zu Ausschreitungen gekommen, weil die dort angesammelten jüdischen Lastträger die Exzedenten abwehrten. Besonderes Interesse erweaten die Aussagen des christlichen Arztes Dr. Doroschewsry. Er hörte am Ostersonntag in Odessa von Ruhestörungen und kehrte mit dem Kurierzug nach Kischinew zurück. Tags darauf ging alles br unter und drüber. Doros chewsky hatte als Spital- arzt den Verwundeten die erste Hilfe zu leisten. Der Anblick der Verwundeten war derart furchtbar, daß er ihn mit Worten nicht schildern kann. An den Leichen sah man, daß sie lange gemartert und dann grausam verstümmelt waren. Bei einer Leiche fehlte ein Ohr, bei anderen war das Gesicht zur Unkenntlich leit entstellt. Einem einäugigen Manne war auch das zweite Auge ausgeschlagen. Ern Kollege sagte ihm, einer Leiche sei der Bauch auf» geschlitzt und mit Federn gefüllt worden. Der Schuster Audrusjew erzählte ihm, er habe in Gegenwart des Untersuchungsrichters einer Leiche zwei eiserne Nägel aus der Nase gezogen und dem behandelnden Arzte übergeben. Der Gerichtshof beschloß, diese Zeugen vorzurufen. Doroschewsky hat kurz nach den Exzessen in einem russischen Blatte die ihm zur Kenntnis gekommenen Schündliajkeiten veröffentlicht, woraus der Gouvernementsoberarzt Pretfatkowitsch zu ihm kam und ihn ausforderte, seine Mitteilungen zu widerrufen, da sich sonst für ihn unangenehme Folgen einftellen würden. Auf die Frage, wann er seines Postens als Spitalarzt enthoben wurde, antwortete Doroschfewsky: am 16. Mai; auf die weitere ^age, wann ihn der Untersuchungsrichter Freynat vernommen hätte, sagte Doroschewsky: am 14. Mai, Freynat habe aber seine Aussagen entstellt wiedergegeben. Der Konfektionär Fischmann erzählt sehr aufgeregt, wie am Ostermontag bei seinem Geschäft die Rollläden aufgebrochen, fein ganzes Warenlager herausgezerrt, mit Füßen getreten, zerfetzt und verdorben wurde. Dabei hatten sogar der Bizcgouverneur Ustrugow und der Oberst Chausenkow sowie Polizisten und Soldaten zu- geschaut. Dieser Zeuge hat gehört, wie der Notar Pissartschewsky zum Stadtrat Sinardmo laut sagte: „Das ist einmal ein Festtag!" und zu der Menge gewendet: „Gehet heim und legt Eure Sonntagskleider an!" Der Student Malaij rief mit lauter Stimme: „Rasch zur Arbeit, die Zeit ist kurz!" Hieraus wurden die Familienmitglieder der getöteten Opfer vernommen. Auf die Frage, ob er die Mörder erkennen würde, sagt Barancwiisch: „Sie sind hier unter den Angeklagten anwesend; Kicjka, Marasjuk, Koles- nitschenko und Tscyemesko haben Galanter sowie meinen Sohn bestialisch erschlagen; mein Kind schrie herzzerreißend um Hilfe. Mir riefen Sie zu: „Rühr' Dich nicht, oder wir machen auch Dich wie einen Hund tot!" Er selbst wurde nur durch das Dazwischentreten von Soldaten gerettet . Als er sich nach den übrigen in einem Stall verborgenen Familienmitgliedern umsehen wollte, trat der Polizei- prtstaw Solowkin in den Hof und fragte ihn: „Warum weinst Du, hier ist doch niemand gemordet worden?" Baran owitjch zeigte ihm die Leichen, worauf Solowkin nur „Richtig!" sagte und dann feine Aufmerksamkeit seinen , Stiefeln widmete, mit denen er durch eine Blutlache geschritten war; er veranlaßte nichts zum Schutze der Bedrängten. ______ Erschein, tagtttb mu Ausnahme de§ Sonntags. A 3 A. AM D »eietnt. Samillenblättef werden dem । I äß H „Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der M B WL, B l'L W, §3 W „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. V IS V V V XZ M W v V Aus Hlürt und &anik Gießen, 7. Dezember 1903. ** Personalnachrichten. Am 30. November d. I. wurde der Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Alsfeld, Jakob Hummel, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an in den Ruhestand versetzt und erhielt das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ernannt wurde am 2. Dezember d. I. die Gefangenwärterin am Landeszuchthaus Marienschloß, Wilhelmine Zier le in, geb. Biebncher, zur Gefangenaufseherin an dieser Anstalt. **DieAllgemeine Sterbekasse Gießen hielt am 6. d. M. ilrrc Hauptversammlung in der Restauration Albold. Die Kasse trat damit iw rhr 15. Geschäftsjahr. Nach dem vom Kassierer Bruchhäuser erstatteten Geschäftsbericht zählt die Kasse 1199 Mitglieder; im verflossenen Jahre hatte sie einen Zuwachs von 105 Mitgliedern. Es schieden aus 12 (9 durch Tod, 3 durch Ausschluß). Während seines Bestelens zahlte der Verein an Sterbegeld: an 15 Mitglieder je 75 Ml., an 15 je 100, an 24 je 120, an 23 je 150, an 10 je 170, an 14 je 185, an 13 je 200, an 12 je 210 und amI 9 Mitglieder je 230 Mk. Außerdem besitzt der Verein einen bei der Gewerbebank angelegten Neservefoud von 5348 Mk., sodaß er im stände ist, auch in außergewöhnlichen Fällen seinen Verpflichtungen nachzukommen. Vom 1. Januar 1904 ab wrrd das Sterbegeld auf 250 Mk. erhöht. Bei jedem Srerbesall werden pro Mitglied 25 Psg. erhoben. Wegziehende Mitglieder können der Kasse weiter angehören, wenn diesbezügliche Mitteilung an den Vorstand erfolgt. Das Eintrittsgeld ist nach dem Beitrittsalter abgestuft; es beträgt 1 Mk. für Mitglieder im Alter von 16 bis 25 Jahren und steigt von 5 zu 5 Jahren Lebensalter bis zu 7 Mk. bei 40 bis 45 Jahren alten Mitgliedern. Bei jeder Ausnahme ist ein Sterbefallbeitrag von 25 Psg. zu entrichten. Der Vorstand besteht nach der in der Hauptversammlung vorgenommenen Vorstandswahl aus nachf- stehend verzeichneten Mitgliedern: H. Seidewand (1. Vorsitzender), Emil Noll (2. Vorsitzender), H. Bruchhäuser -Rechner), G. Beckmann, K. Stadler, August Bock (Beisitzer), K. Bonarius (Schriftführer), L. Schnecko, Gustav Holtberg, Herrn. Müller, Heinr. Fourier, Daniel Linker (Aufsichtsratsmitglieder). — Die Einnahme betrug im Jahre 1902/03 3059.93 Mk., die Ausgabe 2719.38 Mk., sodaß ein Ueber- schuß von 340.55 Mk. verblieb. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Auch an dieser Stelle fei darauf hingewiesen, daß die für heute annoncierte Renaissance-Vorstellung nicht stattsind et. Aus Rücksicht für den Bazar findet die nächste Abonnementsvorstellnng erst am Freitag, den 11. d. M'., statt. Dienstag, den 8. Dezember geht als 5. Volls-vorstell- ung L'Ärronges beliebtes BoWstück „H a s e m a n n s T ö ch- ter" in Szene. Für Mittwoch, den 9. Dez., nachmittags 3V2 Uhr ist eine Schülervorstelluna angesetzt, die Goethes „Geschwister" uni) Schillers „Wallensteins Lager" bringt. Die Preise für diese Vorstellung betragen 1 Mk. für Loge, 60 Psg. für Sperrsitz und 40 Psg. für alle andern Saalplätze. Gallerte kostet 20 Pfg. Sämtliche Plätze mit Ausnahme von Gallerte sind nummeriert. Das Ende dieser Vorstellung, die selbstverständlich auch für Erwachsene zugänglich ist, ist gegen 5*4 Uhr. ** Ein Weckdieb. In der Ludwigstraße wurde heute in der Frühe gegen 8 Uhr ein Weckdieb auf frischer Tat erwischt und zwar in Gestalt eines Jagdhundes, der gegen die tzaustüre sich auf geteilt hatte, mit festem Ruck tue an dem Türdrücker hängenden zwei 2M6eutel abriß und mit der Beute davonjagte. Ein ihm nachgeworfener Prügel hatte zur Folge, daß das Tier den einen Weckbeutel fallen ließ. Früher schon voraesundene defekte Weckbeutel lassen üermuten, daß der Wcckfreund diesen Beutezug schon länger betreibt. ♦* Vervielfältigungsapparat Tipp Topp. Die Firma P. Henning, Frankfuri a. M., Taunusstr. 30, wird, wie man im§ mitteilt,, den in Nr. 281 unseres Blatt.s> ausführlich besprochenen Vervielfältigungsapparat „Tipp Topp" Ende dieser bezw. Anfang nächster Woche den Interessenten selbst vorführen. Weitere Anfragen sind direkt an die Firma zu richten. Darmstadt, 6. Dez. Die Großfürstin Sergius von Rußland ist heute früh nach Petersburg zurückgereist. Zur Verabschiedung hatte sich der Großherzog am Bahnhof eingesunden. auf den Eisenbahnen und für die Dauer ihrer An- j r 'senheit in Berlin Anwesenhetsgelder von 20 9)1 f. j fü den Tag erhalten sollen. Der Anwesenheit in Berlin ist i glüch, wenn der Abgeordnete durch Arbeiten für den Reichs- : tag verhindert ist, in Berlin anwesend zu sein. Event. Land- 1 tagsdiäten werden davon abgerechnet.— Die Reich Spartei • hat im Reichstag den Antrag eingebracht, den Reichskanzler j zu ersuchen: 1. angesichts der bei den letzten preußischen Land- , tagswahlen vorgekonunenen Ausschreitungen auf eine Er- , Weiterung und Verschärfung der im § 107 des Strafgesetz- । buchs zum Schutze der Wahlsreiheit getroffenen Be- i stimmungen im Wege der Gesetzgebung hinzuwirken; 2. Maßnahmen zu treffen, um die Wählerlisten gegen fahrlässige - Auslassungen und mißbräuchliche Eintragungen zu sichern und betrügerische Ausübungen des Wahlrechts unmöglich zu ! machen. Dieser Antrag hat wohl zunächst den Zweck, eine Debatte über die Vorgänge bei den letzten Wahlen herbeizuführen, die sich zu einer Sozialistendebatte auswachsen dürfte. — Die nationalliberale Reichstagsfraktion hat folgende Initiativanträge rtngebracht: 1. Antrag Dr. Hiebe r-Be ck-Heidelberg: Der Reichstag wolle beschließen: die verbünbeten Regierungen zu er- juchen, baldigst dem Reichstage einen Gesetzentwurf vorzulegen zur Abänderung des Gesetzes vom 1. Juni 1870 über den Erwerb und Verlust der deutschen Reichs- und Staatsangehörigkeit, demzufolge ein Deutscher diese Rechte in der Regel nicht gegen seinen Willen verlieren tarnt, der Wied er erwerb der Reichs- und Staats- angehörigteit seitens früherer deutscher Reichsangehöriger unb die Diaturalifation von Nachkommen von Deutschen erleichtert, dagegen die 9caturalisation von Ausländern erschwert wird. 2. Antrag Dr. Hieber-Jrbr. v. Heyl- Dr. Paascye: Der Reia)stag wolle beschliepen, die verbündeten Negierungen zu ersuchen, dem Reichstage tunlichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher bezüglich der Gehilfen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, ferner der Beamten und Angestellten der Krankenkassen über die Arbeitszeit, die Kündigungsfristen, die Sonntagsruhe, die berufliche Aus- und Fortbildung die gleichen oder ähnlichen Schutzvorschriften enthält wie das Haitdelsgesetzbuch und die Gelverbeordiiung hinsichtlich der Handelsaugestellten. 3. Antrag Beck- Patzig-Tr. Hi eher: Der Reichstag wolle beschließen: die oerbünbeteu Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, welcher das Vereins- und Versammlungsrecht für alle Bunde s st a a t e n einheitlich ordnet, soweit dasselbe nicht schon durch das Bürgerliche Gesetzbuch getroffen wird. 4. Antrag Wallbrecht: Der Reichstag wolle beschließen: den verbündeten Regierungen baldigst einen Gesetzentwurf wegen Sicherung der Bauforderungen vorzu- leaon 5. Antrag Dr. Sattler, der den am 8. Mar 1901 VE Reichstage mit großer Mehrheit angenommenen Gesetzentwurf, betreffend die Anwesenhertsgelder als Initiativantrag ausnimmt. Der früher vom Abg. Basser- mann und der ge,amten Fraktion wiederholt eingebrachte und vertretene Antrag auf Einführung kaufmännischer Schiedsgerichte findet seine vorläufige Erledigung durch den in der Thronrede an gekündigten, im Laufe der jetzigen Session zu erwartenden Gesetzentwurf der Re- gierung. ^Mische Tagesschau. Das Befinden des Kaisers. Obgleich^ erst jetzt in der Thronrede amtlich festgestellt worden ist, daß die Heilung des Kaisers in durchaus erfreulicher Weise fortschreitet, werden rmAus- land vielfach entgegenfte^ube und beunruhigende Mllterl- ungen verbreitet. Demgegenüber ist, so liest man m der Köln W', sesHustellen, daß die behandelnden Aerzre nach> L vor über^ den gnt °r ti g en C h°r a kte r der Ertränkung keinen AugenblrckrmZwelsel sind, daß die Heilung normal verläuft und daß das Ge,amtbe. finden des Kaisers, wenn ihm auchi dre erzwungene Schonung naturgemäß unbequem ist, nrchts zu wünschen übrig läßt. ^ur Dotation 961^6« werden sollte, hat der Kaiser seme ausdrualiche W.llens- meinung den zugezogenen Aerzten nicht nur dahm ausgesprochen, daß sie ihrer wissenschaftlrchen Mbcrzeugung chm gegenüber rückhaltlosen Ausdruck geben sollten, sondern daß auch der Oeffentlichkeit gegenüoec kernerler lber- tuschungs- oder Beschönigungsversuche gemacht werden sollten. Diesem Befehl entsprechend rst verfahren worden, und in den ausgegebenen Krankenbericht ten wurde jederzeit der volle, wir kltche Tatbestand wahrheitsgemäß d a r,ge st e I I t. Wenn 1 pater die Berichte eingestellt wurden, so hatte das offenbar leinen Grund darin, daß der normale Verlauf der Speilung eine weitere Berichterstattung unnötig erscheinen lle^. Dieser Zustand dauert auch heute noch an, und me öffentliche I-ieinung hat keinen Grund, srch durch, p e s f r - mistische oder sensationelle Nachrichten ,n Beunruhigung versetzen zu lassen. Erneral v. d. Goltz über die Dertcnerung der OffirierNansbah!-. Mr erwähnen in unserer heutigen „Polnischen Wochen- lckau" daß oer kommanLierenbe General des 1. Armee- orvs Freiherr ti. b. Goltz, der durch seine Resormtattg eit n türlifchen Diensten rühmlich bekannt geworden rst, sich über den Luxus im deutschen Heere und besonders über dre sunelMcnd« VerteuerunA der chfizierslaufbahn ausgelassen hat. ^Er ,g!ibi den Offneren fotzende srnanzrellen Imt- 'chläge: Frankfurt n. M., b. Dez. Der Kaiser hat sich bte Plane für den Neubau deS Senckenberqianums ein- reichen lassen. Dieses neueste Interesse sei wohl daraus zurück- zuführen, daß die Kaiserin das Protektorat der Senckenberg- ichcn naturforschenden Gesellschaft übernommen hat. Wiesbaden, 5. Dez. In der gemeinsamen Sitzung 6er Handelskammern Wiesbaden, Limburg, Dillenburg und Wetzlar referierte zunächst Handelskammersyndikus Dr. Merbot- Wiesdaden über „St ill sta n d u n d Hedu ng des Fre m den- verke hrs in den Bädern und Fremd en orten Nassaus^. Mit Hilfe der Fremdenstatistik wies der Referent nach, daß mit Ausnahme von Wiesbaden tatsächlich ein Stillstand in sämtlichen Bädern seit 1871 wahrzunehmen ist. Nach Besprechung des Referats nahm die Versammlung eine Resolution an: ,Tie Vereinigung der Handelskammern Dillenburg, Limburg, Wetzlar und Wiesbaden beschließt: 1. Die Gründung eines Verbandes zur Hebung des Frcmden- verkehrs in den nassauischen Bädern und Fremdenorten anzuregen; 2. den Verband je nach der Größe des Interesses der einzelnen Kammern zu unterstützen; 3. die Handelskammer Wiesbaden mit den Vorarbeiten für Gründung des Verbandes zu betrauen und 31t ersuchen, im Laufe der nächsten drei Monate eine allgemeine Versammlung der beteiligten Gemeinde- und Kurverwaltullgen, der Heilquellen- und Gast- Hofbesitzer, sowie der Fremdenvereine einzuberufen.* — Heber den zweiten Gegenstand der Tagesordnung: „Die Lahn- kanalisation* referierte Generaldirektor Kayser-Wetzlar, der bezüglich der Gestaltung des Projekts hervorhob, daß man sich nach der Limburger Versammlung dahin geeinigt habe, eine Kanalisation der Lahn anzustreben, die Schiffe von 200 bis 300 Tonnen Ladefähigkeit die Befahrung dieser Wasserstraße ermögliche. Die Herstellung einer derartigen Wasserstraße würde 12 bis 15 Millionen Mark erfordern. Die Aufbringung dieser Mittel müsse dem preußischen Staat zufallen. Die Versammlung beschloß ein- stimmig den Anschluß an die Limburger Resolution, welche wie folgt lautet: „In Erwägung, daß die große wassenvirt- schaftliche Vorlage der Regierung, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Aufnahme des Mosel- und Saarkanalprojektes eine Ergänzung erfährt, in absehbarer Zeit zur Verabschiedung kominen wird, fordert die Selbsterhaltung der im Gebiete der Lahn und Dill angesiedelten industriellen Unternehmungen gebieterisch auch die Kanalisierung der Lahn. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß eine Nichtbecück- sichtigung dieser Forderung die Vernichtung der Jahrhunderte alten Industrie des Lahngebietcs und dantit eine Verödung eines blühenden Landesteiles zur Folge haben muß, giebt die Versaminlung einmütig der Erwartung Ausdruck, daß die hohe Staatsregierung die Berechtigung dieser Forderung anerkennt und das Projekt der Lahnkanalisation nachträglich in den Plan der wasserwirtschaftlichen Vorlage aufnimmt.* Im Anschluß hieran schlägt Generaldirektor Kayser vor, die Vereinigung der Handelskammern Dillenburg, Limburg, Wetzlar, Wiesbaden möge sich gegen die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf den natürlichen Wasserstraßen aussprechen, was einftiminig geschieht. — „Heber die Stellenvermittlung im Handelsgewerbe* berichten Handelskammersyndikus Dr. Mer- bot und L. D. Jung-Wiesbaden. Tazii nahm die Versammlung folgende Resolution an: Billigung der Stellenvermittlung im Handelsgewerbe durch die Handelskammern. Die anderen Handelskammern Deutschlands sollen durch den deutschen Handelstag aufgefordert werden, die Gründung von Stellenvermittlungsanstalten ebenfalls zu erwägen und zu beschließen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nabarstaaten. In den Ruhestand trat der Ober-Post- assistent Möbus in Bad-Rauhe im. — Gestorben ist der Postassislent Herzberger in Hungen. — Das Dienstmädchen Maria Stähler aus Wiesbaden, welches bei einem Kaufmann in Frankfurt, bei dem es einen Tag bedienstet war, einen großen Einbruchsdiebstahl ausführte und dann verschwand, ist in Cronberg i. T. verhaftet worden. — Die Handelskammer in Bingen faßte eine Resolution gegen die Einführung von Schiffahrtsabgaben. Die Stadtverordneten- Versammlung hat sich einstimmig dieser Erklärung angeschlossen. — Der Kaiser hat dem Direktor Blumenthal von der Motoren- fabrit Oberursel A.-G. eine Busennadel mit dem kaiserlichen Namenszug in Brillanten verliehen. im Kötlpcjstschen Aelchlchtsvenin. ** Gießen, 5. Dez. Ter Oberhessische Geschichtsverein bot am Donnerstag, 3. Dezember, seinen Mitgliedern drei sprachgeschichtliche Borträg-e, die mit lebhaftem Interesse ausgenommen wurden. Tr. L. Günther, Professor der Rechte an unserer Universität, teilte in einem sehr lehrreichen Vortrag die Ergebnisse seiner Beschäftigung mit der deutschen Gaunersprache mit. Gaunersprache oder Rotwelsch ist die Geheimsprache der berufsmätz.gen Räuber, Betrüger, Bettler. Für leine Berufssprache fließen die Quellen jo reichlich, wie für die Gaunersprache. Die älteste Nachricht stammt aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, und seitdem kennen wir das Vcvlwelsch aus vielen Wortlisten. Tie Akten der Gerichts- und Polizeibehörden liefern mele Beiträge. Für die Sprachwisfenfcya,r ist die Gaunersprache von Bedeutung. Man hat nämlich beovachtet, daß wir heute eine ganze Reihe von Wörtern der Gaunersprache in unserem Wortschatz haben: Stromer, Hochstapler, Schwindler, bleuen, foppen und manche andere entstammen dem Rot- weljch. Neuerdings weiß man auch die jedfame Redensart, „einem den roten Hahn aufs Tach setzen" aus der Sprache der berufsmäßigen Stäuber und Bea^ger zu erklären. Ter Vortragende bch^irdeKe sehr ausführlich die F.age, wie diese Sprache zustande gekomuien i|i; zunächst ,alten die fremdsprachlichen Bestandteile der deutschen Gauner- jprache auf. Obenan stehen die jüdisch-deutschen Wörter: zur Zeit der Judenverfolgungen haben sich viele Juden zu den Gaunern geschlagen. Tie Zigeunersprache hat Wörter geliefert. Lateimjche Boocten Haven d.m Rotwelschen die fahrenden Schüler zugeführt, die verkommenen herumstreichenden Studenten. Auch ziemlich viele italienische, recht viele französische, einige englische Wörrer weist d.e beutle Gauner,prache auf. Aber diese Wörter sind in der Sprache der Gauner oft schwer miede.zueriennen. Sie find künstlich verdreht. Ebenso verfahren die Gauner mit den deutschen Wörte..n, denn den Geundsdoa der deutschen Gaunersprache liefert die deutsche Sprache, besonders vie Voltsniundart. Zu den Umbildungen kommen Neublldungin. Sie sind zum Teil jchallnachahmend, wie Mäckes für B.eqe; oder die Ttnge werden nach ihrer Gestalt, nach ihrer Farbe benannt, v-gl. Breitfuß für Gans, Braunert für Bier. Besonders interessant sind die aus dem Tierreich, übernommenen Vergleiche: Teckel für Gendarm, Regenwurm für Wurst. Umgekehrt wird der Hahn zum Korporal iVergleichungspunlt: die Gravität). An Spottnamen ist kein Mangel: der Pfarrer heißt schwarzer Gendarm, der Gelehrte G r i 11 e n h a n s, die Witwe I ä m m e r I i n g usw. Ter Vor.itzönde des Vereins, Geh. Hofrat Behaghel, erörterte darauf eine sprachgeschichtliche Frage, die kürzlich in Offenbach die Gemüter erhitzt hat: die Herleitung des Namens Offenbar Er legte kurz und klar dar, wie die Deutung der Ortsnamen betrieben werden muß und — an der Haild einer Reihe von Etymologien, die in der Offenbacher Presse aufgetaucht sitrd — wie sie nicht betrieben werden darf. Tie Zuhörer haben aus Behaghels Darlegungen sicher die Ueberzeugung gewonnen, daß man Ortsnamen nicht denken kann-ohne Kenntnis der ältesten urkundlichen Formen und ohne Kenntnis der Lautgesetze des Ortes, dessen Namen man erklären will, daß also die Erk.ärung von Ortsnamen ein wissenschaftliches Problem ist, von dem die Tilettanten am schlauesten die Hände lassen. Offenbach hat weder mit a f s a ^Wasser), noch mit dem Assen, noch mit offen, noch mit Au, noch mit 0ppidum etwas zu tun, auch ist es nicht die Stadt uff die Bach; sprachlich zulässig ist dagegen der Zusammenhang mit Ofen oder mit dem Personennamen Ovo. Eine ähnliche ^ehre konnte man aus Behaghels zweitem kleinen Vortrag entnehmen, der gerade die G.egener angeht. Tenn es handelte sich um die neuerdings entbrannte Streitfrage, ob die Bewoyner unserer Stadt sich fürder noch Gießener nennen dürfen, oder ob sie nach dem Urteil mancher Sprachmeister fich Gießer zu nennen haben. Be- haghel hob nachdrücklich hervor, daß die schriftsprachliche Form heute ohne Zweifel „Gießener" ist, niemand würde es einftrllen, ein Schriftstück an die „Gießer Universität", die „Gießer Bibliothek" zu richten. Es bleibt also dabei, daß die Bewohner Gießens sich nach wie vor im schrift- fprachlichen Vermehr „Gießener" nennen; das ist heute gebildeter Sprachgebrauch, mag auch die Mundart von Mundart „Gäißer" sprechen, mögen auch ältere Quellen „Gießer" aufweisen, ttnd mögen auch die Bewohner von Erlangen sich Erlanger, die von Göttingen sich Göttinger nennen! Behmchel hat auf Grund eines umfangreichen Materials sestgesteltt, daß heute in der Schriftsprache die Ableitungen voii zweifildigen Ortsnamen auf —en anders gebildet werden tu» die Ableitungen von mehrsilbigen: München — Münchener, Pilsen — Pilsener, aber Erlangen — Erlanger, Göttingen — iä-öltinger. Tie Ausnahmeii sind ganz besonderer Art. Tie Gießener müssen dem Spraa-forscher danlbar fein, daß er den Namen, den sie feicher im schriftsprachlichen Verkehr geführt, verteidigt hat gegen die Angriffe sprachlicher „Kurpfuscher". Uormischlos. ♦ Köln, 5. Dez. Gestern mittag setzte ein heftiger Schneefall ein, welcher zahlreiche Störungen im Verkehr zur Folge hatte. Die Schifffahrt auf dem Rhein konnte nur mit größter Vorsicht ausgeführt werden. * Zu dem entsetzlichen Ntord und Selbstmord in einem Kölner Hotel, über den wir berichteten, liegen noch folgende Einzelheiten vor: Die junge Dame, die, wie berichtet, von ihrem Begleiter mit einem Hammer erschlagen wurde, heißt Frieda Böhlke; sie hatte in der Friedbergerstraße 26 zu Eharlottenburg eme größere Wohnung, in der sie sehr zurückgezogen lebte — wie es heißt, mit Vorbereitungen für ihre Theaterlaufbahn beschäftigt, da sie Schauspielerin werden ivollte. Vor längerer Zelt halte sie einen jungen steinreichen Franzosen kennen gelernt, der sie heiraten wollte, obwohl seine Eltern, die in Paris leben, gegen die Ehe waren. Der Franzose kehrte dann wieder m ferne Heimat zurück, unterhielt aber mit seiner Verlobten einen regen Briefwechsel. 9!euer- dmgs äußerte die B. aber wiederholt, daß sie den Gedanken an eine Heirat mit dem Franzosen aufgegeben habe, da sie ihn nicht lieben könnte. Am Freitag voriger Woche fuhr sie nach Köln und schrieb ihrer Blutter, die m Berlin wohnt, daß sie die Nlöbel verkaufen, die Kleider aber nach Köln schicken sollte. Am Ntittwoch wurde Frieda B. ermordet auf- gefunden. Das junge Nlädchen hatte bis zum Augenblick der Ermordung em heiteres Wesen zur Schau getragen. Ob der Täter, dec dann Selbstmord beging, mit dem Franzosen identisch ist, konnte bisher noch nicht festgellellt werden. Im Besitze beider wurden nur geringe Baarmittel aufgefunden, im Koffer des Mörders indessen die verschiedensten Ntordm- siruniente. Tie Familie der Ermordeten ist am Freitag aus Berlin m Köln eingetroffen, um die Vorbereitungen zum Begräbnis zu treffen. * Berlin, 5. Dez. Die 32jährige Polin Josefa Wisnieswska Niachte einen S e t b stm 0 rd v e rs u ch, als sie wegen Kuppelei verhaftet werden sollte. • Kiel, 5. Dez. Auf dem Exerzierplätze ist heute der Matrose Häuser tot aufgefunden worden. Es liegt Selbst- niord durch Erschießen vor. • Dresden, 5. Dez. Der Arbeitsbursche Lehmann hat ein Geständnis abgelegt, die Rentnerin Dannenberg in Plauen bei Dresden ermordet zu haben. * Paris, 5. Dez. Gestern verhaftete man einen Beamten des Marmeminisleriums, Rennes. Der Verhaftete hatte Beziehungen zu einer Schauspielerin angeknüpft. Da feine Einkünfte zur Unterhaltung dieses Verhältnisses nicht ausreichten, so beging er Unterschlagungen, welche sich insgesamt auf 80000 Franks belaufen. • Sturm. Der Eisenbahnverkehr in Nordspanien ist durch Dammrutschungen unterbrochen. Zwischen "Alfasua lind Zuniarraga wurden acht Züge aufgehalten. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Tele- gramnien aus San Sebastian zufolge soll der Südexpreß und der Postzug bis an die Grenze befördert werden können, um Anschluß an den Pariser Schnellzug zu erhalten. Das stürmische Wetter dauert noch fort — Infolge heftigen Sturmes ist das Adriatische Ale er stark angeschwollen. Ein großer Teil dec Stadt Venedig ist unter Wasser gesetzt. Tas Wasser stand so hoch, daß eine Anzahl Gondeln auf dem Markus- platz fuhren, was seit einer Reihe von Jahren nicht mehr oorgeCommen ist. * Lawinenstürze. Der Südexp reßzug, der am Sonntag von Süden kommend, am Abend um 10 Uhr in München, und heute l'Montag) früh m Berlin eintreffen sollte, wurde durch einen Lawinensturz auf dec Brauer- bahn an der Weiterfahrt behindert. Der abends 9 Uhr 50 Minuten von München nach Verona abgehende Schnellzug konnte nur bis Innsbruck fahren. — Bei einer G e ms- jagd am Hochschwab begrub eine niedergehende Schneelawine den Wirt von der Häuselalm, namens Wittmann, und den Jäger Stadelhofer. Wittmann wurde tot und Stadelhofer schwer verletzt aufgefunden. * Mord- und Selbstmordversuche imTheater. Nach einer Petersburger Meldung schoß während der Vorstellung hn Panajews-Theatec ein betrunkener Nlarine- Offixier zuerst auf eine neben ihm sitzende Dame und dann auf sich selbst. Ec wurde nach verzweifelter Gegenwehr von der Polizei entwaffnet. Beide Verletziingen sind unerheblich. * Heber reicher Kindersegen. Wohl einzig durfte dec Fall daftehen, daß einem Ehepaare in zwei Jahren Leben Kinder geboren worden sind. Dieser Fall hat fich nach der ^Voss. Ztg." im Spreewalddorfe Leipe ereignet. Die Ehefrau des Kossäten Friedrich Richter in diesem Orte kam im Jahre 1902 mit Zwil li ngen nieder; im Januar des gegenwärtigen Jahres gebar sie abermals Zwillinge und am 1. Dezember Drillinge. Sämtliche Kinder waren Knaben. Die beiden Zwillingspaare sind gestorben. Ob die Drillinge gedeihen werden, muß die Zeit lehren. • Prinz AtroboId Stuart de Modena. Es ist noch erinnerlich, daß im vorigen Jahre die Gräfin Mable Russell einen Diener heiratete, dec sich obigen stolzen Titel zugelegt hatte und die Gräfin sowie deren Mutter, die Lady Scott, hauptsächlich dadurch für sich gewann, daß er behauptete, er sei ein unehelicher Sohn des Kaisers von Oesterreich. Die Enttäuschung dec Gräfin, als sie erfuhr, daß ihr „Prinz Atrobold" den nüchternen Namen Blown führe, be- chäftigte damals eine Zeitlang die.englische Presse, aber die Liebe dec Gräfin überstand den grausamen Schlag, und sie öhnte sich mit Mc. Brown aus. Der frühere Bediente cheint dec Gräfin für ihre Nachsicht keineswegs entsprechend dankbar gewesen zu sein, denn sie hat nunmehr gegen ihren Mann die Ehescheidungsklage wegen Grausamkeit und Ehebruchs anhängig gemacht. GeririNssrml. Aachen, 5. Dez. Die Strafkammer verhandelte gegen drei Pfleger der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt wegen Gesänge- n e n d es r ein n g. Sie waren angetlagt, den in der Abteilung für Irre untergebrachten sogenannien „bergischen Kneifet" der den Nanien Laus führt, vorsätzlich beireit zu haben. Einer der Pfleger wurde zu 4 Atonalen Gefängnis verurteilt, die beiden anderen sind freigesprochen worden. Chemnitz, 5. Dez. Das Kriegsgericht verurteilte den Oberassistenzarzt der Reserve Dr. Flachs und den Stabsarzt der Reserve Dr. Schwabe wegen Zweikampfs zu drei Ri 0 n a- ten Festung und den Leutnant Böhme wegen Kartelltragens zu 2 Tagen Festungshaft. Leipzig, 5. Dez. Die Strafkammer verurteilte den Glaser Pohl wegen Al aje st äts -Beleidigung, begangen durch a 11a r- chistische Reden a n l ä f s l i ch des serbischen K ö n i g s m 0 v- des, zu einem Jahre Geiängniß. Bekanntmachung. Samstag, den 12. Dezember 1903, vormittags 11 Uhr, werden im Bürgermeistereigebäude — Sitzungssaal — die in den Waldungen in der Stadt Gießen erforderlichen Kultur- und Wegbauarbeiten öffentlich wenlgstnehmend versteigert. Tie Großb. Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, oies in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen. Gießen, den 5. Dezember 1903. . 9094 Großyerzvg.m,e ui meisteret Gießen. ________________Mecum.________________ Bekanntmachung, bett*. Geschäftsordnung des Grotzh. Amtsgerichts Laubach pro 1904. Bei dem unterzeichneten Amtsgericht sind die Sitzungen. Amtstage und Geschäftsstunden wie folgt festgesetzt: A. In Schöffensachen: 7., 28. Januar, 18. Februar, 17. März, 14. April, 5., 26. Mai, 16. Juni, 7. Juli, 11. August, 22. September, 13. Oktober, 17. November, 15. Dezember, beginnend vormittags 8' 2 Hhr. B. Feld- und Forstsachen: 25. Februar, 28. April. 30. Juni, 18. August, 27. Oktober, 22. Dezember, erstere beginnend vormittags 8% Hhr, letztere vormittags 10 Hhr. C. In Sachen der streitigen Gerichtsbarkeit: Jeder Donnerstag, mit Ausnahme der Schöffen-, Feld- und Focst- gecichtstage. D. Amtstage in der freiwilligen Gerichtsbarkeit: Jeden Mittwoch von 8 bis 12 Hhr vormittags und 3 bis 5 Hhr nachmittags. E. In Grundbuchsachen: Samstag von 8 bis 12 Hhr vormittags in der Zeit vom 15. Juli bis 15. September, Mittwoch von 8 bis 12 Hhr vormittags. F. Geschäftsstunden der Gerichtsschreiberei: An allen Werktagen von 10 bis 12 Hhr vormittags, am Mittwoch außerdem von 8 bis 12 Hhr vormittags und 2 bis 5 Hhr nachmittags. . Laub ach, 1. Dezember 1903. 9135 i.vro' 11 ■' -i ' mtsacrickit. chtung Wculit-Mz ste. § cutU-Anzeige. Zllm letzten Male in tiiesenl Fahre bringe meiner werten Kundschaft diesmal AitM-AMchl in Smwiliirti und empfehle in bekannter Güte: 9118 500 Meter Haudtuchgebild, weiß l A -d 500 „ Jackeublder, gestreift / Tt Meter für Jl Mark. Ea. 200 Meier Hemdcnstanelle und i Q s Aleiderdruckbioer, großariige Ware / v w « & * Ferner großartige Wolle, Alarke W 8 Zollpfund 2 Mk. Prima. 1000 Meter Blautuchc und Neste zu Schürzen, zu 2 großen Schiirzen für 1 Mark. Riesen-AuSwahl in besseren Normalhemden und Unterwäsche zu jedem annehmbaren Preise. Viele Neuheiten re. billig. Ateine Firma: Leipziger' Central-Bazar bitte zu besuchen. Hochachtungsvoll C. Volland, Sachsen-Weimar. I ] I * Weitze Seinen Wcijie Ka^lcinen Mine Kretonnes M ! 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