Nr. 287 Erscheint täglich anbei Sonntags, Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechiel mit dem heffikchen Landwirt die Siebener Familiein blätter viermal in der Woche betflelegt. ätolalronSdruct u. Verlag der t) t ü b Heben ^nivers.-Buch- a-Stein- b ruderet (Pleych Erdens Stedaknon. Lxvedilwa und Drriderei: Schulst ratze 7, ttbiefle iür Depelchenr Anzeiger Wietzen. Fkrnlpr^chanicblug ')tr 51. Montag 7. Dezember 1903 Erstes Blatt Amis- und Anzeigeblatt für dm Kreis Gießen 153. Jahrgang die Post Mk.2.— viertel- jährl. aufild)L Beslellg« Annahme von Anzeigen ür Die tageßnummet L>lfl oormUiagfl 10 Uhr. > eUenorriL lokal 12 Ps* außivdnfl 20 Pig. Veraalivoerltch tiht Den poia «ord augem, Teil. P. Wiitto für ,Stadl and tiantr und .GerrchtÄsaalE-. Aaaust Gütz, für den An- ,eiaenteil: t>an< Beck. a. Zweigstellen monatlich 65 Pi.- durch ve-ngSPre»», monatlich 7b Pf., oiertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- ietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger ** parlamentarisches aus Kessen. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog richtet an die Zweite Kammer der Stände des Großherzogtums folgende Botschaft: ERNST LUDWIG von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen und bei Rhein rc. Unseren Gruß zuvor, Liebe und Getreue, Stände des Grobherzogtums! Es hat Gott dem Allmächtigen nach Seinem unerwrschlichen Ratschluß gefallen, am Vormittag des sechzehnten dieses Monats Unser innigst geliebtes Kind, die Prinzessin Elisabeth, Marie Alice Victoria im neunten Lebensjahre nach kurzer Erkrankung aus dieser Zeitlichkeit abzurufen. Von diesem leidvollen, Unser väterliche? Herz unsäglich schwer berührenden Trauerfall setzen Wir in tiefste. Betrübnis Unsere Lieben und Getreuen, Stände des Großherzogtums in Kenntnis, die sichere Ueberzeugnng hegend, daß Dieselben an Unserem Schmerz aufrichtigen Anteil nehmen werden. Womit Wir Unseren getreuen Ständen in Landesfürsllicher Huld und Gnade gewogen bleiben. D a r m st a d t, den 20. November 1903. ERNST LUDWIG. Rothe. Die Regierung hat der Zweiten Kammer den Entwurf eines Gesetzes, das Beerdigungswesen betr., vorgelegt, der für uns Gießener von besonderem Interesse ist. Danach dürfen Beerdigungen an anderen Orten als auf Friedhöfen oder in Familienbegräbnissen, deren Anlegung von der zuständigen Behörde genehmigt worden ist, nur mit besonderer staatlicher Erlaubnis stattstnden. Den bürgerlichen Gemeinden liegt es ob: 1. dafür Sorge zu tragen, daß Friedhöfe, welche der allgemeinen Benutzung unterliegen, vorhanden sind; 2. soweit dies von der zuständigen Gesundheitsbehörde für erforderlich erachtet wird, für das Vorhandensein von Leichenhäusern oder Leichenhallen zu sorgen; 3. die nach den örtlichen Verhältnissen für die Verbringung und die Beerdigung der Leichen erforderlichen Vorkehrungen zu treffen. Den Konfessionsgemeinden und religiösen Verbänden verbleibt auch fernerhin das Recht, vorbehältlich der Genehmigung durch ung berührt wegen ihres ausgesprochen ultramontanen Charakters durchaus unsympathisch. Rom, 6. Dez. Der „Dribuna" zufolge erklärte sich der Deputierte Pantano nach einer Besprechung mit dem Minister Luzzati bereit, die Verhandlungen für den Abschluß eines definitiven Handelsvertrages mit Teutschland M übernehmen. Konstantinopel, 6. Dez. Die heutige Zerernonie der Enthüllung des Mantels des Propheten verlief programmmäßig. Der Sultan legte den Weg vom Mldiz-Kios^ nach Stambul zu Wasser zurück. Petersburg, 5. Dezember. In gewöhnlich sehr galt informierten Kreisen zirkuliert das Gerücht, daß die plötzliche längere Beurlaubung des Finanrministers P l e s k e der Vorläufer seines Rücktritts ist. Als Grund für den Rücktritt wird angegeben, daß Pleske die großen Rüstungen, die Rußland wegen der sich zuspitzenden Lage in Ostasie n betreibt, nicht genügend unterstützt. Ueber seinen Nachfolger verlautet noch nichts Sicheres, es sei aber bemerkenswert, daß der frühere Finanzminister Witte beim Zaren wieder in hoher Gunst stehen soll, da er niemals aus Sparsamkeitsrücksichten Mittel für militärische oder Marinezwecke abgeschlagen habe und es am wenigsten in diesem Augenblick tun würde. Colon, 6. Dez. Der hiesige deutsche Konsul hat der Regierung von Panama gestern amtlich davon Mitteilung gemacht, daß er Instruktionen empfangen habe, sie formell anzuerkennen. Infolgedessen hat der Konsul heute den Präfekten einen amtlichen Besuch abgestattet und die besten Glückwünsche Deutschlands für die Wohlfahrt Panamas ausgesprochen. Der Präfekt hat in seiner Erwiderung aufrichtig für die Anerkennung der Republik durch Deutschland gedankt. Ans Stadt und Land. Gießen, den 7. Dezember 1903. ** Eine überaus wertvo lle und interessante Arbeit hat unser städtisches Vermessungsamt hergestcllt, indem es den einzig existierenden ehemaligen Festungsplan unserer Stadt, dessen Original sich im Besitz der Großh. Hofbibliothek in Darmstadt befindet, aus die jetzige Karte von Gießen genau übertragen hat. Man ist dadurch in die Lage versetzt, leicht und genau bestimmen zu können, wie die Üntergrundverhältnisse bei zu errichtenden Fundamenten für Bauten beschaffen sind; es läßt sich aber auch danach feststellen, welche und was für Mauerreste man bei den Kanalisationsarbeiten unter dem Straßen- pflaster angetroffen hat und noch antreffen wird. Der Plan zeigt auch sonsriae recht interessante Einzelheiten, da jede, auch die unbedeutendste Befestigung darauf übertragen worden ist. ** Im Stadtt Heater tvurde gestern, Sonntagabend Otto Ludwigs „Erbförster" in einer ausgezeichnetenAuf- führrmg gegeben. Das packende, in seinem tragischen Ausbau erschütternde Stück hatte darum eine volle, nachhaltige Wirkung. Vielleicht liegt in dem Drama ein wenig zu viel der Verwicklimgen, die zum Sturze der Erbförster- famitie führen, aber unwiderstehlich, mit sesten Banden, fühlen wir unsere Teilnahme an den alten Waldbewohner im Jägerhaus gefesselt. Herr Lin zen bot gestern in seiner Darstellung des Erbförsters eine seiner besten Leistungen, die wir bisher von ihm sahen; er wurde vom Publikum mehrmals durch Hervorrufe .ausgezeichnet. Auch die übrigen Mitwirkendcn hatten gute (Äfolge: Herr Haag als Gutsbesitzer Stein, Herr Pichler als besten Sohn, %r\. Hellberg, und Herr Ach ter berg als die Kinder deS Erbsörslers, Herr Telekh, der als Buchjäger Gottfried, besonder^ in dem Auftritt, in dem ec als Betrunkener erschien, heitere Aufmerksamkeit erregte. Verschiedene Mitglieder des Stadttheaters, die wir sonst selten in bemerkenswerten Rollen sehen, wurden ebenfalls ihren Ausgaben gerecht; u. a. Herr Heermann, der int äußeren und in seinen Gesten recht gut einen biederen Wilddieb verkörperte. Das Theater hatte mit Hinsicht auf die gute Darbietung besser besucht sein können. *• Alice-Bazar. Man schreibt uns: Drei Wochen sind vergangen, seit wir, eingeschüchtert von Knecht Riipprechts gestrenger Miene, innehielten in dec Erzählung von dein, was wir ahnten von all dem Schönen, welches der Bazar uns 511 bringen versprach. Inzwischen ist der Winter eingezogen nut Schnee und Eis, und so kurz es and) her ist, die Sehnsucht nach Blumen- und Blütenduft, wie sie der Frühling uiiö beut, regt sich in den Herzen, die stets vorauseilen in ihrem Wünschen und Hoffen. Sind) diese Wünsche, diese Sehnsiicht wird der Bazar erfüllen. Wunderbar leid)t und graziös, überschattet von mächtiger Musa, hebt sich em Blumentempel in seiner Mitte empor, Herz und Auge entzückend durch das, was er Schönes, Liebliches birgt. Die Kinder des Frühlings, Veilchen und Maiblumen, sie blühen und duften uns entgegen, — „Narzissen und die Tulipan, die heben fick) viel schöner an, als Salomonis Seiden" — und Rosen gibt es, Rosen in Menge, Rosen in allen Farben, und unter ihncii wieder Rosen, nichts als Rosen, aber solche mit leuchtenden, lachenden Augen, deren Besitzerinnen sehr gerne uns spendeii, mit zierlichen Händen, den Trank aus der duftenden Blüte des himnilischen Reiches, die freundlich kredenzen charmante, den braunen Trank der Levante. — Im lauschigen, wein- umrankten Stübchen daneben für würdige Zecher sich findet der Becher, gefüllet mit edlem, mit köstlichem Wein. Der kräftige, mächtige Rheinwein, der prickelnde, süffige Mosel, der feurige Pfälzer, — sie alle harren der Gäste. Und erst die Bowle, die köstliche, duftende, kühlende Bowle — Mesdames — Messieurs!! Dazu „tönt die Guitarre, die Zimbel erklingt, und mild" — nein, nicht hier „der Reigen sich schlingt" — dafür gibt es ein anderes Plätzchen, denn die tanzluitigen Jungfrauleins und Jünglinge sollen aud) zu ihrem Rechte kommen. — Weiter geht unsere Wanderung und staunend stehen wir vor Egyptens mäck)tigem Tore! — Rätselhafte Inschriften erzählen von alten, vergangenen Zeiten, leicht auf- steigende Wölkchen, würziger Duft verraten uns, daß hier Rauch- und Dankopfer gebracht werden. Gelten sie aud) nicht Isis und Osiris, so doch wohl den diensteifrigen, schlanken, glutäugigen Töchtern des Landes. Ganz nahe daran hat die Secession ihre Zelte aufgeschlagen. Würdig und vornehm, in elegantem Rahmen, bietet sie Luxus- und Kunstgcgen- stände; aud) hier vertretend ihr ernstes Streben, zu veredeln, zu versd)önern die Häuslichkeit, das Leben. Damit sie nick)t allzu reserviert ausjchaue, hat man in ihrer Mitte einem ganz anderen Elemente ein Plätzchen eingeränntt. Hier sprudelt und schäumt und perlt es in blinkenden Kelchen, und ist's auch md)t gerade aus dem Keller der Wittwe mit dem lieblich glucksernden 9lainen (Vcuve Cliqnot) — so sind doch die feinsten und schönsten Marken zu haben. „Braun Bier ist geraten", und züchtige Mädchen und liebliche Frauen, mit Augen, mit braunen und schelmischen blauen, die regen ohn' Ende die fleißigenHände, zu stillen den großen,den mächtigenDurst. Daneben denn auch noch, sehr wohl zu beachten und nicht zu verachten, die leckersten Brüllern, die feinsten Salätlein, und nicht zu vergessen die schönsten Finessen — Dock) nun genug. Ueberzeuge sich Jedermann selbst — er wird immer noch Ueberrajchungen finden und befriedigt von dannen ziehen! ** Der Weihnachtsmarkt hat am gestrigen Sonntag, an dem das erste mal die Geschäfte offen gehalten werden durften, offiziell begonnen. In den Abendstunden wogten große Menschensiröme besonders auf dem Seltersweg auf und ab. Tie Sd)auausstellungen unserer Geschäftsleute boten alles, was sich erdenken läßt; leider war Tauwetter eingetreten, sodaß der Schmutz auf den Straßen wieder den gewohnten weichen Teppich besorgte. Wenn es nur bald wieder zu frieren und zu schneien anfängt und die Farbe der Uisichuld unser Pflaster wieder deckt! — Unsere Ladenbesitzer klagten gestern übrigens über Kaufunlust. Die bekannte Tatsache, daß die meisten Leute mit ihren Weihnachtskäufen bis zu den letzten Tagen vor dem Feste zu warten pflegen, mag die Geschäftsleute auf bessere Geschäfte, an den beiden letzten Sonntagen vertrösten. Sehr frühzeitig haben sich bereits einige Stände eines Straßenweihnachtsmarktes auf dem Lindenplatze eingefunden. Von kundiger Seite wird uns noch berichtet: Der gestrige kilpserne Sonntag, der erste Sonntag vor Weihnachten, an dem die Geschäfte bis 7 Uhr abends offen gehalten werden dürfen, hat im allgemeinen nicht die Hoffnungen erfüllt, welche die Geschäftsleute für den Tag gehegt haben. Tie Ladeninhaber klagen in diesem Jahre mehr wie sonst, daß es bei der Kundschaft noch an der nötigen Kauflust fehlt. Ganz besonders aber hört man von den Kaufleuten mit Recht tadeln, daß gerade das kaufkräftigere Piiblikiun seinen Bedarf von außerhalb kommen läßt, was umsomehr zu mißbilligen ist, als unsere Stadt in jeder Beziehung der auswärtigen Konkurrenz, was Auswahl und Billigkeit der Preise angeht, gewachsen ist. Der größte Teil der Läden war bereits vor der Zeit des zulässigeii Schlusses wegen Mangels an Kundschaft wieder geschlossen. ** Kaiser Panorama. Beim Herannahen der längeren Abende sei hiermit auf ein Institut hmgewiesen, welches noch immer nicht die Beachtung findet, die es verdient. Wir meinen das Kaiserpanorama am Kirchenplatz. Es bietet für einen geringen Eintrittspreis Reisen nach allen Ländern. Einmal führt es uns an die Stätte des gelobten Landes, bann zeigt es uns die Wunder einer Ausstellung und dann das vielgenannte China und so fort in nie erschöpfender Abwechslung. Die Ansichten sind die treueste Wiedergabe der Wirklichkeit. Der photographische Apparat ist ja viel treuer als jeder Künstler. Das ist der wissenschaftliche Wert des Kaiser-Panoramas. Dazu kommt noch die farbige Wiedergabe und vor allen die durch stereoskopische Einrichtung hec- Dorgebrad)te zauberhafte Plauik. Wer die betiad)ieien Gegenden schon kennt, erinnert sich mit Vergnügen daran und wer, durch die Verhältnisse feslgehatten, nicht zum Reisen kommt, dem bietet das Kaiserpaiiorama den besten Ersatz. ** Ter Zimmerstutze nklub Gießen hat seine regelmäßigen Schießübungen auf seinem zweckmäßig eilige» richteten Scheibenstand im „Aquarium" in der Walltvc- slraße wieder aufgenommen. Geschoßen ivirb Dienstags, Donnerstags und San.s ags abends. Freunde der edlen Schießkunst sind als Gaste dem Verein stets willkommen. ** Die ehemaligen Jäger und S ch ü tz e n aus unserer Stadt waren am Samstag im Hotel Schuchmann tu der Liebigstraße versammelt, um sich zu einem Verein zusammenzuschließen, der den Zweck haben soll, allen, die den grünen Rock getragen haben, als Mittelpunkt zu dienen für einen kameradschaftlichen Verkehr, auch im Civilleben. — Leid Hecken b. Friedberg, 4. Dez. Heute wurde hier die Großh. KreiSschulkommission Büdingen zur Schul- oifitation erwartet. Bei Rieder-Mockstadt erlitten aber Kreis- amtmann Dr. Bernbeck und Schulrat Buß aus Büdingen einen bed au erlichen Unfall, der für beide Herren sehr leicht ernste Folgen hätte haben können. Die Chaise der Herren stürzte nämlich einen 7 bis 8 Meter hohen Damm hinunter. Dr. Bernbeck war noch recht- zcitig abgesprungen; Sck)ulrat Buß stürzte aber mit dem Wagen in tue Tiefe und erlitt am ganzen Körper Beulen und Hautabschürfungen. Heber den Dienstreisen der Prüfungskommission waltete fd)on mehrmals em schlimmer Stern, denn schon dreimal in kurzer Zeit schlug der Wagen mit den Insassen um. R. B. Darmstadt, 7. Dez.^ (Eigener Drahtbericht.) Infolge einer Entschließung des Justizministeriums wurde Landgerichtsrat Tr. Buss zum Vorsitzenden der Kammer für Handelssachen in Darmstadt und Land- gerichtscat Dr. Zimmermann zu seinem Stellvertreter, ferner Landgerichtsrat Dr. Schäfer zum gerichtsrat Wehner zu seinem St'llvertreter, endlich Landgerichtsrat Fabrieius zum Vorsitzenden derselben Kammer in Mainz und zu seinen ersten und zweiten Stellvertretern die Landgerichtsräte Pfannmüller und Nees ernannt. sd. Darmstadt, 6. Dez. Der Gesetzgebungsausschuß beriet am Samslag gemeinsam mit der Regierung das Feld- straf- und Forstslraf-Gesetz, wobei eine Einigung erzielt wurde. Beim Feldrügegericht hatten die Agrarier unter Führung Köhlers btc Amtierung eines Amtsrichters mit 2 sachver- siändigen Landwirten als Schöffen gewünscht, erklärten sich aber event. mit Ueberweisung dieser Sache an die bestehenden Schöffengerichte einverstanden; Justizminister Dr. Ditlmar wies darauf hm, daß eine Vermehrung der Tätigkeit der Schöffengerichte nad) dieser Richtung hin nicht gut angängig erscheine, zudem wahrschcinlick) e ine Erweiter- ung der Tätigte it dieser Gerichte nach oben hin hauptsächlich zur Entlastung der Strafkammern ventiliert werde. Dieser Umstand sei als em erfreuliches Zeichen der ecpcicß- lichen Arbeit der Schöffengerichte zu begrüßen. — Bei diesen Beratungen sand es Abg. Köhler noch befremdlich, daß bei den. Forststrafgenchten ein forstwissenschaftlich gebildeter Fachmann miiroirfe, während das bei den Feldstrafgerichten nicht der Fall sei; ebenso bemängelt er, daß tin Ministerium eine forstwisscnschafttiche Capacität die Interessen der Forstwissenschaft vertrete, während die Landwirtsd)aft durch einen Juri st e n vertreten werde. — Am Montag nachmittag wird der Wahlpcüfungsausschuß zur Beratung des neuen Landtagswahlgesetzes zusammentreten. Darmstadt, 6. Dcz. Aus den Garderoben der Technisck)en Hochschule hier wurden in der letzten Zeit wiederholt Ueberzieher entwendet, ohne daß es möglid) ivar, den ober die Täter zu ermitteln. Den Bemühimgen der Kriminalpolizei gelang es nun, einen der Tat verdächtigen jungen Burschen, der sich schon einige Zeit ohne Beschäftigung hier herumtreibt, im Justizpalast festzunehmen. Er trug einen der gestohlenen Ueberzieher auf dem Leibe und befand fid) anfangs unter den Kriininalstiidenten im Strafkammersaal, fühlte sich aber anscheinend nicht sicher, da er beobachtet wurde, begab sich daher in das Zeugenzimmer, wo seine Verhaftung erfolgte. Er wurde in das Provinzial-Arresthaus emgeliefert. — Morgen, Montag, beginnt nach dem „D. Tgbl." im Sitzungssaale der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, Neckarstraße 3, die diesjährige Prüfung der Aspiranten für die Stellen der Kreisamtsbureau00r- steher und angestellten Kreisamtsgehilfen und in zwei getrennten Abteilungen im Justizgebäude die Prüfung der Aipicanten für den Gerichtsschreiber-, Gerichtsvollzieher- und P 01 i z e i k 0 in m i s s a r i a t s d i e n st. [ ] Marburg, 6. Dez. Unser kurhessisches Jä g ec- bata il Ion 91 r. 11 (Königin Margherita von Italien) beging gestern in einfacher aber doch sck)öner Weise die Feier Ieines 90jährigen Bestehens. Wenn es fid) zwar erst im Jahre 1866 aus preußischen, hessischen und nassauischen Truppenteilen konstituierte, so bildet es doch dadurch, daß ihm Namen und Tradition der kurhessischen Jäger verliehen wurden, eine Fortsetzung dieses Truppenteils, das den 5. Dezember 1803 als Gründrmgstag bezeichnet. An dec Feier, welche im Museumsjaal stattfand, nahmen zahlreiche frühere hessisd)e Jägeroffiziece teil. Der Kommandeur, Oberstleutnant v. Borries, hielt eine Ansprache und brachte zahlreiche Glückwunschtelegramme, darunter auch eines der Königin Margherita von Italien, zur Verlesung. Die Jäger führten cm historisches Festspiel auf, und zum Schluß fand Ball statt. — Eine gestern hier abgehaltene Landwirte-Versamm- l un g stimmte dem Vorschlag dec Landwirtschaftskammer, daß der Verkauf von Viehmanpulver z. B. „Bauernfreunde" usw. nur Apotheken gestattet würde, nach längerer Diskussion zu. In der Nähe von Cölbe wurde heute em junges Mädchen, das vorzeitig den Zug verließ, überfahren und schwer verletzt. Vcrlnijchtes. * Ein Attentat aus Eifersucht. Wie die „Fcankf. Ztg." au5 Prag meldet, hat die Fürstin Elisabeth Wtndischgrätz, die Gemahlin des Fürsten Otto Windisch- grätz und Tochter der Gräfin Stephanie Lonyay, in der Villa zu Werichoivitz in Prag die dort zum Besuck)e weilende Geliebte des fürsten, eine fichechiiche Sd)aiispielerin, namens Ziegler, durch einen Revolver schuß ziemlich schwer verletzt. - r *1 vwqo——■»Wl——WM——■B—I■——|■—i Kunst und Wissenschaft. London, 6. Tez. Die letzten Nachrichten über das Befinden des Philosophen Herbert Spencer tarnen hoffnungslos. Kerichtssaat. sä. Darmstadt, 6. Tez. Ter früher hier bedienstete Zahl- meister°Asplrant Waring, welcher seit vorigem Jahr als ©teuer- snpernulnerar in Straßburg tätig war, um m den Staatsdienst überzugehen, hat fiel) dort an verschiedenen minderjährigen Kindern Sittlichkeitsvergehen zuSchnlden kommen laßen und wurde deshalb vom Kriegsgericht, dem er nach unterstellt ist, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und degradiert. 2 Monat Untersuchungshaft wurden ihrn angerechnet. W. war mit einer Dame aus Bessungen verlobt.— Tas Dienstmädchen Mana Hofer hier hatte als Zengin vor dem Amtsgericht II zu erscheinen und ließ sich bei Auszahlung der Zeugen gebühr fest) zig Pfennig auszahlen, da sie sich in ihrer Stellung während ihrer Abwesenheit eine Aushilfe habe nehmen müssen. Alsbald stellte fid) aber heraus, daß dies nicht der Fall war ; es erfolgte Anzeige, mid heute fand die Berhandluiig statt, wobei das Mädchen zu 4 M 0 n a t e Gefängnis verurteilt wurde swartie. fc. Frankfurt a. M., 7. Dez. (Orig.-Telögr. des „Gießen. Anz.") Amtlick)e Notierungen der heutigen Fruchtmarklpreise: Weizen All. 16.25—Oü.OO, Kurhessischer Pik. 16.50—00.00, La Plata All.' 17.00—18.00, Kaiisas All. 17.00—18.00, Roggen (hiesiger) Mürk 13.25—00.00, Gerste (Wetteraueri All. 15.25—15.50, Franten- iclber All. 16,00—16,25, Hafer All. 13.00—13.75, Mais Alk. 12.25—12.75, Weizenmehl 0 All. 25.75—26.25, 2. Qualität Alk. 23.25 bis Alk. 24.25, 3. Qualität All. 21.75—22.25, Roggenmehl 0 All. 22.00—22.50,1. Qualität All. 19.25—20.25, Weizen!leie All. 8.75 bis All. 9.00, Roggenkleie Alt. 9.75—10.25, Maistenne All. 10.25 bis Alk. 0.00, Franken, Pfälzer, Ried All.00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. ic. Franlsurt a. M., 7. Dez. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Atrz."). Amtlid)e Slotieruiigen der heutigen Viehniarkt- preise. Zum Verkaufe (tauben: 432 Ochsen, 184 aus Oestreich, 37 Bulleii, 0 aus Oestreich, 721 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 aus Oestreich, 319 Kälber, 501 Schafe und Hammel, 1486 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. bezahlt mürbe für 100 Pfund Schlachtgeivicht Ochsen 1. Qualität 72—74 All., 2. Qual. 66—68 All., 3. Qual. 61—64All.; Bullen 1.Qual. 65 bis 67 All., 2. Qual. 62—c4 All.; Kühe 1. Quall 62—64 Alk., 2.Quall 58—60 All., 3. Qual. 48—50 Atk, 4. Qual. 45—47 All., 5. Qual. 00—00 All. Kälber: 1. Qualität82—84Pig.,Lebendgelvicht 48—49 Pf., 2. Qual. 70—72 Psg., Lebelidgewicht 39—42 Pfg., Schlachtgewicht 55—57 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlackstgewicht 66—68 Psg^ 2. Qual. 52—56 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 54-00 Pfg., Lebendgeiv. 49 Pfg., 2. Qual. 50—53 Pfg., Lebendgewicht 41—00 Psg., 3. Qual. 44—46 Pfg., Lebendgelvicht uO—00 Pfg. — Hornvieh gedrückt. Ueberstand bedeutend. Klenivieh mittelniäßig. Keili Ueverstan0. __ gpulplan der urrrirugteu Frankfurter Zluüligerüer. Opernhaus. Dienstag den 8. Dezembr, abends halb 7 Uhr: „Loyengrili." Schansptelhaus. Dienstag den 8. Tezember, abends 7 Uhr: „Tie Zähmung der Widerspänstigen." _ yiirfKulirn Oer Aeüulrlwn. (Anonyme Anfragen bleiben urrberücksichrigt.) D. A. in M. Lin besonderes c am e r a l i st i f ch e s Stu- d i u Ni existiert in Hesseli nicht mehr. Es füllen Vorbereitungen jur Wiedereinführung eines solchen im Gange fein, doch ist über den Zeitpunkt eine Entscheidung noch nicht getroffen. Für die Anwärter auf höhere Stellen in der Steuer-Verwaltung gilt bis auf weiteres die Bestimmung, daß sie die juristische HochsckM- und Staatsprüfulig zlirücklegeli liiüfsen. Kirchliche Unchrichten. Cvangelische Gemeinde. Montag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr : B i b e l ft u n d e int Konsirmandelisaal der Johanneskirche. Galaterbrief Kap. 2, Vers 11—21.Pfarrer Tr. N a u m a n n. ^11'111'111' giaiwuHyin. Berlin, 7. Dez. In dem ZeugniSzwangSverscch-ren gegen den Verleger und Reoatteur vec „Panrvwer Ztg^." äalitz, sand ein Termin vvr dem Amtsgericht 2 Berlin statt. Ter vorjitzende Richter ersuchte Satitz, die Namen jener Gemeindebeamten zu nennen, die sich seinerzeit in seiner Druckerei unterhielten. Salitz eriiärte darauf, daß selbst, wenn er die Namen positiv sicher zu nennen imstande wäre, er mit Rücksicht auf seine journalistische Berufs ehre eS ablehnen müßte, den Angeber zu spielen. Tas früher auf 500 Adack Geldstrafe lautende urteil wurde aufgehoben und Salitz zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Das ZeugniSzivangsverfahren gegen die „PauLower Ztg." scheint damit seut Ende gefunden zu haben. Oderberg, 7. Dezember. Hier wurde ein in Frauenkleidern reisendcr Mann Namens Stephan Grasingec verhaftet, der seit längerer Zeil rei.ende Passagiere bestohlen hatte. Madrid, 7. Tez. (HavaS.) Der gestrige Unfall bei der Jagd in Cafade Campo wird viel,ach gesprochen. Man giebt der Vermutung Llusdruck, daß der Getötete' Grund zur Beschwerde gegen eine Persönlichkeit aus der näheren Umgebung des Königs hatte und aus diese mit dem Gewehr zielte, worauf er vom Wawheger erschossen wurde. Wien, 7. ^ez. Fortdauernde Regengüsse und starke S a- n e e s ä l l e verursachen hier • und in der Provinz Hochwasser und Verrehrsstörungen. In Mahren und Lchle,ien ist infolge von Dammrulsiiungen auf melen Lokalbahnen der Verkeyr eingestellt. In Kärnten und Krain liegt der Schnee bereits 2 Bieter hoch und in vielen Ortschaften ist jeder Verkehr unmöglich. Belgrad, 7. Tez. Lae verlautet, hat das Kabinett Gruitsch mecen der oppositionellen Haltung der Skup- tfchina d e m i sl io n i e r t, um den Metvipoiiten Jmoeenz, welcher sich wegen seines ungebuhrttchen Benehmens bei der Ermoroung des Königs Alexanoer unbeliebt gemacht hatte, unmöglich zu machen und seinen Rüatcttt vom Amte zu erzwingen. New York, i. Dez. Ein Oberst, zwei Kommandanten und d^r Ordonnanz-.fjizier des Generals PuertaS sowie der Kommandeur der Truppen in Panama sind verhaftet woroen unter der Anschuldigung, em Komplott gegen den General Puectas geplant zu haben und die Vottsmenge au,wiegel.n zu wollen. Sie wuroen nach Port Elimor verbannt. Telephonischer Kurshenuht 3l/e% Reiohnanieihe * . 102.36 3 » do. . . 91.40 81/»®/ Konvois , - « . 108.10 do .... 91.25 il/g®/ Hrabon . . . . 10180 c’/j% Obrrneenrro . . . 100.00 4% 0«.‘Storr. Go.dror te . . 103.80 V Ues-.orr. öil6e-r; vnto 101.20 4H linear. Uoldr nH . . 100.25 4U Itaneu. R*nie , . • 108.60 4* Per tag K« r > . . 64.35 < crktig üB-j u. ... 32.70 1 % C. Turnen . . . » 37.50 I urkenioee ..... 14360 4% Ur.ech. MonopO -Anl. 45.00 4ch-6 äujsbere Argentiner 43.00 Mexikaner . . 26.10 / Chinesen < , , 91.40 Bi'etric. aoi ackert . . . 111.09 rtwdlt Lloya . . . . 105.09 «vreditnkMen . ... 216.10 Umkonto-Konnnandit. . 198.60 barm Städter Bank . . . 148.o0 Ureed. ner Bank . . . . 160.70 Bee wer Maudeiigee. . . 167.20 Uvetcjr. Siaatehatui . . . 145.90 Lombarden . . . . 17.50 G«ttüar Jbahn .... 19000 Laara üUe ...... 240.50 liechum . , , t • # * 190.50 ilarptiner . . t . . 204.20 Tendenz: fest. Hel'gemälde-Herkauf. Berühmter Künstler Ausstellung in dem Hause des Herrn Dr. Caesar, frühere „Hirsch-Apotheke von Earl Leib senior Inhaber des Ehrendiploms der Alünchener Kunstausstellung 1886. Neu ausgestellt: "W3, Gemälde von Bendit — Tomser — Wagner rc. Tie Gemälde des verstorbenen Malers Dtto Fritz übertrug mir Frau Fritz; sehr preiswert zu verkauien. 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