Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Unwersitätsdruckerei (Putsch Erben), Greßen. Nr. 287 Drittes Blatt. 153. Jahrgang Msntag 7.Dezember 1903 ***-----» /rXA6*A*»A*» SÄttÄ rr D 2 „(&W- Zamilienblätter" werden dem U VA g O gÄ S | SZ | | | MZ d H ß DZ 1 ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der M..M K N 'O S äft, K, H Ft H „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. K W H W ™ ~ « V —W ™ General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. Ereignisse vo । besorgteste und liebevollste Gatte. Die üimehr in hochergreulicher Weise gern Tokio warten. Ein bischen kriegerisch klingt nur, daß in Cardiff von den russischen Behörden Anweifungen ein- getrofsen sind, die Kohlenlieferungen für Port Arthur zu beschleunigen. Am Samstag i.fb das Zarenpaar in Zars- ko^ejelo eingetroffen. Während in Ostasien die russischen Soldaten schon gezwungen waren, Cyunchujenblut zu vergießen und wo sie täglich Gefahr laufen, daß man ihnen frech ins Gesicht speit oder Sprengpatronen unter ihre Pferde wirft, erlebt die russische Regierung in Petersburg reine Freude endlich an der Türkei: Abdul-Hamid ist, wie ja schließlich zu rührendster Eigenart. Ter durch die erschütternden w.. * 4 «i; r * "onSkierniewice im Innersten er- Politische Wochenschau. Dem inner-politischen Leben hat die R e i ch s t a g. s e r - öffnun g wieder neues Blut zugesührt. Freilich ward mit dep Thronrede ein trockenes Eingangssprüchlein für den in so sensationeller Weise ins Dasein getretenen Reichstag hergesagt. Da war nichts von einem Programm oder großzügiger Betrachtung der brennenden Zeitsragen. Gewisse Kreise des Volkes hat über bestimmte Vorkommnisse und Zustände in der Armee Beunruhigung erfaßt. Tie Thronrede findet kein Wort darüber. Da war nicht nur der Prozeß Bilse, der schwarze Schatten auf die gesellschaftlichen Verhältnisse in unseren kleinen Grenz-Garnisonen warf. Es kamen höhere Offiziere, die sich offen über peinliche Zustände aussprachen, die Abhilfe nötig machen. Der bayerische Kciegsminister gab offen die Sol- datenmißh andlungen als einen Krebsschaden zu, an dessen Beseitigung bisher vergeblich gearbeitet sei. Ter kommandierende General des 1. Armeekorps Frhr. von der Goltz geißelte dieser Tage den Hang zum Luxus im O f f i z i e r k o r p s uird ein Frhr. v. G u h l e n schrieb ein Buch, in dem der Satz vorkommt: „So wird die deutsche Natron die i mpo s anten Ka v a llerie attacken der Kaisermanöver mit dem in Strömen fließenden Blut seiner Söhne zu bezahlen haben." Aen- derungen im Heerwesen aber, wie sie heute beliebt sind, beziehen sich nicht auf größere und allgemeinere Uebelstündc, sondern unzählige Kleinigkeiten im Reglement- und Uniformwesen werden heute scheinbar für wichtiger als alle anderen Reformen gehalten. Tte Thronrede hat hier so wenig wie auf allen anderen Gebieten dem, der die Politik der letzten Wiochen verfolgt hat, neues gebracht; sie faßt lediglich zusammen, was des Offiziösentum tropfenweise bereits dem deutschen Volke ein- geftößt hatte. Von diesen Tinkturen zur Heilung der Volks- schäden kam die größte Dosis auf die Reichs sin an z- resorm. Beim Börsengesetz, dem Militärpensionsgesetz, der Reblausbekämpfuna, dem englischen Handelsprovisorium war nur von Abänderungen oder Zusätzen zu bestehenden Gesetzen die Rede. Auch die Entschädigung unschuldig Verhafteter, wozu bekanntlich Hessen die Anregung gegeben hat, und die Schaffung der Kaufmann sgerichte kann an Wichtigkeit, so erfreulich diese Neuerungen tatsächliche sind, nicht mit der Umgestaltung der Reichsfinanzen konkurrieren. Herr v. Stengel will jetzt der starke Munn sein, der den Karren der Reichs finanzen wieder flott machen soll. Herr v. Thielmann verkündete alljährlich schmunzelnd, wie der Berliner sagt: „Tat Ville Jeld", das in den Reichssäckel flösse, wüßte man gar nicht zu verwenden. Er merkte gar nicht, daß das übervolle Reservoir der Reichsfinanzen aus den Säckeln der Bundesstaaten gespeist wurde, an die das Reich in Gestalt der Matrikularbeiträge eine für die Bundesstaaten une rträg- liche Säugpumpe angesetzt hatte. Frhr. v. Stengel will nun etwas mehr Einfachheit in dies System kommunizierender Röhren hineinbringen. Er will dem Reiche in Gestalt der Zölle, Tabak- und Stempelsteuern vo n vornherein die Reichtümer erhalten, die es bisher zum Schein auf Grund der sogen. Franckensteinschen Klausel an die Bundesstaaten ab lieferte. Nur in Bezug auf die Branntweinsteuer soll das alte Ueberweisungs- system beibehalten werden. Gleichzeitig ist von einem der vorzüglichsten deutschen Finanzmänner, dem hessischen Finanzminister Dr. Gnauth, dem hessischen Landtage ein Gesetzentwurf zugegangen, der die Schaffung eines Ausgl eichsfonds bezweckt zur besseren Staoiüsierung der hessischen Staatssinanzen. Tas deutsche Reichs- wie das hessische Landesfinanzprojekt haben zweifellos sehr bedeutende Vorzüge, die man wohl im Reichstage wre im hessischen Landtage anerkennen wird. Es ist aber doch vorauszusehen, daß hier wie da von einer Beschränkung des parlamentarischen Budgetrechts viel die Rede sein wird. In Berlin wie in Darmstadt stehen also langwierige Debatten in bestimmter Aussicht. Daß die Reichstags-Thronrede so eintönig im nüchternen Stile des Pflichtgefühls verlief, lag wohl nicht nur an dem Berliner Negierungssystem, das der Weisheit letzten Schluß — wie in Oesterreich — in der erlösenden Kraft der Worte „Provisorium" und „Kompromiß" gefunden hat — auch die Zwerggeburt der p r e u ß i s ch e n L a n d t a g s - Ire nationaLrberale Jugend und der Abg. Uatzig. Berlin, 6. Dez. Unter zahlreicher Beteiligung fand hier eine Ver-» sammlung der nationalliberalen Jugend Berlins statt. Der Vorsitzende Tr. Marwitz hielt einen Vortrag über die Aufgaben nach den pr'euß. Landtagswahlen. Tie Niederlage der Sozialdemokratie sei zu bedauern, weil der Sozialdemokratie ein starkes Agitationsmittel aus den Händen gewunden worden wäre: 1600000-preußische sozialdemokratische Reichstagswähler gleich Null bei den Landtagswahlen! Ten Liberalen liegen durch den Ausfall der Mahlen schwere Pflichten ob. Sie müssen die Vertretung freiheitlicher Anschauungen im reaktionären Abgeordnetenhause in der Hauptsache allein führen. Wird die national- liberale Fraktion wirklich auch scharf liberal sein? Wir glauben es bestimmt. Im Gegensätze dazu stehe das Verhalten des Abg. Patzig, der mitten im heißesten Wahl- karupfe gegen die Rechte jüngst in Görlitz eine Rede hielt, die im Sinne darauf hinauslies, daß der „Ruck nach links" nicht so tragisch genommen werden dürfte. Redner wandte sich scharf gegen die „mittelparteilichen" Ausführungen! Patzigs in der „Tägl. Rundschau", die den liberalen Entwicklungsgang der Partei während der letzten Monate direkt in Abrede stellen. Alle ehrlichen Liberalen waren empört (Beifall) über dieses Vorgehen eines „Liberalen" (Pfuirufe). Der Angriff Patzigs in der „Tägl. Rundschau" auf die Jungliberalen, daß nach dem Willen der „Rekruten" alle Augenblicke ein „Korpsmanöver" (d. h. Parteitag) abgehalten werden solle, sei insofern deplaziert, ms die jährlichen „Korpsmanöver" von keinem geringeren in der Partei befürwortet worden seien, als vom bisherigen Reichstags- fr aktionsvorsitzenden Bassermann. (Stürmsiche Heiterkeit.) Tr. Marwitz erinnerte an die Worte des Vizepräsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses Tr. Krause in Königsberg, daß die seitherigen Landtagskartelle mir den Konservativen nach den Wahlen gelöst werden sollten und damit ein Zusammengehen der vereinigten Liberalen für die kommenden Mahlen vorbereitet werden müsse. (Lebhafter Beifall.) Auch der bayerische nationalliberale Führer Eassel- mann hat der jungliberalen Bewegung jüngst Anerkennung gezollt. In der Diskussion nahm man vielfach Stellung gegen die Behauptungen Patzigs und bedauerte, daß nicht sofort eine scharfe Entgegnung erfolgt sei. Tr. Roth stellt fest, es sei in der Partei längst bekannt, daß Patzig (wie die Herren von Heyl und Graf Oriola) zu den Freiumser- vativen hinneige. Tr. Poensgen meint, Patzig vertrete nicht nur in liberaler Hinsicht einen zweifelhaften Standpunkt, sondern teile offenbar auch die kühlen Anschauungen des Bundes der Landwirte in nationalen Fragen. Zum Schlüsse der Tebatte wurde eine Resolution gegen die von dem Abg. grifsene Zar ist Krankheit seiner , , , , , • nesenden Gemahlin geht ihm über alle leidige Weltpolitik, und er nimmt sich nicht einmal die Zeit zu einer Aussprache mit seinem Minister des Aeußern, dem Grasen Lamsdorsf, der angeblich schon eine fertige Vereinbarung über das Thema: Uns die Mandschurei, Korea kür den japanischen Einfluß, in der Tasche hat. So mögen die Kriegsstürmer Wahlreform in Gestalt der Teilung von ganzen drei Landtagswahlkreisen legt dafür Zeugnis ab — nein, es wird dazu augenblicklich auch nicht wenig die Stimmung beigetragen haben, in die Kaiser Wilhelm durch seine Stimmoperalion versetzt worden war. Wer mit der Natur der Stimmleiden vertraut ist, wird es begreiflich finden, wie gerade auf einem geistig so lebendigem Naturell wie dem des Kaisers die Enthaltung von jeglichem lebendigen Gedankenaustausch und der raschen. Geltendmachung seiner Meinung wirken mutz. Es kann sein, daß hierauf allerlei Gerüchte zurückzuführen sind, die im Zusammenhang mit dem Plane aufgetaucht find, der Kaiser wolle südlichen Sonnenschein einmal für längere Zeit mit dem Potsdamer Nebelgrau vertauschen. Daß sein Fernbleiben von der Reichstagseröffnung und von der Letzlinger Hofjagd diesen Gerüchten neue Nahrung geben konnte, war erwartet worden. Aber man ist durchaus berechtigt, jeden Pessimismus und jede Anspielung auf das Jahr 1888 kategorisch abzulehnen. Möchten die kommenden Monate zu allgemeiner Beruhigrrng beweisen, daß der Monarch tatsächlich weiter nichts als eine vorübergehende körperliche Verstimmung zu überwinden hatte. In England und Frankreich verfolgt die Presse natürlich mit besmrderem Eifer die Nachrichten über Kaiser Wilhelms Befinden, wenn auch die Pariser Sousblätter heute nicht mehr wie vor zehn Jahren frech genug sind, Extraausgaben mit dem Aufdruck La maladie de Guillaume II, Guillaume II mort! zu verbreiten, nur weil die Kaiserin in Kiel ihren Gemahl, der sich einen Vollbart hatte stehen lassen, „ein wenig verändert" gefunden hatte. . . Heute nennt man den Namen des deutschen Kaisers in Paris übrigens noch^ in ganz anderem Zusammenhänge. Jetzt soll der Makel, der Frankreich mit dem Namen T r e y - fus angeheftet war, endlich ganz ausgemerzt werden. Der französische Kriegsminister hat unter den Akten des Kriegsgerichtes von Rennes zwei Schriftstücke gefunden, die wesentlich zur Verurteilung beigetragen, die sich aber jetzt als gefälscht herausgestellt haben. Und. zu der damit vervollkommenden stattlichen Reihe von Urkundenfälschungen, die in diesem Prozey die französische Justiz bloßgestellt haben, gesellt sicy. auch die Tatsache, daß die Treyfus entlastenden Beweisstücke gar nicht benutzt worden sind. Clemeneeau erklärt jetzt in der „Aurore", er habe nicht nur die Verhandlungen vor dem Kassations- Hose, sondern auch ein neues Kriegsgericht für Treyfus verlangt, um die Angelegenhoit noch mehr in die Oeffent- lichkeit zu bringen und etlvaige neue Fälschungen zu verhindern. Es sind freilich noch immer weit wichtigere Fragen auf dem Tapet als die, ob Treyfus ganz und gar oder nur beinahe ganz und gar unschuldig ist. Japan und Rußland sträuben nun schon seit Wochen die Federn gegeneinander. In Japan, wo morgen, Dienstag, das Parlament eröffnet wird, schreit alles nach dein welt-^ historischen Cntscheidungskampf. Tie japanischen und die russischen Staatsmänner sind aber anderer Ansicht. Sie hoffen auf ein Gelingen des Ausgleichs der widerstreitenden Interessen. Trotzdem kommt die Friedensakiion nicht von der Stelle. Ter Grund ist von menschlich schönster, erwarten lvar, nach allem Trotz und aller Unbändiakert ganz artig geworden. Er fyit geduldig das aanze Menu des R e f o r inp r o g r am ni s Oesterreichs und Rußlands heruntergegefsen, und der kleine Rest, den er noch eigen- sinnig liegen gelassen hat, weil ihm die Nirß zu hart zu knocken war, wird ihm mit der Rute, die in Gestalt des Ultimatums heute über seinem Haupte schwebt, auch noch beigebrach-t werden. .Das wird um so leichter sein, als nicht nur alle Mächte mit demselben eisernen Willen um die maeedonische Mahlzeit des Sultans herumgestanden haben, sondern die Haupimacht Oesterreich sich jetzt auch im Innern wieder etwas zu erholen beginnt. Die ungarische Opposition wagt es nicht mehr, Obstruktion zu machen, nachdem Kossuth erftärt hat, daß seine Partei zwar den Kampf nicht aufgebe, aber doch das Parlament arbeitsfähig machen wolle. In Wien haben neuerdings die T;chechen dem Polenklub förmlich d:e Freundschaft gekündigt. Vorläufig hat jede Fühlungnahme zwischen Tschechen und Polen autgehört, da der größere Teil des Polenllubs mit dem Obmann Jaworski an der Spi^e schon lange die obstruk- tionelle Haltung der Tschechen Mißbilligt. Im Polenklub hat es zudem verstimmt, daß das jungtschechische Organ „Na- rodny Listi" mit dem Polenklub förmliche Abrechnung hielt und jedes weitere Zusammengehen der Jungtschechenpartei mit dem Polenklub ablehnt. Dadurch ist auch im Wiener Parlament die Opposition wesentlich geschwächt zu gunsten der Teutschen in Oesterreich. Lttteralur und Kunst. — Die Kunstanstalt Grimme & Hempel, A.-G., Leipzig, publiziert soeben ein schönes Bildnis Goethes. Tas Porträt geht im Original auf das in der Münchener Neuen Pinakothek befindliche Oelgemälde von Jos. Stieler zurück. Tie Arbeit ist mit den besten Mitteln moderner Farben- reproduktionstechnik hergesrellt und zeichnet sich dank der tonschönen und gediegenen Ausführung und des billigen Preises von 6 W als prächtiges Festgeschenk aus. — „Arnold Böcklrn". Nach den Erinnerungen /einer Züricher Freunde von Adolf Frey. Mit einem 'Jugendbildnis Böcklins von Rudolf Koller. Stuttgart und^ Berlin 1903. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachf. G. m. b. 5I. Das Buch gibt auf Grund eines reichen unveröffentlichten Materials eine Schilderung Böcklms in seinen Züricher Jahren (1835—1892). Aus dem Kreise seiner nächsten Freunde stammend, zeigt sie eine lebendige Frische und Intimität sowohl in der Auffassung des Künstlers als des Menschen, die sie höchst anziehend und fesselnd macht. — Hedwig Dohm: Die Mütter. Beitrag zur Erziehungsfrage. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 3 Mk. Inhalt: Tie Mutter und die Babies. Sind Mutterschaft und Hausftauentum vereinbar mit Berufstätigkeit? Anregungen zur Erziehungssrage. Tie Mutter der erwachsenen Tochter. Tie Schwiegermutter der Zukunft. Die alte Frau. — Hedwig Dohm ist die tapfere Streiterin geblieben, als die sie sich ihr Leben lang getummelt hat; auch ihre Waffen hat sie jung erhalten; frisch und lebendig liest sich ikr Buch. Sie legt weniger Gewicht auf streng logische Beweisführung als auf Anschauung und Erlebnis, und liebt Anekdoten als am kräftigsten überzeugend. Witz, Sarkasmus, ironische Laune beslügeln das Tempo ihrer Aus-1 führungen. Besonders praktische Bedeutung haben die Kapitel über Erziehung; ein stiller Reiz liegt auf dem über die alten Frauen. — Der große Krieg von 1870/71 in Zeitberichten. Herausgegeben von Joseph Kürschner. (Hermann Eiliger Verlag. Berlin W. 9.) Eins der originellsten Werke des früh verstorbenen Joseph Kürschner ist dieses große Sammelwerk. Mit Bienenfleiß ist hier alles zusammengetragen, was sich an jene große Zeit knüpft, und die verschiedenartigsten Organe treten in die Erscheinung, um von allen Gesichtspuntren aus den Krieg, seine >Ent- stehungsgeschichte und seine weittragenden Folgen zu beleuchten. Tie Schlachtenberichte werden auch der hmtigen Generation noch als ein willkommener Beitrag zur Historie des Jahres 70 erscheinen, und s'o mancher, der jene schwere und doch schöne Zeit selbst mitgemacht hat, wird mit freudigem Eifer nach diesen Blättern greisen, aus denen ihm seine eigene Jugend entgegenleuchten Joseph Kürschner, den nun schon seit mehr als Jahresfrist der Rasen deckt, hat auch mit diesem Buche ein Werk geschaffen, das einen Ehrenplatz in den deutschen Famllien beanjpruchen darf. Tie soeben erschienene, neue Auslage stellt sich als kleines Prachtwerk dar und kostet trotzdem nur 5 Mk. — Die Entstehn n g und Entwickelung des Menschengeschlechtes stellt eines jener schwierigen Gebiete der Forschung dar, auf dem nur wenige Gelehrte dauernden Erfolg zu erringen vermochten. Während sich die anthropologische Forschung in England und orankreich bereits seir Jahrzehnten auf einer sehr hohen Stufe befand und die Kenntnis der wichtigsten Tatsachen aus der Entwickelungsgeschichte • der Menschheit dort schon längst Gemeingut des Volkes geworden ist, hat die Anthropoidaie i in unserer Heimat bisher noch nicht festen Fuß gefaßt. Mit Freude ist es deshalb zu begrüßen, daß der Heidelberger Universitätsprofessor Tr. Hermann Klaatsck; zum erstenmale den kühnen Schritt wagte, eine zusammenfassende Darstellung der neuesten Ergebnisse der Forschungen nach der Entstehung und Entwickelung des Men- schen-Geschlechtes in einem Werke zu geben, das in seiner zwar streng wissenschaftlichen, aber doch gemeinverständlichen Tarftellung nicht nur dem engen Kreis seiner Fachgenossen, sondern den Gebildeten aller Nationen zugänglich ist. Klaatschs Arbeit, die unmittelbar nach dem Erscheinen seitens berufener Faktoren die glänzendste Beurteilung erfahren hat, füllt den größten Teil des soeben mit Lieferung 41, 42, 43 zum Abschluß gelangten zweiten Bandes der von uns wiederholt erwähnten großen Publikation Hans Kraemers Weltall und Mensck;heit" (Teutjches Verlagshaus^ Bong & Co., Berlin W. 57). Der gleich dem ersten glänzend ausgestattete 2. Band (518 Seiten mit vielen Beilagen) enthält außerdem noch eine nicht minder wertvolle und sejselnoe Darstellung der Entwickelung der Pflanzenwelt aus der Feder des Professors an der Königlichen Bergakademie in Berlin, Tr. Henry Potoniö und endlich eine kurze aber erschöpfende Heber sicht über die E u t w i ck e l u n g d e r T i e r- w e 11 vom Bergakademie-Pvosefsor Tr. L. Benshausen. In seiner klaren, auch dem Laien leicht verständlichen Larstellungsweise und in seiner ebenso vr.ginellen wie wissenschaftlich korrekten Illustrierung, zu der in den berühmtesten Museen des Kontinent-:' tule hunderte von Original- aufnahmen gemacht wtirden.. steht der 2. Band von „Weltall und Menschheit" ebenbürtig nebelt dem ersten und wird sicherlich die Zahl der Freunde der neuen Puolikanon Hans Kraemers beträchtlich vermehren. Patzig publizistisch und agitatorisch jüugst vertretenen Ansichten einstimmig angenommen. Zur Akrv.hr des amerikanischen Hakaktrusts. Dem Deutschen Trustabwehrausschuß ist auch der Verein Bremer Rohtabakhändlcr beigetreten; vorher gehörten ihm bereits an der Deutsche Ta bat verein, der Verband Deutscher Zigarettenfabriken und der Zentralverband deutscher Zigarren- und Tabak- laden-Jn Haber. Der TrustabmehrauZschuß hat bereits mehrere Zirkulare herausgegeben. Sein neuestes, das bisher noch nicht in die Oesfentlichkeit gedrungen ist, lautet: Nachdem der Tabaktrust in Amerika und in England im Tabakgewerbe bereits die Vorherrschaft erlangt hat, ist er nun alich bestrebt, in anderen Ländern, und besonders auch in Deutschland, Wurzel zu fassen und das gesamte Tabaksgewerbe unter seine Botmäßigkeit zu bringen. Er will, luie sein Vorgehen in Amerika und England -eweist, die Fabrikation von seiner Leitung abhängig machen und den Zwischenhandel beseitigen, um der Kundschaft diejenigen Preise abnchmen 311 können, welche er erhalten muß, um nicht nur sein ungeheures Aktienkapital zu verzinsen, sondern vor allem auch die zur Erreichung seiner Zwecke in Amerika, England und anderen Ländern bereits aufgewendeten großen Kapitalien mit Zinseszins wieder hereinzubringen. Bis jetzt ist es ihm nur gelungen, sich die Zigarettenfabrik von Georg A. Jasniatzi in Dresden anzugliedern unds vermittelst derselben im Bereiche, der Zigarettenfabrikation auf dem deutschen Tabakfabrikmarkte in Erscheinung zu treten. Es steht fest, daß er dasselbe auch in den anderen Zweigen des deutschen Tabakgewerbes anstrebt und nunmehr zunächst der Tabakfabrikation dadurch beizukommen sucht, daß er in den deutschen Rohtabakhandel mit ausländischen, vorerst namentlich in den Handel mit nordamerikanischen Tabaken einzudringen sucht, um denselben nach und nach auszuschalten und alleiniger Lieferant für die Fabrikation zu werden. Ist ihm dies gelungen, so kann er den Fabrikanten nicht nur willkürlich die Preise für ihre Rohtabake vorschreiben, sondern auch jeden Betrieb, welcher sich ihm nicht unterordnen oder angliedern will, ruinieren, wie er es in Amerika getan hat. Es wird den Fabrikanten vorgeredet, durch direkten Bezug der Rohtabake aus Amerika und direkte Weitergabe derselben an die Fabriken könne billiger geliefert werden, als wenn zwischen dem Ankauf in Amerika und dem Verkauf in Deutschland noch der Zwischenhandel, die sogen, zweite Hand, stehe. Wie falsch dies ist, ergiebt sich aus der einfachen Erwägung, daß der Trust schließlich als alleiniger Einkäufer an die Stelle der jetzt die Fabrikanten bedienenden zahlreichen Händler treten will, daß es aber im Interesse der Käufer gelegen sein muß, die Konkurrenz Vieler im Angebot dauernd zu erhalten. Die Fabrikanten werden deshalb in ihrem eigenen wohlverstandenen stutzen gut tun, den verderblichen Bestrebungen des Trustes keinen Vorschub zu leisten und sich seinen Verlockungen gegenüber ablehnend zu verhalten. Der Vorteil, welcher ihnen möglicherweise vorübergehend seitens des Trustes unter Opfern gewährt werden möchte, muß sicherlich später mit Zinseszinsen von ihnen heimgezahlt werden, wenn der Trust seinen Zweck erreicht hat. Auf Grund vorliegender Anzeichen sieht man es übrigens als erwiesen an, daß in Bremen das Tabakhaus Ed. Barthausen u. Co. in das Lager des Tabaktrustes übergegangen ist. Zwar nicht mit der American Tobacco Comp., wohl aber mit der British American Tobacco Co., bezw. mit der Firma W. S. Matthew u. Sons in Louisville soll sie in Geschäftskonnex stehen.'__________ Hanoel und Verkehr. Dolkstvirtschafl. — Vom Kohleutoutor. Allmählich scheint das Kohlenkonror nun doch perfekt zu werden. In der letzten AiifsichtSratssttzung dee Rheinisch'Westsälischen Kohlensyndikats wurden die Satzungen dee Kontors einer Nachprüfung unterzogen uni) waren dabei noch maiiche Zweifel zu regeln. Am Sonnabend, den 12. Dezember am Tage der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats des Rh.-W. Kohlen- syndikats soll dawl die endgültige Gründulig des Kontors erfolgen. — Union VlektrizitätSgesellschast und Allgemeine Elektrizitätsgcsellschast Berlin. Wir haben vor einigen Tagen mitgeiellt, dap das Jnteresfengemeinschaftsoerhältnis der beiden Gejelischaften sich zu einer Fusion ausgeftalten wird. Die Durch- führung der letzteren Maßregel steht nun in allernächster Zeit bevor. Die Aktien der Union werden im Verhältnis 3:2 der Aktien der A. E. G. umgetauscht. Ta das Aktienkapital der Union 24 Millionen Alk. beträgt, werden 16 Mill. Alk. neue Aktien der A. E. G. ausgegeben. Bestimmend für die völlige Verschmelzung war der Wunsch, die Betrlebsemrichtungen noch eiilheulicher zu gestalten. Die Kapitalvermehrulig entspricht dem Satze, der s. Z. hinsichtlich der Verteilung deS gemeinschaftlich erzielten Gewinnes festgesetzt 1 v0rden war. Eureka-Waffen etc. magicas. Sonnenstrasse 25 erlaubt sich hiermit zum Besuch seiner diesjährigen bedeutend vergrößerten 8553 Laterna Weihnachts-Ausstellung in Kinder-Spielwaren einzuiaden. Eisenbahnen Viele Neuheiten. Grösste Auswahl Kirchstrasse 2. Kirchstrasse 2. von Neustadt 15 nach meinem neu erbauten Hause 9064 Moderne Rahmen. Spiegel und Kunstblätter. verlegt habe und bitte um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll Kari Müller (früher A. Kohlermann). Malvorlagen neu eingetroffen. 8937 empfiehlt W. 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