Nr 235 Erschein« «Sgltch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessische« Landwirt die Siebener Kamillen» blätter viermal in der Woche bctgelegt Rötatumübract u. Ber- lag der Brüh lachen Untvers^Bnch- u. Stern- brudetei (Pietsch Erven) Redaktion. Lrpeditto« und Druckerei: Gchnlstraße 7. Adresse für Depeschenr «vzetger Otetze». A borgen bleiben werde. war die Zeit des Kulturkampfes, als Bismarck selbst dem Achtundvierziger Virchow öffentlich Dank für die Unterstützung seiner Politik sagte. Wie die Achtundvierzig er, die Sudermann in den Sturmgesellen dem Gelächter preiszugeben sucht, in Wahrheit dazumal dachten und fühlten, könnte der Dichter, der einst siei- f inniger Zei tuns schreib er war, aus der Rede lernen, die Franz Ziegler an seinem siebzigsten Geburtstage hielt. Das war vier Jahre vor dem Zeitpunkt, wo die Sturmgesellen bie Katastrophe ereilte. Damals, so erinnert heute das genannte Berliner aliliberale Blatt, jagte der Volksmann, der auch ein Dichter war: „.....Ich lasse gern und dankbar mrseren Fürsten ihr Verdienst, und vor allen Dingen bin ich gewiß der letzte, der seinem engften Lcmdsmanne, unserem ersten Staatsmanne, dem Fürsten Bismarck, seinen Ruf verkümmern will. Ich kann chm zwar nicht zurufen wie Heinrich dem Percy: „Und alle Ehren, auf dem Helm Dir sprießend. Ich flechte sie zum Kranz für unser Haupt", aber ich kann sagen: Recht viele der Blumen, die auf den Helm Dir sprießen, könnten wir zum Kranze für uns pflücken. Denn sie sind seit beinahe zwei Menschenaltern durch uns gepflanzt, gepflegt, mit unserem Blute gedüngt, mit unseren Tränen, unserem Schweiße befeuchtet. Ehre dem Manne, der erkannte, es ist an der Zeit, Ehre allen, welche das Volk als die alleinigen Vollbringer seiner eigenen Arbeit hochhält; wir haben eins für uns: unser Bewußtsein und unser Leid. Alles das deckt aber und es entschädigt uns die innige Liebe zu unserem Vaterlande Deutschland, besser: Hoch ich ausbringen will. Ich ergreife das Glas unb sage: Das sei Dein Dank für Sorge, Pflege, Speis' unb Trank, Du liebes Vaterland! Tas deutsche Vaterland hoch!" Tas ist die wahre Gesinnung, die wahre Geschichte der Achtundvierziger, das war chr Tun und Treiben auch in den siebziger Jahren und ist es heute, soweit chrer bie letzten noch wandeln im rosigen Licht. Und darum, wenn Sudermann den Tank verleugnet, der chnen gebührt, wenn er bie besten Ueberlieferungeit seiner ostpreußischen Heimat verunglimpft und die Gefühle Taufender und Abertausender, auch der Deutschen außerhalb des Reichs, verletzt, muß aus der Mitte des Volkes gegen fein Werk um der Wahrheit willen Einspruch erhoben werben. Das ist ein Dichter es ist Schiller, ber im „Don Carlos" spricht: i ......Sagen Sie Ihm, baß er für bie Träume feiner Jugend Soll Achtung tragen, wem: er Mann fern wird. Nicht öffnen soll bem tötenden Insekte Gerühmter besserer Vernunft das Herz Der zarten Götterblume — daß er nicht Soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit Begeisterung, die Himmelstochter, lästert." Are Darmstädter Iermähiuugsfeier. L R. B. Darmstadt, 6. Okt. Ob draußen auch der Sturmwind pfeift und düstere Regenwolken am bewegten Himmel die äußere Physiognomie in Darmstadt grau in grau malen — es herrscht doch eitel Freude und Frohsinn in der Stadt. Das zeigt schon das prunkvolle Festklerd, das sie trägt, und das zeigt auch die eminente schaulustige Menschenmenge, die jetzt von früh bis spät durch die Straßen wandert in ber meist reich belohnten Erwartung, die zahlreichen fremden Fürstlichkeiten von Angesicht zu Angesicht zu schauen. Der Glanz ber reichen, golbbestickten Uniformen, die zahlreichen, mit betreßten Dienern besetzten Hofwagen unb Galachaisen, die große Schar der hin unb hereilenden Hoflcckaien, die be- helrnbuschten Posten vor den Schlössern und vieles andere mehr gestalten zurzeit bas allgemeine Straßenbilb zu einem ebenso abwechslungsvollen, wie angenehmen Genuß. Für den Darmstädter ist ja der Besuch des Zarenpaares kein seltenes Ereignis mehr, aber ein besonders freudiges bleibt es doch schon deshalb, weck es uns immer wieder euren neuen unb schönen Beweis von ber Liebe ber hessischen Fürstentöchter zur angeftammten Heimat erbringt. Uno wenn jetzt "alle vier Geschwister zumeist aus weiter Ferne hier zusammengekommen finb, so geschah das sicherlich weniger in der Erwartung rauschender Hoffeste, die ihnen ja anderwärts vielleicht noch in viel üppigerer Weife zu Gebote steher:, als in der fteudigen Gewißheit auf ein frohes Wiedersehen in ber Heimat, an der trauten, lieben Stätte, da sie ihre ersten glücklichen Jugendträume erlebt. Die junge Braut aber, bie erst vor zwei Lenzen auf Schloß HeiUgenberg ihre Konfirmation erhielt und im Frühjahr gelegentlich eines Besuchs in Lorrdon ihren späteren Bräutigam kennen lernte, hat es sich gewiß sticht träume:: lassen, daß sie schon so halb durch ihre Vermählung mit dem zweitjüngsten Sprossen König Georgs von Griechenland den Anlaß und Mittelpunkt zu bem jetzigen großen Fürstenkongreß in Darmstabt bilden würde. Die rasch folgenden Festlichkeiten und die vielen auswärtigen Hochzeitsgäste lassen indessen wenig Raum unb Zeit zu reflektiven Betrachtungen. Das junge Paar hat heute mittag im Alten Palais bereits bie ftanbesamt- liche Eheschließung vollzogen und damck den zivilrechtlichen Vorschriften des Deutschen Reiches Genüge getan. Nicht ohne Interesse ist die Tatsache, daß ber Trauakt auf birekten Wunsch bes Großherzogs im Alten Palais vom Feuilleton. Die Gemälbesammlung im Saale von Lonys Bier kecker, bie feit einigen Tagen, leider mehr als sie dazu angetan war, im Verborgenen blieb, fyat uns bei unserem Besuche angenehm überrascht. Da ist in der Tat mehr zu sehen, als die spärlichen Mitteilungen, die man darüber bisher in der Oeffentlichkeit vernahm, vermuten ließen. Bor allem ist bie Sammlung sehr reichhaltig, unb nur ganz wenig minderwertige Gemälde sind darunter. Sogleich wein: ersten Durchgänge fallen prächtige Bckder auf. Da ist F. Kosler-Cairo, von dem ein wunderbar sein ausgesühr- tes Bild eines koptischen Mädchens ausgestellt ist. An bieter ägyptischen Schönheit mit den: blauschwarzen Kopftuch, der im wärmsten Brvirzeton schimmernden Haut, den duncken, tiefliegenden Augen, halber Künstler mit seltener Hingebung und peinlichster Sorgfalt gearbeitet Defreggers Front ist nur eine kleine Zeichnung, aber voller Laune, ein reizendes Mäbchenöildnis. Gabriel Max hat in der Sammlung ein Porträt eines jungen 9Mbcl)ens, mit rimben Gesichtsformen, zart, blaß, wie er es liebt, aber von mehr natürlicher Lieblichkeit und Lebensfrische, als wir sie sonst bei ihm finden. Ein sehr anmutiges, flott hingezaubertes Bild ist auch A. Bello ts Pariserin. Auch Landschaften und Genrebilder sind vorzüglich vertreten. A. Kaufmanns Motiv aus dem Bosnawalde ist mit sehr ae- wandtem Pinsel ausgearbeitet. Sehr stimmungsvoll er- sch-Änt auch seine andere Landschaft: „Bei Bar jur Aube". Ein reizendes Werk von L. M'atifas zeigt eine Herde Schafe im Stall und an der Tränke. Aeußerst lieblich gruppiert und mit völliger Natürlichkeit drängen sich bie runden Tiere um das Wasser; ihr wolliger Pelz fordert geradezu zum Streicheln auf. Das Bild hat denn auch bereits einen Liebhaber und Käufer gefunden; es steht jedoch noch zur Besichtigung in der Sammlung. Ganz besonders bemerkenswert sind auch H Kerns kleine Genrebilder. Die „Piquet- Partie" ist voll lebendiger Beobachtmrg und köstlichen Humors. Die beiden alten, runzligen Spieler da an dem Tisch, in dem Wust von Möbeln und Sächelchen, ahnen nicht, daß sie beobachtet werden Dabei leuchtet die Farbe so frisch und keck, daß nur eine Meisterhand diese kleinen Werke hat hervorbringen körmen. E. Rei cherd, der Tiermaler, yat in kleinem Rahmen da ebenfalls ein Bildchen geschaffen, an dem man nicht vorübergehen tonn. Einen rasseechter: Bernhardiner zeigt das kaum über handgroße Bildchen, einen prächtigen Hundekops mit glühenden Augen und nasser Schnauze. Ein Meisterwerk des Pinsels ist barm: auch das weißhaarige Fell des Tieres, das mit bewundernswerter Beharrlichkeit unb dennoch feinem Empfinden wieder- gegeben ist. Beinahe hätten wir vergessen, Thoma zu nennen, der mit einem „Wasserfall aus Pinzgau" eine Landschaft ausgesucht hat, die wir ihn nicht häufig durchwandern sehe::, die aber doch den Zauber der Sllmmung atmet, den wir stets in seiner diähe spüren. Lebhafte Darstellungen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen unb künstlerisch hoch stehen, sind Dumonts „Lustige Fahrt" und des Russen Stoiloff Kosakenbild. Siner echten, fröhlichen Künstlerlaune ist ein Werk des Franzosen Vernarb entsprungen. Er ging eine Welle ein, daß er mit einem Farbenrest recht wohl noch ein hübsches Bckd zu stände bringen könne. Da ließ er sich eine große Palette anfertigen, auf die er die augenblicklichen Ein fälle seiner Laune zu einem wohlgelungenen Ganzen entwarf. Das bunteste Zeug hat er da zusammengewürfelt; wir staunen in: höchsten Grade über die täusche:we Nachahmung zweier Photographien, von denen jedermann zunächst glaubt, sie feien in Wirllichieit an die Palette geheftet, und besonders auch über die Wasser tropf en, die wir auf dem Holz £>er Pa^tte trocknen zu müssen glauben, in Wahrheit aber ein Äherz des Künstlers sind. Leons Paulus „Schfchcuch" fordert zu Vergleichen mit den Werken jener Großer: heraus, die dieses Äiollv gleichfalls bearbeitet haben. Es ist wahrlich kein schlechtes Bild. Noch eine große Anzahl wirklich guier Werke zählt die Ausstellung, derer: Schluß leider nun bevorsteht. Ter Kunstfreund, der sich heute oder morgen noch einmal yinbegiebr, um sich die Werke von, Künstler- Hand, bie wieder einmal unter bei: Hammer müssen, anzu- fehen, wirb es nicht bereuen. *&* Beigeordneten Dr. Glässinq als Stcmdesbeamten der Stabt und nicht, wie zuerst geplant war, durch den englischen Gesandten in dessen Behaufimg vollzogen wurde. Als 3euijeit bei der Eheschließung- wurden die beiderseitigen Väter, König Georg und Prinz Ludwig von Battenberg, in die Akten eingettageir. Nach der Trauung war im Neuen Palais Familientnscl, im Ncsidenzschlosse Morscholl-tasel. Al einer besonders glänzenden Festlichkeit gestaltete .sich die Hostafcl, die heute abend 8 Uhr im Kaisersaal Des Residenzschlosses die fürstlichen Hochzeitsgäste mit Gefolge vereinigte. An der mit prächtigen Blumenarrangements geschmückten Tafel waren 88 Gedecke aufgelegt; mährend des Essens musizierte im Nebensaal die Kapelle des Leibgrenadierregiments s)ct. 115. Dem Zaren zur Rechten saßen die Königin von England, Großfürst Sergius, Kronprinzessin von Griechenland, König Georg, Prinzessin Beatrice, Fürst zu Erbach-Schönberg, Prinzessin Franz Josef, links die Prinzessin-Braut, Prinz Andreas, Prinzessin Viktoria, Großsürst Georg u. a. Der Großherzog saß dem -Zaren gegenüber und hatte rechts die Zarin, König Georg, ^Prinzessin Heinrich, Kronprinz von Griechenland, Prinzessin 'Friedrich Karl und links Königin von Griechenland, Prinz Heinrich, Großfürstin Sergius, u. a. zur Seite. Nach Beendigung des Essens begaben sich sämtliche Herrschaften gegen 10 Uhr zu dem vom Prinzen Ludwig von Battenberg im Alten Palais gegebenen Rout, der eigentlichen Polter- abendseier, an welchem amg der russische Minister Gras Lamsdorff, Staatsminister Rothe, Finanzminister Gnauch, Iustizmüiister Dr. Dittmar, das diplomatische Korps u. a. m., im ganzen 200—300 Personen, teilnahmen. Mit der heute abend 7 Uhr erfolgten Ankunft des Prinzen Albert von Schleswig-Holstein sind die Hoch- zeitsgäfte vollzählig hier versanrmelt. Heute mittag traf auch die Großfürstin Wera, Herzogin von Württemberg hier ein und wurde am Bahnhof vorn Groß Herzog, Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg, Fürst und Fürstin zu Erbach-Schönberg u. a. empfangen. — Die morgige Trauung in der evangelischen Hofkirche wird von Oberkonsistorialrat Peterson unter Assistenz des Hofpredigers Ehrhardt, die Drauzeremoilie in der russischen Kapelle von dem Münchener Archimandriten Vlachos vollzogen. Die Zeremonie ist sehr umfänglich und dauert über eine Stunde. König Georg von Griechenland mit Gemahlin beabsichtigen, bereits morgen abend die Rückreise von Darmstadt anzutreten. Exc. Staatsminister Ro the gibt am Mittwoch abend ein diplomatisches Souper, zu welchem sämtliche hier weilenden Diplomaten, natürlich auch Graf Lamsdorff, eingeladen sind. Dieselben werden also an der zur selben Zeit im Resider^fchloß stattfind end en Marschalltafel nicht teilnehmen. Kirche und Schule. Die 4. General-Versammlung des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes. welche jüngst in Bonn tagte, war zahlreich von Mitgliedern und Delegierten besucht und bot viel Anregung durch ihre reichhaltige Tagesordnung. Es wurde in ernster und sachliche Weise über die Sittlichketts-, über die Arbeiterinnen- und über die Wohnungsfrage referiert und beraten. Außerdem wurden drei größere Vorträge gehalten. 1. Wie beeinflnsfen wir die Mütter unseres Volkes: Frau Ufer-Held. 2. Dre Pflichten und Rechte der Frau in der kirchlichen und bürgerlichen Gemeinde: Frl. Paula Müller- Hannover. 3. Die Psychologie der Frau: Frl. Martin- Trier. Die Generalversammlung nahm mehrere Resolutionen an. Erstens, daß die Frauen sich, den kirchlichen und bürgerlichen Behörden zur Verfügung stellen sollten, um in der Mitarbeit den Beweis ihrer Unentbehrlichkeit zu liefern, aber auch zu fordern, daß ihre Arbeit berufsmäßig in die Gemeindeorgane eingegliedert und ihnen die entsprechenden Rechte gesichert werden Ferner, daß den Ortsgruppenvorständen' des Bundes aufzugeben sei, die Gründung und den weiteren Ausbau von Arbeiterinnenvereinen der Heimstätten Ins Auge zu fassen und zu fördern. Eine Petition an die Handelskammern, in der dieselben ersucht werden, auf Einrichtung von Sitzgelegenheiten fürLadnerin nen unb Benutzung derselben hinzuwirken, wurde genehmigt, ebenso eine Petition um Abschaffung der Reglementierung und eine Eingabe an die Generalsynode mit dem Ersuchen, festzustellen, in wie weit eine Erweiterung der Pflichten und Rechte der Frau im kirchlichen Leben angezeigt'sei und in wie weit eine Heranziehung der Frau zu den kirchlichen Wahlen möglich sei. Hamburg, 6. Okt. Der Besuch der heute hier zusammen getretenen 5 6. Hauptversammlung des Gustav Adolf-Vereins war aus allen deutschen Ländern und Oesterreich überaus zahlreich. Vom Auslande -waren Italien, Belgien, Frankreich und Brasilien durch Abgeordnete vertreten. Nach einer nichtöffentlichen Sitzung der Delegierten des Hauptvereins fanden abenos in sechs, den verschiedenen Stadtteilen angehörenden Hauptkirchen Hauptgottesdienste statt, die sämtlich stark besucht waren. Der St. Petri- und St. Nikolaikirche wurden nach beendigtem Gottesdienste eine Anzähl reicher Festgaben an Tauf- uüd Abendmahlsgeräten für die Gemeinden in der Diaspora 'ci Krolls seine Antrittsvorstellung und erzielte bei dem er- chienenen Publikum auch die beifälligste Aufnahme. „C’est 6 ton, qui fait la musique“ — dies Wort gilt allen derartigen Produktionen gegenüber, in denen es weit weniger aus die Sache selbst, als auf die Art und Weise, wie etwas geboten wird, ankommt. Und da muß man anerkennen, daß Fly und Slade es verstehen, dem Ganzen einen gewissen vornehmen und traulichen Charakter zu verleihen, so daß ihre gestrige Antrittsvisite in den eleganten Räumen völlig einer Privatsviree im Freundeskreise glich. Die Art der Kunst- ertigkeiten näher zu beschreiben, kann hier nicht unsere Sache ein; in der Form, wie es gezeigt wurde, erregt es all- emeines und großes Interesse. Madame Slade, eine junge )ame von sympathischem Aeußeren, erwies sich besonders als refsliche Künstlerin. Herr Fly exzellierte mit seinen Leistungen. Es ist für einen Zeitgenossen des Jahrhunderts, der sich erhaben glaubt über die Märchen vom Uebernatürlichen und Uebersinnlichen, in der Tat sehr schwer, all das als Wirklichkeit hinzunehmen, was er da mit eigenen Augen sieht und mit eigenen Ohren hört; und so sehr er sich auch dagegen träuben mag, er wird sich doch angesichts solcher Versuche die Frage vorlegen: hat der alte Dichter vielleicht recht, wenn er sagt: „Es giebt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen läßt?" *• Versicherung von Privat-Angestellten. Am 15. Oktober findet auf Veranlassung des Reichsamtes des Innern unter den Privatangestellten Deutschlands eine allgemeine Erhebung durch auszufüllende Fragebogen statt. Zweck dieser Erhebung ist, der Reichsregierung Material zu liefern, auf Grund dessen die Vorbereitungen zur Einführung einer Pensions- und Hinterbliebenen-Versicherung der Privatangestellten auf staatlicher Grundlage erfolgen können. Diese Erhebung erstreckt sich auf alle Privatangestellten, ganz gleich, in welcher Branche oder welchem Betriebe dieselben tätig sind, ob sie in Handelsgeschäften, im Baugewerbe, in Bergwerken, Hütten ober Fabriken jeder Branche, als Betriebs- oder Bureaubeamte, ob in der Land- oder Forstwirtschaft, in Apotheken, bei Rechtsanwälten und Notaren, bei staatlichen ober Gemeinbebehörben ohne Pensionsberechtigung beschäftigt sinb. Der hiesige Zweigverein bes beutschen Gruben- und Fabrikbeamten-Verbanbes teilt uns mit, baß bie Fragebogen eingegangen sinb unb an bie Mitglieber ausgegeben werben. Diese haben biefelben unverzüglich auszufüllen unb im Couvert verschlossen wieber abzuliefern. Die Couverts werben erst im Reichsamt bes Innern geöffnet. Diejenigen Privatangestellten, welche einem Vereine ober Verbände nicht angehören, können Fragebogen von bem vorgenannten Zweigvereine erhalten, ber nach erfolgter Ausstellung auch bie Weiterbesörberung übernimmt. Näheres ist beim Vorsitzenben bes. hiesigen Zweigvereins, Wilh. Rohleber, Riegelpsab 50, zu erfahren. Möge jeber Privatangestellte Deutschlanbs 'am 15. Oktober einen Fragebogen ausfertigen. ** Die Zitrone als Heilmittel. In ber Jahreszeit, wo bichte Nebel unb naßkalte Nieberschläge zur Tages- orbnürtg gehören, stellen sich bei ben Kindern häufig Influenza, Hals- unb Magenleiben ein. Als ein Allheilmittel bewährt sich stets bie Zitrone, ba aber Zitronenlimonabe unb Zitronentee allmählich ben Kmbern überbrüssig wirb, empfiehlt sich zur erftischenben Abwechselung für bie kleinen Rekonvaleszenten besonders bie Anwendung von Zitronenkomp o tt und Zitronengelee. Ersteres wird in folgender Weise hergestellt: Ein Syrup von Zucker wirb zunächst aufgekocht, bann werben bie entkernten und geschälten Zitronenscheiben hineingetan unb betritt etwa 15 Minuten gekocht. Etwas Apfelsinensaft milbert noch ben herben Zitronengeschmack unb vervollstänbigt bie Seimigfeit ber Sauce. Zitronengelee erfordert eine anbere Zubereitung. Drei bis vier Zitronen werben ausgebrückt unb burch ein Läppchen getan. Ein halbes Psunb Streuzucker wirb in ben Saft eingerührt, zu bem noch aufgelöste, etwa fünf Blättchen weiße Gelatine hinzugerührt werben. Das ganze muß vor bem Gebrauch erkalten. In gleicher Weise kann Apselftnen- gelee mit roter Gelatine hergestellt werben. Dtefe Gelees unb Kompotts sinb, abgesehen von ihrer gesunbheitlichen Wirkung, sehr angenehm in ben Monaten, ba anberes Obst selten unb teuer ist. Auch gegen ben Typhus soll bie Zitrone ein wertvolles Mittel sein. Zitronensäure, auch Essigsäure tötet bic Typhusbazillen, jeboch bebarf es einer recht konzentrierten Lösung. Schwache Lösungen vermögen höchstens bas Wachstum ber Bazillen aufzuhalten. K. Bab-Nauheim, 6. Oktbr. Granb Hotel Metropole, welches vergangenen Winter von Kaufmann Hch. Kegelmann hier erbaut würbe unb in ber letzten Saison an Hotelier Max Lehr für 35 000 Mk. pro Jahr verpachtet roar\ wurde gestern mittag von bem zuletzt Genannten für 850 000 Mk. käuflich erworben. Ein anberer Liebhaber bes Objektes hatte sogar 900 000 Mk. geboten. Herr Lehr besaß jeboch bas Vorkaufsrecht. — Heute morgen 6 Uhr würbe in ber Villa Saxonia eingebrochen. Der Einbrecher stieg in bas im Erbgejchoß gelegene Schlafgemach zweier hier zur Kur weilenben Damen ein, welche burch bas Geräusch erwachten unb laut um Hilfe riesen. Der Strolch warf sich deshalb auf bie beiden Damen unb brachte ihnen einige leichte Verletzungen bei, worauf er ben Rückzug antrat. Bis jetzt hat man noch keine Spur von ihm. Mainz, 6. Okt. Vor einigen Tagen hat sich hier ein Rhein- unb Maingau-Verbanb bes Verbandes alter Burschenschafter b er Technischen Hochschulen Deutschlanbs gebilbet. Zweck bes Verbandes ist: För- berung ber burschenschastlichen Sache. Zu bem Verbände gehören bie Stäbte Darmstabt, Heibelberg, Frankfurt a. M., Mannheim, Mainz, Worms, Lubwigshasen, Wiesbaben, Bingen, Offenbach, Koblenz rc. Uermischtes. * Aßmannshausen, 6. Okt. Gestern nachmittag stürzte ein Automobil bie hohe Böschung hinab in ben Rhein. Der Insasse, ein Belgier, welcher die Gewalt über bie Steuerung verloren hatte, ertrank. * Bonn, 6. Okt. Der Schriftsteller unb Herausgeber ber „Agrar- unb Sozialpolitischen Korresponbenz", August Bauer, ist gestern an einem Herzschlag gestorben. * Breslau, 6. Okt. Der Kaufmann Alexander Stein von ber faMten Holzfirma S. Steins Witwe in Gleiwitz wurde mit einer Schußwunde im Kopfe als Le iche in Klodnitz gefunden. In seinen Kleidern fand man über 300 Mk. bares Geld pnd zwei Checks. * Braunschweig, 6. Okt. Laut amtlicher Mitteilung sind in der Woche vom 27. Sept, bis 3. Okt. im Herzogtum Braunschweig folgende Typhusfälle angemeldet: In der Stadt Braunschweig 5 gegen 1 in der Vorwoche, im Kreis Helmstedt 3 gegen 0, im Kreis Wolsfenbüttel 2 gegen 0, im Kreis Gandersheim 2 gegen 2, im Kreis Holzminden 2 gegen 1 und im Kreis Blankenburg 0 gegen 7 in der Vorwoche. * Brüssel, 6. Okt. Eine große Feuersbrunst zerstotte vergangene Nacht bie große Weberei ber Firma Mitte-Vanham in St. Denis bei Mons. Der Materialschaden ist sehr groß. 30 Arbeiter sind beschäftigungslos. • Paris, 6. Okt. Die Blatter berichten, daß ein Verwandter des Herzogs von Aren berg, welcher gestern aus Ostende hier eintraf, plötzlich irrsinnig geworden ift Aus dem Bahnhofe entkleidete er sich und begann Cancan zu tanzen. Er wurde einstwellen in einer Hellanstalt untergebracht. * Der „Kaiser der Sahara"', Jacques Lebaudy, läßt die Presse nicht zur Ruhe kommen. Wie nunmehr aus London berichtet wird, hat Lebaudy bereits einen Minister für fein Reich in der Person eines Mitgliedes des englischen Oberhauses gewonnen. Auch steht er mit englischen Kapitalisten in Unterhandlungen, um diese für sein Unternehmen zu interessieren. Lebaudy erklärte, er habe eine Oase von ber Größe Jrlanbs entbeckt. bewährteste Nahrung für „ / ' Gute Laune herrscht im Hause bei täglichem Genuss von Quaker Oats—nur echt in Packeten mit der Quaker Schutzmarke. Für die Familie schmackhaft, stärkend und leicht verdaulich. Für die Köchin leicht und mannigfaltig zu zubereiten. Quaker Oats Q es< E CD E E ö XD --o co o S2 e© © © o Tt< 1O D- E CO _E xd JD 5? 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ZssULALZ -G E CS r> E E CD o E ^.5 Z.LXZ o l>5> do cu _» — <— •— ?-* ,_: '= O-8ZNZ L "XlE p - -G E vQ £ £) E , __, „ vO c -4- E E p P, 44 rOOu 2iw E^VOSO GD,p^ p^^L^-E 5p^ - o oES E E CEO tp"x> E C B o -E^ E EL E o o o eu •— CD p 44g@j>) p p5v EPP Pä‘5 CO ö?-»-» W g . . trE sO g ” 8 -’S: c^ g "2 -1 Z äA E C E E- >b-2 — '~i "7*> cS 1 G VC G vO CD L O G p«$t p S 2? . ’S* s « E Ä X> CE O *. W CÄ^> c - Ept ZZ-2 _ -B 'S p (£) e) vo cd E O CO “2 €0 CO E E s o A 2 S^N E p rt Q «I ® i s>® XD P -p äÖ E E ~p P -4-. XD :p CD E~:« Z§s Sc: i-> p->o L L c errn Bettenhausen Reiskirchen Winnerod Bollenbach Saasen Lindenstruch Hattenrod Rodheim a. Bieber Crumbach Fellingsbausen Frankenbach „ Watzenborn „ „ Die amtlichen Verkäufer sind vertragsmäßig verpflichtet, stets einen angemessenen Vorrat an Postwertzeichen zu fuhren und die einzelnen Marken zu keinem höheren, als dem Betrage ihres Wertes aii das Publikum abzulassen. Jni Allgemeinen hat der Veuauf währelid der ganzen Zeit, in welcher das Gejchaftslokal des Verkäufers geöffnet ist, stattzufinden, jedenfalls aber innerhalb der sur den Verkehr mit dem Publikum festgesetzten Dienststuriden der bei Herrn L. Kalkhof Nächst, Westanlage 2. „ „ Christoph Bieker, Neustadt 55. _ _ H. Nau, Wolfstraße 9. „ „ Cvnrad Roch Nachfl., Walltorstr. H Phllipp Stier, Neuen-Bäue. „ „ Jacob Hengst, Licherstraße 20. Heinr. Becker, Löwengasse. , „ Gustav Sonntag, Neueri-Bäue. Karl Eichmann, Ederstraße. „ „ Ga. Emil Seng, Seltersweg. „ „ Karl Seibel Franksurterstr. 76. Postanstalt. Gießen, 3. Oktober 1903. Kaiserliches Postamt L Schäfer. Obstversteigerung. Freitag, 9. Oktober d. Js., nachmittags 3 Uhr werderi im Bürgermeistereihof Gartenstraße 2, etwa 30 Körbe Tafel- uud Wirtfchaftsobst meistbietend versteigert. 7o39 Gießen, den 5. Oktober 1903. Großh. Bürgermeisterei Gießen. ________Mecum.____ Betreffend: Verlegung der Kreisstraße Grünberg—Londorf—Atzenhain. Vergebung m Ztrcheubnmrbeiicn. Die bei rubr. Straßenverlegung nötig werdenden Arbeiten und Lieferungen im Voranschlagsbetrage von 5700 Mk., worunter die Herstellung von 30 Ifdm eisernem Geländer, sollen im Wege des öffentlichen Angebots vergeben werden. Die Angebotsunterlagen liegen auf dem Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsichtnahme der Interessenten offen. Ebendaselbst sind die Angebote verschlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Dienstag den 20. Oktober d. I., vormittags 10 Uhr, abzugeben. Die Eröffnung erfolgt an vorgenanntem Termin in Gegenwart etwa erschienener Bewerber. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 29. September 1903. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. ________Die hm.________________7500 TIlCC neuester EftttC in allen Geschmacksrichtungen und Preislaaen. per 7, kg. Mark 1.70, 2.40, 2.80, 3 — bis zu Mark Z.- lose und in Originalpackungen renoinmierter Firmen 7531 empfehlen Gebrüder Berdnx. 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Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine werte Kundschaft pünktlich und reell zu bedienen. — Einem geneigten Zuspruch gerne entgegensetzend, zeichne Mit aller Hochachtung 04830 Julius Philipp, Uhrmacher Koch’s Nachfolger. Bahnhofstraße 50. Bei leichter Arbeit erzielt man vollen Erfolg mit - Einmal versucht, wird säe stets gebraucht! Hasthaus zur Germania. Giessener Hsier-Gesellschaft M. Donnerstag den 8. Oktober: Eröffnung der Mntersaison abends 9 Uhr, Caf6 Ebel 7553 wozu wir unsere aktiven und passiven Mitglieder freundlichst einladen, zugleich mit der Bitte, sich an den im Winter allwöchentlich DouucrStags ftattftnd enden Vereins ab enden recht zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. Man erzielt unbedingt den bestes? SCaffee | durch Verwendung von 7431 ■ Andre Hofers SalztargerMee-Iiirzel in Würfelform in Karton ä 42 Würfel 50 Pfg. » „ ä 20 ,, 25 „ Zu haben in allen besseren Kolonialwaren Geschäften. Alice-Kochschule. Ter Back-Kursus wird ausnahmsweise im Oktober abge- halten und beginnt 7562 Jomrötag öen 8. Sktober, ilchlliittags nm 3 liijr. Anmeldungen in der ®dm(e bei R-räuhän R ovn e.L Hasen, stets irisch geschossen, zu haben bet Frau Ebel, Nittergaffe 11. svzr Habe von der Landw. Ausstellung div. verzinkte Gegenstände l'illlgsl abzugebeu und zwar: 1 Jauchefatz, 1 Pferdekrippe, 3Futterschwiugeu, IZiegeu- und 1 Pferde - Raufe, div. Hühueruefter,Fretzgeschirre, 1 Sameustreucr, 3 Trarrs- portflafcheu, 6 Kleischmuldcn u. div. Kartoffelkörbe, sowie 4 lackierte Standgefätze für Kolouialwareuhandluug. Edgar Borrmaim 72521 Eisenhandlung. Streng reelle unh billigste BezugS> quelle! In mehr als 150,000 Familien im Gebrauche! Gänsefedern, Ganiedaunen und alle anderen Sorten Bcttfcberu. lUeubeit u. beste Reinigung garantiert! Preiswerte Beltfedern per <'td. für 0,80; 1 Mark, 1,40. Prima 0nlbtiniinen i,GO: 1,80. Polarfebern: salt'wcih 2, weiv 2,50. ©tlbcnveilic Bcttseüeru S; 3,50; 4; 5. 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