Nr. 183 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche betgelegt. Siolattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Kedaktion. Erpedttton und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51 Zweites Blatt. 153. Jahrgang Freitag 7. August 1903 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen Bezugspreis» monatlich75Pi., viertel, jädrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. ZwergsteUen monatlich 65 M.; durch die Poft Mk.2.— vrertel- jahrl. ausschl. Destellg. Annahme von Anzeigen ür öie Tageörrummer ju$ vormittags 10 Uhr. ^etlenprel®: lokal 12 Ps, auswärts 20 Pfg. Verauiworlttch für den poltt und allgem. Teil: P. Wttrko- für .Stadt und Land^ und .GerlchtssaatE; August Götz, iüi den Anzeigenteil: yan« Beck. Die Heutige Yummer umfaßt 8 Seiten. Mill. Mk. entfallen nicht weniger als 685 Mill. Mk. auf Getreide und Hülsenfrücht, ferner 144 Mill, auf Kaffee, 110 Die Reichsfinanzett und der künftige Zolltarif. Wie die Zolleinnahmen des Deutschen Reiches unter dem neuen Zolltarif sich gestalten werden, darüber wird man sich erst nach dem Abschluß der neuen Handelsverträge ein annäherndes Bild machen können. Denn erst durch die Verträge werden die Zollsätze geschaffen, die eigentlich auf die Wareneinfuhr in Anwendung kommen sollen. Erst dann Mill, auf Schmalz, 115 Mill, auf Eier, 57 Mill, auf Fleisch u. s. ro. In der Gruppe der Rohstoffe ist der Anteil der zollpflichtigen Gegenstände am geringsten, entsprechend dem Grundsatz, daß der einheimischen Industrie der Bedarf an ausländischem Rohmaterial nicht durch Zölle verteuert werden soll. Von dem Wert der eingeführten Fabrikate entfallen nicht ganz zwei Drittel auf die zollpflichtige Einfuhr. Es ist hierbei zu berücksichtigen, daß zu dieser ©nippe auch zahlreiche Halbfabrikate gehören, die im Interesse der inländischen äußert Ssu- mittel fallenden Einfuhr besteht somit der weitaus größte Europas auf gleichen Fuß zu stehen kamen. Ist es nun )t:gen vorteilhaft für uns, dieses Recht unserem Nachbar gegenüber 17851 verlieren, und ist es zugleich st'ir Deutschland Vorteil- Wert in Mill. Mk. Nahrungs- und Genußmittel 1968 Rohstoffe für Jndustriezwecke 2560 Auch hier springt d?r große Anteil der ersten Gruppe an den Zolleinnahmen ins Auge. Rund 73 Prozent des gesamten Zollertrages rühren aus den Rahrungs- und Genußmittelzöllen her. Allein auf Getreide und Hülsenfrüchte entfallen schon 159 Millionen Mk. oder annähernd 30 Proz., ferner auf Tabak 54 Millionen Mark, gleich 10 Prozent, auf Kaffee 12.8 Prozent, auf Wein 3 Prozent u. s. ro. Im Durchschnitt beläuft sich der Zoll in der Gruppe der Nahrungsund Genußmittel aus 20 Prozent, in der Gruppe der industriellen Rohstoffe auf 1 und in der Gruppe der Fabrikate auf 10 Prozent des Wertes, während die gesamte Wareneinfuhr des Zollgebietes einem durchschnittlichen Wertzoll von 9.6 Prozent unterworfen ist. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen ungefähr 9 Mk. Zoll, wovon etwa 2 s/4 Mk. als Zoll auf Getreide und Hülsenfrüchte, 11/i Mk. als Petroleumzoll, 1.20 Mk. als Kaffeezoll, annähernd 1 Mk. als Tabakzoll zu rechnen sind. Die gesamte Wareneinfuhr verteilt sich ihrem Wert nach mit 35 Prozent auf Nahrung?- und Genußmittel, mit 45 Prozent auf industrielle Rohstoffe und mit 20 Prozent auf Fabrikate. Vom gesamten Zollertrag brachte die erste Gruppe 73 Prozent, die zweite 5, die dritte 22 Prozent. Sehr erheblich wird sich dieses Verhältnis der drei Gruppen zu einander unter dem neuen Tarif und den neuen Handels- verträgen wohl nicht ändern. Davon zollpflichtig Mill. Mk. Proz. 1785 — 91 359 = 14 689 ----- 62 Volltische Tagesschau. Zum deutsch-russischen Handelsverträge sich das Monatsjournal „Rußkoje wird sich auch erkennen laffen, ob und welche neue Einnahmequellen zur Besserung der Reichsfinanzen zu erschließen sein werden. Bekanntlich trägt die Finanzwirtschaft des Reiches, im Gegensatz zu derjenigen der Bundesstaaten, einen ausgeprägt steuerlichen Charakter. Während die Einnahmen der Bundesstaaten zum größten Teil aus Erwerbseinkünften herrühren — Preußen z. B. zieht aus Erwerbseinkünften nahezu 88 Prozent seiner Staatseinnahmen, aus den Staatseisenbahnen allein 54 Prozent —, entfallen im Reich nach dem Voranschlag für 1902 nur 564 Millionen Mark auf Erwerbseinkünfte (Reichseisenbahn, Reichspost und -telegraph, Reichsdruckerei, Anteil des Reiches am Geschäftsgewinn der Reichsbank und des Reichs-Anzeigers), hingegen 1054 Millionen Mark auf Steuern (Zölle und indirekte Steuern, sowie Stempelabgaben). Unter den Reichssteuern nehmen die Zölle den ersten Platz ein. Der gesamte Zollertrag aus der Wareneinfuhr in das deutsche Zollgebiet im Kalenderjahr 1902 berechnet sich nach den hierüber vorliegenden Nachweisen auf 539 Millionen Mark. Es ist vielleicht ein großer Irrtum, wenn angenommen wird, unter dem neuen Zolltarif werde sich der Ertrag aus den Zöllen bedeutend steigern. Erhöhte Zollsätze können ebensogut zu einer Minderung der Einfuhr und demgemäß auch der Zolleinnahmen führen wie zu einer Vermehrung de§ ErttageS. Jedenfalls wäre es verfehlt, in dieser Richtung ein allzu optimistisches Urteil zu fällen. Darauf wird indessen mit ziemlicher Sicherheit zu rechnen sein, daß die Verteilung der Einfichrwaren auf die drei großen Gruppen NahrungS- und Genußmittel, Rohstoffe für Jndustriezwecke, Fabrikate unter den neuen Tarifverhältnissen sich wenig ändern wird. Im Kalenderjahr 1902 belief sich der Wert der eingeführten zollfreien und zollpflichtigen Waren aus 5631 Mill. Mark. Davon entfielen 2836 Mill., also rund 50 Prozent, auf die zollpflichtige Wareneinfuhr. Selbstverständlich ist dieser Anteil ein ganz verschiedener, wenn man jede der vorstehend genannten Warengruppen für sich in Betracht zieht. Die Gesamteinfuhr verteilt sich wie folgt: dochodstwo": „Angesichts der Erneuerung des Handelsvertrags zwischen Rußland und Deutschland wird nicht selten die Frage erwogen, wie es für uns vorteilhafter sei, uns unserem Nachbar gegenüberzustellen: ob wir uns gegen- seittg durch Repressalien schlagen oder durch beiderseitige Zugeständnisse eine Verständigung herbeiführen sollen. Der Vertrag vom Jahre 1894 war aufgebaut aus dem Grundsätze der Meistbegünsttgung, sodaß wir mit allen Großmächten Teil in zollpflichtigen Waren, ja diese Gruppe liefert nahezu zwei Drittel (genau 63 pCt.) der gesamten zollpflichtigen Wareneinfuhr. Von den vorstehend nachgewiesenen Industrie teilweise zollfrei eingehen. Im Verhältnis zum Wert der eittgeführten Waren haben sich die Zollerträge folgendermaßen gestaltet: Einfuhrwert Zollerttag Wertzoll Mill. Mk. Proz. Fabrikate 1103 Von der in die Gruppe der Nahrungs- und Genuß- Nahrungs- und Genußmittel ♦ . 1968 396 20 Rohstoffe für Jndustriezwecke . . 2560 28 1 Fabttkate . ........ 1103 115 10 Zusammen: 5631 539 9.6 Hast, den Nutzen einzubüßen, den es aus dem ungeheuer großen russischen Markte zieht? Die 10jährige Wirksam- samkeit des Vertrages von 18 9 4 hat einige Uebel- stände, welche der Vertrag für uns mit sich brachte, an den Tag gelegt, und wir hoffen, daß der neue Vertrag diese Uebelstände beseitigen wird. Ungeachtet der seitens Deutschland erhobenen hohen Zölle ist unsere Ausfuhr nach Deutschland im Wachsen begriffen: wir haben im Jahre 1892 für 138 Millionen Rubel nach Deutschland ausgeführt und im Jahre 1900 für 188 Millionen Rubel. Unsere Einfuhr nadii Großbritannien, wohin unsere Waren zollfrei gelangen, betrug früher 200 Millionen Rubel, während diese Ziffer im Jahre 1900 sich auf 140 Millionen Rubel reduzierte. Für die gleichen Jahre betrug unsere Einfuhr: aus Deutschland im Jahre 1892 102 Mill. Rubel und aus Großbritannien 101 Mill. Rubel, im Jahre 1900 aus Deutschland 217 Mill. Rubel und aus Großbritannien 127 Milk. Rubel. Märkte erobert man sich nicht leicht, daher ist es unmöglich, die Meistbegünsttgung aufzugeben." Hebet Bismarcks sozialpolitische Anschauungen schreibt Heinrich von Poschinger: „Ein Aufsatz des Hofpredigers a. D. Stöcker hat die Frage, wie sich der erste Reichskanzler zur sozialpolitischen Frage verhalten habe, wieder aufgerollt. Ich bin in der Lage, auf Grund einer Auszeichnung, welche von dem Fürsten Msmarck seinerzeit durchgesehen und mit mehreren Zusätzen und Abänderungen versehen worden ist, hierüber nachstehendes mitzuteilen: An dem Vorwurf, Msmarck sei ein Feind der Arbeiterschutzgesetzgebung gewesen, ist nur so viel wahr, daß er von denjenigen Forderungen, welche Eingriffe in die persönliche Unabhängigkeit des Arbeiters und seine Rechte als Familienoberhaupt bilden, indem sie ihm oder den Seinigen verbieten, zu arbeiten, wann er will, nichts wissen wollte. Tie Schaffung eines Normalarbeitstages und eines Normallohnsatzes hielt er für undurchführbar, aber auch die Verbote der Frauen- und Kinderarbeit usw. zurzeit nur erfüllbar, wenn alle Kulturstaaten dieselbe befriedigen würden. Deutschland hat aber keinen seiner Nachbarn zur Zusage oder Nachfolge bewegen können, und eventuell würde nur Deutschland das Abkommen gewissenhaft durchführen und seine Industrie die Kosten tragen. Ganz von der Hand des ersten Reichskanzlers ist eine mit Bleistift an den Rand einer ihm gemachten Vorlage geschriebene Bemerkung zum Alters- und Jnvaliditätsgesetz, welche besagt: „Sein Interesse an der Sache war nacht mehr das ursprüngliche von dem Augenblick an, wo dem Arbeiter Beiträge zu seiner Altersversorgung zugemutet wurden; er hatte eine Versicherung auf Staats- und Reichskosten in Aussicht genommen und empfohlen, die Mittel dazu eventuell aus dem Tabakmonopol zu nehmen. Tie von ihm erstrebte polittsche Wirkung war nur durch diese Gratisversorgung zu erreichen. Lohnabzüge im 18. Jahre behufs knapper Pension nach einem halben Jahrhundert lagen nicht in dem Plan, der ihm bei seiner Initiative vorschwebtt." Aie Keidelberger Nniversttälsfticr. Heidelberg, 6. Aug. Der erste Hauptfestakt begann am Vormittag 11 Uhr in der Aula der Universität am Ludwigsplatze. Der prächtige Saal, der 1896 renoviert wurde — Kuno Fischer hält hier seine Vorlesungen, da selbst der große Pandektensaal nicht ausreicht, um die Zuhörerschaar zu fassen — bot ein farbenprächtiges Bild. Unter dem Hauptgemälde, das den Einzug der Minerva in die Stadt Heidelberg dar- Feuilleton. Erinnerungen aus dem deutsch-französischen Kriege veröffentlicht jetzt der General F a v e r o t im „Gaulois". Am 16. Juli, also 3 Tage vor der Kriegserklärung, begegnete er in Saint-Cloud, wo damals der Hof sich befand, dem eben aus Berlin eingettosfenenObersten Stoffel. Ehe dieser beim Kaiser vorgelassen wurde, der hoch seinen Morgenanzug vollendete, frühstückte er mit einem Spiegel-Ei. General Bourbaki, der an jenem Tage diensttuende' Adjutant des Kaisers, war ebenfalls zugegen und fragte: „Sagen Sie uns doch die Wahrheit, Stoffel, ganz runter uns: wer wird Haue kriegen?" „Darauf kann ich Ihnen ohne Bedenken antworten", erwiderte der Oberst. „Ich glaube fest, Frankreich wird die Oberhand behalten, nur bilde man sich nicht ein, daß dies leicht sein werde. Preußen ist großartig vorbereitet, der Kampf wird lang und mörderisch sein." Dann ging Stoffel auf Einzelheiten bei einem Vergleiche beiden Heere ein. Er sagte u.ia ., die deutsche Artillerie sei schwerfälliger, als die unserige, weil ihre jgroßen Kanonen mit 6 Pferden bespannt werden müssen, die unserigen dagegen nur mit 4 usw. Von dem Berichte, den Oberst Stoffel dem Kaiser selbst dann erstattete, findet man einen Abglanz in der Proklamw- tion, die Napoleon III. von Saint-Cloud aus an das französische Volk erließ, ehe er zum Heere ab ging. Der Kaiser hatte den General Faverot für die Dauer des Krieges zu seinem Oberstallnreister ernannt. Am Tage vor dem Abgänge zum Heere dejeunierte er mit einem Ordonnanz-Ofsizier des Marschalls Mac Mahon, Robert de Vogüe, der bei Reichenhosen fallen sollte. Dieser tefilte ihm mit, der Marschall ;ei b uh erfreut darüber, daß der Kaiser ihm gestattet ha^e. ?.vm großen Teil ans afrikanischen Truppen besteh -a'.-es . ver zu bilden. „Sobald es mobilisierbar ist, ziehen wir über den Rhein und marschieren auf Berlin los. Es wird ein kühner Streich sein, aber damit : trenn en wir alle Pläne der Moltke il Co." Um ausmar-, Mieren zu können, frchr General Faverot fort, bedarf es I der Truppen, der Munitionen, des Proviants. Die Truppen waren lange nicht beisammen, Proviant war nicht zur Stelle und traf nicht zur richtigen Zeit ein. Als die Ost-Armee bald darauf um Metz konzenttiert wurde, mußte sie liegen bleiben, weil man niichts von allem hatte, was notwendig gewesen wäre, um eine kühne und rasche Offensive zu ergreifen. Am 29. Juli dinierte ich an der Tafel des Generals Bourbaki, Befehlshabers der kaiserlichen Garde. Während der Mahlzeit flüsterte ich ihm die Frage ins Ohr: „Warum marschieren wir denn nicht auf den Feind los? Worauf warten ivir noch?" Ich kannte ihn als den tollkühnsten unserer Generale. Er flüsterte mir zurück: „Es gebrichit uns an allem Nötigen, um vorzudringen. Fragen Sie mich nicht weiter. Ich rase innerlich wie Sie selbst." e Die Musiksäle der neuen Stadt Halle zu Heidelberg sollen durch ein dreitägiges Musik- fest und zwar in der Zeit vom 24. bis 26. Oktober 1903 eröffnet werden, unter Mitwirkung eines Festorchesters, deis Bachvereins und eines Heidelberger „Volkschores", einen: Kammermusikvereinigung, verschiedener Solisten, unter der Leitung von Prof. Dr. Wolsru m. Richard Strauß und Max Schillings haben ihre Mitwirkung als Dirigenten zugesagt. Die Enthüllung des Jun g-G o e th e-D en k- mals, das in Straßburg vor der Kaiser Wilhelms- Universität zur Aufstellung gelangen wird, ist auf den 31. Oktober in Aussicht genommen. Friedrich Spiel Hagen, Romane — Neue Folge. Wohlfeile Lieferungsausgabe in 50 Heften ä 35 Pfg. (Verlag von L. Staackm: im in Leipzigs. — Die Lieferungen 15 bis 22, welche uns vorliegen, bringen die Fortsetzung und den Schluß der Novelle „S u s i", sowie den hauptsächlichen Umfang des Romans „Opfer". — Der Roman „Opfer" trägt deutlich das zeitgeschichtliche Kolorit des letzten Jahrzehnts. Es fehlt nicht die „Goethegesellschast" und der „Vorwärts", nicht die Proletarierfamilie und die Erbschaft aus Amerika, nicht die aufgelöste Volksversammlung und der durchge- Brannte Kassierer, nicht christlich-soziale Tättgkert und Mag- dalenen-Arbeit. Auch der Buddhismus hat feine Liebhaber. In buntem Gemisch wirbeln verschuldete Offiziere und reiche Lebemänner, Dirnen der Straße und des Salons, intrigante Witwen und mildtätige Frauen und Jungfrauen, hier der getaufte Bankier, dort der eifrige Pastor, am Auge des Lesers vorüber. Hermann Levi. Erinnerungen von Ernst von Possart. München, C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung. Diese Erinnerungen an Hermann Levi, einen der berühmtesten Söhne unserer guten Stadt Gießen, sind in einem hübschen kleinen Buche zusammengefaßt, dem ein vortrefs- liches Bild Levis, Heliogravüre nach einem Lenbachschen Porttät, beigegeben ist. Possart schildert besonders, wie Levi zu seiner Lebensstellung, den Kapellmeisterposten der Münchener Hofoper, kam. Franz Lachner und Hans von Bülow waren da seine Vorgänger, und schwer lastete anfangs auf dem Epigonen die große Tradition. Aber Levi wußte sich frei zu machen von dieser Last und zeigte sich in Kürze den großen Vorgängern ebenbürttg. Hermann Levi, der hervorragende Kapellmeister, der intime Freund Wagners, der erste Parzival-Dirigent, lebt im Gedächtnis aller Musikverstänbigen: und im besonderen ist mit seiner Geburtsstadt Gießen und mit der Geschichte Bayreuths sein Name für immer verknüpft. Gustav Meyrink, Der heiße Soldat und andere Geschichten. Umschlagzeichnung von Bruno Paul. Geheftet 1 Mk. Verlag von Albert Langen in Mün- djen. (Kl. Bibl. Nr. 62.) Meyrink ist zuerst durch seine Geschichten im Simplieissimus bekannt geworden. ..Der heiße Soldat" ist das erste Buch. das von ihm erscheint. Meyrinks origineller, am ehesten an amerikanische Autoren erinnernder Humor ist von einer grotesken Kemik. Meyrinks Fantasie ist von einer Fruchtbarkeit, die fabelhaft anmut ei . Und dabei bieten diese (beschichten nicht etwa nur ein stoffliches Interesse; Meyrinks Stil ist künstlerisch und dabei originell und persönlich. Vermischtes. * Essen, 6. Aug. Die Frage der Behandlung und Ent- schädigung wurm kranker Bergleute wird in den Zechenbesitzer-Versammlungen beraten werden. * Berlin, 6. Aug. Die internationale Konferenz für drahtlose Telegraphie hat beschlossen, ihre Verhandlungen vorläufig geheim zu halten. Gestern abend folgten die Mitglieder der Konferenz eine® Einladung des Staatssekretärs Krätke zum Diner, an den im ganzen 52 Herren teilnahmen. * Niebüll, 6. Aug. Vom Badezug Hoyer» schleuse-Hamburg sind heute nachmittag nördlich von Stederand einige Wagen entgleist. Personen sind mcht umgekommen, doch .sollen einige leichte Verletzungen fest- gestellt sein. * Chemnitz, 6. Aug. Der Mörder Kamprath, der am 11. Juni bei Waldheim den Gutsbesitzer Müller und dessen Wirtschafterin Bertha Langhof ermordet hart, wurde heute morgen hin gerichtet. * Dünkirchen, 6. Aug. Der Bürgermeister von Rondendail hat für die Zutuns! die alljährlich am 15. Oktober stattfindende Prozession verboten. * London, 6. Aug. Gestern ist hier der größte lebende Humorist Englands, Philipp May, ein Mitarbeiter des Punch, 39 Jahre alt, an Schwindsucht gestorben. * Catania, 6. Aug. Heute vormittag wurden aus Zafsarena-Etna, Milo und 'Francavilla zwei. Erdbeben gemeldet. stellt, gegenüber dem Eingang, begrüßten die Büsten von Karl Fnrdrich und Friedrich- des Reorganisators her Um- versitat, und des jetzigen Großherzogs die ^^sttennchmer. Hier saßen links in roten Talaren die Ordinarien der Herdel- berger juristischen Fakultät und in gelben die Aaturwrssen- schaftler, auf der rechten die Theologen m lrla Talaren und die Philosophen in blauen. Daran reihten fiel) in den Saal hinein in prächtigen Oruraten die Vertreter vieler anderer Universitäten und Hochschulen deutscher Zunge. An den Seitenwänden auf erhöhten ritzen hatten die Vertreter der Studentenschaft, meist in farbenprächtigen Kostümen, Platz genommen. Die anderen Ehrengäste stillten Saal und Galerie. Weihevoll wurde die Feier mit dem ersten Satz der Neunten Sinfonie von Beethoven eingeleitet, die das städtische Orchester unter Wolfrums Leitung vortrug. Daim ergriff der Groß Herzog das Wort. Mit deu^ licher, weithin vernehmbarer Stimme führte er aus, es werde ihm zum zweitenmale der Vorzug zuteil, den df U0“ der Rui>erto-Carola in der erbberechtigten hohen -vuroe des ersten Rektors dieser Hochschule zu beginnen und alle zu begrüßen und willkommen zu heißen. Gt warf dann einen Rückblick auf die geschichtlichen Zeitabschnitte. Au^ den Ergebnissen zweier Jahre des Studiums in ^eid^lberg hebe ich heute, fuhr er dann fort, die Erinnerung an zwei Männer hervor, die Historiker Friedrich Schlosser und -ud- wig Häusser. Dann sagte der Großhcrzog in Anspielung auf die Jahre 1848/49: Wenn auch nur vorübergehend, konnten unserer badischen Heimat schwere Erfahrungen nicht erspart bleiben. Auch glaube ich sagen zu Marsen, daß die politische Bewegung dieser Zeit auf so ernster Grundlage beruhte, daß die Verirrungen, zu denen sie ausartete, den guten Keim und die idealen Ziele nicht zu schädigen vermochte. Ter jetzige Einfluß der Ruperto-Earola war auch für die Befestigung der treuen Gesinnungen m den Herzen der studierenden Jugend von erfolgreicher Wirkung, .rann gedachte der Großherzog der Zeit, da „wir durch schwere Prüfungen hindurch bis zum Bruderkrieg gelangen, um der Ueberzeugung Bahn zu brechen, die nut so gewaltigen opfern 1870/71 zur Verwirklichung gelangte." ^zn dieser ganzen Qeit hat die Rupcrto-Carola ihren patriotischen Gefühlen' stets den wärinsten Ausdrua verliehen Das Kalserretch wurde geschaffen. Wir nennen ferner Kaiser Wilhelm 1. aucb den Großen, da wir ihm so viel Großes verdanken. Mer wir gedenken auch Kaiser Friedrichs III., des großen und deutschen treuen Patrioten, der 1886 am ^ubilaum einen so wertvollen Anteil nahm. Und wenn wir m die Zukunft schauen, so darf man mit Zuversicht der rastlosen Tätigkeit unserer deutschen wissenschaftlichen Forscher uiid der treuen Arbeit unserer deutschen Gelehrten vertrauen. Ich richte an die akademische Jugend die Mahnung, bei dem Studium für die künftige Tätigkeit in verschiedenen Lebensaufgaben nicht nur mit großer Gewissenhaftigkeit zu arbeiten, sondern auch mit der notwendigen Hingebung an das Vaterland. In den hundert Jahren, auf die wir bei der heutigen Feier zurückblicken, ist das bedeutungsvollste Ereignis der 18. Januar 1871, möchte dieser Gedächtnistag auch künftigen Generationen ein leuchtendes Vorbild inniger und fester nationaler Einigung bleiben. Prorektor Czerny dankte in, poetisch durchwehter Ansprache für die wohlwollende Fürsorge, die das dem badischen Staat neu vermählte Pfälzer Land und die Universität Heidelberg unter dem alten städtegründenden Geschlecht der Zähringer gesunden habe. Nunmehr begannen die Gratulationen. Kultusminister v. Dusch brachte Glückwünsche der Regierung. Sie werde es immer als ihre Aufgabe betrachten, die Grundsätze des letzten Jahrhunderts auch fernerhin zur Geltung zu bringen und die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung zu sichern. Möge die Universität Heidelberg blühen als Stätte der Wissenschaft und der geistigen Freiheit. Für die badischen Landstände sprach der Präsident der zweiten Kammer, Oberbürgermeister Gönner aus Baden- Baden. Als Vertreter der deutschen Universitäten sprach Rektor Gierke-Berlin: Die geistige Gemeinschaft der deutschen Universitäten war uni) ist eine Hauptstütze des nationalen Lebens. Wir wünschen der ältesten Schwester eine gesegnete Zukunft. Für die Schwesteruniversität Freiburg gratulierte Geh. Hofrat Richard Schmidt. «M G h eg von 95 Pfg. bis 5.85 p. Met. ß yiou?en u- Roben. Franko M M u. scmoii verzollt ins Haus il UUSMi M geliefert. Reiche Musterauswahl umgehend. 34 Seiden - Fabrik Henmeb«rg, Zürich. Christian Wallenfels 17 Marktplatz 17. Telephon 262. 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S000 Mk. 8000 Mk. 8000 und Liste 25 Pfg-. 1142.05 1830.36 1976.78 1173.98 242.80 250.— 603.05 911.67 2709.41 1475.34 894.75 65.— GrG. UnimWs-KMchkk. Alle Benutzer, mit Ausnahme der Studenten, haben die vor dem 25. Juli d. I. entliehenen Bücher bis jpätestens 10. August zur Musterung einzuliejern. Vom 15. August bis 17. Oktober ist die Universitäts- Mk. = Mk. Mk. = Mk. Mk. ---- Mk. 11 Uhr, im Gemeindehaus dahier öffenllich versteigert werden. Voranschlag, Pläne und Bedingungen liegen zur Einsicht der Interessenten bei unterzeichneter Stelle offen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Der Bau soll dieses Jahr bis zur Sockelhöhe und nächstes Jahr vollständig fertiggestellt werden. Wetterseld, den 4. August 1903. Großh. Bürgermeisterei Wetterfeld. Bibliothek täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Gießen, den 24. Juli 1903. Der Großh. Ober-Bibliothekar: Prof. Dr. Haupt. H. E. Jughardt, Inhaber August Walleniels. Marktplatz 15. Telephon 390. Stück-Koks .............. 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Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplay 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Tiefe Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaskoks samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Zentnern. Tie Preise unserer Gaskoks für die Abnehmer außerhalb oer Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Oktroirückvergütung von 4 Pfg. für den Zentner. 63 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Für den Zentner ab Verkaufsstelle 1,10 All. ist, dass alle Fabrikanten heute dieses System nachzuahmen mu Eccaräus M”kt Gasbadeöfen neuesten Systems mit Sicherhcitsfeuerung. Glaslandauer, leichte Halbvcrdccke mit ab- nehmbarein Böck, fast ucues Phaelou (Jagdwagen), leichter Wiener Kutfchier- wageu, Hotel-OmuibuS, Paar ganz plattierte Jucker- Geschirre, . . 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