Nr. 10« Erscheint täglich außer Sonntag*. Dem L »ebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessische, Landwirt d»e »iehrner Zamilten- blätter otermal tn der Woche deigelegl. Rotattonibrurf u. Verlag der Brüh l'schen Untoech-Buch- u.8te»n» b rüdem lPteksch Erden) Redaktion, Ervedttwa unb Drucke rri: «chnlftrabe 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Sieben. HerrNprrchanIchluß Wr 5L Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 7. Mai 1003 GiehenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»ng*pretOr inonatuchrLPs., otcrteb jährlich TU. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 TL; durch d»ePost TU.2.— vtertel- läbrL ausschL Bestcllg. Annahme von Anzeigen sür dte Tagesnummer bi» vormittag» 10 Uhr. Zetlenprei»: lokal 12Ttw auflrvärt» 20 Pig. Berantworilich tüt den poltt und aOgern. Teil: P. Witiko, tüt .Stadt und ütinb* und .(Äenchtssaaf. Auouft Götz, tu» den *ln- -eigenkeU: Pan« Beck. Nie heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. Z>as hessische Ilioanzgesetz. AuS dem Finanzgesetz teilen ttrir folgendes in Kürze mit: Die Vermögenssteuer wird erhöht; statt der bisher für je 1000 Mk. gezahlten Steuer von 55 Pfg. werden in Zukunst 75 Pfg. erhoben. Die indirekten Auflagen werden in der bisherigen Weise erhoben, desgleichen die direkten Steuern. Zur Deckung näher bezeichneter Ausgaben ist die Regierung ermächtigt, eine Anleihe im Betrage von 8 223 76 7 Mark aufzunehmen. ,Lur vorübergehenden 8 223757 Mark aufzunehmen. Außerdem wird die Regierung ermächtigt: „Zur vorübergehenden Verstärkung deS Betriebskapitals der Haupfftaatskasse nach Bedarf, jedoch nicht über den Betrag von 10 Millionen Mark hinaus und nur innerhalb der bereits bewilligten An leihe kredite, Schatzanweisunaen, deren Umlaufszeit sich nicht über den 1. Oktober 1904 erstrecken darf, zu einem der Lage des Geldmarktes entsprechenden Zinssätze aus- zustellen." Die spezifizierte Rechnung für die Verwaltung, welche dem Finanzgesetz beigegeben ist, balanciert in Einnahmen und Ausgaben nach den Voranschlägen der Regierung mit 57 677 288,90 Mk., nach den Voranschlägen der Stände mit 57 666 688,90 Mk. Die Bermögensrechnung schließt nach dem Voranschlag der Regierung mit 19 621 239,39 Mk., nach dem Voranschlag der Stände mit 17 974 409,39 Mk. Aus den Rechnungen für die Verwaltung und das Vermögen dürsten folgende Zusammenstellungen nach Den einzelnen Abschnitten interessieren: Für die Verwaltung: Reste aus früheren Jahren . . . Domänen des Großherzogl. Hauses Staatsdomänen........ Lotterie Direkte Steuern, Regalien, indirekte Auslagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellet» . . . . Landstände Staatsministerium Ministerium des Innern .... Ministerium der Justiz Ministerium der Finanzen .... Ausleihuiigen und Staatsschuld Peiisioneii.......... Verhältnis zum Reich Indisponible und reservierte Fonds Summe 1. Teil: Für die Verwaltung . ...... Einnahmen: Mk. 2 943 652,22 5 686 386,93 11 496 096,06 1 075 210,— 15 947 570,— 80,— 4 523 377,— 2 043 492,— 32U 976 36 1 447 296,33 521 878,— 11 671 274,— 57 677 288,90 Ausgaben: Mk. 4 987 484,83 1 332 226,— 1 597 507,— 124 400,— 395 360,— 15 130 799,- 4 347 027,— 1 944 175,42 11489 946,87 8 596 805,— 12 287 084,— 444 473,78 57 677 288,90 Für das Vermögen: Einnahmen: TU. Reste aus früheren Jahren . . . 9 477 057,08 Domänen deS Großherzogl. Hauses — Staatsdomänen........ 48 500,— Lotterie........... — Direkte Steuern, Regalien, indirekte Auflagen und Einnahmen aus verschiedenen Quellen .... — Landstände . _ Staatsmlnisterium — Ministerium des Innern .... — Ministerium der Justiz — Ministerium der Finanzen .... — Ausleihungen und Staatsschuld . . 10 095 682,31 Pensionen.......... — Verhältnis zum Reich — Indisponible und reservierte Fonds — Summe IL Teil: Für das Der- mögen......... 19 621 289,39 Ausgaben: TU. 2 370 661,42 195 560,- 5 621120,- 2 735 304,- 1 050 669,— 346 184,— 200315,31 7 101 425,66 19 621 239,39 In besonderen Anlagen zu dem Finanzgesetz wurden die „gelegentlich der Verhandlung über das Budget 1903/04 beschlossenen gemeinschaftlickzen und einseitigen ständischen SBünfdje" zum Abdruck gebracht. Zu Kap. 15, Auswärtige und Bundesverhältnisse, ersucht Die zweite Kammer die Groß- herzoaliche Regierung: „Im Bundesrat für Einführung vonLagegeldernan dieMitgliederdesReichs- tages zu wirken". Zu Kap. 116, Verhältnis zum Reiche, richten beide Kammern an Großherzogliche Regierung folgendes Ersuchen: „Im Bundesrat dahin zu wirken, daß das Reich durch größere Sparsamkeit und Einschränkungen der Ausgaben eine Herabsetzung der Ma- trikularbeiträge der Einzelstaaten herbeiführe." Gelegentlich der Beratungen des Finanzgesetzes u. a. wurden erledigt die Anfrage Häusel und Gen. wegen der Mietsenlschädigung für Dienstwohnungen; Die Anfrage des Abg. Köhler wegen der Besetzung des Lehrstuhls für Nationalökonomie an der Universität Gießen; die Vorstellung des Pferdezucht- Vereins in Groß-Felda, die Errichümg einer Beschälstation daselbst betreffend. Hciegsmimfter v. Kohler. Das Gerücht von dem demnächst zu erwartenden Rück- tritt desKrie gsministers vonGoßler, das während der letzten Reichstagssesilon mehrfach auftauchte, sich aber immer wieder als unbegründet erwies, wird jetzt von der .Köln. Ztg." von neuem ausgenommen. Dasselbe Blatt bestätigt auch die Meldung, daß Feldmarschall Graf Häse ler binnen Kurzem von dem Kommando des 16. Armeekorps zurücktreten wird. Kriegsminister v. G o ß l e r ist seit einiger Zeit nicht mehr zum Vortrag beim Kaiser befohlen worden. Ueber Angelegenheiten des Kriegsministeriums ließ sich der oberste Kriegsherr wohl durch Vermittlung des Militärkabinetls Bericht erstatten. Ungefähr um dieselbe Jahreszeit legte vor sieben Jahren Herrn v. Goßlers Vorgänger, General Br on sart v. Schellen dor f, fein Amt nieder. Er „fiel" bekanntlich, weil er die Einlösung feiner dem Reichstage gegebenen Zusage über die Militärstrafprozeßreform nicht durchsetzen konnte. Die Stellung General v. Goßlers ist schwerlich nur durch Vorgänge erschüttert worden, die mit seiner parlamentarischen Tätigkeit in Verbindung stehen. So war Der Kriegsminister beispielsweise nicht verantwortlich, wenn der Reichstag beim vorletzten und letzten Etat einige bedeutendere Forderungen der Militärverwaltung ablehnte. Auch andere Ressortchefs mußten Abstriche binnehmen, die ja lediglich im Hinblick aus die schlechte Finanzlage des Reiches erfolgten. Daß die militär-technische Hochschule doch noch die Genehmigung des Parlaments fand, ist sogar noch ein Verdienst des Kriegsministers. Eines allerdings mag Herrn v. Goßler verübelt worden sein: feine in der Budgetkommission beiläufig gemachte Andeutung über die kommende Militärvorlage. Er stellte da gewissermaßen in Abrede, daß die Militärverwaltung sich mit großzügigen Plänen trage. Man meinte damals mit Recht, man könne vom Kriegsminister nicht erwarten, daß er vor den Wahlen die Regierungskarten voll aufdeckc. Höheren Orts scheinen aber doch Bedenken entstanden zu sein, ob Herr v. Goßler mit diesem Hinweis einer wirksamen Vertretung der nächsten Militärvorlage durch ihn selbst nicht von vornherein Abbruch getan habe. Was außerparlamentarisch zum Rücktritt des Kriegsministers beigetragen hat, entzieht sich der Kenntnis. Zunächst interessiert nur die Persönlichkeit des Nachfolgers Herrn v. Goßlers. Sehr erhebliche Chancen dürften dem Departements-Tirektor im Kriegsministerium, Generalleutnant v. Einem, zuzusprecuen sein. Dieser noch verhältnismäßig junge General hat in der letzten Session des Reichstages als ein ungewöhnlich gewandter Tebatter sich erwiesen und dadurch die Aufinerksamteit des Kaisers auf sich gelenkt. Als Herr v. Einem bei seiner jüngst erfolgten Ernennung zum Generalleutnant sich in Potsdam beim Kaiser meldete, soll ihm ein besonders gnädiger Empfang zuteil geworden fein. Vielleicht ist also Herr v. Einem der kommende Mann, Denn Gewandtheit im Verkehr mit dem Parlament wird eine unerläßliche Eigenschaft des mit der Vertretung einer Militärvorlage debütierenden neuen Kriegsministers sein müssen. Anklagen gegen die bulgarische Kegierung. Tie „Voss. Ztg.", die sich wiederholt gut unterrichtet gezeigt hat, über die im Stillen wirkenden und wühlenden Kräfte auf dem Balkan, machte kürzlich Aufsehen erregende, detaillierte Mitteilungen bezüglich der Herkunft des bei den Bomben-Attentaten gebrauchten Dynamits. Darnach ist ganz zweifellos in Bulgarien der Ursprungsort zu suchen. Begreiflicherweise beeilte sich die bulgarische Regierung, diese Angaben in das Reich der Erfindung zu verweisen. Zum Unglück für das Ministerium Tanew sind bei einem im Kamps gefallenen Bulgaren sorgfältig geführte Aufzeichnungen gefunden worden. „Wir können", so schreibt die „Vosj. Zig.", „dem bulgarischen Ministerpräsidenten, wenn er es noch nicht wissen sollte, die bestimmteste Versicherung geben, datz die betreffenden Aufzeichnungen, aus Denen erhellte, daß die Lehrerbildungsanstalt in Küstendil, sowie bulgarische Gendarmen und Truppen den Einfall einer 2'2 köp; igen bulgarischen Bande in Ttacedonien begünstigt haben, dem gelammten Konsularkorps in Ucskiib in der Urschrift Vorgelegen haben." Die „Voss. Itg." erweitert aber soeben ihre Anklagen gegen die bulgarische Regierung, und zwar durch so zahlreiche Einzelheiten, daß jeder Unbefangene den Eindruck der Wahrheit gewinnen muß. Da steht zunächst auf Dem Sündenregister die glänzende Freisprechung des berüchtigten Sarafow durch ein bulgarisches Gericht, nachdem er wegen Anstiftung zu Mordtaten von rumänischen Gerichten in Abwesenheit verurteilt worden toari Tann die von der Regierung nicht verhinderte Fahrt des Oberst Z a r t i s ch e w und des Oberstleutnant I a n k o w nach TiaceDonien. „Alle die Leute, die in dem jetzigen macedoni- schen Aufstande eine Rolle spielen, sind von Bulgarien herübergekommen, und die meisten von ihnen sind bulgarische Offiziere, die unter der Tuldung der Regierung ausdrücklich zu dem Zwecke, sich der macedo- nischen Sache zu widmen, aus der Armee ausgetreten sind. Viele tragen noch in Macedonien bulgarische Offiziersuniformen." Niemals werde sich die bulgarische Regierung von der Anklage reinwaschen können, daß sie, fei es aus Furcht, sei es aus Berechnung, diese £eute nicht rechtzeitig dingfest gemacht hat. — Tas Erstaunlichste an diesen Enthüllungen ist die genaue Bezeichnung der Mittel und Wege, wie die Banden in Macedonien zu den Waffen gekommen sind: durch die Bandenausrüstungsfirma in Sofia, die die von Bulgarien ausrangierten russischen Gewehre, die vom russisck)-turkischen Kriege her im Lande geblieben waren, sämtlich in den Besitz der Macedonier gelangen ließ. Waffen neuerer Systeme wurden ebenfalls über Bulgarien eingeführt, und zuguterletzt kurzer Hand die fürstlich bulgarischen Waffendepols beraubt, ohne daß den Räubern auch nur ein Haar gekrümmt worden wäre. Einige Tausend Gewehre sind auf diese Weife „spurlos verschwunden". Tie „Boss. Ztg." fährt fort: „Ttan kann nur die Stirn bewundern, mit der unter solchen Umständen die bulgarische Regierung den unschuldsvollen Engel spielt." Vollkommen aufrecht erhält die „Voss. Ztg." weiterhin ihre Mitteilungen über die unter Den trugen Der bulgarischen Regierung betriebene B o m b e n f a b r i £ a t i o n. Alles dies wird zum Ueberfiuß bestätigt beispielsweise durch die Meldungen der „N. Fr. Pr" aus Saloniki, wonach durch eine Lifte Die Mitwisserschaft fast aller Bulgaren Salonikis an dem Kompiort feftgestelti ist. Tie bulgarischen Kaufleute brachren sich am Morgen des Tages, an dem die Attentate begannen, in Sick)erheit. Die Pforte tut sehr recht Daran, daß sie ohne Rücksicht mit Verhaftungen vorgeht. Unter den Verhafteten befinden sich zahlreiche Notabeln, sowie Der Sekretär des bulgariscl-en Bischofs, Tonew. Auch soll die Pforte die Abberufung deS bulgari- schen Handelsagenten in Monastir verlangt leiden, weil er kompromittiert sei, die übrigen bulgarischen Handelsagenten als verdächtig überwachen zu lassen. In Konstantinopel wurden mehrere bulgarqäje Kaufleute verhaftet, wegen deren Freilassung seitens Bulgariens interveniert wird. Eine Konsularmeldung aus Salaniti beziffert Die getöteten Bulgaren auf 51. 2 lach, Angabe des türkischen Ministers des Aeußern befinden sich die verhafteten albanisck>en No- tabeln, welche die Opposition gegen die Reformen leiteten, auf dem Wege in das Exil nach Kleinasien. Die verhafteten Bulgaren, welche verdächtig sind, deren Schuld jedoch nicht erwiesen ist, werden nach Kleinasien exiliert. In den Kreisen der Pforte verlautet, der Minister rat beschloß die Abberufung des bulgarischen Geschäftsträgers in SNonaslir zu verlangen. Ter Beschluß sei jedoch vom Sultan als vorläufig unnötig nicht sanktioniert worden. Gerüchte über Verhaftungen von Bulgaren, welche in einem Hause in Pera Tynamitdomben fabriziert hatten, bestätigen sich nicht. Nach türkischen Angaben soll ferner Bischof Gerassimo in Strumitza, wenn er nicht selbst abreist, gewaltsam entfernt werden. Es verlautet, daß alle bulgarischen Bischöfe Macedoniens als verdächtig strengstens überwacht werden, da die Pforte entschlossen scheint, gegen dieselben eventuell gleiche Maßregeln, wie gegen Gerassimo anAuroenben. Am meisten üer- dächtig gelten Die Bischöfe in Monastir und Köprülü. Auch Der Exarch soll als verdächtig durch Geheimpolizisten bewacht werden. Dem ganzen „Rattenkönige" kann gar nicht kräftig genug zugc,etzt werden, und über die Proteste der bulgarischen Regierung wird man in Konstantinopel zur Tagesordnung übergehen. Mit allseitiger Billigung außerhalb Bulgariens, dessen Regierung die Wahl hat, für furchtsam und schwächlich angesehen zu werden, oder aber als stiller Sozietär von Mordgesellen zu gelten. Tas deutsche Stationsschiff Loreley traf am 6. d. M. vor Saloniki ein, um sich von der Lage der dortigen Deutschen zu überzeugen. Sollte eine längere Anwesenheit dort nicht geboten erscheinen, so dürfte Dasselbe alsbald wieder die Rückreise antreten. Man meldet aus PhUippopel: Aus eine Mitteilung des griechischen Konsulates unternahm die türkische Polizei eine Haussuchung in einem verdächtigen Hause, in welchem der erste Sekretär der bulgarischen Agentur und ein früherer bulgarischer Konsularagent in Ueskub wohnten. Tie Polizei beschlagnahmte sämtlich Papiere, gab dieselben aber auf Intervention des bulgarischen Agenten zurück. Deutsches Keich. Berlin, 6. Mai. Die Kaiserin wirb, nach den bisher getroffenen Dispositionen, mit ihren beiden jüngsten Kindern, dem Prinzen Joachim uni> Der Prinzessin Viktoria Luise, am 13. d. M. von Potsdam abreisen und sich direkt nach Schloß Urville begeben, wo am 14. nachmittags auch der Kaiser, von Straßburg kommend, eintreffen wird. Der Aufenthalt in Urville ist bis zum 19. und die Rückkehr nach dem Neuen Palais bei Potsdam am 21. früh in Aussicht genommen. Aus der Fahrt von Straßburg nach Urville wird der Kaiser in Bitsch kurzen Aufenthalt nehmen, um dort der Nagelung und Uebergabe einer neuen Zähm' an das 4. Jäger-Bataillon teilzunehmen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die Meldung, nach welcher der wegen Tötung eines Eingeborenen in Deutsch- Süd westaftika zu längerer Freiheitsstrafe verurteilte Prinz Prosper Arenberg begnadigt sein soll, ist unrichtig. Zu den umlaufenden Gerüchten gab möglicherweise der Umstand Anlaß, daß den zuständigen Militärgerichten ein Antrag wegen Wiederaufnahme des Verfahrens vorliegt. — Der erste deutsche Cafstierkongreß ist heute eröffnet worden. Er ist aus allen Teilen Deutschlands und auch aus Oesterreich stark besucht, auch von Delegierten zahlreicher Vereine von Gastwirten, Konditoren unb Brauereien. Ein Vertreter des Magistrats hieß die Festteilnehmer willkommen. Ter Vorsitzende teilte mit, daß die in neuerer Zeit hervorgetretenen Mißstände im Cafetier- gewerbe, ganz besonders die Beschränkung der Polizeistunde, die Begründung des „Vereins der Cafetiers Deutschlands" und die Berufung des Kongresses veranlaßt haben. Den Kongreß werde außerdem die Regelung des Stellenvermittelungswesens beschäftigen. Es sei außerdem eine Altersunterftützungskasse und eine Steibekasse gegründet, ein Vereins-Syndikus an gestellt und die Herausgabe einer Vereinszeitung bewirkt worden. Die eigentlichen Verhandlungen des Kongresses beginnen morgen. — Mit der Ernennung der Assistenten und Post Verwalter zu Sekretären soll, laut der „D. Postztg.", vom 1. Juli ab begonnen werden. Die Er Nennung erfolgt nai einer sünfunddreißigjährigen vor wurfsfreien Postdienstzeit; den Militäranwärtern werden vier Jahre ihrer Militärdienstzeit angerechnet. Von der alsbaldigen Ernennung derjenigen Assistenten, welche die Prüfung bestanden haben, zu Sekretären verlautet nichts, ebensowenig von der Wiederverleihung des Titels Ober- postassistenr. Früher wurde dieser Titel den Assistenten drei Jahre na:., der etatsmäßigen Anstellung verlieyen. Sollten sich dies: Eingaben bestätigen, so wurde eine große Mißstimmung in Den Kreisen der mittleren Postbeamtenschaft eintreten. Straßburg, 6. Mai. Ter Landesausschuß stimmte dem . miwurf betreffend Die Festsetzung des Nachtrags- erats für Die Errichtung Der katholisch-theologischen Fakultät an der Kaiser Wilhelm-Universität in Straßburg in zweiter und dritter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission mit allen Stimmen gegen die des Sozialdemokraten Ernrnel zu. Ferner wurde folgende Resolution angenommen: Der Landesausschuß ersucht die Regierung, die Frage zu prüfen, wie die Gewährung eines Staatszuschusses zur Einrichtung und Unterhaltung eines Protestant: scheu Predigerseminars durch die St. Thomas-Stiftung in Straßburg und die Gewährung von entsprechenden Staatszuschüssen an die bestehenden großen bischöflichen Seminare in Straßburg und Metz zu ermöglichen ist, um dem Landesausschusse eine entsprechende Vorlage zu machen. Wahl-Bewegung. Im Wahlkreise Homburg-Höchst (Nassau) hat die freisinnige Volkspartei beschlossen, ihre Kandidatur zurückzuziehen und gleich im ersten Wahlgange für den nationalliberalen Kandidaten Dr. Lotichius einzutreten. Berlin, 7. Mai. Laut der „Nationalztg." stellte die nationalliberale Partei für die bevorstehenden Reichstagswahlen ungefähr 140 Kandidaten auf. Tic Veröffentlichung der Kandidaten erfolgt demnächst. Kirche und Schule. Das Verordnuugsblattfürdieevangelische Landeskirche, Nr. ü, ausgegeben Darmstadt, u0. April, hat folgenden Inhalt: Belailiitmachung vom 16. April 1903, betreffend Bildung einer evangelischen Kirchengcmeinde Nack. Verzeichnis der yit ersten Vierteljahr 1903 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelische Zwecke. Dienstnachrichten. Aufforderung zur Bewerbung. Ausland. Kopenhagen, 6. Mai. Ter Folketing nahm heute definitiv die Regierungsvorlage betreffend die Aufhebung der bisherigen Grundsteuern (Hartkorn- steuern) und die Einführung der einheitlichen Eigentums st euer nach dem Wert des Eigentums, sowie die Einführung der Einkommen- und Vermögenssteuerreform des kommunalen Steuerwesens an. Gegen die Vorlage stimmten die Sozialdemokraten und zwei Abgeordnete der Rechten. Dor der Abstimmung spracht Finanzminister Hage die Ueberzeugung aus, daß die neuen Gesetze allgemeine Befriedigung Hervorrufen werden. London, 6. Mai. Chamberlain bringt eine Resolution ein, die Zinsen und das Kapital der Transvaal anleihe, die iin Betrage von 33 Mill. Lstr. aus- gegeben werden soll, durch das Reichsschatzamt zu garantieren. Chamberlain erläutert die Zwecke der Anleihe: die Ausdehnung des Vahnsystems und die Schaffung von Berieselungsanlagen seien dringend erforderlich. Die Kriegs st euer mit 30 Mill, würde ebenfalls durch die Anleihe aufgebracht. Eine Beisteuer Transvaals zu einem Kriegs ha feii sei recht und billig. Er schätze die Ueberschusje -Transvaals, abgesehen von den Eisenbahn-Ein- nahmeii für 1903/04, auf 11/2 Mill. Lstr. Redner weist schließlich auf die Resolution in Bloemfontein hm, Großbritannien einen Vorzugszollsatz von 25 Prozent einzuräumen. Die Resolution müsse als ein Beweis der Loyalität angesehen werden. Tie Führer der Afrikanderpartei in der Kaplolonie versicherten ebenfalls, daß die Mehrheit der Afrikander einer Verbindung nut England loyal gegenüberstehe. Ein einigendes Band für die holländischen und britischen Stämme bilde die gemeinsame Hingebung an die Interessen des Reiches. Die Resolution wird angenommen. Auf eine Anfrage bezüglich der Verwendung von AuS- ländern in Transvaaldiensten erklärt Chamberlain, die Regierung beabsichtige nicht, andere als englische Untertanen zu verwenden. — Tie liberalen Stadtverordneten Liverpools haben es abgelehnt, der Verleihung des Ehr en b ü r g e rr e chts an Chamberlain für seine dem Reiche in Südafrika geleisteten Dienste beizustimmen. Tie nnionistischeil Mitglieder des Liverpooler Stadtrates hatten vor zwei bis drei Nionaten den betreffenden Antrag gestellt. Zur Annahme eines derartigen AiitrageS gehör»! aber eine Majorität von zwei Dritteln sämtlicher Stimmen und die Verleihung des Bürgerrechts war gegen die Stimmen der Liberalen unmöglich. Paris, 6. Mai. Fürst Ferdinand von Bulgarien stattete am ‘toicljmitiag Präsioent Loub et einen Besuch ab. Dem Gaste wurden die militärischen Ehren erwiesen. Bald na eifern sich der Fürst entfernt hatte, erwiderte Präsident Loubel den Besuch. Madrid, 6. Mai. Ein Telegramm des „Jinparcial" ans Melilla giebt das dort in Umlauf befindliche Gerücht wieder, der marokkanische P r ä t e n d en t sei im Lager bei Seluan ermordet worden. Wien, 6. Mai. Ter Zo llausschuß nahm unverändert eine Reihe von Taris klassen, darunter die „Rein- mbuftrie von Tonwaren" uni» „T ab a k" an und stellte die Tarif klassen „Kolonialwaren" unb ,^Zucker" zurück. Der Finanzminiscer trat für den Kasfeez 0 ll, sowie für Zölle auf die übrigen zvolonialwaren nach dem RegierungÄ- entrowef ein, da für den durch Erniedrigung der Finanz- zökle entftehendeli Aiissall schwer Ersatz zu finden sei. Die Behauptung, daß der Kaffeetvnsmu mit der Herabsetzung des Zolles entsprechend ft eigen würde, werde durch die Erfahrung widerlegt. Der Ausschuß begann darauf die Beratung der Getreidezölle. Der Berichterstatter betonte in seinem Referat, uni die österreichische Landwirtschaft zu beschützen, nuigten die Getreidezölle annähernd jo hoch sein wie in Deutschland, weil sonst die Einfuhr, die bisher nach 'Deutschland gebe, nach L esterreich-Ungarn abgedrängr würde. Budapest, 6. Mai. (Abgeordnetenhaus) Bela Kubik (Kossiuhpartei, erregte einen großen Sturm der Entrüstung, indem er, auf die Mitglieder der Regierungspartei hiuw^isend, ausrief: Diese sind zu allem fah.g, sie herüben jede Schurkerei T e Mitglieder der lib.- ralen Parte i schrieen entrüstet: Er soll das Haus um .Verzeihung bitt u, hinaus mit i h in ! Am Schluß der Sitzung leistete Kubik öffentliche Abbitte und drückte fein Bedauern aus, daß er sich von der Aufregung hmreißen ließ, das Ansehin bev Hauses zu verletzen und die Mitglieder zu beleidigen. Washington, 6. Mai. Ter deutsche Gesandte, Der britische und italienische Botschafter erhielten die Er- mäckstiguich. mit Bowen das Pvotekoll zu unterzeichnen, nach welchem Die Frage der 3? .gsb. Handlung dem Haager Schiedsgericht unterbreitet werden soll. Aus Ztadt und Land. Gießen, 7. Mai 1903. — Personalien. Se. Kgl. H. der Großherzog empfingen am 6. Mai u. a. den Hauptmann v. Roques, Bezirksofftzier beim Bezirkskommando Gießen, den Major v. Friedeburg, Flügeladjutanten des Kaisers, den Oberamtsrichter Gebhardt von Gießen, den Gutspachter Hahn von Büdingen, den Kreisrat Wallau von Lauterbach, den Geh. Justizrat Jöckel von Friedberg, den Kreisassistenzarzt Dr. Curschmann vom Hygienischen Institut zu Gießen, den Grafen zu Solms-Laubach. — Herr Arthur James Herbert, welcher an Stelle des bisherigen Geschäftsträgers Honourable Alan Johnstone zum Kömgl. Großbritannischen Geschäftsträger ernannt worden ist, hat Sr. Exz. dem Staatsminister am 2. d. M. fein Beglaubigungsschreiben überreicht. — Se. K. H. der Großherzog haben dem Obersten John von Freyend, Kommandeur des Infanterie-Regiments Prinz Moritz von Anhalt-Dessau Nr. 42, seither im Großh. Hess. Infanterie-Regiment Nr. 115, das Ehrenkreuz und dem Major Babst, Bataillonskommandeur im 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiment Nr. 67, seither im Jnfanterie-Leibregi- ment Großherzogin Nr. 117, das Ritterkreuz 1. Klaffe mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Der Pnoatdozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Prof. Tr. Georg Heyl, wurde zum vortragenden Rat für pharmazeutisch-technische Angelegenheiten bei der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministeriums des Innern mit dem Amtstitel D b er- medizinalrat ernannt. ** Dien st Nachrichten. Ernannt wurden: Pfarr- ,amtskandidat Horst zu Rimhorn zum Pfarrvikar in Rimhorn, Dekanat Reinheim; Pfarramlskandidat Beyer zu freien feen wm Pfarrassistenten in Fränkisch-Crurnbach, Dek. Reinheim; Pfarramtskandidat Becker zu Rieder-Gemunden zum Pfarrassistenten im Kirchspiel Wald-Michelbach, Dek. Erbach; Pfarramtskandidat Zilles zu Hofheim zum Pfarrverwalter in Gedern, 2)eL Schotten; Pfarramts tändidat Goeckel zu Offenbach zum Verwalter der Pfarrgehilfen- teile zu Ober-Ofleiden; Pfarramtskandidat Röder zu Rieder-Wöllstadt zum Pfarrassistenten in Rieder-Wöllstadt, Dek. Rodheim; Pfarrvikar Vogt zu Meiches zum Pfarrassistenten in Rieder-Wöllstadt, Dek. Rod he im; Psarrafiistent Schäfer zu Darmstadt zum Psarrverwatter in Crumbach, Dek. Cberstadt; Pfarramtslandidat Marguth zu Michel- tadt zum Pfarrassistenten in Tarmstadt, Dek. Darmstadt; Pfarramtskandidat Weber zu Heubach i O. zum Pfarrvikar in Ilbeshausen, Dek. Lauterbach; Pfarramtskaudidat Em m e l zu Hof Warthof zum Pfarrvikar in Großen-Linden, Dek. Gießen; Pfarramtslandidat Ködding, vorher zu Dotzheim, Konsiswriaibezirk Wiesbaden, zum Pfarrverwalrer in Gelnhaar, Dekanat Büdingen. ** Französische Vorträge und Rezitationen. Wir machen nochmals auf die Lichtbilderoorträge des LeklorS Goetschy aufmerksam, die ihren Anfang morgen mit einer Beschreibung von Pans nehmen werden. Am 15. Mai findet die erste Rezitation statt, die unter anderem folgende Stücke bieten wird: a) Gustave Plaubert: Lne noce noruiande. b) Gyp : Miquette, c) Po6aies diverses, d) Paul de Nay : Noel aux avont potiles, e) Aiphonse Daudet: Le eure de Cucugnan. ** Aus dem Theater-Bureau. In der morgen, Freitag, ftattfindenden Benefizvorstellung für Frl. Stöger pielt die Benefiziantin die Titelrolle in der Operette: „Ran 0 n, die Wirtin vom goldenen Lamm". Ihre Rivalin Rinon wird Frl. Barth spielen. Die Melodien der Ranon ind bekanntlich Voltssagentum. Wir erinnern nur an das allbeliebte: „Anna, zu Dir ist mein liebster Gang". — Im Samstag findet noch eine volkstümliche Vorstellung tatt, und Sonntag, den 10. Mai, ist dann Abschiedsvorstellung des Operettenensembles. Für diesen Tag bietet die Direktion noch was ganz Besonderes, die große Ausstattungsposse und Novität: „Eine tolle Nacht", ür welche große Vorbereitungen bereits getroffen sind. 'Nähere Mitteilungen folgen. ** Fußball-Sport. Am Sonntag wird der Gießener Fußbaltz-Klub 1902 gegen den Marburger akademischen Fuß- ball-Klub in Marburg einen Match ausfechten. Der Gießener Verein wird einem tüchtigen Gegner gegenübertreten. ES ist übrigens geplant, die Fußballwettkämpfe abwechselnd in Marburg und Gießen abzuhalten. ** Der Lahn-Pokal, Wanderpreis für Einer, ge- tiftet vom Deutschen Ruderverband für die Gießener Regatta, ist von Dem Stifter zurückgefordert worden für Den Fall, daß die Gießener Nuder-Geiellschaft nicht alljährlich eine Regatta abhielte. Der Vorstand Der G. R.-G. weigert ich mit Recht, Dem Ansinnen des Deutschen Ruderverbandes tattzugeben, da an die Stiftung nicht Die Bedingung ge- ’nüpft wurde, daß um den Wanderpreis alljährlich ge° tartet werden muß und weil es im übrigen Sache des Üegatta-Ausschusses sei, darüber zu befinden, ob eine Re- gatta alljährlich oder alle zwei Jahre stattfinden soll. Bekanntlich sollen nur alle zwei Jahre auf dem Gießener Wasser Wettkämpfe im Rudern stattfinden. ** Hausbau. Nicht roeit von Der Gießener Gemark- ungSgrenze, auf Wieseckcr Gebiet an der Marburgerstraße, erbaut Herr Dorfeld ein Haus, welches er für Restaurationszwecke einrichten läßt. Bekamülich konnte der Bauherr auf Gießener Gebiet zur Errichtung eines Hauses keine Bau- erlaubniS bekommen. ” Der Flieder blüht. Die große Wärme der ersten Maitage hat schnell die zarten Blüten allenthalben zum Erschließen gebracht und von weißen Fliederbüschen strömt nun der süße Duft aus, den einzuatmen man niemals müde wird. Die Fliederblüte ist in diesem Jahre sehr früh, da sie sonst gewöhnlich erst in die zweite Hälfte des Monats Mai fällt. 'Anfangs aber sah es sogar so aus, als ob wir uns ihrer noch viel zeitiger würden erfreuen können. Denn schon vor Ostern streckte Der FlieDer Die Knospen empor, soDaß man bei Dem Kälterückfall im April beinahe für die vorzeitigen Triebe fürchten mußte. Solche Besorgnis ist aber unnötig gewesen, Denn so Dicht wie nur je mit Blütentrauben bedeck: zeigt jid) jetzt der blühende weiße und der noch knospende rote Flieder, schade nur, Daß Die liebliche Blume so bald verblüht. Em paar heiße Tage, und Die ganze Herrlichkeu verschwindet ebenso schnell wie sie gekommen ist, zumal jeder Ltrauch seinen ganzen Reichtum mit einem Male preiSgieb: und nicht, wie die Rose, Damit haushälterischer umgeht und ihn allmählich aufschließt. 3U dem Besitzw echfel. Den wir in Nr. 104 meldeten, wird uns geschrieben. Daß daS Doppelhaus Kap- lanSgaffe 5 gegen Tausch mit dem Besitztum DeS Rentier« Schmall, Grünbergerstraße 13, (nicht Schmall'schen Besitztum, Großer Steinweg) an Bauunternehmer Winn übergegangen ist. Zugleich wird bemerkt, daß die betr. Gebäude, insbesondere Das neue Nebenhaus, sich in einem keineswegs unwohnlichen Zustande befinden. § Ober-L hmen, 6. Mai. Ter hiesige Landwirt St, ein Mann im Alter von 73 Jaliren, aber noch in voller Gesundheit und von großer Rüstigkeit, begab sich heute morgen hinaus auf das Feld, um zu ackern. Im Begriffe, die Egge vom Wagen zu heben, sank er äu Boden und verstarb auf der Stelle. Tie anwesende Tienstmagd brachte die Todesnachricht nach Hause. T Aus dem Kreise Schotten, 6. Mai. Dieser Tage wurde in dem Orte L. unseres Kreises eine Hochzeit gehalten. Als nach dem Hochzeitsmathle der Bräutigam leinen Hochzeitsrock, Den er vorübergehend ausgezogen hatte, wieder anziehen wollte, war er verschwunden. Alles Suchen war erfolglos, der Rock blieb verschwunden. Tarvb gab es seltsame Augen, und man wußte nicht, waS man lagen sollte. Zwei Xage nadi der Hochzeit kam der verloren geglaubte Rock, säuberlich verpackt, mit der Post an den erstaunten jungen Mann. Ein Hochzeitsgast muß sich demnach diesen absonderlichen Scherz erlaubt haben. sj Fronhausen, 6. Mai. Hier sand heute eine zahl- reich besuchte Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins statt. Bei der Erörterung über Die Ernteaussichten im Kreise wurde konstatiert Daß in Diesem Jahre eine ganz vorzügliche Klee-Ernte und eine mittelgute Roggenernte zu erwarten sei. Auch Die Sommerfrucht berechtige zu guten Hoffnungen. 0 Marburg, 6. Mai. Die Gesamtzahl der Studierenden im diesmaligen Sommersemester beziffert sich nach den heute beendigten Immatrikulationen auf 1275, sodaß man unter Hinzurechnung der Nachzügler rund 1300 sagen kann. Im letzten Wuttersemester mären es 1111 und im Sommersemester 1334 Studenten. Die Ziffer vom vori- gen Jahr ist also noch nicht ganz erreicht worden. 0 Marburg, 6. Mai. Hier wird am 16. Mai die Hauptversammlung des Heffen-Naffauischen Vereins für das höhere Mädchenschulwesen abgehalten. fc. Hanau, 5. Mai. Die Kapelle unseres (166.) Infanterie-Regiments wird, Der Genehmigung Des Kaisers vorausgesetzt, im nächsten Jahre auf der We l taus stellung in St. Louis konzertieren. Der RegimentskommanDeur Hai seine Zustimmung bereits gegeben. Vermischtes. * Berlin, 7. Mai. In einer Apotheke in der Elsoffer- stroße entstand bei der Destillation von Präparaten eine Explosion, durch die das Laboratorium in Brand gesetzt wurde. Der Apothekenbesitzer und sein Assistent wurden in einen Nebenraum geschleudert, glücklicherweise aber unerheblich verletzt. • Vorfälle außer Programm. lieber einen heiteren „Fall" bei der Rundfahrt des Kaisers durch Rom läßt sich das „B. 2." von Dort telegraphieren: Auf dem Rand der großen Fontaine des OuirinalplatzeS war eine Anzahl Schaulustiger hinaufgeklettert. Darunter ein um« angretcher Priester, der sich besonders begeistert geberdete und nicht müde wurde, fein Jesuiterhütlein zu schwenken und „Evoiva" zu rufen. Im Augenblicke Der höchsten Begeisterung glitt Der Geistliche aus unD faufte köpf über in das große Wasserbecken der Fontaine. Ta das ganze Interesse der Menge sich auf den Kaiser konzentrierte, ließ Das Publikum den Aermsten zappeln und schwimmen, bis endlich einige Menschenfreunde den „Reverendo" unter Der Heiterkeit des Publikums mehr tot als lebendig aus dem nassen Elemente zogen. Ter König, der die Szene beobachtet hatte, machte bei der Vorüberfahrt den Kaiser auf den tragi-komischen Vorgang aufmerksam. Ter Kaiser wandte sich um und brach in herzliches Lachen aus. — Pariser Blätter berichten über eine nicht ganz programmmäßige Szene, die sich bei der Ankunft des Königs Eduard in Cherbourg abspielte. Ter König hatte sich von Den Personen, die ihn bis Cherbourg begleitet hatten, verabschiedet und wollte zu feiner Jacht hinüberfahren. Tie Schaluppe, in der er fuhr, hatte kein Verdeck. Plötzlich erhob sich ein furchtbares Unwetter und ein prasselnder Gewitterregen ging nieder. Der König hatte keinen Mantel, und im Boot befand sich auch kein Regenschirm. Die mitfahrenden Offiziere suchten den König nach Möglichkeit zu schützen, aber da die Ueberfahrt eine Viertelstunde Dauerte, wurde der König natürlich so durchnäßt, als ob er im Wasser gelegen hätte. Er machte gute Miene zum bösen Spiel und grüßte die Schiffe, die ihre Salutschüsse abgaben. Der engliche Botschafter und andere Personen auf dem Cuai sahen Der Fahrt mit einigem Entsetzen zu. * ZurFleischteuerung. Interessante Anträge wurden in der Gemeinderatssitzung von Graz in Oesterreich zur Bekämpfung der Fleischteuerung vorgelegt: 1. Die Fleischteuerung wird als nicht begründet angesehen. 2. Tie Ständebesitzer haben das Ochsenfleisch um 12 Heller und das Kuhfleisch um 16 Heller unter Dem seit 1. Mai be- stehenden Niaximalpreise zu verkaufen. 3. Dieser Beschluß hat keine aufschiebende Wirkung. 4. Das Marktkommissanat wird beauftragt, Nachschau zu halten, ob dieser Beschluß von den Ständebesitzern eingehalten wird und Dem Stadtrat hierüber Bericht zu erstatten. 5. Denjenigen Fleischständebesitzern, die diesen Beschluß nicht einhalten, sind Die Stände auf 14 Tage zu kündigen und hat Der Stadtrat bis zum 25. Mai hierüber dem Gemeinderate Bericht zu erstatten. * P räs ident Roosevelt und die Sabic». Die Reise des Präsidenten Theodor Roosevelt nach 2t Louis, wohin er sich zur feierlichen Uebergabe des Weltausstell- ungsgebäudes an die AuSstellungsbehörden begeben l-atte, aeiialtete sich zu einem Triumphzug, der Die wachsende Populärttät des Präsidenten glänzend bekundete. Auf allen, großen Stationen hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden, an Die der Präsident zumeist aus Dem Steg- rei; Ansprachen richtete. In einer Versammlung in Kansas, ?u Der man zahlreiche Kinder und Baöies gebracht hatte, bcm.'rfte der Präsident, indem er einige von den Micuten küßte, er sc: von Der Qualität und von der Anzahl Der ngen Rachkommensck>aft entzückt. Im Staate Iowa de- i. nitrierte Dl Bevölkerung Dem PräjiDenten in liibcn^- »üretger Weise ad oculos, daß Dorr von Dem „Rassen,'elbst- moiD", vor dem er kürzlich warnen Ku wüssen geglaicht harre nichts äu befürchten fei Aus den Häusern, an denen der Zug vorbei fuhr, eilten Mütter heraus, ein Baby auf dem Arm und ein größeres oder auch mehrere am Kleid nachschleppend, um sie dem Oberyaupi der Nation au zeigen. Eine Station war voll mit Kindern, die mit Fahnen ausgerückt waren, auf denen zu lesen war: „£ier giebt's feinen Rassenselbsrmord, Teddy!" • Don der bekannten Findigkeit der Post zeugt folgendes Vorkommnis: Dem I. B.-Rl. (Intern. Bum- boßklub) m Quadrath ging dieser Tage von einem Mitgliede in Frankfurt a. SUI. eine Karte zu mit der Adresse: I. B.- RL Q, ohne weitere Bezeichnung, jedoch mü mehreren humo- ristischen DerSchen auf der Rückseite, darunter u. a.: Tie deutsche Reichspost wird im Land Al« äußerst findig stets gepriesen. Wenn sie daS kleine Biereck sand, dal sie und glänzend dies bewiesen. Die Ratte hat, wie bemertt, glücklich ihren Bestimmungsort erreicht. Sie war von dem expedierenden Beamten mit der Ausschrift versehen: VersuchSw. nach Quadrath (Bez. Röln), sonst Viereck in Pommern. Kunst und Wissenschaft. Stockholm, 6. Mai Tie Regierung brachte heute im Reichstag die Bewilligung t>jn 200000 Kronen in Vorschlag für eine Expedition nach dem südlichen Polarmeer, um die Nordenskjöldsche Expedition zu entsetzen. Neapel, 6. Mai Heute vormittag wurde der Gedenkstein zur Erinnerung an den Besuch, welchen Goethe 1787 dem Philosophen Filan gier i hier abstattete, eingcweiht. Professor Torraca hielt die Festrede. Gleich- zeitig wurde in der Humbertgallerie an dem Hause, in dem Gocchc wohnte, eine kleine Gedenktafel enthüllt Ter Lanig von Portugal verlieh dem Geh. Re- gierungsrat Prof. Dr. Frhr. v. Richthofen in Berlin das Kommandeurkreuz des Sa) Tiago-Ordens mit der Kette. Unlversttäls-Nachrichteu. Darmstadt, 5. Mai Die „Gruppe freier (nicht inkorporierter- Studenten" an unserer Technischen Hochschule hat ein Arbeitsamt für Studierende errichtet Auf der 7 5. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Gaffel wird Geh. Rat Prof. Dr. E. v. Behring aus Marburg a L. über ^„Tuberkulosebekämpfung" sprechen. Bonn, 6. Alai Beim Korps Borussia ist seit langen Jahren zum erstenmal wieder ein Bürgerlicher, Stud. Iouanne ausRkalinie bei Pieschen in Posen eingetreten, dessen Vater, der Landschaftsrat und Rittergutsbesitzer Iouanne, aber auch schon dem Korps angehört hat. Der letzte Bürgerliche war in den Jahren 1882—1884 Dr. jur. Rücker (Jenisch), jetzt Wirklict)er Legationsrat und Vortragender Rat im Auswärtigen Amte. Gerichlssaat Hannover, 5. Mai Das Kriegsgericht der 19. Division verurteilte den Füsilier Jakubowski aus Krotoschm vom 73. Füstlierregiment, der am 23. März vom Regiment desettiette und am 24. Marz in der Lister Mühlenschenke die Haushälterin des Gastwirts durch Säbelhiebe getötet hat, um sich m den Besitz der Zwittleidung des Gastwirts zu setzen, - um Tode. Der E r b s ch a s t S p r o z e ß der Gräfin Lonyay -egen chren Bater, König Leopold von Belgien, wegen des Nachlasses der Königin Marie Henriette steht nach Wiener Meldungen in kurzem bevor. Gräfin Lonyay behauptet, die Ehe ihrer Ellern sei aus Grund der Gütergemeinschaft abgeschlossen. 'Sie beansprucht deshalb von dem gememsamen elterlichen Vermögen im Betrage von einhundert 'Millionen Francs ein Drittel der auf die 'Mutter entfallenden Hälfte, alfo etwa siebzehn Millionen Francs. König Leopold bestreitet die Gütergememichaft. Er behauptet, seine Ehe nut der früheren österreichischen Erzherzogin in Wien sei nach österreichischem Hausrecht auf Grund der Gütertrennung abgeichlossen worden. Prinz Philipp von Roburg hat sich noch nicht entschieden, ob er sich der Aktion der Gräfin Lonyay namens seiner Gemahlin Louise anschließen soll. Eisenbahn Zeitung. Der sächsische Eisenbahnrat erklärte sich mit 14 gegen < Stimmen damit einverstanden, daß von einer Wetterverfolgung der am 4. und 5. Februar beratenen Reformvorlage abgesehen wird. Ferner billigte der Eisenbahnrat mit 15 gegen 6 Stimmen, daß die Preise der Mcksahr- larteu um 6y* Proz erhöbt werden, und entschied sich gegen 5 Stimmen für bic Beibehaltung der jetzigen Sätze der SÜlo- nats- und Nebenkarten. Position. Privat-Diskont 3 Prozent. Oest. Kredit. Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Märkte. W. Gießen, 7. Mai. DiLymarktberichi. Auf de«Lchsen- uah standen gestern etwa 40 SrückGemqrneh zum Verkam Zahl- Harpener Bergbau Schluß-Tendenz: ruhig. Frankfurt a. SR., 6. Mau Ein in der Generalversammlung der Chemischen Fabrik Griesheim gestellter Antrag auf Verteilung von 12 pCt. Dividende gegen vorgeschlagene 10 pCt. wurde zurückgezogen, da die Verivaltung in der Majorität war. Ter Absatz war in der Mehrzahl der Produkte befriedigend, aber es komme em empfindlicher Prcisrückschlag in einigen Hauptpro- butten dazu. Dagegen erhoffe man von einer Reihe neuer Artikel günstige Ergebnisse. . _ Landau, 4. Mai. Tie am 27. d. M. imürmbenbe Generalversammlung der Landauer Tabakmanufakrur soll über Auflösung der Gesellschaft eventuell Verkauf des Geschäfts int Ganzen Beschluß fassen. Sandel und Verlieht. Volkswirtschaft. Vcrliucr Börse vom 6. Mai 1903. (Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Rach fester Eröffnung auf allen Gebieten vollzogen sich bei minimalen Umsätzen fast auf allen Märkten kleine Kursrückgänge, welche mit dem Härteren Rückgang der Montanwerte in Zusammenhang zu bringen sind. Eine ungünstige Tioidendenlaxe für Bochumer Gußstahl-Aktien gab den Anlaß zu Verkäufen in Eisenwerten. Höhere Londoner Meldungen hatten ein Anziehen der Argentmer Kurse zur Folge; von sonstigen Renten Spanier auf größere Prä- mienkäuse gefragt und besser. In der dritten Börsenslunde zogen Banken an; namentlich erfuhren Tiskonto-Kommandit-Anteile eine größere Steigerung im Zusammenhang mit der höheren Bewertung der Geste de Minas welche angeb Lui) in Brasilianische Rente um- gelauscht werden sollen. Canada Shares weiter in guter Haltung; Lombarden, anfangs stark gesucht, gaben späterhin infolge von Wiener Abgaben leicht nach. Ter Caffamarkt zeigte gute Tts- Anfangs- u. Schlußkurse. . 00,00 212,37 . 211,10 211,00 . 141,00 141,00 . 182,10 182,25 . 184,10 183,90 reiche Kundschaft aus dem Westerwald hatte sich eingefunden und legte für die Ware verhältnismäßig recht gute Preise an. Ebenso griffen Käufer aus der Provinz in das Geschäft em und der Vorrat war sehr bald erschöpft, ohne daß der Bedarf gedeckt war. Mehrere Paar Lehsen wechselten noch auf dem Markte dreimal den Besitzer, d. h. die Tiere wurden von dem Erwerber mit Nutzen an Ort und Stelle weiter verhandelt. Wenige schwer« Paare gingen mit 925—950 Mk. fort, 1. Mittelschlag wurde zu 850—900 Mr. verkauft, während für leichtere Paare 650—750 DU. erlöst wurden. Junge zweijährige Fahrsttere waren sehr gesucht und wurde roeaen mangelnden Angebots zu 660—720 Mk. das Paar abgesetzt. — Der Austrieb an Schweinen sand diesmal auf den städtischen Marktanlagen hinter dem Schlachthause statt. Es waren vorhanden etwa 1300 bis 1400 Stück Schweine. Begünstigt durch das überaus gute Wetter, waren zahlreiche Käufer auf den Markt gekommen und es entroidelte sich ein recht flotter Handel. Dadurch zogen die Preise etwas an, trotzdem die Verkäufer mü sich reden ließen. Man fordette eben viel, um nachher etwas herunterzulassen. BezahU wurden für Ferkel, 6—8 Wochen alt, 34 — 56 Mk., Springer, 16—20 Wochen alt, 75—100 Mk. und Einlegeschweine 120—140 Mk. pro Paar. Ter Markt war gegen halb 1 Uhr beendet und blieb wenig Ueberstand. — Nächste Markttage: 19. und 20. Mai; am zweiten Tage auch Krämermarkt. Ruppertenrod, 6. Mau Unseren heutigen Frühjahrsmarkt begünstigte wunderschönes Maiwetter. Ter Viehmarkt war sehr stack mü Junaschweinen besahren, eS mögen nahem 1000 Stück aufgetrieben gewesen sein. Die Preise waren, wiewohl etwas niedriger wie ums vorige Jahr, doch bcmerkenswett hoch. Dessenungeachtet floß der Handel bei lebhafter Nachfrage sehr rasch. Bezahlt wurde das Paar Ferkel 1. Qual, mit 60— 66 und bis 70 Mk., 2. Qual, mit 50—54 und 60 Mk., 3. Qual, mit 45—48 Mk. Springer kosteten per Paar 73—86 und 90 Mk. — Der Krämermackt, der hier gleichzeitig Konsirmandenmackt ist, da unsere Konfirmanden auf Pfingsten konfirmiert werden, war mit Veckaufsständen recht gut besetzt und zeigte guten Besuch, der allerdings noch stärker gewesen wäre, wenn nicht die Frühjahrsbestellung sich so außerordentlich verspätet hätte. Limburg a. d. L., 6. Mai. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.20 Mk., Weißer Weizen 00.00 AU., Korn 10.90 9RL, Gerste 040 9JIL, Hafer 7.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk^ Kartoffeln 0.00 Mk. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehender Ättilel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenübet keinerlei Verantwortung.) Bezugnehmend auf ba6' gestrige Eingesandt bett. Bürgermeisterwahl in Lollar erwidere ich, daß derartige Anzapfungen sich von selbst richten und daß ich es für unter meiner Würde halte, an dieser Stelle daraus zu erwidern. Lollar, 7. SDlat Karl Zimmermann. „An ihren Wecken sollt ihr sie eckennen 1* Die? Wort paßt recht auf den Schreiber des „Eingesandt" von gestern, betr. die Bürgermeisterwahl in Lollar. Daß bei Wahlen Agitation getrieben wird, ist ja an der Tagesordnung, aber man sollte doch mit Waffen tänwfen, die einigermaßen sauber sind. Wenn man jedoch zu Mitteln greift, wie der Schreiber des gestrigen „Eingesandt', bann wird dadurch nur der Charakter des Schreibers, nicht aber der eines Kandidaten dokumentiert. R. (Anmerkung der Redaktion: Weitere Einsendungen in Sachen der Bürgermeisterwahl würden wir endgültig ablehnen.) Kirchliche Nachrichten. Hstterdirnst der israelitischen Keligiousgesellschast. Sabbathseier am 9. Mai 19 03. Freitagabend 7.80 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 8.46 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, nachmittags 6.30 Uhr, abends 8.45 Uhr. Krieskaflen der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben uuberückfichtigt.) Dr. D. Hessen hat drei Stimmen im Bundesrat. Eine Mehrheit für die Aufhebung des § 3 des Jesuitengesetzes ist jetzt so gut wie ausgeschlossen. Anonyme Anfragen bleiben stets unbeantwortet 6. H. hier. Die Eisenbahnkassen sind an das Münzgesetz gebunden und können Sonderbestimmungen k. H. nicht erlassen. Die Weigerung des Beamten, 5 Psg. m Rupfer anzunehmen, ist eine grobe Ungehörigkeit- Schiffsnachrichten. Norddeutsch er Lloyd. In Gießen verttetcn durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 6. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Topvelschrauben-Schnellpostdampfer Kronprinz Wilhelm", Rapt A. Richter vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 6 Uhr nachmitt. wohlbehalten in Newyock angekommen. Bremen, 30. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrcuiben-Postdampfer „Königin 2uife*, Kapitän. C. Bolger vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr abends wohlbehalten in Newyock angekommen. Neueste Meldungen. Lriginaldrahtmelduugeu des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 7. Mai. Se. R. H. der Großherzog begab sich gestern nachmittag nach Frankfurt, um einer Einladung des kommandierenden Generals deS 18. Armeekorps, v. Lindequist, zum Dmer Folge zu leisten. In Begleitung deS Großherzogs befanden sich Generaladjutant Generalmajor v. Wachter und der Flügeladjutant Freiherr Schäffer von Bernstein. — Mit Genehmigung deS GroßherzogS ist der vottragende Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, Dr. Eugen Wagner, zur Beschäftigung im ReichSkom- missariat für die Weltausstellung in St. Louis bis 1. April 1905 beurlaubt und zu seiner Vettretung für dieselbe Zeit Ministerialsekretär Luowig Matthias mit der Wahrnehmung der Dienste eines ständigen Hilfsarbeiters in derselben Abteilung des Minisrettums des Innern beauftragt worden. Berlin, 7. Mai. Der „Börsen-Courier" nimmt von dem Gerüchte Notiz, welches von einer bevorstehenden Ettttettung der Scheidung derFrauAgnesSorma, die mit dem ttalienischen Grafen Minotto verheiratet ist, fpridji. In Zusammenhang damit stehe es, daß auch Herr Walden vom Berliner- Thearer im Begriff steht, seine Scheidung ins Werk zu setzen. Frau Sorma, die jüngst wegen nervöser Abspannung ein Gastspiel abbrechen mußte, Hal sich zu ihrer Erholung in ein Sanatorium zurückgezogen. — Tie seitens des Goethe-Bundes veranstaltete Aufführung von Paul Heyse's „Maria von Magdala" ist auf den 19. und 20. d. M. festgesetzt. Außer den eingeladenen Parlamentsmitgliedern uno den Derrretern der Behörden werden den Aufführungen nur Mitglieder des >Goerhebunbes beiwohnen. — Irn Apollo- Thearer ging die dvciaktige Ausflattungs-Vuriesre „ihc Lebe ns ins e l" von Benno Jacobson, Musik von C. Stig, xum ersten Male in Szene und hatte einen durchschlagenden Erfolg. London, 7. Mai. Mehrere Blätter glauben mitteilen zu können, daß ein Mitglied des Parlaments eines der heroorraaendsten Mttalicder der französischen Kammer eingeladen habe, einen Vortrag über die Frage des Schiedsgerichts und die Abrüstung zwischen England und Frankreich im Westminster - Palazt zu halten. Sir Treller, Mitglied des Parlaments, ist unlängst nach Paris abgereist, um diese Angelegenheit zu regeln. — Wie aus Galkaya im Somalilande berickftet wird, ist die Lage unverändert. Die Stellung der Truppen hat gleichfalls keine Aendcrung erfahren. ES herrscht vollständige Ruhe. In verschiedenen Gebieten wird eine Auswanderung der eingeborenen Bevölkerung sestgestellt. Die Eingeborenen ziehen sich mehr in das Innere des Landes zurück Rom, 7. Mai. Zum Abschieddes Kaisers waren die Straßen und Platze, die derselbe passieren mußte, von noch wett größeren Menschenmengen angefüllt, als bei der Ankunft. Als die Hofwagcn die nönigsvurg verließen, erschien die Königin auf dem Balkon und winkte dem Kaiser Die letzten Grüße zu. DaS Jesuiten-PalaiS gegenüber dem Bahnhöfe, welches beim Einzuge des Kckifers nick-t geflaggt hatte, zeigte reichen Fahnen und Teppich-Schmuck All- gemetti fiel die fast zärtliche Weise aus, üi welcher der Kaiser vom König Abschied nahm. Er umarmte und küßte ihn wiederholt. Tausend eben angeLommene deutsche Pilger stimmten un Bahnhof ,Heil Dir im Sieger- kranz" an und brachen in jubelnde Hochrufe auf den Kacker aus. Kurz vor der Abfahrt hat noch eine eingehende Besprechung zwischen dem Grafen Bülow und dem Minister Morin stattgefunden. Wien, 7. Mai. Wie der „Neuen Fr. Pr." aus Saloniki telegraphiert wird, fand im Torfe Banitza bei Serres ein Kamps türkischer Truppen mit einer bul- garischen Bande statt, die sich in den Dorfhütten festgesetzt hatten und ununterbrochen Dynamitbomben gegen die türkischen Truppen warfen, wodurch das Dors in Brand geftccft wurde. Viele Bulgaren sind im Kampfe gefallen, darunter der Führer. Einer wurde gefangen genommen. Von den Türken wurden fünf getötet und acht verwundet. — Kaiser Franz Josef verschob die geplante Reise nach Budapest für Anfang nächster Woche wahrscheinlich infolge der Vorgänge auf dem Balkan. In unterrickfteten Kreisen gilt die Lage auf dem Balkan als wesentlich verschlimmert, da der Sultan von seinem Kabinett zum Kriege gegen Bulgarien gedrängt werde. Die bulgarische Kriegspartei glaubt, daß dies der beste Ausweg sei, die Reformen sowie die Gefahren des albanesischen Widerstandes vorläusig aus der Welt zu schassen. Wien, 7. Mai. Nach Meldungen tschechischer Blätter wird der Erzbischof von Olmütz, Dr. Kohn, wegen seiner fortwährenden Konflikte entweder von Rom aus zur Resignation aufgefordert werden oder einen Eoad- jutor erhalten, der seine Diözöse leiten wird. Lemberg, 7. Mai. Nach hier eingetroffenen Meldungen auß Warschau sind am 3. Mai in Lodz 400 Personen verhaftet und in die Zitadelle von Warschau eingeliefert worden. Belgrad, 7. Mai. Nach einer Meldung aus Mona st i r herrscht dort große Panik, wett verschiedene Anzeichen für die Möglichtett eines Dynamit-Attentates sprechen. In den ersten Nachmittags stunden besetzte Mttitär sämtliche Straßen. Alle Laden wurden gesperrt. Tie Bevölkerung begann zu flüchten. — Nach authentischen Nachrichten wird die öfterreichisch^ungarische Escadre bereits m den nächsten Tagen Saloniki verlassen und nur ein Stationsschifs dort zurücklassen. — Wie aus Konstanttnopel telegraphiert wird, wttl die Polizei in verschiedenen von Bulgaren bewohnten Häusern von Pera und Galalba Fabriken von Dynamit-Bomben entdeckt yaben. Konstantinopel, 6. Mai. (Korr.-Bur.) Einige Botschaft e n, deren ausgedehnte Gebäudekomplexe und Gärten Verdächtigen Zutrttt leicht ermöglichen, fühtten in den letzten Tagen außer der türkischen Pollzeibewachung einen eigenen Wacht dl en st durch Matrosen innerhalb der Baulichkeiten ein. Es ist dies eine durch unkonttollierbare Gerüchte bedingte Vorsichtsmaßregel, die nichts Aufregendes besitzt. Die russische Botschaft hatte von jeher em ständiges Matrosendetachement innerhalb der Botschaft. — Zu den bereits in Saloniki anwesenden italienischen Kriegsschiffen „Garibaldi" und „Minerva" sind gestern noch die Kriegsschiffe „Sardegna" „Morosini", „Carlo Alberto" und „Ealatasimi" eingetroffen. In Salonckl herrscht vollständige Ruhe. Saloniki, 7. Mai. Unter den am 29. April bei Djumaja Gefallenen wurden unter Anderen Oberstleut- nant Georgiew, der Major Greon, der Kapitän Broto- xorow und der Leutnat Batt iw agnoSziert. Telephonischer Kursbericht» Frankfurt a. 11., 7. Mai i»u3 . 102.09 1 3v/o Mexikaner . . . 27.03 4l/t'/o Chinesen ... 93.35 Electric, beb ackert . . . 99.07 Nordd Lloyd . . . . 103 05 Kreditaktien . ... 212.00 3 */i% Beiohsan leihe 8% do. ... 92.15 87,% Konsole .... 102.55 3% do......92.03 S7r% Heesen . . . . 101.02 r/jif Oberheeeen . . . 100.00 4% Oeeterr. Goldrente . . 103.06 4' 6% Oeeterr. bilberrente 101.00 4% Ungar. Goldrente . . 102.04 4% Italien. Rente . . . 10309 4Vt% Portugiesen . . . 51.55 3°/ Portugiesen.....32.05 1% C. Türken . ... 3201 Türkenlose......130.07 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.09 41/, % kueeere Argentiner —.— Diakon to-Konnn an di t. . . 190.05 Darmstädter Bank . . . 140.95 Dresdener Bank .... 150.06 Beniner Handeisges. . . 157.08 Oeeterr. Staatsbahn . . . 147.08 Lombarden ..... 15.25 Gottbardbahn.....190.00 Laurabütte . ..... 220.05 Bochum . ...... 184.02 Harpener......184.03 Tendenz: ruhig. Bottshygieuc. Hierzu ichreibl „Tie Woche^ m Nr. 12 unter „Aerziliches": Eine hervorragende Rolle fpieü im modernen Leben die Hygiene. Wir suchen indeffen vergebens nach einer Jnforma- lion über die Hygiene der Fußböden. Es ist nämlich noch ziemlich unbefaimt, daß ein großer Teil der zu Fußbodenanslrich ver^ wendeten Lacke und Farben mehr oder weniger bleihaltig ist und die Gesundheit der Bewohner gefährdet. So wurden neulich eine größere Anzahl von im Handel vockommenden Fußbodenlacken und Warben untersucht und hierbei die überraschende Tatsache zutage gefördert, daß (ich nur eine Sorte, Fußbodeu-Lcllacksarbc Frauculob von £. Fritze & Co., Offenbach a. M., bleifrei erwies, während alle übrigen mehr oder weniger — manche bis zu 18 Prozent — Bier enthielten. Rechnungen, Zatturen etc. üeftn billigst SkW'jche Umversilälr-vroLrei, SiejM. 'KiutMhijthu.Gravierte Stempel uncilMhüder. Cool erpressen Brief Wwgeqfttoctiafte.Brenn-isen. etc. Ifr^rtirTy Saffian pnvtt*. Derdmgung von Schmiede- bezw. Schlofierarbeit. Die für die Anbringung von eisernen Untergestellen und Miller'schen Patent - Spreng- oorrichtungen an den beiden älteren Gießfäffern erforderliche Schmiede- bezw. Schlosserarbeit soll TamStag den 16. Mai d. I., vormittag» 11V, Uhr, öffentlich verdungen werden. Zeichnung, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserer Amtsstube zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Zeitpunkt an uns einzureichen. — ZuschlagSfrist 3 Wochen. Gießen, 6. Mai 1903. Städtisches Tiefbauamt. ______Braubach. 3777 Verdingung. Die zur Herrichtung eines DachzimmerS im Turmhaus am Brand erforderlichen Schreiner» und Weißbindcrarbeiten /ollen 3769 Dienstag den 12. Mai d.J., vor«. W/j Uhr, öffentlich vergeben werden. Plan, Arbeitsbeschreibung u. Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum obengenannten Zeitpunkt bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6. Akai 1903. Städtisches Hochbauamt. Gerbet. Verdingung. Die für laufende Unterhaltung des vorinals Reiber- schen Hauses, Bahnhofstraße 66, erforderlichen Weißbinder» arbeiten, sowie das Liefern u. Verlegen von Linoleum sollen 3770 Dienstag den 12. Mai d. I., vorm. 11 Uhr, öffentlich vergeben werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum obengenanten Zeitpunkt bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6.Mai 1903. Städtisches Hochbauamt. I. V.: ®erbet Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute uuv morgen: 8711 Kq!euvk>lq> • 0 Psg. KiudßkisH 50 psg. Schskmßkilch 50 vfg. Gklchkncs Gchlkvß. 40 M Darmstädter 3302 Pferde-Lose x 4 1LJ, 11 Stück 10 Mark H 1 Jiark (Liste und Porto u 1 ililll n 20 Psg. mein' Ziehung 13. 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