Dienstag 7. April I «03 153. Jahrgang Zweites Blatt. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger ino* Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen e»*l|lr*t< 7. Bbrtflc für Devefchea: «ozetger • tcfcen. ^rmlprtdittnldHufe Wr 51. Nr-. 82 er|*el*t t-«Nch aufeet Sonntags. Dem ®if ferner 'S nötiger werden im Wechsel mit bein hrsßfchen (anörolrt die •ien) ve»ug»prei»r monatlich 75 Pi., oiert* fäferlich Pik. 1.20; durch Abhole- u. Zweigstellen moi'.atlich to PI., durch die Post Mk. 2.— oiertel- sührl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die tageenuminec dis DormiUQgt 10 Uhr. Zeilen preis: lokal I>PH aueivärts 2u tilg, verantwortlich tüt den poltL und allstem, teil: P- W'ltko für „eiabt und vantr und ,®cnd)ielüale: Auaust Götz, tüi den rln- lelnentetl: (»an« Beck. jpie heutige Dummer umfaßt 10 Seiten. Kegen Soldatenmißhaudlongeu. Der bereit» gestern von unS kur» erwähnte Erlaß de» kommandierenden General» de» 6. (schlesischen) Armeekorps gegen Soldatenmißhandlungen gereicht dem Urheber, Erbprinz von Sachsen-Meiningen, ebenso zum Verdienst, wie seinerzeit ein ähnlicher Befehl de» Prinzen Georg von Sachsen, dem jetzigen sachsiscl-en König. Eine besonder» zweckmäßige Anordnung in dem jüngsten Erlaß besteht darin, daß von jeder Beschwerde eines Mannes über erlittene Mißhandlung sofort dem Generalkommando Meldung erstattet werden soll. Daß alLlxUd der höchsten Instanz das Vergehen bekannt wird, ist geeignet, daS Gefühl der Verantwortlichkeit an allen Stellen zu bestärken, denn es wird jedes derartige Vorkommnis gewissermaßen an die große Glocke gehänat. DaS giebt ihm einen viel bedeutungsvolleren Charakter, als wenn es Regimentssache ist. Aber es kommt noch eine andere Maßregel hinzu, die eine wesentliche Garantie dagegen bietet, daß dem Mißhandelten nicht etwa ernste Ungelegenheiten aus der Anzeige erwachsen: daS Generalkommando selbst behält fick vor, die Versetzung deS Be- chwerdefuhrers in einen anderen Truppenteil zu ver- iigen. Man muß z. B. cm die Möglichkeit denken, daß cameraden eines Mannes, der Mißhandlungen zur Anzeige bringt, gegen diesen eine feindselige Haltung cin- nehmen, um damit bei dem betreffenden Vorgesetzten sich angenehm zu niacheu. ES ist schon vorgekommen, daß einem Beschwerdeführer von dieser Seite durch Tätlichkeiten oder Lhikanen noch mehr zugesetzt worden ist, alS durch den zur Anzeige Gebrachten. Wie weit die „Furcht vor dienstlichen Ungelegenheiten" geht, die der Erlaß deS Erbprinzen erwähnt, hat man auS mehreren mUitärischen Prozeßverhandlungen erfahren. Trotz der feierlichsten Hinweise auf die Bedeutung deS Lides mußte den alS Zeugen aufgerufenen Soldaten jedes Wort förmlich entrissen werden — so sehr hielt sie die Furcht in Bann, daß sie sich durch ungünstige Aussagen mißliebig machen könnten. In der richtigen Weise faßt der Befehl des kommandierenden Generals die Llannschaften bei der Ehre an, es sei schimpflich und erniedrigend, Mißhandlungen zu erdulden ■uni) dazu noch stillzuschädigen. Auf daS Vorbeugen von Soldatenqnälereien kommt viel an. Die Ausübung schärfster Kontrolle, welche der Erlaß allen Vorgesetzten zur Pflicht macht, wirb sehr gefördert werden durch Adoptierung jener ebenso einfachen wie wirksamen Anordnung, daß die Unteroffiziere bei der Ausbildung den Mannschaften drei Schritte vom Leibe blechen müssen. Ferner dürfte wohl auf häuftgeS und unvermutetes Betreten der Kasernen stuben durch höhere Vorgesetzte außerhalb der Dienststunden, Wert zu legen fein, denn nach den Erfahrungen ist dort vielfach der Schauplatz von Soldatenmißhandlungen unter befohlener oder stillschweigend gebilligter Beihilfe von Kameraden gewesen. AlS ein Segen erweist sich die Oesfenllicl>keit des Militärstrafverfahren». Wenn auch die Zahl der Fälle nicht gering ist, bei denen au» dienstlichen Interessen die OeftenUichkell ausgeschlossen wird, so blecht doch der Presse Gelegenheit genug, die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf solche Vorkommnisse zu lenken, und eine derartige Festnagelung übt unter Umständen noch mehr Abschreckungs-Wirkung, als die verhängte Strafe, die mitunter dem Gefühl de» Laien nicht im Verhältnis zu stehen scheint zur Bedeutung, oder, waS noch mehr heißt, zu den Folgen der Tat. Wenn sich ein Soldat, um den Qualen ein Ende zu machen, das Leben genommen hat, dann ist sicherlich die allerschärfste Strafe für den Peiniger am Platz. In der „Nordd. Allg. Ztg.", im „ReichSan^.", in der,Freuzztg." sehen wir den Erlaß heute noch nicht erwähnt. DaS wird hoffentlich geschehen, er verdient allenthalben Beachtung. Dom Aa.kau. Die Unentschlossen heit de- EultanS und seiner Ratgeber in Sachen der Bekämpfung der albanesischen Rebellen erhält jetzt auch durch äußere Einflüsse einen bedenklichen Nährstoff. Während der russische und östreichi- sche Botschafter dem Sultan die Ergreifung energischer militärischer Maßnahmen dringend anempfahlen, ging der diesem Rat entgegengesetzte jüngste Rat des großbritannischen Botschafters dahin, der Sultan möge den Weg der Versöhnung mit den Albanesen betreten. Tie Aerzte hoffen, daß der Konsul Schterbina, wenn keine Komplikationen ein treten, in drei Wochen hergestelll fein werde. „ _ Wie gerüchtweise verlautet, steht emgroßervtreich in Macedonien bevor. Ter bulgarische Generalstabs- chef Kiew tritt demnächst einen längeren unfreiwilligen Auslandsurlaub an. Tie Pforte erhielt die Nachricht, dag Oesterreich-Ungarn gleichzeitig in Sofia ernste Schritte bezüglich der mazedonischen Komitees unternommen habe. Wie der Frks. Ztg." aus Sofia berichtet wird, entsandte die Regierung von Küstendll Militär an die Grenze zur Verfolgung einer 250 Mann starken Bande. Zn der Sobranje wird die bulgarische Regierung interpelliert werden, welche Maßnahmen der Regierung in Anbetracht der Metzelei in Kar- binzi anwenden wolle. Ein anderer Delegierter verlangt neue Kredite für die mazedonischen Flüchtlinge. Zn Sa- loniki wurde auf Befehl türkischer Behörden das Waffentragen auf den Straßen verboten, und nur den Kawasfen der fremden Konsuln erlaubt, bewaffnet auszugehen. Einer Wiener Depesche zufolge hat laut Nachrichten aus Saloniki der Sultan dem interimistischen Komman^ bauten von Mitnowitza, Oberst Salü Dey, telegraphisch einen Tadel erteilt, weil er auf die Muselmanen schießen ließ, bevor alle friedlichem Mittel, sie zur Ruhe zu bewegen, erschöpft waren. Tie „Post" bezeichnet die Meldung deS „Newyork He- rald" alS unbegründet, wonach Deutschland sich entschlossen habe, in der mazedonischen Frage zu intervenieren und auf Ersuchen der österreichischn Regierung sich bei der Dforte bal/in verwenden zu wollen, daß diese wirksamere Maßnahmen gegen die Aufrührer in Mazedonien und Albanien ergreife. Deutschland habe vielmehr von Anbeginn an die mazedonische Resormallion Rußland- und Oesterreichs unterstützt und eine Wendung in seiner Haltung sei bisher nicht eingetreten. Zu den Straßenuuru hen in Belgrad, welche bekannllich hervorgerufen wurden durch eine Anzahl protestierender Handlungsgehilfen, wird telegraphiert, daß nach dem Zusammenstoß den Demonstranten mit der Gendarmerie auf dem A-eresienplatze, sich die Ersteren von neuem sammelten und nach dem Kalimegdan-Parke zogen. Unterwegs zertrümmerten die Tumultuaiiten sämtliche Türeii und Fenster der Redaktion deS BlatteS ,^Weischeenje Novosti" und der Redaktion dcS Blattes „Dwadereli Wek", wo die vorhandenen Zeitungsnummern verbrannt wurden, von hier wurde der Haufe durch kalte Wasserstrahlen mehrerer hervorgeholter Feuerspritzen vertrieben. 3m Kalimegdaiv-Parke schlossen sich den Demonstranten etwa 150 Studenten an. „Nieder mit der Reaktion! Hoch die Verfassung!" ertönte es von allen Seiten. Gendarmerie eilte herbei, und nun entspann sich ein förmlicher Kampf. Die Gendarmen wurden mit Stein- roürfcn empfangen und waren alsbald gezwungen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Vier Personen wurden getötet, darunter eine Fran, die zufällig des Weges kam, neun Personen erlitten Verletzungen, viele wurden verhaftet. DaS zur Wiederherstellung der Ruhe herbei- eilvnbe Militär gab eine Reche von Gewehrsalven in die Luft ab. Ein heftiger Regenguß trieb schließlich die Demonstranten auseinander. Im ganzen sind 9< Personen verhaftet worden. Nach einer weiteren 'Meldung auS Belgrad bc>chloß der Ministerrat, vorläufig die Grenzgamisonen und die Einberufung der Reserven noch nicht vorzunehmen. Z)ie glnruQtn in Spanten. AuS Madrid meldet uns heute HavaS: Die Lage in den großen Universitätsstädten wird ernster. Die Proteste bezüglich des Vorgehens der Polizisten gegen die Studenten in Salamanca nahmen den Eharakier einer Bewegung der öffentlichen Meinung gegen die Regierung an. In Madrid wurden während der Kundgebungen Hochrufe auf die Republik ausgebracht, sowie Rufe, die sich gegen die Regierung und gegen das Königshaus richteten. Die Bewegung in der Stadt dehnt sich weiter aus. Die Arbeiter in den Tabakfabriken schließen sich den Ruhestörern an. Nach einer Madrider Depesche des „Stert Tagcbl." verhinderten Vorsichtsmaßregeln und die Besetzung der wichtigsten Punkte der Stadt durch Gendarmerie-Abteilungen tagsüber Ausschreitungen, dkach Eintritt der Dunkelhell tauchten neue Gruppen von Demonstranten auf, die sich mit der Zertrümmerung von Laternen- und Fensterscheiben begnügten. Auch in der Provinz dauern die Kundgebungen und Tumulte fort, so in Malaga und Valladolid. Nach einem andern Telegramm aus Aiaorid dehnten sich gestern die Unruhen bis früh 2 Uhr aus. Die Menge brachte vor dem Mllllärkasino Hochrufe auf das Heer und die Republik aus, durchzog die Straßen der Stadt und warf Steine gegen die Polizei, welche Säbel und Revolver brauchen mußte. Mehrere Gruppen brachten Salmeron, dem Führer der republikanischen Partei, unter Absingung der Marseille eine Huldigung dar. Aus diesen Berichten geht hervor, daß die republikanische Bewegung dort erhebliche Fortschritte macht. Tie Unzufriedenheit mll den Ministerien, Die sich an Unfähigkeit die Wage halten, ergreift allgemach auch diejenigen Volkskreise, die bisher zur Monarchie standen. Nach Darstellungen französischer Bläller erweist sich sogar das Heer der republikaniscl)cn Bewegung zugänglicher. Es ist freilich zu berücksichtigen, datz der Spanier seine politische Anschauung nicht eben sehr toed/ielt Schon manchmal schien es, als ob die alljährlich wiederkehrenden Straßenlund- gedungen der Monarchie gefährlich werden würden. Doch die Wogen der Erregung glätteten sich noch stets ebenso schnell, wie sie aufgeschäumt waren. Gegenwärtig und für die Zukunft liegt die Sache insofern bedenklich als im spanischen Volke trotz der wiederhollen offiziösen Dementis die Auffassung sich behauptet, daß die Gesundheit Königs Alfons XHL zu wünschen lasse, daß auch an ihm Anzeichen jener Krankheit sich bemerkbar machen, die seinen Vater so früh dahinraffte. Tie revolutionären Elemente sind begreiflicherweise bemüht, das Volk in ihrem Glauben zu erhalten und zu bestärken, wobei ihnen zu statten kommt, daß der König in dem zu Ende gehenden ersten Jahre seiner Regentschaft noch keinen Auslandsbesuch gemacht hat, obwohl, wie es heißt, eine Einladung vom Wiener Hofe sell längerem DorliegL Auch in den Regierungskreisen Frankreichs, das sich Spaniens nach Dem Kriege mit Amerika diplomatisch uno finanziell angenommen hat, würde man den Besuch des jungen Königs gern sehen. Doch angeblich wioerrät Ministerpräsident Lilvela diesem Besuch, von dem er „fürchtet", daß er zum politischen Anschluß Spaniens an die französ^e Republik und damit zur Republilani.i.rung Spornens fahren könnte. Ist dies in der Dar Scll-elas Ansicht, dann muß auch er Da» fyunbauunt des »Anarchismus in Spanien nicht alS sonderlich fest erachten. E» zu stärken, dazu ist Silvelas eigene Pollllk fremd) ebensowenig angetan, wie die Taktik einiger Madrider Berichterstatter Pariser Blätter. Der des ,Matin" meldete unlängst mit einer gewissen Befriedigung, daß König Alfons von der Bevölkerung Madrids nicht gegrüßt werde, wenn er sich in den Straßen zeige. Politische Tagesschau. Kaiser Wilhelm und der Kopeahageaer Bürgermeister. Kaiser Wilhelm hat in Kopenhagen, wie wir meldeten» auch den Bürgermeister Jensen sich vorstellen lasten, der belannllich Sozialdemokrat ist. Die sozialdcmo- kratische Preste in Deutschland fragt höhnisch, was denn die Gegner der Sozialdemokratie zu dieser Begegnung zwischen Kaiser und Sozialdemokrat sagen. Ader die Sache liegt doch umgekehrt. WaS sagen denn die Herren Sozialisten dazu, daß Herr Jensen den Empfang beim deutschen Kaiser mit- gemacht hat? In Deutschland wollen die Sozialdemokraten nicht Herrn Singer ins Relchstagspräsidimn wählen, weil er als Mitglied des Präsidiums eine Audienz beim Kaiser nachsuchen müßte. Daß in Kopenhagen „(itenoffe" Jensen sich dem Kaiser hat vorstellen lassen, wobei er ohne Zweifel die hergebrachten Formen der Ehrerbietung beobachtet haben wird, sollten die deutschen Sozialdemokraten eigentlich tadelnswert finden. Was den Kaiser betrifft, so liegt Der Fall so verständlich wie möglich. Wie Herr Ulrich auS Ostenbach von unserem Großherzog nicht als Sozialdemokrat, sondern als Landtagsabgeordneter wiederholt ins Gespräch gezogen worden ist, so wurde Herr Jensen in Kopenhagen nicht als „Gtenofie", sondern als Bürgermeister vom Kaiser empfangen. Wenn er — obwohl „Genosse" — in Dänemark nach den Grundsätzen und Rechten der dortigen Ver- wallungS- und RegierungSpraxiS Bürgermeister der Landeshauptstadt sein kann, ist er autoritäre und legale Persönlichkeit. Kaiser Wilhelm hat selbstverständlich feinen Anlaß, an dem, waS in Dänemark Recht und Gesetz ist, Anstoß zu nehmen. Sonst könnte ein Monarch, bezw. seine Regierung doch auch nicht den Präsidenten einer Republik anerkennen, oder eS könnte der Gesandte einer Republik nicht mit der Regierung eines monarchischen Landes in offiziellem Verkehr stehen oder gar bei Hose freundschaftlich empfangen werden. Daß der Kaiser den Kopenhagener Bürgermeister empfangen hat, ist selbstverständlich, daß aber „Genosse" Jensen sich vom Kaiser hat empfangen lasten und daß daS Parteiblatt der dänischen Sozialdemokratie den Kaiser mit einem ehrerbietigen Artikel begrüßt hat, sind Umstände und Vorgänge, die den Sozialdemokraten in Deutschland Anlaß zur Kritik oder zum Nachdenken geben könnten. Heber einen Zwischenfall auf der deutschen Botschaft in Washington schreibt die ,/ZügL Rundschau": In Washington sind ein Offizier und ein Fo r stasse s sor zur Botschaft kommandiert, um die militärischen und lan»- und sorstioirtschuftlichen Bestrebungen der Union zu beobachten. Beide kehren nun jetzt ganz plötzlich nach Deutsche land zurück, um nicht wieder nach Amerika zu geben. Zu dieser viötzlichen Reise in die Heimat ist folgender Vo» )all Veranlassung: Als der neue deutsche Botschafter (Herr Speck v. Sllrnburg) seinen Posten antrat, machte er bei den Mllgliedern der Dotschast, zu der ja jene beiden Herren auch gehören, seine Aufwartung. Obgleich nun jene beiden Herren verheiratet sind, gab der Gesandte nur eine Karte Lei ihnen ab. Auf die Mittellung an ihn, daß jene Herr^t verheiratet seien, die sie selbst durch eine Mittelsperson veranlaßt hallen, haben sie die Antwort erhallen, der Gesandte halte es nicht für notwendig, jeder deutschen Dame der Gesandtschaft feine Aufwartung zu machen. Beide Herren haben sich darauf an das Auswärtige Amt gewandt, das ihnen aber unrecht gegeben hat, worauf sie ihre Ablösung beantragt haben, die auch genehmigt sein soll. Nach Erkundigungen des Blottes cm maßgebender Stelle ist es in der Tat vor etwa 14 Tagen zu peinlichen Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern der Botschaft ße- kommen. Die Einzelheiten stehen aber noch nicht fest. Emc Ablösung der beiden Herren von ih.em Posten ist noch nicht erfolgt Daher könne wohl auch von einer eigenmächtigen Abreise, die der Sache Der Herren nur schaden könnte, keine Rede sein. Ter „Frkf. Ztg." wird aus Newyork telegraphiert: Auf Sternburgs VorsaMg wird der Stab der deutschen Botschaft reorganisiert, da anscheinend unter der Führung derGräfinLuadtdieTamengegendieBaronin Sternburg frondierten. Erstere verlangten. Letztere solle zuerst Besuch machen. TreyfuS in der französischen Kammer. In der französischen Kammer wies am 6. b. M.. der Sozialist Iaurös auf die zurzeit des Treyfus-Handels im General st ab unter Boisdeffre begangenen Fälschungen hin und sagte: Tie Nationalisten wagen es, u ns als eine Partei deS Auslandes zu bezeichnen, die Nationalisten, welche sich während des Treyfus-Handels auj einen gefälschten Bries mit der gefälschten Unterschrift Kaiser Wilhelms berufen haben. Iaures f-hct zum Beweise dafür, daß sich dieser gefälschte Bries in den Akten des vvenerolstobs befunden habe, ein Schreiben des Generals Pellieux an, worin dieser nach der Aussage deS F^llchc.- Henry se.ne TeMls^ion gab und sich schars über die lieber der verschiedene Ölungen aus» drückte. Brisson erhob sich bet diesen Worten und erklärte unter dem Beifall der Radikalen, daß Eavaignae, n Gründen für den Kan beraten, Gutsbesitzer Bein- Wahl-Bcwcgung. Q Ka sfel, 6. Aprll. Der tonservative Wahl- derein im Wahlkreise Kassel-Melsungen beschloß, bei der den Jahresbericht de8 Vorsitzenden, die Rechnungsablage des Rechners und den Bericht des Wohlfahrtsausschusses, sowie das Referat des Schriftleiters des »Hesiischen Kirchen dlatteS* ein Vortrag von Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann von Rodheim ,®iebt es einen Moralunterricht ohne Religionsunterricht?* und ein solcher von Pfarrer Hunzinger von Schafheim über den Vorsitz deS Geistlichen im Schulvorstand anschließen. Die Diskussion über letzteren wird von Dekan Wagner von Grünberg eingeleitet werden. Für die öffentliche Abendoersammlung mit offiziellen ^Begrüßungen, musikalischen Darbietungen 2c. sind ebenfalls zwei Vorträge vorgesehen; von Pfarrer Werner von Södel: »Der evangelische Pfarrsland als Träger der Kultur in Zeiten der Unkultur und des Elends* (Bilder aus dem 30jähr. Kriege mit besonderer Berücksichtigung HeffenS) und von Pfarrer Schrimpf von Hirzen- Hain: »Herbstliche Wanderungen im Land des GlaubenS- frühlings*. Ju der Versainmlung am 6. Mai, die bereits um 8 Uhr vormittags beginnt, werden die nötigen Wahlen oorgenommen und über die Themata: »Engere Verbindung der deutschen evangelischen Landeskirchen*, .Die rechtliche Stellung des Pfarrers* und »Seelsorge an Seelsorgern* referiert werden. Als Redner sind Pfarrer Wahl von Langen, Pfarrer Köhler von Rohrbach und Pfarrer Nies von Melbach in Aussicht genommen. Den Jahresbericht über die Hilfskaffe wird Pfarrer Stock von Sprendlingen L Rh., den über die Sterbekaffe Dekan Wagner von Grünberg erstatten. Ein gemeinsames Mittagessen im Hotel Trapp soll dann die Tagung beschließen. (»D. Ztg.*) -t- Rödgen, 6. April. Der Bürgermeister Jakob SteinII. hat sich dieser Tage, gelegentlich der Sezierung einer erkrankten Kuh auf der hiesigen Wasenmelsterei durch den Kreistlerarzt Schmidt aus Gießen, eine schwere und äußerst schmerzhafte Blutvergiftung an der linken Hand zugezogen. Roch an demselben Abend schwoll der ganze Arm heftig an und als in der Nacht die Schwellung immer stärker und die Schmerzen immer heftiger wurden, eilte Herr St. in Nacht und Nebel zu unserem Pfarrer, der in jungen Jahren auch Medizin studiert und sogar als einjähriger Arzt gedient hat, dieser vollzog sofort eine kurze Operation, die dem Patienten wesentliche Linderung verschaffte. Am andern Tage wurde der Großenbusecker Arzt zu Rate gezogen. Heute besindet sich Herr St. bereits auf dem Wege der Besserung. Honibürg, 6. April. Der König der Belgier ist heute nachmittag hier eingetroffen und reiste nach kurzem Aufenthalt nach Wiesbaden zurück. Vermischtes. •DHroroo, 6. April. Auf dem Schießstande des Infanterie-Regiments Nr. 155 wurde ein Musketier durch einen unglücklichen Schuß getötet. Derselbe war Anzeiger an der Scheibe und erhielt den Schuß in den Halswirbel, so daß er auf der Stelle tot zusammenbrach. • Zürich, 6. April. Bademeister Keller im Schwanen- Hotel in Baden (Aargau) stürzte im Zustande des Schlaf- wandelns von dem Dachsirst ab und war sofort tot • Smyrna, 6. April. Der wissenschaftlich e Begleiter der kaiserlichen Prinzen, Professor Kl eh men, wurde während eines Ausfluges der Prinzen von Smyrna nach den Ruinen von Milet von einem Pferde so unglücklich geschlagen, daß seine lieber» ührung von hier nach dem deutschen Hospital in Konstantinopel angeordnet wurde. * Das Schulschiff „Großherzogin Elisabeth* ist, wie auS Dover gemeldet wird, noch nicht an einem Kanalhafen gemeldet worden. Englische Marinebeamte erklärten, daß alle kürzlich eingetroffenen Schiffe über furchtbares Unwetter auf See berichtet haben. Viele Segel- chiffe und selbst Dampfer sind infolge des stürmischen Wetters mit großer Verspätung angelangt, Die Ansicht der Beamten geht dahin, daß auch die »Großherzogin Elisabeth* noch einige Tage überfällig sein wird. • Der Erfinder der Tüllspitze, auf welcher die ganze Plauen'sche Industrie beruht, Theodor Bichel,'ist heute, 65 Jahre alt, in Bozen in Tirol gestorben. • Der Musikkritiker der »PeterSb. Ztg.* schil- >ert in einer der letzten Nummern dieses Blattes mit großer Begeisterung ein Konzert der Moskauer Liedertafel. In der Kritik heißt cS u. a.: »Als das von Rubinstein komponirrte »Ucber allen Wipfeln ist Ruh* gesungen wurde, herrschte tm Saale eine solche Stille, daß man das Steigen der Blasen m den Champagnergläsern deutlich hören konnte . . .* Allen Respekt vor der Feinheit deS Gehörs dieses sektkundigen Rezensenten! • Der amerikanische Milliardär Carnegie soll eine bedeutende Summe zur Verfügung gestellt haben, um die Rehabilitierung des Generals Macdonald herbei- zufübren. Die Freunde Macdonalds versichern nämlich, daß derselbe vollständig unschuldig und daS Opfer von Verleumdungen geworden sei. Aus §tai)t und Land. Gießen, 7. April 1903. Empfänge bei Hof. S. K. H. der Groß Herzog empfingen am 5. April den Kgl. Großbritannischen Ge- chäftsträger Mr. Johnstone und am 6. April vormittags den Kgl. Preuß. Gesandten Prinzen zu Hohenlohe-Oehringen Durchlaucht, sowie deu Staatsminister Rothe. ** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 23 enthält 1. Gesetz, die Vormerkung »streitig* in den Grundbüchern der Provinz Rheinhessen beir.; 2. Gesetz, die Entmündigung wegen Verschwendung oder wegen Trunksucht betr. ** Den Besuchern des Philosophenwaldes l önnen wir die erfreuliche Nachricht machen, daß man sich in ihm jetzt wieder in der angenehmsten Weise ergehen kann und ihn nicht mehr, wie setther, stundenlang wegen deS auf die Dauer oft unleidlichen militärischen Trommelns und BlasenS zu meiden braucht. Dem Vernehmen nach hatte man ich aus den Kreisen unserer Bürgerschaft an den jetzigen Regimentskommandeur gewandt und ihn um Erlösung der Gießener Waldspaziergänger von dieser üblen Macht der Töne gebeten, von denen man mit Wilh. Busch sagen konnte: »Musik wird oftmals schwer empfunden, Weil meistens mit Geräusch verbunden.* Der Herr Oberst hat nun, wie wir hören, das TrvmmlerkorpS an eine andere Stelle gewiesen, und zwar nach der Schneise Anstand IX, wo eS niemand stören kann und e5 wird auch hoffentlich ür die Zukunft nicht mehr in die Nähe beS Philosophen- waldcS plaziert werden. Dem Herrn Oberst aber mag an dieser Stelle der Dank vieler Freunde des Philosophenwaldes ausgesprochen fein. •• Die Gießener Rudergesellschaft wird, ihrem rüHeren Beschliisse zufolge, nur alle zwei Jahre eine sportliche Veranstaltung zu unternehmen, die nächste Ruder- Regatta 1904 abhalten. — Dem Vernehmen nach soll auch bisher keine Neigung bestehen, auf dem Sportplatz an der Hardt in dieseni Jahre Radrennen zu veranstalten. Für die Hauptversammlung deS Evangelischen PfarrvereinS im Großherzogtum Hessen, die am 5. und 6. Mai im Hotel Trapp in Friedberg abgehalten werden soll, wurde folgendes Programm ausgestellt. In der Versammlung am Nachmittag des 5. Mai werden sich an Reichstagswahl aus t didaten derNatio Kunst und yjillrnfdjufL — Ctn । d) ön eS Honorar hat LudwigThoma, der Peter Schlemihl deZ ,6 i m p l i e i f f i m it 6* und ^nasser berauch in Gießen bekannten kleinen bramaiischen Scherze .Sie Lokalbahn* und »Tie Medaille* (Verlag von Alb. Langen in München), für den Abdruck feiner Bauemgcschlchle, »Tre Hochzeit" von der Redaktion der „Reuen Welt" verlangt. Er übmmeS nämlich den Betrag, den der Verlag ihm bot, einer armen 'llrbeüer- icimihe — eine warmherzige Handlungsweise, bie mehr Lohn in sich birgt, als viele Kartelllyriker zu fünfzig Pfennig die Zeile sich ihn fematf erdichten werden. Ausland. Stockholm, 6. Stpril. „AstvnBlodett* meldet aus Helsingfors: Der russische Kaiser unterzeicl-nete am 26. Mürz eine Kundgebung, nach der der Generalgou- verneur von Finland Bobrikiof berechtigt ist, wenn die Maßnahmen der finischen Behörden unausreichend erscheinen, aus eigene Verantwortlichkeit jeden ihm passenden Schritt zu unternehmen. Zugleich ist in der Kundgebung vorgeschrieben, daß der Generalgouver- neur als höck/ste Gewalt alter finischen Bhörden vetrachtvl Werde, mit Einschluß der kommunalen Behörden in Stadt und Land. Bobnkos erlangte hiermit, wi» bad Blau weiter meldet, die diktatorische Gewa.. über Finland, ver Damalige Krieg^m knister seines Kabinetts, istm diesen Brief niemals zur Kenntnis gebracht habe. Brisson wendet sich zu Cavaignac und ruft: „Sie verdienen in den An- Tlagezustand versetzt zu werden. Sie «gehören nicht mehr der Republik an." Cavaignac erwidert erregt, er habe damals seine Pflicht getan, ernster als Brisson zur Zeit des Panamaskandals. Vniverliläts Nachrichten. Die Technische Hochschule zu Tarmstadt hat aus einstimmigen Antrag sämtlicher Abteilungen durch Beschlug von Rektor und Großem Senat Sr. Excellenz dem Herrn Staatsminister Tr. Rothe, sowie Sr. Excellenz dem Herrn Finanzm mister Dr. Gnauth die Würde eines Doktor-Ingenieurs Ehrenhalber verliehen in Anerkennung der hohen Verdienste, die sich Ihre Excellen- zen durch das erfolgreiche warme (Eintreten für die Erweiterung der Hochschule um bie Forderung der technischen Wchenschasreu erworben haben. In der Erörterung über die evangelisch-theologischen Fakultäten im preußischen Herrenhause wurde regierunqs- scing auch erwähnt, daß nach Bon.» zur Zeu zwei positive Professoren berufen werden. Wie der »Rcichsbote* hort, ist der eine davon Professor Tr Ecke aus Königsberg, bekannt durch feine frühere Tätigkeit in Bremen als Diakomssengeistttcher und sein Werk über bie Ritschlsche Schule. deren Anwendung bereits begonnen hat, indem er den Ge- : meindevorstänben auf dem Lande und den Magistraten 1 in den Städten befahl, in jeder Landgemeinde einen, in jeber Stadtgemeinde drei der bei der vorjährigen Ausschreibung ausgebliebenen Wehrpflichtigen zu verhaften und nach Helsingsors schassen zu lassen, wo weiteres veranlaßt werden wird. Kopenhagen, 6. Aprils Der Landsthing nahm endgiltig den Gesetzentwurf an betr. Einführung der Einkommen- und Vermögenssteuer. Brest, 6. April. 200 Hafenarbeiter hielten gestern hier eine Versammlung ab. Nack Schluß derselben wurde ein vom Syndikat der Arbeiter verfaßter Bericht an den Marineminister gesandt, worin die Abschaffung jeglicher religiöser Autorität für die Mannschaft e nd e r M a r i n e verlangt und der Minister beglückwünscht wird, daß er den Posten des Marinepredigers abgeschafft hat. Lissabon, 6. April. Bei dem gestrigen Galadiner im königlichen Schlosse brachte König Carlos einen Trinkspruch auf König Eduard aus, in welchem er den König als seinen sehr teuren Alliierten anredete, auf die warme, althergebrachte Allianz zwischen Großbritannien und Portugal hinwics und erklärte, das portugiesische Volk wisse sehr wohl, ein wie großer loyaler Freund König Eduard stets für dasselbe war. König Eduard erwider te mit gleicher Herzlichkeit und sagte, die bewährte Allianz, die seit Jahrhunderten zwischen beiden Ländern bestehe, werde für alle Zeiten dauern. Petersburg, 6. April. In letzter Woche wurde hier eine neue umfangreiche Verschwörung entdeckt, die sich gegen dasLeben zweier Minister richtete. Ter Plan wurde rechtzeitig entdeckt und zahlreicheBer- Haftungen lieferten fast alle Komplizen in die Hände der Polizei. Heber die ganze Affäre wird sttengstes Stillschweigen beobachtet. B u k a r e st, 6. April. Die Kaufleute und Industriellen veranstalteten anläßlich der Aufhebung der Gemeindeauflagen zu Ehren des Finanzministers ein Bankett. Der Finanzminister hob in einem Trinkspruch hervor, daß die wirtschaftliche Lage sich nicht auf der Höhe der n ationalen Arbeit befindet und führte hierfür Gründe an, indem er sagte, das Land könne aus seiner Arbeit keinen Nutzen ziehen, weil es jährlich 300 Mill, für eingeführte Waren und 80 Millionen an Zin- I en für auswärtige Schuld zahlen müsse. Es müsse daher die nationale Industrie und die nationale Arbeit durch Zölle geschützt werden. Jedoch dürfe der Zollsatz kein übertriebener sein, weil er sonst den Fortschritt hindern und die Indolenz ermutigen würde. Pera, 6. April. Gestern mittag trafen der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich unter dem Salut >er Geschütze in den Dardanellen ein und wurden dort im Namen des Sultans vom Zeremonienmeister Ghalib Bey, von v. Kamphoevener Pascha, ferner vom türkischen Ehrendienst unter Führung Turkhan Paschas und von dem kaiserlichen Geschäftsträger Frhrn. v. Wangenheim begrüßt. Heute morgen trafen die Prinzen vor Dolma Bagdsche ein und wurden durch den Prinzen Burhaneddin Effenoi an Bord willkommen geheißen und bei der Landung von den Mitgliedern der kaiserlichen Botschaft, des Generalkonsulats und den deutschen Offizieren und Beamten, die in türkischen Diensten stehen, empfangen. Sodann empfing der Sultan im Yildizpalais den Besuch der Prinzen und erwiderte ihn alsbald im Maraszim- Kiosk, wo die Prinzen mit ihrem Gefolge Wohnung genommen haben. Der Sultan begrüßte seine Gäste in liebenswürdigster Weise und Verweilte längere Zeit bei ihnen in angeregtem Gespräch Es folgte ein Frühstück bei den kaiserlichen Prinzen, an dem außer dem Gefolge der türkische Ehrendienst und die Mitglieder der kaiserlichen Botschaft teilnahmen. Milwaukee, 6. April. Während einer Festlichkett im hiesigen deutschenKlub übernahm Präsident Roose- vell das Präsidium selbst und leitete die Gesänge, bis der Präsident des Klubs wieder den Vorsitz übernahm und das Gaudeamus igitur an stimmen ließ. Präsident Roosevelt verließ die Festlichkeit erst, nachdem er wiederholt erinnert worden war, daß er noch anderen Verpflichtungen Nachkommen müsse. Deutsches Deich. Berlin, 6. 2ftwil. Man meldet aus Kiel: Die Jacht ^ohenzollem" mit dem Kaiser an Bord ist heute nach- toiittag gegen 4 Uhr, gefolgt vom Keinen Kreuzer „Nymphe" und dem Depeschenboot „Sleipner" hier wieder eingetroffen. Beim Passieren der Schiffe des ersten Geschwaders paradierten Die Mannschaften dieser Schiffe und brachten HurrahS aus. Der Kaiser, welcher heute abend bei dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich das Diner einnahm, gedenkt bis morgen mittag an Bord der „Hohenzollern" hier zu verbleiben. — Einer Kopenhagener Depesche zufolge wurden bei der gestrigen königlichen Tafel zwischen den beiden Monarchen kurze Trinksprüche gewechselt. Der Kaiser dankte herzlich für den angenehmen Aufenthalt und äußerte, er habe sich so wohl gefühlt, daß er, wenn möglich, im Sommer Kopenhagen wieder besuchen werde. Später wiederholte der Kaiser, daß der Kopenhagener Besuch ihm unvergeßlich bleiben werde und sprach fick über die dänische Hauptstadt und ihre Institutionen sehr begeistert aus. Den Armen Kopenhagens über» wies der Kaiser 5000 Kronen. Das Hofpersonal erhielt, zahlreiche sehr wertvolle Geschenke. — Aus London wird berichtet, daß der Kaiser im Sommer wahrscheinlich Mit König Eduard und dem Zaren in Fre- densborg zusammen treff en werde. (??) — Wie aus Rom telegraphiert wird, ist am italienischen Hofe die Nachricht eingetroffen, daß sich im Gefolge des deutschen Kaisers auch Graf Walderfee befinden werde. — Die Erbprinzessin von Sachfen-Al ten- fcurg ist heute früh in Potsdam von einer Prinzes sin entbunden worden. — Dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen, Sohn des Prinzen Friedrich Leopold, wurde anläßlich seines 10. Geburtstages der Schwarze Adler- vrden verliehen. Gleichzeitig wurde der Prinz zum Leutnant im L Garderegiment z. F. ernannt. — Der Kriegsmini st er macht im „Reichsanz." tteuerdings bekannt, daß es den Unteroffizieren und Mannschaften verboten ist, sich mit dem Vertriebe von Druckwerken innerhalb der Truppenteile zu befassen. — Der Chefredakteur der „Nat.-Ztg.", Köbner, ist gestern abend gestorben. — Nach den „Berl. Pol. Nachr." nahm der Bundesrat Aenderungen an den Ausführungsbest immun g en zum Tabak st euer ge setz vor. Magdeburg, 6. April. Die von der hiesigen Sozialdemokratie auch in diesem Jahre bei der Polizei nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung eines Umzuges am 1. 9JI ai wurde vom Polizeipräsidium unter Hinweis auf die §§ 9 und 10 der Verordnung vom 1L Mai 1850 wiederum verweigert. Stuttgart, 6. April. Heute früh ist in Donsdorf die Gräfin Walpurga v. Rechberg-Rothenlöwen, ältestes Mitglied des württemoergischen standesherrlichen Adels, die Mutter des Präsidenten der Kammer der Stan- desherren, 94 Jahre alt, gestorben. München, 6. April. Unter Vorsitz des Ministers Frhrn. v. Feilitzsch und in Anwesenheit des Reichskommissars für die Weltausstellung in Saint Louis fand gestern im Ministerium des Innern eine Besprechung von Vertretern des bayrischen Kunstgewerbes über die Beteiligung an der Weltausstellung statt. Schließlich wurde eine Kommission gebildet, toeldje zusammen mit dem bayrischen Kunstgewerbeverein sofort die nötigen Vorbereitungen zu einer lebhaften Beteiligung des bayrischen Kunstgewerbes an der Weltausstellung treffen soll. Hauer, einzutreten. Eine starke Minderhett, darunter der Vereinsvorsitzende v. Löbbecke, sprach sich für ein Zusammengehen mit den Deutschsozialen aus. Herr von Löbbecke legte nach der Beschlußfassung sein Amt als Vereinsvorschender nieder. Eine Vertrauensmänner-Ver- sammlung des Bundes der Landwirte, die dann gestern in Guntershausen stattfand, erhob den Kandidaten der Deutschsozialen, Amtsrichter Sattmann, auf das Schild. Im 3. nassauischen Reichstagswahlkreise wurde vom Bund derLand wirte der Gutsbesitzer Wilhelm Brand- Netzbach als Kandidat aufgeftclU. Eine s a ft unbegreifliche Wahllauheit — so lesen wir in dem bündlenschen Organ, der „Deutsch. Tagesztg." — herrsche jetzt leider Gottes ohnehin. Diese Lauheit würbe noch gesteigert durch Mischmasch-Kandidaten, welche man hier und da präsentiere. Die große Menge der Wähler verlange einen Mann, und ein klares festes Bekenntnis, keinen eigenartlosen und rückgratlosen Mische maschpvlitiker. Kirche und Schule. Rom, 6. 2lpril. Heute Dormittag wurden die Der- kiner Lehrer und Lehrerinnen, die sich zu einer Rom-Pilgerfahrt vereinigt hatten und bie Vertreterinnen bes deutschen Leyrerinnen-DerbarrbeS vom Papst empfangen. Er erwibertc aus die Ansprache deS Führers und gab seiner Freude über ihr Erscheinen Ausdruck, dankte und segnete die Lehrpersonen und bie ihnen unterstellten Schulltnber. Sodann wurden alle zum Handkuß zugelassen. GerMssaal. ff ronff urt a. 9JL, 6. April. Ter SOjäfirige verheiratete Vuchballer Albert Wendland, der im August 1901 mit 50000 ML burd)brannte und sich Ende Februar fretroiUig stellte, nachdem er bie ganze Lumme mit einer Time verpraßt batte, wurde von der Straskammer ,u 6 fahren (Befängnii und bie Time wegen ^ehleret en wider bad leimende. Leben begangen zu haben, inhaitierte Assistenzarzt Dr.' Bamberg auS Oranienburg ist sceigelasscn worden, ba bie DeweiSaufncchmc fein belastendes l’uiurial zutage ge, fördert hat. Swinemünde, 7. April. Hier erschoß sich der. Generalmajor z. D. v. Below, zuletzt Kommaitbank von Küstrin, in ber Plantage. Er hinterlaßt eine Witwe mit vier Kindern. Die Urfadje ist in Schwerutut infolge eines inneren Leidens zu suchen. Karlsruhe, 7. April. Von angeblich gut unter* richtetet: Seite nnrb gemeldet, daß dte badische und bayrische Regierung sich für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes ausgesprochen haben. (?) Konstantinopel, 6. April. Ter deutsche Kron^ prinz und Prinz Eitel Friedrich statteten heutü nachmittag der Gemahlin des Botschafters Frhrn. Marschall v. Bieberstein einen Besuch ab und unternahmen hierauf: eine Spazierfahrt. Am Abend fand ein Tiner auf der Bvt^ schäft statt, dem sich ein Empfang der in türkischen Diensten stehenden deutschen Offiziere, Beamten und Vtotabeln bei* deutschen Kolonie anschloß. Der Sultan verlieh den Prinzen: bie goldene Medaille in neuer Prägung, welche zur innerung an den Besuch des Kaisers gestiftet wurde. Das frische Aussehen ber Prinzen beweist, baß sie von bem Unwohlsein sich vollkommen wieder erholt haben. Telephonischer Kursbericht« >FHnklart ». 31M 7. April 19u8. 8*/ie/g ReichB&nleibe . , 102.95 8n/o do. ... 92.45 8‘/,e/o Konsole .... 102.80 8°/o do......92.35 8‘/i°/o Hessen .... 101 50 B‘/jM Oberbeesen . . . 100.20 494 Oesterr. Goldrente . . 104.15 V/tH Oesterr. bilberrente 101J0 4% Unger. Goldrente, . . 102.70 4% Italien. Bente . . . 103.25 4*/,% Portugiesen . , . 60JO 8% Portugiesen. .... 81.60 1 % C. Türken . ... 81 50 Türkenlose......180.20 4% Gneoh. Monopol.-AnL 44.80 4‘/,% äussere Argentiner —.— 8-Vo Mexikaner .... 25.90 41/sVo Chinesen .... 98.10 Electric, bctuckert . . . 100.70 Nordd. Lloyd . . . . 97.40 Kreditaktien.....212.40 Diskonto-Kommandlt. . , 190.90 Darmstädter Bank . . . 140.90 Dresdener Bank .... 148.25 Beniner Handelsges. . . 158.70 Oesterr. btaatebahn . . . 148.00 Lombarden . . . , . 14.30 Gottüara bahn ..... 191.80 Lauraiiütte ...... 223.50 Bochum ....... 192.50 Harpener ...... 18Ö20 lendens: schwächer. Dr. W. Knecht’s Magenbitter „SÄNTIS“ ist bei Magen- und Darmbeschwerden das vorzüglichste und unentbehrlichste Hausmittel. Probeflasche 1 M. Tas Wohlbefinden des KindeS wirb nur zu häufig durch Hautaffeklionen, Wundfein, Pusteln u. f. w. gestört. 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