Samstag, 7. März 1903 153. Iahrg. tr-§ Material den Regierungen gegenwärtig noch keinen Anlaß grbt, in Form einer Novelle dem Reichstage eine Kontingentirung beS Ann foll eine neue Versteuerung bc3 Verbrauchs eintreten durch die Kontingentirung! DaS würbe auf jeden Fall ben Verbrauch wieber --um Sinken bringen Ick bin entschieden dagegen, daß man io auf Umwegen eine neue Belastung de» KonimnS herbeiführt. ..evrifi’- daß auch in den erwähnten Bestimmungen lediglich der AnSfli.ß einer großen Nackgiebigkeii der Staatsgewalt gegenüber i'»’,। ?.fnff-n.-rc" der römischen Hierarchie und der sie deckenden poli- tisch.'N r zanisation h ■ b ntrnms rn erblicken sei. (Lacken im (fentiyir.?j Namentlich in letzter Zeit ist in Folge der unglücklichen dats entspreche Begründet wird biefer Standpunkt damit, daß die Lehren der Kirche nur die Kirche selbst feststelle, unb daß das nickt Sacke des Staate» sei Em kleiner Theil deS Klerus mag wohl auch auf dem Standpunkte stehen, daß die staatlich angestellten Professoren moderne Freigeister seien, ober, daß der Srudent, wenn er die Universität beftiche, stch mehr als freier Bursche fühlen werde, jektes würde eine Umgebung der Brüsseler Konvention sein Die österreichische Industrie wird keinen Voriheil von der Kontingentirung haben, das merkt sie jestt schon. Der Carmcrscke Vorschlag widerspricht auch der ganzen T-ndcnz der d-nstscken Gef-ngcb'.in.' I Standpunkte muß doch Es giebt eine aroße Zahl von Katholiken, die den Standpunkt vertreten, daß die bischöflichen S-minarien. wie sie augenblicklich in Metz und Straßburg belieben, bie einzigen -uverlässigen Anstalten für die Vorbildung des Klerus feien, und daß mich nur eine solche Vorbildung den Bestimmungen des Tridentinums und des Konkor- , .. - .. em f,r - , des Auslandes geschützt war. Denn wenn man durch staatliche lontingcnhrung nack osterretchi,chem Mirster empfohlen. Verhören b(,n Inlandspreis um 4,80 Mar? hebt, bat dock ber Schutz- ... 'S .'cke Kieru.' der sich auch nicht durch Tcutschenfteundlichkeit ausgezeichnet bat. Trotzdem ist der Schritt nur ein sehr kleiner, ui i das Seminar bleie: bestehen, es verzichtet nur auf die wissen- sch,st'liehe Ausbildung der Studirenden, die sonstige Ausbildung leibt ihm erhalten. Eher einverstanden wäre ich schon mit der Errichtung der Fakultät, wenn sie auf denselben Grundlagen be» 11 - wie bi lailwi'ifchen Fakultäten in Breslau, Bonn und Münster. ' iese Grundlage für Straßburg ist aber eine ganz andere. Die Fakultäten in Br--lau, Bonn und Münster beruhen auf Statuten, die vom preußischen König erlassen sind, die Fakultät in Strah- bura aber beruht auf einem Vertrage mit der römischen Kurie. DaS ist ein großer Unterschied. Ich bebaute es, daß man in diesem Falle mit Rom verhandelt hat, statt die staatliche Machtvollkommenheit zu benützen. (Lachen im Centrum.) Die katholische Fakultät in Straßburg ist unter Bedingungen errichtet, welche Jurisdiktion imb Autorität des Bischofs unb auch die des Papstes über die Fakultät sicher stellt. Tie Professoren werden nach vorhergehendem Einvernehmen mit dem Bischof ernannt, der Bischof hat das Recht, ste zu maßregeln und sogar ihre Entfernung au5 dem Amte zu bewirken. Wird durch die kirchliche Behörde der Nachweis erbrächt, daß ein Professor wegen mangelnder Rechtgläubigkeit oder gröblicher Verstoße als unfähig zum Lehramt anzusehen, so ist er zu entfernen. Der Bischof hat also eigentlich das Recht der Entsetzung der Professoren, wenn er sie auch nicht ihres Gehalts und Tit-lS berauben kann. Hierin liegt unzweifelhaft ein weiteres Zu- rückweicheu der Staatsgelralt gegenüber den Anforderungen der : ömisckeu stircku Meine Frage an den Reichskanzler ist nun die: mfb r- die Rcgi.'run in der Wahrung der staatlichen Rechte hcrarf zurückgewickeu.' — Ick wende mich nicht gegen die Errich- einer s.-icken Fakultät überhaupt, sondern gegen die Art und Bruchtheil eines Postpackets betragen. Ein Händler war aller- .. ... .... — dings so unvorsickrig, sich noch 500 Kilo hinzulegen, was also einem als als Anwärter für den ernsten Beruf eines Geistlichen. Ich Werth von 2500 Tovvel-emnern Zucker entspricht Wcaen solch 1 meine aber, päpstlicher als der Papst braucht kein Katholik zu sein, einer Unvorsichtigkeit bas Gesetz entgegen —— °°—-r—x ' —*• clj. v... «- ■ #.. %. intrepretiren, das geht dock nicki an. D gen zum Süß'tofsgcsetz .r-rben übrigens aewstsen. England Mt Alle? für erlaubt, was in der Kon ^hne abschövken: gerade die kleinen RüberckM.ern würden die vention nicht miSdruckllck verboten ist. Warum sollen wir ander? ~ Zuckerindusrrie konkurrenzfähig zu erhalten. Der richtige Zest- punkt ist jetzt dazu gekommen. Am besten würde wohl eine.Kon- ! ^urm ctnc ,uia.c oluullHyiUktcultulll1 uuu, U. hngeiihrung helfen Wrr haben noch ,',ert genug, sie ^'etzftch .^utfer ailfgebo6cn, durch den unsere Industrie gegen die Konkurrenz festzulegen. Der deutsche Landwrrtb,chaftsrath hat bte Dovvel- M - v - - verfahren? Ich halte es also, für nothwcndig, dA am 1. Sep- ^^igsten in der Lage. Noch ein neues Gesetz zu macken. Ich bitte ember ein KonnngentrrrmgSgeseh bet uns in Kraft tritt. daher, von allen Versuchen nach dieser Richtung abzusehen. Staatssekretär Frhr. v. Thielmann: Ich bin dem Vorredner bankbar, daß er seine Frage so prä-ise gestellt hat. DaS erleichw'-t mir die Antwort. Es ist in der Denkschrift ,:n dem Gesetz- vc! die Brüsielcr Konvention allerdings suac’agt, daß die Regier'.: -' in eine Prüfung der neuen Verhältnisse eintreten IrnHe, ob sie rme Kontingentirimg oder andere Mahnasnnen nothwendig mack^. n ,jnfn derartigen Abänderungsversi.ch. ES war ja gei..." der Die Konvention ist aber dock nock nickt in Kraft getreten, "nd so, ^ck der Zuckerkonvention, zu er'-ricken, baß kein Srgar vor dem haben d,e Regierungen bisher nur ans Grund MatermlS ar-- ^^rn etwa? vorauShaben foll. Drwck doS Österreickiscke Sv'tem beiten können, das beim Abw'lus'e der .K^nvuitioii bereit- vor Regierungen gefordert, jie sollten eine Doppelkontingeiftiriing ber Raffinerien unb RoHzuckerfabriken nach Maßgabe des österreichischen Gesetzes emleitcn. Wer fordert daS von ims? Ist e5 die ge- sammic Zuckerindustrie? Nein, ein Theil der Zuckerfabriken, eS wird gesagt 80, stehen außerhalb dieses Bundes. Gerade in den letzten Tagen und Wochen sind mir bittere Beschwerden darüber zugegangen, daß der Dorstaiid des Vereins der deutschen Zucker- industriellen mit seinem Anträge auf Einführung der österreichischen Doppelkontingentirung aus eigener Machtvollkommenheit vorgegangen sei, ohne sich mit der Industrie vorher eingehend inS Benehmen gesetzt zu haben. (Hörtl hört!) Ich führe ferner an, daß, wenn her deutsche Landwirtbschaftsratb vor .Kurzem be- i'chloi'sen hat, den Regierungen die Dovvelkonftngentirung zu empfehlen, er in derselben Sitzung beschlossen hat, die St-gicrungen auch darauf hinzuweistn, daß bei dem gegenwärtigen Stande der Zuckerindustrie die Erhebung irgend welcher Zikckersteuer ein Unding fei. Daß diese Dünsche brr Jnterenenten, namentlich der letztgenannten. ehrlich gemeint sind, glaube ich gern. Die Aufhebung jeder Znckersteuer würde zweifellos die Industrie förbern. Sie wissen aber auch, daß wir gegenwärtig nickt mft Utopien rechnen können Im Reichstage haben 114 Abieordnete für und 194 gegen die Kontingentirung gestimmt. Die Linke hat geschlossen big-g-n gestimmt, aber cs haben doch auch Männer, deren freundliche Gesinnung geaenüber de. Lanbwirthschaft Sic nicht in Zweifel ziehen werden, dagegen gcirinuni, 3. B. Graf Bernstorff, Fürst Bismarck. Dr v. ssimiierowski, Graf Schwerin-Lowitz, Srm'dv u. A. Graf Schwerin-Lowitz har sich in der Debatte, die der Abstimmung vorher- ging, sehr scharf gegen die Kontingentirung ausgesprochen, und wenn die Zeitungsberichte zutreften, bann Bai er das auch in der letzten Sitzung des Landwirthschaftsrothes gethan. Also, wenn ich die Frage wiederhole: Wer verlangt die Kontingentiruna?, so komme ich zu der Ansicht: ein Theil der Zuckerindustriellen unb zwar vor- Entschäbigung bei bem Saccharin-Gci'etz geregelt werben sollte. Es wiegend die Raffineure. Die österreichische Tovvelkontrngentirung! sei misdrücklich zugesagt worden, daß die Entschädigung eine cm- bcschränkt nicht bie Produttion, sondern den Verbrauch, indem sie ständige und an-cmeffme fein sollte, er hoffe, daß bie Ent- bic Regierung ermächtigt, in einem gewissen Zeitraum d-njeniaen schädirnrng mich in biefer Weise geregelt werde. Abg. Graf Germer (kons.): Ich möchte die Regierung fragen, ■ iir.tnn ... m.x,n MS ft- ÜU t6im um nach Jnk^tk-t-n dn B-iift-I-r ' D 0 -lib: meiner Neberi-uaung nach »er. 3ujerlonb.ni.on 3uta.njufc>. rrtrnäW^ jn er, X Kontinaentirung nach öi.erreichischem Muster g-aeu bie S»1'”6«;. 6 : Conbention. j-denfaft? Se«en deren Geist. Unser, gutert-bri-en d-r Vruft.ler Kanbenfton die ZuckerbraMen in Wegfaft k-mmcn b s 1 cinc flontrngemirung auch niebt. Man täusch! unb ber Unterschmd Mstch-n Bott unb «teuer der fogenn.mte d mclI1 grau6t. dadurch unserer Zuckerindustrie ein. l?- de-n b^h-r d,e Pram'.n ge»°Ut wurden. ftnN b°n ^ucrn6c Hilf, gMäftr.n ,u Tonnen. Ti. Zuckerindustrie ftat itc.8 BO MI. auf 4,80 KI. Tw armofimc. daft bon ben Ausfuftr- Ermäßigura der Znck.rst.u-r bedangt, um den inneren pram,-n nur dw Zabmlen Vorcheil haben Ui irrig; di. Fabriken m ftärlen. dar. -in: Erhebung bei «enfur-S «Wat. theilen den Vorthcil mit der Landwirthschoft. In Folge dessen n toärrrrb Graf Carmer gerade 'll'eife, !ric iie hi-: erfolgt ist. Ich habe alle Veranlassung zu n? Pr-A- fi'ir das Inland die ' Frage. »re>l V- weiten Vireisen der Bevölkerung die Meinung nonringeutirung, die mit dem 31. August ihr Ende erreicht. österreichische Kontingentirung enthält ein ausdrückliches Verbot der ' .. . . „ ....... Gründung neuer Zuckerfabriken im Umkreise von 100 .Kilometer um höre nicht in das Gebiet des R.ickSsckM?amtes. sondern in das des jede bestehende Fabrik. Im Norden und besonders im Nordosten Ncichsamls des Innern. Im Uebrigen unterstützt er die An- Deutschlands giebt es keinen Punkt, der nicht weniger als 100 Kilo regung des Abg. Hermes. E? wäre wohl zu empfehlen, daß man 7 ' ' ' . Das österreichische System, den Händlern gestatten solle, ihre Vorräthc über den 1. April 1903 ~ " i hinaus auszuverkaufen. Parlamentarische PerhanSlniiiie». 'achdruck ohne Vereinbarung nicht gcstal Deutscher Ncichstaq. 275. Sitzung vom 6. März. 1 Uhr. Das Haus ist sehr schwach bescht. Am BundeSrathStisch: Frhr. o. Thielmann u. 2L Aus der Tagesordnung steht die zweite Bcrathung des des R e i ch S f ch a tz a m t s. Die Berathung beginnt beim „Staatssekretär". und damit auch des . ' Y* l YYY'^) Z, YY\a > «• 2 ^obl eine gewisse Legitimation, dem Vorredner zu antworten. Ich ... österreichische Gesetz-Or -paasche lnar.^. o.l w ck: i,ck gleichfall.' dafür aus. f$ue um f0 Heber, als der hier behandelte Gegenstand in gcbung geht aber noch erheblich schärfer vor, als unsere bisherige das Reich in der Enrschat.im,ngs rage nch reckt anständig zeigen Unfr über seine Grenzen hinaus lebhafte Erörterung 6t 6nbc .rrridbt. Di. Sw OHcrn wüt mor :d. Hat«, b-tm-iben. _ g-fmü>-n und statk. Waa.n auigdbors-n bat ~-------- - Schatzsekretär Frhr. von Tbielmann: Tie Händler sind seit damit der Landwirtbschaft gedient wäre, diese Frage werden L'c; Jahren gewarnt, feine großen Quantitäten vorräthig zu haften, sick Wohl selber beantworten können. Es ist hervorgehoben worden ; Tas Gci'cn ist bereit? feit 9 Monaten pubfiiirt. Bei den meisten daß, wenn wir keine Kontingentirung cinfübren Oc't-crrcick uns Händlern werden dic Vorräthe am 1. April nur einen kleinen i feinem Vorlaut zu, und nachdem Rom gesprochen hat und sich mit der Errichtung der A'.isführungsl - rnmun- ' rnfultät einverstanden erklärt fiat, ist es überftüssig, von katfio- rtr ReiÄsta Laufe lisckcr Seite Bedenftn zu erheben, denn auf dem jeder Katholik stehen, daß die kirchlichen Interessen in den Händen der Kurie am besten aufgehoben uni gewahrt sind. Tie alldeutsche katholische Presse hat unfern Plan, die Falultäi in Straßburg zu errichten, von '.'Infang an toirffam unterstützt. Sie ging davon au5, daß cs nur öantbar •ju begrüßen fei, wenn eine liefere wissenschaftliche Bildung des ötlerus herbeigesuhrl werde, und auch weile andere katholische Streife, die die X'agc in Straßburg kannien, sranden dem Piane woyi wollend gegenüber. Mer das Wohlwollen der Presse war nicht allgemein. Biele Blätter sahen in unserem Vorgehen eine Kapitulation der deutschen Regierung von dem römischen Stuhle, und in der (Srridjtung der Fakultät einen Sieg Roms über den Staat. Derartige Ausführungen sind denn doch starke Extravaganzen — (Lebhafter Widerspruch links), im Grunde genommen nur hohle Phrasen. (Lachen und Widerspruch links.) In Elsaß-Lothringen meinr man, daß die Kirche zu viel nachgegeben habe, und in Alt- deutschlanö macht man dem Staate denselben Vorwurf; und unsere intimsten Gegner im Jnlande und Auslande agitiren und säen Unfrieden. Ich meine hieraus gerade den Schluß ziehen zu sollen, daß die Negierung auf dem richtigen Wege war. (Lachen links.) Seit der Begründung der Universität Straßburg ist die Errichtung der katholischen Fakultät der wichtigste Schritt von durchschlagender Bedeutung, erst hierdurch wird die Straßburger Universität zu eindr wirklichen Universitas Htterarum. Es ist die Vollendung der Organisation der Universität, die nach dem Kriege von 1870 unter dem Beifall von ganz Deutschland gegründet worden ist; sie soll Straßburg ebenbürtig machen den Schwesteruniversitäten, die bereits im Besitze katholischer Lehrstühle sind. Und was die Stu- direnden anlangt, so soll sie dieser Lehrstuhl in innigere Beziehungen zu dem deutschen wissenschaftlichen Wesen und der deutschen Wissenschaft überhaupt bringen, als es bei der Abgeschlossenheit der Seminare möglich ist, und dies soll den Studirenden wesentlich dadurch erleichtert werden, daß ihnen der Unterricht ertheilt wird von Professoren, deren deutsche Gesinnung ebenso allgemein anerkannt ist, wie ihre hervorragende wissenschaftliche Bedeutung. Die politische Bedeutung einer solchen Fakultät ist nicht erst in jüngster Zeit erkannt worden; kein geringerer als Fürst Bismarck war es, welcher den Grundsatz aufstellte: Nach Straßburg gehört eine paritätische Universität. Auf katholischer Seite machte sich die Sache aber insofern schwieriger, als die Ausbildung der jungen Theologen auf den Vorbildungsanstalten nach einem anderen System erfolgt, als bei uns auf den Gymnasien. Es mußte daher zunächst eine Umgestaltung der Vorbildungsanstalten erfolgen. Es ist ja nun gar feine Frage, daß der Staat das Recht und /He Pflicht habe, Universitäten und Fakultäten zu gründen, wo er es für nöthig halte; aber ein autonomes Vorgehen in diesem Falle wäre vollständig verfehlt gewesen, es hätte das Mißtrauen des ganzen Landes erregt, man hätte die jungen Theologen nicht nach Sttaßburg geschickt, und die Fakultät würde vielleicht schließlich nur Professoren, aber keine Hörer gehabt haben. Wir mußten deshalb ein Abkommen mit dem römischen Stuhle treffen, und wir freuen uns, daß es zu Stande gekommen ist. Es sind die Interessen beider Theile gewahrt worden, und deshalb konnte der Reichskanzler sagen: Wir haben ein gutes Abkommen getroffen. Die Stellung, welche die Fakultät cinnimmi, entspricht durchaus den in der Ka- binetsordre Friedrichs II. für die übrigen drei katholischen Fakultäten aufgestellten Grundsätzen. Es handelt sich also hier um die Fortsetzung einer Politik nicht nur des großen Reichskanzlers, sondern auch des großen Preußenkönigs. Was dem Scharfblicke Friedrichs II. zur Wahrung der staatlichen Rechte genügte, kann uns heute auch noch genügen. In Preußen hat der Bischof das Recht, einen vorgeschlagenen Professor abzulehnen; in Elsaß-Lothringen darf ein Professor nur vorgeschlagen werden im Einverständniß mit dem Bischof. Ist die Form aber auch verschieden, so ist die Wirkung ganz unzweifelhaft dieselbe. Ja, die Straßburger Form scheint mir dem Staate noch mehr zu geben, als die preußische. (Heiterkeit bei den Nat.- Lib.j Ganz ausgeschlossen ist, wie hier unb da befürchtet wurde, die zwangsweise Entfernung eines Professors aus seinem Amt auf Verlangen des Bischofs. Nach elsaß-lothringischem Staatsrecht darf ein Professor nur auf dem Wege des Disziplinarverfahrens entfernt werden. Wie man die Sache auch cu.'fassen mag, die katholische Fakultät kann — die ängstlichen Gemüther mögen sich beruhigen — uns keinesfalls etwas schaden, sie wird ein gutes Mittel fein, unsere Absichten in Elsaß-Lothringen durchzuführen. Sie wird nicht nur ein Hort der Wissenschaft, sondern auch eine Hochburg deutscher Kultur im Elsaß werden. Abg. Dr. Spahn (Centr., schwer verständlich): Wenn wir die 400 000 Mark bewilligen, können wir auch verlangen, daß uns die Akten über die Vorgänge vorher zugänglich gemacht werden. Wir verlangen nach keiner Seite hin Nachgiebigkeit, wir verlangen nur Recht und Gerechtigkeit. Wir begrüßen es mit Freuden, daß der ertrag zwischen dem Reich und der Kurie zu Stande gekommen ist. In dem Moment, wo der elsässische Klerus sicht, daß man nicht die Absicht hat, ihm Leute aufzudrängen, die seinen Anschauungen entgegenstehcn, ist jeder Widerstand beseitigt, wird ein volles Vertrauen in bet elsässischen Bevölkerung Platz greifen. Das elsässische Volk ist leicht zugänglich; cs verlangt nur eine taktvolle Behandlung, man darf ihm nicht mit Burcaukratismus entgegentreten. Und daher habe ich den Wunsch, daß bei der Besetzung der Lehrstühle mit Vorsicht und Takt borgegangen wird. Redner po- lemisirt gegen einzelne Ausführungen des Abg. Dr. Sattler, bleibt aber im Zusammenhang unverständlich. Er scheint den Staatssekretär Rampolla zu vertheidigen, und zu bestreiten, daß dieser in seiner Fran--.senfeeundlichkeit dem deutschen Reich gegenüber sich animos verhalten hätte. Was den Trierer Schulfall betreffe, so möge Dr. Sattler nicht vergessen, daß in Trier sowohl die Regierung, wie die Schulau fsichlsbehörde ihre Pflicht verabsäumt haben. Uebrigens, wenn man schon von Nachgiebigkeit sprechen wolle, so doch mit größerem R-cht von einer Nachgiebigkeit der Äuric, als von einer Nachgiebigkeit der Regierung. (Lachen.) Schatzsekret’ir Frhr. v. Thiclmann: Sie können von mir nicht erwarten, daß ich auf die materielle Seite der Sache eingehe. Nachdem aber Herr Dr. Spahn die formelle Seite angezogen und art die Forderung der 400 000 Mark den Vorwurf geknüpft hat, daß das Reichsswanamt diesem Titel eine Denkschrift nicht beige- legt habe, so möchte ich ihm Folgendes erwidern: Tie Forderung der 400 000 MaR für die Universität Sttaßburg ist älter, als das Reichsschatzamr. i Heiterkeit.) Sie findet sich bereits feil dem Jahre 1873, das Reichsschatzamt ist aber erst 1879 ins Leben gerufen worden. Für mich ist dies eine rein finanzielle Angelegenheit. Ich stelle in jeden Etat 400 000 Mark für die Universität Straßburg ein, ohne auch nur zu erfahren, was die Universität damit macht. (Heiterkeit.) Die Universität ist in ihrer Verwaltung durchaus selbständig; sie kann die Ausgaben so machen, wie sie will; das ändert sich natürlich auch nicht nach der Gründung der katholischen Fakultät. Für die Reichsfinanzverwaltung lag kein Anlaß vor, dieser Angelegenheit eine besondere Bedeutung betzulegen, und darüber eine besondere Denkschrift herauszugeben. Abg. Schrader (freif. Vgg.) meint, daß das Geschäft, das in Sttaßburg gemacht sei, ein gutes für die Kurie und das denkbar schlechteste für das deutsche Reich gewesen sei. Vergleiche aus früherer Zeit, etwa aus der Zeit Friedrichs des Großen, kann man hier gar nicht mit Berechtigung anführen, damals waren doch ganz andere Zeiten und Verhältnisse. Die Fakultät in Straßburg ist wohl eine Staatsanstalt, aber nur in einem Punkte, der Staat bezahlt sic. (Heiterkeit.) Sonst hat der Staat nur sehr wenig zu sagen. Die Kurie ist jcderzctt befugt, einen Professor zu entfernen, der nur in einem Punkte von der katholischen Lehre abwcicht. Dies ist auch schon früher geschehen, denken eie an Professor Scheller. Daß wir das nicht freie Forschung nennen können, können Sie uns nicht verdenken. Tic Sttaßburger Fakultät ist nichts Anderes, als eine Ausdehnung des bischöflichen Seminars. Irgend ein greifbarer Vortheil für das deutsche Reich kann dadurch nicht entstehen. Ebenso wenig vermag ich einzusehen, daß die katholische Fakultät für Elsaß- Lothringen von besonderer Bedeutung ist. Eine Stätte freier For fchung ist sie schwel lich, da sie einer gebundenen Marschroute folgt. Tic katholische Kirche wird immer intoleranter; es ist jetzt schon so weit gekommen, daß kein Kacholtt mehr etwas von einem Protestanten lernen darf. Das Bestreben der katholischen Kirche und der Katholiken geht immer mehr dahin, sich abzutrennen von allem klebrigen. Bischof Komm hat vom katholischen Standpunkt aus ganz konsequent gehandelt. Auch Dr. Spahn ist ja wohl der Ansicht, daß er ganz recht habe. Die katholische Fakultät wird die Ziele des Seminars durchaus weiter verfolgen und so dic Trennung zwischen Katholiken und den Anderen nur vergrößern. Elsässischer Geheimrath Halley ergänzt seine Ausführungen noch dahin, daß der elsaß-lothringische Landesausschuß sich mit der Lrachc noch gar nicht befaßt habe. Abg. Frhr. v. Hertling (Ccmr.): Meine Freunde sind wett davon entfernt, in Deutschland einen neuen Kulturkampf provozircn zu wollen, wir freuen uns, daß der alte bis auf wenige Uebcrreftc beseitigt ist, und wir wünschen nicht, daß jene Zeiten wiederkehren möchten. Ferner Folgendes: Dic Schilderungen des Vorredners über die konfessionelle Trennung in Deutschland sind Wohl etwas übertrieben; jedenfalls aber siitd sic nur Folgeerscheinungen der früheren konfessionellen Streitigfeiten, die die Einzelnen zwang, sich in konfessionellen Vereinigungen zusammenzufassen. Ich werde den Tag begrüßen, an dem diese aufhören und dem vollen konfessionellen Frieden Platz machen werden. Der Plan der Errichtung der Straßburger katholischen Fakultät ist Anfangs sehr sympathisch begrüßt worden — freilich nur so lange man glaubte, daß nichts daraus werden würde, daß meine Verhandlungen mit der Kurie fruchtlos bleiben würden. Als diese nun doch zum Ziele führten, schlug die Stimmung mit einem Male um. Jetzt sah man in dieser Gründung keine Angelegenheit von nationaler Bedeutung mehr, die der auf sie verwandten Opfer Werth fei. Wenn die Durchführung des Projekts in Rom auf einige Schwierigkeiten stieß, so war daran nicht etwa die antideutsche Gesinnung des Kardinals Rampolla schuld, der Papst selbst äußerte sich dazu, daß die deutsche Regiemng ein politisches Ziel verfolge, währeird der Kurie das religiöse Ziel am Herzen liege. Da müsse erst ein Mittelweg geschaffen werden. Auch Vorkommnisse an einer anderen naheliegenden Universität, Bonn, wo sich die Mehrzahl der Professoren der alttatholischen Bewegung angeschlossen hatte, mußte beim Papst naturgemäß ein gewisses Mißttauen Hervorrufen, das erst allmählich beseitigt werden konnte. Ich habe daraufhin dic Verhandlungen unermüdlich geführt, unbekümmert um die Angriffe der Zeitungsschreiber, dic natürlich wieder Alles besser wußten. Im Juli vergangenen Jahres sagte Kardinal Rampolla zu mir: „So, nun sind wir soweit, nun machen's aber schnell, daß dic Sache zu Ende kommt!" Am Tag darauf schrieb die Münchener „Allgemeine Zeitung", daß Kardinal Rampolla die Sache wieder zum Scheitern bringen wolle. (Heiterkeit.) Nur durch ein gegenseitiges Nachgeben konnte man zum Ziel gelangen. Der „Umweg über Rom" mußte gewählt werden, auf autonomem Wege konnte die deutsche Negierung ihre Absichten nicht durchsetzen. ES kam darauf an, die Intentionen beider Theile gegen einander abzuwägen und zu einer Einigung zu gelangen. Und der gewählte Weg scheint scheint mir auch her beste zu sein. Ein nachheriger Einspruch des Bischofs gegen die Berufung ist für die Staatshoheit immer viel ' nachtheiliger, als ein vorheriges freundliches Einvernehmen. Der Staat bergiebt sich nichts, wmn er sich vorher mit dem Bischof ins ; Einvernehmen gesetzt har. Ich selbst habe im Dezember den Der- hanblungcn bcigewohnt unb glaube nicht au5 der Schule zu I schwatzen, wenn ich verrathe, daß die Verhandlungen in einer halben । Stunde zu Ende geführt wurden, da auf beiden Setten der Wille zur : Verständigung vorhanden war. Unsere Universitären sind nicht nur [ Stätten der freien Forschung. Wären sie das, so müßrc man die rheologischen Fakultäten überhaupt von denselben entfernen, weil in der Theologie, in der katholischen wie in der protestantischen, der Forschung gewisse Grenzen gezogen sind. Die Umbcqiiäicn sind auch Vorbereitungscuistlltien für gewisse staatliche Stellungen und gelehrte Berufe. Und al5 solche unterliegen sie bcitimnu.cn Beschränkungen, über die sich zu entrüsten gar keinen Zweck hat. Hoffen wir, daß die katholische Fakultät in Sttaßburg ihren Zweck erfüllt und zu ihrem Theile auch zur Festigung des konfessionellen Friedens bcittägt. (Beifall im Cent rum.) Abg. Delsor (Els.) meiru, die katholische Fakultät sei für Elsaß-Lothringen von großer Bedeutung, und prototin im klebrigen gegen die Ausführungen des Grafen Bulow irn Abgeordnetenyause, die gegen die Protestler gerichtet gewesen seien. Mit dem Worte „Protestler" werde überhaupt ein wahrer Unfug getrieben. Was im Auslande gesagt und geschrieben werde, dafür könne man dic Elsässer nicht verantwortlich machen. In die Sttaßourgcr An- gelegenhett hätten nickst seine Freunde Politik hineingeiragen, sondern andere Leute, die die kacholischc Fakultät als Mittel zur . Germanisation bezeichnet hätten. Ter elsässtsche Klerus habe sich gegen dic Errichtung der katholischen Fakuttät erklärt, weil seiner Ansicht nach die Ausbildung der Priester auf einem Seminar eine viel bessere ist, als auf der Universität. Von „Französlingen" zu sprechen, liege kein Anlaß vor. Am allerwenigsten seien dies Sie Heranwachsenden Priesterzögllnge. Er gebe übrigens zu, daß man in Elsaß-Lothringen etwas verschnupft sei über die Art und Wcisc, wie die Sache in Gang gebracht fei, dic Elsässer selbst habe man gar nicht gefragt. Abg. Dr. Barth (freif. Vgg.): Herr von Hertling erklärte mit Emphase, das Gentrum wünschte keinen Kulturkampf. Aber har denn schon Jemand einen solchen gewünscht? So wird die Sache denn doch nicht gemacht. ES handelt sich doch nur darum, ist die Stellung der Kirche so, daß ein Kulturkampf kommen lüiri) ? Wenn die Kirche immer größeren Einfluß auf die Schule verlangt, muß cs iu einem Kulttirlampfe kommen, der Staat kann dann gai nicht anders, er kann sich seinen Einfluß nicht nehmen lassen. Graf Bülow hat selbst gesagt, daß Bischof Korum in Trier den Konflikt provozttt hat, und das, ohne auch nur dic Regierung n Kcnntmß zu setzen. Wie kann Herr Spahn da sagen, Staat uni Schulaufsicht hätten ihre Pflicht verletzt. Ta kann man uns doch nicht verdenken, wenn wir vorsichtig sind und cS wünschen, daß der ^taat bei jedem Geschäft mit der Kurie wenigstens einigermaßen seine Rechnung findet. Wenn man sich den Sttaßburger Verttax ansieht, muß man sagen, daß dies in Sttaßburg nicht geschehen ist Tie ganze Anstellung liegt in der Hand des Bischofs, bei der ?lb- sctzung ist der Staat lediglich Exekutiv-Organ des Bischofs. Der otaat hat gar kein Interesse daran, daß eine solche Fakultät, die doch nur unter der Botmäßigkeit dcS Bischofs steht, bcgrünbci würde. Wenn man da von einem Triumph der staatlichen Auto- rität redet, so macht das nur einen komischen Eindruck. Abg. Dr. Sattler (nat.-lib): Ich erkenne an, daß in Folge bet freundlichen Antwort, die ich erhalten habe, dic ganze Verhandlung einen freundlichen Charakter angenommen hat. Selbst viert Delsor fügte sich, wenn auch mit knurrendem Herzen. i Große Heiterkeit.) Wenn die Sttaßburger Fakultät ihren wirklichen Zweck erfüllen soll, so muß sie ein wirkliches Glied der Universität sein und nicht bloß eine vom Bischof beherrschte Enklave auf staatlichem Gebiet. Geradezu unerhört aber ist cs, wenn man die Schuld an dem Trierer Fall der Regierung zuschiebt. Nur der Bischof war schuld, nur er hat den Konflttt provozirt. Daß Fürst Bismarck mit der Kurie Verhandlungen angeknüpft hat, ist richtig, aber ich kann nicht anerfennen, daß der Geheimrath Halley auch der Nachfolger in der Politik Friedrichs des Großen 'war. Der gewährte den Bischöfen nicht entfernt solche Rechte. Redner bcrlicir die betreffenden Gesetzes-Paragraphen. Wenn man der Kurie zu viele Rechte gewährt, kommt cs zu immer neuen .Konflikten, ScShaÜr muß man immer die staatliche Autorität hochhalten. Elsässer Geheimrath Halley: Der Reichskanzler Grch Bülow hat Herrn Delsor gar nicht Protestler genannt. Gefreut hat cs mich, daß Herr Delsor daS Wort „Protestler" als Vorwurf anerkennt. Dr. Barth hat jedenfalls das Abkommen gar nicht gelesen, sonst würde er nicht so reden können, wie er es gcthan hat. Vor Allem kann der Bischof die Prozessoren nicht einfach abfc&en. Abg. Dr. Barth (freif. Vgg.) rügt es, daß Geheimrath Halles einen Ton gegenüber Abgeordneten angeschlagen habe, der sich ganz und gar nicht schicke, — Elsässer Geh. Rath Halley erwidert, wie es in den Wald hineinschallc, so schalle cs heraus. Wg. Dr. Barth replizirt, es wäre besser gewesen, er hätte sich entschuldigt, statt solche Redensarten zu machen. Darauf wird der Rest d c S Etats ohne wettere Debatti erledigt, ebenso der Etatfür den Rechnungshof. Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr. Etat des ?(11gern c i n c n Pensionsfonds. M i l i t ä r - E t a t. Schluß 6% Uhr. Parlawentarisches. Berlin, 6. März. Die Budgetko mmission des Reichstags erledigte die fortdauernden Ausgaben des Marineetats unter folgenden Abstrichen: Bei Kap. 45, Titel 1, welcher je 4500 Mk. Besoldungszuschuß für vier Seeoffiziere als Tepartementsdirektoren fordert, wurden 4000 Mk. gestrichen, bei Kap. 48, Titel 1, wurden 2100 Mk. für einen neuen Intendantur-Assessor abgesetzt, ebenso bei Titel 2, Intendantur-Sekretäre und Registratoren, 3000Mk.; bei Kap. 49, Titel 2a, wurden 3000 Mk. für Ziviljustiz- beamte gestrichen, bei Kap. 51, Geldverpslegung der Marineteile, wurden oon den neu geforderten Stellen zwei Kapitäne zur See, sieben Fregattenkapitäne und zwei Kapi- tänleutnants gestrichen und 20 Leutnants zur See zugesetzt. Bei Kap. 58, ^Titel 2a, wurden für Wlösnng der Schiffsbesatzungen 100 000 Mk. abgesetzt. Zu Kap. 60, Instandhaltung der Flotte, und Werften, Titel 2, Betriebspersonal, ivurde eine Resolution Semler angenommen, den Reichskanzler zu ersuchen, für den nächstjährigen Etat eine Erhöhung des Gehaltes der Führer, Steuerleute und Maschinisten von Werfidanrpsern, Schwimmlrähnen und Schwimmdocks, sowie der Schleusenmeistergehilfen in Erwägung zu ziehen. Bei Titel 3 wurden 4500 Mk. für 3 Werftbuch- sührer gestrichen. Tie übrigen Kapitel wurden bis 64 nach der Vorlage bewilligt. Stuttgart, 6. Dtärz. Nach einem den Ständen zu- gegangenen N a ch tra gs e tat, insbesondere für Zwecke der Verkehrsanstalten sind 49 300000 Mk. neue 3'_> P roz. A n l e h e n auszune!,i...n, davon 19 60001)0 Mk. int laufenden Sommer und -0 600 000 Mk. im nächsten Jahr. Für den Umbau des Sluttgarier Hauptbahnhvfes, die linksufrige Neckarbahn und andere Bahnzwecke wer n im mR irc:: xvini" als erste Rate 10 Millionen Mark gefordert. Der gleick zeitig erschienene Gesraentwurs über di? Tilgung der Staatssa> uld bestimmt, daß vom i. , pri! ab in jedem Jahr eine Tilgung in Höhe von mindestens drei Fünftel Prozent der Staatsschuld vorzunehmen ist. Kirche und Schule. Berlin, 6. März. Wie die „Germania" mitteilt, ist auf das Huldigungs-Telegramm der Zentrums-Fraktion des Reichstages und des preußischen Landtages heute vom Kardinal Rampolla folgende Antwort des Papstes hier eingetroffen: Die liebenswürdige und ehrfurchtsvolle Beglückwünschung der katholischen Männer, welche in Deutschland und Preußen dem Zentrum angehören, nahm der heilige Vater mit großer Freude auf. Er segnet alle Einzelnen mit besonderem Wohlwollen. Bozen, 6. März. Die hiesigen Klerikalen betreiben bekanntlich eine heftige Agitation g e g e n die Erbauung einer evangelischen Kirche, welche der Gemeinderat bewilligt hatte. DerseLbe faßte heute eine scharfe ^iesolutron gegen die Klerikalen und beschloß, auf seinem Standpunkte f e st z u h a l t e n. Auf der Galerie wurden von Klerikalen Pfuirufe ausgestoßen. In der Stadt herrscht dieserhalb große Aufregung. ^lniversNäts-Uallirichten. — Nach einer Meldung auS Pans ist daselbst der sranzösische Schriftsteller G a ft o n Pari s, Inhaber des preußisch en Ordens potir le merite, im 64. Lebensjahre gestorben. Gr war Direktor des College Fran^ais und als Romanist bedeutend. Arbeiterbewegung. Rotterdam, 15. März. Der E i f e n b a h n e rftr e i k wird jedeniall: nicht vor Sonntag proklamiert iverben. Hier wurde eine Versammlung avgehalkeu, in der konfessionelle und soziallsusche Redu.'r über die Lage debattieren sollten, die aber unter bedeuteu-- dem Lärm durch die ! - i aufgelöst wurde. Auf mehreren Balm- bösen werden Z'ige nut Mnnitwusivagen bereu gehalten, um auf das erste Zeichen vu Besetzung der wichtigem Buukle ctb.iugchcn. Brunel, -. Bie holläut .oe Etfenbahn-Gesellschast mietete eine große Anzahl Auto mobile zur Beförderung der Postsachen im ■ culi de-: E i s e n b a h n e r Ausstandes und verpflichtete sich, jedem Automobil einen Gendarmen oder Soldaten zum Schutze gegen Angriffe Streikender mitzugeben. - Brüssel, 6. März. In Jamappe kam es gestern zwifcheu ausständigen Glasarbeitern und einer Anzahl Ersatz arbeitern, welche eben ihren (Sontract unterzeichnet hatten, zu einer blutigen Schlägerei, wobei das Messer eine Haupt rolle spielte. Ein Arbeiter wurde lebensgefährlich und mehrere andere schwer verletzt. Polizei und Gendarmerie mußte einschreiten Aiehrere Personen wurden verhaftet. Gerichtssaal. Leipzig, 6. März. (P r o z e ß E x n e r.) Zu Beginn der Der» Handlung macht der Ler-teidigcr Gordon grundsätzliche technische Bedenken gegen die vom Vorsitzenden entiDorfcnc Fragestellung geltend. Die Staatsanwaltschatt schließt sich dem an. Ter Vor fitzende erklärt, der Gerichtshof werde dic 'Frage erwägen und ver tagt die Verhandlung um eine Sttmde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung teilt der Vorsitzende mit, daß die Verhandlung wegen der für Neuformulierung der Frage erforderlichen Zeit auf Montag Vormittag vertagt sei. JlciicIU Melimngkll. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Bremen, 7. März. Die Zunahme der Auswanderung dauert in überraschendster Weise fort. Sic betrug Anfang Februar 14 394 Personen gegen 11074 im Vorjahr, für beide Monate zusammen 24 576 (gegen 18 712 im Vorjahre) Personen. Dic Auswanderung hat sich seit dem Jahre 1899 verdreifacht. Hannover, 7. März. In der Pulverkammer des Laboratoriums der Lindener Zündhütchenfabrik erfolgte gestern eine Explosion. Ein Arbeiter wurde getötet. __ Sesdenstoffes~s L.V0N Elten & Keussen, Krefeld.