Samstag 7. Februar 1903 153. Jahrgang Viertes Blatt. * I ♦ K tV I Brineister. M tretet: Ch. Ludwig Thomas, Bahnhofstr. 37. 432 n Gediegenheit und Preis. 64 ,d Hals- 110 Wer Mk 1162 Gießen, den 1. Februar 1903. » I I I » I ♦ V I & irtttiC' Mette. :ea d«, Säutis — was ist Säntim? 1 ragen unsere geehrten Leser. Die Antwort fällt nicht schwer und sei der guten Sache wegen an dieser Stelle ertiilL tSäietif» ist der beste Magenbitter, der bis heute auf den Markt gebracht wurde, ein Likör, der als pikantes Genuss mittel sich ebenso grosser Beliebtheit erfreut, wie er als schätzenswertes Heilmittel bei Verdauungsstörungen etc. die grö sten Erfolge aufzuweisen hat. Santi# wird von der Firma Dr. W. Knecht & Co. in Frankfurt a. M. hergestellt und von vielen Aerzten empfohlen. Seiner vorzüglichen Eigenschaften halber verdient er warme Empfehlung. Probefl. Mk., 1.—, grosse Flasche Mk. 2.50. Ueberall erhältlich. V er- Koftenanfdüäge für Ileuaussfaffung ohne Verpflichtung gratis. 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Der Deutsche Landwirtschaftsrat begrüßt den Plan der preußischen landwirtschaftlichen Verwaltung, eine Ver- suchsanstalt für Kornlagerung, Müllerei und Bäckerei zu errichten, mit großer Freude; er hält es für angemessen, ine Ausgabe der Anstalt nicht auf die planmäßige Unter- juchung aus inländischem und ausländischem Morn her- g.stellte Mehle auf Backfähigleit zu beschränten, sondern die gejamte Technologie der .stornlngerung, des Müllereiwesens und der Bäckerei als Ausgabe zu bezeichnen. >. Er hält die Anglieoerung der neuen Anstalt an die technische Abteilung der lanowirtschaftlichen Hochschule in dem Sinne der Zugehörigkeit der Institute für Zucker- ittdustrie und Gährungsgewerbe und Stärkefabritation uud ;war als eine selbständige Anstalt für angemessen. Dabei ist die Entwickelung der Versuchsanstalt zu einer Lehr- aiistalt ins Auge zu fassen. 3. Er hält die Organisation, wonach der preußische Staat die Baumlttel, die interessierten verbände die Betriebsmittel hergeben für eine zwectmäßige, Bon zah'rcichen lulifenfcbafrid>cn Autort täten und prnkliichcn »Unten geschätzt.« sind die Apotyeker Rich. Brandt'- schen Schwetzerptllen seit Jodrzehn. len in allen Ittelfen da» beliebteste Hausmittel. Ansichtspostkarten der Schweiz, die intereffni'.tcften («egende«, 24 Serien ä 5 »tuet find in saft allen Avotheken gratis erhältlich Warenbestände in nur solider i. Schlafröcke, Kinder ’uehe, Burkin, Kammgarn nt , Mass. •tikel annehmbaren Preise. i Gates und Billiges zu kinltn. üdm Frankfurt a. M. Hotel Imperial, a™ opempiatz Zimmer von Iilk. 3,50 an. J. C. Schwsimler, Hoflieferant. Uhr: »all ^eWergasse^ m-Lahr w®* 18. ■** ~~~ ..im 50 Klien betyöemn i* )er . A einfachsten ki, ■ ---fs*; r °nd moderner ne$Ges=häfte^ *rt6n Garderobe ■ w°Uen und zeichne Andr. EasSer D.'w.pfsagewcrt. Um irrigen Gerüchten entgegenzutreten, diene meiner w. 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Er bedauert, daß cs nicht ' möglich gewesen ist, die Bausumme bereits in den Etat für 1903 einzustellen; er hält es für notwendig- die durch einfachere Verjuchsaufstellung zu lösenden technisch-wissen- schaftiichen Aufgaben unmittelbar in Angriff zu nehmen, und empfiehlt zu diesem Behufe eine provisorische Organi- svtion in dem Sinne der geplanten größeren schon jetzr ins mit Oesterreich-Ung'arn besteht, im landwirtschaftlichen Interesse nicht zu empfehlen. Der Verkehr mit dem Ausländ ist vielmehr uneingeschränkt den Bestimmungen des Viehseuchenaesetzes zu unterstellen. Unter allen Umständen sind aber die Bestimmungen des Artikels 6 nicht aufzunehmen." Bei der Abstimmung wurde Absatz 1 des Antrages des Ständigen Ausschusses einstimmig angenommen, dagegen wurde Absatz 2 mit großer Mehrheit abgelehnt. Hierauf wurde auf Antrag der landwirtschaftlichen Versuchsstationen beschlossen, den Laudwirtschaftsministcr zu bitten, dahin zu wirken, daß die biologische Abteilung des kaiserl. Gesundheitsamtes mit der eingehenden Erforschung schädlicher Futterwirkungen beauftragt und mit einem dieser Aufgabe gewachsenen Forschungsinstitute ausgerüstet werde. Diejenigen Bundesstaaten, in denen sich landwirtschaftliche und tierärztliche Hochschulen befinden, sollen gebeten werden, diesen die nötigen Geldmittel zur Verfügung au stellen, um ebenfalls die Frage der Erforschung schädlicher Futterwirkungen aufnehmcn zu können. Endlich wurde auf Antrag Arnim-Gütcrberg mit geringer Mehrheit beschlossen, an den Bundesrat zu petitionieren, dem Reichstage noch in der gegenwärtigen Session eine Gesetzesvorlage zu machen, die den Zweck hat, die Kontingentierung dtw inländischen Zuckerverbrauchs auf der Grundlage des Doppelkontingents herbcizusühren. Eine größere Mehrheit fand eine Resolution auf Beseitigung der ganzen Zuckersteuer. Kurpfuscher - Prozeß. Berlin, 6. Februar. In der gestrigen Verhandlung (vgl. Nr. 30) bemerkt der Präs.: Im Adreßbuch von 1903 steht der Angeklagte N. verzeichnet als „Nardenkötter, Bankier und Direktor des Heilinstituts Qmstsana". Sie sind doch gar kein Bankier. — Angekl. 9L: Ich besorge die Bankgeschäfte meiner Schwester und meiner Frau. (Heiterkeit.) — Zeuge 'Münzberg ist längere Zeit als Schreiber, Buchhalter, Ex- pebieiit, Packer, kurz als 'Mann für alles bei Nardenlotter beschäftigt gewesen und hat auch Rezepte ausgeschrieben. Zu seiner Zeil war ein Arzt dort gar nicht tätig, und die Rezepte, die zu Klejper nach Fritzlar geschickt wurden, hatten keine ärztliche Unterschrift. Nardenlotter habe auch hier große 'Massen von 'Medikamenten selbst angefertigt und dann nach Frttzlar geschickt. — Der Angekl. Klesper gibt zu, daß er zuletzt auch Rezepte ohne ärztliche Unterschrift aus- gesührt und die fertig ihm zugeschickten Medikamente fortgejandt habe, ohne sie besonders zu kontrollieren. — Zeuge Münzberg erklärt weiter, die Kur sei ihm nur als Schröpfung der Kranken vorgekommen, namentlich die „Nachkuren". — Präs.: Sie haben es wohl auch für wunderbar erachtet, daß ein Apothekergehilfe solche horrenden Preise für seine Kuren forderte? — Zeuge: Tas gerade nicht. Von de>i Lebenden konnte er doch nur was kriegen, von den Toten aber nichtsl (Heiterkeit). — Präs.: Sind nicht auch giftige Medikamente als „Ti u ft er ohne Wer t" versandt worden? — Zeuge: Tas ist richtig. — Präs.: Wie viele Briese gingen bei dem Angeklagten täglich ein? — Zeuge: Täglich etwa 90 Briefe, darunter 7—10 neue Aufträge. — Präs.: Was wurde mit den em- gesandten Urinproben gemacht? — Zeuge: Die wurden einfach rueggeiDorfen! (Heiterkeit.) Ich hatte im allgemeinen den Auftrag, nachzusehen, ob im Fragebogen „Nierenkrankheit" verzeichnet stehe, andernfalls aber die Urinprobe wegzuwerfen. Alan wickelte die Urinproben nur auf, weil manche Leute so dumm waren, die Fragebogen und das Geld dort gleich beizupacken. (Heiterkeit.) Es sind viele Dankschreiben bei dem Angeklagten eingegangen, aber auch Schreiben entgegengesetzter Art. Letztere wurden gar nicht beantwortet. Der Äiigeklagie sagte einsach: „Tie Leute sind verrückt! Was will denn der Esel? — und weg ivar's!" (Heiterkeit.) Einmal hat der Angeklagte dem Zeugen gesagt, er wolle sich einen Arzt annehmen, um sich den Rücken zu decken. Ein anderes Tlal sagte er: „Wenn es noch fünf Jahre so iveiter gehe, dann habe er es geschafft, dann könne er das Geschäft anderen überlassen. — Der Zeuge ist schließlich im Zwist oom Angeklagten geschieden. — Erster Staatsanwalt Dr. Pelz: Weshalb denn?—Zeuge: Ich dachte, bei dem Angeklagten etwas werden zu können, ivar aber darin getäuscht. — Staatsamv.: Sie dachten ivohl Oberarzt werden zu können? (Heiterkeit.) Apothekenbesitzer Dr. Laux wird als Sachverständiger vernommen. Er hat der Haussuchung bei dem Angekl. Nardenkötter beigewohnt. In fünf verschiedenen Räumen wurden 'Medikamente, Darunter viele metallische und Pflanzengifte, gefunden. Ueberall habe die grenzenloseste Unordnung und Unsauberkeit geherrscht, starke Gifte hätten sich in der Küche zwifchen^den Wlrtschäflsgegen- ftänben befunden. Es wurde u. a. eine große Flasche beschlagnahmt, die 10 Pfund Arseniklöjung enthalten hatte und bis zu einem Tritel entleert war. Wagen oder andere Apparate, die zur Bereitung von kleinen Mengen Arzneien notivendig sind, wurden nicht ge- „unber^" gfliiiif' W/nm1'"1- a(leteriIeU funbeit. — Ter folgende Zeuge, Schreiber Georg Niemann, ist etwa eck)^ Monate bei Nardenkötter beschäftigt gewesen und schildert dessen Geschäftshandhabung in drastischer Weise. Der Zeuge hat Arznei, die 9lnrbcnfötter in der Badewanne zusammengesetzt hatte, auf kleine Flaschen füllen müssen. In der fogcnaiinten „Kabuse", einem kleinen, dunklen Raum, hätten allerlei Sachen durcheinander gestanden, von denen besonders ein großer Sack mit gestoßenem Alaun am meisten in Anspruch genommen wurde. 91. habe zu damaliger Zeit die Medikamente selbst zusammengesetzt, die flüssigen in kleineren Wannen. Einmal habe Nardenkötter einem auswärts wohnenden Patienten ein großes Glas voll Absührpillen geschickt. Jener habe sie aus Unverstand in drei Tagen zu sich genommen und daun in einem Schreiben die Wirkung geschildert, worüber Nardenkötter sich höchlichst amüsierte. Auf eine Anzeige des Angeklagten, daß er einen Arzt suche, seien täglich viele Anerbietungen eingegangen; zum Abhvlen der einlanfenben Gelder sei ein großer leinener Beutel bestimmt gewesen; die tägliche Einnahme habe zivischen 700 und 1000 'Mark geschwankt. Sodann wird die unverehelichte Biematzki vernommen, die vom 1. Mai bis 1. August 1900 bei Nardenkötter Wirtschafterin mar. Auch sie bekundet, daß der 9lugeflagte innere und äußere Arzneien in derselben großen Wanne znsammensetzte, die dann von der Zeugin auf kleine Flaschen gefüllt wurden. Bisweilen habe der Angeklagte sie darauf aufmerksam gemacht, daß sie vorsichtig mit den stark wirkenden, giftigen 'Mitteln umzugehen habe. Es erregte Aussehen und Entrüstung, als die Zeugin weiter bekundete, daß Fran Nardenkötter in derselben W a n n e b a b e t e, die dann mit kaltem Wasser ausgespült und wieder zur Herstellung von Aledikamenten für inneren und äußeren Gebrauch benützt wurde. Tie Zeugin erzählt ferner, daß sie ihren Bräutigam Schott überredet habe, ein von 91ardenkötter verfaßtes Schriftstück zu unterzeichnen, ivonach der Versand der Aledikamente auf Schotts Namen erfolgen solle. Nardenkötter habe diese Ge- iiehniigung mit 50 Mk. monatlich vergütet. Zeuge F e l d k a ni >u war ein Angestellter Nardenkötlers. Wenn Befchwerdebriese der Leidenden gekommen seien, habe der Angellagle sich in der Regel sehr zynisch geäußert. Aeußerungen ivie: „Ja, was will denn der Kerl? Ich kann ihn auch nicht gesund machen!" feien häufig gefallen. Einmal habe er die Nachricht erhalten, daß ein Patient gestorben sei.- Ta habe 9tarbenfötter gejagt : „Der Kerl hätte wenigstens so lange leben können, bis die ganze 'Nachnahme eingelöst war." In der heutigen Sitzung gab der Vorsitzende ein Schreiben des Polizeipräsidenten bekannt, welches besagt, letzterer finde im Verfahren des Zeugen Apothekers Henke eine Verletzung der Apo- lhekerbetriebsordmingen, ferner der Giftvorschriften sowie des § 263 des Strafgesetzbuches. Er stelle dem Staatsanwalt die Anklageerhebung anheim und erbitte deren öffentliche Bekanntgabe zwecks Beseitigimg der. Erregung des PublikwnS. MS Verlobte -ME verlangen von der Darmstädter Möbel-Fabrit, Darmstadt, Offerte nebst Katalog und Preisliste. Bedeutendstes uni) größtes Einrichtungshaus Mittel- und Süddeutschlands für alle Stände. 160 Zimmer»Einrichtungen wohnungsfertig, einschließlich Küche. Sehenswürdigkeit 1. Ranges. Spezialität: Brautausstattungen in fedeni Genre und Preis. 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Er begründet den Antrag des StändigenAusschusses, iber lautet: „1. Bei dem etwaigen Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Oesterreich-Ungarn ist mit Rücksicht auf eine erfolgreiche Belämpfung der Viehfeuchen eine Erneuerung des Viehseuchenübereinrommens mit Oesterreich-Ungarn im landwirtschaftlichen und allgemein volkswirtschaftlichen Interesse nicht zu empfehlen. Ter Verkehr mit Oesterreich-Ungarn ist vielmehr uneingeschränkt den Bestimmungen des Viehseuchengesetzes zu unterstellen. 2. Sollte wider Erwarten eine Erneuerung des Vichseucyenüber- cinkommens nicht zu umgehen sein, so dürfen die Bestimmungen im Artikel 6 des bisherigen Uebereinkom- mens und im Schlußprotokoll sub 4 die Vereinbarungen betreffend die Ueberführnng in Schlachthäuser ■ nicht wieder ausgenommen werden." Der zwecke Referent zum Viehseuchenübereinkommen mit Oesterreich-Ungarn, Kammerherr Freiherr Er f f a-Wernburg stützt sich in seinen Darlegungen gegen Sie Erneuerung der Konvention im wesentlichen auf die Statistik. Wir brauchen stabile Verhältnisse, um die io- lojfalen Lücken, die die Seuchen in unseren Viehbestand gebracht Haven, -auszugleichen und so viele Tiere heranzuziehen, daß es einer gewissen Seite künftig unmöglich wird, ans parteipolitischem Interesse eine Agitation mit dem Schlagwort von einer angeblichen Fleisch not in ^zene zu setzen. (Anhaltender Beifall.) Reichstagsabg. Graf v. B e r n st o r f f - Wehningen em- o stehlt folgenden Antrag: „Becin Abschluß von Handelsverträgen ist mit Rücksicht auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Viehseuchen ein Abschluß von Viehseuchenübereinkommen, wie es fetzt Grösstes Etablissement für feine und einfache Gebrauchs- und liuxuswaren /- Illagazin für w-ä und x r Porzellan, Slei; Bitte Sdiaufenffer beachten! 3ul. 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Darnieder liegt die Industrie, Flau ist es mit dem Handel, Und unser Wohlstand geht perdu, Tritt ein nicht bald ein Wandel. Es tönt der Notschrei durch das Land, Viel Leid kann man erfahren, Und auch vom Staat wird's anerkannt Wir müssen Sparen! Sparen! So mancher Leser wird sich denken Wohin er auch sein Schritt wird lenken, Mein Prmzip ist sparen an richtigen Orken. Sie haben gewiß Bedarf an Schuhen und Stiefeln, Sie kauft man bekanntlich in besten Sorten Bei Firma Am ersten Tage kommt sämtliches Stamm- und Stangen- cholz, sowie das Brennholz auf dem Mausberg zur Versteigerung. Die Versteigerung beginnt an diesem Tage vormittags um 9 Uhr und wird mit dem Stamm- und Stangenholz in dem Distrikt Wehrholz der Anfang gemacht. Am zweiten Tage beginnt die Versteigerung nachmittags um 1 Uhr. Ruttershausen, den 5. Februar 1903. Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen. Die Zusammenkunft ist jedesmal oberhalb Fünfhausen, und kommt das Bau- und Werkholz am ersten Tage zur Versteigerung. Beuern, den 6. Februar 1903. Großherzogliche Bürgermeisterei Beuern. 110 219 5190 2090 59 14 59 17 206 990 Holz-Versteigerung. Dienstag den 10. und Donnerstag den 12. d. M., jedesmal vormittags von 9 Uhr an kommt im Beuerner Gemeindewald in verschiedenen Distrikten folgendes Holz zur Versteigerung: Holz- Versteigerung im Ruitersyäuser Kemeindervald. Mittwoch den 11. und Donnerstag den 12. Februar kommen in den Distrikten Mausberg und Wehrholz zur Versteigerung: Zentner Maschinenkohlen, „ Nußkohlen, Echte Ehevreaux-Damen-Knopf- und -Schnürstiefel in ganz neuen Formen. Für die von cirka 32 000 600 1166 Nachstehend sind einige besonders empfehlenswerte Artikel aufgeführt: Submission. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung Damen-Knopf- und -Schnürstiefel, Wichsleder, enorm billig. 60 Raummeter Tanncn-Schcitholz für das Rechnungsjahr 1903/4 auf dem Submissionswege vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen und der Ministerial-Erlaß oom 16. 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In zweiter Berathung wird nach den Vorschlägen der Rechnungskommisiion erledigt, die endgiltige Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben deS o st afrikanischen Schutzgebietes und der Schutzgebiete von Kamerun, Togo, Süd-Wcst- afrika, Neu-Guinea imb Kiautschou für 1899 unb 1900. Die allgemeine Rechnung über ben Reichshaushalt für 1 8 9 7/9 8 wird in zweiter Berathung genehmigt. Hierauf wird die z Weitz« Berathung des Etats des Reichskanzlers fortgesetzt. Mg. Dr. Rösicke (B. b. L.): Ich mochte ben Reichskanzler fragen, wie es mit ber Durchführung ber beim Weingcsetz angenommenen Resolution bezüglich Vorlegung eines Gesetzes zur Kontrole bes Verkehrs mit Nvhrungs- unb Genutzmittcln steht. Ferner frage ich, ob es richtig ist, daß Verträge über die Lieferung von Fleisch mit einer kanadischen Firma seitens der Heeresverwaltung abgeschlossen sind. Hierburch würde die deutsche Land- wirthschaft schwer geschädigt werden. Auch kann es sich doch nur um Büchsenfleisch handeln, dessen Einfuhr direkt verboten ist. Bezüglich der Brüsseler Zuckerkonvention sind uns hier nicht richtige Eicklärungen über das Verhältnitz Englands zu seinen Kolonien gemacht worden. Der Rechtfertigungsversuch der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" betreffs des Herrn Körner kann die Thatsache nicht aus der Welt schaffen, daß die Regierung einen Vertrag ratifizirt hat, über besten Auslegung schwere Zweifel bestanden. Wir haben ben Vertrag unbedingt ratifizirt, während England ihn nur bedingt ratifizirt hat. Wir müßten daher den Vertrag .wückziehen, bis chn England auch unbedingt ratifizirt hat. Ferner bot es sich herausgestellt, daß Rußland gegen die Erhebung von Kampfzöllen protestirt, weil diese den Handelsverträgen widersprechen. Auch hierüber hätte man sich Klarheit schaffen sollen, wir können mit Rußland doch keinen Zollkrieg anfmiaen wegen eines Fehlers, den wir hätten vermeiden können. Bedauerlich ist es, daß trotz der Differential-Zölle noch immer kanadischer Weizen zu einem billigeren Zollsatz hineinkommt. Der Zollausfall macht mindestens eine halbe Million aus, wir haben doch keine Veranlassung, den Kanadiern eine halbe Million zu schenken. In Venezuela, wo es sich ursprünglich um großkapitalistische Inter - esten harchelte, ist jetzt unsere nationale Ehre engagirt. Wir müssen kräftig einschreiten. Nur wünschte ich, daß wir etwas selbständiger vorgegangen wären, den Amerikanern brauchten wir nicht nachzulaufen. Die Mahnung des Reichskanzlers, die Person des Monarchen nicht zu sehr in die Debatte zu ziehen, hat in weiten Kreisen des deutschen Volkes Anklang gefunden. Aber wenn der Kaiser sich so aggrestiv äußert, so läßt es sich schwer vermeiden, hier seine Reden zu besprechen. Der Reichskanzler sagte gestern, er ginge immer den Mittelweg, aber nach seinen Aeuße- rungen thut er das nicht immer. Im Landwirthschaftsrath hat der Kanzler gestern wieder so schön gesungen, wie der Vogel, ber seinen Namen trägt, ber Rattenfänger von Hameln hätte es nicht bester machen formen. (Heiterkeit.) Er hat noch mehr gethan, er hat ber Landwirthschaft Undank vorgeworfen. Aber es sollte umgekehrt sein. Die Regierung sollte ber Landwirthschaft dankbar sein für all die Opfer, die sie dem Reiche und dem Staate geleistet hat. Er kcmn es uns nicht verdenken, wenn wir glauben, daß bei seiner Rede nichts Anderes herauskommt, als Versprechungen. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Herr Roesicke hat wiederum Pen Beschwerden Ausdruck gegeben, die von ihm nahe stehenden Abgeordneten schon wiederholt gegenüber einem hervorragenden Beamten meines Restarts erhoben sind. Durch eine Notiz in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" ist ja schon mitgetheilt worden, daß Herr von Koerner lediglich nach den ihm gewordenen Instruktionen gehandelt hat. Herr Roesicke hat seinen Vorwurf, betreffend die Brüsteler Konvention, auch gegen die Regierung gerichtet, und daher werde ich etwas freier reden, als ich es sonst thun würde. Die parlamentarische Verhandlung über Verhältnisse des Auslandes hat etwas sehr Mißliches. Besonders gilt das von solchen Verhandlungen, die an abgeschlossene Staatsverträge an knüpfen, mit Rücksicht darauf, daß diese an sich zunächst nur eine Art Programm sind und daß sie in Wirksamkeit treten erst durch den Austausch der Ratiffkationen. Bei diesem Austausch können wir selbstverständlich für das eigene Land noch Vortheile erzielen und wo etwa ein Versehen paffirt ist, dieses noch gut machen. Aber die parlamentarische Verhandlung kann auch dem anderen Kontrahenten die Möglichkeit geben, eine Lücke zu finden, die er seiner Zeit auszufüllen bemüht sein wird. Wie ist es nun? Die britische Regierung hat auf der Brüsteler Konferenz die Stellung eingenommen, daß sie Zuschlagsprämien von dem aus ihren Kronkolonien eingeführten Zucker nicht zu zahlen habe; sie hat aber dieser ihrer Anschauung in den Konventionsakten selbst keinen Ausdruck gegeben. Dce Delegirten der anderen Staaten standen nun vor der Frage, ob sie die britischen Delegirten an die Wand drücken und ihnen sagen sollten: Ihr müßt, ehe wir die Konvention abschließen, diese Auf- fastung fallen lasten. Was wäre die Folge gewesen? Daß England, das die sämmtlichen Atouts nahezu in der Hand hatte, zweifellos darauf nicht eingegangen und die Konvention nicht zu Stande gekommen wäre. Es wurde der Ausweg gefunden, den die englischen Delegirten selbst vorschlugen, diese Frage offen zu lasten zur Entscheidung für die in Brüssel einzusetzende Kommission, für . den Fall, daß die Frage praktisch würde. Dadurch blieb noch die Möglichkeit gegeben, unsere Anschauung zu wahren und vielleicht auch sie zur praktischen Geltung zu bringen. Darauf kam die Parlamentsverhandlung. Man trat, wenn ich so sagen darf, dem Löwen auf den Schwanz. Die britische Regierung mußte mich in ihrem Parlamente zu der Frage schärfer Stellung nehmen, als es bis dahin geschehen war. Vorher hatte Niemand für diese Frage irgend ein Interesse kund gegeben. Wir haben nun zum Ausdruck gebracht, daß, falls etwa größere Quantitäten Zucker mls den Kolonien nach England eingeführt würden, wir uns volle Aktionsfieiheit vorbehielten. So liegt die Sache. Vorläufig sind wir ber Ansicht, daß die praktische Bedeutung der Frage nicht sehr groß ist. Was Rußland anbetrifft, so war nach den früher:» Erklärungen anzunehmen, daß Rußland keine Schwierigkeiten, erheben 1 wurde. Mit Sicherheit konnte das Niemand sagen, weil Rußland bei den Konferenzen nicht vertreten war. Wie die Sachen aber auch jetzt stehen, so ist doch nicht ausgeschlossen, daß Rußland später den Beschlüssen noch beitreten und den Segnungen, welche die Brüsteler Konvention bietet, sich auf die Dauer nicht verschließen wird. Staatssekretär Dr. Graf von Posadowskv: Es ist mir aus dem Bunde der Landwirthe heraus das Wort in den Mund gelegt, man könne nichts Positives mehr für die Landwirthschaft thun. Ich konstatire hiermit, daß ich niemals etwas Derartiges ober auch nur etwas Aehnliches gesagt habe. So etwas kann überhaupt ein Minister nicht erklären. Ich gebe ohne Weiteres zu, baß der Druck der öffentlichen Lasten auf die ländlichen Kreise bedeutend schwerer ist als auf die städtischen. Tas kann Niemand leugnen, der jemals auf dem Lande war. Die ländlichen Verbände sind eben viel kleiner, und so vertheilen sich die Schullasten, Wegelasten usw. auf eine geringere Zahl von Schultern. Aber man darf es nicht so darstellen, als ob die öffentlichen Lasten nur auf dem Lande ruhen, die städtischen Kommunen haben auch eine große Menge. Gewiß ist der Bauernstand eine der wichtigsten Grundlagen des Staates. Ist es aber recht, daß man fortgesetzt im Lande herumreist und dem Bauern erklärt: Die Regierung ist schlapp, die Regierung vertritt die deutschen Interesten gar nicht gegenüber anderen Staaten, es wird viel versprochen, aber nicht gehalten? Wenn Sie wirklich der Ansicht sind, daß der Bauernstand die Grundlage des Staates ist, dann müsten Sie doch mithelfen, das Vertrauen des Bauern zu der Regierung zu erhöhen, aber nicht es zu erschüttern. (Sehr , richtig! links.) Daß seitens eines Ressorts des Reichs Verträge ab- ; geschlossen seien mit amerikanischen Firmen wegen Lieferung von Vieh unb Fleisch habe ich auch in den Zeitungen gelesen. Ich habe darauf bei allen Ressorts Erkundigungen einziehen lasten, aber noch feine Antwort darauf erhalten. Sobald Antwort kommt, werbe j ich Ihnen Mittheilung zukommen lasten. Der Anregung, die hier im [ Hause gegeben ist, eine allgemeine Kontrole ber Nahrungsmittel auf ; gesetzlichem Wege herbeizuführen, ist von meiner Seite sofort Be- , achtung geschenkt worden. Es haben Erwägungen ftattgefunben; i eS sind aber ernste Bedenken finanzieller Natur erhoben worden, I weil das Gesetz die Anstellung besonderer Konrrolbeamter für Nahrungsmittel zur Voraussetzung hätte, denn lediglich in den Händen j der gewöhnlichen Polizei würde sie zu unsachverstänbig ausgeübt i werden. Vom Standpunkte des Reichsamts des Innern würde ich die Einführung einer allgemeinen Nahrungsmittettontrole für sehr I Wünschenswerth halten. Daß in großen Massen kanadischer Weizen zum Konventionszoll nach Deutschland kommt, ist eine Legende, die immer wieder kehrt. Der nach Deutschland gelangende kanadische Weizen ist überall zu dem autonomen Zollsatz von 5 Mk. eingeführt worden. Die Statistik ergiebt, daß erhebliche Mengen kanadischen Weizens überhaupt nicht eingeführt sind; sie gelangten meist nur bis in das Freihafengebiet zur Wiederausfuhr nach dem Auslande. Was die Einfuhr von Mehl anlangt, bas ans kanadischem Weizen in den Vereinigten Staaten hergestellt ist, so können für ein derartig veredeltes Produkt natürlich nur die Konventional- sätze gelten. Jedenfalls können Sie davon überzeugt sein, daß seitens der Regierung Alles gethan wird, um eine ungesetzliche Getreideeinfuhr zu verhindern. Mg. Hng (Tentr.): Für die Landwirthschaft ist es ein Segen, baß der neue Zolltarif zu Stande gekommen ist; wäre er gescheitert, so hätten wir Handelsverträge auf Grund des alten Tarifs bekommen, die nothwendiger Weise für die Landwirthschaft ungünstig gewesen wären. Ich kann Herrn Barth nicht zugeben, daß auf Grund des jetzigen Tarifs Handelsverträge schwierig, ja unmöglich sein sollen. Man darf nie vergessen, daß das Ausland großes Jntereste an den Beziehungen mit und hat. Redner bringt hierauf noch einige Lokalwünsche vor. Sein Wahlkreis (Constanz) grenzt an die Schweiz, seine Wähler haben deshalb spezielle Wünsche bei ber Regelung der Handelsbeziehungen zu ber Schweiz; insbesondere in Bezug auf den zollfreien Grenzverkehr. Dbg. v. fiarborff (Np.) betont nochmals, daß nur auf der Grundlage seines Antrags eine Majorität zu finden war, nachdem die National-Liberalen erklärt hatten, über den Regierungsentwurf keinesfalls hinausgehen zu wollen. AusschlaggÄend sei die Obstruktion ber Sozialdemokraten gewesen, ber man ben Triumph nicht gönnen wollte, zu sagen: „Seht mal, was wir können! Wir haben ben ganzen Zolltarif zu Fall gebracht!" Mg. Liebermann von Sonnenberg sAntis.) toenbet sich gegen bie Ausführungen des Staatssekretärs von Richthofen, betr. die Brüsteler Zuckerkonvention. Die Engländer brauchten nicht erst vom deutschen Reichstag belehrt zu werden; sie hätten schon von Anfang an gewußt, was sie wollten. Redner findet es ferner unerhört, wenn bie Verpflegung des Heeres durch Abschlüste mit auswärtigen Lieferanten geschehen solle. Das Wichtigste ber Debatte sei bie Diätensache gewesen, am allerinterestantesten waren bie Worte, bie der Reichskanzler über etwaige „Kompensationen" auf dem Gebiet des Wahlrechts sprach. Allerdings, für Verschlechterungen sei eine Mehrheit nicht zu haben; wohl aber für Verbesserungen. Unb eine solche sei die Einführung der allgemeinen Wahlpflicht. Auch Herr Bebel und seine Freunde seien grundsätzlich dafür. In Hessen hat das Centrum ben Antrag auf allgemeine Wahlpflicht gestellt, und Redner aller Parteien haben sich dafür ausgesprochen. Im bairischen Sanbtag ist bas Gleiche geschehen. Eine weise Regierung müßte ben gegenwärtigen Augenblick benutzen unb die Reserven gegen ben Umsturz heranziehen, so lange es noch Zeit ist. Der Staat, der bie allgemeine Schulpflicht, bie allgemeine Wehrpflicht eingeführt hat, barf nicht zögern, bie allgemeine Wahlpflicht einzuführen, diese Wehrpflicht gegen den Umsturz. Die 3% Millionen, die jetzt der Wahlurne fern bleiben, würden bald aufräumen mit der Sozialdemokratie, sodaß diese aussehen würde, wie — (weist auf die zufällig fast leeren Bänke ber Sozialdemokraten) im gegenwärtigen Augenblick. (Große Heiterkeit bei den, gleichfalls sehr spärlich anwesenden Mitgliedern ber übrigen Parteien.) Die Einführung ber Diäten befürworte auch ich; unser Oberhaus — bie Vertreter ber üerbünbeten Regierungen — bezieht nicht nur Gehalt, fonbern auch noch Tagegelder. Es ist also Sache des guten Geschmacks, daß dieses Oberhaus auch dafür sorgt, daß das Unterhaus — der Reichstag — gleichfalls Diäten erhält. Eine Radikalisirung des Reichstags befurchte ich nicht von ber Einführung ber Diäten, viel eher eine Philiftrisirung. Dem Wunsche des Kaisers nach staatstreuen Arbeitern im Parlament muß Rechnung getragen werden; die Vorbedingung hierzu ist die Einführung der Diäten. Die Diätenfrage ist, wie in der französischen Nationalversammlung 1848 ausgeführt wurde, einfach bie Frage ber Wählbarkeit. Nun zum Antrag Barth betreffs Neuregelung der Wahlkreise! Eine Neueintheilung der Wahlkreise nach einem Zahlenschema hieße das platte Land entrechten. In einem dünnen ländlichen Wahlkreise ist eine erheblich größere Summe von wesentlichen Jnter- esten des Staatswesens vertreten, als in einem dichtbevölkerten Industriebezirk. Dagegen bin ich für eine Neueintheilung ber Wahlkreise nach geographischen und historischen Gesichtspunkten. Einige Wortt auch noch, hoffentlich zum letzten Mal, über die Bo.'ren' age! Es ist nicht richtig, daß die Boeren Ger rale ihre Ansiew plötzlich geändert hätten. Dies haben mir die Boeren-1 Generale selbst gesagt. Sie haben nur verlangt, zu wissen, wann sie vom Kaiser empfangen werden sollten, weil sie ihre Reise danach einrichten müßten. Ties war doch wahrhaftig kein unbilliges Verlangen. Wenn ihnen gesagt träte, an dem und dem Tage wird ber Kaiser Sie empfangen, wäre Alles in Ordnung gewesen. DaS Schlimmste aber iuar, daß alle Versuche der Boeren, daS Mitz- verständniß aufzuklären, abgelehnt wurden. Da kann man sich doch nicht wundern, wenn man im Volke glaubt, daß Alles vermieden werden sollte, um dem englischen Löwen auf den Schwanz zu treten. In einer Leipziger Zeitung werden jetzt ungeheure Vor- loürfe gegen unsere Kolonialverwaltung gerichtet, Geheimrath Hellwig soll s. Z., um die Kandidatur deS Dr. PeterS für den Gouvcrneurposten von Ostafrika unmöglich zu machen, es veranlaßt haben, daß hier im Reichstag die schwersten Angriffe gegen Dr. PeterS erhoben wurden. Wenn das wahr ist, werden es sich die Kolonialfteunde noch sehr überlegen, ob sie in Zukunft noch den Kolonial-Etat bewilligen. Nachdem mich der Reichskanzler in Folge meiner Etatsrede so schlecht behandelt hatte, sind mir eine Reihe anonymer Karten zugegangen. Mich berührt das nicht, ich sehe sie auf Konto ber Mitglieder jüdischer Raste. (Heiterkeit.) Ich habe, wo ich konnte, stets fier Regierung beigestanden, aber wenn ich sehe, wie die Kluft zwischen Regierung unb Volk immer größer wird, da ist es meine Pflicht als Abgeordneter, dazu Stellung zu nehmen. Die Regierung kann es nicht übel nehmen, wenn man ihr immer den Namen Bismarck entgegcnhält, denn darin verkörpert sich das Ideal und die Zukunft des deuffchen Volkes. Redner geht auf ave Punkte der Rede des Reichskanzlers gegen ihn ein und bestreitet, daß er jemals auf das Ausland geschimpft und Chauvinismus gezeigt habe. Tas Wort „Maulheldenthum", daS der Reichskanzler brmichte, kann auf Abgeordnete nicht bezogen iverdcn, es kann meiner Meinung nur auf die Herren angewandt werden, die die Macht und die Verpflichtung zu Thaten haben, es aber bei großen Worten bewenden lasten. (Heiterkeit.) Staatssekretär Graf PosadowSkv verliest die inzwischen eingegangenen Antworten der HeereS- und der Marineverwaltung bezüglich ber kanadischen Fleischlieferungen. .Keines dieser beiden Ressorts habe eine solche Lieferung bestellt, die Zeitungsnachricht sei also falsch geloefen. Unbekannt dagegen sei es beiden Restarts, woher die Schiffe in Venezuela ihren Proviant bezögen, die konnten ihn doch unmöglich aus Deutschland beziehen, da die Leute vier Mal in der Woche frisches Fleisch bekommen müßten. Abg. Dr. Pachnicke (freis. Verg.): Die Rede deS Mg. Roesick mar eine Fanfare zum Kampf im Cirkus Busch, dort wird AlleS in vergröberter Form wiederkehren. Interessant waren die gestrigen Auskünfte des Abg. von fiarborff über die Geheimgeschichte des Zolltarifs. Was sagen die National-Liberalen dazu, die nicht über ben Negierungsantrag hinausgehen wollten, daß der Tarif nun doch in einem wesentlichen Punkte erhöht ist? Europa starrt in Waffen, die man Zolltarife nennt. In Bezug auf die Wahlkreiseintheilung kommt es nicht auf bie persönlichen Dinge an, die Herr Gamp hineingezogen bat, sondern es kommen schwerwiegende sachliche Momente in Betracht. Es handelt sich um die Frage, ob der neue Reichstag eine Vertretung des deuffchen Volkes von 1869 oder von 1903 fein soll! Was sollen beim ave die mehr ober weniger schönen Redensarte«? Ausreden sind sie, nichts weiter; die Wahrheit ist: man fürchtet auf jener Seite, parteipolitisch geschädigt zu werden. (Sehr wahr!) ES ist ja dem Reichskanzler da auch verdacht worden, daß er zur I größeren Sicherung des Wahlgeheimnisses die Hand geboten hat. ' Redner befürwortet sodann luarm bie endliche Einführung der j Diäten. Abg. Franken (nat.-lib.): Ich freue mich darüber, daß daS . (Scnlrum in der Zurückberufung der Jesuiten den Anfang zum ; religiösen Frieden sieht. Im Namen ber evangelischen Arbettev- {vereine bitte ich ben Reichskanzler, ben internationalen FriedenS- beftrebungen sein Interesse zu schenken. Herr Hoffmann-Hall hat gestern eine sehr schöne Rede über den ewigen Frieden gehalten, nur hätte ich gewünscht, daß er sie 1970, 100 Jahre nach dem Kriege gegen Frankreich gehalten hätte. Im Elsaß hat jetzt ein Sozialdemokrat den Eid auf die Verfassung geschworen, bannt ist der erste kaiserliche Sozialdemokrat in den Landesausschuß ge- ■ treten. Abg. von Czarlinski (Pole) bringt wieder polnische Klagen über ungleiche Behandlung vor. Als er mehrere Fälle anführt, bedeutet ibn Präk. Graf Ballestrem, daß er jetzt nicht die Besprechung der neulichen Polcniuterpellation fortsetzen dürfe. Abg. von CzarlinSki bricht hierauf plötzlich ab, wendet sich ostentativ um und verläßt den Saal. Reichskanzler Graf Dülow: Auf den Schluß der Ausführungen des Abg. Liebermann von Sonnenberg, auf ben geschmackvollen Schluß seiner Rede gehe ich ebenso wenig ein, wie auf seine Ausführungen pro domo sua; ich will nur konstatiren, baß die be- friebigenben Versicherungen, bie er abgegeben bat über seine Gesinnung auf bie Franzosen, Englänber, Rusten unb Italiener gewiß ben allerbesten Eindruck machen Icerben. (Heiterkeit.) 9tun ist der Abg. ßiebermann von Sonnenoerg mich zurück- gekommen auf den Empfang ber Boerengenerale. Ich kann den Gewährsmann, von welchem ich neulich sprach, nicht nennen, ohne mich einer Indiskretion schuldig zu machen._ DaS aber kann ich neuerdings versichern, daß eS sich um eine Persönlichkeit bandelt, an deren voller Glaubwürdigkeit nicht der mindeste Zweifel möglich ist. Das wird mir ber Abg. Liebermann von Sonnenberg um so mehr glauben, wenn ich hinzufüge, baß bie be- treffenbe Persönlichkeit nicht, wie er annahm, ein Diplomat ist. (Heiterkeit.) Also biefer Mittelsmann schrieb so: „Die Boerengenerale kamen gestern Mend zu mir, um mir zu sagen, batz bie Behändigung einer Anfrage um eine Aubienz bei bem britischen Botschafter nicht in ihrem Plane gelegen habe. Die Anfrage beim britischen Botschafter erscheint ihnen ausgeschlossen; sie meinen, sie würden gerufen werden: sie werden also warten, bis sie gerufen werden." Welche Einflüsse wirksam gewesen sind, um bei den Boercugeneralen diese plötzliche und vollständige Sinnesänderung herbeizuführen, bin ich nicht in der Sage, zu sagen. Tas zu untersuchen ist auch nicht meine Aufgabe. Thatsache ist jedenfalls, daß bie anfänglich bei den Boerengeneralen vorhanden gewesene Ansicht, Neigung und Bereitwilligkeit, die Audienz bei S. M. dem Kaiser anzunebmen, hinterher modifizirt worden ist. Wenn die Boerengenerale für diese ihre Sinnesänderung darauf hingewiesen haben, daß auch der König von England sie hätte entbieten lasten, so ist dieses Argument kein durchschlagendes. Denn bie Boerengenerale waren seit dem Vertrage von Vereeniging Untertanen Sr. Mas. des Königs von England. Jedem anderen ©ouberäu gegenüber aber waren sie britische Staatsangehörige. Uebrigens kommt es hierauf nickt einmal an, nachdem durch eine seltsame Aenderuuc eine neue Sachlage geschaffen worden war, welche eine Audienz der Boerengenerale beim Kaiser ausschloß. Nun möchte ich noch mit einigen Worten cingeßen auf bie Handelsvertrags- Unterhandlungen. Durch die bei uns über ben Zolltarif unb über Hanbelsvertragswünschc im Plenum unb in ber Kommission gesührren eingehenden Berathmigen sind imsere Karten für die diplomatischen Verhandlungen wegen de? Abschlusses von Handelsverträgen bereits so sehr aufgedcL worden, daß unseren Unterhändlern ihre an und für sich schon nicht leichte Position dadurch mindestens nicht erleichtert ist. (Sehr richtig I) Durch die detaillirtc Erörterung, die jede einzelne Tarifposirion, ihre Entstehungsgeschichte und chre Begründung, gefunden hat, ist die Situation für unsere Vertreter ein: erheblich schwierigere als für die Vertreter anderer Länder, bei denen die Zolltarife in sehr geräuschloser Weise in Erscheinung zu treten pflegen. (Sehr wahr I) Deshalb Qlaubt ich, daß es Zeit ist, nunmehr unseren Unterhändlcrii die Bahn frei, zu geben und die Diskussion über die Handelsverträge im Allgemeinen und im Besonderen zu schließen und so lange geschlossen zu halten, bis fertige Handelsverträge dem Hause den Anlaß bieten werden, sich wieder mit dieser Materie zu beschäftigen. (Sehr wahrlj Nun hat der Herr Abg. Dr. Roesicke sich auch beschäftigt mit der Rede, die ich gestern Abend auf einem Banket gehalten habe. Ich loeitz nicht, ob Herr Dr. Roesicke auch da war (Abg. Dr. Roesicke: Nein!) — das thut mir leid, es war ein sehr nettes Fest (Heiterkeit.); wenn er zugegen gewesen wäre, so würde er wissen, warum ich für die von mir aufgeftelltenBehauptungen nicht allzu viel Grunde anzugcben brauchte. Ich sprach vor sehr cin- stchtigen Landwirchen, und demgemäß brauche ich für meine Behauptungen nicht besonders viele Grunde anzuführen. (Abg. Singer (Soz.): Er klopft auf den Busch! (Heiterkeit.)) Ich wurde wirklich glauben, unhöflich zu sein, wenn ich annehmcn sollte, daß irgend Jemand im Ernst meinen iönntc, daß der neue Zolltarif nicht bedeutend agrarischer wäre, als der frühere Zolltarif. Ich habe den neuen Zolltarif mit Absicht und mit Bewußtsein agrarischer gestaltet, als den früheren Zolltarif. (Zuruf links: Leider!) Wie man aber bestreiten kann, daß er den Wünschen der Landwirthschaft nicht Weiler entgegengekommen ist, das ist mir. schleierhaft und wird auch vielen Herren in diesem Hause schleierhaft sein. (Sehr richtig! links.) Nun hatte Abg. Dr. Roesicke es mir auch übel genommen, daß ich gestern gesprochen habe von Undank gegen diejenigen, welche den Zolltarif zu Stande gebracht haben. Dabei hat der Abg. Dr. Roesicke zunächst verschwiegen oder übersehen, daß ich gestern nicht allein gesprochen habe für den Fall, daß man nicht anerkennen sollte, daß der neue Zolltarif der Landwirthschaft wesentliche Vortheile brachte, von Undank gegenüber den verbündeten Regierungen, sondern auch von Undank gegen alle diejenigen, die, wie ich mich ausgedrückt habe, als Parlamentarier oder Politiker oder Landwirthe den Zolliarif zu Stande gebracht haben. Ich finde dies Verhalten gerade so undankbar gegenüber den Mehrheitsparteien im Hause, die für den Zolliarif gestimmt haben, wie gegenüber den Herren, die sich hier auf dieser Bank befinden. Denn die Interessen der Land- ivirthschast sind meines Erachtens von den verbündeten Negierungen und von der Mehrheit dieses hohen Hauses ebenso sehr oder vielmehr noch bedeutend wirksamer wahrgenommen, als vom Bunde der Landwirthe. (Sehr wahr!) Ich nehme selbstverständlich diZenigen Mitglieder des Bundes der Landwirthe aus, die für den Zolltarif gestimmt haben; und wenn ich mich nicht täusche, haben von den Herren, die dem Bunde der Landwirche angehören und zugleich Mitglieder dieses hohen Hauses sind, % für uni) % dagegen gesummt. Was aber diejenigen Mitglieder des Bundes der Landwirthe angeht, die gegen den Zolltarif gestimmt haben, so stehen ihre Dienste, die sie der Landwirthschaft geleistet haben, hinter den Verdiensten der verbündeten Regierungen und der Mehrheit dieses hohen Hauses zurück, wie Negation und Kritik Zurückbleiben hinter positiver Arbeit. (Lebhafter Beifall.) Ich verstehe es, meine Herren, wenn die schwierige, sehr schwierige Lage der Landwirth- schaft zu vielen Klagen geführt hat; nachdem wir aber den Zolltarif zu Stande gebracht haben, wäre es endlich Zeit, mit dieser immer wiederholten Krrtik zu brechen. Der Landwirchschaft, das fami ich Sie versichern, wird damit nicht gedient. (Beifall.) Und nun, meine Herren, möchte ich noch Bezug nehmen auf eine Bemerkung, die gestern dem Abg. Müller-Meiningen entschlüpfte, den ich leider nicht an seinem Platze sehe. Als gestern der Abg. Gamp sein Vertrauen den verbündeten Regierungen aus- gprach, für das ich sehr dankbar bin, und dabei zurückkam auf das Zustandekommen des Zolltarifs und von den Verhandlungen sprach, die dabei vor sich gegangen sind, meinte der Abg. Müller-Meiningen, der mir gerade gegenüverstand, in Bezug auf meine Person: um- gcfallen ist er doch. (Heiterkeit.) .Dcr Abgeordnete Dr. Müllec- Meiningeu, der ein belesener Herr ist (Heiterkeit) und der ein geistreicher Mann ist (Heiterkeit). — Gewiß, meine Herren, das sage ich mit vollem Ernst — der wird mich verstehen, wenn ich sage, daß das Wort .Umfallen' doch zu den Dorten gehört, die sich einstellen, wo Begrifie fehlen. (Unruhe.) Als ich die erste Nachricht harte vom Zustandekommen des Kompromisses zwischen den verbündeten Regierungen unb der Mehrheit dieses hohen Hauses, eines Kompromisses, zu dessen Zustandekommen mitgeholfen zu haben ich mir immer zum Verdienst anrechnen werde, da las ich am nächsten Tage in einer angesehenen, weit verbreiteten Berliner liberalen Zeitung: ich hätte derartig nachgegeben, daß jedes Vertrauen zu mir, nicht nur im Jnlande sondern auch im Auslande, in allen fünf Welt- theilen für immer und ewig erschüttert sei. (Große Heiterkeit.) Am selben Tage las ich in einer sehr angesehenen, sehr verbreiteten agrarischen Zeitung (Erneute große Heiterkeit), daß die verbündeten Regierungen, meine Wenigkeit auch rein gar nichts loncedirt hätten, nicht die allermindeste Konzession, nicht das allerkleinste Zu- gcständniß gemacht hätten. (Vereinzeltes: Sehr richtig! rechts.) Diese beiden Artikel habe ich mir aufgehoben, ich möchte sie in mein Fa- milienarchiv legen (Heiterkeit), damit die Nachwelt sieht, wie ob- jeftiü Politik in unserer Zeit getrieben worden ist. Die Wahrheit ist, daß bei der Verständigung, die zwischen den Mehrheitsparteien des Hauses und den verbündcren Regierungen zu Stcnwe gekommen ist, von persönlicher Eigenliebe, von Eigensinn, Rechthaberei, Eitelkeit überhaupt nicht die Rede ist. Wenn verständige Leute chre kleinen Divergenzen einer großen Nothwendigkeit unterordnen, sich verständigen, so fällt weder die eine Seite um noch die andere. Also mich lassen die häufig wiederholten Vorwürfe von Umfallen kalt, und ich denke, der Mehrheit des hohen Hauses, die unbekümmert um den Widerstand von links und rechts den Zolltarif zu Stande gebracht hat, wird cs ebenso gehen wie mir. (Beifall bei der Mehrheit.) Hiermit schließt die Diskussion. Der Etat des Reichskanzlers wird bewilligt. Der dazu gestellte Antrag Barth auf Neu-Eintheilung der Reichstags Wahlkreise wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt. Sodann vertagt sich das Haus auf Sonnabend 1 Uhr (Etat des Reichsamts des Innern.) Schluß 5 Uhr. Das Hnde der Affäre Ktron. Wir erhielten gestern abend folgendes Privat-Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben: Genf, 6. Febr. Advokat Lachenal und Dr. Zehme, die Vertreter der Kronprinzessin Luise, machen folgende Mit- teiluug: Girou hat heute abend Genf mit dem Pariser Schnellzuge verlassen, um sich zu seiner Familie nach Brüssel zu begeben, wo er morgen nachmittag eiutrifft und sich niederlasieu wird. Girou hat alle Beziehungen zur Kronprinzessin anfgegeben, um ihr die Wiederaufnahme des Verkehrs mit ihren Kindern zu ermöglichen._______________________ Im preußischen Abgeorduetenhause wurde am Freitag der Gesetzentwurf betreffend Erweiterung des StadtLerfes Münster in erster und zweiter Lesung angenommen. Alsdann wurde die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern beim Ausgabetitel Ministergehalt fortgesetzt. Im Laufe der Debatte erklärte der Minister des Innern von Hammer st ein, die Regierung erwäge Abänderungen des Wahl- Reglements, die zwar noch nicht definitiv abgeschlossen seien, aber sich ungefähr in der Richtung bewegen würden, daß mehrere Wahlgänge in einen znsammen- gezogen, die Stichwahlen vereinfacht würden und daß die Wähler ihre Namen nicht mehr persönlich in He Listen einzuschreiben brauchten. Je nachdem sich diese Aenderungen bei den nächsten Wahlen bewährten, müßte die Aenderung des Wahlgesetzes ausfallen. Für eine gesetzliche Neuregelung des Wahlsystems, das im Prinzip jedenfalls nicht angetastet werden dürfe, seien die Erfahrungen bei den nächsten Wahlen unerläßlich. Parlamentarisches. Berlin, 6. Febr. Die Budget kommission erledigte den Postet at und bewilligte mit 13 gegen 11 Stimmen die zweite Rate von Mk. 302 000 für Herstellung einer Telegraphenlinie von Mpapna nach Tabora (Deutschostafrika). Sie bewilligte ferner Mi. 450000 als erste Rate für die Postanlagen des künftigen neuen Hauptbahnhofes in Leipzig, sowie nach lebhafter Debatte Mark 56 555 für Grunderwerb des neuen Dienstgebäudes in Lippstadt. Die Kommission setzte schließlich die Forderung der Grundstückserwerbung in Gebweiler von Mk. 124 500 auf 74 500 Mk. herab und genehmigte die übrigen Forderungen des Extraordinariums. Danzig, 6. Febr. Amtlich wird gemeldet: Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im Wahlbezirke 2, Danzig, wurden 439 Stimmen abgegeben. Rechtsanwalt Ke- ruth-Danzig (fr. Vp.) erhielt 436, Hauptmann, Gutsbesitzer Schreww-Pran gschin 3 Stimmen. Stuttgart/ 6. Febr. Die Kammer hat heute nach Ablehnung der verschiedenen Anträge der Sozialdemokratie, der Voltspartei und des Zentrums mit 48 gegen 30 Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokratie den Kommissionsantrag angenommen, nach welchem als Ober- schulbehorde für die evangelischen Bottsschulen statt des Konsistoriums ein evangelischer Oberschulrat gebildet werden soll. Für die katholischen Volksschulen verbleibt der katholische Kirchenrat mit der Bezeichnung katholischer Oberschulrat. Die «Lage in Südamerika. Gegenüber der Wiener „9?. Fr. Pr." bemerkt die „9ft)rdd. Allg. Ztg.", daß die venezolanische Angelegenheit in keinem Stadium einen bedrohlichen Charakter angenommen hat. Der englische Botschafter hat in Washington gegen Bolvens Auftreten scharf protestiert. — Staatssekretär Hay erklärte, die Union könne dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Man möge eine Beschwerde an Castro richten. Bowen sei zurzeit nicht Beamter der Bereinigten Staaten. — In Newyort heißt es, die verbündeten Mächte f e i c ii abgeneigt, mit B o w e n weiter zu verhandel in Sie wollten den Streitfall vor das Haager Schiedsgericht verweisen, falls ein neuer Versuch. Roosevelt für das Schiedsrichteramt zu gewinnen, fehl schlüge. Bowen erklärt, einen etwaigen neuen Versuch, Roosevelt dazu auszufordern, ohne Erlaubnis Venezuelas, für eine Beleidigung. Er wurde einen solchen Vorschlag ablehnen. — Deutschland fordere, so heißt es weiter, 5 5 00 P f u n d als e r st e Zahlung. Sobald diese bezahlt, die Schiedsrichter ernannt und das Protokoll unterzeichnet sei, werde es die Blockade aufheben Die Vertreter der Staaten im südlichen Zentral-AmeriLa baten den Staatssekretär Hay um Vermittelung der Union gegen den drohenden Ktieg. Der Sekretär erfiärte eine Einmischung der Vereinigten Staaten für unmöglich, versprach aber deren gute Dienste zur Beilegung der Streitigkeiten. Aus Stadt und Saud. * Ung-lücksfall. Gestern mittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof am sogenannten Rangierkopf ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Hilfsweichensteller Müller aus Büdingen, der zu seiner Ausbildung zum Weichensteller 1. Kl. bezw. Haltestellen-Aufseher hier beschäftigt war, wurde beim Rangieren einer Weiche vmi einem abgelaufenen Wagen überrascht, wobei ihm das linke Bein unterhalb des Knies üb er fahr en wurde. Nach Anlegen eines Notverbandes wurde der Bedauernswerte, ein junger Mann von 24 Jahren, in die hiesige Klinik gebracht. , —k— Stockhausen (Kreis Gießen), 6. Febr. Zu der hier in nächster Zeit stattfindenden Bürgermeister- Neuwahl haben sich in unserem Dörfchen zwei Parteien gebildet. Dieser Tage fand eine Sitzung der einen Partei beim Wirt I. statt. Gegen 11 Uhr abends kamen zwei Gäste der Gegenpartei in diese Wirtschaft. Sie wurden mit Murren empfangen, und &alb* wurde es ungemütlich. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, dem Tätlichkeiten olgten. Der Schwiegersohn des Wirtes ergriff einen der päten Eindringlinge und wollle ihn ins Freie befördern. Natürlich half diesem sein Kamerad, un'd alsbald stürzte ich die ganze andere Partei über beide her, sodaß sich in der Stube ein förmlicher Menscheukuäuel bildete, wobei der Landwirt K. B. schlecht wegkam. Als er sich an der Kehle gewürgt fühlte, muß er ein scharfes Instrument benutzt haben, denn einer seiner Angreifer trug eine bedeutende Kopfwunde davon, die ärztliche Behandlung erforderte. Auch er selber hat ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Die Sache soll bereits zur Anzeige gebracht worden sein. Gerichtssaat Frankfurt a. M., 6. Febr. Der verantwortliche Redakteur der „Fr. N. dttichr.", Julius Wertheimer, wurde heute von der hiesigen Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Monaten Festungshaft gemäß dem Anträge des Staatsanwalts verurteilt. Die Majestätsbeleidigung wurde erblickt in einer Kritik, welche am 6. Dezember an der bekannten Breslauer Rede des Kaisers an eine Arbeiter-Deputation geübt wurde. Brüssel, 6. Febr. Bor dem Schwurgerrchte begann heute der Prozeß gegen Rubino, der am 15. November in der Richtung des Wagens, in welchem sich der König befand, R e v o l v e r s ch ü s s e abgegeben hatte. Es sind starke polizeiliche Maßregelll getroffen worden, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Nach Verlesung der An- Nageschrift greift Rubino die moderne Gesellschaft scharf an und erklärt, er habe dasLebendes Königs der Belgier treffen wollen, weil dieser ein Vertreter dieser Gesellschaft fei. Er habe die Absicht gehabt, nach Italien zu gehen, um einen Mordanschlag auszuüben, aber die Hilfsmittel hätten ihm nicht gestattet, sich dorthin zu begeben. Im wetteren Verlauf des Verhörs erklärte Rubino unter der Heiterkeit des Publikums, er habe, als er das Attentat aussührte, gehofft, er könne den König, den Prinzen Albert und einige von der Geistlichkeit töten. Der Staatsanwalt legt in seinem Plaidoyer den unregelmäßigen Lebenswandel Rubinos dar und wirft ihm begangene Bettügereien vor. Hiergegen erhebt Jttibino nn so lärmender Weise Einspruch, daß der Präsident ihn zur Ruhe mahnen muß. Der Staatsanwalt fordert strenge Bestrafung des von Rubino begangenen Verbrechens. Vermischtes. * Brüssel, 6. Febr. In der Vorstadt St. Gilles wurde auf dem Fenstergesims der Wohnung des Substituten Jattraud, der die Verhandlung im Vandermeulen- Prozeß geleitet hatte, eine Bombe mit brennender Lunte entdeckt. Die Untersuchung ergab jedoch, daß es sich um einen schlechten Scherz handelt, da die Bombe Sand enthielt. * Paris, 6. Febr. Die Polizei beschlagnahmte einen Brief Emil d'A ur ignaes, den dieser aus dem Gefängnis an feine Geliebte durch Mittelspersonen zu befördern wußte. Das Schreiben enthielt Nachrichten über Wertpapiere und Gelder. * Vom „Uebergiger1". Wir lesen in einem Londoner Brief der Hamburger Zeitschrift „Der Herrenkonfek- tionär": Den Sammetgehrock, den blauen Frack, die rote und schieferblaue Farbe haben wir zu verdanken dem jungen Marquis von Anglesy, einem „llebergigerl". Von diesem beachtenswerten jungen Edelmanne behauptet die Fama, er besitze die größte Sammlung der Well von Krawattennadeln, Hemd- und Manschettenknöpfen, Ringen, Uhrketten und Armbändern. Er besitzt eine Zigarettenbüchse, auf deren Innen- und Außenseiten mtt Diamanten, Rubinen und Smaragden Bllder eingelegt sind, die man nur in sehr ungenierter Gesellschaft zeigen kann. Für dieses Etui wollte ihm der König, als er noch Prince of Males war, tausend Pfund in Barem — schuldig bleiben. Als dieses llebergigerl kürzlich auf die Jagd ging, übergab es dem Direktor des Hotels, in dem es nächtigte, Schmuck im Werte von 70 000 Pfiuid (1400000 Mark) zur Aufbewahrung. Nebenbei hat Marquis von Anglesy die vollkommenste Sammlung von Krawatten, Wäsche, Schuhen, Anzügen und Hüten. Da er nichts anderes zu tun hat, beschäftigt er sich in den letzten zwei Jahren fast ausschließlich mit dem Erfinden von Moden. Er hat zu diesem Zweck in seinem Palais ein vollständiges Schneideratelier eingerichtet, in dem die zwei besten Zuschneider Londons, die er mit kolossalen Gehältern engagiert hat, nur für ihn arbeiten dürfen. Desgleichen hat er einen Schuhmacher und einen Wäschezuschneider für sich allein gemietet. Von Zett zu Zett pflegt er dann mit Hilfe einer Schar gleich- gesinnter Freunde, die von ihm pekuniär abhängig sind, die Londoner Gesellschaft durch eine neue „Mode"' zu verblüffen. Märkte. Frankfurt a. M., 6. Febr. Der Frühjahrs- Pferdemarkt wird wieder eine bedeutende Zahl von Händlern hier vereinigen, mehr noch als gelegentlich der früheren Märkte, da nicht allein alle hiesigen und größeren deutschen Händler oertreten sein werden, sondern auch aus verschiedenen Nachbarländern, so aus Oesterreich, Frankreich, Belgien, der Schweiz große Transporte angesagt sind. Es wird sich somit eine erstklassige Ware schöner Pferde präsentieren und den Liebhabern und Kauflustigen, die zum Frühjahr neues Material ihren Ställen einverleiben wollen, eine sicherlich sehr schöne und umfangreiche Auswahl geboten werden. Diesmal fällt der Pferdemarkt mit dem Frühjahrsrennen des Rennvereins zufälligerweise zusammen; es ist daher auzunehmen, daß die Sportwelt diesem so bewährten Altfrankfurter Unternehmen, dem Pferdemarkt, ihre Aufmerksamkeit zuwenden wird. Die mit Werkpreisen reich ausgestattete Prämiierung wird Aiontagnachmittag siattfindeu. Die Vorführungen sind entweder im Freien oder in der festlich beleuchteten Halle vorgesehen, wozu das Komitee eine Militärkapelle sich gesichert hat. Turch diese Neuerung glaubt das Komitee beim Publikum noch, mehr Beifall und Unterstützung zu finden. Endlich sind auch für die Lotterie wieder Veröesseruligeu vorgesehen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 3n der Stadtkirche. Sonntag, Sepluagesimae, den 8. Februar. G o t 1 e s d i e n ft. Vormittags 9Vs Uhr: Professor 0. Stamm. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgememde. Pfarrassistent Vogt. Abends 6 Uhr: Pfarrer Scheunemann. Beichte und heiliges Abendmahl für Malchaus- und Mar- cusgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. . Die Versammlung der konfirmierten männlichen Jugend mufj verschoben werden. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 7. Febr. Ter König und die Königin unternal)men gestern eine einstündige Spazierfahrt. Bloemfontein, 6. Febr. (Reuter.) Dewet und 40 andere Buren der extremen holländischen Partei hatten eine zweistündige Unterrebungmit Cha mb er l a i n, die erregte Vorgänge auf wies. Tcwet beschuldigte die Regierung, die F r i e d e n s b e st i m m u n g e n von Ver- eeniging verletzt zu haben. Chamberlain lehnte eine ihm angebotene Adresse ab und machte den, ihm die Adresse überbringenden Delegierten heftig e & orwurfe, daß sie den guten Glauben der englischen Regierung und seinen eigenen guten Glauben angegriffen hätten.