Zweites Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 7.Jan«mr lS03 Erscheint täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden iin Äechiel mit dem hesflschen Landwirt die Kiehcner Familien blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwerl.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Grbcn) Redaktion. Expedition und Druckerei: echnlstratze 7. ftbreffc für Depeschen: Änzeiger Gießen. FernIprkchanschlußNr 61. w ä vr»nuSpretSr V \7 /Cv CtF monatlich 75 üUctcrteb. A. A y . - - . iöbrlich Mk. 8.20; durch At*A<# A*t i|HiAiAAilä»» B B ftr I B I ■ A|Z I ■ B Br I iähtt.^auSschl. VX W WM W g TA R M W K M W M r-, Z Annahme von Anzeigen« c. 'a£>-V ? .Ay V >v L-T, r ' <•’. Vi..^ iür btt raaesnummee W w Ut W ^chF aitderer england- freundlicher Männer befürchtet, wurde der Prinz Meinest Amtes enthobeit und ztun Gotweriteuc der zur ertglischen Einflußsphäre gehörendell Provinz Llrabistan ernannt Auch die übrigen zu starker Hinneigung zti England verdächtigen Beamten Teherans wurden in Provinzen versetzt. M 1903 erscheint in Aschabad cckZ Beilage zur „Sakaspitsürje OboS- rentj.e" eine Zeitschrift in persischer Sprache, um als Gegengewicht gegen die wachsende Bedeutung dec Entwickuing der anglo-perjischen Hatwelsbeziehmtgeit zu dienen mid die Annäherung Rußlands und Persiens zu sichern. Deutsches Reich. B e r l i n, 6. Jan. Der Kaiser hatte heute morgen am Brandenburger Tore eine Besprechung mit dem Finanz^ Minister v. Rheinbaben und Cent Polizeipräsidenten von Borries wegett Ausstellung vott Denkinälern. Hierauf besuchte der Käiser den Grafen Bülow und hörte später im Schloß die Vorträge des Chefs des Miliiärkabinetts und deA Chefs des Admiralstabes. Uni halb 12 Uhr empfing der Kaiser den französischen Botschafter Marquis de Nvailles, um 12 Uhr 45 Mm. den bisherigen serbischen Gesandteir Steitsch, beide in Abschieds-Attdienz sowie den Nachfolger des letzteren, Militschewitsch in Antritts-Audienz. — Ter deutsche Kronprinz wird Eiide Alärz Bonn verlassen und vorläufig wieder im 1. Garde-Regiment zu Fuß aktiven Ttenst tun. Wie verlautet, soll derselbe mm Hauptmann und Chef der 2. Kompagnie ernannt werden. Für später ist der Eintritt des Kronprinzen beim Regiment Garde du Corps geplant. — Ter preußische Justizminister Schönstedt, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, hat sich allen Ovationen durch seine Abreise von Berlin entzogen. Dom preußischen Gerichtsvollzieher-Verbände crbielt der Jubilar eine künstlerisch gehaltene Adresse übersatidt. — Tas 3c e i ch s m a r i n e a m t bestimmte die Indienststellung des auf Lser Weserwerst in Bremen neu erbauten Kreuzers „Frauenlob" für Mitte Februar. — Ter Kaiser hat dem Reichsbagsabgcordneten Prost Freiherr v. Hertiing den Kronenordett 2. Klasse mit dem Stern verliehen. — Tem von hier scheidenden fran^zösischeu Botschafter Marquis de NoailleS hat der Kaiser seine Büste in Marmor verliehen. Dresden, 6. Jan. Die Besserung im Befinden des Königs hält an. Dec Hustenreiz, der der: boheu Patienten immer noch sehr quält, scheint etioas nachgelassen zu haben. Magdeburg, 6, Jan. CDcrv.räitaent Dr. V. B tt Ser Veglng heute 5leFe^r seines 70: SedurtSiageSunter lebhafter Teilnahme von nah und fern. Die Spitzen der Civil- und Militärbehörden erschienen! am Vormittag flirr Beglückwünschung. Die Städte Magdeburg und Stralsund verliehen ihm die Würde eineZ Ehrenbürgers. Der Prinz* reaent von Bayern sandte ein GlüMvunsckftelegramm. Nac^« nittagS findet ein Festmahl statt. AuslanS. variS, 6. Jan. Hiesige Blätter verzeichnen netter* dlnav daZ Gerücht von einer bevorstehenden Verlobung des deutschen Kronprinzen mit der Prinzessin Mee von Mbany, einer Nichte des Königs M>uard. — Die Bevölkerung des DevartementS Jinistöre hat sich mit der Bitte an die Mttglieder der Munn er und des Senats gewttndt, im Parlament filr die Verbesserung ihrer traurigen Lage ein^u treten, in welche sie bind) den wenig ergiebigen Sardinenfang geraten ist. Frauen und Kinder durchziehen bettelnd das Departemeitt, da eZl ihnen am allernottven- dkgsten fehlt. Wien, 6. Jan. Wie verlautet, wurden in Nisch Wm Uchreibtische des Königs Alexander wichttge Auf- z ei chn u n g en, die sich auf die Mission des Grasen Lams- dorff bezogen, gestohlen. Lissabon, 6. Jan. TaS Lissaboner Masser-Re- servotr ist plötzlich gestern geborsten. Eine gewaltige Menge Wasser überschwemmte den niedriger gelegenem Teil der Stadt völlig. Verschiedene Häuser wurden gänzlich weggewaschen. Tos Theater wurde völlig überflutet. Biele Menschen sind umgekommen, doch ist die genaue Zahl noch nicht bekannt. Eine große Panik herrscht in der Stadt. M adrid, 6. Jan. Sagasta starb an einem alten hartnäckigen Bronchialleiden, welches plötzlich akut wurde. Tie spanischen Zeitungen haben ihm ost vorgehalten, er schütze nur sein Bronchialleiden vor, wenn er eine schwierige politische Angelegenheit verschieben wollte. SonntagnachmittogS wurde sein Leiden plötzlich schlimm. Die Aerzte erklärten sofort, es bestehe keine .Hoffnung, der Dod sei nur eine Frage weniger Stunden. Tie Nachricht verbreitete sich sehr schnell. In großer Anzahl" sammelten sich distinguierte Persöulich- ketien beim Portale seines Hauses, unter ihnen Silvela und Villaverde, Mitglied des Kubinetts. Auch viele Arbeiter kamen und hörten mit Bedauern die Nachrichten vom Befinden des populären Führers. Im königlichen Palaste herrschte ebenfalls große Teilnahme. Der König und die Königin-Mutter ließen sich alle halbe Stunde erkundigen. Viele Deputationen aus den Provinzen werden zum Begräbnisse erwartet. — Ter Leichnam Sagastas wurde heute nachmittag nach der Teputiertenkammer überführt. Auf der Straße hatte sich eine zahllose Menge augesammelt, jbie in ehrfurchtsvollem Schweigen verharrte, als der Leichenwagen vorüberzog. Ter König begab sich nach der Kammer, um ein Gebet cust Sarge Lu verrichten. — Wie auS Ceuta gemeldet wird, traten die ange- sehendsten Eingeborenen zusammen und beschlossen- Mafien und Munition anAukaufen für den Fall, daß dieBertider- und Suadara-K'abylen die Stadt angreifen sollten. Ai» der zweite» Kammer. Ms Drucksache 79 ist soeben eine Anfrag« deS Ahg. Leun über die Arbeitszeit de» Rangierpersonals auf Bahnhof Gießen erschienen. Herr Leun fragt an: ^Jst Großherzoglicher Regierung bekannt, daß sett wenigen Jahren fünf Arbeiter aus einem einzigen Ort (Großen- Linden) auf Bahnhof Gießen überfahren wurden, wovon drei sofort ihren Tod fanden und zwei zu Krüppeln wurden, und ist Großherzogliche Regierung bereit, Schritte zu tun, die eine größere Sicherung und Besserung der Verhältnisse herbeiführen?" Von Köhler-Langsdorf liegen wiederum zwei Drucksachen vor. Die eine betrifft die Interpellation des Abgeordneten wegen Einführung von Realstem zur Kontrolle des Viehhandels in Hessen, und enthält einige Schilderungen über bereits bestehende Viehkontrollen, die andere beschäftigt sich mit der Wasserpest in der Horloff und fragt an: „Welche Maßregeln gesenkt die Großherzogliche Regierung demnächst zu ergreifen, um eine gründliche Tilgung der Wasserpest in der Horloff und ihren Neben- gewässem zu bewirken und die Gefahr der ^Verseuchung benachbarter Gewässer zu verhindernd Kus Stadt und Land. Gießen, den 7. Januar 1908. • * In unserer Unterhaltungsbeilage beginnen wir heute mit dem Abdruck des Romans »Eine verhängnisvolle Fahrtt von B. M. Croker. * * Auszeichnungen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde von S. K. H. dem Großherzog dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Wimpfen a. B. Hermann Muckh verliehen. * • Personalien. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn- gemeinschast Adam Friedrich Sebastian Willmuth zu Mainz mit Wirkung vom 1. Januar 1903 an. * * Das Großh. Regierungsblatt Nr. 1, auSge- geben am 5. Januar d. I., enthält: 1. Bekanntmachung, die Einführung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung betreffend. Vom 31. Dezember 1902. (Wurde bereits im amtlichen Telle d. Ztg. bekanntgegeben.) 2. Bekanntmachung, die Abänderung der Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb der Apotheken vom 14. Januar 1897 be- tteffend. • * In den wohlverdienten Ruhestand trat der hiesige Laternenwärter Emil Ohr, nachdem er über 33 Jahre lang seinen zwar einfach scheinenden, aber nicht unwichtigen Dienst bei der städtischen Straßenbeleuchtung in ununterbrochener Pstichttreue versehen hatte. Er fühlte sich infolge körperlicher Beschwerden und in Anbetracht der Anforderungen, welche dieser Dienst — oft bei den ungünstigsten Witterungsverhältnissen — an fernen Inhaber stellt, veranlaßt, um Enthebung von seinem Amt zu ersuchen. Nachdem die städtische Verwaltung diesem Ersuchen auf Grund der Bestimmungen, betreffend, die „Fürsorge für die städtischen Arbeiter und Bediensteten" in wohlwollender Weise entsprochen hatte, trat Herr Ohr vor kurzem in den Ruhestand, in den ihn unsere besten Wünsche begleiten. ** Hessisch -Thüring. Staatsl-rtterie. (Telegr. Bericht.) Die Prämie von 50 000 Mk. fiel auf Nr. 1212, die zuletzt mit 300 Mk. gezogen wurde. Ferner fielen 30 000 Mk. auk Nr. 44740, 5000 Mk. auf Nr. 71589, 8000 Mk. 88791, tOOO Mk. auf Nr. 47345, 1000 Mk. auf Nr. 4477 14543 51011, 400 Mk. auf Nr. 69486 76300 79847 81009 88490 92610, 800 Mk. auf Nr. 1212 15999 23563 61545 66740 72685 79574 89683 90613 97517. (Ohne Gewähr.) ** FrüdiabrSpferdemarkt. Im Sitzungssaal >er Bürgermeisterei tagte gestern abend die Pferdemarkt- Kommisfton, um über die Vorbereitungen zu dem am 26. März ab-uhalteuden Frühjahrs-Bferde markt zn beraten. Dee Vorsitzende erstattete über den letzten Herbfi-Pferdemarkt den Rechenschaftsbericht, der durch 2tin- schafsungen verschiedener " größerer Jnventarstücke mit einem kleinen Fehlbetrag aoschloß. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt Der Lotterieptan pro 1903 erhielt insofern eine Aenderung, als diesmal it a. zwei komplett bespannte Wagen zur Verlosung kommen, und zwar als erster Preis: eine Equipage mit Pferd und silberplattier- tem Geschirr, als zweiter Preis: ein sogenannter Lauter- Bücher Wagen nebst Pferd und komplettem Geschirr: es find wie seither 20 000 Lose je Mark 1 vorgesehen und ist jer Mleinvertriebi Herrn Buch acker. Neuen Bäue, übertragen worden. Der Vorsitzende referierte alsdann über die im Herbst stattsindende landwirtschaftliche Ausstellung und teilte'mit, daß bereits Verhandlungen gepfiogen seien, den Herbst-Pferdemarkt mit der gleichzeitig stattfindenden Ausstellung zu vereinigen; die Mmmission erklärte sich hiermit einverstanden und beauftragte die beiden Borfitzenden, >ie hierfür notwendigen Bestimmungen und Abmachungen mit dem geschäftsführenden Ausschuß der landw. Ausstellung zu treffen. Für das Jahr 1904 wurde für die Pferd e- nrärrte alsdclnn noch der 16. März und 7. September in Mssicht genommen. ** Stadttheater. Ter Kasseler Hofschauspieler Eduard Schm ar sow hat sich durch seine Gastspiele am hiesigen Theater schnell einen so vorteilhaften Ruf bei unserem Publikum erworben, daß ihm bei feinem Auftreten stets ein gut besetztes Haus gesichert scheint. An ;en beiden letzten Abenden gastierte er wiederum mit bestem Erßolg, vorgestern als, An ton Hase mann in dem alten köstlichen Volksstück von L'Arronge „Hasemanns Töchter" und gestern in der Titelrolle der Gesangsposse von Moser und L'Arronge „Ter Registrator aus Reisen". Beide Komödien sind fast ein Menschenalter auf den Bühnen heimisch und toerben überall da gern gesehen, wo man dem breiten Berliner Possenwitz ein liebevolles Verständnis entgegenbringt. Daß das namentlich gestern auch hier der Fall war, zeigte der lebhafte Beifall, mit dem die Zuhörer den meist doch recht faden und abgestandenen Witzen folgten. So ein Registrator aus einem Berliner Ministerium, der wie! ein Cirlusklvwn auf der Bühne umherlaufen und das Blaue vom Himmel berunterreden muß, lediglich um die Lachmuskeln des Auditoriums einigermaßen, in Bewegung zu erhalten, mag vor 30 Jahren auf der Berliner Possenbühne eine ganz originelle Figur gewesen sein, heute erscheint er als ein fader Schwätzer, und seine Kömik wie ein altes, abgedroschenes Trommelfell. Der Gast des WendS war mit Glück und Geschick bemüht/ ben Berliner Possenreißer mit Mutterwitz und Satire auszustatten, unb wir können uns im allgemeinen ganz mit dem Urteil einverstanden erklären, das wir in der Montagsnummer über Herrn Schmarsows Cäsar Wichts aus einem Berliner Blatt zum Abdruck brachten: in der Masks beS von dem billigen Rotwein berauschten RentterS Müller zeigte sich der Gast auf der vollen Höhe feiner Bühnrnkomtk, und ihm schlossen sich Herr Heypertz als Baurat, Herr Becker als der sächselnde Gerichtspat Hetdenreich, Herr Ger lach als Jn- g erneut Weller, Herr Ramseyer als. Gastwirt zum roten Ochsen und Herr Harts Zo d e r als ZeitungSrevorter bestens an. Recht ansprechend war deL GerichtDrats Töchterchen Emma (Frl. Käthe B ü n a tt), und auch Frau Frieda Kruse alS Registratorsgattin und Frl. Brücher als Schauspielerin boten einswandKfteie Leistungen. •* Hochwasser. Eine Folge des anhaltenden Tauwetters und der starken Regengüffe der letzten Tage ist da§ überall mit großer Gewalt austretende Hochwasser. Zahlreiche Telegramme au§ WormS, Mainz, Köln, Trier, Kassel und entfernteren Gegenden melden ein rapides Steigen der Flüffe und mannigfachen, damll verbundenen Schaden. ** VorbereitunHSkursuS für die Meisterprüfungen. Die Anmeldungen zur Tellnahme an diesem Kursus sind, wie wir von der Schulleitung der Gewerbeschule erfahren, so zahlreich eingegangen, daß derselbe Dienstag, den 13. Januar, seinen Anfang nehmen kann. An wöchentlich drei Tagen — Dienstag, Donnerstag und Frettag — von 9—12 Uhr und 2—i/2ö Uhr findet der Unterricht statt unb erstreckt sich auf alle in der Meisterprüfung vorkommenden Prüfungsfächer, nämlich Buchführung, Wechsellehre, Versicherungsgesetze, Gewerbeordnung und Aufgaben über besondere Fachkenntnisse. ** Die Ein ziehung der Taler geht noch weiter, alS bisher berichtet wurde. Die Taler älterer Jahrgänge, d. h. die bis einschließlich 1856 geprägten, welche etwas größer sind als die nach 1856 geprägten Vereinstaler, werden bereits feit Jahren ausgesondert und in bestimmten, vom Reichsschatzamte festgesetzten Raten den Münzstätten zwecks Umprägung in Fünf-, Zwei- und Ein-Mark- stücke zugeführt. Binnen Jahresfrist dürften bie Vorräte von dieser Münzgattung bei der Reichsbank erschöpft sein. Es soll nun auch, wie wir schon meldeten, mit den Ver- einstalern aufgeräumt werden, und demgemäß lautet eine Verfügung des Reichsbankdirektioriums an sämtliche rhm unterstellte Dienststellen im Reiche, wonach vom 2. Januar d. Js. ab Talerstücke nicht wieder zu verausgaben imb. Das betrifft demnach alle Taler ohne Ausnahme, und nach den seither gemachten Erfahrungen kann angenommen werden, daß nach Verlauf von zwei bis drei Monaten Die zur Zeit noch umlaufenden Talerstücke in der Hauptsache bei oer Reichsbank eingelagert fein werden. Es dürfte dann binnen etwa Jahresfrist vom Bundesrat der En^ termin festgesetzt werden, bis zu welchem die ^aler noch als Zahlmtttel anzusehen sind. So beliebt die Taler in vielen Schichten der Bevölkerung auch sind, so wünschenswert ist es andersetts, daß mit dem Ausscheiden der Taler die Reinheit der deutschen Münzwährung vollständig erreicht wird. . . n *» Die Landes-Hypothekenbank in Darmstadt wird am 17. Januar begründet; sie tritt mit diesem Tage inS Leben. ps. Nidda, 5. Jan. Alljährlich, wenn dieWeihnachtS- klänge verrauscht sind, begeht der Eisenbahnverein Nidda sein Weihnachtsfest; denn während der eigentlichen Feier- tage ruft den Eisenbahner die Pflicht, mit ganzer Kraft den Verkehr bewältigen zu helfen. Am 3. Januar hatten sich nun die Mitglieder des Vereins wiederum versammelt, um nach ernsten Stunden auch das Weihnachtsfest zusammen zu feiern. Herrlich wie immer prangte' der Festsaal im duftigen Tannengrün, bestrahlt von den Kerzen zweier mächttgrn Weihnachtsbäume. Schon vor Beginn der Feier war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine markige Fest- rede wurde gehalten, die in einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und Se. Kgl. H. den Großherzog gipfelte. ES folgte ein gut gesprochener Prolog einer Vereinsdame. Die beiden Theateraufführungen, betitelt: „Friede auf Erden* und „Die Deputation von Oberochsenheim" wurden tadellos gespielt. Die Mitwirkenden ernteten reichen Beifall. HeideSheim, 5. Jan. Verschüttet wurde der 62jährige Landwitt Jos. GeinS durch herabfallendeS Geröll in einem Steinbruch. Er konnte nur noch als Leiche hervorgezogen werden. Lauterbach, 5. Jan. Von einem schweren Unglück wurde die Familie des Ingenieurs Skinner hier betroffen. Der einzige, 14jährige Sohn war auf einem ihm gehörenden Esel ausgeritten. Als nach langem Ausbleiben der Esel allein nach Hause kam, suchte man nach dem Knaben unb fand ihn blutüberströmt und besinnungslos auf einer steinigen Wiese liegen. Es ist anzunehmen, daß der Knabe abgeworfen wurde und dabei einen schweren Schädel- bruch erlitten hat, und außerdem von dem durchgehenden Tier ein Stück geschleift wurde. Der bedauernswerte Knabe ist seinen Verletzungen erlegen. sd. Mainz, 6. Jan. Unter dem Vorsitz des General- Staatsanwaltes Dr. Pre etorius hielt heute der Hessische Schutz verein für entlassene Gefangene im SitzungS- saale des Negierungsgebäudes zu Älainz Mitglieder-Versammlung ab, die sich eines verhältnismäßig guten Besuches zu erfreuen hatte. U. a. wurden dem Hess. Landesverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke auf dessen Ersuchen zur Beihilfe für die Trinkerheilftätte in Burg Berg-Bieber 500 Mk. bewilligt. In den Ausschuß wird für den verstorbenen Provinzial-Direktor v. Bechtold, deffen Nachfolger Provinzial-Direktor Dr. Breidert gewählt. Der Ausschuß besteht nunmehr aus den Herren: Provinzial-Direktor Dv Breidert-Gießen, Frhr. v. Gagern-Mainz, Frhr. v. Graney« Darmstadt, Exz. v. Goldmann-Darmstadt, Oberbürgermeister Köhler-Worms, Major a. D. v. Kröll-Darmstadt, Stadt pfarrec Petersen-Darmstadt, Pfarrer Schlosser-Gießen, Donv kapitular Dr. Selbst-Mainz. Mainz, 6. Jan. Ein in einer hiesigen Anstalt schor seit mehreren Jahren bedienstetes Mädchen wurde gestern iü Kastel wegen eines Kindesmordes verhaftet. Das Mäd< chen, daS sich seither gut geführt haben soll, hatte mit einert jungen Manne in Kastel ein Verhältnis, das nicht ohrt Folgen geblieben ist. Alsbald nach der von dem Madcher verheimlichten Gebutt wickelte es daS Kind in Papier uni steckte es ins Bett, worin das Kind erstickte. Bei der zw künftigen Schwiegermutter in Kastel wurde daS Mädchen vev haftet unb die Leiche des KindeS erstickt im Bette vorgefimden — Unter dem Verdacht, sich schwer an seiner eigenen ©tief tochter vergangen zu haben, wurde em in der Neustadj wohnender Taglöhner in Hast genommen. Die Tat deS Unmenschen qualifiziert sich alö Notzuchtsverbrechen, daS mit Zuchthaus zu bestrafen ist. — DaS „Kleine Witzblatt* wurde gestern in mehreren hiesigen Buchhandlungen und bei den Kolpotteuren konfisziert. Die Konfiskation des Blattes erfolgte, wie das „Mainz. Journ.^ meldet, wegen seiner „Laszivität^. Mainz, 6. Jan. Zu dem SekVmordversuch ded Weinhäntzlers Albert Kern am Samstag wird weiterhin genießet: Kern hatte sich mittelst eines Flobertgewehrs eine Kugel in den Kopf geschlossen. Anfänglich glaubte man an seinen Tod; er kam aber später wieder zum Bewußtsein. Ter sofort herbeigerufene Arzt verfügte die Uebersührung des Schwerverletzten in das Rochushospital, wo sich Kern sofort einer Operation unterziehen mußte. Sein Zustand ist lebeuZgefährlich. Kem wollte sich durch Selbstmord seiner Verhaftung entziehen, die wegen Dieb^ stahlsverdachts in mehreren Fällen bereits gegen ihni ungeordnet wär. Kern wird u. a. beschuldigt, auS einer Badekabine einem seiner Bekannten 140 Mk. gestohlen hu haben, ferner soll er in einer Konditorei wiederholt betrage entwendet haben, unter welchen Vorkommnisse!!, die Angestellten der Konditorei, von denen einige entlassen wurden, schwer zu leiden hatten. Auch .in einer Früh^ stücksstube in der Betzelssttaße kam ein erheblicher (Selb* betrag abhanden, wie man jetzt vermutet, durch Kern, von dem damals jedoch der Restaurateur behauptet hatte, er käme gar nicht in Bettacht. Einer von Kerns Kunden^ der in einer Stadt im Odenwald lebt, behauptet, daß er vor Jahren an Kern eine Rechnung bezahlt und nach Kerns Weggang 1500 Mk. vermißt habe. Gegen Kern, der in manchen Kreisen ein gern gesehener Gesellschafter war, häuften sich in letzter Zeit die ^DerdachtAmomente, nament- lich seitdem einem Restaurateur eine Geldbörse mit 800 Mk. Inhalt entwendet wurde. Damals waren in dem betreffeni den Raum nur Kern und ein in der Neubrmrnensttaße wohnender Herr gewesen. Letzterer hatte inzwischen ent anderes Restaurant aufgesucht und mußte sich dort von der Polizei, die der Wirt und Kern verständigt hatte, eine körperliche Visitation gefallen lassen, während gleichzeitig ein anderer Polizeibeamter das Dienstmädchen des Ver- dächttgen ausfoiffchte, wann sein Herr zuletzt zu Hause gewesen fei. Eine Haussuchung unterblieb nur ans dem Grund, weil der Verdächtige seit dem Diebstahl noch nicht nach Hause gekommen war. Inzwischen soll jener Herr den Restaurateur und Kem auf 5000 Mk. Schadenersatz verklagt haben. Gleichzettig nahm sich die Staatsanwaltschaft der Angelegenheit aufs eifrigste an. Der Verdacht, den Diebstahl ausgeführt zu haben, verschärfte sich gegen Kern, als an den Restaurateur dieser Tage eine Postalttversung über 600 Mk., ab gesandt von einem „Ehrenmann", emlief und man feststellen konnte, daß an jenem Tage Kem nach, Frankfurt gereist war. Kern hatte einige Tage vorher dem Wirt die 600 Mk. persönlich angeboten, um die Geschichte aus der Welt zu schaffen, wie er sagte; der Wirt hatte, sich aber nur zur Annahme bereit erklären wollen, wenn Kem den Diebstahl eingestehe, was jedoch verweigert wurde. In den letzten Tagen fanden nun wiederholt Vernehm* ringen in dieser und den vorher geschilderten Angelegen* Heiken vor der Polizei statt, zuletzt am Samstag, und die Verhaftung Kerns stand unmittelbar bevor. Erwähnung verdient auch noch folgendes Vorkommnis, das ein Be* fannter Kerns erzählte. Kem habe häufig bei ihm auf dem Bureau verkehrt und er habe ihm solches Vertrauert geschenkt, daß er ihn öfters längere Zett dort allein lleß^ wenn er selbst im Keller zu tun hatte. Einmal behauptete nun Kem, daß Der Kassenschrank beim Oesfnen ein entsetzliches Geräusch mache, und er holte Oel und schmierts ""äm .»fu, u' ®'nt m 6t b» ««f A gipfelte. $ ': btn ■’ Erden- ?"b" ®utb«i tab,n„, b -r« N«a, ö n°3 g-Ipieit. ™ yrrvor. !ui °i"«n ä*. ln9"n MtdÄ'*! 1 "°ch Ä«1* b'Ünnün^'"^ *TSiaä des ®ewI. J nl bM-flÜ^ TO S!n=,m6W- „ Mitglieder.^, ™n«Mj guten $M,g .bl™ M Llmdeireiiin ?n,! °“f d-ff°n &(u^ m Lurg BerMed,, «H wird für dm tet. Wölb, beffeit Slaäjjoljd 1 Stählt. Der Ausschuf Provinzial-Tirektor Lr 'Mainz, Frhr. v. Grancy. ltnWb Oberbürgermeister • Kröll-Darmstadt, Stadt bchlcher-Cießen, Dom mn hiesigen Ansick $o\ l Mädchen wurde gestern xi cd es verhaftet. Tas Mäd< - haben soll, hatte mit emerr Verhältnis, das nicht oh» nach der von dem Mdch« 4 daS Kind in Papier uni Kind erstickte. Bei der p siel wurde das Mädchen vev i erstickt im Bette vorgrsunden ;wer an seiner eigenen Stiefi wurde ein in der Ncusiadi mommen. Die Tat b?3 Un« da« - Las,Kleine Witzblck' en Buchhandlung« und bei te KonsiStatm des AckrS [tn.* meldet, wegen V'mtr SrllimvrdvtrsUch^ am TarnStag wird W Melsi eines MchY» thofint' SiMM ff* gerufene »fflO etaninM rPto tont wollt- M WJ i» eirttae ent* von denm emg tat ^^?Mchn Geld- sAg,*s: «■’»<«» “ ■& W'«? ls-hener Ge|e"i - > nöBlen^ reineß^^Kbetteflw ^Ä-w-SfÄ uni> ^*53® JailyenfR”®^wi= 8e< Sden SW d&r?X um d'2 Halts er i^%utbe. s?sSs rMSs l' * ichin^ n^.;, be'Nl^s M 'tolte Me Angeln vvr den Augen dcS rSge-ntkwrer». I>ener gslrmdtv, eS sei eine Gefälligkeit, bis er sich überzeugen mußte, daß e- nur Vorsicht von Kern gewesen war. — Tie Summe der Tiebstähle, von denen bis jetzt 36 Fälle befaimt sind, soll sich auf viele Tausende von Mart belaufen. Wiesbaden, 4. yan. Bei einem nächtlichen Streit euf dem Luxemburgplatz erhielt der Gärtnergehilfe Osterrieth aus Ulm mit der Spitze eines Regenschirms einen Stich ins Auge. Der junge Mann ist an den Folgen der Verletzungen gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Höchst a. M„ 6. Jan. Der Arbeiter Hsgemann ms Unterliederbach wurde verhaftet. Er ist verdächtig, am SamStag Abend auf dem Weg nach Unter* liederbach an der 12jühr. Tochter des dortigen Arbeiters RierSberger den von uns bereits gemeldeten Lustmord begangen zu haben. Er hat dem Kinde den Leib cmfge* schlitzt und gefährliche Schnittwunden am Hals beigebracht. Die Ueberfallene soll ihn heute sofort wiedererkannt haben. H. ist angeblich erst seit drei Wochen verheiratet. Frankfurt, 6. Jan. Am 6. Januar 1893, also gerade dor zehn Jahren, rettete ein dreizehnjähriger Frankfurter Schiller, der Sohn eines EisenbahnzuMhrers, mit eigener Lebensgefahr einen jungen Menschen vom Tode deS Ertrinkens auS dem Main. Der jüngst verstorbene Geheimrat Krupp, der davon erfuhr, sandte dem Schuler als Anerkennung eine goldene Uhr mit Kette. Der junge Mann lernte bad' Schlosser* und Mechaniker-Gewerbe und trat nach Absolvierung seiner Militärpflicht in die Kruppschen Werke ein. Vor einigen Tagen ließ, so teilt die „Frkf. mit, Krupp's Testamentsvollstrecker den jungen Schlosser kommen und eröffnete ihm, daß Krupp ihm eine größere Summe testamentarisch vermacht habe. Eine Bedingung war an das Legat nicht geknüpft; ausdrücklich wurde dem jungen Manne gesagt, wenn eS chm in den Kruppschen Werken nicht mehr gefalle, könne er austreten, auch mit der ererbten Dumme ein eigenes Geschäft gründen.'-^ Ein aus Ungarn gebürtiger Kaufmann Friedmann, der wegen Betrügereien bei Zeitungen von einigen auswärtigen Staatsanwaltschaften gesucht wird, wurde gestern hier festgenoulmen. — Die Unvorsichtigkeit, nachts daS künstliche Gebiß im Mund zu behalten, hatte bei einem Mädchen in Sachsenhausen zur Folge, daß es in vergangener Nacht daS Gebiß verschluckte. Nachdem das Fräulein glücklich an her Scylla des Erstickens vorbeigekommen ist, wird es der Charybdis des Magendrückens wohl längere Zeit verfallen sein. Marburg, 6. Jan. Bei günstiger Witterung soll m den nächsten Wochen endlich an die Verwirklichung des Projektes, unseren Ebsdorser-Grund durch die Bahn Marburg—Dreihaufen aufzuschließen/ gegangen werden. Ein Regierungsbaumeister ist bereits hier eingetroffen, um die Vorarbeiten zur Einrichtung eine# BcntbureauS zu treffen. Außerdem sind auch die Technikerstellen ausgeschrieben. Wie man hört, soll die Bahn bis zum 1. April 1907 vollständig im Betrieb^ sein, man glaubt jedoch, wenn die WitterungSverhLltnisse eS gestatten, die «Arbeiten in kürzerer Zeit bewältigen zu können. Vermischtes. • Sttm »1 ten Jahrgang der „Gartenlaube". ist eine Zange Reche von Jahren, darauf die Gartenlaube, daS verbreitetste deutsche Familienblatt, mit Stolz -urÜckschanrn kann. Bon denen, die ihre ersten AnsLnge, ihr Kämpfen und Ringen in stürmischer Zeit gesehen, werden nur wenige noch am Leben fein, aber die Zahl derer, denen die Gartenlaube lange Zeit Freund und Berater gewesen, die allwöchentlich tn froher Erwartung zu dem nert rauten Blatte greisen, ist groß, uni> jeder Jahrgang wirbt zu den alten Freunden neue, erweitert den Wirkungskreis der Zeitschrift, die weit über unser Vaterland hinaus, bis jenseits des MeereS, deutsche Art, deutsches Wissen, dertsche Poesi und Kunst trägt. DieGarten- lanoe hat ßdj in all den Jahren nicht engherzig verschlossen gegen daS Große, Neue, daS die Zeit gebracht, sondern ist Schritt für Schritt mit ihr vorwärts gegangen und hat sich bemüht, daS Beste deS Guten chren Lesern in Wort und Bild darzubringen. Auch der neue Jahrgang wird viel des Schönen und Be- WttAen ttmWet* E, fetzt ein mst dem poetisch stimmungsvollen Roman „Dis vom Niederrhein", von Rudolf Herzog, einem noch jungen, yochbeaabten Autor, und bringt daneben die reizvolle Novelle „Ihr Beruf" von Marie von Ebner-Eschenbach, unsrer ersten deutschen Erzählerin. Romane und Erzählungen unserer beliebtesten Autoren werde« folgen — wir nennen ine Namen: Ludwig Danghoftr, Ida Bov-Ed, Anton von Perfall, W. Heimburg, die für gediegenen Inhalt in würdiger Form bürgen. DaS Interesse, mit dem die Gartenlaube von jeher alle Entdeckungen und Erfindungen verfolgt, daS sie allen Kulturfragen der Zeit entgegengebracht hat wirb sich auch in diesem Jahre in einer Reihe wifsenfchafÜicher und doch gemeinverständlicher Artikel bekunden, die den Leser Über die wichtigsten SUorgfinge der Gegenwart aufklfiren sollen. Daneben rotrb die Gartenlaube ihre ganz besondere Anfmerksamkeit allen Bestrebungen der Frauenfrage zuivenden und alles, waS in da» Gebiet des Hauses fällt: häusliche Kunst, Frauenarbeit unb HauSwirtschaftliches mit warmem Interesse osiegen. Es bedarf keiner besonderen Empfehlung, das fünfaiq fihrige Bestehen deS Blatte» spricht für sich selbst, wir wollen an diefer Stell« der Gartenlaube, die sich Jo fest eingebürgert bat am deutschen Herd, nur ein fröhliche« .Glückauf" zurufen für die Jahr« voll Arbeit und segensreichem Wirken, die vor ihr liegen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Mauubelm, 6. Jan. Behufs Rekonstruktion der Gesellschaft Rheinau fand heute eine Versammlung der Gesellschafter statt. Von dem 1 % Million betragenden Aktien-Kapital waren 1 320 000 Mk. vertreten. Mit nahezrl Sttrnmeneinheit wurde die Einsetzung einer Kommission zur Wahrung der Interessen der Gesellschafter beschloßen. Dieje Komnrission besteht aus den Herren Tr. Hachenburg-Mannheim, Dr. von Agen-KarlSruhe, Emil Herz-Mannheim, Wilhelm Rltleck-Mannheim und Kommerzienrat Mancher-Neustadt. „Lchloßbranerei" Aiel, Aktiengesellschaft. Für die am 8. Januar a. c. durch die Bank für Handel und Industrie, Berlin, und das Bankhaus Gebr.Arnhold, Dresden, zur Auflage gelangenden Aktten der „Schloßbrauerei" Kiel macht sich schon jetzt ein reges Interesse, besonders in Kiel selbst, bemerkbar. Nachdem in den letzten Jahren Aktien der Gesellschaft nur schwer erhältlich waren, ist zum erstenmale wieder Gelegenheit geboten, solche zu dem mäßigen Kurse von 130 pCt. zu erwerben. Für die Beurteilung des Unternehmens ist die erwähnte Thatsache des Interesses am Platze selbst zweifellos von größter Bedeutung. Märkte. W. Gießen, 7. Jan. Viehmarktbericht. Der gestrige Viehmarkt hatte einen Auftrieb von ca. 750 Stück Milchvieh, 200 Stück Fetttneh und Gangvieh, sowie 200 Kalber. Außerdem waren 37 Schweine am Markt. Der gestrige erste Markt in diesem Jahre war zu ftiih anberaumt, es liegt kein Bedürfnis dafür vor. Zweifellos wird der nächste, am 20. Januar anstehende Gießener Viehmarkt ein besseres Bild geigen. Ter Handel in Milchvieh war nicht schlecht, doch war die Ware au hohen Preisen nicht unterzubringen. Der tzettvieh- und Stätbermarft war dagegen ausge- Aeichnet. Es waren sogar diesmal Metzger aus Mainz gekommen, die auch größere Partien zu guten Preisen kauften. Ter Handel in Gangochsen, von denen 80—36 Paar am Markt waren, kam überhaupt nicht zustande. Ebenso war eS auch mit dem Handel in @diroeinen. ES wurden bezahlt für Kühe frischmelkend und tragend 1. Sorte 430—470 Mk., 2. Sorte 850—400 Mk., 8. Sorte 280-330 Mark pro Stück. Für den Zentner Schlachtgewicht wurde bezahlt: Fette Rinder 64—66 Mk., teilweise sogar höher, Kälber 1. Sorte (über 50 Pfd. schwer) 68—73 Mk., L. Sorte (zwischen 40—50 Pfd. schwer) 63—65 Mk., 8. Sorte (unter 40 Pfd. wiegend) 54—58 Mk. Nächster Markt am 20. Januar d. I. Ardeiterdewrgnng. Londva, 6. Jan. Im Dorfe Denaby in Porkshire, wo seit dem Juli em Kohlenarbeiter streik ist, finden heute Masien-Ermijstonen patt. Der Kohlengrubengefellschaft gehören fast alle Läufer in der Gegend und dieselbe hat nun beschlossen, 600 Familien von Streikend«!, welche m ihren Häusern wohnen, auSzuweisen. Die Exmifstonen begannen heute früh um neun Uhr. Erregte Mengen sehet» zit, aber t* ist noch keine Ruhestörung vorgekommen. 200 Polizisten sind anwesend und berittene Polizei patrouilliert die Straßen. Mfinner und Frauen haben die ganze Nachd gepackt uub die Mädel werden m Zelte geschafft, die in C^niSborougb und in Mexborough errichtet werden. Das Errichten der Zelte geht langsam vor sich, so daß manche Leute diese Nacht ohne Obdach fein werden. DaS Wetter ist windig und Regen droht. Zwei methodistische Geistliche leisten Hilfe und der Rat der Trabe Uniml-Führer, keine Unruhen zu begehen- wird streng befolgt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gerneinde. Die Bibelstunde am Donnerstag den 8. Januar im Konfir- mandenfaal, Kirchstr. 9, fällt aus. Neueste Mewungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Passau, 7. Jan. Die „Don auzeitung" meldet: Bo» gestern entgleiste infolge von FahrbahnunterspÜlung durch Hochwasser auf der Strecke Passaus-Freyung bei bet Station Kalt en egg ein Personenhug. Sieben Personen wurden leicht verletzt. Gestern abend stieß bet dichtem Nebel eine mit vier Arbeitern besetzte Draisine, die von der Unfallstelle kam, bei der Einfahrt in den Bahn-, Hof Passau, auf eine Rangiermaschine. Zwei Person«» wurden getötet London, 7. Jan. Nach einer Meldung an- Verltn haben die drei Mächte ihren amerikanischen Bvtschasi» ten gestern ihre identisch lautenden Antworten auf Castros Erwiderung überrreicht Diese Antworte»' sind versöhnlich gehalten und wiederholen die in bet gemeinschaftlichen Note vom Dezember enthaltenen Bedingungen. Man glaubt, ein Teil der Forderungen werde dem Haager Tribunal überwiesen, ein Teil aber vielleicht direkt befriedigt werden. London, 7. Jan. Die königliche Jacht „Viktoria and Albert" hat Befehl erhallen, ürS Mittelmeer ab* zudampsen, wo das Königspaar anfangs März eine längere Kreuzfahrt unternehmen wird. London, 7. Jam Die „Times^" bestätigt auS Netr> York die Nachricht von der Niederlage der Truppe« C a st r o s. London, 7. Jan. Tie Morgenblätter melden ba* rcchide Steigen sämtlicher Flüsse. GS wird der Eintritt von Hochwasser befürchtet London, 7. Jan. „Daily Mall" meldet auS Nav- Dork: In den südlichen Staaten der Union herrscht große Erregung gegen den Präsidenten Roosevelt wegen feinet Verhaltens gegenüber den Negern. Es finden zahlreiche Meetings statt, in welchen gegen Roosevelts Verhalten protestiert wird. Constantine, 7. Jan. Das Blatt „Jndependance'" berichtet, daß Zusammenstöße zwischetr Madern und Mosabiten bei Quartas stattgefunden Haden. Die Mader drohen mit den Waffen in der Hand sich gegen die Mosa* biten zu verteidigen. Prätoria, 6. Jan. Unter dem Vorsitze von Schalk Burger wurde eine Versammlung von Burenführern und anderen hervorragenden BurgherS, darunter Botha, Telarey, Cronje und Snruts, abgehallen, um eine Adresse zur Ueberreichung an Chamberlain aufzusetzen. In dem Entwürfe wird um allgemeine Amnestie und Erlaubnis^ für alle früheren Buren gebeten^ in die Heimat zurüö> kehren yi dürfen. Tanger, 6. Jan. Nachrichten aufl Fr- vom 1. Jan. melden eine Besserung der Lage. Ter Mangel an Vorräten hörte auf. Zwei, mächtige Stämme, welche sich den Rebellen arrgeschlossen Hattert, gaben durch ein« Abordnung ihre Unterwerfung kund. Washington, 7. Jan. Tas Parlament nahm eine Vorlage an betreffend die Errichtung einesi obersten G e n e r a l st a b e s für die Armee. Washington, 6. Jan. Ter amerikanische Gesandt, in San Domingo hat heute bei der Negierung die jo fertige Zahlung von 325000 Dollar- verlcmgt, welche die Republik der JSLijbe Steamship Line", einer amerika^ nischen Gesellschaft, schuldet. Telephonisoher Kursb«rloht> SVjO/o Reioheanleih» . . 102.60 3% do. ... 91.90 3V,e/o Konsole .... 102.40 3°/g do......91.76 8*/«% Hewen . . . . 101.30 Oberhessen . . . 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 108.55 4*/,% Oesterr. Silberrente 101.15 4% Ungar. Goldrente, . . 101.65 4% Italien. Rente . . . 10340 4*/,% Portugiesen . . . 50.70 8°/o Portugiesen. .... 81.40 1% 0. Türken .... —.— Türkenlose......12330 4% Griech. Monopol.-Anl. 44.70 41/,% Süssere Argentiner 8% Mexikaner .... 85.16 4] T>bJk-Coiripa(iflle, U. 297] Herrschaftliche Wohnung in guter Lage, mit großem Garten, bestehend auS 7 Zimmern i Mädch. v.Lande s. z.weit.Ausb. Stell. L beff. H. ofjnt aegcns. Berg. Off. unt. Nr. 036 a. d. Exp. ero. 091] Ein oder zwei aut möbl. Zimmer, mit elektr. 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