Nr 234 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem (Steßener Anzeiger werben trn Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Kamillen, blätter oiermal in der Woche betgdegt Rotationsdruck n. Verlag der BrühlIchen Untvers.-Buch» u. Stein- drucke ret (Pietsch Leben) Redaktion. Lxpeditto» unb Druckerei: Schulstraße 7. Adresse sür Depeschen: «»seiger Gießen- Fernsprechanschiuß Nr. bl. Erstes Blatt. 133. Jahrgang Dienstag 6. Oktober 1903 Gießener Anzeiger ** General-Anzeiger v '*®r Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezngspretdi monatlich7bPs^ viertel- täbrlid) Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— üterlel- jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen üt bte TageSnummer »iS vormittags 10 Uhr. ^eilenpretSr lokal 12 Ps^ auSwLrU 20 Psg. Beranrn>»rrNch iÜr beit polst, and allgem, leih U Witiko: tot »Stadl und Land' unb -GerichtSiaat': August Götz, tot den An» jetqentetl: HanS Beck. Nslrtische TagesschM. Die Dairkautwort des Kaisers an den Evangelischen Bund hat folgenden Wortlaut: Se. Majestät der Lais er und Körrig lassen der 16. Generalversammlung des Evangelischen Bundes für deu HuldLgnngHgruß vielmals danken. Ans allerhöchsten Be- * fehl: Der geheime Kabinettsrat v. Lucanus. Dazu bemerken die „Berl. Nenest. Nachr.": Wir erinnern uns aus früheren Jahren, wie wiederholt von katholischer Seite bezw. von Zentrumsstimmen Klage darüber geführt wurde, daß die Dan'kantworten des Kaisers auf Huldigungstelegramme der Gustav Adolfs- Bersammluug und anderer protestantischer Tagungen huldreicher und mehr deren Stellung einnehmend erschienen als der kaiserliche Dank an die Katholikentage bezw. Zentrumsveranstaltungen. Diesmal wird umgekehrt auf protestantischer Seite der Unterschied unangenehm bemerkt. Wir lassen, unter Hinweis auf die Rede des Grafen Wintzingerode (die lvir im wesentlichen wiederge- geden haben. D. Red. d. Gieß. Anz.) und ähnliche zu Ulm Äeuen, dahingestellt, inwieweit die kaiserliche Kund- g durch die polemische Zuspitzung der Hauptversammlung des Evangelischer Bunoes veranlaßt ist. Gesegnetes Schwemesterbeu. Unter dieser Ueberschrist schlachtet der „Vorwärts" eine agrarische Aeußerung für die sozialdemokratischen Zwecke also aus: „Wie ein agrarisches Gemüt über Volkswohl und Vvllsernährung denkt, zeigt das Bekenntnis einer schönen Seele im landwirtschaftlichen Verein zu Stolp-Schlawe-Rummelsburg. ^Latürlich war es ein Puttkamer, und zwar der Herr v. Puttkamer-Glotoitz. Man debattierte über das neue Impfmittel gegen Schweineseuche. Herr v. PuttLuner-Glowitz aber sah, nach dem Bericht' der Stolper Presse vom 1. d. M, in dem Krepieren der Ferkel für den Besitzer kein großes Unglück, wünscht vielmehr in diesem Jahre „Gesegnetes Schweine- ftecbä?', da iauch^ die besten Ferkel nicht los zu sein werden. Richt los werden heißt ans dem Junkerlichen ins Deutsche übersetzt: nicht teuer genug bezahlt werden. Und um den Preis in die Höhe zu treiben, wünscht Herr v. Puttkamer- (Äowitz das Angebot verringert zu sehen! Ob das Volk hungert oder nicht, ist Nebensache. Geldverdienen ist Trumpfs Are Aesttage in Darmstadt. R. B Darmstadt, 5. Okt. Ter Empfang der heute hier eingetrosfenen fürstlichen Hochzeitsgäsre vollzog sich unter großer Feierlichkeit. Früh- kurz vor 7 Uhr war Großfürst Sergius mit Ge- maylln hier angekommen und vom Großherzog, dem Prinzen Ärdwig von Battenberg, Prinz Georg von Battenberg, dem russischer! Gesandten Fürst Koudascheff u. a. am Bahnhofe begrüßt worden. Um 11 Uhr vormittags kam alsdann die Königin von England mit der Prinzessin Viktoria mit Extrazug hier an. Zum Elupfang waren am Bahnhof der Großherzog, das Zarenpaar, Kronprinz und Kronprinzessin von Griechenland, Prinz und Prinzessin Heinrich! von Preußen, Großfürst Sergius und Gemahlin, sowie särnlliche übrigen hier weilenden Fürstlichkeiten erschienen. Nach herzlicher Begrüßung und kurzem Verweilen im Fürstenzinaner geleitete der Großhepzog die Königin mit ^Prinzessin Viktoria in einem vierspännigen offenen Wagen Mit Spitzenreitern und Tienern in historischen Kostümen ncqch dem Neuen Palais. Im zweiten, ebenfalls vierspännigen Wagen folgte das Zarenpaar, dann Prinz und Prin- zesiin Heinrich Großfürst Sergius mit Gemahlin u. a. m. Tie Königin und das Zarenpaar wurden am Bahnhofe und in der Rheinstraße von dem zahlreichen Publikum mit stürmischen Hurrarufen begrüßt. In der Begleitung der Königin befinden sich die Herzogin von Buceleugh, The Honorable Miß Charlotte Knollys, Earl os Gosford und Colonel Brocklehurst. Ter Empfang des Königs und der Königin von Griechenland, die heute nachmittag 5.23 Uhr aus Frankfurt hier eintrafen, gestaltete sich zu einer glanzvollen Huldigung für die königlichen Gäste. Auf dem festlich geschmückten Bahnhof hatte neben dem Fürstenzimmer eine Ehrenkompagnie des Leibgrenadier-Regiments mit der Regimentskapelle Aufstellung genommen. Als der Zug in den Bahnhof einfuhr, intonierte die Kapelle eine Ehren- fansare und darauf die griechische Hymne. Nach herzlicher Begrüßung der Neuangekommenen durch den Großherzog, das Zarenpaar, das griechische Kronprinzenpaar, Großfürst und Großfürstin Sergius, Prinz und Prinzessin Heinrich und die anderen fürstlichen Herrschaften erfolgte unter Vorantritt der Regimentskapelle der Präsentiermarsch der Ehrenkompagnie. Tie Allerhöchsten und Höch-Mn Herr- schaften begaben sich darauf noch einige Minuten in den Fürstensalon, der fast zu eng erschien für den großen Kreis der fürsllichen Herrschaften und chres nächsten Gefolges. Bei der Abfahrt ins Residenzschloß, die ebenso feierlich vor sich ging, wurden das russische Kaiserpaar, das griechische Kron- prinzenpaar, Prinz und Prinzessin Heinrich und die russischen Großfürsten von dem nach Tausenden zählendenHZublikum mit stürmischem Hurra bebrüßt. Den ersten Vierspänner ä la Taumont bestieg, König Georg mit dem Großherzog, den zweiten der Zar mit der Königin von Griechenland, den dritten die Zarin mit dem griechischen Kronprinzen und der Kronprinzessin, alle drei Wagen mit Spitzenreitern und einer Abteilung des 24. Dragoner-Regiments, dessen Uniform auch der Zar als Chef des Regiments trug, umgeben. Dann folgten Prinz und Prinzessin Heinrich- das Brautpaar, die fürstlich Battenbergischen Herrschaften usw. Die Straßen waren trotz des regnerischen Wetters dicht gedrängt mit ftemden und hiesigen Schaulustigen besetzt. Zur Feier der Vermählung der Prinzessin Alice von Battenberg mit dem Prinzen Andreas von Griechenland erfährt die „Darmst. Ztg.", daß die Civiltrauung des erlauchten Brautpaares am Dienstag im Alten Palais erfolgt. Am gleichen Tage mittags findet im „Weißen Saale" des Residenzschlvsses Hoftafel statt, während für den Abend, den Vorabend des Hochzeitstages, im Alten Palais ein Rout vorgesehen ifty zu dem die hohen Fürstlichkeiten mit ihren Gefolgen, die Standesherren, I. I. Exz. Exz. der SLaatsminister, der Justizminister und der Finanzminister, der russische Minister Graf Lamsdorsf Exz., das diplomatische Korps, der griechische Konsul WeiAberg in Frankfurt a. M., die Hofstaaten, der Divisionskommandeur und die Regimentskommandeure der Garnison, hohe Beamte u. a., im ganzen an 200 Personen, Einladung erhalten haben. Am Nachmittag des 7. Oktober wird die kirchliche Trauung des Hohen Brautpaares nach evangelischem Ritus in der Hos- kirche, daraus in der russischen Kapelle auf der Mathilden- höhe nach griechischf-katholischem Ritus erfolgen. Hieran schließt sich ein großes Familiendiner im Alten Palais, woran die fürsllichen und anderen hohen Gäste, im ganzen etwa 40, teilnehmen; gleichzeitig findet im Residenzschlosse Marschalltafel shatt. Roch der Tafel wird das junge Ehepaar die Glückwünsche im Residenzschloß entgegen nehmen und sich sodann nach Schloß Helligenberg als Aufenthalt für die nächste Zell begeben. — Am Donnerstag wird im Großh. Hoftheater als Festvorstellung Verdis „Aida" auf- gefühvt. Das Offizierkorps des 2. Großh. Drag.-Regts. (Leib-Drag.-MgiZ^.) Nr. 24 veranstallet am Freitag em Reiter fest. — Der heutigen Festvorstellung im Hostheater, in der Delibes^ Oper „Lakme" gegeben wurde, wohnten das Zarenpaar, der König und die Königin von Griechenland, die Königin von England, der Großhcrzog imb die übrigen fürstlichen Gäste bei. — Wie eine Frankfurter Korrespondenz meldet, soll der Zar dem Paare eine runde Million Rubel bar, von einigen Kleinigkellen, die er bei hiesigen Juwelieren für lumpige 250 000 Mk. bestellt hat, ganz zu schweigen, zum Geschenk gemacht haben. Tas Programm für die Trauung des hohen Brautpaares ist folgendes: Mittwoch, 7. l. M., nachmittags 3 Uhr, versammeln sich in der Hofkirche die zu dieser Feier geladenen Herren und Damen, welche besondere Eintrittskarten hierzu erhalten haben. Tie Räume vor und zu beiden Seiten der Orgel sind für die Mitglieder des Sängerchors reserviert. — Zur nämlichen Zeit versammeln sich im Weißen Saale: die Oberst- und Ober-5)vfchargen, die General- und Flügel-Adjutanten, der Vorstaild des Großherzoglichen Kabinetts, sowie das Gefolge der Allerhöchsten und 5^öchsten Gäste. Gegen 3y4 Uhr versammeln sich im Fahnensaal die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften. Gegen 3y2 Uhr begeben ftch die im Weißen Saale Versammelten durch den Kirchenhof in die Schloßkirche. Um 3y2 Uhr begiebt sich der Zug der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in folgender Ordnung über die Treppe im inneren Schloßhofe nach der Schlotzkirche, an deren Portal die Geistlichkeit sie empfängt. Führung zur Trauung: S. D. Prinz Vietor zu Erbach-Schönberg I. D. Prinzessin Elisabeth zu Eibach- Schönberg. S. D. der Erdprinz zu Erbach-Schonberg I. H. Prinzessin Viktoria Eugenie von Battenberg. S. D. der Fürst zu <Ä:bach-Sch!önverg I. H. Prinzessin Joseph von Battenberg. S. D. Prinz Franz Joseph von Battenberg I. D. die Fürstin zu Erbach-Schönberg. S. D. der Herzog von Teck I. Kais. H. die Herzogin Wera von Württemberg. S. H. Prinz Albert von Schleswig-Holstein I. Kgl. H. Prinzessin Beatriee, Prinzessin Heinrich von Battenberg. S. H. Prinz Friedrich Karl von Hessen I. Kais. H. Prinzessin Nikolaus von Griechenland. S. Königl. H. Prinz dllkolaus von Griechenland I. Kais. H. Großfürsttn Georg von Rußland. S. Kgl. H. Prinz Georg von Griechenland I. Kgl. H. Prinzessin Viktoria von England. S. Kais. H. Großfürst Georg von Rußland I. Ltgl. H. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen. S. Kais. H. Großfürst Sergius von Rußland I. Kgl. H. Prinzessin Heinrich von Preußen. S. Kgl. Hoheit Prinz Heinrich von Preußen I. Kgl. Hoheit die Kronprinzessin von Griechen- * land. S. Kgl. Hoheit der Kronprinz von Griechenland I. Kaiserl. Hoheit die Großfürsttn Sergius von Rußland. S. Kgl. Hoheit der Großherzog I. M die Kaiserin von Rußland. S. M. der Kaiser von Rußland I. M. die Königin von England. S. M.'der König der Hellenen S. K. H. Prinz Andreas von Griechenland I. M. die Königin der Hellenen. S. D. Prinz Ludwig von Battenberg I. D. Prinzessin Alice von Battenberg I. Großh. H. Prinzessllr Ludwig von Battenberg. Hierauf wird die Trauung vollzogen. Nach ausgesprochenem Segen begeben sicb die Hohen Neuvermählten, die Allerhöchsten, und Höchsten Herrschaft^ in umgekahrter Reihenfolge, wie oben angegeben, in die Gemächer zurück. Aus Htuöt und Kaud. Gießen, den 6. Oktober 1903. ** Oefsentliche Le sehalle. Im August war btt Lesehalle zwei Wochen geschlossen. Die Zahl der in diesem Monat verliehenen Bände beläuft sich deshalb nur auf 858, bte sich folgendermaßen verteilen: Erzählende Lilleratur 395, Zeitschriften 249, Jugendschristen 107, Versdichtungen 15, Litteraturgeschichte 9, Länder- und Völkeckunde 18, Kulturgeschichte 5, Geschichte und Biographien 20, Kunstgeschichte 2, Naturwissenschaft und Technologie 26, Seewesen 4, Philosophie 5, Staatswissenschaft 3 Bünde. Nach auswü::§ kamen 17 Bünde. — Im September wurden 1463 Bände aus- geliehen. Davon for.;;iicn auf: Erzählende Lilleratur 732, Zeitschiislen 337, Jugendschriften 174, Versdichtungen 20, Litteraturgeschichte 10, Länder- und Völkerkunde 28, Kulturgeschichte 7, Geschichte und Biographien 53, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft, Technologie 58, Seewesen 4, Gesundheits- Feuilleton. Theater und PuSMum. Zur Eröffnung des neuen Bcrner Stadttheaters, die kürzlich stattfand, hat I. V. Widmann, der Theater-Rezensent und Redakteur des dortigen ^Biurd", einen originellen Festakt gedichtet, in dem Apoll, die Musen und Frau ^Berna" auftreten und der sich namentlich dadurch auszeichnet, daß der Prolog-„Schwung" immer wieder sehr wirksam von kräftiger Satire abgelöst wlld. So nimmt in dieser kleinen Dichtung (erschienen im Verlag A. Francke, Bern, Preis 50 Psg.) einmal Terpsichore das Wort, um — nach einer Unterhaltung mit dem Berner /Bären" die ruhmredige Aufzählung erfolgreicher Gastspiele, in der sich Frau Berna ergeht, folgendermaßen zu unterbrechen: Saq mir nur auch: Wo war die Totenkammer? Frau Berna: Die Totenlammer? Terpsichore: Ja, der große ©arg, -Der Lenz sür Lenz den ganzen Katzenjammer Der ruinierten Direktoren barg. Frau Berna (zum Bären): Hast du geschwatzt? — Ich soll dich wohl ohrfeigen? Thalia: Ja, log er denn? Frau Berna: Neiit 1 — Doch zuweilen, wißt, Jst's patriotisch, Wahrheit zu verschweigen. Und Heuti .... Terpsichore: O! Der da ist ein Humottst. Als er mir's raunte von den Direktoren, Die bei dem Handel Hab und Gut verloren. Da schnarcht' er: ,HuiI die mußten Haare lassen; ^Wenn man die Haare sorgsam täte fassen, w©ie würden zu Perrücken ohne gleichen Für der Stadtväter weise Häupter reichen, ^Die die Misere des Theaters sahn vUnb hundert Jahre nichts dazu getan." Dann wird das Interesse, das man in Bern für die Musik hat, gerühmt, von der Frau Berna sagt: „Das Schoßkind der Gesellschaft ist sie ja." Melpomene fährt dazwischen: Mnd ich das Stiefkind wohl mit meinen Dramen?" Worauf Frau Berna in Geständnissen und Versprechungen folgendes leistet: So sah's wohl manchmal aus; doch fürchte nichts. Strohköpfe zwar, blasierte Herrn und Damen, Gibt's auch bet uns, des tragischen Gedichts Erhabnen Bau unfähig zu erfassen. Drum ladet das Tyeaterparadies^ Bon solcher Gäste schwärm im Stich gelassen, Nach großem Beispiel ein das Volk der Gassen, Das deiner Kunst sich immer treu erwies. Die sind es, die dem Fluß der Jamben lauschen, Der Menschenschicksal auf den Wellen trägt; Sie spüren auch des neuen Geistes Rauschen, Der in die Alltagsrede Tieffirm legt. Wie sah ich dicht gedrängt sie horchend sitzen In jenes stairdinav'schen Zaubrers Barnr, Der, wie das Licht m die geheimsten Ritzen Der Seele dttngend, Sieg um Sieg gewann. Mit einem warmen Apell an das Publikum, das im Rahmen eines Schauspielhauses als Schmuck am meisten doch beliebt ist, dessen Gunst und Treue in erster Linie von nöten ist, weil die vom Himmel stammende Kunst doch irdisch leben will und muß, schließt diese hübsche und witzige Dichtung. Schmeichlettsch ist sie ja nicht, vielleicht aber um Iso wirksamer in ihren Anregungen — auch außerhalb I Berns 1 Frankfurt a. M, 5. Okt. Nachdem die neue Konzert»» zell durch einen von Arthur Nikisch geleiteten und äußerst beifällig aufgenommenen Abonnementsabend im hiesigen Opernhause eröffnet worden war. Begann auch die Museumsgesellschaft mit ihren Orchesterkonzerten, zum ersteumale unter Leitung des neuen Kapellmeisters Äßg- mund v. H a u § e g g e r. Er wurde mit gemessener Höflichkeit begrüßt, aber schon bedeutend wärmer, entlassen, nachdem ihm fein Hauptstück, Beethovens C-molk-Sinfonie, so ebenmäßig schön gediehen. Im ganzen war ein feines und vorvorsichtiges Maßhalten, ein Mangel starker Auffälligkeiten und Gegensätze das oberste Kennzeichen dieses ersten Auftretens, dem es dabei docy nicht an einer gewissen besonnenen Kraft der Tarstellung fehlte. Das Programm oieses lvie der nächsten Orchesterabende hat seinen Schwerpunkt im Klassischen, was auch auf ein kluges und behutsames Vorgehen des neuen Dirigenten deutet. F. B. Bu- soni errang sich als Solist in Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 große, berechtigte Anerkennung. — Tie als Ersatz für Frl. Milton vor kurzem engagierte Operettendiva Revy aus Berlin hat ihre Tötig-keit an der Frankfurter Oper bereits wieder aufgegeben. Paris, 5. Okt. An der tun 10. Oktober beginnenden internationalen Sanitätskonferenz nehmen als Delegierte Deutschlands teil: Botschaftsrat Graf von der t&roeben, der Geheimrat des Reichsamtes des Innern Bumm, Geheimrat Professor Tr. Gaffky-Gießen und Tr. Nocht, Hafenarzt in Hamburg. .Seid Ihr .Bleibt, ich will uf (£u d). etwas zum Essen vorsetzen lassen." Sie ch verließ das Zimmer, kehrte jedoch bald mit einer Schussel und ist gesunken. bei dem sie prächtig gedeihen. 7083 Bergleute verunglückt, nach Kiel bestimmte Schooner von einem Dampfer überrannt .Silefried" wurde im Belt Bon der Mannsck).aft sind drei Nachbarstaaten. Der Franks. Ztg. zufolge fuhr auf dem Lokalbahnhof Altsachsenhausen eine Maschine so heftig auf einen Zug auf, daß die Maschine und zwei Wagen be chädigt und mehrere Passagiere leicht verletzt wurden. rode sind infolge eines zu Schacht am Sanrsdag 13 darunter einer schwer. * Kiel, 5. Okt. Der Fleisch und zwei Flaschen Bier zurück. Die Beiden ließen es fick) schmecken. Während sie aßen, kam der B-ruder des Mädchens, der sprechen gehört hatte, an die Tür und fragte, was es gäbe. Die junge Miß zeigte ihm die schmausenden Eindringlinge. Selbstverständlich wollte der junge Mann die Kerle der Polizei übergeben, dock) dies gestattete seine Schwester nick)t, sondern, forderte ihre Gäste aus, die gt> stohlcnen Gegenstände wieder dahin zurückzulegen, wo sie jie genommen hatten und dann das Haus zu verlassen. Ihrem Wunfche wurde von den Einbrechern willfahrt. Ohne ein Wort zu sprechen, leerten sie die Taschen, dann verbeugte sich der eine galant vor der jungen Dame und sagte: „Schönen Dank, Miß. Wir hätten nicht fliehen können, and) wenn wir es versuck)t hätten, denn wir waren Gefangene Ihrer Sck)önheit von dem Augenblick an, als Sie in der Türöffnung erschienen." Hierauf verließen beide das Haus. Tie junge Miß aber wird von ihren Bekannten und Freunden, die ihr seltsames Abenteuer er= fahren haben, wegen ihrer Kaltblütigkeit beglückwünscht. Py±ets Man verlange Master von der Fabrik and Handlung: von Elten & Keussen, Krefeld. Jas Getränk der Kinder. Wem die Gesundheit und das blühende Gedeihen seinem Kinder am Herzen liegt, der sehe streng darauf, daß sie keinen Bohnenkaffee zu trinken bekommen, weil dieser nach ärztlicher Ansicht den kindlichen Organismus schädigt. — Für die Klemen ist Kathreiners Malzkaffee, der gerade auf jugendliche und zarte Organismen die wohltätig st eWirkung ausübt, ein überaus bekömmliches Getränk, das von vielen Acrzten empfohlen wird. Die Erfahrung lehrt, daß Kathreiners Malzkaffee mit Milch gekocht schon nack) kurzer Gewöhnung das Lieblingsgetränk unserer Kleinen bildet, lehre 5, Religion und Philosophie 8, Staatswiffenschast 4, Fremdsprachliches 15 Bände. An Auswärtige wurden 41 Bände verliehen. *• Nack) dem Jahresbericht der Anwaltskammer Darmstadt war im abgelaufenen Geschäftsjahre ein Personalbestand von 161 Anwälten vorhanden. Davon entfallen auf Starkenburg 60, Oberhessen 40, Rheinhessen 61. In Armensachen wurden im Kalenderjahr 1902 an Anwälten bestellt am Oberlandesgerich^56, am Landgericht Darmstadt mit Offenbad) 276, am Landgericht Gießen 96, am Landgericht Mainz 247. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nach dem durchschlagenden Erfolg, den das originell ans- aestattete Lustspiel „Ter blinde Passagier" bei der Premiere davontrug, hat fid) die Direktion entschlossen, um vielsad)en Wünschen nachzukommen, die Novität am nächsten Freitag als zweite Freitagsaöonnementsvorstellung zu wiederholen und die Erstaufführung von „Heber den Wassern" zu verschieben. , r ^Soiree Fly und Slade. Ihn werteren Anfragen -orzubengen, so schreibt man uns, sei heute nod)i einmal ausdrücklich bemerkt, daß es sich, bei der am kommenden Donnerstag, den 8. Oktober, im „Neuen Saalbau" stattfindenden Soiree des Künstlerpaares Fly und Slade nicht um solche Darbietungen handelt, wobei Personän in einen willenlosen Zustand versetzt werden, natürlich auch! keine Taschenspieler- oder Zauberkunststücke. Fly und Slade geben aber auch keine Aufklärung oder Enthüllungen über die Natur ihrer Experimente, sie laden vielmehr ein gebildetes und inteUigentes Publikum zu ihren bis jetzt unaufgeklärt gebliebeneu Demonstrationen ein und bitten das Publikum, zu bevbachtun und zu kontrollieren, um sich selbst über die Grundidee ihrer Aufführungen ein Urteil bilden zu können. Ten Künstlern geht ein guter Ruf voraus. Heute (Dienstag) geben Fly und Slade den ersten Abend in Frankfurt a. M. ** Natur selten hei t. Im Garten des Gärtners Noll hier, Licherstraße 13, steht ein Goldregenbaum in schönster Blüte. _ . ** Weteorfall. Unsere Leser erinnern fid), daß wrr vor 14 Tagen von einer im Schisf enb er g er Walde beobachteten Feuerkugel berichteten. Wir teilten dann später mit, daß diese Feuerkugel auch in verschiedenen Orten des Siebengebirges bei Köln gesehen worden ist. Nun kommt ähnliche Kunde aus Saarbrücken. Es wird von dort geschrieben: Man zündete bereits die Gaslaternen an, objdjfon es etwa um 7.15 bis 7.20 Uhr (also die nämliche Zeit wie die Gießener und die Homrefer!) noch ziemlich hell war. Plötzlich schoß in nördlicher oder nordöstlicher Richtung etwa hinter dem oberen' Viertel oder Fünftel der Stadt St. Johann ein sehr starker Lichtstreifen nieder. Ein Feuerwerk als Ursache dieser Erscheinung anzunehmen, war ausgeschlossen; eine Rakete fällt auch viel langsamer und leuck-ret auch selbst in dunkler 9tack)t nicht so intensiv. Wir waren darum sofort einig, daß wir einen Motor hatten fallen sehen. Wir nahmen an, daß es einige Stunden hinter St. Johann zur Erde, keineswegs aber über den Hochwald oder über den Rhein gekommen sei. r § Rockenberg, 5. Okt. Der gestrige erste Kirchweih tag brachte trotz der regnerischen Witterung eine größere Zahl auswärtiger Gäste. Heute findet eine Nachfeier statt. v. B ad-Nauheim , 4. Okt. Dis zum 1. Okt. sind 23 708 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 621 anwesend waren. 323 214 Bäder wurden bis zum L Oktober abgegeben. Bensheim 4. Okt. Dieser Tage fand zu Lorsch der Verbandstag ländlicher Genossenschaften der Raiffeisenorganisation statt. Aus den Raiffeisenver- einen der Pfalz, Badens, Hessens und Hohenzollerns hatten sich etwa 400 bis 500 Mitglieder eingesunden. Postverwalter Freisens entrollte ein Bild des alten Klosters Lorsch, das zur Hebung der ReUgion, Kunst und Wissenschaft, aber auch für die Landwirtschaft tätig gewesen sei. Als Redner traten sonst noch die verschiedenen Verbandsanwälte auf, unter denen der Verbandsdirektor Nolden (Ludwigshafen) den Geschäftsbericht der beiden letzten Jahre als sehr günstig bezeichnen konnte. Der Landtagsabg. Bürgermeister Frenay brachte Einiges aus den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches vor. Pfarrer Kunz (Bruchsal) schilderte die Vorzüge, welche die Raiffeisenorganisation den Bauern biete. Nach einer Besichtigung des Lorscher Lagerhauses, seiner im Betriebe sich befindlichen Maschinen und seines Fruchtlagers, fand ein Mahl statt; daran schloß sich ein Ausflug, in die M ann er tr un k en, die übrigen konnten gerettet werden. * München, 5. Okt. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Geheimrat Zit tel wurde gestern von einem Radfahrer umgestoßen und ziemlich erheblich Heiligen st adt, 5. Okt. In Sollstaedt bei Bleich- ...... ' ' spät losgelasjenen Schusses im Eingesandt. (Für Form und Jnyati aim unter Die)er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 4. Oktober 1903. Gewiß haben alle Anwesenden bei der evangelischem Weihe des neuen Friedhofes am Sonntag eine ergreifende und erhebende Stunde durchlebt. Um so mehr empfindet aber der Evangelische auch die Pflicht, den Geistlichen, der ihm unter schwierigen Verhältnissen zu dieser Stunde verhalfen hat, gegen ungereck)te Anklage zu verteidigen. Tie Erklärung von Oberbürgermersler Ai ec um an die Stadt- verordneten-Versammlung über dte evangelische kirchliche Weihe des Friedhofs am Rodtberg (abgedruckl in Nr. 232, Samstag 3. Oktober, Blatt 3) beginnt mit Betonung des „nicht gesetzmäßigen" Vorgehens des Pfarrers Dr. Naumann. Dem gegenüber ist festzuhallen : 1. Bei der ursprünglich am 10. Juli beabsichtigten und nur durck) Herrn Oberbürgermeister Mecum gehinderten Feierlichkeit handelte es sich gar nicht um eine besondere gottesdienstliche Handlung auf dem der politischen Gemeinde gehörigen Friedhof, sondern nur um die besondere Ausgestaltung einer kirchltchen Beerdigung durck) Gesang der Ehorschule unter Beteiligung der dazu ein- geladenen evangelischen Gemeinde. In die Form einer kirchlichen Beerdigung einzugreifen, slüiide dem Herrn Oberbürgermeister zu, wenn unter» solchem Vorwand etwas geschähe, was gegen die allgemeine Ordliiliig verstieße. Das Cingeii eines aus Tod und Auf- erslehung bezüglichen Kirchenliedes kann _ aber nicht so beurteilt werden. Zudem erzählt ja Oberbürgermeister Mecum in seilier Erklärung, daß Pfarrer Dr. Naumann ihm schon am 20. Juni klare Mitteilung über das gemacht hat, was er bei der ersten Be- erdiguiig eines Evangelischen zu tim beabsichtige. Es hat also keineswegs Pfarrer Dr. Naumann, sondern Oberbürgermeister Mecum beim Verbot jener Feier „nicht gesetzmäßig'' gehandelt. Danach beweißt es sich auch, ob Oberbürgermeister Mccum em Recht hatte, den Lehrern das Singen der kirchlichen Ehorfchulen bei der Beerdigung emes Evangelischen zu verbieten. 2. Der erste evangelische Geislliche hatte nun zufällig nicht die ersten kirchlichen Beerdigungen erwachsener Evangelischer zu vollziehen, und so sprach Herr Pfarrer Scheunemann bet der ersten kirchlichen Beerdiguiig einer Evangelischen auf dem neuen ^riedhos einige Worte, die dem evangelischen Gefühl Rechnung trugen, das den'Platz für die Toten dem Segen Gottes unterstellt wissen will. Nur unter Voraussetzung eines solchen Gebetes konnte die damals iiicht mögliche öffentliche Feier verschoben werden. Aber dasselbe religiöse Gefühl forderte auch, daß die evangelische Gemeinde Gießens, die ihre Toten künftighin auf dem neuen Friedhof beerdigt, selbst in öffentlicher Handlung an diesem Gebet um den Segen Gottes teilnimmt. Es ist seltsam, daß der nicht evangelische Oberbürgermeister das evangelische Oberkonsistorium in einer öffentlichen Erklärung über das Wesen des evangelischen Gemeindebegriffs auf- zuklüren versucht hat. Jede ruhige Uebedegung mußte ihm sagen, daß cs sich nicht um die Frage handelt, ob die evangelische Gemeinde in ihrem idealen Bestände, wie sie ja durch beliebige Personen lebendigen evangelischen Glaubens vertreten sein faim, den Worten Pfarrer Scheunemanns beiwohnte; es handelte sich um die ganz andere Frage, ob die besondere, klar abgegrenzte evangelische Gemeinde der Stadt Gießen hier eingeladen war oder nicht. Sie war als solche nicht eingeladen; also war diese Handlung^ trotz Anwesenheit evangelischer Leidtragender und evangelischer Stadtverordneter keine kirchliche Eröffnung des Friedhofs von feiten der evangelischen Gemeinde. 3. Ein Widerspruch wird darin gefunden, daß Herr Pfarrer Dr. Naumann einmal erklärte: „eine evangelische Friedhofsweihe gibt es nicht" und dann doch wieder eine evangelische Friedhofsweihe vornehmen wollte. Dieser angebliche Widerspruch löst sich dadurch, daß (nach dem An trag der Kommission Nr. 4) Herr Oberbürgermeister Mecum ursprünglich an eine Weihe der Fried- hofserde dachte, welche die katholisck)e Kirche vornimmt, die es aber iiach evangelisck)en Grundsätzen allerdings nicht gibt. Die "rchuche Eröffnung eines gottesdienstlichen Handlungen dienenden Platzes iväre damals dem Herrn Oberbürgermeister wohl gar nicht als „Friedhofsweihe" verständlich gewesen. Es war also Freundlichkeit des Herrn-Psarrer Dr. Naumann, rocim er sich einen Augenblick dem Sprachgebrauch des Herrn Oberbürgermeisters anpaßte. 4. Hinsichtlich der Bezeichnung „altkatholisch" ist bet Herrn Oberbürgermeister Mecum und Herrn Dr. Gutfleisch eine seltsame Aenderung des Sprachgebrauchs festzustellßn. „cklttatholtten nennt man im offiziellen Sprachgebrauch Katholiken, welche die Beschlüsse des vatikanischen Konzils nicht anedeimen. Wer aber seit 28 Jahren keine katholischen Sakrainente empsangen hat utld auch in Zukunft diese Haltung bewahren will, hat sich lemeswegs bloß vom Vatikanum, sondern mit dem Unterlassen der österlichen Beichte von den Einrichtungen der alten Drehe losgcsagt, und Schreiber bezweifelt, ob Bischof Dr Remkens einen solchen Aiann meinte, wenn er Herrn Dr. Gutfletsch gegenüber1 einmal äußerte, die Altkatholiken seien die etgentlicheii Katholiken. Für die evangelische Gemeinde ist es natürlich gleichgtltig, ob Herr Oberbürgermeister altkatholisch oder — was der richtige Ausdruck wäre — a-katholisch (— nicht katholisch) ist. Prof. Dr. Holtzmann. kommt, „preußische Prinzen" treffen ein — der Begriff „Deutscher Kronprinz" ist dem echten Bajuvaren immer noch nicht wieder mundgerecht seit dem Tode des in Süd- deutjckfland so populär ^gewesenen ersten Trägers dieses Namens, dem Le7anntlich nack) der Sdftacht bei Wörth ein bayerischer Infanterist treuherzig versicherte: „5-ätten's uns g'führt anno 66, Hoheit, Königliche, da hütten's mal schau'n oll'n, wie toia die Malefizpreußen sakrisch verhau'n hätt'n!" Ter Kronprinz war v-on der lebhaften Begrüßung am Bahnhof sickftlick) fieudig betroffen, und das Gemisch von Selbstbewußtsein und Verlegenheit, das dock) eigentlich wieder die Besd)eidenheit erkennen ließ, mit der er die Ovationen entgegennahm, stand ihm recht gut. Er sieht sehr fiisch und gebräunt aus, gegenüber seinem etwas zarter dreinblickenden Bruder. Beide Prinzen speisten am Bahnhof in einem reservierten Salon des Hoses und fuhren dann nach Wildbad Kreuth, wo sie der Herzog Karl Theodor mit seinen Söhnen, ihren besonderen Freunden, erwartet. Tie Intimität mit der Familie des in München und ganz Bayern hochverehrten Herzogs Karl, wie er allgemein gewannt wird, hat nicht wenig dazu beigetragen, daß die „preußischen Prinzen" — so heißen sie nun einmal — sich in der bayerischen Hauptstadt und im Tegernseer Lande natürlich erst recht einer fiühzeitigeu Popularität erfreuen. * Aalesund, 5. Okt. Ter norwegische Dampfer „Terjevigen" ist vorgestern während des Sturmes unweit von hier gefunken. Die ganze aus 12 Mann bestehende Besatzung ist ertrunken. * Paris, 5. Okt. In einer Men agerie in Pezou verwundete ein Löw e den Bändiger Gaillard so schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. — Wie hiesige Blatter melden, hat Jacques Lebaudy das englische auswärtige Amt von der Gründung des Sahara- Kaiserreiches in Kenntnis gesetzt und zugleid), seine Bereitwilligkeit lamsgesprochen, sein Reich dem englischen Handel zu öffnen, wenn er von England Unterstützung finde. Lebaudy erffucht, seinen Vorschilag ernsllich in Erwägung zu ziehen und bittet, ihm baldmöglichst mitzuteilen, welche Haltung die englische Regierung in dieser Angelegenheit einzunehmen gedenkt. * Pils en, 5. Okt. Zwei deutsche Studenten der Prager Burschenschaft Arminia, welche hier auf dem Ring promenierten, wurden von der tschedfischen Bevölkerung insultiert und verfolgt. Sie wurden mit Stöcken blutig ges chlage n, ihre»Mützen und Bän- derzerrisseu. Nur unter dem Schutz der Polizei konnten sie sich in Sicherheit bringen. * Ein eigenartiges Erlebnis hatte dieser Tage in London eine jungeDame, Tochter eines reichen Fabrikanten. Sie kehrte nachts ans einer Gesellschaft nach Hanse zurück. Wer beschreibt ihr Erstaunen, als sie beim Betreten ihres Schlafzimmers zwei Männer vorsand. Eine Andere wäre wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, nicht so untere Miß. Ruhig sprach sie die beiden (Ändriuglllige an uno fragte sie, was sie in ihrem Zimmer zu suchen hätten. Tie Antwort der beiden Einbrecher lautete der Wahrheit gemäß, sie seien gekommen, um das Haus zu bestehlen, und seien eben damit beschäftigt gewesen, einen Schrank, in ’bem sie Schmuck vermuteten, aufzubrechen. Tie beherzte Miß sprach den beiden Gentlemen ins Gewissen, machte sie auf das Verwerfliche ihres Treibens aufmerksanl, das nur bann halbwegs zu entschuldigen wäre, wenn sie vom verletzt. * München, 4. Okt. Der deutsdje Kronprinz ist am Freitag mit seinem Bruder Eitel Fritz am Münchener Bahnhof begrüßt worden. Da jeder Empfang verbeten war, o war nur ein Herr von der preußischen Gesaridtschaft zum Bahnhof gekommen. Zuerst traf der Kronprinz von Köln her ein. Er hatte bereits die preußische Hofjagduniform angelegt, während sein Bruder, den der Berliner Schnellzug brachste, Zivil trug. Ein Handschlag — „Guten Morgen UW i e w ar s?" — das war die Begrüßung. Beide Prinzen'Rainen ja von Denkmalsenthüllungen, als Stellvertreter ihres Vaters. Die Ersck)einung der frischen Jünglinge machte ersichtlich Eindruck 'aus das Publikum, das ofort in lebhafte Hochrufe aus brach Die Verschsiedenheit der Brüdep ist sehr auffallend. Aus dem Kronprinzen chaut in allem der ganze Vater heraus, währetid Prinz Eitel Fritz, der breitschultriger, einen halben Kopf größer wie sein schlanker und gefchmeidiger Bruder, daherkommt, eine auffallende Aehnlichkeit mit seiner Mutter zeigt. Beide Prinzen versprechen indessen in der äußeren Erscheinung echte Hohenzvllern zu werden; ihre Gestalten erinnern an die Generation hochgewchhsener preußischer Prinzen, von der Prinz Albrecht und sein ällester Sohn, Friedrick) Heinrich, nach dem Heimgänge des allen Kaisers und seines Sohnes wie seiner Brüder und Vellern lange Zeit nocl> die einzigen Repräsentanten touren. Die lebhafte Begrüßung der beiden Prinzen durch das Publikum konnte einen um so mehr erfreuen, als vor der Ankunft unter der Menge von nichts anderem die Rede'war, als der „preußisck)e" Kronprinz die abloschende Feuerwehr die Abgebrannten vor den leer- Hunger zu ihrem Tun gezwungen waren. gebrannten W'ohnställen und wirtschaftlichen Gebäuden; die l-nngrig?" fragte sie die Manner und noch ehe dre Berdw Gastfieundsck)aft der Nackcharn hat sie ja zwar vor der antworten konüten, fuljr fte fort: lni Obdachlosigkeit bewahrt, vorläufig, aber wie soll es auc nr-** '•x‘ ® ,,rt Knr die Dauer, im bevorstehenden Winter werden? Wenn auch nicht alle, so gehen dock) einige Abgebrannte bitterer Not entgegen. Ganz Poppenhausen ist durch das große Brand- unglück in eine so drückende Lage gekommen, daß sie die Betätigung hilfreicher Nächstenliebe herausfordert. Nament- lick) die vielen Nhöntouristen, die den fdjimuden Marktlecken im Lüttertale am Fuße der Ebersburg schon besucht rnd ihm mand) schsöne Erinnerung zu verdanken haben, ollten sich durchs das Unglück rühren lassen und für die notleidenden Abgebrannten die mildtätige §anb öffnen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Bergsllaße. Kirchhain, 3. Okt. Auf dem Gelände des Ohmtal- bahnhofes ist in dies em Sommer das „Kvrnhaus Kirchhain" errichtet worden, dessen feierliche Eröffnung heute stattfand. Zunächst-wurde die Gelleidellocknung vorgeführt. Gutsbesitzer Bopp-Kleinseelheim hatte hierzu ein Quantum Hafer angeliefert, das naß eingeerntet war. Binnen kurzer Zell war das Getreide die verschiedenen Schächte durchlaufen und fiel als vollkommen trockene und marktfähige Ware in das Silo. Hierbei trat der Nutzen, den das Kom- haus gerade in nassen Jahren der Landwirtschaft bringt, klar vor Augen. Auch die übrigen mannigfachen Vorrichtungen wurden in Tclligkeit gesetzt und funktionierten vorzüglich. Nachdem die Erschienenen das Kornhaus in allen Teilen eingehend besichtigt hatten, begab man sich in das Dahnhoshotel, wo ein Festessen veranstaltet war und die offizielle Eröffnungsfeier stallfand. Landgerichtsrat Klin- genbiel-Marburg hiell die Festtede, worin er ausführte, daß gerade bei dem Komhaus KirchhE die Vorbedingungen für eine gedeihliche Entwicklung gegeben feien, da im Kreise Kirch-Hain eine genossenschaftlich geschulle Bevölkerung vorhanden sei, die zeigen könne und müsse, was sie unbeengt von Staatsfesseln leisten kann. (H. L.-Ztg.) Fulda, 5. Oll. Von Dr. Lange-Kassel und Hauptlehrer Vonderau^Fulda wurde die nordöstliche Rhön auf vorgeschichtliche Ringwälle untersucht. Auf der Hessen kuppe bei Dermbach sch-nllt man innerhalb der Befestigung eine Herbstelle an, deren Fundmerünale die Anlage in die Zell um Christi Geburt verweisen. Der Beyer, der am weitesten nach Nordosten vorgeschobene Rhönberg, hat einen durch zwei Wälle umsäumten Gipfel. Am Stallberg bei Hünfeld ist durck) Querschinllte in den Wall die ehemalige Konslluttion dieser Befestigungsanlage nachgewiesen und an mehreren Stellen die heute noch senkrechte Front des CyklopenmauerWerks fteigelegt worden; letzteres ist hochwichtig, da bisher in der Rhön ganz sichere Resultate iioch nick)t erzielt werden konnten. — Der Schaden, den das Groß feuer in dem freundlichen Rhön orte Poppen hausen angerichtet hat, ist sehr bedeutend. In Schutt und Asck)e liegt das Vermögen so! manch braver Familie begraben. Niedergeschlagen und ratlos stehen um Vermischtes. * Duisburg, 5. Okt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden auf dem hiesigen Bahnhof 2 Beamte von einem Personen zuge überfahren und getötet. für Öen Renten ” gegenüber ^nbe verhol^ hrSJeStQbta /Ache Weihe L,.' ^amstaq • 9eU§n».cLBiqen" legenüber ist sch- Atz liier ,2(j-. töj? lunÄbcit auf Hegel 'S N- D r±> «’fÄ- ■S’t* iblii a aie,n mf 6”; ?ls ■s hDerheBen ifbeJfp ^ren ,ücnteuer et« Hegten und nin "En Leierlichkeii 501611111^6^0= = •ftS >ul, di- bi9L Huqenb11^ S-L'- Sfe® AS-'S zufällig nicht die igelst cher zu voll- nn bei der ersten m neuen Friedhos nung trugen, das cfteQt tviiitn will, mnie die damals . Mer dasselbe lemembe Liesten-, os beerdigt, selbst Den Legen Volles lischt Lverbürger- er öffentlichen Er- leindebegrists aus- mustle ihm sagen, e evangelische Le« |ü durch beliebige rtreien sein kann, i handelte sich um abgegrenzte evan- en war oder nicht« ueje Handlung trog oangetstcher Ltadt- )oss oon seilen der daß Herr Psanee ste Friedhof tiyt 8^ t Pl-B 1 ,s r ^ilugenblii '-,ch en* A 1 Mlkalholiken Xterf ,n d« ö'tetÄ llid)eu^a9b eW^'^btui richNge «ft CT 3 a co o CT CT :C CT 'S- CT «2 3 ^>ZZ ZS 2 d *8* 5 , E 2 «ft c?c9 td s * CT c-q £ .3 co O-H EZ SG «ö>^. r® 3 o c 8^5 CT «p o Hs e 2 O-> s= O KZ E (9 >£?"c -3 3 S> .3 ’S CT es S S «e «eo « ü c .3 s Z d 3 =3 3 <- • OS o *tt CO CT »y CT sw CT^G e E 2i 2 5 -5 X <& 2 <3 C-S E E 2 ö .3 O 3 c_> q'^ B es öi o xO Z CT 3 CT CT 3 O" tL E 2 «ft -3 5 «d Z £ K E «El s CT ■S eo* TT CO § E c X CT S) ö 3 rr <5 « o c* Sv CT s O CT Z'Z CT «r CT «-t •E ast CT ^E 00 E Ij es «ft C :C E 5 o «•s E CT 3 £ CT' 2i ^5 CT O CO «ft O CT CT 3 E CD CT C 3 Q W CD .27 CT 1 E-g e &g Q Cb# CT CT 0^-3 j- ^^8 ü CO <31 q. 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Schüler mit Einjährigberechtigung B können die obere Klaffe besuchen. ♦ Großh. Direktion der Obstbau- und landw. Winterschule. GeMk-VerAmus Giessen Lony's MerKeüer, großer Saat. - | Donnerstag den S. Oktober 19031 vormittags 10’/2 Nhr beginnend soll auf Ordre der Frau Barouiu von Waugeuheim, ^owie auf Ordre der Künstler E eine wertwolle Sammlung von ca. 200 stock Oelgemälden TOorunter Bilder von Pro'. Achenbach, Prof. Ed. Grützncr, Prof. Kranz v. Defregger, H P^f. Alb. Rieger, Jul. Scheuerer, A. Kauffmann, Jdel-Torc, M. Sttfter, L. Gedleit, «chleicher, I. Zatzka, L. Paulus und noch mrdere mehr tn offen tllcher Auktion ä tont priz an den Meistbietenden verkauft werden. — Die Gemälde sind bis Mittwoch abend mr Ansicht ausgestellt. Geschäfts - Grsffiruirg. Einer verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend, werten Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, daß ich unterm Heutigen dahier 33 Bahnhofstraße 33 ein Wirte-, Gold- e. 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