wo. 182 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamillen- blatter viermal in der Woche deigelegl. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univeri.-Buch-u.Stein- b ruderet (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.5L Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 6. August 1903 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen BezugsprerSr monatÜch7bVs., viertel' jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tagesnummer JÜ$ vormittags 10 Uhr. ^eilenpreiS: lokal 12Pj. auswärts 20 Psg. Verantwortlich tüt den poltt und aügem. Teil: P. Wittto- für bStadt und Land^ und ,GerichtSsaal*; August Götz; für den An» -etgenteil: pan« Beck. Are heutige Yummer umfaßt 8 Seite«. Volitische Tagesschau. Vom Militär. Man schreibt uns aus Berlin: Tas militärische Leben treibt seinem Höhepunkt zu: den Manövertagen. In allen Gauen des Vaterlandes wird an ine wafsentragende Mannschaft der letzte Schliff ge- wgt, um sie tüchtig zu machen für den „Krieg im Frieden". Tas allgemeine Interesse gehört, wie alljährlich, den brm anö v ern. Sie finden ihr Vorspiel in den großen Kavallerieübungen, zu denen der oberste Kriegsherr gleich nach der Rückkehr von der Nordlandreise sich begeben wird. T-ie Sonderveranstaltung dieser Hebungen großen Strls darf wohl als ein Beweis angesehen werden, daß die Vermehrung der Kavallerie in der kommenden Militärvorlage eine besondere Rolle spielen wird. Soweit freilich Verwaltung des Reichsheeres in Betracht kommt, deutet äußerlich nichts auf eine großzügige Tätigkeit hin. Die preußische Kriegsminister-„Krisis" besteht noch. General v. Goßler bleibt einstweilen der eigentliche Verwaltungs- chef, während Generalleutnant v. Einem weiterhin in Vertretung des Kriegsministers zeichnet. Da indessen das Ende des dreimonatlichen Urlaubs Herrn v. Goßlers mit dem Abschluß der Kaisermanöver zusammenfällt, so ist anzunehmen, daß dann General v. Goßler verabschiedet und Herr v. Einem endgiltig zum preußischen Kriegsminister ernannt wird. Auf die Vertretung der Militärvorlage im Reichstag sich vorzubereiten, hätte Herr v. Einem auch dann noch hinreichend Zeit, da die erste Lesung der Vorlage kaum vor dem Januar stattfinden wird. Die Grundzüge der neuen Militärvorlage stehen in der Hauptsache fest. So in erster Linie die Erneuerung des Quinquennats. Rechnungsmäßig allerdings dürfte die Bearbeitung der Vorlage noch nicht abgeschlossen fcth, da auch die Militärverwaltung im Interesse des Ganzen von dem Bestreben geleitet ist, ist einzelnen Abstriche und Einschränkungen vorzunehmen. Erst wenn Bedarf und Kosten in das richtige Verhältnis gebracht sind, ist die Militärverwaltung in der Lage, den Entwurf dem Reichskanzler zu unterbreiten, der dann mit den Bundesregierungen sich ins Benehmen setzt. Italiens volkswirtschaftliche Lage. Bei der Eröffnungsfeier der Landwirtschafts- und Jn- oustrieausstellung der Provinz Venedig in Undine hielt Finanzminister Carcano eine Rede, in der er über die ökonomische, die industrielle und die Finanzlage Italiens sprach. Er führte aus, die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion und die Entwicklung der industriellen Tättgkeit,insbesondere eine weitgehende Verwendung der Elektrotechnik und der Tampfkrast schreite immer fort. Auch der Handel entwickle sich stetig. In den letzten zwölf Jahren fei die Einfuhr um 28 Prozent, nämlich von 1301 000 000 Lire aus 1 776000 000 Lire gestiegen; die Ausfuhr aber habe sich um 57 Proz., von 950 Millionen auf eine Milliarde 492 Millionen gesteigert. Die verzinslichen Einlagen in den Sparkassen beliefen sich auf 3 Milliarden Lire. Der Minister besprach sodann die Finanzlage und betonte, daß in dem mit dem 30. Juni des Jahres 1901 zu Ende gegangenen Finanzjahre der Ueber- schuß mehr als 41 Millionen und im Finanzjahr 1901/02 32 Millionen Lire betragen habe. Auch für das mit dem 30. Juni 1903 beendete Finanzjahr werde der Ueberschuß rund 60 Millionen ergeben. Tie italienische Rente stehe über pari, das Agio sei verschwunden. Demgemäß sei die Fortführung der Steuerreform erleichtert, man werde bald an die Konversion der Rente gehen können. Der Minister sprach sodann Zanardellis Glückwünsche zur Eröffnung der Ausstellung aus und schloß mit einem Hoch auf den Mnig. Zanardelli und die Papstwahl. Der italienische Ministerpräsident hatte, noch bevor das Wahlresultat bekannt war, eine Unterredung mit dem römischen Berichterstatter des „Berl. Lok.-Anz." Darm soll er geäußert haben: „Ist es für das Schicksal Italiens so wichtig, wer von den 62 Kardinälen des Konklave auf Petri Stuhl sitzen wird? Wir haben einen konzilianten und einen intransigenten Papst gehabt, beides sogar nach einander in der Person Leos XIII. Beide haben Italien in seiner Entwickelung nicht gehindert. Klarer bleibt die Situation, wenn die Politik des verstorbenen Papstes so, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat, fortgesetzt wird, obwohl freilich vom ethischen Standpunkt aus ein versöhnlicher Papst zu wünschen wäre, einer, der sich um nichts kümmert als um die Angelegenheit der Religion und der Kirche im wahren Sinne des Wortes. Ein solcher würde wahrscheinlich di Pietro oder Capecelatro sein. Aber zu fürchten hat Italien heute nichts mehr, auch von dem unversöhnlichen Papst nicht." — Eines erhofft der italienische Ministerpräsident von dem neuen Papst: daß er nämlich den Besuch des Kaisers Franz Josef in Rom zustande bringen werde, der schon im Interesse des Dreibundes ein heißer Wunsch Italiens bleiben muß. Hat em Papst unter den heutigen Umständen den Präsidenten der französischen Republik empfangen, so wird sein Nachfolger sich wohl entschließen, den Kaiser von Oesterreich zu empfangen, auch wenn er der Gast be§- Königs von Italien ist. Heer und Flotte. Kiel, 5. Aug. Das Kriegsgericht des zweiten Admirals des ersten Geschwaders sprach den Kommandanten der „Amazone", Fregattenkapitän Gerdes, von der Anklage der fahrlässigen Herbeiführung des Auflaufens der „Amazone" in Brest am 1. Juni frei, da sein Verhalten tadellos war, erkannte dagegen gegen den Kapitänleutnant Schade auf acht Tage Stubenarrest wegen Ungehorsams gegen einen Dienstbefehl. Es waren beantragt gegen Gerdes ein Tag und gegen Schade drei Tage Stubenarrest. Säbel beim Train. Das „Armeeverordnungsblatt" enthält nachstehende kaiserliche Ordre: Aust den mir gehaltenen Vortrag bestimme ich, daß der Säbel beim Train in der für die Feldartillerie vorgeschriebenen Weise zu tragen ist. Der Schleppriemen am Säbelkoppel fällt fort. Tas Kriegsministerium hat hiernach das weitere zu veranlassen. Internationaler Kongreß zur Bekämpfung der Vivisektion. Fortsetzung. Frankfurt, 5. Aug. Tie gestrigen Nachmittagsverhandlungen des internationalen Kongresses brachten Vorträge des Direktors Engler-Dresden, Nuhl-Verviers und Stenz-Berlin. Die Vereine in Moskau haben ihren Beitritt zum Weltbund erklärt; also hat auch die Bewegung in Rußland Form und Farbe angenommen. Direktor Engler wandte sich gegen den in Grausamkeiten ausartenden Tiersport und forderte darin wie auch in der Verstümmelung der Tiere — der Hunde und Pferde — unbedingte Abhilfe. Ruhl- Verviers wünscht Verbreitung von Flugschriften und Kalendern, die besonders auf die Jugend großen Eindruck machten. Stenz-Berlin macht Vorschläge, nach denen der T i e r s ch u tz in Italien gefördert werden könnte. Vögel, Maultiere, Pferde re. werden in Italien unausgesetzt mißhandelt und gequält, sodaß dort die Tierquälerei den Höhepunkt erreicht hat, trotz des Tierschutzgesetzes, das dort dem Buchstaben nach sehr streng, aber in Wirklichkeit wirkungslos ist. Abhilfe kann in Italien nur dann geschaffen werden, wenn die Behörden nachhaltiger in den Kampf eingreifen. Die wenigen Tierschutzvereine bedürfen sehr der Unterstützung, da sie sonst ihren Einfluß nicht ausüben können. Redner fordert, baß die Frenrden die italienische Tierquälerei nicht dadurch unterstützen, daß sie dort Vögel kaufen oder mit abgequälten Pferden fahren, oder auf blutenden verletzten Maultieren reiten re., sie sollen vielmehr jederzeit ihr Mißfallen über die Schindereien ausdrücken. In der freien Aussprache betonte Pros. Förster, daß grausame Tierquälerei eine Schattenseite aller Südländer, auch der Griechen und Span ier sei. Oberst Spohr-Gießen verurteilte die Quälerei der Reitpferde. In Italien hÄen sich die Verhältnisse seit einigen Jahren etwas gebessert, aber es ist dort noch sehr viel zu tun. Stand in ger- Zrantfurk betonte, daß es ein „edles" Weidwerk nicht gibt; „er schätze Jäger und Metzger gleich". Dü n ck e l-Leipzig nnterfrützte die Forderungen des Referenten Stenz-Berlin. Dr. Puricell i-Wien bemerkt, daß das böse Beispiel von Italien bis nach Oesterreich hinüber wirke. Besserung wird erst dann erzielt werden, wenn das Publikum einsieht, daß das Tier nicht etwa eine Sache, sondern ein fühlendes Wesen ist, eine Einsicht, die in Italien und vielen Teilen Oesterreichs noch gänzlich fehlt. Prof. Quid d e-München erweiterte die Vorschläge des Referenten Stenz und wünschte, daß warnende Flugblätter, die in den Eisenbahnen nach Italien verteilt werden sollen, im Namen der italienischen Tierschutzvereine ausgegeben werden. Schwant je - Berlin wandte sich noch einmal gegen das „edle" Weidwerk, das ihn Lustmord dünkt, während Direktor Engler unter edel nur „menschlich" verstanden haben will. Darnach tourben einige Anträge angenommen. Die Leitung des Weltbundes bis zum nächsten Kongreß wurde der Schweiz, die durch Dekan v. Bergen-Zürich vertreten war, übertragen, nachdem England abgelehnt hatte. Zum Schluß dankte der Kongreßleiter, Prof. Förster, allen Teilnehmern für ihre Mitarbeit und forderte zu weiterem Streben auf. Die Verhandlungen sairden um sieben Uhr ihr Ende. Abends schloß sich eine musikalische Unterhaltung an. — Im Restaurant Easino tagten nach dem zweiten internationalen Kongreß heute die dem Weltbünde angehörenden deutschen Vereine. Prof. Förster führte den Vorsitz. Bis die Schweiz die Leitung des Weltbundes endgültig übernimmt, treten die Herren Staudinger-Frcmkfurt und Prof. Quidde-München der einstweilen noch deutschen Leitung bei. Zu Anfang oer Verhandlungen betonte Prof. Quid de, daß durch den internationalen Kongreß das Gefühl der Zusammengehörigkeit sehr gestärkt wurde. Er hofft, daß nun auch die großen Gesellschaften des Auslandes die durch den Kongreß und die Drucklegung der Berichte :c. erwachsenen und noch erwachsenden Kosten bestreiten helfen. Prof. Först er'stellt fest, daß das Ausland bis jetzt noch keine finanzielle Beihülfe geleistet hat. Auf Anregung Dünkels-Leipzig liegt eine Denkschrift „Was verlangen wir für den Schutz der Tiere? seitens der Behörden vor, und Quidde hat einen Entwurf „Tie Notwendigkeit eines größeren Schutzes der Tiere durch das Strafgesetz" vorgelegt. Stenz-Berlin referiert über die Denkschriften, die sehr umfangreich sind. Tie ausgedehnte Debatte eröffnete M. Voigt-Frankfurt, der schmerzlose operative Tierversuche im Interesse der Wissenschaft nicht prinzipiell verwirft. Tr. Pfaffrath- Wiesbaden widersprach, da es solche „schmerzlosen" Vivisektionsversuche überhaupt nicht gebe. Frau Prof. Quidde und Herr Staudinger verwarfen alle Konzessionen in Feuilleton. Zur Hund ertjahrfeier der Reorganisation der Universität Heidelberg. Die Hochk- schule von „Alt-Heidelberg" ist die älteste im ganzen Reiche. Oie wurde 1386 vom Kurfürsten Ruprecht I. von der Pfalz, 710(1)1 dem Vorbilde von Paris, mit vier Fakultäten begründet. Der Organisator und erste Rektor war der Niederländer Marsilius von Jnghen, vordem Professor in Paris; der erste Kanzler war Konrad von Gelnhausen, Domprobst von Worms. Die Universität trug zuerst einen kirchlich^- scholastischen Charakter Erst allmählich kam ein freierer Geist zum Durchpruch. Mitte des 16. Jahrhunderts führte Otto Heinrich, mit dessen Namen der schönste Teil deZ Schlosses verknüpft ist, unter Mitwirkung Melanchtbons eine Umgestaltung der Hochschule durch, sodaß hier an die Stelle der Scholastik der Humanismus trat und die Reformation den Katholizismus ablöste. Tie nun folgende Blüteperiode nahm ein Ende im dreißigjährigen Kriege mit der Eroberung Heidelbergs durch Tilly (1622). Nach einem Besuch des Herzogs Maximilian von Bayern tour5e die Universität 1652 vom Kurfürsten Karl Ludwig neu errichtet, unter Beseitigung des früheren tonfessionelleu Charakters. Aber die zweimalige Zerstörung Heidelbergs'durch die Franzosen (1689 und 1693) bereitete auch der Hochschule wieder ein Ende. Ein Teil der Professoren suchte sie zu erhalten; aber während des ganzen 18. Jahrhunderts war ihr unter der Herrschaft der katholischen Gegenreformation nur ein ziemlich trauriges Dasein beschieden, und mit der Weg- n.ahme der überrheinischen Pfalz durch die Franzosen (1802) schien die Universität, die gleichzeitig fast alle ihre Besitzungen und Einkünfte verloren hatte, dem Schicksal der üluflofung verfallen zu sein. Da trat ein Wendepunkt, und eine neue Blüte mit dem Uebergang des Londes au Baden ein: der hochherzige Kurfürst und spätere Groß?- herzog Karl Friedrich war es, dem die alte Bildungsstätte neues Leben verdankte; durch das Organisationsedikt vom 13. Mai 1803 wurde die Universität Heidelberg „als hohe Landesschule erklärt, bestätigt und neu dotiert". Sie führt seitdem zum Andenken an ihre beiden Stifter den Namen „Ruperto-Carola". Tas Rektorat übernahm Karl Friedrich selbst für sich und für feine Nachfolger. Gegenwärtig umfaßt die Hochschule fünf Fakultäten: die theologische, die juristische, medizinische, philosophische und naturwissen- schaftlich-mathematische. Dank der Bedeutung ihrer Lehrer, angesichts des reich entwickelten studentischen Lebens und der herrlichen, von dem wundervollen Schlosse gekrönten Naturschönheiten hat die Musenstätte ihren mlten Reiz bewahrt und immer von neuem verstärkt. So klingt denn zu ihrem Ruhme das Lied ihres besten, wackeren Sängers Joses Viktor Scheffel heute und allezeit: „Alt-Heidelberg, du. feine, Du Stadt an Ehren reich, Am Necker und am Rheine Keine andre kommt dir gleich!" Das Juli-Heft der „Kunst" (München, Bruck- manu, vierteljährlich 6 Mk.) beschäftigt sich in der das Heft einleitenden ersten größeren Veröffentlichung mit der Sommer-Ausstellung der Münchener Sezession. 52 Abbildungen geben die Hauptwerke der Ausstellung wieder, die als Ganzes ein recht frisches, mannigfach gestaltetes Aussehen zeigt. Dr. Georg Habich hat darüber textlich berichtet. Von einer Kunstreise nach England erzähl! sooann W. Fred. Architektur gilt ihm als das künstlerische Gebiet, auf dem England heute wirklich groß ist, 62 Abbildungen bieten u. a. charakteristisch gewählte Proben dafür, die in der Tat zu ernster Beschäftigung mit dem darin Geleisteten I anregen. Weiterhin bespricht W. Vogelsang, von 12 Abbildungen unterstützt, die reizvollen Metallarbeiten des Amsterdamers, Jan Eisenloeffel; ein letzter Artikel mit 21 Illustrationen berichtet über die vom Leipziger Kunstgewerbemuseum veranstaltete Wanderausstellung „Die Pflanze in ihrer dekorativen Verwertung". Ein reichhaltiger Notizenteil ist dem Hefte wie üblich eingestreut. In die Reihe der schönsten und wertvollsten deutschen Zeitschriften ist „Die S ch ö n h e i t", herausgegeben von Karl Vanselow, getreten. Reich illustriert, frei und vornehm, voll Sonne und Jugend, mit Beiträgen erster Schriftsteller und Künstler, umfaßt die „Schönheit" alles, was für gebildete Frauen und Männer von Reiz und Interesse ist, im besonderen die Schönheit des Leibes, der Kleidung, der häuslichen und öffentlichen Umgebung, Liebe und Freude, Tanz und Spiel, Kunst und schöne Bildung, Gesundheit und Natürlichkeit, sittliche und gesellschaftliche Verjüngung. — Jeden Monat erscheint ein reichhaltiges und interessantes Heft in vornehmster Ausstattung mit etwa dreißig ausgewählt schönen Illustrationen. Mit dem seltenen Reiz und Wert des in Wort und Bild Gebotenen verbindet sich der Vorzug des geringen Preises, halbjährlich 4 Mk., einzelne Hefte 75 Psg. (Verlag der Schönheit, Berlin). Wissenschaftliche Expedition. Im nächsten Frühjahr geht, wie aus Stockholm gemeldet wird, eine schwedische toisienjchaftliche Expeoition nach dem nördlichen Teile des Stillen Ozeans. Leiter der Expedition, an der sechs schwedische Naturforscher teilnehmen und deren Kosten Konsul B r o m s trägt, ist der Konservator K o lt- hosf. Die Teilnehmer fahren im April mit der Eisenbahn durch Rußland und Sibirien nach Port Arthur und besteigen dort das vorausgesandte Schiff der Expedition. der Vivisektion, die in einem Teile beS Antrags MinLel enthalten sind. Prof. Quid de schlug eben salls jedes Zu geMndnis ab. Nach einer Vorlage ^^ntie-Sten^Berlrn mirl> närnlick verlangt: Tie Behörde dürfr 1. nui £>ci> suche zulassen, die im Interesse der Wissensck)aft die Lösung einer nur durch Tierversuche zu losenden ^rage bezwecken , o auch t>ieic Versuche seien nur dann zuzulafien, wenn ;ie Äre Lllig schmerzfrei gehalten werden Prosenor Quid de unterstützte den Antrag aus Einsetzung eurer Reichsbehörde zur ilebcrwachung der Bwisektion, verwarf aber die oben angeführten Satze. es doch schmerzfreie Tierver>uche gibt. Die Lmnuttags- Verhandlungen erschöpften sich m der L>ebattc über die Lmc ob m der Dünkclschen Denkschrift aucl^eine Ueber- wachunaSbehörde für die Ausführung von Dierver,uchen unter der Herrschaft des heutigen Gesetzes zu fordern sei und ob für die Hörigkeit dieser Uebcrwachungsbchorde bestimmte Grundsätze aufgefrclit werden füllen. Um 1 Uhr trat eine einstündige Mittagspause em. Aus Stadt und Laad. Gießen, 6. August 1903. ** Manöver-Postsendungen. Aus Anlaß der ^vorstehenden militärischen Herbstübungen machen wcr aus die Wichtigkeit der Anwerbung rtchtrger uud deutlich e r A u f s ch r i f t e n b e i d e n M a no v er - o st s e nd- un gen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (möglichst auch Vorname, unter Umstanden dre Ordnungsnummer, Dienstgrad und ^ruppentcU (chegunent, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Abteilung, Batsterte, Kolonne usw.) UItd für gewöhnlich der st ä n d i g e Ga r n r s o n- ort eintretendenfalls mit dein Zusatz „oder nach;enden . Die Angabe eines Marschquartiers als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht. , ** Personal Veränderungen in der Ober- Bo st d i re k t i o n D a r m st a d t. Se. Kgl. Hoheit der Groß- heraoa haben dem Ober-Postschaffner in gehobener Drcnft- stellunq Steinberger in Mainz das Allgemeine Ehrenreichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Drenste" am Lande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Ober-Postschaffner Röder in Darmstadt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige rreue Dienste", beiden bei ihrem Scheiden aus dem Dienste, verliehen. — Versetzt sind: die Postasfislenten Büchler von Osthofen nach Worms, May von Großgerau nach Osthosen, Röder von Worms und Schneider von Pforzheim nach Darmstadt. — Angenommen sind: zum fruchtbaren Boden ge- Postantvärter: der Vizewachtmeister Kramer in Großbau; zu Postgehilfen: der Ober-Realschüler Werchel in der Realschüler Faust in Gießen und der Kans- maimslctzrling Wiblisyaufer in Worms- zum Scle- graphengehilfen: der Realschüler Schnell rn, Mainz, alv Telegraphengehilfin: Katl-arina Oeste in Offenbach; als Postagent: der Landwirt Keil in Bobenhausen bei Mucke. — Bestanden haben die Postsekretärprüfung: der Ober- Postassistent Vogler und der Postassistent Roder in Darmstadt und der Postverwalter Heß in Hirschhorn. — Gestorben ist der Postagent Schirmer in pelzen. — Aus geschieden ist der Ober-Postassistent Kehrer w Darmstadt. ** Die 21. allgemeine Pfarrkonferenz der evangelischen Geistlichen d er Provinz O ber Hess en tagte gestern im Neuen Saalbau unter dein Vorsitze des Superintendenten Petersen. Etwa 70 Teilnehmer, darunter Professoren der hiesigen theologischen Fakultät und des Prediger-Seminars in Friedberg, waren dazu erschienen. Die Verhandlungen wurden nach einer kurzen, von Dekan Fischer aus Eichelsdors gehaltenen Andacht durch den Vorsitzenden mit einer Ansprache eröffnet, in der er vor allem auch der im verflossenen Jahre Heimgegangenen oberhesstschen Geistlichen gedachte und auf die Bedeutung des zur Erörterung stehenden Themas hinwies. Hierauf erstattete Pfarrer Schiilte aus Beuern sein Referat über „Die religiöse Volkskunde und die Seelsorge mit besonderer Berücksichtigung der oberhessischen a lt b ä uerl ich e n Frömmigkeit". Ec führte darin aus, wie unentbehrlich dem Geistlichen vor allem auf dem Lande für eine gedeihliche Wirksamkeit die genaue Kenntnis der religiösen Anschauungen, Sitten, Bräuche seiner Gemeinde sei und schildert an§ genauester Sachkenntnis die besondere Eigenart der oberhesstschen altbäuerlichen Frömmigkeit nach ihren wesentlichsten Grund- zügen und Lebensäußerungen. Der lebhafte Beifall und der Widerhall, den seine Ausführungen in der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion sanden, läßt hoffen, daß seine Anregungen zu recht eindringendem Studium der Art und Denkweise unseres Volkes auf recht fruchtbaren Boden gefallen sind. Monarchenbegegnung in Darmstadt. Wir lesen in der „Münch. Allg. Ztg.": Kürzlich wurde gemeldet, die bevorstehenden Festlichkeiten in Darmstadt zur Vermählung des Prinzen Andreas von Griechenland würden die Gelegenheit zu einer Zusaminenkunst europäischer Monarchen geben, nämlich des Deutschen Kaisers, de§ Kaisers von Rußland und des Königs von England. Es ist wohl möglich, daß Kaiser Wilhelm aus diesem Anlaß nach Darmstadt reisen wird, obwohl endgiltige Bestimmungen darüber noch nicht vorliegen. Ob der Kaiser von Rußland gleichfalls anwesend sein wird, ist vorläufig noch nicht betannt. Unrichtig aber erscheint nach den bisher vorliegenden Informationen die 'Meldung, daß Eduard VII. nach Darmstadt kommen wird. ** Wechsel auf Wolfenbütte l, welche nach dem 1. Septeniber d. I. fällig werden, werden von jetzt ab von der Reichsbank angekauft. Dieselben find an die Reichsbankstelle in Braiinschweig zu girieren. 8 Butzbach, 5. Ang. Tas hiesige Kasino veran- staltete heilte nachniittag ein schönes Sommerfest aus der nahen Wilhelmshöhe vor deni Zipfenwalde. Die Marburger Jägerkapelle konzerlierte bei der VeranstaltiMg, ivelche durch hübsche Unterhaltungsspiele und Preisverteiliiiig für die Kinder, Tanzvergnügen, Aussteigen eines kleinen Ballons und bengalische Gartenbeleuchtung re. genug des "Amüsanten bot und sehr gemütlich verlies. Auch Küche und Keller des Wirtes lieferten Vorzügliches. -f- B ü dingen, 5. Aiig. Bisher waren bei der hiesigen Glasbläserei drei Oefen in Betrieb mit fast 300 Arbeitern. In diesen Tagen wilrde der eine Ofen außer Betrieb gesetzt und ca. 150 Arbeiter, zumeist Sachsen, in ihre Heimat entlassen. — Bei dem plötzlichen Zuzug von Arbeitern entivickelte sich s. Zt. m unserem Städtchen eine rege Baulust. In letzterer Zeit waren die Wohnungen rar und teuer. Darmstadt, 5. August. Tas sozialdemokratische Wahlkomitee in Bieber hat der Zweiten Kammer eine Vorstellung, betr. den Protest des Karl Döring in Bieber gegen Sie Wahl der Wahlmänner in Bieber überreicht. Die Sozialdemokraten ersuchen darin, den Protest des K. Döring abzuweisen. Alain z, 4. August. Heute haben die Verhandlungen der Eisenbahndirektion gegen 65 Grundbesitzer der Gemarkung Kastel wegen Enteignung von Gelände, zum Zwecke der Erbauung der strategischen Bahnlinie Mombach-Kastel- Bischofsheim, vor dem Provmzialausschuffe begonnen. Unter den Grundeigentümern, die mit den Geboten der Eisenbahn- direktlon nicht einverstanden sind, befindet sich der ehemalige Herzog von Nassau, der felsige Großberzoa von Luxemburg. selbe die Gros. 5401 5020 5965 befindet sich jetzt Gros. 5399 Hemden garnitur usw. 6015 I. A.: Schneider. Zimmer-Thüreti n aus deutschem 2162 Fichten- und Tannenholz li Räumungs Verkauf Mobiliar- Versteigerung. Freitag den 7. 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Aug. Während der Abwesenheit seiner Eltern spielte ein 18 Monate altes Knäbchen mit Streichholz ern, wobei die Kleider des Kleinen Feue!r fingen. Noch ehe Hilfe gebracht werden konnte, war das Kind an den erlittenen schweren Brandwunden verstorben. * Hamburg, 5. Aug. In der heutigen Sitzung des Aussichtsrates der Dampfschiffsreederei von 188 9 ist nach der „Neuen Hamburgischen Börsenhalle" beschlossen worden, der zum 20. August einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 91/2 Prozent vorzuschlagen und die Li quidat io n der Gesellschaft zum 31. August zu beantragen. * Port Arthur, 5. Aug. Aus Tschifu wird gemeldet: Ein Platzregen richtete hier großes Unglück an. Von den Bergen herabjließende Wassermassen überschwemmten die Stadt, zerstörten viele Häuser und schwemmten Menschen und Brücken fort. Heber* 700 Personen sind umgekommen, über 2000 ohne Existenzmittel. * Von der Nordlandfahrt des Kaisers be- cichtet die in Bergen erscheinende Annonee-Tidende eine hübsche Episode, die sich bei einem Besuche des Monarchen in der Villa Eriksen bei Laxevaag abspielte. Der Kaiser kennt die Familie Eriksen; und da er alte Bekanntschaften bei Gelegenheit gern wieder auffrischt, benutzte er auch die diesmalige Nordiandsahrt dazu, die Villa aufzusuchen. Die zu dem Grundstück führende Privatbrücke war abgesperrt. Kurz entschlossen nahm der Kaiser den Weg über eine Anzahl von Booten, indem er von Kahn zu Kahn stieg und endlich sein Ziel erreichte. In Eriksens Heim lvar man über die Visite um so überraschter, als der Hausherr nicht anwesend war. Der Kaiser bedauerte dies sehr und ließ sich das Versprechen geben, daß ihn Eriksen mit Familie bei seiner Rückkehr in zehn Tagen an Bord der Hohenzollern besuchen werde. Der Unterhaltung folgte der Kaiser mit gespannter Aufmerksamkeit; er versteht Norwegischs wenn es klar und langsam gesprochen wird, und auch sein Begleiter, Graf Molrte, ist der Sprache leidlich mächtig. Aufmerksam blieb der Kaiser vor seinem Bilde stehen, das er in kostbarem Rahmen vor Jahren der Familie geschenkt hatte. Launig bemerkte er, daß an dem Bilde der Rahmen das Schönste )ei. Frau Eriksen erwiderte abwehrend, wenn man dies auch, von vielen Bildern sagen könne, so treffe es doch in dem vorliegenden Falle nicht zu. Einen kleinen zweijährigen Knaben der Familie nahm er aus den Schoß und fragte scherzerw, was er denn einmal werden wolle. „Kaiser!" war die prompte Antwort. „Und in welchem Lande denn?" „In Deutschland!" „Das mag schpn möglich sein, wenn dort der Kaiser auf Reisen gegangen ist", versetzte der Monarch lachend. Er verweilte etwa zwei Stunden in der Villa -nd nahm als Erfrischung einige Glas Fruchtwein an. * Heber die päpstliche Flagae und andere Abzeichen des hl. Stuhls spricht Dr. Eo. Hahn-Berlin in einem Aufsatz über den „Sonnenschirm als Königssymbol usw.", den das Internationale Archiv für Ethnographie veröffentlicht. Nachdem dort dargestellt ist, wie bei den asiatischen Despoten uiad im Buddhismus der Sonnenschirm althergebrachtes Symbol der höchsten Herrscherwürde war, heißt es weiter: Jedenfalls ist in Rom der Sonnenschirm noch einmal zu Ehren gekommen, die nur hinter denen im Reiche des Buddhismus Zurückbleiben. Vertritt er dort den Vermittler mit der Gottheit, so vertritt er hier den Statthalter Gottes. Leitend ist, wie gesagt, für meine Auffassung, daß der Sonnenschirm nicht früher (als im späten Mittelalter) hierher gekommen ist, der Hmstand, daß die Heraldik nichts mit dem Sonnenschirm anzufangen weiß. Von der päpstlichen Standarte sagt z. V. Siebmachers Wappenbuch: „welche einen ausgespannten aus blauen und weißen Streifen zusammengesetzten, mit goldenen Quasten und der Weltkugel gezierten Schirm an goldener Lanze vorstellt." An anderer Stelle heißt es von diesem Zeichen: „eine Art Sonnenschirm von blauer Farbe mit goldenen Fransen und Stange, insgemein die päpstliche Standarte genannt." Man sieht, die Heraldiker von Fach bringen dem Gegenstände gerade fein großes Interesse und keine große Freudigkeit entgegen. Hnd dabei entsprang die Notwendigkeit der letzten Beschreibung dem Hmstande, daß Paul III. seine Nepoten, die Herzöge von Parma, besonders zu ehren glaubte, indem er ihnen 1547 das Amt als Erb- gonsaloniere, als Erbbannerträger des Papstes übertrug, und so den Sonnenschirm ins Wappen von Parma brachte. Jedenfalls muß um diese Zeit der Sonnenschirm im höchsten Ansehen gestanden haben, denn während ich ihn z. B. bei der feierlichen Krönung Karls V. auf den vielen Platten Hogenbergs noch nicht habe entdecken können, hat ihn Rubens in seinem großen und bedeutungsvollen Bild der triumphierenden katholi,chen Kirche (Ecc»e,ia triumphans per eucharistiam) als Siegeszeichen auf den Prunkwagen gesteckt. Auf dem Tuche des Schirmes balancieren dabei in ziemlich verwegener Stellung die beiden schweren metallenen Schlüssel, die ja das päpstliche Wappen darzustellen pflegen. Es hat übrigens noch bis in die allerletzte Zeit der Selbständigkeit des Kirchenstaates die sogen, päpstliche Standarte, d. h. eben unser Sonnenschirm mit den beiden Schlüsseln, den Kirchenstaat auf Münzen und Siegeln vertreten müssen, wenn bei der sogen. Sedisvakanz kein Papst vorhanden war. Im übrigen ist allerdings die Aussicht recht gering, daß unser Symbol hier jemals wieder eine hervorragende Bedeutung gewinnen könnte. Einmal ist es Sitte geworden, wenigstens bei uns im katholischen Deutschland, bei Kirchenfesten mit den sogen, päpstlichen Farben, d. h. gelb und weiß zu flaggen resp. zu dekorieren. Diese Farbenzusanunenstellung, ursprünglich die sogen. Landes- sarbe des Kirchenstaates, ist wie die anderen Landesfarben in napoleonischer Epoche entstanden und so unhe-alvisch wie möglich; gedacht. Gelb und weiß, also Gold und Silber, dürften als sogen. Metalle niemals zusammenstehen. Natürlich wird auch der Nachweis, daß die sogen, päpstliche Standarte allerdings ein uraltes .Herrschaftssymbol, aber eben ein Sonnenschirm ist, einer verstärkten Bedeutung und Verwendung kaum förderlich sein. Der Sonnenschirm, und um den handelt es sich hier, würde als Symbol des Hltrcv montanismus den Feinden und den Spöttern nur allzuviel und nillzu günstige Gelegenheit zu Angriffen geben!" * Die Eigenschaften eines guten Käses. Aus einer alten, dem 15. Jahrhundert entstammenden Handschrift der Stiftsbibliothek von Schlägl drückt der Bibliothekar Gottfried Vielhaber in den „Mitteilungen des öftere. Bibliothekvereins" ein Distichon ab, in dem der alte Schreiber an der Hand der biblischen Berichte über die Eigenheiten verschiedener Heiliger, biblischer und antiker Personen die Eigenschaften eines guten Käses ableitet. Die Verse lauten: Non abacuk lazarus, nec mathusel magdalena, non cignus argus, caseus is te bonus. Das heißt nun: Der gute Käse darf nicht sein 1. wie Habakuk, jener jüdische Prophet, der dem Daniel sein rulmentum als Speise in die Löwengrube brachte, d. h. er soll nicht breiartig sein, er darf aber auch nicht sein 2. wie Lazarus, dessen übler Geruch Johann. 11, 39 vermerkt wird. Er darf auch 3. nicht alt sein wie Mathusel, der nach Genesis 5, 27 ein Alter von 969 Jahren erreichte, auch 4. nicht wässerig wie die thränenreiche Magdalena. Weiters nicht wie Argus, d. h. voller Augen und 6. non cignus, er darf nicht schneeweiß sein, sondern schön gelb. Eine andere Fassung dieser Verse legt auf die Farbe weniger Gewicht und setzt statt Non cignus, argus, Non Argus largus. Der gute Käse soll nicht wie Argus sein, wohl aber largus, d. h. möglich vorhanden. * Die Rache der Geliebten. Zeugen einer eigen» artigen Szene waren die Passanten der Gitschinerstraße zu Berlin. Unter dem Viadukt der Hochbahn promenierte in langsamem Schritt ein elegant gekleidetes Paar. Beide schienen sich in heftigster Weise zu zanken, denn sie führten einen so erregten Wortwechsel miteinander, daß wiederholt Straßenpassanten stehen blieben und mehr oder weniger unpassende Bemerkungen über das sonderbare Pärchen machten. Plötz- lich schrie der Herr laut auf, griff wiederholt nach Stirn und Augen und warf sich, rasend und besinnungslos vor Schmerzen, zu Boden, während die junge Dame mittelst einer Droschke sich von bannen machte. Passanten brachten den Herrn, dem von einer ätzenden Flüssigkeit, die ihm seine Ge- liebte in's Antlitz geschleudert hatte, Augen und Gesichtshaut arg verbrannt waren, zur Wohnung eines in der Nähe befindlichen Arztes. Wie die ungeliebten Ermittelungen ergaben, handelte es sich um einen Offizier a. D. und eine Kellnerin, welche letztere von ihrem Geliebten, der sich im Mai verlobt hatte, nicht lassen wollte und deshalb den Racheakt unternahm. 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