drschetrrt täglich Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag S.Anguftisyg außer Sonntags. JBHHF O Ä Bezugspretsr Dem Gießener Anzeiger Y W monallrch7b Pf., viertel- WM(niOKOItOf WM Sä VlVI)V11V1 <411 Ivlllvl SS General-Anzeiger ” MM und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WZZ IUI., . . . - ______________________________________ jktgentetl: Hans Beck. Zer neue Mpst. Gießen, 6. Awgust. Während die Meldungen aus Rom nicht viel neue Ereignisse oder tatsächliche Feststellungen bringen, abgesehen von einem Telegramm, das die Haltung Oesterreichß gegen die Wahl Rampollas betrifft, ergehen sich die deutschen und ausländischen Blätter lebhaft über Betrachtungen uni) Vermutungen zur Neubesetzung des heil. Stuhles. — Die „Nord d. Allg. Ztg." schreibt: „Der neue Papst wird in der deutschen Presse mit Sympathie begrüßt, auf die er nach seinem durch Frömmigkeit, Reinheit der Sitten, Wohltätigkeit und milde Sinnesart ausgezeichneten Vorleben Anspruch hat. Line Meinung über die politische Richtung des neugewählten Papstes zu äußern, wäre verfrüht. Der Nachfolger Leo XIII. hegt wohl beim Antritt der Regierung keine Voreingenommenheit für oder gegen einzelne Mächte. Die Wahl ruft, soweit sie sich übersehen läßt, in allen Ländern Befriedigung hervor. Die katholische Welt ist mit Genugtuung erfüllt, daß nach dem Heimgang eines hervorragenden Papstes die Tiara von neuem einen ihrer so würdigen Träger gefunden hat." — „Gior- n ale d'Jtalia" veröffentlicht eine Unterredung mit einem oenetianischen Prälaten, der Sarto genau kennt. Der Prälut erklärte, Sarro wäre das Muster eines Seelenhirten, aber im Grunde, wenn keine anderen Einflüsse auf ihn einwirkten, ein Intransigent. Er sei so gut, daß er sich nur allzu leicht von anderen überreden lasse. Altes hänge nunmehr von der Persönlichkeit des Staatssekretärs ab. In vatikanischen Kreisen heißt es, anläßlich des ütrönungs- festes werde der Papst die Menge wahrscheinlich von der äußeren Loggia der Peterskirche aus segnen. — Der neue Papst ist ein leidenschaftlicher Musikfreund, spielt trefflich Orgel und Pianoforte, hat eine prächtige Baritonstimme und schwärmt für den Gregorianischen Gesang. — Die französischen Blätter kommentieren in längeren Artikeln die Papstwahl. Der „Gaulois" schreibt: Was die Haltung des neuen Papstes wegen der italienischen Regierung betrifft, so kann man voraussehen, daß derselbe eine endgiltige Verständigung mit der Regierung nicht herbei- jühren wird. — „Radien l" sagt: Der neue Papst werde, wie sein Vorgänger, sich der Oberherrschaft der Civllgewnlt in Frankreich beugen müssen. Jede Einmischung des Papstes in französische Angelegenheiten werde scharf bekämpft werden. — „San ter ne" meint, Pius X. werde zwar den enbgütigen Zusammensturz der Kirche verzögern, ihn aber nicht aushatten können. — Interessant sind die Aeußeruugen des „Fi g-ar o", der in dem Wahlausgang vor allem eine Niederlage Deutschlands erkennt. Der eifrige und allzu lärmende Feldzug, schreibt das Blatt, den die Anhänger Vannutellis in Rom geführt haben, ist umsonst gewesen. Der Papst ist kein deutscher Papst; er setzt das Werk Leos XIII. fort. Italien gegenüber wird er die Haltung Pius IX. beobachten, die ja auch ohne Abschwächung die Leos 'XIII. gewesen ist. Die außergewöhnliche Zuneigung, die ihm sowohl der verstorbene. Papst wie Rampolla entgegenbrachten, ist ein Zeichen seiner Gesinnung und seiner voraussichtlichen Zurückhaltung gegenüber den selbstsüchtigen Liebenswürdigkeiten der deutschen Politik. Indem das Blatt dann noch auf die voraussichtliche Haltung des neuen Papstes zu Frankreich eingeht, meint eD: Wenn er auch gegen gewisse Herausforderungen der französischen Regierung Einspruch erheben werde, so werde er damit doch nur im Grunde Lev XIII. folgen, der ja auch in den letzten Monaten protestiert hat. Eine noch, etwas lebhaftere Untersuchung wird der „Figaro" und mit ihm die anderen französischen Blätter an stellen, w enn ihnen erst das heutige Telegramm zugeht, worin die „Tribuna" den Zwischenfall über die Einlegung eines österreichischen Veto gegen Rampolla bestätigt. Als Montagmorgen die Stimmen Rampollas auf 27 stiegen, meldete Kardinal Grusch,a amtlich das Veto gegen Rampolla an. Blaß vor Erregung erhob sich Rampolla, um im Namen der Freiheit des Konklave gegen diesen Versuch einer Einmischung zu protestieren. Er fügte indessen hinzu, er verzichte freiwillig auf die Tiara. Auch bei den französischen Kardinälen rief das Auftreten Gru- schas eine starke Erregung hervor. Dem Zwiespalt machten die besonneneren Elemente unter Gibbons ein Ende, indem sie als Kandidaten einer rein religiösen Richtung Sarto aufstellten, der weder für noch gegen den Dreibund fei. — Auch die „Neue Freie Presse" in Wien erfährt, daß Oesterreich-Ungarn gleich in der ersten Sitzung des Konklave durch den Wiener Erzbischof Gruscha vom Vetorecht gegen Rampolla Gebrauch machte. Im Hinblick auf diese Meldungen ist es doch eigentlich spaßhaft, wenn französische Blätter von einer Niederlage Deutschlands sprechen. * Cs verlautet jetzt nach Meldungen aus Rom, daß die Krönung des Papstes sehr bald stattfinden soll, damit alle Kardinäle an ihr teilnehmen können. Man glaubt, daß sie am nächsten Sonntag in der Peterskirche erfolgen wird. Gestern, Mittwoch vormittags um 10 Uhr, begab sich der Papst in Begleitung der Würdeitträger zu Fuß ron der Wohnung nach der Sixtinischen Kapelle und nahm iort die dritte Adoration des Kardinalkollegiums entgegen und erteilte nach dem Tedeum den Segen. De» Feier wohnten nur die Kardinäle, die hier anwesenden Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe bei. Zahlreiche Glückwunsch- Lepeschen sind von Staatshäuptern, Bischöfen, Vereinen re. »aus der ganzen Welt dem Papste zugegangen. Die Kardi- üiäle räumten die Konklave-Wohnungen. Die bisherige päpstliche Wohnung wird heute in Gegenwart des Grafen ^ecci, des Dekans, der Protonotare und anderer Zeugen entsiegelt werden. Kardinalvikar Respighi ordnete an, daß morgen von 10 bis 11 Uhr die Glocken in allen Kirchen Roms geläutet werden. Der „Tribuna" zufolge gingen Dienstagabend die ersten vom Papste unterzeichneten amtlichen Schriftstücke ab, in denen Pins X. den fremden Höfen und Regierungen seine Wahl mitteüt. Der Papst bestätigte die Mitglieder der Antikamera des verstorbenen Papstes und ernannte einige neue Mitglieder derselben. Der Leibarzt Lapponi und der Oberstkämmerer Bis leti wurden ebenfalls in ihren Aemtern bestätigt. Ebenso wird der Majordomus Cagiane Azevedo vom Papst bestätigt werden. — Der Kardinalvikar Respighi gab allen Kirchen Roms die Wahl des neuen Papstes bekannt und ordnete an, daß am 6. ds. ein Dankes-Tedeum gefangen werde. Dem „Popolo Romano" zusolgv wird der Papst vorläufig die Gemächer einnehmen, die Rampolla inne hatte, und das Schlaf- gemach beibehalten, das er während oesKonklaves ttme hatte. Demselben Blatte zufolge fielen bei der gestrigen end- gilttgen Wahl auf Sarto 50, auf Rampolla 10 und auf Götti 2 Stimmen. — „Giornale d'Jtalia" verzeichnet folgende Resultate über die A b st i m m u n g i m K o n k l a v e: Es erhielten am 1. August morgens: Rampolla 24, &utti 17, Sarto 5, Serafino Vannutelli 4, Oreglia, Capeeelatro und di Pietro je 2, Agliardi, Ferrata, Richelmy, Portanova, Cassetka und Seg.ua se 1 Stimme. Abends: Rampolla 29, Gotti 16, Sarto 10, Richelmh 3, Copeeelatro 2, Serafino Vannutelli und Segna je 1 Stimme. Am 2. August morgens: Rampolla 29, Sarto 21, Gotti 9, Oreglia, di Pietro und Capeeelatro je 1 Stimme. Abends: Rampolla 30, Sarto 24, Gotti 3, Oreglia, Capeeelatro, Priseo und di Pietro je 1 Stimme und 1 Stimme „nemini" (keinem). Abends: Sarto 35, Rampolla 16, Gotti 7, Oreglia 2, Capeeelatro 1 Stimme und 1 Stimme „nemini". Am 4. August morgens: Sarto mit 50 Stimmen gewählt, Rampolla 10, Gotti 2 Stimmen. In der letzten Abstimmung ]ol£ Sarto für Gotti gestimmt haben. — Ter erste Kardinal, der von Rampolla abfiel, war nach der „Frkf. Ztg." der spanische Kapuziner Vives y Tuto, früher der größte Werber für Rampolla. Am eifrigsten unterstützten Sartos' Wahl Serafino Vannutelli, Agliardi und Satolli. Ter Papst wird als sehr wohltätig gerühmt; unter anderm soll er einen sehr wertvollen Ring stets im Leihhaus gehabt haben, um.Geld für die Armen zu bekommen. Man erwartet gespannt, ob Pius X. eventuell ein Glückwunschtelegramm des Königs und dH? Prinzen Italiens beantworten werde. Der Papst empfing schon zwei klerikale Journalisten und gab beiden Autogramme; eines ist schon veröffentlicht. „Giornale d'Jtalia" erzählt, die französische Nativnalnrche habe gestern nicht illuminiert, und laßt durchblicken, es handle sich um Absicht. — Zanardelli richtete an den Präfekten ein Telegramm folgenden Wortlauts: Der neue Papst teilte uns seine Wahl nicht mit. Ich benachrcchtnge Sie daher, daß die S t a a t s b e a m t e n an den kirchlichen Feiern, die aus diesem Anlaß stattfinden, nicht teim et) m en können. — Die „Tribuna" schreibt hierzu, diese Instruktionen entsprechen der unparteiischen Haltung, die der Regierung würdig fei. Keine Herausforderung, auch kein übertriebenes Entgegenkommen gegen diejenigen, welche das berechtigte Bestehen Italiens nicht anerkennen zu sollen glauben. Die Regierung könne in ihrem Entgegenkommen nicht soweit gehen, daß sie jemand Ehren erweise, der zeige, daß er vom Bestand des italienischen Staates, seiner gesetzinäßigen Regierung und von dem vom ganzen Volk geachteten, anerkannten Oberhaupt keine Kenntnis nehmen wolle. „Jtalie" stimmt der Depesche Zanardellis in warmen Worten zu. Alle Mächte hätten übereinstimmend den Takt Italiens bezüglich der Sicherheit des Konklaves und der Proklamierung des neuen Papstes anerkannt. Der Papst antwortete daraus in einer Meise, die Entgegenkommen und Höflichkeit gegenüber der italienischen Regierung und Nation vermissen lasse. Zanardelli habe daher, um die Würde des Staates zu wahren, den Beamten anbefehlen müssen, die Wahl zu ignorieren, ebenso wie der Vatikan die Regierung habe ignorieren wollen. Wie nun die Haltung Pius X. Italien gegenüber fein wird, wenn er erst einmal gekrönt ist, läßt sich indessen nach diesen Vorgängen nicht sagen. Das „Giornale d'Jtalia" agt, daß der neue Papst sehr italienisch gesinnt sei. Das Blatt teilt das Rundschreiben mit, welches Sarto anläßlich der Ermordung des Königs Humbert an den Klerus und die Bevölkerung Venedigs richtete; darin ordnete Sarto fromme Gebete für die erhabene Person des Königs an. Ausstand in Mazedonien. Informationen, nach der „Frkf. Ztg.", in maeedonischen Kveisen ergeben, daß man es im M o u a st ir g e b i e t e oder, wie die Maeedonier sagen, im zweiten Revolutionsrayon mit der formell erklärten Revolution zu tun hat. Sie wurde am Samstag den 1. August proklamiert. Die Zerstörung der Bahnstation Surowitschowo am Ostrower See war ihre erste sichtbare Tat. Surowitschowo ist ein wichtiger Truppendislokationspunkt gegen Monastir und griechische Grenze zu. Im letzten Kriege wurden gegen Griechenland bestimmte Truppen hier debarkiert. — Nach Angaben der Pforte finb in den Wilajets Monastir und Uesküb 16 neue Banden auf getaucht. In den Kreisen Egripa- lanka und Osmanieh im Wilajet Uesküb, sowie im Kreise Perlepe und an anderen Orten des Wilajets Monastir fanden neue Kämpfe mit den Banden statt. Heute fand im Dildizpalast in Konstantinopel ein außerordentlicher Ministerrat für militärische Maßregeln statt. Die Pforte beorderte einen Teil der Truppen des Korps von Diner Rusch di Pascha nach den beiden Wilajets. Der bulgarische Exarch wurde während des Ministerrats nach dem Palast berufen, wo ihn der Großwesir aufforderte, auf die von den Komitees irregeleitete Bevölkerung in der Richtung einzuwirken, daß sie die Waffen niederlegen, da sonst eine energische Niederwerfung erfolgen müßte, unter der auch Unschuldige leiden würden. Ter Exarch antwortete mit einem Hinweis auf die Schwierigkeit feiner Stellung. Politische Tagesschau. Mißbrauch der Ruhepausen. Gegen den Mißbrauch der 24stündigen Ruhepausen durch die in Gast- und Schankwirtschaften Angestellten richtet sich eine gemeinsame Verfügung der Minister des Innern und für Handel und Gewerbe. Es ist der „Kreuz- zeitung" zufolge zur Kenntnis der Minister gelangt, daß in der Rheinprovinz in fast allen größeren Städten und Orten mir lebhaftem Fremdenverkehr in den Kreisen der Beteiligien die Meinung verbreitet ist, infolge der Vorschrift über die GewälMng der 24stündigen Ruhezeiten seien die Angestellten während dieser Ruhezeiten auch an Anordnungen nicht mehr gebunden, die der Prinzipal für die in seine Hausgemeinschaft aufgenommenen Gehilfen und Lehrlinge im Interesse der Hausordnung insbesondere über das rechtzeirige Nachhausekomrnen am Abend der freien Tage getroffen hat. Die Folge davon ist, daß die Angestellten an diesen Tagen vielfach einen Lebenswandel führen, der sie zur Arbeit am folgenden Tage unfähig macht und schließlich ihre Entlassung nach sich ziehen muß. Ter hierdurch veranlaßte häufige Stellenwechsel hat für beide Teile große Unzuträglichkeiten im Gefolge. Die Minister machen deshalb darauf aufmerksam, daß die Bundes- ratsverordnung nur die gewerbliche Beschäftigung der Angestellten regelt und demnach auch nur die Verpflichtung besteht, die Angestellten während der 24stündigen Ruhezetten nicht zu gewerblicher Arbeit heranzuziehen; die Befugnis des Prinzipals, für die seiner Hausgenossenschaft angehörenden Angestellten die im Interesse der Hausordnung erforderlichen Anordnungen zu treffen, wird daher nicht berührt, nur darf den Angestellten nicht entgegen den Absichten der Verordnung der Genuß der freien Tage dadurch unmöglich gemacht werden. Die Ortsbehörden werden mit entsprechender Anweisung versehen. Deutsches Keich. Bergen, 5. August. Der Kaiser ist heule nach, mittag halb 5 Uhr an Bord der „Hohenzollern" hier eingetroffen. Berlin, 5. Aug. Dem „Reichsanz." zufolge nahm der Kaiser heute in Bergen die Vorträge des Chefs b-eg. Marine-Kabinetts sowie der Vertreter des Militärkabinetts und des Auswärtigen Amtes entgegen. — Die Kaiserin wird, wie nunmehr bestimmt ist, am 11. August in Posen eintreffen. — Zu dem BesuchKaiserWilhelms in Oesterreich-Ungarn wird gemeldet, daß der Kaiser am 18. September in Wien eintrifft, wo ein zweitägiger Aufenthalt in Aussicht genommen ist. Von Wien aus begiebt sich der Kaiser zur Jagd auf die Besitzung Bellye des Erzherzogs Friedrich. Der Kaiser wird von Mohaes aus an Bord eines Separatdampfers die Reise in das Jagdrevier zurücklegen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt auch Kaiser Franz Josef an den Hochwildjagden teilzunehmen. — Der „Staatsanzeiger" meldet: Der König berief aus allerhöchstem Vertrauen den Kammerherrn Major a. D. v. Scheel-Plessen aus Vienhagen im Kreise Oldenburg als Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit. — Die „Berl. Pol. Nachr." weisen darauf hin, daß für 1904 eine Erhöhung der Ausgaben an verschiedenen Stellen des Reichshaushaltsetats unvermeidbar sei, namentlich bei der Invaliditäts- Versicherung, der Reichsschuld, dem Reichsinvalidenfonds und dem allgemeinen Pensionsfonds. Potsdam, 5. Ang. Am heutigen Todestage der Kaiserin Friedrich erschien gegen y410 Uhr im Mausoleum der Kronprinz, der aus diesem Anlasse aus Döberitz herübergekommen ist, um im Aufttage des Kaisers und der Kaiserin einen Kranz am Sarkophage niederzulegen. Dresden, 4. Aug. Die Aufstellung des Kof. Sohrn im Land ta g s w a h l k r e i s Dresden I von den Nationalliberalem Nationalsozialen und Freisinnigen ist Ziemlich gewiß. Die Antisemiten planen eine Gegenkandidatur und bilden ein sogenanntes unabhängiges Bürgerkomitee. Ausland. London, 5. August. Das Oberhaus hat die brittt Lesung des Unterrichts-Gesetzes für London angenommen. — In Beantwortung von Anfragen über die Angelegenheit der chinesischen Journalisten, die in Schanghai in Haft sind, erklärt Premierminister Balfour im Unterhause, dem diplomatischen Vertreter Englands in Peking sei mitgeteilt worden, die britische Regierung sei der Ansicht, daß die Gefangenen nicht auszuliefern seien. Bern, 5. August. Wie die Schweizerische Depeschenagentur vernimmt, werden die vom schweizerischen Bundesrat bezeichneten Bevollmächtigten für die Ha n delsvertrags- v e r Handlungen Ende September in Tätigkeit treten können. Es handelt sich zunächst um Verhandlungen mit Deutschland allein. Der Ort der Verhandlungen ist noch nicht genau bestimmt. Paris, 5. August. Heute morgen wurden an acht Kapelle n, die aufgelösten M ä n n e r o r d e n der Oratorianer, Marianisten, Ataristen und Dominikaner gehören, die Siegel Aie Keidelbergcr Nniversitätsfeier. kurzem Aufenthalt begab sich Se. Königl. Hoheit in Begleitung Sr. Exzellenz des Oberstallmeisters Freiherrn von Riedesel zu Eisenbach nach Schloß Eichhof, von wo die Rückkehr kurz vor 1 Uhr erfolgte. Hieraus sand Diner statt, zu dem mehrere Einladungen ergangen waren. Am Nachmittag gedenkt Se. Königl. Hoheit per Wagen sich nach Schloß Eijenbach zu begeben und am Abend wieder nach Schloß Romrod zurückzukehren. (Laut. JBeoti.) Büdingen, 4. Aug. Wegen des Todes des Besitzers ist der bekannte hiesige Gasthof „Zum Fürstenhof", das beizuwohnen. Hochheim, 4. August. Heute nacht wurde auf der hiesigen Station dem Bremser Jakob Hammer aus Ober- lahnstem beim Rangieren eines Güterzuges das rechte Bein abgefahren. Der Verunglückte kam ins hiesige Krankenhaus. ' n. Frankfurt a. Ai., 5. Aug. Wie bereits gemeldet, feiert der Zoologische Garten am 8. August seinen 45 Geburtstag mit einem Abendsest, für das das Programm nun ganz festgestellt ist. Die Musik des 81. Infanterie- Regiments und die Gartenkapelle werden Doppel-Konzert geben, dabei wird die K'alkbrennersche Kapelle im Weihartempel und die Gartenkapelle auf der Terrasse spielen. Für den Tanzboden irrt sogenannten Wäldchen wird eine besondere Kapelle aufspielen, und eine vierte wird am Bärenzwinger musizieren, wo eine fidele Bierfchänke mir Würstelbraterei sich auftun wird. Vom Eingang des Gartens werden durch Lampions beleuchtete Gänge zu den eigentlichen Festplätzen führen un!d( 'diese selbst werden durch Lampionsschmuck und aridere Beleuchtungskörper geziert sein. Zu geeigneter Zeit wird es eine bengalische Beleuchtung der Burg und der Baumgruppen geben, während deren aus dem Weiher aus beleuchteten Nachen ein Bläserchor seine Weisen ertönen lassen wird. Kleine Mitteilungen aus Hessen u n d den Nachbarstaaten. In der Nähe des Gutleuthofes bei Frankfurt a. M. erschoß sich am Mittwoch früh der 24 Jahre alte Geschäftsreisende Hans Walz aus Schleusingen. _ Der Rangierer Laszig, wohnhaft in Niederrad und am Frankfurter Güterbahnhose beschäftigt, schoß sich in voriger Nacht eine Kugel in die Brust. Er ist gestern vormittag gestorben. — Zwischen Hcttenheim und Oestrich wurde am Montag abend cm lOjähriger Knabe von einem Personenzuge überfahren und getötet. größte Anwesen in Büdingen, mit seinen ausgedehnten Räumlichkeiten und daran anschließenden Gartenanlagen — die „Rosenhöhe" —, die sich aus den alten Festungswerken hinziehen, verkäuflich geworden. § Au s Oberhessen, 5. August. Nachdem vor einiger Zeit das Eisenbahnbau-Komitee Mucke-Ulrichstein hoher Kämmer der II. Stände eine Petition um Erbauung dieser Bahnlinie unterbreitet, ist nun auch eine solche des Eisen- bahnbaickomitees Ehringshauscn-Gro ß-F e l d a-U l r ich - stein gefolgt. Wie wir aus guter Quelle erfahren, werden über den Verkehr auf der Ohnckalstraße nach Ulrichstein statistische Erhebungen angestellt. X Vom Vogelsberg, 5. August. Unser diesjähriger Sommer zeigt nicht nur extreme Wetteroerhältnisse, sondern zeichnet sich auch durch besondere Vorkommnisse in der Tierwelt aus. Ueber das Zurücktehren auffallend weniger I Schwalben ist schon berichtet worden. Hierzu gesellt sich eine land nicht verderben. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und den Großherzog. — Während in der Halle die Böttge-Kapelle spielte, bewegte sich ein riesiger Fackelzug der Studentenschaft über die alte Brücke, die Neuenheimer Seite, neue Brücke zur Stadthalle, um dem Großherzog eine Huldigung darzubringen. Der Großherzog empfing die Chargierten, in deren Namen ein Vertreter der Suevia sprach, im Kammermusiksaal und hielt eine Ansprache, in der er betonte, daß er in der gehörten Rede am höchsten den Ausdruck der nationalen Gesinnung schätze, und den Studenten wünschte, daß sie gerne an die Zeit zurückdenken möchten, die sie in Heidelberg gedient haben. „Hoch das Deutsche Reich!" Der Facket- zug bewegte sich dann nach dem ^udwigsplatz, wo nach altem Brauch die Fackeln zusammengeworsen wurden. bahn st recke von Laubach nach Mücke, die am 1. Anguß stattfinden sollte, ist nun endgiltig auf den 1. Oktober festgesetzt worden. Die Gleise liegen bereits und Materialzüge befahren die Strecke, doch sind die Arbeiten an den Bahnhofsgebäuden noch weit zurück und die Zufuhrstraßen noch nicht hergestellt. Ferner ist der notwendig gewordene Um- und Erweiterungsbau des Stationsgebäudes zu Laubach noch nicht vollendet. Der nun zu Ende gehende Bahn- bau hatte große Geländeschwierigkeiten zu überwinden, namentlich zwischen Laubach und Freienseen. Direkt hinter Laubach führt ein cä. 12 Nieter hoher und 500 Meter langer Damm über die Wetter, deren Bett stellenweise verlegt ivurde. Dann mußte der Höhenzug zwischen Wetter- und Seental — Kaff genannt — durchschnitten werden, hier war die Herstellung emes Tunnels erforderlich. Außer einer Holzverladestelle am Kaff erhält die neue Strecke die Stationen Freienseen, Lardenbach-Weikartsham, Stockhailsen und Mücke. a. Gedern, 5. August. Die hiesige Einwohnerschaft wurde heute morgen gegen 6 Uhr plötzlich durch Feuerlärm erschreckt. In der Mühlgasse ivar bei dem Nadler Heinrich Menzel Feuer ausgebrochen. Nur dem energischen Eingreifen unserer tüchtigen Feuerwehren ist es zu verdanken, daß das Wohnhaus, welches mit der Scheune zusantmenhing, gerettet wurde, während letztere niederbrannte. Das Vieh und die Schweine konnten gerettet werden; allein sämtliche Hühner und Enten sind in den Flammen umgetomnlen. Da der ganze Heuvorrat verbrannt ist, ist der Schaden beträchtlich. Doch soll er durch Versicherung gedeckt sein. Auf welche Weise das Feuer entstanden ist, konnte bis jetzt noch nicht aufgeklärt werden. Lauterbach, 5. Aug. Kurz nach KP/i Uhr erfolgte heute morgen die Ankunft Sr. Königlichen Hoheit des Groß Herzogs mittelst Soiiderzugs auf hiesigem - - - - - ä •- ■ Dr. Wallau und Bürgermeister Aus Stadt und Kund. Gießen, den 6. August 1903. • • Personalien. S. K. H. der Großherzog haben geruht, den berittenen Gendarnien Johann Philipp Göbel aus Treis a. d. Lumda zum Kreisdiener bei dem Kreisamt Bingen zu ernennen. , * * Aii unserer Universität ist den schon bestehenden Korporationen eine neue hinzugetreten. Die nicht farbentragende Akademische Turn-Verbindung „Cheruscia". Ihre Hauptgrundsätze sind: 1) Schwarzes Prinzip, 2) Pflege aller Leibesübungen, also Turnen hn Jahn'schen Sinne, 3) Unbedingte Satisfaktion, 4) Maturität als Vorbedingung zur Aufnahme. Es decken sich also diese Prinzipien nut denen des Akademischen Turn-Bundes, der an unserer Universität bisher nicht vertreten ivar. • * Manöver. Während der Herbstübungen des 18. Armeekorps, die bekanntlich vorlviegend im Kreise Wetzlar und gegen das Ende hin im Westerwald abgehalten werden, wird'das 4. Gr. Hess. Jnf.-Rcgt. Nr. 118 Quartier in den Kasernen zu Gießen beziehen. Die 116er rücken von Griesheim aus über Friedberg, Usingen und Braunfels nach dem Westerwald. * * An dem schönsten der alten Privatgebäude unserer Stadt, welches bisher die .Hirschapotheke beherbergte, sind durch Herabuahme des großen Firmenschildes zwei interessante H o l z s ch n i tz e r e i e n,eine weibliche und eine mältnliche Maske, freigelegt worden. Hoffentlich bleibt der noch ui seiner ursprünglichen Anlage erhaltene obere Teil des Hauses, eine unersetzliche Zierde unserer Stadt, noch recht lange erhalten, wofür sicherlich auch die Altertums- und ^nkmalspfleger unseres Landes eintrcten werden. * * Kriegergräberschmückung bei M e tz. Die diesjährige allgemeine Schmückung der Kriegergräber, und Denkmäler bei Metz findet am 9. August aus der Ostseite und am 15. August auf der Westseite statt. Anschließend an die Schmückung wird am 15. August, wie alljährlich, die Gedenkfeier für die Gefallenen i in der Schlucht bei Gravelotte abgehalten werden. Kranzspenden für bestimmte Gräber müssen rechtzeitig an den Vorstand der Vereinigung zur Schmückung der Kriegergräber in Metz gesandt werden. Geldbeiträge, sei es für bestimmte Gräber, sei es für die allgemeine Schmückung, nimmt der Schatzmeister der Vereinigung, Rendant Jonas in Metz, entgegen. Es werden etwa 3U00 Kränze niedergelegt; allen Vaterlandsfreunden bietet sich also Gelegenheit, zu den großen Kosten dieses Unternehmens einen kleinen Beitrag zu stiften. 1. Laubach, 5. August. Die Eröffnung der Eisen- Heidelberg,5. Aug. Tie Stadt hat sich zur Zentenarfeier der Universität prächtig geschmückt. Die Hauptfeier beginnt erst morgen, aber schon seit gestern macht sich ein reger Fremdenzujluß bemerkbar. Tas Präludmut bildete heute nachmittag die Eröffnungsfeier der Stadthalle auf dem Jubiläumsplatz am Neckar, auf der Stätte, wo die Festhalle bei der Fünfhundertjahrfeier 1886 gestanden hat. Kurz nach 3 Uhr nachmittags trafen der Großherzog und die Großherzogin, das Erbgroßherzogpaar und Gefolge auf dem Bahnhof ein und begaben sch) zunächst nach dem Palais auf dem Karlsplatz. Tie Feier begann nach halb 5 Uhr. Um diese Zeit betraten, tote wir der „Frkf. Ztg." entnehmen, die großherzoglichen Herrschaften, Don Oberbürgermeister Dr. Wilckens geleitet, die Fürstenloge. Ter Großherzog, der vortrefflich aussah, unterhielt sich vorher einige Zeit mit Kuno Fischer, der rechts neben der Loge seinen Plak innehat. Nach der Beethoven'schen Ouvertüre „Die Weihe des Hauses",, gespielt vom städtischen Orchester unter Leitung des Musikdirektor P. Radig, sprach Fräulein Breisch vom Mannheimer Theater einen von Tr. Karl Berger gedichteten Prolog. Dann sang der Heidelberger Sängeroerband, der von Musikdirektor Weidt dirigiert wurde, „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Tie einzige Ansprache, die etwa s/4 Stunden dauerte, hielt Oberbürgermeister Tr. Wilckens. Er erinnerte daran, daß der 5. August 1903 für die Stadt Heidelberg eine doppelte Bedeutung habe. Von diesem Tage datiert die Erneuerung der Hochschule durch einen der ausgezeichneten Regenten, den damaligen Kurfürsten, späteren Großherzog Karl Friedrich. Tann fei der Tag dadurch von aktueller Wichtigkeit, daß an ihm in der neuen Stadthalle ein großer städtischer Dau in Betrieb genommen wurde. Der Redner warf einen ausführlichen Rückblick auf die Geschichte des B-aus. Tann gedachte der Oberbürgermeister des Reorganisators der Universität und des jetzigen reetor magnifieentisstmus. Er schloß mit einem Hoch aus den Großherzog. Es folgten zwei Chorvorträge, Richard Wagners Huldigungsmarsch beschloß die Feier. — Anläßlich des Universitätsfestes hat der Großherzog folgende Ehrungen verliehen: Zum Orden Berthold I. die Kette zum Großkreuz Kuno Fischer und Julius Arnold, das Ritterkreuz Franz Knaufs und Fritz Schöll. Zum Orden vom Zähringer Löwen das Kommandeurkreuz 1. Kl. Leo Königsberger und Theodor Leber, das Kommandeurkreuz 2. Kl. Richard Schröder und Theodor Curtius. Tas Ritterkreuz 1. Kl. mit I Kreisrat^T IStöpler "zum Empfang eingefunden hatten. An der an tor Wolsrum. Tas Ritterkreuz 1. Kl. Max Wols Karl(gteuer0e^u$)e errichteten Ehrenpforte wurde Se. Kgl. Max Weber und Albrecht Kos el. Zu Geheimraten den Vertretern hiesiger Vereine und Schulen 1. Klaste wurden ernannt: Rektor Czerny und ^mannel ’ b Bürgermeister Stövler dankte Sr Könial Vetter, zu Geheimräten 2. Klasse Otto Karlowa und^Hern- Lm'en öTeta”t «au’erfiadj sür die hohe Ehre rich Rosenbusch. Zu Geheimen mrchenräten Ludwig Lemme tz y , ... -um erstenmal in Lauterbach bearützen und Heinrich Basjermann, zum Geheimen Hojrat Hermmrn g- W ^^solgte sodänn d?e Abfastt durZ) die rr riiu n g s a o end rn der bildenden Vereine und Schulen unter den Hurrah- Stadthalle sprach nur Oberburgermerster Dr ber Anwohnerschaft nach dem «urgschlotz Nach Er erinnerte daran, daß er ichon 1886 als ehemaliger sr.Z BÄÄ sl-ktung 5r. EMll-..', des Oberstallmeisters Freiherrn,von von der Stadt erbauten Halle. Damals war es ein Provisorium, jetzt ist es ein Bau für die Dauer bestimmt. Die Halle soll, wie der Redner bemerkte, u. a. auch der Erörterung der Fragen dienen, die heutzutage unser vielgestaltiges politisches und soziales Leben bewegen. Oberbürgermeister Wilckens meinte sodann in einem historischen Rückblick, vor 17 Jahren sei der nationale Gedanke lebendiger gewesen, wie heute, da die Erinnerung an die Wiedergeburt des Reiches frischer war. Wilhelm I. lebte noch, der Kronprinz Friedrich, Bismarck und Moltke. Tie Parteien haben die Höhe des heutigen Tages nicht erreichst, aber trübe Erfahrungen sollen uns die Freude am Vater- seltene Erscheinung in den, Jnsektenrcich. cs fehlen nämlich di- Schmetterling- fast gänzlich, ebenso die kleinen Heu- schrecken. Auch di- Wespen treten gegenüber den letzten Jahrgängen nur wenig aus. Würde nian diese Erschciuung auf den Rückschlag nach den warmen Frühlingstagen setzen, welche Erklärung sehr nahe liegt, so läßt sich aber anderer» cits das Auftreten der zahllosen Fliegen, Mücken und Bremsen nicht erklären, man müsse dann annehmen, daß dies in der päteren Entwickclungszcii dieser Plagegeister gelegen sein muß. Aus dem Odenwald, 4. Aug. Ein originelles, auf Wahrheit beruhendes Jägerstück che n wird zurzeit viel belacht. Es betrifft eine allerdings nicht sehr empfehlenswerte Radilalkur gegen das unsaubere ^reiben der Schlingenstellerei. Ein Besenbinder, der, wie die „Darmst. Ztg." berichtet, von der Forstbehörde die schnstltche Erlaubnis hatte, in Schonungen Besenginster zu ichnewen, tand seit langem im Verdachte des Schlingenstellens. Wiederholt wurde er von Jägern in der Mhe von Rehwechseln betroffen, in denen Schlingen standen; der schlaue hatte aber immer, gedeckt durch seinen Reisigschein,~ eine Ausrede. Ta wollte es eines Tages der Zufall, daß der Jagdpächter gerade daznkani, wie der Verdächtige mit Stellen von RehjchUngen beschäftigt war. Dabei wandte er dem vorsichtig anbirschenden Jäger jenen Körperteil zu, der ich am unteren Ende des Rückens befindet. Schnell und uTäuschlos eine Patrone mit „Vogeldunst" in den Lauf und auf etwa 60 Gänge dem Mann eines hintenaufge- brannt — war bei dem Jäger das Werk eines Augenblicks. Der Schütze schlug sich seitwärts in die Büsche. Der Schlingensteller ließ seine Schlinge fallen, lief, die Hände auf dem bleigespickten Körperteile, eiligst davon und man hat bisher von Schlingenstellen im betreffenden Reviere nichts mehr gemerkt. . . Mainz, 5. Aug. Die Arbeiten an der Eisenbahn d r ü ck e über den Rhein für die Bahn nach Wiesbaden schreiten rüstig vorwärts. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, die eisernen Träger für das Schienengeleise zu legen, sodaß voraussichtlich schon in zwei Monaten die Brücke betriebsfähig sein kann. — Entgegen den Blättermeldungen stellt das „M. Tagebl." fest, daß bis jetzt bei den zuständigen Stellen noch nichts von einer Hierherkunft des Kaisers bekannt ist. , pa. Ai ainz, 5. Aug. Der 21. Deutsche Weinbau-- kongreß wird in den nächsten Tagen seinen Anfang nehmen. Derselbe verspricht nach den bis jetzt eingetaufenen Anmeldungen sehr zahlreich besucht zu werden; selbst aus Rußland, Frankreich, Oesterreich und Ungarn haben sich Teilnehmer angemeldet. Am Voraoend der Kongreßeröff- nuug (Freitag, den 14. August) findet eine gegenseitige Begrüßung der Kongreßteilnehmer in den Räumen des Kasino Hof zum Gutenberg statt, bei welcher das Festkomitee einen Ehrentrunk anbieten wird. Samstag 11 Uhr ist die Eröffnung des Weinbaukongresses und nachmittags ein großes Festbankett. Montag, den 17. August, findet dw große Kostprobe hessischer Weine in einem hinter der Stadthalle errichteten Zelte, welches ca. 1000 Personen auf- nimmt, statt. Zu dieser Probe sind 170 Nummern auserwählter Weine angemeldet. Am Dienstag, den 18. August, führt ein Sonderzug die Festteilnehmer nach Bodenheim, Nierstein und Oppenheim. In Bodenheim erfolgt die Besichtigung der Eroßh. Domanialweinberge, in Nierstein bewirtet die Gemeinde die Kongreßteilnehmer mit einem Frühstück, worauf die Besichtigung der dortigen hervorragenden Weinbergsanlagen er.olgt. In Oppenheim iutrb abermals eine Besichtigung private^ und domanialer Wem- berge vor genommen, sowie die Großh. Wein- und Obpbau- schule besucht und zum Schlüsse aus der Landskrone das Festmahl eingenommen. Rückkehr nach Mainz.- Vom 14. bis 20. August sindet gleichzeitig in der Stadthalle eine große Ausstellung von Gegenstäuoen, welche dem Weinbau, der Weinbehandlung und dem Weinversandt dienen, statt. Diese Ausstellung ist von Interessenten aus ganz Deutschland, auch aus der Schweiz, Luxemburg und Frankreich beschickt und verspricht großartig zu werden. In dem Ausstellungslokal selbst unt) in dem Stadthallegarten nebenan finden täglich nachmittags und abends Konzerte der städti- >chen Kapelle und Militärkonzerte statt. Wie verlautet, hat Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Hessen zugesagt, der Eröffnung der Ausstellung (Freckag, den 14. August) Vermischtes. * Essen, 6. 2lug. In Steppenberg verletzte ein Bergbeamter die Tochter eines Steigers durch Revolver- schüfse schwer und beging dann Selbstmord. * Kiel, 6. Aug. Das Reichs in ar ineamt stellte Strafantrag gegen die „EssenerVolkszeitung" wegen Beleidigung der Seeoffiziere durch einen Artikel „Besuch bei Hüssener". * Leipzig, 5. Aug. Im Majestätsbeleidigungs» prozeß gegen Tolstoi ist Termin auf den 12. d. Mts. angelegt Die Abr-is- ber Angehörigen mehrerer Ordens» niederlasinngen deren Genehmigung am 3k. Juli erlosch, wurde polizeilich festgestellt; sie zerstreuten sich alle, mit Ausnahme derjenigen einer Niederlassung, die die Sakillan- üerung ansochten. . , „ .. _ Lorient, 5. August Gestern kam es neuerdings zu Tumulten. Zwischen Demonstranten und der durch Militär verstärkten Polizei fanden mehrfach a^ge Zusanimenstoße statt bei denen 20 Soldaten und cm ^sstzier durch Stern» würfe verletzt wurden. Drei Demonstranten wurden tätlich verwundet.^i^, & ^g. Ein Gerücht von einem Attentat auf den Köni'g wird von der Regierung sür unbegründet erklätt. Ebenso ist es nicht richtig, daß der König erkranktest^ werden alle Gerüchte über den Abschluß eines Allianzvertrages oder Abkommens betreffs Marokkos mit Frankreich auf das Entschiedenste bCmß^ffabon, 5. Aug. 20 englische Kriegsschiffe sind in Lagos, Provinz Agave angelangt. Insgesamt er- warten jetzt vier englische Geschwader mit zulammen 80 Schiffen den König, dessen Pacht nach Lagos ab- 9690 Sa nana, 5. Aug. Es verlautet, die Ansprüche Deutschlands, Frankreichs und Englands gegen Kuba wegen des Schadens, den kubanische Aufständische an- richteten, belaufe sich auf drei Millionen. Petersburg, 5. Aug. Bei der heutigen ersten Sitzung der Vorbesprechung für den deutsch-russischen Handelsvertrag waren als deutsche Vertreter anwesend Körner, Wermuth, Lusenski, Ntenschel, Kapp, Söbel und Müller. . Konstantinopel, 5. Au^ Der französische Botschafter verständigte den Großvezier, daß, falls die Türken die Oase Bilma nicht räumten, sie gewaltsam durch französische Truppen vertrieben werden würden. aber nur in Flaschen, wo Plakate aushängen. u. Schlußkurse. Kl) Wetter Telephonischer Kursberichts Frankfurt ». 6. August P/2V0 Chinesen -Anl. 748,7 749,7 751,4 208.00 212.60 136.62 179.25 179.50 4 1(D Sonnenschein bew. Himmel Sonnenschein 101.00 . 101.05 . 103.30 . 50.20 . 31.35 . 34 90 . 132.00 44.20 40.90 KD Kl) 2(2) Kl) Kl) 4 KD 1(1) Oest. Kredit. . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . August 1903. 101.95 90.95 101.25 37e% 3Vo 3V,% 30/o 372% 3 Reichsanleihe do. Konsols . do . . Hessen Oberhessen Anfangs- . 208.00 . 212.75 . 136.60 . 179.75 Miliartuberkulose Zuckerkrankheit Neubildungen Gehirnentzündung Eingekl. Bruch Brechdurchfall Lebensschwäche Bronchitis Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. w. sw. w. setzten ihre Steigerung fort, da Petersburg Hausse aller Industrie- werte meldete. Privat-Diskont 3% Prozent. 1903. . 26.75 . 92.55 . 98.- . 98.10 . 208.20 . 187.90 . 137.00 . 147.50 . 154.10 . 143.30 . 17.30 . 191.00 . 221.00 . 180.00 . 179.40 4% Oriech. Monopol 47,% äussere Argentiner scheinlich bezweckt die Note auch, die Mächte auf neue strenge Maßregeln vorzubereiten. Brest, 6. Aug. Oberst Prive vom Kolonial- Infanterie-Regiment ist vom Kriegsniinister zu 14 Tagen Arrest verurteilt worden, weil er die Mißhandlungen von Unteroffizieren gegenüber Gemeinen nicht angezeigt hatte. Die gleiche Strafe traf den General Conard. Lori ent, 6. Aug. Gestern abend haben sich wieder große Tumulte in Henncbont abgespielt. Eine Volksmenge von mehr als 1000 Personen hatte sich auf dem Platze vor dem Militärklub angesammelt. Man warf die Fenster der umliegenden Gebäude ein, worauf die Geschäftsleute ihre Läden schlossen. Artillerie wurde herbeigeholt, um die Menge zu zerstreuen. Die Truppen griffen mit großer Energie ein und hieben mit dem blanken Säbel aus die Kundgeber, welche versuchten, Barrikaden zu errichten. Die ^Tumultuanten zerstörten auch die Gasleitung, sodaß die Straßen in Dunkel gehüllt waren. Eine Gruppe von 30 Kundgebern, welche sich vor den ihr sich nähernden Truppen flüchtete, wurde umzingelt und verhaftet. Um 11 Uhr abends durchzog die Menge die Straßen und zerstörte auf ihrem Wege alle Fenster. An mehreren Orten kam es zu Zusammenstößen, wobei eine Anzahl Personen verletzt wurde. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Um Mitternacht versuchte Die wütende Menge das Präfektur- gebüude zu stürmen, wurde aber von den Truppen daran gehindert. Lis gegen Morgen dauerten die Tumulte fort An mehreren Orten waren die Truppen der wütenden Volksmenge gegenüber ohnmächtig. Madrid, 6. Aug. Der Ministerrat erklärte in seiner gestrigen Sitzung, es sei unmöglich, die für die Marine verlangten Sumin en zu bewilligen. Malaga, G. Aug. Bei der Illumination anläßlich der Papstwahl hat man an einem elektrisch beleuchteten Hause die Buchstaben: „Es lebe de r Papstkönig" angebracht. Die Menge versammelte sich vor dem Hause, ivarf die Fenster ein und rief: „Es lebe Ga ribaldi, es lebe Italien, nieder mit dem Papstkönig!" Erst nach Entfernung der Inschrift gelang es, die Menge zu zerstreuen. Rom, 6. Aug. Das „Giornale d'Jtalia" will wissen, daß das bewußte östreichische Veto gegen eine Wahl Nampollas im Einvernehmen mit Deutschland erfolgt wäre. — Im Vatikan rief der Umstand große Sensation hervor, daß Pius X. sich weigerte, die Sänfte zu benutzen und dieselbe ins Magazin schaffen ließ. — Es bestätigt sich, daß die Krönung auf Sonntag den 9. ds. festgesetzt wurde. Die fremden Kar- dinäle sollen den Wunsch geäußert haben, daran teilzunehmen. — Nach einer rönnschen Depesche der „Voss. Ztg." herrscht über den zukünftigen Staatssekretär noch Ungewißheit, doch seien VannuLelli, Ferrata und Ägliardi tm Vordergründe. Neapel, 6. Aug. Eine kleine Anzahl Republikaner veranstaltete Straßendemonstrationen gegen das Papsttum. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Wien, 6. Aug. Der serbische Gesandte in Wien, Christitsch, wurde pensioniert, aber kein Nachfolger ernannt. Der Legationssekretär Popovüsch führt die Geschäfte weiter. Budapest, 6. Aug. Ministerpräsident Graf Khuen hat sich gestern abend an das kaiserliche Hoslager nach Ischl begeben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er dem Monarchen seine Demission geben wiro. In einem gewissen Gegensatz hierzu steht eine Depesche der „Voss. Ztg." aus Budapest, wonach Finanzminister Lukacs, der wegen der Zuckerfrage kürzlich in Ischl war, äußerte, man sehe in Ischl die Vorgänge nicht so düster an. Insbesondere für den Grafen Khuen erwachse aus der Bestechungs- Angelegenheit keinerlei Gefahr. — Dem „25erL Tagebl." zufolge sandte der Fiumaner Journalist Hegyi, welcher Tienes auf seiner Flucht begleitete, die schriftliche Erklärung ein, daß er auf Wunsch des Grafen Szapary Dienes, den er früher nicht gekannt habe, begleitete, um ihn in Hamburg auf ein nach Amerika abgehendes Schiff zu bringen und ihm dort 50 000 Kronen zu überreichen. Er habe aber Tienes bereits in Berlin verlassen und ihry nur 25 000 Kronen übergeben, und den Rest an Szapary für die Familie Tienes zurückgesandt. — Demselben Blatte zufolge hat das Berliner Polizeipräsidium der Budapester Polizei mitgeteilt, daß Tienes wahrscheinlich durch die Schweiz nach Italien seinen Weg genommen und sich in Genua eingeschifft hat. Sofia, 6. Aug. Die Regierung beschlagnahmte im hiesigen Bahnhof eine große Sendung Waffen und Munition, die unter der Bezeichnung „Papier" eingeschmuggelt worden waren. Sofia, 6. Aug. In hiesigen, der inneren mazedo» nischen Organisation nahestehenden Kreisen wird versichett, daß die Aktion gegen die türkische Herrschaft demnächst ausgenommen wird. Es ständen 120 Banden mit etwa 6 0 0 0 Freischärlern in Bereitschaft. New-Port, 6. Aug. Man ließ amtlich verlauten, Rußland beabsichtige, das amerikanische Geschwader im Jahre 1904 zu einem Besuche in Kronstadt einzu- laden. D Summa: 12 (8) 6 (6) 5 (1) 1 (1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, ivie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aut von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Höchste Temperatur am 4.-5. Aug. 21,1u C. Niedrigste „ „ 4.-5. „ 14,5" C. 4 7s 96 Oesterr. Silberrente 456 Ungar. Goldrente . 4°/ü Italien. Rente . . 47,56 Portugiesen . , B0/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... Gerichtssaal. Wiesbaden, 5. Aug. Der Krankenpfleger und Diener Simon Bös von Berlin, der den Kommerzienrat Friedländer von dort hierher begleitet und bei der Abreise von hier gründlich bestohlen hatte, stand heute vor der Stras- k a m m e r. Bös war mit seinem Raube, sechs Hundertmarkscheinen, 50 Kronen, forme einem Teil des Schmuckes der Frau Friedländer geflohen. Erst einige Zeit später wurde er in Köln verhaftet. Man fand zwar nicht mehr alles Geld bei ihm, wohl aber noch den ganzen Schmuck und sogar noch drei kostbare Ringe mehr, die er in der gleichen Schublade wie die Pretiosen seiner Herrin gefunden haben will. Das Gericht verurteilt ihn heute zu einem I a h r und zwei Monaten Gefängnis. Aschaffenburg, 4. Aug. In der Angelegenheit des Mordes am Büchelberg sind die widersinnigsten Gerüchte verbreitet worden, schließlich sollte sogar der Bruder der Ermordeten mit dem Verbrechen im Zusammenhang stehen. Heute hatte sich am hiesigen Amtsgericht der Bilderhändler Peter Philipp von Damm zu verantworten, der beschuldigt war, diese Verdächtigungen in Umlauf gesetzt zu haben. Er wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Paris, 5. August. Wie die Blätter versichern, hat sich der Zustand der Frau Humbert mm wieder soweit gebessert, daß ihr Prozeß vor dem Schwurgericht am nächsten Samstag beginnen kann. Der Staatsanwalt hat für die Verhandlungen 90 Belastungszeugen geladen, darunter die Gläubiger der Frau Humbert, von denen die meisten jedoch wahrscheinlich vorziehen werden, nicht zu erscheinen. Tie Familie Humbert selbst hat nur 8 weitere Entlastungszeugen geladen, darunter den Polizeipräfekten Löpine, die Untersuchungsrichter Lemercier und Leydet, sowie den früheren französischen Botschafter in Madrid Poubelle. Wien, 5. Aug. Heute begann vor dem Erkenntnissenat unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die Verhandlung gegen den früheren Lemberger Finanzkommissär Bronislaw Oßolinski wegen versuchter Verleitung zur Spionage. Offolinski soll sich an die Verwandten seiner Frau mit der Aufforderung gewendet haben, wegen Verkaufs der Instruktion, welche den Eisenbahnbetrieb im Mobilisierungssalle regelt, mit der Wiener Vertretung einer ausländischen Macht zu verhandeln. Bronislaw Osielinski wurde vom Erkenntnissenat der versuchten Verleitung zur Spionage für schuldig erklärt und zu einem Jahr schweren Kerkers veurteilt. 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Kl) - - KD - - 2(2) - - 1(1) - - 1(1) - Electric. Schuckert . . Nordd. Lloyd . , Kreditaktien . . . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Handelsges. Oesterr. Staats bahn . . Lombarden . , , , Gotthardbahn .... Laurahütte..... Bochum ... ... Harpener..... Tendenz: fest. Harpener Bergbau . . 179.70 Schluß-Tendenz: ziemlich fest. . 100,20 496 Oesterr. Goldrente . . 103.00 Neueste Mellum gen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 6. Aug. Landwittschastsminister von Pod- bielski begiebt sich am Freitag zur Besichtigung der Hochwasserschäden nach Breslau. Thorn, 6. Aug. Nachdem zur Erbauung eines Holzhafens der Lairdtag eine erste Rate, die Stadt Thorn die zweite Hälfte des Aktienkapitals von li/2 Millionen bewilligt haben, fand gestern die erste Beratung des Gesell- chaftsverttags behufs Gründung der Thorner Holzhasen- Aktiengesellschaft statt. Zu der Konferenz waren als Vertreter des Ministers der öffentlichen Arbeiten Geheimer Oberbaurat Germelnrann und Geheimer Regierungsrat Dr. Hech und als Beauftragter des Finanzministers Geheimer Finanzrat von Daurnbach erschienen. Plauen, 6. Aug. Heute nacht ist die Papierfabrik von August Deipel in Ehroeschwitz bei Plauen vollständig niedergebrannt. London, 6. Aug. Der Privatsekretär Lord Salis- b u r i s dementirt, daß die Krankheit des früheren Premierministers bedenkliche Fortschritte gemacht habe. London, 6. Aug. Einer Meldung des „Daily Chro- nicle" aus D a w s 0 n, im britischen Gebiet am Jukonftusse, zufolge machte der Entdecker des Goldfeldes Klondyke jetzt einen reichen Goldsund in der Gegend des Pelly- lusses. Die' Goldmengen scheinen bedeutender, als bei Klondyke. Ein wilder Aufbruch nach dem Gebiet findet tatt. — Dasselbe Blatt meldet aus Victoria (Britisch Kolumbien): In der Nähe von Port Simpson, der beabsichtigten Endstation der neuen Grand Trunk Pacisic- Bahn, wurden große Kohlenlager entdeckt. London, 5. Aug. (Unterhaus. Schluß.) Nach längerer weiterer Debatte, die sich bis 2 Uhr morgens hinzog, wurde die Bill, betreffend die Brüsseler Zuckerkonvention angenommen. London, 6. Aug. Die großen Flottenmanöver im Mantischen Ozean zwischen Gibraltar und den Kanarichen Inseln haben begonnen. Der König von Portugal wohnt bekanntlich den Uebungen bei. Den Operationen wird große Wichtigkeit beigemessen. L. London, 6. Aug. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus Konstantinopel macht die Pforte in einer Zirkularnote an ihre Vertreter in Europa Mitteilung von den neuen Unruhen in Macedonien. Die Zirkülarnote hebt hervor, daß die Lage in Macedonien kritisch sei, trotzdem die Pforte alles getan habe, sic zu bessern. Äugen- vor der Strafkammer anberaumt. Es handelt sich bekanntlich um Tolstois Broschüre: „Du sollst nicht töten", die vor einiger Zeit beschlagnahmt wurde. * Freiberg i. S., 6. Aug. Bei einer Vorstellung der Landwehrkompagnie des 12. Jägerbataillons wurden mehrere scharfe Schüsse abgegeben. Ein Landwehrmann wurde leicht verletzt, bei einem zweiten prallte die Kugel am Tschako ab. * Bern, 5. Aug. Am Gaisrücken im Kanton Bern ist der 60jährige Kantonatsrat Luedi an einer 30 Meter hohen Felswand ab gestürzt und war sofort tot. * D i e Kapelle in Uniform. Ein reizendes Pendant zu dem jüngst bekannt gewordenen Anerbieten eines Kapellmeisters, wonach dessen Orchester, sobald es in gelben Stiefeln konzertiert, mehr Honorar beansprucht als in einfacher Uniform, bietet die Ankündigung eines kleinen reisenden Theaters, das allsommerlich einen thüringischen Marktflecken unsicher macht, worin der Komiker der Gesellschaft zu seiner Benefizvorstellung durch einen sicher ganz eigenartigen Genuß anzulocken sucht. Der Theaterzettel nennt das Stück „Der gute Fridolin" oder „Der böse Robert" oder „Der Gang zum Eisenhammer" und teilt noch mit: „Aus Gefälligkeit für den Benefizianten wird der Herr Orts-Gendarm in den Zwischenakten einige Vorträge auf der Zieh-Harmonika in Uniform zum besten geben!" Wer könnte solcher Lockung widerstehen! Kunst und Wissenschaft^ — rilby" als Oper. Leoncavallo hat vor Jahren bereits die Absichst kundgegeben, Trilby in Musik zu setzen. Nachdem aber der Komponist des „Bajazzi" inzwischen das englische Sensationsdrama ebensowenig vollendet hat, wie seinen berühmten „Roland von Berlin", kann es nicht mehr als unlauterer Wettbewerb angesehen werden, wenn sich ein anderer Komponist des interessanten Stoffes bemächtigt, der etwas ganz besonders Opernhaftes besitzt. Wie die „Nat.-Ztg." schreibt, ist zurzett der bekannte Berliner Komponist Viktor Hollander mtt einer Trilby-Oper beschäftigt, deren zweiakttges Libretto Aloys Prasch bearbeitet. Universitäts-Nachrichten. — Der bisherige Privatdozenl für Physik an der Technischen Hochschule in Darmstadt Dr. phil. Gottlieb Kucera scheidet aus dem Lehrkörper dieser Hochschule aus und siedelt als Prwatdozent für Experimental-Physik an die Prager böhmische Universität über. — Von den 60 studierenden Landwirten der Universität Jena bestanden im verflossenen Sommersemester fünf das Diplomexamen und zwei wurden zu Doktoren der Philosophie promoviert. Das Winter-Semester beginnt am 27. Oktober d. Js. Stundenpläne und weitere Nachrichten über das Studium versendet die Direktion des landw. Instituts der Universitär. a. Marburg, 5. August. Zu Dekanen für das nächste Amtsjahr sind gewählt in der juristischen Fakultät Prof. Leonhard, in der medizinischen Prof. Ahlfeldt, in der philosophischen Prof. Pietor, in der theologischen Prof. ÖH r b t. Für letzteren, der vom akademischen Senat zum Rektor gewählt worden ist, wird voraussichtlich eine Neuwahl stattfinden. — Als Vertreter der hiesigen Universität ist der derzeitige Rektor Prof. Birt zu den Jubiläums- festlichkeiten nach Heidelberg abgereist. München, 5. August. Der frühere Chefredakteur der „Münch. Allg. Ztg.", Petzet, ist in Anerkennung seiner hervorragenden TäligkeU auf literarischem Gebiet zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät an der hiesigen Universität ernannt worden. Landwirtschaft. Von der B e r g st r a ß e, 4. August. Der Schimmelpilz tritt stellenweise in den Weinbergen, trotz des gewissen- hasten Schwefelns der Reben, äußerst verheerend auf. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 5. August 1903. (Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Die heutige Börse zeigt eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegen die neuen Rückschläge des New-Porker Marktes, die allerdings mehr in einer Beharrlichkeit des Kursniveaus, als in der Unternehmungslust der Spelulation zum Ausdruck kam. Montall- werte waren sogar prozentweise höher, was auf eine Mitteilung der Rheullsch-Westfälischen Zeitung zurückzuführen ist, wonach die Erneuerung des Stahlverbandes zuversichtlich zu erwarten ist. selbst die von der Arbitrage abgegebenen (Sanaba begegneten auf dem ermäßigten Niveau guter Kauflust. Henry konnten sich von den Rückgängen der letzten Tage erholen. Lebhafte Nachfrage be- stand für Portugiesen, für Rechnung des Heimatlandes und Paris. Ferner waren Lombarden für Wien begehrt. Russische Banken Märtte. „ W. Gießen, 5. August. V i e h m a r k t b e r i ch t. Der dies- wochige Viehmarkt hatte einen Vorrat von 1000—1100 Stück Milch- und Fettvieh, 150 Gangochsen und etwa 400 Kälber' Für Milchvieh war die alte Kundschaft gekonimen, welche zu den Preisen des letzten Atarktes flott kaufte. Fettvieh zog im Preise etwas an, wurde indessen, da der Vorrat nicht groß war und die Ware in Qualität nichts zu wünschen übrig ließ, für Frankfurt a. M. und bie Badeorte willig gekauft. Auch das Geschäft in Kälbern war diesmal sehr gut, trotzdem eine kleine Preissteigerung, besonders für bessere Ware, sich zeigte. Der Ochsenhandel am zweiten Nlarkt- tage war ganz ausgezeichnet. Trotzdenr Gangvieh gegen deii letzten Atarkt diesmal erheblich (pro Paar bis zu 20 Mark) höher im Preise stand, wurde der Markt glatt geräumt. Ter Aullrieb m schwerem und mittlerem Fettvieh deckle nicht die Nachfrage, die besonders durch norddeutsche Händler, die am Markt waren, hervorgerufen wurde. Für ältere Abmelkkühe war wieder wenig Begehr. Es wurden verkauft pro Stück Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Sorte 400—500 Mk., 2. Sorte 325—375 Alk., 3. Sorte 260—300 Mk.; ältere Kühe zum Abmelken 190—210 Mk. — Pro Ctr. Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qualität 66—68 All., 2. Qualität 62—64 Mk.; Kälber 1. Qualität (über 50 Pfd. schwer) 66—70 Mk., 2. Qualität (zwischen 40—50 Pfd. wiegend) 58—63 9)tf., 3. Qualität (leichtere Tiere) 53—56 Nlk. Fahröchsen gingen fort pro Paar 1. Sorte 825—900 ML, 2. Sorte 730—800 Mk., 3. Sorte 650—710 Alk. Der Mark wurde in allen Viehgatlungen geräumt. Nächste Markttage am 17. und 19. August d. Js., am 2. Atarkttage auch Krämermarkt. Hottrsdrrnst der israelitischen Krligionsgesellschast. Sabbathfeier am 8. An au st 190 3. Freitagabend 7.20 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Predigt. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 8.45 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, abeiids 7.30 Uhr. Möcheutliche Mrrjicht der TodrsMe m der Stadt tzie^e». 30. Woche. Vom 19. Juli bis 25. Juli 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 8 Ortsfremden: 7,73 °/c0. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vorn . . 102,— I 30/g Mexikaner , . . . 90.90 4V2V0 Chinesen . . W am rung Beste Kinder- Hohtnloh»'«^ Hafer-Mehl I Ärztlich empfohlen. /Mariagen durch Plakate ersichtlich. tßr^r-, • '5(1)65 Man Tas den Man rn die i legt, um Las all;') Kaiserr aroßen ft« gleich nad wird. T-i Stils dar die Demi vertage e' die Krwc äuhM preuM o. M' chef, m Vertter Ende d dem M zunehn Herr t ernanti Reichs! noch h" vor de Militä Linie i allerdi abgescl esse i)( Abftn Vedar ist die Reichst regiem -st. J «u6<‘ k s®g Mutter Ü1C (Loch- Si--aiu>"Z VS Sä» *5» e»**? glbreli« ynW*' !*•« bei LNe t)011 Mc ’ "°.4 den, SBinbet. ■> & Wits »c Ss Ä1! 9Ä Se>n8 ff UNd W. s?d Ä vustrie Fina über t Italien wirtschl ftrieller der Cle Auch di Jahren 1301 Oft Ausfuhr auf eine: l r' ch e n i auf 3 Mi) Unanzlag des Jahre ichuß tncb 32 Millio 30. Juni rund 60 über pari, Qn die Kg G >1 Ullerfftatte oder Lagerraum zu oerm. Fratikfurlerstr. 72. ge° beide mit sauberer Schrift. — Branchekenntnisse erwünscht. Die Stellungen sind dauernd. Offerten mit Gehaltsansprüchen unt. 03728 an die Grped. d. Bl. Lüden mit Mhuung zu vermieten. Neuenweg 30. 5944 Näheres Neuenweg 28. WrtWtt niit Hmterzimmer, vdVMl eventl. mit Wohnung per 1. Oktober zu vermieten 5406) Sonnenslraße 25. Eilte Kolonialwaren- Grosshandlung sucht zum baldigen Eintritt einen zuverlässigen uni) gewandten Fakturisten sowie einen angehenden, wissenhasten Kontoristen Stallung für 2 Pferde mit Kutscher-Stube zu mieten gesucht. 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