Mittwoch 6.Mail«03 153. Jahrgang Zweites Blatt. ponnt sein. amen Bartl Äbrtfit tür Depelcharr Wnjrtfler •tc&cn. £rrnlprtdian1d)lu&1h 6L gefällig und fidel wie immer, dabei gut bei Stimme und sicher die Intonation in der Höhe. Ihre Bewegungen, ihre ' ' *" ' :jr-‘ anz motiviert. Nr. 105 • rfftelnt täglich »über Sonnlag«. Dein (Siebener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Kesfische» tonbolrt die •itfceaer Familie», blätter viermal in der Woche beifldeqL la tum« druck tu Vermag bei vrüh l'schea Untvert.-Buch- u.6tetn- b rudern (Xiietid) (fcrben) •Ubafrton, LrpedMoa unb vruaeret; vezngspret»: rnonallich7bP^ viertel» iäbrllch ML. 2.90; durch Adhole- u. Zweigstellen inonQtltd) 6o Bi.; durch dieBosi Mk.L— otertel- täbvL ausschi. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tageonummer bi« vormittag« 10 Uhr. Zeiienprer«: lokal 18’Utw aus warf 80 Big. Verantwortlich tüt den polu. unb allgern. Teil. U Witiko tüt „Stadt und Uantr unb .GerichtSsaal'. August Götz: tüi ben An- teiqentetl: Pan« Beck. J)ie Heutige Kummer Umfaßt 12 Seiten. Aie Konservativen im ZSaHlLampf. Aus Berlin, 5. Mai, wird unS geschrieben: Tie Veröffentlichung des konservativen Wahlaufrufs wurde am gestrigen Montag von der ,^reuz-tg." als be- * vorstehend angekündigt. BiS zur Stunde ist der Aufruf nidyt erschienen, vielleicht ist die Derzögeruna dadurch ver- an la fit, daß insbesondere die Stellungnahme der Regierung gegenüber Schwierigkeiten macht. In welchem Grade führende Mitglieder der Rechten durch die Haltung der ; Regierung verstimmt sind — durch die neuen Wahlanord- nungen, die Verweigerung der Antwort auf die Frage nach Kündigung der Handelsverträge, durch Nichtbeachtung der von konservativer Seit« empfohlenen Wahlparole „Gegen die Sozialdemokratie" — davon geben die Aeußerungen der konservativen Presse nur einen schwachen Begriff. Der Unmut käme wohl drastischer zum Ausdruck, wenn man sich nicht sagte, daß eS nidyt rLtlich ist, das Tischtuch zu zerschneiden. GS wurde kürzlich von der „Kreuzig." dargelegt, wie zuverlässig und erprobt die konservative Partei sei in allem, was di« Wehrfähigkeit betrifft, wie wohl aufgehoben, und besser al- beim Zentrum, bei dieser Partei die Interessen von Heer und Liarine sind. Solä-e -arte Erinnerung an die Verdienste und an die Bedeutung der Partei ist kaum nur zur Erbauung der Wähler, sondern sie richtet sich an höhere Stellen. Die Konservativen sind durch die jüngsten Ereignisse tm Reichstag und ün preußischen Herrenhaus mehr in eine Kampfstellung zur Regierung gebrach« worden, alS ihnen erwünscht fern kann. Und der le^ie Eindruck von den parlamentarischen Verhandlungen bleibt bei den Wal)lcn haften. Es gibt gewiß auch unter ben konservativen Anhängern eine größere Zahl von un- abhängig Situierten, denen eS zur Genugtuung gereicht, daß die parlamentarische Vertretung Rückgrat gezeigt hat. Aber noch größer wird der Kreis derjenigen fein, die ein gewisses Unbehagen ankommt bei den tzegenseitigen Miß- fallenSdeweisen zwischen Konservativen und Regierung. Antt- lid/e Stellungen, Beziehungen zu Heer und Marine usw. bringen manchen Konservativen angesichts dieser Situation in em Dilemma bet den Wahlen. Der Zusammenschluß mit dem „Bund der Landwirte", von dem Minister o. Pod- bielski so feierlich sich losgesagt hat, trägt auch nicht eben dazu bei, die Beocnlen der regierungsfreundlichen Konservativen zu vermindern. Die,« Spaltung beraubt die konservative Wahlagitation der vollen Energie. Die Regierung kann nicht gelobt, sie darf andererseits nicht bitter gerodelt werden, wtan gedachte die Handelsverträge aus dem Spiele zu lassen, und man muß jetzt wohl oder übel doch daraus zu sprechen kommen. Der „Bund der Landwirte" hat eS viel leichter; er tonn konsequent auf dem eingeschlagenen Wege bleiben. Di« konseroatioen SuuibUxuen, trenn sie sich auch auf die Forderungen des Bundes ver- pilid)ten, sind zu einem tuen vorsichtigeren Auftreten genötigt. Richt ohne Absicht wird immer wieder — soeben von der „Konservativen Korrespondenz" — versichert, es sei durchaus unrichtig, dag der Antrag aus alsbaldige Kündigung der Handelöveilrage einer feindseligen Absicht gegen Die Regierung entsprungen sei. Die Besicherung bient Dem Zweck der Beruhigung der regierungsfreundlichen Konservativen. Aber wenn nicht als feinosellg, so doch als eine unwillkommene Störung der Kreise ist der Antrag und die ün Reichstag vorausgegangene Interpellation von der Regierung aufgesafit worden. ES geiväyrt nur einen fauthicuen Trost, dag das Zentrum den Konservativen, insvlge der im preußischen Abgeordnetenhaus arme bahn len Verbindung, Wahlunterstützung zuteil werden laßt und, xoxt ui Breslau, zu Gunsten konservativ« Kandidaten von bet Ausstellung eigen« Kandidaturen Abstand nimmt Was bie konservativen durch daS ZentrumSbündniS gewinnen, da- verlieren sie aus der anderen Seite durch die Abneigung evangelischer Kreise beispielsweise gegen die Aufhebung des x 2 des Iesuitengesetzcs. Nach alledem darf man auf ben Inhalt des konservativen Wahlaufrufes besond«S ge- Posen find immer anziehend, aber nicht aa Jedenfalls überragte sie ihre Schwestern, die D und Carla, an Lustigkeit und Laune um ein Rußeiordent- licheS, von den Vertretern des Poh Bah und deS Pis Tush ganz zu schweigen. Zwei selbständige Textbearbeitungen öcS Frl. Stöger verdienen Erwähnung. Nanki Poo enthüllt ihr, daß er kein Musikant sei. .Daß habe ich gleich gewußt, alS ich Dich spielen hörte,' lautet ihre wenig schmeichelhafte Antwort. Dann erfährt sie feinen Prinzenrang und stürzt ihm zu Füßen. Er ruft ihr zu: .Zieh'auf,' und sie flüstert, sich erhebend: ,Ja, eS ist auch dreckig!' Herr Nolte über- traf wieder einmal die Erwartungen. Er war ein recht komischer Mikado und stand auch gesanglich seinen Mann. Der Katisha der Frau Schatz-Graf wäre aber zu wünschen gewesen, daß sie mehr Lustigkeit auf die Szene bringe, als sie es getan hat. Ihr Mezzosopran klang zudem zu scharf in- folge der vielen Gnttüraltöne. Im.Boccaccio' war ihr Spiel erheblich wirkungsvoller. Lmcn ganz sympathischen fahrenden Musikanten und verkannten Kaisersohn gab Herr Sommer, der in seiner flotten Tcnorrolle neben dem Benefizianten und Frl. Stöger am lebhaftesten durch Beifall ausgezeichnet wurde. Wenn Herr Sommer bei Anwendung seiner kolossalen Stimmmittel noch ein wenig mehr Maß zu halten sich entschlossen haben wird und sich immer mehr noch bemüht — und er bemüht sich sehr darum — seinen Rollen schauspielerisch zi, genügen, dann wird ihm stets uneingeschränktes Lob zu spenden sein. DaS allerliebste Quartett: „Sing ein heiter Madrigal' und das Quintett von der Liebe Mai wurden mit Reckt am meisten applaudiert. Güßener Stadttycalcr. Der Mikado. Operette von Sullivan. Arthur Sullivan, der Komponist der Cper .Jvanhoe', entlastet weit mehr noch als S. Jone«, der Urheber der .Geisha', die englische Nation zum großen Teck von dem uralten Dorwurs, daß sie nur wenig musi alisch Jet Jüte leichte, sprudelnde Musik des .Mikado' mtt den hübschen Melodieeinlagen genügt selbst höheren musikalischen Ansprüchen. Tie exotische Lokalfarbe war in Dekoration und K ofiümen verhältnismäßig recht gut getroffen, selbst der Chor hatte tm ganzen so etwas wie japanische Allüren, trotz dieieS oder jenes echt deutschjungfräulichen Gepräges. Das gut besetzte HauS ließ sich wieder einmal in bie beste Stimmung bringen, dank dem köstlichen Koko deS Benefizianten, Herrn S. Bruck. Der vortreffliche Komiker war ganz und gar in seinem Element und von jenem burlesken und doch niemals unfeinen Humor, der immer wieder die heitersten Wirkungen zu erzielen weiß. Und obendrein legte er an icincm Ehren- abend noch besonderen Wert auf den Gesang. &1C cc lclne KoupletS singt, namentlich das von der Bachstelze iin zweiten Akte, mit welcher Zungenfertigkeit er verquickte -_erte roie Raketen aufsteigen läßt, ist hörens- und sehenswert. ü,atz ihm die echte vis con ica gegeben ist, bewies er wieder ».urch seine immer neuen Nuancen, durch die Improvisation neuer wohlgelungener Scherze und die Würze belustigender aktueller Anspielungen. Sogar die mazedonischen Bombcnwerfer der letzten Tage mußten herhalten. Eine sehr niedliche 2)mn- Yum war Frl. Stöger, sehr beweglich, geschmeidig, artig, wär« aber auch die Gefahr nicht abzuweisen, daß unter oldjcn ungerechtfertigten Maßregeln die Interessen des Dienstes fdjwer Rot lecken. Der Regierung erscheint eS in Iwhern Grccke wünschenswert, daß insbesondere die auf den verschiedensten Gebieten her Verwaltung tätigen Beamten ihre Dienstobliegenheiten nid>t ausschließlich aui schriftlichem Wege, sondern tunlichst auch an Ort und Stelle durch per- örtliches Eingreifen unb in mündlichem Benehmen mit ben »eteiligten Persönlichkeiten erlebigen. Die Bestimmungen inb baljet so zu treffen, baß ber Beamte die Vornahme auswärtiger Dienstgeschäst« nicht zu öcrmclbcn sucht und ich auch durch die UnbequenUicptelten, die mit solchen Terminen verbunden sind und die gesiindl)eitlichen Schädigungen, die sie — insbesondere bei nasser oder kalter Witterung — im Gefolge haben können, von ihrer Vornahme nicht abhalten läßt. Zn der Gewährung eines Pauschbetrags, mag derjecke auch hie unb da die tatsächlichen Ausgaben übersteigen, liegt nach Ansicht der Regierung nicht nur ein Ersatz der entstehenden Barauslagen, sondern auch eine Entsch'äbigung für die vorgenannten Unannehmlich- lciten, sonne weiterhin eine Vergütung für den im einzelnen nicht liquidierbaren Mehraufwand, der den Beamten bei auswärtigen Terminen, so insbesondere hinsichtlich ihrer Kleidungsstücke, entsteht. Das aus diesen Gründen Praktisch und gerecht erscheinende System der pauschalen Tagegelder ist denn auch — soweit der Großh. Regierung bekannt — ui allen anderen deutschen Bundesstaaten in Hebung, und zwar werden anderwärts zum Teil erheblich höhere Diäten als im Großherzogtum, namentlich auch an Reichsbeamte, gewährt." Zm einzelnen wird ausgefuhrt: Der Kreisschnl- Inspektor erhält zurzeit außer seinem Tagegelbsatz ein Transportvostenaversum von 3 Mi. öO Pf. für ben Tag; dieses Averjum entfallt, wenn er auf ber Hin- unb Rückreise den Wagen des Kreisamts benutzt, oder wird um die Hälfte vermindert, wenn diese Benutzung entweder nur auf der Hin- ober nur auf der Mckreste ftattfinbet Würde den Kreiüschulinipekwren statt deS Transporttvstenaversums Ersatz der baren Auslagen gewahrt werben, so müßte ihnen auch erlaubt fein, bet Visitationen in Orten, die leine Bahnverbindung haben, selbständig einen Wagen zu nehmen. )n einzelnen Kreisen würden hierdurch erhebliche Mehrkosten entstehen, da eine einzige Wagensahrt ben Aufwand des Avers ums für 4 Tage erfordert; es ist sehr fraglich, ob bie Ersparnisse in andern Kreisen mit besserer Bahnverbindung diese Mehrkosten ausgleichen, unb ob eine solche Regelung bet Transportkostenersatzes eine Ersparnis für die Staatstasse herbeifuhren würbe. Die Fmpsgebühren ber Kreisärzte kommen beim Staatshaushalt nicht in Frage, da sie von ben Gemeinden gezahlt werden. Bei Wegfall dieser Gebühren würde das Staatsbudget mit einer im voraus nicht genau feft- zustellenden, vorn Gvoßh. Ministerium des Innern auf viel« Tausend flJtarf taxierten Summe belastet werden, welche sich zusammensetzt aus ben Tagegelberbeträgen, aus ben Reisekosten — eS kommen über 9u0 Orte in Betracht —, und den den Jmpsärzten zurück-uerstattenden Auslagen für Instrumente, Verband- unb Tesinsektionsstosse usw. Aus Anlaß der letzten Budgetberatung ist auf Anregung des , Finanzausschusses von ber Regierung ber Beschlug gefaßt . worden, daß den Oberförstern Diäten nur für Dienst* i geschäfte zustehen, die langer als fünf Stunden dauern, t Ter Ausschuß schließt sich der Auffassung der Re- ; gierung an. Hinsichtlich der Tiäten der Oberförsker trat i oabei wiederholt ün Ausschüsse die Auffassung zutage, baß . dieselben in dem bisherigen Umfange und auf Grundlage i der jetzt geltenden Bestimmungen nicht aufrecht erhalten , werden können. Der Ausschuß will bei dieser Gelegenheit . mit konkreten Vorschlägen nicht hervortreten, behalt sich ; vielmehr vor, zu gelegener Zeit die Regelung ber > Frage der Diäten ber Oberförster in Anregung Naturgemäß wurde bei unS die Operette nicht als bloßes Ausstattungsstück behandelt; bie Aufführung war kein Blender für das Auge, aber in schmucklosem Gewände kam das Musikwerk des Komponisten um so mehr zur Geltung. Den Chören dürste zwar größere Deutlichkeit der Aussprache zu wünschen sein und mehr Sinn für schnelle malerische Gruppierung. DaS Orchester aber machte diesmal seine Sache besonders gut. ett* — Am 12. Mai, dem 100. Geburtstage des Freiherrn JustuS v. Liebig, Ehrenbürgers der Stadt München, wird die Stadtgemeinde Diünchen deffen dortiges Denkmal mit Blumen- und Pflanzenschmuck zieren lassen. Eine besondere Feier ist hiermit nicht verbunden. Nr. 18 ber .Freistatt, (Kritische Wochenschrift für Politik, Literatur unb Kunst, München) erscheint anläßlich des in München tagenden „dritter bayerischen Frauentages" als Frauen, nummer. lieber bae Programm und die Ziele des Frauentages verbreitet sich die Vorsitzende des Atünchner Vereins für Frauen- uuetehen, Frl. Fka Freudenberg. .Ziele und Irrwege' betitelt sich em Essay der Schriftstellerin Earry Brachvogel, worin bie moderne Frauenbewegung einer orgineUen Rutil unterzogen wird. 2ie bekannte VorkLmpierin dieser Bewegung, Frl. Dr. Helene Stöder syucht über das Thema: ,Frauenbewegung und Mütterlichkeit.' Wie ein sarbsnübersätes Bild wirkt em iormvollendetes Gedicht Auf der Haide" von Adelheid von Sybel. Eine ^iovelle »Der Alte" steuert die Tichterin Anna Eraissant-Rust bei. Anna Pupp ritz erörtert die in letzter Zeit so oit besprochene Frage: „Gibt es geborene VrosNtmer! :‘.,n lieber Vie,Huchs" > Ricarda Huch, Friedrich Huch und Rudolf Huch) r ländert der Berliner Kritiker Paul Zjchorlich. Im fleinen Teil werben von :ogar Steiger, Felir Adler, Ferd. Sardekops u. a. aktuelle Fragen des deutschen Kunst und Theaterlebens besprochen. MetzenerAnzeiger General-Anzeiger 57 ** Aml5- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Parlamentarisches aus Hessen. Der Entwurf des Finanzgcsetzes für das Etatsjahr 1903/1904 in der Fassung, bie ihm bie Beschlüsse beider Kammern gegeben Haven, ist jetzt S. K. H. dem Großherzog vorgelegt worden mtt ber Bttie, bem Entwurf in dieser Fassung die Allerhöchst« Genehmigung ertellen xu wollen. Zugleich unterbreiteten die Stände Sr. Königl. Hohett die Ergebnisse der verfassungsmäßigen Verhanblmtgen über >en Hauptvoranschlag ber Siaats-Einnahrnen unb -Auögrcken des Großherzogtums für das Fahr 1903/1904 unb über bie an bie Stände gelangten Nachträge unb Derichngungen zu diesem Hauptvoranschlag, sowie die gelegentlich der Budget-Verhandlungen bcfd)lof;enen gemeinschafillchen unb einsettigen ständischen Wünsche zu Mlerh.öchster Ent- schlie^ung^^ j^relt unb Brauer haben bekanntlich den Antrag gefteltt, die Kammer wolle beschließen^ die im Hauptvoranschlag pro 1903/04 für Beamte des Staates eingestellten Beträge für D iä t e n u n b Gebühren dahin zu verwenden, dag auß denselben nur Ersatz für Bar auslagen bei auswärtigen Tienstgeschäften geleistet wirb, unb dieselben in den einzelnen Kapiteln demenisprecheud zu kürzen sind. Dieser Antrag bezweckt eine völlige Umgestaltung des Diätenwesens und bamit eine durchgreifende prinzipielle Aenberung der Nebenbezüge ber staatlichen Beamten. Die Regierung ist dieser Anregung geaenüber zu einem ablehnenden Standpunkt gelangt unb begründet denselben mit beachtenswerten Ausführungen, von denen wir vaö Wesentliche hier wiedergeben: t „Den Beamten, welche ein auswärtiges Drenstgeschaft vornehmen, erwachsen außer den Reisekosten in der Rtgei auch noch andere Auslagen. Wenn nun schon die Prüfung unb Festsetzung der baren Auslagen an Reisekosten für die anweisenoen Behörden ein umständliches unb viel Schreibwerk verursachendes Verfahren bedeutet, so müßte die Prüfung unb Festsetzung der Entschäbigung zu einem end losen, viele Kräfte unb Zett beanspruchenden Verfahren siä gestatten, wollte man auch den Ersatz der sonstigen Auslagen von bem Nachweise ihrer Entstehung unb ihrer Not- ipenbigteit abhängig machen. Die Durchführung des Vorschlags hätte zur notwendigen Voraussetzung, daß für bie einzelnen Beamtenklassen bestimmt würde, bis zu welchem Betrage sie sich Ausgaben zu Lasten ber Staatskasse ge- statten bürfen. Es müßte z. B geregelt werden, wie viel Die Beamten einer bestimmten Klasse für ein auf der Rei e eingenommenes Frühstück, Mittagesien ober Abendessen, wie viel sie für Trinkgelber und becgleid)en im Höchicketrage ansetzen dürfen. Solche Anordnungen wären aber nlajt nur geeignet, bas Ehrgefühl des Beamten zu verletzen, onbern sie müßten auch das bienftiitbe Ansehen desselben djädigen. Würbe die Aufstellung von Tarifen unterbleiben, o wären nachträgliche Beanstandungen ber Kvstenaufstell- ungen unausbleiblich. Solche nachträglick-e Erinnerungen mugten aber von bem Beamten erst recht peinlich empfunoen werben. Abgesehen davon führen derartige nachträgliche Erinnerungen, wie bie Erfahrung lehrt, zu wSttläufigen Verhandlungen, die Portotosten unb Schreibereien verursachen. Sollte eS aber, nxts wohl kaum angenommen werden kann, in ber Absicht der Antragsteller gelegen sein, bie Beamten für Auslagen, die nicht in eigentlichen Reisekosten bestehen, überhaupt nicht schadlos zu hatten, so müßte dies als eine große llnbilligkett empfunden werden. Es itä tatet HW« iWA#! st 8222 Kalletiels Telephon *6. W! tos» chocidkkki - ' »'M, ___Itai Jtc ^tschllNtzni tn Teppichrasen ur Lchalienlaqe len unb Parks >tn Bleichrasen, ! und Wchungeii »Hat Wiesen rygra» Raygras IhimotheegraS. n Klee- unb "rtsch. bämmien. er unb frsichther >fien unb garantiere e Keimiähigteu. Nassauer !«veg15. 2576 stinste 1)111= yelbutter ■nb 1,2» M. npflchit i II, Nachf. horstratzr^— liessen tersweg 9. 3008 ierstMfi B Neohelieo jer voa tu M r 2958 bei - ri Sack rfttatze^^ SS g. ,taf.’5Dr- « 0"«ntn® VI zy bringen. Im übrigen beantragt der Ausschuß mit allen gegen eine Stimme: den Antrag der Abgg. Lorell und Brauer abzulehnen. Tie in Kommunatforstwarteien beschäftigten Forstwarte ersuchen in einer Eingabe um Aufbesserung ihrer Tienftbezüge. Der L Ausschuß beantragt, der Vorstellung leine Folge zu geben. Kolltische Tagesschau. Des Kronprinzen 21. Geburtstag. In dem Marmorpalais zu Potsdam, in dem die Kaiserin zurzeit, von der Witterung in ungewöhnlicher Weise begünstigt, chre Wohnung aufgeschlagen hat und die letzten Spuren ihres Armbruchs auszuheilen sucht, hat heute vor 21 Jahren der deutsche Kronprinz das Licht der Welt erblickt. Ws die Nachricht dem kaiserlichen Urgroßvater gemeldet wurde, rief dieser in lebhafter Freude: ,Lurra, vier Kaiser!" Heute steht der Kronprinz dem Throne am nächsten, in ernster Vorbereitung für bie schwere, verantwortungsreichc Stellung, die ihm, hoffentlich erst nach langer Frist, einst zufallen wird. Während nach bürgerlichem Recht unsere Jugend erst mit der Vollendung des 21. Lebensjahres volljährig wird, ist der Kronprinz, wie alle Hohenzollern, bereits mit der Vollendung seines 18. Lebensjahres volljährig geworden. Aber noch lange sind seine Lehrjahre nicht zu Ende. Zunächst hat er sich einer gründlichen militärischen Ausbildung zu widmen, die er in den allernächsten Tagen wiederum in Potsdam beim 1. Garderegiment zu Futz beginnen wird, woran sich im Herbst schon die Teil- nähme an den Kaisermanövern anschlieyen wird. Daneben wird man aber auch frühzeitig darauf Bedacht nehmen müssen, den Kronprinzen mll den mannigfaltigen Gebieten der Verwaltung und Verfassung von Reich und Staat vertraut zu machen, deren Kenntnis für ihn mit der Zeit unentbehrlich werden wird. Der Kronprinz hat es, so schreibt die „Köln. Ztg.", verstanden, sich während seines zweijährigen, allerdings häufig unterbrochenen Aufenthaltes auf der rheinischen Hochschule die Herzen aller derer zu gewinnen, die mit ihm in Berührung zu kommen die Freude hatten. Er hat sich als ein ungemein frischer, lebhaft angeregter, warm empfindender, liebenswürdiger, allen Künsteleien abholder Jüngling herausgestellt, dem namentlich unsere holde Weiblichkeit von Herzen zujubelte und der weithin am Rhein sich ein gutes Gedenken und herzliche Verehrung gesichert hat. Seitdem hat er eine beneidenswerte Reise zurückgelegt, die ihn trotz der kurzen Unterbrechung einer rasch überstandenen Erkrankung doch ungemein viel Schönes hat kennen lernen und würdigen lassen, die ihn vor allem zu den Schätzen altklasfischer Kultur, zu den Ergebnissen erfolgreicher deutscher Ausgrabungen in Milet und in Olympia geführt hat, die ihm die Wunderschätze des Goldenen Horn, Athens, Neapels, Roms und Florenz' zugänglich gemacht hat, — eine Reise, deren gewaltige Eindrücke sich in sein jugendsrisches Gemüt tief eingegraben haben und sicherlich nicht fürs Leben vergessen werden. Jetzt tritt er in sein 22. Lebensjahr unter dem strahlenden blauen Himmel Italiens, im Glanze des savoyischen Hofes, ein Stolz seiner Ellern, die Hoffnung des deutschen Volkes. Mll Trauer im Herzen wird er gerade an diesem Tage seine kaiserliche Muller vermissen, die sich so herzlich auf die Romfahrt gefreut hatte, und der die noch immer nicht ganz gehobenen Nachwirkungen eines bedauerlichen Reitunfalls das Fernbleiben von der Fahrt aufgenötigt haben. Möge das neue Lebensjahr dem deutschen Kronprinzen ein besonders gutes und glückliches werden! Zum Rücktritt de8 Erbprinzen von Sachsen Meiningen. Uns wird geschrieben: Tie Vorbereitungen zum Rücktrllt des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen vom Kommando über das sechste Armeekorps in Breslau bedeuten für die rnillläri- schen Kreise eine vollkommene Ueberraschung. Man hat keinen Anhalt, welche Gründe den Erbprinzen zu so plötzlichem Scheiden aus dem ihm liebgewordenen Wirkungskreise betrogen haben können. Es wird in Erinnerung fein, daß der Erbprinz erstpor kurzem für den Bereich seines Armeekorps je einen Erlaß gegen den Alkoholmißbrauch und gegen bie Soldaten Mißhandlungen veröffentlichte, von denen namentlich der letztere wegen seiner freimütigen Währung der Rechte des mißhandelten Untergebenen Aufsehen erregte und weitgehende Billigung in der Oeffentllchkeit fand. Tie Mögliastell, daß dieser Erlaß mißliebig bemerkt lvorden sei, wird in militärischen Kreisen als völlig ausgeschlossen betrachtet; denn nirgends finde das Bestreben, die Soldatenmißhandlmigen zu bekämpfen, rückhaltlosere Urllerstützung, als an maßgebender Stelle. Nicht umvidersprockstn ist milllräischerseits die Ansicht geblieben, die an eine Erwartung des Erbprinzen von Sachsen-Meiningen wegen Uebertragung des Kommandos des Garde ko rps glauben machen will, eine Erwartung, deren Erfüllung dem Erbprinzen fürs nächste nicht habe in Aussicht gestellt werden können Eine Per- sönlichlell, die jahrelang in engerem militärischen Tienst- verhältnis zum Erbprinzen stand, bcftrcitet aber das Vorhandensein einer derartigen „Erwartung". Ter Erbprinz habe den Befehl über das Gardekorps niemals höher bewertet als den über ein anderes Armeekorps. Ebensowenig habe er den Offizieren des schlesischen Korps seine Ansicht, aus dem Frontdienst zu scheiden, zu erkennen gegeben. Tarüber, daß die Uebersiedelung von Breslau nach Steiningen gleichbedeutend ist mll dem Scheiden des Erbprinzen aus dem Frontdienst, kann wohl kaum ein Zweifel sein. Jedenfalls sehen die Männer des sechsten Armeekorps, die Träger der gelben Achselllappen, den Erbprinzen mit Bedauern scheiden. Er hat sich große Verdienste uin das Korps erworben. Er war auch den letzten seiner Soldaten ein gütiger und gerechter Vorgesetzter. In Breslau genoß das erbprinzlichc Paar geradezu Volkstümlichkeit, wie sich bei der im Februar d. I. slallgehabten Sllberhock/zeit zeigte. Auch die Gemahlin des Erbpnnzen, bekanntlich die älteste Schwester Kaiser Wilhelms, wlld ungern die Provinz verlassen, in der sie viel Gutes gestiftet und sich wohl gefühlt hat. Deutsches Keich. Berlin, 5. Mai. Tie „Nat -Ztg." bezeichnet die Blättermeldungen, daß der Kaiser aus seiner Rückreise aus Rom ineognito in Stündjcn eintreffen und mehrere Tage dort verweilen werde, als ebenso unzutreffend nne die Mitteilungen über die angeblichen Ursachen, aus denen der Kaiser auf der Reise nach Rom Nlluuchen nicht berührt hat. Tie Gotthard krönte bot sich eben als der geeignetste Weg dar, sodaß für zdovibiimtivnen nicht dec geeuigste vor liegt. — Ter Kais er hat seine Reftedisposllionen geändert. Er reist am 11. Null stall von Donaueschingen nach Straßburg zunächst nach Karlsruhe zu einem dreisllrndigen Besuche des Großherzoglichen Paares, dann nach Straßburg. — Aus Kassel wird geschrieben: Am Mittwoch wird >er Hof- und Hausmarschall Frhr. v. Lyncker hier ein- tteffen, um die hiesigen königlichen Schlösser au besichtigen. Man nimmt an, daß die Kaiserin mll den jüngeren kaiserlichen Kindern diesmal früher als sonst in Wil- Hel m sh ö h e Aufenthalt nehmen wird. — Tem „Reichsanzeiaer" zufolge ist der Kolonialrat auf den 18. Mai einberufen. Wahl-Bewegung. Wahlkreis Offenbach - Dieburg. Nachdem der Stadtv. Böhm die Kandidatur abgelehnt hat, sind Unterhandlungen mit Dr. Becker in Sprendlingen angeknüpft worden, die zum Ziele geführt haben. Tr. Becker hat die Kandidatur angenommen unter der Bedingung, daß sich alle vaterländisch gesinnten Kreise aus seine Kandidatur einigen. Das wird nach der .Volksmacht" der Fall fein» Der Kandidat schließt sich keiner Partei an. fc. Erbach L O., 5. Mai. Fabrikant Scior ist von der ihm seitens vieler Freunde und Parteigenossen in Erbach und Umgegend angetragenen Reichstagskandidatur für den Wahlkreis Erbach-Bensheim desinitiv zurückgetreten. Als alleiniger nationalliberaler und überhaupt bürgerlicher Kandidat steht demjenigen der Sozialdemokraten nunmehr noch Geh. Regicrungsrat Haas aus Darmstadt gegenüber. Ausland. Stockholm, 5. Mai. Ter Reichstag beschloß heute die Beibehaltung des Mai s zoll es. Die Regierung hatte >ie Aufhebung dieses Zolles vorgesck)lagen. — Der König von Spanien ernannte zum Ob er - chiedsrichter in der gemeinsamen Kommission zur Zrüfung der unerledigten schwedisch-norwegischen Reklamationen gegen Venezuela den spanischen Gesandten in Earaeas, Robert de Avala. London, 5. Mau Der König ist heute nachmittag auf der Viktoriastotion angekommen. — „Daily Mall" berichtet, der König werde, nachdem er seinen Schwiegervater im Juli in Kopenhagen besucht hat, Ende Juli nach Petersburg reisen. Bei seiner Rückkehr von dort werde er Anfang August zu einem dreitägigen Besuch in Berlin eintreffen. Paris, 5. Mai. Präsident Loubet sandte folgendes Telegramm an König Eduard nach Portsmouth: „Ich in hocherfreut über den guten Eindruck, den Ew. Majestät von dem Aufenthalte in Frankreich geivonnen haben und danke herzlichst für die wohlwollende Gesinnung, die Eure Majestät dem französischen Volke und der französischen Regierung gegenüber zu bekunden die Güte hatten." — Die Pariser Journalisten nahmen in ihrer gestrigen Versammlung folgende Tagesordnung an: Die ranzöfischen Journalisten, welche anläßlich des Empfanges ihrer englischen Kollegen bei Gelegenheit der Anwesenheit des Königs Georg in Paris versammelt sind, drücken den Kollegen ihre freundschaftlichen Gefühle aus und wünschen, daß die guten Beziehungen zwischen Frankreich und England auf der Basis des internationalen Schiedsgerichts bestehen bleiben mögen und zwar in end- glltiger Weise. Sie sprechen weller die Hoffnung aus, daß oemnächst im englischen Parlament eine Gruppe des internationalen Schiedsgerichtes gebildet werde, die sich im französischen Parlament bereits organisiert hat. Nancy, 5. Mai. Ms die Staatsanwaltschaft im Kloster der Oblaten Vernehmungen vornahm, kam es zu Ruhestörungen. Mehrere Gendarmen und eine Frau wurden verletzt. Die Gendarmen mußten mehrere Barrikaden niederreißen, die auf der Straße errichtet waren. Rom, 5. Mai. (Kammer.) Aus eine Anfrage Ciccottis, wie die Regierung den englischen Vorschlag einer gleichzeitigen Herabsetzung der Flottenausgaben aufgenommen habe, erwiderte' Unterstaatssekretär Baccelli, die englische Regierung habe sich bereit erklärt, die Rüstungen zur See zu vermindern, wenn andere Riäclste das Gleiche tun, habe aber den Mächten keine Vorschläge gemacht. Für Italien wäre ein solcher Vorschlag inopportun, da in den letzten Jahren die Ausgaben für die Flotte herabgesetzt seien. Jetzt habe Italien aber eine star ke Flotte nötig. Wien, ö. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm die Dringlichkeit des Antrags Stransky über die „R e k t u s"- Affäre an. Hruban sprach für Kohn. Das erregt stürmische Rufe bei den Alldeutschen. Wir lassen diesen Vertreter des jüdischen Blutsaugers Kohn nicht reden! Es ist eine Schweinerei, für den Lumpen Kohn zu reden !Los von Roms! Da das Haus beschlußunfähig ist, wird die Sitzung geschlossen. — Ter Zollausschuß erledigte die Tarifklasse Leder und Lederwaren und beschloß die Zurückstellung der Positionen Sohlleder, Kalbleder und Schafleder, die übrigen Positionen wurden unverändert angenommen, ebenso Kürschnerwaren. Der Ausschuß nahm die Klasse Glas und Glasivaren unverändert an und begann die Beratung der Klasse Steinwaren. Abg. Sehnel beantragt Erhöhung des Zemen t zolles gegenüber der zunehmenden deutscheu Ueberproduktion. Aden, 5. Mai. Hier geht das Gerücht, der Mullah habe die englischen Truppen bei Galadi angegriffen, sei aber unter schweren Verlusten zurückgeschlagen worden; die Verluste der Engländer seien beträchtlich. Newyork, ö. Mai. Die Inhaber der San Domingo-Bonds drohen, die Zollämter zu beschlagnahmen, sofern die Republik die weitere Zinszahlung unterlagt. Es herrschen dort höchst traurige Zustände. Die Bonszinsen find zweifellos unerlangvar und die amerikanische Regierung befürchtet ein ziveites Venezuela, nur daß dieses zahlen kann, wogegen San Domingo unfähig geworden ist. — Die Bundesregierung beabsichtigt, Kriegsschiffe nach San Salvador zu senden. Der dortige Kongreß hat die Teckung des Schiedsgerichtserkenntnisses von einer halben Million verweigert. Fiozetz ZSo^ff vor dem Derwattuugsgerichlsyof. (Originalbericht von unserem 9t B.-Korrespondenten.) V. Darmstadt, 5. Mai. In der heutigen, um 9> _• Uhr eröffneten Sitzung wurde zunächst von Oberlandesgerichtsrat Tr. Langen mll der Verlesung der Aktenstücke fortgesahren. Es tarnen die Berichte über die Verhandlungen im „Großen Kolleg" zu Ofsenbach gegen Wolff und seinen Konflikt mll Medizinalrat Tr. Köhler und dem städtischen Krankenhaus zur Verlesung, ferner die Allen über die vom Lberregierunasrat Hölzinger geführte Tisziplinaruntersuchung wegen Tienst- v er geh en in Sachen Kost ic. Tem Kreisrat v. Homberg? wurde von Wolff zum Vorwurf gemacht, daß er ihm gegenüber nicht loyal gehandelt habe und daß die vom Kreisamt jegen ihn getroffenen Disziplinarmaßregeln einem Vor- tandsmitglied der Ortsllan reu lasse bekannt geworden resp. „durchgesickert" seien. Daneben werden aber aur»> die zu Gunsten des Angeklagten sprechenden Aussagen verschiv- jener Offenbacher Bürger, so des Vorsitzenden des Äauf- männischen Vereins, des Tetaillisten- und des Handwerkervereins zum Vortrag gebracht, die das diensteifrige, entgegenkommende Verhalten Wolffs in jeder Weise anerferaien und bekennen, mit ihm stets gut ausgekommen zu sein. Auch die Allen aus Friedberg unb Niederrad über den Verwalter Schiff, die bis auf 25 Jahre zurückgehen und über )as nicht immer einwandsfreie Privatleben Schiffs Auskunft gaben, wurden verlesen. Nacktem die Altenverlesung erschöpft war, nahm Ministerialrat B e st als Vertreter der Anllagebehörde das Wort zu einer etwa zweistüiidigen Begründung der Anklage: Mein Anllag ist auf Dienstentlassung des Beigeordneten Wolff gerichtet. Dieser Antrag wird nicht gestellt auf Grund einzelner Vorgänge, die lln Lgufe der Verhandlungen hiev vorgeführt wurden, sondern infolge der diesen Vorgängen zu Gruiide liegenden Tatsache, daß Wolff sich seinem ganzen Verhalten nach der Achtung und des Vertrauens für ein Amt, wie er es bekleidet, als unwürdig erwiesen hat und auf Grund der Tatsache, daß Wolff mll allen Personen, mll denen er dienstlich zu tun Halle, in Konflikt kam Der Grund hierfür liegt darin, daß es ihm an der erforderlichen Achtung und Ehre seiner Mitmenschen, an Wahrhellsliebe und Objektivität, und an dem im amtlichen Leben erforderlichen Takt absolut gefehlt hat. Wolff ist seit dem 17. Ok- tobet 1895 Beigeordneter von Offenbach gewesen. Alan war bei seiner Wahl davon ausgegangen, daß das Jusllz- ministerium ihm das Amt eines Ortsgerichtsvorftehers übertragen wurde, was auch geschah. Aber der Ton, den Wolff dem Amtsgericht gegenüber anschlug, war um p ungehöriger, daß das Justizministerium wiederholt Veranlassung nehmen mußte, ihm mit Dienstentlassung zu drohen. Es ist dabei dem Wolff gegenüber mit der größten Nachsicht verfahren worden, wie auch die Allen ergaben, namentlich in Rücksicht auf die dabei beteiligten Interessen der Stadt Offenbach. Die Vorgänge, die in dem „Fall Kost" äufammengifajjt worden, sind vetannt; auch hier ist der Mangel an Achtung vor der Ehre anderer Personen bei Wolff eklatant zu tage getreten. Wolfs berief sich und beruft sich noch heute daraus, daß ihm Oberamtsrichter Bauer gesagt habe, Kost lasse sich in seinem Amte Geschenke geben. Bauer hat aber schon 1897 ausdrücklich an die Bürgermeister geschrieben, er habe nichts darüber in Erfahrung bringen können, daß sich Kost bezahlen lasse. Ter Redner führt dann weiter aus, daß Wolfs noch 1896 zu Gunsten des Kost eine Gehaltserhöhung beantragt habe; aber diese wohlwollende Gesinnung sei nach einigen Monaten in das Gegenteil u mgeschlagen. Im April 1897 stellte Kost fest, daß Wolfs ihn einen „infamen Lügner" genannt habe. Ende Juli fand wieder eine scharfe Auseinandersetzung zwischen beiden stall, die damit endete, daß Wolff den 5lost vom Tienft suspendierte und ihm die Schlüssel abverlangte. Kost war seit 1877 mit den Rechten eines Gemeindebeamten m Offenbach angestellt. Tie Stadtverordneten beschlossen daraus, Kost solle von Wolfs zunächst nicht in der Ausübung eines Amtes gehilidert werden, und sie beauftragten ben Oberbürgermeister Brinck mit der Einleitung der Untersuchung gegen Kost. Brinck ersuchte nun Wolff um Mil ilung feiner Beschwerden gegen K., aber W. verweigerte das mll Dem Hinweis: Ihnen sage ich es nicht, sondern nur dem Staatsanwalt. 9iun erhob W. gegen K- beim Staatsanwlt eine Reihe von Beschwerden, in denen er K. der Urkundenfälschung, Unterschlagung rc. bezichllgte. Die Beschuldigungen erwiesen sich als hinfällig. Unterschlagen sollte ein Posten von 493 Mk. sein; es stellte sich aber heraus, daß W. sich geirrt hatte und einen weiteren Betrag von ca. 400 Mark hatte K-, ha er verreiste, der größeren Sicherhell halber, bei der Bank ausdrücklich „für die Ortskrankenkasse" deponiert. Trotz dieser Beweise aber ließ sich W. nicht von seiner Besck)uldigung des 5t abbringen. Besonders bezeichnend für W. als Ortsgerichtsvorsteher war der Vorwurf der Urkundenfälschung gegen K, was den Selbstmord eines Offenbacher Bürgers zur Folge hatte; es wurde aktenmäßig feftgeftellt, daß die Verlesung des in Frage kommenden Protokolls von Wolff selber beglaubigt worden war. Tas Gericht stellte unter diesen Umständen das Verfahren gegen K. em, er tourbie aber auf Verfügung des Justiznilliisters nickst mehr aus dem Ortsgericht beschäftigt. Wolff erllürte in öffentlicher Stadtverordnetensitzung, man habe die „Schmierereien" des 5t gekannt, aber sie doch geduldet. Tie letzteren bestanden lediglich darin, daß K. auch nicht amtliche Geschäfte gegen Bezahlung machte, worin nichts strafbares zu finden sei. Gegen Wolfs wurde nun von der Stadtverordnetenversammlung im Ok.vber 1898 geltend gern acht, daß fein Verhalten gegen K nicht dem eines Vor- aesetzten gegen feinen Untergebenen entspreche, es wäre feine Pflicht als Beamter gewesen, sich erst besser von der Schuld oder Mchtschuld des 5t zu überzeugen. Tie Stadtverordneten besckstossen dann eine Erklärung, daß W. sich nicht eines Beamten würdig gezeigt habe. Tie Enchebung Wolffs von dem Amt eines Ortsgerichtsvorftehers erfolgte bann am 21. Dezember 1898, als der Konflikt mll den Ortsgerichtsmännern kam und diese sich weigerten, mit W. zusammen noch länger ihres Amtes zu walten. Aber nicht nur als Ortsgerichtsvorsteher, solidern auch als Beigeordneter hat Wolff vielfach ew Verhalten an den Tag gelegt, wie es mit den Rechten und Pflichten eines Beamten absolut nicht in Euiklang zu bringen ijt Ich will nicht die vielen Pslichwerletzungen und Besttafungen des Wolff hier wiederholen, sondern nur einiges daraus anfühven. Ter am nächsten liegende Fall bezieht sich auf eine Dis- ziplinaruntersuchung wegen Beledigung des Kreisrats von S>ombergt, begangen durch amtliche Berichte an das 5ireis- amt unb das Ministerium. Tas augenscheinliche Mißllauen, bas seitens Wolffs in seinen Berichten gegen das Kreisamt zu tage trat, basierte auf der völlig haltlosen Annahme, als ob das Kreisamt das Vertrauen gegen Wolfs in der Ortskrankenkasse zu erschüttern suche, '^olfs beruft sich zur Begründung seines Verdachts aus eine Unterredung mll v. Homberg!, die noch dessen Versicherung dazu dienen sollte, 23. vor einer beleihigenben Abfassung seiner Berichte zu warnen. 23olfs brachte es fertig, aus einem an sich harmlosen Vorgang berartige Verdächtigungen zu erheben, sich dieselben gewissermaßen aus den Fingern zu saugen. Das beweist an sich, daß er nicht den nötigen Begrifs von der Veramwortlichkell seiner Stellung hat. Der in der Anklage betonte Mangel an Achtung vor der Ehre seiner Mll-. mcnschen zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Dienstsührung Wolffs hindurch. Nachdem das Vorfahren gegen Kost eingestellt war, Hai Wolf; m öffentlicher Stadt- verordnetensitzung den Vorwurf gegen ihn erhoben, er hätte Privat-Diskont 3 Prozent. u. A Telephonischer Kursbericht. Echlußkurse. 212,00 811,00 14U.62 183,25 183,00 4»/: Italien. Rente 4«/,% Portugiesen 30/ Portugiesen. . 15» C. Türken . Türkenlose . . . 4°/0 Grieoh. Monopol Reictmanieiho do. Konsole . do. . . Hessen . Oberhessen 371% 8% 37,°/, 3% 871% Oest. Kredit. Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer ©ufj . Harpener Bergbau Schluß- , . 102.09 S/j Mexikaner . . 92.15 4 Vi'7g Chinesen . . . . 102.06 Electric, tichnckert . . . 92.03 Nordd. Lloyd . . . . 101.02 Kreditaktien . . 101.02 Diskonto-Kommandit, . 210,75 . 140,60 . 182,70 . 183,90 Tendenz: fcft. AnsangS- . 212,00 . 27.04 . 93.35 . 99.03 . 103 05 . 211.09 . 190.0? . 140.7; . 150.0* . 157.0$ . 147.05 . 15.0? . 190.06 . 220.05 . 183.0L . 18L0" Aus Hludt und Land. Gießen, 6. Mai 1908. - Personalien. Der Großh. Negierungsassesior Rudolf Lauteschläger in Büdingen wurde mit den - Dienstverrichtungen eines KreiSamtmannS bei dem Grobherzoglichen Kreisamt Büdingen beauftragt. — Der Stationsvorsteher m der Hessisch-Preußischen Lisenbahngemeinschaft, Karl Bach ert, zu Isenburg wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm auS diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. _ r - Die Detailpläne zu den Arbeiten imBahn- hofSgebäude werden eben ausgearbeitet, sodaß voraussichtlich im kommenden Herbst mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Neugestaltung der Wartesäle, Schalterräume, Vestibüle, Bahnsteighallen rc. wird auch den weitestgehenden Ansprüchen gerecht werden. - Die neuen Taschenfahrpläne, die derGießener Anzeiger regelmäßig halbjährlich seinen Lesern spendet, werden morgen früh unseren Stadtabonnenten, übermorgen unseren Lesern auf dem Lande zugestellt werden. Der Fahrplan ist giltig vom L d. Mts. ab. — Liebig-Feier. Geheimerat Volhard aus Halle a. d. S., der beim Festakt im Städischen Saalbau in Darmstadt die Festrede über .LiebigS Leben und Witten" halten wird, entstammt einer bekannten Darmstädter Familie, hat dort seine Jugend verlebt und in Gießen, noch unter Liebig, seine Studien begonnen. Im Jahre 1855 hat er dort als Chemiker promoviert. Nachdem er in der Folgezeit unter anderm auch in London bei August Wilhelm von Hofmann seine Studien fortgesetzt hatte, habilitierte er sich in München, wohin Liebig übergesiedelt war, als Privatdozent der Chemie. Von da an blieb er mit Liebig bis zu dessen Tode in stetem nahen Verkehre. Einige Jahre später folgte er einem Rufe als ordentlicher Professor der Chemie nach Erlangen. Im Jahre 1882 wurde er an die Unioerlität in Halle a. d. ■&. berufen. In München hat er während einer langen Reihe von Jahren die praktischen Arbeiten der Studierenden in Liebigs Laboratorium geleitet. Nach Liebigs Tode übernahm er die Redaktion der von diesem im Jahre 1831 begründeten „Annalen der Chemie" und setzte somit einen der wichtigeren Teile von Liebigs Arbeiten fort. Mit welchem Erfolge dies geschehen, weiß die wissenschaftliche Welt, welche der seit des Begründers Tode unter dem Namen „Liebigs Annalen" erscheinenden Zeitschrift, wie zu Liebigs Lebzeiten den ersten Rang unter allen chemischen Zeitschriften zuerkannt. Bei den vielseitigen und nahen Beziehungen, die Volhard mit Liebig jahrelang verbanden, ist es wohl anzunehmen, daß das, was er uns über Liebig mstzuteilen gedenkt, zumeist aus erster Vermischtes. ♦ Lindau, 5. Mai. Die Entbindung der Prinzessin Luise von Toskana ist glatt von statten gegangen. Mutter und Kind befinden sich völlig wohl. Von der Familie Toskana weilt nur die Mutter der Prinzessin am Wochenbett. x Tas Kmd befindet sich unter fortgesetzter Ueberwachung. Es wurde am Dienstag abend auf den Namen Anna Monica Pia getauft. In Dresdener unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß als Vater des Kindes nur der Kronprinz in Frage kommen kann, da das kronprinzüche Paar . . 51.03 i Lombarden . • • • . . 32.35 I Gotthardbahn .... . . 32 02 Lanrahütte ..... . . 130.08 Bochum ...... .-AnL 44.751 Harpener ..... 4x/,% äussere Argentiner —.— 1 Tendenz: ruhig. rat Dr. Gutfleisch zu gettnnnen, erfolglos geblieben. Es muffe dies umsomehr beklagt werden, als dieser Herr vom allgemeinen Vertrauen getragen fei, ihm auch die nationalliberale Partei das Mandat wiederholt an ge tragen lstibe, und eine Kandidatur Gul- fleisch die beste Aussickst eröffnet haben würde, unfern Wahlkreis demnächst wieder in würdiger Weise vertreten zu sehen. Tie gebotene Umschau nach einer anderen geeigneten Persönlichkeit habe dazu geführt, Herrn Schloß- m acher, Syndikus der Handelskammer L ff end ach, in Aus- ich zu nehmen, der durch Behandtting wirtschaftlicher fragen vielfach hervorgetreten fei und fich in wetten 1 (reifen als entschiedener Verfechter der Han- »elSvertragSpolitik sich eines großen Ansehens er* reue. Don beiden Dereinsvorsländen um die Annahme der kandidatur gebeten, habe Herr Schloßmack)er sich bereit erklärt, falls er als gemeinsamer Kandidat erscheine und ine Handelskarnmer Offenbach sowie die Chemische Berufs- aenossenschaft, deren Geschäftsführer er sei, ihm ihre Zuti m m u n g zu erkennen gäben. Herr Georgi richtete an )ie Generalversammlung das Ersuchen, den geschilderten Schritten des Vorstands bezüglich der gemeinsamen Aufteilung des Herrn Schtoßmacher ihre Genehmigung zu erteilen, was einstimmig geschah. Ter Vorsitzende hob aus drück ich hervor, daß die definitive Zusage des Herrn Schloßmacher nur im Einverständnis mit den erwähnten Körperschaften gegeben werden könne, im An- chiutz hieran die Proklamation erfolgen werde. AuS dem Theaterbureau. Eingetretener Um- tänbe halber kann die für heute, Mittwoch, angesetzte Wieber- )olung ber Operette ,DaS süße Mädel" nicht stattfinben. Um denjenigen, die gern baS »süße Mädel" hätten sehen wollen, einen Ersatz zu bieten, hat die Direktion eine volkStüm- ! iche Vorstellung für heute eingeschoben, und zwar wirb bie bei ber ersten Aufführung mit großem Beifall aufgenommenc Johann Sttauß'sche Novität .Wiener Blut" gegeben. — Also eine Novität als volkstümliche Vorstellung! — Für morgen hat bie Direktton auf allgemeinen Wunsch unserer Soubrette Frl. Mizzi Bartl ein Benefiz bewilligt, bie sich bie beliebte Operette von Johann Sttauß ,Der lustige Krieg" gewählt hat, worin sie bie Tulpenzüchtersgattin Else, eine echte Soubrettenrolle, barstellen wirb. Da auch bie anberen Haupttollen mit ben ersten Kräften besetzt sind, ifi bei ber Beliebtheit des Frl. Barll ein volles HauS mit Sicherheit zu ermatten. *'Die beiben weiblichen Sterne beS Operettenensembles werden morgen unb Übermorgen ihre Benefize haben. Beibe können ,ich kam, ich warb gesehen, ich siegte" sagen. Der Donnerstag bringt unS ben Ehrenabend beß Frl. Bartl, der Frettag ben beS Ftt. Stöger. Beibe sinb weber zu ausgelassen noch zu schüchtern, beibe übertreiben nie ben Realismus in ber Darstellung. Frl. Bartl hat etroaß reizenb Kapriziöses, sie ist, wenn sie bebeutenbere Aufgaben zu erfüllen hat, stets amüsant, ihre übermütige Keckheit hat etwas PrickelnbeS, ungemein Graziöses unb zugleich lieblich Mädchen-- hafteS, ihr Gesang ist stets von tabelloser Reinheit. Frl. Stöger ist eine sehr routinierte Sängerin, im Besitz ausgiebiger und gut gebildeter Stimmmittel. Ihr Sopran entfaltet sich in der Höhe zu blenbenber Fülle. Sie ist stets mit laberndem Feuer an ihrer Aufgabe, immer taktvoll, in jeglichem Sinne dieses Wort genomnum. Beide Damen werden jedenfalls volle Häuser erzielen. — Vom hessischen Bauernbund. Wtt lesen in der ,Volksmacht": Nach den Bestimmungen des Bürgert. Gesetzbuchs hat sich gezeigt, daß die Organisation der Bauernvereine in ihrer jetzigen Gestalt in vielfacher Hinsicht zu schmeren Mißständen führen kann. Seit langem hat der Vorstand ermogen, roie diesen Mißständen abzuhelfen sei. In letzter Zett haben zu diesem Zmecke drei Vorstandssitzungen stattgefunden, deren Ergebnis mar, den Vereinen anzuraten, sich der Genoffenschaftsbewegung, in der die Zukunft für die Landwirtschaft liegt, anzuschließen. Eine in Gießen unter dem Vorsitze des Anwalts des Allg. Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Abg Geh.-Rat HaaS abgehaltene Versammlung hat zu vollem Einverständnis geführt. Es soll nunmehr mit ben Vorarbeiten begonnen werben unb eS finden zu diesem Zwecke Versammlungen statt in den verschiedensten Orten des Kreises Gießen. Fronhaufen, 5. Mai. Auf dem Gutshos Friedel- Hausen bedrohten vergangene Nacht polnische Arbeiter den Gutspächter dort, so daß polizeiliche HUfe telegraphisch von Gießen und hier verlangt wurde. (Hessische Landesz.) Rauisch-Holzhausen, 4. Mai. Durch Kauf ging bie hiesige Apotheke in ben Besitz eines Herrn Jost aus Gießen über, welcher sie am 1. Juli übernimmt. (Hess. Lanbesz.) — Darmstabt, 5. Mai. Nächsten Montag, 11. Mai, finbet im.Kaisersaal" eine ebenso eigenartige, wie interessante Wohltätigkeits-Veranstaltung statt. Eine Anzahl unserer ersten Hoftheatermttglieder haben sich vereinigt, um einer erblinbeten unb gänzlich mittellosen Kollegin eine Un- tett'tützung zukommen zu lassen. Die als Abenbunterhaltung gebuchte Darbietung wirb sich nach vorausgegangenem Prolog (gesprochen von Frl. Eichelsheim) aus einem dramatischen Teil zusammensetzen. Während jenen die Großh. Hesi. Kammersängerin Frau FeliciaKaschowska im Verein mit den Herren Hofkapellmeister Willem d e H a a n, Hofopernsänger Spemann unb Hofmusiker Breitschuck bestreitet, wird in diesem als Neuheit für Darmstadt Sudermanns trefflicher Einakter „Fritzchen" zur Darstellung gelangen. — Dem Vernehmen nach mtereffiert sich Se. Königl. Hoheit ber Großherzog lebhaft für ben Abend, auch hat Herr Hermann Sudermann sein Schauspiel tantiemenfrei zur Verfügung gestellt und Herr Generaldirektor Werner hat in ent- gegenkommendster Weise den Mttwirkenden die Erlaubnis zur Veranstaltung des Abends erteilt. (N. H. V.) Krtelkatten der Diedalrtion. W. P. Wähler für den Reichstag ist jeder Deutsche, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind nur Personen unter Vormundschaft oder Kuratel, ferner solche, über deren Vermögen Konkurs eröffnet ist, drittens Bezieher von Armenunterstützung und vierten- Leute, die nicht die bürgerlichen Ehrenrechte z. Z. der Wahl besitzen. Ob sie Steuern zahlen oder nicht, kommt bei der Reichslagswahl nicht in Betracht. K. TaS neulich von uns erwähnte Büchelchen mit dem Titel „Wodurch und wie verschafft man sich einen lohiiendcn Nebenerwerb" ist im Verlage von Hugo Steinitz in Berlin bW. erschienen unb durch jede hiesige Buchhandlung zu beziehen. Ncuellc Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger». Berlin, 6. Mai. Unterschlagungen zum Nachteil des Oekonomierats Späth (e5 handelt sich um einen Betrag von annähernd 390000 Mk.) gelangten vor der Strafkammer des Landgerichts II zur Erörterung. Der 47- jährige Buchhalter Rättger wurde wegen dieser Unterschleife zu 4 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. — Im Jahre 1881 wurde vom Schwurgericht der Schuhmacher Rowitz wegen Ermordung seiner Frau zum Tode verurteilt und dann zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe begnadigt. Nunmehr ist ex, nachdem er 22 Jahr in den Zuchthäusern zu Sonnenburg und Raivitsch verbüßt hat, infolge guter Führung völlig begnadigt worden. Stuttgart, 6. Mai. Auf Veranlaffung der Münchener Polizei wurde gestern abend in den Wirtschaften und Buchhandlungen die neueste Nummer des SimplizissimuS beschlagnahmt. Lindau, 6. Mai. Die Taufe der neu geborenen Tochter der Prinzessin Luise von Toskana wurde von dem Dekan Aubele unter Assistenz des Kaplans Kuhn vollzogen. Die Großherzogin hob die Prinzessin selbst aus der Taufe. Das ganze in der Villa Toskana anwesende Personal nahm an den Tauffeierlichkeiten teil. Paris, 6. Mai. Ms Grund für den hiesigen Auf- ertthalt des Fürsten Ferdinand von Bulgarien wird die Notwendigkeit einer Operation angegeben. Rom, 6. Mai. Wie auS bester Quelle mitgeteilt wird, kommt Präsident L 0 u b e t in diesem Herbst bestimmt zum Besuch nach Rom. Rom, 6. Mai. Der Besuch Kaiser Wilhelms im Kloster von Monte Cassino bildete den Höhepunkt der Kaiserreife. Der Kaiser schenkte der Abtei die milttäri- schen Schriften Friedrichs des Großen. In der Unterhaltung mit dem Abte Krug, einem geborenen Deutschen, berührte der Kaiser die Regeln des Benediktiner Ordens und sagte unter Anderem: Ihr Benediktiner erfüllt das christliche Ideal: ora et labora. In der Unterhaltung des Grafen Bülow mit Rampolla kam das Gespräch auch auf die deutsche Jesuiten frage. Graf Bülow habe die Gründe auseinanderaesetzt, weshalb „zurzeit die Abschaffung des 8 2 des Jesuttengesetzes untunlich sei. Rom, 6. Mai. Der Papst ließ ben Kardinal Agli- ardi rufen und sich über den Verlauf des Frühstücks beim Gesandten von Rothenhan und die dabei geführten Tischgespräche genauen Bericht erstatten. Belgrad, 6. Mai. Nach den letzten Berichten ist es in Macedonien wieder zu heftigen Kämpfen zwischen türkischen Truppen und bulgarischen Banden gekommen. — Bei Malesch, wo die Bulgaren auf türkische Soldaten Bomben warfen, fielen 50 Bulgaren. 40 türkische Soldaten wurden teils getötet, teils verwundet. In dem Kampfe bei Kundin«, der 24 Stunden dauerte, fielen mehr als 50 Bulgaren. Bei bet* schienen weiteren Gefechten betrug bie Zahl ber getöteten Bulgaren insgesamt hundert.— Nach amtlichen Melbungen aus Prischtina find bie altserbischen Städte Ipek, Tjakova und Novibazar von ben Albanesen von allem Verkehr abgesperrt. Offizielle Kreise glauben, daß dort eine große Masse von Albanesen stehen, die fick zu einem bedeutenden Gewaltstreich vorbereiten. Schakir Pascha hat 22 Albanesenführer gefangen genommen, die in Asien interniert werden sollen. Tie Haupt-Rädelsführer befinden sich aber noch in Freiheit. — Die Botschafter von Deutschland, England, Frankreich und Italien haben der Pforte mitgeteilt, sie würden ormelle Ansprüclie auf Schadenersatz mr die in Saloniki bei den Ruhestörungen ihren Landsleuren zugefügten persönlichen uiw sachlichen Beschädigungen erheben. — Nach einer Tepescl-e aus Athen erließ infolge freundschaftlicher Vorstellungen des cortigen türkischen G.sandren eie gru.. .].je Regierung das strengste Ausfuhrverbot für Waffen jeder Art unb verschärfte ihre Beiehle für ben Grenzbienst. sich unsittliche Angriffe zu schulden kommen lassen, trotzdem er aus den Akten ersehen konnte, daß es sich hier nur um ein unverbürgtes Gerücht handelte, für das er keine Beweise besaß. Aehnlich sind die Beleidigungen des Spar- kassenrcchners Kumpf, auf bie der Redner ebenfalls näher einging. W. habe hier bie Absicht der Beleidigung ao habt, er mußte wissen, daß er keinen Beweis für seine Behauptungen hatte. Der Vorwurf gegen die Ortsgerichtsmänner wirkt um so schwerer, a!5 er oegen Männer erhoben wurde, mit denen W. in jahrelanger Gemeinschaft gearbeitet bat; er war sich bewußt, daß diese Männer auch die Verantwortung für ihre Unterschriften in pekuniärer Hinsicht tragen Weiter erhob W. in öffentlicher Sitzung gegen den Oberbürgermeister den Vorwurf, daß derselbe in 27 Fällen bie Stadt um 2600 Mk geschädigt habe; die Untersuchung ergab bie Haltlosigkeit dieser Beschuldigung. Es kommt noch in Bettacht, daß W. jahrelang Material gesammelt hat, um e» gegebenenfalls in geeigneter Weise zu verwenden. Auch dem Regierungsrat Rach warf er vor, dieser wolle ihn mir aus dem Schiedsgericht heraus bringen, das fei eine ^Stänker«". Eine der schwersten Pflichtverletzungen Wolffs bildet fein Verhalten gegenüber dem Medizinalrat Dr. Köhler, auf das der Redner ebenfalls noch eingeht. (Tas Nähere darüber ist bereits in dem Auszug aus der Anklageschrift enthalten gewesen.) Köhler wurde von W. ckls Eisenbart, Renten quetschet re. bezeick)net, von,Wissenschaftlichem Chat- lataniSmus" und „geistiger Beschränkung im Bewußtsein seines Handels" gesprochen ic. Auch den Konflikt Wolffs mtt dem Vorsitzenden der Ortskrankenkasse, Streb, und die Fälle Hausmann, Schüßlor, Schäfer rc. beleuchtete Redner noch des Näheren, um dann den bekannten „Fall Schift" eingehender zu erörtern. Aus allen diesen Konflikten, dem Vorwurf gegen das Kreisamt, zwei verschiedenartige Verfügungen in einer Sache erlassen zu haben, sowie der überall zu Tage getretenen Gehässigkeit und mangelnden Wahrheitsliebe gehe hervor, daß W. nicht bie erforderliche Würde und Objektivität für das Amt eines Beigeordneten besitzt. Es sei ja ausgeschlossen, daß W. wieder als Beamter nach Offenbach kommen könne, denn es fehle chm jetzt jede Achtung und Wertschätzuna seiner Mitbürger. Der Redner beantragt schließlich die Dienstentlassung Wolfts und Verurteilung desselben in die Kosten des Verfahrens. In der Nachmittagsfttziuig, die um 3 Uhr begann, nahm jer Verteidiger des Angeklagten Wolff, Rechtsanwalt Jäger das Wort zu einer etwa dreistündigen Verteidigungsrede, in der er zuerst mtt lebhaften Worten die juristische Seite ber Sache beleuchtete und bann materiell auf bieselbe einging, wobei er jeben einzelnen der erhobenen Vorwürfe der Anklage in ausführlicher Weise zu entkräften suchte. Eine Verurteilung des Angeklagten auf Dienstentlassung hatte er für ausgeschlossen. Er bitte um dessen Frei- spreck>ung, eoent um die Festsetzung einer kleinen Geldstrafe. dtach einer kurzen Replik und Duplik zwischen Mmiste- twlrat Best und Rechtsanwatt Jäger nahm auch der Angeklagte selber noch das Wort zu einer gut iVistündigen Verteidigungsrede. (Wir kommen auf die letzten Redner noch ausführlicher zurück.) Der Gerichtshof verkündete gegen 8 Uhr abends nach foulet Beratung seinen Entschluß dahin, daß die Urteilsverkündung nächsten Samstag nachmittag 4 Uhr erfolgen werde. Quelle fließt. (D. T. A.) ** Generalversammlung des Vereins der deutschen Volkspartei. Den Vorsitz in ber geimgen geschlossenen Generalversammlung ber Mitglieder hatte, so schreibt man uns, in Verhinderung der Vorstandsmitglieder Kommerzienrat Georgi übernommen, über bie hinsichtlich der bevorstehenden Reichstags- wahl von dem Vorstand entwickelte Tätigkeit bezüglich ,i>er Aufstellung eines Kandidaten und gab bem Sebauern Ausdruck, daß die vielfachen Bemühungen, hierfür ^uAz- 4% Oesterr. Goldrente . . 103.06 Darmstädter Bank . 41 % Oesterr. bilberrente 101.00 i Dresdener Bank . . 4% Ungar. Goldrente . . 102.55 * Berliner Handelsges. 104-— Oesterr. Staatebahn . in der kritischen Zett auf einer Reffe nach Pari« begriff« war, während Gtron damals auf Urlaub weilte. Nach den gesetzlichen Vestimmungen wird baß Kind wahrscheinlich am Dresdener Hofe erzogen werden. Die Frage der Auslieferung wurde durch ein Privat-Ueberrinkommen zwischen dem König und der Prinzessin geregelt. Die letztere wird nach ihrer Genesung eine Heilanstalt oder ein geistliche 8 Institut aufsuchen, jedoch kein Kloster, und später baS toskanische Schloß Schlackenwerth beziehen. Ein Aufenthalt der Prinzessin in Sachsen ist für immer au8- geschlosicn. ____ Berliner Börse vom 5. Mai 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) gesucht. Tammslraße 80. peditwn d. Bt. [02253 liia WM «mÄ statt, wozu freundlichst einladet 8786 Sofort aduborer 611em, welcher die Emjahrigen-Berechtigung hat, sucht eine Stelle als Lehrling in einem hiesigen Wejctuutet- Haus, einerlei welcher Branche. Ge« wünscht wird ftoü u. Logis i. vanse. Cfr. unL Nr. 3760 an die Erped. E. Jäger, Gasthaus zur Burg Münzenberg. 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J ^Ithalle ist fr“ "“I bet fr •* d--.N ”'W einen ■* N bit. begriffen i 8749| Dienstag den 6. b. Mts. ist auf dem Wochenmarkt an meinem Stand »*» gSp* * W“ Mütter oie^ Lischt de Roianonsdrl lag dn L' ES# Stof! w * ll-zki-kr' Gietzener Stadttheater. Heute abend! Mittwoch den 6. Mai 1903: Koliistümliche yorfteilung. Wiener Blut. Cperctte m 8 Akten von Johann Strauß. Donncrtztag den 7. Mai: Benefiz für Fräu«- Mizzi Bartl. Der lustige Krieg. Operette in 8 Akten von Johann Ltrautz. Herm-Anzüge i liefert auf Abzahlung preiswert D). Sambach, Kanzleiberg 9. NklWltN und Ullltklstliffe werden zur Aufbewahrung unter Garantie gegen Motten und Kcuerschavcn angenommen. C’.Schnitheis.Jiüiiüjncr Marktstratzc 3. [3398 Ich hetUe mich selbst durch Erforschung und Bejeitigmig iprcr Ursache von schwerer [87*8 Zuckerkrankheit und gebe kostenlos näh. Auskunft. 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Gestern natbmitlag 4 Uhr verschied mein lieber Mann, unser Bruder und Schwager Georg Zindel nach langem, schwerem Leiden im Atter von 41 Jahren. Fra« Marie Zintel. Gießen, den 6. Mai 1903. 02248 Löberstraße 5. mieten 1 gebrauchter Landauer 2 8448 Bleichftrasze 4 1 i Gchrotleiteru alte» Pult. 3 1 gebrauchte Steisechatse gebrauchter Stollwageu ,, Stoßkarren Dezimalwaageu Emmericher Kaffee b r c n n c r zu 60 Psd. Briesabtegeschräukchcu 3750] Eine elegante WohiiUiig, 7 Zimmer, Badezimmer, Vleben- räume, Garteuanteil nebst Bleich- piay zu verm. Ludwigstraße 29.' Visitenkarten liefert raeob end billiget Bräbl iche Uort^Dructerel zum Schlachte« werden stet» angefauft. [1790 Xe-aler, Pferdemetzger. All elegantes Ärliek lau» natürliajcm Ttabagoiu- und Eichenholz) zu perlaufen 3668 LouiS Faber, Wolkengasse 11. Wohnhm Werkftätte, gut rentierend, Mort bei geringer Anzahlung billig zu oertaufen. Gest. Cfl. unt. 9lr. 02157 an d. Exped. 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Wir erfüllen hiermit die traurige Psticht, unsere Kameraden von dem Hinscheiden unseres Kameraden Heinrich Zahrt geziemend in Kenntnis zu setzen. 8754 Der Vorstand. Die Beerdigung findet Donnerstag den 7. Mai, nach- mittag» 8 Uhr. von den Neuen Kliniken aus statt. Zu- sammenkunst 27, Uhr bei Kamerad Prell, Stadt Aiainz. Stflleii=(6criidif (Offene Eilen Vrrschiedönov 3n uevmii'ten