Nr. 81 tS-ttch außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem vesfischeu Landwirt die Siebener Kamille«' blfltter viermal bi der Woche beigetegL Rotatwtftraid tu Bet- lofl bei v r ühl'ichea Untveif.-Vuch- u,6tetw btuefetti (Pietsch ürbe*) Reboftum. ttrpebuwt unb Drucke reit Ech»lftratze 7. Adresse für Depesch«, Anzeiger «tefcou Kernsprrchanlidlutz Nr 5L Zweites Blatt. 158. Jahrgang Freitag 6. Februar 1908 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vezugspretsi m»nall»ch7b P1^ viertet» jährlich Mt. 1120, durch Abhole- il flroetgfteflen monatlich 65 Ps.^ durch biePost Mk.2.— mettel- sährl. anöschl. vestellg. Annahme von Anzeige« für bte TageSnummer btt wonttlogt 10 Uhr, ßrtUnprrti; lokal 17 Pß, aetrpdrtl 80 Psg. verantrooeilich, für den polil u. öligem, xetl. P Witiko: Mr »Stadt unb Canb" und .DerichtSsaal^ tuet Plato. Mi den An- ietqenieil: £>ant Beck. Ale ynttige Kmumer mosaßt 12 Setten. Dolttische Tagesschau. Die »eueste Nummer bei ,Melier» Organs des B. d. L, feine »Korrespondenz", widmet der ReichSreglerung folgendes emgehende« Mißtrauensvotum: Heute wird das von diesen unb auch von konservativen Obrem von der Bedeutung des Herrn v. Kröcher gehegte Mißtrauen in den weitesten Kreisen der deutschen Landwiri- schasl vollkommen geteilt. Da geht u. a. deutlich aus zahlreichen Zuschriften hervor, wetche an unseren Bundesvorstand, besonders auch an Dr. Hahn, anläßlich seiner klaren und deutlichen Aussprache im Adgeordnetenhauje gelangt sind. So schreibt z. B. ein Landmann au5 Westpreußen: »Ich bm ein alter Agrarier noch von deS seligen Niendorf Reiten her, habe aber in der langen Zeit niemals eine solche Senugtuung unb Freude empfunden als jetzt, da eS durch Ihre Rede endlich dahin gekommen ist, das Laseltuck -wischen unS und dieser »unglaublichen" Regierung zu trennen. ES wird mm wohl endlich auch in weiteren Kreisen die Aera der ewigen Höflichkeiten und Andeutungen von .Erschütterungen des Vertrauens" rc. gebrochen sein. Nein, ein Bettrauen besteht schon lange bei keinem halbwegs mit gesundem Blick begabten Landwirt. Es ist alles ein unwürdiges Hinhalten und bewußtes „Heber den Löffel barbieren", das mit unS getrieben wird. Daß dies endlich klipp und klar der Regierung gesagt wurde unb mit solcher Wirkung, dafür werden Ihnen Hunderttausende dankbar fein. Wir können nur dann etwas erreichen, wenn die Regierung Furcht vor unS bekommt. Daß wir mit Loyalitäts-Versicherungen und scheinbarem Aufrechterhalten des Verttauens nichts erreichen, ist doch nun endlich offenbar." Wir haben uns bemüht (fähtt die „Korrespondenz" sott), aut dem Briefe die größten Scharfen auszuschneiden, obgleich wir überzeugt sind, daß der Verfasser auch in Bezug auf diese schärfsten Aussälle recht hat, wenn er zum Schlüsse behauptet: „Biele Tausende empsillden das, ehe es einer niederschreibt 1" Recht hübsch; namentlich die Offenherzigkeit, daß die Loyalitätsversicherungen ein-ustellen seien, da man mit ihnen doch nichts erreiche. »Der Fall Krupp." Unter diesem Titel ist soeben in München eine Broschüre erschienen, die wah-rscheinlich den ReichstagSabg. v. Bollmar -um Verfasser hat. Sie beklagt zunächst die bekannten Eingriffe des Grafen Ballestrem im Reichstag bei v. Vollmars Rede und giebt dafür, daß die Broschüre in München erschienen ist, als Grund an, der „Vorwärts" wolle nicht in eigener Sache das Wort führen» es scheine ihm richtiger, bei der großen Kaltblütigkeit >er süddeutschen Rechtsprechung sich an das Münchener ozialdemokrätische Organ zu wenden. Das Buch enthält in echs Kapiteln nichts wesentlich bemerkenswertes. Im ersten Kapitel wird die „Härte" des § 175 deS St.^.-B. besprochen, im zweiten der Fall Krupp chronologisch behandelt, im dritten erzählt, wie falsche Freunde Knrpp in eine unhaltbare Lage gebracht hätten, um chn namentlich mit dem Kaiser, der eben erst gewisse Verstimmungen überwunden hätte, wieder zu entfremden. Im vierten Kapitel wird erzählt, daß Krupp selbst Hand an sich gelegt habe: ein hervorragendes Mitglied einer staatserhaltenden Partei des Reichstages habe offen erklärt, Krupp hatte sich erschossen. Das letzte Kapitel behauptet, in dem angebahnten Verfahren gegen den „Vorwärts" hätte nicht der Ober-Staatsanwalt Zsenbiel die aktive Rolle gespielt, die ihm von einigen Juristen und einem Teil der ^reffe zugeschrieben sei. Bo« der klerikale» Studnttruschast in Heidelberg spricht folgende Mitteilung der „Allg. Ztg.": Die Kundgebung der Heidelberger Studentenschaft gegen die Angriffe des erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg L Br. und der ultramontanen Presse auf die freie Wissenschaft und deren Vertreter soll gegen Ende dieser Woche dem Senate der Universität übermittelt werden. Ultramontane Studenten gaben sich in Verbindung mit einigen untergeordneten Organen des Universitätssekretariats alle erdenkliche Mühe, um die Adresse zu Hintertreiben. Die betreffenden Anschläge am schwarzen Brett der Heidelberger Universität wurden von diesen „Mujensöhnen" herabgerissen, bespuckt und beschmiert. Es half aber alles nichts; die unabhängigen Studenten sammelten nur um so eifriger Unterschriften, und so wird schon in den nächsten Tagen die Heidelberger Studentenschaft dem Beispiele der Karlsruher Kommilitonen folgen. Ein neuer polizeilicher Uebergriff tvird dem „Vorwärts" aus Ac a n n h e t ni gemeldet, wieder in der bekannten Form einer Gerichtsverhandlung, in der das Opfer des Uebergrisss aus der Anklagebank fernen Platz hatte, während der später durch das fteisprechende Erkenntnis für schuldig erklärte Steamte als Zeuge auftrat. Es heißt im „Vorwärts": Ein schwerer Pol.zei-Uebergrifs fand am Montag vor dem hiesigen Schöffengericht seine Rektifikation. Vor einigen Wochen sistierte der Schutzmann Zeller aus der Neckarbrücke die auf einem Geschäftsgang befindliche Frau des Schuhmachermcifters Rhey unter der Anschuwigung der wiederholten Bettelei und führte sie zur Wache ab. Alle Unschulosbeieuerungen der g.äugstigttn Frau, deren Mann seit bald zehn Jahren ein eigene* Geschäft betreibt und in geordneten Verhältnissen leb., halfen nichts, der Schutzmann ließ sich int Gegenteil noch zu untätigen Redensarten hinreißen, die sich auf ihre bald zu erwartende Niederkunft bezogen. Auf der Wache hiell man die Sistierte einige Zell zurück, bis es ihrem unterdessen auf Requisition eines Bekannten herbeigeeilten Ehemann gelang, ihre Entlassung zu erreichen. Die schwer gekränkten Eheleute suchten sich durch eine Beschwerde gegen den Schutzmann Zeller für die ihnen widerfahrene Un- bill Genugtuung zu verschaffen. Die Folge war eine polizeiliche Strafverfügung von drei Tagen Haft gegen Frau Rhey wegen Bettelns, und zwar wurde die Höhe dieses Sttafmaßes ausdrücklich mit ihrem „hart- näcki gen Leugnen (!) begründet. Gegen diese Verfügung, die mit dem Ergebnis der polizeilichen Nachforschungen, die die Unhaltbarkeit der Angaben des Schutzmanns nachwiesen,durchaus unvereinbar waren,appelliertL Frau Rhey an das ordentliche Gericht und erzielle damit vor den Schöffen nach kürzester Verhandlung ihre glatte Freisprechung unter Ueberbürdung der Kosten auf die Staatskasse. Alle Behauptungen des Schutzmannes wurden von den vereidigten Zeugen aufs schärffte widerlegt und sein Vorgehen gegen die Frau damit als schwerer Uebergriff charakterisiert. Hoffentlich erfährt die Oeffentlichkeit bald, wie die vorgesetzte Behörde den Schutzmann, der eine ehrsame Frau ganz grundlos als Bettlerin bezeichnet und beschimpft hat, also für fein Amt völlig untauglich ist» bestraft und unschädlich gemacht hat. Deutsches Reich. Berkin, 5. Febr. Der Kaiser empfing heute den östreichisch-ungarischen Militär-Attachee zur Ueberreichung deS Militär-Schematismus und hörte darauf die Vorträge des Kriegsministeriums, des Generalinspekteurs der Festungen, des Chefs des Generalstabes bei Armee und des Chefs des Militärkabinetts. — In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde den Ausschußanträgen betteffend Ergänzung und Abänderung der S ch a u m w e i n st e n e r - Ausführungsbestimmungen Zustimmung erteilt. — Dem „Berl. Tagebl." wird aus Kiel telegraphiert: Für die Stichwahl tm 3. schleswig-holsteinischen Reichs- taKswahlkrei.se empfiehlt der antisemitische Kandidat seinen Wählern Stimmenthaltung. Der national- liberale Kandidat überläßt es seinen Wählern, Stimmenthaltung zu üben, oder chre Stimme für ben freifinnigen Kandidaten gegen den der Sozialdemokraten abzugeben. — Die Abgg. Frhr. v. Hehl und Trimbor«, von Nationalliberalen und Zenttum unterstützt, beantragen zum Etat des Reichsamts des Innern: Der Reichstag wolle beschließen: den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage alsbald einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach der Titel 7 der Gewerbe-Ordnung wie folgt abgeändert wird: 1. der 8 (L35 Absatz, 3 erhält folgende Fassung: Junge Leute zwischen 14 und 18 Jahren dürfen in Fabriken nicht länger als zehn Stunden beschäftigt werden. 2. Der § 137 Abs. 2 erhält folgende Fassung: Die Beschäftigung von Arbeiterinnen über 18 Jahre darf die Dauer von zehn Stunden, an den Vorabenden der Sonn- und Festtage die Dauer von neun Stunden nicht überschreiten. 3. .Hinter den § 137 wird ein geschattet: § 13- 1. Jugendlichen Arbeitern und Arbeiterinnen darf Arbeit nach Hause nicht mit gegeben werden. — Der erste Sozialdemokrat im Elsaß-Lothringischen Landesausschuß, Abg. Emmel, hat dieser Tage den Eid der Treue dem Kaiser und der Verfassung geleistet. — Die Nationalliberalen, Konservattven, Deutschsozialen und der Bund der Landwirte im 18. Wahlweise des Königreichs Sachsen (Zwickau) haben die Re ichstags kan d i- datur dem Grafen Paul v. Hoensbroech angeboten. Ob Graf Hoensbroech die Kandidatur annehmen wird, dürfte zweifelhaft sein, da gegenüber dem sozialdemokratischen Kandidaten, der in der letzten Wahl nnt 7000 Stimmen Mehrheit durchkam, so gut wie keine Aussicht vorhanden ist. Hamburg, 5. Febr. Wie der „N. H. B." aus Tsingtau telegraphiert und auf Nachfrage an zuständiger Stelle als richtig bestätigt wird, begründete die Hamburg-Amerikalinie mtt Rücksicht auf die Entwickelung ihres oftasiati- schen Dienstes Anfang nächsten Monats in Tsingtau eine eigene Niederlassung. Heer und Flotte. Die französische Militärbekleidungskom- mission, die unter dem Vorsitz des General Gillain, Direktors des Generalstabs der Kavallerie, seit längerer Zeit über eine zweckmäßige Umgestaltung der französischen Uniformen beratet» wird alsbald ihre Besprechunaen beendet haben. Ein Mttglied der Kommission hat sicy dahin ausgesprochen, daß zunächst die Abschaffung aller Metallknöpfe vorgeschlagen wird und daß diese durch Hornknöpfe ersetzt werden sollen, um sich dadurch dem Feinde gegenüber möglichst unsichtbar zu machen. Aus dem gleichen Grunde sollen die roten Hosen völlig beseitigt werden, sobald der vorhandene Vorrat an rotem Tuch aufgebraucht ist; an ihre Stelle sollen blaueHosen in oer Farbe der jetzigen Marinejacken treten, und zwar gleichzeing in der ganzen französischen Armee. Außerdem will die Kommission eine Reihe Einrichtungen Vorschlägen, die dazu dienen sollen, die mechanischen Arbeiten der Mannscyaft zu erleichtern. Die neue Uniform soll so einrach wie möglich und für alle Waffengrade gleich gehalten fein. ________________________ Auslaut». London, 5. Febr. 2vie man aus Bloemfontein erfährt, hat Gvrdon Sprigg mitgeteilt, daß er bei seiner Rückkehr noch Kapstadt die Liste der augenblicklich im Gefängnis schmachtenden Rebellen veröffentlichen und eine allgemeine Amnestie Vorschlägen werde. Nur gemeine Verbrecher würden davon ausgeschlossen. — Eine Anzahl betonter Amerikaner gründete eine Flotten-Liga in den Vereinigten Staaten, deren Präsident der frühere Marinestaatssekretär Tracy ist. Antwerpen, 5. Febr. Der seit einiger Zett flüchtige Sozialistenführer und Präsident der hiesigen Dockarbetter- schast Boy ist aus Holland, wohin er geflüchtet war, wieder zurückgekehrt und hat sich freiwillig den Behörden gestellt. Er erklärt, er sei von seinen Anhängern verlassen worden und mittellos; er wolle lieber wieder ins Gefängnis .wandern, als diesen Zustand länger ertragen. B u d a p e st, 5. Febr. Biel besprochen wird die heutige Rede des Grafen Julius Andrassy über die Wehr- oorlagen im Abgeordnetenhaus. Es kam während dieser Rede zu stürmischen Unterbrechungen; als Graf Andrassy die deutsche Dienstsprache in der Armee in Schutz nahm, ertönten die Rufe: „Schämen Sie sich! Ein An«, drassy gegen die ungarische Sprache! Ziehen Sie nach Wien in den Reichsrat! Ihr Vater hätte nicht so gesprochen. Der Avfel ist wett vom Baume gefallen! Das ist der Weg zum Ministerpräsidium!" Graf Andrassy verwahrte sich gegen die Verunglimpfung seines Ungartums und richtete unter abermaligem Lärm an die Opposition die Mahnung, von der Obstruttion abzustehen; im vorliegenden Falle sei dies ein Mißbrauch der Geschäftsordnung, der die Gefährdung des Parlamentarismus bedeute. Die Rede Anbrassys hatte zwei Ehrenaffären zur Folge, die jedoch bei* gelegt wurden. Konstantinopel, 5. Febr. Die bulgarische Bande, welche letzthin in Ochrida im Vilajet Monasttt kämpfte, wurde keineswegs aufgerieben, sondern sie tritt oberhalb des Presba- und Ochrida-Sees wieder auf. Nachstehende Meldung betrifft wahrscheinlich dieselbe Bande: Samstag und Sonntag fanden Kämpfe zwischen einer Bande und einem türkischen Detachement bei Jsbitsche in Resrija statt, wobei auf beiden Seiten je fünf Mann getötet wurden. Die Bande ist wieder entfommen. Bei Goruttschewo befreite eine Bande drei von Gendarmen nach Monasttr eskortierte Bulgaren; auch bei Kastoria ist eine Bande angeblich unter Dawidow aufgetaucht. Das Bandenunwesen wächst zweifellos, doch müssen die diesbezüglichen Meldungen krittsch beurteitt werden, da eine leicht bewegliche Bande wiederholt angezeigt wird, die in verschiedenen Gestalten erscheint und außerdem sowohl die Bevöllerung und die Hokalbehörden als auch die Verfolgungsdetachements vielfach übertriebene Angaben machen Tanger, 5. Febr. Die Gefangennahme Bu Hamaras ist seit 36 Stunden unbestätigt geblieben. Es toirb behauptet, daß er im letzten Augenblicke nach hef- ttgem Kampfe von Riatas befreit wurde. Jui|e von Toscana. ♦ Aus der Umgebung der Kronprinzessin Luise wird mitgeteilt, daß Giron sich bemüht, die Prinzessin von ihrer beabsichtigten Reise nach Salzburg oder Dresden abzuhalten, da er befurchtet, sie werde in Deutschland verhaftet werden. Die Prinzessin soll Giron jedoch erklärt haben, ihre Mutterliebe übersteige alles. — Der Rechtsbeistand der Kronprinzessin, Rechtsanwalt Dr. Zehme, ist auf telegraphische Berufung nach Genf abgereist. — Das mit größter Bestimmtheit auftretende Gerücht, daß die Kronprinzessin am Krankenlager ihres Sohnes in Dresden eingetroffen sei, wird nach eingezogenen Erkundigungen als unzutreffend bezeichnet. — Man wundert sich, daß die Kronprinzessin und Giron in Genf in einem Hotel zweiten Ranges abgestiegen sind, anstatt ihre ftühere Wohnung im Hotel d'Angleterre zu beziehen. Als Grund hierfür wird angegeben, daß der Genfer Aufenthalt nur sehr kurz sein wird. — Lachenal hat täglich mit der Prinzessin und dem ehemaligen Erzherzog Leopold Ferdinand längere Unterredungen. Wie dem »Dr. Anz." zuverlässig mitgeteilt wird, wurde Lachenal in Genf vom sächsischen Hof verständigt, er solle der Kronprinzessin mitteilen, sie dürfe weder die sächsische noch die österreichische Grenze überschreiten. Das soeben ausgegebene vierte Stück des Gesehverord^ nungsblattes für das Königreich Sachsen vom Jahre 1903 enthält eine königliche Verordnung vom 14. Januar 1903 über die Verzichterklärung der Kronprinzessin Marie Luise Antoinette Marie, sowie eine königliche Verordnung vom 27. Januar 1903 über eine Aenderung der Verordnung vom 30. Dezember 1902, die sich auf die fron- prinzliche Ehescheidung bezog. Wie der Genfer Korrespondent der „Franks. Ztg." von zuständiger Seite erfähtt, hat die Kronprinzessin den Verzicht auf das Scheidungsverlangen noch nicht ausgesprochen, doch wäre dies möglich, da ihrer Heirat mit Giron immer größere Schwierigkeiten durch Dresden in den Weg gelegt werden und sie zu ermüdet ist, um diese ihr einzig möglich scheinende Lösung ihrer Angelegenheit durch völlige Aufopferung ihrer Gesundheit zu erkämpfen. Der über den Zustand des Prinzen Friedrich Christian am 5. d. Mts. ausgegebene Krankenbericht lautet: In der vergangenen Nacht Hal Prinz Friedrich Christian sehr wenig geschlafen und lebhaft geträumt. Die Temperatur, ivelche sich im Laufe des gestrigen Tages in mäßigen Grenzen bewegt Halle, steigerte sich im Laufe bei Abendstunden und der Nacht so, daß mehrere gelinde Bäder nötig wurden. Gegenwärtig beträgt die Temperatur 39,5, Puls 108. Komplikationen sind nicht vorhanden. Aus Sladl und Land. Gießen, den 6. Februar 1903. ** Auszeichnung. Am 31. Januar wurde der Direktor an dem Schullehrerseminar zu Friedberg Dr. Friedrich Quentell auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 16. Aprrl 1903 an unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ** Auszeichnung. Der ,LieichsanK.^ veröffentlicht die Verleihung des Komturkreuzes 2. Klasse des Großh. hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütigen an den Reichsgerichtsrat Weller-Leipzig, ferner die Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse desselben Ordens an den Reichsgerichtsrat Ewald-Leipzig. ** Das Konzert des Kronbauerschen Quartettvereins, das am 25. Januar im Saale des Gesellschaftsvereins stattfand, hat, wie wir hören, einen Reingewinn von 803,21 Mk. gehabt, das zu wohltätigen Zwecken verwendet werden wird. () D ar m sta d t, 5. Febr. Dem Borbilde anderer Städte folgend, wird auch der hiesige Gastwirteverein, der der seinen Mitgliedern durch seine Wohlfahrtseinrichtungen, der Sterbekasse, Haftpflichtkasse rc. schon mancherlei Vorteile errungen, in eigens dazu gemieteten Räumen, Wll- helminenstraße 9, eine eigene Geschäfts stelle errichten, in welcher alle das Gewerbe betreffenden Gesetze, Vervrd- nungerr, Fachzeitschriften rc. aufgelegt und außerdem alle ratsuchenden Geschäftskollegen durch erfahrene und geschäftsgewandte Kollegen die notwendigen Aufklärungen und Ratschläge unentgeltlich erhalten werden. — Um hierbei zugleich dem im Gastwirtgewerbe herrschenden Mißstcmd im Stellenvermittelungswesen abzuhelfen und der von feiten einzelner Stellenvermittler geradezu unerhörten Ausbeutung des Personals, die schon beinahe einem Menschenhandel gleicht, endlich die Spitze abzubrechen, soll mit der Geschäftsstelle zugleich ein Stellenvermittlungsbureau verbunden werden, welches ohne Nutzen für den Verein den Mitgliedern gegen mäßige Gebühren für beide Teils das notwendige Personal nachweist. Mainz, 5. Febr. Heute morgen wurde in dem Hausflur des Hauses Mallaustraße 65 ein neugeborenes totes Kind aufgefunden. Ob ein Verbrechen vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. Die Leiche wurde nach dem Friedhof verbracht. — In der Kapuzinergasse fand gestern abend zwischen zwei Frauen eine große Rauferei statt. Mit vieler Mühe gelang es Schutzleuten, die beiden Kämpfenden zu trennen. Auf dem Kampfplatze lagen ganze Büschel ausgerissener Haare und sonstige Fetzen, die von der Heftigkeit des Kampfes zeugten. — Der Hausbursche eines Mombacher Bäckermeisters wurde in der Bahnhofstraße morgens zwischen 6 und 7 Uhr von sechs Personen angefallen Er fuhr mit einem Hunde fuhrwerk Backwaren zu den Kunden und hielt an dem Spezereigeschäft Lerner in Mvmbach an Bon dem Bahnhofe her kamen die sechs Personen, drangen auf den Hausburschen ein und drohten mit Totftechen und Beraubung des Geldes. Die Täter rissen an einem benachbarten Zaun Latten ab und schlugen auf das Hundefuhrwerk ein Durch Zuhilfe- ko mmen der Hausbewohner wurden die Angreifer verscheucht, die der Dunkelheit wegen nicht erkannt wurden Mein die eifrig betriebenen Recherchen der Polizei führten gestern zur Ermittelung der Täter, die ihre Tat bereits eingestanden haben Mainz, 5. Febr. Hier bespracht man einen Fall, wonach ein Abfertigungsbeamter sich allen Ernstes vor kurzem herausnahm, eine Gütersendung, die laut Frachtbrief nach Köln bestimmt war, schroff zurüctzu- weisen (Nach der offiziellen Rechtschreibung wird dieser Städteuame hartnäckig „Cöln" geschrieben!) Köln sei für die Eisenbahnverwaltung ein ganzunbekannterOrt; Aufträge dorthin seien für sie daher unausführbar. Verblüfft ob dieser mit so erstaunlicher Sicherheit in der Erdkunde verbundenen Schneidigkeit, legte sich der Absender, wegen des drohenden Zeitverlustes besorgt, aufs Bitten. Köln sei doch seither der Eisenbahnverwaltung so gut bekannt gewesen, daß keine der vielen Sendungen, die er bis in die letzte Zeit dorthin gerichtet habe, wegen Unauffindbarkeit dieses Ortes zurückgelangt sei. Auch habe bis vor kurzem die Schreibweise Köln bei der Eisenbahnverwaltung amtliche Geltung gehabt. Man könne von einem einfachen Bürger unmöglich verlangen, daß sein geographisches und ortographisches Lernen und Vergessen stets mit dem der Organe der Eisenbahnverwaltung gleichen Schritt hielte. In Sachen „Kölns" wolle er sich aber von nun an bessern. Durch dieses Versprechen setzte er die Abfertigung des Gutes auf seinen Frachtbrief noch einmal durch, jedoch nicht, ohne die Drohung hören zu müssen, daß es das letzte Mal gewesen sei. (Wer sich eine förmliche Austragung dieser Streitfrage gelegentlich leisten kann, der würde sich ein Verdienst um das an eine deutsche Schreibweise gewöhnte Volk erwerben, wenn er den Streit auf dem Verwaltungswege und vor Gericht auskümpfte. Mir können uns schlechterdings nicht denken, daß der Eisenbahnverwaltung das Recht zugesprochen werden würde, Sendungen nach Köln zurückzuweisen. - Frankfurt, 5. Febr. Die aus der Strecke Hanno- oer-Kassel-Frankfurt a. M. regelmäßig lausenden Gefangenen-Transportwagen werden aus Anordnung des preuß. Ministers des Innern durch Unterbeamte der Strafanstalt Kassel-Wehlheiden begleitet, während früher die Begleitung nur durch Gendarmen erfolgte. Jedem Zettenwagen wird nur ein Beamter als Transport führ er beigegeben. Für die von den Beamten zurückgelegten Strecken werden seitens der Landespolizei die tarifmäßigen Fahrpreise an den Eisenbahnfiskus bezahlt; außerdem erhalten die Beamten an den Transporttagen die bestimmungsmäßige Entschädigung für Zu- und Abgang, sowie die gesetzlichen Reise-Tagegelder. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Vorstand des Gesangvereins in Bleichenbach beschloß die Anschaffung einer neuen Vereinsfahne. — Der Polizeidiener E. G. in Bickenbach veruntreute Gelder, die ihm zur Einzahlung an die Steuerkasse anvertraut worden waren. — In Kassel genehmigten die Stadtverordneten das Rathausbarcprojelt des ersten Preisträgers Roth-Darmstadt zur Ausführung. Vermischtes. * Ein Pistolenduell. Mn- die ,Volksztg." aus Weimar meldet, fand am letzten Sonntag bei Gelmeroda »in Pistolenduell statt zwischen den Referendaren v. Nostiz und Voigt aus Weimar. Die Vercmlaffung des Duells ist unbekannt; es ist trotz zweimaligen Kugelwechsels unblutig verlaufen. Kunst und Wissenschaft Studierende Frauen au deutschen Univerfitateu. An den deutschen Universitäten sind im laufenden Winterhalbjahr 1180 Frauen zum Hören von Vorlesungen berechtigt, und zwar in Berlin 552, Bonn 113, Breslau 114, Erlangen 10, Freiburg 17, Gießen 19, Göttingen 48, Halle 43, Heidelberg 42, Jena 16, Kiel 13, Königsberg 51, Leipzig 67, München 33, Marburg 19, Straßburg 66, Tübingen 3, Würzburg 58. Die Studenten-Berzeichnisse von Heidelberg, Jena und Straßburg geben auch an, in welcher Fakultät die Frauen Vorlesungen hören. In Heidelberg hören solche in der medizinischen Fakultät 1, in der philosophischen 22, in der natur- wrfsenschaftlich-malhematischen 19; in Straßburg in der theologischen 1, in der medizinischen 19, in der philosophischen 44, in der mathematisch-naturwissenschaftlichen 2; in Jena alle 16 in der philosophischen. In Gießen werden 4 als aufgenommene Gaste bezeichnet, die alle bei der philosophischen Fakultät ein- geschrieben sind.__ Unioersttäts Nachrichten. — Die Breslauer Stadtverordneten-Versammlung beschloß einstimmig die Genehmigung des Vertrags mit der Staatsregierung über die Errichtung einer Technischen Hochschule in Breslau. Kandel und UerKehr Volkswirtschaft. — Frankfurter Hypotheken-Kredit-Berein. Am 31. Dez. 1902 bezifferte sich der Betrag der im Umlauf befindlichen Hypothekenpfandbriefe auf 184 576 455.39 Mk. Von den in das Hypothekenregister eingetragenen 186 306 922.95 Mk. betragenden Hypotheken dienen 186105 329.62 Mk. als Deckung. — Der Reingewinn der Schimischower Portland-Cement-, Kalk- und Ztegetwerke beträgt pro 1902 nach 84 908 Mk. Abschreibungen 173 794 Mk. Der am 14. März er. stattfindenden Generalversammlung soll die Verteilung einer Dividende von 5 pEt. vorgeschlagen werden. — Die Aktionäre der Hagener Gußstahlwerke, welche ihre Aktten behufs Zusammenlegung derselben noch nicht eingereicht haben, werden aufgefordert, dies bis zum 20. Mai cr. zu bewirken. Braunschweig, 4. Febr. Im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug der Gewinn der Braunschweigisch-Hannoverschen Hypothekenbank 1147851 Mk. gegen 1152 062 Mk. im Vorjahre. — In der Generalversammlung der Rhetutsch-West- faNsche« Bodenkreditbank wurde die Verteilung von 6 7, pEt. Dividende genehmigt. — Zuckerrüben. Aus Rheinhessen wird berichtet: Die verschiedenen Zuckerfabriken lassen zur Zeit durch ihre Vertreter bei den Zuckerrübenbauern der diessettigen Provinz Akkorde wegen Lieferung der Zuckerrüben abschließen. Der Zenmer Zuckerrüben wird mit 85 Pfg. bezahlt. — Fried. Krupp Aktiengesellschaft. Aus Berlin wird telegraphiert: Die Umwandlung der Firma Krupp soll mit 150 Mill. Mk. Aktienkapital erfolgen. Dem Aufsichtsrat gehören an: Etsen- kxchn-Minister a. D. v. Thielen, Geh. Kom.-Rctt Hartmann, Geh. Oberjustizrat v. Simson, und Ludwig Delbrück i. Fa. Delbrück, Leo und Cie. — Bom Petrolenmmarkt. Wie aus Wien berichtet wird, erwirbt die von der Kredckanstalt gegründete Naphta-Jndustrie- gesellschaft gemeinsam mit der Galizischen Karpathengesellschast ein zwischen beiden Besitzungen gelegenes großes Rohölterrain um den Preis von 3 7, Millionen Kronen. Das Zusammenwirken beider großen Gesellschaften wird hierdurch eingeleitet. Arbeiterbewegung. Amsterdam, 6. Febr. Obwohl nur noch die Kutscker im Aus st and verharren, sind die wegen des Streiks bisher eni- fandten Truppen und Gendarmen noch nicht wieder abgerückt. Die Garnison wurde gestern noch um 580 Infanteristen und 150 Genie- soldaten verstärkt. — Das Amtsblatt veröffentlicht eine königliche Verfügung, durch die alle 1900 und 1901 beurlaubten Mannschaften der Infanterie und des Geniekorps bis 10. Februar zu den Waffen einberufen werden. Suömisstons-Kalender. 9. Februar. Darmstadt, Großh. Hochbauamt, Ausführung der Weißbinder-, Glaser-, Schreiner- und schlosserarbeiten zum Neubau emer Dienstwohnmrg für die Großh. Oberförsterei. Bedingungen gegen Erstattung der Selbstkosten. 10. Februar. Bad Nauheim, Großh. Badedirektton. Lieferung des Bedarfs an Handtüchern, Trockentüchern, Teppichtüchern, Badeteppichen und Kokosläufern. Bedingungen All. 0.50. — Darm stadt, Garnison-Verwaltung. Lieferung des Bedarfs an Borstenwaren, des Geschirrs von Glas, Fayence, Steingut und Sanitätsgut, sowie an Weichholz und Petroleum. Bedingungen daselbst. Gerichtssaal. Die Ermordung des Oberamtsrichters Becker in Oldenburg durch den Bankier Wilhelm van Baden-Bruns (am am 5. d. M. vor dem Reichsgerichte zu Leipzig zur Sprache. Das Schwurgericht Oldenburg hat am 29. Oktober v. I. den Bankier van Baden-Bruns wegen Depot-Unterschlagung und Tötung des Oberamtsrichters zu einer Gesamtstrafe von 13 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Verbüßung der Strafe hat sich van Baden-Bruns inzwischen durch Selbstmord entzogen. In derselben Verhandlung ist der Prokurist Everyard Bruns wegen Beihilfe zur Depotunterschlagung unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis verurteilt ivorden. Die R e ö i i i o n dieses Angeklagten rügte hauptsächlich inkorrekte Fragestellung. Die Geschworenen sind nämlich gefragt worden, ob er dem Mitangeklagten zu der von ihm begangenen Tat durch Rat und Tat Hilfe geleistet habe, während es hätte heißen müssen: zur Begehung der von ihm begangenen Tat. — Das Reichsgericht war der Ansicht, daß das Urteil auf diesem Verstoße beruhen könne, hob das Urteil gegen Everhard Bruns auf und verwies die Sache an das Schwurgericht zurück. Kiefkaflen öer Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberückstchtigt.) W., Bersrod. Wir nehmen gern Notiz davon, daß der Bürgermeister Böcher nicht 27, sondern „erst" 18 Jahre sein Amt bekleidet. Auch 18 Jahre sind u. E. eine immerhin schon recht lange Amtsdauer. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Stadtkirche. Sonntag, Septuagesimae, den 8. Febr u ar. Gottesdienst. Vormittags 97-2 Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarraffistent Vogt. Abetids 6 Uhr: Pfarrer Scheunemann. Beichte nnb heiliges Abendmahl für Matthäus- und Marcusgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Die Versammlung der tonfirmierten männlichen Jugend muß verschoben werden. Donnerstag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, im oberen Konfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Pfarrer Sch 1 o s s e r. Ju der Johanneskirche. E o ii ii t a g, den 8. Februar. Vormittags 97, Uhr: Pfarrassistent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die JohanneS- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 6 Uhr siehe Stadtkirche. Montag den 9. Februar: Abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. 1. Johannesbrief, Kap. 4, 12—21: Gottesliebe und Bruderliebe. Pfarrer Dr. Naumann. Dienstag, den 10. Febru ar. Nachmittags 57, Uhr Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde im Konfirmandensaal der Johanneskttche. Pfarrer Euler. Neueste MetomuM. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger». Berlin, 6. Febr. Die Wahlprüfungskommission hat die Wahl des nat.-lib. Abgeordneten Boltz (5. Trier) beanstandet. Berlin, 6. Febr. Gestern abend hielt der Architekt Bodo Ebhardt vor dem Kaiser einen interessanten Projektionsvortrag über seine im Austrage des Kaisers unternommenen Burgen-Studien in Italien. Der Vortrag, der die Geschichte und die Bauart der italienischen Burgen schilderte, war von vielen Lichtbildern illustriert. — Der? Rektor und die Richter der Universität haben die Burschenschaft Neo-Silesia auf die Dauer von zwei Semestern verboten, weil ihr Bestreben die akademische Disziplin gefährde. — Die .Verhandlungen der Münchener Sezession mit Berlin, die sich unlängst von ihrer Berliner Schwester-Vereinigung getrennt Hat, sind nun doch zum Abschluß gekommen und das Ergebnis ist, daß die Münchener Sezession die von chr gewünschte größere Ausstellungsgelegenheit im Moabiter Landes-Ausstellungs- gebäude gefunden hat. Dresden, 6. Febr. In dem Befinden des Prinzen Friedrich Christi art ist insofern eine geringeBes- serung eingetreten, als der Prinz gestern nachmittag einige Stunden ruhig geschlafen hat. Auch die Nacht verlief ruhig. Das Allgemeinbefinden ist befriedigend, obwohl das Fieber seine bisherige Höhe behält. Amsterdams. Febr. Eine Versammlung der städtischen Gasarbeiter beschloß, den Ausstand um 14 Tage zu verschieben. Die Tramway-Bediensteten wollen in einer neuerlichen Versammlung das Ultimatum zurück^iehen und dem Stadtrat zur seinerseitigen Erwägung übermitteln. Artillerie ist zur Auftechterhaltung der Ordnung aus Utrecht eingetroffen. Malaga, 6. Febr. Man hat hier auf offener Straße die Leiche des Anarchisten Chonican entdeckt, die sechs Stichwunden aufwies. Man glaubt, daß ein Racheakt der Anarchisten vorliegt. Rom, 6. Febr. Da der Minister den Studenten, einen neuen Examen-Termin verweigerte, fanden in Neapel vor und in der Universität lärmende Demonstrationen statt, welche mtt der Zerstörung und Verbrennung von Tischen und Bänken endete. Da die Polizei diesem Treiben gegenüber machtlos war, wurde Militär herbeigerufen, bei dessen Erscheinen sich die Studenten zurückzogen. Zwei Kom- pagnien Infanterie besetzten die Universität. W i e n, 6. Febr. Die amtliche „Wiener Ztg." publiziert die Ernennung des Münchener Professors Oberhumer zum ordenttichen Professor an der Wiener Universität. Wien, 6. Febr. Die toskanische Famllie verharrt bei ihrer Weigerung, die Kronprinzessin von Sachsen zu empfangen. Sie habe jedoch infolge dringender tele- graphischer Bitten dec Prinzessin, ihre Bereitwttligkeit er- klärt, durch eine Mittelsperson mit ihr zu verhandeln, vorausgesetzt, daß sie ohne Giro« eintrifft. Die grvßherzogliche Residenz darf sie unter keiner Bedingung betreten. Es wurde ihr die Villa ihres Bruders Erzherzog Peter in der Nähe von Salzburg eingeräumt. — Der Genfer Korrei spondent des „Neuen Wiener Tagebl." telegraphiert, der Advokat Lach e nal habe der Kronprinzessin in einer mehrstündigen Kvnferenz dringend geraten, sich von Giron zu trennen. Dann bestehe die Möglichkeit eines Arrangements chrer Angelegenheiten in angemessener Form. Im gegenwärtigen Falle müsse sie sich auf Kollisionen gefaßt machen Wien, 6. Febr. Im Raimund-Theater hatte ein Volksstück: „Der Herr Gemeinderat" von Heinrich Schrottenbach, dessen Erstlingswerk „Die Schröberischen" ihm im Vorjahre die Ehrengabe des Raimund-Preises eintrug, gestern einen ehrlichen kräftigen Erfolg. Der Autor wurde mehrmals gerufen. — Die Schuckertwerke erwarben im Verein mit der Län d e rb an k ein von einem Schweden namens Ljungmann erfundenes Telephon ohne Sprechmuschel sowie ein tragbares Telephon für Eisend ahnen, die sich bei den hiesigen Proben glänzend bewährten. Tas Telephon ohne Sprechmuschel wird von der östreichischen Regierung schnellstens eingeführt werden. Kattvwitz, 6. Febr. Bei Panomorow stürzte ein Güterzug von einer Brücke in die Tiefe. Das gesamte Bedienungspersonal wurde getötet. Petersburg, 6. Febr. Aus Battum wird em großer Brand der N a p h t a f a b r i k von Mantaschen gemeldet. Havana, 6. Febr. Tas kubanische Repräsentantenhaus nahm eine Resolution an, durch die der Präsident Palma aufgefordert wird, in Bezug aus die Behauptung, in Madr td sei auf Befehl der spantschen Behörden über dem Hotel, in dem der kubanische Gesandte wohnte, die kubanische Flagge herabgenommen worden den tatsächlichen Sachverhalt festzustellen. Telephonischer Kursbericht. 25.80 3J/o Mexikaner 3% Oberheaaen . 102.20 133.80 46.00 37t% 3°/o 37,% 8% 372% 104.— 51.50 32.30 Reicheanleihe do. Konsole . do . . Hessen 47r% Chinesen . . Electric. Schlickert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oeaterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gotthar tbabn . . . Laurahütte .... Bochum ... Harpener .... Tendenz: fei t . 102.85 . 92.95 . 102.85 . 92.90 . 101.30 . 100.50 . 103.30 . 92.70 . 90.50 . 97.90 . 220.60 198.90 . 140.50 . 150.60 . 163.23 . 148.20 . 15.80 181.50 . 217.75 . 185.30 . 173.70 4chteM,r' andes-Ausstellungs. Mdm btä Prinz« ^geringe Bis, Eltern nachmittag Auch die Nacht v?. befriedigend, ob- e behält. Iinmlung der stüdti« mb um 14 Tage zu u sollen in einer M zuriickziehen und Tagung übermitteln, der Ordnung aus ukttner Chinesen ■ ' getuckert • 'W •'. ‘ auf offener Straße uican entdeck, die A glaubt, daß ein den Studenten verweigerte, : Universität lär- >elche mit der Zer- >n Tischen und i Tieiden MzeMer igerufen, bei dessen Pgen. Zwei Low- ^'itat. lener Ztg." publizic ssors Ob er hum ei wiener Universität, sfmnllie verharrt bei zessl'n von Sachsen y dringender te(e* BereitwMgkeit er- nit ihr fru nex« sie vchne Giros sidenz dars sie reten. G mrdc rzherM Peter m du Der Genfer Low L" telegraphiert, da nzessin in einer Mch> mb non Air»»»" ichk-it eines toW mefienet 3«m & nf Misi-men 9*6* ,d-Theater W®, ietof Die Schröderischvl ^uckertwerke ev- ein von ewem s°' ^ aetötet- . lvu^m wird ein -In w»*’ ich «ehchtMü «»I bltSen Ä« vL«nJuen. * iv • . pr. J° «je. ■hÄ' e^' pr‘ jö-i Hanau- rsbericht ■ sß.'ß • ' go.50 • ' 97.90 ■ ' 2-90.60 • ' 198.90 ^^«irniodi1' ■ 140,00 '«•KMSk ' »«« tiel«*' ' . 1*2 :S>;: iS bOile • ‘ ’ 173.7° Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisations-Arbettcn wird der Schiffenbergerweg von der Licherstraße bis zur Bergstraße von Samstag den 7. d. Mts. ab bis auf Weiteres für den Fuhrwerksverkehr, Radfahrer und Reiter gesperrt. Gießen, den 6. Februar 1903. Grobherzogliches PoLizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung, betreff cnb: Das Beschneiden der Hecke«. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer an den ihren Grundbesitz au öffentlichen Kahr- oder Fußwegen einfriedigenden Hecken m jedem Frühjahr bis zum 1. März aus 1,25 Meter Höhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen aus Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrase von 1 bis 10 Mk. bestraft werden. Gießen, den L Februar 1903. 1150 Der Oberbürgermeister: Mecum. Fkht«i-3attholz-V«Haiif in der Kürstüchen Höersörsterei Lich Das im Distrikt Langeberg eingeschlagene Bauholz: 165 Fichten — 115,44 Fstm. 6 Kiefern = 3,84 Fstm., 14 Lärchen — 9,23 Fstnr. wird hiermit zum freihändigen Verkauf ausgeboten. Füa das yolz im sog. Riedchen (Nr. 95 bis 207): 102 Fichten = 79,92 Fstm., 5 Lärchen = 4,96 Fstm. und 1 Kiefer — 0,74 Fstm. kann ebenso wie für den Rest gesondert geboten werden. Gebote, schriftliche und mündliche, nimmt jederzeit entgegen Lich (Ooerheffen), den 5. Februar 1903. 1137 Fürstlich Solmsische Oberförsterei. Holzversteigerung. Montag den 9. und Dienstag den 10. d. Mts. kommt im Rodheimer Gemeindewald folgendes Holz zur Versteigerung: 38 Stück Eichen-Stämme von 6—12 Mir. Länge und 17—53 Ctm. Durchmesser mit zusammen 26,34 Fstm. 62 Stück Nadelholz-Stämme und -Stangen mit zusammen 15,05 Fstm. 53 Rm. Eichen-Schett und »Knüppel, 225 r Buchen-Scheit und -5knüppel, 156 , Buchen- und Eichen-Stockholz, 852 , Buchen- und Eichen-Reiser III. Klasse. DaS Nutzholz kommt am Dtontag zuerst zur Versteigerung. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr im Distrikt 11 Hain, bei Nr. 1. Rodheim a. d. Bieber, den 6. Februar 1903. 1136_______________Der Bürgermeister: Bechtold. Aspen - Nutzholz - Verkauf. AuS den Domanialwaldungen der Oberfürsterei Schotten , ollen ca. 60 Raununeter in den Forstwarteien Kiliansherberge und Wingershausen anfallende ASpeu-Rutzkuüppel aus" der Hand abgegeben werden. — Gebote sind bis zum 15. Februar L I. schriftlich bet der unterzeichneten Stelle einzureichen. Wegen Auskunftserteilung bezüglich der Dimensionen, Qualität des Holzes u. s. w. wende man sich an den Großh. Förster Bing zu Forsthaus Kiliansherberge bei Schotten und den Großh. Forstwart Schott zu Schotten. Die genannten Forstwarte stehen auch bei einer event. Besichtigung des Holzes zur Verfügung. Schotten, den 4. Februar 1903. Großh. Oberförsterei Schotten. Seidel. 1146 Ailanz am 31. Dezember 1902. Aktiva. OL An Kaffakonto 24.68 tf Waren 9081.80 , Mobilien nach 10% Abschreibung 131.92 „ Utensilien nach 15% Abschreibung 30.89 „ Debitoren 1511.49 Passiva. JL Per Guthaben der Mitglieder 1791.— „ Reservefonds 1380.50 „ Betriebsrücklage 1663.87 r Waren-Kredttoren 2373.99 „ Geschäftsunkosten 713.71 v Reingewinn 2857.71 10780.78 10780.78 Die Zahl der Mttglieder betrug Ende 1901 115 Während 1902 gingen zu ..... . 1 (129 116 n * n ab ..... . — Daher Stand der Mttglieder Ende 1902 . 116 Klein-Linden, den 31. Dezember 1902. Konsumverein Klein Linden. Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Der Borstand: Jung, Direktor. Jung, Rechner. Naumann. Die Niederlage des Nhenfer Mineralbrunneu für Gießen und Umgebung befindet sich in den Händen des Herrn Jean Weisel, grlrpljou Ar. 235. SV* Waggon frischer Füllung eingetrosten. 'Dstz Das Kheneer ist ein vorzügliches Tafelwasser und bewährtes diätettsches Gettänk. — Wohlschmeckend, sehr erfrischend, gesund, leicht verdaulich, haltbar. Bou zahlreichen Aerzten erprobt und geschätzt. Aayrerversrmdt: 5 Zvillioueu SüLungeu. 1135 Ausstellung Düffeldorf 1902: Goldene Medaille und StaalSmedaille. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei. Schulstr. 7 Verdingung. Die für die Errichtung eines Glasabschlusies, sowie für sonstige bauliche Herstellungen in der Wohnung des städt. Sttaßenmeisters erforderlichen Schreiner- und Weißbinder - Arbeiten sollen Samstag, deu 14. l. Mts. vormittags 10 Uhr öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung, Zeichnungen und Bedingungen liegen während den Amtsstunden auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 3 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 6. Febr. 1903. Städt. Hochbauamt. I. V.: Gerbel. 1151 Die Hchvechigerung vom 3. d. Mts. in der Oberförsterei Schiffenberg ist genehmigt. Die Abfuhrscheme können vom 12. d. Mts. an bei den zuständigen Hebestellen bezogen werden. Die lieber» Weisung des Holzes erfolgt Freitag, den 13. d.M. morgens 8 Uhr. Gießen, 5. Februar 1903. Gr. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 1128 Hostversteigerung Montag, deu 9. d. Mts. wird im hiesigen Gemeindewalde Distrikt ©Uberberg und Flettenberg folgendes Holz versteigert: 256 rm Nadel-Knüppel, 55 , „ Stöcke, 3100 Nadel-Wellen, 2200 Nadel - Durchforstungs- Wellen, 2 fm Derbstangen, 9 , Reisstangen. Ferner im Markwald: 70 rm Nadel-Knüppel, 40 , „ Stöcke, 2500 Nadel-Wellen. Die Zusammenkunft ist an der Kreisstraße Garbenteich- Dorf-Gill in der Nähe des Pfahlgrabens bei Holznummer Nr. 1, vormittags 9 Uhr. Garbenteich, d. 5. Febr. 1903. Gr. Bürgermeisterei Garbenteich __________Kissel. 1138 Holzversteigerung Donnerstag, d. 12. d. M. vormittags 10 Uhr kommt im hiesigen Gemeindewald Distrikt Unterebrauwald und Heidelbeer- berg nachstehendes Holz zur Versteigerung: 32 Eichenstämme von 26 bis 53 cm Durchmesser, 3 bis 14 m lang, 24 fm, 190 Nadelstämme von 15 bis 40 cm Durchm., 3 bis 15 m lang, 50 fm, 42 Nadel-Derbstangen, 3 fm 18 rm Eichen- und Nadel- Knüppel, 3400 Eichen- u.Nadel-Wellen, 15 rm Eichen- u.Nadelstöcke. Das Brennholz kommt zuerst zur Versteigerung. Zusammenkunft auf dem Heidelbeerberg am Neuenweg. Pohl-Göns, d. 5.Febr. 1903. Gr. Bürgermeisterei Pohl-Göns ________Schepp. 1142 Samstag, den 7. Febr. d. I. nachmittags 4 Uhr gelangt ein Krümperpferd des Infanterie-Regiments Kaiser WUhelm Nr. 116 auf dem Hose der neuen Kaserne meistbietend zur Versteigerung. 1124 Die Krümperverwaltuug. Diesen 4nK» Güte *. PMsswdfa- keil HtrporragtBä«! yealffirs- kahee eepfüMf ataeUßesiik’s Emil Fischbach Glessen. Schepelers Kaffee in jedem Haushalt. Städt. Schlachthaus. Freibank Heute uud morgen: 891 OaMßkW 56 Pfg. la. cchtcFmksnckr Würstel mit dem echten Stempel von Frankfurt a. 9JL, anerkannt bestes Fabrikat, ferner: la. Cervelatwurst, Leberwurst, Rotwurst, Truffelwurst, Fuldaer Schwär- teumageu, Gäuscbrust, ger. Lachs, la. Hochs, grobk. Caviarrc. empsiehlt 1127 C. G. Ukeinhenn, Delikatessen-, Fisch-u. GeMgelhdl. Bratbückliuge eingetroffen. [1143 A. Koch Nachfolger, Kaufhaus zur Sonne, Schulstr. 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Weisel, Telephon 235. Sonnenstraße 6. Tanz-Unterricht Weitere gefl. Anmeldungen für den neuen Unterrichtskursus nehme ich noch täglich entgegen. Privatunterricht für einzelne und mehrere Personen erteile ich zu jeder Tageszeit. 1009 Achttmgsvoll Joseph Möhl, Tanzlehrer. Seip’s Universum Patent-Instrumental- Piano-Orchester prachtvoll in Ausstattung, entzückend in Musik, feine ordinäre Radaumusik. [1118 Frankfurter Musikwerte Friedrich Seip, Arankfurt a. M. ßaisrrir. 71, direkt am Hauptbahnhof. Größte Firma in Deutschland in großen Mufikmerken (elektrische Pianos), welche stets in Augenschein genommen werden können, und fast stets circa 20 große, 12 mittlere Musikwerke für eleftr. Betrieb, Federaufzug u. Gewichtsaufzug, sowie größere Anzahl Dlusikautomaten und 3—6 eleftr. Pianos. Fachmännische koulante Bedienung, Zahliurgserletchter- ung. 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Gladbacher Fenerversichernngs - Gesellschaft Wir bringen hiermit zur Anzeige, daß wir dem Hern» August Mail IS., Kaufmann in Hießen, die infolge Wegzuges unseres bisherigen Vertreters, Herrn MatthLus Setzer frei gewordene Haupt-Agentur unserer Gesellschaft übertragen haben. Offenbach, den 3. Februar 1908. 1141 Die Gemral-Agnttur: J. Möller. Bezugnehmend auf obige Annonce hatte ich mich zur Vermittelung von Feuer-, Explosiouö- und GlaS-Verficheruu-e« bestens empfohlen und erkläre niich zu jeder Auskunft gern bereit, August Noll II. Jedes Quantum la. Braunkohlen-Briketts wird ab Werk zu billigsten Tagespreisen, 65 bis 70 Pfg. per Eentner abgegeben. 1183 Grabe Friedrich bei Hnngen. Sargmagazin W Tränier 12 Maigasse 12. Lager in fertigen Särgen in Eichen- nnh Tmechtz in jeder Preislage. 275 Lieferung von Metallsärgen. MmpsrnMem SttttinsrnÖro^ 4 Jac. 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