Erstes Blatt. Montag 5. Oktober 1903 anfl Beck. Nr 233 •rfd)cio< tLgttch außer Somnag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener SiimUten- blütter viermal in der Woche betgetegt RotattonSdrnck «.«erlog der Brü hl'fche» Untverf.-Buch' u. 6tem- drneterrt (Pietsch Lrdca- Be-ngspretKr monalirch 75 Ißt, viertel- jährlich ML. 2JO; durch Abhote- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Wik. 2.— ütertcl- lährl. auLschl. Bestellg. Nnnalsme von Lnzetgea üi Die Lagesnummer jU3 vormittag- 10 Uhr. ^etienpreiS. lokal 12 Pf, GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Volttische Wochenschau. Gieße«, 5. Oktober. Die deutsche Städtenusstetlung in Dresden rsttn ber nerg an gen en Woche geschlossen worden. Kurz zuvor hat ihr noch Reichskanzler Graf Bülow einen Besuch abgestattet mtb dabei eine recht schöne Rede gehalten über bte Bedeutung der Städte und über Oberburaer» meister als Minister. Zweifellos paßt nicht jedes Stadtoberhaupt auf einen Ministersessel, nicht jeder eignet srch für erne selbständig leitende höchste Verwaltungsstelle. In entern seiner Briefe an Otto v. Manteuffel entwirft Bismarck einmal ein Btld von einem bayrischen Minister, dessen Befähigung, Charakter, Gründlichkeit und ^-lmß er rühmt, dessen Offenheit ihm gefällt, dessen Recht- yaberet aber „einem leichteren Fortgang der Geschäfte hemmend entgegentrttt", und dessen sehr reizbares Naturell rym manchen argen Streich spielt. Mer so w'e wir in Hessen bereits die allerbesten Erfahrungen mit Oberbürgermeistern als Ministern gemacht haben, so» würde vielleicht auch in Preußen dadurch ein frischer unL> freier Zug in die stagnierende Regierungspolitik kormnen und man würbe viel- leicht gar bald mit den sich der Kanalvorlage ent- gegenstehenben Schwierigkeiten fertig werden. Neuerdings wird der „Weserztg." bestätigt, daß die wasserwirtschaftliche Vorlage mit dem Mittalland-Kanal in diesem Winter neu eingebracht wird. Ter Kaiser habe unbedingt an dem Mittelland-Kanal festgehalten. Daß die Sozialdemokratie als Partei bei den preuß. Landtagswahlen erhebliche Erfolge erzielen und irgendwie nennenswerten Einfluß auf die Konstellatton der Parteien im Berliner Abgeordnetenhause gewinnen könnte, ist nicht anztmehmen. Einmal ist die entschieden ablehnende Haltung der freisinnigen Parteien ihrem Liebeswerben gegenüber dtrrch den Anschluß der Nationalliberalen nur noch gefestigt, zum! amderen aber hat der Verlauf des Dresdener Parteitages und nicht weniger dessen Nachklänge in der Presse doch wohl Teile t>er Arbeiterschaft stutzig gemacht. Wenn man bte Situation, wie sie sich innerhalb der Partei Bebels jetzt darstellt, überschaut, dann muß man feststeHen, daß eigentlich niemand zufrieden und die Erregung der „Genossen" fast noch größer ist, als sie in Dresden war. Die Saat, die dort ausgestreut wurde, beginnt jetzt, aufzugehen; die langp Reihe von Angriffen, von Verteidigung- und Rechtfertigungsversuchen, die die Auseinandersetzungen auf dem Parteitage zur Folge gehabt haben, offenbarte die innere Schwache des sozialdemokratischen Gedankens besser, wie die eingehendsten theoretischen Betrachtungen das zu tun vermögen, und die Nachwirkung wird nicht ausbleiben. Mag sie atrch noch etwas aus sich warten lasten, kommen wird sie ganz sicher, und die Mandatsniederlegung Göhre s und anderer Herren von der äußersten Linken in Nord und Süd, diese neueste Erscheinung auf dem „genossenschaftlichen" Kampfplätze, erscheint uns als der erste Ankäufer. Mag Göhre seinen Schritt auch mit dem Mißtrauen begründen, das ihn innerhalb der Partei umgebe, in WirklichLit wird es doch das Mißbehagen sein, als Vertreter der zügellosesten Parteileidenschaft sich vor dem Volke zu präsentieren, das ihn zür seinem Verzicht drängte. Göhre müßte kein gebildeter und anständiger Manu sein, wenn er nach der Behandlung, die ihm zu teil geworden, nicht allmählich ganz wieder verschwinden würde ans der sozialdemokratischen Bewegung. Und nach Göhre und Hildcnbrandt werden vielleicht die anderen folgen, die Heine, Braun, Maurenbrecher, Bernstein, Bernhardt, David (vgl. unsere heutige Kvrre- spondenz aus Mainz) und wie sie alle heißen, wenn auch nur, um sich wbseits zu stellen von der Vasallemnaste des Diktators Bebel und ihre Aufklärungsarbeit und Reform- tättgkett frei vom Joch der „Genossen" fortzusetzen. Jedenfalls ist an Frieden innerhalb der Sozialdemokratie nicht zu denken, so lange der Revisionismus in ihr fortwirkt. Am Revisionismus wird sie gesunden oder zu Grunde gehen. Auf das Gebiet der hohen Politik übertragen, könnte man diesen letzten Satz, um noch die Situation, die die letzte Woche im Auslande gestaltet hat, kurz zu streifen, auch auf den Balkan Miwenden. Auch dort kann der Revisionismus, in seiner reformierenden Bedeutung verstanden, nur noch den einen oder anderen Effekt haben. Sind die Reformen, die Rußland und Oesterreich durchsetzen wollen, nicht gründlicher Natur, dann werden auch die Balkan- Volker sich in gegenseitiger Zerreibung verbluten. Im anderen Falle könnte es wohl gelingen, für absehbare Zeiten die Gefahr zu bannen, die dem europäischen Frieden von dort her ständig droht. Erfteulicherweise hat der Besuch, den in der vergangenen Woche von Darmstadt aus der Zar dem Kaiser Franz Josef abstattete, die Gewißheit gefestigt, daß beide Monarchen entschlossen sind, all ihren Einfluß zur Banmmg der vom Balkan her drohenden Gefahr aufzubieten. Die Trinksprüche, die beide Herrscher wechselten, ebenso wie die letzten Meldungen über die nun beendeten polittschen Konferenzen von Mürzsteg lassen darüber keinen Zweifel; das rechtfertigt die Hoffnung, daß in Müeedonien endlich Zu stände geschaffen werden, die geeignet find, die Bevölkerung zu beruhigen und Mord utti> Totschlag, Raub und Plünderung, die noch immer an der Tagesordnung sind, zu bannen. — Offiziös wird bestätigt, daß bei den Besprechungen zwischen den Grafen Lambsdorff und Golnchowsky eine Erweiterung des Reform-Programms stattgefunden hat. Vor allem soll, wie eS heißt, eine internationale Ueberwachungs-Kommission geschaffen werden, welche die Durchführung der vvn den Mächten im Frühjahr gemachten R»form-Vorsch5äge zu kontrollieren hat und dafür sorgen soll, daß die Repatriierung der bulgarischen Flüchtlinge sowie die Wiederherstellung der von den Türken zerstörten Wohnstätten vollzogen wird. Der Wiener „N. Fr. Pr." zufolge werden Oesterreich-llngarn und Rußland auf Grund der Beschlüsse der Mürzsteger Konferenzen der Pforte und Bulgarien identische Vtoten überreichen. Der Zar ist absolut für Ausrechterhaltung des Friedens und gegen jede Intervention. Auch die Frage der Zurücksend- ung der aus der Türkei nach Bulgarien geflüchteten Mazedonier ist in Mürzsteg zur Sprache gekommen. Auch in Marokko scheint sich die Situation ihrer Lösung und Klärmrg zuwenden zu wollen; allerdings ihrer gewaltsa men Lösung. Die allgemeine Ausweisung aller Europäer durch den Sultan dürfte der französischen Regierung den letzten Anstoß gegeben haben zur Ausführung ihrer lärrgst schon gehegten Absicht, mit bewaffneter Hand-in dem nordasrikonischen Kaiserreich zu intervenieren und es dadurch für alle Zeit dem Einflüsse der europäischer Kultur offen zu hatten. Zwar leugnet man in Paris noch das Vorhandensein dieser Absicht, aber die Vorbereitungen, die seitens der Militärverwaltung getroffen werden, die Ausrüstung der in Algier und Tunis stehenden Truppen, der Aufkauf aller irgendwie aufzutreibenden Kamele und manch anderes mehr lassen erkennen, was es mit diesen Ableugnungen für eine Bewandtnis hat. Frankreich wird sich binnen kürzester Zeit seinen Einfluß in Marokko für immer gesichert haben. Der Ministerpräsident CombeS wird es schon verstehen, alle die Hindernisse zu beseitigen, die ihm bei diesem Plane im Wege stehen. Er will durch die Marokko-Expedition die Aufmerksamkeit der durch die Kulturkampf-Gesetze empörten gläubigen Menge von dem nrneren Hader ablenken und steht bereits, wie der Pariser „Jntrcmsigeant" soeben versichert, int Begriff, sich von drei seiner Minister-Kollegen zu trennen, nämlich vom Kriegsminister Andrä, dem Unterrichtsminister Chaumier und dem Handelsminister Maruejols. Nachfolger werden wohl ein paar Herren werden, die dem neuen afrikanischen Aben- teiier sympathischer gegenüb ersteh en als die drei genannten. Volttische Tagesschau. Tas neue bayerische Laudtagswahlgesetz. Der der bayerischen Kammer der Abgeordneten zua^ gangene Entwurf eines neuen Landtags-Wahlgesetzes bestimmt, daß im Turschnitt auf je 38000 Einwohner ein Abgeordneter zu wählen ist, und zwar nach dem Ergebnis der amtlichen Volkszählung vom 1. Dezember 1900. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist auf 163 festgesetzt. Wahlberechtigt ist jeder bayerische Staatsangehörige, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat, seit mindestens einem Jahre die bayerische Staatsangehörigkeit besitzt und mindestens seit einem Jähre direkte Steuern zahlt. Die Ausübung des Wahlrechts ist bedingt durch die Leistung des Verfassungseides. Für die Wählbarkeit zum Mgeordneten ist außerdem die Zurücklegung des 30. Lebensjahres erforderlich Die Wähl ist direkt und geheim und erfolgt durch relative Mehrheit der abgegebenen Stimmen mit der Einschränkung, baß der Gewählte wenig st enseinDrittel der abgegebenen Stimmen aus sich vereinigen muß. Der Gesetzentwurf, der ttn ganzen 40 neue Artikel enthält, soll schvg für die nächsten Wahlen in Kraft treten. Einen integrierenden Bestandteil des Gesetzes bildet die Einteilung der Wahlkreise. Für 30 Wahlkreisesind je zwei Abgeordnete, für 103 Wahlkreise nur je ein Abgeordneter vorgesehen. Unter der imteren Grenze von 32000 Einwohnern eines Kreises für einen Abgeordneten und 64 000 Einwohnern für zwei Abgeordnete bleibt kein Wahlkreis zurück. Die obere Grenze mit 44 000 bezw. 88 000 Einwohnern wird nur von wenigen städttschen Wahlkreisen um ein wenig überschritten. Oberbayern erhält 34, Niederbayern 18, die Pfalz 22, die Oberpfalz 15, Oberfranken 16, Mittelfranken 21, Unter franken 18, Schwaben 19 Abgeordnete. München Stadt und Land erhält statt 9 jetzt 13, Nürnberg statt bisher 4 jetzt 6 M- geordnete. Zur Frage der Wohuungsaufficht nehmen jetzt auch die anderen Bundesstaaten in um» fassender Weise Stellung, nachdem Hessen auf diesem Gebiete bahnbrecheno vorgegcmgen tst. Sachsen be- Gießener Stadttheater. Der blinde Passagier. Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg. „Wir fuhren allein nn dunklen Postwagerr die ganze Nacht, Wir ruhten einander am Herzen, Wir haben gescherzt und gelacht. Doch als es morgens tagte, Mein Kind, wie staunten wir! Denn zwischen uns saß Amor, Der blinde Passagier/ Aus Heinrich Heine's .Heimkehr^ Die Verse haben Blumenthal und Kadelburg zu einem neuen Titel verhalfen, unter den ein vorgeblich neues Stück gellebt wurde. Für viele ist heute nicht mehr das Land, wo die Zittonen blühen, des Lebens größte Sehnsucht. Seit Ibsen in ,Brand" und „Peer Gynt^, und Björnson in den meisten seiner zahlreichen Werke vom geheimnisvollen Zauber der nordischen Natur uns kündeten, übt sie ihre Macht auf eine stattliche Zahl der modernen Kulturmenschen, sie soll Erholung und neue Kraft zum Kulturgenuß geben und zum willigen Ausharren in der Tretmühle der Alltagsarbeit. Doch nicht jedermanns Sache ist es, sich Fährlichkeiten auszusetzen oder gar sich schiffbrüchig zu denen zu gesellen, „die grollend ausgeworfen das Meer", wie's jüngst einem Gießener Ehepaare dort oben ergangen sein soll; nicht jeder hat Zeit und Geld zu einer Nordlandsreise und möchte ttotzdem die Mode ein wenig mitmachen. Nun hat er bequeme Gelegenheit z" einer. Seeuntüchtigen besonders empfehlenswerten Vergnügungsfahrt nach den Lofoten und der Mitternachtssonne auf der „Viktoria Luise", wenn auch einer bestimmten Klasie von Sommertouristen, denen, die in Minne reisen, nicht viel daran gelegen ist, daß um Mitternacht die Sonne scheine. Diese Reisegelegenheit ist wenigstens ^ganz unstrapaziös und dabei für manchen nicht minder fruchtbar als Nord- oder Südlandsfahrten, die mit Nundreise- heften und dem Bädeker oder Meyer in der Tasche aus den Flügeln des Dampfes unternommen werden, um ein neues Stück Welt mitsamt seinen Wundern im Fluge kennen zu i lernen. Und bte Herren Blumenthal und Kadelburg find gewiß auch weit weniger langweilig als offizielle Fremdenführer. Das haben fie schon in dem mit ,weißen Rößln" gesegneten Salzkammergut bewiesen. Der Götterknabe Amor schleicht sich heute nicht mehr in alte Postkutschen. Da unsere Gegenwart und Zukunft (einem hohen on dit zufolge) auf dem Wasser liegen sollen, scheint ihm ein mit allem Eomfort der Neuzeit auSgestatteter Ver- gnügungßdampfer eher standesgemäß. Mit der „Victoria Luise" also verlaflen wir im ersten Alle Hamburg, im zweiten haben wir festen norwegischen Boden unter den Füßen, im dritten vertreiben wir uns die Fahrt nach Tromsö mtt einem Ball an Bord. Der Effekt des Schlußaktes, zumal für alle Mittellandratten, ist klar. Der zweite Akt ist effektfrei. Der erste hat die Findigkeit der 311 Lande und zu Wasser treu alliierten Herren Verfaffer zu sehr ausgesogen. Zunächst ist die Dekoration selbst ein Effekt. Der Rauchsalon des Dampfers, die Schiffskapelle musiziert, das Schiff zieht schaukelnd durch die Wellen, fidulin — „Thalatta, Thalatta, sei mir gegrüßt, du ewiges Meer". Diese Szene in ihrer Lebendigkeit feffelte da§ Sonntagspubliklun aufs lebhafteste und sie war ganz vorzüglich ansgestattet. Dabei taumelt die Reisegesellschaft seekrank drircheinander, am drastischsten ganz vorn am Souffleurkasten Herr Conradi mit so verdächtigen Grimaffen, daß in der ersten Parkettreihe zu sitzen ftiufer Mannesmrtt gehört, bis er am Arm des Steward in seine Kabine stürzt, vermutlich um Heines Vorbild zu folgen: „Ich aber fitze und kaue verdrießlich einen alten Hering, den salzigen Tröster in Katzenjammer und Hundettübsal". Das Mittel hilft. Im 2. Akte, in Odde, ist Herr Conradi sehr obenauf, und wa§ ihn im dritten, wieder an Schiffes Bord, drückt, ist Uebelbcfinben nicht infolge der schaukelnden Schiffsbewegungen, sondern infolge der Erkenntnis, wieder wie am ersten Abend als Dorfrichter Adam, hinters „Licht" geführt worden zu sein. Schade, daß die Herren Verfaffer uns am Schluffe nicht in Bremen landen lassen. Dann würden wir wieder §cui€§ Spuren folgen, bei der Rose der Rosen im Ratskeller uns zum Glauben der Liebe bekehren, auf das Wohl unserer bittersten Feinde trinken und — allen schlechten Poeten vergeben. So aber werden wir in Awmsö ans Land gesetzt und entlaffen mit dem Gedankefi an — Lebertran. Mich schauderts, wie mein Vübkein. Mit Ernst — das Stück ist so äußerlich zusammengeflictt, daß man es mit kritischen Blicken nicht einmal streifen kann — sonst krachtS in allen Nähten. Aber die neue Direktton unseres Stadttheaters hat es so hübsch verbrämt, daß mir die Dauerhasttg- keit des Sonntagserfolges gesichert erscheint. Man wird zum „Blinden Paffagier" strömen, um die Wandeldekoration von HamlurrgS Hasen bis Blankenese und das sich schaukelnde Schiff mit seinem hoch eleganten Rauchsalon anzustaunen. Mit Berichten über Wafferwcmder mag'sich Reportage wohlgemut abgeben — die Kritik gehen sie nichts an; der sind hier die Pforten versperrt. Wollte sie ein ernstes Wöttlein wagen, würde es ihr — wieder ein Zitat von Heine — md Recht entgegendonnern: „Weg, Kritik, du fade, gelbe!" Auch die Schauspieler finden und geben keine Anregung, obwohl sich ja unsere Darsteller auch auf solchen Spaß zu verstehen scheinen. An der Spitze stmid mit treffsicherem Humor der bereits erwähnte Herr Cvnradi, alias Herr Bellermann aus Genthin, eine zweite, entsprechend dem Stoff des Stückes, stark verwässerte Auflage des GM- strttmpffabrikanten Giesecke aus dem „Weißen Rößl". Dieser biedere Philister ist eine jener Reisefiguren, die sich durch ihre vermeintlich sehr gemütliche Zudringlichkeit den anderen Passagieren sehr lästig machen. Herr Sandorsf gab einem verliebten, in Scheidung lebenden Ehemanns, einem Abbilde des flotten Rechtsanwalts und treulosen Ehemanns aus der Herren Verfasser „Großstadtlustth mehr wohltuende Wärnw als rasende 'Ähnsucht. Während Herr Tamke als Steward ein sehr gutes Hamburgisch markierte, plauschte Herr Pichler als Staatskabmen-Friedel ein ganz famoses echtes Weanerisch, ganz- ohne Karikatur. Diese beiden Herren boten überhaupt die besten Leistungen des Abends. Sie gaben sich, beide, namentlich aber Herr Pichler, ganz ungezwungen, waren am freiesten und flottesten in Sprache und Bewegungen, von naiver Herzhaftigkeit und scheinbarer Spontaneität. Amüsant ist die Jagd nadj, diesem Herrn Friedel, den man für einen Krösus hält, weil er die Staatskabine inne hat und überhaupt am vornehmsten reist unb bem es auch gelingt, ein dickes Fischchen Veranstaltung des evangelischen Arbeitervereins hat deutlich gezeigt, daß für solche Abende ein großes Bedürfnis vorhanden ist und daß man gern bald wieder etwas Aehnliches haben möchte. ** Gießener Volksbad. Im September wurden 9597 Bäder verabreicht gegen 8883 im August 1903 und 7291 im September 1902 oder im Durchschnitt auf den ganzen Vadetag 307 Bäder gegen 312 im August 1902 und 260 im September 1902. Aer Besuch hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3865 Männer, darunter 898 zu 10 Pfg., „ 1459 Frauen, , 361 , 10 r Wannenbäder 1. Klasse 256 Männer, 110 Frauen, , 2. , 551 , 430 „ Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 91 Männer und 13 Frauen, Brausebäder 1559 Männer und 263 Frauen. Die Personenwage wurde von 200 Personen benutzt, das Bad von 9 Personen besichtigt. Darmstadt, 3. Okt. Die ,D. Ztg." schreibt: Die fortwährenden Beschädigungen undVerunstaltungen des Goethedenkmals im Herrengarten und des Marrn orbrunnens am Olbrichhaus stellen dem Kunstsinn der hiesigen Einwohner, welche solche Verunglimpfungnn verüben, ein schlechtes Zeugnis aus. Man sollte die Schaffung solcher Kunstwerke zur Verschönerung unsrer denkmalsarmen Stadt freudig begrüßen, sie schützen und nicht durch so lächerliches Benehmen weitere Schöpfungen im öffentlichen Interesse erschweren oder gar unmöglich machen! Besonders müßten die Eltern auf ihre Kinder einwirken, daß diese nicht, wie es leider geschehen ist, die Denkmäler verunzieren. Man erhofft von dem Gemeinsinn unsrer Einwohner Unterstützung unsrer Anregung. Mainz, 3. Okt. Die hiesigen Sozialdemokraten hielten jüngst eine Versammlung ab, in welcher der Parteitag irr Dresden besprochen wurde. Der Delegierte Weiß wandte sich lebhaft gegen Mehring und verurteilte den s ch u l m e i st e r l i ch e n Ton Bebels und die Behandlung Göhres durch Bebel. Frau Dr. David, welche bekanntlich an Stelle chres Mannes vou den Mainzer Genossen nach Dresden geschickt worden war, wandte sich ebenfalls gegen Dtehrirrg und die ungerechte Behandlung Göhres durch Bebel zu Gunsten Mehrings. Die Vizepräsidentenftage hätte man am besten der Frattions- entscheidung überlassen, die aber Bebel gefürchtet hätte. Tie Resolution Bebel-Kautsky unterstelle den Revisionisten unwahre Ab sich t en. Die neue Gesellschaft könne nicht im Sturme erobert werden, sie sei vielmehr das Werk eines längs amen, zähen Ringens und eines organischen Aufbaues in opfervoller Kleinarbeit. Besonders beachtenswert ist aber die Versammlung deshalb, weil in der nunmehr folgenden Diskussion auch der in Dresden nicht anwesend gewesene Reichstagsabgeordnete und Revisionist Tr. David das Wort zu einer längeren Rede ergriff. Nach der Mainzer Volksztg. führt er aus: Der Dresdener Parteitag sei ein wenig erfreuliches Nachspiel nach dem glänzenden Wahlsieg vom 16. Juni, den Revisionisten und Radikale einträchtig errungen hätten. Einige Olympier hätten es für notwendig gehalten, ein peinigendes Gewitter" zu arrangieren Die Mitarbeiterschastsfrage und die BLzepräswentenfta.ge hätten das Material zu einer großen Mion gegen die Revisionisten abg^en müsserr. Es sei unwahr, daß die Revisionisten die Partei von ihrem historischen Boden des proletarischen Klass en kampfes ad- drängen und dem bürgerlichen Liberalismus angliedern wollten. Aus den erfreulicherweise kräftigen Antworten der Genossen v. Vollmar, Bernstein, Auer usw. sollten Behel, Kantsky u. o. die Lehre ziehen, der Einsicht, dem Charakter und der Ehre andersdenkender Parteigenossen dieselbe Achtung entgegcnzubringen, die sie für sich, selbst beanspruchen. Mau habe so von ober: herab von den Akademikern gesprochen; er müsse verlangen, daß seine Ehre als geistiger Arbeiter ebenso.anerkannt werde wie die jedes anderen Arbeiters. In der Diskussion hatte Genosse Liebmann vor den verkrachten Existenzen aus dem bürgerlichen Lager gewarnt. Dr. David belehrte ihn, daß diese Leute in ihrem Berufe gerade deswegen nicht vorwärts gekommen seien, weil sie schon Sozialdemokraten gewesen seien. David ging es bekanntlich so. Er war, wie männiglich bekannt, zuletzt Lehramtsassess or am Gymnasium zu Gießen. Weiter meinte David, cs habe den Anschein, als ob jeder ginnt nunmehr seine Fürsorge auf die? Gebiet zu erstrecken. Zunächst haben die königlich sächsischen Amtshauptmannschaften, denen die Verwaltung der industriellen Gebiete obliegt, Polizeiverordnungen bett. die Beaufsichtigung von Mietwohnungen, sowie der zum Aufenthalt von Dienstboten, Gewerbegehilfen, Lehrlingen und Arbeiter bestimmten Räume erlassen. Die unter den Erlaß fallenden Mietwohnungen und Schlafstellen sind in regelmäßigen Zwischen- räumen darauf zu untersuchen, daß ihre innere Einrichtung die Sicherheit, Gesundheit und Sittlichkeit der Bewohner ilicht gefährdet; andere Wohnräume und die zum Aufenthalt von Dienpboten, tz^ewerbegehilsen, Lehrlingen usw. bestimmten Räume sind in besonderen Füllen und zwar namentlich dann zu revidieren, wenn bekannt wird, daß aus ihrer Benutzung hygienische oder sittliche ^Nachteile zu befürchten sind. Aus Stadt unö AanS. Gießen, 5. Oktober 1903. ♦* Ludwig Richtcr-Ab end. Mehrere Hundert Kinder urrd Erwachsene begrüßten gestern abend Ludwig Richter, den Maler und Zeichner, der am 27. September vor 100-Jahren das Licht der Welt erblickte. In ärmlichen Verhältnissen wuchs er als Sohn eines einfachen Zeichners und Kupferstechers in einer Vorstadt Dresdens auf. Wie sich In ihm ftüh das Talent regte, wie er in der Schule statt seiner Rechenexempel Zeichnungen auf die Schiefertafel kritzelte, wurde von Pfarrer Euler, der dies kleine Lebensbild vortrug, hübsch erzählt. Als Zwanzigjähriger kam Richter rrach Rom in die Strömung der Nazarener, wo er sich besonders Schnorr 'tarn Carolsfeld anschloß, yiach Jahren kommt er in die Heimat zurück und krankt an Heimweh nach Rom Als armer Zeichenlehrer in Meißen projektiert er eine neue Reise nach dem Süden; das Geld dazu muß er sich. geradezu erhungern. Ta erkrankt feine Frau, mit) seine ersparten Mittel reichen nur zu einer Elbwanderung nach dem Mittelgebirge. Hier gehen ihm dre Augen auf über die Schönheit seiner deutschen Heimat; voll Lust und Freude schafft er Bilder, die ihn dem deutschen Hause unvergeßlich machen. In seinem großen Fleiß schickte er unzählige Bilder in die Welt. Als Lehrer an die Dresdener Akademie berufen, hat er dann im Leben viel Freuden, aber auch viel Leiden gehabt. Er wurde später beinahe blind, aber feinen frischen Sinn und sein Gottvertrauen bewahrte er sich bis an sein Ende. — Eine große Anzahl ferner Bilder wanderten gestern abend an uns vorüber. Er ist wirrer der gemütstiessten deutschen Maler. Er malt nicht große L^ensmomente, er philosophiert nicht über Probleme, er gibt uns fchlickcke, liebe Bilder aus dem deutschen Haus und der deutscher: Heimat und erinnert uns mit seinen Holzschnitten aus den Märchen an unsere Jugend. Eine große Famllie, die sich aus dem evangelischen Arbeiterverein zusammengetan hat und die große Turnhalle bis auf den letzten Platz füllte, lauschte gestern den Klängen dieser Kunst. Viele Kinder, blondlockige, großäugige Linder, wie sie Richter so gern malte, wurden von ihren Wern in die Höhe gehoben und schauten sich verwundert um Die kleine Well fühlte sich sehr heimisch und gemütlich. Ein kleiner Bengel, auffallend erweise mit langem Säbel angetan, war zu beobachten, wie er im Saale umherstrich, vou einem guten Platz, zu einem anderem Die Vorführung der Lichtbilder wurde in ihrer Wirkung gehoben durch entsprechende Gesänge und Dellaumtionen, zumeist aus Kindermunde, die Gesäuge unter dem Dirigenten Herrn Gernhardt. Tn kam ein Bildchen, wie ein lleiner, frischer Junge, mit 'ner Bretzel in der Faust, vergeblich ficE), bemüht, die Tür zu öffnen, auf die das pausbäckige Ännemariechen die-Arme stützt und herunterguckt auf den Bretzelbesitzer. Das gefiel den vielen anwesenden Kleinen ausnehmend, sie klatschten stürmisch in die Hände, und der Kinderchor mußte wiedMoll singen: ^Annemarie komm' komm' komm'. Laß wich doch mal ein, Hab' ’ne Bretzel krumm krumm krumm, Ist auch Butter drein." Die Bilder nach Maus Groth's llcinen Dichtungen wurden alle mit Jubel ausgenommen. Mehrmals ertönten auch die feierlichen Klänge des Harmoniums und schöne Gesänge des gemischten des Vereins. Am Sck)luß wurde das Bildnis Ludwig Richters gezeigt, des allen, prächtigen Mannes mll dem langen Kuustlerhaar. — Die willkommen sei, wenn ■ er sich nur recht radikal zeige, waA jedoch keinen Mut erfordere. Die Radikalen sollten herum lieber ihre unschönen Angriffe lassen. Die Resolütion Bebel- Kautsky-Singer treffe, was anzuerkennen sei, nur den „praktischen Revisionismus", den theoretischen, das Prinzip der voraussetzungslosen wissenschaftlichen Selbstkritik lasse sie unangetastet. Der praktische Revisionismus sei aber nur ein Phantasie Produkt der Verfasser der Resolution. Der Parteitag wäre besser Molkenbuhr gefolgt und hätte auf eine Abstimmung über die Resolution verzichtet. Er hätte mll „Nein" gestinrmt, weil einige ultra- radikale Genossen mit der Resolution eine Anzahl bewährter und verdienter Genossen als unsichere Kantonisten verdächtigen wollten, die Resolution auch prakttsch unhaltbare Amendierungen enthalte. Nur durch einmütigen Kampf gegen die Jnteressenpolitik bei; herrschenden Klasse und durch Arbeit an der Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage könnten die 81 Abgeordneten das Vertrauen der drei Millionen Wähler rechtfertigen. Trotz abweichender Meinungen über einzelne theoretische und praktische Fragen sollten sich alle als gute Kampfgenossen achten. Die Volkszeitung verzeichnet am Ende lebhaften Beifall und Händeklatschen. Vermischtes. * Fähnrich Hüsseuer erllärte, wie aus Kiel berichtet wird, die ihm zudiktterte Festungsstrafe in Magdeburg verbüßen zu wollen. Darauf wurde seine Abführung dorthin verfügt. * Panik in einer Synagoge. In dem galizischen Städtchen Strzeliska Nowo bei Bvbrka entstand am jüdischen Versöhnungstage in der Synagoge aus die Nachricht, daß im Orte .Feuer ausgebrochen sei, eine furchtbare Panik. Hunderte von Frauen, die auf der Galerie beteten, stürzten nach dem Ausgang. In dem engen Treppenhause fielen sie haufenweise.übereinander und verrammelten die Ausgangstür mit ihren. Körpern. Um Raum zu schaffen, mußte eine Zwischenwand im 1. Stockwerke der Synagoge niedergerissen werden. Drei Frauen sind tot oder lebensgefährlich verletzt, viele andere erlitten leichtere Verletzungen. * Ein Pistolenduell zwischen Bauern. Wir lesen in der „N. B. Landesztg.": Zwischen den Bauern Alois Toty und Josef Harmath in Kis-Telek fand ein Pistolenduell statt. Tie beiden sind Nachbarn und seit längerer Zeit verfeindet. Am Samstag abend trafen sie sich auf dem Felde und gerieten in einen Wortwechsel, der so erregt wurde, daß sie ihn mit Waffen auszutragen beschlossen. Jeder lief in seine Wohnung und holte sich eine Pistole Sie ttafen sich gleich darauf, und ein Verwandter des Harmath machte den Unparteiischen. Der „Unparteiisch^ kommandierte für beide gleichzeitig „Feuer!" Hrmath wurde am Arm^ schwer verletzt, sein Gegner stürzte mit einem Schuß in den Unterleib zusammen. Als Harmath dies sah, lief er trotz seiner Verwundung davon; der andere wurde in seine Wohnung gebracht und liegt im S t e r b e n. Harmath wurde verhaftet. Gerichtssaal. — Leipzig, 2. Okt. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Rechtsanwalts Max Liebling I und des Agenten Raphael Coro, die wegen versuchter Erpressung am 23. Juni er. vom Langericht i in Berlin zu Gefängnis verutteill worden waren; ferner wurde die Revision des Kaufmanns Wilhelm Bethke und des Maurernneisters, jetzigen Rentiers Friedrich Brandt verworfen, welche wegen Beleidigung des Grafen Douglas in Sachen der Brandtschen Millionenerbschast, begangen durch eine Broschüre, vom Landgericht I Berlin am 19. Dezember 1902 zu Gefängnis verurteilt worden waren. — Budapest, 4. Okt. Gestern wurden in Komorn ungefähr 50 Soldaten, die sich weigerten weiter zu dienen, zu Strafen von 8 bis 12 Monaten Kerker und zu strafweiser Abdienung verurthellt. Üsi QÖ710*1172fTPI! kommt Wnndsein und Wundliegen häu- övä sig vor. Dagegen, sowie auch gegen sog. Kopfgrind und p)autausschläge hilft sicher Obermeyer's Herba- Seife. Z. h. i. all. Apoth., Trog. u. Parf. Geschäfts - Empfehlungen liefert billigst vrühl'sche llniversltäts-Dmckere;, Sietzen. wegz«.schnuppen, obwohl er mir ein armes Hascher! ist, ein Eisenbahufchallerbeamter, der das Blllet zu der Vergnügungsreise — in einer Lotterie gewonnen Hut! Auch das Schiffspersonal hatte in den wesentlicheren Rollen eine geeignete Vertretung gefunden, so war Herr Linz en ein prächtiger Kapitän und Exweib er feind, und Herr Engel- fchmid t ein hübsches Kontersei des Prinzen Heinrich; neben manchen darstellerischen Vorzügen ist ihm leider ein konsequentes Sprechen ins Publittrm eigen, das auf die Dauer sehr störend wirkt, zumal er seine Worte nie an seinen Partner, sondern immer an den Sperrsitz richtete. Eine flüchtig verheiratet gewesene Dame, die in Berlin die Ehescheidung beanttagt hat und in Norwegen plötzlich Angst davor bekommt, daß sie wirklich geschieden lverden könnte, fand in Frl. Hohl eine elegante, liebenswürdige und anmutige Vertretung. Die Damen Hell berg, Lembach und Hagen und die Herren Teleky, Achterberg und Kna b e bekamen willkommene Gelegenheit verliebt zu sein. Und schließlich brachte es Amor auch zu Wege, daß vier Töpfchen chre Deckelchen kriegten, nachdem er die einen begünstigt, die anderen genarrt und viel Verwirrung an- gerichtet hatte. Er brachte wieder zusammen, was sich für immer trennen wollte; er führte zwei ahnungslose Herzen zusammen und sttafte den Eigennützigen, der thil mißbrauchen wollte, er kehrte sicy nicht an die Schiffsdisziplin, die dem liebenden Gatten nicht gestatten will,- seine junge Frau mitzunehmen, und rächce sich durch sie an dem theoretischen Weiberfeind, und er schlug den leichtfertigen Jüngling, der ihn zu betrügen hoffte, in unauflösliche Mrnde. Das Zusammenspiel ließ hier und da noch ein Weniges zu wünschen übrig, zeigte aber emsiges Streben auch bei Anfängern, denen es noch an Routine und. dem rechten Bühnenschliff mangelt. Docy^ — um nochmals Heine zu bemühen — „wie der Winterwanderer des Abends sich sehnt nach einer warmen, innigen Tasse Tee", so toirb die Künstler schar nun, nach „Liselott" und dem „blinden Passa- giett’, sich höhere Aufgaben moderner Dramatik ersehnen, um ihre reichen Schätze vor einer dankbaren Hörerschaft auszubreiten, die die Hoffnung hat, den vergangenen Winter unseres theatralischen Mißvergnügens nun in glorreichen Sommer jW wandeln zu sehen. P. W. u ftu s v o n L i e b i g", sein Leben und Wirken, auf Grund der besten unb zuverlässigsten Queller: geschildert von Dr. Adoll Ko Hut. Mit ungebruefteu Briesen Liebigs, zwei Briefen Liebigs in Faksimile unb 34 Origuralillustra- tionen. Gießen, Verlag von Emil Roth. Preis in Leinenbcmb 6 Mark. — Das Buch kommt ja ein wenig post festum, ein halbes Jahr nach bes genialen Begrüubers her mobenten chemischen Wissenschaft 100. Geburtstage. Dafür aber berichtet es auch bereits in seinem letzten, 15. Kapitel sehr ausführlich über bie Hunbertjahrseiern in Tarmstabt, Gießen (hier unter wörtlicher Zitierung des Berichtes im Gieß. Anz. vom 12. unb 13. Mai d. I.), München, Frankfurt, Hannover, Karlsruhe, Berlin unb Wien. Dr. Kohut, ber fein Fachmann, aber ein gewanbter unb geschickter Compilator ist unb flott zu plaubern versteht, gibt hier eine im besten Sinne volkstüml ich. zu nennenbe Darstellung bes Lebens gang es Liebigs, so- bas stattliche Buch Anspruck barauf hat, ein wertvoller Schatz jebes ober hessisch en Bauern- unb Bürgerhaus es zu werben. Hier in Gießen verbient bas Buch allgemeine Beachtung wegen feiner zahlreichen interessanten Reminisz enzen an bie Gießener Zeit um bieMitte bes vorigen Jahr hunderts. Tie Seiten 46—236, bieten davon außerordentlich " viel Interessantes. — Wir haben die Absicht, Biruchstücke daraus unseren Lesern mitzuteilen. Am liebster: fteilick) druckten wir das ganze Buch ab. Ta das aber bekanntlich uach> der deutschen Urhebergesetzgebung mit gutem Rechte verboten ist, so müssen wir uns darauf beschjrüuken, die Lektüre des Buches jedermann zu empfehlen. Tas 6. Kapitel dürste ganz besonders unseren Bauern lehrreich sein; es werden in ihm Liebigs große Verdienste um bie ruo- berne Lanbwirtschaft in allgemein verstänblicher Form bargelegt. Die zahlreichen vortrefflichen Jllusttattonen beleben bas schöne Buch ungemein. Auch hier ist vieles geboten, was hier in Ob er Hessen besonders ansprechen dürfte. Die Ausstattung des vortresilicheu Buches vereint Gediegenheit mit feinem Geschmack. Es ist ein Geschenk'werk ersten Ranges unb sollte w ganz Oberchessen auf keinem Weihnachtstische fehlen. Frankfurt a. M., 3. Ott. Herr Arthur Bauer beabsichtigt zum 1. Oktober 1904 aus dem Verbände des Frankfurter Schauspielhauses aus zu scheid em Frankfurter Oper. Die dreiattige Oper „Die Meeresbraut" von Jan Blocks (Text von Nestor be Tiöre) wirb am 18. Oktober ihre erste deutsche Ausführung im Frankfurter Opernhause erleben. Im Kunst verein in Frankfu rt a. M. ist, wie man uns schreibt, gegenwärtig neben Werken einheimischer und auswärtiger Künstler eine größere Kollektion von Gemälden französischer Meister ausgestellt, in welcher Corot, Tagnan^Bouveret, Danvigny, Telpy, Dupro, Guig- narb, Rousseau u. a. m. vertreten sinb. Zu Anfang ber nächsten Woche wirb im Frankfurter Kunstverem eine große Souderausstellung von Franz Courtens-Brüssel eröffnet, bie zu (Silbe bieses Monats von der „5. Jahresausstellung der Frankfurter Künstler abgelöst wirb., Berlin, 4. Okt. (Wagnerserer.) Heute mittag sanb in ber Singakademie ein geistlich es Kon z er t des königlichen Domchores unter Leitung des > Musikdirektors Prüfer unb unter Mitwirkung von Fräulein Jmnne Fla- ment-Brüssel und Fräulein 9lofa Olitzlä-Lonbon statt. Das Programm bilbeten Kompositionen von Palestr in a, Kuhnan, Bach, Bizet, Pergolese, Schreck-Leipzig, Menbelssohn, Brahms, Professor Flügel-Breslau unb Professor Albert Becker. Tie vollenbeteu Vortrüge bes Domchors ernteten lebhaftesten Beifall, namenttich ber Passionsgesang von Schreck, ber Feftspruch von Brahms, bas Weihnachtslied von Flügel unb das Chorlied von Becker. Agnes S o r m a, die gestern ihr Gastspiel am Frankfurter Schauspielhaus begann unb am Donnerstag mit der Rolle bes „Rautenbelein" beschließt, wirb von Wiesbaden aus, wo sie am Ende der Woche gastiert, nächsten M o n t a g, den 12. Oktober, hierher kommen, um auch hier als Rautendelein aufzutteten. Da die Vorstellung als erste Theatervereinsvors'tellung stattfinbet, in ber fast c.Lc Plätze (s. bie Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil) von den Mitgliedern des Vereins in Anspruch genommen sind, so ist sonstigen Theaterfreunden zu empfehlen, daß sie sich sogleich Plätze vormerken lassen. Wahrscheinlich werden wir die große Künstlerin zum letzten Male in Gießen sehen, da sie ihre Gastspiellättgkeit, wenn nicht ganz aufzugeden, so doch p hr einzuschränten und, wie wir bereits nutteüten, wieder in festes Engagement zu gehen beabsichttgt. Für die letzten drei Monate dieses Winters hat sie sich^ bereits dem Neuen Theater in Berlln verpflichtet. In unser Handelsregister wurde heute bezüglich der Firma I. H» Jhring in Lich eingetragen: Offene Handelsgesellschaft. Heinrich Jhring ist in das Geschäft als persönlich hastender Gesellschafter eingetreten. Die Gesellschaft hat am 1. Oktober 1903 begonnen. Dem Buchhalter Arthur Achard in Lich ist Prokura erteilt. Die seitherige Prokura des Heinrich Jhring ist erloschen. Lich, den 2. Oktober 1903. 7483 _____________Großherzogliches Amtsgericht.______________ Harrsh alturrgss chule. Montag den 19. Oktober d. I., vormittags 10 Uür, soll im Schulhäufe in der Neustadt ein achtwöchiger Kursus für deu hauswirtschafttichen Unterricht eingerichtet werden. Es wird tn weiblichen Handarbeiten, besonders aber im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushalts Unterricht erteilt. Anmeldungen werden zur angegebenen Zeit im ge- naunteu Schulhause oder auch schon vorher von Herrn Hauptlehrer Schaaf eutgegeugenommeu. Gießen, den 2. Oktober 1903. 7473 Mecum, Oberbürgermeister.Hahn, Rektor. MobMen-Versteigeimng. Mittwoch den 7. l. Mts., vormittags 9 Uhr anfangend, sollen in Grünberg m dem Schmidt'schen Wohnhaus an der Londorser Straße die zur Konkursmasse des Direktors Bamberger gehörigen Mobilien versteigert werden. Es kommen zum Ausgebot: a. Salon mit Divan, 4 Sessel, Spiegel, Tisch, Verttkow, Trumeau; hierzu Fenslervorhänge und Portiere. b. Wohn- und Eßzimmer, Eichen-Ausstattung und zwar: Buffet, Ausziehtisch, 6 Stühle, Divan mit Spiegel und Paneelbrett, Servirtisch, Uhr und Damenschreibtisch; hierzu Fensteroorhänge und Portißre. c Schlafzimmer mit zwei vollständigen Betten, Nachttische, Waschtisch mit Spiegelaufsatz und Marmorplatte, Waichgarnitur, Kleiderschrank mit Spiegelscheibe, Divan, 2 Stühle, sowie Vorhänge, Teppiche und Bettvorlagen. ä. Fremdenzimmer-Einrichtung, wobei em großer zweitüriger Kleiderschrank. Ferner werden versteigert: - Weißzeug und Kleider, eine Badewanne von Zmk, ein Eisschrank, ein Glasschrank, Gesindebett re., sowie 2 Eßbestecke, Porzellan, Glassachen und eine Bibliothek von ca. 100 Bände mit Romanen, 2 Bände moderne Kunst u. s. w. 1 Fahrrad, 1 Selterswasser-Apparat. Die Möbel sind nur 2 Jahre im Gebrauch gewesen^ und daher noch wie neu. 7425 Grünberg.Der Mameverwalter. Grrverlxrverein. Dienstag den 6. Oktober, abends 8*/2 Uhr, findet im Ncstanrant Feidel der erste Diskussions-Vchend über gewerbliche Angelegenheiten statt. 7368 Zu reger Beteiligung ladet ein J&cr ruorstau^ Mobiliar-Versteigerung. Dienstag den 6. d. Mts., von vormittags 9 Uhr ab, versteigern wir im Europäischen Hof, Kurstraße 3 in Bad-Nauheim, verschiedene sehr gut erhaltene Zimmer- einrichtnngen, bestehend in: Betten, Schränken, Sofas, Kommoden, Tischen, Chaiselongues, Gardinen, Portieren, Bildern, Waschkommoden, ein fast neues Billard mit neuestem Zubehör rc. öffentlich, freiwillig, meistbietend. Die Versteigerung erfolgt wegen Verkauf des Hauses, worin sich die Mobilien befinden. Bad-Nauheim, den 2. Oktober 1903. Großh. Ortsgericht Bad-Nauheim. Langsdorf. 7421 £andw. Ausstellung Giessen. Nächsten Dienstag den 6. d. Mts., nachm. 3 Uhr, wird auf dem Ausstellungsplatz ein Tell des von dem Abbruch der Hallen herrührenden Tanneurundholzes (tm Winter gefällt), sich zu Rüstzeugen, Baumstangen, Gartenein- sriedigungen und Brennholz eignend, gegen sofortige Bezahlung meistbieKnd versteigert. 7432 Der Bau- und Platzausschutz. AenMchi-GeseWst GabMerger chießen. Unsere neuen 7353 llnterrichts-iCurse beginnen am Dienstag den 6. Oktober, abends Sy2 Uhr in unserem Vereinslokal, Frankfurter Hof. Unterrichtshonorar 6 Mark. — Unterrichtsdauer 3 Monate. Anmeldungen werden beim Beginn des Unterrichts entgegen- genommen.____________________________Der Vorstand. I Magdeburger 9S^S.^ Lebens-Verficherungs-Gesellschafl | gewährt Jedermann reöeustLugttche ßilenbaHu-ZLnfallversiHeruug I zur Prämie für 3 Mark für 1000 Mk. Versicherungssumme. »Ausdehnung auf Aampfschiffs-Ilufallverstcherung bOPs.für je 1000 General-Agentur Gießen: H. 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Sand> reiche werde mit a Verstä 5 Mß und b d thal Gimnd es wer der Hu tdalift Mw 1 pmach i«6ozi Hokra dir Hege h offi -|iewe dl$rib( lchen, drrieligi Ntn oi iatop ar Sie St N«i A imrna Bfltitac SÄ Äu SEt^’ sS K ..^ond W, Lor materi ® ^dafiik A ät>lonic Wbbezie^ W oernu^ w 4 te- fc untoe ” M tiJ1. ? und er! Gesesrr^ -•4 Üt Kieler Bücklinge in fetter, frischer Ware empfiehlt Georg Wallenfels Marktpla^ 21. , Telephon 46. Prima Kognak | Spezialmarke, garantiert, franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 DU., ist der prers- merteste und beliebt wegen seines vorzüglichen Geschmackes. Ferner gelten meine französischen Kognaks unter Origmalverschluß als die besten, welche der Markt bringt. E. Dort, Walltorstraße 4b. la. weißleuchterlde Gas-GlühsHmpfe Aas-Lhreu zu Lroneu » « ♦ ÄaS-LüsterS u. Ampeln * ♦ Gaö-Glockcu u. Cylinder * « GaS-Koch- n. Bade-Apparate GaH°Leitu«genu.Reparatnreu Bade-KlosettS u. Heizanlagen Wasserleitungen u. Armaturen Auch Reparaturen billigst. 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Den verehrten Einwohnern von Giessen und Umgegend hiermit die ergebene Mitteilung, dass sich meine Wohnung von heute ab Gesethestrasse 23g 3. befindet.