Erstes Blatt. Samstag 5. September 1903 DezngsprerSr monatl derlei- 153. Jahrgang Lietzener Anzeiger ** General-Anzeiger 99 Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen tährhcf) Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.' durch die Post Mk.2.— viertel» lährl. ausjchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für Öle TageSnumrner bis vorrnMagS 10 Uhr. ZetlenpreiS: total 12 Pi^ auswärts 20 Psg. USecaiitroertUdL Mr den poltt und augem. TeUr P. tBilito: Mr «Stadt und Uanö* und .GerichtSfaal": August ; für den Anzeigenteil: Hand Beck. 9Sr. 308 Erscheint täglich außer Sonntags. Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gietzener Familien- blätter viermal tn der Woche bergelegi. ViotationSdrucl u. Berlag der Brüh l'ichen Univeich-Buch- u. Stein- dructerrr(Piehch Erben) SLedattton. Expedition und Druckereir Schulstratze 2. Adresse für Depeschenr «nzetger Gießen. Aernsprechanschluß Nr. 61. Kerr Wegnicr und die Iorposte« des 2. Hessische» Infanterte-Ziegimeuts, heutigen Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm, vor Wetz 1870. Original-Artikel d.s „Siebener Anzeigers". Von einem höheren preußischen Offizier geht uns folgende hochinteressante Auslastung zu: In der jüngst erschienenen „Geschichte des Infanterieregiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116. Herausgegeben von W. Bi^ge, Generalmajor z. D." geschieht auf S. 433—435 mehrfach einer Persönlichkeit, eines „Herrn Regnier", Erwähnung, die dem größeren Publikum aus den letzten Phasen des Humbert-Prozesses in Paris wenigstens dem Namen nach in der Erinnerung sein dürfte. Den Teilnehmern am Aeldzuge 1870/71, vor allen denjenigen des Regiments, die wahrend der Cernier- ung von Metz in den Tagen vom 23. bis 25. September 1870 sich zwischen Mosel und Jussy auf Vorposten befanden, ist Name und Person des Herrn Regnier wohl bekannt. In dem großen Prozeß der Schwindlerfamilie Humbert-Daurignac erscheint Regnier nicht im reinsten Licht, er wird kurzer Hand zu einem Spion des Für st en Bismarck gestempelt. Daß er dies nicht war, läßt sich fast mit voller Bestimmtheit behaupten, wenn er auch bei Verfolgung seiner eigenen, fraglos patriotischen Trieben entsprungenen Pläne ohne Zweifel mit dem Fürsten in Verbindung getreten und diesem auch bekannt gewesen sein mußte. Doch hören wir, was die Regiments-Geschichte über Herrn Regnier uns kündet! Es ist der 23. September. In dem oben angegebenen Abschnitt befindet sich das 2. Bataillon auf Vorposten, mit der 6. u nd 7. Kompagnie in erster Linie. Auf Seite 433 lesen wir: „Der 23. September verlief irrt ganzen ruhig; nur vom Fort St. Quentin fielen etwa 20 Schüsse. Nachmittags erschien in Begleitung eines Offiziers aus dem Haupt- guartier des Prinzen Friedrich Karl in Corny ein ftanzösi- scher Zivilist Namens Regnier auf dem Repli I der 6. Kompagnie und ging von hier nach Metz. Ain 24. September ftüh kehrte er zurück und wurde durch einige Reiter nach Corny gebracht. Lieser Regnier hatte sich, zur Vermittelung zwischen dem deutschen Hauptquartier vor Metz und dem Marschall Bazaine angeboten. Er gab vor, ein Abgesandter der französischen Kaiserin Eugenie zu sein, in deren Auftrag er über den Frieden unterhandeln solle. Es gelang ihm auch, Bazaine zur Absendung des Generals Bourbaki an die Kaiserin zu bewegen, doch leugnete diese es später ab, Regnier einen solchen Auftrag erteilt zu haben, weshalb deutscherseits alle weiteren Verhandlungen mit ihm abgebrochen wurden. Am 24. September um liy2 Uhr vormittags erschien Regnier abermals bei den hessischen Vorposten rn Begleitung des Rittmeisters v. Willisen aus dem Hauptquartier. Während letzterer auf dem Repli der 6. Kompagnie verblieb, begab sich Regnier wieder nach Metz hinein." Des weiteren wird aus S. 434 berichtet: „Mit Rücksicht darauf, daß der am Vormittag nach Metz abgegaugene Herr Regnier, der am Nachmittag hatte zurückkehren wollen, abends immer noch nicht ein- gettoffen war, und daß bei seiner etwaigen Rückkehr während der Nacht durch das Vorschieben der Patrouillen im Mosel- Tal leicht Mißverständnisse hätten entstehen können, unterblieben diese Unternehnrungen." rc. Und endlich auf S. 435 finden wir: „Um 5 Uhr morgens am 25. September löste die 5. Kompagnie .die 6. und die 8. die 7. auf Vorposten ab. — Um 61/2 Uhr früh erschien der Herr Regnier wieder bei den Vorposten und zwar in Begleitung von 6 Aerzten, die aus Metz herauswollten und eines Herrn in Zivil, der wie ein höherer Militär aussah. Es war der General Bourbaki, Kommandeur des französischen Gardekorps, der sich im Auftrage Bazaines zur Kaiserin Eugenie begeben sollte. Alle diese Herren gingen mtt dem Rittmeister von Willisen nach Corny ab", und zwar, wie der Einsender dieses als Augenzeuge berichten kann, bestiegen der General Bourbaki mit Herrn Regnier und dem Rittmeister einen Jagdwagen des Prinzen Friedrich Karl, während die Aerzte — es waren Luxemburger — in einem bereitstehenden Postwagen der hessischen Feldpost untergebracht wurden. Aus den obigen Darstellungen geht mit Sicherheit hervor, daß bei den Regnierschen Plänen und Machenschaften es sich um die Restauration der am 4. September entthronten Bonapartes handelte und zwar gingen die Absichten dahin, „Lulu" unter Regentschaft der Kaiserin Eugenie an der Spitze der noch immer über 170000 Niann ' —^rmee iu Metz, der fteier Abzug mtt allen mtti- tauschen Ehren gewährt werden sollte, in Paris einziehen und den Thron seines Vaters besteig en zu lassen. Es gewinnt den Anschein, daß im Hauptquartier zu Versailles Die Verhandlungen mit Regnier, der sich als Answers einer Photographie der Kaiserin Eugenie mit deren Unterschrift bedient haben soll, und bald als politischer Schwärmer erkannt werden mußte, tells aus diesem Grunde, ^eils daran scheiterten, daß man französischerseits ßlL $er Forderung des Abzuges der französischen Armee wtk allen militärischen Ehren zähe festhielt. o-n eiUI -ed dem Einsender dieses, der am 25. September . 0 von 5 Uhr früh an mtt einem Zug der 5. Konipagnie die o-elowache an der Straße Ars—Metz bez. auf der Mosel- iNsel bezogen hatte, auch möglich ist, eine große Menge interessanter Einzelheiten aus jenen denkwürdigen, unvergeßlichen Tagen den obigen Schilderungen hinzuzufügen, so möchte für heute hiervon Abstand nehmen und nur aus einen die Allgemeinheit in Anspruch nehmenden Punkt ganz besonders aufmerksam machen — das Herauslassen von Bourbaki aus der Festung. Dieser hatte sich in einem am 23. older 24. September im Europäischen Hof in Metz »ehaltenen Kriegsrat mit dem Marschall Bo^aine in so em Maß verfeindet, daß letzteren die Gelegenhett, sich des stets zur Opposition neigenden Generals entledigen zu können, sehr willkommen war. Für die deutschen Heere aber erwuchs in Bourbaki der Führer einer neugebildeten französischen Südarmee, die nach wiederholten vergeblichen Versuchen nach Norden zum Entsatz von Paris durchzustoßen, schließlich durch das Vorgehen des 2. und 7. Korps unter General von Manteuffel auf Schweizer Gebiet überzutreten gezwungen wurde. Was Herrn Regnier noch anlangt, so ist er bald nach dem Kriege, wie uns berichtet wurde, als Polizei-Kommissar in Sttaßburg t E. in deutsche Dienste getreten und dort auch verstorben. W—r. Aus Stud! unÄ Kund. Gießen, den 5. September 1903. Nachrichten über bemerkenswerte Vorkommnisse in Stadt und Land werden stets gern eutgegengenommrn und angemessen honoriert! ** Personalnacyrichten. S. K. H. der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 19. August dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Adam Weber zu Ober-Beerbach das Allgemeine Ehrenzeichen mtt der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen, am 2. September den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lauterbach, Amtsgerichtsrat Ferdinand Frey zum Oberamtsrichter bei diesem' Amtsgericht zu ernennen und mittels Allerhöchster Entschließung vom 26. August dem Großh. Bademeister Franz Kissel zu Bad-Nauheim die Genehmigung zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Fürsten von Reuß j. L. Heinrich XIV. verliehenen Ehrenkreuzes 4. Klasse erteilt. Q In einer star k besuchten Versammlung' von Kaninchenzüchtern wurde ein Verein gegründet unter dem Namen Kaninchenzuchtverein für Gießen und Umgegend. In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt: die Herren Heinrich Stein, Friedrich Petter in Gießen und Heinrich Gabriel in Heuchelheim. In jedem Monat finden zwei Versammlungen im Pfälzer Hof statt Ter Verein hofft schon im nächsten Jahre mit einer Ausstellung vor die Oeffentlichkeit zu treten. ** Die beiden neuen Schnellzüge Berlin- Frankfurt bezw. Frankfurt-Berlin, die ursprünglich nur als Sommerzüge gedacht und daher im vorigen Winter ausgefallen waren, werden auch vom 1. Oktober ab gefahren werden. ** Eine neue Landtagsinterpellation. Der Vorsitzende des Vereins Mainzer Kaufleute, Landtagsabg. Molthan, hat folgende Anfrage an die Regierung gerichtet : Der große Warenhausbrand in Budapest, bei welchen: vornehmlich infolge sttäflicher Nichtbeachtung der baupolizeilichen Vorschriften, sowie der notwendigen Sicherheitsmaßregeln eine größere Anzahl von Menschen ihr Leben einbüßten, hat im Publikum vielfach Beunruhigung hervorgerufen. Es werden Zweifel darüber laut, ob in den im Großherzogtum bestehenden Großbazaren und Warenhäusern alle diejenigen Vorkehrungen getroffen sind, welche im Falle des Ausbruches eines Brandes oder einer Panik die Sicherhett des Publikums und des Personals gewährleisten. Der Landtagsabg. Molthan richtet deshalb an die Regierung die Anftage, ob dieselbe geneigt sei, eine Revision der Großbazare und Warenhäuser in dieser Richtung vorzunehmen. — Gleichzeitig hat der Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute eine Eingabe an die Bürgermeisterei und Stadtverordnetenversammlung zu Mainz, gerichtet, worin um eine Untersuchung der Mainzer Warenhäuser in der Richttng der größt- möglichen Sicherheit des Publikums bei ausbrechendem Brande ersucht wird. ** Vom gestrigen Gewitter liegen uns heute noch mehrere Mitteilungen vor. In der Wett er au lag gestern an manchen Stellen der Hage: fußhoch. Er richtete besonders an den Obstbäumen großen Schaden an. Das noch teilweise auf dem Felde liegende Getreide wurde fast ganz ausgedroschen. In Mün st e r schlug der Blitz in die katholische Kirche, ohne indes größeren >L-chaden anzurichten. In A l l e n d o r f a. Lda. wurde durch Blitzschlag ein Kornhaufen vollständig vernichtet. Hier und da, wie in Klein- Linden, wurden Bäume vom Blitz zerschmettert oder doch beschädigt. Auch in den südhannoverschen Kreisen Duderst a d t und Northeim sowie in der Gegend von Han n.--- Münden ging ein furchtbares Hagelwetter nieder. Zwei Drittel der Tabakernte sind dort vernichtet. ** Zur beabsichtigten Erhöhung der Ansätze bei Anrechnung der Dienstwohnung auf die Besoldung der Beamten schreibt man uns: Für die zumeist mit den ländlichen Amtssitzen verbundenen Dienstwohnungen wurde seither nach Artikel 17 des Gesetzes die Besoldung der Staatsbeamten betreffend vom 9. Juni 1898 innerhalb der nichtstädtischen Kreisamts- und Amtsgerichte der Wert nur mit 7i/2 Proz. der Besoldung in den übrigen Gemeinden und Gemarkungen nur mit 5 Prozent der Besoldung veranschlagt. Für einen d i e n st a u f s i ch t f ü h r e n d e n R i ch t e r betrug also z. B. bei einem Gehalt von 4800 M a r k der A b z u g für eine Dienstwohnung 360 M a r t im Durchschnitt, wobei bemerkt sei, daß in dem Durchschnittsansatz von 4800 Mark die Nebenbezüge, d. h. die nichtpensionsfähigen Stellenzulagen schon eingerechnet sind. Man hatte diese Vergünstigung in dem Bestreben, alle vergütungsfähigen Sonderbelastungen in der Besoldung selbst zum Ausdruck zu bringen, bestehen lassen, sei es aus Rücksicht auf die Mehrbelastung der Gerichte durch die Neuregelung der frei* willigen Gerichtsbarkeit oder aus anderen Gründen. Nun jedoch soll an 'stelle der seitherigen 10 Prozent für die Städte Darmstadt, Mainz, Gießen, Offenbach, Worms und Bingen und an stelle der obigen 7y2 und 5 Prozent ein Wertansatz von 16, 12 und 8 Prozent treten. Tie Regierung scheint, wie in Juristenkreisen verlautet, der Neuerung auf das wiederhotte Drängen des Abg. Köhler und einiger anderer Landtagsmitglieder näherzutreten. Aber gerade die genannte Vergünfttgung bilder in ländlichen Verhältnissen wohlbegründeten sachdienlichen Ausgleich für die Mehrausgaben der Richter mit Dienstwohnungen auf dem Lande, da gerade dies von manchem, in der Sorge für seine Familie gewissenhaften Beamten den Ausschlag gegeben haben mag, weshalb er es nicht scheute, städtisch^ Verbindungen und Gesellschaft zu missen, und die Kinder vor Tagesanbruch die tägliche Reise zur Schule machen zu lassen. So manche anderen zutteffenden Gesichtspunkte, um tüchtige richterliche Kräfte auf dem Land zu erhalten, bleiben bei Kammerverhandlungen am leichtesten deshalb unerörtert, weil richterliche Beamte von der parlamentarischen Verttetung gesetzlich ausgeschlossen sind, und daher Schmälerungen ihrer Rechte keinen Widerspruch finden, wenngleich sie, wie im vorliegenden Fall schwerlich im Interesse des Publikums liegen. **DerkatholischeLehrervereinfürdas Groß- Herzogtum Hessen zählt gegenwärttg 990 Mitglieder, darunter 720 Lehrer und Lehrerinnen, 249 katholische Gei.jp- liche und 31 Privatpersonen. Auf Mainz allein entfallen ca. 150 Mitglieder. Eine Anzahl katholischer Lehrer gehören zum hessischen Landes-Lehrerverein. ** Die Obsternte fällt diesmal, wie man uns schreibt, gering aus. Von fachmännischer Seite wird sie auf etwa ein Achtel d er vorjährigen guten Ernte geschätzt. An den Kreissttaßen Gießen-Grünberg und Londorf-Grünberg ist der Erttag säst Null, während es bei Lich, Langsdorf, Großen-Linden ziemlich Aepfel gibt, und zwar edle Arten wie: Gelber Edelapfel (Lich), Kasseler Reinette, Goldparmäne, Landsberger u. a. Bei Eberstadt gibt es ebenfalls ziemlich Aepsel und Birnen. Tie Wetzlarer-, Rodheimer- und Frankfurterstraße, welche im vorigen Jahre am besten behangen waren, haben wenig Obst. Tie edelsten Obstsorten läßt der Kreis mich diesen Herbst wieder pflücken und in Gießen zum Verkauf ausstellen. Voriges Jahr löste der Kreis rund 10 000 Mark für Obst, der Zentner kostete: 1. Sorte 10—12 Mk., 2. Sorte 5—6 Mark. ** Im 118. Infanterie-Regiment gibt es, — so lesen wir in der „W. Z." — eine große Anzahl Mannschaften, welche bei der Auswahl ihrer Ettern gut weggekommen sind. Da diese in Gießen, wo es ihnen sehr gut gefällt, ihre Lebenslust etwas zu lebhaft an den Tag legten, hatte das Kommando das etwas uberfteudige Gebühren der ihm untergebenen Marsjünger eines Vermerks würdig erachtet. Seit dieser Zeit sind die 118er eifrig bemüht, sich den sttlleren Oberhessen gegenüber von einer anderen Seite zu zeigen und wachen ängstlich über ihren guten Namen, was zu einem vielbelachten Falle wesentlich beittug. Als am Sonntag in später Abendstunde einige in der Garnison verbliebene 116 er sich etwas überlaut unterhielten, trat ein vorübergehender 118 er auf die Fidelen zu und rief energisch: „Zum Dunnerwetter! macht so kau Radau, sunscht heeßts gleich Widder, die 118 er werens gewest!" Bad-Nauheim, 4. Sept. Bis zum 3. September ind 22 387 Kurgäste anaefonunen, wovon an genanntem Tage noch 2937 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 3. September 292 889 abgegeben. Bis pi 3. Sept. 1902 waren 21143 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis 3. Sept. 1902 267 971 abgegeben. (Z) Friedberg, 4. Sept. Die Schweinepest ist in unserem Kreise mehr und mehr im Abnehmen begriffen. In einer Anzahl Orte ist sie bereits erloschen, z. B. in Bad-Nauheim, Ober- und Nieder-Wöllstadt, Jlben- tadt, Nieder-Erlenbach, Vilbel und Wölfersheim. Die Schweinemärkte werden jetzt wieder allerorts äbgehatten. Darmstadt, 4. Sept. Ihre Großh. Hoheit Prinzessin Elisabeth ist gestern zum Besuche bei deu Herzogin von Sachsen-Koburg und Gocha in Tegernsee wohlbehalten angedommen. (Darmst. Ztg.) Darmstadt, 4. Sept. Die Nachricht, daß die Trauung der Prinzessin Alice nach griechischem Ritus stattfinden werde, hat in protestantischen Kreisen einige Erregung hervorgerufen (Ev. Sonntagsblatt), offenbar, weil man glaubte, daß damit eine Konversion zur griechisch-katholischen Kirche verbunden fei, wie dies bei der Kronprinzessin Sofie von Griechenland, einer Schwester unseres Kaisers, der Fall war. Wie die „N. H. Vbl." hören, ist ein lieber tritt der Prinzessin Alice durchaus nicht beabsichtigt, ihre Che wird voraussichtlich auch nach p r o t e st a n H sch em Ritus eingesegnet werden. Offenbach, 4. Sept. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten war der vom Vorstand der städtischen Sparkasse gefaßte Beschluß, den Zinsfuß für Einlagen und für auszuleihenDc H>ypothekengelder von 3 auf 31/4 und von 4 auf 4y4 Prozent ab 1. Januar 1904 zu erhöhen, zur Beratung gestellt. Auf Widerspruch des Stadtv. Stadtmüller ging dieser Gegenstand an den Ausschuß zurück. Inzwischen ist dieser Vorstandsbeschluß in weiteren Kreisen besprochen und fast durchweg abfällig beurteilt worden. Man verurteilt das Verfahren der städtischen Sparkasse überhaupt, wenn diese, wie bisher, dazu dienen soll, der Stadt eine Einnahmequelle zu sein. Ein solches Institut sollte nur den Sparsinn fördern und den Geldverkehr vermitteln. Wenn man aber glaubt, den Bord der Transportschiffe And durch Vernichtung der aus ist am * Chur Vermischtes. * Thorn, 4. Sept. Die von Kreisarzt Dr. Steeger vorgenommene Untersuchung wegen der hier vorgekom- menen Typhuserkrankungen, ergab, daß letztere durch den Genuß eingeführter Milch hervorgerufen worden ist. Es wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen, damit nicht weitere Erkrankungen vorkommen. * Brüssel, 4. Sept. (Internationaler Kongraß für Volkshygiene.) In der ersten Abteilung machte Tr. Marlin vom Institut Pasteur in Paris interessante Mitteilungen über Erfolge, die er mit der Se rum- behandlung bei an Dyphtheritis erkrankten Kindern erzielt hat. In der 6. und 7. Abteilung wurden Mittel zur Bekämpfung der Pest besprochen. Es wurde anerkannt^ daß die Quarantäne über Personen, die aus Ländern kommen, in denen die Bubonenpest ausgebrochen sei, ihren vexatorischen Charakter verlieren müsse. Tie Pest würde viel wirksamer durch Einrichtung eines Sanitätsdienstes an Ratten bekämpft werden. St. Gallen, 4. Sept, dtach einer Meldung Verstanklahorn (Praettigäü) die Leiche des mit ihrem Geliebten im Walde zusammenzutreffen. Dem Mädchen drang die Kugel in die linke, Schröder in die rechte Schläfe. Die Leichen wurden aus den Sachsenhäuser Friedhof verbracht. Wie ein anderer Berichterstatter meldet, stand das Paar kurz vor der Verlobung. — In die Wirtschaft von Hieb in der Steingasse war gestern abend der 24 Jahre alte Glaser Kraft eingekehrt. Er scherzte mit der Wirtin, worauf der Ehemann in eine solche Wut geriet, daß er einen Revolver hervorholte und auf Kraft etwa sechs Schüsse abseuerte. Einige Kugeln drangen in die Brust und einige in den Hals, so daß der Tod des Kraft augenblicklich eintrat. Hierauf richtete der Wirt die Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen Schuß in die Schläfe bei, der ebenfalls seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. lieber „Geschichte der deutschen Sprache" wird Geh. Hosrat Prof. Dr. Behaghel -Gießen am 14., 15., 16., 17., 18. und 19. September im großen Festhaussaale zu Worms VorträgL halten. — Herr Karl Christian Becker aus Biebrich a. Rh. übernahm das von Herrn Wilhelm Balser erworbene Anwesen („Gasthaus zur Stadt Gießen" nebst Spezereigcschäft) in Gambach. Der Kaufpreis betrug 30 000 Mk. — Der evang. Pfarrer Heinrich Brüning zu Hühnlein, Dekanat Zwingenberg, wird auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober an, in den Ruhestand versetzt. — Der Bericht über die Tätigkeit der Handwerkskammer zu Darmstadt wird fortlaufend im „Gewerbeblatt" zum Abdruck gebracht. — Aus Darmstadt wird gemeldet: Prof. Olbrich wird Ende dieses Monats in den Räumen des Ernst-Ludwig- Hauses eine Ausstellung seiner neuen Arbeiten und Entwürfe aus dem Gebiet der Jnnen-Dekoration und Architektur veranstalten. — Der Quintinusturm in Mainz, der verschiedene Schäden auszuweisen hat, wurde dieser Tage von Mitgliedern des hessischen Dentmalrates einer Besichtigung unterzogen. Bei dieser Gelegenheit hat sich herausgestellt, daß der Turm einer gründlichen Reparatur bedarf. , vielen kleinen Einlegern komme es auf J/i oder gar V- Prozent Zinsen mehr oder weniger nrcht an, so ist dav eben ein Irrtum. E . . . a t _ .1, Mainz, 4. Sept Die zu Anfang dieses Jahres an einer alten, hilflosen Frau in Sponsheim verübte rohe Mordtat hat, wie wir schon kurz mitteilten, heute morgen ihre strafrechtliche Sühne gefunden, indem der Mörder, der kaum 18jährige Taglohner Detrois aus Sablon bei Metz, durch den Scharfrichter Brandt aus Gotha in dem hiesigen Gefängnishof hingerichtet wurde. Ter noch jugendliche Mörder, der aus so schreckliche Art seine nahe Anverwandte kaltblütig ermordete, ist ziemlich gefaßt zur Richtstätte geschritten und sprach aus der Guillotine noch die Worte: „Gott verzeihe einem armen Sünder und sei seiner Seele gnädig". Die ganze Exekution hat kaum drei Minuten in Anspruch genommen. — Während unter Großherzog Ludwig III. in Hessen fein Todesurteil vollstreckt worden war, ist die heutige Hin- richtuug die fünfte, welche in Mainz seit 1« Jahren vollzogen wurde. Nach langer Unterbrechung wurde die erste Hinrichtung wieder an dem Doppelmörder Herbst vollzogen, der die Eheleute Wothe ermordet und deren Leichen in Stücke zerschnitten hat. Herbst wurde am 4. Mürz durch Brandt im Hofe des hiesigen Justizpalastes hingerichtet. Auf Herbst folgte am 19. Februar 1892 die Hinrichtung des Schuhmachers Peter Eschbach aus Fürfeld, eines gewerbsmäßigen Wilderers, der aus Rache einen Forstbeamten bei Neubamberg erschossen hat. Das dritte Todesurteil wurde an dem Küferburschen Franz Rohrbacher aus Pleisweiler am 11. August 1894 vollstreckt, der den" bejahrten Händler Hilarus Schreiber in Heppenheim ermordet und seiner geringen Barschaft beraubt hat. Die letzte Hinrichtung war die des Hausüurschen Merz aus Bonn, der seine frühere Geliebte erstochen hatte. Die Hinrichtung erfolgte im Juni 1898. Worms, 4. ,Sept. Am 24. September sind es 25 Jahre, paß Hr. Abg. Reinhart als Vertreter der Stadt Worms der Zweiten hessischen Kammer angehört. Dem Vernehmen der„W. Ztg." nach beabsichtigen anläßlich dieses Jubiläums die hiesigen nationalliberalen Vereine Herrn Reinhart eine Adresse zu übermitteln und ihm zu Ehren einen Kommers zu veranstalten. Frankfurt a. M., 4. Sept. Unter Vorsitz des Stadtrats Dr. Flesch tagte gestern im Sitzungssaal des Magistrats der Rhein-Main-Verband des Arbeitsnachweises. Es waren 18 Städte vertreten, wo 7 Institute mit großem Erfolge wirken. Den Hauptgegenstand der Besprechung bildete die nutzbringende Ausgestaltung der statistischen Veröffentlichungen. Frankfurt, 5. Sept. Im Stadtwald bei Oberrad in unmittelbarer Nähe der Offenbacher Grenze, unweit der Walderholungsstätte, wurden gestern nachmittag durch Passanten zwei Leichen, die im Gebüsch nebeneinander lagen, erschossen aufgefunden. Tie benachrichtigte Polizei und die Staatsanwaltschaft begaben sich sofort nach dem Tatort. Die Unglücklichen sind der 26 Jahre alte Reichsb ankbeamte Schröder und die 19 Jahre alte Adele Kloth. Der traurige Vorgang muß sich schon vormittags zwischen 9 und 10 Uhr abgespielt haben, da um diese Zeit das Abseuern von Schüssen gehört worden war. Beide unterhielten schon seit einiger Zeit ein Freundschaftsverhältnis, das, wie es heißt, von den Eltern nicht gern gesehen wurde. Tas Mädchen hatte sich gestern morgen um 7 llhr aus der Wohnung entfernt, mn vermutlich Führers Güter von Klosters ausgefunden worden, der in eine Gletscherspalte gefallen war * S e r a j e w o , 4. Sept. Ein f u r ch t b a r e r B r a n d hat in Trawnik 600 Häuser, darunter 7 Moscheen und die Synagoge, eingeäschert. M e h r e r e M e n s ch e n j i n d verbrannt. Der Schaden ist enorm. Auszug »us dru ALaudrskrnlsrrysilriu der Siaül Hjetzeu. Aufgebote. Am 29. August. Georg Jedem-, Seiitimnt tm Jvl.-Regt. 116 (2 Groph. Hessisches) dahier mit Margarete Amalie Marie Paula Augusim zu Cüstriu. Am 31. August. Philipp Brunneugraber, Spengler dahier mit Luise Juliane Struth dahier. Heinrich Johann Christian Herbst, Stationsdiätar I. Kl. dahier mit umiiic Elisabethe Karoline Hammel zu Grünberg. Eheschließungen. Am 29. August. Georg Valentin Reinhard Kling,.Lehrer an der Stadttnabenschule dahier und Entma Elisabethe Lrensselder, Tochter des Kreisstraßenmeislers Johann Peter csensseldei Zahler. Am 2. Sept. Georg Adam Geißner, Konditor dahier rnio Marie Emilie Textor geb. Malkomesius, Wuive des Kaufmanns 'Sulhelm Textor dahier. Geborene. . . _ Am 22. Aug. Deni Bahlilvärter Heinrich Heß eine Sochter Elly Johanna. Äm 25. Aug. Dem Hilssbreniser Wilhelm Junger einen 'Sohrn Am 26. August. Dem Kauimann Albert Stoll eine Tochter Irmgard Franztsta Eugeme. Am 28. Aug. Dem Tabakspinner Johaiines Peter einen <-ohn. — Dem Schriftsetzer Karl Lindenstruth einen Sohn. Am 29. Aug. Dem Maschinechchloher Wilhelni Wisker eine Tochter Margarete Elisabethe. Ani 4. Sept. Dem Hotelbesitzer Karl Ernst Christel einen Sohn. Gestorbene. Am 29. August. Andreas Schönberger, 76 Jahre alt, Buchhändler dahier. — Anna Steinbrecher, 2 Monate alt, Tochter des Schneiders Heinrich Ludwig Steinbrecher dahier. Am 1. Sept. Minna Steinbrecher, 2 Atonale alt, Tochter des Schneiders Heinrich Ludioig Steinbrecher dahier. Am 2. Sept. Wilhelm Bechtold, 3 Monate alt, Sohn des Hilfsweicheiistellers Heinrich Bechtold dahier. Am 3. Sept. Karl Konrad Andernach, 60 Jahre alt, Schuh- machernieister dahier. ___________________ Rheinisches Technikum Bingen für Maschinenbau und Elektrotechnik. 0245 -rng TO „ ----- , _ [" <" I Progr. frei. Warnungä Die meisten Nachahmungen von Dr. Hommels Haematogen werden, um das D. K. P. No. 81,391 zu umgehen, mit Zuhilfenahme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfreio Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Hommel’s Haematogen und achte aut die Schutzmarke „Säugende Löwin.“ d2 5 s G o vv 5 3 Q er <5 - £22 c 3 er o 2 er S *• o » «B up to 3 CO cs er ut er <2 cs «e «so er S S' UP to a 3 cs 3 o cs er ro to D 3 3 UP ' O cs O er S er 6 2 -r. -K V er -s TO - <5 O O UP er to scr to 5 s 3 er 3 3 cs K g er H" 2, 3 3 « r*- a s ~ tt-cs 3 er s s M Q s* cs «$u 00 00 CO1^. CO <1 W 3 00 -O 5 2. O 3 up er <2 3 3 3 -G @ e er S « © £ TO cO O o» o a er & S 3 S o UP o to* er er 3 - ■S 3 2. cs . - -er . s g*S ■ K to" O" 2 ur s a TO cs er s cs 3 O X w *2 3 - 3 & 52. cs .. 2 » 3*2'" '€? 3 o e* TO " er K 3 s UP er 3 _ S 3 e UP TO'®’ 15 er 2. 3 'So p to "* r. 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Adam Johanna». 10 HP Sauggasmotoren-Anlage. schwarzach, den 4. August 1903. -----— Station Aglasterhausen, Baden. Titl- Motorentabrik Oberursel, Akt-Ges., Oberursel bei Frankfurt a. M. fi&»ine größere, sehr gut er- y haltene Obstkelter, sowie einige 16 Hektoltr.-Fast Preis- würdig zn verkaufen. 6564 Näheres Fraukfurterstr. 151. Moioren-Fabrik Oberursel A.-G Oberursel bei Frankfurt a. M. "ur gelieferte 15 HP Sauggas-Anlage bis zum heutigen Tage zu meiner vollen Zufrredenyert arbeitet. Ich betreibe damit meine Mühle und einen Horizontalgatter. Beabsichtige später den Motor für Errichtende Holzwarenfabrik zu benutzen. 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