Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen heftige zur Linie.r ... ■ .cllung nahmen. Oberbürgermeister Aoill 2 s trat heran uno überreichte in einem vom eiabtrat v. Metzler gestifteten silbernen Pokal den Ehrentru.nL Leitung vortrug giüt,cub durchs.., )cach allen Seiten hin freundlich LUcajeüätcn den ^aal und bliebei ü.oef, wahrend die Prinzen und ba5 Wählerversammluug der Liberalen Parteien. Gießen, 4. Juni. Es war eine große, imposante Versammlung politisch Interessierter, die gestern abend im 9teuen Saalbau zu- sammengekommen war; der Saal war bis aus den letzten Platz befett Wir schätzen die Zahl der Erschienenen aus 400—500. Und es waren Männer erschienen, aus allen Kreisen der städtischen Bevölkerung, deren Vereinigung ein würdiges und ansehnliches Zeugnis ab legte für diejenige politische Gesinnung, die in unserer Stadt ausschlaggebend tfl Nach den mannigfachen Bemühungen der beibcii liberalen Parteien, um einen gemeinschaftlichen Kandidaten aufzustellen, trat gestern nicht nur hervor, daß man endlich den richtigen Mann gefunden hat, sondern eS dokumentierte sich auch glänzend, daß bezüglich der Wahlbewegung keine Gegensätze zwischen den liberalen Parteien bestehen, daß vielmehr ein Sinn und ein politisches Ziel beide ? Parteien deseelt. Kommerzienrat Heyligenstaedt, der iberale Wahlkandidat, betrat unter lautem Sei falt der An wesenden den Saal. Komm-Rat Georgi eröffnete als Leiter der Versammlung diese mit ungefähr folgenden Worten: „Meine Herren! Tas liberale Wahlkomitee hat mich beauftragt, in der heutigen Versammlung den Vorsitz zu übernehmen und Sie im Namen des Komitees zu begrüßen. Ich freue mich, daß Sie so zahlreich der Einladung des liberalen Wahlausschusses gefolgt jinb. Nur wenige Tage trennen uns von dem Lage, an dem sich entscheiden wird, wie der Wahlkreis Gießen vertreten jein wird. Um eine geeignete Vertretung zu bekommen, haben wir uns zu einem gemeinschaftlichen Kandidaten geeinigt. Ich stelle der Versammlung Herrn Komm.-Rat Heyligenstaedt als Kandidaten vor, der sich bereit erklärt hat, heute zu der Wählerversammlung zu sprechen. Ich bitte ihn, dazu das Wort zu nehmen. c . , Tie Rede, die darauf Herr Heyligenstaedt hielt, gab mit einfachen, aber sehr bcfriebigenben Worten das Programm wieder, das der neu aufgestellte Kandidat im Reichstag zu verwirklichen suchen würde. Er führte etwa folgendes aus: Mitbürger! Ich stehe heute zum zweiten Male vor Ihnen, um mich Ihnen als Reichstagslandidat vorzustellen, damals als Kandidat meiner engeren politischen Partei- fteunbe, heute als Kandidat des geeinten liberalen Bürgertums in Stadt und Land, unb es drängt mich, dem Wahlausschuß, welcher mir diese ehrende Kandidatur an- getragen hat, für das mir hierdurch entgegengebrachte weitgehende Vertrauen meinen wärmsten Dank auszu- Erleichtert wurde mir der Entschluß zur Annahme der Kandidatur durch die Selbstlosigkeit unb das Entgegenkommen, welche von beiden Seiten geübt wurden, und es» hat damit das liberale Bürgertum des ersten Hefstschen Wahlkreises den übrigen Wahlkreisen ein leuchtendes Vorbild gegeben, das hoffentlich, wemi auch in letzter Stunde, Noch weitere JLachahmuug finben wird. Rebbert, 209 Mitglieder), der mit feinen beiden Vorträgen einen voll verdienten Erfolg aufzuweisen hatte. DrL „Dresdener Orpheus" war mit seinen Gesängen nicht zu glücklich, während die „E o n c o r b i a" inAachen uno der „Creselder Sängerbund" gute gesangliche Leistungen boten. Außer dem Preischor wurden von biejen Vereinigungen noch gefangen: Ter siegende Holländer, eine verfehlte Komposition Brambachs, ferner des Kölner Dirigenten I. Schwark effektvoller Ehor: „Im Qfebirge" und Brambachs „Sonnenaufgang". Damit scyloß des „Sänger, Wettstreits" erster Tag. Nach Seenbigung des Gesangswettstreits fuhren bit, Majestäten, die Prinzen und bas Gefolge zum neuen Rathaus, auf dem ganzen Wege jubelnd begrüßt. Paulsplatz, Römerberg, Liebtrcmenstraße unb bie angrenzenden Straßen- lüge waren schon von halb 11 Uhr an mit Menschenmassen dicht besetzt. Bor der Paulskirche hatten der kirchenvor- stand, die Geistlichkeit mit der kirchenfahne und die Schulkinder des Paulssprengels mit Fähnchen Aufstellung genommen. . Punkt halb 1 Uhr oertünbeten näherkommende Hochrufe bas Nahen der Majestäten, die, vom Fahrtor kommend, vor der Toreinfahrt am Paulsplatz vorfuhren und hier von Fanfaren, ausgeführt von auf dem Altan aufgestellten Blasern in altfrankfurter Tracht, begrüßt wurden. An der Toreinfahrt empfingen Oberbürgermeister Adickes, der schon b-,ie weite des neu verliehenen Wilhelmsordens angelegt hatte, Bürgermeister Varrentrapp und die Archi- litten Reher unb v. Hove das kaiserpaar. Irl. Adickes über- reichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Im Burgersaal, der mit Gobelins und Festons geschmückt war, hatten an Den Längsseiten die Mitglieder des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung, die Letter der städtischen Schuler und sonstigen Anstalten und die städtischen Beamten Aus stellung genommen Die Gallerte war mit den Dam er Der Stadtväter besetzt. Auf der Seiten-Empore hatte bei Knabenchor der Musterschule Platz gefunden. Die Hintere Querwand nahm der Thronbaldachin ein, an der gegen überliegenden war die Statue Kaiser Wilhelms des Großer ausgestellt, die. früher int Kaiser,aal stand. Beim Betreten des Saales wurden die Majestäten mit dem Gesang be^ Chores „Tochter Zions, freue Dich" aus Judas Maeca- baus begrüßt, den der Knabenchor unter Adolf Möllere Bei diesem weitgehendes Vertrauen haben Sie wohl das Recht, von dem Kandidaten, dem Sie Ihre Stimme geben sollen, zu verlangen, daß er vor Ihnen sein politisches und volkswirtschaftliches Glaubensbekenntnis ab legt. Vielleicht verlangt sogar jemand, daß ich ihm die Versicherung gebe, allen seinen Herzenswünschen Rechnung zu tragen, wie dies leider von anderer Seite in der gewissenlosesten Weise versichert wird. Da möchte ich Sie nun bitten, mich von dieser für mich etwas schweren Arbeit und von dieser schweren Ge- wifsensbelastung zu dispensieren unb mir zu gestatten, Ihrem Rechtsanspruch einen gleichen meinerseits entgegenstellen zu bürfen. Nachdem ich nun feit einem Menschenalter unter Ihnen weile und Ihnen wohl ausreichend Gelegenheit gegeben habe, mich in meinen persönlichen und geschäftlichen Verhältnissen, durch meine Tätigkeit im Bereins- leben, in der städtischen und Provinzial-Berwaltung kennen zu lernen, darf ich wohl das Recht beanspruchen, daß Sie mich und meine Grundsätze kennen. So kann ich mich vorerst nur auf baS gedruckte Wahlprogramm des Wahlausschusses beziehen, das wohl zu Ihrer Kenntnis gelangt ist, unb hiermit bestätigen, daß ich voll und ganz auf dem Boden dieses Programms stehe unb mir dasselbe als Grundlage meines politischen Denkens und Handelns, werde bienen lassen. Sie gestatten mir, wenn ich deshalb nur auf einzelne Punkte des Programms eingehe, und da möchte ich zunächst ganz ausdrücklich betonen, daß ich ein entschiedener Freund und Förderer langfristiger Handelsverträge bin, die auf der Grundlage des neuen Zolltarifs voraussichtlich zum Abschluß gclahgen werden. Es liegt wohl in der etwas eigentümlichen Art, wie dieser Zolltarif zustande gekommen ist, daß er noch manche ^Positionen enthält, die der Abänderung bedürfen und auch diese noch erfahren werden. Immerhin bietet der neue Zolltarif ein tüchtiges Rüstzeug in den Händen der deutschen Unterhändler, um vom Auslande möglichst günstige Vertragsbedingungen zu erhalten. — Was mein Interesse für den Ausbau der Arbeiterfürsorgegesetzgebung aubclangt, so verweise ich auf die in meinem Betriebe getroffenen Einrichtungen, bte weit über das Maß des gesetzlich Erforderlichen hinausgehen und in Dem neben den gesetzlichen Kranken-, Unfall- unb Invaliditäts-Versicherungen schon seit 1897 Beamten- und Arbeiter-Pensions- und Witwen- und Waisenversorgungskassen eingerichtet sind. So sehr sich auch nach meinen Erfahrungen diese Einrichtungen als äußerst notwendig uni) wohltätig erwiesen haben, so wird es doch noch eingehender Erwägung bedürfen, ob und wann die Industrie unb das Reich in der Lage sein Dürften, weitere schwere Lasten in dieser Richtung zu übernehmen. Zwar sind durch den Antrag Drimborn in Verbindung mit »Dem Zolltanfgesetz einige Mittel zu diesem Zwecke vorgesehen worden, doch bietvn diese eine so unsichere Grundlage, daß darauf ein solches Gebäude nicht erruf)tet werden kann. Wie die Witwen- und Waiseri- versorgung, so würde auch die Versicherung gegen die Folgen der Arbeitslosigkeit eine wertvolle Vervollständigung der Arbeiterversicherung bilden, leider liegen aber hier die Verhältnisse noch viel schwieriger, sodaß man wohl auch ferner zunächst hier unb da Versuche wird anftellen müssen, ehe ein Resultat erreicht wird. Bezüglich Der Maßregeln zur Erhaltung und Hebung des Mittelstandes in Stadt und Land, des Handwerks unb Kleingewerdes kann ich mich wohl auch auf meine langjährige Tätigkeit auf diesem Gebiete beziehen. Ich tann wohl sagen, daß bei mir das Interesse für diese Bestrebungen lebhafter und stärker war als bei den Jnterestenten selbst, wenn man die Art unb den Umfang bet Beteiligung unb Unterstützung, die meine Bestrebungen in jenen Jireifen gefunden haben, als Maßstab will bienen lassen. In neuerer Zeit haben sich die Verhältnisse wesentlich geben ärt, und es ist erfreulicherweise zu konstatieren, daß die erzieherischen Eigenschaften der neuen Gewerbeordnung einen recht günstigen Einfluß auf unsere gewerblichen Verhältnisse aus- geübt haben. WaS in dieser Richtung durch weitere gc- letzliche Bestimmungen noch weiter geschehen wird, werde ich natürlich mit allen Kräften unterstützen und zu fördern suchen. Eins möchte ich noch dem Programm hinzufügen! ES dürfte wohl eine der vornehmsten Aufgaben des nächsten Reichstags die endliche Durchführung der Reichsfinanz- reform bilden, zumal die Reichsfitianzlage sich seit 1898 wesentlich verschlechtert hat. ES fehlt noch an jeder gesetzlichen Schuldentilgung und an einer Möglichkeit, die Eiw nahmen mit den Ausgaben ohne Zuhilfenahme von An- leiyemitteln in Einklang zu bringen. Es ist deshalb notwendig, daß endlich die Reichsfinanzreform durchgeführl werde, damit das Reich unabhängig von den Kleinstaaten werde und die Finanzverhältnisse der Kleinstaaten nicht in so ungünstiger Weise durch die Finanzverhältnisse des Reichs beeinflußt werden, wie wir dies in den letzten Jahren an unserem eigenen Leibe so schmerzlich verspürt haben. Wie dies zu geschehen hat, darüber sind sich die Qk> lehrten selbst noch nicht einig; es wird die dlottvendigkei/ sogar noch von einzelnen Parteien bestritten, wir wollen jedoch hoffen, daß wir bald zu neuen langfristigen Handelsverträgen kommen, die dem Reiche neue ansehnliche Mittel zuführen, die wohl als Unterlage für ein solches Reformwerk dienen können. Jedenfalls wird dem nächsten Reichstag Gelegenheit gegeben werden, diese Angelegenheit eingehend zu prüfen, unb auch ich würbe derselben mein volles Interesse entgegenbringen. Von berufener Seite werden Ihnen noch eingehendere Erläuterungen über das Wahlprogramm des liberalen Wahlausschusses gemacht werben, ich erkläre mich jedoch gern bereit, auf etwaige Atif ragen Auskunft zu geben, soweit mir dies in der heutigen Versammlung möglich ist. Zum Schluß möchte ich dem Wunsch unb Der Hoffnung Ausdruck geben, daß der nächste Reichstag eine Zusammensetzung erlange, die denselben befähigt, eine würdige Ver- Nr. 129 Erscheint täglich au bet Sonntag*. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die «ietzener Familien- dlLner viermal tn der Woche beigelegL Rotationsdruck u. Verlag de, v » ü h l'schen Unwert.-Buch- u.8tein- brudern (Bietsch Erden- Medalnon. Ervedttw« und Druckerei! Echnlftraße 7. Mbreflt tü, Deoelchent «uzeiger Sieben. EernipreldonlcbtuhNr 5L per Sänger-Wettstreit in IttaoLsurt a. ZS. Frankfurt a. M., 4. Juni. So ist es also gestern do^h noch Laiserwetter geworden! Nachdem es sich schon gegen Abeiid aufgeklart halle brock) kurz vor Ankunst des uaiservaares die sonne durch unb beleuchtete freuiidlich das abendliche tfeftbilb. Don der Illumination ist noH. der leuchtende Schmuck der Trambahnwagen nachzutragen, der einen geradezu feenhaften Anblick gewährte. , . ~ r _ Heute früh wölbte sich der Himmel fast wolkenlos, tiefblau, und leichter Wind'ließ die Sonnenstrahlen wemger drückend erscheinen. .. ... . . Pünktlich 9-4 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin und die fürstlichen Gäste hier wieder ein und fuhren sogleich in offenen Wagen ohne Eskorte zur Festhalle. Hier begann das eigentliche Wettsingen der durch das Los beslimmten Gruppen der 34 konkurrierenden Vereine. Jeder Gesangverein trug zunächst den „PrLisch o r" tfoa. Sechswocyenchpr vor: „Sieg es gelang nach der Varusschlacht" von Feli" ahn, komponiert von Georg Meßner. Von 18 eingetöüfenen Arbeiten war dem gegenwärtig als Oberleutnant ün Breslauer Felditttlllerie-Re- giment v. Peucker stehenden Offizier, der mehrere Jahre zwecks Studiums der Musik zur Reserve übergetreten war, ber Preis zuerkannt worben. Dahns-rext ist recht akademisch und zeugt nicht von hohem dichterischen Gedankenflug. xie Komposition Meßners erwies sich vornehmlich als zu kompliziert, außerdem ist sie luenig originell unb ohne burch- idilaaenbc kraft ber Melodie, wenn fie auch geschmackvoll genannt zu werden verdient unb dem Autor das Zeugnis technischen könnens ausstellt. Harmonisch aber unb vor allem burch die vielfach sehr hoch geschriebenen ^cnore stellt ber Preischor Anforberungen, wie sie bie Mitglieder unierer meisten Mannergesangvereine nicht bewältigen können. Durch Forcieren ber Stimmen wurde denn auch bie Reinheit an ben betreffenden Stellen merklich gestörr und man konnte hier die gewiß seltene Beobachtung machen, baß fast alle Chöre hinaus gingen bis nacheinzelne ioaar fast bis Es bur, während ber Chor tn C schließt. Den Anfang des Wettsingens machte ber „Hannoversche Männergesangverein", Dirigent I. B- Zerbett, Zahl der Sänger 211. Er legte sich mit dem Preis lieb scharf ins Zeug, ohne jedoch besonderen Lmbruck heroorrnfen zu können. Die „Stimmung" war noch nicht da. Geschmack bewiesen die Hannoveraner m’£. ber Emhl des Hegarschen Chores: Rudolf von Werbenberg. Ihnen folgte der „Leipziger Männerchor" unter Leitung von Gustav Wohl- gemuth. Der Preisgesang klang kraftvoll und wurde nüanciert vorgetragen, wenn auch nicht durchwegs rein. H. Webers „Waldweben", ein annehmbares Opus ,kam dynamisch gut schattiert, wenn auch etwas outriert zur Wiedergabe. Der „Magdeburger Männerchor", 193 Sänger, Dirigent Organist Groscyoff, zeichnete sich als Dritter im Bunde durch klaren Vortrag des Preisliedes aus, wenn auch das stimmliche Material nicht an das der Leipziger heranreicht. Auch fehlt es dem Chor noch an Dem- perament, während Tcxtaussprache und musikalische Ausarbeitung zu loben sind. Der Sängerbund in Mühlheim a. d. Ruhr, Dirigent Musikdirektor Heinrich Elassen, 128 Sänger, fang den Preischor schneidig unb mit Kraft, doch war auch er zum Schluß mit ber Intonation nichlt glücklich. Der Verein zeichnet sich durch klangvolle Bässe aus, auch lag in ber Wiedergabe des zweiten Atlenhofer- schen Chores Stimmung. Ein starker Erfolg war dem Gesangverein „Sanssouci"- Dortmund (155 Sänger, Dirigent Lehrer unb Organist Gisbert Midbclmann), be- schieben, ber ihm auch in bem selbstgewählten Liede, eine nicht hervorragende Komposition des Goetheschen „Gesanges der Geister über den Wassern" treu blieb. Alle Konkurrenten dieses VormiUags aber schlug ber unter Leitung des Direktors Friedrich Sievers stehende, 152 Sänger starke Gesangverein „Sanssouci" in Essen a. d. Ruhr mit der kräftig und voll hingenbcn, temperamentvolleii Wiedergabe des Preischores, bie stürmischen Beifall erweckte. Ebenso wirksam gelang auch der Chor „Sturmerwachen" (Anna Ritter-, komponiert von M. Neumann. Dagegen fiel die ,Li 1 aria" in Offenbach nut dem Preischor ab, sie hatte „verjüngen und vertan", wenn bem Verein auch ein gut klingendes Piano nachgerühmt werden mag. Damit war das Vormittagssingen zu Ende. Das Kaiserpaar war wieder bis zum Scbluffe amvesend und erschien auch am Nachmittag. An diesem fangen der „Pots- Damer Männergesangverein" (Dirigent: König!. Musikdirektor M. Gebhardt, 116 Sänger- sehr schön Schuberts: „Nur wer bie Sehnsucht kennt", bem ber Längerchor des Turnvereins in Wiesbaden (Dirigent Carl Schauß, 138 Sänger) folgte. Der Preischor klang hier stellenweise etwas scharf unb hart, bagegen würbe das ,Morgenlied" von I. Rietz mit gutem Ausdruck, schönem piano unb verständig phrasiert vorgetragen. Der Quarre tt verein Colombey in Elberfeld (Dirigent Evmund Liefener, 149 Kopfe) wäre nicht schlecht, wenn er nicht zu outriert sänge. An diesem Namnnttage gebührt bie Palme dem Dortmunder Lehrergesangvercin (Dirigent Lehrer Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 5. Jnm 1803 GietzenerAnzelger 8 General-Anzeiger " Teil. U W'ttko tüt .Stadt und tfanö4 und ,(Aend>t<1aaie Auauft Götz, tüi den *ln- iftaenletl: pan« Beck. tretung des deutschen Volles zu sein unb die an ihn heran- ixetenben Aufgaben zum Heil und Segen unseres Vaterlandes zu erledigen. Lebhafter Beifall wurde den Ausführungen des Redners zu teil. Tie Kundgebungen legten sich, als Kommerzienrat Georgi sich wieder erhob und dem Handclskammer- syndlkus Schloßmacher aus Offenbach das Wort erteilte. Herr Schloßmacher erörterte in einer längeren packenden Rede die Hauptfragen, die den zukünftigen Reichstag beschäftigen werden und die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen in erster Linie beherrschen. Seine Aus-- füyruugen knüpften vortrefflich an die Rede des Kandidaten Heyligenstaedt an und begannen mit dem Hinweis, daß er seiner langjährigen Verbindung mit der Tabak- industrie die Ehre verdanke, heute vor der Versammlung über die Wahlfrage zu sprechen. Verschiedene Parteien haben darüber geklagt, daß keine eigentliche Parole für den Wahlkampf vorhanden sei. Tas ist aber falsch; es giebt eine Parole: die Handelsverträge! Der Zolltarif bedingt neue Handelsverträge. Nun hat der Vorredner Heyltgenstaedt ja schon gesagt, daß bei der hastigen Festsetzung des Zolltarifs Fehler gemacht worden seien. Aber wir müssen uns nun der Mehrheit fügen, und auf der Grundlage des neuen Tarifs neue langfristige Handelsverträge zu erlangen suchen. Die Regierung wird bei Verträgen, die mit einjähriger Kündigungsfrist laufen, nicht bleiben können. Es muß daher jedenfalls über kurz oder lang die Handelsvertragsfrage entschieden werden. Leicht ist es nicht, passende Handelsverträge zu bekommen. Staaten wie Oesterreich-Ungarn und die Schweiz haben auch nun vielfach in zwcichsachem ober dreifachem Grade Zollerhöhung gegen seither und werden auf dieser Grundlage mit uns verhandeln. Redner verweist dann auf Schwierigkeiten, die im Lande selbst liegen, auf die Widerstände, die von sozialdemokratischer Seite und wiederum auch von den allzu hochgespannten Forderungen, die vielfach die Landwirtschaft erhebe, herrührten. Dazu kämen auch die sogenannten Unbeteiligten, die den Handelsverträgen so wenig Wert beimessen und in ihrem kurzsichtigen Kleinkram sich einbilden, es könnte sich auch ohne Verträge die Kaufkraft im Lande heben. Der Redner wies dabei hin auf eine Braun'sche Reichstagsanekdote, die diese Leute vortrefflich illustriere. Ein paar Dienstmänner, die sehr schlau zu handeln dachten, als sie an einem heißen Tage ein Faß Bier mit hinaus aus der Stadt nach einem Dorfe, in dem es keine Wirtschaft gab, schleppen wollten, um es dort mit hohem Verdienst glasweise loszuschlagen, es aber unterwegs austranken, für jedes Glas einander 10 Pfennig zahlten, sodaß ihnen das Faß schließlich selber außerordentlich teuer wurde und ihre Taschen leer wurden, handelten gerade so weitsichtig wie die Handelspolitiker, die sich nicht um das Ausland bekümmern wollen. Dagegen steht doch fest: Wenn wir dem Ausland mehr verkaufen als mir von ihm kaufen, wird der Nationalwohlstand wachsen. Deutschland muß em strebsames Glied der neuen Weltwirtschaft werden, deren Bedeutung sich immer mehr erhöht hat, was der Redner zahlenmäßig belegen konnte. Tie Gesamtausfuhr aller Länder zusammen betrug im Jahre 1860 29 Milliarden, 1899 84 Milliarden. Von Land zu Land ist die Güterausfuhr gewachsen. Deutschland hat bezüglich der größeren Ausfuhr die 2. Stelle erreicht. Englands Ausfuhr betrug 1882 19,7 pCt. deS gesamten weltwirtschaftlichen Austausches, 1899 nur noch 17 pCt.; Deutschland hatte 1882 10,3 pCt., 1899 11,8 pCt.; die Vereinigten Staaten hatten 1882 9,9 pCt., 1899 9,6 pCt.; Frankreich hatte 1882 11,1 pEt., 1899 8 pCt. — Folgende vergleichenden Zahlen für Deutschlands Außenhandel waren interessant: 1892: Einfuhr 4468 Millionen, 3477 Millionen Ausfuhr; 1901: Einfuhr 6016 Millionen, Ausfuhr 4825 Millionen. Unsere Handelsbilanz ist zwar passiv, aber unsere Teilnahme an der Weltwirtschaft besteht nicht nur im Güteraustausch. Güter wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Art, die wir im AuSlande haben, verzinsen sich. Ist also auch die Handelsbilanz passiv, so ist die Zahlungsbilanz doch aktiv. Wir sind tatsächlich vorwärts gekommen. Wir haben vom Auslande mehr bekommen, als wir bezahlt haben, das geht aus den Einkommenoerhältnisien hervor: der Wohlstand ist ganz außerordentlich gewachsen seit 10—20 Jahren in den weitesten Kreisen. Auch die Statistik über die Ein- und Ausfuhr der Edelmetalle ergiebt, daß wir im großen und ganzen doppelt so viel bekamen als hinausgaben. Redner ging über zu einer mteresianten Kritik der Handelsverträge. Tie alten Handelsverträge haben durchaus günstig ab* geschloßen. Nur eben die Ausfuhr nach Nichtvertragsstaaten ist nicht gestiegen. Aus den statistischen Zahlen des Redners folgte, daß unser Geschäft mit den Vertragsstaaten gut gewesen ist. Und nicht nur bei Artikeln, bei denen uns Vergünstigungen zustanden, haben uns die Verträge Nutzen gebracht, sondern auch bei anderen Artikeln. Gerade aber bei langfristigen Handelsverträgen ist ein stabiler Austrag gewährleistet. Darum sprach der Redner seine Freude darüber aus, daß der ausgestellte Kandidat für solche Handels- vertrüge ist. Herr Schloßmacher kam danach ausführlich auf die Fragen der Landwirtschaft zu sprechen. Er führte aus, daß die Industrie nicht ein Feind der Landwirtschaft sei. Nicht die Industrie schädige die Landwirtschaft — eher nütze sie ihr — sondern die exotischen Länder, die wegen ganz besonderer Produktionsbedlngungen große Massen von Getreide zu unverhältnismäßig niedrigeren Preisen exportieren, als in Deiitschland der Produktion möglich ist, machen der Landwirtschaft in erster Linie zu schaffen. Darum solle sich die Landwirtschaft nicht einseitig gegen die Industrie wenden, sondern Handelsverträge ermöglichen. Ein Fünftel der Bevölkerung Deutschlands lebt von der Ausfuhr, und mittelbar noch mehr. Andererseits seien 35 pCt. der Gesamtbevölkerung landwirtschaftlich tätig und man müsse, so sagte der Redner, sorgsam an die Frage herantreten, wie sich die Interessen des großen Bauernstandes fördern ließen, ohne die anderen Kreise allzusehr zu schädigen. Wir müssen auf der Grundlage des Tarifs zu Handelsverträgen kommen. Der Bauernstand sollte sich nicht vom liberalen Bürgertum abwenden, sondern daran denken, daß jetzt wie ehemals, als er gerade durch die tätige Mithilfe der Städte von der Hörigkeit gegenüber den Großgrundbesitzern befreit wurde, feinen einzigen natürlichen Gegnern, denen er sich jetzt in seiner kurzsichtigen Befangenheit wieder unterordne und sich von ihm willenlos inö Schlepptau nehmen lasse, seine Interessen mit denen des Gros der städtischen Bevölkerung und der Industrie verknüpft sind. Redner sprach von den Sozialdemokraten und den Klerikalen, die ihre Herrschaftsgelüste überall zur Geltung bringen wollten und da fehle rs noch gerade, daß auch der Bauer sich absondere und wieder, wie einst, der Herrschaft der Junker sich unterwerfe. Wir brauchen den Bauern und der Bauer braucht un8l Redner spricht nochmals seine Freude aus, daß beide Parteien, die Nationalliberalen und die Freisinnigen, sich zu dem .gemeinschaftlichen Kandidaten geeinigt hätten und wünscht der Wahl in diesem Sinne guten Ausgang. Reicher Beifall wurde laut, als der Redner geendet hatte. Als sich nach Herrn Schloßmacher Justizrat Dr. Gut- fleisch erhob, wurde er von der Versammlung mit lautem Bravo begrüßt. Die Rede unseres ftüheren hiesigen Reichstags- und Landtagsabgeordneten war außerordentlich packend und schneidig. Er führte aus: Als ich heute hierher ging, hatte ich noch keine Kenntnis von dem Flugblatt, das die Sozialdemokratie gestern ausgeteilt hat. Nun, ich bin auch einer von den ,Angstmeiern* (Heiterkeit). llebrigenS ist erfreulich, daß eine so große Zahl von .Angstmeiern" heute erschienen ist. Uns trennt von der Sozialdemokratie eine ganze Welt. Ich brauche heute nicht gegen diese Partei zu polemisieren, ich konstatiere nur, daß die liberalen Parteien von früheren Jahren her die Gewohnheit hatten, in den Versammlungen Anfragen zu gestalten und beantworten zu laßen. Ta hat uns aber die Erfahrung hier und an anderen Orten gelehrt, daß die Sozialdemokratie sich damit nicht zufrieden giebt, sondern daß ans ihren Reihen gewöhnlich ein Redner nach dem anderen die Tribüne besteigt, nicht um sachliche Diskussion zu führen, sondern um ganz außerhalb des Rahmens der Versammlungen das sozialdemokratische Programm m allen Tonarten zu preisen und breit zu treten. Das wollten wir verhindern. — Seit Jahren leidet unser Wahlkreis darunter, daß der Gei st Pickenbachs noch dann herrscht. Der Streit der Jntereßen ist mehr emgetreten, als gut ist. Ein Gutes hat ja dieser Kampf: er hat ein Heroortreten derjenigen mit sich gebracht, die früher dem politischen Leben ganz fern standen. Aber das Schlimme überwiegt doch zu sehr: man sollte wieder vom Kampf der Jntereßen zu einer gesunden Politik zurückkehren. Ter seitherige Abgeordnete Köhler und ferne Leute, die reinen Agrarier, haben keine Ahnung, was es mit denen giebt, die feine Bauern find. Man betrachte die großen politischen Aufgaben des Reiches, die gewaltigen An- l'trengungen für unser Ansehen, für Heer und Flotte l Ja, wird es möglich fein, daß der Bauer imstande ist, diese Machtstellung zu schaffen? Nein, Industrie und Handel drängen darauf hin und fördern dies alles. Sie haben darin etwas geleistet und werden etwas leisten. Gewiß, der Bauernstand ist eine gute Grundlage für unser Gedeihen und unsere Kraft, und ihm, dem Barier, wollen wir gern geben, was ihm zukomml. Aber der Bauer sollte auch das In- tereffe des anderen Bürgers verstehen. Nicht für eine einzige Klaffe darf man politisieren, sondern für die Gesamtheit, und das Interesse des andern darf nicht zu kurz kommen. Seither war das bei dem Abg. Köhler nicht der Fall. Herr Köhler hatte seither als Abgeordneter feine besondere Eigentümlichkeit: er blieb immer hübsch daheim bei seinen Wählern (Große Heiterkeit) und ging nicht einmal in den Reichstag, um seinen Kreis zu vertreten. Ta sagte man ja wohl oft: „Ja, der Köhler ist nicht so schlimm, der verdirbt wenigstens nichts!" (Heiterkeit.) 9lun, das ist ein sehr bescheidenes Lob, das man einem Abgeordneten erteilen kann. Und mit der Entschuldigung seines Verhaltens hat er sich doch eigentlich als Kandidat unmöglich gemacht; „er liebe die Preußen nicht, und Berlin sei ihm zu teuer." Nun erinnere ich Sie an das Jahr 1870 und an die Freude darüber, daß man endlich eine Volksvertretung hatte, deren Vertreter direkt aus dem Volk gewählt wurden. Was ist aber nun seit 13 Jahren aus unterem Wahlkreis geworden! Nicht nur, daß wir nicht den richtigen Abgeordneten hatten, Köhler geht nicht einmal hin und tut niemals seine Pflicht. Das ist für das politische Gewißen der Wähler doch ein starker Druck. Es war seither gerade so, als hätte man uns das Wahlrecht genommen. — Und bann: von einem Antisemiten vertreten zu fein, ist keine Ehre! Tie Antisemiten zerfallen in fünf bis sechs verschiedene Parteien und es fehlt ihnen jeder politische Halt. Wir müßen bedauern, daß gerade wir hier noch so vertreten find. 1890 kam Picken* bach, und es ist unbegreiflich, wie man diesem Manne entgegenkam. Tie irregeleitete Bevölkerung fiel dann 1893 leicht Herrn Köhler in die Hände. Wenn dieser nun, nachdem er 10 Jahre lang nicht feine Pflicht getan hat, wieder.kommt, um sich als Kandi dat vvrzu». mit einer Ansprache, in der er einen geschichtlichen Rückblick des alten Dtömers und über die Entstehungsgeschichte des neuen Rathauses gab. Er führte u. a. aus: Lunge Sorge erfüllte die Herzen, als ui neuester Zeit angesichts der raschen Bevölkerungszunahme und der gewaltig wachsenden kulturellen und sozialen, wirtschaftlichen und technischen Ausgaben der Stadtverwaltung die alten Räume zu eng wurden und immer gebieterischer die Notwendigkeit eines Rathauses und damit die Frage hervortrat, ob denn die städtischen Behörden wirklich ihren durch die Erinnerungen eines halben Jahrtausends geweihten Römer verlassen sollten. Es erschien unmöglich, und getreu dem Goethe- scheu: „Was Tu ererbt von Deinen Vätern hast. Erwirb es, um es zu besitzen" suchten und fanden wir endlich, nut Hilfe begnadeter Künstler, den Weg, der die Möglichkeit gab, unter Beseitigung entbehrlich gewordener oder untergeordneter Bauteile und durch Anfügung neuer, dem gegenwärtigen Bedürfnis an- gepaßter Räume, in engem Anschluß an den alten Römer und doch ohne Gefährdung seines eigenartigen Bildes, einen geräumigen, straßenüberspannendcn und erweiterungsfähigen, an die gewundenen Straßen der Stttstadt und ihren baulichen Charakter sich eng anschmiegenden Neubau zu errichten und so der Väter Erbe aufs neue ucks zu eigen zu machen. Tarauf erwiderte der Kaiser folgendes: Es ist mir ein Bedürfnis, im Namen Ihrer Majestät der Kaiferin und in meinem der Stadt Frankfurt aus tiefem Herzen warmen Tank zu sagen für die Lage, die sie und bereitet. Spontan, ein Ausbruch herzlicher G fühle, war der gestrige Empfang, actragen von dem aus vielen tausend Kehlen gesungenen deutschen Liede. Es war so recht das Bild der Iräftig sich regenden, nach allen Richtungen sich entwickelnden großen Metropole, der Erfolg dessen, was das Schwert meines siegreichen Großvaters für das Vaterland errungen hat, ein Beweis dafür, wie mit eS Frankfurt unter preußischer Krone gegangen ist. am Kysshäuser her zog meine Bahn, zur alten Römerstadl hin; bad Knfchansertor ist gesprengt, und offen sind die Tore und Gassen der Stadl Frankfurt geworden, vergangen die alten Zeiten und zur Geschickte geworden. Tas neue Deutsche Reick ljat Frankfurt zur neuen Bedeutung sich entwickeln sehen, und jo war es denn mein Wunsch, wie schon in früherer Zeil aus Frankfurt die ersten schönen Sprößlinge des deulschen Liedes erstanden und wie heute zmn ersten Male in Ihren Mauern deutsche Männer sich versammelt hal'en, um nach alter Sitte im Liede mit einander zu ringen, so möge in Verbindung mit der modernen Entwicklung und Ausgestaltung der Stadt, wie hier im Rathaus, die Pflege her alten Xraöüwuen uud der alten Geschichte der Stadt Hatid in Hand gehen, denn nur wer [eine Geschichte pflegt, wer feine Traditionen hochhält, kann in der Welt etwas werden. Tie Ordenskette, die Sie um die Schultern Ihres Oberbürgermeisters glänzen sehen, ist ein Beweis dafür, wie grate aus einem meinem Herzen so naheliegenden und von mir so eifrig durchforschtem Gebiete, dem der sozialen Politik, Frankfurt an der Spitze marschiert, und wie eS mir am Herzen lag, die Stadt und ihr Oberhaupt dadurch zu zieren, und mein vollstes Einverständnis zu erklären mit den Wegen, die Sie hier eingeschlaaen haben, zum Segen für Ihre Bürger und zum Beispiel für das Vaterland. Es ist mir aber wohlbekannt, daß außerdem noch ein Wunsch die Brust Frankfurts bewegt, dem ich gern Folge gebeut werde. Es ist schon lange der Wunsch, daß die Zu- sammengehörigkeit ocr Stadt mit ihrer Garnison durch ein äußeres Band auch in der Heeresgeschichte sich kennzeichnen möge; und diesem Wunsche der Frankfurter Patrizier entgegenkommend, habe ich befohlen, daß vom heutigen Tage an das 2. hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 63 „Frankfurt" heißen soll. So möge denn auch die Garnison in Verbindung mir der Bürgerschaft Frankfurts in Frieden und Freundschaft, stolz au; ihren 4tarnen auch Ihnen, den Bürgersöhneu, ein Heim bieten, und möge Gottes reichster Segen auf allen Ihren Unternehmungen ruhen, auf welchem Gebiete es auch sei. Das ist mein heißester Wunsch und darauf leere ich den Pokal! Auf das Wohl der Stadt Frankfurt! Hurra! Hurra! Hurra! Brausend ertönte dieses erste Hurra in dem neuen Saal. Die Majestäten ließen jia) darauf die Mitglieder des Magistrats, den Stadtverordnelenvorsteher Dr. Humser und verfchiedene andere Herren vorftellen und zogen viele von ihnen ins Gespräch. Dann schrieben der Kaiser, die Kaiserin, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die Prinzen Eitel Friedrich und Sldalbert, der Herzog von Sachsen-Eoburg Gotha und Prinz Friedrich Marl von Hessen ihre Namen in das Titelblatt des Goldenen Buches der Stadt Frankfurt ein. Durch das Kurfürstenzimmer und den Kaisersaal über die reich mit Blattpflanzen geschmückte Kaisertreppe gelangten die kaiserlichen Gaste zum Ausgange nach dem Römerberg, von wo sie unter endlosen Hochrufen der Menschenmenge zum Frühstück beim Prinzen und der Prinzessin Friedrich .Hari von Hessen fuhren. Mittags waren Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg Lippe hier eingetroffen, die nachmittags mit den Prinzen dem Wett'iilgeu der zweiten owuppe beiwohnten und mit ihnen um Uhr nad) Wiesbaden fuhren. Nach Beendigung des Ehrentrunk-Festaltes im Rathaus hatte der Preßausschuß die Vertreter der hiesigen und auswärtigen Presse zu einem Frühstück in das Weinrestaurant Aegir auf dem Festplatz geladen, und abends fand im Restaurant Wartburg ein gemütliches Beisammensein der Mit-> glieher des hiesigen Journalisten- und Schriftstellervereins mit den auswärtigen Kollegen statt, eine Erholung, die den Vertretern der öffentlichen Meinung nach dem an* strengenden Dienst der letzten Tage ivohl zu gönnen war. — ^amdtag mittag 1 Uhr gibt der Kaiser im Hotel Imperial am Opernplatz ein Frühstück, wozu die fremden Fürsten, die Spitzen der Behörden und andere Ehrengäste, wie verlautet auch die Preisrichter, geladen sind. — Die Kaiserin wird neueren Meldungen zufolge auf Besuchen in hiesigen Wohltätigkeitsanstalten verzichten müssen. Ihre Seit, die ihr gemessen ist, gestattet dies nicht. — Dem Kaiser gefielen bei seiner gestrigen Rundfahrt die Illumina- tionswagen ungemein. Wiederholt äußerte er sich lobend über das glänzende Arrangement. Außer den gemeldeten Ordensauszeichnungen erhielten noch Bankdirektor Siebert den Roten Adler - orden 4. Kl., Generalkonsul Krebs Pfaff und Kaufmann und Stadtverordneter Adolf Kugler den Kronenorden 4. Klasse unb Maximilian Fleisch, Direktor am Rafsschen Konservatorium, den Titel Professor. Wiesbaden, 4. Juni. Nachmittags 5.40 Uhr trafen der K a i f e r und die Kaiserin, von Frankfurt tommend, wieder hier ein und begaben sich direkt zuin König von Tänemark, um ihm anläßlich des Hinscheidens dessen Bruders, des Prinzen Julius, einen Kondolenzbesuch ab* zustatten. Der Kaiser trug dänische Admirals-Uniform, die Kaiserin tiefe Trauer. Ter Besuch bed Kaiserpaares beim Honig dauerte etwa eine Viertelstunde. Mit dem Kaiserpaar trafen von Frankfurt ein Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburgslppe, während um 6 Uhr der Großherzog von Hessen hier cüittaf. Vor dem Theater nahmen der Grogherzog nno die prinzlichen Herrschaften an der kaiser- iidjen Tafel teil, woraus man sich ins Theater zur ersten (5 e ]t d o r )t e (l u n g b c d Oberon begab. — Die Besich- altromischen Ausgrabungen auf dem Terrain R aU^"' /.'S um Engel" finden am Sonntag vormittag Kaiierpaai wird am Sonntag vormittag dem .-iilitargottcvuicnfte in der evangelischen Hofkirche frei- wohnen, worauf eine Parade der hiesigen Garnison statt- sindet. — xte Jestvotstellung des „Oberon" verlief in der blichen xTCüe. Frl. Plaichingcr sang die Rezia, Äolisch den Huon, ^rl. Robinson den Oberon. Herr v. Hülfen wurde gutem Vernehmen nach zum G e n e r a 11 n t c n * Dante h mit dem Prädikate Eizellenz ernannt. S J on Hessen ist nachts mit ~onbcröug wieder nach Darmstadt zuruckgekehrt. stellen, so ist daS doch ein Schlag ins Gesicht der Wühler. Zum Schluß möchte ich eine ernste Mahnung auS- sprechen: Der Wahlkreis soll seine Pflicht tun. Jeder soll cS als eigne moralische Pflicht ansehen, an die Urne zu gehen und seinen Zettel abzugeben. Jeder, der daS versäumt, verdientes, daß man bei eoent. ungünstigem Wahlausgang mit denFingern auf ihn deute und ihn beschuldige, daß er auch Schuld hat an dieser elenden Vertretung. Der Redner kam noch auf daS Verhalten Köhlers zu sprechen, als eS sich im hessischen Landtag darum handelte, daS direkte und gleiche Wahlrecht einzuführen. T»e sehr stark bevölkerten Streife haben wie ine schwach bevölkerten nur einen Abgeordneten. Unter den Leuten, die gegen den Regierungs-Entwurf stimmten, war Köhler. Ter wollte von den Städten nichts roiffen; er verweigerte ihnen die ihnen wegen ihrer erheblichen BcvölkerungSzunahme von Rechtswegen zukommenden zweiten Abgeordneten, indem er sagte: Ihr habt elektrisches Licht, habt Theater (Heitertest) und wir auf dem Lande haben nichts. DaS liberale Bürgertum hat, so führte der Redner weiter aus, ernste Aufgaben. Keinesfalls ist eS ein Gegner der Bauern. Die Interessen aller Stände sollen gründlich erwogen werden. So möchte ich denn die ernste Aufforderung auüsprechen: Wählen Sie Kommerzienrat Heyligenstaedt und 3ic werden damit dein Wahlkreis einen Tienst erweisen. (Lauter anhaltender Beifall.) Kommerzienrat Georgi sprach daS Schlußwort, indem er nochmals darauf hinwies, daß der Kandidat sich bereit erklärt habe, Aufragen aus der Versammlung heraus zu beantworten. Ta auf seine Aufforderung sich niemand meldet, steht man am Schluß der Versammlung. Kommerzienrat Georgi wiederholt auch noch einmal, daß man die Pflicht habe, einen wirklichen Vertreter des Streifes zu wählen, nämlich Kommerzienrat Henlrgenstacdt, und am Tage der Wahl unter allen Umständen zur Urne heran- zutreten. Unter einem Hoch auf das Vaterlaiid, in daS die Anwesenden nut Ausnahme der sehr spärlich erschienenen Sozialdemokraten begeifert einftimmten, schloß der Vorsitzende die Versammlling. ____________________ mb । ■ ma । ■ von 95 Psg. bis 5.85 p. Met Foulard-Seide SäSE wähl umgehend. Seiden - Fabrik Henn«-b>rg. Zürich. Bekanntmachung. Die Wahlen zum Reichstag sind ,m ganzen Reiche auf Dienstag den 16. Juni 1903 festgesetzt. Tie Abstimmung wird um 10 Uhr vormittags begonnen und um 7 Uhr nachmittags geschloffen werden. Die Stadt Gießen zerfällt in folgende Wahlbezirke: 1. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der höheren Mädchenschule. Wahlvorsteher: Stadtverordneter Hanau, Stellvertreter: Stadtverordneter Leib. Asterweg, Ederstraße, von Licherslraße 65 Kaserne II, Marburgerstraße, Rodtberg, Schlllerstraße, Schottstraße, Steinstraße, Walltorslraße 23—81, Weserstraße und Wiesecker Mk. 10000100- 3*/2 °/o Kommunal-Obligationen Mk. 10000000- 3n Hypotheken-Pfandbriefe der jkndclM £ande$-j(ypothd(cnbatil[ 4518 4491 4492 Dekorationen 11102 Drogerie, Tauzrg. 4497 [3317 Conrav Häuser. Ein heller Flasche Mk. 1.50 nur in der Adler-Drogerie, Seitenweg 39. Betten H Möbel Derdingung. Tw Lieferung von Lung- stcinrahmen zur Einfassung von Gruppengräbern soll Mittwoch den 10. l. Mts., vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen in unserer Schreibstube zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind zu vorgenanntem Zeitpunkt bei uns einzureichen. Gießen, 4. Juni 1903. Städtisches Hochbauamt. I. V.: Gerbel. 4483 10111111.; in Steinberg: Karl iiinkier, Werkmeister. 14059 Wir erlassen diese Werte, deren Einführung an den Börsen u. a. durch unsere Bank erfolgt, bis aut Weiteres zur jeweiligen Fra' kturter Notiz franko Provision. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Handelsmanns Hermann Ziegelstein von Treis a. d. Lda. wird, nachdem der in beni Vergleichstermine vom 21. März 1903 angenommene Zwangsocrgleich durch rechtskräftigen Beschluß vom 21. März 1903 bestätigt ist, hierdurch aufgehoben. 4495 Gießen, den 29. Mai 1903. Das Großherzogl. Amtsgericht. Die Lieferung von 210 Ztr. Rußkohlen 1. Sorte und von 98 Ztr. Coats für das Großh. Amtsgericht und das Haftlokal soll im Submissionsweg vergeben werden. Angebote sind zum Eröffnungstermin Ton- nerStag 18. Juni 1903, vormittags 11 Uhr, cmzu- reichen. Zujchlagsfrist 1 Woche. Die Bestimmungen des Minislerial-Erlasscs vom 16. Zuni 1893 sinden Anwendung. Gr. Amtsgericht Lich. Vuy: h MONT1GNY (Metz.) EPERNAY (Champagne.) 1 KönigI. Bayer, u. Wurttem berg. Hoflieferanten. H Alleinverkauf für Giessen: Hch. Anbei, Cigarren und Wein, Giessen, Seltersweg 58. Bekanntmachung. Die d,jährige Grascrnte von den Schnelsen des Gießener Stadtwaldes soll ^icnStag den 9. Juni 1903, vormrttags 11 Uhr, im Hose bei dem Bürgcrmeislereigebäude öffentlich Vertreter: Stadtverordneter Schaffstädt. Hammüraße, An der Hardt, Kornblumengaffe, Krof» dorfer Straße, Lahnslraße, In Löbers Hof, Große und Kleine Mühlgasse, 'Neustadt, OSwaldsgarten, Rodhcimerslraße, Sand- gassc, Schanzenstraße, Schützcnstraße und Tiesenweg. 6. Wahlbezirk. Wahllokal: Biirgcrmeisterei- gcbäudc. Wahlvorsteher: Oberbürgermeister Mecum, -Ltellver- tretcr: Stadtverordneter Heichelheim. Dreihäusergassc, Eichgärten, Eichweg, Erlengasie, Garten- straßc, Johamicsslraße, Loberstraße, Löwengasse, Lony'lraße, Üudwlgsplatz, Maigasse, Plockstraße,^Roonstraße, Seltersweg, Sonncnslraßc, Großer Stcinweg, Südanlage, Teufclslust- gärtchen und Weidengasse. 7. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der Stadt- Mädchenschule. I Wahlvorsteher: Stadtverordneter Kirch, Stellvertreter: । Stadtverordneter Huhn. Alicestraße, Bahnhofstraße, Bleichstratze, ^rankfurterstrage 1__20, Grabenstraße, Lrebigstraße 1—21, Westanlage, Hinte', der Westanlage und Wolkengaffe. 8. Wahlbezirk. Wahllokal: Sälchen der Gastwirtschaft „Zur Scltcrshöhe". Wahlvorskchcr: Stadtverordneter Schiele, Ltcllvertreter: Direktor Lemme. , , n den Bahnhöfen, Crednerstrave, Ebclilrasze, jranF» furterstraße 21 bis Schluß, Hillebrandslraßc, Hofmann,travc, Kllnikstraße, Leihgesternerweg, Liebigslraße 22 bis Schluß, Ludwigstraße 42 bis Schluß, Mittelweg, Riegelpsad, Wetzlarer Weg und Wilhelmstraße. Gießen, 3. Juni 1903. 44'n Der Oberbürgermeister: 9)2 ecu in. verwendet stete nr (Backpulver 7, * , {Vanillin-Zucker Oetker S(Pudding-Pulver ä 10 Pf. Millionenfach bewährte Re- z.epte gratis von den besten Geschäften. M- nni üiamoriitrlt, Tmchiezelei Ang. r. Kaum’a G. M. Reflex-Cröme in schwarz und in allen Farben. Frei von Terpentinöl; frei von Säure, frei von Harzöl, sowie frei von sämtlichen dem Leder schädlichen Substanzen. 8792 Anerkannt bestes u. unübertroffenes Putz- u. Conaervierungsmittel für alle Schnhe und Lederwaren. Hervorragende Anerkennungsschreiben. Geuera Vertreter für Frankfurt a M. n.l’mg lioslai deidthel. i’raailurl i.LJene Zril tili Ju Giessen zu haben bei Aug. Noll, Dro?. z roten Kreuz, Babuhofstr. Adolf Bieler, Victoria-Drog. Emil Fischbach, Drog. tieltersweg Quo Schaaf, Adler-Drog.. Seite»weg. Pn. Schwager Wwe., Drog Trinkt Apf-Miimchen Lasche 30 Pfg. Keiofte» Medizinal- und rafelgefrSuk. Reiner Rpfelsaft ohne Alkohol. Bestes ErfrlschuugS. 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