Donnerstag, 5, März 1903 153, Jahrg. Erscheint täglich mit %u6no6mt bei Sonntags Dl .Gieße ZamiUendlSNer- werden dem Anzeiger vierma wöchentlich bergelegt. Der HMlch« tonöeht“ erscheml moruulrch einmal* Gießener Anzeiger B»mnhputffid) 16t den nfljHwrt—i Kl P. Satte; tüt den ÄnKNjenttti; t BtA Stotattonibrud und vertag be VrOht^chM UntDcdUatibwdmt (Pterhch teb*i O-tzm» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. ningcn -pciion. .um n , • • .........•• Ick habe biinngcfüflt, I entgegen nehm in - < -• I * X- 4 AH frnir fr rblte, ferner wünscht ist ja nicht viel, WaS ich gethan habt, die Verhältnisse der daß ich helfen will, so weit ich helfen ! kann! will nur eine Verein- Pflichtgefühl in mir lebcdm ist. Natürlich kann ich diese Fürsorge i In Bezug auf das Koalitionsrecht bin ich in der Prelle heftig Ko°M°nSftribrit werbrni sich Erübrigen. M°g.b.r Mnistrnbah« Wird, der Geist deS Unfriedens, denn ist er auch nicht schlimm. hebt sich der Eisenbahn gearbeitet, bei der Penstonirung angerechnet werden. Eine Reihe weiterer Beamtenkategorien — über die Redner mit anerkcnnenSwerther Ausführlichkeit sich verbreitet — verdienen gleichfalls eine größere Berücksichtigung und Besierstevung. Es ist ferner von den Vorrednern über das Vcrhältniß des Ehefs der Eisenbahnverwaltung zu seinen Beamten und Arbeitern gesprochen worden. Auch da kann ich den Herren sagen, daß ich voll mit ihnen übereinstimme. (Na, na! hei den Soz.) Auch ich halte es für meine schön- - Pflicht, Tag und Nacht für meine Arbeiter und Untergebenen zu sorgen; es ist dies meine vornehmste ' .1 < • < . < • flL. ...S; «T.i» CT? P. X«a ftrnMrt ' in der Lage, den Vertrag, den ich mit den Fahrgästen eingegangen, innezuhaltcn, ja, bann leidet auch die Gesammthett, dann bricht eine große Kalamität in wirthschaftlicher Hinsicht über daS Land herein. Ich muß es also als eine meiner Pflichten erachten, daß ich solcher Gefahr entgcgenwirkc. Wird nun von einer Vereinigung mir angekündigt. daß eS ihre Aufgabe ist, die Arbeiter zu organi- in die er ihn hineingesetzt hat. Und ich will von dieser Stelle es aussvrechen, so daß alle meine Beamten und Arbester c5 hören sollen, daß ich keine politischen Rechte antaste und daß ich gemeinsam mit den übrigen Arbeitern Tag und Nacht arbeite, so wie das Wohl des Vaterlandes es erfordert. (Setfan rechtS; Lachen bei Vertreter der berbünbeten Regierungen behaupten, baß daS, wat er gesagt bat, eine Lüge sei, so ist bas ungehörig und ich ruft Sie ES folgt der Etat derVerwaltungderelsatz"loth- eingischen Eisenbahnen . Alm. Riff (freif. Vgg.): Der Minlstcrwechscl in Preußen wird ___- .....< r__r* QTTfeiS fi<-*irrt allerdings; die mer ist voll von Verhetzungen und Aufteizungen der Eisenbahner, denn im Allgemeinen sind die Etsenbabner, auch die in den Vereinen, Gott sei Dank, durchaus vaterlandstreu; sie müsien schon von außen aufgehetzt werden. (Redner verliest eine Anzahl Zitate miS dem Weckruf.) In einer Nummer wird sogar die Schaffung von Eisenbahnschieosgerichten verlangt, denen alle Streitfälle unterbreitet werden sollen, sogar auch alle Disziplinarfälle. (Hört, hört! rechts.) Wenn ick gegen solch' einen Verein vorgehe, so hat das nichts mit Parieivolttik zu thun; eS ist lediglich Nothwehr, und wenn Herr Bernstein diese Bestrebungen von sich abweist und wenn er das leugnet, daß die Ziele, die der Gewerkschaftskongreß in Stuttgart verfolgt bat, auch von ihm verfolgt werden, dann habe ich mit der Sozialdemokratie überhaupt nichts ’U thun Allerdings ist eS mir zweifelhaft, daß das geschehen wird. In dem Centtalorgan der sozialdemottattschen Partei heißt es: Das Reckt deS SttikenS ist mit dem Koalitionsrecht unlöslich verbunden. (Hört, hört! rechts; Zurufe: Selbstverständlich! bei den Soz.) Entweder man giebt den Eisenbahnern das Sttikerecht ober man entmündigt sie zu wehrlosen Sklaven. (Hört, hört! recht?.) Dann wird von einem „System Budde" gesprochen. das die Arbeiter entmündige. ES giebt übrigen! gar kein System Budde. Das Sintern der Selbsterhaltung ist fe al't, wie zwei Augen da sind, die über die Dis-iplin Wachen. Wenn der ..Vorwärts" die ganze Sache so darstellt, als ob ich da! ..Svstem" erfunden hätte, so ist daS zu viel Ehre für mich Da! hat der „Vorwärts" nicht Alles über das Stiftern Budde geschrieben. In einem Artikel über den holländischen Arbeitersttike, in dem er von den entrechteten Ei 'enbahnproletariern svrach, führte er auS, Wg. v. Rarborff (ReichSp): Die Sozialdemokraten wollen bloS die Herrschaft gewinnen, deshalb sind sie auch Republikaner und können nicht Monarchisten sein. Gewiß bin ich für die Heraufsetzung der Personen- und Herabsetzung der Gütertarife. Sie mögen das meinetwegen den agrarischen Pferdefuß nennen. Ich will gerade, daß daS Land entlastet und die Städte mehr belastet werden, denn das Land zahlt baS Dreifache an Kommunalabgaben als die Städte. Die Einführung einer Billetsteuer würde ein kleines Mittel sein, 'un die Städte mehr zu belasten. t „v Abg. Schmidt-Frankfurt (Soz.) führt Beschwerde darüber, bafi die Eisenbahnarbeiter eine zu lange Dienstzeit hätten. Die Angestellten des Frankfurter Bahnhofs-Restaurants hätten sich durch Revers verpflichten müssen, eine kürzere al5 die gesetzliche Ruhezeit in Anspruch zu nehmen. u v Abg. Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.) besttestet, ^atz^dasLa^ mehr Kommunalabaaben als die Städte zak^" ‘ f Redner, daß die Verwaltung sich auch um ... DahnhofS-Buchhändler kümmere. Nach kurzer, unwesentlicher, weiterer Debatte wird der Etat des R c i ch s c is e n b a h n a m t S bewilligt. auf schleunige Abhilfe (innen. Abg. Houß (Els ): Wir sind in Elsc^-Lothrin^n g^enuber Preußen thatsSchlich im Nachtheil; ttnrhaben keine 4^ Klasie.auf man für 2 Pfg. pro Kilometer fahren kamt. Dringend noth thut uns emc Verbilligung der Personeittarife. Man reist m EIs^- Lthringen de facto jetzt theurer, als in Preußen u^sudbeutsch- land. Ferner müßen wir verlangen, daß ini alle Schnellzuge mit Ausnahme der Luxuszüge — Dagen 3 Klasse ^6^ell Norden. Wir billigen gewiße Klassenunterschiede auf dn Ei'enbahn. die Schnelligkeit aber muß für alle gleich sein. Zur hcit aebört auch die Heranbildung eines zufriedenen, «bcitsfreukn gen Fahrdersonals. In dieser Beziehung bleibt unS ab« W viel zu thun übrig. Vor Allem muffen die PenswnSverhaltniffe besser werden. Unser ganzes PenfionSsystem bedarf einer grundsätzlichen Aenderimg. Unser Lokomotivfuhrerversonal wird zu rasch ^gewitzt. Das erklärt sich aus dem tn der Tchat aufreibenden Dienst und dem langsamen Avancement. Der Beamte wrrd 3o Satire im Durchschnitt alt, ehe er überhaupt fest angestelll wird. Er mi^i ttühzeitig hettathen — einen Unverheiratheten will schon kein H^swirih — er bekommt bald Kinder, Schmalhans ist Küchenmeister Er altert vor der Zeit. Die gro^c Mehrzahl der Loko- motwführer sind mst 20, 25 Dienstjahren am Ende; ne muffen drain pensionttt werden. Eine Aufbesserung der AnfanggeHalter n^das Avancement ist keine unbillige Forderung. Man b^enke, ** » —€5. “VS V $ienf™etimnmcn. der ihn f° "brntif bm Momotib- Wre be^nen, M man mehr an sieden« Sir derlrmgen ta nW tid; sie wallen nut. daß ihnen die Jahre, dr- ,,e barher ,n ben Soz.) Abg. Bernstein (Soz.): Der Minister hat uns hier weniger eine Reichstagsrede, al3 eine Festrede gehalten. Kehren wir aus der Festesstimmung zur ANtagsstimmung zurück, hören wtt wieder das, was die Beamten und Arbester selbst verlangen. Sie wollen die KoalitionSfteihest. um nötbtgen Falls selbst für sich sorgen zu können. Trotz alles Wohlwollens von oben will man auch eigene Kräfte haben. Daß das Koalitionsrecht die Disziplin gefährde, ist entf(Sieben zu verneinen. Mein Vater war selber Lokomotib- führer; er war zwar nicht Sozialdemottat, aber doch Demokrat. Und er hat es mit feiner Pflicht so ernst genommen, wie nur bent- bar, und ich weiß aus seinem Beispiel, daß Disziplin im Dienst keine Reglementtrerei außerhalb des Dienstes erförbert. Wohin kann diese nur führen? Zur Gesinnungslosigkeit, zur Heuchelei. Ein wackerer Beamienstand, der treu und fest tum Dienst hält, kann Parlamentarische Perliandlunizen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestatte t. Deutscher Reichstag. 278. Sitzung vom 4. März. 1 mjr. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Am BundeSrathStisch: Schulz, Budde u. A. Die zweite Beratbung deS Etats deS Reichseisenbahn- Amts wird fortgesetzt. Abg. Stöcker (b. k. Fr.) spricht über die Verhältnisse auf den elsässischen Eisenbahnen, wird jedoch vom Präsidenten Grasen Ballestrrm daraus aufmerksam gemacht, ‘»aff diese Bemerkungen erst zum nächsten Etat gehörten. Abg. Stöcker (sortsahrend) führt auß, daß der Minister Budde ganz recht thäte, wenn er gegen die Sozialdemokraten vorginge. Die Erfolge der Sozialdemokraten unter den Eisenbahnern seien übrigens gering. Erfreulich sei es, daß der Minister Budde neulich zu einer Kaiser Geburtstagsfeier nicht nur Assistenten, sondern auch Stteckenarbester und Wagenlacktter eingeladen habe. Wenn e5 unter den Beamten Unzufriedene gäbe, so läge die? vielfach daran, daß die Fühlung zwischen den höheren und niederen Beamten fehle. Durch solche Veranstaltungen würde diese nothlvenbige Fühlung wiederhergestellt. Abg. Stolle (Soz.) bleifil bei seiner Behauptung, daß aus den preußischen Bahnen die meisten Unfälle vorkämen, auf den sibirischen und chinesischen Bahnen ginge e5 besser zu. Die Verwaltung ginge nur gegen die Arbeiter-Organisationen vor, West sie die Arbeiter zu willenlosen Sklaven machen wollre. Daß ein Eisenbahnkrieg zwischen Preußen und den übrigen Staaten bestehe, sei zweifellos ttotz aller Ableugnungen des Grafen Limburg-Ststum. Sächsischer Gesandter Gras v. Hohenthal: $n der Debatte ist auch gesagt worden, daß es den sächsischen Arbeitern verboten sei, bestimmte Zeitungen zu lesen, und daß ein Bremser deshalb fogar entlassen sei. Zugleich hat man gefragt, ob eS mir angenehm sei, wenn man mir Die Lektüre von Zeitungen verbieten wollte. Darauf erwidere ich: Gewiß, es wäre mtt sehr lieb, wenn man mir bestimmte Zeitungen verbieten wollte. (Heiterkett.) Der Bremser ist übrigens nicht entlassen, weil er die Sächsische Arbeiterzeitung gelesen hatte, sondern weil er Vertrauensmann deS sozialdemokratischen Hamburger DerbandeS war. amten. Sie Ungufriebenbrit hn Beamtenstande f« toloffal tm Wachsen begriffen; er wisse das: em Abgeordneter höre zuweilen mehr, als ein Minister. Der Chef der Eisenbahnverwaltung muffe bergehen wollte. Jßebh. Beifall rechts.) In allen diesen AuS- führungen finden Sie nicht ein Wort von Parteipolitik. (Heiterkett links.) Ja, das ist doch thatsächlich der Fall. (Erneute Heiterkett links.) Mir kann es ganz gleichgtttig sein, welche Parteirichtung Minister Budde: Ich bin den beiden Vorrednern dankbar, baß sie eine Anzahl von Wünschen vorgebracht haben. Selbstverständlich ist eS Ihre Aufgabe als Abgeordnete, Dünsche, die im Lande geäußert werden, hier zur Sprache zu bringen; meine Aufgabe als Thef der Reichseisenbahnverwaltung ist es, die Wünsche nicht nur zu hören, sondern sie einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. In wesentlichen Punkten stimme ich mit den Vorrednern überein. Ich möchte nur Einiges Berichtigen, was sie aus den Verhandlungen im Äbgeordnetenhause entnommen haben. Sic sagen. Sie fetten in ihrer Hoffnung auf eine Pcrsonentariftefarm getäuscht, ich soll im Abgeordnetenhause erklärt haben, daß ich keine Personentarifretorm! \ beabsichtige. Weder ich, noch der Finanzminister haben Den- । behauptet. Ich habe nur gesagt, daß ich erst so kurze Zeit -m ■ bin, daß ich heute noch fein Bild von der zukünftigen Personentarn reform, wie ich sie mir denke, geben kann ich müßte die Schnelligkeit eines KonzerimalcrS besitzen, wenn ich ein solches Bild schon jetzt zu entwerfen im Stande wäre. Ich habe ferner erklärt, baß ich eine rein preußische Reform für keine Reform im Sinne einer Vereinheitlichung deS deutschen Eisenbahn wcseno halte. Ich glaube vielmehr: wenn man schon eine Reform rtnlcife, bann müsse man schon ganze Arbeit machen, bonnemüffe man für bas ganze beutsche Reich einheitliche Bestimmungen^ erlassen. Zu biefem Zweck muß Preußen aber mit den anderen Staaten zunächst in Verbindung treten und Verhandlungen führen. Daß ich diese Arbeit in ben acht Monaten, wo ich nn Amt- bin. nicht habe fertig bringen können, diese Arbeit, die mein Amtsvorgänger doch in 11 Jahren nicht fertig bringen konnte, da? werden Sie verstehen; da? wäre auch zu viel verlangt. Ich habe ferner im Abgeordnetenhause gesagt, daß ich zu einer Verkehrsreform im Sinne einer Kcrc-’ifadnmg bereit wäre, daß aber die Rente der Eisenbahnverwaltung nicht so 1 verlockend ist, daß wir auf diese hin Tariferpcrimente machen können, die die Staatsfinanzen schädigen. Daß ich den Gepäcktarif nicht für vollständig halte, habe ich im Abgeordnetenhause erira bestätigt, aber es ist schwierig, etwas anderes an seine Sttlle zu setzen. Abgelehnt habe ich die Reform nicht, aber Erverimente will ich nicht machen. Wie würde ich in meiner Qualifikation als Staatsmann Ihnen gegenüberstehen, wenn ich glaubte, in 8 Monaten schon etwas machen zu können. Sie würden jede? Vertrauen zu mir verlieren, wollte ich daS behaupten. Ein verständiger Mann kann nur aufbauen auf dem, was seine Vorgänger geschaffen haben. Wollte ich es anders macken, so könnte ich ja selbst nicht verlangen, daß ich noch ernst genommen werde. Ich wiederhole, daß ick keine Experimente mache, um nach Popularität zu Haschen. Etwa? habe ich ja schon zu thun versucht. Ich habe angeordnet, daß die Passagiere 3 Klaffe in v-Zügen fortan auch den Speisewagen sollen benutzen dürfen. Da Bat man verächtlich von „kleinen Mtttelchen" gesprochen. Ich glaube aber, man sollte auch solche Maßregeln nickt so abthun. Bedenken Sie, tote viele Personen aus den gebildeten Ständen jetzt gezwungen sind, 8. Klaffe zu reifen. Nun ist der Aufenthalt auf den Stationen jetzt sehr eingesckräntt. Soll ich nur den Besitzenden Gelegenheit zur Verpflegung geben, indem ich nur die Passagiere 1. und 2. Klaffe in den Speisewagen hineinlaffe? Es gfber erkennen Sie doch an, deshalb zur Ordnung. , . , Abg. Bernstein sforifährend): Wir muffen auf daS Entschiedenste dagegen prorestiren, daß man den Arbeitern daS Koalition-recht nimmt (Beifall bei den Soz.) Minister Budde: Ich werde versuchen, die Diskussion wieder in ruhige, sachliche Bahnen zu lenken und sie von der Politik zu entfernen. mit der ich nickts zu thun habe. Pern Herrn Vorredner sind eine ganze Anzahl von Jrrihümern unterlaufen. Ich werde ihm darauf antwort-n - meine Erziehung verbietet eS mir aber, dieselben Ausdrücke » gebraudben. wi- der Vorredner. Ick pro« teftire zunächst gegen Behauptung, daß ich diejenigen maßregle, bie Eisenbahnerbesck'-erden vorbringen DaS PetitionSreckt bet Sier.rahner ist unangetastet. DaS beweist die große Zahl der Peti« ;.v?n an die j.*rfdüebciien gesetzgebenden Körperschaften, und wenn •vr Bernstein gelegentlich mtt selbst eine Beschwerde eineS Eisen- . ahnbeamten bringen will, so werde ick sie gern aus seinen Händen ........................ Zck vrotesttte ferner dagegen, daß ick behauptet haben soll, wir wollten den Eisenbahnern die Organisationen generell verbieten. Das ist einfach nicht der Fall. ES eristiren 1H Dutzend solcher Vereine, vor Mem der große Trierer Eisenbahn« Werkstättenverband, der 50 000 Mitglieder umfaßt und über ganz Deutschland zerstteut ist. Ick habe neulich die Freude gehabt, dich drei Arbeiter dieses Verbandeö mir persönlich eine große Anzahl von Wünschen überbracht haben. Ich werde sie prüfen und werde daS Eine und Andere von dem, waS sie verlangen, bewilligen, natürlich nicht Alles. (Heiterkeit.) Ich protestire ferner dagegen, daß in Deutschland Sklavendienst und Despotismus herrschen soll und daß ick die Eisenbahner zu Staatsbürgern zweiter Klaffe herabdrücken will. Das ist meine Antwort auf die Rede des Herrn Bernsttm. (Zuruf links: Aber sehr wenig! — Heiterkeit.) Ich werde schon noch mehr antworten. Ich betone, eS handelt sich nickt um Politik. Damit habe ick nichts zu thun. Wie jungfräulich ich in der Parteipolitik bin, mögen Sie daraus ersehen, daß ick bisher noch nie. niemals politisch gewählt habe, weder zum Abgeordnetenhause noch zum Reichstag. (Heiterkeit.) Die ganze Frage liegt überhaupt sehr einfach. In der Budgetkommisiwn bm ich gefragt worden, was ich zu thun gedenke, um Vorgängen hne in Holland vorzubeugen Darauf habe ich in der Kommisswn eine kurze Antwort gegeben, daß ich nickt hoffe, daß jemals derartige- bei uns eintreten werde, daß ick aber auch für diesen Fall schon meine Maßregeln zu treffen wüßte. Darauf ist an mich die Btttt [ gerichtet worden, zur Beruhigung des Volkes diese Erklärung auch im Plenum abzugeben, und als ich das thctt, ist mir dann plötzlich vorgeworfen worden, ich hätte das Koalttionsrecht verletzt. DaS : verstehe ick nickt. (Heiterkeit links.) Ick bin doch lediglich der an« . gegriffene Dheil. (Erneute Heiterkeit links.) Als Leiter der Eisen- imhnverwaltung bin ich verpflichtet, den BeförderungSvettag, den die Eisenbahn mit jedem Passagier eingeht, tteu zu halten. Dazu fft ein geordneter, gesicherter Betrieb nöthig, und das Mttt-l hierzu ist wieder ein gutes, tteueS Personal. Jeder Beamte u-d jeder Arbeiter tritt in ein Verttagsverhältniß. in dem diejenigen Bestimmungen gelten, die von den berufenen Organen festgesetzt sind. Dieser Berttag muß gehalten werden. Bricht einer den Vertrag, so brickt er die Treue, und da ist es doch selbstverständlich, daß daS Recht der Kündigung gegen einen solchen Treubruch bestehen muß. Das gilt doch überall im geschäftlichen Leben, die Geschäftstteue wird überall verlangt und eingehalten. Tritt ein solcher Treubruch nur in einem einzelnen Falle ein, so ist das nur eine persönliche Sacke zwischen dem bett. Arbester, der leicht durch einen Anderen ersetzt werden kann, und der Verwaltung. Tritt aber ein Maffen- treubruch ein, dann stehen die Maschinen still, dann bin ich nicht daß das AlleS ein auf daS Holländische übertragenes Svstem Dudde ö.._. . sei. Die holländische Regierung sei vom Geiste Buddes erfüllt ge< Nur freie Bürger wesen, das Ideal Buddes soll in. Hofland verwttklicht werden. Der Tugimg ihre Pflicht erfüllen. Bei mis ^Vorwärts" fügte hinzu: »Wahrscheinlich entspringen sogar die hol« schulmeistert man die c : -ster, maßregelt sie, nimmt ihnen die gc- ländiscken Gesetzentwürfe der biretten Anregung Buddes." (Lache- sctzlich gewährleist^ : ' - r;on?tteibeir! Graf Hohenthal hat selbst recktS.« Da kann man sehen, WaS blinder Parteihatz fertig bringt •’uaegeben, daß ein Jrc^icr enttanen tvurde, wett er VerttauenS- Ick kann unter keinen Umständen zugeben, daß Unfriede unter den mann der Hambur.' r Organisation war (Hörtl hörtI) Denn. Enenbahnarbestern gesät wird, denn wenn er nickt hineingettage, ber Minister da neck beraubten wollte, daß daS Koalitionsrecht wttd, der Geist deS Unfriedens, t . nickt eingeschränkt ist, so wäre das eine Lüge. (Unruhe links.) Aus s.Heiterb-it.) Einige Un-uftiedene giebt es ja mehrere Zurufe des Abg. Gamp und anderer Abgeordneten er- ”—a*:“ *"— muß sein, die Berufs- und ArbeitSfreubigkest seiner Beamten zu er» Wenn dies lleschieht, die soweit' eS durch die Gewerbeordnung gewährleistet wird, kann nickt &Oen. SM» ta S Älta । baf W W über'ben gattet Hefe, die begründeten Beschwerden seiner Beamten und Arbeiter absteven d-r^s-nbahn^ Dom:etn» gesagt habe, nickt an? den Fingern gesogen ist. nnb ÄWg » Ä Stan^b« » ma, b>- g ! »f-» nur bub Serbanb^ ben Jebe, ta. «nntrafte ber elMer 3ngefte(tenemMm ronte. Mr^er aiM> Kl-sien°rgaui,uti°n auch rollig ousre.cht. um ben B-. b?Ttaum mT™ sie o ^ahre über- Muten diensteifrig zu machen. Ich rechne mich nicht anders, berat als ine dtatansche Dienstzeit nur angerccbnet, toetw «ämntenkatc ber höchste Arbeiter bes Eisenbahnbetriebs. Feber von uns arbeitet steigt. Redner erörtert dann die Lage- W*™ mit L Pft!nd, daS ihm GE gegeben hat, und in der Stellung, gorien. Insbesondere wünscht, er Gleichstellune Der jeuttar hineingesetzt hat Und ick will von dieser Stelle es giebt e5 aber immer. Herr Bernstein könnte sefln't das Ganze letten, , und es würde immer och einige Unzufriedene geben. (Heiterkett Vicepräsident Gras Stolberg und erklärt: Wenn Sie von dem rechts.) Menschenwerk ist eben Stückwerk. Ich werde ber erste fein. «6 htolten" eine neue 8'otmtr bringen, sonst wird Mr» Beim 1 -Xurgabe. ba bie Ticnitfrenbigleit bes S-rfonaB bi- grötzi- Sicher- alten bleiben les minfstres s’en vout, les bureaux restent. heit des Betriebs gewährleistet. Meine ganze Erziehung als Sofliat Die ersehnte Verbilligung der Personentarife wttd noch immer nicht bürgt Ihnen dafiir. daß da? ferne leere ReberiSart, sondern daß bas konimen, denn auch der neue Minister will nur eine Verein- Pflichtgefühl ni mir Natur ich xc^e I stten, um später solch eine Gefahr herbeizuführen, dann wäre ei fachung der Personentarife. Auch auf der Stuttgarter Konferenz nur m ben (Stengen bei f r m"1 V , L Y , diese gewissenlos, wenn ich gegen eine solche Vereinigung nicht energisch ii. sa mit wie nichts herausgekommen. Trotzdem man in Baden mtt aber n,ckt müde werden das zu thun. Ich weiß wohl, daß rnes^ n 9 hh» n n diesen Au»- d^ Ktto^erhestcn ^ Erfahrungen gemacht hat, will man sie schönste Pflicht auch gle-chzetttg die undankbarste Aufgalie ist Alle im Reickslrack rinfühmi obSl dies von der Bedöflcrung zufriedenstellen kann ich r;cnt, aber ich f gern bereit, überall, wo lebhaft gewünscht wird Eine der Hauptaufgaben des Ministers cS möglid ist, ^Ifejb einaugreifen. _ _ _ . leunart gcrounji^t u w r-;— In Bezug auf das Koalitionsrecht bin iaj in uet Picue ycin» .. M C r-x ... Riffen Üben. .San rin« eintoräW,, «L , bahncr in Hamburg vorgegangen wäre. Ich bin deshalb bet# nur aus innerlich kräftigen Menschen, aus Menschen mtt Rückgrat! sich zusammenfetzen. Man sehe auf die Schweiz! Dort besteht seit: Jahren eine Eisenbahner-Lrganisation I Und doch hat Niemand die Behauptung gewagt, daß der Dienst dort lässiger geübt wttd, daß die Betriebssicherheit dort geringer ^ist. D ' ' " können mtt voller Uebrriei ~ "t"* für diese ausgeschlossen ist. Dagegen hat er es den Wcrtsiärteriarbcitcrn nicht genommen, obgleich es auch iroch ^oeifelhast ist, ob es diesen zusteht. Es handelt sich hier um keine Frage der Politik, sondern lediglich nur um die Frage: Soll eine feindliche Organisation das Recht haben, den Betrieb zum Stillstehen zu bringen, sobald sie es will? Sehr wichtig ist hier noch der Gesichtspunkt des Krieges. Wer so lange, wie ich, mit der Ausarbeitung von 5triegsvorvereitungen im Generalstabe beschäftigt war, der weiß, welche Bedeutung der Aufmarsch der Armee für den Verlauf des ganzen Krieges hat. Im Jahre 1870 bedurfte es nur eines Druckes auf den Knopf, und alle Züge setzten sich in Bewegung. Unser großer Feldherr Moltkc hat so in 11 Tagen über 300 000 Mann an die Grenze geschickt. Nun denken Sie: wenn eine Organisation da ist, die die Möglichkeit hat, diesen ganzen Betrieb zum Stillstehen zu bringen, so ist das eine Gefahr für das Vaterland. (Zustimmung rechts.) Auf dem Gewerkschaftstongreß in Stuttgart ist ausdrücklich davon gesprochen worden, daß Sekretariate in einzelnen Ländern mit einander in Verbindung treten sollten, daß rnternationale Beziehungen zwischen den Eisenbahnern der verschiedenen Ländern gepflogen werden sollten. Der Hamburger Verband ist also in der Lage, sich mir den Eisenbahnern anderer Länder in Verbindung zu setzen, um den ganzen Betrieb zum Stillstand zu bringen. Es ist klar ausgesprochen, daß das die Ziele des Verbandes sind. Wie kann ich an dieser Stelle stehen, wenn ich nicht sagte: Ich muß verbieten, daß feindliche Elemente mir in meine Betriebe hrneinkommen und so das Vaterland bedrohen! Gottlob, ich glaube, daß solche Zustände bei uns unmöglich sind, wie sie jetzt in Holland sich gezeigt haben. Ich hoffe, daß die Treue und Tüchtigkeit der Eisenbahner derartig ist, daß sie allen feindlichen Bestrebungen. die in sie eindringen wollen, 'Widerstand leisten. Ich habe daher diese Worte von dieser Stelle aus gesprochen. Die Eisen, bahner sollen wissen, wie ich, ihr höchster Chef, darüber denke, denn I das ist der .Kitt, der mich dabei mit den Eisenbahnern Verbinder, i । Beifall rechrs, Lacken links.) Auf eine Anfrage des Abg. Leinenweber (nar.-lib.) erhüben Geheimrath Gwancr, daß die Wünsche nach einer besseren , Verbindung Elsaß-Lorhrmgens mir der Pfalz in absehbarer Zeit noch erfüllt würden. ilog. Moeitmger (Elsässer) meint, die Gefahr eines Krieges sei in aoseyoarer Zerr nicht zu erwarren, deshalb mußte man im Elsaß nicht mehr nach strawgrschen, sondern auch nach wirthschaftlichen Gründen Bahnen bauen. Abg. Werner (Antis.) dankt dem Minister für seine Abwehr der sozialdemokratischen Angriffe. Aon einer Beschränkung des Äoali- nonsrechts tonne keine Rede sein. Abg. Gamp (dtp.) polemisirt gegen den Abg. Bernstein. Was hat Herr Setnjtein denn vorgebracht Ein paar Leute haben chm etwas ins Ohr gefüllten und gesagt, daß es in Preußen grauenvoll sei, und er har nicht mal den Muth, seine Gewährsmänner zu nennen. (Lärm bei den Soz.) Herrn Bernsteins Barer war Lokomotivführer, nun, wenn der seinen Sohn hat studiren lassen können, dann zeigt dies doch, daß diese Beamten nicht schlecht gestellt sind. Was Herr Berstein vorgevracht hat, waren doch nur Lappalien. Die größte Sklaverei und Lvrannei giebt c§ bei den Sozialdemokraten, ]ic wollen Arbeiter an der Arbeit hindern. (Lärm bei den Soz.) Das ist doch weit mehr, als je Herr Budde gethan hat. der sich nur dagegen wehrt, daß man in seinen Betrieb hineinredet. Würden etwa die Sozialdemokraten einen Vertrauensmann des Bundes der Laqdwirthe in ihren Rechen dulden? Sie wären ja selbst beinahe herausgeflogen, Herr Bernstein. (Große Heiterkeit.) Unsere EiserckahnberwÄtung ist die beste der ganzen Welt, die Statistik zeigt, daß man bei uns, um mir Sichrncheit einen Unfall zu erleben. im Jahre 1701, und um auf der Bahn den Tod zu erleben (Große Heiterkeit), zu erleiden, zur Zeit des Kaisers Augustus in den Zug hätte steigen müssen. Ich bitte den Minister, seine Verwaltung in der bisherigen Weise weiter zu führen. Abg. Prinz zu Schönaich Earolath (Hosp, der Natl.) wünscht Verbcsierungen in den O-Zügen, namentlich müßte für Nochaus- gängc gesorgt werden. Dies haben die Unfälle in Bischweiler und Offenbach deutlich gezeigt. Nothausgänge nur durch die Fenster genügen nicht. Ferner muß dafür gesorgt werden, daß in den Gängen der v-Züge nicht mehr solches Gedränge herrscht, vielleicht kann dies in der Weise geschehen, daß das Publikum nur durch btc eine Thür hinaus und durch die andere hereingehen darf. Wenn dies durch ein Plakat angeordnet wäre, würde sich das Publikum schon daran, gewöhnen. Die gefährliche Gasbeleuchtung in den v-Zügen muß auck beseitigt werden, der Kostenpunkt darf keine Rolle spielen. Auch ist es nöthig, daß sowohl am Ende, als am Anfang der Züge leere Schutzwagen eingestellt werden. Minister Budde: Die bestehenden v-Wagen sollen nach Möglichkeit umgeb aut werden. Ob Notbrhüren im Falle eines Unglück) wirklich praktisch sind, steht noch dahin. Dagegen haben sich unsere O-Wagen so bewährt, daß es ein Rückschritt wäre, wenn man chre ganze Konstruttion ändern wollte. Die Fenster sollen bedeutend verbreitert werden. An die Vorschrift, durch die eine Thür einzu- steigen, durch die andere auszusteigen, die man hier und da eingeführt Hai, hat sich das Publikum nicht gekehrt, darauf hat man die Gänge verbreitert. Mit der elektrischen Beleuchtung werden fortgesetzt Versuche angestellt. Abg. Bernstein meint, wenn es ein Koalitionsrecht gäbe, dann müßte dem Arbeiter das Recht zustehen, dem Vereine awzugehören, den er wolle, und nicht nur dem, den der Minister wolle. Wenn der Minister jetzt Pensionen entgegcnnchmen wolle, so wisie er wohl nicht, daß der Reichstag 'mal beschlossen habe, die Namen von Petenten der Verwaltung nickt zu nennen, weil diese sonst gemaßregelt würden. Für die Sozialdemokraten sei der Strike nur eine ultima ratio, und wenn die Lage der Arbeiter gut sei, werde kein Eisenbahner an den Strike deuten. Die Bcsorgniß, daß der Hamburger Verband zu einem Strike anreizen wolle, sei also hinfällig. Die Sozialdemokraten wollten nur nicht, daß der Arbeiter mit seiner Arbeit auch seine Persönlichkeit verlaufe. Abg. Stolle schließt sich dem Vorredner cm. die Eisenbahner wollten nur ibr Recht und dächten nicht daran, da? Reich m Gefahr zu bringen. Nach unwesentlicher weiterer Debatte werden die dauernden Ausgaben bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben wird eine Resolution der Kommission angenommen, daß die neu zu erbauende Mischgas-Herstellungsanstalt für Straßburg außerhalb der Stadt Straßburg angelegt wird. Die Korn m issi o n hat an her letzten Rate zur Herstellung einer Dahn von Fcntsch nach Deutsch-Osch 280 000 Mark gestrichen. Aus Antrag der Abgg. Haust und OJen. wird jedoch die volle Rate bewilligt, nachdem sich auch Minister Budde für den Antrag ausgesprochen hat. Ebenso wird die von der Kommission gestrichene dritte Rate von 100 000 Mk. zur Erwerterung des Bahnhofs Luxemburg bewilligt, desgleichen ohne Debatte der Rest des Extraordina- riums und die Einnahmen. Hiermit ist die zweite D e r a t h u u g deI Etats der Verwaltung der Eisenbahnen erledigt. DaS Haus vertagt sich auf Donnerstag 1 Uhr. (Justizetat und Etat des Reichsschatzamts.) Schluß 6% Uhr. «Hessischer.Landtag. R. B. Darmstadt, 4. März Dm Ministertische: Staatsminister Rothe, Finanz- trthrifter Gnauth, Geh. Staatsrat Krug zu Nidda, die Ministerialräte Braun. Eise nhuth, v. Biege leben. Nachdem Präsident Haas um 91/4 Uhr die Sitzung eröffnet, wird mit der Etatsberatung bei Kap. 48, Denkmalspflege, fortgefahren. Dbg. Köhler bringt verschiedene Wünsche hinsichtlich des besseren Schutzes der historischen Denkzeichen im Lande vor. Auch für die Erhaltung und den Schutz der vielfach in den Bürgermeisterei-Archiven ruhenden, oft recht wertvollen Dokumente und Aktenstücke müsse bessere Fürsorge getroffen werden. Ministerialrat v. Biegeleben gibt zu, daß sich die Archive mancher Bürgermeistereien in einem sehr trostlosen Zustande befinden. Man könne aber den Bürgermeistern nicht zumuten, hier selber Ordnung zu schaffen. Es seien deshalb seitens der Regierung Erhebungen durch die Kreisämter eingeleitet worden, um zunächst einmal näheres über die in den Archiven liegenden alten Urkunden, die Art ihrer Aufbewahrung re. festzustellen. Der in dieser Hinsicht von der jüngsten Bürgermeisterversammlung in Hungen gefaßte Beschluß sei ein sehr glücklicher gewesen. Zur weiteren Regelung des großen und vielgestaltigen Archivmarerials bedürfe es einer Reche verständnisvoller Mitarbeiter aus den Kreisen der Beamten, Professoren, Lehrer 2c., und er hoffe, daß sich solche Sachverständige der Regierung zur Verfügung stellen werden. Bei Kap. 49, Römisch-Germanisches Zentralnuiseum, werden 8900 Mk., bei Kap. 50, Historischer Verein, 1000 Mark bewilligt. Bei Kap. 51, Zentralstelle für die Landesstatistik, werden 42 760 Mk. verlangt. Abg. Haas-Darmstadt bespricht eingehend allgemeine statistische Verhältnisse und dann die Zusammensetzung der Zentralstelle. Sehr wünschenswert wäre eine mehr übersichtliche Darstellung über das hessische Sparkassenwesen. In die Zentralstelle sollten mehr Männer aus dem praktischen Leben berufen werden, damit für die statistischen Erhebungen eine breitere Grundlage geschaffen werde. Ministerialrat Eisenhuth erwidert, die Regierung könne für derartige Anregungen und Wünsche nur dankbar sein. Sie sei durchaus einverstanden, daß in die Zentralstelle mehr Leute aus dem praktischen Leben hineinkämen, die dem leitenden Beamten aus ihrer Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse Winke und Ratschläge erteilen könnten. Abg. Langenbach (freis.) dankt der Regierung für die Herausgabe des statistischen Handbuchs und bespricht dann einige Verhältnisse im hessischen Sparkassenwesen, wobei er feststellt, daß sich die Zahl der Sparkasseneinleger von rund 87 000 mit 41 Millionen im Jahre 1874 auf 242 000 mit 2131/2 Millionen im Jahre 1900 gehoben habe. Die Zahlen bewiesen, daß in Hessen das sparsamste Volk Deutschlands wohne. Das Kapitel wird darauf genehmigt, ebenso Kap. 52, ^eobogftäie Landesanstalt, Einnahme 1600 Mk., Ausgabe Die öffentliche Gesundheitspflege und das Beterinär- wesen umfaßt Kap. 53—60. „2Ü)g- Kor eil wünscht hier den Wegfall der Jrnpf- aebühren für die Kreisärzte, worauf Ministerialrat Weber kurz antwortet. Das Haus bewilligt darauf Kap. 53, Aerzt- lidjer Dienst, Einnahme 5800 Mk., Ausgabe 198 830 Mk. Kap. 54, Impfwesen, Ausgabe 6200 Mk., Kap. 55, Entbindungsanstalt Mainz, Einnahme 6108 Mk., Ausgabe 28910 Mk., Kap. 56, Landeshospital Hofheim, Einnahme 460800 Mark, Ausgabe 781200 Mk., Kap. 57, Landesirrenanstalt, Einnahme 193 800 Mk., Ausgabe 376 300 Mk., Kap. 58, Anstalt für Blödsinnige „Alicestift" zu Darmstadt, Einnahme 73 600 Mk., Ausgabe 93 750 Mk., Kap. 59, Förderung per Wohnungsfursorgc für Unbemittelte, Ausgabe 8000 9J2L, Kap. 60, Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, Ausgabe 30 800 Mk. Bei letzterem Titel beklagt Abg. Weidner, daß in manchen Fällen trotz des Gutachtens des Kreisvetcrinür arztes man in Darmstadt eine Entschädigung für an Rausch- und Milzbrand gefallene Tiere verweigert h b.. Man habe den Betreffenden nicht einmal mitgettüt, warum man keine Zahlung leisten wolle. Ministerialrat Weber erkennt das als ein Versehen an. Tie Betreffenden hätten jedenfalls einen motivierten Bescheid erhalten müssen. Der 6. Abschnitt behandelt in Kap. 61—69 die Fürsorge für Hinterbliebene von Beamten, Unterstützung und Versicherungswesen. Abg. Haas-Darmstadt bespricht die Verhältnisse der Offizierswitwen- und Waisenkasse und der Unteroffizierswitwen- und Waisenkasse, welche die einzigen seien, die heute noch Beiträge zahlen müßten. Man sollte doch dem berechtigten Wunsche der Interessenten Rechnung tragen und aus die weiteren Zahlungen verzichten. Es sei doch bereits die Entscheidung des Bundesrats getroffen worden. Da die Zahl der beteiligten Offiziere und Unteroffiziere schon auf 132 resp. 34 zurückgegangen sei, so falle doch das angesammelte Vermögen in nicht ferner Zeit an den Staat. Staatsminister Rothe bemerkt hierzu, daß die Frage über den Erlaß der ferneren Beitragszahlungen bei Beratung der Vorlage über die Eigentumsverhältnisse an dem Fonds in Erwägung gezogen werden solle. Abg. Weidner spricht den Wunsch nach eiltet Vereinfachung der Auszahlungsvorfchriften für die Versicherungsgelder aus, woraus die Einnahmen und Ausgaben dieser Kapitel vom Hause bewilligt werden. Der 7. Abschnitt lautet: Landeskultur und Landwirtschaft. Kap. 70—75, Der Etat der Landeskreditkasse, Einnahme und Ausgabe 1165104 Mk., wird ohne Debatte genehmigt, ebenso der Landwirtschaftliche Dispositionsfonds, 3000 Mk., Landwirtschaftliche Versuchsstation, Einnahme 32 350 Mk., Ausgabe 70 770 Mk., Wein- und Obstbauschule in Oppenheim, Einnahme 25170 Mk., Ausgabe 53 540 Mk., Obstbau- und Landwirtschaftliche Winterschulen, 61500 ML., Landwirtschaftliche Haushaltungsschulen 5000 Mk. Beim Titel Molkereiwesen beantragt der Ausschuß, den geforderten Mehrbetrag von 2000 Mk. für die Molkereischule Lauterbach abzulehnen, da das Bedürfnis nicht genügend begründet sei. Das Haus genehmigt jedoch den Ausschußantrag und bewilligt weiter für Unterricht im Hufbeschlag 3000 Mk., für Landwirtschaftliches Vereins- und Genossenschaftswesen, Beitrag zum Landwirtsch-aftsrat 15 000 Mark, Verwaltungskosten der landwirtschaftlichen Provinzialvereine 52050 Mk., Beiträge zur Förderung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens 5000 Mk. Kap. 74 betrifft das Bodenmeliorations- und Wasserversorgungswesen. Die hier geforderten Summen werden ohne Debatte genehmigt. Bei Kap. 75, Förderung einzelner Zweige der Landwirtschaft, entspinnt sich eine Debatte über die Handhabung des Reichsweingesetzes. Abg. Wolf bespricht die Schwierigkeiten, die den Weinproduzenten vielfach durch eine zu schroffe Handhabung des neuen Weingesetzes bereitet werden. Die reichsgesetzliche KeNerkontrolle gehe zu weit und werde nicht sachverständig genug attsgeführt. Er spreche den Wunsch aus, die Regierung möge die Beamten instruieren, daß sie das Gesetz in gerechter und loyaler Weise zur Anwendung bringen möchten. Das Verhalten der Staatsanwaltschaft bei der Handhabung sei vielfach zu schneidig. Redner bespricht dann die Frage dec Kellerkontrolle und beklagt den Mangel einer Uebereinstimrnung derselben in den verschiedenen Bundesstaaten; namentlich Preußen sollte die Vorschriften strenger zur Anwendung bringen. Abg. Mo Ith an hebt hervor, daß die KLllerkontrolle in Hessen gut gehandhabt werde und andere Bundesstaaten in dieser Beziehung noch nicht so weit vorgeschritten seien Die hessische Regierung habe auch eine durchaus loyale Handhabung des neuen Weingesetzes bewiesen. Redner richtet dann an die Regierung die Bitte, sie möge beim Bundesrat dahin wirken, daß auch in den anderen Bundesstaaten die Bestimmungen des Gesetzes präziser zur Anwendung gelangten. Ministerialrat Braten führt au»; So kurz auch die Dauer des neuen Weingesetzes noch sei, so müsse doch jetzt schon anerkannt werden, daß dasselbe in den großen Kreisen der Weinbauern schon eine recht günstige Wirkung ausgeübt habe. Es habe infolge dieses Gesetzes mimenrlicf) die Herstellung gefälschter -Jcine bedeutend nachgelassen. Daß es auch bei dem (besetz, wie bet allen nennt Dingen nicht ohne sog. Kinderkrattlheiten abgehe, wolle er zugeben, dagegen könne er die Behauptung, daß das Verhalten der Staatsanwaltschaft in Bezug auf das Gesetz ein zu schneidiges sei, nicht für gerechtfertigt halten. Sie gehe namentlich nicht zu scharf bei der Schließung der Keller vor, sondern tue das letztere nut da, wo unzweifelhaft grobe Verfehlungen vorlägen, wie z. B. da, wo festgestellt wird, daß der Wein, der nur noch zur Essigfabrikation zu brauchen sei, dem Publikum als Wein zum Trinken verabfolgt werde usw. Daß auf Grund von Sachverständigen - Gutachten auch Freisprech- ungen erfolgten, sei nicht zu verwundern und komme auch auf anderen Gebieten häufiger vor. Er gebe aud> zu, daß das Gesetz nicht überall gleichmäßig gehandbabt werde; ebenso sei richtig, daß bei ungleichmäßiger Kontrolle manche Gegenden, wie z. B. Rheinhessen, Nachtelle erlitten. Zu der Anregung, die Regierung möge daraus hinwirken, daß man in anderen Weinbaugegenden in gleicher Weise vorgehe, wie in Hessen, könne er mitteilen, daß auf Antrag des Ministeriums sich bereits im Dezember v. I. das hessische Staatsministerium an den Bundesrat mit dem Ersuchen gewandt habe, zu erwägen, ob nicht von Reichswegen einheitliche Bestimmungen in den ein Keinen Bundesstaaten getroffen werden könnten. Eine Antwort sei daraus noch nicht erfolgt, er zweifle aber nicht, daß nun alsbald in energischer Weise die Erzielung einer einheitlichen Kontrolle erreicht werden wird. Das Kapitel wird darauf mit 27 500 Mark bewilligt, ebenso für die Förderung des Obst- und Gemüsebaus rnn Betrag von 12 240 Mark. Bei Titel 3, Förderung der Pferdezucht, beklagt Abg. Kor ell die geringen Zuchterfvlge des LandeZgestuts und wünscht die Aufstellung von Genossenschaftshengsten, sowie die Errichtung einer Beschälstation in Ulrichstein. Abg. Schmalbach schlägt die Errichtung einer De- schälstation im Kreise Lauterbach vor. Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird ein Antrag Korell, die Regierung «wolle die Einrichtung einer ge* nossenschaftlichen Hengsthaltung in Erwägung ziehen, zur geschäftsordnungsmätzigen Behandlung dem Ausschuß überwiesen und darauf das Kapitel, Einnahme 33800 Mark Ausgabe 169 070 Mark genehmigt, gleichzeitig auch die Vorstellung des Pferdezuchtvereins in Groß-Felda für erledigt erklärt. Dann werden die einzelnen Kapitel über die sonstige Förderung der Pferdezucht, 19 800 Mark und weiter für Rindviehzucht 98 550 Mk., Schweinezucht 12 520 Mark, Ziegenzucht 6380 Mk., Geflügelzucht 4040 Mk., Fischzucht 1500 Mk. und Bienenzucht 2000 Mk., sowie für Forderung sonstiger Zweige der Landwirtschaft 7420 Mark bewilligt. Bei Kapitel 76, Bergbau, werden 21055 Mark gefordert und bewilligt. Hier regt Abg. Häusel die Frage an, ob das Montanweick bei Rohrbach, das der Firma Stumm-Neunkirchen gehört, nicht wieder in Betrieb gesetzt werden würde. Ministerialrat Braun macht ausführliche Mitteil ungen über die ganze Sachlage daselbst. Die Sachverständigen erklärten, daß das Werk ertragsfähig wäre, wenn es in richtiger Weise geleitet würde. Die Regierung werde eine Anfrage an die Firma richten, ob sie den Betrieb wieder aufnehmen wolle, event. werde die Anwendung des Enteignungsverfahrens in Erwägung gezogen werden. Nachdem Ministerialrat Braun noch auf eine Anfrage des Abg. Köhler über einen ähnlichen, früher von ihm eingebrachten Antrag beantwortet, wird die Sitzung um li/t Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr. Parlamentarisches. Darmstadt, 4. März. Die 2lbgg. Langenbach, Mol- than, Euler und Reinhard haben an die Regierung die Anfrage gerichtet, ob sie nach Prüfung der Sachlage geneigt sei, den Landständen demnächst eine Vorlage zu machen, nach der nur solche Bewerber um das Lehramt für den kaufmännischen Fortbildungsunterricht eine Anstellung finden können, welche sich auf einer Handelshochschule, einer Handelsakademie oder einer gleichwertigen Ätnstalt die nötigen Kenntnisse erworben, ein Fakul- lätsexamen oder eine staatliche Prüfung bestanden haben. Formau — vorzügliches SchnrrpfeuMlltel! 1258