Nr. 283 Zweites Matt« 153. Jahrgang Freitag 4.Dezember 1903 Erscheine ILgNch mit Ausnahme der Sonntag-. Di, „Siebener Kamllienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Gießener Anzeiger verantwortlich für den allgemeinen Sdfc P. Wittko; sür den An-eigentetlr H. V«L Rotationsdruck und Verlag der vrü hk lch« Unwersttätsdruckerei (Pietsch Erbens Gtetzm» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Are Heutige Bummer umfaßt 10 Seiten- Kckannlmachung. Die am 2. November lf. Js. angeordnete Sperre der Wetz st ein st raße und der Wetzsteingasse, zwischen dem Gäßchen ,Auf der Backsi und der Kirchstraße, wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 3. Dezember 1903. Großherzogliüies Volizeiamt Gießen. Hechler. Dclranntmuchung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß unsere Gerichtsschreibereien täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage von vormittags 10 bis 12 Uhr für die Rechtjuchenden geöffnet sind. Als Amtstage für die Einwohner des Stadtbezirks Gießen werden außerdem Dienstag, für die Einwohner des Landbezirks Mittwoch vorbestimmt. Die Dienststunden des Grundbuchamts sind auf Mittwoch von 10 bis 12 Uhr festgesetzt. Gießen, am 2. Dezember 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Kckannlmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Samstag, den 5. Dezember 1903 wegen Ablebens des Herrn Bezirkskasslers Dieter der Zahltag bei Großherzoglichcr Bezirkskasse Gießen II. ausfällt. Gießen, den 3. Dezember 1903. Der Großherzogliche Kontrollbeamte der Lokalkaffestellen des Bezirks Gießen. S ch u d t. Ieutschcr KriHst«g. Berlin, 3. Dcz. Nachdem heute vormittag für die Ncichstaasabgeordncten in der Dominterimskirche und in der Eath. Hedwigsk.rche ein Gottesdienst abgehalten worden war, wurde mittags um 12V« Uhr >m L-elßen Saale des kg l. Schlosses der Reichstag eröffnet. Anwesend Ire Tyronrede. Die Presse spricht sich fast durchweg günstig über die Thronrede aus, mit der der neue Reichstag vom Reichskanzler eröffnet wurde. Die „Kreuzztg^" hebt das nüchterne Gepräge hervor, das über den Ernst der Sachlage nicht hinweg täuschen dürfe. Tie bürgerlichen Parteien dürften nicht vergessen, daß sie die Pflicht hätten, gegen die Umsturzgelüste der Sozialdemokratie zusammenzuyalten. Auch der „Reichsbote" spricht den Wunsch aus, daß die Reichsfreudigkeit, wie sie in früheren Jahren bestand, Wiederkehre und die nationalen Parteien sich ihrer Pflicht der Einigung gegenüber den Bestrebungen der Sozialdemokratie erinnerten und zur positiven Stärkung des Reiches zusammen schließen. Der „Deutschen Tagesztg." ist das, was in der Thronrede steht, diesmal überraschender, als das, was darin fehlt. Das Matt vermißt zunächst jede Andeutung über den Gang der Handelsvertragsver- handlungen und vermutet, daß aus diesem Schweigen der Schluß gezogen werden dürfe, daß zur Hoffnung auf ihre «gedeihliche Entwicklung kein allzu starker Anlaß vorliegt Am meisten aber vermißt das Matt eine Bemerkung über die Notlage der Landwirtschaft, wo es doch so nahe gelegen hätte, bei der Erwähnung der Handelsverträge die Zusicherung zu geben, daß die Reichsregierung alles tun werde, um die der Landwirtschaft gegebenen Versprechungen zu halten. Die „Staatsbürgerzeitung" hält es für bedenklich, die Frage der Festsitzung der Friedens- Präsenz zu verschieben und damit im. Auslände den Anschein zu erwecken, als ob man bei uns der starken Entwicklung unseres Reichsheeres zurzeit wenig Fürsorge zuwende. Die Germania" bezeichnet als einzigste Ueberraschung die Ankürrdigung eines Gesetzentwurfes betr. die anderweitige Ordnung des Finanzwesens im Reiche und nimmt an, daß in diesem Abschnitte über die Fortführung der sozial-polr- tischen Gesetzgebung auch die Arbeiter-Witwen- und Warsen- verjicherung einbegriffen ist. Die „T ä g l i ch e R u n d - schau" nennt die Thronrede ein fleißiges, sorgfältig aus- aearbeitetes Aktenstück, mehr sei sie aber nicht. Tas Matt gilaubt, daß die Handelsvertragsverhandlungen, da dre Throlrrede darüber nichts enthält, noch recht im Felde liegen. Tie „Berliner Neuesten Nachr." meinen, m punkto Sozialpolitir wäre angesichts. der jüngsten Entwick- lunaen der Sozialdemokratie wohl ein Wort über diese schlimmste Wunde am gesellschaftlichen und Staatskörper angebracht gewesen. Auf eine kräftige unb ent,chlos sine Regierung lasse die Thronrede nicht gerade schließen, und insofern stimme diese Regierungskundg^bung mit der passiven Haltung der Regierung bei den ^Wahlen und sonst in der inneren Politik übere-iu. Auch dre „National- zeitung" bezeichnet als einzigste UeLerraschung die provisorische Recchsfilmnzreform, der der es sich anschemend nur um eine Aenderung der Frankensteinschen Klausel handle. Sympathisch wirke der warme E m dem Absatz, der sich auf die Fortführung der sozialen Gesetzgebung beziehe. Auch die „Vofsiscke Zeitung" spricht ,ich im aligemeinen sympathisch über die >bhiWnrede aus. Tem „Berliuer Tageblatt" gibt sie weder Anlaß zur Ent- rüüuna noch zur Begeisterung. Jedenfalls aber bedeute Heete Msag^gendas Scharfm«ch°rtum. Ti° „V o IIS* Leitung" hegt zu den Abgeordneten der Oppo,ition das y^rtrnupn büft sie Leben in die Parlamentär: chen Ver- Handlungen Lg n. Leben, aus dem Entfaltung der Bolts* ttäfte Schonung der Steuerzahler und fvzmle Errungen- schäften hervorsprießen. „ waren etwa 150 Abgeordnete aller Parteien mit Ausnahme der äußersten Linken. Der Reichskanzler, die Staatssekretäre und Vertreter der Bundesstaaten betraten paarweise den Saal. Neben dem Reichskanzler schritt der Vertreter Bayerns Graf Lerchenseld, neben Staatssekretär Graf Posadowsky der sächsische Gesandte Graf Hohenthal. Der Reichskanzler neben dem Thron stehend, verlas die Thronrede und erklärte den Reichstag für eröffnet, worauf der älteste der Anwesenden, der Abg. Rintelen das Kaiserhoch ausbrachte, in das die Anwesenden dreimal einstimmten. Dem Akte wohnten in der Hofloge eine Anzahl Mitglieder des diplomatischen Korps bei. 1. Sitzung vom 3. Dezember. 2 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Graf v. Posadowsky. Alterspräsident v. Winterfeldt-Menkin: Meine Herren! Nach der Geschäftsordnung § 1 liegt beim Beginn der neuen Legislaturperiode dem ältesten Mitgliede der Ver- sanimlung die Pflicht ob, die Leitung solange zu übernehmen, bis der Präsident gewählt ist. Jch bin am 2. März 1823 geboren und von dem Bureau als das älteste Mitglied bezeichnet worden. Jch erlaube mir die Frage, ob irgend einer hier im Hause vor dem 2. März 1823 geboren ist. (Heiterkeit.) Es meldet sich niemand; ich nehme also an, daß ich das älteste Mitglied der Versammlung bin und eröffne hiermit die Sitzung. Als Schriftführer bitte ich, mir zur Seite zu treten die Abgeordneten Himburg (kons.), Krebs (Zentr.), Pauly (Reichsp.) und Dr. Paasche (nat.-lib.). Es erfolgt hierauf der Namensaufruf; er ergiebt die Anwesenheit von 311 Abgeordneten. Das Haus ist somit beschlußfähig. Eingegangenen sind: der Etat, Handels-Provisorium mit England und Gesetz betr. Aenderung im Reichsfinanzwesen und Rcchnungssachen. Nächste Sitzung: Freitag Präsidentenwahl. Vom königlichen Schlosse wehte die kaiserliche, die königliche und die kurbrandenburgische Standarte. Die Posten waren mit Haarbusch aufgezogen. Im Weißen Saale des Schlosses dominierte der ordengeschmückte Frack; doch war auch der lange, schwarze Rock der katholischen Geistlichen stark vertreten. Unter den wenigen uniformierten Herren ragte die sittliche Figur des Baron de Schmid als Rittmeister der Deutzer Kürassiere hervor. Es war dann für den nicht verwöhnten Besucher des hohen Hauses eine ersieuliche Ueberraschung, als sich herausstellte, daß 31 Abgeordnete zu den Fahnen geeilt waren. So bot der Sitzungssaal das Bild eines großen Tages. Graf Posadowsky vertiefte sich alsbald in eine Broschüre. Inzwischen konnte man ein wenig Umschau unter den Abgeordneten abhalten. Neben vielen alten Bekannten so manches neue Gesicht. Der sozialistischen Gruppe ist der bisher von ihnen eingenommene am weitesten links liegende Sesselblock zu eng geworden; sie haben sich hinter den Sitzen der Liberalen nach rechts zu ausgedehnt und umfassen diese ganz. Sogar Eugen Richter ist von seinem gewohnten Platze etwas nach Rechts gedrängt worden. Die Tribünen waren mäßig besucht. Nur die Journalistentribüne war voll; auch hier viele Rekruten, großer Dinge gewärtig. Mliüsche Tagesschau. Die erste Reichstagssitzung. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 3. Dezember: Das Reicyshaus hatte heute sein Festkleid angelegt, grüßend wehten die schwarz-weiß-roten Farben von den ragenden Zinnen den Erwählten entgegen, den alten und den neuen. Einer der Ersten, die die Stätte der Gesetzgebung betraten, war der pflichttreue 2lbg. v. Winter- seldt-Menkin (kons.), der Alterspräsident des Hauses. Reichsdiener geleiteten den greisen Herrn sogleich dieStufen zum Präsidium empor, wo der joviale Direktor beim Reichstag, Geheimrat Knaak, ihn in Empfang nahm. Kurz nach ihm traf der Abg. Richter (Fr. Volksp.) ein. Er musterte mit gerunzelten Brauen die Bankreihen seiner Fraktion. Wie sich später erwies, hatte der „Rufer im Streit" seinem altgewohnten Platz Valet gesagt, um nicht mit den Sozialdemokraten in Berührung zu kommen, die infolge ihrer Mandatsgewinne einen Teil der Sitze der Freisinnigen zugewiesen erhalten haben. Den Platz Richters nimmt jetzt der soeben zu 14 Tagen Gefängnis verurteilte Abg. Dr. Herzseld (Soz.) ein; Abg. Richter hat sich am entgegengesetzten Ende dieser Bank, in der Nachbarschaft der Nationalliberalen, sesshaft gemacht. Deren früherer Führer, Herr Basserinann, ist bekanntlich im Wahlkampf geblieben. Auf seinem Platze erblickte man heute den Frhrn. Hehl zu Herrnsheim. Zum Führer der Nationalliberalen dürfte indessen nicht er, sondern sein Nachbar, Abg. Dr. Sattler, berufen sein, da die agrarische Neigung des Frhrn. v. Heyl nur von wenigen seiner Parteigenossen gereift wird. In den Reihen der Konservativen machte sich eine Lücke bemerkbar: die weisse Weste des Herrn Dr. Oertel fehlte. Ihr Träger vermochte nicht, sein Mandat halten und ist gezwungen, in Zukunft die nicht gehaltenen Reden in den Spalten seiner agrarischen „Deutsch. Tagesztg." zum Vortrag zu bringen. Mit für sein hohes Alter überraschend kräftiger Stimme entledigte sich der Alterspräsident v. Winterseldt seines Amtes. Der zur Feststellung der Beschlußfähigkeit ange- ordnete Namensaufruf ergab die Anwesenheit von 311 Mitgliedern. Bis morgen werden wohl noch einige Nachzügler sich einfindcn, sodaß die Wahl des Präsidiums vor einem noch besser besetzten Hause von statten gehen kann. Deutsches Reich. Berlin, 3. Dez. Heute nachmittag hörte der Kaiser die Vorträae des Chefs des Generalstabes der Armee und des Chefs "des Militärkabinetts. — Der Kaiser hat dre Teilnahme an der Hofjagd in Letzlingen aufge- gebeu und den Kronprinzen mit seiner Vertretung beauftragt. Dies und der Umstand, daß Kaiser Wilhelm auch auf seine frühere Absicht, den Reichstag persön-, lich zu eröffnen, verzichtet hat, könnten hier und. da zu falschen Vermutungen über den Gesundheitszu-! stand des Monarchen führen. Demgegenüber muß hervorgehoben werden, daß der Kaiser sich in vorzüglicher Stimmung und körperlich wohl befindet. Tie chm aujerlegte Schonung der Stimme ist nicht gerade unbedingt notwendig, wohl aber wünschenswert, weil der Monarch sich in der ersten Zeit nach der Operation zu wenig geschont hat, sodaß sich eine leichte Heiserkeit einstellte, die man nicht von neuem aufkommen lassen möchte. Die Verlesung der Thronrede, wobei wegen der mangelhaften Alusttk des weißen Saales sehr laut gesprochen wecden muß, würde aber unerwünschte Anstrengungen für die Stimmbänder gebracht haben, ebenso wären bei der Jagd Gelegenheiten dazu allzu reichlich vorhanden. An der Hofjagd, die am 18. d. M. in der Göhrde statt- sindet, gedenkt der Monarch bereits wieder teilzunehmen. — Tie „Nationallib. Korresp. "meldet, die Nationalliberalen werden Prof. Dr. Paasche zum zweiten Vizepräsidenten des Reichstages Vorschlägen, nachdem Heyl diesmal ablehnte. Zum Vorsitzenden der Fraktion wurde Tr. Sattler gewählt. — Ter preuß. Kultusminister ordnete an, daß sämtlich(i höhere Schulen Preußens durch Sachverständige auf ihre g e s un d h e it s g e m ä ß e Einrichtung hin zu untersuchen seien. — Tie Handelsverträge sollen dem Reichstage als abgeschlossenes Ganzes vorgelegt werden. .Es dürste/ jedoch noch geraume Zeit vergehen. Dresden, 3. Dez. In der Etatsberatung in dev zweiten Kammer bezeichnete der Finanz Minister die Befürchtung, es sei eine neue Tabaksteuer geplant, als unbegründet. In der jüngsten Konferenz der Finanzminister sei mit keiner Silbe von dem Tabak gesprochen worden. Finanzminister Tr. Rüger sprach ferner die Befiirchtung aus, in dieser Finanzperiode ohne Anleihe auszukommen, da es nicht wün;chenswert sei, immer wieder sächsische Anleihen auf den Markt zu bringen. Der nationalliberale (?) Abg. Langhammer polemisierte sehr scharf gegen den freisinnigen Abg. Günther. Den Rat, den dieser der nationallibei.alen Parter gegeben habe, sich vom Kartell los zu machen, wies er als ausdringlich zurück urrd erklärte, die Nationalliberalen lvürden sich bei den politischen Wahlen von den: Interesse, des Vaterlandes in erster Linie lenken lassen. Des weiteren sprach er sich ziemlich entschieden gegen die Einführung des gleichen, allgemeinen und geheimen Wahlrechts aus. Der Vorsitzende der nationalliberalen Fraktion nahm Gelegenheit zu erklären, daß die Ausführungen des Abg^ Langhammer, namenllich über das Wahlrecht, nicht als eine Kundgebung der Partei anzusehen seien. Hervovgehoben zu werden verdient auch noch die scharfe Kritik, die der Abg. Schrtbarl daran übte, daß zum Vorsitzenden des Schwurgerichts in Chemnitz ein Jude ernannt worden sei. Stuttgart, 3. Dez. Nach dem „Regierungsblatt" ist Ministerialdirektor v. Mo st ha f zum Vorsitzenden des gewerblichen Sach v e r st änd ig en v er e in s M Württemberg, Baden unb Hessen ernannt worden. Ausland. L o n d o n, 3. Dez. Der Bericht der Royal- Kommission zur Untersuchung von Bergistun gen durch arsenikhaltige Nahrungsmittel und Getränke empfiehlt die Festsetzung von Geld str afe n, falls in Nahrungsmitteln und Getränken ein Gehalt von mehr als ein Hunoertstel Gran Arsenik auf das Pfurrd oder die Gallone gefunden wird. Madrid, 3. Dez. Heute fand ein Ministerrat statt. Nach Beendigung desselben begab sich Vill av er d e ins Palais unb überreichte dem Könige die Demission der Regierung. .Ter Grund des Rücktrittes ist der Widerstand der Minderheitsparteien, namentlich der monarchistischen Minderheit gegen den Antrag Dominguez Pasqual, der die Budgetgenehmigung erlerchtern sollte. Es wird angenommen, Azearraga werde mit der Kabinettsbildung betraut werden. Rom, 3. Dez. D e putier te n kamm er. de Cesare feiert das Gedächtnis M o m m s e n s. Er erinnert an dessen großen Verdienste um die Rechtswissenschaft, Philologie und Geschichte, sowie an seine Rom und Italien erwiesenen Tienste. de Cesare ersucht den Präsidenten, der Akademie der Wissenschaften in Berlin das Berlei-d Italiens und der italienischen Kammer zu dem Trauerfall, von dem sie betroffen wurde, auszudrücken. (Lebhafter Beifall.) Unterrichtsminister Orlarsio führt ans, er sei stolz darauf, im Namen der Negierung sich den edlen Worten be Cesares zum Andenken Mommsens anschließen zu können, dessen grandiosen Werkes sich Rom und Italien stets erinnern werden. (Anhaltender Beifall.) Präsident Biancheri hebt hervor, daß die Gedanken Mommsens während seines ganzen Lebens auf die Größe Roms gerichtet gewesen seien, und fordert die Kammer aus, sich den edlen Worten, die zur Ehre Mommsens ausgesprochen seien, an- zuschtteßen. (Erneuter Beifall.) Wien, 3. Dez. Nach der Verlesung des Einlaufes verlangt Stein, der Minister des Aeutzecn nröge in Mlgrad ncrchftagen, ob Fresl im Konak ge po hlen habe. Fresl fordert die Internierung Steins in einer Irrenanstalt. Hieraus wird der Tringlichkeitsantrag Dworzak bezüglich der Modifikation des § 14 weiterberaten. Als der Pole Jaworski erklärt, gegeisi die Drülglichkeit ftiuunen zu wollen, schreit Choe: „schämen Sie sich, mit den Deutschen zu gehen!" (Lärm.) Die Dringlichkeit des Antrages Dworzak wird hierauf abgelehnt. — Aus Meran wird gemeldet: Der Oberhofmeister der deutschen Kaiserin, Frhr. v. Mirbach, ist hier ein* getroffen, jedoch nicht, um f ü r K a i s e r W i l h e l m eine Billa zum Wi n t e r a u s e n t h a l t zu m ie ten, sondern zu dem heute stattfindenden Begräbnis fernes hier verstorbenen Bruders, des Freiherrn Magnus v. Mir- badL Tirektors der belgischen Kommerzialbank. Ao ko Hama, 3. Dez. Einer Meldung aus Tokio zufolge verlangte in den lebten zehn Tagen der japanische Gesandte in Petersburg, Kurin», vom Grasen Lamsdorfs eine Antwort auf die e n d g ü l t i g e n B o r s ch l ä g e Japans. Lamsdorfs schlug daraus vor, daß er persönlich die (Genehmigung des Kaisers Nikolaus zu dem von dem Statthalter Alexejesf und dem russischen Gesarrdten in Tokio, Baron Rosen, ausgestellten Entwurse einholen wollte, er sei jedoch bisher ourch die Erkrankung der Kaiserin verhindert worden. Aus Stadl uui) Land. Gießen, den 4. Dezember 1903. — Sitzungen deS Schwurgerichts. Im vierten Quartal dieses Jahres finden folgende Sitzungen statt: Am Montag den 7. Dezember, vormittags 9’/2 Uhr, gegen Karl Kuhl und Wilh. Jüngling aus Orleshausen wegen Sittlichkeitsverbrechens; am Dienstag den 8. Dezember, vormittags 9 Vs Ubr, gegen Gustav Klo st er mann aus Jakobshagen wegen Körperverletzung mit tötlichem Erfolg. ** Alpenverein. Die Sektion Gießen hielt gestern abend ihre Jahresversammlung ab. Berichterstattung und Rechnungsablage gewährten einen erfreulichen Einblick in die Tätigkeit und fortschreitende Entwickelung des Vereins. Bei der Vorstandswahl wurde Professor Dr. Drude an Stelle des nach Halle verzogenen Druckereibesitzers Burkhardt, des früheren Geschäftsleiters der Brühl'schen Druckerei, in die Sektionsleitung gewählt, im übrigen wurden die seitherigen Vorstandsinitglieder von neuem bestätigt. Nach Beendigung des geschäftlichen Teiles hielt Herr A. Peppler vor den zahlreich erschienenen Zuhörern den angezeigten Vortrag, über den wir demnächst noch ausführlicher berichten werden. ♦* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Die zweite der Fremdenvorstellungen, die sich so außerordentlich gut eingeführt haben, findet Sonntag, den 6. Dezember, nach- mittags 3^/z Uhr statt, und zwar bringt sie Meyer-Försters beliebtes Schauspiel Alt-Heidelberg. Das Stück mit seiner neuen Ausstattung, dem farbenreichen Studentenmilieu, der Heidelberger Schloßdekoration, den Beleuchtungseffekten, wie den Mondaufgang über dem silberglänzenden Neckar- fluß usw. Das Stück hat bei flotter Darstellung unter der jetzigen Direktion einen ganz besonderen Erfolg gehabt und dürfte wiederum große Anziehungskraft ausüben. Die Fremdenvorstellungen finden bekanntlich zu ermäßigten Preisen statt. — Sonntag abend geht Otto Ludwigs ,Erbförster" in Szene. ** Die Temperatur im Theatersaal. Aus unserem Leserkreise schreibt man uns: Während der gestrigen Vorstellung von Wildes Salome herrschte im Theatersaal eine Eiseskälte, so daß das Publikum zum größeren Teil gezwungen war, in Mäntel und Tücher gehüllt, b?r Vorstellung zu folgen. Aber auch die Schauspieler zitterten vor Frost. Wir meinen, es sei eine Forderung der Billigkeit, daß der Theatersaal nur völlig durchwärmt dem Publikum zugänglich ist. Mit welchen Gefühlen mögen die darstellenden Künstler aus diesem trostlosen, kalten Lokal geschieden sein! — Ta kommt eine Zuschrift der Direktion gerade recht, die folgendes sagt: „Die unliebsame Kalte, die sich bei dem Salomegastspiel im Theater geltend machte, hat ihren Grund dann, daß das szenische Bild eine größere Oefsnung nach dem Kellerraum sowohl bei den Proben wie bei der Vorstellung bedingte. Für gewöhnlich wird für wünschenswerte Temperatur im Saale Sorge getragen fein/ — Wir wollen es hoffen! — Bei Frost weiter werden an die Beherrscherinnen der Küche und die Wächterinnen der Sauberkeit im Hause Anforderungen gestellt, die leider nicht immer befolgt werden. Das Wasserfchütten auf die Straße soll nach polizeilicher Vorschrift unterlassen werden, und Zuwiderhandlungen werden bestraft, eventuell trifft die Strafe die Hausbesitzer, wenn nämlich die eigentlichen Missetäter oder vielmehr -Täterinnen nicht ausfindig gemacht werden können. Bei der Gelegenheit darf wohl auch daran erinnert werden, daß bei Schnee früh morgens die Paffage frei gefegt, bei Glatteis Sand oder Asche gestreut werden muß. ** Bei der Submission zur Fleischlieferung für die Garnison für das Winterhalbjahr blieben die nachstehenden Metzger Mindestfordernde: Schlörb und Heßler Ochsenfleisch Mk. 1.26, Kuhfleisch All. 1.16; Hillgardt, Möhl und Schlörb Schweinefleisch Mk. 1.20; Konrad Malkomesius Hammelfleisch Mk. 1.44—1.46; Schlörb Kalbfleisch Mk. 1.22 pro Kilo. ** Diebe. Von unbekanntem Täter, jedenfalls einem Bettler, wurden aus dem Vorplatz eines Hauses der Frankfurterstraße ein Gummimantel und ein Ueberzieher gestohlen. — Bezüglich der hier in der Nacht vom 26. auf 27. v. Mts. vorgekommenen Einbruchsdiebstähle können wir mitteilen, daß in der Nacht vorher in Kassel auf ganz gleiche Weise fünf Einbrüche verübt wurden. Auch dort juchten tue Diebe solche Läden auf, die einen Eingang vom Hausflur aus hatten und nahmen nur Bargeld mit. In einem Falle nur ließen sie zwei Kistchen Zigarren mitgehen. ** Professor Dr. Staudinger richtet heute in einem Briese die Bitte an uns, zu seinem Vottrag über „Bodenreform als ethisches Kulturproblem" noch mitzüleilen, daß er das ethische Moment nicht darein gelegt habe, daß der Zweck aller Arbeit die Befriedigung unserer Lebensbedürfnisse ist. Er habe nur zeigen wollen, wie im Christentum ideell und dann in unseren modernen Verfassungen reeller die Idee des gemeinschaftlichen Rechtslebens auftaucht. Diese Rechtsidee als solche begründe sich nicht aus dieser Entwickelung als solcher, sondern aus dem Gedanken dcS vernünftigen Zusammenlebens vernünftiger Wesen (also im Gegensatz zu den Faktoren Gewalt und Lisi). — Wir bemerken dazu, daß des Redners Ausführungen im Zusammenhang cs nicht gut anders denkbar erscheinen ließen, als habe er diesen Gedanken des vernünftigen Zusammenlebens aus dem Satz: Zweck aller Arbeit ist die Befriedigung der Lebensbedürfnisse entwickeln wollen, denn seine Darlegungen über den Kapitalismus wurzelten doch wohl in dieser Auffaffung. + Vom Lande, 3. Dez. Während sich im vorigen Jahre allgemein ein Mangel an fetten Schweinen bemerkbar machte und infolge der hohen Fleischpreise gar manche Familie auf die gewohnten Hausschlachtungen Verzicht leisten mußte, herrscht zur Zeit ein besseres Verhältnis. Uebcrall aus dem Lande hat man im letzten Jahre der Schweinez ucht ein größeres Interesse zugewandt und fast durchweg zur Mast ein Stück mehr eingelegt als in früheren Jahren. Nun wird aber unfern Landleuten eine große Enttäuschung bereitet, denn es läßt sich fast kaum ein Metzger aus der Stadt sehen, um fette Schweine auf dem Lande aufzulaufen, dabei sinken diese von Tag zu Tag bedeutend im Preise. Während zu Beginn des vorigen Winters bis zu 70 Psg. das Pfund Schlachtgewicht gezahlt ivurde, ist es jetzt schon auf 50—52 Psg. zurückgegangen. Ebenso sind auch zum großen Leidwesen der Schweinezüchter die jungen Herbitferkel im Preise bedeutend gesunken, ja auf den letzten Märkten war darnach fast gar keine Nachfrage. Bei den herrschenden ziemlich hohen Kartoffelpreisen muß da unwillkürlich der Landmann sich fragen, wie er seinen Ueberschuß an Kartoffeln am besten verwenden soll. Bei der Schweinemast hat er mancherlei Umstände und Gefahren zu bestehen, welche ihm am Ende wohl mit kärglichem Lohne bemessen werden, während er beim Verkauf der Kartoffeln sofort mit klingender Münze belohnt wird, und es bleibt ihm auch noch mancher Verdruß erspart. Butzbach, 3. Dez. Metzgermeister Jakob Rübsamen hier verkaufte sein in der Weiseierstraße gelegenes Wohnhaus nebst Metzgerei an S. Löwenstein, Metzgermeister in ^Rieder- Weisel, zum Preise von 35 000 Alk. Wie man hört, bead- ichtigt derselbe, die Ochsenmetzgerei weiterzuführen und gleichzeitig eine Wurstfabrik zu eröffnen. (B. Ztg.) 0 Münzen berg, 3. Dez. Der Besuch unserer Burg „Wetterauer Tintenfaß" genannt, war in diesem Somm-r wieder ein bedeutend größerer als in früheren Jahren, was wohl durch den neuen Bahnbau verursacht wurde. Die Vollendung dieser Strecke Lich-Butzbach, welche voraussichtlich am 1. April 1904 eröffnet wird, bringt unsere Burg den Städten Frankfurt, Friedberg, Nauheim und Gießen bedeutend näher. In den letzten Jahren sind an den beiden Türmen und Mauern der Burg umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen worden. -s- Friedberg, 3. Dez. Die hiesige Karneval- Gesellschaft hat beschlossen, an Fastnacht 1904 eine glänzende Karnevalfeier und einen stattlichen Festzug durch die Stadt zu veranstalten. Friedberg, 3. Dez. Der um 4.25 Uhr früh von Friedberg nach Frankfurt gehende Lokalzug Nr. 800 wird vorn 15. Dezember bis 29. Februar in Wegfall kommen. Dafür wird em neuer Zug eingelegt, der um 6.25 früh Friedberg verläßt, auf allen Stationen hält und um 7.41 in Frankfurt eintrifft. Vorn 1. März ab läuft der Zug wieder wie im jetzigen Fahrplan. () Nüddingshausen, 3. Dez. Der 80jährige Einwohner N. hier hat sich an der Bettstelle erhängt; der Lebensmüde sröhnte dem Alkohol, und deffen Wirkung wird auch das Mollv der Tat jein. )( ©rünberg, 3. Dez. Infolge der kürzlich vorn Ge- meinderat beschlossenen Verbrauchssteuerabgabe auf Bier sand gestern abend im ,Hirsch" eine Versammlung der hiesigen Wirte statt, in welcher nach eingehender Aussprache ein Beschluß dahin gefaßt wurde, das Großh. Kreisamt Gießen um Nichtbewilligung des diesbezüglichen Gemeinderatsbeschlusses zu ersuchen. c. Zell-Romrod, 2. Dez. Am hiesigen Stationsgebäude ist ein Anbau errichtet worden, der S r. K ö n i g- lichen Hoheit dem Grobherzog bei seinem jeweiligen Aufenthalt im hiesigen Jagdschloß als Empfangsraum dienen soll. Er ist nach Plänen der Eisenbahn-Verwaltung von Bauunternehmer Winn-Gießen ausgeführt und so weit fertig, daß die Innendekoration des Fürstenziniiners, die vollständig im schweren Iagdstil gehalten ist und aus Eichen- holzmöbeln, Geweihspiegel und Lüstre-Vorhängen re. besteht, von der Möbelfabrik Th. Brück-Gießen entworfen und verfertigt, nächster Tage zur Ailfstellung gelangen wird. Diesem schweren Jagdstil fügt sich trefflich der in dunklem Wiarmor gehaltene, nach einem Entwurf von H. Winn aus- gcsührte Kamin ein, deffen Holzfeuerung den Eindruck des Behaglichen vollendet. Die elegante Einrichtung der Toiletteräume wird in weißem Marmor und Glas mit Messing- garnitur von der Firma H. Schaffstaedt-Gießen nach deren Entwürfen ausgesührt, so daß der aus Fürstenzimmer, Garderobe und Toiletteräumen bestehende Anbau, einheitlich und geschmackvoll durchgearbeitet, voraussichtlich bei Sr. König!. Hoheit Anklang finden wird. Darmstadt, 3. Dez. Die Großfürstin Sergius be= giebt sich Sonntag vormittag auf die Heimreise nach Rußland. Der Großherzog wird die Weihnachtstage voraussichtlich als Gast des Prinzen und der Prinzessin Heinrich in Kiel verbringen. Mainz, 3. Dez. Die Explosion in der Mohrenapotheke entstand nach dem „Mzr. Tgbl." dadurch, daß dem Provisor eine mehrere Liter haltende Benzinflasche entglitt und auf dem Ladentisch zerschellte. Das Benzin entzündete sich an der Hitze des dicht dabei befindlichen Ofens und explodierte, wobei die Kleider des Provisors Pischml eck aus Ratibor im Augenblick Feuer fingen. Der etwa 25 Jahre alte Mann erlitt so beträchtliche Verletzungen, daß sein Zustand äußerst bedenklich ist. Wetzlar, 3. Dez. Landrat Dr. Sartorius veröffentlicht im „Wetzl. Anz/ das folgende: In der letzten Zeit find nur wiederholt unterschrists* lose oder mit angenommenen Namen unterzeichnete Anzeigen zugegangen. Ich teile den Einsendern aus diesem Wege mit, daß olle derartige Eingaben bei nur in den Papierkorb wanden. Wer glaubt, eine Anzeige erstatten zu sollen, muß auch den 9)1 u t haben, mit seinem Namen i ür ihre Richtigkeit einzustehen, und kann sich versichert halten, daß ich die mir gemachten Anzeigen Sorgfältig prüfen werde. w. Wetzlar, 3. Dcz. Der Besuch unserer landw. Winterschule hat sich mit Beginn des diesjährigen Winter- tursuS bedeutend gehoben. Während an dem vorjährigen Kursus nur 17 junge Leute beteiligt waren, ist die Zahl diesmal auf 28 Schüler gestiegen. Der Kursus ist ein zweijähriger, resp. er dehnt sich auf zwei Winter aus; aber leider fehlte auch bisher bei vielen Besuchern das Jntereffe, um die Anstalt voll auszunutzen. fj Franken berg, 3. Dez. Der Kreistag für den Kreis Frankenberg beschloß heute, eine Petition an den Staatsminister Budde zu senden, in der dringend um die Erbauung einer Eisenbahn von Station Zimmers- rode der Main-Weser-Bahn ausgehend über Jesberg, Geuiünden, Haina nach Frankenberg und einem Abzweig nach Gemünden durch das Wohratal nach Kirchham gebeten wird. Da in dem zuletzt genannten Orte Anschluß an die» Bahn nach Riede r-Gemünden — Alsfeld erreicht wird, wäre mit Erfüllung des genannten Projektes eine direkte Verbindung mit der hessischen Provinz Ob er Hessen geschaffen. Wiesbaden, 3. Dez. Im Rathause waren heull Vertreter der Handelskammern Diez, Limburg, Wetzlar und Wiesbaden zu einer nicht öffentlichen Sitzung zujamrncn- getreten. Zur Besprechung gelangten: die Hebung des Fremdenverkehrs in Nassau, Lahn Kanalisation, Arbeitsnachweis uud Unterscheidung des Handiverks von Fabriken Die Beratungen dauerten drei Stunden. giue Attle zugunsten ver dtulschen Spache, spricht die „Deutsche Volksw. Korr." aus; sie schreibt: Der deutsche Reichstag ist für die nächste Session mit der üblichen Formel einberufen worden, in der es heißt: „Ter Reichstag wird berufen, am 3. Dezember d. I. in Berlin zusammenzutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zweck nougen Vorbereitungen." Trotzdem gegen die Hintenanflellung des Wortes wir vom Standpunkte der deutschen Sprache mancherlei Einwendungen berechtigt sind, hat diese Formel ein gewisses Bürgerrecht erlangt. Alt ist ja die Formel, sehr alt Man muß in den Bänden des Reichsgesetzblattes zurückgehen, bis das Reichsgesetzblatt in ein Bundesgesetzblatt sich verwandelt und brs zur Einberufung des er,ren Reichstags des Norddeutschen Bundes. Im Jahrgange 1867 des Bundesgesetzblattes des Norddeutschen Bund cs finden wir auf Seite 31 zum erstenmal die Formel in der heute noch üblichen Fassung gebrauchst. Es heißt dort: „Der Reichstag des sJiorbi)eut[a.jen Bundes wird berufen, am 10. September d. I. (1867) in Berlin zusammenzutreten, und beauftragen Wir den Bundeskanzler mit den zu diesem Zweck nötigen Vorbereitungen." Für die Einberufung des preußischen Abgeordnetenhauses, das doch vielfach für die parlanientari- schen Gepflogenheiten des Reichstages maßgebend gewesen ist, enthält die Formel nicht die zweifelhafte Inversion, sondern lautet recht und schlicht: „Die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Abgeordnetenhaus werden.... zusammenberusen." Weshalb von dieser sprachlich korrekten Formel jür den Reichstag abgewichen ijt, wird heute schwerlich zu ergründen sein. Nur den Vater der Einbepufungsformel für den Reichstag vermag man ncs) festzustellen. Unmittelbar vor der Ein- berufungsordre des ersten Reichstages des Norddeutschen Bundes findet sich ein Erlaß, betreffend die Errichtung des Bundeskanzleramtes, in dem zum Präsidenten desselben der damalige Wirkt Geh. Oberregierungsrat Ministerialdirektor Delbrück ernannt wurde. Unzweifelhaft haben wir in diesem den Vater für den Stil der Neichstagseinberuf- ungsordre zu erblicken, wenngleich schon der damalige Bundeskanzler, Graf v. Bismarck-Scpönhausen, das Schriftstück gegengezeichnet hat Im Drange der Geschäfte mag Telbrüct oder feinem Schreiber die sprachlich falsche Formel in die Feder geflossen fein, was doch aber wahrlich kein Grund ist, sie nun durch die Jahrzehnte weiter zu schleppen, besonders, da die Formel geeignet ist, der immer mehr einreigenöen Inversion Vorschub zu leisten. Wie bei allen Inversionen, hat auch die in der Einberufungsordre des Reichstages eine enge Gedankenverbindung der beiden SatzteUe nicht herbeigeführt, und tatsächlich haben die beiden Sätze auch nichts miteinander zu tun. Es wird heute sehr viel reformiert, auch am Reichstagswahlrecht durch das Gesetz über die Wahlzellen. Sollte es nicht angebracht sein, auch einmal im Interesse der deutschen Sprache eine Reform ein Ire ten zu las, en? Man braucht nach Wustmann nur den Rat zu befolgen, den schon der junge Leipziger Student Goethe seiner Schwester Cornelia gab, wenn sie in ihren Briesen Inversionen geschrieben hatte: einen Punkt zu setzen, das und zu streichen und mit einem großen Anfangsbuchstaben anzufangen. Ein Schriftsteller, der die Jnverston auf das strengste vermieden hat, ist auch Lessing. Wir denken, der sollte auch dem Herrn Reichskanzler maßgebend sein. Vermischtes. • Frankfurt a. M., 3. Dez. Der Student Sabor, ein Sohn des früheren RetchZtagsabgeordneten Sabor, hat sich, der „Kl. Pr." zufolge, erschossen. * Berlin, 4. Dez. Gestern abend verletzte der Arbeiter Forgiarini nach einem Wortwechsel seine Geliebte schwer mit zahlreichen Messerstichen. Der Täter wurde verhaftet. * Wien, 3. Dez. Der Weingroßhändler Franz Kurz hat sich krankheitshalber erschossen. * Bei der Sparkasse der italienischen Stadt Cagli wurde ein Fehlbetrag von 300000 Lire entdeckt. Sämtliche Beamten der Kasse sind in Hast genommen worden.______________ Vniverfilüts Nachrichten. — Der Privadozent Dr. Karl Heldmann zn Halle a. S ist zum auverordentlichen Prosessor in der phtlosophlschen Fakultät der dortigen Unioersuäl ernannt worden. Kanöel und ytrkfljr. Volkswirtschaft. Eine neue Reichs att le ih e in Sich t. Wie jujon im September von uns berichtet wurde, ist das Reich in die Notwendigkeit versetzt, eine neue Anleihe aufzuneh-' men, da der Reichshaushalt für des Jahr 1904 mit einem Fehlbetrag von 229 Mill. Mark ab schließt, wovon 214 Mill, aus dem Anleiheweg gedeckt werden sollen. Es müssen für diesen Fall 240 Mill. Mar! 3°/ö Anleihe begeben werden. Ob dreje Anleihe ihrem ganzen Umfang nach vom Reichstag bewilligt, oder üb sie beschn.tlen wird, ist eine offene Frage. Das „53erL Tagebl." geht aus die Eventualität oer neuen Anleihe des Näheren ein und weist auf ben offenen Mißerfolg der Anleihe vom April d. I. hi», die erst seit ganz furyr Zeit vollständig untergebracht zu sein scheint. Es werden die Ursachen, die aus einem )deutbaren Erfolg einen tatsächlichen Mißerfolg machten, twch- mals vorgeführt. Was für die Zukunft geschehen soll, da- mit bei einer eventuellen neuen Anleihe sich nicht wieder Aehnliches ereignet, wird auch in den Kreis der Betrachtung gezogen. Als radikalstes Vorbeugungsmittel wird die Wiedereinjührung des 3V? proz. Zinsfußes bezeichnet, ein Vorschlag, der jedenfalls seine ganz bedeutenden Schwierigkeiten hat, seitdem England für seine Anleihen nur noch 2V2 Prozent zahlt und schwächere Staaten wie Deutschland, z. B. Italien und Oesterreich-Ungarn, bereits die 3Va Proz. Verzinsung eingeführt haben. Jedenfalls mutz und wird die nächste Emission sorgfältiger vorbereitet werden, wie die letzte, damit es nicht wieder zu unbeabsichtigten Knalleffekten kommt, die die ganze Finanzwelt in Erstaunen setzen. Deutsche Bank. Wir haben schon vor einigen Tagen darauf hingewiesen, daß die Verwaltung der Deutschen Bank 'voraus,ichtlich 12 Prozent Dividende gegen vorjährige 11 Prozent in Vorschlag bringen dürste. Seit Wochenbeginn sind die Aktien um 3.10 Prozent gestiegen, in erster Linie auf diese Nachricht hin, bie aber noch keine offizielle Bestätigung gesunden hat; dann waren auch wieder Gerüchte dne schwere Menge im Umlauf, die aber, den offiziellen Berichten der Bank zufolge alle als unzutreffend zu bezeichnen sind. Zucker in du st rie. Die Zuckerindustrie, die in der letzten Zeit so mancherlei Wendepunkte durchzumachen hatte, ist am 1. Dezember wieder einmal in eine neue Phase getreten. Die Verkaufsvereinigung besteht zwar noch zu Recht bis Ende d. 9JL, es sind jedoch vom 1. Dezember Verkäufe und Käufe für Lieferung ab 1. Januar 1904 sreigegeben. Die Preise regulieren sich von nun an einfach wieder durch Angebot und Nachfrage an den Rohr- ^uckermärkten. Man kann sich auf einen scharfen Kumpf der Fabriken gefaßt machen; jedenfalls werden die Konsumenten aus dem Wettkampf Nutzen ziehen. Berliner Börse vom 3. Dezember 1903. (Mtgeteill von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Tie heule bei Eröffnung des Reichstages verlesene Thronrede, welche sich über die Reform des Börsengesetzes eingehend äußerle, machte einen äußerst günstigen Elndruck auf die Börse. Infolgedessen erfuhren zunächst unsere heimischen Anleihen, wie auch Bankaktien ziemlich bedeutende Kursileigerungen. Von Bankaktien wurden besonders Deutsche bevorzugt, uibern die bereits in den Vorlagen besprochenen Gerüchte wiederum diskutiert wurden. Für Schlßahrtsallien nrachte sich uiiter Hinweis auf die neuer- bings begonnenen Unterhandlungeri zwischen der Hamburg- Arnerikanischen Packelsahrt-A.-G. mit) amerikanischen Schiffahrls- und Eijenbahn-GejeUjchaflcn reges Interesse gelteiid. Montan- werle lagen bei geringen Umsätzen der Gesainllendenz ebenfalls recht fest. Auf dein Kassaiiiduslriemarkt wandte sich das Hauptinteresse den Elektrizitätswerken, vornehmlich den Aktien der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu. Privat-Diskortt 38/8 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 216.20 215.75 Deutsche Bank . . . 224.75 225.12 Darmstadter Bank . . 147.90 147.90 Bochumer Guß . . . 188.75 189.25 Harpen er Bergbau . . 205.60 205.50 endenz: Ziemlich fest. Gerichtslaal. Mainz, 3. Dez. Vor dem Schwurgericht rin Wiesbaden stand, wie wir im Ai. Tgbl. lesen, gestern die ledige Büglerin Karalme Klees aus Kirn bei Kreuznach, unter derAll- klage des doppelten K i n d e s m o r d e s. Im Jahre 1892 ist sie bereits einmal wegen desselben Verbrechens mit vier Jahren Gefängnis vorbestraft worden. Die Angeklagte, welche, gefolgt von e*mem Gefangenenaufseher, laut schluchzend auf der Armsülider- bank Platz, nahm, wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Sie wohnte zuletzt in Wiesbaden, steht anfangs der 30er Jahre und ist die Tochter eines Taglöhners in Kirn bei Kreuznach. Am 9. Juni 1902 soll sie ein Kind weiblichen Geschlechts während oder unmittelbar nach der Geburt ums Leben gebracht haben. Wie das erstemal, so wäre es auch das zweitemal der Angeklagten gelungen, ihr Kmd, die Frucht eines über alle Maßen l-ichliertigen Lebensivandels, aus dein Wege zu schaffen, wenn sie nicht bei aller sonst angervandten Schlauheit doch nach einer Richtung hin recht unvorsichtig zu Werke gegangen wäre. Sie schickte nämlich die kleine Kmdesleichs mit der Post in einem Pappkasten, welcher dem Gericht vorliegt, unter der Adresse eines überhaupt nicht existierenden Mannes nach Frankfurt. Sie rechnete dabei damit, daß das Paket in der üblichen Weise behandelt werde, daß es einige Zeit auf dein Postamts bleiben, dann Aur Feststellung des Absenders der Oberpostdirektion übermittelt werde, und daß nian bei dem Fehlen jedes Anhaltspunktes zur Ermitlelulig des Absenders die Untersuchung bald niederschlagen werde. Dabei jedoch hatte sie die Rechnung ohiie deii Wirt ge»nacht. Tie zitm Versand benutzte Schachtel wurde an ihr zum Verräter. Sie wurde von Jemaiiden — wie, ist nicht bekannt geivorden —, der ehedem nut der Angeklagten in geschäftlicher Verbindung gesta»,den hatte, als ihm gehörig und wahrscheinlich do» der Angeklagten gestohlen erkannt, und so kam man aii die Persoli der Klees. Zur Verantivorlung gezogen, legte sie auch gleich em Geständnis ab. Sie fügte aus freiem Antrieb, um ihr Gewissen zu entlasten, die Erklärung bei, auch im vorigen Jahre geboren und das Knid ums Leben gebracht zu haben, weil es ihr lästig geivejen uiid sie an der Möglichkeit, sür zivel Menschen beit .Lebensunierhaltung durch ihrerHände Arbeit zu erwerben, verzweiselt sei. Dieses ziveile Kiiid soll die Klees in Mainz zur Welt gebracht haben. Tas Mäbchen wurde dantals gleich hniler Schloß und Riegel gebracht. — Aus Gründen der öffentlichen Moral vollzog sich die Hmtdlung hinter verschlossenen Türen. Die Angeklagte erhielt fünf Jahre Zuchthau s. Hanau, 3. Dez. Im März l. I. ü b e r f u h r der Sabetti Ernst v. Karlshausen aus Groß-Lichterfelde, Sohn -des Guts-1 besitzers v. Karlshausen iu Alten-Haßlau bei Haitz im Kreise Gelnhausen, eine 60 Jahre alte Frau Schleich aus Haitz mit seinem Velociped, sodaß diese sofort an einer bei dem Unfall erlittenen Schüdelverletziing starb. Karlshausen stand heute deshalb vor der hiesigen Strafkammer unter der Atiklage der fahrlässigen Tötung. Tiirch die Zeugenaussage wurde festgeslettt, daß der Radfahrer an dem Zusantmenstoß nicht schiild war, vielmehr vorschriftsmäßig gehandelt halte und die Frau lediglich durch ihre eigene Unvorsichtigkeit schwer verletzt worden ist. Der Angeklagte wurde, nach der ,Frks. Ztg/, freigesprochen. kl. Leipzig, 3. Dez. Wegen Widerstandes ist am 19. Mai vom Landgerichte Gießen der Metzger Heinrich M i chel zu einer Zusatzstraie von 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem "ein früheres Urteil vom Reichsgerichte aufgehoben worden war. Seine Revision wurde heute vom Reichsgerichte als unbegründet verworfen. Magdeburg, 3. Dez. Das Kriegsgericht verurteilte in geheimer^Verhandlung den Leutnant B. vom 27. Infanterie- Regiment in Halberstadt wegen Fahnenflucht zu acht- monatlichem Gefängnis und A u s st o ß u n g aus dem Heere. Aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß der Angeklagte ein intimes Verhältnis mit einer Kaufmanns- Gattin unterhielt. Er war nach der Schweiz entflohen, halte sich aber später frenvillig gestellt. — We m m e ts we iler, 3. Dez. Pfarrer Dr. Schmitz und der Redakteur Schuen aus Sl. Johann-Saarbrücken, welche kürzlich wegen Hausfriedensbruch, der m einer Wählerversammlung begangen ivorden sein sollte, zu Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, wurden in der Berufungsinstanz freige- j p r o ch e n. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Genteinde. Am 2. Advent, Sonntag den 6. Dezember. Gottesdienst. Iu der Stadtkirche. Vormittags 91/, Uhr: Profeßor D. Trews. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Atalthäusgemeinde. Pfarrer D. Schlosser. Abends 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. Beichte und heiliges Abendmahl für die Markusgemeinde, wozu besoiiders die tonfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde, Neuen- Bäue 27, erbeten. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Montag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinbe. Donnerstag, den 9. Dezember, abends 8 Uhr im oberen Konfirmandensaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Psalm 100. Pfarrer D. Schlosser. Nächstkünftigen Sonntag, den 13. Dezember, als am 3. Advent, findet Beichte und heiliges Abendmahl für die Mclllhäus- gemeinde im Abeiidgottesdienst statt, wozn besonders die konfirmierte Jugend emgelabeit wirb. Anmelbung vorher bei bem Psarrer jeher Gemeinbe erbeten. In der Johauneskirche. Vormittags 91, Uhr: Repetent Lic. theol. Fuchs. Vormittags 11 Uhr: Kinbergottesdienst für bie Johannes- gemeinbe. Pfarrer Dr. Naumann. Abends 5 U h r: Pfarrer Euler. Beichte und heil. Abendniahl für die Lukasgemeinde. An- metbungen vorher bei bem Pfarrer erbeten. Sonntag abenb 8 Uhr: Versammlung unb Bibelbcsprechung im Konsirmanbensaale der Johamieskirche. Luk. 17, 20—30. Montag, den 7. Dezember, abends 8 Uhr : Bibel st unde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Galaterbrief Kap. 2, Vers 11—21. Pfarrer Dr. Naumann. Sonntag den 13. Dezember. 3. Advent: Beichte unb heiliges Abenbrnahl für bie Johannesgemeinde im Abenbgottesbienst. Anmelbungen vorher bei bem Pfarrer erbeten. ES wirb wiederholt darum gebeten, die Trauungen bei dem zuständigen Pfarrer ja frühzeitig bestellen zu wollen, daß wenigstens noch ein Sonntag dazwischen liegt, an bem bas vorgeschriebene Aufgebot erfolgen kann. Die vier Gemeinben wollen auch in diesem Jahre den in ihrer Pflege stehenden Armen m aller Stille eme Weihnachtsfreude bereiten, und richten daher an ihre Mitglieber bie herzliche Bitte, ihnen bazu milbe Gaben zuwenben zu wollen. Die Pfarrer, bie Mitglieber ber Kirchenvorstände, sowie die Gemeindeschwestern unserer Gemeinden sind zur Entgegennahme solcher Gaben bereit Dagegen werden Anmeldungen zum Empfang von Weihnachtsgeschenken nicht gewünscht Die Kirchenvorstände der vier Gemeinden: Dr. Naumann, D. S ch l o f f e r. Euler. Schwabe. Katholische Gemeinde. Samstag, den 5. Dezember 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur hl. Beichte. Sonntag, den 6. Dezember. 2. Adventssonntag: Vormittags von 6 l/9 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste hell. Messe, vor und in derselben Austeilung der hell. Kommunion. w um 8 Uhr: Die zweite heil. Riesse. w um 9 */, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um b'h Uhr: Christenlehre; darauf Advents-Andacht Montag, den 7., unb Dienstag, den 8. Dezember, nachmlltags von 5—7 Uhr werben frembe Priester Beicht Hörem Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 4. Dez, Das Kriegsgericht in Magdeburg verurteilte in geheimer Verhandlung einen Zn- a n k e ri e-L e u tn a n t der Garnison Halberstadt wegen Fahnenflucht zu 8 Monaten Gesän gnis und Ausstoßung aus dem Heere. Aus der Urteiksbcgrund- ung ging hervor, daß der Angeklagte ein intimes Verhältnis zu einer Kaufmannsgattin unterhielt. Vor dems Ehrengericht hatte er seinerzeit hierüber unwahre *4^ sagen gemacht, worauf er nach der Schweiz entfloh, sich aber nach 3 Monaten freiwillig wieder stellte. L. London, 4. Dez. Ter Mi n e n k o m mr ssar Wy^ ber ah sagt einer Johannesburger Meldung der „Daily Mail" zufolge in dem Briefe, worin er dem Gouverneur von Transvaal Sir Lwvley seinen Rücktritt anzeigt, feine Hoffnungen hätten ' ich nicht erfüllt. Der politische Einfluß der Finanzlrcise auf die Regierung fei ehe^ gewachsen, als zurückgegangen. Südafrika werde in einer Weise regiert, die den Interessen der großen, ausländischen Aktionäre vertretenden Finanzhäuser förderlicher sei als die Interessen der eingesessenen Bevölkerung. Paris, 4. Dez. Zu Ehren der englischen Par- lamentarier wird sich, wie aus Nizza gemeldet wird, das französische Ai i 11 e l m e e r g e s ch w a d e r auf Beseht des Marineministers nach Villefranc begeben, um dork bis zur Abjahrt der Gästo zu verbleiben. . Paris, 4. Dez. Die 'Nationalisten lassen in allen Gegenden FrankreickM einen Aufruf veröffentlichen, unter- zeiainet von den Generalen Mercier, Zurlinden und Ea- vaignac, den früheren Kriegsministern, worin gegen dis Wiederaufnahme der D r e h f u s a f f är e protestiert wird. e ( A . Madrid, 4. Dez. Ueber den Grund der Demission des Kabinetts Villaverde wird ausführlicher folgendes berichtet: Die Re-gierung hatte in der Kammer bie Einbringung des Antrags Dominguez, Pasqual veranlaßt wonach das Ministerium ermächtigt sein sollte, das bereits genehmigte Budgettapitel zur Ausführung zu bringen, unbeschadet etwaiger späterer Abänderungen von feiten der Kammer. Tie Bureaus der Kammer erklärten sich mit ber Beratung des Antrags einverstanden, aber unter der Hervorhebung, daß er gröblich gegen die Verfassung verstoße und den Republikanern die B-erechtigung geben würde, Aw träge auf Abänderung der Reg,erungsform zu stellen. Aus diesem Grunde und, da die L-bjcrukiion der Republikaner, sowie die 5^altung aller Minde^heitsparteien die Annahme oes Anrrag.es Dominquez Pasqual zwei.elhaft machten, beschloß Viltäverde die Temission des Zlabinetts. Buschrr (Persienh 3. Dez. Vizekönig Lord Curzon ist am 2. Tezember an Bord des „Hardinge" hier eingetro ff en. Heute empfing der Vizetönig eine Abordnung, welche eine Begrüßungsadresse überreichte. In ;einer Antwort betonte Loro Curzon das Uebergewichl des britischen und des indischen Handels iw Persischen Golf und die friedlichen Einflüs,e der geschäftlichen Beziehungen mit England. L. Kapstadt, 4. Tez. Die Kommission zur Untere suchung der Ents ch(ädigun gs ansprüche für Ver^ lüste im Bur en kriege hat ihre Arbeiten nahezu beendet. Sie hat über 30 000 Ansprüche geprüft und gegen 13/4 Mill. Pfd. Sterl. Entschädigungen zuertannt. L. New York, 3. Dez. In Cherokee (Kansas) fanden Kohlenberglente bei der Arbeit im Bergwerk in 50 Fuß Tiefe einen versteinerten aus Baumrinde angefertigten Kasten in Tonerde unter der 2. Kohlenader gebettet. In dem Kasten lagen drei Pfettspitzen aus Feuerstein. Die amerikanischen Archäologen nehmen an dem Fund großes Jnkeresfe, da sie der Ansicht sind, daß er das Vorhandensein men schli chen Lebens vor d em Kohlenzeit alter beweist. Telephonischer Kursberichte Frankfurt a. Ji., 4. Dezember 1903. 3*/2°/o Reichsanleihe . . 102.25 3'Vo do. 5 • • • 91.50 Loovols . . . 102.20 3% do.....91.50 3x/2°/o Hessen .... 101 25 31/, % Oberhessen . . . 100.00 4% Oesterr. Go rente . . 102.80 4x1l% Oesterr. bin. rren o 101.20 4% Ungar, tioldreute . . 100.15 4°/v Italien. Rente , . . 103.60 4V2% Portugieser » . . 64.20 „°/ Portugiesen. . . . . 32.50 1% C. Türken .... 37.40 Türkenlose...... 144 20 4% tiriech. Monopol.-Anl. 44.90 41/, % äussere Argentiner 43 00 8% Mexikaner .... 26.20 4,/21/o Chinesen . . . . 91.30 Electric, beb ackert . . . 112.0s Nordd. Lloyd . . . . 105 50 Kreditaktien ..... 215.90 Diskonto-Kommandit. . . 198.40 Darmstädter Bauk . . . 147.70 Dresdener Bank .... 159.30 Beniner Handelsges. . . 166.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.30 Lombarden . . . . . 17.40 Gottüar abahn.....190.70 Lauranütte...... 242.00 ßuehum ....... 188.75 Harpener...... 205.10 Tendenz: fest Kupserberg Gold zeichnet sich durch erstklassige Qualität, vorzüglichen Geschmack, durch feine leichte Art und große Bekömmlichkeit aus. 9iach unserem erfahrenen Urteil muß es als das beste deutsche Erzeugnis angesehen werden. Bckanntmachiing. Der Voranschlag der Gemeinbe Lver-Vertagen für bas Jahr 1904,05 hegt vom 8. Dezember bs. Js. an acht Tage lang auf bem Bürgermeisterei-Büreau bahier zur Emstcht ber Interessenten offen. Ober-Befsinqen, ben 4. Dezember 1903. 9030 Grvszherzogliche Bürgermeisterei Ober-Beffingen. Kühm Kcküllnluiachung. Wir suchen für einen braven unb fleißigen Jungen emeHans- burschenstelle mit leichterer Arbeit, am lieb|ien auf bem Lande. Gießen, ben 3u. 9loubr. 1903. Die Armen-Tepulation ber ________Stabt Gießen. 3984 Dieyme hielmit bie öekanntmachung. Wir suchen für ein achtzehnjähriges Mädchen eine Stelle als Kindermädchen zu 1 ober 2 Kinbern. 8983 Gießen, ben 30. Novbr. 1903. Släbl. Armenamt. gegen Fräulein Bertha Huppert im vorigen Jahre im „Einhorn" böswillig ausge Prochene Beleidigung mit Bedauern als unwahr zurück und bitte sie, da ich ihre Ehre tief verletzt habe, auf diesem Wege um Verzeihung. 05979 J. Bayer Friseur. Das schönste Geschenk ist ein Photographischer Apparat. Katalog gratis. 9009 7 Mäusburg Heinrich Holl Mäusburg 7. Vekanntmachunß In bem Hause Neuenweg 2 ist eine für Schlosserei ober ähnliche Gewerbe geeignete Wcrk- stätte alsbalb zu vermieten. Näheres Zimmer Nr. 15 ber Bürgermeisterei. 9006 Gießen, ben 3. Dezember 1903. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 9)1 e cum. Puppenstube zu verkaufen ^»rünöergerstraße 81. Stöbt. Schlachthaus. Freibank. Heute uud morgen: 8733 Gijirrkn!« 51 pfg. Kackqitiitkii in bekannter 8816 bester Qualität bei Emil Fischbach. 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Um stille Teilnahme bittet Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christian© Dieter, geb. Kircher. Todes -Anseigre. Freunden und Bekannten die schmerzliche Nachricht, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, heute nachmittag 3 Uhr meinen innigstgeliebten Gac.en, unseren guten Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herrn Philipp Dieter 05984] ^Röbl. Zimmer zu vermieten. Näh. Marburgerstr. 38. Schön möbl. 05991 Zimmer mit Pult, nach der Straße, per 1. Januar zu vermieten. Frantfurterstr. 25, IL 05994| Zimmer, irtobl, separat, zu verm. Fink, Bismarckstr. 40. 8760) Mo bl. Zim. )ot. o. spät, preiss wert zu verm. Bahnhofstr. 34,1. ~Äicrte WoSjiülllg 1 zu verm. Frankiurterstr. 36,1 Tr. 7920] Schön möbl. Zimmer zu vermieten Kirchenplatz 9. 8783] Schön möbl. Zimmer zu verinieten Neustadt 19. 8900] Schön möbl. Zimmer zu vermieten Ludwigstraße 6, I. 05964] Schön möbl. ruh. Zimm. zu vermieten. Dammstr. 46, I. 05973] Schöne, möbl. Zim. mit ob. ohne Pension z. v. Bismarckstr. 17. 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