1568 • rfd)ei*t ««glich außer Sonntag«. Dem ® iefeener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem Krsfische« Landwirt die rtehener Kamillen, blätter viermal in der Woche betgelegL Rotation«brurf n. Verlag der Brühl 'schen llnwer1.-Buch-u.Stel»- bruderet (Pietsch Erben) Redaktion. ittxNi unb Druckerei: echalßratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. £tm|Drfd)ant<6lu§9hr.5L Donnerstag 4. Juni 1903 Erftes Matt. 153. Jahrgang GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger * * * * v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ye-ng«prer«tt mouallid)7bPi.. viertel« jährlich Mk. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Wit. 2.— viert el- lährL auSschl. Bcstellg. Annahme von Anzeigen üi die Zaflrtnnmmec iS oormUlag« 10 Uhr. . ctlenpreit; total 12^ aueroärtl 20 Pig. Beranlwortiich tüt den poltL unb aÜgcm. 'Zell; P. IBtltto: für .Stadt und tianb* und -(ßcncbtflfaaT; Huauft Götz; tüx den Anzeigenteil: Han« Beck. Volttische Tagesschau. Eine scharfe Absage ^at auf einer in Geislingen abgehalteneu 44. Wcmderver- sammlung wiirtternbergis ch er Landwirte der Minister des Innern v. Pischek an den Bund der Landwirte gerichtet. Ter Minister stellte fest, daß die heutigen Forderungen deS Bundes der Landwirte entschieden weiterglchend seien, als die vor drei Jahren von den landwirtschaftlichen Gau- Verbänden ausgesprochenen Wünsche, die ihre Verwertung tm Zolltarif gesunden hätten. Tas möge teilweise vielleicht daher kommen, daß die Lage der Landwirtschaft nicht besser geworden sei. In der Hauptsache aber bestätige sich hier die alte Erfahrung, „daß der Appetit mit dem Essen komme", und die Begehrlichkeit der Landwirte sei durch die Agitation >er bezahlten Wortführer des Bundes der Landwirte gewachsen Tem Frieden sei es nicht dienlich, solche besoldeten Agitatoren zu bestellen, die keine Versöhnung, sondern Verschärfung dec Gegensätze brächten. Ter Minister sei nicht allein für die Landtvirtschaft da, sondern müsse auch für Handel, Gewerbe und Sozialpolitik sorgen. Selbst wenn es möglich wäre, soviel Getreidp zu bauen, wie Württemberg brauchte, müßte Württemberg doch noch viele andere Tinge einführen und diese müsse der Import bezahlen. Darum müsse die Regierung auch aus die Erhaltung einer kräftigen Exportindustrre bedacht sein, wenn die Lebenshaltung der Bevölkerung nicht zurückgehen solle. Die neueste« Goldfunde in Deutsch-Ostafrika. Kürzlich in englischen Blättern aufgccauchte Meldungen besagen, wie wir berichteten, daß in Deutschs) st afctka neuerdings reiche Goldfunde gemacht worden sind. Me goldhaltigen Felder sollten sich« nach den Berichten etnxi sechs Lagemärsche von Muauza am Südufer des Viktoria- Sees befinden. Als Beweis für die reichen Erträge wurde gemeldet, daß die vorn Süoen nach Mombassa ftBritisch- Ostafrika) gehenden Schiffe mit Goldsuchern aus Transvaal angefiUlt seien, und daß die Züge der britischenllganda- bahn, bte nach dem Viktoriasee führt, gleichfalls mit solchen Leuten besetzt seien. Eine amtliche Meldung über neue Goldfundc liegt bisher nicht vor. Falls die neuentdeckten goldbergenden Felder einen ganz außergewöhnlichen lGoldreichtum aufweisen würden, ist wohl anzunehmen, daß eine solche Meldung bereits telegraphisch über» miltelt worden wäre. Es ilst bekannt, daß in Deutsch-Ost- ajcika seit längerer Zeit Gold gefunden wird, und daß hierfür besonders das Gebiet südlich des Viktoria-Sees in Betracht kommt. Es braucht deshalb nicht in Zweifel gezogen zu. werden, dc.z bet Muanza Goldfunde in letzter Zeit gemacht worden sind. Von wirtschaftlicher Bedeutung für die Kolonie können solche Goldfelder nur dann sein, wenn die Gewinnung des Edelmetalls und die Ausfuhr sich lohnend gestaltet, wenn also, die Kosten des Abbaus nicht größer sind als der aus der Verwertung erzielte Gewinn. Tie Entscheidung hierüber kann aber erst nach einer eingehenden Untersuchung gefällt werden, die bis jetzt natürlich noch nicht begonnen hat. Die Mitteilung, daß die Goldgräber von Britrsch-Ostafrika auf deutsches Gebiet kommen, um nach Gold zu suchen, kann durchaus zutrefsen, da für das deutsche und englische Kolonialgebiet die allgemeine Schürsfreiheit besteht. Bewohner von Deutsch-Afrika können also ebenso in Englisch-Ostafrika nach Edelmetallen suchen, wie englische Untertanen in den Gegenden am Vittoria- See. Ausgenommen sind hiervon selbstverständlich die Landstrecken, für welche besondere Konzessionen bereits vergeben sind. 'Wahlbeweguug. — Nach einer Meldung aus Breslau hat der im Wahlkreise Geutheu-Tarnowih vorn Zentrum für die Reichstagswahlen aufgestellte polnische Bergmann Kr o - lik seine Kan didatur zurückgezogen. Diese Kandidatur stieß bei der deutschen Wählerschaft auf lebhaften Widerstand, und der von dieser Seite aufgestellte Amtsgerichtsrat A n t h e s ch wurde auch von den deutschen Anhängern der Zentrumspartei offen unterstützt. ßvangclisch sozialer Kongreß. R.B Darmstadt, 3. Juni. Heute dormittag 9i/i Uhr begann der 14. Evangelisch-soziale Kongreß seine offiziellen Verhandlungen im städtischen Saalbau, der mit der Tribüne dicht beseht war. Unter den Anwesenden bemerkten wir Staatsminister Rothe, Justizminister Dr. Dittmar, Ooer- konsistorialpräsident D. Buchner, mehrere Ministerialräte und andere hohe Staats- und Kirchenbeamte, ferner Oberbürgermeister Morneweg und dazu viele namhafte Ge- lehrte aus Berlin, Leipzig, Köln, Marburg, Stuttgart, Heidelberg, Karlsruhe rc. Prof. Dr. Harnack begrüßte nach Gebet und Gesang namens des Aktionsausschusses die so zahlreiche Versammlung und führte aus, daß die deutschen Regierungen mit großem Eiscr die evangelisch-sozialen Bestrebungen unterstützten. Deutschland stehe oamit in ganz Europa obenan. Bei dec Lösung der sozialen Aufgaben kämen besonders drei Faktoren in Betracht: Besitz, Bildung und Gesinnung. Die Entwicklung der sozialpolitischen Aufgaben auf dem Boden des Evangeliums müsse das ernste Streben aller sein. Es sei notwendig, durch das Wort auf die Sache zu wirken, Dkensch zu Mensch und Herz zu Herzen näher zu bringen, damit ein sozialpolitischer Geist das ganze deutsche Volk durchdringe. In diesem Sinne wolle auch heute der Kongreß an die Arbeit gehen zum Wohle und Segen unseres Vaterlandes. (Lebh. Beifall.) Hierauf nahm Herr Staatsminister Rothe das Wort zu etwa folgender Ansprache: Das verehrte Komitee des Kongresses hat die Freundlichkeit gehabt, auch die Großh. Regierung zu dem Kon- grefse einzulaben. Ich danke zugleich im Flamen meiner Kollegen für diese Anfmerllo'.n^ir.. Die Großh. Regierung darf wohl für sich das Zeugnis in Anspruch nehmen, den sozialen Fragen alle gebührende Sorge zuzuwenden und redlich bemüht zu sein, auch ihrerseits zur Lösung der sozialen Aufgaben nach besten Kräften beizutragen. Aber sie kann nach ihrer Auffassung diese Aufgabe nur lösen, wenn sie selbst in allen sozialpolitischen Fragen die vollste Objektivität bewahrt und auch jeden Anschein einer Partei- nähme nach der einen oder anderen Seite hin vermeidet. Wenn somit auch die Vertreter der Regierung nur als Gaste der Versammlung beiwohnen, so werden doch nach dem vorliegenden Programm die Verhandlungen so viel des Interessanten bieten, daß sie uns auch als Zuhörern reiche Anregung und Belehrung geben werden. Ich begrüße deshalb den 14. Evangelisch-soziaten Kongreß in Darmstadt namens der Großh. Regierung und wünsche Ihren Verhandlungen den besten Verlauf. Weitere Begrüßungen und Sympathieversicherungen sprachen Oberkonftstorialpräsident D. Buch ner namens des Großh. Oberkonsistoriums, Oberbürgermeister Morneweg namens der Stadt Darmstadt, der Rektor der Universität Gießen, Prof. D. Krüger, der etwa folgendes ausführte: Daß er als evangelischer Theologe und als langjähriges Mitglied des Kongresses gern herbeigeeilt fei, verpetze sich von selbst; er sei aber auch von den Kollegen der alten Ludovieiana au der Lahn beauftragt worden, die Versammlung hier herzlich zu begrüßen, trotz der anfangs gehegten Bedenken, denn die Ziele des Kongresses seien doch mit politischer Natur. Seine Ausgaben seien aber auch so groß und ergaben, daß jeder Zweifel darüber, ob man hier mitarbeiten dürfe, schwinden mußte. Sollen doch seine Bestrebungen dazu dienen, das deutsche Volk mit einer gesunden sozialen Anschauung zu durchsäuern. Er hätte gewünscht, einen Extrazug von Studierenden gleich hierher bringen zu können, damit sie aus dem Munde ihrer Lehrer selber die goldenen Worte zu hören bekämen. Er hoffe, daß wieder die Zeit nahe, in welcher die Professoren hinauS- trcten aus ihrer Studierstube und in3 praktische Leben eingreifen. Damals war cs der nationale Gedanke, der in den Herzen der Deutschen geweckt wurde. Jetzt stehe Deutschland nach außen hin kräftig und stark da, aber im Innern frißt mancher Feind an ihm. Da solle es Aufgabe der Professoren fein, in der Tiefe die Liebe zu dem sozialen Gedanken zu erweckem Quod bonum felix fauftumque fit! Ferner sprach noch Prof. Rath gen namens der Universität Heidelberg und je ein Vertreter des Evangelischen Arbeitervereins, des Vereins für Bodenreform und des Evangelischen Bundes. Dann nahm Prof. Dr. Wilhelm Herrmann-Marburg das Wort zu seinem Vortrag über: „Die sittlichen Gedanken Jesu in ihrem Verhältnis zu der sittlich-sozialen Bewegung der Gegenwart". Der berühmte Marburger Theologe besprach dieses Thema in einem außerordentlich geistvollen, fesselnden und über zwei Stunden dauernden Vortrag, dem er die folgenden Thesen zu Grunde legte: 1. Die sittlichen Gedanken Jesu stehen nirgends in Gegensatz zu der sittlich notwendigen Kulturarbeit. 2. Tie Annahme eines solchen Gegensatzes beruht auf einer falschen Auffassung des Sittlichen und einer falschen Deutung von Worten Jesu. 3. Die auf vielen Seiten für undurchführbar oder für revolutionär gehaltenen Forderungen eines Verzichts auf Besitz und Macht sind Hinweise auf Gefahren, mit denen die Kultur auf jeder Stufe das sittliche Wollen bedroht. 4. Sie sind tiiber auch Forderungen, die jede sittliche Gesinnuiig aus sich entwickeln muß. 5. Tie sittlichen Gedancen Jesu sind weder veraltet noch zu hoch für unser Verständnis, denn sie sind das wahrhaft lebendige in der fitllich-fozialen Lebensbewegung der Gegenwart. An den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Bor« trag schloß sich noch eine längere, lebhafte Diskussion an, in der namentlich Prof. Dr. Delbrück-Berlin seine in verschiedenen Punkten von der des Hauptredners abweichende Anschauung iiäher darlegte. Weiter beteiligten sich an der Debatte, auf die wir wegen Raummangels hier nicht näher eingehen können, noch Pfarrer Dr. Christlieb-Freistädt in Laden, Dr. Weinel-Bonn, Pfarrer Freudlieb- Ulrichstein, Privatdozent Pe ts ch-Würzburg und Kandidat Walter Kia sing. Der Versammlung schloß sich ein gemeinschaftliches Mittagessen im Saalbau an. Tie Nachmittagssitzung zeigt wiederum einen dichtbesetzten Saal. Geh. Rat Prof. Dr. Adolf Wagner sprach über das Thema „Tas ethische und soziale Moment in Finanzen und Steuern." Es sch nicht zu leugnen, so führte der Redner aus, daß alle Angelegenheiten der Fi, nanzen und Steuern mit den politischen Fragen und sozialen Momenten in engster Verbindung stehe. Ein Hauptgrund, daß das heilige römische Reich deutscher Nation in Trümmer ging, war der, daß es nicht gelang, eine geordnete SUuerDerfapung zu schaffen. Auch fiir die polirische Gegenwart sind die Steuern von ganz eminenter Bedeutung, ja es hängt die Existenz von Reich und Staat von der Leitung der Steuern und Finanzen ab. Die Festlegung der öffenllichen Mittel und Einkünfte für die allgemeinen Inte reffen der Gesamtheit ist eine Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, das Anzapfen der Finanz- kasscn durch die Fürsten hat durch Festsetzung bestimmter Der Sänger-Wettstreit in Iranstsnrt a. W. Fran kf ur t, 3. Juni. Das Kaiserwetter, das man nach dem Verlauf der Pfingsttage zu erwarten berechtigt war, ist leider ausge- blieben. Nach den ausgebreiteten Gewittern des gestrigen Tages regnete es die ganze 'Nacht hindurch, und der heutige Morgen glich eher einer trübseligen Bormittagsstimmung als einem frohen Festtage. Bleigrau wölbte sich der Himmel und bei empfindlich kühler Temperatur fiel anhaltender Sprühregen. Schlaff und feuchtschwer hingen die Fahnen und Flaggen herab, in den Laubgewinden perlten dicke Regentropfen, und wo man noch für die Illumination die letzte Hand anlegte, geschah es in der Befürchtung, daß möglicherweise alles noch im ureigensten Sinne des Wortes zu Wasser werden könnte. t t Erft gegen mittag ließ der Regen nach. Zwar blieb der Himmel bedeckt, aber eine frische Brise aus Westen setzte ein unb trocknete alles schnell, sodaß bald auf den zahlreichen Fahrzeugen, die über die Toppen geflaggt m der Nähe der Wilhelrnsbrücke vor Anker lagen, die Flaggen unb Wimpel wieder ebenso luftig flatterten, wie in den Straßen dec Stadt. Auch die Straßen wurden bald wieder belebter und je näher der Abend hecanrückte, desto größer wurde das Gedränge auf den in der Mhe des Bahnhofes liegenden Straßenzügen. „ _ . , ö©eaen 6' > Uhr Härte jub das Wetter auf, unb bald zeigten jidj b'ie festlich geschmückten Straßen in herrlichem sonnenitfiein Tie iwsperrnng begann um Vti Uhr. Die Ebrentonwaanic, die dem Bataillon des Prinzen Friedrich Ll entnommen war, riiteu. die ^hnhofshalle em und nahin aus den, großen Querperroii, Ausstel ung. Die Schulen. Vereine und das zur Lpalrerbildung zuge. zogene MiUtar hatten ihre Aufstellung gegen i llhr be. enLet. Um diejc Zeit traf auZ nute Schwadron des Ulanenregiments Nr. 6 vor dem südlichen Ausgange des Bahnhofes ein. Die Menge, die den nicht abgesperrten Teil des Bahnhofsplatzes besetzt hielt, wuchs mehr und mehr an, doch war die Ordnung musterhaft. Pünktlich um 7.10 Uhr lief der aus 10 Magen bestehende kaiserliche Sonderzug unter Trommelwirbel in die Bahnhofshalle auf Perron 2 ein, wo sich zur Begrüßung eingefunden hatten: Prinzessin Friedrich Karl von Dessen, die Schwester des Kaisers, der komm. General des ib. 2lrmeekorps General d. Infanterie o. Lindequist, der Stadtkommandant Generalleutnant o. Stülpnagel, die übrige Generalität, Ob er Präsident Gras Zedlitz-Trützschler, Pollzeipräsident v. Müffling, Oberbürgermeister Adickes, der zum erftenmale die goldene Amtskette angelegt hatte, Mitglieder des Konsularlorps, der Eisenbahndirektion usw. Nachdem die allerhöchsten Herrschaften dem 5. Wagen entstiegen inaren, begrüßten der Kaiser und die Kaiser in zuerst die Prinzessin Friedrich Karl sehr herzlich, darauf den General o. Lcndequist, den Oberpräsidenten und den Oberbürgermeister Adickes, sowie die übrigen zum Empfange Erschienenen. Nach der Vorstellung begaben sich die allerhöchsten Herrschaften,' gefolgt von den Prinzen Eitel Friedrich in der Uniform des 1. Garderegiments z. F., Adalbert in Dta- rineuulform und dem Herzog von Sachsen-Eoburg und Gotha, der Husaretrunifocm angelegt hatte, zum Querperron. Tie Kaiserin und die Prinzess tn mit den Hofdamen gingen ins Fürstenzimmer, wahrend der Kaiser in Jnscm- terieuniform mit dem komm. General die Front der Ehren- kompagnie abschritt und darauf den Vorbeimarsch entgegennahm. Auf dem rechten Flügel hallen die bireften Vorgesetzten Aufstellung genommen, darunter der Bataillons- tomrnandeur Prinz Friedrich Karl, den der Kaiser beim Abschreiten herzlichst begrüßte. Nach einmaligem Vorbeimarsch begab sich der Kaiser unter stürmischen Hochrufen der die nördliche Bahnhofshalle besetzt hallenden Menge ins Fürstenzimmer, von wo aus er mit der Kaiserin den ersten Wagen bestieg und eskortiert von einer Schwadron Ulanen unter dem brausenden Jubel der auf den Straßen angesammelten Menschenmenge zur Festhalle an der Forst- hansftraße fuhr. Im zweiten Wagen saßen die Hofdamen, im dritten folgten die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, im vierten der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha und im fünften das Prinzenpaar Friedrich Karl. In weiteren Wagen saß das Gefolge. Fortsetzung im Hauptblatt. Berlin, 3. Juni. Leute vormittag versammelte sich tat Langendeckschen Sause die deutsche Gesellschaft für Ch ir urgie zu ihrer Jahrestagung. Ter Vorsitzende, Professor Kuester-Marburg eröffnete die Tagung mit einer längeren Ansprache. Stach Erledigung des geschäftlichen Teils begann der wissenschasiliche Teil der Tagesordnung, für den 91 Vorträge an- gemeldel sind. Berlin, 3. Juni. Im sitzungssaale des Reichstags fand heute die erste Sitzung des fünften internationalen Kongresses für angewandte Chemie statt. Anwesend waren Staatssekretär Posadowskn, Kultusminister Tr. Stubt, Ministerialdirektor v. Althoff und tm Auftrage des Kaisers Prinz Friedrich Heinrich. Ter Präsident Profenor Witt schlug den Text eines mit Beifall mitgenommenen Huldigungstelegramms an den Kaiser vor. Sodann hielt Staatssekretär Gras Posadowsky im Namen der Reichsregierung cme Ansprache. Tte Materie zu erforschen und zu beherrschen, sei die Ausgabe der Chemie, deren Lösung ihr in fortschreitendem Maße gelungen sei. Er betonte die Leistungen der Chemie für die Industrie und für die Landwirtschaft und bte große Verbilligung der Crzeugungskosten durch sie. Auf dem Festzeichen des Kongreffes feien die beiden Halbkugeln des Erdballes abgebtldet, eme Bekundung des stolzen Bewußtseins der chemischen Wissenschaft, oiieilen unabhäiigia vorn Auslände eitdjlici Vers Lamsta werden in d zu Grünberi Gegenstände 16 dir maschn Kessel, ca. 151 Montag werden in d< zu Grünbcra Solont, Al Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 91 Männer und 28 Frauen, Brausebäder 2367 Männer und 383 Frauen. Die Personenwage wurde von 280 Personen benutzt. Das Bad wurde von 13 Personen besichtigt. t Großen- Linden, 2. Juni. Während des Gewitters, welches heute über unseren Ort zog, schlug der Blitz in die Halle der Braunfchen Zementsabrik, sowie in ein Nachbargebäude ein, ohne zu zünden und ohne großen Schaden anzurichten. Eine Taube, welche auf dem Hause saß, fiel betäubt zu Boden. t. Leihgestern, 2. Juni. Einer hiesigen Frau fiel unvorsichtigerweise ein großes Fleischermesser auf den Fuß, sodaß die Spitze tief in denselben eindrang und sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. b. Groß-Felda, 3. Juni. Dekan Wörißhoffer, der seit 24 Jahren die hiesige Pfarrei versieht, wurde heute aus sein Ansuchen zum Pfarrer der Gemeinde Pohl- Gons ernannt. Die Gemeinde sieht den wegen seiner gewissenhaften Amtsführung und friedfertigen Gesinnung atl- gcinein beliebten Geistlichen mit Bedauern aus ihrer Mitte scheiden und begleitet ihn mit den besten Wünschen für sein und seiner Familie ferneres Wohlergehen. (?) Arnsburg, 3. Juni. Eine der schwierigsten Stellen der sonst leicht zu bauenden neuen Bahn Lich- Butzbach ist wohl die Unterführung an der Chaussee zwischen Lich und Arnsburg. So wird denn Tag und Nacht gearbeitet, um den mächtigen Tamm zu durchbrechen, was jetzt zur Hälfte geschehen i)t. Damit der ziemlich rege Verkehr auf die,er Straße nicht unterbrochen wird, ist gestern eine Notbrücke darüber gebaut worden, welche allerdings nur von.Fuhrwerken bis zu 50 Ztr. Gewicht passiert werden darf. H.Z. Egelsbach, 2. Juni. Hier ist vor einiger Zeit eine gemeinnützige Baugenossen schäft gegründet worden. In einer zahlreich besuchten Versammlung, welcher der LandeswohnungsinspeLwr beiwohnte, wurden die Woyn- ungsverhältnisse im Ort besprochen und hierbei allgemein anerkannt, daß dieselben sehr verbesserungsbedürftig seien, sodaß eine Baugenossenschaft sehr Ersprießliches leisten kann. Diese ist nunmehr zustande gekommen, wobei das von dem hessischen Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen empfohlene Musterstatut als Grundlage gedient hat. Die Genossenschaft hofft, von der Gemeinde in der im Wohn- ungsfursorgegesetz vorgesehenen Art unterstützt zu werden. Vermischtes. ♦ Bergt stet! In Dünkirchen und Umgegend erkrankten 20 Personen unter Vergiftungserscheinungen nach dem Genüsse von verdorbenem Pferdefleisch, das von auswärts eingebracht wurde. Drei Personen sind bereits g e st o r b e n. * Ein furchtbarer Brand ist in Neapel aus- gebrochen. Durch denselben wurde das in der Altstadt gelegene städtische Leihhaus, das einen Wert von 11 Millionen repräsentiert, gänzlich zerstört. Auch das Staatsarchiv war bedroht, ebenso das Kloster San Philippo. Tie eingeschlossenen Nonnen, etwa 100 an der Zahl, konnten nur mit Mühe gerettet werden, nachdem man die Torgitter und Fenster zertrümmert hatte. Zwei Feuerwehrleute sind getötet und vier schwer verwundet worden. Durch den Brand werden zahllose arme Leute, die ihre Habe im Leih- hause hatten, schwer geschädigt. Der kleine Glocken türm der anstoßenden Kirche stürzte ein. * Valparaiso, 3. Juni. Während des Sturmes ist die britische Barke „Foyledale"gesch eitcrL Zwölf der Gegenwart und der jüngst vergangenen Jahrhunderte; eine der dringendsten Ausgaben wäre eine Grammatik unserer eigenen lebenden Sprache. Kommt eine solche zur Vollendung, dann bietet sie den Ausgangspunkt zil Folgerungen für die Sprachrichtigkett. „Tas Sprachamt ichreibt keine Lehrbücher, aber andere werden cS tun. Während die Verfasser von Lehrbüchern bis jettt vielfach auS ungenügender Erfahrung geschöpft haben, werden sie dann einen Stoff von ganz unvergleichlichem Reichtum zur Verfügung haben. Tas Relchsamt gicbt ferne Gesetze. Niemand soll einen Zwang erleiden, niemand soll gestört werden, der sich berufen fühlt zum Ausleben seiner sprachlichen Eigenart. Wer aber gewillt ist, nach Gesetz und Regel zu leben, dem bieten die Sammlungen des Reichsamts die sichere Grundlage, wenn er wissen möchte, wie die Besten geredet haben, inwieweit ein einheitlicher Gebrauch die Erscheinungen durchzieht oder gewisse Füguugen gleichberechtigt nebeuemader Nehen." — Zum Schluß verkündigte Pros. Pietsch-Berlin die vom Sprachverein gestellte Preisaiügabe: Eine Flugschrift über daS Tema: ,Wte ist die Sprachoerderbnis ,m deutschen Handelsstande zu bekämpfen?" München, 3. Juni. Ter ungarische Maler Franz Ei senil u t ist gestern hier g e st o r b e n. Würzbnrg, 3. Juni. Tie Deutsche zoologische Gesellschaft wählte Tübingen als nächsten Versammlungsort. Felil Weingartner verlobt. Die man aus Aluuchen telegraphiert, siiid vor dem dortigen StandeSamte als Verlobte outgeboten: Kapellmeister Felix Weingartner, Edler von ‘-'.unflerg und Feodora Freiin von Trerfus, die fuuqste Tochter des 1890 in München verstorbenen Großhändlers Baron -rrenus. Wemgarmers erste Ehe (mit einer 2ocf)tcr des Buch- oruckereibesitzers Juillerat in Mannheim) wurde vor eiiikger -seit grd toben. Tie Braut ist die jüngste Tächter eines 1899 verstorbenen, icbi reichen israelitischen Großindustriellen, Baron Theodor -r dc. österreichischer und sächsischer Konsul m München war ecnc aitrtc Tochter ist d,e Gemahlin des Wiener Malers ">uliu4 Rrtter von Maas, c oem Wunsche, daß diese Wissenschaft zum Heile der Menschheit immer tiefer eindringen möge in das Wesen der Elemente, gestärkt durch den unerjchütterlicheii Glauben, daß der forschende Geist schließlich doch die Materie meistert. Hieraus führte Kullusmunster Tr. Stu dl aus, die deutsche chemische Industrie erzeuge jährlich für 1 Milliarde Mark Werte, er gedachte der gediegenen wissenschaftlichen Grtindlage, die aus Universitäten und technischen Hochschulen für so bedeutende Leistungen gelegt werden. Bürgermeister R e i cf e begrüßte die Teilnehmer im Namen der Stadt Berlin. Tann fprachen deutsche und ausländische Professoren und die Vertreter der fremden Stationen. Am Schluß der Vormittagssitzung gab Präsi- oent W i 11 nach Aussprache des Tantes für alle dem Kongreß gewordenen Ehrungen eine kurze Vorgeschichte des Kongresses. Sodann wurden die bisherigen Präsidenten und Vizepräsidenion dnrch Akklamation m ihren Ehrenämtern bestätigt. Geheimrat Winkler- Freiberg wurde zuin Ehrenpräsidenten und außerdem eme große Anzahl zu Ehren Vizepräsidenten proklamiert. Heute nachmittag hielten alle 13 Sektionen Sitzungen ab. In der Sektion 7, land- rotrtf chaü 11d)e Ehemte, sprach Tr. Frank-Eharlottenburg über die Nntzbarmachnng des freien Sliekstosfes der Luft für d i e La ndwi rtj chas t und Jndu str , c. Frank fand ein «ocnabrcn, unter Benutzung des auf elektrischem Wege gewoiiueneii Karbids von der Luit ciuiiommencn -ctidftoft in Amid- und Cyan- vett'iudungci, ubcrzuiülnen, welche das Rohinaictial für die Fal ri- katton von Ammoiiialialzen, Laugefalz iiud tinanfulien lieferte«. Ter jo hergestellte Kalksticknoss erwies siep als ein bei vor tagendes N" Christ' schreibt 1 * aufb das imG-u heitr.ohne dem Enver Alle M bilben habe" ttM*® xottl«1 ®iri' Gießen, mit Rücksicht aus die Verhandlungen, welche der Vorstand mit der großherzoglich hessischen Regierung wegen der U e b c r n a b m e des alten Liebigschen Laboratoriums in Gießen d ii r ch d e n V e r e i n deutscher C h e m i k e r zur Zeit sührt gestellt worden war: Der Haupwerein wolle eine historische o a m m l u n g von chemisch enGeratschasten und ver- ivandte Zubehör, sowie von historisch wichtigen M a n u s k r i p t e n anlegen. Breslau, 3. Mai. In der Festsitzung des Allgemeinen deutschen Sprachvereins hielten die Professoren Behaghel»Gießen und Geheimrat Felix Tahn-Breslau Fest- vorträge. Geh. Hofrat Behaghel sprach über bte Frage der Erricht tt n g eines Reichsamts für deutsche Sprache Ter Vortragende schildert zunächst die Einrichtung der französischen Akademie unb zeigt sodann, daß die Ueberttagung dieser Emricht- ung auf deutsche Verhältnisse die schwersten Bedenken erwecken muß. Nicht nur das Schrifttum, sondern auch die Sprache be- dürfen der freien Bewegung; ihre Veränderungen vollziehen sich mit geschichtlicher Notwendigkeit und lassen sich durch keinen äußeren Zivang aiifhalten ; »auf das Schärfste lehnen wir ab eine „Zwang-- reglenicntierunfl" der Sprache". Tas Ziel muß sein ; nicht Regeln der Sprache, wndem Wifjenschast von der Sprache. Tas Leben der beiiüdicn Sprache stellt eme Reihe von Aufgaben, die noch kanm in Angriff genommen sind, zumal die Sprache der Gegenwart und der lüngst vergangenen Jahrhundene. Tic deutschen Akademien haben ivcing zur Lösung dieser Aufgaben beigetrageu und cs ist kaum Aussicht^ auf Aenderung ihres Verhaltens. Tte wifsenjchasiliche Forschung fami aber auch von großer vraklijcher Bedeutung fern- die Lehren der Sprach- richtigkeu zum Beispiel ergeben sich nicht au5 schulmäßigen Erivägungen, sondern aus einer umfassenden Feststellung des cprndi- get vav.ch«, n ie sie eben Aufgabe der Wissenschaft ist. .Was wir erstreben, m em Reichsamt für deutsche Sprache, eine Anstalt, Oer da - Re>d) ciieui uiid Lr rrlianlkeit fidiert, un übrigen durchaus ielbfiänbig, rein der Wiscnscha't huigegeden, gcleuci von Männern der Wifienjchajt." Ihre Ausgaben lagen vor allem in der Sorache bis auf den letzten Platz. Oberlehrer Kissinger brachte nach kurzer Begrüßung ein dreimaliges Hoch auf Kaiser und Großherzog aus und Prof. Tr. T e l b r ü ck-Berlin beleuchtete in höchst treffender Weise unsere heutigen politischen Verhältnisse angesichts der Reichstagswahlen. Auch Prof. Tr. Ha r n a ck-Berlin hielt eine gedankenreiche Ansprache, ebenso Pfarrer Le h m an n-Hornberg. Ter Hauptteil des Abends war der Geselligkeit gewidmet und wurde durch Vorträge evangelischer Gesangvereine verschönt. Nach dem Hoch auf Kaiser und Grotzherzog sang die Versammlung das alte Lutherlied und zum Schluß nach einem Toa st auf das geeinte deutsche Vaterland „Deutschland, Deutschland über Alles." Mivrilttüts Uachrichteti. Eisenad), 2. Ium. In grovererZahl als sonst haben dieS Jahr die D e u t s ch e u B u r j ch e n j ch cr j t e r Einkehr gehalten in der Warlburgsiadl. Etwa 150 Aktive, Vertreter aller deutfchen Universitäten und sämtlicher Burscheuschasteu, sowie viele Alte Herren, sind zum Konvent erschienen. Tie Verhandliingen wurden heute emgelctter mit einer Feier am Burschenschastsdenlmal. Unter Dem Vorantritt einer Musitfapelle begaben sich die ■ctubenten nach der windumbrausten aussichlsreichen Göpelskuppe, auf bereit Höhe das Burfchenfchaüsdenkmal errichtet tfu Tas unlängst enthüllte Bismarckdenkmal wurde mit einem Lorbeer franz nut jchwarz-rot- golbncr Schleife durch einen Leipziger Germanen geschmücki. Unterhalb des Burschenfchaftsdeufmals machte man an einem frijchge- pflanzien Eichenhain halt. An jedem der 61 Eichenbaume nahm ic em Vertreter der Burschenschaft Aufstellung. 'Mit dem Gesang des Liedes: „Frei und tmerjchütterlich stehen unsre Eichen!" nahm die Feier der Weihe dieses Hains ihren Anfang. Medizmalrat Tr. Wedemanii-Eijenach erinnerte w feiner Festrede die Versammlung an den Vorschlag, den bei der vorjährigen Tenfmalweihe der Stadtpsaner Tr. Obert-Kronstadl (Stebenbüraen) m seiner Festrede gemacht, daß durch die verschiedenen Burscheuschauen eine Eichenpslauzung um das Tenfmal erstehen möge. Alan habe seinen Vorid;lag beherzigt. 'Mit Sinnsprüchen jedes BurjchenjckMilsvertreters wurde an ;edes Stämmchen von demselben eme Schausei Erde getan und mit dem Gesänge: „Ich hab' mich ergeben V* die Feier geschlossen. Am Denkmal selbst entwickelte sich noch cm bumbe- roegtes Bild studentischen Lebens. Neben verschiedenen anderen Feftlichkeiten veranstalten die Burschenschafter u. a. auch eine Wartburgfeier. Altem Braud)e gemäß legten sie auch am Grabe Fritz Reiiters einen Lorbeerkranz mit farbiger Schleife nieder. — In der Pnngstwoche tagen hier auch die „W i n g o 1 f 11 e n", die stets in einer Stärke von mehreren Hunderten hier eintrefsen und mit ihrer Tagimg einen Gang burd) ben Thüringerwalb vorbinben. Auch ihre Verhandlungen betreffen interne Angelegenheiten. Ceffcnthdie Feiern veranstalteten sie an ihrem Denkmal und aus der Wartburg. Zailörl ünö Uerkelfr. 5i)iluiuiLlfdjafL Berliner Börse vom 3. Juni 1903. (Mltgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Tie beruhigte Haltung, welche der Schluß der gestrigen New- Porter Börse zeigte, übertrug sich auch voll unb ganz auf unseren 'Markt. Trotzdem man bereits auf allen Gebieten m fester Tendenz eröffnete, zogen im weiteren Verlauf die Kurse noch wesentlich au, da die Berichte aus den heimischen Jndusiriebezirken weiterhin günstig lauten, unb sich die Kontremme zum Tecken veranlaßt fühlt. Das flottantc Material ist ziemlich gering, die Stimmung im allgemeinen beruhigter, die Positionen wesentlich verringert, mithin nur leucht erklärlich, wenn irgend ein besonderer Umstand Anlaß z»i einer neuen Aufwärtsbewegung gibt. So genügte heute der Hinweis auf die Ouartalssitzung der Laurahütte, um den Kurs einige Prozente emporjchnellen zu laffen, wodurch naturgemäß der gesamte 'Montanmarkt beeinflußt wurde. Die Haltung der jonsttgen Märkte kann ebenfalls nur als fest bezeichnet werden, wenn auch die Umsätze »roch immer ziemlich kleine sind. Besonders ist die Haltung der spanischen 4prozcntigen Exterieurs zu erwähnen, welche anhaltend von Paris gekausi werden. Türkenwerle fest auf die Aieldung, daß das Jrade betreffs der Unifikatwn nun definitiv erlassen ist. Auf dem Kassaindustriemarkte ivareii ebenfalls fast durchwegs Kursausbesserungen wahrzunehmcn. Privat-Tisfont 3 Prozent. Apanagen für dieselben aufgehört. Es muß nun verlangt werden, daß auch jeder Einzelne streng nach Gesetz und Verordnung den Interessen der Allgemeinheit gerecht werde. Eine Verkürzung liegt z. B. vor, wenn der Vater sein schon über 10 Jahre altes Kintz, das von der Natur etwas j'ttefmütterlich behandelt worden ist, auf der Eisenbahn noch zum Ktnderfahrpreis fahren läßt, oder wenn unsere Damen auf der Reise nicht aus eigenem Antriebe alles Zollpflichtige vorzeigen, oder wenn der Kapitalist trotz der genauen gesetzlichen Vorschriften nicht seine vollen Einkünfte deklariert. Deutschland gilt mit Recht als das ehrlichste Land der Welt, aber ob in Steuersachen die Ehrlichkeit immer streng geübt wird, steht sehr dahin. Redner geht nun auf die geschichtliche Entwickelung des Steuer- und Finanzwesens naher ein und bespricht dann die Pflichten bcc Neuzeit auf diesem Gebiete. Schärfer, kühler und präziser habe noch nie ein Finanzpolitiker sein soziales Programm aufgestellt, als es in der Botschaft Kaiser Wilhelms I. vom 10. Nov. 1881 geschehen fet Tie Forderungen, die wir heute zu Gunsten der articitenbcn Klassen der Bevölkerung erheben, sind durchaus diesem hehren Werk entsprechend, und wenn man uns Nationalökonomen, von denen diese Forderungen unterstützt werden, Sozialisten nennt, nun bann war auch Kaiser Wilhelm I. ein Sozialist unb fein großer Kanzler erst recht. So notwendig die Fänanz- polilik aber auch ist, voran geht ihr doch die Politik zu Gunsten des Heeres und der Flotte, durch welche Deutschlands Machtstellung in der Welt begründet ist. Ohne diese ist keine gesunde Finanz- und Sozialpolitik zu betreiben. Es muß dabei betont werden, daß das große mächtige deutsche Heer von allen Armeen der Welt das verhältnismäßig woblfeilste ist. Wir sind auch um so eher in H«er Lage, diese Heereslast zu tragen, als wir nicht, wie Frankreich und andere Staaten, große Staatsschulden zu verzinsen haben, denn die jetzigen Schulden sind fast ausschließlich Eisenbahnschulden, die sich durch die reichen Eintünfte von selbst verzinsen. Es ist durchaus richtig, daß der Staat auch rentable große Betriebe besitzt, aber wir tonnen nun nicht gleich alles verstaatlichen, wie es der extreme Sozialismus verlangt; ein Fortschreiteri auf diesem Gebiete tonnte nur ganz allmählich nach Maßgabe der sich entwickelnden Technik erfolgen. Die indirekten Steuerbelastungen sollten möglichst nicht auf notwendige Verbrauchsgegenstände, sondern auf andereKonsum- artifcl und Genüsse ausgedehnt werden, aber wir sollten den moralischen Mut haben, endlich eine ordentliche Wirtshausgesetzgebung zu schassen, tote sie in England, Amerika uf'to. längst besteht. Zolle auf Wein, Bier, Branntwein und Tabak sind und bleiben immer die celatio gerechtfertigsten. Ten wilden fpekulativen Befitzwechscl in den Städten zu beseitigen, rcsp. den Gewinn daraus dem Staat oder der Gemeinde zuzuführen, d. h. den auf Konjunkturen beruhenden Wert entsprechend zu besteuern, muß Aufgabe bei» Staates sein. 9Jtan hat in unserer ostasiatischen Kolonie Kiautschau schon damit den Anfang gemacht, indem man der Regierung das Vorkaufsrecht einräumte unb, wenn nicht davon Gebrauch gemacht wird, ein Drittel des Wertes als Steuer nimmt. Tie Börsensteuer sei durchaus gerechtfertigt, aber vor allem sei die Offenlegung der Steue-r- liften und die möglichste Veröffentlichung der Steuervergehen notwendig, die nicht nur mit Geldstrafen geahndet werden sollten. Sehr richtig wäre die Einführung einer direkten Erbsch a f tssteue r und ihre Älusdehnung auf direkte Erb em Es sei doch sonderbar, tzaß in Teutschtantz nur 22 Millionen, in Großbritannien und Irland dagegen ca. 400 Millionen durch die Erbschaftssteuern gewonnen würden. Zum Schluß des fast zweistündigen Vortrags betonte der Redner, daß die deutsche Steuerverfassung für Staat und Gemeinde im allgemeinen die beste fei, die bis jetzt in der Kulturwelt existiert, aber sie könne und müsse von einer verständigen Regierung und Volksvertretung weiter ausgebildet werden. Gerade das kleine Hessenland könne dabei als leuchtendes Vorbild gelten. Hessen war das erste Land, das auf sein Phantom der Zollfreiheit verzichtete und sich dem großen, von Preußen ins Leben gerufenen Zollverein anschloß, und Hessen hat auch das große Verdienst, zur rechten Zeit ben Anschluß an die große preußische Staatseisenbahn vollzogen zu haben. In Hessen hat man neben Braunschweig den Mut gehabt, die Einkommensteuer mit Vermögenssteuer durchzuführen. Tas Großherzogtum sei stets des schönen Tichterwortes eingedenk gewesen: „Immer strebe zum Ganzen; und kannst Tu selber kein Ganzes werden, als dienendes Gliejd schließ an ein Ganzes Dich an." Tie ausgezeichnete Rede des berühmten Finanzpolitikers wurde von der Versammlung mit größter Spannung verfolgt und mit lange anhaltendem Beifall belohnt. Nach einer längeren Debatte, an welcher Prof. Dr. Delbrück, Pfarrer Weber, Prof. R a t b g c n und Geh. Nat Prof. Wagner teilnahmen, schloß die zweite Versammlung gegen 6 Uhr abends. Udien Sttzmig im Verein deutsche i u feiner HauptoerfainnUuiig am Dienstag env ? te L i e big- T c n t m u n ; e, welche aniak feier des Geburtstages von Justus v. Liebig nnrd an Tehennrat Professor Tr. v. B a y e r - München, ben Vater ber Jndigosttttlheje, iur hcroorragenbe t>oiöcruiiq der angewandlen Ehemw verliehen. Von befoubcixm Jniereße durfte noch ein cm ftimmid angenommener Antrag des Beztrtsveretns Berlin fein, ber Juni 1903. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 3. 2" 748,3 13,5 7,0 61 NE. 4 Bed. Himmel 3. 9" 749,5 11,8 7,4 72 NE. 2 Aew. , 4. 7« 750,0 12,6 8,1 75 NE. 4 Sonnenschein Hc chste T empera tut ai ii 2.— 3. Jun 16,4» X Niedrigste , 2.- 3. , 9,8'< 4463 im Neuen Saalbau Wer tftini ßarta) 4467 Gießen, am 4. Ium 1903. 4357 sein Programm entwickeln wird. Das liberale Uahl-CoiM [4468 Tagen Straße H 4454 Gießen, den 3. Juni 1903. Lenßfelder, Kreisstraßenmeifter. L* fcßoeser, Cbede^reriiL 4105 4268 Kluß- und Seefische 4472 Heidesheim a. Nh., den 3. Ium 1903. Terrassen DAchsrn T>achgirten Bracken Viadukten bei Grundmauern Kellersohlen Unterfahrungen Tunuels Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, daß das Register zur Erhebung der in unserer Gemeinde ausgeschlagenen Kommunalbededürfnisse für das Jahr 1903/04 zur Em sich i eines jeden Interessenten acht Tage lang auf dem Bureau deS Unterzeichneten offen liegt, mit dem Bemerken, daß Beschwerden gegen die im Register enthaltenen Ansätze binnen der ersten vier Wochen nach "Ablauf der Offenlegungssrist entweder schriftlich oder mündlich bei Großh. Krcisamt dahier vorgebracht werden müssen und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung mehr finden können. Auskleidung von Kellern u. künstlichen Teichen etc. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. S. Heichelheim. Gießen, den 4. Juni 1903. Ltadtkafse: Doepfer. Gießen, den 3. Juni 1903. wronbi'i tonl n-i-A flirtt^aeri(fit J. M. Schulhof Telephon 119. Proowter Berjaodt nach aus®. statt: Dienstag den 9. Juni l. I. Gießen—Lollar, Anfang bei Gießen vorm. 8 Uhr. Lollar—Kirchberg—Sichertshausen, Anfang bei Lollar vorm. 10 Uhr. Lollar—Friedelhausen, Anfang an der Hauptstraße vorm. 11 Uhr. Odenhausen—Staufenberg, Anfang bei der Lahnbrücke mittags 12 Uhr. Mainzlar—Staufenberg—Lollar, Anfang bei Mainzlar nachm. 2 Uhr. Kirchberg—Ruttershausen—Odenhausen, Anfang bei Kirchberg nachm. 3 Uhr. Mittwoch den 10. Juni l. I Lollar—Daubringen, Anfang bei Lollar vorm. 9 Uhr. Daubringen—Mainzlar—Treis a. Lda. bis Nr. 54-49, Anfang bei Daubringen vorm. 10 Uhr. Daubringen—Gießen, Anfang bei Daubringen vormittags 11 Uhr. DZjßmar^-Gießcn, Anfang an der Landesgrenze nachm. 2 Uhr. Donnerstag den 11. Juni l. I. Gießen—Rödgen, Anfang am Exerzierplatz vorm. 8 Uhr Rödgen—Trohe—Wieseck bis zur Gcmarkungsgrenze, Anfang bei Rödgen vorm. 9 Uhr. Rödgen—Großen-Buseck, Anfang bei Rödgen vormittags 10 Uhr. Großen-Buseck—Beuern, Anfang bei Großen-Buseck vorm. 11 Uhr. Großen-Buseck—Reiskirchen, Anfang bei Großen-Buseck nachm. 2 Uhr. Reiskirchen—Gießen, Anfang an der Straße nach Oppenrod nachm. 2l/g Uhr. Grünberg—Annerod, Anfang an der Hauptstraße nachm. 3*/, Uhr. Freitag den 12. Juni l. I. Gießen—Wieseck, Anfang bei Gießen vorm. 8 Uhr. Wieseck—Trohe, bis zur Gemarkungsgrenze Trohe, Anfang bei Wieseck vorm. 9 Uhr. Wieseck—Alien-Buseck, Anfang am Heegwald, vormittags 10 Uhr. Alten-Buseck—Großen-Buseck, Anfang bei Alten-Buseck vorm. 11 Uhr. Alten-Buseck—Taubringen, Anfang bei Alten-Buseck nachm. 2 Uhr. Gras - Versteigerung. Die Versteigerung der Graserntc an deu Zubehörungen der Kreisstraßen im VI. Baubezirk findet an folgenden Generalvertretung der Bereinigung zur Ausnutzung von Wertpapieren. Scala-Harmonium kann Jedermann ohne Musikkennt- nisse fofort spielen nach unbegrenztem Reperloir für ernste und heuere Musik. 4224 Tie neuesten Musikwerke und -Automaten zubilltgsteuPreiseu Grammophon Ansorge Weilmünster fTaunus). Geffentliche Mkanntmachung. Christian Haubach I. von Gießen bat die lieber- schreibung des Grundstücks Flur X 9k. 335 — 869 qui Acker auf der Harth über den Gärten der Gemarkung Gießen, daS im Grundbuch auf Rinn, Jakob, G. Sohn, von Heuchelheim ohne Erwerbuiel eingetragen ist, auf seinen Namen mit dem Lrwerbtitel »Ersitzung- beantragt. Alle diejenigen, welche Ansprüche an jenes Grundstück zu bllden haben, werden hiermit aufgefordert, binnen 2 Monaten dieselben bei unterzeichnetem Gerichte geltend zu machen, widrigenfalls dem Ueberschreibungsantrag stattgegeben werden wird. offeriere ich um mit meinem großen Lager schnellmöglichft zu räumen p zum Selbstkostenpreis. C. Stein, Hießen. : Moltkestraße 20, Ii. Bekanntmachung. Von Herren Baß & Herz und der Deutschen Genossenschaftsbank von Lörgcl, Parrisius & Co., Commandit- gesellschast auf Aktien, hier, ist bei uns der Antrag auf Zulassung von Mt. 1100 000.— 4*/2 % ä 102% rückzahlbare und hypothekarisch sichcrgcstelltc Teilschuld- verschrcibungcn der Eisenwerke Lollar, Aktiengesellschaft zu Lollar, Lit. A Nr. 1 bis800, Lit. B Nr. 801 bis 1400, zum Handel und zur Notierung an der hiesigen Börse emgereicht worden. Frankfurt a. M., den 3. Juni 1903. 4464 Tic Mommiüion jiir ZuWiig von Wcchnpimn an Der Borst zu Kmkjurk a. Hi. Naturreine Moselweine, Rheinweine Bordeaux re. Weine BAUARTIKEL-FABRIK A. SIEBEL Düsseldorf-Rath und Metz. Düsseldorfer Ausstellung 1502 Q Adens und Staatsmedaille. Siehels Blei-Isolls ung mit AFphaltschutzschichten. Gesetzlich geschützt. Langjihri" bestbewährt gegen Feuchtigkeit Grandwasser Bekanntmachung. Das erste Ziel der Gemeindesteuer für 1903/04 kann innerhalb der nächsten 8 Tage noch ohne Kosten entrichtet werden. Zahlstundcu: vormittags von 8 bis 12 Uhr. Kräftige Sommrrblumru als: Astern, Levkoheu, Zinnien, scabioseu, empfiehlt 4438 Friedrich Georg, । Kunst- und Haudclsgärtner, Lcllersweg 41. Durch die heute glücklich erfolgte Geburt eines ge- M sunden Jungen wurden hocherfreut Pb. Seitz und Frau Marie, | geb. Bischoff. Der Unterricht zur Ausbüdung von Handarbeitslehrerinnen ^roie der Kursus in den Handelsfächern beginnt Montag den 8. Juni. Anmeldungen in der Alieefchule oder Gartenstraße 30. Bekanntmachung. Freitag den 5. Juni L I., vormittags 9'/, Uhr beginnend, versteigert der Unterzeichnete im früheren Wirtslokale des Herrn Louis Schäfer, jetzt Wilhelm Langsdorf, zu Niederkleen ofsentlich zwangsweise an den 'Dlciftbietcnben gegen Barzahlung den Warenbestand, aus einer Spezerei-, Glas- und Eisenwaren-Handlung herrührend, als: or eine große Partie Cpezeretwaren aller Art, sowie Bürsten-, Porzellan-, Glas-, Blech- und Eisenwaren jeglicher Gattung, ferner: 9 Kegel und 4 Kugeln, 10 Dielen, 4 Stöße Bretter, 1 Stoß Latten, 1 Stückfaß u. dergl. m. Ter Verkauf findet ganz bestimmt statt. 443- Kraft, (.Gerichtsvollzieher tn Wetzlar. Bestes Nährmittel für Kinder und Kranke! u„ntb.hriich Torten, Mehlspeisen, ^Suppen und Saucen, -mqr ■ "er rjy "EFTt1lk'r A OC Leicht verdeellch e. nahrhaft IW"3 91 j[n i Za haben in allen besseren JE. - ® näJA Ja J w aä Deiikateas- und C-donialwaaren- Feinstaa Maismehl. — Gesetzlich zeschötzt Geschäften. General-Debot bei Türk &, Pabst, Frankfurt a. M. Berfteigerungs-Anzeige. Samstag den 0. Juni 1903, nachmittags l‘/8 Uhr, werden in dem Schmidt'fchen Haufe an der Londorfcrstraße zu Grünberg folgende zu Konkursmasse Bönsel gehörigen Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: . 16 div. Deren, eine größere Partie Ketten, 1 Häckselmaschine, 1 Schrotmühle, 1 Kesselgestell, 1 emaillierter Kessel, div. Stall- und Dachfenster, 1 Rolle Zink, ca. 150 Liter Salatöl und eine Partie Pumpenschwengel. Montag den 8. und Dienstag den 9. Juni l. I vormittags 9 Uhr beginnend werden in dem Schmidt'schen Hause an der Londorferfiraße zu Grünberg die zur Konkursmasse Bönsel gehörigen Waren, als: Kolonial- und Spezereiwaren, Eisenkurzwaren, als: Schlösser, Beschläge. Schrauben, Nägifi rc., ca. 60 Elr. Stabetsen, eine größere Partie Ketten, Schippen, Gabeln, Ofenrohr, Hämmer und sonstiges Werkzeug, ferner eine Ladeneinrichtung, bestehend aus Theke und Realen, 1 Schreibpult rc. rc. Tie Kolonial- und Spezereiwaren kommen zuerst zum Ausqebot. Auf Wunsch werden die Steigpreise durch Perm Masseoerwalter Julius Karl dahier gegen Stellung emes zahlungsfähigen Bürgen kreditiert. Grünberg, den 27. Mai 1903. *3o3 Hauburgcr, Großh. Gerichtsvollzieher. Tomitlstag ben 4. Juni, abends S'A Uhr findet ca CO UTA eine WWerversammlung statt, in welcher unser Kandidat Herr Kommerzienrat Heyligcnstaedt Wohne jetzt Noonstrasze Nr. 36 gegenüber der Eisbahn. ASbert Kasten, Mustklehrer. Unterricht in Klavier, Violine und Harmonium. 02655 Empfehlung I Ten verehrt. Einwohnern von Gießen und Umgegend beehre ich mich ganz ergebenst anzuzcigen, daß ich mit Heutigem das Hotel-Restaurant 4ö/b (mst-Endwip-Garten in Bad-Nauheim übernommen habe. 3d) werde bestrebt sein, allen Ansprüchen gerecht zu werden und bitte um geneigten Zuspruch. Mit vorzüglicher Hochachtung Jos. Kunze. Ter herrliche, schattige Garten bietet Raum für 800 Personen. 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