Ur. 283 rrschetut täglich außer SormtagS. Dern Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien, dtütter viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bet Brüh lachen llntvers^Buch- u. Stein» brudecei (Pietsch Erben- Redaktion. Erpedittsa und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen! Anzeiger Gießen. Acrnlprrchanlchtuß Nr. 6L Erftes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 2. Dezember 1903 Bezngbbret-t 'MjE'" rö monatlich 7bPll viertel W . jährlich AU. SL0-. durch «etzener Anzeiger General-Anzeiger äSFs-Sk Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM VoMische Tagesschau. Eröffnung des badischen Landtags. Mit einer irrhaltreicherr Thronrede ist arni t. d. Mts. bet badische Landtag durch den Finanzunnister Dr. von Buchenberger eröffnet worden. Die Thronrede betont it a., infolge der starken Rückschläge, welche das Wirtschaftsleben in den letztverflossenen Jahren erfahren habe, und der dadurch ungünstig b e ein f lu ß t e n Er wer b s Verhältnisse weiter Kreise seien die staatlichen Finanzen in unerfreulicher Weise in Mitleidenschaft gezogen worden. In Verbindung hiermit steht die starke Vermehrung der ordentlichen Ausgaben und die sehr reichliche Ausstattung des außerordentlichen Budgets. Infolgedessen seien die angesammelten Be triebsüb ersehüss e zusammengeschmolzen und würden im Laufe dieses Jahres" völlig aufgezehrt werden. Der neue Vor- anscylag schließt, heißt es in der Thronrede weiter, infolgedessen nicht ohne Fehlbetrag ab. Einschließlich der Forderungen des außerordentlichen Etats ergiebt sich ein Gesamtfehlbetrag von annähernd 11 Millionen M ar k, der sich durch die auf die neue Budget-Periode übergehenden Kreditreste noch um einige Millionen erhöht. Die Staatsregierung sieht sich daher genötigt, eine Erhöhung der Einkommen-- und Kapital-Rentensteuer in Antrag zu bringen. Der restliche Teil des Fehlbetrages soll, soweit er nicht in den Ueberschüssen der folgenden Jahre seine Deckung findet, aus die Amortisationskasse übernommen werden. Dre Regierung hofft indessen, daß diese Steuererhöhung auf die nächste Budgetperiode beschränkt bleibt. Bezüglich des finanziellen Verhältnisses der Einzelftaaten zum Reich wird die Regierung es sich angelegen sein lassen, die Maßnahmen der Reichsleitung zu unterstützen, welche geeignet sino, das Reich für seine finanziellen Aufgaben leistungsfähig zu machen uno welche zugleich verbürgen, daß den Einzelstaaten die Durchführung ihrer Kulturausgaben nicht erschwert werde. — Die Thronrede kündigt ferner eine Reform der Ertragssteuer im Sinne ihrer Umwandlung in eine Vermögenssteuer an. Das Budget der Ersen- bahn-Betriebsverwaltung schließt mit einem Ueberschuß von 13.5 Millionen Mark ab. Dieses Ergebnis ist im Vergleich mit dem Voranschlag 1902—1903 um 600 000 Mark günstiger. Ferner kündigt die Thronrede den Entwurf eines Gesetzes, betreffend Aenderung des Landtags- Wahlverfahrens an. Darnach soll die Wahl zur zweiten Kammer künftighin auf der Grundlage des allgemeinen, gl eichen, geheimen und unmittelbaren Wahlrechts stattfrnden. Gleichzeitig soll die Mitgliederzahl, der ersten Kammer durch gewählte Vertreter der wirtschaftlichen Berusskörperschasten und durch einzelne bei der Leitung der kommunalen Selbstverwaltung bewährte Männer vermehrt und die Einwirkung der ersten Kammer auf die Geschäfte des Staates unter Aufrechterhaltung der bevorrechteten Stellung des anderen Hauses angemessen verstärkt werden. Es wird die Einführung einer für die Gemeinden zu erhebenden Warenhaussteuer, sowie der Entwurf betreffend Verbesserung der gegenwärtigen Verfassung des Grundbuchwesens vor- gesehen. Deutsches Keich. Berlin, 1. Dez. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Stellvertreters des Chefs des Marinekabinetts, Fregatten-Kapitän v. Krosigk, und des Chefs des Militärkabinetts, Graf Hülsen-Haseler. — Nachdem die Genesung des Karsers m befriedigender Weise fvrtscvreitet, gilt es, den „Verl. N. NackM." zufolge, für unwahrscheinlich, daß er die Thronrede dei .Eröffnung des Reichstages selbst. verles eu wird. — Nach einer Meldung der „Post" aus Hannover ist dort die Nachricht eingegangen, daß der Kaiser am Abend des 18. Dezember in Hannover eintreffen und im Residenzjchloß Wohnung nehmen werde, um am 19. die Parade über die drei Jubiläums-Regimenter.abzunehmen. Abends wird der Kaiser an einem Festmahl des Offizier- korps teilnehmen und die Festvorstettung im Theater besuchen. ~ — Dem „Bierl. Tagebl." zufolge tritt die Kommission zur Reform des Strafprozesses am 15. Dez. zu ihrer letzten diesjährigen Tagung zusammen, um die Frage über das Hauptverfahren im Strafprozeß zu beraten. — Der „Nat.-Ztg.-" züfolge beendete die deutschenglische Grenzkommissivn in Südafrika ihre Arbeiten. 'Infolgedessen trat der deutsche Kommissar Doering die Heimreise nach Deutschland an. — Mit der einstweiligen Leitung des Literarischen B-ureaus beim preutz. Staatsministerium ist dem Vernehmen nach der Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt, Dr. Wyneken ernannt worden. Dr. Wyneken war, bevor er in die Preßabteilung des Auswärtigen Amtes berufen wurde, Redakteur am „Hannoverschen Kurier". — Die Erben Rudolf v. Bennigsens beabsichtigen, dessen gesamten literarischen Nachlaß der Oeffent- lichkeit zugänglich zu machen, und haben ihn zum Zweck der Herausgabe einer größeren Biographie Dr. Hermann Oucken, Privatdozent an der Universität Berlin, zur Verfügung gestellt. — Eine Deilungder städtischen Ries en Wahlkreise ist in der vorigen Session vom Minister des Innern im preußischen Abgeo r d n e t e n haus e angekündigt worden. Im Wgeordnetenhause soll auch noch der Gedanke erörtert werden, den großen städtischen und industriellen Gemeinden die Möglichkeit zu geben, die Landtagswahlcn nach Art der Stadtverordnetenwahlen vollziehen zu lassen, um es den Wählern bequem zu machen. München, 1. Dez. Im Wahlgesetzausschuß der Abgeordnetenkammer wurde heute § 14 des Wahlgesetz- entwurfes nach dem RegieruugsVorschlag, wonach die LVahlen mit relativer Mehrheit erfolgen und die Stichwahl beseitigt wird, mit den Stimmen des Zentrums uno der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Liberalen und Bauernbündler angenommen. Die Liberalen erllärten, daß sie gegen den ganzen Wahlgesetzentwurf stimmen werden, wenn die relative Mehrheit aufrecht erhalten wird. Wenn die Parteien im Plenum ebenso stimmen, wie im Ausschuß, ist also der Wahlgesetzentwurf gefallen, da zu seiner Annahme eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist- Ausland. London, 1. Dez. Der „Daily Mail" wird aus Tokio gemeldet: General Äta erhielt von der Regierung üi Peking Befehl, 20 Ba taillone zur Verteidigung der Mongolei und Mandschurei gegen Rußland auszuheben. Der General soll erklärt haben, im Kriegsfälle würde China mit Japan zu s am menge h en. — Nach einer Meldung des „Ashi", eines der beslinformierten japanischen Blätter, habe der russische Admiral Alexejew seinem Stabe erklärt, wenn er 3 Docks in Port Arthur und 2 in Dalzig hätte, so würde er keinen Augenblick zaudern, die japanische Flotte anzugreifen. Gegenwärtig wäre es unmöglich, bei einem ersten Engagement zu siegen, bei einem zlveiten würde die spanische Flotte die russische vernichten. Paris, 1. Dez. Im Justizpalast nimmt man bezüglich der Dreyfus-Affäre an, daß, falls die Kriminal- kcrnrmer des Kassationshofes das Revisionsverfahren ein-' leiten sollte, das Urteil noch vor Jahresschluß zu, erwarten ist. Wie verlautet, soll ein für Dreyfus günstiges« Schriftstück, welches von der Aullagebehörde unbeachtet gelassen wurde, aus dem Briefe eines fremden Militär- Attache bestehen, worin dieser erklärt, „Cette canaille de D. . . . wird immer anspruchsvoller; ich habe ihm fürs jeden Plan, den er gestellt, 10 Francs überreichen lassen". Aus dieser Bemerkung gehe zweifellos hervor, daß diejenige Persönlichkeit, welche mit „Cette Canaille de D. . ." gemeint war, mit derjenigen identisch ist, welche in dem bekannten Schriftstück „Cette Canaille de D. . ." als Beweismittel gegen Dresus diente. Petersburg, 1. Dez. Wie die „Rufs. Telegraph- Agentur" mitteilt, sind die im Auslande verbreiteten Gerüchte, wonach dem Kaiser von Rußland in Skier- niewice ein Unfall zugestoßen wäre, vollständig unbegründet. Aus StM und &Ä Gießen, 1. Dezember 1903. Größere Anzeigen für die nächste Samstag-Zusgaöe bitten wir spätestens am Freitag vormittag in unserer Geschäftsstelle abzugeben. Später eingehenden Austrägern können wir bei dem großen Anzeigenandrang für die Samstag- Ausgabe nicht die Sorgfalt in der technischen Ausführung zuwenden, welche für die Wirkung der Anzeigen unbedingt erforderlich ist. Verlag des Gießener Anzeiger. — Unser Neichstagsabgeordneter, Kommerzienrat Heyligenstaedt, ist, wie wir hören, gestern mittag nach Berlin abgereist zur Teilnahme an der morgen statt- stndenden Eröffnung des Reichstages. Seine Wohnung in Berlin ist Hotel Prinz Albrecht, Albrechtstraße. L. U. Promotionen. Im Monat November 1903 wurden an der Landesuniversität promoviert: 3um Dr. theol. honoris causa der Stadtfarrer GeorgSchlosser in Gießen. Ferner: Zum Dr. med.: Karl Eicker, approb. Arzt aus München-Gladbach, Gustav Schaaf, approb. Arzt aus Gießen; zum Dr. med. vet.: Bernhard Henze, approb. Tierarzt aus Buchholz: zum Dr. phil.: Heinrich Teping, cand. agr. au§ Westerlutten. — Zum 50 jährigen Doktorjubiläum wurde erneuert das Diplom als Doktor der Medizin dem Geh. Medizinalrat Professor Dr. Friedrich Mosler in Greifswald. "Das Schwurgericht, welches für die Provinz Oberhessen am Montag kommender Woche beginnt, wird, wie man hört, nur mit der Erledigung von zwei Anklagen sich zu befassen haben und zwar mit einem Sittlichkeitsverbrechen und mit Körperverletzung mit tötlichem Erfolg. Diese letzte Sache betrifft den bekannten Grünbergerr Fall. ** Der Theater-Verein teilt uns mit: BeyerlemS „Zapfenstreich", das erste Drama des vielgenannten Verfassers des Romans „Jena oder Sedan" wird als 4. Vor-, stellung am Dienstag, den 15. Dezember, gegeben werden. Das Drama wurde vor etwa vier Wochen zum erstenmale im Lessingtheater in Berlin in Anwesenheit und unter dem lebhaften Beifall des deutschen Kronprinzen ausgeführt, beherrscht dort vollständig den Spielplan und ist von Gießener Madttyeawr. Wohltäter der Menschheit. spräche: „Wissen ist Macht", „Wi dazu im Munde der Doktorin, i nicht lebenswahr istl Schauspiel in 3 Men von Felix Philippi. Tie Tragödie des Ehrgeizes, der unruhigen, peinigenden Eitelkeit ist ernst; die volle Beweath^it des metqcfc lief)' fühlenden Interesses folgt ihr stuneno und teilnehmend. Sie ist ein Problem, diese Tragödre, das tne regier aus dem Geschick solcher so strebenden Menschen vor uns entrollen. Sie ijt aber ein Problem, ern ^p^elball der ndy? tenden Gedanken nicht in der DichIuug, die lauter uiw unmittelbar wirkend in erster Lüne nur rursere eil* nähme erwecken soll. Wir wollen auch dre Sunde und die menschlichen SckMächen begreifen und rhnen rnnerllch nahe stehen, und das Drama ist kein L-chlachtfeld, aus dem in der bewußten und berechneten Gegenüberstellung der guten und schlimmen Leidenschaften drafterrsche Srege erkämpft werden. Auf dem Phllippi'schen Dramenschrachtenbrld frnden wrr viel Farben zuscunmengetragen, indessen kern warmer uton des Verstehens klingt in uns an. Wohltäter der Men)ch? heit! so wird von der Bühne mehrmals direkt das Pubnkum anaerufen, und es ist uns dabei, als habe der Verfasser des Dramas damit uns so recht vor dre Augen stellen wollen, wie ernst die Konflikte zu nehmen seren, die m dem Stück an uns vorübergehen. Damit rst aber wahrlrch nichts getan. Wir empfinden das ganze Stuck eben als erne allerdings geschickt hergcstellte Mache, aus der an einzelnen Stellen der unechte Ursprung ganz unverkennbar tn ble Augen springt. Was sollen die wiederholten Aus- - ^issen ist Stückwerk", noch deren ganze Erscheinung Giebt es eine solche Gattin, die eine so grenzenlose Liebe und Verehrung für chren Vater besitzt, nur darum, weil er eine wissenschaftliche Leuchte ist und im Munde der Oeffentlichkeit eine große Rolle spielt, giebt es eine solche Gattin, die bei einem wissenschaftlichen Konflikt von Vater und Gatten, den beiden Aerzten, aus den Arnrerr ihres rechtschaffenen Mannes sich losreißt, um die Eitelkeit eines alten, geheirnrätlichen Vaters zu schonen, der in keinem Zuge als ein gütig gesinnter Mensch sich erweist? Nein, es giebt kerne solche F-rau, aber Phllippi brauchte sie, um dem Streit der beiden Aerzte um das Leben des Herzogs eine dramatische Unterlage M geben. Und warum fällt die niedliche, Heine Paula von Forten- bach, die zweite Tochter des Geheimrats, so stürmisch, wie mit Pauken und Drommeten, dem vor Staunen Mund und Augen aufsperrenden jungen Doktor Kayser in die Arme? Das geht alles sehr rasch, um uns zu packen und über die innere Leere des Stückes hinwegzutäusch^en. Die beste und sympathischste Figur ist ohne Zweifel die des Dr. Martius. Er ist der angenehme Typus eines geschickten Arztes mit raschem Blick, der, unbestechlich durch äußere Erfolge und Vorteile, sich nur mit Eifer seinem ärztlichen Berufe hiwgwbt. Ihn hat gestern abend Direktor Stein gö tter mit frischem Temperament und vor allem auch einer tadellosen Maske dargestellt. Wer den lebhaften Mann mit der Brille und dem spitzen Bart so ge- schäftrg umhereilen sah, mußte sich gleich sagen: das rst ein solcher Arzt. Frau Kellermann hatte als Doktorin keine leichte Rolle inne. Der Herr Verfasser des Dramas wollte, wie wir das von ihm gewöhnt sind, mit ihr dem Publikum mancherlei Ueberraschungeu machen. Zuerst das geradezu peinigende Verhalten einem Gatten gegenüber, sogar Ansätze zur Unterschlagung eine§ Schriftstückes, dann die spannend sein sollende Entwicklung nach dem Bekenntnis des Vaters. Damit fällt die Rolle, und der Kunst der Frau. Kellerruann ist nichts vorzrttversen, denn sie hat mit sichtlichem Eifer sich der undankbaren Aufgabe unterzogen. Ten genressenen, alten Geheimrat gab Herr Haag sehr richtig und glaubwürdig, allein in dem langen Selbstbekenntnis des durcy seine Eitelkeit zu Verfehlungen Getriebenen liegt ein Fehler der Dichtung und eine Klippe für den Darsteller. Tie lange Erzählung des gebrochenen Mannes, die ec in Gegenwart der ganzen Familie hervorbringt, muß er abgerissen und wie geistesabwesend hervorstoßen, um die unwahrscheinlichen Längen einigermaßen auszugleichen. Hiierin hätte Herr Haag wohl etwas weiter gehen können, als er es getan hat. Ter Erbprinz des Herrn Pichler war im ganzen recht erfolgreich, während Herr A ch t e r b e r g als Adjutant des Erbprinzen bei seinem erst en Auftreten ziemliche Schwächen zeigte, die später indessen, berm Hervorbrechen des Zornes über die Handlungsweise des Vaters, zurücktraten. Frl. Hellberg, schien recht wohl zu wissen, daß Lebhaftigkeit allein die etwas prvblemattsche Rolle der Paula zu retten vermochte, und Herr Tamke swllte seinen Dr. Kayser auch ganz vernünftig hin. Wir müssen auch der Frau Jenny Erwähnung tun, die im ersten Aufzuge mit Erfolg in der Person einer mit Mohltätigkeitsveranstaltungen beschäftigten Hofdame sich bemühte, die in stehender Red erwart rächt zu wissen vorgibt, welche von ihren unangenehmen Eigenschaften die schlimmste ist. Tas Theater war gut besucht. Wünschenswert wäre, wenn die Vorhangstechnik, die in den S^änoen eines allzu eifrigen Leiters sich zu besinden scheint, einige Verbesserungen Erfahren würde. A G. allen grn§ei* Büh"-- si^f^vtmrg angenommen und AUW LeU schon gegeben. Nach der Meinung der Kritik ist eS das seit Jahren größte Theatercreignis. In Anbetracht der großen Kosten, welche die ersten drei Vorstellungen verursachten, und des ebenfalls sehr teuren Triest Bastspiels am 6. Januar 1904 wird die Vorstellung ohne Gast statt- finden, zumal sich daS Stück mit unseren einheimischen Kräften sehr gut besehen läßt. — Wir fügen dieser Mitteilung hinzu, daß "dieser Tage wegen der Aufführung von Beycrleins „Zapfenstreich" (Buch-Verlag: Vita in Berlin) über das Stadttheater zu Magdeburg der Militärboykott verhängt worden ist. In Berlin, Frankfurt, Leipzig, Wiesbaden, Köln rc. ist das Stück ganz unbeanstandet geblieben. •* Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei auf das am Donnerstag stattfindende „Salome"* Gastspiel des „Salons für alle Kunst" hingewiesen, das in Dekorationen und Ausstattung etwas ganz Eigenartiges bietet. — Auf vielfaches Ersuchen, die interessante Aufführung von „Maria von Magdala" auch zu gewöhnlichen Preisen zugänglich zu machen, hat sich die Direktion entschlossen, Heyse's Werk am Freitag als 7. Freitags-Abonnenrents- vorslellung nochmals in Szene gehen zu lassen. Die Aufführung geht in genau derselben Ausstattung wie bei der Premiöre vor sich. — Militärkonzerte. Manschreibtuns: Der Philo- fophenwald mit der Leib'schen Wirtschaft ist stets ein gern besuchter Platz, das bewies wieder das von unserer Regi- mcnlsnlusik am vergangenen Sonntag veranstaltete Konzert. Trotz ungünstiger Witterung war der große Saal fast überfüllt. Die Kapelle ließ ihre munteren Weisen erklingen und Musikdirektor Krauße spendete reiche Zugaben dem dankbaren Publikum. — Für nächsten Sonntag den 6. Dezember soll nun ein zweites Militärlonzert folgen und zwar zwei Teile Streichmusik und ein Teil Militärmusik, zu welchen unter anderen berühmte alte Armee-Märsche mit von Musikdirektor Krauße eigens dazu komponierten Fanfaren für Heroldtrompeten zur Aufführung gegangen werden. *♦ Konzerte der Kapelle des 13. Husaren- regiments aus Mainz finden nm nächsten Sonntag, und abends, im Neuen Sa al bau statt. Die Kapelle Hal, nach Dlättermetdungen zu urteilen, diesen Sommer u. a. in Norderney mit großem Erfolge konzertiert. Der DirU gent, Stabstvompeter Otto Heinrich soll auch ein vortrefflicher Pisronbläser sein. — „Dreizehn Monate auf der Zugspitze." Seit Beginn des Jahres 1900 wird des deutschen Reiches höchster Gipfel, die Zugspitze, noch um ein geringes überragt von einem wuchtigen Turmbau, und im Ium desselben Jahres eröffnete dann die kgl. bayerische meteorologische Zentralstation ihr reich ausgestattetes Observatorium. Hier, 2965 Meter hoch, ist seitdem ständig ein Assistent dieser Anstalt als I Schwägerin je einen Nevolderschuß abgeseuert hatte, vhne diese aber getroffen zu haben. ~ vermischtes. * Berlin, 2. Dez. Dem ,Fotolanz." zufolge har auf den Militär schießständ en in der Jungs emheide nach Beendigung der Schießübungen der L Komp, des 5. Garde- reginrents ein Rekrut, ein gebürtiger Westfale, welchem der Unteroffizier einstweilen das Gewehr übergeben hatte, durch Versehen einen Kameraden erschossen. Die Untersuchung zur Aufklärung der Schuldfrage ist eingeleitet. * Plauen i. Vgt., 1. Dez. Gestern abend wurde die Rentiere Dannenberg von ihrer abends heim- kehrenden Tochter mit zerschmettertem Schädel in ihrer Wohnung t o t aufgefunden. Ein Einbrecher, welcher anscheinend überrascht wurde, hatte die alte Frau mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen, dann die Wohnung durchsucht und teilweise ausgeplündert. Der Täter i|t unbekannt. * Paris, 1. Dez. Dem aus dem Hnmbertprozeß bekannten Romain Daurignae wurde in der Gefängniszelle eine Zündholzschachtel mit Doppelboden abge- nornmen, die Edel st ei ne von großem Werte enthielt. * B i l s e. Der im Forbacher Prozeß zu 6 Monaten Gefängnis verurteilte Leutnant Bilse ist nicht beurlaubt, sondern wieder in das Militärgesangnis zurückgeführt worden, wo er noch vollständig als Offizier behandelt wird. Die Entscheidung des Kaisers über das Gnadengesuch ist noch nicht ergangen. Kunst und Missrnschusl. Stock Holm, 2. Dez. Em Gericht, das in literarischen Kreisen immer mehr Glauben findet, besagt, daß der literarische Nobelpreis zwischen Hendrik, Ibsen und B y o e r n s o n gekeilt werde. Dies soll Grund dafür sein, daß Byoernson sächsle Woche in Stockholm als Gast seines Schwiegersohnes, des Staats' mmisters Sigurd Ibsen, zubringen wird. Byoernson wird am 10. Dez. persönlich den Nobelpreis entgegennehrnen, während Sigurd Jbjen denselben mit seinem Vater in Empfang nehnien wird. Paris, 1. Dez. In der medizinischen Akademie berichteten mehrere Aerzte über ihre praktischen Erfahrungen mit dem Tuberkulose-Serum Tr. Marinorek s. Professor Tieulasoy, der sieben Fällen oon Lungen- und Kehlkopi-Tuperkutose behandelte, spricht dem neuen Serum jede günstige Wirkung ab, dagegen beobachtete der Chirurg Monod bet allen damit behandelten Kranken eine Besserung. Es handelte sich dabei ausschließlich um lokale Tuberkulose, unb Monod hält sich berechtigt, seine Versuche fortzusetzen. Tr. Eornil befragt Dieu- lafoy, ob er im Auswurf der Behandelten eine Abnahme der Bazillen beobachtet habe und ob er von weiteren Versuchen abrate. Dieulaioy antwortet, er habe nur feine klinischen Beobachtungen mitgeteilt, es komme ihm jedoch nicht zu, em abschließendes Urteil zu fällen. Die Doktoren Ledentu und Hallopeau berichten noch aber mehrere von ihnen ohne besonderes Reiullat bebanbelte Falle. wissenschaftlicher Beobachter tätig, der also nicht blos im Sommer, wo Tausende von Touristen den Blick von dieser Hochwarte genießen, sondern auch im Winter, wenn die blitzende Schnee- und Eisdecke Bergspitzen und Täler überzieht und jedes Leben rings erstarrt ist, von aller Welt abgeschnitten, seines Amtes waltet. Erster Leiter des Observatoriums war der in Alpenvereinskreifen bereits vorher wohl bekannte Joseph Enzensp erger, der dann später dem eben heimgekehrten deutschen Südpolarunternehmen sich anschloß und auf den Kerguelen im vorigen Jahre von der tückischen Krankheit der Wissenschaft und seinen Freunden zu früh ent- riffen wurde. Sein Nachfolger auf der Zugspitze wurde unset junger oberhcsstscher Landsmann, Albert Peppler, der von August 1901 bis September 1902 diese „hohe" Stelle inne hatte. Ueber die Tätigkeit und Erlebnisse während dieser 13 Monate wird Peppler, der gegenwärtig an unserer Universitär seine Studien vollendet, morgen, Donnerstag, in der Alpenvereinssektion Gießen einen Vortrag halten, zu dem auch Gästen der Zutritt gestattet ist. Hungen, 1. Dez. In einer Versammlung von Ver ckehrs-Jnterejsenten sprach dieser Xag-e Rechtsanwalt Sand- ftnann. Eine Verbesserung der Verkehrsverhält- 'riisse der Linie Hungen-Friedberg ließe sich er- fterchen durch Einlegung eines Zuges, der etwa um 1/2 1l Uhr vormittags in Hungen in genannter Richtung abginge, 4)ielleicht tönne man den gegenwärtig etwas früher ab gehenden Güterzug später legen und diesem einige Per fvnenwagen an hängen; dadurch hätte man dann auch An schluß nach Frankfurt und Ncmhetm. Diejenigen B-wohnei der Wetterau, welche in Hungen Geschäfte zu erledigen hätten, könnten sich somit von 8.55 vorm. bis 111/2 Uhr hier aushalten, ohne wie seither 6 Stunden hier bleiben zu müssen. Ferner wäre außer dem um 2.50 nachm. ab gehenden Zug ein solcher wünschenswert, der etwa 5.20 ab ginge und in Friedberg ebenfalls Anschluß nach Frank- ’furt und Nauheim hätte. Endckch könnte man den morgens .6.03 Uhr von Berstadt nach Friedberg abgehenden Zug auch von Hungen ab laufen la Jen. Um für den einen meljr eingelegten Zug einen Gegenzug zu erhalten, könnu etwa ein solcher um 11 % Uhr in Friedberg abgehen, um 'etwa um 12y2 Uhr in Hungen einzutreffen. Ter abendliche .Arbeiterzug Friedberg-Bcrfiadt könnte bann etwa 7% Uhr 'abends in Friedberg abgehen und hätte hier Anschluß -nach Gießen, Nidda und Nl.ua e. Jetzt, wo der Hungener ^Bahnhosumbau vor der Tür steht, wären diese Wunsche Wohl am besten zu berücksichtigen und eine derartige Ver- kehrsverbesferung am leichtesten durchzusühren. — Im Anschluß hieran wurde ein Gemeinnütziger Verein zur Förderung der Interessen von Hungen gegründet. (Nach der H. Landpost.) h. Mainz, 2. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Heute mittag ist bei der Er, ai) wähl zum Landtage für den verstorbenen Abg. Philipp Haas der Redakteur an der „Mainzer Votksztg." Adelung gewählt worden A. hat bekanntlich erst vor einigen Tagen das Gefängnts verlassen, in dem er drei Monate wegen Majestäts -- bete i b i g u n g zugebracht hat. — Heute vormittag etwa um 11 Uhr trug sich eine heftige Benzinexplosivm in der M 0 h r e n ap 0 th e ke zu. EinPrvvis 0 r wurde aus die Straße geschleudert. Beherzte Arbeiter laschten das Feuer fajnell durch Ueberwcrfen von Decken Ter Verletzte wurde nach dem Nochushospital gebracht. Man hegt ernste Besorgnisie für fein Leben. Der Luftdruck war so stark, daß zahlreiche Fengerscheiben benachbarter Häuser zerbrachen. Kleine ■Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt hat sich der Milchhändler Sch. in einer Hof racke in der Roßdörser'straße durch einen Revolver,chuß in die rechte Schlafe seicht entleibt, nachdem er vorher daselbst auf seine Frau und feine Cbrrutilslnau Gießen, 2. Dez. Gestern verurteilte die hiesige Straf- fommer den stud. med. vet. E. N. von Merzenich wegen Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug zu 2 Monaten Gefängnis, der rnedrigslen zulässigen Gefängnis,träte, wobei 4 Wochen Untersuchungshaft in Alirechiiung gebracht wurden. Der Haftbefehl wird aufgehoben. Ter Verurteilte hat in der Nacht vom 2. auf den 3. November nachts 2 Uhr an der Ecke der Bahnhofstraße und Neustadt auf den Kellner Lehnnurid zivei Schüsse abgegeben, wovon der eine den L. im Rücken verletzte. R. wilt in Vlohucbr gehandelt haben, weil ein Kollege des L. einen Kommilitonen von ihm niedergeschlagen hat, wozu zu befürchten war, daß L. ebenfalls tätlich werden würde. Ter Verhandlung lvohnte eine große Zahl von Studeiilen bei. Kassel, 2. Dez. Ter F ö r st e r Johann Heinrich Fischer- Friedewald, der am J5. Juni bei einem Retlkontre aus der Larid- iiraße den mit ihm veriemdelen Kaufmann Rudolf Peter erschoß, >vurd e vom Schwurgericht f r e i g e s p r 0 ch e n. Berlin, 1. Tez. Vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stand heute der s 0 z. - d e m. Reichstagsabgeordnete D r. H e r z f e l d wegen Verstoßes gegen § 1U8 des Strafgesetzbuches, weil er im Ium bei der Reichslags-Hauplwcchl in Rostock und bei der Stichwahl im ersten Berliner Wahlkreis nochmals wählte. Ter Angeklagte führt aus, er hätte einen doppelten Wohnsitz in Rostock und in Berlin. Er war in beiden Orten in b i e Wählerlisten eingetragen und überzeugt, daß es sich bei der Haupt- und Stichwahl um zivei selbständige Rechtsgcschchte hanole. Ter Staatsanwalt führte ans, nach § 7 des Reichstm.swahigesctzes könne man nur an einem Orte wählen. Tuich die einmalige Ausübung werde aas Wahlrecht erschöpft, daher sei die Stiafbarteit des Aiigeklagten zii bejahen. Dieser setzte sich über die Schranlen des Gesetzes hinweg, um seiner Partei zu dienen. Dies fei em unehrenhaftes Verfahren, weshalb er 4 Monate Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust beantrage. Tr. Herzfetd wurde zu 14 Tagen Gefäng - 111 § verurteilt. Handel und Heilirhr. Volliüivnlschast. Berliner Börse vom 1. Dezember 1903. (Mtgeteilt von der Bank für Handel uiü) Industrie, Gießen.) Ter feste Schluß der gestrigen Börje gab der Provinz Anlaß, .Realisierungen vorziiiiehmen, wodiirch die Kurie im allgemeinen nicht das Lilveau der gestrigen Llachbörse halieii konnten. Von Baiikaktlen erfuhren Temsche bei lebhaftem Verkehr eine wesentliche Steigerung, wozu die Tlvideiideiischätzung von 12 pEt. die Anregung gab. Von sonstigen Werten sind Schifsahrlsaktien, Lübecker und vor allem Dynamits Trust Shares als sehr fest zu erivähnen. Die gute Stimmung für amerikanische Werte hielt auch oeute an und entwickelte sich später iioch weiter, als auch London yohe Kurse melöete. Ter Kafja-Jndustriemarkl zeigte ziemlich unveränderte Tendenz. Prioal-Diskont 38/8 Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... 216.60 216.25 Deutsche Bank . . . 221.90 223.10 Darmstädter Bank . . 147.75 147.87 Bochumer Guß . . . 188.60 188.40 Harpener Bergbau . . 206.80 206.37 Tendenz: Fest. — Eleitrizitäts-Jndustrie. Wenn nun auch die neueste Fusion in der deulich WIM Kicheii. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnls gebracht, Laß unsere Kasse vom 3. bis einschließlich 8. Dezember l. Fs. geschlossen ist. Im übrigen werden im Lause des Monats Dezenlber jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Samstag von vormittags 8 bis 12 und von nachmittags 2 bis 4 Uhr Geschäftstage abgehalten. Gießen, am 21. November 1903. Der Direktor der Spar- und Leihkasse Gießen. Wiener. 8721 VetanntmachMg Taglähner Wilhelm Stein tn Gießen, 58 Jahre alt, evangelisch, verheiratet, wohn- I Versteigerung. Donnerstag den 3. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, sollen dahier Marktplatz 20 L Haus- und Küchengeräte aller haft zu Gießen (Wetzstein- straße 43) ist durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts oom 10. Oktober 1903 wegen Trunksucht entmündigt worden. Gießen, den 1. Dez. 1903. Großh. Amtsgericht. [8958 Vergebung von Kauarbciten und Keserungen. Montag den 7. L M., nachmittags 2 Uhr, sollen in dem Gememdehause zu Rödgen nachstehende Arbeiten und Lieferungen öffentlich in den Akkord gegeben werden: veranschlagt zu Mk. Lrdarbeiten 105,00 Lhaujsierarbeiten 210,00 Maurerarbeiten 78,38 Eisen- und Rohren- lieferung 123,00 Krundbausteinlieferung 360,00 Oecksteinelieferung 200,00 Kieslieferung 80,00 Steinsetzen rc. 33,00 Gießen, den 2. Dez. 1903. Senßfelder, 8969 Kreisstraßenmeister. Verdingung. Dist Lieferung von 104 m Aummischläuchen soll Mittwoch d. 9. Dez. d. I., 1 vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. Beschreibung und Bedingangen liegen während der Dienslstunden aus unserem Amtszimmer zur Einsicht offen. 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